11.03.2010, 22:26 | tags: Finanzen 340
Carla Hanus, mitteldeutsche Zeitung/ Dessu-Roßlau, 12.03.2010
Hauptausschuss
Streit um Prüf-Liste bringt keine Freigabe
Interfraktionelle Runde gerät in Kritik - Hans-Peter Dreibrodt sieht Stadtrat zu Unrecht beschimpft
Die Fraktionen sollten endlich die so genannte Blut- und Tränenliste bekommen. Das forderte Hans-Peter Dreibrodt (SPD) in der Sitzung des Haupt- und Personalausschusses von Oberbürgermeister Klemens Koschig. Die Stadträte würden von den Bürgern beschimpft werden, weil sie nichts zu den 83 Prüfpunkten im städtischen Haushalt sagen können, begründete er seine Forderung. "Wir können aber nichts für diese Situation", betonte der Meinsdorfer und ärgerte sich, dass Koschigs Geheimhaltung der Glaubwürdigkeit des Stadtrates schade.
Doch die heftigen Vorwürfe stimmten den Oberbürgermeister nicht um. Koschig verwies auf die interfraktionelle Runde, in der man sich einig gewesen sei, die Haushaltsdebatte in diesem Jahr anders als bisher anzugehen. Die "höchst dramatische Situation", 13,5 Millionen Euro im Jahr zusätzlich einsparen zu müssen, habe zu dieser Überlegung geführt. Demnach sollten die Fachämter die rechnerisch ermittelten Werte auf die Umsetzbarkeit prüfen. Die Prüf-Ergebnisse der Fachämter zur Konsolidierung wiederum sollten dann in den Entwurf des Konsolidierungskonzepts einfließen. Allerdings seien aus den Fachämtern sofort wieder Details in die Öffentlichkeit durchgesickert, so dass die Verfahrensweise in der Bürgerschaft für Unruhe sorge.
Gleichzeitig räumte Koschig ein, dass die Verwaltung, die bis Mitte des Monats die Prüfvorschläge hätte durcharbeiten sollen, "noch nicht weit gekommen ist in der Überprüfung". Es werde zudem neue Prüfaufträge geben müssen. Denn es gebe schon erste Aussagen, die von "undurchführbar" über "in diesen Größenordnungen nicht erreichbar" bis zu "kurz gesprungen" reichten.
Doch diese Ausführungen stellten Dreibrodt nicht zufrieden. Dass die Einsparungen erbracht werden müssten bei der Haushaltssituation, das sei das eine. Doch wenn erst einmal geprüft werden solle, dann könne er als Oberbürgermeister nicht gleichzeitig mit "Pauken und Trompeten" an die Öffentlichkeit gehen, warf er dem Oberbürgermeister eine völlig falsche Vorgehensweise vor.
Koschigs Argument, dass darüber in der interfraktionellen Runde Einigkeit geherrscht habe, regte wiederum Ralf Schönemann (Die Linke) zum Widerspruch an. Die Runde sei lediglich informiert worden, dass sich der Oberbürgermeister und die Beigeordneten auf diese Verfahrensweise in diesem Jahr verständigt hätten. Er sehe die interfraktionelle Runde aber in keiner Weise legitimiert, irgendwelche Zustimmungen zu geben, legte Schönemann den Standpunkt seiner Fraktion dar. Um dem Dilemma zu entgehen, dass "Dinge instrumentalisiert werden", wolle seine Fraktion nicht mehr an der interfraktionellen Runde teilnehmen, kündigte Schönemann an. - Was Dreibrodt auch seiner SPD-Fraktion vorschlagen wolle, wie er später feststellte.
Für ihn könne es nur einen Weg geben, "zumal nach der Indiskretion einiger Verwaltungsmitarbeiter", unterstrich Schönemann noch einmal: "Die Liste ist öffentlich zu machen."
Was Jens Kolze (CDU), der betonte, dass in der Stadt gespart werde, "wo wir können", was er zumindest für die Zeit ab 1999 bestätigen könne, wohl nicht ganz so sieht. "Wenn die Liste durch ist", schlug er vor, dann müsse man sich zusammensetzen und schauen, was getan werden kann, "auch wenn manches temporär wehtun sollte". Das sei zielführender. "Die Bürger sind da ziemlich nah bei uns." Und Matthias Bönecke (Pro Dessau-Roßlau) mahnte an, dass der Politik auch die von Koschig erwähnten Stellungnahmen der Fachämter vorgelegt werden sollten.
