07.03.2010, 21:12 | tags: Theaterpaedagogik 328
Heidi Thiemann, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 08.03.2010
Von Prinz Owi bis zur Schnitzeljagd im Theater
15. Tag der Schulmusik findet in Dessau statt - «Das alles zu organisieren, hat großen Spaß gemacht»
Die Musik kommt von der CD, aus dem MP-3-Player, säuselt via Radio, DVD oder Fernsehen. Aber wie es ist, wenn Musik auf der Bühne gemacht wird - der Theaterbühne? Oper, Operette, Musical? "Die Schüler wissen gar nicht, was Leistung bedeutet", sagt Kerstin Lebeda. Und für die Lehrerin, die am Liboriusgymnasium Musik unterrichtet, steht fest: "Das müssen die Schüler erst wieder lernen." Und einen Partner, den gibt es vor Ort mit dem Anhaltischen Theater. Lehrerin Lebeda weiß das zu schätzen.
Lust auf Theater hat aber nicht nur der Sonnabend bei ihr gemacht, als sich 25 Lehrer und auch Studenten aus (fast) allen Teilen Sachsen-Anhalts in Dessau zum 15. Tag der Schulmusik trafen. Der starke Schneefall über Nacht habe leider verhindert, dass auch Kollegen aus dem Burgenlandkreis oder Halberstadt anreisen konnten, bedauert Hans-Peter Wolf. Der Musiklehrer, der am Ludwigsgymnasium Köthen unterrichtet, ist Landesvorsitzender des Verbandes deutscher Schulmusiker. Der Landesverband bietet "den Kollegen regelmäßig Fortbildungen an". Aller zwei Jahre finden die in der Landesmusikakademie in Michaelstein (Blankenburg) statt, in den Jahren dazwischen an verschiedenen Orten im Land.
Beim diesjährigen Thema "Musiktheater und Schule", sagt Wolf, habe es nahe gelegen, das Anhaltische Theater als Partner zu gewinnen. Er selbst kenne das Haus auch, komme gelegentlich mit Schülern aus Köthen hierher oder mit seiner Frau. Dass der Veranstaltungsort aufgrund der aktuellen politischen Diskussion an Brisanz gewonnen hat - die Stadt Dessau-Roßlau erwägt eine Kürzung ihres Zuschusses um 3,5 Millionen Euro ab 2013 - war im Vorfeld nicht abzusehen. "Nun hoffen wir, dass wir dem Theater den Rücken stärken können. Ich denke schon, dass die Kollegen aus den anderen Kreisen angeregt werden, mit ihren Schülern Vorstellungen in Dessau zu besuchen", sagt Wolf, der die Organisation des Tages durch das Liboriusgymnasium und das Theater ausdrücklich lobt.
Im Liboriusgymnasium hat der Fortbildungstag begonnen. Eingestimmt werden die Musiklehrer und Studenten am Vormittag mit "Prinz Owi lernt König", einer Gemeinschaftsproduktion der Chöre des Gymnasiums mit der Regenbogenschule Dessau. Anschließend heißt es "Mr. Händel lässt bitten". Dabei wird ein Musiktheaterprojekt für die Grundschule vorgestellt. Die "West Side Story im Unterricht" ist Thema eines weiteren Seminars.
Normalerweise hätten die Seminare nebeneinander stattgefunden, sagt Wolf, da aber fast die Hälfte der Teilnehmer schneefallbedingt am Morgen abgesagt hat, finden sie nacheinander statt. "Das hat schulformübergreifend sehr gut funktioniert", stellt er am Nachmittag fest, denn mit dem Tag der Schulmusik werden sowohl Lehrer von Grund- und Sekundarschulen als auch Gymnasien und Sonderschulen angesprochen.
Auch nach dem Mittag geht das gemeinsame Konzept auf. Begeistert sind die Teilnehmer vor allem, als sie aufgefordert von Kontrabassist Ingo Burghausen einmal selbst auf dem Instrument spielen können. Burghausen und Theaterpädagogin Imme Heiligendorff haben Angebote zum Musik-Theater für Vor- und Grundschüler zum Schauen und Mitmachen unterbreitet. "Vom Schaf zur Schnitzeljagd" stellen sie Angebote des Anhaltischen Theaters vor. Einen Einblick, wie viel Arbeit eine Theaterproduktion bereitet, was überhaupt alles hinter den Kulissen dazugehört, bis sich für ein Stück der Premierenvorhang heben kann, erfahren die Lehrer von Heribert Germeshausen, Operndirektor und Leitender Dramaturg am Musiktheater.
Germeshausen stellt sich anschließend mit Theaterintendant André Bücker den Fragen von Georg Maas, Professor für Musikdidaktik an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Denn es geht - wie am ganzen Tag schon - um die Frage, wie können Schüler fürs Musiktheater begeistert werden.
"Das alles zu organisieren, hat großen Spaß gemacht", sagt Theaterpädagogin Heiligendorff, die die Lehrer zum Abschluss zu einer Führung hinter die Kulissen einlädt. Und sich wünscht: "Kommen Sie wieder mit ihren Klassen."
