26.04.2010, 18:14 | tags:
Musiktheater
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Pressemitteilung vom 26.04.2010
„Die Stumme von Portici“ [La Muette de Portici]
Nach der gefeierten Opernpremiere am vergangenen Sonnabend zeigt das Anhaltische Theater „Die Stumme von Portici“ am Freitag, 30. April um 19.30 Uhr und am Sonntag, 2. Mai um 17.00 Uhr.
Generalintendant André Bücker bringt mit Daniel-François-Esprit Aubers Grand Opera Revolte und Leidenschaft auf die Bühne. In der zentralen Rolle des Masaniello gibt der dreißigjährige Tenor Diego Torre sein Europadebüt. Seine stumme Schwester Fenella wird von Gabriella Gilardi getanzt.
Die Anhaltische Philharmonie unter der Leitung von Generalmusikdirektor Antony Hermus, der Opernchor und die Solisten zeigen, dass „sich Dessau musikalisch nicht hinter Stuttgart oder Hamburg verstecken muss.“ (Manuel Brug, Die Welt, 26. April 2010)
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über
die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr |
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
26.04.2010, 12:33 | tags:
Musiktheater
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Helmut Rohm, Volksstimme, 26.04.2010
Anhaltisches Theater Dessau führt "Die Stumme von Portici" auf
Publikum schenkt bewegender Inszenierung langen Beifall
Dessau-Roßlau. Die Premiere der Oper "Die Stumme von Portici" im Großen Haus des Anhaltischen Theaters Dessau am Samstagabend war nicht nur schlechthin beeindruckend - sie war begeisternd. Es wäre, bei gebotenem sparsamem Umgang mit Superlativen, sicher selbst der französische Komponist Daniel Francois Esprit Auber (1782-1871) bei dieser Inszenierung tief bewegt gewesen. Auch oder gerade weil Generalintendant André Bücker in seiner ersten Dessauer Operninszenierung die originale Handlung aus der Mitte des 17. Jahrhunderts ins Heute, am gleichen historischem Ort um Portici und Neapel angesiedelt hat.
Apropos Ort. Bühnenbildner Jan Steigert nutzte die wahrlich vielfältigen technischen Ressourcen der schier unendlich großen Dessauer Bühne, um ein dem Spannungsbogen zwischen den Hafenarbeitern und der im Untergrund – weitab von jeder Demokratie – machtbesessen kriminell agierenden Camorra einen realistisch nahen Handlungshintergrund zu bieten. Die wahrlich räumlich hoch projizierten Übertitel halfen gut, der durchweg in der französischen Originalsprache aufgeführten Oper – der ersten in Dessau – inhaltlich leichter folgen zu können.
Jedoch nicht nur deshalb trifft die Bezeichnung "Grand Opera" als aufführungscharakterisierende Klassifizierung zu. Die Anhaltische Philharmonie unter Stabführung des GMD Antony Hermus präsentierte die facettenreiche Musik Aubers mit strahlendem Esprit wie ebenso bewegender Emotionalität - ganz eng, kongenial zu den Darstellern - alles wie aus einem Stück.
Und - die Darsteller haben es an Dramatik, Tragik, Gefühlsfülle in aller menschlichen Bandbreite, in ihren Entwicklungen, auch Ausuferung, nicht fehlen lassen. Macht und Freiheit, Liebe, Rache, Mord und Vergebung, ebenso das letztendliche Scheitern erfahren in der Bücker-Inszenierung erlebbare Nähe.
Der Gast-Tenor Diego Torre als Anführer der Hafenarbeiter Masaniello und Bruder der stummen Fenella, dargestellt von der Dessauer Ballettsolistin Gabriella Gilardi, standen mit ihren bewegenden Darstellungen ganz besonders in der Gunst des Premierenpublikums.
Das - jedoch verdientermaßen - ausnahmslos dem gesamten Ensemble mit langanhaltendem Beifall für das Gezeigte dankte. Dennoch gebührt noch ein besonderes Lob dem Chor, für seine umfangreiche sowohl gesangliche wie ebenso aktionsreiche darstellerische Mitwirkung unter Helmut Sonne.
Diese gelungene Dessauer Inszenierung wird sicher in der Theatergeschichte einen geachteten Platz finden. Umso mehr sollte sie schon im Jetzt und Heute viele Besucher haben.
Die nächste Aufführung findet am 30. April statt.
26.04.2010, 12:05 | tags:
Musiktheater
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Manuel Brug, Die Welt, 26.04.2010
Der Theatertrotz von Dessau
Jetzt erst Recht. Im Dessauer Theater kontert die neue, mit Intendant André Bücker angetretene Mannschaft durch Qualität. Schließlich gilt es, sich gegen die Streichliste des Bürgermeisters zu stellen, der der verschuldeten, zudem schrumpfenden Stadt weitere Kürzungen zumutet. Um 3,5 Millionen sollen kommunale Zuschüsse für die Anhaltische Bühne verringert werden. Sie gibt es seit 215 Jahren, momentan bekommt sie 15 Millionen Euro Subvention.
Und spielt jetzt - eindrucksvoll - Aubers Grand Opéra "Die Stumme von Portici". Das war eine der berühmtesten Opern des 19. Jahrhunderts, selbst in Dessau liegt Auber bis heute - nach Wagner, Verdi, Mozart, Lortzing, und Puccini- auf Platz sechs der Aufführungsstatistik. Obwohl das Werk um einen Prinzen, der ein stummes Fischermädchen schändet und damit einen Aufstand auslöst, seit dem Krieg erst zum fünften Mal in Deutschland gegeben wird. Aus der ganzen Republik haben sich zu dieser Rarität Opernfreaks angesagt, sogar aus Brüssel, wo diese Oper 1830 die Revolution einleitete, kommt ein Bus.
Sie alle werden nicht enttäuscht werden. Bücker hat bei seiner ersten Opernregie wenig für Personenführung übrig, setzt auf den Trashfaktor von Werftcontainern, die die "Stumme" nicht ungeschickt in eine Mafia-Geschichte umdeuten. Musikalisch muss sich Dessau nicht hinter Stuttgart oder Hamburg verstecken. Die Sänger sind exzellent, angeführt vom mexikanischen Tenor Diego Torre (30). Der gibt sein Europadebüt, eine größere Karriere deutet sich an. Wenn es solche Häuser nicht mehr gibt, wenn sich Sänger nicht ausprobieren können, dann stirbt die Oper. Langsam, aber sicher.