28.06.2010, 17:25 | tags: Funk , Diverses 498
Pressemitteilung vom 28.06.2010
Kulturstiftung des Bundes fördert zum zweiten Mal Projekt des Anhaltischen Theaters
Die Kulturstiftung des Bundes fördert im Fonds Heimspiel zum zweiten Mal in voller Antragshöhe ein Projekt des Anhaltischen Theaters. Mit dem Heimspiel-Fonds unterstützt die Kulturstiftung des Bundes seit 2006 Theaterprojekte, die sich auf künstlerisch herausragende Weise mit der urbanen Wirklichkeit in der eigenen Stadt auseinandersetzen und das Theater zu einem Ort der Kommunikation mit den Bürgern machen.
Nach dem erfolgreichen Projekt [funk] in der Spielzeit 2009/2010, welches zahlreiche unterschiedliche Institutionen und Partner aus der Stadt Dessau zusammen führte und in den Dialog mit der Stadt trat, beschäftigt sich das Theater nun mit dem Projekt „Schwarzweiß“ (Arbeitstitel) mit dem Fall Oury Jalloh. 2005 kam der aus dem westafrikanischen Sierra Leone stammende Oury Jalloh bei einem Zellenbrand im Polizeigewahrsam in Dessau ums Leben. Die Schuldfrage, die zuständigen Beamten betreffend, die sich wegen Körperverletzung mit Todesfolge verantworten mussten und die Umstände, die zum Tod von Jalloh führten, konnten durch die Gerichte nicht abschließend festgestellt werden. Der Fall Oury Jallohs wurde zum Symbol für die Ängste vieler in Deutschland lebender Afrikaner und zugleich zu einem Indikator für den brutalen Rassismus in unserer Gesellschaft.
Für das Projekt konnten mit Nina Gühlstorff und Dorothea Schroeder zwei engagierte und gefragte Regisseurinnen gewonnen werden. Nina Gühlstorff und Dorothea Schroeder studierten beide Musik- und Sprechtheaterregie an der Bayerischen Theaterakademie „August Everding“ in München. Seit ihrem Diplom 2001 arbeiten sie als freie Regisseurinnen. Gemeinsam führten sie 2009 erfolgreich am Theaterhaus Jena das Projekt „Der dritte Weg“ – Eine theatrale Demonstration durch. In der Spielzeit 2009/10 bringt Nina Gühlstorff das Recherche-Theaterprojekt „They Call Me Jeckisch“ in Heidelberg und Tel Aviv zu Aufführung. Dorothea Schroeder leitet regelmäßig das Festival für zeitgenössische Dramatik „Spieltriebe“ am Theater Osnabrück.
Mit Gesprächen, Diskussionen und Interventionen möchte das Projekt sich mit dem Leben und den Ängsten von Ausländern in Dessau auseinandersetzen. Eine theatrale Stadtbegehung ist geplant, die die Zuschauer an verschiedene öffentliche Orte durch das migrante Dessau führt. In Zusammenarbeit mit alten und neuen Kooperationspartnern sowie lokalen Akteuren will das Projektteam theaterfernes Publikum in den Entstehungsprozess des Stücks integrieren und zum Dialog anregen. Kooperationspartner des Projektes „Schwarzweiß“ sind die Stadt Dessau, NYX e.V., die Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalttaten, der lokale Aktionsplan Dessau-Roßlau, das Multikulturelles Zentrum Dessau e.V., das Gymnasium Philantropinum Dessau, „Hingucken! Für ein demokratisches und tolerantes Sachsen-Anhalt“, die Stiftung Bauhaus Dessau sowie die Polizei Dessau.
