Schweinfurter Tagblatt, 18.06.2010
Interview: Die Sopranistin Iordanka Derilova ist am Dienstag bei der Operngala aus Dessau im Theater zu Gast
Besonders gefallen mir böse, fatale Frauen
Mit einer Operngala am Dienstag, 22. Juni, um 19.30 Uhr, beschließt das Anhaltische Theater Dessau die 43. Saison des Theaters Schweinfurt. Mit dabei die in Sofia geborene und in Schweinfurt schon oft gefeierte Sopranistin Iordanka Derilova. Sie erhielt 2003 ein Festengagement am Anhaltischen Theater. 2008 präsentierte sie sich in der Rolle der Turandot bei den Salzburgern Festtagen im Großen Festspielhaus. 2009 war sie in der Rolle der Aida zu hören. Die Höhepunkte 2009 waren die Auszeichnung des Titels Kammersängerin und die Rolle der Elektra. In der Spielzeit 2009/10 wird sie die Rollen Ortrud („Lohengrin“) und Amelia („Ein Maskenball“) am Anhaltischen Theater singen.
Frage: Wenn man Ihren künstlerischen Lebensweg betrachtet, fasziniert einerseits das beachtliche Rollenrepertoire aber auch die vielen Stationen Ihres Erfolgs in ganz Europa und auch im weiteren Ausland. Können Sie eine Lieblingsrolle benennen? Und eine Station Ihres Werdegangs, die Ihnen besonders am Herzen liegt?
Iordanka Derilova: Nur eine Rolle zu benennen, fällt mir schwer. Besonders gefallen mir böse, fatale Frauen (lacht), zum Beispiel Lady Macbeth, Abigaille, Turandot und Elektra mag ich sehr. Ich fühle mich eigentlich überall wohl. Elektra in Stockholm und Elektra in Catania und Aida in Japan – alles Große Häuser – haben mich schon sehr beeindruckt. Das verrückteste Publikum aber habe ich Japan erlebt. Das war eine ganz besondere Atmosphäre.
2003 wurden Sie unter der Intendanz von Johannes Felsenstein an das Anhaltische Theater Dessau engagiert. Sie haben auch in der Abschiedsproduktion von Felsenstein die Titelrolle der Elektra gesungen. Welche Erinnerungen haben Sie an die Zusammenarbeit mit ihm?
Derilova: Die Rolle der Elektra war eine schöne Herausforderung, die mich viel Kraft gekostet hat (zwei Kilogramm Körpergewicht pro Vorstellung), die mir aber auch unheimlich Freude und Spaß gemacht hat. Neben Elektra habe ich zahlreiche Partien mit Johannes Felsenstein erarbeitet. Er ist ein Mensch, der sehr viel fordert, und das ist gut so. Einmal sagte er zu mir: „Du bist wie Plastilin – ich kann Dich für jede Rolle formen.“ Ich habe von ihm viel gelernt.
Die neue Intendanz: ein neuer Generalintendant – André Bücker –, ein neuer GMD – Antony Hermus –, eine neue Chefregisseurin – Andrea Moses –, neue Kolleginnen und Kollegen. Wie sind Ihre ersten Erfahrungen?
Derilova: Sehr schön! Mit Antony Hermus und Andrea Moses zu arbeiten, war ein großes Vergnügen. Ich bin schon ungeduldig und kann die nächste Turandot-Produktion kaum erwarten. Mit André Bücker werde ich erst in der nächsten Spielzeit arbeiten „Der Protagonist/ Der Bajazzo“ – darauf freue ich mich sehr.
Das Anhaltische Theater Dessau gastiert seit fünf Jahren im Theater Schweinfurt. Am 22. Juni nun mit einer Operngala, die sich Wagner und dem italienischen Repertoire widmet. Welche Erinnerungen haben Sie an Schweinfurt?
Derilova: Wir freuen uns immer sehr auf Schweinfurt, etwas Schönes für das Publikum zu machen.
Im Mai 2011 werden Sie als Leonore in Beethovens Fidelio (Inszenierung: Johannes Felsenstein) zurückkehren. Liegt Ihnen die Rolle der Leonore?
Derilova: Es ist nicht eine meiner Lieblingspartien. Sie ist zwar eine starke Persönlichkeit, dennoch ist die Musik etwas trocken, zu wenig leidenschaftlich – zumindest für mich.
Sie haben die Elektra gesungen wie auch die Isolde und Kundry, Aida, Rusalka, Tosca oder Turandot. Von welchen Partien träumen Sie noch?
Derilova: Ich möchte gern Manon Lescaut von Puccini und Salomé von Strauss singen. Aber sicher gibt es noch viele andere faszinierende Rollen.
Schweinfurt und Dessau
Das Theater Schweinfurt gehört zu den fünf größten Gastspielhäusern im deutschsprachigen Raum. Fester Bestandteil der Arbeit ist die Kontinuität der Zusammenarbeit mit verlässlichen Partnern über Jahre hinweg. Die Bamberger Symphoniker spielen seit Oktober 1946 regelmäßig in Schweinfurt. Münchner Kammerspiele und Bayerisches Staatsschauspiel sind seit Jahrzehnten zu Gast.
Aktuelles Beispiel ist das freundschaftliche Verhältnis zum Anhaltischen Theater Dessau, das im Oktober 2004 begann. Mehr als 13 000 Menschen haben hier inzwischen Produktionen des Anhaltischen Theaters gesehen, darunter „Don Karlos“, „Die Hochzeit des Figaro“, „Don Giovanni“, „Landschaft mit Schatten“ (Tanztheater - Gregor Seyffert)oder „Land des Lächelns“.
Das Gespräch führte Christian Kreppel Leiter des Schweinfurter Theaters