14.03.2010, 10:21 | tags: Finanzen 345
Frank Harnack, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 13.03.2010
Sportvereine wehren sich gegen Streichpläne der Stadt
Unmut über Umgang mit der Blut- und Tränenliste ist groß
Zu Scherzen war keiner der fünf Vereinsvorsitzenden / Präsidenten- oder Geschäftsführer aufgelegt, als sie am Freitag in den Räumlichkeiten des PSV 90 Dessau zum Gespräch baten. Die nach wie vor weitestgehend nebulöse "Blut- und Tränen-Liste" der Stadtverwaltung über mögliche Einsparmaßnahmen sorgt bei den Sportvereinen der Doppelstadt für "Alpträume", wie es Klaus Gerhart, der Geschäftsführer des PSV 90, deutlich machte.
Betroffene sind verunsichert
Mit dem gastgebenden PSV 90, Blau-Weiß Dessau, Germania Roßlau, dem LAC Dessau und dem SSV 04 Dessau hatten fünf Sportvereine am Freitagvormittag eine erste gemeinsame Gesprächsrunde ins Leben gerufen, in der sie deutlich machen wollten, welche dramatischen Auswirkungen die Streichpläne der Stadt auf den Sport haben könnten. Dass Dessau-Roßlau sparen muss, ist den Verantwortlichen klar. "Nur die Art und Weise, wie dabei mit uns umgegangen wird, ist erschütternd und stößt ab. Diese Einsparungen sollen und müssen mit Sachverstand erfolgen", unterstrich Gerhart. Genau diesen sprachen die Vereinsvertreter den Verfassern der "Blut- und Tränenliste" aber ab, angesichts der Überlegung, die Süd-Schwimmhalle zu schließen. Dies würde praktisch das Aus für den Schwimmverein 04 bedeuten, der gegenwärtig 126 Aktive hat - die sich drei Trainingszeiten teilen müssen - und der Spitzenstars wie Vize-Weltmeisterin Daniela Schreiber hervor gebracht hat. "Viele Eltern fragen bei uns nach, wie es denn weitergehen wird", verdeutlichte die SSV-Vorsitzende Heike Schröter, wie viel Staub die städtischen Pläne aufwirbeln. Das Problem dabei ist aber: Niemand weiß, wie diese "Blut- und Tränenliste" genau aussieht.
"Deshalb fordern wir vom Oberbürgermeister, diese Liste endlich zu veröffentlichen", sprach der LAC-Vorsitzende Horst Matzke klare Worte. Roland Jaesche (Blau-Weiß) und Frank Fritzsche (Germania Roßlau) führten unterdessen anhand von einfachen Zahlenbeispiele an, was Sportvereine zum einen selbst schon leisten und wie sehr die Zuschüsse in den vergangenen Jahren bereits zurückgegangen sind. "Im Jahr 2005 haben wir von der damaligen Stadt Roßlau 18 000 Euro Betriebskostenzuschuss bekommen. 2010 werden wir von der Stadt Dessau-Roßlau 3 250 Euro bekommen" , erläuterte Fritzsche, der sich zudem fragt, wann die "von Oberbürgermeister Koschig beim Neujahrsempfang in Aussicht gestellte Kommunikation denn nun beginnen wird". Jaesche wies darauf hin, dass Blau-Weiß Dessau als Pächter einer städtischen Sportanlage bereits 400 000 Euro in diese investiert hat. Trotzdem habe er "das Gefühl, dass der Sport für die Stadt nur ein Anhängsel ist, wo schnell und einfach gestrichen werden kann". Fritzsche wurde noch deutlicher: "Hinter diesen Zahlen stehen Menschen."
Für Kopfschütteln sorgt zudem die Aussage, Sporthallen für kulturelle Zwecke zu nutzen. "Wer so etwas sagt, muss von einem anderen Stern kommen. Wir haben in der Sporthalle Heidestraße einen Tagesdurchlauf von 350 bis 440 Sportlern. Wo sollen da die Kulturgruppen noch hin", fragte sich Gerhart, der betonte, nicht "gegen die Kultur zu Felde ziehen zu wollen". Er zeigte sich von der Idee, einen "Runden Tisch des Sports" ins Leben zu rufen, angetan.
Sachliche Diskussion gefordert
Torsten Ceglarek, Präsident des Stadtsportbundes, der Dachorganisation der Sportvereine, erhofft sich jetzt den "Beginn einer sachlichen, fairen, aber konsequenten Diskussion und auf dieser Basis die Rückkehr in die Sach- und Fachwelt." Denn dass die Verantwortlichen der Sportvereine ausgerechnet in der Sportstadt Dessau außen vorgelassen wurden, als es um Detailkenntnisse und Expertenwissen ihres Bereiches ging, mag wie ein schlechter Scherz klingen, ist aber keiner. Und das schmerzt die Macher der Sportszene mit ihren über 15 000 Mitgliedern natürlich umso mehr.
