15.07.2010, 00:22 | tags: Schauspiel 521
Reinhardt Wengierek, http://www.kultiversum.de, 15.07.2010
Kolumne 41
Wengierek, was guckst du?
Ich gucke Peter Squenz. Und muss es endlich in alle Welt trompeten: Das naiv-erfinderische, selbstherrlich verspielte Schulmeisterlein Peter Squenz aus Gryphius-Rumpelskirchen oder Shakespeare-Athen ist meine ganz, ganz große Liebe; beinahe lebenslang. Durch nichts ist die Seligkeit zu erschüttern, wenn Peter kommt. Wenn der irrwitzige Schlaumeier antritt mit seinem Handwerkertrupp, alles Deppen wie wir, um das Tränenstück „Pyramus und Thisbe“ aufs Brettl zu hieven.
O ja, da ist das Peterle total herzig, und der Herr Squenz total herzzerreißend. Zum Knuddeln und zum Niederknien. Schönstes, reinstes Theaterglück! Immer wieder wisch‘ ich beim Zugucken mindestens eine Träne weg, wenn da aus grober Menschenklamotte feine Menschheitskomödie wird – und umgekehrt. Diesmal gelang Uwe Fischer das Kunststück. Im Stadtpark zu Dessau, auf knallbunter Bühne, in Affenhitze und unter Mücken-Bestechung ‑ korrekt bei Sonnenuntergang ab 21.20 Uhr. Also: Kratzen, Fecheln, Trinken und Staunen über einen scharfen Sommernachts-Cocktail aus Botho Strauß („Im Park“), Andreas Gryphius („Herr Peter Squenz“) sowie Parodien aktuellen TV-Entertainments, keck zusammen gequirlt und aufgeschäumt von Regisseurin Andrea Moses.
Immer wieder erstaunlich, was das Anhaltische Theater drauf hat. Trotzdem: Es kommt nicht runter von der Liste abwicklungsbedrohter Betriebe. Peter-Uwe Squenz-Fischer, du solltest dir, statt immer nur Handwerker, mal Kommunalpolitiker zur Brust nehmen.
