13.03.2010, 16:50 | tags:
Musiktheater
, Kurt-Weill-Fest
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Manuel Brug, Die Welt, 13.03.2010
Weill-Fest Dessau: Die Liebesgöttin im Vorgarten
Zunächst wurde sie von der Mary Martin, Larry Hagmans Mutter am Broadway geboren.Das war 1943.Im (schlechten) Hollywood-Film spielte sie Ava Gardner. Und nun ist die Titelfigur von Kurt Weills erfolgreichsten Musical "One Touch of Venus" anlässlich des dortigen Weill-Festivals im Anhaltischen Theater Dessau gelandet.
Zunächst wurde sie von der Mary Martin, Larry Hagmans Mutter am Broadway geboren. Das war 1943. Im (schlechten) Hollywood-Film spielte sie Ava Gardner. Und nun ist die Titelfigur von Kurt Weills erfolgreichsten Musical "One Touch of Venus" anlässlich des dortigen Weill-Festivals im Anhaltischen Theater Dessau gelandet. Etwas altmodisch aufgerüscht, aber das geht schon wieder als liebevolle Broadway-Nostalgie durch. Obwohl doch gleich zu Anfang die Parole ausgegeben wird: "New Art is True Art".
Das freilich sieht die mit Argusaugen über die Werktreue wachende Weill-Foundation natürlich anders. So hat man dieser immerhin eine flotte neue Übersetzung untergeschmuggelt, die berühmten, längst ein Repertoireeigenleben führenden Songs wie "Speak low" oder "Folish Heart" blieben sprachlich unangetastet. Regisseur Klaus Seiffert belässt die nette Geschichte vom Kunstsammler, dessen Venusstatue lebendig wird und sich musiktheaterüblich ausgerechnet in einen Figaro verliebt, im Zeitgeist ihres Geburtsjahrs. Da tuffen sich blonde Löckchen auf den Damenköpfen, wird klickerig gesteppt (Choreografie: Mario Mariano) und glitzert es immer wieder verschämt in sonst strengen Bauhaus-Ambiente der Drehbühne, wo Imme Kachel, Kunstsalon, Frisörstudio und Gefängnis rotieren lässt.
Die verliebte Venus (ein wenig gipsern: Ute Gfrerer) glaubt allen Ernstes, sie könnte sich als irdisches, wenn auch noch nicht desperates Housewife in einen US-Vorgarten verpflanzen lassen, und noch dazu mit einem hübsch armlosen, ihr endlich mal keinen heldenmäßigen Ärger machenden Coiffeur (den Angus Wood ebenfalls hübsch harmlos gibt). In einer von diversen großformatigen Balletteinlagen holen sie freilich die bocksbeinigen wie flügelhelmigen himmlischen Heerscharen heim auf den Olymp.
Am schwer gefährdeten Dessau Theater wird für Weill groß aufgefahren. Das Orchester unter James Holmes macht ordentlich Dampf, die knackigen Chargen wie Ulf Paulsens bilderverrückter Millionär, seine patente Sekretärin Ulrike Mayer und Rodneys kreischige Verlobte Kristina Baran legen sich kess ins Zeug. So verbreitet diese ansehnliche "Venus" mehr als nur einen Hauch Musical. Beim nächsten Weill-Fest soll es mit der "Der Protagonist" wieder klassenkämpferischer zugehen. Und dann ist der französische Exil-Kurt dran.
Termine: 13., 19. März, 8. April; Karten: (0340) 25 11 333
13.03.2010, 11:25 | tags:
Musiktheater
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Manuel Brug, Die Welt, 13.03.2010
Weill-Fest Dessau: Die Liebesgöttin im Vorgarten
Zunächst wurde sie von der Mary Martin, Larry Hagmans Mutter am Broadway geboren.Das war 1943.Im (schlechten) Hollywood-Film spielte sie Ava Gardner. Und nun ist die Titelfigur von Kurt Weills erfolgreichsten Musical "One Touch of Venus" anlässlich des dortigen Weill-Festivals im Anhaltischen Theater Dessau gelandet.
Zunächst wurde sie von der Mary Martin, Larry Hagmans Mutter am Broadway geboren. Das war 1943. Im (schlechten) Hollywood-Film spielte sie Ava Gardner. Und nun ist die Titelfigur von Kurt Weills erfolgreichsten Musical "One Touch of Venus" anlässlich des dortigen Weill-Festivals im Anhaltischen Theater Dessau gelandet. Etwas altmodisch aufgerüscht, aber das geht schon wieder als liebevolle Broadway-Nostalgie durch. Obwohl doch gleich zu Anfang die Parole ausgegeben wird: "New Art is True Art".
Das freilich sieht die mit Argusaugen über die Werktreue wachende Weill-Foundation natürlich anders. So hat man dieser immerhin eine flotte neue Übersetzung untergeschmuggelt, die berühmten, längst ein Repertoireeigenleben führenden Songs wie "Speak low" oder "Folish Heart" blieben sprachlich unangetastet. Regisseur Klaus Seiffert belässt die nette Geschichte vom Kunstsammler, dessen Venusstatue lebendig wird und sich musiktheaterüblich ausgerechnet in einen Figaro verliebt, im Zeitgeist ihres Geburtsjahrs. Da tuffen sich blonde Löckchen auf den Damenköpfen, wird klickerig gesteppt (Choreografie: Mario Mariano) und glitzert es immer wieder verschämt in sonst strengen Bauhaus-Ambiente der Drehbühne, wo Imme Kachel, Kunstsalon, Frisörstudio und Gefängnis rotieren lässt.
Die verliebte Venus (ein wenig gipsern: Ute Gfrerer) glaubt allen Ernstes, sie könnte sich als irdisches, wenn auch noch nicht desperates Housewife in einen US-Vorgarten verpflanzen lassen, und noch dazu mit einem hübsch armlosen, ihr endlich mal keinen heldenmäßigen Ärger machenden Coiffeur (den Angus Wood ebenfalls hübsch harmlos gibt). In einer von diversen großformatigen Balletteinlagen holen sie freilich die bocksbeinigen wie flügelhelmigen himmlischen Heerscharen heim auf den Olymp.
Am schwer gefährdeten Dessau Theater wird für Weill groß aufgefahren. Das Orchester unter James Holmes macht ordentlich Dampf, die knackigen Chargen wie Ulf Paulsens bilderverrückter Millionär, seine patente Sekretärin Ulrike Mayer und Rodneys kreischige Verlobte Kristina Baran legen sich kess ins Zeug. So verbreitet diese ansehnliche "Venus" mehr als nur einen Hauch Musical. Beim nächsten Weill-Fest soll es mit der "Der Protagonist" wieder klassenkämpferischer zugehen. Und dann ist der französische Exil-Kurt dran.