05.01.2010, 14:05 | tags: Schauspiel , Schauspiel/Musiktheater , Pressestimmen 220
Helmut Rohm, Zerbster Volksstimme, 05.01.2010
Der junge Dessauer David Ortmann hat mit „Kaspar Häuser Meer“ seine erste Regiearbeit am Anhaltischen Theater mit Erfolg vorgelegt
Schultheater, Elternneugier und auch mancher Zufall
„Kaspar Häuser Meer“ ist seine erste eigene Regiearbeit. Seit dieser Spielzeit ist der junge Dessauer David Ortmann als Regieassistent mit Regieverpflichtung am Anhaltischen Theater Dessau tätig.
„Der sehr lange Applaus war eine wirklich echte Überraschung. Da fällt schon viel von einem ab“, freut sich David Ortmann immer noch. Er hat sein „richtiges großes Regiedebüt“ am 11. Dezember (Volksstimme berichtete) im Studio des Anhaltischen Theaters Dessau mit Bravour absolviert. Dabei ist „Kaspar Häuser Meer“ von Felicia Zeller eine schwierige und anspruchsvolle Inszenierungsaufgabe.
„Sieben Wochen hatte ich Zeit, mich mit dem Stück, den Schauspielerinnen, der Bühne völlig eigenverantwortlich zu beschäftigen“, erzählt der junge Regisseur. Davor war er bei mehreren Stücken als Regieassistent tätig, unter anderem bei Armin Petras in dessen Dessauer Inszenierung „Abschlussfeier“.
In der Funktion Regieassistent mit Regieverpflichtung ist der aus Dessau stammende David Ortmann (23) seit Beginn der laufenden Spielzeit am Anhaltischen Theater in festem Engagement. Die Dessauer Theaterbesucher werden beim Namen stutzen. Ortmann, da war doch was? Und sie haben recht. Er ist der Sohn des am Anhaltischen Theater langjährig tätigen Schauspielerehepaares Christel Ortmann und Hans-Jürgen Müller-Hohensee. Ein elterlicher Protegé ist er aber dennoch nicht. „Sie begegnen meinen Vorhaben mit gespannter Neugier“, formuliert er fast philosophisch. Ist sich wohl aber sicher, dass beide, wie die anderen Mitwirkenden bei seiner jüngsten Arbeit, hinter ihm stehen.
Auch wenn es möglicherweise „zukunftssicherere Tätigkeiten“ gibt. Sein Entwicklungsweg hätte solche wohl auch durchaus angeboten. Den Beruf Übersetzer hätte sich der sprachtalentierte David Ortmann als Alternative zum Beispiel auch vorstellen können.
Bis zur achten Klasse ging er auf das Dessauer Liborius-Gymnasium und konnte dann aufgrund sehr guter Leistungen das traditionsreiche Internatsgymnasium Landesschule Pforta besuchen. Und wie es der Zufall wollte, gab es neben dem anspruchsvollen Unterricht die Möglichkeit, in der dortigen Theatergruppe mitzumachen. Erst zu schauspielern, dann auch gemeinsam mit anderen kleinere Stücke zu inszenieren.
Künstlerisches Aufsehen erregte die Theatergruppe mit der Aufführung des Stückes „Und tot bist du“. Dieses Schauspiel zum Thema Amoklauf an Schulen schrieb 1999 der amerikanische Autor William Mastrosimone (geb. 1947). David Ortmann hat das Stück gemeinsam mit Schulfreund Franz Werfel übersetzt. In der Regie von David Ortmann hat „Und tot bist du“ auch außerhalb von Schulpforta insgesamt fast unglaubliche 20 Aufführungen erlebt.
Dann wieder Zufälle, die den jungen Ortmann in die Regierichtung gehen lassen. „Richtig reingerutscht“ nennt er das selbst. André Bücker, sein jetziger Dessauer Generalintendant, inszenierte in Sangerhausen den „Schleef Block 1“ und brauchte einen Assistenten. Davon erfuhr David Ortmann, sprach vor und wurde genommen: „Zum ersten Mal richtiger Regieassistent in meinem Leben“, so seine bleibende Erinnerung an 2006.
Neben dem Abi-Abschluss im Blick, hat er auch André Bückers Weg verfolgt. Und als dieser Intendant am Nordharzer Städtebundtheater wurde, hat er sich für ein Regieassistentenpraktikum beworben. Und dann gleich bei „Faust I“ mitgewirkt. Aus dem Praktikantenjob, so David Ortmann, sind dann zweieinhalb Jahre geworden. Eines davon als „freiwilliges soziales Jahr“. 2007/2008 bekam er dort eine „reguläre“ Assistentenstelle. Und nach der Berufung André Bückers ans Anhaltische Theater erfuhr David Ortmann Silvester 2008, dass er mit nach Dessau kommen kann. Wieder zu Hause. Zunächst sicher. Mehr wohl eine Zwischenstation auf dem künstlerischen Weg der Bühnen-Eroberung!?
Ob er „große Ziele“ habe betreffs Stücken oder berühmter Regisseure? Eigentlich nicht. Die Arbeit mit den Menschen an sich sehe er im Vordergrund. Die Konzeptionsideen der Regisseure engagiert umsetzen, eigene Ideen einbringen. Regieassistententätigkeit ist wohl doch ein bisschen mehr als, wie oft vereinfacht formuliert, „alles das machen, was der Regisseur nicht machen will“. Ja – und natürlich eigene Inszenierungen möchte David Ortmann weiter auf die Bühnen bringen, Geschichten erzählen.
Erfahrungen, schöpferische Arbeit und wohl auch Talent bilden die Basis für die derzeitige Tätigkeit des Jungregisseurs David Ortmann. Ein Studium? Ad hoc nicht. Nach 2010/2011: „Mal sehen“. Er könnte sich aber schon vorstellen, an der Berliner Hochschule „Ernst Busch“ ein Studium zu absolvieren.
Zunächst gilt es, in Dessau weitere Erfahrungen zu sammeln. Auch in Halle, wo David Ortmann gegenwärtig die „Familienkonzerte“ mit „Regieminiatüren“ inszeniert.
„Kaspar Häuser Meer“ ist am 14. Januar um 19.30 Uhr wieder im Studio im Kulturzentrum Altes Theater zu sehen
