15.04.2010, 21:42 | tags: Ballett , Musiktheater , Anhaltische Philharmonie 397
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 16.04.2010
Am 15. Mai in Dessau
Carmina Burana für ganz Eilige passt ins Fest-Quartett
"Wir haben noch Platz für viel mehr Leute." Ja, die Dessauer Theaterbühne ist groß und Antony Hermus weiß das. 500 Menschen, so der Generalmusikdirektor, würde man unter bekommen. Viele fehlen dafür nicht mehr. Mit Stand von Donnerstagmittag haben sich bislang 327 Sängerinnen und Sänger für das Scratch-Konzert am 15. Mai im Anhaltischen Theater angemeldet.
Mitten in das erste Elbmusikfest der Neuzeit ist dieses Scratch-Konzert eingebettet. Das Prinzip ist schnell erklärt. "80 Prozent des Ergebnisses erreichen wir in 20 Prozent der Zeit", lacht Hermus, und tatsächlich ist die Zeit knapp. Nur einen Tag Probe gesteht man den Sängern zu. Denn die Idee des Scratch-Konzertes besteht darin, mit einem Chor aus Hobby-Sängern innerhalb von 24 Stunden Carl Orffs Chorwerk "Carmina Burana" einzustudieren und das Ergebnis in einer öffentlichen Aufführung zu präsentieren.
Dass so etwas geht und dabei auch noch gut klingt, vor allem aber jede Menge Spaß macht, Mitwirkenden wie Zuhörern gleichermaßen, hat Antony Hermus schon andernorts erlebt. Drei Mal leitete er solche Scratch-Konzerte bereits in Hagen. Bis zu 450 Hagener konnte man mobilisieren, mitzumachen.
Dass dies auch in Dessau zu schaffen ist, ist Hermus zuversichtlich. Schon jetzt ist das Konzert eine Sache der gesamten Region, aus Städten ringsum sind Anmeldungen eingegangen, von Kinderchören bis zu singenden Senioren. "Man muss sich einfach rantrauen und muss gar keine ausgebildete Stimme haben", erklärt Hermus, der sich einen "Tag der genussvollen Musik" erhofft.
Er zieht auch den Hut vor den Musikern der Anhaltischen Philharmonie, denn normalerweise hätten die stets den Anspruch, ein perfektes Konzert zu spielen. Diesmal aber seien die Wagnisse weitaus größer. "Alle wissen, dass wir nur einen Tag Zeit haben, das ist ein ganz anderes Arbeiten", sagt der Dirigent, der sich auf die Energie freut, die von so vielen Sängern und dem Orchester ausgehen wird. "Wir werden erleben, was Musik ausmacht: das selbst Mitmachen."
Ohnehin ist das Elbmusikfest, das es als Fest regionaler Chöre schon einmal im 19. Jahrhundert in Dessau gab, ein Fest des Gesangs. So sind es die Wagner-Chöre des "Lohengrin" mit denen das Fest am 13. Mai beginnt. "Ich bin stolz und froh, dass das Elbmusikfest mit dieser Oper eröffnet wird", so Regisseurin Andrea Moses, die deutschlandweit für ihre politische Lesart des Stoffes von der Kritik gelobt wurde. "Wir brauchen sehr viel mehr politisches Theater, um die Leute zum Mitdenken zu ermutigen", findet Dessaus Chefregisseurin, die sich mit ihren Arbeiten auch in der Tradition von Walter Felsenstein sieht.
So wie das Elbmusikfest mit großen Chören beginnt, endet es auch am 16. Mai, allerdings mit großer französischer Choroper: "Die Stumme von Portici". Noch kennt niemand diese Aufführung, mit der sich Generalintendant André Bücker auch als Opernregisseur dem Publikum vorstellt. Die Premiere der Oper von Daniel F. E. Auber ist am 24. April. Ein "dankbares Stück für unser Sängerensemble" nennt André Bücker das Werk und freut sich über seine erste Zusammenarbeit mit Antony Hermus im Musiktheater. Mit Diego Torre habe man zudem einen hervorragenden jungen Tenor verpflichten können, der während der Probenzeit sein Debüt an der Metropolitan Opera New York in "Aida" gab.
Ohne einen Chor, dafür aber mit den Ausdrucksmitteln des Tanzes, kommt die vierte Aufführung des Elbmusikfestes aus, die das Quartett komplettiert. Am 14. Mai wird im Anhaltischen Theater das Ballett "Lulu" gezeigt, das Tomasz Kajdanski choreographierte. "Ich habe mir vorgenommen, dass unser Ballettensemble ein Gesicht bekommt", so Kajdanski. Mit "Lulu" sei dies gelungen. Die Musik für "Lulu" kommt von der Anhaltischen Philharmonie, die tatsächlich keinen Abend des Elbmusikfestes auslässt und sich ein paar aufführungsfreie Tage nach diesem verlängerten musikalischen Wochenende vor Pfingsten verdient haben dürfte.
Karten für das Elbmusikfest 2010 mit "Lohengrin" (13. Mai, 18 Uhr), "Lulu" (14. Mai, 19 Uhr), Scratch-Konzert "Carmina Burana" (15. Mai, 19 Uhr) und "Die Stumme von Portici" (16. Mai, 17 Uhr) gibt es an der Theaterkasse im Rathaus-Center, Telefon 0340 / 2 40 02 58.
