21.03.2010, 20:05 | tags: Finanzen 356
Ulrike Wohlfahrt, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 22.03.2010
Lied warnt vor dem «Niemandsland»
Initiative «Land braucht Stadt» will deutlich machen, dass Dessau-Roßlauer nicht stillhalten werden
"Wir möchten einfach, dass sich zwischen allen Bürgern ein Wir-Gefühl herauskristallisiert", erklärt Uwe Städter, Mitbegründer der Initiative "Land braucht Stadt" kurz vor Beginn der Veranstaltung. Am Samstag von 10 bis 15 Uhr war das Rathaus-Center Schauplatz eines Programms, das auf die möglichen Folgen der Umsetzung der Sparmaßnahmen im Kultur- und Sportbereich aufmerksam machen wollte.
Uwe Städter und Uwe Weber als Mitbegründer der Initiative "Land braucht Stadt" wollen deutlich machen, dass die Dessau-Roßlauer nicht still halten, sondern für das, was diese Stadt ausmacht, kämpfen werden. "Nur gemeinsam haben wir eine Chance, denn was wäre Dessau-Roßlau ohne Bauhaus, Theater, Sport- und Jugendeinrichtungen", fragt Uwe Städter und Uwe Weber fügt hinzu. "Aus diesem Grund möchten wir diesen Tag nutzen, um zahlreiche Unterschriften zu sammeln und die im April dann dem Landtag vorlegen."
Schon jetzt stehen über 8 000 Unterschriften auf den Listen. Und immer mehr Bewohner der Doppelstadt erkennen die Notwendigkeit, ihre Meinung kundzutun und sich klar gegen die so genannte Blut- und Tränenliste auszusprechen. Beredter Beweis dessen: Die erste Unterschrift war am Samstag bereits um Punkt 10 Uhr auf der Liste, noch bevor das eigentliche Programm überhaupt begonnen hatte. Dies wurde mit dem Vorsitzenden der SG Blau-Weiß Dessau, Manfred Kaschke, eröffnet. Er betonte, dass der finanzielle Kahlschlag der Stadt für den Verein große Auswirkungen haben würde. Aus diesem Grund sicherte er der Initiative seine uneingeschränkte Unterstützung zu. "Wir sind der zweitgrößte Verein mit über 830 Mitgliedern, davon allein 250 Kinder und Jugendliche", erklärte Kaschke. Seiner Ansicht nach wäre die Umsetzung der Pläne fatal. Neben Aquagymnastik, Walking, Aerobic, Fußball und Tennis bietet der SG Blau-Weiß auch Senioren- und Rehasport an. "Vor allem letzterer nimmt einen Großteil ein, denn so wird Menschen nach einer Krankheit durch Sport wieder ins Leben zurück geholfen", meinte Manfred Kaschke. Auch gibt er zu bedenken, dass Sport die Gemeinschaft stärkt, zur Sozialisation von Kindern beiträgt und ein enges Miteinander fördert. Dem konnte auch Theodor Hobusch nur zustimmen. "Ich bin Kegler bei Grün-Weiß Dessau, und gemeinsam mit meiner Frau unterschreibe ich heute, um mich für die Initiative und ihre Ansichten auszusprechen".
Auch Oliver Dewess, Vorsitzender des Citynetverbandes, der als zweiter an diesem Tag Stellung auf der soziokulturellen Bühne bezog, stimmte den Ansichten von Manfred Kaschke zu. "Wenn es ein Problem mit den Werten dieser Stadt gibt, müssen wir alle uns einbringen", sagte Dewess mit Nachdruck. Zu diesen Werten zählte er eben Dinge wie das Knüpfen von Kontakten beim Erleben von Kultur- und Sportprogrammen und die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. "Ich bemängele vor allem, dass mit den Bürgern nicht ehrlich umgegangen wird, denn die Stadtverwaltung bezieht die Menschen nicht mit ein", sagte Dewess und fand zudem, dass es auch die Aufgabe des Landes ist, die Stadt zu unterstützen. "Man muss alle mitnehmen, jeder muss wissen, was los ist, um klar Stellung beziehen zu können, das steht den Dessau-Roßlauern einfach zu."
Dass wichtige Einrichtungen dem Rotstift zum Opfer fallen sollen, konnte auch Jürgen Kupfer überhaupt nicht verstehen. "Ich komme aus Muldenstein und bin vor allem in Dessau-Roßlau, um in der Bibliothek Bücher auszuleihen, denn die Anhaltische Landesbücherei ist die einzige Vernünftige hier in der Gegend", erklärte er seine Beziehung zur Stadt. Für ihn stehe fest: "Wenn die Bibliothek schließen würde, dann sieht man mich hier nicht mehr."
Auch das Salonorchester Papillon, die Dessauer Blechbläser, der PSV 90 Dessau und der Kinderchor des Anhaltischen Theaters fanden sich am Samstag im Rathaus-Center ein, um ihrem Unmut Luft zu machen. Günther Bohm, der mit seinen "Muldespatzen" ebenfalls auftrat, brachte es mit einem selbst komponierten Lied auf den Punkt "Zwischen Elbe und Muldestrand ist dann Niemandsland". Alleine scheint er mit seinen Befürchtungen nicht zu stehen, denn die Besucher unterschrieben eifrig und lauschten allen Interviews und Auftritten gebannt. Eine immer größere Menschentraube bildete sich um die soziokulturelle Bühne.
