12.03.2010, 14:36 | tags:
Finanzen
342
Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 12.03.2010
Citynetverband
Händler warnen vor Rasenmähermethode
Sterben der Kulturlandschaft habe auch für die Händler und Gastronomen verheerende Auswirkungen
Mit großer Sorge ist die prekäre Finanzsituation der Stadt und die damit verbundene "Blut- und Tränenliste" auch von den Mitgliedern des Citynetverbandes aufgenommen worden.
Ein Sterben der Kulturlandschaft habe auch für die Händler und Gastronomen und damit den Mittelstand der Stadt verheerende Auswirkungen, hob das Gremium in seiner Sitzung am Mittwoch hervor. "Ohne Theater, Museen, attraktive Sportstätten und -veranstaltungen verliert unsere Stadt an Anziehungskraft auch für auswärtige Besucher", sieht Oliver Dewess die Folgen. Um auch in Zukunft ein attraktiver Kultur-, Bildungs- und Einkaufsstandort in Mitteldeutschland zu bleiben, braucht es aber die entsprechenden Einrichtungen.
Die Streichung von Geldern müsse deshalb in besonderem Maße überlegt geschehen. Die bisher übliche Rasenmähermethode mache am Ende mehr kaputt. So die Diskussion der Händler, die deshalb eine öffentliche Diskussion der Blut- und Tränenliste fordern. "Die Stadt muss neue Wege gehen, neue Möglichkeiten der Finanzierung und Nutzung von Vorhandenem prüfen. Das aber funktioniert nur, wenn die Politik einen Gesamtüberblick hat", so Dewess. Die Händlervereinigung wird in einem Brief an den Oberbürgermeister und die Fraktionen des Stadtrates mit Nachdruck die Öffentlichmachung des Prozesses fordern. "Die Bürger müssen mitgenommen werden, sollen sie den Glauben an ihre Stadt nicht völlig verlieren."
Der Citynetverband gehörte zu den Erstunterzeichnern der Initiative "Land braucht Stadt" zur Rettung der Stadtkultur. Viele Mitglieder werden die Listen in den nächsten Tagen in ihren Geschäften und Restaurants auslegen . (syk)
12.03.2010, 06:25 | tags:
Finanzen
341
DDP, Mitteldeutsche Zeitung, 12.03.2010
Finanzen
Harte Einschnitte im Ruhrgebiet
Mitten im Kulturhauptstadt-Jahr sind Theater und Orchester von Kürzungen bedroht
Mitten im Kulturhauptstadtjahr sorgen sich die Bürger im Ruhrgebiet um ihre Theater und Opernhäuser. Hoch verschuldete Kommunen sehen sich gezwungen, ihre Kulturetats drastisch zu kürzen. Eintrittspreise werden erhöht, Programme ausgedünnt - und einzelnen Sparten, sogar kompletten Häusern droht das Aus. Die Krise trifft Adil Laraki gleich doppelt. Als Betriebsrat der Theater und Philharmonie GmbH (TUP) Essen ist er selbst betroffen. Als Landeschef der Genossenschaft Deutscher Bühnen weiß er, dass Essen kein Einzelfall ist.
Essens Stadtkämmerer Lars Martin Klieve (CDU) sagt: "Wir kommen um Einschnitte nicht herum." Die Zuschüsse für die TUP würden um acht Millionen Euro gekappt. Nach Rechnung des Betriebsrats hingegen bleiben künftig sogar 15 Millionen Euro weniger. "Eine Schließung des Aalto-Musiktheaters ist da unvermeidbar", befürchtet Laraki.
In Wuppertal ist man schon einen Schritt weiter. Sie wollen das Schauspielhaus bis 2013 schließen, wie Sprecherin Kathrin Petersen sagt. Schließlich bleibe ja noch das Opernhaus erhalten. Über das Aus entscheide im Mai das Parlament. In Bochum mussten die Baupläne für eine Symphonie gestoppt werden. Kulturamtsleiter Michael Townsend weist aber darauf hin, dass die Bürger bereits 12,3 Millionen Euro für den Bau gespendet haben. "Ein solches Bürgerengagement zurückzuweisen, wäre fatal für die Zukunft." Eine Schließung von Häusern drohe momentan aber nicht, sagt Townsend. Allerdings könnte es sein, dass die Finanzaufsicht noch mehr Einsparungen verlangt, bis zu 150 Millionen Euro statt der anvisierten 100 Millionen.
In Oberhausen bleibe die Schließung von Theatern im Stadtrat "ein Tabu", versichert Sprecher Rainer Suhr. Bereits 1993 habe man das Musiktheater dichtmachen müssen. Natürlich müsse der Kulturbereich einen Beitrag zur Sanierung der Stadtfinanzen leisten. Vorerst seien u. a. höhere Volkshochschulgebühren und Einschränkungen in der Stadtbibliothek geplant.
Ein Ausweg aus der Misere wäre nach Ansicht des Kulturrats NRW, Kultur als "verpflichtende Selbstverwaltungsaufgabe" der Kommunen einzustufen. Der für die Sparvorgaben mitverantwortliche Regierungspräsident Jürgen Büssow (SPD) wehrt sich gegen das Image vom Totengräber der Theater. Er wolle eine "kulturelle Grundversorgung" erhalten. Kooperationen wie in Mönchengladbach und Krefeld könnten helfen.