28.02.2010, 16:06 | tags: Finanzen 299
Carla Hanus, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 26.02.2010
Protest gegen Kahlschlag bei Kultur und Sport
Aktion vor dem Anhaltischen Theater - Initiative Land braucht, Stadt fordert Dialog
Lieder von Kurt Weill werden am Freitag schon vor der offiziellen Eröffnung des 18. internationalen Musikfestes, das an den in Dessau am 2. März 1900 geborenen Kurt Weill erinnert, vor dem Anhaltischen Theater erklingen. Lieder von Weill, Georg Kreisler und Hanns Eisler sind angekündigt, wenn es auf dem Friedensplatz von 16 bis 17 Uhr heißt "Protestakt vorm Festakt".
Dessauer Vereine, Institutionen und Einrichtungen sind aufgefordert, am Freitag vor dem Theater darauf aufmerksam zu machen, welche verheerenden Folgen drastische Kürzungen der so genannten freiwilligen Leistungen in der Stadt haben können. "Was wäre Desau-Roßlau ohne Bauhaus und Theater? Was wäre Dessau-Roßlau, wenn Sportvereine aufgeben müssten und Jugendeinrichtungen schlössen, Bibliotheken noch weniger Bücher kaufen könnten? Wenn innerhalb weniger Jahre die Kultur- und Freizeitlandschaft ausgelichtet würde?", fragt deshalb eine Initiative "Land braucht Stadt", die sich am Freitag vorstellen wird. In ihr haben sich bisher Vertreter aus verschiedenen Vereinen, aus der Wirtschaft, der Kultur und der Kirche sowie der Bildung zusammengefunden, die einen Dialog fordern zur Perspektive der Stadt. Denn ihre Antwort auf die Fragen lautet angesichts der in Auftrag gegebenen Prüfungen zu Streichungen: "Dessau-Roßlau wäre eine Stadt, die kaum mehr eine Chance hätte, Menschen zu binden, Menschen, die sie ebenso braucht wie das Land."
Die Initiative fordert deshalb, die aktuelle Haushaltssituation dafür zu nutzen, "kreative Lösungen zu suchen statt mit einem Kahlschlag wüstes, unfruchtbares Land zu hinterlassen, dass Kommunen, Land und Bund sich darüber verständigen, nicht nur Banken als systemrelevant anzusehen". Die Erstunterzeichner wollen, "dass die Politik einen Dialog mit den Bürgern führt. Und wir erwarten, dass Sachsen-Anhalt sich auch künftig zu Dessau-Roßlau bekennt - und dies nicht allein mit Worten. Dann sind wir als Bürger bereit, mitzutun, statt nur zu kritisieren". Entsprechend werden ab Freitag Unterschriften gesammelt, die diese Aussagen bekräftigen, und soll auch der Protest laut werden.
Ihre Teilnahme am Protestakt haben indessen die Anhaltische Landesbücherei, der Freundeskreis des Anhaltischen Theaters Dessau, die Evangelische Landeskirche, das Naturkundemuseum, das Leo-Stadtmagazin, der Behindertenverband, der Polizeisportverein, das Jugend-, Kultur- und Seniorenzentrum "Krötenhof", das Reisewerk, die Junkers Paddelgesellschaft und der Jugendclub des Anhaltischen Theaters zugesagt. Mitwirkende an der Veranstaltung, die von der Schauspielerin Silke Wallstein und vom Intendanten des Anhaltischen Theaters André Bücker moderiert wird, sind das Philharmonic Swing Quartett, zu dem Musiker der Anhaltischen Philharmonie gehören, der Chor des Anhaltischen Theaters, der Chor vom Krötenhof, Boris Malré als Alter Dessauer, Skater und Jonglierkünstler.
