14.02.2010, 23:02 | tags: Spielzeit , Diverses 273
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 15.02.2010
Mit Wagners Ring ein Zeichen setzen
Freundeskreis Anhaltisches Theater schaut auf 2009 und auf drohende Sparmaßnahmen
"Eine Stadt macht sich nicht nur an ihrer Verwaltung fest, sondern auch an ihren kulturellen Einrichtungen. Die vorgestellte Prüfliste aber würde das Ende der Stadt Dessau-Roßlau bedeuten." Nachdenklich stimmende Worte fand Oliver Thust am Samstagnachmittag, als er im Anhaltischen Theater die Mitgliederversammlung des Freundeskreises des Dessauer Theaters eröffnete. Gut 50 Mitglieder des Vereins waren dorthin gekommen, mehr als sonst, was wohl auch der aktuellen Situation geschuldet war, denn die Prüfliste der Verwaltung zu möglichen Einsparungen (die MZ berichtete) bewegt auch die Theaterfreunde.
Vorschnelle Aktionen wollte Thust, der Vorsitzende des Freundeskreises, in dieser Versammlung jedoch nicht präsentieren. "Ich rufe den Freundeskreis und das Publikum auf, in einer breiten öffentlichen Debatte gegen die Sparmaßnahmen anzutreten", sagte er. Der Vorstand werde in den kommenden Wochen über das weitere Vorgehen beraten.
Die folgende Stunde im Theaterrangfoyer gehörte den Rechenschafts- und Kassenberichten des Vereins mit 287 Mitgliedern. Thust berichtete den Zuhörern von den Veranstaltungen des vergangenen Jahres, zu denen traditionell die Luisium-Konzerte gehörten. Man habe zudem mit einer Broschüre und einer Ausstellung das Wirken Johannes Felsensteins gewürdigt, ein Improvisationsprojekt für Kinder der evangelischen Grundschule unterstützt und die Werbemaßnahmen zum Eröffnungswochenende der neuen Spielzeit bezuschusst. Theaterstammtische und Kornhausdialoge hat der Freundeskreis ausgerichtet und in fünf Theaterbriefen über die Vereinsaktivitäten informiert.
Schatzmeisterin Ingeborg Arnold berichtete von der finanziellen Situation des Vereins und von einzelnen Ausgabe- und Einnahmeposten, zu denen auch Spenden über mehr als 1 000 Euro gehören. Im laufenden Jahr wird der Freundeskreis mit 500 Euro einen Kompositionsauftrag unterstützen und damit beginnen, für ein großes Vorhaben des Dessauer Theaters Rücklagen zu bilden. Dafür geworben hatte Generalintendant André Bücker.
Bücker, selbst Freundeskreis-Mitglied, berichtete davon, dass die Bühne in den Spielzeiten 2011 / 12 und 2012 / 13 plant, Richard Wagners "Ring des Nibelungen" mit den Opern "Das Rheingold", "Die Walküre", "Siegfried" und "Götterdämmerung" aufzuführen. "Kein anderes Theater in Mitteldeutschland ist dafür so prädestiniert, wie das Dessauer Haus. Unser Ring soll gerade in diesen finanziell schwierigen Zeiten ein Zeichen setzen", sagte er. "In Dessau muss es ein Wiedersehen mit dem Ring geben", so Bücker, der den Zyklus ein Projekt nennt, das "die Bürger der Stadt um ihr Theater scharen kann". Die Vereinsmitglieder entschieden sich mehrheitlich dafür, jährlich 1 700 Euro an Rücklagen zu bilden, um dieses große Vorhaben umzusetzen.
Vielen Theaterfreunden zu kurz geriet der sich anschließende Tagesordnungspunkt, der Diskussionsmöglichkeiten anbot. Nicht zufrieden mit dem Spielplan zeigte sich da beispielsweise Karl-Heinz Koppitz. "Die Mischung ist mir zu einseitig, es fehlen Spieloper und Musical", bemerkte er. Der Generalintendant hielt dem entgegen, dass er sich gemeinsam mit der neuen Leitung um einen ausgewogenen Spielplan bemüht habe. Allein zwei Musical-Produktionen gäbe es in dieser Spielzeit. Zwar fehle tatsächlich die Position einer Spieloper, aber mit dem "Maskenball" und großer französischer Oper stünden Premieren bevor, die der Bedeutung des Theaters als große Musiktheaterbühne gerecht würden. "Uns ist es niemals darum gegangen, das Dessauer Publikum auszutauschen. Wir haben versucht, einen Spielplan zu entwerfen, der eine Logik - auch aus den Traditionslinien des Hauses heraus - enthält", sagte Bücker.
Ein leidenschaftliches Plädoyer für das Theater schloss sich von dessen Verwaltungsdirektor Joachim Landgraf an. "Wir müssen alle zu unserem Theater stehen", mahnte er die Theaterfreunde, die ihren Verein schließlich mit eben diesem Ziel 1994 gründeten. Landgraf machte noch einmal deutlich, dass der neue Intendant Generalmusikdirektor Antony Hermus ebenso in die Stadt holte wie neue Sänger und Darsteller oder auch den Ballettchef. Bücker habe die Gastspielorte Schweinfurt und Winterthur besucht, sein Vorgänger habe dies nie getan. Wenn in wenigen Wochen Opernstar Leo Nucci in Dessau auftrete, dann sei dies auch der jetzigen Intendanz zu danken. Mit Auslastungszahlen der vier Lohengrin-Aufführungen von 728 Besuchern im Durchschnitt belegte Landgraf zudem die hohe Akzeptanz durch das Publikum. "In meiner Amtszeit wurde das nur durch die Zauberflöte übertroffen."
Die Runde war sich einig, in einem nächsten Kornhausdialog André Bücker einzuladen. Der sicherte dem Freundeskreises zu, gemeinsam zu überlegen, mit welchen Aktionen man die Dessauer Bühne unterstützen kann, um die drohenden Finanzkürzungen abzuwenden. "Es geht dabei jedoch nicht nur um das Theater, sondern auch um die Lebensqualität in dieser Stadt. Ich würde mir einen Schulterschluss zwischen allen kulturellen Einrichtungen und deren Freundeskreisen wünschen", sagte Bücker.
