03.07.2010, 13:55 | tags: Schauspiel 506
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 01.07.2010
Stimuliert ein Urlaub im Stadtpark die Ehe?
Die Beiden haben sich wirklich gerne. Sie können so schön miteinander schweigen. Und wenn sie sich doch etwas zu sagen haben, dann sind es meistens keine Nettigkeiten. So sitzen sie also in ihren Liegestühlen vor dem Camper und schlagen die Urlaubszeit tot. Fast möchte man den eigenen Urlaub verschieben, damit er nicht so endet wie bei Helma und Wolf. Oder gibt es für die Beiden doch noch Überraschungen, die den Ehealltag auffrischen?
Susanne Hessel und Sebastian Müller-Stahl versprechen zumindest ein Abenteuer. Sie spielen Helma und Wolf in der Inszenierung "Sommer Nacht Traum", für die Regisseurin Andrea Moses gerade mit dem gesamten Schauspielensemble auf der "Heart's Fear"-Bühne im Stadtpark probt. Moses verwebt in dem Sommerstück zwei Stoffe miteinander: "Der Park" von Botho Strauß und "Herr Peter Squenz" von Andreas Gryphius. Und weil vor allem im Gryphius-Stück auch Shakespeare anklingt, haben die Figuren eine Entsprechung zum Klassiker: Helma erinnert an Helena, Wolf an Demetrius.
Sie wäre eigentlich gerne in die Toskana gefahren, er entschied sich für die Einladung von Kumpel Georg, "obwohl der sowieso schon jeden Tag bei uns zu Hause rumhängt", wie Helma meint. Nun sind sie im Osten gelandet, genauer gesagt im Dessauer Stadtpark, wo Cyprian (auch als Puck bekannt), ein weit gereister Showmaster, mit dem "Goldenen Mund" Dessau 2010 einen unerhörten Gesangswettbewerb veranstaltet.
Mehr darüber, über einen schwarzen Jungen und ein ratloses Feenpaar erfährt man übrigens an diesem Sonntag bei einer Picknick-Matinee zum Stück im Park. Dann kann man auch schon mal Susanne Hessel und Sebastian Müller-Stahl als Pärchen erleben. Eine Konstellation, die den beiden beruflich vertraut ist. Bevor sie mit Beginn dieser Spielzeit nach Dessau kamen, waren sie am Nordharzer Städtebundtheater engagiert. Dort entstand auch die Produktion "Der Kick", die sie mit an das Alte Theater brachten. "Im Kick haben wir schon alle Szenen einer Ehe gespielt", sagt Sebastian Müller-Stahl. Gleich mehrere Paare haben beide in dem Stück gegeben. "Wir sind also gut eingespielt", finden sie denn auch und werfen sich verbal die Bälle zu. Fernab der Rolle geht es freilich friedlich zu. Da teilt man sich kühles Wasser als auch den Mücken- und den Sonnenschutz, den das Theater seinen Schauspielern stellt. Trotzdem werden beide wohl zerstochen und leicht verbrannt in den Urlaub gehen, wenn am 18. Juli die letzte von neun Vorstellungen gelaufen ist. Susanne Hessel will nach Spanien, Sebastian Müller-Stahl hat noch keinen Plan. Mit dem Camper - so wie ihre Figuren Helma und Wolf - werden sie aber nicht unterwegs sein, dann doch lieber Ferien im Zelt.
