15.02.2010, 17:41 | tags: Kurt-Weill-Fest 276
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 11.02.2010
Ein Podium für die Verwandlungen
Weill-Gesellschaft stellt das Fest-Programm in der Landesvertretung in Berlin vor
Das Kurt-Weill-Fest rührt die Werbetrommel in Berlin. Wenige Tage bevor das 18. Musikfest, das den Dessauer Komponisten in seiner Geburtsstadt ehrt, am 26. Februar eröffnet wird, luden die Veranstalter in dieser Woche traditionell in die sachsen-anhaltische Landesvertretung in der Hauptstadt ein, um dort das Programm vorzustellen. Mit Festintendant Michael Kaufmann, Theaterintendant André Bücker und Philipp Oswalt, dem Direktor der Stiftung Bauhaus Dessau, lernten die zahlreichen Besucher im Dessau-Saal gleich drei neue Akteure der Stadt kennen, die die Geschicke der drei großen Kultur-Leuchttürme leiten. Man sei freilich "weit davon entfernt, nur ein Podiumtrio zu sein", formulierte es André Bücker. Das gemeinsame Arbeiten an Programmen und Aktionen habe sich von den Köpfen der Institutionen längst bis in die Arbeitsebenen verfestigt.
Deutlich macht sich dies auch im Programm des Weill-Festes, das dessen Intendant Michael Kaufmann angesichts der Fülle von über 40 Veranstaltungen an zehn Tagen vom 26. Februar bis zum 7. März nur in Ausschnitten näher vorstellen konnte. "Mein Vorgänger Clemens Birnbaum hat dieses Fest erfunden und geplant. An mir ist es, alle Kraft darin zu setzen, es zu einem Erfolg werden zu lassen und die Weichen für die Zukunft zu stellen", sagte Kaufmann. "New Art is True Art", der Titel der 18. Fest-Auflage, inkludiert gleich zwei Uraufführungen. "Zwei Kompositionsaufträge zu vergeben, ist für ein so kleines Festival wie das unsrige sehr bedeutend und zeugt von Mut zum Risiko", so Kaufmann.
Die bereits ausverkaufte Uraufführung von Moritz Eggerts "Bordellballade. Ein Dreigroscherlnstück" im Bauhaus und die gut gebuchte Fest-Eröffnung mit Helmut Oehrings "Die WUNDE Heine" gespielt vom Ensemble Modern seien indes Beweis, dafür, dass die "fantastische Entscheidung bei der Programmplanung richtig getroffen wurde". Da sich beide Komponisten auf Weills "Mahagony Songspiel" beziehen, würden sich spannenden Lesarten ergeben. Den szenischen Höhepunkt des Weill-Festes verortete Michael Kaufmann im zweiten Fest-Wochenende mit der Premiere von "One Touch of Venus" am Anhaltischen Theater.
Das Konzert des MDR-Sinfonieorchesters sei zudem von Clemens Birnbaum als inoffizielle Ouvertüre zur Internationalen Bauausstellung 2010 gedacht, die ab April in Dessau beginnt. Damit kamen auch die Kooperationspartner des Festes ins Boot, die zur Podiumsrunde gehörten. "Diese Zusammenarbeit ist für uns schiere Notwendigkeit", erklärte Michael Kaufmann. Kooperation hätte das Fest gewissermaßen im Geburtsgen verankert. Die Aktion "Jetzt wird gedessauert!" kam zur Sprache und der langwierige Prozess, auch die Bevölkerung vom Sinn derartiger Zusammenschlüsse zu überzeugen. Außerhalb Dessaus wird auf solche Initiativen freilich mit großem Wohlwollen geblickt. "Was hier passiert, war lange überfällig", sagte in Berlin Patricia Werner, die als stellvertretende Geschäftsführerin der Ostdeutschen Sparkassenstiftung die weibliche Seite und gleichermaßen die der Förderer vertrat. "Verwandlungen sind ein Thema, das uns interessiert, und genau dies passiert gerade in Dessau. Unser Geld kann für sich nichts bewirken, erst wenn es auf Partner trifft, die es verwandeln, passiert etwas", so Werner. Sie ließ - ohne konkret zu werden - verlauten, dass bereits Gespräche über künftige Projekte laufen, die die Sparkassenstiftung unterstützen will.
