31.01.2012, 14:19 | tags:
Anhaltische Philharmonie
1201
Pressemitteilung vom 31.01.2012
Start für die Anmeldung zum Scratch-Konzert
Zum dritten Mal in Folge greift das Anhaltische Theater die Tradition der Elbmusikfeste aus dem 19. Jahrhundert wieder auf. Am Himmelfahrtswochenende (vom 17. bis 20. Mai) stehen an vier aufeinander folgenden Tagen drei aktuelle Inszenierungen, beginnend mit Puccinis LA BOHÈME, gefolgt von dem Ballett HOTEL MONTPARNASSE bis hin zu Richard Wagners GÖTTERDÄMMERUNG und ein Konzert auf dem Spielplan. Das Konzert ist jedoch kein gewöhnliches Konzert sondern ein Scratch-Konzert.
Mitmachen kann jeder, der Freude am Singen hat. Nach dem überwältigenden Erfolg der „Carmina burana“ beim 1. Scratch-Konzert 2010 ging es 2011 weiter u.a. mit dem großen Chorfinale aus Beethovens 9. Sinfonie. Und das Resultat konnte sich sehen und hören lassen. „Nicht wenige staunten, welch hohe Qualität da stimmgewaltig über die Bühne kam“, schrieb 2010 die Mitteldeutsche Zeitung, und weiter: „Was für ein Tag! Ein ganzes Theater voll glücklicher Menschen. Strahlende Zuschauer, aufgekratzte Sänger und über alle Maßen zufriedene Veranstalter.“
2012 widmet sich der Scratch-Chor begleitet von der Anhaltischen Philharmonie abermals Carl Orffs packenden „Carmina burana“.
Das Anhaltische Theater Dessau lädt dazu wieder Sangesbegeisterte zur Mitwirkung am Scratch-Konzert ein, welches am 19. Mai stattfinden wird.
Die Anmeldung hat bereits begonnen (52 Sängerinnen und Sänger sowie 30 Kinder haben sich bereits angemeldet!).
Informationen zur Anmeldung sind an den Theaterkassen erhältlich aber auch über www.anhaltisches-theater.de/scratch. Die Teilnahmegebühr bei der online-Buchung beträgt: 15,- Euro/ermäßigt 10,- Euro/Kinder 5,- Euro, an den Vorverkaufskassen 19,- €/ermäßigt 14,- € und für Kinder 5,- €. In der Teilnahmegebühr enthalten ist eine Versorgung mit Speisen und Getränken während der Probenpausen am 19. Mai. Anmeldeschluss ist der 26. April.
Die Organisatoren um GMD Antony Hermus setzen alles daran, auch das Scratch-Projekt 2012 zu einem unvergesslichen Erlebnis werden zu lassen!
Solisten: Angelina Ruzzafante (Sopran), Wiard Witholt (Bariton), David Ameln (Tenor)
Musikalische Leitung: GMD Antony Hermus
Anhaltische Philharmonie Dessau
Weitere Informationen zum Scratch-Konzert und zur Anmeldung unter: www.anhaltisches-theater.de/scratch.
31.01.2012, 10:36 | tags:
Anhaltische Philharmonie
1200
Pressemitteilung vom 31.01.2012
Konzerte im Februar
Nachdem die Anhaltische Philharmonie mit ihrem Neujahrskonzert „Ein Strauß für Anhalt“ für einen heiteren Start ins Anhalt-Jahr gesorgt hat, findet am Freitag, 3. Februar um 17 Uhr der offizielle Festakt „Anhalt 800“ mit anschließendem Festkonzert statt. Unter der musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Antony Hermus und moderiert von Generalintendant André Bücker erklingen Werke von August Klughardt, Richard Wagner, Johann Friedrich Fasch, Kurt Weill und Ludwig van Beethoven. Neben der Anhaltischen Philharmonie, Solisten und dem Dessauer Opernchor wirken der Männerchor Roßlau, der Stadtchor Zerbst, der Schulchor am Ludwigsgymnasium Köthen, Amici Carminis Bernburg und der Friedrich-Silcher-Chor Bernburg mit. Solistin in Beethovens „Chorfantasie“ ist die Pianistin Ragna Schirmer. Dieses Konzert ist eine geschlossene Veranstaltung für geladene Gäste.
Während der mehrmonatigen Schließung des Schlosses Georgium im Zuge umfangreicher Sanierungsmaßnahmen wird die Kammermusikreihe des Anhaltischen Theaters im Februar in der Aula des Bauhauses in der Dessauer Gropiusallee fortgesetzt. Am 4. Februar ab 15.30 Uhr musizieren Frauke Groß (Flöte), Jens Uhlig (Tuba), Boris Cepeda (Klavier) und Stefan Köcher (Schlagzeug). Ungewöhnlich wie diese Besetzung ist auch das Programm, das vorwiegend heitere Werke, vom Solostück bis zum Quartett, von Georg Philipp Telemann, Paolo Baratto, Nebosja Jovan Zivkovic, Enrique Crespo, Peter Schickele, Eugene Anderson, Theobald Boehm, Paolo Perfeito, Paul Haletzki und Jörg Iwer umfasst.
Kurz vor dem Höhepunkt der diesjährigen Karnevalssaison, am Sonntag vor Aschermittwoch (19. Februar, 17 Uhr) steht im Anhaltischen Theater ein Konzert mit dem Motto „Heiterkeit und Fröhlichkeit“ auf dem Spielplan. Vorgesehen ist ein buntes Programm aus Oper und Operette, u.a. mit Musik von Albert Lortzing, Charles Gounod, Giacomo Puccini, Johann, Josef und Eduard Strauß, Paul Lincke und Franz Lehár. Es singen Angelina Ruzzafante (Sopran), Artjom Korotkov (Tenor), Kostadin Arguirov (Bariton) und Ulf Paulsen (Bariton). Wolfgang Kluge dirigiert die Anhaltische Philharmonie. Die Moderation übernimmt Musikdramaturg Ronald Müller. Bereits ab 15.45 Uhr lädt das Salonorchester „Papillon“ zu „Kaffee im Salon“ ins Theaterrestaurant ein.
Karten und Informationen unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
26.01.2012, 17:38 | tags:
Ballett
, Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
1192
Pressemitteilung vom 26.01.2012
Am Wochenende im Anhaltischen Theater
Am Freitag, 27. Januar um 19.30 Uhr steht mit Giacomo Puccinis Oper “La Bohème” eine der weltweit am häufigsten aufgeführten Opern auf dem Spielplan. Die hauseigenen Solisten begleitet von der Anhaltischen Philharmonie unter der Leitung von Daniel Carlberg bringen mit “La Bohème” eine der traumhaftesten Liebesgeschichten der Operngeschichte, in all ihrer Leichtigkeit und Zärtlichkeit auf die Bühne.
Am Samstag, 28. Januar um 17 Uhr ist mit „West Side Story” ein Musical-Klassiker zu erleben.
Leonard Bernsteins berühmtes Musical „West Side Story“, eine moderne Fassung von „Romeo und Julia“, ist nicht nur eine Ansammlung wundervoller Melodien mit rasanten Rhythmen, sondern ein Werk mit dem gerade jetzt hochaktuellen Thema der Sinnlosigkeit von Gewalt und Fremdenfeindlichkeit. Das Anhaltische Theater bietet gleich im Anschluss an die Vorstellung, ein Publikumsgespräch im Theaterrestaurant an, um mit Künstlern über die Inszenierung aber auch zu den aktuellen Bezügen des Werkes ins Gespräch zu kommen.
Letztmalig ist am 29. Januar um 17 Uhr der furiose und bildgewaltige Ballettabend „Die Nibelungen: Siegfriedsaga“ zu sehen. Zur Musik von Richard Wagner, in der Orchesterfassung von Carlos Kalmar, gespielt von der Anhaltischen Philharmonie, erzählt Tomasz Kajdanski die Sage um den Helden Siegfried. Es ist die Geschichte von Menschen, die durch Leidenschaften, Liebe, Hass und Tod miteinander verbunden sind.
Für die Vorstellungen “La Bohème” und „Die Nibelungen: Siegfriedsaga“ sind noch Karten erhältlich, die „West Side Story” am Samstag ist bereits ausverkauft.
Tickets und Informationen unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
24.01.2012, 11:20 | tags:
Anhaltische Philharmonie
1188
Helmut Rohm, Volksstimme, 24.01.2012
Auftakt zum Jubiläumsjahr 800 Jahre Anhalt
Stadtchor und Fasch im Festkonzert dabei
m 3. Februar beginnt das Jubiläumsjahr "Anhalt 800" mit einem Festkonzert im Großen Haus des Anhaltischen Theaters Dessau.
Dessau-Roßlau l "Wie kann man überhaupt versuchen, 800 Jahre Anhalt musikalisch abbilden zu wollen und ein Programm zu gestalten, das ein heutiges modernes Sinfonieorchester spielt?" Das sei, so Ronald Müller, Musikdramaturg am Anhaltischen Theater Dessau, die grundlegende Ausgangsfrage für die Gestaltung des Festkonzertes "800 Jahre Anhalt" gewesen.
Aufgeführt wird es am Freitag, dem 3. Februar, um 18 Uhr im Großen Haus des Anhaltischen Theaters Dessau. Die Anhaltische Philharmonie musiziert unter Leitung ihres Generalmusikdirektors Antony Hermus.
Auch die Moderation des Festkonzertes nach dem Festakt zur offiziellen Eröffnung des Jubiläumsjahres 800 Jahre Anhalt um 16 Uhr ist "Chefsache": Durch das Programm führt der Generalintendant des Anhaltischen Theaters Dessau, André Bücker.
"Und in die Aufführung haben wir auch Mitwirkende aus den vier bedeutendsten ehemaligen Residenzstädten Anhalts, aus Dessau, Bernburg, Köthen und Zerbst, einbezogen", erzählt Ronald Müller.
An der Seite von Ragna Schirmer (Klavier) aus Halle und den Dessauer Gesangssolisten Angelina Ruzzafante, Jagna Rotkiewicz, Anne Weinkauf, Artjom Korotkov, Wiard Witholt und Ulf Paulsen wirken bei der Aufführung der Beethoven Fantasie c- Moll neben dem Opernchor des Dessauer Theaters ebenfalls der Stadtchor Zerbst, der Männerchor Roßlau, der Schulchor des Ludwigsgymnasiums Köthen, der Chor "Amici Carminis" und der Friedrich-Silcher-Chor, beide aus Bernburg, mit.
Festkonzerte werden durch eine Beethoven-Komposition gewissermaßen "geadelt", begründen die Dessauer diese Wahl.
Die "Festouvertüre zur 100-jährigen Jubelfeier des Herzoglichen Hoftheaters Dessau" wurde von August Klughardt (1847-1902), einem anhaltischen Landeskind, 1899 komponiert. "Mit ihren strahlenden Trompeten und Fanfaren passt sie so richtig zum Auftakt des jetzigen Festkonzertes", so Ronald Müller.
Richard Wagners Tannhäuser-Chor "Einzug der Gäste" habe mehrfachen Bezug zum Jubiläum. Die Opernhandlung spielt im 13. Jahrhundert, der Zeit der Anhalt-Gründung. Und Dessau sei auch bekannt geworden als das Bayreuth des Nordens - Wagner lässt Dessau und Anhalt grüßen.
"Kurt Weill, gebürtiger Dessauer, hat die Musikgeschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Europa und später in Amerika geprägt. Er kann einfach nicht fehlen", begründet Ronald Müller die Aufnahme der Suite aus Kurt Weills "Dreigroschenoper".
Die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts war in Mitteldeutschland durch die Barockmusik geprägt. Gewissermaßen als deren Repräsentant wurde die Sinfonie B-Dur von Johann Friedrich Fasch (1688-1758), jahrzehntelang Zerbster Hofkapellmeister, in das Fest-Programm aufgenommen.
Restkarten für das Festkonzert gibt es nur über die Geschäftsstelle "Anhalt 800" in Dessau.
22.01.2012, 14:57 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
1186
Alexander Hauer, Der Opernfreund, 22.01.2012
La Bohème
12.11.2011
In dir finde ich den Traum, den ich schon immer träumen wollte. Verstehst du mich? (La Boheme - 1. Akt)
Zunächst einen Bemerkung in eigener Sache: Ich bin kein Freund von Puccini, seine Musik ist meines Erachtens zu sehr auf die weibliche Psyche komponiert, als dass ich sie verstehen könnte/wollte. Tosca ja, der Mantel auch, aber sonst, sorry, für einen Puccini fahr ich keine 100 Kilometer. So, Dessau liegt rund 300 km von meinem Wohnort weg, aber ich bin trotzdem gefahren. Ein Theater, das in einer permanent hohen Qualität, an der sich die größten Häuser in Deutschland messen können, produziert, wird auch einen Puccini hervorragend gestalten. Allein die Besetzung, die musikalische Leitung und das Regieteam versprach sensationelles. Also, auf die Autobahn und hin.
Roman Hovenbitzer und sein Ausstatter Thilo Steffens sind auch für mich keine Unbekannte, ihr Inszenierungsstil, modern, aber durchaus der Tradition verbunden, entspricht auch genau meinem ästhetischem Empfinden. Gleich zu Beginn ein Bruch, zwei Clowns, eher Horrorgestalten als Spaßmacher zitieren zärtliche Liebesgedichte, die die Handlung der Boheme unterstreichen. Die beiden interpretieren dann auch alle Nebenfiguren der Oper, David Ameln den Parpignol und Cezary Rotkiewicz Benoit, Alcindor und den Sergeanten an der Stadtwache.
Die eigentliche Handlung Hoverbitzer und Steffens verlegen die Oper aus ihrer Originalzeit und –Ort, dem revolutionärem Paris der 1830 Jahre in einen vagen, immer gültigen Rahmen. Vier mehr oder minder mittellose Künstler leben in einer WG zusammen. Der eine, Rudolfo, als Gast spontan eingesprungen und sensationell gut in die Regie eingefügt, Sébastien Guèze, leidet unter einer Schreibblockade. Da tritt eine Frau in sein Leben, Mimi, hier gedoppelt als reale Nachbarin, wie immer berückend schön, voller zärtlicher Lyrismen und zartesten Pianis, gepaart mit stupenden Schönheit in der Stimme, Angelina Ruzzafante, und als Projektion Rudolfos, die Muse Mimi, die bezaubernde Tänzerin Claudia Czys. Ab diesem Moment scheint die Zeit für Rudolfo langsamer zu vergehen, Puccinis Melodien werden sanfter. Seine WG-Genossen, und welches Dreamteam an dunklen Männerstimmen, Ashwin, Ko und Paulsen, kann Dessau da auf die Bühne bringen, bemerken die Veränderung ihres Freundes nicht.
Das zweite Bild, der Café Momus Akt, gerät zu einem verspiegelten, kalt rot flittrigem Weihnachtsmarktspektakel. Hier schlägt dann die Stunde Ulf Paulsens, der dem am Rande des Wahnsinns stehenden Maler Marcello seine Gestalt und seine überragende Stimme leiht. Zusammen mit Anke Berndt, auch eine Premierennothelferin aus Halle, als Musetta gibt er das liebestolle Paar. Seine Einwürfe in ihren Walzer, voll kalkulierter Erotik, eine kleines Meisterwerk Puccinis, sind präzise gesetzt und lassen Freude auf das Quartett im dritten Akt aufkeimen. Das quirlige Treiben vor dem Café gerät bei Hoverbitzer und Steffens zu einem Schaulaufen der Massen. Der Chor unter Helmut Sonne, wie immer ein besonderer Hingucker und –Hörer, unterstützt vom präzis singend und hervorragend spielenden Kinderchor unter Dorislava Kuntschewa, gibt eine gleichgeschaltete Menge, scheinbar ohne eigene Persönlichkeit, wie Projektionen einer anderen Matrix.
Nach der, gefühlt viel zu langen, Pause, stellte sich für mich dann die Frage, wie Roman Hoverbitzer die Szene mit der Zollschranke lösen wird. Seine Lösung so einfach und so einleuchtend war, dass er das Geschehen einfach im „off“ spielen ließ und den Blick des Zuschauers auf seine Hauptprotagonisten richtete. So gelang ihm der Spagat die Oper ohne Striche, aber auch ohne Konkretisierung des Räumlich-Zeitlichen, zu zeigen.
Nach der Trennung von ihren Frauen leben die Jungs wieder in ihrer alten WG. Doch das Feuer der Kreativität scheint erloschen, ohne ihre Musen stümpern Rudolfo und Marcello vor sich hin, nichts scheint ihnen zu gelingen. Einen Moment der Entspannung bekommt das Publikum beim wunderbar choreographierten Duell im Quartett, bevor es wirklich ernst wird. Mimi kehrt zum Sterben zu ihrem Rudolfo zurück, Kyung-Il Ko lässt Colline mit seiner Mantelarie erstrahlen, Musetta verliert ihre Kaltschnäuzigkeit beim Gebet, dennoch, die Hilfe kommt zu spät. Und genauso wie Mimi und die Muse Mimi in Rudolfos Leben getreten sind so gehen sie auch. Die reale Mimi stirbt, die Muse entschwindet auf einer Spiegelkugel in den Bühnenhimmel. Beobachtet von einem schwarz gewandeten Chor bleiben fünf einsame Menschen zurück.
Das Czesary Rotkiewicz ein ausgezeichneter Sänger ist hat er in Dessau schon oft bewiesen, in dieser Boheme kristallisiert er sich auch als ausgezeichneter Tänzer heraus. In Claudia Czyz klug durchdachter Choreographie ist er mehr als die Stütze einer Tänzerin, sein Tod in vielerlei Masken unterstreicht die Endlichkeit allen Menschlichens, dabei wirkt dieser Tod nie als Gefahr, sondern scheinbar als Freund und Partner.
Die besondere Leistung Hoverbitzers und Steffens‘ liegt darin „La Boheme“ in scheinbar modernem, neudeuterischem Kleid daher kommen zu lassen, dass es aber eine, und das Regieteam möge es mir verzeihen, stockkonservative Inszenierung ist. Sie erzählen präzise die Geschichte jenes tragischen Liebespaares, verzichten dabei nicht auf Requisiten und Versatzstücke der nun hundertjährigen Erfolgsgeschichte dieser Oper. Dass sie dabei nicht in eine Kitschorgie oder in einen Hyperrealismus geraten, verdeutlicht die ewige Aktualität des Stoffes. Ihre Mimi stirbt, sie geben nicht preis an welcher Krankheit, sondern sie zeigen das einfache Ende einer, vielleicht, ganz großen Liebe.
Neben der überragenden künstlerischen Leistungen auf der Bühne, und die Riesenbühne in Dessau fordert einfach Höchstleistungen von allen Beteiligten, gibt es noch einen Faktor, der zum Triumpf des Abends beitrug: die Anhaltische Philharmonie unter Anthony Hermus. Gibt es irgendein Genre, das dieser Klangkörper nicht bewältigt? Hermus holt aus dem Graben raus, was raus zu holen ist. Scheinbar leicht bewältigt er die Klippen der Partitur, lässt sein Orchester flirren, peitscht die schnellen Stellen voran, gewährt aber auch den sanften Lyrismen Puccinis ihr Recht. Er unterstreicht die Liebesgeschichte Mimis und Rudolfs mit sanften Tönen, lässt das Feuer der Leidenschaft Musettas und Marcellos auflodern, deckt die falsche Sentimentalität Collines in seiner Mantelarie auf und gibt Musetta im Gebet die Gelegenheit sich vom hartherzigen Partygirl zum mitleidendem Menschen zu wandeln.
Was lernt der Rezensent daraus? 600 km Autobahn lohnen sich, wenn das Ziel Dessau heißt, es einen Puccini mit diesen Sängern, diesem Orchester und vor allem solch eine grandiose Regieleistung gibt.
Alle fantastischen Produktions-Bilder sind von Claudia Heysel, Danke!
10.01.2012, 14:28 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
1177
Pressemitteilung vom 10.01.2012
Wieder im Spielplan: „Der Protagonist” / „Der Bajazzo [I Pagliacci]“
Nachdem 2011 mit dem Premierendoppel das Kurt Weill Fest eröffnet wurde, ist ab Freitag, 13. Januar um 19.30 Uhr die höchst spannungsreiche Kombination der zwei Kurzopern „Der Protagonist” / „Der Bajazzo [I Pagliacci]“ wieder auf der Bühne des Anhaltischen Theaters zu sehen.
Kurt Weills gefeierte Erstlingsoper „Der Protagonist“ wie auch eine der berühmtesten Opern des italienischen Verismo, Leoncavallos „I Pagliacci“, erzählen fast identische Geschichten über Liebe und Eifersucht und das Leben im Theater.
In beiden Opern, für die Oliver Proske ein großartiges und sehr bewegliches Bühnenbild schuf, stehen die Prinzipale einer Schauspieltruppe im Mittelpunkt des Geschehens, die jeweils die Frau ihres Lebens auf der Bühne ermorden: In „Der Protagonist“ die Schwester, die ihrem Bruder ihren Liebhaber verheimlicht hatte und in Leoncavallos Oper die Ehefrau, die ihren Ehemann betrügt. Weills und Leoncavallos Musik waren wegweisend für ihre Zeit und berühren noch heute durch ihre ausdrucksvolle Klangsprache.
Freuen darf sich das Publikum auf Angus Wood (als Protagonist), Sergey Drobyshevskiy (als Canio) und KS Iordanka Derilova in der Doppelrolle (als Cathrina /Nedda). In weiteren Rollen sind Ulf Paulsen, Wiard Witholt und David Ameln zu erleben. Unter der Leitung von Wolfgang Kluge musiziert die Anhaltische Philharmonie, der Opernchor und der Kinderchor des Anhaltischen Theaters.
Angus Wood’s starker und klarer Tenor und sein überzeugendes Spiel schaffen ein vollendetes Portrait des Protagonisten und Iordanka Derilova...sang die Schwester mit einer glänzenden dramatischen Sopranstimme. Das von Antony Hermus geführte Orchester setzte geschickt die schwere Partitur Weills um. - so George Loomis, The New York Times, März 2011
Unter dem neuen GMD Antony Hermus spielte die Anhaltische Philharmonie mit Präzision, Farbenreichtum und Ausdruckswillen, wie man sie an größeren Häusern nicht besser erwarten könnte. –so Andreas Hauff, Oper und Tanz, Mai/Juni 20
Tickets und Informationen erhalten Sie unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
10.01.2012, 11:49 | tags:
Anhaltische Philharmonie
1175
Carla Hanus, Mitteldeutsche Zeitung, 09.01.2012
Oberzentrum stürzt sich ins Jubiläumsjahr
Ministerpräsident Reiner Haseloff sieht die Stadt Dessau-Roßlau gut aufgestellt.
Einen Strauß für Anhalt hat gestern die Anhaltische Philharmonie im Anhaltischen Theater mit einem heiteren Konzert dem Publikum überreicht. In den Reihen der Konzertbesucher hatten Ministerpräsident Reiner Haseloff ebenso Platz genommen wie der Bischof des Bistums Magdeburg, Abgeordnete des Bundes- und des Landtages, Unternehmer, Ortsbürgermeister, Präsidenten und Vizepräsidenten von Einrichtungen, Vorsitzende von Vereinen, Vertreter von Behörden und Gerichten und noch viele weitere, die der Einladung zum Neujahrsempfang der Stadt Dessau-Roßlau, der gemeinsam mit der Sparkasse ausgetragen wurde, gefolgt waren. Um sich von dem musikalischen Schwung der Philharmonie ins neue Jahr tragen zu lassen, um anregende Gespräche zu führen und auch um wegweisende Worte zu hören.
Im Jubiläumsjahr Anhalt 800. Im dritten Oberzentrum. Diese beiden Themen stellte dann auch Oberbürgermeister Klemens Koschig an den Beginn seiner Rede. Er wies auf den prall gefüllten Veranstaltungskalender zum Jubiläum hin, zu denen er herzlichst einlud, „um so nicht nur unsere Heimat besser kennen zu lernen, sondern auch die Verbundenheit zu dokumentieren“. Er betonte aber auch, dass damit die ehemalige Haupt- und Residenzstadt Dessau vor großen Ereignissen und damit auch Herausforderungen steht.
„Dessau-Roßlau ist kein künstliches Oberzentrum, schon gar nicht ein Oberzentrum von irgendwelchen Gnaden“, unterstrich Koschig und begründete das Oberzentrum zum einen aus der Geschichte heraus, zum anderen und vor allem aber aus seinen Aufgaben heraus, wobei er stellvertretend nur das Städtische Klinikum und das Anhaltische Theater nannte.
In den Blick rückte Koschig dabei aber auch das Justizzentrum, das in diesem Anhaltjahr in Justizzentrum Anhalt umzubenennen, einstimmiger Stadtratsbeschluss ist. Dieses Justizzentrum integriere die Justizvollzugsanstalt, deren Standort derzeit aber durch Projekte des Jusitzministeriums für die Zukunft in Frage gestellt wird. Deshalb schlussfolgerte Koschig: „Eine Schließung der Justizvollzugsanstalt greift auch erneut ein Stück Oberzentrum an.“
Dessau-Roßlau sei das Oberzentrum, das die schwierigsten Rahmenbedingungen hat, räumte auch Ministerpräsident Reiner Haseloff in seinen Grußworten ein. „Wir wollen das politisch“, versicherte er und erklärte: „Wir müssen uns bemühen, dass es auch in Zukunft gut abgesichert ist", wobei er unter anderem die Finanzlage erwähnte.
Generell sehe er aber Dessau-Roßlau auf einem guten Weg, meinte Haseloff. Was er nicht nur auf den Sachsen-Anhalt-Tag - hier meinte er, seien alle Vorbereitenden gut beieinander, um alles hinzubekommen - und das Jubiläum Anhalt 800 bezog. Aber auch auf dieses. Die Landesregierung sei stolz darauf, „dass wir mit dem Namen Anhalt unseren Landesgeburtstag feiern können“, sagte Haseloff. „800 Jahre Anhalt haben gezeigt, dass man immer wieder Tiefen bewältigt und sich zu Höhen durchgekämpft hat.“
10.01.2012, 11:46 | tags:
Anhaltische Philharmonie
1174
Helmut Rohm, Volksstimme, 05.01.2012
21 Jahre mit fünf GMD und eine Rückkehr
Mit der fünften Ausgabe geht der Dessauer Philharmonie-Stammtisch in sein zweites Jahr
Es gab einen wahren Beifallssturm, als Joachim Landgraf und Antony Hermus am Dienstagabend im ausverkauften Ratskeller Dessau den ersten Philharmonie-Stammtisch 2012 eröffneten. Es war insgesamt der fünfte - und es wurde einjähriges Stammtisch-Jubiläum gefeiert.
Der damalige Verwaltungsdirektor Landgraf - heute nach Pensionierung im Ehrenamt- und der aktuelle GMD Hermus haben eine prosperierende Reihe ins Leben gerufen, durch die sich Publikum und Künstler gegenseitig einander noch intensiver kennenlernen. Zwei Prämissen charakterisieren diese Dessauer Stammtisch-Philosophie: interessante Gesprächspartner und eine spannungsvolle Spontanität, was den künstlerisch- unterhaltsamen Part betrifft.
Ein nicht geringerer Beifall brandete auf, als Moderator Joachim Landgraf mit Daniel Lipton und Ronald Müller das "Vorstellungspaar des Abends" ankündigte. Prof. Lipton war von 1992 bis 1996 Dessauer Generalmusikdirektor. Ronald Müller, Musikdramaturg des Anhaltischen Theaters, ist seit 1990, unmittelbar nach seinem Studium, in Dessau „in Lohn und Brot“. Er wirkt für das Publikum mehr im Verborgenen, bekannt jedoch auch durch seine Konzerteinführungen und nach der "Entdeckung" durch Musikdirektor Wolfgang Schmorl, als renommierter Konzertmoderator.
Es ist Joachim Landgrafs gründlicher Recherche und geschickter Interview-Führung zu verdanken, dass die Stammtisch-Besucher sehr viel Wissenswertes über die Specialguests erfuhren.
So, dass Daniel Lipton in Paris geboren wurde, in New York aufwuchs, lange Zeit in Kanada lebte - alle drei Staatsbürgerschaften hat - und durch seine hoch geachtete Dirigententätigkeit auch "Ehrenbürger des Staates Kolumbien" ist. An seine Dessauer Zeit erinnert er sich immer gern, an das große Engagement der Musiker und dass „wir, Orchester und ich, alles miteinander besprochen und gemacht“ haben. Daniel Lipton und Ronald Müller erinnerten auch an das längste Konzert, das es je in Dessau gab: das „Opernkonzert“ am 2. Juli 1994 in einer Gesamtlänge von 4.13 Stunden.
Daniel Lipton erzählte, mit zeitlichem Abstand und Schmunzeln, von den Auseinandersetzungen mit Generalintendant Johannes Felsenstein über die Grundsatzfrage: „Oper generell in Deutsch oder der jeweiligen Originalsprache?“ Lipton: „Die Musik wurde stets für die jeweilige Originalsprache komponiert,“ möge sie auch so aufgeführt werden.
„Mein Herz ist hiergeblieben. Dessau bleibt immer in meiner besten Erinnerung", ein sehr bemerkenswertes emotionales Bekenntnis. "Schließlich habe ich im Dessauer Theater auch meine Frau kennengelernt", erzählt er schmunzelnd im Volksstimme-Gespräch. Die Familie, zu der noch eine 14-jährige Tochter und ein 12-jähriger Sohn gehören, lebt in Potsdam. Ansonsten ist Daniel Lipton, seit 1996 freischaffend, ein "Weltbürger in Sachen Musik".
Sein letztes Sinfoniekonzert in Dessau dirigierte er am 23. und 24. Mai 1996. Heute und morgen wird er die Anhaltische Philharmonie beim 4. Sinfoniekonzert der Saison dirigieren.
Für den Musikdramaturgen Ronald Müller war Daniel Lipton einer von, einschließlich Antony Hermus, fünf Generalmusikdirektoren, mit denen er in Dessau zusammenarbeitete bzw. aktuell tätig ist. Der aus dem Thüringer Wald stammende Musikdramaturg weiß nicht nur, wo es in Dessau die besten originalen Thüringer Bratwürste gibt. Er hat über 20 Jahre Dessauer Musikgeschichte mitkonzipiert. In Zusammenarbeit mit den Dirigenten entstanden zahlreiche interessante Sinfoniekonzertprogramme, hat er wesentlich mitgewirkt, dass die Philharmonie und ihre Musiker „raus an die Schulen gehen“, dass aus Teilnahmen an Generalproben Schülerkonzerte wurden.
Damit ein GMD gut arbeiten kann, muss das Umfeld stimmen, so Antony Hermus. „Ronald Müller ist eine solche Person, kein Nur-Zustimmer, sondern einer, der mitdenkt, sich einbringt, auch Angedachtes in Frage stellt. Und - meistens hat er auch recht“, lobt Antony Hermus.
Gespannt sind die Stammtisch-Gäste immer auf das kulturelle "Beiprogramm", in dem
die Musiker nicht selten "künstlerisch fremdgehen". Hornist Dietmar Adam, ehemaliger Thomaner, begleitet von Antony Hermus, begeisterte mit zwei Gesangsauftritten, darunter aus "Messias" von Händel. Weitere Musikerinnen und Musiker sangen als „Singphilharmonie-Nonett“ unter anderem mehrstimmig weihnachtliche Lieder. Spontan reichten die Gesangssolisten Angelina Ruzzafante, David Ameln und Ulf Paulsen dem GMD mitgebrachte Noten.
Übrigens hat Ulf Paulsen angekündigt, zum nächsten Stammtisch werde er seine Posaune mitbringen. Wenn Instrumentalisten singen, werden Sänger konzertieren. Das wird voraussichtlich im Mai sein.
10.01.2012, 11:30 | tags:
Anhaltische Philharmonie
1173
Johannes Killyen, Mitteldeutsche Zeitung, 10.01.2012
Große Bögen und Linien
Klassische Konzerte heben sich in der schnelllebigen Musikbranche durch eine gewisse Überzeitlichkeit vom Umfeld ab - ihre Protagonisten bleiben nicht selten über Jahrzehnte hinweg die gleichen. Auch damit ist der frenetische Applaus für Gastdirigent Daniel Lipton am Ende des vierten Sinfoniekonzertes der Anhaltischen Philharmonie durchaus zu erklären: Der gebürtige Franzose, Weltreisende und musikalische Grandseigneur hat in Dessau immer noch viele Fans, die ihn als Generalmusikdirektor des Anhaltischen Theaters kennen.
Wann das war? In den Jahren 1992 bis 1995, als - nur zum Beispiel - DSDS-Starlet Annemarie Eilfeld aus Dessau-Roßlau gerade ihrer Grundschulzeit entgegen sah. Lipton ist den Philharmonikern in guter Erinnerung, sein Dirigat wurde als stilprägend empfunden. Die Vorliebe für große Bögen und Linien, das Zutrauen in die Eigenständigkeit und Gestaltungskraft der Musiker waren am Freitag im Sinfoniekonzert rasch zu merken. Lipton trieb das Orchester etwa in Prokofjews "Symphonie classique" nicht zu Rekordtempi oder Extremdynamik, sondern ließ luftig, leicht und zugleich entspannt aufspielen. Ein Balance-Akt im besten Sinne.
Was gerade in diesem Stück schwerer fällt als der Höreindruck vermuten lässt, denn die D-Dur-Sinfonie ist in ihrer klassizistischen Durchsichtigkeit, auch technisch übrigens, für Streicher und Holzbläser äußerst heikel - für die Anhaltische Philharmonie in ihrer derzeitigen Verfassung aber eine gut lösbare Aufgabe.
Nicht ganz so überzeugend gelang Maurice Ravels großes G-Dur-Klavierkonzert, das der vielfach ausgezeichnete Solist Hardy Rittner (Jahrgang 1981) eine Spur zu hart und undifferenziert anging. Sein offenbar am historischen Pianoforte geschulter Anschlag überzeugt bei klassischen Werken oder Schönbergs Klaviermusik und setzt bei einer aktuellen Brahms-Einspielung ganz eigene Akzente.
Für das hingehauchte, jazzige, skurrile Ravel-Konzert mit seinen feinen Mischklängen spielte Rittner jedoch manchmal zu direkt und kraftvoll - gerade im überirdisch schönen zweiten Satz, dessen Höhepunkt ein großes Englischhorn-Solo markiert. Dass Rittner zugleich ein begnadeter Stilist und Techniker ist, bleibt unbestritten und war nicht nur in seiner Skrjabin-Zugabe zu hören.
Als Rarität des Abends standen nach der Pause acht russische Volkslieder auf dem Programm, die in der reizenden Orchesterbearbeitung von Anatoli Ljadow (1855-1914) freilich nichts mehr mit Volksmusik zu tun hatten. In bester Absicht war der Komponist, darum bemüht, den überlieferten Melodien aus ihrer vermeintlichen Schlichtheit aufzuhelfen. Dass Volksmusik auch einen ganz eigenen Wert hat, realisierten erst später Kollegen wie Béla Bartók.
Um ein Haar hätte Ljadow übrigens auch ein Ballett vertont, dessen Musik heute längst ein Klassiker ist. Doch er kam mit der Komposition nicht recht voran und verlor den Auftrag der Ballett-Legende Sergej Djagilew schließlich an Igor Strawinsky, dessen Suite "Der Feuervogel" den Abschluss des Konzertes bildete.
Dieses schillernde, von so vielen Stilen beeinflusste Werk, dirigierte Daniel Lipton erneut mit unaufgeregter Souveränität, forderte nicht den Effekt, sondern arbeitete organisch die Substanz heraus. Das war nicht revolutionär, aber eindrücklich und Grund genug zu Ovationen, für die sich Lipton schon ganz am Anfang mit einer verbalen Liebeserklärung an das Anhaltische Theater - und an seine Frau, die er in Dessau kennenlernte - prophylaktisch bedankt hatte.
05.01.2012, 12:01 | tags:
Anhaltische Philharmonie
1169
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 05.01.2012
Musikalischer Abend «A la russe»
Er schaut sich um in der Kantine. "Neue Bilder an den Wänden", meint er und sieht sie interessiert an. "Ansonsten hat sich aber nicht sehr viel verändert." Will heißen, Daniel Lipton kennt sich noch aus im Anhaltischen Theater, weiß die Wege zum Orchestergraben ebenso wie die unters Dach zur Probenbühne. Der frühere Generalmusikdirektor der Anhaltischen Philharmonie ist für das erste Sinfoniekonzert des neuen Jahres an seine alte Wirkungsstätte zurückgekehrt. "Antony Hermus hat mich gefragt - und ich habe sofort zugesagt", erzählt der großgewachsene Dirigent.
Es scheint tatsächlich ein Konzertjahrgang der Wiedersehen zu sein, denn auch im 7. Sinfoniekonzert "Verachtet mir die Meister nicht!" im Mai treffen die Konzertgänger auf zwei weitere alte Bekannte: Dirigent der Konzertabende ist Bertrand de Billy, Solistin Heidi Brunner. "Beide waren zu meiner Zeit auch am Haus, de Billy mein Kapellmeister", sagt dazu Daniel Lipton, der wie auch de Billy seine Frau am Dessauer Theater fand. Bertrand de Billy heiratete Heidi Brunner, Daniel Lipton die Tänzerin Sandra Belitz. Zwei Kinder, Junge und Mädchen, hat das Paar, beide im Teenageralter. "Ich habe mich in den vergangenen Jahren sehr der Familie gewidmet", erzählt Lipton. Nun aber dirigiert er wieder und eilt zur Probe für das Sinfoniekonzert "A la russe".
Eine "klassische" Sinfonie, geschrieben von Sergej Prokofjew im Jahre 1917, die Sinfonie Nr. 1 D-Dur. Das Klavierkonzert eines Franzosen von 1932, das sowohl Mozart, als auch den Jazz beschwört: Maurice Ravels Klavierkonzert G-Dur. Acht russische Volkslieder von Anatoli Ljadow, die nicht gesungen werden, sondern in einer reinen Orchesterbearbeitung erklingen. Und ein farbenprächtiges russisches Märchen als Ballett, jedoch nicht getanzt, sondern als Suite konzertant dargeboten: Igor Strawinskys Ballettsuite "Der Feuervogel". Das sind die Zutaten zu diesem besonderen Konzert.
Als Solist erlebt das Publikum Hardy Rittner am Flügel. Der Pianist, Jahrgang 1981, studierte am Salzburger Mozarteum und ist weltweit als Solist gefragt. 2009 erhielt er den ECHO-Klassik als Nachwuchskünstler und ein Jahr später für die solistische Einspielung von Schönbergs Klavierwerk.
03.01.2012, 09:30 | tags:
Anhaltische Philharmonie
1164
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 03.01.2012
5., 6. und 8. Januar in Dessau
Ein Bekannter am Pult
Sie sangen vom "Prinz vom Askanien" und bedienten sich reichlich aus der 800-jährigen Geschichte Anhalts, um dem kleinen Land, das in diesem Jahr sein Jubiläum feiert, "Einen Strauß für Anhalt" zu binden. Begeistert nahm das Publikum am Neujahrsnachmittag das Neujahrskonzert im Anhaltischen Theater auf. Vor ausverkauftem Haus musizierte die Anhaltische Philharmonie unter ihrem Generalmusikdirektor Antony Hermus.
Den Prinzensong und noch manche andere Gesangseinlage steuerten Jan-Pieter Fuhr, Jan Kersjes, Thorsten Köhler und Patrick Rupar bei. Ronald Müller führte durch das Programm dieses heiteren Konzerts mit Kompositionen von Johann Strauß (Vater und Sohn), Josef und Eduard Strauß, Leo Fall, Oscar Straus, Julius Fucik, Jacques Offenbach, Siegfried Bethmann und Leroy Anderson aber auch von Richard Wagner und Richard Strauss. Wer Neujahr noch nicht frisch genug für so viele Noten war, der kann sich eine Wiederholung an diesem Sonntag anschauen. Das Konzert wird im Anschluss an den 17 Uhr beginnenden Neujahrsempfang des Oberbürgermeisters in einer leicht verkürzten Fassung des Programms ohne Pause aufgeführt.
Bereits am Dienstagabend begegnet man Orchestermusikern fernab ihres Arbeitsplatzes denn um 19 Uhr, wird im Ratskeller zum Philharmonie-Stammtisch eingeladen. Gäste von Joachim Landgraf sind unter anderem der ehemalige Dessauer GMD Professor Daniel Lipton, der das 4. Sinfoniekonzert in dieser Woche dirigieren wird, und Musikdramaturg Ronald Müller. Freuen darf sich das Publikum wieder über manche musikalische Überraschung. Für Speisen und reichlich Philharmonie-Bier ist ebenfalls gesorgt, verspricht das Anhaltische Theater.
Werke aus Russland
Beim 4. Sinfoniekonzert der Anhaltischen Philharmonie an diesem Donnerstag und Freitag, jeweils um 19.30 Uhr, steht mit Daniel Lipton ein Mann am Dirigentenpult des Dessauer Orchesters, der von 1992 bis 1995 als Generalmusikdirektor am Anhaltischen Theater wirkte, und nun, fast genau 20 Jahre nach seinem ersten Dessauer Dirigat (Verdis "Rigoletto" am 20. Februar 1992) als Gastdirigent wieder an seine damalige Wirkungsstätte zurückkehrt.
Sein Programm ist mit dem Motto "A la russe" überschrieben. Es beinhaltet drei Werke russischer Komponisten des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts: Sergej Prokofjews genialen Wurf der "Symphonie classique", Anatoli Ljadows "Acht russische Volkslieder" für Orchester und die farbenprächtige Suite aus Igor Strawinskys Ballettklassiker "Der Feuervogel". Dazwischen steht, wie übrigens auch in Liptons allererstem Dessauer Sinfoniekonzert im Mai 1992, das Klavierkonzert in G-Dur von Maurice Ravel, das in seinen drei Sätzen sowohl Mozart als auch den Jazz heraufbeschwört. Mit dem zweifachen Echo-Klassik-Preisträger Hardy Rittner konnte ein junger vielversprechender Pianist als Solist gewonnen werden.
Das nächste Konzert der Kammermusikreihe, die das Anhaltische Theater seit fast 20 Jahren im Georgium durchführt, steht am 14. Januar um 15.30 Uhr auf dem Spielplan. Es ist gleichzeitig das letzte vor dem durch die umfangreichen Restaurierungsmaßnahmen im Schloss bedingten Umzug der Reihe ins Bauhaus. Das Anhaltische Streichquartett sowie Beate Ann-Neumann (Flöte) und Christine Schreiber (Harfe) spielen Kompositionen von Ludwig van Beethoven, E.T.A. Hoffmann, Mark Lavry und Florent Schmitt.
Ebenfalls am 14. Januar um 15 Uhr lädt das Anhaltische Theater zum ersten Kaffeekonzert ins Große Haus ein. Die Kaffeekonzerte - eine neue Reihe -, die leichte klassische Musik präsentieren, finden immer an Nachmittagen statt und dauern jeweils nur eine knappe Stunde. Sänger des Anhaltischen Theaters und ausgewählte Musiker bieten dem Publikum beliebte und spritzige Melodien in der festlichen Atmosphäre des großen Saals. Zum Auftakt am 14. Januar offerieren die Sänger des Opernensembles einen Strauß schönster Operettenmelodien von Strauß, Lehár, Kálmán, Zeller u.a. Im Anschluss an das Konzert besteht die Möglichkeit, das Angebot des Theaterrestaurants zu nutzen und den Nachmittag bei Kaffee und Kuchen ausklingen zu lassen.
Auf Schnitzeljagd
Zweimal wird im Januar eine "Musikalische Schnitzeljagd" veranstaltet. Hierbei erfahren Kinder im Grundschulalter, was alles zu einem Orchester gehört und lernen einzelne Instrumentengruppen kennen, die im ganzen Theatergebäude verstreut sind. Das Ganze startet u.a. am 13. Januar um 10.30 sowie am 24. Januar um 10 Uhr.
Karten und Informationen zu den Konzerten unter Telefon 0340 / 2 51 13 33 und im Internet unter www.anhaltisches-theater.de oder an den Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
28.12.2011, 11:45 | tags:
Anhaltische Philharmonie
1162
Frederik Hanssen, Der Tagesspiegel,28.12.2011
Das Team ist der Star
Antony Hermus dirigiert im Konzerthaus.
Da sitzt man an diesem zweiten Weihnachtsfeiertag im nahezu ausverkauften Konzerthaus am Gendarmenmarkt, beobachtet Antony Hermus dabei, wie er seine Anhaltische Philharmonie Dessau durch Antonin Dvoraks achte Sinfonie leitet – und denkt sich: An wen erinnert mich dieser 38-jährige holländische Dirigent bloß? Ja, richtig: an Jürgen Klopp!
Wie der Fußballtrainer ist auch Antony Hermus ein Wir-Typ, ein Teamgeist-Prediger, genrebedingt nur eben nicht mit Worten, sondern mit Gesten. Energetisch wie bei einem Motivationscoach wirken seine Bewegungen, ermunternd, zielführend. Und tatsächlich vermag er mit dieser Taktik ein Maximum an Engagement aus seinem Team herauszuholen.
Ein saftiger, enorm farbenreicher Sound ist da am Montag zu hören, ein äußerst lebendiges, plastisches Musizieren, sehr direkt und opernhaft.
Mächtig kann die Anhaltische Philharmonie auftrumpfen, wo es der vaterländische Furor in Smetanas „Aus Böhmens Hain und Flur“ verlangt. Ebenso aber gelingen immer wieder auch innige, beseelte Momente, beispielsweise im Finalsatz der Dvorak-Sinfonie beim Thema der Celli. Überhaupt bleiben bei dieser festlich erstrahlenden Achten keine Wünsche offen. Im Fall von Smetanas Tondichtung dagegen hätten die Streicher noch an einigen heiklen Stellen feilen können.
Unprätentiös spielt Ragna Schirmer Mozarts A-Dur Klavierkonzert KV 488, ganz ohne Virtuosenzauber. Den stärksten Eindruck hinterlässt so die Pizzicato- Passage am Ende des Adagios, bei der die Solistin nur noch einzelne Töne anschlägt – und dabei wirkt wie eine einsame Wanderin in winterlichem Land.
Jürgen Klopp, der Trainer, ist mit dem FSV Mainz bekannt geworden und mit Borussia Dortmund berühmt. Antony Hermus startete seine Karriere am Stadttheater Hagen und arbeitet sich seit 2009 nun mit den Dessauern in der deutschen Bühnenliga hoch. Wie Klopp hat auch der heitere Holländer einen leicht clownesken Einschlag, ebenso wie er verweigert sich der Maestro dem üblichen Dresscode, steigt im Konzerthaus in kurzer schwarzer Kutte aufs Podium. Rundum sympathisch.
22.12.2011, 12:12 | tags:
Anhaltische Philharmonie
1158
Pressemitteilung vom 22.12.2011
Konzerte im Monat Januar
Das neue Jahr wird von der Anhaltischen Philharmonie am 1. Januar um 17 Uhr mit einem Neujahrskonzert unter dem Motto „Ein Strauß für Anhalt“ im Großen Haus eröffnet. Das Programm dieses heiteren Konzerts zum Start ins Anhalt-Jahr bringt Kompositionen von Johann Strauß (Vater und Sohn), Josef und Eduard Strauß, Leo Fall, Oscar Straus, Julius Fucik, Jacques Offenbach, Siegfried Bethmann und Leroy Anderson aber auch von Richard Wagner und Richard Strauss. Generalmusikdirektor Antony Hermus steht am Pult seines Orchesters. Mit Gesangseinlagen glänzen Jan-Pieter Fuhr, Jan Kersjes, Thorsten Köhler und Patrick Rupar. Durch das Programm führt Ronald Müller.
Am 8. Januar wird im Anschluss an den 17 Uhr beginnenden Neujahrsempfang des Oberbürgermeisters eine leicht verkürzte Fassung des Programms ohne Pause aufgeführt.
Gleich zu Beginn des neuen Jahres, am 3. Januar um 19 Uhr, wird wieder zum Philharmonie-Stammtisch eingeladen. Gäste von Joachim Landgraf sind u.a. der ehemalige Dessauer GMD Prof. Daniel Lipton, der das 4. Sinfoniekonzert dirigieren wird und Musikdramaturg Ronald Müller. Freuen darf sich das Publikum wieder über manche musikalische Überraschung. Für Speisen und reichlich Philharmonie-Bier ist ebenfalls gesorgt.
Beim 4. Sinfoniekonzert der Anhaltischen Philharmonie am 5. und 6. Januar um 19.30 Uhr steht mit Prof. Daniel Lipton ein Mann am Dirigentenpult des Dessauer Orchesters, der von 1992 bis 1995 als Generalmusikdirektor am Anhaltischen Theater wirkte, und nun, fast genau 20 Jahre nach seinem ersten Dessauer Dirigat (Verdis „Rigoletto“ am 20. Februar 1992) als Gastdirigent wieder an seine damalige Wirkungsstätte zurückkehrt. Sein Programm ist mit dem Motto „A la russe“ überschrieben. Es beinhaltet drei Werke russischer Komponisten des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts: Sergej Prokofjews genialen Wurf der „Symphonie classique“, Anatoli Ljadows „Acht russische Volkslieder“ für Orchester und die farbenprächtige Suite aus Igor Strawinskys Ballettklassiker „Der Feuervogel“. Dazwischen steht, wie übrigens auch in Liptons allererstem Dessauer Sinfoniekonzert im Mai 1992, das Klavierkonzert in G-Dur von Maurice Ravel, das in seinen drei Sätzen sowohl Mozart als auch den Jazz heraufbeschwört. Mit dem zweifachen ECHO-Klassik-Preisträger Hardy Rittner konnte ein junger vielversprechender Pianist als Solist gewonnen werden.
Das nächste Konzert der Kammermusikreihe, die das Anhaltische Theater seit fast 20 Jahren im Georgium durchführt, steht am 14. Januar um 15.30 Uhr auf dem Spielplan. Es ist gleichzeitig das letzte vor dem durch die umfangreichen Restaurierungsmaßnahmen im Schloss bedingten Umzug der Reihe ins Bauhaus. Das Anhaltische Streichquartett sowie Beate Ann-Neumann(Flöte) und Christine Schreiber (Harfe) spielen Kompositionen von Ludwig van Beethoven, E.T.A. Hoffmann, Mark Lavry und Florent Schmitt.
Am Sonnabend, den 14. Januar um 15 Uhr lädt das Anhaltische Theater zum ersten Kaffeekonzert ins Große Haus ein. Die neue Reihe der Kaffeekonzerte, die leichte klassische Musik präsentieren, finden immer an Nachmittagen statt und dauern jeweils nur eine knappe Stunde. Sänger des Anhaltischen Theaters und ausgewählte Musiker bieten dem Publikum beliebte und spritzige Melodien in der festlichen Atmosphäre des großen Saals.
Zum Auftakt am 14. Januar offerieren die Sänger des Opernensembles Ihnen einen Strauß schönster Operettenmelodien von Strauß, Lehár, Kálmán, Zeller u.a.
Im Anschluss an das Konzert besteht die Möglichkeit, das Angebot unseres Theaterrestaurants zu nutzen und den Nachmittag bei Kaffee und Kuchen ausklingen zu lassen.
Zweimal wird im Januar (am 13. Januar um 10.30 Uhr sowie am 24. Januar um 10 Uhr)eine „Musikalische Schnitzeljagd“ veranstaltet. Hierbei erfahren Kinder im Grundschulalter, was alles zu einem Orchester gehört und lernen einzelne Instrumentengruppen kennen, die im ganzen Theatergebäude verstreut sind.
Karten und Informationen unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
15.12.2011, 14:27 | tags:
Anhaltische Philharmonie
1150
Pressemitteilung vom 15.12.2011
Kaffeekonzert – leichte Klassik zur Kaffeezeit
Am Sonnabend, den 14. Januar um 15 Uhr lädt das Anhaltische Theater zum ersten Kaffeekonzert ins Große Haus ein.
„Die Kaffeekonzerte sind eine programmatische Entscheidung, ein spezielles Angebot unseres Theaters an ältere Menschen, Senioren und auch Bewohner von Heimen, die bewusst auf deren Bedürfnisse zugeschnitten sind. Konzerte, Opern und Operetten stehen meist am Abend auf dem Spielplan, zu einer Zeit, zu der viele Senioren nicht mehr unterwegs sein möchten und deshalb lieber verzichten. Auch die Länge der Vorstellungen ist für Ältere Menschen oft ein Problem. Aus diesem Grund auf Theaterbesuche verzichten zu müssen, ist ein Verlust an Lebensqualität“. – so Generalintendant André Bücker
Die neue Reihe der Kaffeekonzerte, die leichte klassische Musik präsentieren, finden deshalb immer an Nachmittagen statt und dauern jeweils nur eine knappe Stunde. Sänger des Anhaltischen Theaters und ausgewählte Musiker bieten dem Publikum beliebte und spritzige Melodien in der festlichen Atmosphäre des großen Saals.
Zum Auftakt am 14. Januar offerieren die Sänger des Opernensembles Ihnen einen Strauß schönster Operettenmelodien von Strauß, Lehár, Kálmán, Zeller u.a.
Im Anschluss an das Konzert besteht die Möglichkeit, das Angebot unseres Theaterrestaurants zu nutzen und den Nachmittag bei Kaffee und Kuchen ausklingen zu lassen.
Tickets (7,- Euro) und Informationen unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
13.12.2011, 15:38 | tags:
Anhaltische Philharmonie
1149
03.12.2011, 10:42 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
1135
Oliver Hohlbach, OPERAPOINT, 26.11.2011
LA BOHEME – Dessau, Anhaltisches Theater
von Giacomo Puccini (1858-1924), Szenen in vier Bildern, Libretto: Giuseppe Giacosa und Luigi Illica, UA: 1. Februar 1896 Turin, Teatro Regio
Regie: Roman Hovenbitzer, Bühne/Kostüme:: Tilo Steffens
Dirigent: Antony Hermus, Anhaltische Philharmonie, Opernchor und Kinderchor Dessau, Choreinstudierung: Helmut Sonne und Dorislava Kuntscheva
Solisten: Angelina Ruzzafante (Mimì), Cornelia Marschall (Musetta), Artjom Korotkov (Rodolfo), Ulf Paulsen (Marcello), Andrew Ashwin (Schaunard), Kyung-Il Ko (Colline), Cezary Rotkiewicz (Der Tod/Benoit/Alcindoro/Zöllner/Sergeant) u.a.
Besuchte Aufführung: 25. November 2011 (Premiere 12.11.2011)
Kurzinhalt
Rodolfo, Marcello, Schaunard und Colline sind bettelarme Künstler und unzertrennliche Freunde. Sie leben unbeschwert von der Hand in den Mund in einer Mansarde über den Dächern des Pariser Künstlerviertels Quartier Latin. Rodolfo begegnet Mimì und verliebt sich in sie. Marcello erobert seine ehemalige Geliebte Musette zurück. Den Weihnachtsabend verbringt man im Café Momus. Nach der Trennung von Rodolfo verschlimmert sich Mimìs Krankheit. Sie kehrt zu ihm zurück und stirbt im Kreis ihrer Freunde.
Aufführung
Man erblickt einen Parkettboden, der sich spinnennetzartig um die Bühnenmitte herum entwickelt. Eine Zeltplane als Raumteiler und Stellwände im hinteren Halbrund begrenzen in den ersten Bildern die Spielfläche. Ein Tisch, ein paar Stühle und ein Piano bilden das Inventar. Im zweiten Bild tauchen zwei Bistro-Tischchen mit Stühlen auf, im dritten Bild steht links die Leinwand und rechts eine Rampe zu einem Saal. Das vierte Bild ist mit dem ersten identisch, nur fehlen die Stellwände, damit eine schwarze, rauchende Trauergemeinde den Blick auf die sterbende Mimì hat. Der Tod mit bleichem Gesicht und schwarzem Zylinder ist allgegenwärtig, die Rollen des Benoit, des Alcindoro, des Zöllners und des Sergeant sind in dieser Rolle zusammengefaßt. Außerdem spielt eine Tänzerin namens Poesie mit, sie ist genauso gekleidet wie Mimì. Diese trägt von Anfang bis Ende ein gelbes Kleid, Musetta wechselt vom weißen Kleid, zum offenherzigen kleinen Schwarzen mit pinkfarbenen Schuhen, um im letzten Bild zum schwarzen Todesengel mit Schwingen zu werden. Die Weihnachtsgesellschaft trägt weiße Festtagskleidung mit bunten Luftballons, die Geschenkkartons sind leer.
Sänger und Orchester
Antony Hermus drückt von Anfang an auf das Tempo, wohl um die süßlichen Momente platt zu walzen. So wirkt die Musik eher unsentimental und ist geradliniger. Dennoch gelingt es ihm, die charismatischen Farben, sprich die italienischen Manierismen, in den Klangteppich einzuweben. Auch das Orchester ist bestens auf diese Raumklangwirkung eingestellt. Unbestrittene Hauptdarstellerin ist Angelina Ruzzafante als Mimì. Ihr schwerer Koloratursopran hat keine Probleme mit dieser Partie, beispielhaft ihr immer leiser werdendes Piano im Dahinsterben. Artjom Korotkov als ihr Liebhaber Rodolfo kann in Sachen Durchschlagskraft nicht mithalten, wirkt gerade im ersten Bild immer leiser als Mimì, sein Klangbild hört sich fragil und zerbrechlich an. Ulf Paulsen kann wieder mit dem hervorragenden Zusammenspiel zwischen Gesang und Ausstrahlung für sich einnehmen. Hinsichtlich Ausdruckskraft, stimmlicher Gestaltung und Reichweite in den oberen und tiefen Registern gelingt dem Hausbariton eine wahre Charakterstudie des Marcello. Kyung-Il Ko kann mit seinem Baß besonders in den tiefen Stellen der Mantel-Arie des Colline glänzen, während Andrew Ashwin als Schaunard unauffällig blaß bleibt. Cornelia Marschall gestaltet die Rolle der Musetta eindrucksvoll. Lebenslust und Begierden werden glaubhaft stimmlich dargestellt und damit die Rolle der Musetta als charakterliche Gegenspielerin der Mimì aufgewertet. Eine großartige Leistung vollbringen wieder einmal der Chor und ganz besonders der Kinderchor. Dank gutem Zusammenspiel mit dem Orchester und Solisten, sowie der daraus entstehenden Klangwirkung (letzteres besonders beim Kinderchor!) entsteht wieder einmal ein großartiges, emotional aufwühlendes Musikerlebnis.
Fazit
Vorhang zu und viele Fragen bleiben offen. Die sehr verrätselte Inszenierung sorgte für vielerlei Fragen des Publikums während der Premierenfeier. Soll es ein surrealer Traum der Mimì sein? Ist die Verdoppelung der Mimì durch eine Tänzerin namens Poesie der Wunschtraum des Poeten Rodolfo, der in Mimì ein Idealbild sieht? Über die musikalische Seite dieser Produktion ließ das Publikum indes keinen Zweifel: Solisten, Chor (besonders der Kinderchor!), Orchester und Dirigent wurden für eine Spitzenleistung umjubelt gefeiert.
02.12.2011, 11:56 | tags:
Anhaltische Philharmonie
1131
Pressemitteilung vom 02.12.2011
Konzerte im Monat Dezember
Nachdem das erste gutbesuchte Weihnachtliche Konzert gestern im Elbe-Werk Roßlau erklang, ist es noch weitere drei Mal im Großen Haus des Anhaltischen Theaters zu hören (am 9. Dezember um 19.30 Uhr, am 10. um 17 Uhr und 23. Dezember um 18 Uhr).
Thematisch ist es auf Winter und Schnee ausgerichtet. Wenn schon das Wetter keine weihnachtliche Stimmung aufkommen lässt, die Musik ganz bestimmt! So erklingen beispielsweise die „Musikalische Schlittenfahrt“ von Leopold Mozart, „Der Winter“ aus den „Vier Jahreszeiten“ von Antonio Vivaldi und die Geschichte vom „Schneemann“, die Howard Blake in Musik gesetzt hat. Außerdem zu hören sind der berühmte Abendsegen mit Traumpantomime aus Engelbert Humperdincks Oper „Hänsel und Gretel“, und natürlich stehen auch Weihnachtslieder auf dem Programm. Auch die Besetzung dieses abwechslungsreichen Konzerts kann sich sehen lassen.
Als Violinsolistin in Vivaldis „Winter“ und in Bachs a-Moll-Konzert ist mit Annemarie Gäbler die 1. Preisträgerin des 2010 in Dessau ausgetragenen Violin-Förderwettbewerbs der Ostdeutschen Sparkassenstiftung zu erleben. Mit Kristina Baran und Anne Weinkauf wirken zwei Solistinnen aus dem Opernchor mit. Als Erzähler sind alternierend Jan-Pieter Fuhr und Patrick Rupar dabei. Ferner treten das Kinderballett und der Kinderchor auf, aus dessen Reihen auch die Knabensolisten für den „Schneemann“ stammen: Conrad Papesch, Adrian Römpp und Matthias Wendenburg. Dirigent der Anhaltischen Philharmonie bei diesem weihnachtlichen Konzert für die ganze Familie ist Daniel Carlberg.
Am Vorabend des 4. Advent, Samstag, den 17. Dezember lädt das Anhaltische Theater zum 2. Kammerkonzert ins Schloss Georgium ein. (Der Termin musste aus dispositionellen Gründen vom 3. auf den 17. Dezember verschoben werden.) Das Jade-Trio aus Satoko Iwasaki (Viola), Reinhard Gutte (Klarinette) und Boris Cepeda (Klavier) spielt Werke von Wolfgang Amadeus Mozart, Carl Reinecke und Michail Glinka. Das Konzert beginnt 15.30 Uhr.
Zu Beginn des neuen Jahres, am 1. Januar um 17.00 Uhr und am 8. Januar um 18.30 Uhr gibt es traditionell ein Neujahrskonzert im Anhaltischen Theater. Am 8. Januar um 17 Uhr beginnen bereits die Ansprachen zum Neujahrsempfang der Stadt Dessau-Roßlau. Das Neujahrskonzert steht diesmal unter dem Titel „Ein Strauß für Anhalt“ – Heiteres Konzert zum Start ins Anhalt-Jahr“. Das Publikum bekommt jedoch nicht nur einen Strauß zu hören, sondern gleich mehrere: Johann, Josef, Eduard, Oscar, Richard! Ihre Kompositionen erklingen ebenso wie Werke von Julius Fucik, Jacques Offenbach, Leroy Anderson und anhaltischen Musikern wie Friedrich Schneider und Siegfried Bethmann. Und wie es sich für ein heiteres Geburtstagskonzert gehört, wird es auch einige anhaltspezifische Überraschungen geben ...
Tickets und Informationen unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
29.11.2011, 11:23 | tags:
Anhaltische Philharmonie
1128
Johannes Killyen, Mitteldeutsche Zeitung, 29.11.2011
«Impuls»-Festival
Nachtmusiken wecken einen Traum in einem Traum
Abseits aller Fragen nach Material und Stil ist zeitgenössische Musik auch eine pädagogische Herausforderung. Wie kann sie dem Publikum nahe, wie können die Hörer überhaupt zu ihr gebracht werden? Das in seiner Art singuläre "Impuls"-Festival in Sachsen-Anhalt hat mit insgesamt 7 000 Besuchern und einem Plus von 27 Prozent sowie mit dem Abschluss in der Dessauer Marienkirche exemplarisch gezeigt, wie aus der Koppelung kluger Ideen ein erfolgreiches Konzept werden kann.
Die Rezeptur lautet wie folgt: Man nehme mit Dieter Hallervorden als Rezitator ein renommiertes Zugpferd, kombiniere nicht zu lange, doch klangmächtige Werke unter dem fasslichen Motto "Traum", gebe mit Hans Rotman einen ernsthaft-unterhaltsamen Moderator dazu, steigere die Abwechslung durch gleich fünf Dirigenten und schließe mit einem fulminanten Rausschmeißer.
Doch der Reihe nach: Unter Leitung des jungen Leipziger Dirigenten Michael Ellis Ingram brachte die Anhaltische Philharmonie die "Kleine Nachtmusik" von Carl-Frederik Zeh zur Uraufführung. Bereits mit der darauf folgenden "Nachtmusik im Sommer mit Blumen, Vögeln, Wind und Hörnern" (1986 / 2001, Leitung: Christian Fitzner) von Detlev Glanert gewann die Zusammenstellung der Werke Methode: Ihnen gemeinsam war eine große Sinnlichkeit, bildhafte Klanglichkeit, die schillernden Flächen den Vorzug gab vor rhythmischen Verästelungen und linearer Entwicklung. Während Glanerts Stück durchaus als Filmmusik ohne Film gehört werden konnte (ebenso wie "Dawn" von Einojuhani Rautavaara - Leitung: Johannes Rieger), stellten die hellwachen Dessauer Musiker mit "The Night" (1981) von Toru Takemitsu ein musikalisches Seegemälde aus: Getragen von Streicherwellen wurden dabei die matt schimmernde Altflöte von Ursula Weiler.
Zwei Werke stellten schließlich einen fabelhaften Komponisten in den Mittelpunkt, der zum Kurt-Weill-Fest selbst oft in Dessau zu Gast war, aber auch in Abwesenheit beredt genug wirkt: Während "Nachtstaub I + II" (2002 / 2004, Leitung: Antony Hermus) die Verdichtung von Tönen und deren Entwicklung in großen Bögen beschreibt, ist "Manhattan Broadcasts" (1962 / 1964, Leitung: Hans Rotman) einfach eine großartige Jazz-Suite, die die Anhaltische Philharmonie in eine vollwertige Bigband verwandelte.
Mag sein, dass es dabei programmatisch auch um Schmiergeldzahlungen in der Politik ging - beim Publikum kam einfach nur lustvolle, hellwache Musik an. Edgar Allan Poes Verse, rezitiert von Dieter Hallervorden, waren damit wie fortgefegt: "Was wir scheinen und schaun im Raum, ist nur ein Traum in einem Traum."
MDR Figaro überträgt das Konzert am 6. Dezember um 20.05 Uhr.
22.11.2011, 12:10 | tags:
Anhaltische Philharmonie
1126
Johannes Killyen, Mitteldeutsche Zeitung, 22.11.2011
Träumendes Wasser und emotionaler Furor
SINFONIEKONZERT Fantastischer Beitrag der Philharmonie zum Impuls-Festival.
Sie geht einem nicht aus dem Kopf, auch Tage und Nächte danach. Dabei ist die Melodie niemals gleich: Zart und rein, wenn die Geigen sie spielen. Dann eine Lichtgestalt im Trubel der rauschenden Ballnacht - bald darauf nur noch eine klagende Erinnerung des Englischhorns auf kahlem Feld. Vom Wahnsinn getrieben begleitet sie uns zum Richtplatz und grinst uns schließlich an als schrille Klarinetten-Fratze auf dem Hexensabbat. Sie schenkt Jubel und Verzweiflung zugleich - sie ist eine fixe Idee.
Verzweifelte Liebe
1832, im zarten Alter von 27 Jahren, hat der Franzose Hector Berlioz seine „Symphonie Fantastique" komponiert, aus mehreren Gründen ein revolutionäres Werk. Einer davon: Erstmals in der Musikgeschichte macht hier ein Komponist seine eigenen Erlebnisse zum Inhalt einer Sinfonie. Dabei geht es - natürlich - um die große, verzweifelte Liebe eines romantischen Künstlers, der die Frau seiner (Opium-)Träume in Töne fasst: eine musikalische „idée fixe", so lautet seine eigene Bezeichnung.
Die „Symphonie Fantastique" ist Legende und doch viel zu selten im Konzertsaal zu hören. Ein Werk der Avantgarde aus dem 19. Jahrhundert, das deshalb gut zum „ImpulsFestival" für zeitgenössische Musik passte, in dessen Rahmen sich das dritte Sinfoniekonzert der Anhaltischen Philharmonie einzeichnete.
Ganz besonders konnte das Orchester an diesem Abend die Stärken ausspielen, die es sich unter Leitung von Generalmusikdirektor Antony Hermus in den vergangenen zwei Jahren erarbeitet hat: klangliche Geschlossenheit, Präzision und Farbigkeit. Berlioz ist nämlich nicht nur ein Pionier der Programmmusik, sondern so etwas wie der Gottvater der Instrumentationskunst.
Freilich gerät die Fülle der Berlioz'schen Klangexperimente leicht auch in den Verdacht der Effekthascherei. Vielleicht vermied Antony Hermus deshalb anfangs allzu große Extreme und jähe Wendungen, wie man sie von manchen Aufnahmen kennt. Doch als Meister der Dramaturgie hatte er den großen Auftritt für die beiden Schlusssätze vorbehalten, deren diabolische Klanggewalt vollkommen ausreichte, um die Zuhörer mit emotionalem Furor zu erfüllen.
Übrigens ging es in diesem Sinfoniekonzert thematisch um Träume, denen die Musik als subjektivste aller Künste naturgemäß eine geeignete Projektionsfläche bietet. Das gilt auch für Claude Debussys impressionistisches „Vorspiel zum Nachmittag eines Fauns" (Prélude à l'apres-midi d'un faune), das der „Symphonie Fantastique" an Finesse nicht nachsteht, aber statt eines programmatischen Horrortrips die erotischen Träume des Fruchtbarkeitsgottes sanft entfaltet. Herrlich, wie die Philharmoniker dieses Kleinod hinhauchten.
Stimme für das Wasser
Dennoch hatten auch die wirklich zeitgenössischen Werke des Abends keine Mühe, sich im Programm zu behaupten - vor allem das stimmungsvolle Flötenkonzert „I hear the water dreaming" (1987) des Japaner Toru Takemitsu, das ebenso wie viele Werke Debussys eine geheimnisvolle, für den Menschen unverfügbare Natur beschreibt - zauberhaft und zugleich beängstigend. Andrea Lieberknecht lieh als Solistin dem Wasser in seinem endlosen Fluss eine beeindruckende Stimme.
Ein „Traum“-hafter Abend also, mit Abstrichen beim ersten von zwei Blechbläser-Signalen von Takemitsu, dem es an Homogenität mangelte. Über den - wie von Berlioz vorgesehen - alptraumhaften Schluss seiner „Symphonie Fantastique" im Hexensabbat half zum Glück der Blick in die historische Realität hinweg: Ein Jahr nach der Uraufführung heiratete der Komponist die Frau, die der Auslöser für seine musikalische Leidensgeschichte gewesen war.
17.11.2011, 18:39 | tags:
Anhaltische Philharmonie
1121
Thomas Altmann, Mitteldeutsche Zeitung, 16.11.2011
Verstörend schön
IMPULS-FESTIVAL „Dolorosa" und „Psalmensinfonie" faszinieren im Anhaltischen Theater im Konzert "Es werde Licht".
Nun sind der Schmerzensmutter Maria mit dem Leichnam ihres Sohnes alle getöteten Kinder in den Schoß gelegt. Beweint wird die mörderische Unversöhnlichkeit, beklagt jede fanatische Sinnstiftung des Martyriums, befragt mithin die forensischen Kategorien der christlichen Lehre, die Kreuzes-Theologie, welche Hinrichtung und Heil bindet - all dies in der wörtlichen Aufführung des „Stabat mater". Es war ein Fest der sieben Schmerzen, das Konzert des Impuls-Festivals "Es werde Licht" am Sonntag im Anhaltischen Theater. Zwei Vertonungen religiöser Texte standen auf dem Programm: „Dolorosa" von Giles Swayne und die „Psalmensinfonie" von Igor Strawinsky. Es musizierten der MDR Rundfunkchor Leipzig unter Leitung von Howard Arman und die Anhaltische Philharmonie unter Leitung von Antony Hermus.
Schmerz- und tränenreich: Der Brite Swayne hat sein 2004 entstandenes Werk „Stabat mater" überarbeitet. „Dolorosa" op.95, für gemischten Chor, Solostimmen und Violoncello, wurde am 3. November in Leipzig uraufgeführt. Dem mittelalterlichen Gedicht, welches Eingang in die katholische Liturgie fand, sind hebräische, aramäische und arabische Texte hinzugestellt, das Kaddisch, das wichtigste jüdische Gebet, ein Segen der Toten aus dem Babylonischen Talmud und das muslimische Begräbnisgebet „Salàat al-Junàaza". Somit wird ein Klagelied angestimmt, das mit den Trauernden auf allen Seiten die religiöse Intoleranz beklagt.
Politisch, polyglott und polyphon, und doch schimmert durch transparente Texturen wie ein Destillat aus Stimmen und Sprachen das Persönliche, das nahezu Leibliche, das Unabwendbare der Trauer, des Schmerzes, der Wut. Swayne setzt das Violoncello (Anna Carewe) für das oder die Opfer, die Chorsolisten für die trauernden Familien und den Chor für die Gesellschaft. Zusammenstellen und zerlegen, atmen, schreien, schweigen, qualgeboren schön ist dieses Werk.
Gebrochen schön, peinigend leise leidet das Cello, als souffliere es einem Abwesenden die endgültige Verlassenheit. Und wie die Stimmen der Mütter immer wieder aus der Fassung fallen, verletzt unendlich. Und der Chor, diese Vielzahl, dieser Farb- und Formensinn, mitleidend und entfesselt. Schalom, Salaam, und Dona nobis pacem: Das eine Friedensgebet der drei Religionen bleibt zum Finale klagend, fragend, verstörend, wie unerlöst. Alle Hoffnung bleibt vage und der Mensch zurückgeworfen auf sich selbst.
Am Ende des Konzertes erklingt mit dem Schlussstein des Psalters, mit dem 150. Psalm, doch ein Festhymnus bei voll besetztem Tempelorchester, jedenfalls laut Bibeltext. Nur Strawinsky macht mal wieder einiges anders: Ohne Violinen, Bratschen, Klarinetten, mit zwei Klavieren, reichem Bläserensemble und Schlagwerk ist das Orchester unkonventionell besetzt. Sein doppeltes Gotteslob, „Alleluia, Laudate Dominum", ist weder laut noch prächtig, eher andächtig, verhalten, nachdenklich. Wunderbar still, wie in ein Gebet versenkt, lobt der Chor die versetzte Archaik aus.
Da sind Not- und Bittgesang; die Verse aus den Psalmen 38 und 39 schon verklungen. Wie ein Relief, wie der Schattenriss eines Klageliedes beginnt die Sinfonie, ein Präludium, dem eine Doppelfuge folgt. Auf Augenhöhe verknüpfen sich so im zweiten Satz Orchester und Chor, formen eine fesselnde Zwiesprache zwischen Alter Ego und Beter, zwischen instrumentaler und vokaler Fuge. Und auf das Lob, das wie ein Gebet erscheint, folgt das Fest, kantig, urwüchsig, schwebend. Chor und Orchester berauschen auch ohne prahlend jubelnden Lobpreis, klangvoll, intensiv, ungemein suggestiv und verstörend schön. Jetzt sind sie also doch irgendwie zugegen, die Tempelmusiker aus dem Schlussstein des Psalters, mit Zimbeln, Zithern und Posaunen.
15.11.2011, 18:46 | tags:
Anhaltische Philharmonie
1116
Pressemitteilung vom 15.11.2011
Premiere für die Scratch Dokumentation
Zum 3. Sinfoniekonzert am Donnerstag, 17. und am Freitag, 18. November, jeweils um 19.30 Uhr gibt es in der Pause noch eine weitere Premiere: auf Großer Leinwand wird eine kurze und äußerst unterhaltsame Dokumentation zum Scratch Konzert im Juni gezeigt. Das Konzert war einer der großen Erfolge der letzten Spielzeit. Die Mitteldeutsche Zeitung schrieb: „Was für ein Tag: Ein ganzes Theater voll glücklicher Menschen. Strahlende Zuschauer, aufgekratzte Sänger und über alle Maßen zufriedene Veranstalter.“
Barbara Janotte und Ulrike Wentzkat begleiteten einen Tag lang die Teilnehmer des Scratch Konzertes und hielten die schönsten Momente fest.
Tickets für das Sinfoniekonzert (oder aber ein günstiges Kombiticket für zwei IMPULS-Konzerte) und Informationen unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
14.11.2011, 17:50 | tags:
Anhaltische Philharmonie
1115
Pressemitteilung vom 14.11.2011
„Tagträume – Nachtgespinste“ – Ein Konzert, das in Traumwelten entführt
Am Donnerstag, 17. und am Freitag, 18. November, jeweils um 19.30 Uhr lädt das Anhaltische Theater zu einem ganz besonderen Konzert unter dem Titel „Tagträume – Nachtgespinste“ ins Große Haus ein. Wie im vergangenen Jahr beim erfolgreichen Planeten-Konzert „All-Gegenwart“ spielt die Anhaltische Philharmonie auch in diesem Jahr wieder ihr 3. Sinfoniekonzert im Rahmen des IMPULS-Festivals.
Zwei kurze Stücke des japanischen Komponisten Toru Takemitsu leiten die beiden Hälften des Konzertabends ein: „Day Signal“ und „Night Signal“ aus den „Signals from Heaven“. Im ersten Teil folgt darauf mit Claude Debussys „Prélude à l’après-midi d’un faune“ zunächst ein erotischer Tagtraum und mit Takemitsus „I hear the water dreaming“ ein eher kontemplativer, an Debussy orientierter Traum.
Solistin in diesem Stück ist Andrea Lieberknecht (Flöte). Andrea Lieberknecht war 13 Jahre lang Soloflötistin, zunächst im Rundfunkorchester des Bayerischen Rundfunks, dann im Sinfonieorchester des Westdeutschen Rundfunks. Außerdem unterrichtete sie an den Musikhochschulen Köln und Hannover, bevor sie 2002 als Professorin an die Hochschule für Musik und Theater in Hannover berufen wurde. Sie führt ein reiches Konzertleben mit Recitals, Solokonzerten und Kammermusik und ist Preisträgerin zahlreicher internationaler Musikwettbewerbe. Drei Jahre war sie Soloflötistin der Bayreuther Festspiele. Andrea Lieberknecht gibt Meisterkurse in Europa, Asien und Australien und ist Dozentin der „Villa Musica“. Zahlreiche Rundfunk- und CD-Aufnahmen mit Solo- und Kammermusik und eine internationale Jurytätigkeit runden das Bild ihrer musikalischen Aktivitäten ab.
Im zweiten Teil steht dann noch Hector Berlioz’ epochale „Symphonie fantastique“ aus dem Jahre 1830 auf dem Programm, in der Schwärmerei, Leidenschaft, Glück, Rausch, Zweifel und ein todesähnlicher Schlaf hinführen zum finalen Hexensabbat.
GMD Antony Hermus steht am Dirigentenpult. Er wird auch gemeinsam mit Musikdramaturg Ronald Müller bei der Konzerteinführung – jeweils 18.30 Uhr im Foyer – einige zusätzliche Informationen zu den erklingenden Werken geben.
"Andrea Lieberknecht offenbarte im Wechsel von wunderbar weicher Zartheit und suggestiver Beschwörung, von spielerischem Glanz und freier rapsodischer Gestaltung alle nur möglichen Farben und Phrasierungsmöglichkeiten der Flöte." – so die Süddeutsche Zeitung
Tickets (u.a. ein günstiges Kombiticket für zwei IMPULS-Konzerte) und Informationen unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
14.11.2011, 12:48 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
1112
Helmut Rohm, Volksstimme, 14.11.2011
Liebesgeschichte trifft die Herzen des Publikums
Mit Giacomo Puccinis Oper "La Bohème" hat das Anhaltische Theater Dessau einen weiteren künstlerischen Höhepunkt markiert. Roman Hovenbitzers Inszenierung wurde zur Premiere am Sonnabenabend im gut besetzten Großen Haus mit einem fast viertelstündigen Applaus begeistert gefeiert. Dabei standen die Darsteller völlig berechtigt im Mittelpunkt. Ein besonders herauszuhebendes Lob - das drückte der Beifall ebenso aus - gebührte dem Orchester unter GMD Antony Hermus.
Puccinis facettenreiche und eindringliche Musik, die immer eng verwoben ist mit der szenischen Handlung, bringen sie durchweg spannungsgeladen stets auf den Punkt - da ist wahrlich hohe Kunst gelungen.
Den Akteuren gab Regisseur Roman Hovenbitzer künstlerisch weitgespannte Räume, um das an sich überwiegend handlungsarme Geschehen doch kurzweilig "im Fluss" zu halten. Tilo Steffens (Kostüme und Bühne) schuf dazu die realen Räume, karg ausstaffiert, doch effektvoll symbolisch in der Wirkung.
Raffinierter Spiegeleinsatz machte im (Hand)-Umdrehen aus der Künstler-WG mit kaltem Ofen und Kerze - für Armut und Kälte - einen großen Festplatz. Opernchor (Leitung Helmut Sonne), Kinderchor (Leitung Dorislava Kuntscheva) und Statisterie erfüllten das Pariser Quartier Latin mit feiernder ausgelassener Volksaktion und mit schönem Gesang.
Roman Hovenbitzer hatte mit seiner Besetzung eine durchweg glückliche Hand. Brillanter Gesang (italienisch mit deutschen Übertiteln) und trefflich charakterisierendes Spiel wurden auch in keiner Weise geschmälert durch die zur Premiere nötigen kurzfristigen "Ersatzlösungen" für erkrankte Darsteller.
Der junge französische Tenor Sébastien Guèze als Rodolfo sowie Anke Berndt als Musetta vollbrachten mit hoher Energieleistung nicht nur die Rettung der Premiere, sondern eine bravouröse Rollengestaltung.
In seiner Personenführung legt Roman Hovenbitzer das Hauptaugenmerk auf die psychische Auslotung der Charaktere, auf Atmosphäre und Emotionalität, gepaart mit unaufgesetzter Symbolik. Seine Inszenierungsidee trifft die Herze des Publikums.
Einfühlsam und nachvollziehbar leben Angelina Ruzzafante und Sébastien Guèze die aufkeimende Liebe und ihre konfliktreiche Entwicklung zwischen Mimi und Rodolfo. Für den jungen Poeten ist die todkranke Näherin Mimi Geliebte und Muse/Poesie zugleich. Hovenbitzer gibt dieser fiktiven Poesie, einem zweiten Ich, durch eine auf einer Silberkugel einschwebende gleichgekleidete Tänzerin (Claudia Czyz) eine semireale Gestalt, die Mimis Erleben tänzerisch tangiert. Mit dem kaum an Emotionalität zu überbietendem Sterben der Mimi in der Dessauer Inszenierung entschwindet die Poesie in die Weite der Welt.
Der unabwendbare Tod der Mimi wird dem Publikum von Beginn an durch die von Cezary Rotkiewicz (auch Benoit, Alcindoro, Zöllner, Sergeant) gespielte Figur mehr oder weniger häufig präsentiert.
In einer Art kontrastierender Parallelhandlung zu Mimi und Rodolfo erleben die Gäste die Beziehung von Anke Berndt und Ulf Paulsen als kokette Musetta und Maler Marcello. Zur "Viererbande" der Künstler, wie Hovenbitzer formulierte, gehören Andrew Ashwin als Musiker Schaunard und Kyung-Il Ko als Philosoph Colline. Die Rolle des Händlers in Clown-Outfit spielt und singt David Ameln.
Die nächste Aufführung beginnt am 20. November um 17 Uhr.
14.11.2011, 07:33 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
1111
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 14.11.2011
Der Tod und das Mädchen
Eins muss man ihm lassen: Der Tod ist ein guter Tänzer. Galant bittet er das Mädchen zum Pas de deux, geschickt stützt er ihre Pirouette ... doch wenn die Musik verklingt, bleibt er allein zurück. Das ist der Preis des Reigens und das Ende vom Lied: Wer sich zum Leben auffordern lässt, bezahlt dafür mit dem Sterben.
Im Schlussbild seiner Inszenierung von Giacomo Puccinis "La Bohème" löst Roman Hovenbitzer am Anhaltischen Theater Dessau jenen szenischen Dreisatz auf, den er mit Mimis Auftritt am Anfang etabliert hat. Die Sängerin ist eine Tänzerin ist ein Automat - eine Verschachtelung, in der sich die reale Figur von vornherein auflöst und zur Projektionsfläche von fremden und eigenen Sehnsüchten wird. Denn so, wie sie der Dichter Rodolfo zu seiner Muse stilisiert, träumt sie sich auch selbst als eine Andere. Und so umtanzt sie ein bunter Schatten, der sich seinerseits als kleine Puppe auf einer Spieluhr betrachtet - eine symbolistische Matrjoschka, wie sie die Bohemiens in ihrer Pariser Dachkammer nicht besser hätten erfinden können.
Die stumme Figur der "Poesie", die Claudia Czyz in ihrer eigenen Choreografie tanzt, bleibt nicht die einzige Überformung der alten Geschichte. Hovenbitzers Einfall, der Moritat ein lyrisches Präludium voranzuschicken, stärkt den komödiantischen Ton des Abends - und polstert die Unmittelbarkeit ab, mit der die Tragödie ansonsten auf ihr Publikum prallt. Der Spielwarenhändler Parpignol und sein sinistrer Gefährte sind die bösen Clowns, die sich hier über die großen Gefühle lustig machen - und die am Ende doch nicht verhindern können, dass man von der entsetzlich einfachen Wahrheit dieser Geschichte gerührt ist. Denn als Mimi stirbt, verstummt nicht nur das übermütige Männerquartett der Lebenskünstler. Es ist, als hielte die ganze Welt für einen Augenblick den Atem an - und lauschte den letzten Takten im leeren Raum.
Mit seinem offenen Schlussbild vollendet Ausstatter Tilo Steffens ein Raumkonzept, das aus der kargen Mansarde zunächst in die Talmi-Opulenz des weihnachtlich geschmückten Quartier Latin und dann zurück in die kalte Winternacht führt. Und hier drängt sich das bunte Völkchen von einst als schwarze Masse frierend und neugierig am Horizont zusammen, als würden die Voyeure aus dem Parkett von einem fernen Spiegel verdoppelt: Mimi stirbt vor aller Augen und ist doch ebenso allein wie jene, die sie lebend zurücklässt.
Unter einem dunklen Stern
Der helle und schier endlose Jubel, mit dem die Premiere quittiert wurde, galt am Samstag nicht allein dieser etwas überfrachteten, in sich aber schlüssigen und aus der Musik entwickelten Lesart. Zugleich wurde hier der glückliche Ausgang einer Endprobenphase gefeiert, die unter keinem guten Stern gestanden hatte: Zunächst war die Interpretin der Musetta erkrankt, wenig später erwischte es gleich beide alternierend besetzten Rodolfo-Darsteller - eine Not, die dank kurzfristiger Umbesetzungen in eine Tugend verwandelt werden konnte. An Anke Berndts Eignung als ebenso kaltschnäuziges wie warmherziges Gegenstück zur tragischen Heldin konnte niemand zweifeln, der sie vor zwei Jahren in Aron Stiehls hallescher Inszenierung gesehen hatte. Gemeinsam mit Ulf Paulsens dämonischem Maler-Maniac Marcello aber gelang es ihr, Musetta weitere frische Farben beizumischen. In Andrew Ashwin (Schaunard) und Kyung-Il Ko (Colline) hatte der kraftvoll dunkle Bariton Paulsen würdige Kombattanten, im immer neu maskierten Totentänzer (Cezary Rotkiewicz) einen starken Gegenspieler - und die von Helmut Sonne und Dorislava Kuntschewa geleiteten Sänger des Opern- und Kinderchores boten in kurzen Auftritten viel mehr als impressionistisches Kolorit.
Angelina Ruzzafante aber, deren Mimi von Anfang an fragile, auch stimmlich entrückte Schönheit entfaltet, widerfährt durch die Missgunst der Stunde tatsächlich ein unverhofftes Glück. Der junge französische Tenor Sebastian Guèze ist ein Rodolfo, wie man ihn sich als Partner für dieses traumverlorene Mädchen nicht besser denken kann: Lyrisch und weich, dabei von großer gesanglicher und darstellerischer Intelligenz geleitet, wirkt er wie die ideale Erstbesetzung für Partie und Inszenierung. Was dem Dessauer Premierenpublikum hier geboten wird, ist eine Sternstunde - und die ist vor allem jenem Mann zu danken, der das Geschehen musikalisch auf höchste Höhen hebt.
Das Orchester singt und atmet
Generalmusikdirektor Antony Hermus nämlich hat den Sänger kurzerhand aus Toulon importiert, wo er unlängst mit ihm den "Faust" präsentierte. Auch in Dessau singt und atmet er nun mit ihm und allen anderen Interpreten, er dressiert die forcierte Heiterkeit und arbeitet Klangbögen wie -brüche sorgsam heraus. Im Spiel der Anhaltischen Philharmonie wird deutlich, was das Geheimnis von Puccinis Musik ist: Sie trägt das tiefere Wissen um das Ende von allem Anfang an in sich - so wie Mimi ihre Krankheit zum Tode. Und darum ist sie so schrecklich schön.
Nächste Vorstellungen: 20. November, 17; 25. November, 19.30 Uhr
14.11.2011, 07:15 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
1110
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 14.11.2011
Gefahr umjubelt abgewendet
Diese erste Opernpremiere der Spielzeit wird dem Ensemble des Anhaltischen Theaters wohl lange im Gedächtnis bleiben. "La Bohème" von Giacomo Puccini feierte am Sonnabend eine umjubelte Premiere und war von ganz besonderen Umständen begleitet. "Sie können sich nicht vorstellen, was in dieser Woche hier passiert ist", sagte bei der Premierenfeier Generalmusikdirektor Antony Hermus und erklärte die turbulenten letzten Probentage für die Neuproduktion. Am Montag habe sich die Musetta, Sopranistin Cornelia Marschall, krank gemeldet, am Tag darauf die beiden doppelt besetzten Tenöre für die Rolle des Rodolfo.
Die Premiere schien ernsthaft in Gefahr. Doch Hilfe nahte aus der Region und der Ferne. Als Musetta sprang Anke Berndt vom halleschen Opernhaus ein, der Rodolfo reiste aus Frankreich an. Sébastien Guèze, ein junger Tenor, hatte erst kürzlich mit Antony Hermus in Gounods "Faust" an der Oper Toulon zusammengearbeitet. Am letzten Abend habe er noch zu Hermus gesagt, "wenn du einen Rodolfo brauchst, dann ruf mal an", so der Dessauer GMD. "Viele sagen so etwas, wenige machen es. Am Dienstagabend hab ich ihn angerufen und er ist gekommen." Und er wurde zum Star dieses Premierenabends, trat nach der Pause erstmals mit Orchester auf, und die fehlende Probenzeit spürte man in keiner Minute. "Ich habe in dieser Woche gelernt, was Zusammenhalt und Freundschaft bedeuten", bedankte sich Antony Hermus tief bewegt beim Ensemble und seinen Musikern.
Aber nicht nur diese besonderen Umstände bei einer Premiere hinterließen am Samstagabend einen tiefen Eindruck. Begeistert feierte das Publikum die Inszenierung von Gastregisseur Roman Hovenbitzer, der, so Generalintendant André Bücker in seiner Dankesrede bei der Premierenfeier, zwar die Haare gerauft, aber die Ruhe bewahrt habe. "Es ist unglaublich, wie sich alles zum Guten gewendet hat. Als Hausherr bin ich zutiefst gerührt und glücklich", sagte Bücker. "Ich hoffe, dass wir Sébastien Guèze in irgendeiner Form noch einmal hier zu Gast haben", so der Generalintendant.
Beeindruckt von der Premierenvorstellung zeigte sich auch die bündnisgrüne Bundestagsabgeordnete Undine Kurth, die zu den Zuschauern gehörte. "Ich habe es absolut nicht bereut, aus Quedlinburg hergekommen zu sein. Es war ein fantastischer Abend und ich hoffe, dass alle wissen, wie viel ärmer diese Region wäre, wenn es solch ein Theater, solche Oper nicht mehr gäbe", sagte sie. Und auch Sopranistin Anke Bernd aus Halle erlebte ihren Noteinsatz als beglückend. "Es war wunderbar, an diesem Haus zu arbeiten. Hier herrscht eine tolle Atmosphäre", fand die Sängerin. Für die zweite Vorstellung am 20. November hofft sie freilich auf die Genesung ihrer Kollegin Cornelia Marschall, und auch die Rodolfos Sergey Drobyshevskiy und Artjom Korotkov haben bis dahin noch ein paar Tage, um sich auszukurieren. Für diese drei Ensemblemitglieder steht die Premiere in "La Bohème" noch aus.
08.11.2011, 15:52 | tags:
Anhaltische Philharmonie
1105
Pressemitteilung vom 08.11.2011
Weltspitzenchor auf der Bühne des Anhaltischen Theaters
Konzert „Es werde Licht“ im Rahmen des IMPULS-Festivals
Am Sonntag, dem 13. November (Volkstrauertag) um 17 Uhr ist mit dem MDR Rundfunkchor aus Leipzig ein absolutes Spitzenensemble zu Gast im Anhaltischen Theater.
Das Konzert bildet den Auftakt der drei Dessauer Konzerte im Rahmen des IMPULS - Festivals für Neue Musik in Sachsen-Anhalt. Unter der Leitung ihres Chordirektors Howard Arman führen sie die Komposition „Dolorosa“ für Chor, Solisten und Cellosolo des Briten Giles Swayne auf – „ein gemeinschaftliches überkonfessionelles Klagelied, in dem die Torheit religiöser Intoleranz dargestellt wird“ (Swayne).
Zum MDR Klassik Talk am 1. November sagte Giles Swayne über „Dolorosa“: "Ich habe ein Stück über das Menschliche geschrieben, über Leid und Tod, die Menschen einander zufügen. Ein solches Werk kann musikalisch einfach sein, muss es sogar, weil es sich auf das Wesentliche konzentriert. In "Dolorosa" gibt es drei Ebenen der Musik: Das Violoncello repräsentiert den Verstorbenen; die vier Solisten stellen seine Familie dar und der Chor die Gesellschaft. Ich habe verschiedene Sprachen miteinander kombiniert: Latein, Hebräisch und Arabisch. Aus der Beschäftigung mit diesen Sprachen sind die Klänge, ist die Musik entstanden."
Im zweiten Teil des Konzerts dirigiert Dessaus GMD Antony Hermus den MDR Chor bei Igor Strawinskys eindrucksvoller „Psalmensinfonie“ von 1930.
Dirigenten: Howard Arman, Antony Hermus
MDR Rundfunkchor Leipzig
Anhaltische Philharmonie Dessau
Für den Besuch aller drei Dessauer IMPULS-Konzerte bietet das Anhaltische Theater ein Kombiticket zum Vorzugspreis i.H. 30,- Euro (Konzert „Es werde Licht“, 3. Sinfoniekonzert „Tagträume – Nachtgespinste“ & „Dirigentengipfel“). Zum Preis von 23,- Euro kann ein Kombiticket für zwei dieser drei Konzerte erworben werden.
Kombitickets und Informationen unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
01.11.2011, 13:37 | tags:
Anhaltische Philharmonie
1097
Pressemitteilung vom 01.11.2011
Im Zeichen der Neuen Musik - Konzerte im Monat November
Die Anhaltische Philharmonie beteiligt sich im November mit drei Konzerten am IMPULS-Festival für Neue Musik in Sachsen-Anhalt. Gemeinsam mit illustren Gästen versuchen die Dessauer Musikerinnen und Musiker eine Annäherung an das diesjährige Motto „Zwischen Nacht und Traum“. Beim Konzert „Es werde Licht“ am Sonntag, dem 13. November (Volkstrauertag) um 17 Uhr im Anhaltischen Theater ist mit dem MDR Rundfunkchor aus Leipzig ein absolutes Spitzenensemble zu Gast. Unter der Leitung ihres Chordirektors Howard Arman führen sie die Komposition „Dolorosa“ für Chor, Solisten und Cellosolo des Briten Giles Swayne auf – „ein gemeinschaftliches überkonfessionelles Klagelied, in dem die Torheit religiöser Intoleranz dargestellt wird“ (Swayne). Im zweiten Teil des Konzerts dirigiert Dessaus GMD Antony Hermus den MDR Chor bei Igor Strawinskys eindrucksvoller „Psalmensinfonie“ von 1930.
Wie im vergangenen Jahr beim erfolgreichen Planeten-Konzert „All-Gegenwart“ spielt die Anhaltische Philharmonie auch in diesem Jahr wieder ihr 3. Sinfoniekonzert im Rahmen des IMPULS-Festivals. Am 17. und 18. November, jeweils 19.30 Uhr heißt es: „Tagträume – Nachtgespinste“. Zwei kurze Stücke des japanischen Komponisten Toru Takemitsu leiten die beiden Hälften des Konzertabends ein: „Day Signal“ und „Night Signal“ aus den „Signals from Heaven“. Im ersten Teil folgt darauf mit Claude Debussys „Prélude à l’après-midi d’un faune“ zunächst ein erotischer Tagtraum und mit Takemitsus „I hear the water dreaming“ ein eher kontemplativer, an Debussy orientierter Traum. Solistin in diesem Stück ist Andrea Lieberknecht (Flöte). Im zweiten Teil steht dann noch Hector Berlioz’ epochale „Symphonie fantastique“ aus dem Jahre 1830 auf dem Programm, in der Schwärmerei, Leidenschaft, Glück, Rausch, Zweifel und ein todesähnlicher Schlaf hinführen zum finalen Hexensabbat.
GMD Antony Hermus steht am Dirigentenpult. Er wird auch gemeinsam mit Musikdramaturg Ronald Müller bei der Konzerteinführung – jeweils 18.30 Uhr im Foyer – einige zusätzliche Informationen zu den erklingenden Werken geben.
Bei der Abschlussveranstaltung des diesjährigen IMPULS-Festivals am Sonntag, dem 26. November um 20 Uhr in der Dessauer Marienkirche kommt es zum „Dirigentengipfel“. Fünf Dirigenten aus ganz Sachsen-Anhalt wechseln sich mit der Leitung der Anhaltischen Philharmonie ab: Christian Fitzner, Antony Hermus, Michael Ellis Ingram, Johannes Rieger und Hans Rotman. Es erklingen „Nachtmusiken“ von Carl-Frederik Zeh, Detlev Glanert, Toru Takemitsu, HK Gruber und Einojuhani Rautavaara. Kein Geringerer als der Dessauer Ehrenbürger Dieter Hallervorden liest dazu Texte von Edgar Allan Poe.
Für Besucher aller drei Dessauer IMPULS-Veranstaltungen bietet das Anhaltische Theater Kombitickets zum Vorzugspreis an.
Kombitickets und Informationen unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
31.10.2011, 18:00 | tags:
Theaterpaedagogik
, Anhaltische Philharmonie
1094
Danny Gitter, Mitteldeutsche Zeitung, 31.10.2011
Steppkes singen, Shakespeare swingt
Es ist der verdiente Schlussapplaus am Ende eines erfolgreichen Tages. Das Brot der kleinen Künstler, dass sich die 284 Jungen und Mädchen aus sieben Dessau-Roßlauer Grundschulen redlich verdient haben. Zuvor haben sie vor vollen Rängen die Bühne des Anhaltischen Theaters mit dem "Shakespeare Swing" von Bernd Wilden erobert. Der Sonnabend im großen Haus des Theaters stand ganz im Zeichen des Kinderscratch.
Was die Erwachsenen schon zweimal vormachten, haben nun auch die Jüngsten für sich entdeckt. Früh zusammenkommen, ein Stück gemeinsam einstudieren und dann abends auf der Bühne präsentieren. Und doch war es bei den kleinen Künstlern ein wenig anders. Bereits einige Wochen zuvor haben die Musiklehrer- und lehrerinnen mit ihren Schützlingen geübt. Stefan Neubert, Korrepetitor des Theaters, schaute dann auch jeweils für eine Stunde bei den beteiligten Grundschulen vorbei. Er erzählte den Interessierten und Neugierigen wie der Tag abläuft, entfachte vielfach Begeisterung. "Ich habe mit der Vorstellungskraft der Kinder gearbeitet. Sie vorbereitet auf die Bühne, zum Beispiel für das Singen darauf, für laut und leise", erläutert Neubert. Denn so eine Theaterbühne ist eine ganz andere Welt als das eigene Klassenzimmer. Das kann der 8-Jährige Leonard aus der "Grundschule am Luisium" nur bestätigen. "Die Bühne ist richtig groß und der Raum soviel größer als unser Klassenraum. Ich glaube, da habe ich abends richtig Lampenfieber", erzählt der Drittklässler nach der Generalprobe.
Die Generalprobe gegen Mittag war das erste Zusammentreffen aller 284 Jungen und Mädchen auf der großen Bühne. Aufgeteilt in drei große Gruppen warteten die Steppkes mit lauter Kakophonie ungeduldig auf ihren Einlass zur Probe. Spannung und Aufregung lagen in der Luft. Paula, Zweitklässlerin aus der Grundschule in Meinsdorf konnte es kaum erwarten. "Ich freue mich wahnsinnig auf den Auftritt. Ich singe sehr gerne und das erste Mal vor so einer Kulisse", erzählte die 7-Jährige, kurz bevor sich die Vorhänge beiseite schoben und der Weg zur Bühne frei war. Dort warteten schon die Anhaltische Philharmonie, vier begleitende Musiker des Liborius-Gymnasiums, eine Percussion-Gruppe der evangelischen Grundschule, Generalmusikdirektor Antony Hermus, der 1. Kapellmeister Daniel Karlberg und Studioleiter Wolfgang Kluge an ihren Dirigentenpulten.
Der "bunten Truppe" von 284 Teilnehmern mit ihren verschiedenen T-Shirts unter anderem in blau, weiß und orange galt es nun innerhalb einer Stunde eine wohlklingende Klangfarbe zu verpassen. Ganz instinktiv entschied sich Antony Hermus für das Dirigieren, derer, wo ganz viel orange dabei war. Es ist schließlich die identitätsstiftende Farbe des aus den Niederlanden stammenden Generalmusikdirektors. Eine Stunde wurde geübt und probiert. Passt der Ton? Ist die Harmonie zwischen Orchester und Sängern gegeben? Sind die Sangeskünstler untereinander in ihrer Darbietung harmonisch? Strophe für Strophe arbeiteten sie sich voran.
Ganz gemäß der Philosophie des Scratch, sind die Zuschauer am Aufbau des Stückes beteiligt. Stellen sich musikalisch die Anhaltische Philharmonie und die vier begleitenden Musiker des Liborius-Gymnasiums vor. Die Percussion-Gruppe der evangelischen Grundschule zeigt ihr Können. Zwei Solisten aus dem Kinderchor des Theaters bieten ein imaginäres Handygespräch mit Shakespeare dar. Dann ist die Bühne voll mit den 284 Sängern und Sängerinnen, die im Kanon und in Variationen ihren musikalischen Teil zu einem gelungenen Abend beitragen. Der Generalmusikdirektor Hermus betont allerdings. "Das Anliegen von Scratch ist nicht das perfekte Konzert. Nicht der Weg ist das Ziel, sondern das Ziel ist der Weg dahin." Auf diesem begleiten die Zuschauer die Bühnenkünstler zum 20 minütigen Finale, wo der "Shakespeare-Swing" dann komplett durchgespielt wird.
"Spielt Musik, wenn Musik der Nahrung Liebe ist", singen sie immer wieder. "Worte, die so schön sind, man muss sie einfach lieben", stellen die Solisten fest. Nach einer Stunde ist es geschafft. Die Spannung auf der Bühne löst sich sichtlich. Was bleibt, ist die Erinnerung an eine gelungene Premiere. Theaterpädagogin Imme Heiligendorff setzt auf den Langzeiteffekt. "Jetzt sehen die Kinder, wie es auf der Bühne funktioniert. Das steigert vielleicht ihre Wertschätzung für die künstlerische Arbeit."
29.10.2011, 13:39 | tags:
Anhaltische Philharmonie
1093
Super Sonntag, 29.10.2011
Dirigentengipfel in der Marienkirche Dessau
Impuls-Festival für für Neue Musik
In 19 Veranstaltungen mit 11 Orchestern und Ensembles, 13 Dirigenten sowie 12 Solisten werden Werke von 39 zumeist zeitgenössischen Komponisten aufgeführt - und das in sechs Städten: Halle, Magdeburg, Dessau, Wernigerode, Halberstadt und Quedlinburg. „Zwischen Nacht und Traum“ lautet das Festival-Motto, dessen sich die Komponisten des diesjährigen in diesem Jahr angenommen haben. Dieses Zwischenreich, das von der Vorstellungskraft belebt wird, haben sie in Noten gefasst und bringen Mondsucht, Nachtgespinste, Tag- und Nachtträume, aber auch vieles andere zu Gehör.
Nachdem seit 2010 das Sinfonieorchester des MDR bei „Impuls“ mitwirkt, konnte in diesem Jahr als weiterer neuen Partner auch der MDR Rundfunkchor gewonnen werden. Zum ersten Mal hat „Impuls“ ein Ensemble aus Sachsen-Anhalts französischer Partnerregion Centre zu Gast. Das Ensemble Cairn ist ein auf internationalen Bühnen vertretenes Ensemble für Neue Musik und wird am 3. November im Studio Halle Werke von Komponisten aus Frankreich, Deutschland, Italien und Frankreich zum Thema „Nacht“ präsentieren, darunter zwei Uraufführungen. Peter Ruzicka „Impuls“-Intendant Hans Rotman freut sich besonders, den renommierten Komponisten, Dirigenten, künstlerischen Leiter der Münchener Biennale sowie ehemaligen Intendanten der Hamburger Staatsoper und der Salzburger Festspiele, Peter Ruzicka, begrüßen zu dürfen. Er wird in der „Traumwerkstatt“ mit dem MDR Sinfonieorchester am 11. November im Halleschen Steintor Varieté ein eigenes Werk dirigieren. Im zweiten Teil wird der Schauspieler Dominique Horwitz die in Theresienstadt entstandene „Weise von Liebe und Tod“ von Viktor Ullmann rezitieren. Olaf Schubert Eine weitere spannende Kombination von Solisten wird am 20. November mit dem Comedian Olaf Schubert und dem international gefeierten Altisten Jochen Kowalski zu erleben sein. Gemeinsam mit drei Orchestern und drei Dirigenten bringen sie Alte und Neue Musik – Barock und Jazz – in einen Dialog. Hallervorden liest Poe Den
Abschluss des Festivals bildet der „Dirigentengipfel“, diesmal in der Dessauer Marienkirche. Die Partnerdirigenten des Festivals dirigieren nacheinander die Anhaltische Philharmonie und der Schauspieler und Kabarettist Dieter Hallervorden, Ehrenbürger von Dessau, wird Texte von Edgar Allen Poe lesen.
27.10.2011, 12:38 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
1087
Pressemitteilung vom 27.10.2011
»Wenn man sich nicht fest in der Gewalt hat, wird man allein vom Feuer dieser Musik fortgerissen.« [Claude Debussy]
Premiere “La Bohème” Oper von Giacomo Puccini
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Das Anhaltische Theater lädt am Samstag, den 12. November um 19.00 Uhr zur Premiere “La Bohème” ins Große Haus ein. Puccinis Welterfolg „La Bohème“ darf als eine der perfekten Partituren des Musiktheaters bezeichnet werden: Gesang, Orchesterkommentar und Szene gehen eine nahtlose Verbindung ein. Das veranlasst Roman Hovenbitzer, der als Regisseur sowohl deutschlandweit als auch international Erfolge feiert, und GMD Antony Hermus eine Inszenierung ganz aus der Musik heraus zu entwickeln. Auf diese Weise gelangt, eine der traumhaftesten Liebesgeschichten der Operngeschichte, in all ihrer Leichtigkeit und Zärtlichkeit auf die Bühne.
Doch nicht zuletzt kommt die hohe Musikalität der Inszenierung durch das erstklassige Sängerensemble zustande. So sind zum einen die in Dessau bereits bekannten und geschätzten Sänger Cornelia Marschall, Angelina Ruzzafante, David Ameln, Sergey Drobyshevskiy und Ulf Paulsen zu erleben, zum anderen stellen sich die neuen Ensemblemitglieder, Artjom Korotkov und Kyung-Il Ko vor.
Roman Hovenbitzer arbeitete in Hagen bereits mehrfach mit Antony Hermus zusammen. Seitdem ist er an zahlreichen Häusern in Deutschland wie auch im Ausland tätig gewesen. Zuletzt inszenierte er, von der Presse und vom Publikum gefeiert, den „Lohengrin“ im finnischen Savonlinna bei den dortigen international renommierten Opernfestspielen.
Das Leben der vier Freunde und Künstler Rodolfo, Marcello, Schaunard und Colline ist karg, denn ständig fehlt es ihnen selbst am Notwendigsten. Trotzdem lassen sie sich ihre Lebensfreude nicht verderben, und Rodolfo und Marcello scheint das Glück zeitweilig zumindest in der Liebe hold zu sein. Besonders Rodolfo findet in Mimi seine große Liebe. So ist es umso schmerzvoller für ihn mitansehen zu müssen, wie die kranke Mimì dahinsiecht und er ihr nicht helfen kann. Rodolfo gibt Mimì frei, damit sie sich von einem wohlhabenden Mann aushalten lassen kann, der ihr eine medizinische Behandlung ermöglicht. Aber am Sterbebett von Mimì finden die Liebenden wieder zueinander.
Bereits vor der Premiere, am Sonntag, 30. Oktober um 10.30 Uhr lädt das Anhaltische Theater ins Foyer des Großen Hauses zur Matinee ein. Regisseur Roman Hovenbitzer und der Musikalische Leiter GMD Antony Hermus geben einen ersten Einblick in ihre Inszenierung. Die Solisten Cornelia Marschall, Angelina Ruzzafante und Artjom Korotkov präsentieren einige Auszüge aus Puccinis Werk.
Musikalische Leitung: Antony Hermus | Regie: Roman Hovenbitzer | Bühne und Kostüme: Tilo Steffens | Choreografie: Claudia Czyz | Chor: Helmut Sonne | Kinderchor: Dorislava Kutscheva | Dramaturgie: Sophie Walz
Cornelia Marschall, Angelina Ruzzafante | David Ameln, Andrew Ashwin/Wiard Witholt, Sergey Drobyshevskiy/Artjom Korotkov, Kyung-Il Ko, Ulf Paulsen |
Claudia Czyz (Tanz)
Tickets und Informationen unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
26.10.2011, 11:50 | tags:
Anhaltische Philharmonie
1085
Johannes Killyen, Mitteldeutsche Zeitung, 24.10.2011
Viel Paganini und dazu ein wenig André Rieu
Nemanja Radulovic begeistert und beeindruckt beim Sinfoniekonzert, das unter dem Motto "Virtuosen" stand.
"So kam nun wirklich der aus den Saiten nie gehörte, nie geahnte Töne entlockende, wieder erstandene dämonische Rattenfänger, und übte gleich einem Traumgebilde die bannende, die hinreißende Macht, die von seiner meteorartigen Genialität und Persönlichkeit allüberall ausstrahlte." Solche Worte fand Moritz von Prosky im Jahr 1829 nach einem Auftritt des Teufelsgeigers Niccolo Paganini im - man glaubt es kaum - Dessauer Theater.
Reinkarnation von 1829
Das Zitat hätte den Raum, den es einnimmt, trotzdem nicht verdient, wenn nicht beim zweiten Sinfoniekonzert der Anhaltischen Philharmonie am Donnerstag eine Art Reinkarnation des Paganini-Events zu bestaunen gewesen wäre. Es trat auf: Nemanja Radulovic, Teufelsgeiger mit serbischen Wurzeln, Träger von wallendem Schwarzhaar, Ausdauerspezialist im Ladykiller-Lächeln.
Radulovic gab nicht etwa nur ein Konzert, er brachte ein instrumentales Schauspiel zur Aufführung.
Beugte sich freundlich zu den ersten Geigen bei einer schönen Melodie, nickte aufmunternd den Holzbläsern und Kapellmeister Daniel Carlberg zu, ging in die Knie und warf die halbnackte Brust nach vorne, riss im Takt die verschlissenen Haare von seinem Bogen - viel Paganini, dazu ein wenig André Rieu. Das alles hätte man dem hochdekorierten Serben durchaus übel nehmen können, wenn er nicht so unglaublich gut Geige gespielt hätte.
Die beinahe grenzenlosen Freiheiten und balkanischen Schlenzer, die er in Paganinis erstes Violinkonzert einbaute, sie trieben letztlich nur die Grundideen dieser Musik auf die Spitze: Virtuosität, Exotik, Starkult. Viel wäre noch zu sagen und zu schwärmen - über Bogenartistik und linkshändiges Pizzicato, aberwitzige Flageolett-Passagen und glühende Romanzen. Wirklich beeindruckend war aber, dass Nemanja Radulovic bei der ersten Zugabe die Verkleidung des Zirkuskünstlers einfach abwerfen und schlichten, ernsthaften Bach spielen konnte.
Begonnen hatte der Abend mit einem Werk von Franz Liszt, der Paganini als Popstar zwar nicht
nachstand, sich in seinen Kompositionen aber souverän über diesen Teil seiner Persönlichkeit zu erheben vermochte. Dass die Nazi-Propaganda später aus der Tondichtung „Les Préludes" die Erkennungsmelodie für die Nachrichten von der Ostfront stahl, ist weder Liszts Schuld noch die seines gelungenen Stückes. Vielmehr war „Les Préludes" gut geeignet, die akustischen Besonderheiten des immer noch neuen philharmonischen Konzertzimmers zur Geltung zu bringen. Man durfte staunen über herrliche Transparenz in leisen Abschnitten, die freilich auch jede noch so kleine Ungenauigkeit gut zur Geltung brachte. Und plötzlich war auch das sonst oft verborgene und komplexe rhythmische Geflecht zu hören, das Liszt unter scheinbar eingängige Melodien spannt.
Seltsamerweise wollte sich der Eindruck eines großen, raumfüllenden Fortissimo in der Tondichtung nicht so recht einstellen, ganz im Gegenteil zum großen "Konzert für Orchester" von Béla Bartók im zweiten Teil. "Virtuosen", das Motto des Abends, mochte man diesem sicher schweren, vor allem aber vielschichtigen, ja einfach genialen Opus gar nicht überschreiben.
Klarheit und Disziplin
Die Anhaltische Philharmonie begegnete unter Leitung von Daniel Carlberg dem fast klassizistischen Spätwerk Bartóks mit der gebührenden Klarheit und Disziplin in allen Registern, gut eingestimmt auf solistische Aufgaben ebenso wie auf einen wahlweise weich schimmernden und metallisch harten Gesamtklang. "Haarscharf geschnittene Prägnanz" attestierte der "Anhalter Anzeiger" im Jahr 1927. Das hätte auch zu diesem Abend gepasst, bezog sich aber auf ein Konzert, in dem Bartók selbst auftrat. Wo? Natürlich in Dessau.
25.10.2011, 19:21 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
1083
Pressemitteilung vom 25.10.2011
“Chowanschtschina” - Musikalisches Volksdrama von Modest Mussorgski
Die große und klanggewaltige Choroper “Chowanschtschina” unter Mitwirkung der Opernchöre von Weimar und Dessau ist in Dessau nur noch zwei Mal zu erleben, bevor die Inszenierung an das Deutsche Nationaltheater Weimar geht (Vorstellungen am: 30. Oktober und am 27. November jeweils um 16 Uhr).
“Chowanschtschina”, eine Kooperation mit dem Deutschen Nationaltheater Weimar, unterstützt durch die Staatsoper Stuttgart, steckt voller musikalischer und szenischer Überraschungen und ist mit hauseigenen Solisten und Gästen des Nationaltheaters Weimar besetzt. In der Oper werden historische Ereignisse aus der Geschichte Russlands mit einer hochdramatischen Liebesgeschichte verknüpft.
Für diese Inszenierung gab es bei der Kritikerumfrage im Oktober erschienenen Jahrbuch 2011 der Zeitschrift „Opernwelt” gleich mehrere Nominierungen: Pavel Shmulevich konnte sich als Dossifei in „Chowanschtschina“ über eine individuelle Nominierung als „Sänger des Jahres“ bzw. „Nachwuchssänger des Jahres“ freuen, weitere Nennungen erhielten Andrea Moses mit Mussorgskys „Chowanschtschina“ sowie die vereinigten Chöre von Weimar und Dessau ebenfalls in der Inszenierung „Chowanschtschina“. Gleich zweimal nominiert wurde Generalmusikdirektor Antony Hermus, der in weniger als drei Jahren aus der Anhaltischen Philharmonie Dessau ein schlagkräftiges Orchester geformt hat und als Dirigent genannt wird für seine grandiose Aufbauleistung am Anhaltischen Theater.
Es singen u.a. Anna Peshes, Angelina Ruzzafante, KS Iordanka Derilova, Sergey Drobyshevskiy, Angus Wood, Ulf Paulsen, Pavel Shmulevich, Alexey Antonov, Frieder Aurich und David Ameln. Die Anhaltische Philharmonie musiziert unter der Leitung von Generalmusikdirektor Antony Hermus.
Karten und Informationen unter: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de, den Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
19.10.2011, 19:26 | tags:
Anhaltische Philharmonie
1077
Pressemitteilung vom 19.10.2011
4. Philharmonie-Stammtisch
Zum 4. Philharmonie-Stammtisch, dem ersten in dieser Saison, wird am Mittwoch, den 26. Oktober um 19 Uhr wieder in den Ratskeller eingeladen.
Ehrengäste sind diesmal drei Kammermusiker der Anhaltischen Philharmonie: KM Martin Schulze (stellvertretender 1. Konzertmeister), KM Maurice Lepetit (Cellist) und KM Reinhard Gutte (Soloklarinettist) sowie Hans Rotman (Intendant des IMPULS Festivals für Neue Musik in Sachsen-Anhalt).
Joachim Landgraf und Generalmusikdirektor Antony Hermus führen im humoristischen Gespräch durch den Abend, bei dem es diesmal um die reiche Geschichte der Anhaltischen Philharmonie geht und die persönlichen Erfahrungen der Musiker. Hans Rotman wird das in Kürze anstehende Festival vorstellen und über seine spannende Arbeit als Musikvermittler sprechen. Freuen darf sich das Publikum wieder über manche musikalische Überraschung. Für Speisen und reichlich Philharmonie-Bier ist ebenfalls gesorgt.
Tickets und Informationen unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
19.10.2011, 13:32 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
1076
Pressemitteilung vom 19.10.2011
Wagner: bildgewaltig vertanzt
Am Samstag, den 22. Oktober um 17 Uhr zeigt das Anhaltische Theater das Ballett „Die Nibelungen: Siegfriedsaga“. In der furiosen Inszenierung erzählt Tomasz Kajdanski die Sage um den Helden Siegfried zur Musik von Richard Wagner. Es ist die Geschichte von Menschen, die durch Leidenschaften, Liebe, Hass und Tod miteinander verbunden sind. Stark wie Siegfried und Brunhilde, bezaubernd schön wie Kriemhild, anmutig wie die Göttin Erda, verschlagen wie Mime und Alberich, listig wie Hagen sind die Figuren in dieser mythischen Welt. Doch durch ihre Leidenschaftlichkeit, mit ihren menschlichen Träumen und Konflikten berühren sie unsere Gegenwart. Zur Musik von Richard Wagner, gespielt von der Anhaltischen Philharmonie unter der Leitung von Daniel Carlberg entstehen beeindruckende Bilder von außergewöhnlicher Intensität.
„Was Kajdanski mit nur 15 Tänzern, besonders der Solistenequipe, auf die Bühne wuchtet, ist sein Meisterstreich“ – so Volkmar Draeger, tanznetz.de, 27.03.2011
Weitere Termine: 31.10., 17 Uhr | 8.12., 19.30 Uhr | 29.1., 17 Uhr
Tickets und Informationen erhalten Sie unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen
18.10.2011, 13:05 | tags:
Anhaltische Philharmonie
1074
Mitteldeutsche Zeitung, 18.10.2011
Werke der Avantgarde im Bauhaus entdeckt
KONZERT Daniel Carlberg setzt mit Musikern der Anhaltischen Philharmonie "staging the bauhaus" erfolgreich fort.
Daniel Carlbergs Wunsch ist in Erfüllung gegangen: Die Konzertinstallation „ staging the bauhaus “ ging vergangenen Donnerstag in die zweite Runde. Im Rahmen des Kongresses „Vorstellungsvermögen II“ am Bauhaus war erneut die Anhaltische Philharmonie unter der Leitung ihres ersten Kapellmeisters auf der Bauhausbühne mit Werken der Avantgarde zu erleben.
Dabei widmete sich das diesjährige Konzertprogramm weniger den Aspekten von Raum und Zeit als dem Menschen im Raum. So waren im ersten Teil des Konzertes drei Liederzyklen zu hören, gesungen von Jagna Rotkiewiecz, Sopran im Opernchor des Anhaltischen Theaters und dort auch immer wieder in solistischen Partien zu erleben.
Alexander Mossolows und Igor Strawinskys Liederzyklen "Vier Zeitungsannoncen", "Drei Kinderszenen" und "Pribaoutki" (am ehesten mit Stanzel übersetzbar) sind kleine humoreske, fast kammermusikalisch besetzte Momente. Da wird eine Vermisstenanzeige eines Hundes oder der Kummer eines Kindes über den kaputten Brummkreisel zum Inhalt dieser künstlerischen Entdeckungen. Vorgetragen, nicht nur unaffektiert und mit einem warmen Timbre, sondern auch als kleine Szenen inszeniert, die den amüsanten Inhalt bebilderte, begeisterte Jagna Rotkiewiecz das Publikum.
So ging man erheitert in die Pause. Charmant, informativ und humorvoll führte Carlbergs Moderation durchs Programm, machte das sinnliche Erlebnis auch zu einem lehrreichen.
Musikalisch wie auch visuell führte der zweite Teil des Abends in eine ganz andere Richtung. Über 40 Damen und Herren der Anhaltischen Philharmonie saßen eng gedrängt auf der Bühne, ganz hinten in der Mensa standen auf zwei Podesten die Schauspielerin Eva Marianne Berger und ihr Kollege Patrick Rupar, die die russischen Texttafeln des Stummfilms "Das neue Babylon" übersetzten, der rechts und links auf zwei Leinwänden zu sehen war.
Erzählt wird die Geschichte des Aufstandes der Arbeiter in Paris in Folge des verlorenen Krieges gegen die Preußen, der vom Militär brutal niedergeschlagen wird. Charakteristisch für den Film sind die skurrilen überzeichneten Figuren und martialische Musik. Eiskalt läuft es den Rücken herunter, wenn Schostakowitsch die galoppierenden Pferde der Preußen imitiert, während die Pariser noch völlig unwissend feiern. Daniel Carlberg entlockte dem Orchester einen perfekt balancierten Klang mit der notwendigen Präzession und Intensität. Das ließ auch über gewisse Längen des Filmes hinwegsehen.
Zu erleben war ein Konzert, an das man sich gerne zurückerinnert, das für völlig unbekannte Werke begeisterte und das Bedürfnis zurückließ, es nochmals erleben zu dürfen, da die zahlreichen Eindrücke kaum alle zu fassen waren. Man kann sich nur wünschen, dass. diese erfolgreiche Kooperation zwischen Bauhaus und Anhaltischem Theater im kommenden Jahr eine Fortsetzung findet.
17.10.2011, 13:49 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
1070
Pressemitteilung vom 17.11.2011
Anhaltisches Theater wieder unter den besten Opernhäusern
Alljährlich wartet die Opernwelt mit Spannung auf die Kritikerumfrage im Jahrbuch der Zeitschrift „Opernwelt”. Im Oktober erschienenen Jahrbuch 2011 mit der wohl wichtigsten deutschlandweiten Kritikerumfrage für das Musiktheater erhielt das Anhaltische Theater Dessau insgesamt 9 Nominierungen und schnitt damit hervorragend ab.
In der Kategorie Wiederentdeckung wird Generalintendant André Bückers Inszenierung genannt, der mit Weills „Der Protagonist“ beim Kurt Weill Fest erstaunliche Parallelen zu Leoncavallos „Bajazzo“ entdeckt. Gleich zweimal nominiert wird Generalmusikdirektor Antony Hermus, der in weniger als drei Jahren aus der Anhaltischen Philharmonie Dessau ein schlagkräftiges Orchester geformt hat und als Dirigent genannt wird für seine grandiose Aufbauleistung am Anhaltischen Theater. Das Theater erhielt eine Nominierung als „bestes Opernhaus des Jahres“. Benannt wird ausdrücklich auch der Chor des Anhaltischen Theaters unter der Leitung von Helmut Sonne. Über individuelle Nominierungen als „Sänger des Jahres“ bzw. „Nachwuchssänger des Jahres“ können sich Pavel Shmulevich als Dossifei in „Chowanschtschina“ und die Mezzosopranistin Ulrike Meyer als Dorabella in „Così fan tutte“ freuen. Weitere Nennungen erhielten Andrea Moses mit Mussorgskys „Chowanschtschina“ sowie die vereinigten Chöre von Weimar und Dessau ebenfalls in der Inszenierung „Chowanschtschina“.
Die große und klanggewaltige Choroper “Chowanschtschina” unter Mitwirkung der Opernchöre von Weimar und Dessau ist in Dessau nur noch zwei Mal zu erleben, bevor die Inszenierung an das Deutsche Nationaltheater Weimar geht (Vorstellungen am: 30. Oktober und am 27. November jeweils um 16 Uhr, Anhaltisches Theater/Großes Haus). “Chowanschtschina” ist eine Kooperation mit dem Deutschen Nationaltheater Weimar, unterstützt durch die Staatsoper Stuttgart. Die Oper steckt voller musikalischer und szenischer Überraschungen und ist mit hauseigenen Solisten und Gästen des Nationaltheaters Weimar besetzt. „Chowanschtschina“ verknüpft historische Ereignisse aus der Geschichte Russlands mit einer hochdramatischen Liebesgeschichte. Die Anhaltische Philharmonie musiziert unter der Leitung von Generalmusikdirektor Antony Hermus.
Tickets und Informationen unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
17.10.2011, 10:43 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
1069
Alexander Hauer, Der Opernfreund, 30.09.2011
Die Spirale der Gewalt
Christian von Götz lässt keinen Zweifel daran. Gewalt ist keinesfalls die Lösung, sie führt immer zu Leid und Elend. Wie Bernstein Shakespeares „Romeo und Julia“ in die Realität der 50er der USA holte, so begeht er den Kunstgriff, die West Side Story in die Aktualität der Jetztzeit zu verlegen. Ob sie dann noch in New York, zwischen „alteingesessenen“ Amerikanern und Einwanderern aus Puerto Rico angesiedelt ist, spielt bei ihm keine Rolle. Das Bühnenbild Britta Bremers und die Kostüme Katja Schröpfers geben auch keinen Anhalt dafür. Also, ein hochaktuelles Stück, das in irgendeiner Großstadt spielt.
Zwei Gangs liegen im Clinch. Die einen tragen gelb rot, die anderen rot blau. Sie nennen sich Sharks und Jets, und sie sind gewaltbereit. Die Erwachsenen, die Eltern, die Lehrer und auch die Obrigkeit haben ihren Einfluss verloren. Einzig der Betreiber eines Jugendtreffs, Doc, hat noch einen kleinen Einfluss auf die Jets. Das Leben der Sharks wird bestimmt durch althergebrachte Rituale und religiösen Vorschriften. Auch hier verlässt von Götz die alte Ebene des mittelamerikanischen Katholizismus, er lässt es offen welche Religion die Sharks und die Jets haben. Es reicht, dass sie „anders“ sind, Vorurteile sind die Grundlage des Hasses, und der wird immer wieder frisch angestachelt. Bei einem, von der Sozialarbeiterin Glad Hand, organisiertem Tanzabend verlieben sich die Schwester des Sharksanführers Bernardo, Maria, in den beinahe Ex-Jet Tony. Es kommt zum Eklat, aber die Liebe findet immer Wege und Möglichkeiten, auch wenn sie dabei in den Untergang führt.
Von Götz erzählt die Geschichte in der Rückblende, das Ende nimmt er vorweg. Ein Mädchen liegt auf einer Matratze in einer schäbigen Wohnung, der Fernseher läuft und verkündet die Neuerungen von Präsident Obama in der Vereinigten Staaten. Sie ist tot und ihr Blut und Gehirn haben sich an den Wänden verteilt. Krasse, starke Bilder gleich zu Beginn, und die Brutalitäten nehmen kein Ende. Schon in der Ouvertüre findet ein Kampf statt. Ein harter fight mit Stahlstangen, grandiose Kampfchoreographie von Klaus Figge, findet sein Ende in der „vernünftigen“ Lösung, die territorialen Ansprüche mit einem Zweikampf zu regeln. Die Besten sollen gegeneinander antreten. Der Kampf findet statt und der Anführer der Jets, Riff, wird von Bernardo getötet. Im Affekt rächt Tony den Tod seines besten Freundes.
Nach dem Kampf treffen sich Tony und Maria wieder. Ihre Liebe siegt über die Trauer um ihren Bruder Bernardo. Anita, die Verlobte Bernardos ist entsetzt darüber, dass Maria Tony immer noch liebt, dennoch lässt sie erweichen, Tony vor Marias Verlobten Chino zu warnen. Bevor die ihre Warnung übermitteln kann wird sie von Action unter dem Jubel und Anfeuerungen der Jets vergewaltigt. In ihrer Demütigung sagt sie, Chino hätte Maria erschossen. Das lockt Tony aus seinem Versteck, die Gangs treffen sich, doch bevor Chino seine Rache nehmen kann, wird er von Anita erschossen. Die verzweifelte Maria flüchtet nach Hause, Anita folgt ihr und reicht ihr den Revolver…
Bis auf den absolut pessimistischen Schluss, im Original finden die Gangs über der Leiche Tonys einen Weg zur Annäherung, einen Weg raus aus der Gewalt, erzählt Christian von Götz die Geschichte 1:1. Aber was macht dann die Dessauer Inszenierung so besonders? Da wäre als erstes das Bühnenbild. Die größte Drehbühne Deutschlands wird von Britta Bremer geschickt bebildert. Ständig in Bewegung ermöglicht sie den raschen Wandel der Spielorte. In der Traumsequenz wird durch aufwendige Veränderungen, hier mal ein Lob an die Technik, die absolut lautlos, schnell und unsichtbar umbauten, ein Horrorszenario ermöglicht.
Da wären dann auch noch die Kostüme von Katja Schröpfer. Die vier Erwachsenen tragen stimmige Klamotten und Uniformen, auch ihnen ist anzusehen, welche Geschichte sie hinter sich haben, und welche noch vor sich. Auch die Erwachsenen schaffen es nicht aus ihrem Milieu zu lösen, sie haben nur ihre Jugend überlebt, egal ob sie Kneipenwirt, Sozialarbeiterin oder Polizisten sind, ihr Ende ist leicht zu erahnen. Die Jugendlichen definieren sich über ihre Tattoos und ihre Farben, dabei vermeidet Schröpfer geschickt die gängige Streetwear, sondern gibt den Kids Möglichkeiten sich schick zu machen, in der Uniformität so etwas wie Individualismus zu entwickeln.
Da ist auch die Regie von Christian von Götz. Er verteilt keine Sympathien, er lässt den Zuschauer als neutralen Beobachter außen vor. Er zeigt die Geschichte auf, ohne sie zu bewerten. Auch die choreographierten Tänze von Carlos Matos tragen zur Bedeutung der Inszenierung bei.
Aber die geschlossene Ensembleleistung, Darsteller und die brillant stimmig geführte Anhaltische Philharmonie unter Daniel Carlberg, tragen die Hauptverantwortung für die Unvergesslichkeit dieses Abends.
Daniel Carlberg nimmt sich der Partitur Bernstein dermaßen respektlos an, dass alle mir bekannten Aufnahmen der West Side Story wie ein müder Tanztee klingen. Kraftvoll, mit einem mitreißendem Drive, jagt er kompromisslos durch das Werk. Exakt gespielte Bläsersätze liegen auf einem Klangteppich, geknüpft von einem Weltklasse-Orchester. Flirrende Streicher behaupten sich, wilde Schlagwerke geben den Takt vor und reißen alles in einen Strudel.
Die 36(!) Solisten setzen sich aus dem Schauspielensemble, dem Chor, dem Ballett und aus Opernsängern zusammen. Allen voran Tony und Maria, David Ameln singt diesen jungen Menschen mit zu Herzen gehender Intensität, Cornelia Marschall ist ihm in Ausdruck und Exaktheit ebenbürtig. Zusammen glaubt man, sie könnten die Welt aus den Angeln heben, ihre Liebesszenen haben so nichts gekünsteltes, eine schlichte Natürlichkeit, die beide verbindet. Da ist Riff, Mattew Bindley, sonst Trainingsleiter des Balletts, der hier überzeugend den jungen Heißsporn gibt und wie ein Großer singt. Sein gegenüber Juan Pablo Lastras-Sanchez, Bernardo, kommt ebenfalls vom Ballett, Chino, Alexander Dubnov, singt sonst im Chor. Das Schauspielensemble tanzt und singt, Mitglieder des Chores tanzen genau wie die Damen und Herren aus dem Opernensemble. Und alle sprechen ihren Text klar und deutlich. Wenn man nun einige nennt, tut an vielen anderen unrecht, dennoch will und muss ich mich beschränken.
Da ist Joe Managhan, ein hyperaktiver Baby John, stets an der Grenze vom Umfallen, da Patrick Rupar, ein Action, der den Namen verdient, da ist Karen Helbig, einziger Gast im Ensemble, aber schon seit Kindestagen mit dem Dessauer Theater verbunden, ihre Anita, die von verliebtem Überschwang bis hin zu eiskalter Rache changiert, ist eine unübertroffene Darstellung menschlichen Leids, da ist Consuelo, Anne Weinkauf vom Chor, ihr „Somewhere“ braucht sich vor keiner der großen Interpretinnen zu verstecken, Karl Thiele, ein zum Fürchten korrupter, rassistischer Polizeioffizier. Christel Ortmanns Glad Hand, eine überfröhliche Frau am Rande des Nervenzusammenbruchs und Gerald Fiedler, ein Doc, der am Leben zerbricht. Wie gesagt, nur einige, aber es war eine Ensembleleistung, die lässig jeden Vergleich mit den großen Theatern im Westend oder am Broadway standhält.
Diese Inszenierung ist für das Theater Dessau nach seinen Erfolgen in der Oper ein weiterer Markpunkt an dem sich andere Theater messen lassen müssen. Aufgrund dieser Leistung müssten wohl alle Diskussionen über Etatkürzungen bei den Trägern vom Tisch gefallen sein, und wenn doch, meine Damen und Herren Politiker, gehen sie hin und schauen sie sich diese West Side Story an. Danach werden Sie meiner Meinung sein.
Die schönen Bilder verdanken wir Claudia Heysel
13.10.2011, 14:05 | tags:
Anhaltische Philharmonie
1065
A. Katte, Super Sonntag, 13.10.2011
Hurra, wir werden Stars
Jetzt kommen die Kleinen auf die große Bühne!
Was die Großen können, das können die Kleinen schon lange! Warum sollen nicht auch mal Kinder sich an einem Tag im Theater treffen, ein Musikstück gemeinsam einstudieren und es abends auf der großen Bühne zusammen mit der Anhaltischen Philharmonie ihren Eltern, Verwandten und Gästen präsentieren? Das Kinder-Scratch-Konzert am 29. Oktober, um 18 Uhr wird den Beweis antreten, dass das möglich ist. Anders als bei den Großen bereiten sich nahezu 300 Kinder aus Dessau-Roßlaus Grundschulen jedoch schon seit einigen Wochen mit Unterstützung ihrer Musiklehrer und Theaterkorrepetitor Stefan Neubert auf dieses Konzert vor. Bei den Proben in der Evangelischen Grundschule Dessau durften Pressevertreter in dieser Woche lauschen. Mit einer jahrgangsübergreifenden Lerngruppe aus Dritt- und Viertklässlern probte Stefan Neubert am Keyboard mit tatkräftiger Unterstützung von Musiklehrer Ingo Wagner und Theaterpädagoin Imme Heiligendorff die Wirkung von lauten und leisen Stimmen und deren Ausdruckskraft. Die jungen Sängerinnen und Sänger waren zunächst noch verhalten, aber dann mit zunehmender Leidenschaft und Einsatz dabei. Mit viel Neugier und Mut machen sie sich am 29. Oktober schließlich ins Theater auf, den dafür eigens komponierten „Shakespeare-Swing“ von Bernd Wilden aufzuführen. Unter der musikalischen Gesamtleitung von Generalmusikdirektor (GMD) Antony Hermus wird der Tag des Konzerts ein spannendes, einmaliges Erlebnis voller Rhythmus, Geraune, Spaß, Improvisation und klangvoller Musik werden. „Wenn die Musik der Liebe Nahrung ist ...“, heißt es bei Shakespeare. Spielen wir also weiter fort und fort!
Tickets und Informationen unter gibt es unter Tel. 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen.
06.10.2011, 17:56 | tags:
Anhaltische Philharmonie
1056
Pressemitteilung vom 6.10.2011
Was die Großen können, das können die Kleinen schon lange!
Was die Großen können, das können die Kleinen schon lange! Warum sollen nicht auch mal Kinder sich an einem Tag im Theater treffen, ein Musikstück gemeinsam einstudieren und es abends auf der großen Bühne zusammen mit der Anhaltischen Philharmonie ihren Eltern, Verwandten und Gästen präsentieren?
Das Kinder-Scratch-Konzert am 29. Oktober um 18 Uhr wird den Beweis antreten, dass das möglich ist. Anders als bei den Großen bereiten sich nahezu 300 Kinder aus Dessau-Roßlaus Grundschulen jedoch schon seit einigen Wochen mit Unterstützung ihrer Musiklehrer und Theaterkorrepetitor Stefan Neubert auf dieses Konzert vor. Mit viel Neugier und Mut machen sie sich am 29. Oktober schließlich ins Theater auf, den dafür eigens komponierten „Shakespeare-Swing“ von Bernd Wilden aufzuführen. Unter der musikalischen Gesamtleitung von GMD Antony Hermus wird der Tag des Konzerts ein spannendes, einmaliges Erlebnis voller Rhythmus, Geraune, Spaß, Improvisation und klangvoller Musik werden. „Wenn die Musik der Liebe Nahrung ist ...“, heißt es bei Shakespeare. Spielen wir also weiter fort und fort!
Tickets und Informationen unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
06.10.2011, 17:24 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
1055
Pressemitteilung vom 6.10.2011
„staging the bauhaus II“ / „play bauhaus – jam out“ / „temptations“
Gemeinsame Veranstaltungen der Stiftung Bauhaus Dessau und des Anhaltischen Theaters im Rahmen des Festivalkongresses „Vorstellungsvermögen II“ zur Bauhaus-Bühne Dessau
Zum zweiten Mal laden das Anhaltische Theater und die Stiftung Bauhaus Dessau gemeinsam zum Festivalkongress zur Geschichte der legendären Bauhausbühne ein. Unter dem Titel „Vorstellungsvermögen II“ wird es vom 13. bis 15. Oktober im Bauhausgebäude um den Einfluss der russischen Konstruktivisten auf Musik und Theater gehen.
Anknüpfend an den großen Erfolg im vergangenen Jahr wird es auch diesmal wieder ein Konzert unter dem Motto „staging the bauhaus“ geben. Dirigent Daniel Carlberg und die Anhaltische Philharmonie spielen am 13. Oktober um 20 Uhr u.a. die Originalmusik von Dmitri Schostakowitsch zum Stummfilm „Das neue Bayblon“. Außerdem werden drei kleine vokal-instrumentale Miniaturen von Alexander Mossolow und Igor Strawinsky zu hören sein, bei denen Jagna Rotkiewicz als Solistin mitwirkt.
Die Musik der russischen Avantgarde trifft im Bauhaus auf die Architektur einer Versuchsbühne. Die "Beziehungen von Licht, Raum, Fläche, Form, Bewegung, Ton, Mensch", mit denen sich einst Laszlo Moholy-Nagy beschäftigte, sollen an diesem Abend mit Licht-, Bild- und Stimmbewegungen neu in Szene gesetzt werden. Für das Gesamtkonzept zeichnet Dirigent Daniel Carlberg verantwortlich, der auch wieder moderierend durch den Abend führen wird.
Eintritt: 17,50- / 13,50- Euro ermäßigt / 8,- Schüler
Anhaltische Philharmonie Dessau
Gesamtkonzept und Dirigent: Daniel Carlberg | Solistin: Jagna Rotkiewicz, Sopran |
Sprecher: Eva Marianne Berger, Patrick Rupar | Szenografie: Torsten Blume
Dramaturgie: Holger Kuhla
Neben dem außergewöhnlichen Konzert laden beide Institutionen am 14. Oktober um 20 Uhr zur Tanzperformance „play bauhaus – jam out“ ebenfalls auf die Bauhausbühne ein. Die Performance bezieht sich vor allem auf die Bauhaustänze der 1920er Jahre und auf ihr Spiel mit dem Raum. Außerdem stellen die Akteure an diesem Abend das Projekt „temptations“ vor, bei dem es um körperliche Energien und räumliche Bezüge geht.
Am 15. Oktober um 20 Uhr sind beide Tanzperformances, die auf historische Studien Oskar Schlemmers zurückgehen, auf der Bauhaus-Bühne zu sehen.
Eintritt: 10,- / 7,- Euro ermäßigt
„play bauhaus – jam out“
Eine Produktion der Bauhausbühne, Stiftung Bauhaus Dessau von Torsten Blume (Szenografie, Regie) und Yun-Ju Chen (Tanz, Choreographie) / Sound: Shintaro Imai / Gefördert durch: Chin-Lin Foundation for Culture and Arts, Cloudgate Dance Theatre Fund Taiwan
„temptations“
Eine Produktion des Ballettensembles des Anhaltischen Theaters Dessau / Konzept, Choreografie: Matthew Bindley und Juan Pablo Lastras-Sanchez / Tänzer: Laura Costa Chaud, Charline Debons, Annelies Waller, Anna Jo, Joshua Swain / Musik: Phil Von
Tickets und Informationen unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen, der Abendkasse sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
05.10.2011, 11:49 | tags:
Ballett
, Schauspiel
, Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
1053
Wolf- Dieter Kröning, Bild Zeitung, 4.10.2011
"West Side Story" in Dessau
Weichgespültes Meisterwerk!
Ach, es ist so süß & bitter, so wild & traurig - und endet im Tod! West Side Story, ist - richtig inszeniert - nichts für kleine Kinder. Und Regisseur Christian von Götz macht es richtig!
Das berühmte Musical am Anhaltischen Theater Dessau: ein Meisterwerk - schon das Bühnenbild von Britta Bremer ist schlicht fantastisch.
Tony (David Ameln) und Maria (Cornelia Marschall) sind ein rührendes Liebespaar - wie sie durch ihren Alptraum irrt, ist furios. Die Sänger und Tänzer, die Kämpfe, die Einfälle - prima (auch wenn Latino-Girls nicht rothaarig sind). Der große Wurf somit? Ja, wenn die Anhaltische Philharmonie mitzöge! Alles klingt lieblich: Daniel Carlberg denkt, er dirigiere eine Art Operette - schwelgerisch zerdehnt er die genialen Bernstein-Songs, raubt ihnen die Schärfe, Ruppigkeit, Tempo: Der Weichspüler am Pult arbeitet gegen die Regie. Nur wenige haben`s gemerkt, Trampelapplaus! Fazit: die beste "West Side Story", die ich seit langem gesehen habe. Braucht nur mehr Druck auf der Pumpe.
Nächste Vorstellung: 7. Oktober, 19.30 Uhr, Karte ab 13,50 Euro
05.10.2011, 11:14 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
1052
Der Tagesspiegel, 5.10.2011
Brüssel ist das „Opernhaus des Jahres“
Zum ersten Mal kommt das „Opernhaus des Jahres“, das die Fachzeitschrift „Opernwelt“ bei ihrer jährlichen Kritiker-Umfrage ermittelt, nicht aus dem deutschsprachigen Raum. Das seit 2007 von Peter de Caluwe geleitete Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel hat sich den Ehrentitel gesichert. In der belgischen Hauptstadt gelang dem Dirigenten Marc Minkowski und dem Regisseur Olivier Py zudem mit ihrer Deutung von Giacomo Meyerbeers „Les Huguenots“ die „Aufführung des Jahres“.
Mag die Auszeichnung für die Außendarstellung der Opernhäuser auch äußerst hilfreich sein - es handelt sich hier nicht um eine Mehrheitsmeinung der Kritiker.
Schaut man sich die Voten der 50 befragten Rezensenten aus allen Regionen Deutschlands, aus Österreich, der Schweiz, Großbritannien, den USA und Russland im Detail an, stellt man fest, dass den Brüsselern gerade einmal neun Voten zum Titelgewinn reichten. Die Oper Frankfurt kommt als Zweitplatzierte auf acht Nennungen. Weil zudem das „Orchester des Jahres“ sowie der „Sänger des Jahres“ – nämlich der Bariton Johannes Martin Kränzle – aus Frankfurt kommen, ist eigentlich das hessische Musiktheaterhaus die Siegerin des Rankings.
Die Berliner Opernszene, die viele Jahre lang vor allem in der „Opernwelt“- Rubrik „Ärgernis des Jahres“ zu finden war, schneidet diesmal mit vielen Nennungen in allen Kategorien ziemlich gut ab.
Erfreulich oft wird auch das Theater Dessau genannt, das unter Chefdirigent Anthony Hermus und Regisseurin Andrea Moses einen Qualitätssprung gemacht hat.
„Regisseur des Jahres“ ist ein Altmeister: Achim Freyer. Mit größtmöglicher Einigkeit wurde Mariss Jansons für seinen Amsterdamer „Eugen Onegin“ zum „Dirigenten des Jahres“ gewählt. „Nachwuchssängerin des Jahres“ ist die 21-jährige Russin Julia Lezhneva, für seine Bayreuther „Lohengrin“-Ratten wurde Reinhard von Thannen zum „Kostümbildner des Jahres“.
Weil die großen internationalen Festivals besonders viele Kritiker anziehen, ist deren Einsatz für neue oder vergessene Werke im Idealfall auch besonders folgenreich: wie bei Wolfgang Rihms „Dionysos“ bei den Salzburger Festspielen und Mieczyslaw Weinbergs jahrzehntelang vergessener Holocaust-Oper „Die Passagierin“ in Bregenz, die sich in den Kategorien „Uraufführung“ respektive „Wiederentdeckung“ durchsetzen konnten. „Dionysos“ wird im Juli 2012 übrigens auch an der Berliner Staatsoper zu sehen sein.
An der „Opernwelt“-Umfrage zeigt sich jedes Jahrs aufs Neue, wie subjektiv Kritiker-Meinungen sind: Peter Konwitschnys Grazer „Traviata“-Inszenierung taucht sowohl in der Rubrik „Aufführung des Jahres“ wie auch als „Ärgernis des Jahres“ auf, ebenso wie Hermann Nitschs Münchner „Saint François“, Christoph Loys Frankfurter „Fledermaus“ oder Stockhausens „Sonntag“ in Köln. F. H.
04.10.2011, 17:34 | tags:
Ballett
, Schauspiel
, Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
1051
Helmut Rohm, Volksstimme, 4.11.2011
"West Side Story" zum Spielzeitauftakt am Anhaltischen Theater
Bewegende Geschichte in faszinierender Symbiose
essau-Roßlau. "Irgendwo. Irgendwann. Irgendwie." - nur die Hoffnung bleibt. Hier endet Leonard Bernsteins Musical "West Side Story", das am Freitagabend im ausverkauften Anhaltischen Theater Dessau eine frenetisch gefeierte Premiere erlebte.
Im Grunde "sitzen" die bis aufs Blut verfeindeten New Yorker Straßengangs, die Jets und die Sharks "im gleichen Boot". Beide sind Abkömmlinge verschiedener Einwanderergruppen. Beide haben keine soziale Perspektive. Beide klammern sich an ihr vermeintliches Domizil, eine heruntergekommene Industriebrache. Gewalt ist das fast einzige Kommunikationsmittel - ein schier unlösbarer Konflikt.
Mit seinem bisher wohl weltweit erstmaligen Drehbühnen-Raum-Konzept (Bühne: Britta Bremer; Kostüme: Katja Schröpfer) symbolisiert Regisseur Christian von Götz die sich zuspitzende Gewaltspirale, die schließlich aus dem Rahmen läuft.
Beide Gruppen stehen gleichsam für die hoffnungslose Lage der Jugend schlechthin. Etwas von diesem New York der 1950er Jahre ist auch hier und heute. "Während wir in Dessau probten, brannten in London die Straßen, in Berlin die Autos, wurden auf Bahnsteigen unschuldige Menschen zu Tode geprügelt", zieht Christian von Götz erschütternde Parallelen.
Die bewegende Geschichte (Buch Arthur Laurents, Gesangstexte von Stephen Sondheim) inszeniert er als faszinierende Symbiose von Musik, Schauspiel und Tanz (Choreografien Carlos Matos). Das Orchester unter dem furios agierenden Daniel Carlberg spielt groß auf, trifft den Nerv der jeweiligen Situation eindrucksvoll.
Besonders hervorzuheben ist, dass bis auf Karen Helbing (Anita) dieses personalaufwändige Stück durchweg mit theatereigenen Künstlern realisiert wird. Christian von Götz hat dabei ein großartiges Musicalensemble geformt, in dem kaum noch unterscheidbar ist, ob Tänzer, Sänger oder Schauspieler in Aktion sind. Die Dessauer "West Side Story" ist so zu viel mehr als einem eindrucksvoll gelungenen Spielzeitauftakt geworden und setzt sicher hier und da auch über Dessau hinaus neue Maßstäbe.
Der Zuschauer wird förmlich mitgerissen von der unglaublichen temporeichen und ungemein realistisch-dramatisch-tragischen Auseinandersetzung, hin bis zu faszinierend dargestellten realistischen Kampfszenen (Choreografie Klaus Figge).
Er erlebt jedoch auch sehr kontrastreich die von lebensechter Emotionalität geprägten sentimental-lyrischen Szenen der jungen, zunächst scheinbar ungetrübten Liebe von Maria und Tony. Eine aufkeimende Beziehung, die von Cornelia Marschall und David Ameln gesanglich vorzüglich und spielerisch anrührend gelebt wird. Wie bei "Julia und Romeo" kann ihre Liebe nicht glücklich werden. Die Hoffnung bleibt - auf das "Irgendwo. Irgendwann. Irgendwie".
Die nächste Aufführung ist am Freitag, dem 7. Oktober, um 19.30 Uhr.
02.10.2011, 21:59 | tags:
Ballett
, Schauspiel
, Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
1049
Andreas Hillger, mz-web.de,2.10.2011
Anhaltisches Theater
Im Schmelztiegel der Kunst
Am Anfang geht eine Puppe zu Bruch, am Ende werden Menschen in ihrem Blut liegen - doch das kleine Mädchen wird dann noch immer versuchen, das zerstörte Spielzeug zu reparieren. Es ist ein schlichter, stimmiger Rahmen, den Christian von Götz seiner Inszenierung der "West Side Story" am Anhaltischen Theater gegeben hat. Und er passt perfekt zum tödlichen Spiel, das die Jets und die Sharks hier in den Straßen von New York treiben: ein Guerilla-Krieg der Benachteiligten, die ihren Kick in den Klischees vom fremden Gegenüber und in den adrenalinsatten Balzkämpfen vor den Augen ihrer Mädchen suchen. Bis sich zwei junge Menschen zwischen den Fronten begegnen und die Liebe den Hass entlarvt.
Von Verona nach Amerika
Dass diese Geschichte von zeitloser Gültigkeit sein würde, dürften der Komponist Leonard Bernstein sowie seine Librettisten Arthur Laurents (Buch) und Stephen Sondheim (Songs) schon bei der Uraufführung 1957 geahnt haben. Schließlich hatten sie damit das berühmteste Liebesdrama der Literaturgeschichte aus Verona nach Amerika versetzt und Romeo und Julia in Tony und Maria umbenannt. Wie gut sich dieses Werk aber auch für eine Produktion jenseits der Broadway-Traditionen eignet, kann man nun in Dessau sehen: Hier spielt ein deutsches Stadttheater seine Trümpfe aus und inszeniert ausgerechnet die Konfrontation von rivalisierenden Gruppen als Schulterschluss zwischen allen Sparten.
Denn dies ist das überraschende und überzeugende Konzept dieses Abends: Bis auf Cornelia Marschall (Maria) und David Ameln (Tony) sind sämtliche Rollen mit Chorsängern, Tänzern und Schauspielern des Hauses besetzt, lediglich Karen Helbing wurde für die Rolle der Anita als Gast engagiert. Und wo man sonst die Spezialisierung in den Defiziten erkennt, verschwimmen hier die Grenzen zum Besseren: Drei Dutzend Darsteller singen, tanzen und sprechen ihre Rollen überzeugend, sie beflügeln einander zu Höchstleistungen auf fremdem Terrain und treten am Ende ausgepumpt, aber glücklich in den Premierenjubel.
Da sind die Tänzer Matthew Bindley und Juan Pablo Lastraz-Sanchez, die sich als Riff und Bernardo an die Spitze ihrer Heere stellen und als Erste in den Tod gehen. Da sind die Schauspieler Patrick Rupar und Susanne Hessel, die als Action und Anybody's auf Seiten der Jets für gefährliche Energie sorgen. Und da sind die Choristen Alexander Dubnov und Anne Weinkauf, die bei den Sharks vom kleinen Glück träumen. Sie stehen als Erste unter Gleichen in dem Ensemble, das in den von Carlos Matos rasant choreografierten Nummern wie "I'd like to be in America" oder "Officer Krupke", auch und vor allem aber in den von Klaus Figge virtuos inszenierten Kampfszenen über sich hinauswächst.
Kein biederes Remake
Dabei hat Christian von Götz alles andere als ein biederes Remake des klassischen Vorbilds geliefert. Dank der gigantischen Dessauer Drehbühne konnte er sich von Britta Bremer ein Labyrinth bauen lassen, in dem zwischen Feuerleitern und Klimakästen genügend Raum für große Bilder bleibt. Wenn sich Tony und Maria im Brautkleidladen begegnen oder in einem Meer von Kerzen vor der feindlichen Welt verstecken, dann sind diese poetischen Momente einer latenten Angst abgetrotzt, die in erschreckenden Visionen von Schlachthäusern und Drogenrausch vor den Augen der Zuschauer kreist. So braucht es nur wenige Accessoires wie die Liebes-SMS oder die schönen, aktuellen Kostüme von Katja Schröpfer, um die Geschichte in die Gegenwart zu holen - und nur wenige drastische Augenblicke wie die Vergewaltigung von Anita, um ihre existenzielle Dimension deutlich werden zu lassen.
Für die musikalische Qualität und den permanenten Dialog zwischen Bühne und Orchestergraben aber sorgt Daniel Carlberg, der der Anhaltischen Philharmonie ihre zuletzt an Weills "One Touch of Venus" und Bernsteins "Candide" geschulten Amerikanismen entlockt. Und so, wie sich die Musiker in diesen Sound einfühlen, bringen auch die Künstler auf der Bühne ihre biografische Verwurzelung in ein Stück ein, das dafür ideal scheint.
Da kokettiert die Schweizerin mit einem puerto-ricanischen Akzent, da tanzt die Brasilianerin neben dem Briten und die Koreanerin neben dem Albaner. Das Theater als Schmelztiegel, als sozialer Raum mit kultureller Aufgabe. "Somewhere"? Genau hier!
Nächste Vorstellungen: 7. Oktober, 19.30 Uhr; 27. Oktober, 16 Uhr
29.09.2011, 08:55 | tags:
Anhaltische Philharmonie
1044
Rainer Schultz, Mitteldeutsche Zeitung, 29.09.2011
Wittenberg
Streichquartett im Klassenzimmer
«Klassik zum Anfassen» gab es jetzt im Lucas-Cranach-Gymnasium Wittenberg. Dort gestalteten das Anhaltische Streichquartett und Musikdramaturg Ronald Müller eine sehr unterhaltsame Unterrichtsstunde.
Die zehnjährige Eliza Wobker und ihre Freundin Penelope Jenke aus der fünften Klasse des Lucas-Cranach-Gymnasiums finden Mozart "cool". Zu seiner Zeit wurde er gefeiert wie ein Popstar. Auch heute noch wissen die Schüler mit dem Namen des Salzburger Komponisten etwas anzufangen. Die Finger schnellen in die Höhe, als Ronald Müller, Musikdramaturg am Anhaltischen Theater Dessau, die Kinder nach dem Titel des ersten Stücks fragt. "Das war doch die kleine Nachtmusik."
Für diese Antwort ernten sie Lob vom Experten, der mit viel Einfühlungsvermögen am Dienstag durch eine außergewöhnliche Musikstunde führt und moderiert. Iris Bernhardt, Musiklehrerin am Gymnasium, hat sich auf diesen Tag besonders gefreut. "Wir behandeln gerade Streichinstrumente im Unterricht. Da passt es, dass die Schüler heute praxisnah das Ganze optisch und akustisch nachvollziehen können." Voreingenommenheit und Scheu vor klassischer Musik? Das Gegenteil ist hier der Fall. Da zeigt sich selbst das Streichquartett der Anhaltischen Philharmonie (in persona Martin Schulze, Christiane Thal, Claudia Michaelsen und Gerhard Manske) angenehm überrascht.
Dass man im Musikunterricht hin und wieder auch vom Gesang Gebrauch macht - dafür liefern die Schüler schließlich mit dem Evergreen "Pack die Badehose ein" den Beweis und ernten für dieses Ständchen den Applaus der Dessauer Künstler. Aber zurück zu Mozart. Dessen Freund Joseph Haydn gilt als Schöpfer des Streichquartetts. Bei einer Streicherserenade von ihm (er schuf immerhin 80 Streichquartette) erhalten die Anhaltischen Philharmoniker großen Beifall. Später folgt ein Stück, das, so Müller, jeder kennen sollte". Schon bei den ersten Takten blicken sich alle vielsagend an. Ist das nicht die Melodie der Nationalhymne? Sie ist es. Komponiert wurde sie einst von Haydn für den österreichischen Monarchen als so genanntes Kaiserquartett. (Den Text lieferte bekanntlich Hoffmann von Fallersleben.)
Wie man ein Stück variiert, so auch das "Kaiserquartett", demonstrieren die Dessauer Musiker recht eindrucksvoll. Und auch wie ein Instrument aufgebaut ist, welche Töne man beim Cello erzeugen kann oder die Funktion eines Schalldämpfers - all das erfahren die Gymnasiasten in jener Unterrichtsstunde, die man auch "Klassik zum Anfassen" nennen könnte. Jedenfalls beschert sie in kurzweiliger Form den Schülern ein besonderes Klangerlebnis. Und immerhin ein Drittel von ihnen spielt selbst ein Musikinstrument. Diese Zahl könnte sich nach dieser wunderbaren Werbung und Demonstration noch vergrößern.
27.09.2011, 15:34 | tags:
Anhaltische Philharmonie
1043
Pressemitteilung vom 27.09.2011
Konzerte im Monat Oktober
Das Anhaltische Theater lädt zu einem Nachmittag mit beliebten Melodien aus Oper, Operette und Konzert am Samstag, dem 8. Oktober um 17 Uhr ins Große Haus ein. „Gold und Silber“ lautet das Motto des Programms, bei dem Musik von Reznicek, Mozart, Puccini, Mascagni, Gounod, Grieg, Zeller, Lehár, Bock, Bernstein und Ellington erklingen wird. Als Solisten wirken mit: Cornelia Marschall (Sopran), Angelina Ruzzafante (Sopran), David Ameln (Tenor), Artjom Korotkov (Tenor) und Ulf Paulsen (Bariton). Die Anhaltische Philharmonie spielt unter der Leitung von Wolfgang Kluge. Als Moderator führt Ronald Müller durch das Programm.
Anknüpfend an den großen Erfolg im vergangenen Jahr beim spektakulären Konzert „staging the bauhaus“ gibt es in diesem Jahr eine Fortsetzung. Die Konzertinstallation am 13. Oktober, um 20 Uhr auf der Bauhausbühne widmet sich diesmal der Musik der russischen Avantgarde. Neben drei kleinen vokal-instrumentalen Miniaturen von Alexander Mossolow und Igor Strawinsky, bei denen Jagna Rotkiewicz als Solistin mitwirkt, wird der Stummfilm „Das neue Babylon“ gezeigt und mit der Originalmusik von Dmitri Schostakowitsch live von der Anhaltischen Philharmonie begleitet. Für das Gesamtkonzept zeichnet Dirigent Daniel Carlberg verantwortlich, der auch wieder eine kleine Einführung in das Programm geben wird.
Die Saison der Kammerkonzerte des Anhaltischen Theaters beginnt am 15. Oktober, um 15.30 Uhr im Schloss Georgium. Zwei Kompositionen des Dessauer Hofkapellmeisters August Klughardt (Violinromanze und Klaviertrio) stehen dem berühmten „Dumky“-Trio Antonín Dvoráks gegenüber. Es musizieren Myra van Campen-Bálint (Violine), Claudius Lepetit (Violoncello) und Wolfgang Kluge (Klavier).
„Virtuosen“ – so lautet das Motto des 2. Sinfoniekonzerts der Anhaltischen Philharmonie am 20. und 21. Oktober, jeweils um 19.30 Uhr. Kurz vor dem 200. Geburtstag des Komponisten und Klaviervirtuosen Franz Liszt stehen dessen Sinfonische Dichtung „Les Préludes“ sowie das 1. Violinkonzert von Niccolò Paganini auf dem Programm. Liszt war 1832 durch das Erlebnis des „Teufelsgeigers“ Paganini zu seiner eigenen Virtuosenlaufbahn angeregt worden. Solist im Paganini-Konzert ist der gebürtige Serbe Nemanja Radulovic, der in Paris lebt und dessen Auftritte in den großen Konzertsälen dieser Welt bejubelt werden. Von Liszts ungarischem Landsmann Béla Bartók stammt eines der bedeutendsten Orchesterwerke des 20. Jahrhunderts, das „Konzert für Orchester“ (1944). Hier wird das Orchester mit seinen einzelnen Instrumentengruppen zum Virtuosen! Am Pult der Anhaltischen Philharmonie steht Daniel Carlberg. In der Konzerteinführung, jeweils 18.30 Uhr im Foyer, geht es u.a. auch um die Auftritte von Liszt, Paganini und Bartók in Dessau.
Zum 4. Philharmonie-Stammtisch, dem ersten in dieser Saison, wird am 26. Oktober um 19 Uhr wieder in den Ratskeller eingeladen. Der Abend verspricht auch diesmal wieder manche musikalische Überraschung. Für Speisen und reichlich Philharmonie-Bier ist ebenfalls gesorgt.
Was die Großen können, das können die Kleinen schon lange! Warum sollen nicht auch mal Kinder sich an einem Tag im Theater treffen, ein Musikstück einstudieren und es abends auf der Bühne gemeinsam mit der Anhaltischen Philharmonie ihren Eltern, Verwandten und Gästen präsentieren? Das Kinderscratch-Konzert am 29. Oktober um 18 Uhr wird den Beweis antreten, dass es möglich ist. Über 300 Kinder aus Grundschulen aus Dessau-Roßlau und Zerbst sind beim „Shakespeare-Swing“ von Bernd Wilden mit dabei.
Tickets und Informationen unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
19.09.2011, 12:37 | tags:
Anhaltische Philharmonie
1037
Undine Freyberg, Mitteldeutsche Zeitung, 19.09.2011
Merseburg
Unheilig - Bierbänke im Dom
Zweieinhalb Tonnen Technik, Instrumente und Stühle schleppten Michael Gerber und seine Mitarbeiter von der Staatskapelle Halle am Sonntag in den Merseburger Dom. "Wir brauchen anderthalb Stunden zum Auf- und anderthalb Stunden zum Abbau", erklärt der Leiter der Bühnentechnik.
Auch für die Organisatoren der Merseburger Orgeltage war es ein heißes Wochenende. Chöre, Orchester, Organisten und Solisten drängelten sich förmlich in Merseburg und im Dom. Neben der Staatskapelle Halle waren ja auch die Anhaltische Philharmonie mit etwa 60 Musikern, die Domkantorei mit fast 90 Sängern, das Salonorchester Cappuccino, der Gewandhaus-Chor Leipzig und der
Philharmonische Chor Berlin zu Gast. "Das sind insgesamt rund 400 Mitwirkende am Abschlusswochenende", rechnet Hans-Hubert Werner vom Freundeskreis für Musik und Denkmalpflege vor. Da müssen die Podeste für Orchester und Chöre aufgebaut, Probenzeiten koordiniert und Aufenthaltsräume organisiert werden. "Glücklicherweise hat uns das Domgymnasium einige Klassenräume für die Musiker zur Verfügung gestellt."
Musikalisch war das Wochenende ein Erlebnis - nicht nur das große Abschlusskonzert am Sonntag mit Liszts Oratorium "Christus", auch der Samstagabend im Dom mit Liszts "Les Préludes" und der "Soli Deo Gloria", der Messe, die einst anlässlich der Krönung von Franz I. und Sissi zum König und zur Königin von Ungarn komponiert und aufgeführt worden war, berührten die Zuhörer im gut gefüllten Dom zutiefst. Und trotz später Stunde war auch der Schlossgartensalon am Samstag um 22 Uhr rappelvoll, als das Salonorchester Cappuccino unter anderem zu Liszts "Ungarischer Rhapsodie", Mozarts "Kleiner Nachtmusik" oder Robert Schumanns "Träumerei" einlud.
Das Gesprächsthema Nr. 1 am Rande war allerdings etwas, das mit der musikalischen Qualität der Orgeltage nichts zu tun hatte, für alle Konzertbesucher im Dom allerdings sichtbar war: Drei Bierbänke bildeten im Dom den obersten Teil der Empore für die Chöre. Horst Fischer vom Altstadtverein war geradezu peinlich berührt von diesem Anblick. "Das geht so nicht. Da muss uns doch etwas einfallen." Kantor Stefan Mücksch, der den zweiten Teil des Samstagskonzerts leitete, meinte: "Dafür brauchen wir Sponsoren, anders schaffen wir das nicht." Der musikalische Eindruck soll durch diesen kleinen Hauch von Oktoberfest aber auf keinen Fall geschmälert werden.
"Wir haben was die Zahl der Gäste angeht, wieder einen ordentlichen Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr erreicht", freut sich Domorganist Michael Schönheit, der schon längst an den 42. Orgeltagen im Jahr 2012 arbeitet. Das Thema steht bereits: Musik und Reformation.
13.09.2011, 08:48 | tags:
Anhaltische Philharmonie
1026
Johannes Killyen, Mitteldeutsche Zeitung, 13.9.2011
Glanzvoller Auftakt in die Saison
Natürlich war Ragna Schirmers Beethoven-Lesart beredt genug, für sich selbst zu sprechen. Ihre erste Zugabe jedoch erhellte - zum Auftakt der Konzertsaison im Anhaltischen Theater - das große fünfte Klavierkonzert zweifellos noch ein Stück mehr. Schirmer donnerte derart kraftvoll und virtuos durch Chopins cis-Moll-Etüde op. 10 Nr. 4, dass im Publikum die Münder offen blieben. Im Umkehrschluss machte der zugegebene Chopin deutlich, worum es der Ausnahmepianistin aus Halle zuvor im Beethoven-Konzert gegangen war: Nicht um imperiales Imponiergehabe oder Testosteron gesättigte Oktavpassagen, sondern um kluges, differenziertes, alle Feinheiten auslotendes Musizieren im Einklang mit dem Orchester.
Noch war es nicht ganz leicht, das Gleichgewicht zwischen Orchester und Solistin oder die Präsenz des Flügels einzuschätzen, denn an diesem Abend erlebte das neue Konzertzimmer der Anhaltischen Philharmonie seine Premiere. Gemeint sind damit akustische Einbauten, die den theatralen Bühnenraum in einen angemessenen Konzertsaal verwandeln - eine Angelegenheit von zentraler Bedeutung für den Orchestersound.
Transparenter Klang
Der Klang, so scheint es, ist jetzt transparenter und weiter aufgefächert als bislang, er neigt im Fortissimo nicht so rasch zu Überschlägen. Die Holzbläser sind (zumindest vom Rang aus) besser zu hören, konnten in einen herrlichen Dialog mit dem Klavier treten - der aber auch deshalb zustande kam, weil Ragna Schirmer, etwa in der Durchführung des ersten Satzes, die Solobläser bereitwillig zu schönster Kammermusik einlud. Lediglich ganz zu Beginn dauerte es ein paar Takte, bis das endgültige Einvernehmen mit dem von GMD Antony Hermus geleiteten (und wieder bestens aufgelegten) Ensemble hergestellt war.
Verzärtelt war Schirmers Beethoven gewiss nicht, gerade im zweiten Satz aber unendlich zart. Ein Musterbeispiel kluger Gestaltung der dritte Satz: Da kam das sich aufbäumende Hauptthema niemals gleich daher, einmal scheinbar auftrumpfend, doch gleich wieder zurückgenommen, beim nächsten Mal dagegen glanzvoll hervorgehoben. So steht es auch in der Partitur - doch gibt es genügend Pianisten, die sich darum herzlich wenig scheren.
Höhepunkt vor der Pause
Beethoven und Schirmer: Der Höhepunkt dieses ersten Sinfoniekonzertes lag zweifellos vor der Pause, auch wenn danach noch Mendelssohns große "Schottische" Sinfonie wartete, die zwar offiziell des Meisters dritte ist, jedoch später entstanden ist als die vierte ("Italienische") und die fünfte ("Reformationssinfonie"). Das dunkle, reife Spätwerk in a-Moll ist mit seinen exzeptionellen Rhythmen und den gedeckten Klangfarben nicht immer einfach zum Leuchten zu bringen, auch der Anhaltischen Philharmonie gelang das unterschiedlich gut.
Der erste und der vierte Satz (bei letzterem vor allem die Coda) waren zwar sehr aufmerksam musiziert; Antony Hermus hielt seine Musiker auf der Stuhlkante, verlangte dynamische Präzision und genaue Phrasierung. Doch wählte er für beide Abschnitte ein auffallend langsames Tempo, das gerade am Anfang die dramatische Entwicklung beeinträchtigte. Der blitzend perlende zweite und der beseelte dritte Satz waren dagegen mehr in ihrer Mitte.
Den Auftakt zur Universalität Beethovens und Mendelssohns setzte ein anhaltisches Werk, das als populärer Vorgucker ins "Anhalt 800"-Jahr 2012 wies. August Klughardts Festouvertüre Es-Dur war zu hören, ein Werk, das im Augenblick gar nicht auf CD verfügbar zu sein scheint und aus patriotischen Gründen schleunigst auf einen Tonträger gehört: Klughardt verarbeitet darin nicht nur den Dessauer Marsch, sondern auch das berühmte Anhalt-Lied. Unterhaltsame Musik ist das, zwischen Kunst und Militär.
Doch auch Weltmusik von einem Beute-Anhalter gab es, zweifellos am intimsten Moment des Abends, zu hören: Noch vor der Pause ließ Ragna Schirmer auf Chopins Furor als zweite Zugabe die unvergleichliche Arie aus Bachs "Goldberg"-Variationen folgen.
Der MDR überträgt das Konzert auf seinem Kultursender Figaro am 23. September ab 20.05 Uhr.
30.08.2011, 18:35 | tags:
Anhaltische Philharmonie
1015
Pressemitteilung vom 30.8.2011
Konzertsaison startet mit großem Open-Air-Konzert
Am 3. September um 19 Uhr ist es soweit: Mit einem großen Open-Air-Konzert auf dem Theatervorplatz eröffnet das Anhaltische Theater seine neue Saison.
Traditionsgemäß am ersten Septemberwochenende geben die Sänger, Schauspieler, Musiker und Tänzer des Hauses einen Einblick in die Projekte der bevorstehenden, nunmehr 217. Spielzeit. Moderiert von Generalintendant André Bücker erklingen Ausschnitte aus den Premieren und Wiederaufnahmen des Musiktheaters: Puccinis „La Bohème“, Wagners „Götterdämmerung“, Gounods „Faust“, Griegs „Peer Gynt“, Bernsteins „West Side Story“, Reuters „Oskar und die Groschenbande“, Mozarts „Così fan tutte“, Leoncavallos „Pagliacci“ und Mussorgskis „Chowanschtschina“. Neben bereits bekannten Gesangssolisten des Hauses, dem Opernchor, dem Kinderchor und der Anhaltischen Philharmonie unter der abwechselnden Leitung von GMD Antony Hermus, Daniel Carlberg, Wolfgang Kluge und Stefan Neubert stellen sich an diesem Abend mit dem Tenor Artjom Korotkov und dem Bassisten Kyung-Il Ko auch zwei neue Ensemblemitglieder dem Dessauer Publikum vor. Auch ein Ausschnitt aus der jüngsten Schauspielproduktion „Metamorphosen“ wird zu erleben sein. Selbstverständlich darf ein Beitrag zum Farbfest, das in diesem Jahr dem Licht gewidmet ist, nicht fehlen.
Im Anschluss an das ca. zweistündige Konzert können sich die Besucher auf den Weg zum Bauhaus machen und bei den dortigen Veranstaltungen zum Thema „Licht“ den Abend ausklingen lassen.
Zu einem Nachmittag mit beliebten Melodien aus Oper, Operette und Konzert lädt das Anhaltische Theater am Sonntag, dem 4. September um 15 Uhr ins Große Haus ein. „Gold und Silber“ lautet das Motto des Programms, bei dem Musik von Reznicek, Mozart, Puccini, Mascagni, Leoncavallo, Gounod, Grieg, Zeller, Lehár, Bock, Bernstein und Ellington erklingen wird. Als Solisten wirken mit: Iordanka Derilova (Sopran), Cornelia Marschall (Sopran), David Ameln (Tenor), Artjom Korotkov (Tenor) und Ulf Paulsen (Bariton). Die Anhaltische Philharmonie spielt unter der Leitung von Wolfgang Kluge. Als Moderator führt Ronald Müller durch das Programm. Das Konzert am 4. September ist bereits ausverkauft. Am Samstag, 8. Oktober um 17 Uhr steht das Konzert wieder auf dem Spielplan. Für diesen Tag sind noch Karten erhältlich.
Im 1. Sinfoniekonzert der Anhaltischen Philharmonie Dessau am 8. und 9. September, jeweils 19.30 Uhr im Großen Haus stehen unter dem Motto „Dessau und die Welt“ drei Werke auf dem Programm, die alle einen Bezug zu Dessau aufweisen. Zwei davon gehören zum Grundrepertoire der Sinfonieorchester in aller Welt. Beethovens 5. Klavierkonzert wurde vor 200 Jahren mit dem Solisten Friedrich Schneider am Klavier in Leipzig uraufgeführt. Knapp 10 Jahre später sollte Schneider seine Lebensstellung als „Herzoglich-Anhalt-Dessauischer Hofkapellmeister“ antreten. Felix Mendelssohn Bartholdy, dessen Großvater Moses Mendelssohn am 6. September 1729 in Dessau geboren worden war, pflegte zeitlebens enge Kontakte zu Freunden und Kollegen in der
Muldestadt, auch zu „Friedrich, dem Weltgerichts-Schneider“. Die „Schottische“, Mendelssohns von Reiseeindrücken inspirierte bedeutendste Sinfonie, wird den Konzertabend beschließen.
Eröffnet wird das Konzert und damit die gesamte Saison mit August Klughardts „Festouvertüre zur 100-jährigen Jubelfeier des Herzoglichen Hoftheaters zu Dessau“ von 1898, in der auch der „Dessauer Marsch“ zitiert wird. Diese Ouvertüre wird die erste Musik sein, die im neuen Konzertzimmer-Aufbau des Anhaltischen Theaters erklingt, der an diesem Abend eingeweiht werden wird. Der Mitteldeutsche Rundfunk hat sich zur Aufzeichnung des Konzerts unter der Leitung von GMD Antony Hermus angesagt. Solistin in Beethovens berühmtem 5. Klavierkonzert ist Ragna Schirmer. Die in Halle ansässige Pianistin gilt heute über die deutschen Grenzen hinaus als führende Künstlerin ihrer Generation. Neben ihrer erfolgreichen musikalischen Arbeit übernimmt sie auch kulturpolitische Verantwortung, wie ihr ehrenamtlicher Einsatz im Kultursenat des Landes Sachsen-Anhalt sowie im Vorstand des Freundeskreises für die Lutherdekade beweist. Vor wenigen Wochen hielt sie in der Dessauer Johanniskirche ihre vielbeachtete Theaterpredigt über Mozarts „Così fan tutte“.
Im Anschluss an das Konzert am Donnerstag, 8. September hat das Publikum Gelegenheit, den Abend im Rangfoyer bei einer kleinen Feier ausklingen zu lassen und mit der Theaterleitung, dem Generalmusikdirektor und den Musikern der Anhaltischen Philharmonie auf das neue Konzertzimmer und die neue Spielzeit anzustoßen.
30.08.2011, 18:35 | tags:
Anhaltische Philharmonie
1014
Pressemitteilung vom 30.8.2011
Konzertsaison startet mit großem Open-Air-Konzert
Am 3. September um 19 Uhr ist es soweit: Mit einem großen Open-Air-Konzert auf dem Theatervorplatz eröffnet das Anhaltische Theater seine neue Saison.
Traditionsgemäß am ersten Septemberwochenende geben die Sänger, Schauspieler, Musiker und Tänzer des Hauses einen Einblick in die Projekte der bevorstehenden, nunmehr 217. Spielzeit. Moderiert von Generalintendant André Bücker erklingen Ausschnitte aus den Premieren und Wiederaufnahmen des Musiktheaters: Puccinis „La Bohème“, Wagners „Götterdämmerung“, Gounods „Faust“, Griegs „Peer Gynt“, Bernsteins „West Side Story“, Reuters „Oskar und die Groschenbande“, Mozarts „Così fan tutte“, Leoncavallos „Pagliacci“ und Mussorgskis „Chowanschtschina“. Neben bereits bekannten Gesangssolisten des Hauses, dem Opernchor, dem Kinderchor und der Anhaltischen Philharmonie unter der abwechselnden Leitung von GMD Antony Hermus, Daniel Carlberg, Wolfgang Kluge und Stefan Neubert stellen sich an diesem Abend mit dem Tenor Artjom Korotkov und dem Bassisten Kyung-Il Ko auch zwei neue Ensemblemitglieder dem Dessauer Publikum vor. Auch ein Ausschnitt aus der jüngsten Schauspielproduktion „Metamorphosen“ wird zu erleben sein. Selbstverständlich darf ein Beitrag zum Farbfest, das in diesem Jahr dem Licht gewidmet ist, nicht fehlen.
Im Anschluss an das ca. zweistündige Konzert können sich die Besucher auf den Weg zum Bauhaus machen und bei den dortigen Veranstaltungen zum Thema „Licht“ den Abend ausklingen lassen.
Zu einem Nachmittag mit beliebten Melodien aus Oper, Operette und Konzert lädt das Anhaltische Theater am Sonntag, dem 4. September um 15 Uhr ins Große Haus ein. „Gold und Silber“ lautet das Motto des Programms, bei dem Musik von Reznicek, Mozart, Puccini, Mascagni, Leoncavallo, Gounod, Grieg, Zeller, Lehár, Bock, Bernstein und Ellington erklingen wird. Als Solisten wirken mit: Iordanka Derilova (Sopran), Cornelia Marschall (Sopran), David Ameln (Tenor), Artjom Korotkov (Tenor) und Ulf Paulsen (Bariton). Die Anhaltische Philharmonie spielt unter der Leitung von Wolfgang Kluge. Als Moderator führt Ronald Müller durch das Programm. Das Konzert am 4. September ist bereits ausverkauft. Am Samstag, 8. Oktober um 17 Uhr steht das Konzert wieder auf dem Spielplan. Für diesen Tag sind noch Karten erhältlich.
Im 1. Sinfoniekonzert der Anhaltischen Philharmonie Dessau am 8. und 9. September, jeweils 19.30 Uhr im Großen Haus stehen unter dem Motto „Dessau und die Welt“ drei Werke auf dem Programm, die alle einen Bezug zu Dessau aufweisen. Zwei davon gehören zum Grundrepertoire der Sinfonieorchester in aller Welt. Beethovens 5. Klavierkonzert wurde vor 200 Jahren mit dem Solisten Friedrich Schneider am Klavier in Leipzig uraufgeführt. Knapp 10 Jahre später sollte Schneider seine Lebensstellung als „Herzoglich-Anhalt-Dessauischer Hofkapellmeister“ antreten. Felix Mendelssohn Bartholdy, dessen Großvater Moses Mendelssohn am 6. September 1729 in Dessau geboren worden war, pflegte zeitlebens enge Kontakte zu Freunden und Kollegen in der
Muldestadt, auch zu „Friedrich, dem Weltgerichts-Schneider“. Die „Schottische“, Mendelssohns von Reiseeindrücken inspirierte bedeutendste Sinfonie, wird den Konzertabend beschließen.
Eröffnet wird das Konzert und damit die gesamte Saison mit August Klughardts „Festouvertüre zur 100-jährigen Jubelfeier des Herzoglichen Hoftheaters zu Dessau“ von 1898, in der auch der „Dessauer Marsch“ zitiert wird. Diese Ouvertüre wird die erste Musik sein, die im neuen Konzertzimmer-Aufbau des Anhaltischen Theaters erklingt, der an diesem Abend eingeweiht werden wird. Der Mitteldeutsche Rundfunk hat sich zur Aufzeichnung des Konzerts unter der Leitung von GMD Antony Hermus angesagt. Solistin in Beethovens berühmtem 5. Klavierkonzert ist Ragna Schirmer. Die in Halle ansässige Pianistin gilt heute über die deutschen Grenzen hinaus als führende Künstlerin ihrer Generation. Neben ihrer erfolgreichen musikalischen Arbeit übernimmt sie auch kulturpolitische Verantwortung, wie ihr ehrenamtlicher Einsatz im Kultursenat des Landes Sachsen-Anhalt sowie im Vorstand des Freundeskreises für die Lutherdekade beweist. Vor wenigen Wochen hielt sie in der Dessauer Johanniskirche ihre vielbeachtete Theaterpredigt über Mozarts „Così fan tutte“.
Im Anschluss an das Konzert am Donnerstag, 8. September hat das Publikum Gelegenheit, den Abend im Rangfoyer bei einer kleinen Feier ausklingen zu lassen und mit der Theaterleitung, dem Generalmusikdirektor und den Musikern der Anhaltischen Philharmonie auf das neue Konzertzimmer und die neue Spielzeit anzustoßen.
18.08.2011, 13:02 | tags:
Anhaltische Philharmonie
1010
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 18.8.2011
Geschwungenes Holz für die Akustik
Die beiden zwei Seecontainer gingen besenrein zurück in den Hafen nach Bremen. Mehrere Tage hatten die stählernen Hüllen eine wertvolle Fracht bei der Überfahrt von Nordamerika nach Europa geborgen. Die Wenger Corporation mit Firmensitz in Owatonna (Minnesota) hatte ein Konzertzimmer auf die Reise geschickt. Adressat war das Anhaltisches Theater Dessau.
Lieferung erwartet
Es war am Montag der erste Arbeitstag nach der Spielzeitpause, als man gespannt auf die Lieferung wartete. "Einer der ersten, der neugierig vorbeischaute, war Antony Hermus", sagt Helmut Uschmann, der Technische Direktor der Dessauer Bühne. Den Generalmusikdirektor des Anhaltischen Theater musste er freilich erst einmal wieder weg schicken. Es gab einfach noch nicht viel zu sehen von der Holzkonstruktion, die künftig die Kulisse für die Konzerte der Anhaltischen Philharmonie gibt. Alles war noch gut verpackt.
So ein Konzertzimmer ist freilich sehr viel mehr als nur ein schöner Rahmen für die Musiker. Die hölzernen Wände bestimmen maßgeblich, wie die Musik klingt. Sie sind akustisch unabdingbar und werden - so soll es auch zum Ende der Woche in Dessau passieren - nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten und natürlich vorangegangenen Messungen eingerichtet.
Bevor am Freitag der Akustikfachmann mit seinen Geräten ins Theater kommt, müssen Helmut Uschmanns Männer zunächst das Konzertzimmer montieren. Zur Seite steht ihnen dabei Oliver Mälich von der Firma HOAC, die sich auf Theater- und Bühnensysteme spezialisiert hat und Konzertzimmer der Wenger Corp. aus den USA nach Europa importiert und installiert. Mählich, der gerade erst ein ebensolches Konzertzimmer in Abu Dhabi aufbaute, weil die amerikanischen Kollegen absagten, begleitet nun die Dessauer Bühnentechniker. "Wir haben gesagt, wir machen das selber. Das spart Kosten und den Auf- und Abbau machen wir ja dann auch", so Helmut Uschmann.
Bei den Konzerten sind es dann freilich sehr viel weniger Teile, als bei der Erstmontage, die bewegt werden müssen. Aus neun Türmen und vier Deckensegeln wird das Konzertzimmer bestehen. Uschmann hebt die Wabenstruktur zwischen den Holzwänden hervor. "Das sorgt für guten Klang."
Trotzdem ging der Technische Direktor auf Nummer sicher. Während am Montag die Montage begann, standen die Wände des alten Konzertzimmers noch in den Nischen der Seitenbühne. "Aus denen wird erst Brennholz, wenn das neue Konzertzimmer steht", sagt Uschmann. Für mehr ist der 28 Jahre alte Eigenbau dann auch nicht mehr zu gebrauchen. Acht Bühnentechniker benötigten für dessen Aufbau bislang rund viereinhalb Stunden. Montieren und Demontieren hinterließen in fast drei Jahrzehnten natürlich heftige Spuren. "Aus der Ferne ging es gerade noch, wir konnten mit Licht da einiges machen", sagt Helmut Uschmann, der froh ist, dass der Theaterausschuss die Neuanschaffung befürwortete. Auch weil er weiß, dass seine Männer das neue Modell mit seinen geschwungenen Wänden sehr viel schneller auf- und abbauen können. Vier bis fünf Bühnentechniker sollen das in zwei Stunden schaffen, verspricht der Hersteller.
Ob das klappt, wird man am Donnerstag wissen, wenn der Aufbau beendet und alles für die akustische Einrichtung bereit sein soll. "Dafür wurden auch schon im Vorfeld Messungen bei den Vorstellungen vor- und aufgenommen", berichtet Helmut Uschmann. Zudem habe der Akustiker auch kleine Verbesserungsvorschläge für den Orchestergraben gemacht, die in der Spielzeitpause umgesetzt wurden.
Vorhaben Orchestergraben
"Das ist aber nur der Anfang, im nächsten Jahr soll der Antrieb für die Orchesterversenkung erneuert werden", blickt Uschmann schon voraus, obwohl nach dieser Sommerpause noch gar nicht alle Handwerker hinter der Bühne verschwunden sind. Bis zu den ersten Vorstellungen sind es schließlich noch ein paar Tage und das Konzertzimmer wird sich öffentlich erst am 8. September beim 1. Sinfoniekonzert präsentieren.
08.07.2011, 21:56 | tags:
Anhaltische Philharmonie
1005
Udo Badelt, Der Tagesspiegel, 9.7.2011
Fest und Feuer: Classic Open Air am Gendarmenmarkt
Erst seit 2009 leitet Antony Hermus die Anhaltische Philharmonie Dessau, doch die Früchte kann man jetzt schon hören: Bei der Eröffnung von Classic Open Air am Gendarmenmarkt. Mit fester Hand und entschlossener Gestik hat der Niederländer sein traditionsreiches, 1766 gegründetes Orchester in der Hand, Händels Feuer- und Wassermusiken klingen so noch festlicher, Strauss’ „Fledermaus“-Ouvertüre noch walzerseliger, Verdis Chor der spanischen Stierkämpfer aus „La Traviata“ noch feuriger als sonst. Die Musiker sind zweifellos der Höhepunkt dieses für Initiator Gerhard Kämpfe so glücklichen Abends.
Jeder hat noch das Desaster vom Samstag vor Augen, als das Waldbühnenkonzert der Philharmoniker im Dauerregen versank. Jetzt tut der Himmel, als sei er völlig unschuldig, lächelt in mediterranem Blau, ein paar hingezuckerte Wölkchen verziehen sich schnell. Moderator Herbert Feuerstein gibt sich gewohnt verzuselt, macht erwartbare Witzchen („Turandot ist jene gnadenlose Frau, die den Männern Rätsel aufgibt – wer kennt das nicht von zu Hause?“) und hat ansonsten die Aufgabe, die in handliche Fingerfood-Häppchen zerteilten Musikbeiträge anzukündigen. Auch nach 20 Jahren darf die Frage erlaubt sein, wie viel die Besucher von Papagenos (Frank Matthias) Seelennöten begreifen, wenn sie nur das Happy End, das freudige Plapperduett mit Papagena (Alenka Genzel) mitbekommen. Bei den Solisten sticht der bittersüße Sopran von Jana Büchner als „Carmen“-Micaëla heraus, die leider nur eine einzige Arie singt. Gastdirigent und Potsdamer Filmmusik-Professor Bernd Wefelmeyer kann mit einem verpoppten Arrangement von Händel-Arien nicht überzeugen, Angelika Weiz mit angerauchter Rock-Röhre umso mehr. Aber mit einem Orchester wie dem Dessauer werden sowieso alle Auftritte veredelt.
05.07.2011, 15:18 | tags:
Anhaltische Philharmonie
1003
Pressemitteilung vom 5.7.2011
Eröffnungskonzert zur neuen Spielzeit
Die Spielzeit 2011/12 wird traditionell mit dem Eröffnungskonzert am 3. September um 19 Uhr auf dem Theatervorplatz eröffnet. Die Solisten, der Opernchor und die Anhaltische Philharmonie präsentieren musikalische Kostproben aus den bevorstehenden Neuinszenierungen sowie Ausschnitte von Inszenierungen, die Wiederaufnahmen sind. Das Publikum kann sich auf Ausschnitte aus Mozarts „Così fan tutte“, Puccinis „La Bohème“, Wagners „Götterdämmerung“, Leoncavallos „Pagliacci“, Reuters „Oskar und die Groschenbande“, Gounods „Faust“, Griegs „Peer Gynt, Mussorgskis „Chowanschtschina“ und Bernsteins „West Side Story“ u.a. freuen. Am Dirigentenpult wechseln sich GMD Antony Hermus, Daniel Carlberg, Wolfgang Kluge und Stefan Neubert ab. Es moderiert Generalintendant André Bücker. Anschließend klingt der Abend mit dem Farbfest aus.
Mit: Iordanka Derilova, Cornelia Marschall, Angelina Ruzzafante, David Ameln, Sergey Drobyshevsky, Kyung-Il Ko, Artjom Korotkov, Ulf Paulsen, Wiard Witholt, Jan Kersjes
Anhaltische Philharmonie
Opernchor des Anhaltischen Theaters (Leitung: Helmut Sonne)
Kinderchor des Anhaltischen Theaters (Leitung: Dorislava Kuntscheva)
Tickets und Informationen unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
29.06.2011, 21:55 | tags:
Anhaltische Philharmonie
1001
Pressemitteilung vom 29.06.2011
Anhaltische Philharmonie spielt beim Festival „Himmel auf Erden“
Das internationale Musikfestival „Himmel auf Erden“ – Festival des spirituellen Gesangs, startete
erfolgreich am letzten Wochenende mit beeindruckenden und einmaligen Konzerten und wartet
zum zweiten Festivalwochenende ebenfalls mit Kostbarkeiten auf.
Dazu zählt das Konzert der Anhaltischen Philharmonie mit dem Universitätschor Halle „Johann
Friedrich Reichardt“ unter der Leitung des Generalmusikdirektors der Anhaltischen Philharmonie
Antony Hermus am 2. Juli um 21 Uhr in der Phönix Theaterwelt.
Auf dem Programm steht u.a. die Symphony No. 7 „Toltec“ von Philip Glass, der zu den
renommiertesten amerikanischen Komponisten der Gegenwart und Exponent der sogenannten
Minimalmusic zählt.
„Toltec“ ist ein großes Chorwerk, eine Hommage auf die Kultur und die Spiritualität der Tolteken,
die Mittelamerika Jahrhunderte vor der europäischen Eroberung bewohnten und deren Wurzeln
bis zu den 5000 Jahre alten Olmeken zurückreichen. Auch die erst später folgenden
Hochkulturen der Maya und Azteken knüpften in vielfältige Weise an deren Errungenschaften in
Mathematik, Architektur Astronomie, Medizin und Kunst an. Die Tolteken entwickelten eine Kultur
in der der respektvolle Umgang mit der Natur eine besondere Rolle spielte. Sie verstanden das
Universum als einen Ort der Dualitäten und glaubten, dass Gegensätze in allen Bereichen des
Lebens keine sich gegenseitig aufhebende sondern sich ergänzende Kräfte darstellten, aus
deren Interaktion die Energie zu Bewegung, Veränderung und Entwicklung entstehe. Einige
dieser Vorstellungen leben bis heute z.B. im Glauben der Wirrarika, einem Volk im Nordwesten
Mexikos, fort. Deren Schöpfungsmythen stehen im Zentrum dieser Sinfonie; sie ist von der
heiligen Trinität der Wirrarika inspiriert, wie man den Überschriften der drei Sätze entnehmen
kann: Das Korn, die Heilige Wurzel Hikuri und der Blaue Hirsch.
Einen ganz anderen Umgang mit Schöpfungsmythen suchte Darius Milhaud in „La Création du
monde“ (Die Erschaffung der Welt). Er nahm zwar afrikanische Vorstellungen zum
Ausgangspunkt seiner fünfteiligen Ballettmusik und beschrieb in fünf Abschnitten die Erschaffung
der Welt von einem amorphen Urzustand über die Entwicklung der Pflanzen und Tiere, des
Menschen und seines Begehren bis hin zum ersten Kuss. Musikalisch ist „La Création du monde“
aber mit Jazz-Fuge, Blues, Cakewalk, mit Saxophon und ungewöhnlich großem Schlagwerk in
Rhythmus und Instrumentation vom allem vom amerikanischen Jazz inspiriert. Milhaud hatte
diese Musik unmittelbar zuvor auf einer Reise in die USA kennengelernt und begeistert in seinen
künftigen Kompositionsstil integriert.
Die Motette „Exultate jubilate“ von Wolfgang Amadeus Mozart ist ein Lobgesang auf die
Schöpfung des christlichen Gottes. Sie bildet in der Interpretation der Sopranistin Angelina
Ruzzafante, den dritten Teil des Konzertes.
Tickets und Infos unter: 0700 20082017 (0,12 €/min, Mobilfunktarife abweichend)
www.buehnewittenberg.de und neu www.musikfestival-wittenberg.de
28.06.2011, 10:31 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
994
Helmut Rohm, Volksstimme, 28.6.2011
Mozart-Oper "Cosi fan tutte" wird am Anhaltischen Theater bejubelt
Verwirrspiel um Liebe und Treue: Machen es alle so?
Es hieße Eulen nach Athen tragen, wollte man die Mozart’sche Musik zu "Cosi fan tutte" ausführlich beschreiben. Sie ist, salopp formuliert, eine bekannte "Hammermusik": farbig, kurzweilig und stimmig zur Handlung, eben einfach schön anzuhören. Auch in Dessau – wo Dirigent Daniel Carlberg zur Premiere am Sonnabend selbst hin und wieder ebenfalls ein Hammerklavier "bediente".
Regisseur Florian Lutz verlegt die ursprünglich in Neapel des 18. Jahrhunderts angelegte Geschichte ins Heute. Mehr wird nicht konkretisiert. Das ist durchaus machbar, zudem gelungen: mit Augenzwinkern und in der Balance zwischen Ernsthaftigkeit und Satire.
Es sind die Kernthemen wie Liebe, Treue und Untreue, Lügen und Wahrheit, Standhaftigkeit und Verführbarkeit, Moral und Unmoral ... – die, glaubt man den bunten Blättern, heute bei den Reichen und Schönen fast alltäglich und bei den "normalen" Menschen nicht so bekannt gemacht, aber dennoch ebenso präsent sind.
Florian Lutz, seine Kostüm- und Bühnenbildnerinnen Joki Tewes und Jana Findeklee (auch Video) präsentieren die sechs Protagonisten, meist ständig in sichtbarer Aktion, in einer Setzkasten- oder Labyrinth-ähnlichen Konstruktion. Die vielen teils kleinen Türchen, Klappen, Bodendeckel und Leitern sind von den Personen zu durchkriechen, nicht selten kaskadenähnlich. Gewollte optische Verwirrung wohl – das passt zu den Handlungssträngen.
Da sind die beiden Herren Guglielmo (Ulf Paulsen) und Ferrando (Oscar de la Torre), die der Treue ihrer beiden Verlobten total sicher sind. Beide, stimmstark und überzeugend im Spiel, bekunden das aus tiefsten Herzen. Ihre beiden Verlobten, die Schwestern Dorabella (Ulrike Mayer) und Fiordiligi (Susan Gouthro aus Kiel vertritt in zwei Vorstellungen die verletzte Angelina Ruzzafante), glauben andersherum auch an ewige Treue. In schönen, gefühlvoll gesungenen Arien und mehr sprudelnden Duetten verkünden sie mit großen Worten Standhaftigkeit. Ob es dennoch schon ein wenig kriselt in den Beziehungen, könnte man dem etwas lethargisch anmutenden Tun der beiden Frauen entnehmen. Oder auch nicht? Hat das vielleicht das Drama befördert? Sie sind jedenfalls, wenn auch mehr oder weniger zögerlich, später zu amourösen Abenteuern bereit.
Don Alfonso (Kyung Il Ko), ein smarter Typ, Freund (?) der beiden Männer, wohl mehr zynisch, schadenfroh und hinterhältig, "hetzt" diese auf, die Treue ihrer Geliebten zu "testen", fordert sie zu einer Wette heraus. Er bedient sich dabei der Unterstützung der Haushältertin Despina, die von Sharleen Joynt ungemein kokett, intrigant und durchtrieben, jedoch auch "lebenspraktisch" verkörpert wird.
Die Männer ziehen pro forma in den Krieg, kommen als verkleidete "Liebeshungrige" zurück und buhlen "über Kreuz" um die Liebe der Frauen – um zu beweisen, dass diese allen Anfeindungen widerstehen.
Ulf Paulsen und Oscar de la Torre leben die hinterhältigen Einfälle von Don Alfonso sowie deren teils kurzweilig aktionsreiche Umsetzungen von Florian Lutz – unter anderem mit urwaldähnlichem Garten mit Eingeborenen – voll aus. Für das Publikum ist das ungemein unterhaltsam, obwohl es eigentlich nicht richtig zum Lachen ist, wenn Menschen so manipuliert werden. Sei es, wie es sei. Die beiden Frauen werden schließlich weich, sinken in wahrsten Sinne des Wortes hin. Kurz vor der inszenierten Ehe lässt Don Alfonso die Story platzen. Dass allerdings die "alten" Paare wieder zusammenfinden, mag überraschen.
Doch was soll es: "So machen es alle (Frauen)", heißt es ja im originalen Operntitel.
Gut zehn Minuten stürmisch anhaltenden Beifall gibt es vom Publikum im jedoch nicht ausverkauften Großen Haus des Anhaltischen Theaters für die auf italienisch mit Obertiteln gezeigte Oper.
Die nächste Aufführung ist am Sonntag, dem 3. Juli, um 17 Uhr.
18.06.2011, 12:32 | tags:
Anhaltische Philharmonie
984
Mitteldeutsche Zeitung, 18.06.2011
Wittenberg holt Himmel auf die Erde
Gerade wurden sie - nach ihrer umjubelten Premiere bei den halleschen Händel-Festspielen - in Jerusalem mit Standing Ovations gefeiert, in der übernächsten Woche sind die Musiker um Yair Dalal und Werner Erhardt in der Wittenberger Phönix-Theaterwelt zu Gast: Das interreligiöse Projekt von arabischen, israelischen und deutschen Musikern, das auf Georg Friedrich Händels Oratorium "Israel in Egypt" basiert, gehört zu den Höhepunkten des neuen Festivals "Himmel auf Erden". Damit holt der Verein "WittenbergKultur" unter der künstlerischen Leitung des Dessauer Generalintendanten André Bücker die Religionen der Welt in Luthers Wittenberg - zu einem spirituellen und musikalischen Dialog im Rahmen der Lutherdekade.
Eröffnet wird das Festival, dessen erstes Jahr wie berichtet unter dem Motto "Im Anfang" vor allem die Schöpfungsmythen verhandelt, von einem Gastspiel des renommierten Kammerorchesters Basel unter der Leitung von Paul Goodwin. Als Vokalpartner ist dabei am 24. Juni um 19.30 Uhr der Tölzer Knabenchor mit von der Partie, der zwei Tage später um 15 Uhr auch "Israel in Egypt" mitgestaltet. Bevor damit jedoch das Eröffnungs-Wochenende gekrönt wird, stehen noch zwei weitere hochkarätige Konzerte im Programm, die den multikulturellen Ansatz des neuen Festivals beispielhaft belegen. Am 25. Juni wird um 15 Uhr im Audimax der Leucorea zunächst die traditionelle indische Gesangstechnik Kirtan erklingen, in der Hymnen und Mantras gechantet - also gesungen werden. Und sechs Stunden später schlagen die Ensembles Sarband und Stimmkunst in der Stadtkirche "Sacred Bridges" zwischen Völkern und Religionen - ein Programm, das zwei der renommiertesten Ensembles der Weltmusik-Szene in Wittenberg vereint.
Das zweite Wochenende bringt - nach der Begegnung mit japanischen Shomyo-Gesängen, die am 30. Juni um 17 Uhr in der Phönix-Theaterwelt erklingen - am 1. Juli ein Wiedersehen mit der Berliner Lautten-Compagney. In einem zweiteiligen Konzert werden dabei die "Gesänge des Salomon" in den Fassungen von Johann Walther und Salomone Rossi vorgestellt - um 15 und 21 Uhr in der Stadtkirche, auch unter Beteiligung der Ensembles Barrocade und Profeti della Quinta. Am 2. Juli um 15 Uhr bringt die White Cockatoo Performing Group die Musik der Aborigines - also der australischen Ureinwohner - in den Lutherhof.
Einen perfekten Kontrast dazu setzt um 21 Uhr die Kooperation zwischen der Anhaltischen Philharmonie und dem Universitätschor Halle in der Phönix-Theaterwelt: Unter Leitung des Dessauer Generalmusikdirektors Antony Hermus wird die "Toltec Symphony" von Philip Glass aufgeführt, die den Schöpfungsgeschichten lateinamerikanischer Indianer nachspürt. Und zum Abschluss spielt die Merseburger Hofmusik am 3. Juli um 15 Uhr in der Stadtkirche dann ein Werk, das die jüdisch-christliche Genesis direkt in den Blick nimmt: Joseph Haydns Oratorium "Die Schöpfung".
Begleitend zu diesem in Form und Anlage ziemlich einzigartigen Festival ist ein besonderes Projekt in Vorbereitung. Dabei werden Gedanken der Menschen zu Musik, vorausgesetzt sie formulieren eigene Thesen in Versen. Wo kommen wir her? Wo gehen wir hin? Worum geht es wirklich? Das sind einige Fragen, auf die Antworten, auch sehr persönliche, gegeben werden können. "Es geht um Ängste, Träume und Wünsche im 21. Jahrhundert", fasst Silvio Wiesner, Projektleiter bei der Bühne Wittenberg, zusammen, was die Initiatoren dieses Thesenchors sich inhaltlich vorstellen. Die Antworten müssen sich reimen; mehr als vier Strophen sollten es pro Einsender nicht sein. Die schönsten Thesen werden ausgewählt und von dem Komponisten Stephan Kanyar in Musik verwandelt. Das dabei entstandene Werk wird von dem Thesenchor, für den noch Sänger gesucht werden, zum Festival aufgeführt.
17.06.2011, 11:10 | tags:
Anhaltische Philharmonie
980
Pressemitteilung vom 17.06.2011
Dritter Philharmonie-Stammtisch
Zum Ausklang der Spielzeit lädt die Anhaltische Philharmonie am 28. Juni um 19 Uhr zum dritten Philharmonie-Stammtisch diesmal in den Ratskeller ein. Natürlich wird wieder das eigens für diesen Zweck gemeinsam mit dem Brauhaus entwickelte Philharmonie-Bier ausgeschenkt. “Stargast” des Stammtisches ist Klaus Hauser, der mit Ende der Spielzeit in den Ruhestand gehende Solo-Paukist. Die musikalischen Beiträge für den Abend kommen von den Musikern der Anhaltischen Philharmonie, u.a. von der Hornistin Sabine Scharnagel und von Musikern, die eine Jazz-Formation bildeten und bereits zum Tag der Offenen Tür auf dem Theatervorplatz zu erleben waren. Solisten des Anhaltischen Theaters überraschen das Publikum mit weiteren musikalischen Darbietungen.
Generalmusikdirektor Antony Hermus und die Musiker freuen sich auf den Dialog mit dem Publikum. Zeitiges Kommen sichert die besten Plätze!
Tickets für 3,- Euro und Informationen erhalten Sie unter: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de, an der Abendkasse, den Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
14.06.2011, 15:12 | tags:
Anhaltische Philharmonie
970
Johannes Killyen, Mitteldeutsche Zeitung, 14.06.2011
Blick nach Amerika bringt Sommer-Leichtigkeit
Beim Sinfoniekonzert der Anhaltischen Philharmonie gibt es eine Uraufführung.
Von der hintersten Reihe des Orchesters bis zum Bühnenrand liegt ein ordentliches Stück Weg. So dauert es fast eine Minute, bis Klaus Hauser sich durch das Schlagzeug hindurch, vorbei an Bläsern, Streichern, Harfe und Klavier zu Intendant André Bücker vorgearbeitet hat, der mit Blumen auf den Solopauker der Anhaltischen Philharmonie wartet.
Hauser, der seit 1973 am Anhaltischen Theater Dienst tut und nun in den Ruhestand geht, nimmt den aufbrausenden Beifall und weitere Blumensträuße bescheiden entgegen, im Inneren sicher gerührt. Es dürfte wenige Musiker in der Philharmonie gegeben haben, die in den letzten Jahrzehnten so viel Einfluss auf die Musik ausgeübt haben - und dies zugleich so unauffällig taten. Denn Pauker lenken das Geschehen von hinten; wenn sie schleppen, eilen, falsch einsetzen oder den Rhythmus ins Stolpern bringen, wird aus einem geschlossenen Orchesterkörper schnell ein Hühnerhaufen. Wenn Pauker nicht so wollen wie der Dirigent - dann hat der Dirigent nichts zu lachen. Man darf Klaus Hauser unterstellen, dass er von dieser Macht immer nur zum Wohle des Orchesters Gebrauch gemacht hat.
Abschied genommen
Zum letzten Mal wird er die Schlägel als hauptamtlicher Philharmoniker zwar erst Anfang Juli in Berlin zur Hand nehmen. Der Abschied von der Dessauer Bühne wurde aber schon Freitag im letzten Sinfoniekonzert dieser Spielzeit begangen. In seiner kurzen Laudatio machte André Bücker zugleich deutlich, dass Hauser, der den Ehrentitel „Kammermusiker" trägt, nicht nur musikalisch zu den Taktgebern in der Philharmonie gehört: 30 Jahre war er im Orchestervorstand aktiv. Den Anhaltischen Kammermusikverein hat er mitgegründet.
Zurücklehnen konnte der Pauker sich freilich auch an diesem Abend nicht, denn das amerikanisch geprägte Programm des Abends - geleitet vom Briten und Wahl-Dresdner Russell Harris - hatte es nicht zuletzt rhythmisch in sich. In die Phalanx der Großmeister Barber, Bernstein, Ellington und Gershwin mischte sich da, man höre und staune, ein Mittdreißiger mit Dessauer Vergangenheit. Indes ist Jazzpianist Christoph Reuter durch seine Auftritte mit der Band „L'arc six" und mit Eckart von Hirschhausen längst kein Unbekannter mehr. 2007 hat der Berliner mit der Anhaltischen Philharmonie sein erstes Klavierkonzert uraufgeführt. Nun war das zweite an der Reihe - ein weit ausgreifendes fünfsätziges Werk, in dem Reuter der Entwicklung der amerikanischen Musik nachspürt.
Aus dem Jazz hatte er eine unbändige Spielfreude mit sprühenden Improvisationen, stampfendem Rhythmus und Trommelgewisper mitgebracht - doch das Orchester in diesen Kontext überzeugend einzubinden, war nicht. so einfach. Furiose gemeinsame Höhepunkte wechselten mit Passagen, in denen das Gewebe dünn wurde und die Musik sich zu wiederholen begann. Nicht immer nutzte Reuter die klanglichen Möglichkeiten des Orchesters voll aus. Leichte Kürzungen und etwas mehr Arbeit an der Instrumentation hätten dem frenetisch bejubelten Werk gut getan.
Richtiger Partner
Dass die Anhaltische Philharmonie mit Jazzrhythmen sehr wohl umzugehen weiß und auch Russell Harris dafür der richtige Partner als Dirigent war, machte der Rest des Programms deutlich: eine mystisch anhebende, dann gewaltig auftrumpfende, aber nie kitschige Bühnenmusik von Samuel Barber; drei aufgedrehte Tanzepisoden aus Leonard Bernsteins Musical "On the Town", drei düstere Großstadtepisoden von Duke Ellington - und schließlich Gershwins berühmte „Porgy and Bess"-Suite. "Summertime, and the livin's easy" - Sommer und Leichtigkeit, das war das Gefühl des Abends.
11.06.2011, 12:19 | tags:
Anhaltische Philharmonie
963
Anke Katte, Super Sonntag, 11.06.2011
Klassik-Stars begeistern Schüler
Was macht ein Dirigent, wenn er mal zur Toilette muss und wie wird man „Vogelfänger“?
Wenn eine Unterrichtsstunde mit einer bravourös vorgetragenen Vogelfänger-Partie aus Mozarts „Zauberflöte“ beginnt und die Dritt- und Viertklässler andächtig und staunend lauschen, dann ist es schon etwas ganz Besonderes. Möglich wird diese ungewöhnliche Art von Unterricht dank des Projektes „Rhapsody in School“, das bundesweit Kontakte zu Künstlern herstellt, die Kindern und Jugendlichen durch ehrenamtliches Engagement eine hautnahe Berührung mit Musik ermöglichen. Die Klassik-Stars vermitteln dabei sehr persönlich ihre Begeisterung und Leidenschaft für die Musik.
Zwei, die das mit großem Enthusiasmus und viel Freude tun, sind der Chef der Anhaltischen Philharmonie Antony Hermus und Bariton Wiard Witholt. Sie waren in dieser Woche in der Grundschule „Am Akazienwäldchen“ in Dessau im Rahmen des Projektes „Rhapsody in School“ zu Gast und stießen auf sehr interessierte und musikalisch vorgebildete Schülerinnen und Schüler. Nachdem sich der Generalmusikdirektor (GMD) und der Sänger - beide kommen aus den Niederlanden und sind seit zwei bzw. drei Jahren sehr erfolgreich am Anhaltischen Theater tätig - sowohl musikalisch als auch persönlich vorgestellt hatten, erfuhren sie von den Kindern, dass fast alle schon einmal im Theater waren. Die meisten haben die musikalische Schnitzeljagd miterlebt.
Ein Viertel spielt sogar selbst ein Instrument, und eine junge Dame ist mit dem Kinderchor bei den „Fledermaus“- und „Turandot“-Inszenierungen dabei. Bei so viel Begeisterung für das Theater war klar, dass der 32-jährige Bariton mit Fragen geradezu überhäuft wurde. Und so erfuhren die Schüler, dass Wiard Witholt schon im Kinderchor seine Begeisterung für den Beruf des Sängers entdeckt und später an der Musikhochschule studiert hat. Er mag zwar auch Popmusik, aber ganz besonders haben es ihm die klassische Musikliteratur und Musicals angetan. Als „Hausaufgabe“ muss er zu Hause am Klavier Partituren einstudieren und jede Menge Noten und Text auswendig lernen.
Antony Hermus (38) verriet mit einem Augenzwinkern, dass Dirigieren gar nicht so schwer ist. „Mit dem Stab gebe ich das Tempo vor. Das ist ganz einfach. Schwer ist dagegen, dass man eine enorm große Gruppe mit unterschiedlichen Menschen unter eine Hut kriegen muss.“ Dass ihm das mit der Anhaltischen Philharmonie sehr gut gelingt, beweisen die gefeierten Konzerte und Opernaufführungen in großer Zahl, die auch Publikum von weither nach Dessau locken. Auf die Frage nach seinen Lieblingskomponisten, zählte Hermus unter anderem Mahler, Mozart, Richard Strauß und Brahms auf. Zuhause ist er übrigens im rund 800 Kilometer entfernten Amsterdam. Aber auch Dessau gefällt ihm sehr gut, hier habe er viele neue Freunde gefunden. Weitere Informationen: www.rhapsody-in-school.de
08.06.2011, 10:54 | tags:
Anhaltische Philharmonie
960
Johannes Killyen, Mitteldeutsche Zeitung, 24.5.2011
Abgründe unter heiterer Oberfläche
Sinfoniekonzert: Anhaltische Philharmonie ehrt mit Mahlers 4. Sinfonie den Komponisten zum 100. Todestag.
Mahler, was sonst? Ein anderer Schwerpunkt ist in diesen Tagen wahrscheinlich auf keiner deutschen Konzertbühne denkbar. Am 18. Mai vor genau 100 Jahren starb Gustav Mahler, der neben Bruckner und Brahms bedeutendste Sinfoniker an der Wende zum 20. Jahrhundert.
Sinfonie entsagt Bombast
In den 1950er Jahren noch argwöhnisch beäugt ob seiner emotionalen Wechselbäder, dem fortwährenden Changieren zwischen vermeintlicher Banalität und edelster Kunst, gehören Mahlers Sinfonien heute immer zu den Höhepunkten einer Konzertsaison. Interpreten wie Zuhörer fiebern darauf hin, obgleich oder gerade weil jedes Werk hundertfach in Perfektion auf CD verfügbar ist. Ein Mahler-Abend ist selten gewöhnlich, so auch das siebente Sinfoniekonzert der Anhaltischen Philharmonie am Donnerstag: erhebend, aufregend, manchmal streitbar, doch nie normal.
Dabei hatte Generalmusikdirektor Antony Hermus keine der Monumentalsinfonien aufs Programm gesetzt, deren schiere Masse den Saal erbeben lassen. Sondern „nur" die vorgeblich feine, kleine vierte Sinfonie, die dem Bombast entsagt. Doch das 1899 bis 1901 komponierte Werk hat es wahrlich in sich. Nach der Hypertrophie der zweiten und dritten Sinfonie schränkt der Komponist hier radikal seine Mittel ein, gibt sich scheinbar einem lichten Humor hin, einer klassizistischen Leichtigkeit, die im Schlusssatz vermeintlich in einem hübschen Engelsgesang gipfelt.
In Wahrheit freilich ist nichts einfach nur schön und leicht in dieser Sinfonie: Die Schellen im ersten Satz könnten von einer Narrenkappe stammen. Im zweiten Abschnitt spielt - um' einen Ton nach oben gestimmt - der Tod auf der Solovioline zum Tanze auf. Im herrlichen dritten Satz herrscht himmlische Ruhe, bis kurz vor Schluss jäh ein skurriler Jubel hervorbricht. Und im vierten Satz erklärt eine Sopranstimme mit kindlichem Gemüt, was man von den vorhergehenden Abschnitten zu halten habe. Der Himmel hängt hier nicht voller Geigen, sondern ist ein biblisches Schlachtfeld mit rosa Schleifehen.
Eine radikalere Musik hat Mahler erst sehr viel später (in der neunten und zehnten Sinfonie) geschrieben, daher ist diese vierte für das Orchester auch äußerst heikel: Mannigfaltige Nuancen, Schattierungen, Abgründe lauern da, die unter der heiteren Oberfläche ihr Unwesen treiben.
Ausgefeilte Variation
Antony Hermus und die Anhaltische Philharmonie begegneten der Herausforderung im ersten und zweiten Satz mit bewusster Stabilität: Keine großen Experimente, keine extreme Reduktion der Lautstärke, dafür eine ausgefeilte Variation des Metrums und eine Umsetzung der präzisen Mahlersehen Tempoangaben. Ohne Frage: Die Anhaltische Philharmonie ist diesem schwierigen Werk gewachsen und würde im Verlaufe weiterer Konzerte sicher noch zu mehr Freiheit finden.
Die war schon jetzt im dritten Satz zu hören: ein seelenvolles Spiel in allen Registern, ein wunderbares Zur-Ruhe-Kommen und dann -ekstatisches Ausbrechen am Schluss. Im vierten Satz sang Angelina Ruzzafante ihre Partie zwar nicht in der Schlichtheit, die Mahler sich vorgestellt haben mag (Leonard Bernstein besetzte einmal nicht von ungefähr einen Knabensopran), doch wahrte sie stets geschickt und klangvoll die Balance zwischen kindlicher Ironie und großem Opernsound.
Mahlers Vierte, das war natürlich nicht alles an diesem Konzertabend. Er begann mit dem "Blumine"-Satz, den Mahler in seine erste Sinfonie eingefügt und später daraus wieder entfernt hat: ein klangvolles, aber zerbrechliches Stück Musik; das gleich die richtigen Vorzeichen vor diesen Abend setzte. Man hielt den Atem an ob eines solch fragilen Beginns.
Solocellist als Gast
Dazu passte bestens das erste Cellokonzert von Camille Saint-Saëns (1835-1921), das bei aller Virtuosität eher intim und versonnen daher kommt. Sebastian Klinger (Jahrgang 1977), Solocellist beim Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks, gefiel sich richtigerweise denn auch nicht in der Zurschaustellung seiner immensen technischen wie klanglichen Möglichkeiten, sondern befragte jede noch so nebensächliche Spielfigur auf ihren musikalischen Gehalt.
Das in dem Saint- Saëns -Konzert besonders schwierige Zusammenspiel mit dem Solisten hatte das Orchester zumindest am Donnerstag noch nicht ganz verinnerlicht. Doch scheint das beinahe verständlich angesichts der Herausforderung von Mahlers Vierter. Langweilig jedenfalls wurde einem nie an diesem Abend.
07.06.2011, 22:06 | tags:
Anhaltische Philharmonie
959
Danny Gitter, Mitteldeutsche Zeitung, 8.6.2011
Wenn zwei Holländer Musikunterricht geben
Die Dirigentenkleidung bleibt diesmal in der Garderobe und die Kostüme im Fundus. Ganz lässig in Jeans und Poloshirt präsentieren sich der Generalmusikdirektor des Anhaltischen Theaters Antony Hermus und der Bariton Wiard Witholt den 53 Dritt- und Viertklässlern der Grundschule "Am Akazienwäldchen". "Rhapsody in School" ist die Mission der beiden Musiker in der Schule in der Mariannenstraße. "Wir wollen als Theater mit diesem Projekt die musikalische Bildung in den Schulen unterstützen", sagt Hermus.
Gesagt, getan. Sobald Hermus die ersten Takte auf dem Keyboard erklingen lässt, verstummt das laute Stimmenwirrwarr. Die Musikstunde der besonderen Art beginnt. Recht schnell stimmt Witholt mit ein und präsentiert dem erstaunten jungen Publikum seine gesanglichen Fähigkeiten als Bariton. "Der Vogelfänger bin ich ja, Stets lustig heißa..." schallt es durch den Raum. Die Rolle als Papageno in der Mozart-Oper "Die Zauberflöte" beherrscht der 32-jährige Witholt mittlerweile auf allen Bühnen.
Das Publikum im Speiseraum ist nahe dran an den Protagonisten und nicht minder neugierig. Doch zuerst wollen Hermus und Witholt ihre Fragen loswerden. Kein Arm bleibt unten als Hermus danach fragt, wer denn überhaupt schonmal im Theater war. Viele melden sich auch auf die Frage nach einem erlernten Musikinstrument. Klavier und Gitarre sind die Favoriten. Theater und Musik sind also keine fremden Welten für die Grundschüler. Dennoch wollen weder Musiker noch Publikum auf diese besondere Unterrichtsstunde verzichten. In dem vom Pianisten Lars Vogt gegründeten Projekt "Rhapsody in School" gehen bundesweit Künstler in Schulen und versuchen ehrenamtlich ihre Begeisterung vor allem für klassische Musik den Schülern zu vermitteln.
Außerdem, wann und wo hat man schon die Möglichkeit Musiker vom Theater mit vielen bohrenden Fragen zu löchern, um so ein bisschen hinter die Maske zu schauen? Denn alles ist Verkleidung und ein Rollenspiel auf der Bühne des Anhaltischen Theaters für Bariton Witholt. "Im Theater kann man sich mit Kostümen auf der Bühne richtig ausleben und die Leute begeistern", schwärmt Witholt. Er mag es, in die verschiedenen Rollen zu schlüpfen, wo er unter anderem schon in "Die Fledermaus", "Turandot" und "Die Zauberflöte" auf der Bühne stand.
Schon im Kinderchor entdeckte der Niederländer seine Leidenschaft für Opern und Musicals. Popmusik hört er gerne, könnte sich aber nicht vorstellen selber welche zu machen, so der Bariton. Sein Zuhause ist die Theaterbühne, seit zwei Jahren in Dessau, drei Jahre zuvor in Paris. Trotz wochenlanger Vorbereitung auf eine Rolle packe ihn zu den Vorstellungen auch das Lampenfieber, beantwortet er die Frage eines Schülers nach der Aufregung auf der Bühne. Für Texthänger habe er eine Souffleuse, wie er verrät. Ansonsten kann Witholt auch schon mal durch die Scheinwerfer und dicke Kostüme auf der Bühne ins Schwitzen geraten.
Dirigent Hermus, sein niederländischer Landsmann, ebenfalls seit zwei Jahren in Dessau engagiert, kennt Lampenfieber auch als stets treuen Begleiter seiner Arbeit. "Wenn Instrumente falsch einsetzen oder ein Einsatz verpasst wird, ist die Anspannung besonders groß", so Hermus. Schließlich will er mit seinem Orchester den perfekten Klang auf die Bühne bringen. Mit seinem Dirigierstab gibt Hermus dem interessierten Publikum kleine Einblicke in sein Handwerk. Die richtige Kombination aus Handbewegungen, Mimik und Gestik ist das beste Rezept für ein gelungenes Konzert. Die Grundschüler dürfen unter der Leitung von Hermus dann ihre eigenen Sangeskünste testen.
Dann singt Witholt noch ein "You 'll never walk alone". Es ist die Botschaft für das nächste Schuljahr. Dann wollen Künstler des Anhaltischen Theaters weiter mit Dessau-Roßlauer Schülern auf musikalischen Pfaden wandeln.
07.06.2011, 09:30 | tags:
Anhaltische Philharmonie
958
Carla Hanus, Mitteldeutsche Zeitung, 7.6.2011
Bühnenreife in nur 24 Stunden
Am Ende stand die Freude. Die Ode an die Freude. Und eine halbe Stunde später die Freude darüber, dass der Schlusschor aus dem Finale der 9. Sinfonie von Beethoven ebenso geklappt hatte wie das Brahmssche Schicksalslied und der Chor der gefangenen Hebräer aus Verdis "Nabucco".
Über 350 Mitwirkende
250 Sangesfreunde mit mehr oder weniger Chor-Erfahrung, aber viel Begeisterung für das gemeinsame Singen, der Opernchor des Anhaltischen Theaters und über 50 Kinder sowie vier Solisten des Anhaltischen Theaters haben am Sonnabend mit der Anhaltischen Philharmonie unter der Leitung des Generalmusikdirektors Antony Hermus mit einem Scratch-Konzert das Publikum begeistert. Während im vorigen Jahr Orffs "Carmina Burana" auf die Bühne des Großen Hauses kam, waren es in diesem Jahr drei verschiedene kleine Chorwerke sowie zwei Titel aus der Kinderoper "Oskar und die Groschenbande", die innerhalb eines Tages einstudiert worden sind.
Dies eben meine "Sratch", erklärt Antony Hermus. Man treffe sich morgens, kenne sich gar nicht, einige sich auf ein Stück und lege los, und am Ende des Tages finde ein Konzert statt. Ein Prozess, den Hermus selbst als "Wahnsinn oder?" bezeichnet. Der Weg sei in diesem Fall das Ziel des Tages, meint Hermus, gemeinsam schöne Musik, tolle Musik, weltbekannte Musik einzustudieren und vorzutragen. "Scratch-Konzerte" würden aus England stammen, so der Dirigent dieses "Wahnsinns"-Konzertes. "Wir Holländer haben es dann übernommen", erinnert Hermus in seiner Erklärung an seine Herkunft, bevor er den Bogen zu seiner jetzigen Wirkungsstätte schlägt. "Und nun sind sie auch in Deutschland bekannt."
So bekannt, dass in diesem Jahr schon gar nicht mehr unter den Chören der Stadt geworben werden musste, wie Franziska Blech vom Anhaltischen Theater feststellt. "Das ist schon beim zweiten Mal ein Selbstläufer", freut sie sich über das große Interesse. "Bei vielen herrschte richtige Wiedersehensfreude, als sie sich am Sonnabendmorgen trafen."
Neulinge willkommen
Aber auch die Neuankömmlinge wurden herzlich aufgenommen, wie Gabriele Buchmann strahlend lächelnd nach dem Konzert bestätigt. Sie hatte im Theater im Foyer den Film über das Scratch-Konzert des Vorjahres gesehen und war fasziniert. Da wolle sie auch mitsingen, erklärte sie ihrem Mann, der in Dessau das Musik-Institut betreibt, auch wenn sie sonst nicht im Chor singe. Aber das sei auch nicht unbedingt nötig, schätzt sie nach einem "anstrengenden wie schönen Tag" ein. "Antony Hermus hat das so schön vermittelt, wie wir singen sollten", schwärmt sie von den Proben vor dem Auftritt.
Auch die beiden Gymnasiastinnen Anabel und Julia aus Halle sind von der Idee und der Umsetzung des Scratch-Konzertes angetan. 24 Stunden zuvor, als es eine erste Möglichkeit gab, in der Stimmgruppe schon mal zu üben, waren die beiden 17-Jährigen noch etwas skeptisch. "Die singen so hoch", staunte Anabel nach dem ersten anderthalbstündigen Treffen in der Aula des Liborius-Gymnasiums, obwohl sie sich für "Alt" angemeldet hatte. Gleichwohl zeigte sie sich zuversichtlich, "wenn wir noch einen ganzen Tag proben". Tatsächlich waren die Bedenken schon vor dem abendlichen Konzert am Sonnabend verschwunden. Nach der Klavierprobe am Vormittag mit Angus Wood und der Generalprobe mit dem Orchester und den Solisten waren sie überzeugt: "Wir schaffen das, den Gefangenenchor sogar in Italienisch."
Etwas geschafft aber voller Freude über diesen Tag sind die beiden dann auch bei der After-Show-Party dabei. "Wir haben alles mitgesungen", ist Anabel stolz. Sie verrät auch, wie sie die schwierigeren Stellen gepackt haben: "Wir hatten eine Frau vor uns, die konnte alles, da haben wir uns ein bisschen drangehängt." Und Julia resümiert, dass es tatsächlich möglich ist, innerhalb von 24 Stunden ein solches Vorhaben umzusetzen. Aber man sollte sich vorher mit den Noten ein bisschen auseinander setzen, findet sie. "Das hilft, damit man sich nicht so ins kalte Wasser gestoßen fühlt, sondern richtig Spaß haben kann." Sehr zufrieden ist schließlich auch Antony Hermus. "Die waren alle mit so viel Elan bei den Proben dabei, das war wunderbar", lobt er das Engagement der Sangesfreudigen. "Und das Konzert war großartig."
Für das dritte Scratch-Konzert, das eingebettet wird ins Elbmusikfest 2012, steht erneut "Carmina Burana" im Jahresspielplan. Ob es die Orff-Aufführung tatsächlich erneut wird, das lässt Hermus am Konzertabend dann aber noch ein wenig offen. "Vielleicht", sagt er und lässt dieses Wort ohne Fortsetzung, dafür aber mit einem Augenzwinkern und einem Lächeln im Raum stehen.
Fortsetzung folgt
Gleichwohl, eine Fortsetzung der Scratch-Konzerte gibt es in Dessau allemal. Zunächst ist ein Familien-Konzert "Kinder-Scratch" am 29. Oktober geplant, bei dem über 300 Kinder mitmachen sollen und für das die Vorbereitungen schon laufen. Im kommenden Jahr gibt es am 19. Mai das nächste Scratch-Konzert für alle Sangesfreudigen.
Angesichts dieser Termine steht ganz am Ende, als der lang anhaltende Beifall verklungen ist und sich alle im Rangfoyer treffen, die Vorfreude auf das nächste Konzert.
06.06.2011, 13:16 | tags:
Anhaltische Philharmonie
957
Carla Hanus, Mitteldeutsche Zeitung, 6.6.2011
Musikalischer Abschied für Landgraf
Joachim Landgraf, langjähriger Verwaltungsdirektor des Anhaltischen Theaters, ist während des Elbmusikfestes der Bühne zum Ehrenmitglied des Theaters ernannt worden. Generalintendant André Bücker nutzte das Scratch-Konzert vor vollem Haus am Samstagabend, um Landgraf für seine Arbeit zu danken. Der Verwaltungsdirektor wechselt in den Ruhestand.
Für viele verkörpere Joachim Landgraf persönlich das Theater, würdigte Bücker dessen außerordentliches Engagement. Stellvertretend nannte er Landgrafs Einsatz für das Zustandekommen des Scratch-Konzertes, bei dem rund 350 Sangesbegeisterte am Sonnabend gemeinsam mit der Anhaltischen Philharmonie das Publikum begeisterten, sein Wirken in Wörlitz oder sein Auftreten beim Tag der offenen Tür oder bei Veranstaltungen im Rathaus-Center, bei denen Landgraf kostümiert für das Theater und seine Inszenierungen geworben hat.
Bücker verwies aber auch auf viele harte Kämpfe um die Existenz des Theaters und dessen ausreichende Finanzierung. Landgraf habe erfolgreich gekämpft, wobei das Verhandeln um Haustarifverträge gleichzeitig Sieg und Niederlage für ihn waren. Zum einen habe der Haustarif die Zukunft des Theaters gesichert, zum anderen habe dieser für die Mitarbeiter Verzicht auf Gage bedeutet. Es habe ihn niemals kalt gelassen, was in diesem Theater und in dieser Stadt passierte, unterstrich Bücker die persönliche Bindung Landgrafs zur Bühne und zu Dessau-Roßlau.
Leidenschaftlich und kämpferisch setze sich Landgraf zudem für die Musikschule, das Gropius-Gymnasium, die Theaterstiftung, das Dessau-Wörlitzer Gartenreich, das Bauhaus und die Bauhausstadt ein, nannte Bücker dafür nur einige Bereiche beispielgebend, in denen sich Landgraf ebenfalls einbringt. Theaterchor und Solisten verabschiedeten Landgraf dann mit Texten auf bekannte Melodien aus dem Musical "My Fair Lady". Dass sie sich gar nicht vorstellen können, wie es ohne Joachim Landgraf im Theater gehen sollten, erklärten sie unter anderem mit "Wir sind gewöhnt an sein Gesicht". Was Landgraf, sichtlich gerührt und überrascht mit dem Versprechen aufnahm, dass er ab September montags von 9 bis 10 Uhr an der Pforte sitzen werde. Damit sie dieses Gesicht nicht ganz vermissen müssen. Doch das wird bei der Bindung Landgrafs an das Theater wohl ohnehin nicht der Fall sein.
03.06.2011, 11:48 | tags:
Anhaltische Philharmonie
954
Pressemitteilung vom 3.6.2011
Die wunderbare Welt der Musik entdecken – Generalmusikdirektor Antony Hermus zu Gast in der Grundschule „Am Akazienwäldchen“
Nach dem gelungenen Auftakt der Kooperation der Anhaltischen Philharmonie mit dem Projekt „Rhapsody in School“ letzten Monat kündigt sich der nächste Schulbesuch in Dessau an: Generalmusikdirektor Antony Hermus stattet gemeinsam mit dem Bariton Wiard Witholt der Grundschule „Am Akazienwäldchen“ eine exklusive Visite ab.
Diesmal werden sich also die Kleinen in die wunderbare Welt der Musik entführen lassen und die Künstler zu ihrem Leben und Wirken befragen. Wenn ein Dirigent und ein Sänger zusammen eine klingende Musikstunde gestalten, ist das auch für „Rhapsody in School“ eine Seltenheit und zugleich Garantie für spannende „Ohren“blicke.
Generalmusikdirektor Antony Hermus freut sich über die tolle Resonanz auf die Angebote „seiner“ Philharmonie für die junge Generation – deshalb ist deren Erweiterung durch Zusammenarbeit mit „Rhapsody in School“ Chefsache in Dessau und der GMD steigt bei frühstmöglicher Gelegenheit selbst in den Ring. In Paris und Krefeld war der Dirigent schon in Schulen – nun, in Dessau, erstmals ein Heimspiel. Der Bariton Wiard Witholt ist neu bei „Rhapsody in School“ - die Idee, Kinder Musik(er) hautnah erleben zu lassen, um den klingenden Funken zu zünden, hat ihn sofort überzeugt.
Das vom Pianisten Lars Vogt gegründete Projekt „Rhapsody in School“ begleitet bundesweit Kontakte zu Künstlern, die Kindern und Jugendlichen durch ehrenamtliches Engagement eine hautnahe Berührung mit Musik ermöglichen. Die Klassik-Stars vermitteln bei Schulbesuchen sehr persönlich ihre Begeisterung und Leidenschaft für die klassische Musik, um die Neugier auf diese wunderbare Kunst zu wecken.
weitere Informationen: www.anhaltisches-theater.de
www.rhapsody-in-school.de
06.06.2011 / 10.30 Uhr Grundschule „Am Akazienwäldchen“
Mariannenstraße 12, 06844 Dessau-Roßlau
„Rhapsody in School“ mit Antony Hermus und Wiard Witholt
Pressevertreter und Fotografen sind herzlich eingeladen!
01.06.2011, 17:51 | tags:
Anhaltische Philharmonie
950
Pressemitteilung vom 1.6.2011
Konzerte im Monat Juni
Am 4. Juni ist es wieder soweit: Im Rahmen des Elbmusikfestes findet wieder ein großes Scratch-Konzert statt! In diesem Jahr steht es unter der Schirmherrschaft von Stephan Dorgerloh, Kultusminister des Landes Sachsen-Anhalt. Die Erlöse gehen zugunsten von UNICEF, der Organisation, die Kinder in aller Welt unterstützt.
Ein Chor aus 300 Sängerinnen und Sängern wird beweisen, dass es möglich ist, innerhalb von 24 Stunden mehrere Chorwerke einzustudieren und zum Abschluss des Tages um 19 Uhr im Konzert zu präsentieren. Mit dabei ist auch ein stattlicher Kinderchor (53 Kinder) und selbstverständlich die Anhaltische Philharmonie sowie vier Solisten, die alle gemeinsam unter der Leitung von GMD Antony Hermus den berühmten Schlusssatz der IX. Sinfonie von Beethoven im Anhaltischen Theater aufführen werden. Auf dem Programm stehen außerdem das „Schicksalslied“ von Johannes Brahms und der Gefangenenchor aus Verdis „Nabucco“. Die Kinder werden sich mit Ausschnitten aus der Kinderoper „Oskar und die Groschenbande“ von Christoph Reuter und August Buchner beteiligen.
2010 lautete das Motto des letzten Saisonkonzertes vor der Sommerpause „Auf in die Sonne“. Diesmal heißt es „Auf nach Amerika!“. Unter der Leitung des Engländers Russell N. Harris, der als Experte für dieses Repertoire gilt, erklingen am 9. und 10. Juni, jeweils 19.30 Uhr, hauptsächlich Stücke von „Grenzgängern“ zwischen der sogenannten E-und U-Musik, die mit ihrer Musik diese Trennung ad absurdum führen. George Gershwin ist mit einer sinfonischen Suite aus seiner Oper „Porgy and Bess“ vertreten. Duke Ellington, der legendäre schwarze Jazzpianist, Bandleader, Komponist und Arrangeur, schrieb kurz vor seinem Tod die Ballettmusik „The River“, aus der Ausschnitte zu hören sein werden. Das Trio der „Grenzgänger“ komplettiert Leonard Bernstein mit seinen 3 Tanz-Episoden aus „On the Town“. Ergänzt werden die drei „Grenzgänger“ von einer Komposition von Samuel Barber, dem Altmeister amerikanischer Musik: „Music for a Scene from Shelley“. Last not least stellt Christoph Reuter, Pianist der Band „l’arc six“ und der einzige Nicht-Amerikaner unter den Komponisten des Abends, nach dem Erfolg seiner „Movements“ für Klavier und Orchester im November 2007 im Anhaltischen Theater nun sein 2. Klavierkonzert erstmals der Öffentlichkeit vor.
Der Juni, wenn die Tage am längsten sind, ist die ideale Zeit für abendliche Konzerte im Freien. Und so weist der Kalender des Gartenreichsommers 2011 gerade in diesem Monat eine Vielzahl von Veranstaltungen auf. Für die beliebten Wörlitzer Seekonzerte mit Abendessen und Musik starten die Gondeln am 4. und 18. Juni jeweils 18 Uhr. Erstmals wird in diesem Jahr auch zu
Pfingsten ein Seekonzert angeboten: Am Pfingstmontag, 13. Juni um 18 Uhr laden die Anhaltischen Blechbläser zu einem musikalischen Ausflug in die „Roaring Twenties“ ein.
Dem mit Bassstimme und Bassinstrumenten erzeugten „Klang aus der Tiefe“ nachspüren kann man beim Schlosskonzert in Mosigkau am 17. Juni, 18.30 Uhr. Der renommierte Leipziger Bassist Gotthold Schwarz wird gemeinsam mit Sebastian Knebel am Hammerflügel und Sven Rössel (Violone) „profunde“ Werke von Haydn, Sperger, Mozart und Vanhal zu Gehör bringen.
In der lauschigen Atmosphäre des Gartens am Haus der Fürstin (Graues Haus) im Wörlitzer Park liest die Dessauer Schauspielerin Christel Ortmann aus den Tagebüchern der Fürstin Louise und gibt einen Einblick in die Lebenswelt dieser außergewöhnlichen Frau, deren Todestag sich im Dezember 2011 zum 200. Mal jährt. „... und doch trag ich ein Herz im Busen, was lieben kann“, so ist diese Veranstaltung am 26. Juni, 15 Uhr, überschrieben. Zwischendurch erklingt Harfenmusik, dargeboten von Christine Schreiber, Soloharfenistin der Anhaltischen Philharmonie Dessau.
Am 28. Juni um 19 Uhr lädt die Anhaltische Philharmonie zum dritten Philharmonie-Stammtisch in den Ratskeller ein. Die Musiker freuen sich darauf, mit dem Publikum ins Gespräch zu kommen. Außerdem erwarten die Besucher einige musikalische Darbietungen und ein kleiner Imbiss, den der Ratskeller für einen kleinen Obolus bereithält. Zeitiges Kommen sichert die besten Plätze!
Karten und Informationen unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an den Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
31.05.2011, 16:37 | tags:
Ballett
, Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
948
Pressemitteilung vom 31.05.2011
Elbmusikfest
2. bis 5. Juni 2011 in Dessau
2010 nahm das Anhaltische Theater Dessau die Tradition der Elbmusikfeste wieder auf und veranstaltet dies seitdem jährlich am Himmelfahrtswochenende. Vom 2. bis 5. Juni werden die aktuellen Inszenierungen des Jahres präsentiert, beginnend mit LANDSCAPE– Kritik der Liebe, gefolgt von Mussorgskis CHOWANSCHTSCHINA und der vertanzten Erzählung DIE NIBELUNGEN: SIEGFRIEDSAGA bis hin zu Puccinis TURANDOT.
Die Musikfeste hatten im 19. Jahrhundert eine große Bedeutung für die regionale Entwicklung des Chorwesens. Diese Tradition, Sänger und Chöre zusammenzuführen, wird im Rahmen des Elbmusikfestes mit einem sogenannten SCRATCH-KONZERT am fortgeführt.
Hunderte von Sangesbegeisterten studieren innerhalb von 24 Stunden ein berühmtes Chorwerk bzw. Chorwerke ein, die dann beim abendlichen Konzert unter Mitwirkung von Solisten des Theaters, der Anhaltischen Philharmonie unter der Leitung von GMD Antony Hermus präsentiert werden. 299 Sänger aus Dessau und der Region haben sich angemeldet und 53 Kinder! Wer noch ein Ticket für dieses Konzert am 4. Juni um 19 Uhr erhalten möchte, sollte schnell zugreifen.
Mussorgskis großes Volksdrama CHOWANSCHTSCHINA verknüpft historische Ereignisse aus der Geschichte Russlands mit einer hochdramatischen Liebesgeschichte und ist am Donnerstag, 2. Juni um 18 Uhr im Großen Haus zu sehen. Die Inszenierung ist eine Kooperation mit dem Nationaltheater Weimar, unterstützt durch die Staatsoper Stuttgart.
Der Chor und Kinderchor des Anhaltischen Theaters sowie der Chor des Deutschen Nationaltheaters Weimar bringen neben den Solisten beider Theater dieses Volksdrama, inszeniert von Andrea Moses, mit großer Klanggewalt auf die Bühne.
Es musiziert die Anhaltische Philharmonie unter der Leitung von Generalmusikdirektor Antony Hermus.
„Am Ende dieses Premierenabends am Dessauer Theater bleiben Respekt und Erstaunen, dass hier Aufführungen möglich sind, auf die weit größere Häuser stolz sein könnten – und das hier trotz chronischer Sparzwänge große Oper stattfindet.“ – so DER TAGESSPIEGEL, 10. Mai 2011 zur Inszenierung „Chowanschtschina“
Mit DIE NIBELUNGEN: SIEGFRIEDSAGA erzählt Tomasz Kajdanski die Sage um den Helden Siegfried zur Musik von Richard Wagner. Es ist die Geschichte von Menschen, die durch Leidenschaften, Liebe, Hass und Tod miteinander verbunden sind. Die beeindruckende Ballettinszenierung ist am Freitag, 3. Juni um 19 Uhr im Großen Haus zu erleben.
„Was Kajdanski mit nur 15 Tänzern, besonders der Solistenequipe, auf die Bühne wuchtet, ist sein Meisterstreich“ – so Volkmar Draeger, tanznetz.de, 27.03.2011
Nur noch zwei Mal: am 5. Juni und am 12. Juni jeweils um 17 Uhr ist Puccinis Oper TURANDOT, inszeniert von Andrea Moses auf Dessaus Bühne zu sehen. In der packenden Inszenierung geht es um Macht und Machtdemonstration, den ewigen Kampf der Geschlechter und um die große Liebe. Mit viel Ironie und Spielfreude verbindet Moses die verschiedenen Charakteristika dieses Werkes zu einem Medienspektakel im Turandot´s Riddle Club. Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Generalmusikdirektor Antony Hermus.
„...auf Ensemblemitglieder wie Iordanka Derilova und Sergey Drobyshevskiy in den mörderischen Hauptpartien dürfte manch größeres Haus neidisch schauen.“ – so die FAZ, Oktober 2010
Außerdem lädt das Anhaltische Theater am Freitag, 3. Juni um 16.30 Uhr zum Konzert der Musikschule Coswig ins Foyer des Großen Hauses ein. Sowohl am Freitag, 3. Juni um 17.30 Uhr als auch am Sonntag, 5. Juni um 15.30 Uhr werden Theaterführungen durch das Große Haus angeboten.
Karten und Informationen unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
26.05.2011, 11:27 | tags:
Anhaltische Philharmonie
944
Pressemitteilung vom 26.05.2011
Die Anhaltische Philharmonie kooperiert mit „Rhapsody in School“ und bringt Klassik-Stars in die Schulen – Sebastian Klinger gab den Auftakt
Am 20. Mai um 10.15 Uhr wäre normalerweise Unterricht in der Dessauer Sekundarschule „Am Rathaus“ – anders am vergangenen Freitag: da saßen die Achtklässler im „Publikum“.
Der Cellist Sebastian Klinger, Solist im letzten Sinfoniekonzert der Anhaltischen Philharmonie, war zu Gast und hatte sein Cello gleich mitgebracht – statt Mathe ist „Rhapsody in School“:
Nach der lockeren Begrüßung die Frage des Musikers nach den Eindrücken aus der Generalprobe vom Vortag. Auf „Weiß nicht.“ und „Schön.“ gibt es erst mal ein bisschen Bach zu hören – anfängliches Kichern verstummt nach und nach. Die Schülerinnen und Schüler spüren, da gibt sich jemand wirklich Mühe, damit etwas gut wird, damit es gut klingt.
Kleine Gesprächsrunden wechseln sich ab mit musikalischen Auszügen und kurzweiligen Erläuterungen – wie dieser oder jener Satz genannt wird und an welchen Stellen man das hört. Hip-Hop wird zum Thema – der Cellist hört das auch und freut sich über gut gemachte Songs – und wozu man überhaupt Musik braucht, was sie alles ausdrücken kann. „Wie alt ist wohl mein Cello?“, fragt Sebastian Klinger in die Runde – Zahlen werden in den Raum geworfen - „Ha, fast richtig!“. „Ist Ihnen schon mal eine Saite gerissen im Konzert?“ - „Klar, aber das ist schlecht, weil man dann aufhören muss“.
Nach dem nächsten Einsatz des Cellos ist kein Halten mehr – das Musikbuch wird hervor gesucht, die Mädchen und Jungen wollen ihr Lieblingslied singen. Oder besser noch, die fleißige Gitarristin soll das jüngst gelernte Stück mit Sebastian Klinger spielen. Das tut sie dann auch, ganz spontan und ohne Scheu, und hat den tosenden Applaus ihrer Kommilitonen wahrhaft verdient. Zum Singen kommt es nun nicht mehr, es fehlen die Noten. Sebastian Klinger verlängert in die Pause mit einem Menuett – die Schüler wollen nicht gehen, schleichen zur angekündigten Klassenarbeit. Am Abend freut sich die Philharmonie auf die Schüler im Sinfoniekonzert.
Das vom Pianisten Lars Vogt gegründete Projekt „Rhapsody in School“ begleitet bundesweit Kontakte zu Künstlern, die Kindern und Jugendlichen durch ehrenamtliches Engagement eine hautnahe Berührung mit Musik ermöglichen. Die Klassik-Stars vermitteln bei Schulbesuchen sehr persönlich ihre Begeisterung und Leidenschaft für die klassische Musik, um die Neugier auf diese wunderbare Kunst zu wecken.
Wie wichtig musikalische Bildung ist, weiß natürlich auch das Team der Anhaltischen Philharmonie, startete die Kooperation mit „Rhapsody in School“ und nutzt das Angebot für die Schulen vor Ort. Generalmusikdirektor Antony Hermus selbst engagiert sich in dem ehrgeizigen Projekt.
Beim nächsten Termin am 6. Juni 2011 in der Grundschule „Am Akazienwäldchen“ wird „Rhapsody in School“ zur Chefsache, dann verzaubert der Dirigent gemeinsam mit dem in Dessau bestens bekannten Bariton Wiard Witholt die junge Generation.
Weitere Informationen: www.anhaltisches-theater.de
www.rhapsody-in-school.de
Organisation und Kontakt:
„Rhapsody in School“, Ilka Zinkel – Projektmanagement, Telefon (03643)902473, eMail: ilkazinkel@weimarmusik.de
Anhaltische Philharmonie,
Ronald Müller, Telefon (0340) 2511326, eMail: musikdramaturg@anhaltisches-theater.de
23.05.2011, 11:34 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
941
Hartmut Leske, Oper und Tanz, Mai/Juni 2011
Chor-Kooperation in Dessau
Zusammenarbeit der Opernchöre Weimar und Dessau
Für den Chor des Anhaltischen Theaters Dessau ist es eine neue Erfahrung, mit einem zweiten professionellen Opernchor gemeinsam auf der Bühne zu stehen. Wie es ist, in einem Chor mit einer Stärke von 80 oder mehr Sängern zu singen, erleben Opernchöre großer Theater täglich - für uns aber war es ein neues Gefühl.
Leider sind in dieser Inszenierung die beiden Chöre mit unterschiedlichen Aufgaben betraut. Während der Opernchor des Deutschen Nationaltheaters Weimar als Moskauer Volk im 1. Akt dominiert, steht unser Dessauer Opernchor im 3. Akt als „Strelitzen" im Vordergrund. Lediglich im 5. Akt kommt es zu einer Verschmelzung beider Klangkörper. Aus dieser Einteilung ergab sich, dass neben der getrennten musikalischen Einstudierung zum großen Teil auch getrennte Bühnenproben durchgeführt wurden. Die Weimarer Kollegen hatten bereits zu Hause erste Bühnenproben absolviert. In Vorbereitung auf dieses große Werk mussten sie dann zirka vier Wochen lang getrennt von ihren Familien in Dessau Quartier beziehen. Zwischendurch - an den probenfreien Tagen und Wochenenden - hatten sie außerdem in Weimar den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten. Die Unterbringung in zum Teil spärlich möblierten Mehrbettzimmern, häufige An-und Abreisen per Bus und Probleme bei der privaten Organisation im familiären Bereich: Die Belastung der Weimarer Opernchorsänger war enorm. Allein aus diesem Grund lassen sich solche durchaus interessanten Projekte sicher nicht allzu oft wiederholen.
Neben der Zusammenarbeit mit dem Weimarer Opernchor gab es für uns ein Wiedersehen mit unserem ehemaligen Chordirektor Markus Oppeneiger, der als derzeitiger Chordirektor den Weimarer Opernchor leitet. Die Leitungs-Funktion des "Chowanschtschina"-Projekts hatte - gemäß der im Vorfeld getroffenen Absprache - in dieser in Dessau stattfindenden Inszenierung der Dessauer Chordirektor Helmut Sonne. Diese Leitungsfunktion wird im Rahmen der in der nächsten Spielzeit geplanten Umsetzung in Weimar auf den dortigen Chordirektorübergehen. Die Mitglieder beider Chöre haben sich große Mühe gegeben, einen guten Kontakt zu den Kollegen des jeweils anderen Chores herzustellen. Sicherlich gibt es hier und da noch Möglichkeiten, durch exaktere Planung der Abläufe den Probenprozess bei zukünftigen Ereignissen dieser Art zu verbessern, um z.B. zeitliche Leerläufe zu vermeiden. Insgesamt sind wir aber der Meinung, dass diese Partnerschaft mit den Weimarer Kollegen ein erstes für uns erfolgreiches Experiment war, mit einem anderen Opernchor ein großes Werk der Musikgeschichte zu realisieren. Mit dem Ergebnis, aus dem wir alle neue Erfahrungen gezogen und von dem wir künstlerisch profitiert haben, sind wir sehr zufrieden. Es ist zu hoffen, dass dadurch eine weitere Zusammenarbeit beider Theater in der Zukunft besiegelt wurde.
23.05.2011, 11:29 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
940
Andreas Hillger, Oper und Tanz, Mai/Juni 2011
Gipfeltreffen der Chöre in Dessau
Modest Mussorgskis "Chowanschtschina"
Moskau hat Angst: Zwar sind auf dem Roten Platz noch immer die Souvenirhändler und Schuhputzer, die Lenin-Imitatoren und Lohn-Schreiber zu finden. Aber zwischen ihnen patrouillieren Freischärler mit Eishockey-Masken und Maschinenpistolen, denen verängstigte Bürger die abgetrennten Glieder von unschuldigen Opfern entgegenhalten - zerrissen vom Vakuum der Macht, das der russischen Metropole zum Verhängnis zu werden droht.
Mit Modest Mussorgskis „Chowanschtschina" hat Hausregisseurin Andrea Moses zu ihrem Abschied vom Anhaltischen Theater ein Gesellschaftspanorama inszeniert, das seine heutigen Konflikte vor dem Hintergrund des 17. Jahrhunderts verhandelt. Dabei ist ihr weniger der Einzelne als vielmehr die Masse wichtig: Alle privaten Konflikte legitimieren sich aus der sozialen Herkunft und Stellung der Protagonisten. Die Figuren sind Repräsentanten von Parteien, deren Haltung sie verinnerlicht haben, die Sehnsucht nach Uniformierung ist in Christian Wiehles grandioser Ausstattung ebenso unübersehbar wie die Überformung der Tradition durch den westlichen Kultur-Import. Da wirbt die Silhouette der Basilius-Kathedrale für Coca-Cola - und das russisch-orthodoxe Kreuzeszeichen lockt die Altgläubigen am Ende zum kollektiven Selbstmord.
Wo aber das Volk der eigentliche Hauptdarsteller ist, schlägt im Musiktheater die Stunde der Chöre. Und hier ist der Dessauer Bühne in Kooperation mit dem Deutschen Nationaltheater Weimar ein echter Coup gelungen: Anstatt auf die bislang übliche Verstärkung durch freie Ensembles zurückzugreifen, wie sie Andrea Moses vor Ort beispielsweise in ihrem gefeierten „Lohengrin" praktiziert hat, sind diesmal die Ensembles beider Häuser von vornherein in die Inszenierung eingebunden gewesen - was heißt, dass der Dessauer Chor bei der Übernahme des Stückes zum
Gegenbesuch in Weimar antreten wird. Vorerst aber bekämpft er die Moskowiter aus der Goethe-Stadt in der Rolle der Strelitzen, die von gedemütigten Bojaren zum Aufstand gegen die zaristische Macht getrieben werden - ein exotischer Stoff, dem die Regie dennoch Spannung abgewinnt.
Die direkte Konfrontation der Chöre, die sich anfangs auf Bühne und Rang gegen
überstehen, ehe sie am Ende gemeinsam in den Freitod ziehen, hat auch organisatorische Gründe: Die logistische Meisterleistung, für die der Dessauer Generalintendant André Bücker nach der Premiere auch die Künstlerischen Betriebsbüros belobigt, war nur durch die effiziente Probenplanung möglich. So erzählt der Weimarer Chordirektor Markus Oppeneiger, dass sich seine Künstler bereits im Bus eingesungen hätten, um in Dessau vorbereitet anzukommen. Und sein Dessauer Kollege Helmut Sonne ergänzt, dass die Gastgeber die freie Zeit mit ihren Besuchern für Haus- und Stadtbesichtigungen genutzt hätten. Sogar die Fahrräder hätten die Weimarer im Gepäck gehabt.
Auf der Bühne freilich hört und sieht man das grandios gesungene und gespielte Ergebnis einer harten Arbeit: Gerade weil Andrea Moses die Sehnsucht nach dem Gleichschritt zum Thema macht, wird die individuelle Leistung innerhalb der Chöre umso deutlicher. Da ist keine Figur, der nicht Handlung und Haltung gegeben wäre, da ist - etwa im erschreckenden Durcheinander des Auftakts oder im ironischen Bacchanal der Vorstadt-Bewohner - eine verwirrende und zugleich sinnstiftende Vielfalt zu beobachten. Dafür, dass auch bei der insgesamt überzeugenden und zu größten Teilen aus dem eigenen Ensemble besetzten Solisten-Riege die musikalische Qualität gewahrt bleibt, sorgt der Dessauer Generalmusikdirektor Antony Hermus. Als 36o-Grad-Dirigent hält er im Graben den Kontakt zu Bühne und Rang, aber auch zu den Parkettseiten, an denen sich am Ende der Zug der Todgeweihten formiert - nun nicht mehr nach Herkunft, sondern nach Geschlecht getrennt. Und spätestens da dürfte auch dem Letzten klar sein, dass dieses kulturpolitisch oft geforderte, aber strukturell riskante Experiment gelingen kann, wenn sich gleichwertige Partner auf Augenhöhe begegnen. Zugleich aber wird deutlich, wie unverzichtbar die jeweils eigene Herkunft und Ausformung der Ensembles ist - denn nur so lässt sich ein solches Gipfeltreffen arrangieren.
23.05.2011, 11:22 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
939
Andreas Hauff, Oper und Tanz, Mai/Juni 2011
Authentische Darstellung von Wahnsinn
"Der Protagonist" beim Kurt Weill Fest Dessau
Abseits von „Dreigroschenoper", „Mahagonny" und den "Sieben Todsünden" haben es Kurt Weills Bühnenwerke immer noch schwer. Das liegt nicht nur an den Argus-Augen der Kurt-Weill-Foundation und der Unkenntnis der Theatermacher, sondern auch an der Geschwindigkeit, mit der Weill selbst auf die Zeitläufte reagierte. Im „Windkanal" der Weimarer Republik verlief die Entwicklung in Politik, Gesellschaft und Kultur wie im Zeitraffer.
Weills Opern-Erstling, der am 27.3.1926 in Dresden uraufgeführte expressionistische Einakter „Der Protagonist", beeindruckte die Zeitgenossen kaum weniger als Alban Bergs „Wozzeck", der dreieinhalb Monate zuvor in Berlin herausgekommen war. Doch während Berg dann bis zu seinem Tod 1935 an „Lulu" arbeitete, entwickelte Weill in der Zwischenzeit den populären Songstil, ohne den kein Weill-Fest denkbar wäre, integrierte diesen in größere Bühnenwerke und experimentierte weiter - auch nachdem er sich 1933 gezwungen sah, Deutschland zu verlassen. Im Ohr blieben dem deutschen Publikum fast nur die Songs der „Dreigroschenoper".
Die Entscheidung, zum 19. Kurt-Weill-Fest in Dessau den "Protagonisten" mit Leoncavallos beliebtem „Bajazzo" („I Pagliacci") von 1892 zu kombinieren, sorgt nicht nur für die Repertoire-Fähigkeit der Aufführung am Anhaltischen Theater, sondern stellt auch Weills Einakter in den Kontext damaliger Opernspielpläne. Man darf vermuten, dass schon Georg Kaisers Schauspiel „Der Protagonist", das wenig verändert der Oper als Vorlage diente, eine Reaktion auf das Bajazzo-Sujet darstellte. Dort tötet Canio, Chef einer vierköpfigen Schauspieltruppe, seine Frau Nedda während einer Aufführung - aus Eifersucht wegen ihrer Affäre mit einem Unbekannten.
Der Protagonist, ebenfalls Chef einer vierköpfigen Schauspieltruppe (diesmal im Shakespeare-England), fällt ähnlich aus der Rolle, wenn er während einer Probe seine Schwester umbringt. André Bücker, Regie führender Intendant des Anhaltischen Theaters, findet in dieser Konstellation eine inzestuöse Beziehung. Wichtiger ist, dass der hypernervöse Darsteller die Schwester braucht, um den Realitätskontakt nicht zu verlieren. Sie hat allerdings seit einiger Zeit einen Liebhaber. Wissend um die psychische Labilität ihres Bruders, nutzt sie die Probe einer heiterdeftigen Ehebruchs-Pantomime, um ihm die Neuigkeit mitzuteilen. Als sie ihm kurze Zeit später den Mann vorstellen will, hat der Auftraggeber, ein Herzog, inzwischen ein Stück mit tragischem Ausgang bestellt. Und während der Protagonist mit seinen Leuten spontan die Umkehr des heiteren Sujets improvisiert, steigert er sich so sehr in die Rolle des eifersüchtigen Ehemanns, dass er im Affekt die eigene Schwester ersticht.
Die Oper schließt nicht mit diesem veristischen Knalleffekt, sondern einem eigenartigen Epilog: Der Protagonist bittet die Wachen, die fällige Verhaftung erst nach der Aufführung vorzunehmen, und verspricht dafür als künstlerischen Hochgenuss die denkbar authentische Darstellung von Wahnsinn. Weill geht mit diesem eigenartigen Szenario sehr bewusst um. Während die vielstimmig polyphone Partitur expressionistisch aufgeladen erscheint, steht die heitere Pantomime in einem neoklassizistischen Tonfall, und in der tragischen Pantomime mischen sich beide Stile. Diese musikalische Ebene wird noch mit einer Art instrumentalem Theater kombiniert, denn das zwölfköpfige Blasorchester des Herzogs wechselt zwischen Bühne und Orchestergraben. Wenn Weill dem Protagonisten am Ende einen veristischen Tonfall unterlegt, entlarvt er damit das Klischeehafte des übersteigerten Geniekultes.
Das Regieteam (mit Ausstatter Oliver Proske und Choreografin Gabriella Gilardi) verzichtete auf die Bläserwanderung und ersetzte die herzoglichen Musikanten durch junge Statisten mit Spielzeuginstrumenten. Sie stammten aus dem Kinderchor, der seinen eigentlichen Auftritt im „Bajazzo" hatte. Überhaupt gelang sehr sinnfällig die Verklammerung der beiden Opern. Ein kleiner, als Tod kostümierter Statist, stach zu Beginn des „Protagonisten" das Messer in die Bühne, mit dem beide Frauen in nahezu identischen Bühnenpositionen ermordet wurden, und beschloss mit seiner Verbeugung auch den „Bajazzo". Der komödiantische Geist der heiteren Pantomime im ersten Stück fand im zweiten seine ironische Korrespondenz beim feierlichen Kirchgang, bei dem Männer und Frauen mehrfach die Partner wechselten.
Oliver Proskes Bühnenbild wartete im „Protagonisten" mit witzigen Details auf, und durch das Herunterklappen einiger Bauelemente wurde aus dem großen Wirtshaussaal nach der Pause eine innerstädtische Silhouette. Anrührend und mit starker stimmlicher Ausstrahlung sang Iordanka Derilova die beiden weiblichen Hauptrollen. Den männlichen Affekttäter teilten sich Angus Wood als Protagonist und Sergey Drobyshevskiy als Canio. Beide sangen und agierten ausgezeichnet. Auch die übrigen Darsteller einschließlich des von Helmut Sonne einstudierten Opernchors überzeugten rundum. Unter dem neuen GMD Antony Hermus spielte die Anhaltische Philharmonie mit Präzision, Farbenreichtum und Ausdruckswillen, wie man sie an größeren Häusern nicht besser erwarten könnte.
21.05.2011, 07:54 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
938
Joachim Lange, Die Welt, 21.05.2011
Klassik in Kürze
"Chowanschtschina"
Russische Seele in Dessau
Andrea Moses verabschiedet sich von Dessau mit Mussorgskis "Chowanschtschina", also mit Opernkino im Breitbandformat und einem zentralen Stück der russischen Musikseele. Vokal ist das Dessauer Theater, etwa mit dem jungen Russen Pavel Shmulevich als Mönch Dossifej, exzellent bestückt. Aus der Chorklemme kommt man durch Co-Produktion mit dem Nationaltheater Weimar. Die Gäste übernehmen den Part des Moskauer Volkes, während die heimischen Choristen als marodierende Strelitzen den Roten Platz verwüsten. Ausstatter Christian Wiehle hat den wandlungsfähigen Rahmen geliefert, in dem Andrea Moses den Machtkampf des Volkes spannend ausformuliert. Diese letzte Operninszenierung der Dessauer Chefregisseurin wird durch die fulminant aufspielende Anhaltische Philharmonie zum Triumph.
19.05.2011, 14:41 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
937
Pressemitteilung vom 19.05.2011
SCRATCH-KONZERT unter der Schirmherrschaft von Stephan Dorgerloh
Innerhalb des diesjährigen Elbmusikfestes findet am Sonnabend, den 4. Juni um 19 Uhr wieder ein außergewöhnliches Konzert, ein SCRATCH-KONZERT statt. In diesem Jahr steht es unter der Schirmherrschaft von Stephan Dorgerloh, Kultusminister des Landes Sachsen-Anhalt. Die Erlöse gehen zugunsten von UNICEF, der Organisation, die Kinder in aller Welt unterstützt.
2010 nahm das Anhaltische Theater Dessau die Tradition der Elbmusikfeste wieder auf und veranstaltet dies seitdem jährlich am Himmelfahrtswochenende. Vom 2. bis 5. Juni werden die aktuellen Inszenierungen des Jahres präsentiert, beginnend mit LANDSCAPE– Kritik der Liebe, gefolgt von Mussorgskis CHOWANSCHTSCHINA und der vertanzten Erzählung DIE NIBELUNGEN: SIEGFRIEDSAGA bis hin zu Puccinis TURANDOT.
Die Musikfeste hatten im 19. Jahrhundert eine große Bedeutung für die regionale Entwicklung des Chorwesens. Diese Tradition, Sänger und Chöre zusammenzuführen, wird im Rahmen des Elbmusikfestes mit einem sogenannten SCRATCH-KONZERT fortgeführt. Hunderte von Sangesbegeisterten studieren innerhalb von 24 Stunden ein berühmtes Chorwerk bzw. Chorwerke ein, die dann beim abendlichen Konzert unter Mitwirkung von Solisten des Theaters, der Anhaltischen Philharmonie unter der Leitung von GMD Antony Hermus präsentiert werden. Als Solisten wirken mit: Angelina Ruzzafante (Sopran), Marilyn Bennett (Mezzosopran), Angus Wood (Tenor) und Ulf Paulsen (Bass).
298 Sänger aus Dessau und der Region haben sich angemeldet und 50 Kinder! Diese werden Johannes Brahms „Schicksalslied“, Giuseppe Verdis Chor der gefangenen Hebräer aus der Oper „Nabucco“, Ludwig van Beethovens Finale aus der Sinfonie Nr. 9 mit dem Schlusschor über Schillers Ode „An die Freude“ sowie Teile aus der Kinderoper „Oskar und die Groschenbande“ von Christoph Reuter und August Buchner singen.
Die Vorbereitung für diesen besonderen Tag laufen bereits auf Hochtouren.
Wer noch ein Ticket für dieses Konzert erhalten möchte, sollte schnell zugreifen.
Karten und Informationen unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
19.05.2011, 14:17 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
936
Pressemitteilung vom 19.05.2011
Klanggewaltig: Mussorgskis „Chowanschtschina”
Am Samstag, 21. Mai um 17 Uhr zeigt das Anhaltische Theater Modest Mussorgskis Musikalisches Volksdrama „Chowanschtschina“ im Großen Haus.
Unter dem zungenbrecherischen Titel verbirgt sich eine der faszinierendsten großen Opern des 19. Jahrhunderts. Mussorgski gelingt ganz Neuartiges und Kühnes: historische Ereignisse aus der Geschichte Russlands mit einer hochdramatischen Liebesgeschichte zu einem musiktheatralischen Meisterwerk zu verknüpfen.
Die klanggewaltige Produktion, inszeniert von Andrea Moses, ist eine Kooperation mit dem Nationaltheater Weimar, unterstützt durch die Staatsoper Stuttgart. Voller musikalischer und szenischer Überraschungen steckt diese Oper, die mit hauseigenen Solisten und Gästen des Nationaltheaters Weimar sowie den beiden großen Opernchören des Nationaltheaters Weimar und des Anhaltischen Theaters inklusive dessen Kinderchor bestens besetzt ist. Es musiziert die Anhaltische Philharmonie unter der Leitung von Generalmusikdirektor Antony Hermus.
Die Inszenierung wurde zur Premiere stürmisch gefeiert und hat überregional große Aufmerksamkeit erfahren. So schrieb u.a. der Tagesspiegel vom 10. Mai: „Sie haben es geschafft. Am Ende dieses Premierenabends am Dessauer Theater bleiben Respekt und Erstaunen, dass hier Aufführungen möglich sind, auf die weit größere Häuser stolz sein könnten – und dass hier trotz chronischer Sparzwänge große Oper stattfindet.“
Und die Frankfurter Rundschau vom 9. Mai: „In Dessau ist ein lohnender Parforceritt durch die russische Geschichte gelungen. Richtig froh macht aber nicht dessen Pointe, sondern das Niveau, auf dem hier Musiktheater gemacht wird.“
Karten und Informationen unter: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de, den Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
18.05.2011, 15:49 | tags:
Anhaltische Philharmonie
934
Pressemitteilung vom 18.05.2011
Die Anhaltische Philharmonie kooperiert mit „Rhapsody in School“ und bringt Klassik-Stars in die Schulen
Das vom Pianisten Lars Vogt gegründete Projekt „Rhapsody in School“ begleitet bundesweit Kontakte zu Künstlern, die Kindern und Jugendlichen durch ehrenamtliches Engagement eine hautnahe Berührung mit Musik ermöglichen. Die Klassik-Stars vermitteln bei Schulbesuchen sehr persönlich ihre Begeisterung und Leidenschaft für die klassische Musik, um die Neugier auf diese wunderbare Kunst zu wecken.
Wie wichtig musikalische Bildung ist, weiß natürlich auch das Team der Anhaltischen Philharmonie. Generalmusikdirektor Antony Hermus selbst engagiert sich in dem ehrgeizigen Projekt „Rhapsody in School“ und eine ganze Reihe erfrischender Angebote stehen alljährlich von der Philharmonie für die junge Generation zur Verfügung. Nun startet die Anhaltische Philharmonie eine Kooperation mit „Rhapsody in School“ und nutzt das Angebot für die Schulen vor Ort.
Den Auftakt für die neue Zusammenarbeit gibt der Cellist Sebastian Klinger, Solist im 7. Sinfoniekonzert der Anhaltischen Philharmonie, mit seinem Besuch der Achtklässler der Sekundarschule „Am Rathaus“ Dessau am 20. Mai um 10.15 Uhr. Die Mädchen und Jungen werden nicht nur Klingers beeindruckendem Spiel lauschen, sondern sich auch all ihre Fragen zu (klassischer) Musik und dem Leben als Profi-Musiker beantworten lassen.
Zur Einstimmung auf die Begegnung mit dem Künstler werfen die Schüler am 19. Mai um 10 Uhr in der Generalprobe Augen und Ohren auf die „normale“ Arbeit des Cellisten. Die Einladung der Philharmonie, mit allem „Backstage-Wissen“ das Sinfoniekonzert am Abend zu besuchen, wird dann mit Sicherheit begeistert angenommen. Nicht selten werden dabei die Eltern – angesteckt vom philharmonischen Feuer ihrer Sprösslinge – so ganz nebenbei zu Konzertgängern.
Pressevertreter und Fotografen sind zu beiden Terminen herzlich eingeladen!
Organisation und Kontakt:
„Rhapsody in School“, Ilka Zinkel – Projektmanagement, Telefon (03643) 902473, email: ilkazinkel@weimarmusik.de
Anhaltische Philharmonie, Ronald Müller, Telefon (0340)2511326,
eMail: musikdramaturg@anhaltisches-theater.de
Das 7. Sinfoniekonzert der Anhaltischen Philharmonie „Irdisches und himmlisches Leben“ am 19. und 20. Mai, jeweils 19.30 Uhr, steht ganz im Zeichen des Komponisten und Dirigenten Gustav Mahler. Aufgeführt wird Mahlers 4. Sinfonie in G-Dur. Das Sopransolo singt Angelina Ruzzafante.
Der Konzertabend beginnt mit dem sogenannten „Blumine“-Satz. Dieses 8-minütige lyrisch-sentimentale Andante gehörte als zweiter von fünf Sätzen ursprünglich zur 1. Sinfonie, wurde von Mahler aber später eliminiert. Zwischen den beiden Mahler-Kompositionen steht mit dem 1. Cellokonzert (1873) des Franzosen Camille Saint-Saëns ein Standardwerk des Cello-Repertoires. Es wird in Dessau gespielt von Sebastian Klinger, dem jungen Solocellisten des Sinfonieorchesters des Bayerischen Rundfunks. Am Dirigentenpult steht Generalmusikdirektor Antony Hermus.
Jeweils um 18.30 Uhr im Foyer geben Generalmusikdirektor Antony Hermus und Musikdramaturg Ronald Müller eine Einführung in das Konzert. Am Donnerstag, 19. Mai wird im Anschluss an die Konzerteinführung eine kleine Foto-Ausstellung eröffnet. Arne Voßfeldt, Student der Hochschule Anhalt, fotografierte Musiker der Anhaltischen Philharmonie mit ihren Instrumenten.
Karten und Informationen unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
17.05.2011, 14:44 | tags:
Puppentheater
, Ballett
, Schauspiel
, Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
933
Pressemitteilung vom 17.05.2011
Spielzeit 2011/2012 „GLÜHENDE LANDSCHAFTEN“
Voller Elan geht das Team um Generalintendant André Bücker in die nunmehr 217. Spielzeit. Unter dem Titel „GLÜHENDE LANDSCHAFTEN“ nehmen zahlreiche Inszenierungen die Themen der Stadt und der Region auf. Die kommende Spielzeit ist wieder voller Höhepunkte: das Schauspiel startet unter neuer Leitung von Niklas Ritter mit einem der bedeutendsten Stücke der Weltliteratur, „Hamlet“ von William Shakespeare. Mit „Pension Schöller“ inszeniert Werner Eng für das Publikum eine handfeste Komödie. Weiterhin stehen „Der Turm“ nach dem Roman von Uwe Tellkamp in der Regie von Lukas Langhoff, „Der Besuch der alten Dame“ - eine tragische Komödie von Friedrich Dürrenmatt, „Kasimir und Karoline“ - ein Volksstück von Ödön von Horváth, „Moby Dick“ - ein Abendteuer nach dem Roman von Hermann Melville und die zauberhafte Geschichte der „Weihnachtsgans Auguste“ auf dem Spielplan.
Das große Jubiläum „800 Jahre Anhalt“ zum Anlass nehmend, inszeniert Karl Thiele das Lustspiel „Der alte Dessauer“ nach Karl May als großes Spektakel im Georgengarten in Dessau.
Bereits im September startet ein Festival: die „9. Theatertage der Länder Sachsen- Anhalt und Brandenburg“. Dreizehn Theater zeigen Produktionen für Kinder und Jugendliche. Das Festival ist gleichzeitig Forum für Theaterschaffende und bietet zahlreiche Möglichkeiten der Auseinandersetzung und des Austauschs.
Das Musiktheater geht mit Felix Losert, dem neuen Leitenden Dramaturgen für Musiktheater/Operndirektion im September mit dem Musical-Klassiker „West Side Story“ von Leonard Bernstein, inszeniert von Christian von Götz an den Start. Im Mai 2012 beginnt mit der „Götterdämmerung“, inszeniert von André Bücker und unter der musikalischen Leitung von GMD Antony Hermus der erste Dessauer „Ring“ seit über fünfzig Jahren, der 2015 anlässlich des Internationalen Kongresses der Richard-Wagner-Gesellschaft als vollständiger Zyklus zu sehen sein wird. Außerdem werden bedeutende Werke wie Puccinis „La Bohème“, Gounods „Faust“ - inszeniert von Hinrich Horstkotte, Griegs „Peer Gynt“- in einer halbszenischen Produktion - und Mozarts „Bastien und Bastienne“ - eine Musiktheaterproduktion für Kinder auf dem Spielplan stehen. Die „Große Gala der heiteren Muse“ für die leichte Unterhaltung vereint Operette, Spieloper und Musical.
Zwei große Ballett Premieren, inszeniert und choreografiert von Tomasz Kajdanski werden in der kommenden Spielzeit den Spielplan bereichern. Mit der Uraufführung „Hotel Montparnasse“ eröffnet das Ballett das Kurt Weill Fest 2012 und setzt das Künstler- und Emigrantenleben in Paris, in den aufregenden 20er und 30er Jahren in Szene. Außerdem wartet auf das Publikum die abenteuerliche, märchenhafte wie fantastische Geschichte: „Alice im Wunderland“, für die Lewis Carolls Roman die Grundlage bildet.
Abwechslungsreiche, spannende und anregende Konzerte für Jung und Alt bietet die Anhaltische Philharmonie unter der Leitung von Generalmusikdirektor Antony Hermus: Sinfoniekonzerte, Jugendkonzerte, Konzerte zu Weihnachten und Neujahr, Scratch-Konzerte und Kammerkonzerte. Nachdem sich die Anhaltische Philharmonie 2010 mit dem erfolgreichen Planeten-Konzert am IMPULS-Festival für Neue Musik beteiligt hat, gibt es 2011 eine Fortsetzung der Zusammenarbeit. Im Rahmen des Kurt Weill Fest 2012 lässt die Anhaltische Philharmonie in einem Programm mit musikalischen Bezügen zu Paris auch das „Violinkonzert“ von Kurt Weill erklingen.
Hervorragende Solisten konnten für die Konzerte gewonnen werden: Ragna Schirmer, Nemanja Radulovic, Andrea Lieberknecht, Hardy Rittner, Marina Chiche, Sebastian Manz, Heidi Brunner und Julian Steckel – um nur einige zu nennen.
Beim Festival „Himmel auf Erden“, dass in Koproduktion mit dem WittenbergKultur e.V. in Wittenberg stattfindet und 2012 unter der künstlerischen Leitung von Generalintendant André Bücker ins zweite Jahr geht, ist die Anhaltische Philharmonie ebenfalls mit einem Sonderkonzert beteiligt.
Das Puppentheater bietet neben einem reichen Repertoire und einer neuen, bezaubernden Geschichte um eine „Matschgans“ für die Kleinsten, Theodor Storms „Schimmelreiter“ für Menschen ab 12 Jahren und zum Abschluss der Spielzeit einen Leckerbissen für all jene, die Bram Stokers Vampirstory „Dracula“ schätzen. Diese Inszenierung wird ihre Uraufführung und Premiere im Juni 2012 als Open Air Produktion haben.
Die Theaterpädagogik hat schier unerschöpfliche und abwechslungsreiche Angebote im Programm, neue Patenschaften zwischen Schulen und dem Anhaltischen Theater werden geknüpft – außerdem erwartet das Publikum eine Vielzahl an interessanten Projekten. Neben bereits etablierten Veranstaltungsformaten wie „Die Nacht, die Lichter“, „Trash am Montag“, dem „Philharmonie-Stammtisch“, „Treffpunkt Ballett“ und den Matineen vor den Premieren überraschen neue Formate u.a. die Theatersoap „Was ist denn heut` bei Anhalts los?“, „My Songs“, „Theaterclub“ und „Wunschfilm 299“.
Schließlich gibt es ab der kommenden Spielzeit einen Betreiberwechsel im Theaterrestaurant „Altes Theater“. Das Team um Jörg Folta wird mit hochwertiger Küche und angesagter Bar neben bizarrem Entertainment dem Ort Leben einhauchen.
Informationen zu den Inszenierungen, den Projekten und Aktionen unter www.anhaltisches-
theater.de/vorschau und im neuen Spielzeitheft.
15.05.2011, 23:11 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
931
Joachim Lange, Gießener-Allgemeine, 12.05.2011
Parforceritt durch russische Geschichte
Regisseurin Andrea Moses erzählt Mussorgskis Oper »Chowanschtschina« in Dessau als Panoramabild einer Gesellschaft im Umbruch.
Mit Abstand betrachtet werden auch die roten Fahnen, die 175 Jahre lang über dem Roten Platz wehten, zu einer historischen Episode der russischen Geschichte. So gesehen sind die Zeiten günstig für Modest Mussorgskis Volksdrama »Chowanschtschina«. Aus dem kurz vor der glanzvollen Epoche Zar Peters angesiedelten Volksdrama ist eine orchestergewaltige Chor- und Männeroper geworden, bei der die Lovestory eher vertrackt und marginal wirkt. So wie Andrea Moses das jetzt in Dessau auf die Bühne gebracht hat, faszinieren an dem historischen Panoramabild aus den Zeiten von Revolte und Umbruch vor allem die erstaunlich plausiblen Durchblicke bis in die postsowjetische Gegenwart. Von der Randale marodierender Strelitzen auf dem Roten Platz, über die Intrigen der politisch Mächtigen und der ambitionierten Kirchenmänner im Kampf um die Macht, von ziemlich volkstümlich zupackenden Saufliedern bis hin zu einer pathetischen Selbstverbrennung von fanatischen Altgläubigen ist da alles drin. Viel von dem, was man hierzulande so für russische Seele hält, klingt da durch.
Im Graben braucht man für dieses von kleineren Opernhäusern eher gemiedene russische Großformat den Sinn fürs Detail und die Kraft zum großen Überblick, den der Dessauer GMD Antony Hermus mit Emphase und Rücksicht auf die Sänger überzeugend demonstriert. Und im Ensemble eine Manpower, die das Anhaltische Theater auf erstaunlichem Niveau aufbietet. Auf den übergroßen Chor bringt man es durch die Koproduktion mit dem Weimarer Nationaltheater. Damit daraus kein Stehtheater im Breitband wird, bedarf es vor allem einer Regie, die sich wild entschlossen auf die szenischen Details stürzt und das Kunststück fertig bringt, das Historienpanorama als Ganzes in seiner Relevanz für die Gegenwart zu erzählen. Dafür ist die Dessauer Chefregisseurin Moses (die ab kommender Spielzeit nach Stuttgart geht) genau die Richtige.
Christian Wiehles offene Bühnenästhetik schöpft aus dem Vorrat russisch-sowjetischer Bilder. Da ist die berühmte Basilius-Kathedrale mit Coca-Cola- Reklame zugepflastert. Da kommt das Palais des Fürsten Golizyn (Angus Wood) als Sitzgarnitur mit Schreibtisch hoch oben auf einem riesigen russischen Bären daher. Da kommt der Intrigant im Dienste des Zaren Peter, Schaklowity (Ulf Paulsen), erst auf einer Gangway und unter der Büste des Sowjethelden Gagarin daher und landet dann sogar aus dem Schnürboden wie ein Fallschirmspringer im Bett von Iwan Chowanski (Alexey Antonov), um ihn zu erdrosseln. Und da agiert der vom Fürsten zum Mönch gewordene Dossifej (auf dem Weg an die Spitze seines Faches: Pavel Shmulevich) mit der Geste und dem Format eines kommenden Bühnen-Zaren.
Wenn sich am Ende die altgläubigen Fanatiker im Angesicht der anrückenden Truppen des Zaren selbst verbrennen, dann wird der tödliche Dampf, dem sie zum Opfer fallen, nicht zur Klippe einer gefährlichen Metaphorik, sondern demonstriert mit dem futuristisch stilisierten Riesenkreuz in der Mitte einen beängstigenden Triumph des Irrationalen. In Dessau ist ein anstrengender, aber in jeder Hinsicht lohnender Parforceritt durch die russische Geschichte gelungen. Richtig froh macht aber nicht dessen Pointe, sondern das Niveau, auf dem hier Musiktheater gemacht wird.
13.05.2011, 23:39 | tags:
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, Anhaltische Philharmonie
930
Irene Constantin, Neues Deutschland, 15.05.2011
Das Volk hat verstanden
Andrea Moses inszenierte Mussorgskis »Chowanschtschina« in Dessau
Chowanski-Schweinerei« ist ein schöner Operntitel. Dabei könnte das Werk ebenso »Peter-Schweinerei« heißen. Es behandelt die Wirrungen und Machtkämpfe vor Peters Inthronisierung ganz unparteiisch, als vielgestaltigen Bilderbogen. Es ist immer eine Frage von Sieg oder Niederlage, wessen Name am Ende auf bronzenen Reiterstandbildern steht und wessen Name eine Nachsilbe bekommt, die »Machenschaft«, »Gaunerei« oder Schlimmeres bedeutet. Peter I., später »der Große« bekam am Ende des 17. Jahrhunderts die Zarenkrone; die Chowanskis, Fürst Iwan und sein Sohn Andrej die Brandmarkung Meuchelmörder.
Andrea Moses inszenierte diese »Chowanschtschina« am Anhaltischen Theater Dessau als einen Versuch über die russische Seele, über die russische Politik und über die russische Kunst. Sie holte das Stück in die Jahre der Wirrungen um 1989/90 und schließlich in die Gegenwart und handelte damit im Sinne des Komponisten. Sowohl in »Boris Godunow« als auch in »Chowanschtschina« sah Mussorgski das »Vergangene im Gegenwärtigen«.
Christian Wiehle stattete das Gegenwarts-Moskau als eine Art Wunderkammer aus. Eine Gangway, garniert mit Folklore-Sängerinnen, fährt als Fürstenthron hin und her, ein Neubaublock in Fischaugen-Optik beherbergt eine Horde mit Nudelhölzern bewaffneter Ehefrauen, ein neurotisch putzsüchtiger General hat sein Arbeitskabinett auf dem Rücken einer riesigen Bärenfigur eingerichtet. Am oberen Rand der Bühne sieht man, harscher Einbruch des Realen, einen Erhängten. Er hängt da, welcher Potentat auch immer gerade ganz oben schwimmt.
Die buntschillerndsten unter den Herren sind die Chowanskis, Führer der Strelitzen. Sie wollen mit Hilfe dieser altmodischen Truppe eine altrussische Herrschaft errichten, mit sich selbst als Zaren. General Golizyn strebt eine europäisch moderne Herrschaft an, hat jedoch mit der Thronanwärterin Sofia auf die falsche Verbündete gesetzt und begeht am Ende Selbstmord. Der charismatische Priester Dossifej, Führer der von der Staatskirche abgespaltenen Altgläubigen, will gemeinsam mit den Strelitzen ein religiöses Reich nach alter Sitte errichten. Schließlich gibt es den Mann im grauen Anzug, Schaklowity. Sein Ziel: die Macht einer reformierten Religion, die Macht eines modernen Heeres und die unter drei Zarengeschwistern aufgeteilte Macht der Krone in einer Hand zu vereinigen. Er setzt auf den jüngsten, rücksichtslosesten Zarenanwärter, Peter I. Am Ende hat Peter, der in der Oper gar nicht vorkommt, gesiegt. Die Strelitzen werden auf dem Roten Platz zusammengetrieben. Die eigenen Ehefrauen sollen die Ungehorsamen köpfen, erst im allerletzten Moment werden sie begnadigt. Das Volk hat verstanden, was von ihm erwartet wird: Mächtig schallt die Huldigungsapotheose für Zar Peter.
Seinen passiven Kontrapunkt des Jammerns, des Klagens, des befohlenen Jubelns gibt das Volk zu allem, was sich über vier Akte an Machtkämpfen und Intrigenspiel in den buchstäblichen oberen Etagen, auf dem Rücken des russischen Bären sozusagen, abspielt.
Andrea Moses schuf ein ergreifendes Bild des sich in der Geschichte bis zum Überdruss wiederholenden Opferpathos' im Namen einer Ideologie: Menschen in unschuldsweißen Hemden, mit ausgebreiteten Armen, umflutet von gleißendem Licht inmitten eines weißen Gas-Nebels, der aus den glitzernden Balken eines orthodoxen Kreuzes zischt, füllen die riesige Bühne. Ihr leises Chorfinale scheint nicht mehr von dieser Welt zu sein. Moses stellt skurrile Szenen neben brutal bedrohliche, komische neben hochdramatische. Ebenso assiziativ stehen die Zeiten beieinander: Die Handlungszeit 17. Jahrhundert trifft Mussorgskis spätes 19. Jahrhundert, die stalinistischen Zeiten, in denen Schostakowitsch das unvollendete Werk instrumentierte, treffen Moses' Assoziationen von 1989/90 und schließlich die Gegenwart. Mussorgskis Musik gibt diese Dramaturgie vor. Hymnische oder folkloristische Chorszenen dominieren, dazwischen die sonoren Bekenntnisse, das lodernde Hin-und-Her einer operngerecht in das Macht-Drama eingefädelten Liebesgeschichte oder erregten Debatten.
In der großen Besetzung wurden alle Sänger ihren Partien gerecht, die darstellerischen Fähigkeiten differierten jedoch stark. Ulf Paulsen als Schaklowity gewann seinen Machtpoker mit rundem, energisch geführten Bariton, Alexej Antonov imponierte als Iwan Chowanski mit dunklen Bass-Farben. Sergej Dobrischewski gab sich als Andrej Chowanski intensiv seiner verliebten Verzweiflung hin, und Angus Wood sang und spielte sehr glaubhaft den zwangsneurotischen General Golizyn. Stimmlich überragt wurde dieses Männerqartett von der sonor leuchtenden, bezwingenden Bassstimme des jungen Pavel Schmulewitsch als Priester Dossifej. Das weibliche Element manifestierte sich vor allem in den exzellenten Chorsolistinnen.
Am Pult der Anhaltischen Philharmonie stand der von Anfang an gefeierte Antony Hermus. Den großen, ins Dunkle abgerundeten, typisch »russischen« Klang von Chor und Orchester erwartete man für diesen Abend als üppige Dröhnung und Hermus sparte nicht damit. Er bot aber auch das zarte Naturbild eines morgendlichen Moskauer Parks und den hymnischen Optimismus-Ton der Heldenverehrung.
Einschließlich des von Igor Strawinski instrumentierten Schlussbildes steckt diese Oper so sehr voller musikalischer und szenischer Überraschungen, dass sie öfter auf eine Bühne gehörte.
Nächste Vorstellung: 21.5.
12.05.2011, 22:09 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
928
Herbert Henning, Orpheus, Mai/Juni 2011
Die Nibelungen
Liebe über den Tod hinaus
Die Nibelungen, dieser außergewöhnliche Ballett-Abend von Tomasz Kajdanski ist nicht zu verwechseln mit Wagners Ring, obwohl dessen Musik die vier Teile des Abends dominiert. Carlos Kalmar hat aus der Musik der Tetralogie eine Orchesterfassung erarbeitet, die die Qualität einer Sinfonischen Dichtung hat. Für die tänzerische Nacherzählung der Siegfriedsage hat der Choreograf archaische Bilder von außergewöhnlichem ästhetischem Reiz geschaffen und eine bis an die Grenzen der Tänzer gehende Körpersprache gefunden.
Es ist die Geschichte von Menschen, die durch Leidenschaften, Liebe, Hass und Tod miteinander verbunden sind. Die Szenen wechseln in rasantem Tempo. Es gibt wenige tänzerische Ruhepunkte. Die Klangwucht der Musik (Walkürenritt und Trauermarsch) wird archaisch streng und mit atemberaubender tänzerischer Präzision von den solistisch hoch geforderten Tänzern in fast schon rituellen, synchron getanzten Bewegungsfolgen gedeutet. Es sind grandiose Bilder, die im Gedächtnis bleiben. Großen Anteil daran haben Bühne und Kostüme von Dorin Gal und immer wieder assoziationsreiche Videoprojektionen und wechselnde Lichtstimmungen.
Nach dem Kampf mit Alberich (Johan Plaitano) wird Siegfried als strahlender Held „vergoldet" und es beginnt das langsame Ende im Land der Burgunder. Die dort expressiv getanzten Szenen zwischen Gunter (Joe Monaghan), Hagen (Pablo Lastras-Sanchez) und Kriemhild (Yuliya Gerbyna) mit Siegfried gehören zu den Höhepunkten der spannenden Aufführung. Jonathan Augereau tanzt den Siegfried mit großer Leidenschaft, athletischer Eleganz, emotionaler Kraft und technischer Finesse. Ausdrucksstark die Begegnungen mit Brünhilde (Anna-Maria Tasarz).
Tomasz Kajdanski erfindet immer wieder sich kaum wiederholende Bewegungsstablaus, fordert die Tänzer bis an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit.
Daniel Carlberg leitet die Anhaltische Philharmonie umsichtig. Zum Finale der Götterdämmerung versinkt auf der Bühne die Welt im Chaos, und die Göttin Erda (Melanie Legrand) steigt wie ein Engel als Hoffnungsträger für die Zukunft empor.
09.05.2011, 18:50 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
922
Jörg Königsdorf, Der Tagespiegel, 10.5.2011
Riss in der Masse
Klangmächtig: Andrea Moses inszeniert Mussorgskys „Chowanschtschina“ am Anhaltischen Theater Dessau
Sie haben es geschafft. Am Ende dieses Premierenabends am Dessauer Theater bleiben Respekt und Erstaunen, dass hier Aufführungen möglich sind, auf die weit größere Häuser stolz sein könnten – und dass hier trotz chronischer Sparzwänge große Oper stattfindet. Zwei Jahre währt jetzt das anhaltische Opernwunder, nach dem Paukenschlag mitWagners „Lohengrin“, mit dem Intendant André Bücker und Chefregisseurin Andrea Moses Aufsehen erregten, hatten Produktionen wie Verdis „Maskenball“ und Aubers „Stumme von Portici“ die Programmlinie politisch ambitionierten Musiktheaters auf stetig wachsendem Niveau fortgesetzt.
Zum Abschied der nach Stuttgart wechselnden Moses nun die größte Herausforderung: Mussorgskys Volksdrama „Chowanschtschina“, dieses rohe Bilder-Konglomerat um Aufstand, Unterdrückung und Machtkampf, diese Oper ohne Helden, die die Geschichte Russlands als nicht enden wollenden Kreislauf von Leid und Gewalt beschreibt.
Ein maßloses Stück in jeder Hinsicht, vor dessen Anforderungen die meisten Bühnen zurückschrecken. Vor der Aufgabe, die Chormassen der Strelitzen, Altgläubigen und Moskauer Proletarier zu organisieren; vor der langen Liste großer Stimmen und der Herausforderung, ein Gleichgewicht zwischen Anarchie und Erzählfluss zu finden.
Unter Chefdirigent Antony Hermus zeigt die Anhaltische Philharmonie nicht nur Präzision, sondern auch einen betörend farbenreichen, transparenten Klang – ein starkes Plädoyer für die Orchestrierung von Dmitri Schostakowitsch, die bei den Auftritten der Politgrößen bis ins Groteske geht, aber in den Nebenstimmen der Holzbläser immer wieder auch die Risse im gesellschaftlichen Gefüge nachzeichnet.
Die vereinten Chöre des Dessauer wie des koproduzierenden Weimarer Theaters bewältigen ihr vokales Zirkeltraining zwischen fatalistischen Chorälen, greller Folkloristik und Massenpanik im Großen und Ganzen souverän – zumal „Chowanschtschina“ auch Musik ist, bei der der Ausdruck und der richtige russische Tonfall wichtiger sind als die vokale Endpolitur.
Die Sänger sind allerdings spektakulär: Angus Wood zum Beispiel, der den Reformpolitiker Golizin mit gleißendem Tenor als Machtmensch zeichnet, der für seine idealistischen Ziele notfalls über Leichen geht. Oder der Altgläubige Dossifei, bei Pavel Shmulevich und seinem kerngesundem Bass ein charismatischer Sektenführer, der seine Gefolgschaft am Ende ohne Zögern in den Feuertod gehen lässt. Oder auch der Fürst Iwan Chowanski, anhand von dessen Revolte gegen die Zarenherrschaft das Volksepos erzählt wird: Der vom Bolschoi geholte Alexey Antonov gibt ihn mit hochadlig samtigem Bass und feudaler Autorität.
Und dann ist da die Marfa von Anna Peshes: keine orgelnde Matrone oder hexenhafte Seherin, sondern eine Frau, aus deren warmen Alt-Farben ein fühlend’ Herz spricht. Sie wird zum Gravitationszentrum des Stücks. Wären alle wie sie – heroisch und barmherzig, klug und zugleich auf die innere, russische Stimme hörend – dann würde ein anderes Russland möglich. So der Hoffnungsschimmer, der sich aus „Chowanschtschina“ destillieren ließe, wenn Marfa nicht ebenfalls den Freitod wählen würde.
Die Regie ist, wie bei Andrea Moses’ Selbstverständnis als politische Regisseurin kaum anders möglich, modern: Die Bojaren tragen Anzug und Krawatte, vom Großbildschirm strahlen die rivalisierenden Politiker im Wechsel mit volksverdummenden Unterhaltungsbildern. Anders als beim „Lohengrin“, den Moses als Politkrimi in Szene setzte, erlaubt sie der „Chowanschtschina“ aber größere Freiheiten gegenüber der Realität. Weil das Vortäuschen von Tatsachen zum politischen Geschäft gehört – der vermeintliche Aufstand des reaktionären Fürsten Chowanski ist schließlich auch bloß eine gezielte Intrige seiner politischen Gegner –, ist auch Moskau auf der Dessauer Bühne eher ein gedanklicher Ort suggestiver Bildzitate.
Zwiebeltürmchen, Plattenbau, Weihrauchfässer und ein riesiger Eisbär als Verkörperung von Mütterchen Russland zielen auf die Zeitlosigkeit von Mussorgskys fatalistischer Analyse. Die realistischste Zutat ist noch die Leiche eines gelynchten Bojaren, die den ganzen Abend vom Schnürboden herunterhängt. Seither hat sich in Russland wohl nicht viel geändert.
Wieder am 21. Mai sowie 2. und 19. Juni.
09.05.2011, 07:31 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
921
Joachim Lange, Frankfurter Rundschau, 9.5.2011
Oper
Zaren sehen alles
Eine orchestergewaltige Chor- und Männeroper über eine Gesellschaft im Umbruch: Chefregisseurin Andrea Moses inszeniert Modest Mussorgskis Volksdrama „Chowanschtschina“ in Dessau.
Musikalisch ist Modest Mussorgskis Volksdrama „Chowanschtschina“ eine orchestergewaltige Chor- und Männeroper. Die Lovestory ist eher vertrackt und marginal; die Geschichte ein Panoramabild aus den Zeiten von Revolte und Umbruch mit erstaunlichen Durchblicken bis in die postsowjetische Gegenwart. Von der Randale marodierender Strelitzen auf dem Roten Platz über die Intrigen der politisch Mächtigen und der ambitionierten Kirchenmänner im Kampf um die Macht, von ziemlich volkstümlich zupackenden Saufliedern bis hin zu einer pathetischen Selbstverbrennung von fanatischen Altgläubigen ist da alles drin. Viel von dem, was man hierzulande für russische Seele hält, klingt durch.
Im Graben braucht man für dieses von kleineren Opernhäusern eher gemiedene Großformat den Sinn fürs Detail und die Kraft zum großen Überblick, den Antony Hermus mit Emphase und Rücksicht auf die Sänger überzeugend demonstriert. Und im Ensemble eine Manpower, die das Anhaltische Theater auf erstaunlichem Niveau aufbietet.
Auf den übergroßen Chor bringt man es durch die Koproduktion mit dem Weimarer Nationaltheater. Damit daraus kein Stehtheater im Breitband wird, bedarf es einer Regie, die Wert auf szenische Details und die Charakterisierung der Figuren legt und das Historienpanorama als Ganzes in seiner Relevanz für die Gegenwart zu erzählen vermag. Dafür ist die Dessauer Chefregisseurin Andrea Moses (die ihr Ticket für die gleiche Position in Stuttgart schon in der Tasche hat) genau die Richtige.
Christian Wiehles offene Bühnenästhetik schöpft aus dem Vorrat russisch-sowjetischer und postsowjetischer Bilder. Da ist die Basilius-Kathedrale mit Coca-Cola-Reklame zugepflastert, und das Palais des Fürsten Golizyn (Angus Wood) kommt als Sitzgarnitur mit Schreibtisch auf einem riesigen russischen Bären daher. Da wird die Strelitzen-Vorstadt zum modernen Hochhausblock, der wie im Brennglas aufgebläht erscheint und aus dem sich die Umrisse der Kathedrale wie im Schnittbogen abheben. Da kommt der Intrigant des Zaren Schaklowity (Ulf Paulsen) erst auf einer Gangway und unter der Büste des Sowjethelden Gagarin daher und landet dann aus dem Schnürboden wie ein Fallschirmspringer im Bett von Iwan Chowanski (Alexey Anatonov), um ihn zu erdrosseln. Und da agiert der vom Fürsten zum Mönch gewordene Dossifej (auf dem Weg an die Spitze seines Faches: Pavel Shumlevich) mit der Geste und dem Format eines kommenden Bühnen-Zaren.
Wenn sich am Ende die altgläubigen Fanatiker im Angesicht der anrückenden Truppen des Zaren selbst verbrennen, wird der tödliche Dampf, dem sie zum Opfer fallen, nicht zur Klippe einer gefährlichen Metaphorik, sondern demonstriert mit dem futuristisch stilisierten Riesenkreuz in der Mitte einen beängstigenden Triumph des Irrationalen.
In Dessau ist ein lohnender Parforceritt durch die russische Geschichte gelungen. Richtig froh macht aber nicht dessen Pointe, sondern das Niveau, auf dem hier Musiktheater gemacht wird.
09.05.2011, 07:24 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
920
Helmut Rohm, Volksstimme, 9.5.2011
Andrea Moses inszeniert musikalisches Volksdrama von Modest Mussorgski am Theater Dessau
"Chowanschtschina" erlebt stürmisch gefeierte Premiere
"Der Herr rettet mich ..." – ganz in Weiß und ganz bewusst ihres selbstgewählten Feuerfreitodes suchen die Altgläubigen und deren Führer Dossifej ihr Heil in einem anderen, nichtirdischen Leben. Mit diesem emotional bewegenden, monumentalen Bild endete am Sonnabendabend die stürmisch gefeierte Premiere des musikalischen Volksdramas "Chowanschtschina" von Modest Mussorgski im Anhaltischen Theater Dessau.
Monumentalität in vielerlei Hinsicht prägt diese Aufführung, die von Andrea Moses in Kooperation mit dem Deutschen Nationaltheater Weimar und Unterstützung durch die Staatsoper Stuttgart inszeniert wurde.
Beschrieben wird ein Detail der russischen Geschichte des ausgehenden 17. Jahrhunderts. Die Entscheidung, ob Chowanski und seine marodierenden Strelitzen oder Zar Peter I. die vakante Macht übernehmen, hatte sich, auch unter dem Einfluss einer Kirchenspaltung, dramatisch zugespitzt.
Der Zuschauer erlebt große beeindruckende Massenszenen des Moskauer Volkes und der Strelitzen, die durch die Chöre und Chorsolisten (Dessau, Weimar und Dessauer Kinderchor) und insbesondere deren handlungsrelevantes Spiel getragen werden. Während sich Andrea Moses fast ausschließlich streng an die historischen Handlungsinhalte und Figuren hält, verlegt sie die Orte der Handlungen (Bühnenbild und Kostüme Christian Wiehle) in einen durchaus akzeptablen, sogar teils vergnüglichen Mix aus Historie und Gegenwart. Der fast stets präsente rote Platz ist sowohl ein Symbol für das historische Moskauer Areal als auch blutgetränkter Kampfplatz. Die Silhouette der Basilius-Kathedrale, die sich auch mal aus einem Plattenbauhochhaus "herausschält", lässt grüßen – mit einer Coca-Cola-Werbung. "Chowanschtschina" ist eine kostümvielfältige Oper, ein wahrer Sehschmaus. Den Spagat zwischen damals und heute wird hier ebenfalls deutlich. Ein Volk, wie es wohl früher so gekleidet war, trifft auf Strelitzen, die die landläufige Mafiosi-Vorstellung trefflich bedienen.
Es ist ein durchaus ernstes Stück. Doch auch mit hintergründigem Humor und Augenzwinkern, mal dezent, mal ganz schön dick aufgetragen. Fürst Golizyn (Angus Wood) thront auf einem überlebensgroßen roten russischen Bären. Iwan Chowanski kommt über eine Flugzeug-Gangway herab zum Volk. Intrigant Schaklowity (Ulf Paulsen) wird zum Morden in Chowanskis Schlafzimmer abgeseilt. Aus einem Hubschrauber? Wie gerade bei Bin Laden?
Ganz aktuell ist auch das Videoeinspiel von der jüngsten englischen Hochzeit. Ging es ja hier ebenfalls – wenn auch gewaltlos – um Macht. Und das Machtgerangel bis in den Tod ist in "Chowanschtschina" auch mit einer Liebesgeschichte verknüpft. Also die Botschaft: Diese Themen sind eben immer noch aktuell.
Die künstlerische Umsetzung der Figurenrollen in handelnde und fühlende Menschen ist in Dessau trefflich gelungen. Als einen Mann wie ein Baum und mit ebenso gewaltiger Bassstimme verkörpert Alexey Antonov den Fürsten Iwan Chowanski. Gar nicht dem Vater ähnlich in Statur und noch weniger im Tun stellt Sergey Drobyshevskiy den Chowanski-Sohn Andrej dar. Pavel Shmulevich nimmt man die beschwörende Rolle Dossifejs, des Führers der Altgläubigen, vollends ab. Er war im für alle geltenden Beifallsrausch der Publikumsliebling des Abends. Anna Peshes begeisterte als ungemein leidenschaftlich liebende Marfa.
Die Anhaltische Philharmonie unter GMD Antony Hermus präsentierte Mussorgskis lebendige, gefühlvolle und handlungsorientierende Musik mit bravourösem Engagement.
"Chowanschtschina", gesungen in russischer Sprache mit deutschen Übertiteln, erfordert vom Zuschauer hohe Konzentration. Es ist, mit eigener inhaltlicher Vorbereitung noch mehr, ein gut anzuschauendes dreieinviertelstündiges Opernerlebnis.
08.05.2011, 19:27 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
919
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 9.5.2011
Russisch Roulette
Der Rote Platz ist voller Leben: Souvenir-Verkäufer bieten Matroschkas preis, ein Schuhputzer wirbt um Kundschaft, der vergoldete Lenin-Imitator stülpt sich irgendwann eine Micky-Maus-Maske über. Doch dann tauchen mitten in dem geschäftigen Treiben auch andere Bilder auf: Verstörte Menschen tragen abgetrennte Gliedmaßen wie Monstranzen vor sich her, Männer mit Eishockey-Masken und Maschinenpistolen treten ihnen entgegen ... Ist das fiktiver Horror? Oder realer Terror?
Modest Mussorgskis musikalisches Volksdrama "Chowanschtschina" erzählt vom Russland am Ende des17. Jahrhunderts, in dem sich verfeindete Zarewitschs, gedemütigte Bojaren und religiöse Fundamentalisten gegenüberstehen. Dass dieser historische Machtkampf in etwa so verworren wie die derzeitigen Nachrichten über Machtkämpfe zwischen einstigigen KGB-Offizieren, Wirtschafts-Oligarchen und Traditionalisten ist, lässt das Panorama als taugliche Folie für die russischen Gegenwarts-Verhältnisse erscheinen. Und genau so inszeniert es Andrea Moses nun als ihr Abschiedsgeschenk vom Anhaltischen Theater, bevor sie als Hausregisseurin an die Oper Stuttgart wechselt. Ihr Bild der Metropole Moskau oszilliert zwischen orthodoxer Ikone und Coca-Cola-Werbung, zwischen Hochhäusern und Zwiebeltürmen, Kultur-Okkupation und Folklore.
Dafür hat ihr Ausstatter Christian Wiehle einen Raum entworfen, in dem sich grandiose Verwandlungen mit sinnstiftenden Arrangements verbinden: Die Kommandozentrale des zaristischen Generals Golizyn ruht auf dem Rücken eines riesigen russischen Bären, die Karriere-Gangway des Aufrührers Chowanski passt exakt zu diesem Hochstand. Aus dem Plattenbau schält sich die Silhouette einer Kirche, der Kreml wirbt für McDonald's ... und das Bett des Rebellenführers lässt sich mühelos in ein mobiles Mausoleum umwidmen.
Im Informationsgewitter
Nicht minder assoziationsreich sind Niklas Ritters Videos, die auf einem gigantischen Infoscreen über den Köpfen des Volkes flimmern und deren Ästhetik die Comicsprache von Terry Gilliam mit aktueller Hochglanzwerbung verbindet. Gerade weil sie so faszinierend sind, steigern sie zu Beginn aber ein Problem des Abends: Das ohnehin vielgestaltige, von Andrea Moses individuell geführte Personal sorgt zusammen mit den eng verschränkten Dialogen sowie deren Übertiteln und den Video-Kommentaren zu einer Reiz-Überflutung, in der Mussorgskis Musik zu verschwinden droht. Wenn sich der dreieinhalbstündige Abend so fortsetzen würde, müsste man ihn am Ende wohl für gescheitert erklären. Zum Glück aber findet die Geschichte schon im zweiten Akt zu sich - und hält bis zum Schluss immer wieder überraschende Perspektiven und Wendungen bereit.
Dabei interessiert sich weder das Werk noch die Inszenierung wirklich für den Einzelnen, sondern versteht ihn als Repräsentanten einer Gruppe. Eine Kooperation mit dem Deutschen Nationaltheater Weimar gestattet es, diese Massen tatsächlich zu zeigen: Der Chor des Anhaltischen Theaters (Einstudierung: Helmut Sonne) formiert sich zum Heer der Strelizen, dem die Weimarer Gäste (Einstudierung: Markus Oppeneiger) als Moskauer Volk gegenüberstehen. Und zusammen mit dem Dessauer Kinderchor (Einstudierung: Dorislava Kuntscheva) ziehen sie am Ende alle als Altgläubige in den Tod - ein Finale, das die Überwältigung durch den Klang optisch einlöst.
Vor und über dieses Volk sind dessen Führer gesetzt: Alexey Antonov ist ein in Statur und Stimme glaubhafter Strelizen-Führer, dem lediglich der undurchsichtige Spezialagent Schaklowity (Ulf Paulsen) gewachsen scheint. Als Dritter im Bunde der dunkel timbrierten Herren aber setzt sich Pavel Shmulevitchs Religionsführer Dossifej gegen die überragende Konkurrenz durch - donnernd und verführerisch, nur am Ende manchmal gegen heisere Nebentöne kämpfend. An die Grenzen seiner Kraft geht auch Sergey Drobyshevskiy, der den dekadenten Nachkömmling der Familie Chowanski gibt, während Angus Wood den Golizyn bravourös bis in den Tod führt.
In solcher von Männern dominierten Welt haben es Frauen naturgemäß schwer - es sei denn, sie bedienen wie die zwischen Liebe und Glaube zerrissene und gesanglich überzeugende Marfa (Anna Peshes) die irrationalen Ängste und Wünsche der Herrscher. Angelina Ruzzafante und Iordanka Derilova gelingt es dennoch, aus ihren vergleichsweise kurzen Partien einen bejubelten Erfolg zu machen.
Der Zar des Abends
Den größten Jubel aber verdient sich einmal mehr die Anhaltische Philharmonie unter Generalmusikdirektor Antony Hermus, der mit eiserner Hand das russische Riesenreich zusammenhält. Er ist der Zar, der Star des Abends, der die Atmosphäre wie die Spannung des Geschehens von der Ouvertüre bis zum Schlussakkord steuert und befeuert. Dass Andrea Moses sich auf der Bühne zudem nicht zu jenem Kurzschluss verleiten lässt, der das Programmheft prägt, ist klug: Denn der Vergleich der "Chowanschtschina" mit den ostdeutschen Ereignissen vom Herbst 1989 zeugt von einer vormundschaftlichen Perspektive, die den Widerstand mündiger Bürger als Verführung durch fremde Kräfte denunziert.
Nächste Vorstellungen: 21. Mai, 17 Uhr; 2. Juni, 18 Uhr; 19. Juni, 16 Uhr
05.05.2011, 12:35 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
915
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 05.05.2011
Russland vereint Opernchöre
Es gibt die Strelitzen und das Moskauer Volk. Undenkbar, dass eine dieser Gruppen auf den Anführer der anderen gehört hätte. Schließlich standen sie sich einst in Moskau feindlich gegenüber. Jahrhunderte später in Dessau ist aus den Gegnern eine große, friedliche und singende Gruppe geworden. Die einen kommen jetzt aus Weimar, die anderen aus Dessau. Es sind die Choristen des Nationaltheaters Weimar und des Anhaltischen Theaters, die am Sonnabend um 18 Uhr in der Premiere der Oper "Chowanschtschina" von Modest Mussorgski das stimmgewaltige Rückgrat der Inszenierung von Andrea Moses bilden.
Helmut Sonne, Chordirektor in Dessau, und sein Kollege Markus Oppeneiger aus Weimar sind gewissermaßen die Heerführer dieser 80 Köpfe zählenden Sängerschar. Zu der gesellen sich noch der Kinderchor, die zahlreichen Solisten und die Anhaltische Philharmonie unter Generalmusikdirektor Antony Hermus, so dass die vorletzte Opernproduktion des Theaters in dieser Spielzeit zu einem eindrucksvollen Unterfangen mit rund 200 Mitwirkenden wird.
"Die Dessauer sind die Strelitzen", erklärt Helmut Sonne. Demzufolge sind die Weimarer das Moskauer Volk. Diese Trennung hat die besondere Kooperation zwischen den beiden Theatern einfacher gemacht. Man konnte zunächst am eigenen Haus proben. "Es gibt aber ein großes gemeinsames Ende, wenn die Chöre in den Tod schreiten", so Sonne. Bis dahin aber erzählt dieses musikalische Volksdrama in gut vier Stunden aus der Historie Russlands.
Die unruhigen Jahre bis zum endgültigen Machtantritt Peters I. 1689, mit all ihren religiösen und politischen Kämpfen, wurden von Mussorgski zu einer dichten Bilderfolge zusammengedrängt: die Machtansprüche der gewalttätigen Strelitzen unter der Führung Chowanskis, die altgläubigen Glaubenseiferer um Dossifej, der aufgeklärte aber abergläubische Fürst Golizyn und das ausgehungerte und verelendete Volk. Zentrum der Inszenierung von Andrea Moses ist der stilisierte Rote Platz in Moskau, mehrfach "übermalt" von den wechselnden Machthabern Russlands und zugleich Symbol für alle Plätze der herrschaftlichen Aufmärsche, der spontanen Erhebungen und ihrer brutalen Niederschlagungen, der Verkündigungen, Hinrichtungen aber eben auch Ort der spontanen Demonstrationen des Volkes.
In der Regie von Andrea Moses ist dies nach ihrer Inszenierung von "Turandot" bereits die zweite Kooperation mit dem Nationaltheater Weimar. Gab es bei "Turandot" die Premiere in Thüringen, so erfolgt der Chowanschtschina-Start in Dessau und Weimar zieht in der kommenden Spielzeit nach. Begonnen wurde mit den Chorproben bereits im November und in der Folge kamen die Weimarer immer öfter mit dem Bus nach Dessau zu den Bühnenproben. "Wir mussten uns im Bus einsingen", lacht Markus Oppeneiger, der die Dessauer Bühne längst kennt, war er doch Sonnes Amtsvorgänger. Beide Chorchefs loben das Meisterstück der Betriebsbüros, diese große Produktion zu planen und freuen sich, wie gut die Sänger mittlerweile harmonieren. Da gibt es Kaffee und Kuchen im Chorraum, die Gäste werden durch Bauhaus und Theater geführt oder sie erkunden selbst die Stadt, wenn mal nicht geprobt wird. "Die Weimarer haben extra in einem Lkw ihre Räder mitgebracht", weiß Oppeneiger. Nur am Sonnabend auf der Bühne wird man sich feindlich gegenüber stehen.
27.04.2011, 11:29 | tags:
Anhaltische Philharmonie
908
Pressemitteilung vom 27.04.2011
Konzerte im Monat Mai
„Frühling lässt sein blaues Band“ ist das 1. Wörlitzer Seekonzert dieses Jahres überschrieben. Am 14. Mai musiziert das Consortio Anhaltino. Bis Ende August kann man wieder beinahe wöchentlich an Samstagabenden in Gondeln über die Seen und Kanäle des Wörlitzer Parks gleiten und dabei Musik an den schönsten Stellen des Parks sowie ein mannigfaltiges Abendessen mit Getränken genießen. Treffpunkt ist jeweils 18 Uhr an der Gondelstation. Im Wonnemonat Mai finden weitere Seekonzerte am 21. („Tango und Co.“) und 28. Mai („Sehnsucht Italien“) statt.
Das 7. Sinfoniekonzert der Anhaltischen Philharmonie „Irdisches und himmlisches Leben“ am 19. und 20. Mai, jeweils 19.30 Uhr, steht ganz im Zeichen des Komponisten und Dirigenten Gustav Mahler, dessen Todestag sich am 18. Mai zum 100. Mal jährt. Aufgeführt wird Mahlers 4. Sinfonie in G-Dur. Sie ist trotz ihrer Länge von ca. 55 Minuten eine für Mahlersche Verhältnisse relativ klein dimensionierte Sinfonie. „Es ist die Heiterkeit einer höheren, uns fremden Welt darin, die für uns etwas Schauerlich-Grauenvolles hat“ (Mahler). Im letzten Satz erklingt ein einfaches Strophenlied auf einen Text aus „Des Knaben Wunderhorn“: „Wir genießen die himmlischen Freuden“. Das Sopransolo singt Angelina Ruzzafante. Der Konzertabend beginnt mit dem sogenannten „Blumine“-Satz. Dieses 8-minütige lyrisch-sentimentale Andante gehörte als zweiter von fünf Sätzen ursprünglich zur 1. Sinfonie, wurde von Mahler aber später eliminiert. Zwischen den beiden Mahler-Kompositionen steht mit dem 1. Cellokonzert (1873) des Franzosen Camille Saint-Saëns ein Standardwerk des Cello-Repertoires. Es wird in Dessau gespielt von Sebastian Klinger, dem jungen Solocellisten des Sinfonieorchesters des Bayerischen Rundfunks. Am Dirigentenpult steht Generalmusikdirektor Antony Hermus.
Zum Abschluss des Tages der offenen Tür steht am 22. Mai um 18 Uhr im Anhaltischen Theater noch einmal der „Ungarische Abend“ auf dem Spielplan. Das Programm bringt im ersten Teil Kompositionen von Beethoven, Berlioz, Liszt (die berühmte 2. „Ungarische Rhapsodie“ mit Boris Cepeda am Klavier) und Kodály („Háry-János“-Suite). Der zweite Teil wurde nach Publikumswünschen gestaltet und beinhaltet ungarische Operettenmelodien von Johann Strauß, Franz Lehár, Emmerich Kálmán und Paul Abraham. Es singen Angelina Ruzzafante (Sopran), David Ameln (Tenor) und Wiard Witholt (Bariton). Für ein stilechtes Klangbild sorgt Olga Mishula am Cymbal. Daniel Carlberg dirigiert die Anhaltische Philharmonie. Durch das Programm führt Ronald Müller.
Karten und Informationen unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
26.04.2011, 13:07 | tags:
Anhaltische Philharmonie
904
Helmut Rohm, Volksstimme, 26.04.2011
Klughardt-Sinfonie ist Beitrag zum Jubiläumsjahr Anhalt 800
Achtung Aufnahme! Philharmonie spielt CD in Zerbster Stadthalle ein
Mit einer CD-Einspielung von Werken des in Köthen geborenen und als Hofkapellmeister in Dessau wirkenden August Klughardt leistet die Anhaltische Philharmonie Dessau einen künstlerischen Beitrag zum Jubiläum Anhalt 800. Aufgenommen wird die Produktion jetzt im Katharinasaal der Zerbster Stadthalle.
Auch Antony Hermus, der Dessauer Generalmusikdirektor (GMD), kommt natürlich rechtzeitig. Hierhin ein gewinkter Gruß, dort ein kleines Schwätzchen, stets gut aufgelegt – wie auch die Musiker. Einige üben noch ein wenig, "streichen" und "blasen" sich ein. Es ist für die Dessauer der zweite Tag in der Zerbster Stadthalle.
Den Musiktraditionen verpflichtet
Insgesamt 26 Mikrofone sind in verschiedenen Höhen und an den Notenpulten zu sehen. Zahlreiche Kabel führen über die Bühne in den hinteren Bereich. Dort wirkt Stephan Reh, selbstständiger Tonmeister aus Köln, umgeben von viel Technik. In Zerbst ist er im Einsatz für das Label CPO. Anlass ist eine CD-Einspielung.
"Wir nehmen an insgesamt drei Tagen die 4. Sinfonie von August Friedrich Martin Klughardt auf", erklärt Antony Hermus. Inzwischen hat sich ergeben, dass es zwei weitere Aufnahmetage für zwei zusätzliche Stücke geben wird, auch von Klughardt.
August Klughardt (1847-1902) war Komponist und Dirigent. Er wurde in Köthen geboren. 1863 zog die Familie nach Dessau, wo er bereits als begabter Pianist debütierte. Schon während seines Studium ab 1866 in Dresden trat er mit ersten Kompositionen an die Öffentlichkeit. Er wirkte als Dirigent in Posen, Neustrelitz, Lübeck und Weimar. Von 1882 bis zu seinem Tod war Klughart Hofkapellmeister in Dessau. Er schrieb fünf Sinfonien, vier Opern und zahlreiche andere Orchesterwerke. Komponiert hat August Klughardt 1897 übrigens auch den in der Zerbster Verlagsbuchhandlung Gast herausgegebenen Festmarsch anlässlich des 500-jährigen Bestehens der Zerbster Schützengilde.
"Wir fühlen uns den Des-sauer Musik-Traditionen verpflichtet", hebt GMD Hermus hervor. Die Anhaltische Philharmonie hatte schon 2009 unter Golo Berg Klughardts 3. Sinfonie als Konzertmitschnitt auf CD aufgenommen.
Dreimal in den Raum geschnippst
"Für uns ist diese aktuelle CD ein künstlerischer Beitrag zum Jubiläum 800 Jahre Anhalt", so Antony Hermus.
Und warum ist gerade die Zerbster Stadthalle Einspielort? Antony Hermus, der Kapellmeister Daniel Carlberg und der Verwaltungsdirektor des Anhaltischen Theaters, Joachim Landgraf, waren vor gut zwei Jahren, unmittelbar nach dem Amtsantritt des neuen GMD, in der Region unterwegs, auf Suche nach Räumlichkeiten für Studioaufnahmen. Auch in Zerbst.
Die Stadthalle hat die Dessauer Gäste erst einmal mit dem tollen Ambiente überrascht. Und die Akustik? "Wenn du ein paar Mal mit den Fingern schnippst, kurz mal rufst, den Widerhall hörst, dir die Wand- und Deckengestaltung anschaust, weißt du, ob der Raum geeignet ist", so der Fachmann Hermus. Und der Katharinasaal der Zerbster Stadthalle wurde für sehr gut geeignet befunden.
Da wusste der GMD noch nicht, dass er vor der jetzigen CD-Produktion mit seinem Orchester eben hier bereits zu einem Konzert aufspielen wird. Diesen begeisternden Konzertabend gab es dann im vergangenen Jahr zur Einweihung des Katharina-Denkmals im Schlossgarten.
Zurück zum jetzigen Aufnahmeprozedere. Um neun Uhr sitzen alle. Antony Hermus etwas erhöht, vor sich die Partitur. Neben ihm das noch nicht leuchtende rote Licht für "Aufnahme". "Erst mal machen wir etwa eine viertel Stunde zum Warmspielen", sagt Antony Hermus. Das ist auch die Zeit, in der der Fotograf einige Bilder machen kann.
Als die rote Lampe aufleuchtet, herrscht völlige Ruhe: "Aufnahme".
Anfang 2012 auf dem Markt
Dann wird gespielt, an den Feinheiten gefeilt, teils wiederholt. Antony Hermus sagt exakt und konkret an, doch stets freundlich und die Musikerinnen und Musiker motivierend. Das mache die Arbeit zwar nicht leichter, erfordere nicht weniger Konzentration, aber es mache eben auch Spaß – nicht nur eine Musiker-Meinung.
Von zwölf bis halb zwei ist Pause. Entspannung und Selbstverpflegung. Was da so alles gegessen und getrunken wird, allein für sich oder in Gruppe, im Saal oder einer Gaststätte, das wäre eine andere, nicht minder interessante Geschichte.
Für Antony Hermus geht es zu Pausenbeginn erst einmal schnell zum Tonmeister Stephan Reh – mal in die Aufnahme hinein hören. "Muss schnell noch die Partitur holen, um etwas abzustimmen", ruft er.
Erscheinen wird die in Zerbst aufgenommene Klughardt-CD der Anhaltischen Philharmonie Dessau Anfang nächsten Jahres, des Jubiläumsjahres Anhalt 800.
13.04.2011, 14:01 | tags:
Anhaltische Philharmonie
, Diverses
892
Pressemitteilung vom 13.04.2011
Himmel auf Erden „Im Anfang …“ – Die Religionen der Welt zu Gast in Luthers Wittenberg
Ein Internationales Musikfestival des spirituellen Gesangs
In der Lutherdekade 2008 bis 2017 feiert Wittenberg das 500jährige Jubiläum von Luthers Thesenanschlag. Das Anhaltische Theater Dessau und der Wittenberg Kultur e.V. veranstalten ein dreijähriges internationales Festival mit herausragenden musikalischen Werken und internationalen Ensembles als Ergänzung und interreligiösem Kontrapunkt zu den Luther-Feierlichkeiten der evangelischen Kirchen. Das Festival steht unter der Schirmherrschaft von
Staatsminister Bernd Neumann, Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien. Die künstlerische Leitung obliegt dem Generalintendanten des Anhaltischen Theaters, André Bücker.
Ausgangspunkt des Festivals „Himmel auf Erden“ ist der spirituelle Gesang und die Frage nach Herkunft, Sein und Zukunft der Religionen.
Im ersten Festivaljahr vom 24. Juni – 3. Juli 2011 stehen die verschiedenen Schöpfungsmythen im Vordergrund. Zu den eingeladenen Ensembles gehören u.a. Kammerorchester Basel, Tölzer Knabenchor, Merseburger Hofmusik, Anhaltische Philharmonie, Universitätschor Halle „Johann Friedrich Reichardt“, Yair Dalal mit dem Orchester l’arte del mondo, Ensemble Sarband, Lautten Compagney Berlin mit Capella Angelica, Barrocade Ensemble mit Profeti della Quinta, Ensemble White Cockatoo Performing Group, Priesterensemble Zen Kuge Ryûgin-kai aus Japan und ein Ensemble aus Indien.
Seit Beginn des Jahres 2011 läuft eine öffentliche Ausschreibung, die dazu einlädt, neue Thesen für das 21. Jahrhundert zu formulieren. Diese werden vertont und auf öffentlichen Plätzen von einem eigens dafür gegründeten Chor gesungen.
Das Festival wird in besonderem Maße von der Kulturstiftung des Bundes gefördert.
Programm, Tickets und Infos unter:
0700 20082017 (0,12 €/min, Mobilfunktarife abweichend)
www.buehnewittenberg.de
09.04.2011, 09:54 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
890
Boris Michael Gruhl, www.musik-in-dresden.de, 04.04.2011
Noch eine Chance für Mutter Erda
Nein, das ist nicht der Ring in einer Kurzfassung, auch wenn die Musik des neuen Balletts von Tomasz Kajdanski, das jetzt am Anhaltischen Theater Dessau uraufgeführt wurde, von Richard Wagner ist. Carlos Kalmar, vormaliger Generalmusikdirektor, hat Motive aus der Tetralogie und dem Vorspiel zusammengefügt. Entstanden ist ein vierteiliges Stück für großes Orchester, dessen Teile jeweils dem Charakter des zugrunde liegenden Werkes folgen.
Kajdanskis Handlung aber folgt nicht der des Wagnerschen Ringes. Im Ballett „Die Nibelungen: Siegfriedsaga“ geht er den Weg mit Siegfried von dessen Eintritt ins tragische Heldenleben bis zu seinem Tod samt tödlicher Trauer, die Rache um Rache gebiert.
Wagners Musik wird nicht „vertanzt“. Weder Rhythmen noch melodische Bögen oder Klangexplosionen wie der Trauermarsch aus der „Götterdämmerung“ und zuvor die galoppierende Kampfmusik der Walküren werden bewegungsmäßig gedoppelt. Der Klang, mitunter auch wie ein guter Filmsound empfunden, sorgt für die emotionale und assoziative Weite der klar strukturierten Erzählung der Siegfried-Geschichte mit den Mitteln des Tanzes.
Es beginnt mit Erdas (Mélanie Legrand) Erschaffung der Welt aus dem Nichts zu den aufsteigenden Klängen des Vorspiels aus „Rheingold“. Die große Bühne des Dessauer Theaters von Dorin Gal ist schwarz und leer. Über eine steile Schräge gelangt man auf die Erde. Auch Siegfried steigt herab. Mit seinen Heldentaten wird er aufsteigen, aber heraus kommt er nicht mehr aus diesem dunklen Schlund. Man wird ihn am Ende heraus tragen, aufgebahrt, erhöht und stilisiert für Geschichtsbücher, Opern und Filme. Der junge Mann selbst stirbt gänzlich einsam.
Das Dessauer Nibelungen-Ballett vermittelt in direkter Erzählweise die Stationen des jungen Siegfried. Jung wird er bleiben. Zunächst wird die Waffe geschmiedet. Die erste Mutprobe, der Kampf mit dem Lindwurm, ist Blutbad und Feuertaufe zugleich. Allein eine Laune der Natur in Form des herabfallenden Lindenblattes verhindert die totale Unsterblichkeit. Nächstes Objekt der Eroberung ist eine Frau. Aber bald schon ist es dem Helden langweilig an Brunhildes Seite (Anna-Maria Tasarz) im kämpferischen Staat der Walküren. Nach dem Sieg über den heimtückischen Alberich (Johan Plaitano) ist der Held perfekt, vergoldet strahlt Siegfried.
Was folgt, ist das Trauerspiel am Hof der Burgunden in Worms am Rhein. Der junge Held wird vollends zum willfährigen Werkzeug im schmutzigen Ränkespiel einer kriminellen politischen Bande an deren Spitze Widerling wie Gunther und Hagen (Joe Monaghan und Juan Pablo Lastras-Sanchez) das Sagen haben. Unter der Tarnkappe, einer weißen Neutralmaske, verliert der Tänzer Gesicht und Persönlichkeit. Siegfried wird zur Kampfmaschine, die mehrfach eroberte Brunhilde mag ebenso für die Tragik ziviler Opfer stehen wie Kriemhild (Yuliya Gerbyna). Dann rollt die sagenhafte Mordmaschine, kein Einhalt für Hauen und Stechen. Am Ende ist die Bühne wieder schwarz und leer, eine verkohlte Ruine, aus deren Löchern unkenntliche Gestalten kriechen. Eine Gestalt, übergroß, in strahlendem Weiß, Madonna, Mutter, Engel schwebt wie ein Gruß aus frommen Wallfahrtsorten über dem gottlosen Unort. Erda lässt es regnen. Noch eine Chance für die Welt.
Eben weil Tomasz Kajdanski seinen jungen Siegfried mit so viel Sympathie ausstattet, weil er ihn so entsetzlich schuldlos schuldig werden lässt, wirkt diese Apotheose der Hoffnung wie ein verzweifeltes Zeichen wider besseres Wissen.
Getanzt wird in der Dessauer Uraufführung vorzüglich. Das ist ein Abend starker, großer Bilder, so phantastisch mit schwebenden Gestalten und so erdverbunden und der Realität geschuldet durch die überzeugenden Persönlichkeiten aller Tänzerinnen und Tänzer der Kompanie. Eine phänomenale Leistung bietet der junge Jonathan Augereau als Siegfried. Mit neoklassisch elegantem Anflug hat er jene unbeschwerte Lässigkeit des zunächst naiven Abenteurers. Kommen dazu Mittel der Kunst des zeitgemäßen Ausdruckstanzes fügt sich eine Charakterleistung von emotionaler Kraft. Augereau vermittelt die tragischen Facetten missbräuchlich verführbarer Einsamkeit eines jungen Mannes. Dafür wird er zurecht inmitten des Ensembles vom Publikum gefeiert.
Viel Applaus auch für das Spiel der Anhaltischen Philharmonie unter der Leitung von Daniel Carlberg. Ein weitestgehend gelungener Vorgeschmack auf die folgende Ring-Produktion ab nächster Saison. Außergewöhnlich beginnt man mit dem Finale. Zunächst mit „Die Götterdämmerung“, die Katastrophe, dann die Tragödie in der Rückschau, bis zum Beginn des reinen Anfangs im „Rheingold“. 2014 soll sich der Dessauer Ring runden.
Weitere Aufführungen: 7.4.; 3., 18., 24.6.
07.04.2011, 19:41 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
, Kurt-Weill-Fest
888
Andreas Hauff, nmz Neue Musikzeitschrift, April 2011
Die Türen sind geöffnet, ein Protagonist betritt die Bühne
Von Dessau aus blickte die 19. Ausgabe des Kurt-Weill-Festes auf „Berlin im Licht"
Durchaus hintergründig ist das Logo des 19. Kurt-WeilI-Festes zu verstehen: Eine Nickelbrille, wie der Komponist sie trug, wirft den Schatten des Brandenburger Tores. "Berlin im Licht" lautet das diesjährige Motto, "Berlin im Licht" hieß ein Song, den Weill im September 1928 für die gleichnamige Werbeveranstaltung der Berliner Gas- und Elektrizitätswerke schrieb, und „Berlin im Licht" hieß Ende der 1980er-Jahre ein Programm des Ensemble Modern unter dem Wiener Dirigenten, Komponisten und Chansonier H.K. Gruber.
Seit Jahren gastiert das Ensemble Modern immer wieder beim Weill-Fest. In diesem Jahr war es sogar als vielköpfiger und vielstimmiger „Artist-in-Residence" zu erleben und nutzte die Gelegenheit, sich an vier Terminen in ganz verschiedenen Facetten zu präsentieren. Auch das alte „Berlin im-Licht-Programm" unter Gruber war wieder zu hören, allerdings mit etwas weniger Weill, dafür einigen politischen Liedern von Hanns Eisler. Man habe sich bemüht, Weill "als Prisma" zu benutzen, erklärte Roland Diry, Klarinettist und Hauptgeschäftsführer des Frankfurter Ensembles, beim einleitenden Festivalcafe. Im Rahmen dieses lebendigen Künstlergesprächs spielte der junge Geiger Filip Michal Saffray Musik für Violine solo von George Antheil, Paul Hindemith und dem deutsch-französischen Geiger Henri Marteau, der 1908 Nachfolger Joseph Joachims an der Berliner Musikhochschule geworden war.
Ein Konzert in der Marienkirche mit der Sängerin und Stimmartistin Salome Kammer kombinierte unter der Überschrift "Nachtgesänge" Schönbergs „Pierrot Lunaire", Eislers „Palmström", Hindemiths „Die junge Magd" und die Suite aus Strawinskys „Geschichte vom Soldaten".
Im Bauhaus schließlich gab es Bläsermusik in Trio- und Quintettbesetzung der Weill Zeitgenossen Zemlinsky, Eisler, Schulhoff, Pavel Haas und Cage unter dem Motto "Round About Weill", Weill als "Türöffner" in die verschiedensten Richtungen, wie Festival-Intendant Michael Kaufmann es nennt, ist sicher eine ausgesprochene Chance und Stärke des Dessauer Festivals.
Man stelle sich einen ähnlich erhellenden Pluralismus bei den Bayreuther Festspielen vor: Wagner plus Brahms im Sinfoniekonzert, „Lohengrin" neben „Genoveva", „Pariser Leben" und der zweite Akt von „Parsifal" , Teile aus dem „Ring" in Verbindung mit Stockhausens „Licht!". Andererseits zeigt der Vergleich mit Bayreuth auch die Dessauer Schwäche.
Undenkbar wäre es, den Musikdramatiker Wagner auf seine Instrumentalwerke und populäre Ausschnitte aus den Opern zu reduzieren. Beim Bühnenkomponisten Weill aber kämpfen die Intendanten des Weill-Festes seit Jahren darum, nicht immer wieder die etablierte „Dreigroschenoper", das „Mahagonny"-Songspiel, die gleichnamige Oper oder die „Sieben Todsünden" zu wiederholen. Doch vor einer Aufführung der übrigen Opern, Operetten und Musicals stand lange Jahre die Zurückhaltung des Anhaltischen Theaters und der New Yorker Kurt Weill Foundation.
So darf man schon als großen Schritt werten, dass diesmal am Anhaltischen Theater nicht nur die Vorjahresproduktion von Weills Broadway-Erfolg „One Touch of Venus" zu sehen war, sondern auch die gewichtige Neuinszenierung einer weiteren Rarität: Intendant André Bücker und GMD Antony Hermus kombinierten Ruggero Leoncavallos beliebten Einakter „I Pagliacci" (auch "Der Bajazzo") mit Weills frühem expressionistischem Einakter „Der Protagonist" von 1924/25 - eine bislang noch nirgends gewagte Zusammenstellung, die nicht nur Repertoirefähigkeit nach dem Festival verheißt, sondern auch den inneren Bezug der beiden Stücke freilegt, In beiden Fällen geht es um die Tötung einer Frau im Affekt durch einen Schauspieler in Aktion.
Während allerdings Canio im „Bajazzo" seine Frau im Rahmen einer Aufführung umbringt, nachdem Tonio ihm ihre Untreue hinterbracht hat, tötet der Protagonist in Georg Kaisers Libretto zu Weills Oper seine eigene Schwester bei einer Probe, während der er sich in krankhafte Eifersucht gesteigert hat.
Und während bei Leoncavallo der Vorhang unmittelbar nach der Tragödie schließt, liefert Kaisers Held noch den zynischen Kommentar eines egomanen Künstlers zu seiner eigenen Tat ab. Kaiser dürfte mit diesem Szenario seinen eigenen Schrecken über den Realitätsverlust eines übersteigerten Expressionismus verarbeitet haben. Weill wiederum kritisiert die dramaturgischen Tricks des italienischen Verismo, wenn er dem Protagonisten am Ende dessen musikalischen Tonfall unterschiebt.
Das Regieteam (mit Ausstatter Oliver Proske und Choreografin Gabriella Gilardi) kam im „Protagonisten" den Intentionen der Autoren sehr nahe und schaffte es zudem, die bei den Stücke auf intelligente Weise zu verklammern. Auch die von den Zeitgenossen bezeugte enorme Bühnenwirksamkeit des Weill'schen Opernerstlings war zu spüren.
Angus Wood kam mit der anstrengenden Titelrolle darstellerisch und sängerisch ausgezeichnet zurecht, und die Anhaltische Philharmonie spielte mit Präzision, Farbenreichtum und Ausdruckswillen, wie man sie auch von renommierteren Orchestern selten hört.
Einen gewichtigen Seitenblick in puncto Musiktheater tat das Festival mit Edmund Nicks Radio-Stück „Leben in dieser Zeit", das als Gastspiel der Staatsoperette Dresden unter dem Dirigat von Ernst Theis zu erleben war. Erich Kästner war 1929 mit einem Hörspielentwurf an die Schlesische Funkstunde Breslau herangetreten. Weill, mit anderen Arbeiten ausgelastet, hatte die Komposition abgelehnt und Nick, den damaligen musikalischen Leiter des Breslauer Senders, empfohlen. Formal eine Kantate für Chor, Solisten und Orchester, inhaltlich ein lebendiges Kaleidoskop aus der Sicht eines kritischen Moralisten, hatte das Hörspiel einen solchen Erfolg, dass der Komponist 1931 eine Konzert- und eine Bühnenfassung anfertigte. Interessanterweise klingen in der Partitur musikalische Stilebenen an, derer sich Weill erst später bediente. Man findet den Chanson-Tonfall, den Weill im Pariser Exil kultivierte, aber auch den amerikanischen Stil der ersten Musicals „Johnny Johnson" und „Knickerbocker Holiday". Sogar das lärmende Großstadt-Szenario von „Street Scene" kündigt sich als Idee bei Nick schon an. Kästners Texte haben sich überdies erstaunlich frisch gehalten. Dass viele Menschen anstelle des Herzen ein Telefon tragen, erscheint im Zeitalter der mobilen Kommunikation sogar noch aktueller.
Dessau als „Wiege der klassischen Moderne" - der Slogan, mit dem die Bauhausstadt seit einer Weile wirbt, bewahrheitet sich immer wieder. Wie es um die Zukunft der Dessauer Kulturlandschaft bestellt ist, bleibt vorerst offen. Hatten im Vorjahr die Blut-und-Tränen-Liste des Oberbürgermeisters und die darauf folgenden Demonstrationen für Nervosität gesorgt, so herrschte diesmal vor den Landtagswahlen die gespannte Ruhe des Abwartens. Der Schlüssel für die Zukunft des Anhaltischen Theaters und damit auch des Weill-Festes liegt bei der neuen Landesregierung.
07.04.2011, 10:17 | tags:
Anhaltische Philharmonie
886
Johannes Killyen, Mitteldeutsche Zeitung, 05.04.2011
Dirigierender Gast hält sich dezent im Hintergrund
Das 6. Sinfoniekonzert der Anhaltischen Philharmonie stellte den Konzertbesuchern Musik von "Guten Nachbarn" vor.
Was für ein Konzertauftakt: Man hatte es sich in den weichen Theatersesseln noch nicht gemütlich gemacht, da fegte ein spätromantischer Sturmwind von der Bühne herauf, dass einem Hören und Sehen vergingen - entfacht von einem 75-köpfigen Orchesterapparat, der im melodischen Bocksprung schon nach 15 Sekunden den Gipfel der Lautstärke erreichte.
Großer Brocken als Vorspeise
Welche unbekannte Tondichtung von Richard Strauss hatte die Anhaltische Philharmonie da nur ausgegraben? Das Programmheft zum 6. Sinfoniekonzert am Freitag gab Auskunft: Es handelte sich um die Konzertouvertüre E-Dur des polnischen Komponisten Karol Szymanowski, ein Frühwerk aus dem Jahr 1904 mit unüberhörbaren Anklängen an den großen Meister der
Breitbandsinfonik. Damit wurde der auch für das Orchester größte Brocken schon als Vorspeise serviert, durchaus wohlschmeckend, aber nicht leicht verdaulich.
Als nach der halsbrecherischen Szymanowski-Ouvertüre Max Bruchs erstes Violinkonzert anhob, das im Normalfall auch als opulent gelten darf, war man erstaunt, wie leise und durchsichtig romantische Orchestermusik klingen kann. Das Orchester hielt sich unter Leitung von Gastdirigent Charles Ollvieri-Munroe eher im Hintergrund und gab die Bühne frei für die Solistin Frederieke Saeijs, eine Holländerin mit Hang zum ungarischen Geigentimbre - das im Bruch-Konzert ja nicht fehl am Platze ist.
Mit ihren süffig ausgespielten Doppelgriffen entfaltete Frederieke Saeijs einen regelrecht sinfonischen Klang; sie ließ die Saiten schnarren und stampfte im Eifer des Gefechts auch mal auf die Bühnenbretter. Dynamik und virtuose Strahlkraft prägten ihr Spiel, dem es dennoch nicht an Präzision, höchstens manchmal an Schlichtheit fehlte.
Letztere lieferte Saeijs in einer solistischen, still entrückten Bach Zugabe nach, an der Barock-Puristen freilich trotzdem das deutliche Vibrato bemängelt hätten. Ziemlich überflüssig war dagegen die zweite Zugabe, eine unglaublich' schwere (und natürlich exzellent gespielte) Soloballade von Eugène Ysaÿe, die für diesen Zweck mit fünf Minuten zu lang war und ob ihres gänzlich anderen Charakters die vorherigen Werke abwertete.
Schwelgen in Dvoráks Klängen
Das Orchester konnte dann nach der Pause in Dvoráks sechster Sinfonie auftrumpfen, die deutlich unbekannter als die siebente, achte oder gar die neunte ("Aus der neuen Welt") ist - aber trotzdem ein herrliches Werk mit einer Fülle edelster Melodien und Erfindungen, wie sie neben Dvorák vielleicht nur Mozart zu komponieren imstande war.
Ein Kompliment an das Orchester, das sich in allen Registern ausgewogen präsentierte, sei vorweggeschickt - nicht nur, weil die Vielzahl der Aufgaben, Dienste und Einsätze in den vergangenen Wochen bemerkenswert ist. Unter Führung von Gastdirigent Olivieri-Munroe zeigte sich zudem, dass die Philharmoniker (anders als in früheren Zeiten) in der Lage sind, auch eigenständig zu agieren.
Der in Tschechien lebende Kanadier hatte offenbar intensiv (wenn auch nicht lang) geprobt, gab dann während des Konzertes aber auffällig wenige Impulse an das Orchester und überließ dieses häufig sich selbst. Dass trotzdem gute Musik dabei herauskam, ehrt die Musikerinnen und Musiker - eine klare Kommunikation Olivieri-Munroes, der als Spezialist für das tschechische Repertoire gilt, hätte gleichwohl für noch mehr Spannung gesorgt. Umso brillanter gelang der Dvorak, wenn der Gastdirigent sich derart ins Zeug legte wie gegen Ende des letzten Satzes. Der Applaus war wie meistens in Dessau lang und herzlich, die fast zeremonielle Ehrung einzelner Musiker durch Olivieri-Munroe eine schöne Geste.
SCRATCH-KONZERT
Fantastische Chorwerke für den 4. Juni
Zum Elbmusikfest zeigt das Anhaltische Theater vom 2. bis 5. Juni eine Werkschau der großen Inszenierungen dieser Spielzeit und lädt nach dem grandiosen Erfolg im vergangenen Jahr mit „Carrnlna burana" wieder Sangesbegeisterte zur Mitwirkung am Scratch-Konzert ein, welches am 4. Juni stattfinden wird. Der Weg ist dabei das Ziel. Mitmachen kann jeder, der Spaß am Singen hat. Ein Vorsingen ist nicht notwendig. Für das diesjährige Scratch-Konzert (zugunsten von Unicef) wurden gleich mehrere fantastische Chorwerke ausgewählt: das Schicksalslied op. 54 von Johannes Brahms, der Gefangenenchor aus „Nabucco" von Giuseppe Verdi (in italienischer Sprache), Kinderchöre aus der Kinderoper „Oskar und die Groschenbande" von Christoph Reuter und das Finale der 9. Sinfonie d-Moll op. 125 von Ludwig van Beethoven. Anmeldeschluss ist der 12. Mai.
Anmeldungen sind an der Theaterkasse im Rathaus-Center oder im Internet unter www.anhaltisches-theater.de/scratch möglich.
07.04.2011, 09:30 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
885
Joachim Lange, Leipziger Volkszeitung, 06.04.2011
Fingerübung für den szenischen Ring
Ballettabend .Die Nibelungen: Siegfriedsage" am Dessauer Theater euphorisch gefeiert
Im Dessauer Theater ist Wagners Musik bei sich zu Hause. Fast jedenfalls. Die Dimensionen des Hauses passen, die Tradition ist noch nicht vergessen, das Orchester in Wagnerform. Und Choreograph Tomasz Kajdanski ist beim Publikum angekommen. Das feierte ihn und seine Tänzer für ihre jüngste Produktion "Die Nibelungen: Siegfriedsage" euphorisch.
Mag sein, dass bei manch einem auch eine geheime Freude darüber mitschwang. dass man in knapp zwei Stunden eine musikalische Zusammenfassung von Wagners Ring geboten bekam, für den man sonst vier Mal ins Theater muss. Von Walkürenritt und Trauermarsch bis Rheinwogen, Waldweben, Flammenzüngeln, Walhalleinmarsch oder finalem Weltenbrand ist alles da. Und obendrein ohne Gefahren für hoch dramatische Abstürze oder heldentenorale Einbrüche. Dafür immer mit dem vollen Ringsound der Anhaltischen Philharmonie unter Daniel Carlberg. Für die ist das eine gute Fingerübung für den in Dessau ja immer noch anvisierten szenischen Ring. Für Kajdanskis Siegfriedsage liefert der von Carlos Kalmar in den 90er Jahren locker gestrickte Ring-Durchlauf den bewegungsfreundlichen Soundtrack. Die Geschichte aber folgt im Wesentlichen der Siegfriedbiographie aus dem Nibelungenlied.
Dorin Gal hat den Raum dafür mit einer beherrschenden Riesenschräge, mit Videoleinwand im Hintergrund kühn und groß gedacht. Die katastrophischen Videos von Angela Zumpe imaginieren eine existenzielle Grundstimmung. Die nur wenig differenzierenden dunklen Kostüme verweisen dezent auf die Sagenwelt, der die Siegfriedstory entlehnt ist.
Aber Kajdanskis Ästhetik ist in sich stimmig, die Bewegungsabläufe folgen einer eigenen narrativen Logik, die Tänzer füllen sie mit Persönlichkeit. Das gilt vor allem für Siegfried (Jonathan Augereau), auch für Hagen (Juan Pablo Lastras-Sanchez), Gunther (Joe Mongahan) sowie die beiden Frauen Brunhilde (Anna-Maria Tasarz) und Kriemhild (Yuliya Gerbyna).
Weil im Ring die Götter, die hier fehlen, zur Balance des Personals gehören, das Leitmotivgeflecht dominieren und unlösbar mit Bildern verbunden sind, ist es ein Risiko, wenn man dann Siegfrieds Jugend mit einem Rheingoldquerschnitt. seine Begegnung mit Brunhilde mit Walkürenmusik, die Brautwerber-Intrige am Hofe von Burgund mit einem Siegfried-Potpourri und seine Ermordung mit dem Götterdämmerungspathos unterlegt. Wem es als Zuschauer nicht gelingt, die von der Musik evozierten Bilder im Kopf abzuschalten, kommt sich vor, als hätte man in seinem Lieblingsfilm Synchronsprecher und Text ausgetauscht. Das Dessauer Publikum war dazu in der Lage.
Weitere Aufführungen: morgen; 3., 18. und am 24.6.; Kartentelefon: 0340 2511 333; www.anhaltisches-theater.de
06.04.2011, 16:20 | tags:
Anhaltische Philharmonie
884
Pressemitteilung vom 06.04.2011
Ecuadorianischer Botschafter besucht Anhaltisches Theater Dessau
Der ecuadorianische Botschafter Jorge Jurado, der seit Anfang März im Amt ist, besucht das Anhaltische Theater am Samstag, 9. April und zählt zu den Gästen des Wunschkonzertes „Ungarischer Abend“, das um 19.30 Uhr im Großen Haus stattfindet. Neben einer Besichtigung der Stadt Dessau führt Generalintendant, André Bücker den Botschafter und seine Freunde über die Bühne, durch den Kostümfundus und die Werkstätten. Jurado trifft bei seinem Besuch außerdem die Solistin Angelina Ruzzafante und GMD Antony Hermus, die im Sommer zusammen mit dem Sinfonieorchester der Stadt Guayaquil, im Rahmen des Internationalen Musikfestivals "Mendelssohnfest - Emancipación del Espíritu" auftreten.
Nachdem in der vergangenen Spielzeit das Wunschkonzert „Frühling in Wien“ auf große Resonanz gestoßen ist, hat das Anhaltische Theater sein Publikum in diesem Jahr eingeladen, das Programm eines „Ungarischen Abends“ mitzugestalten. Nach einschlägigen Werken von Liszt, Kodály und Berlioz stehen im zweiten Teil ungarische Operettenmelodien von Strauß, Lehár, Kálmán und Abraham zur Auswahl, die von Angelina Ruzzafante (Sopran), David Ameln (Tenor) und Wiard Witholt (Bariton) gesungen werden. Als Solisten wirken weiterhin mit: Boris Cepeda (Klavier) und Olga Mishula (Cymbal). Die Anhaltische Philharmonie musiziert unter der Leitung von Daniel Carlberg. Es moderiert Ronald Müller.
Erlös des Konzertes wird zugunsten der Inszenierungen des Zyklus „Der Ring des Nibelungen“ 2012 bis 2015 verwendet.
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Abendkasse und an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 / 2400 - 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 / 2511 - 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr; Mail: kasse@anhaltisches-theater.de.
05.04.2011, 12:08 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
881
Volkmar Draeger, Neues Deutschland, 05.04.2011
Wie Leid leuchtet
Dessau: "Die Nibelungen: Siegfriedsaga"
Maurice Béjart ließ seine geniale Paraphrase auf den Untergang der Nibelungen und Burgunden 1990 mit grandiosem Bild enden: Ein Riss bringt ihr Reich zum Einsturz. Auch Tomasz Kajdanski hält 21 Jahre später in seinem Zugriff auf den Brachialstoff am Anhaltischen Theater Dessau eine imponierende Schlusslösung bereit. Die Schräge, die ihm Dorin Gal als Einstieg der Helden ins Geschehen gebaut hat, splittert auf und gibt leere Fenster frei, aus denen Gestalten hervorquellen, um im selben Moment zu erstarren. Dem todgeweihten Königtum ist eine Zukunft nicht beschieden. Erst Erda, wie sie im wallend weißen Kleid über der Szene schwebt, lässt Hoffnung auf Neubeginn keimen.
Den hat sie im selben Kostüm schon einmal bewirkt: am Anfang aller Zeit, als die Erdgöttin die Welt erschuf. In Dessau tut sie das bei schwarzer Auskleidung von Szene und Proszenium unter einem Video mit blauweißem Urgewölk, daraus Schnee rieselt – bis die Leinwand von Eisschollen bedeckt ist. Mit künstlich langem Arm streicht Erda in ihrem Solo über den Raum, lässt segenspendend das Gewand flattern.
Zierlich, aber stolz schreitet Siegfried in mattem Schwarz mit sexy Lederschurz die Schräge herab. Schon hat er einen Kampf zu bestehen mit Mime, Herr über die geduckt kriechenden Nibelungen. Dem schlafenden Helden legt Erda dann, auch sie nun im Schwarz der Irdischen, jenes unbezwinglich machende Silberschwert auf den Leib. Das möchte ihm Mime abjagen, Siegfried besiegt ihn, erhält Macht in Nibelheim. Über der geröteten Schräge hängt gestaffelt dessen maskiertes Volk.
So beginnt Kajdanski sein zweieinhalbstündiges Opus magnum »Die Nibelungen: Siegfriedsaga«. Anlass war der 150. Geburtstag von Friedrich Hebbels Trauerspiel »Die Nibelungen«, auch die stete Herausforderung durch Wagners Tetralogie, die in Dessau Einzug halten soll. Musik daraus in einer hauseigenen Orchesterfassung trägt den vierteiligen Abend. Auf »Siegfrieds Jugend« zu Musik aus »Das Rheingold« als Einstieg folgt »Siegfrieds erste Liebe« zu Musik aus »Die Walküre« und meint die Begegnung des Recken mit Brunhilde. Hatte er bislang reichlich Tanz zu bewältigen, versorgt ihn Kajdanski im Duett mit der gepanzerten Amazone nochmals mit klassischem Repertoire, wie man es bei ihm eher selten sieht. Zum Walkürenritt liefern sich die Amazonen rasante Scharmützel. Siegfried befällt Angst, er scheint sein Schicksal zu ahnen. Als er Alberich bezwingt, gewinnt er dessen Tarnkappe und Nibelheims Gold: Ein riesiges Tuch erstickt ihn beinah, Erda aber steht bewahrend vor ihm.
»Siegfried zwischen zwei Frauen« zu Musik aus »Siegfried« führt nach Burgund an Gunthers degenerierten Hof. Den schwachen König dominiert Hagen, Juwel ist Kriemhild in ihrer Schönheit: drei von Einsamkeit Zerfressene in grauem Kerker. Ihr Werkzeug wird Siegfried, der sich in Kriemhild verliebt und mit ihr eines der emotional stärksten, technisch schwersten Duos des Abends hat.
Zu Musik aus »Götterdämmerung« dann »Siegfrieds Tod«. Aus einer Tanzsinfonie hohen Anspruchs wird nun packende Dramatik, wenn Hagen Siegfried meuchelt und von Kriemhild gerichtet wird. Brunhilde springt hinterm glutrot lodernden Katafalk des toten Helden in den Rhein. All das taucht Kajdanski in reinen Tanz, verzichtet auf Pantomime und Erzählgestik und fährt auch inszenatorisch seine Tricks auf. Fackeln beleuchten die Szene, bevor eine Regenwand in Bühnenbreite die Schuld zu tilgen sucht und Erda weit hinten auffährt: Lichtblick nicht für diese, wohl aber eine andere Welt.
Was Kajdanski mit nur 15 Tänzern, besonders der Solistenequipe, auf die Bühne wuchtet: ein Meisterstreich. So elegant wie seine Bewegungserfindung ist Gals Ausstattung ganz in Schwarz- und Grautönen. Was Anna-Maria Tasarz als wehrhafte Brunhilde, Yuliya Gerbyna als zarte Kriemhild, Juan Pablo Lastras als schleimiger Hagen leisten, wird nur vom dauertanzenden Siegfried des Jonathan Augereau übertroffen. Zu respektabler Leistung führte Daniel Carlberg die Anhaltische Philharmonie.
Nächste Vorstellung: 7. April.
31.03.2011, 11:23 | tags:
Ballett
, Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
875
Pressemitteilung vom 31.03.2011
Samstag und Sonntag im Anhaltischen Theater
Gleich zwei große Inszenierungen stehen am Wochenende auf dem Spielplan des Anhaltischen Theaters: Am Samstag, 2. April um 17 Uhr wird die neue Ballettinszenierung „Die Nibelungen: Siegfriedsaga“ von Tomasz Kajdanski gezeigt und am Sonntag, 3. April um 17 Uhr „Turandot“.
Kajdanski inszeniert und choreografiert mit „Die Nibelungen: Siegfriedsaga“ einen Ballettabend zu der Musik von Richard Wagner aus „Der Ring des Nibelungen“ in der Orchesterfassung von Carlos Kalmar, der zur Premiere euphorisch gefeiert wurde. Zur Musik von Richard Wagner entstehen beeindruckende Bilder von außergewöhnlicher Intensität. Es spielt die Anhaltische Philharmonie unter der Leitung von Daniel Carlberg.
„Was Kajdanski mit nur 15 Tänzern, besonders der Solistenequipe, auf die Bühne wuchtet, ist sein Meisterstreich“ – so Volkmar Draeger, tanznetz.de, 27.03.2011
Mit „Turandot“, der Oper von Giacomo Puccini, hat Regisseurin Andrea Moses eine der populärsten Opern des 20. Jahrhunderts auf die Dessauer Theaterbühne gebracht: In der packenden Inszenierung geht es um Macht und Machtdemonstration, den ewigen Kampf der Geschlechter und um die große Liebe. Mit viel Ironie und Spielfreude verbindet Andrea Moses die verschiedenen Charakteristika dieses Werkes zu einem Medienspektakel im Turandot´s Riddle Club. Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Generalmusikdirektor Antony Hermus.
„...auf Ensemblemitglieder wie Iordanka Derilova und Sergey Drobyshevskiy in den mörderischen Hauptpartien dürfte manch größeres Haus neidisch schauen.“ – so die FAZ, Oktober 2010
Tickets und Informationen erhalten Sie unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr; Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr; Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
31.03.2011, 09:29 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
874
Joachim Lange, Gießener Allgemeine, 30.03.2011
Tanztheater in Dessau zeigt »Ring«-Querschnitt
Wenn der Siegfried springt statt singt: Beim Tanztheater in Dessau nimmt sich Tomasz Kajdanski für einen musikalischen »Ring«-Querschnitt die Nibelungen vor.
In Dessau ist Wagners Musik bei sich zu Hause. Fast jedenfalls. Die Dimensionen des Hauses passen, die Aufführungstradition ist noch lebendig, ein szenischer »Ring« zum Wagnerjahr immer noch fest im Visier. Da passt es, das Haus-Choreograf Tomasz Kajdanski und seine Tänzer jetzt auch für ihre jüngste Produktion »Die Nibelungen: Siegfriedsaga« geradezu euphorisch gefeiert wurden.
Immerhin gab es eine musikalische Zusammenfassung von Wagners »Ring«, bei dem man zwar auf den Riesenwurm, aber auf keinen der Ohrwürmer verzichten musste. Von Walkürenritt und Trauermarsch bis zu Rheinwogen, Waldweben, Flammenzüngeln, Walhall-Einmarsch und finalem Weltenbrand ist alles da - obendrein ohne Gefahren für hochdramatische Abstürze oder heldentenorale Einbrüche. Dafür immer mit dem vollen »Ring«-Sound der Anhaltischen Philharmonie unter Daniel Carlberg. Für Kajdanskis Siegfriedsage liefert ein von Carlos Kalmar in den 90er Jahren locker gestrickter musikalischer »Ring«-Durchlauf als Orchesterfassung den bewegungsfreundlichen Soundtrack.
Die Geschichte aber folgt nicht Wagner, sondern im Wesentlichen der Siegfriedbiografie aus dem Nibelungenlied. Dorin Gal hat den Raum dafür mit eine beherrschenden Riesenschräge mit Videoleinwand im Hintergrund kühn und groß gedacht. Die verschattet katastrophischen Videos von Angela Zumpe imaginieren eine existenzielle Grundstimmung, die zu wenig differenzierenden dunklen Kostüme verweisen dezent auf die Sagenwelt, der diese Siegfried-Story entlehnt ist.
Natürlich gelingen Kajdanski auch diesmal einige eindrucksvolle Bilder. Wenn beim Kampf mit dem Drachen etwa eine vernetzte Formation von Tänzern als lebendige Skulptur im Hintergrund schwebt, dann erinnert das zwar deutlich an die Bühnenartistik, mit der La Fura dels Baus in Valencia ihre »Ring«-Welt bebildert haben. Sei's drum: Die Ästhetik ist in sich stimmig, die Bewegungsabläufe folgen einer eigenen narrativen Logik und die Tänzer füllen sie durchaus mit ihrer Persönlichkeit. Das gilt für Siegfried (Jonathan Augereau) genauso wie für Hagen (Juan Pablo Lastras-Sanchez) und Gunther (Joe Mongahan) oder die beiden Frauen Brunhilde (Anna-Maria Tasarz) und Kriemhild (Yuliya Gerbyna). Das ist mal entfernter, assoziativer, dann wieder, wie bei der Eroberung Brunhildes durch den als Gunther getarnten Siegfried, auch ganz direkt, nachvollziehbar erzählt, wobei ausgerechnet die Nibelheim-Musik und der Walkürenritt etwas allzu dekorativ bebildert ausfallen.
Göttin Erda (Melanie Legrand) nimmt das Leben, Lieben und Sterben des Helden Siegfried durch spektakuläre Auftritte am Anfang und am Ende sozusagen in ihre Arme, die wie riesige Engelsflügel überhöht sind. Das ist für die Binnendramaturgie des Abends zwar sinnvoll, verweist aber auch auf dessen grundsätzliches Problem. Weil gerade im »Ring« die Götter, die hier fehlen, zur Balance des Personals gehören, vor allem aber das Leitmotivgeflecht dominiert und exemplarisch geradezu unlösbar mit bestimmten szenischen Bildern verbunden ist, ist es ein Risiko, wenn man dann Siegfrieds Jugend mit einem »Rheingold«-Querschnitt, seine Begegnung mit Brunhild mit Walküren-Musik, die Brautwerber-Intrige am Hofe von Burgund mit einem »Siegfried«-Potpourri und seine Ermordung mit dem Pathos der »Götterdämmerung« unterlegt.
Wem es als Zuschauer nicht gelingt, die von der Musik evozierten »Ring«-Bilder im Kopf abzuschalten, der kommt sich vor, als hätte man in seinem Lieblingsfilm die Synchronsprecher und den Text ausgetauscht. Das Dessauer Publikum war dazu in der Lage.
30.03.2011, 17:01 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
872
R. Erkens, Opernglas, April 2011
DESSAU
Der Protagonist / Pagliacci
Zum Auftakt des diesjährigen Kurt-Weill-Festes in Dessau präsentierte die Festivalleitung in Kooperation mit dem Anhaltischen Theater eine ungewöhnliche, aber höchst spannungsreiche Kombination zweier Kurzopern: Weills Operndebüt „Der Protagonist“, 1926 unter Fritz Busch in Dresden uraufgeführt, eröffnete den Premierenabend, gefolgt von Leoncavallos Repertoireklassiker „Pagliacci“. Der unterschiedliche Bekanntheitsgrad der Werke sticht sogleich ins Auge und legt die Vermutung nahe, dass hier der alte dramaturgische Kniff angewendet wurde, durch ein populäres Werk im zweiten Teil des Abends das Publikum bei der Stange zu halten und das Risiko leerer Sitzreihen zu verringern. Andere, stilistisch geschlossenere Kombinationsvarianten mit dem „Protagonisten“ wären mithin denkbar: Etwa Busonis „Arlecchino“, in dessen kompositorischem wie musikdramaturgischem Fahrwasser Weill eben auch schwimmt, oder mit seiner eigenen Ergänzung, die er zusammen mit dem Dramatiker Georg Kaiser zwei Jahre später für Leipzig komponiert hat, nämlich der komischen Oper „Der Zar lässt sich fotografieren“.
Doch ausschlaggebend waren für die Verantwortlichen wohl inhaltliche Bezüge, die in den Werken Weills und Leoncavallos vorhanden sind und die in verblüffender Deutlichkeit in dieser Produktion zutage traten. Das machte den Abend sehenswert. Die Werke allerdings gemäß ihrer historischen Entstehung aufzuführen, hätte dem Abend einen weitaus höheren intellektuellen Reiz verliehen. Denn was bei Leoncavallo in veristischer Ausdruckästhetik endet, ist bei Weill ins Pathologisch-Moderne gewendet. Die Zuschauer nach einem solchen Schlussbild aus dem Theater gehen zu lassen, wäre die raffiniertere, möglicherweise auch ergreifendere Variante gewesen.
Regisseur Andre Bücker unterstrich die Verbindungslinien beider Stücke durch das Bild des Todes, das hinter der Schauspielermaske hervorlugt. Das mit (zu) vielen kleindimensionierten Spielereien ausgestattete Bühnenbild von Oliver Proske bot einen sicheren Rahmen, wobei die Symbiose von Bühnenraum und Personenregie in den „Pagliacci“ weitaus besser glücken wollte als im „Protagonisten“. Besonders die Theater-auf dem-Theater-Szenen bei Weill, zwei recht langatmige Pantomimen, gerieten zur derben Klamotte ohne rechten Witz und Charme, eingeengt in kleine Spielkammern, in denen die Effekte häufig verkümmerten. Der Funke wollte nicht zum Publikum überspringen. Bei Leoncavallo dagegen sollte dann alles passen, sowohl der Klamauk zwischen Colombina und Arlecchino (mit schönem tenoralen Glanz gesungen von David Ameln) wie die (wiederum kleindimensionierte) Überraschung eines sich plötzlich drehenden Esstisches.
Zwei Stücke also mit gleicher Aussage und gleichem Ausgang:
Für diese vereinheitlichende Lesart variierte der Regisseur auch das Schlussbild der „Pagiiacci“, indem Silvio (wie der junge Herr im „Protagonisten“ neben der Schwester) neben der erstochenen Nedda bestürzt niederkniet und nicht von Canio erstochen wird. Wiard Witholt verkörperte in beiden Werken die Rolle des jungen Geliebten mit weichem, lyrischem Bariton. Überhaupt lag der größte Reiz bei der Suche nach Gemeinsamkeiten in der analogen Besetzung der Partien, soweit dies stimmtechnisch möglich erschien. lordanka Derilova in den Rollen Schwester / Nedda konnte dabei sowohl stimmlich wie auch darstellerisch vollends überzeugen. Farbenreich, kräftig und zugleich geschmeidig ist ihr Sopran, der es ihr erlaubte, beide Partien mit ihren unterschiedlichen Anforderungen schön und interessant zu gestalten.
Die Männer an ihrer Seite konnten da nicht ganz mithalten.
Angus Wood, der im ersten Teil die Partie des Protagonisten übernahm, mangelte es noch an Darstellungsvermögen, wie es diese Rolle erfordert. Sein Tenor ist bei leichtem Verlust der Strahlkraft in den Höhenlagen zuverlässig, zeigte aber wenig Fähigkeit zur charismatischen Interpretation. Die sich ins Pathologische steigernde Eifersucht, durchmischt mit inzestuöser Fixierung auf die Schwester, wurde nicht ausreichend ausgespielt. Darstellerisches Feuer besaß dagegen Sergey Drobyshevskiy als Canio fast im Übermaß: Sein Monolog "Recitar!. .. Mentre preso dal delirio" wurde zum musikdramatischen Höhepunkt des Abends, da er die Tragik der Situation schauspielerisch meisterlich bewältigte und einen sicheren Instinkt für den großen veristischen Stimmausbruch hat. Schade nur, dass er durch mangelnde Präzision weniger exponierte Passagen verschluderte.
In den Rollen des Wirts und des Tonio war Ulf Paulsen zu hören. Am Pult der Anhaltischen Philharmonie stand GMD Antony Hermus, der lebendig und mit sicherem Niveau den Premierenabend leitete.
30.03.2011, 12:02 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
869
Joachim Lange, kultiversum.de, 29.03.2011
Siegfriedsaga
Tomasz Kajdanski erzählt die Geschichte von Siegfried zu einem Musikzusammenschnitt des kompletten Nibelungenringes: Ohne Gesang, aber mit Tanz.
Beschreibung:
Bei dieser «Siegfriedsaga» musste man zwar auf den Riesenwurm, aber auf keinen der Ohrwürmer aus Wagners «Ring» verzichten. Von Walkürenritt und Trauermarsch bis zu Rheinwogen, Waldweben, Flammenzüngeln, Walhalleinmarsch oder finalem Weltenbrand ist alles da. Und obendrein ohne Gefahren für hochdramatische Abstürze oder heldentenorale Einbrüche, weil dazu nicht gesungen, sondern getanzt wird. Die Anhaltischen Philharmonie unter Daniel Carlberg steuert den von Carlos Kalmar in den 90er Jahren locker gestrickten musikalischen Ring-Durchlauf als bewegungsfreundlichen Soundtrack bei.
Die Geschichte aber folgt nicht Wagner, sondern im Wesentlichen der Siegfriedbiographie aus dem Nibelungenlied. Dorin Gal hat den Raum dafür mit einer beherrschenden Riesenschräge mit Videoleinwand im Hintergrund kühn und groß gedacht. Die verschattet katastrophischen Videos von Angela Zumpe evozieren eine existenzielle Grundstimmung, die (zu) wenig differenzierenden dunklen Kostüme verweisen dezent auf die Sagenwelt, der diese Siegfriedstory entlehnt ist.
Natürlich gelingen Kajdanski auch diesmal einige eindrucksvolle Bilder. Wenn beim Kampf mit dem Drachen eine vernetzte Formation von Tänzern als lebendige Skulptur im Hintergrund schwebt, dann erinnert das zwar deutlich an die Bühnenartistik, mit der La Fura dels Baus in Valencia ihre Ringwelt bebildert haben. Aber seis drum: Die Ästhetik ist in sich stimmig, die Bewegungsabläufe folgen einer eigenen narrativen Logik und die Tänzer füllen sie durchaus mit ihrer Persönlichkeit. Das gilt für Siegfried (Jonathan Augereau) genauso wie für Hagen (Juan Pablo Lastras-Sanchez) und Gunther (Joe Mongahan) oder die beiden Frauen Brunhilde (Anna-Maria Tasarz) und Kriemhild (Yuliya Gerbyna). Das ist mal entfernter, assoziativer, dann wieder, wie bei der Eroberung Brunhildes durch den als Gunther getarnten Siegfried, auch ganz direkt, nachvollziehbar erzählt, wobei ausgerechnet die Nibelheim-Musik und der Walkürenritt etwas allzu dekorativ bebildert ausfallen.
Göttin Erda (Melanie Legrand) nimmt das Leben, Lieben und Sterben des sprichwörtlichen Helden Siegfried durch spektakuläre Auftritte am Anfang und am Ende sozusagen in ihre Arme, die wie riesige Engelsflügel überhöht sind. Das ist für die Binnendramturgie des Abends zwar sinnvoll, verweist aber auch auf dessen grundsätzliches Problem. Weil gerade im Ring die Götter, die hier fehlen, zur Balance des Personals gehören, vor allem aber das Leitmotivgeflecht dominiert und exemplarisch unlösbar mit szenischen Bildern verbunden ist, ist es ein Risiko, wenn man dann Siegfrieds Jugend mit einem Rheingoldquerschnitt, seine Begegnung mit Brunhilde mit Walkürenmusik, die Brautwerber-Intrige am Hofe von Burgund mit einem Siegfried-Potpourri und seine Ermordung mit dem Götterdämmerungspathos unterlegt.
Bewertung:
Das Dessauer Publikum feierte den Haus Choreographen Tamasz Kajdanksi und seine Tänzer geradezu euphorisch. Wem es allerdings (wie dem Rezensenten) nicht gelingt, die von der Musik evozierten Ring-Bilder im Kopf abzuschalten, der kommt sich vor, als wäre er im falschen Film.
29.03.2011, 14:44 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
, Finanzen
868
Udo Badelt, Opernwelt, April 2011
Berlin, Paris, New York
Das Kurt Weill Fest in Dessau will die Stationen seines Namenspatrons verfolgen
Dieser Platz trägt seinen Namen zu Recht: Stille herrscht auf dem Friedensplatz vor dem Anhaltischen Theater. Die gleiche Stille, die inzwischen in so vielen ostdeutschen Klein- und Mittelstädten zur Regel geworden ist. Auch Dessau ist zu groß für diejenigen, die geblieben und nicht nach Bayern oder Baden-Württemberg abgewandert sind. Abends belebt sich der Platz, Taxis kommen an, später erhellt ein Feuerwerk den Nachthimmel. Das Kurt Weill Fest wird eröffnet, und plötzlich merkt man, dass es in Dessau sehr wohl noch eine Stadtgesellschaft, ein Kulturbürgertum gibt.
Seit 1993 feiert es seinen berühmten Sohn - und versichert sich damit auch der eigenen Geschichte und Identität. Weill hat in Dessau nur die ersten 17 Jahre seines Lebens verbracht, bevor er nach Berlin ging, um Musik zu studieren. Im Nationalsozialismus spielt er als Jude natürlich keine Rolle, zumal er Deutschland früh verlassen hat. Aber auch in der DDR war er vergessen – verdrängt vom alles überschattenden Hanns Eisler. Erst nach der Wende hat man sich an ihn erinnert. Jetzt, nach Ende der Intendanz von Johannes Felsenstein, entfaltet sich das Weill-Fest mit neuer Energie. André Bücker ist Nachfolger Felsensteins und Michael Kaufmann, Ex-Intendant der Essener Philharmonie, Intendant des Festes.
Und doch stellt sich die Frage: Wie lange kann Kurt Weill allein das zehntägige Festival tragen? Schon jetzt versucht Kaufmann, den monothematischen Zuschnitt zu weiten. Mit dem Motto „Berlin im Licht“ unternimmt er einen ersten Schritt aus der Dessauer Nabelschau. Das Motto spielt auf einen Song an, den Weill 1928 anlässlich einer Beleuchtungsausstellung in Berlin geschrieben hat. Kaufmann will sukzessive die drei wichtigsten Stationen von Weills Leben in den Mittelpunkt stellen. 2012 soll Paris folgen, 2013 New York, wo Weill eine zweite Karriere als Musical-Autor gelang. Was kommt danach? Kaufmann ist nicht bange. „Als Festivalmacher“, sagt er, „ist es unsere Aufgabe, Geschichten zu erzählen. Es geht darum, vernünftige Kontexte herzustellen. Ich denke nicht, dass uns da der Stoff ausgeht.“ Künftige Kontexte deutet er nur an: etwa die Frage, warum Weill immer wieder zur Bühne zurückgekehrt ist und mit dem entstehenden Rundfunk eher wenig anfangen konnte - und inwiefern das bei der Interpretation heutiger medialer Tendenzen hilfreich sein kann.
Mit 570 000 Euro ist das Budget wahrlich bescheiden. Beachtlich, was damit auf die Beine gestellt wird: ein differenziertes Programm aus zwei Opern- und einer Musical-Aufführung, Konzerten der Anhaltischen Philharmonie und des Ensemble Modern, Familienkonzerten, Aufführungen von Filmen aus dem Berlin der 20er Jahre und Raritäten, etwa ein Konzert, das die Orgelfugen Johann Sebastian Bachs mit denen des Bauhausmeisters Lyonel Feininger kontrastiert. Beachtlich auch die Eröffnungspremiere im Anhaltischen Theater. Sie lässt vermuten, dass hier ein ganzes Haus hinter dem Festival steht. Weill schrieb seine erste Oper „Der Protagonist“ auf ein Libretto von Georg Kaiser. Sie wurde 1926 uraufgeführt und ist nur knapp eine Stunde lang. Andre Bückers Idee, sie mit Leoncavallos „Bajazzo“ zusammenzuspannen, ist bestechend. Nicht nur, weil der „Bajazzo“ aus der ewigen Ehe mit Mascagnis „Cavalleria rusticana“ befreit wird, sondern auch, weil die inhaltlichen Parallelen zwischen den im Abstand von rund 30 Jahren entstandenen Stücken frappant sind. Beide spielen Theater im Theater; in bei den wird die weibliche Hauptfigur aus Eifersucht von ihrem Bruder (Protagonist) bzw. Ehemann (Bajazzo) umgebracht.
Mit Verve und vollem Einsatz werfen sich Dessaus GMD Antony Hermus und die Anhaltische Philharmonie in Weills unablässig nach vorn treibende Klänge, die voller rasch aufeinanderfolgender Farb- und Stimmungswechsel sind, durchzuckt von dumpf-bedrohlichen Paukenschlägen und punktierten ostinaten Figuren. Eine Musik, die nicht schwelgt - anders als der metallisch timbrierte Sopran von lordanka Derilova, die in bei den Stücken die weibliche Hauptrolle mit Bravour ausfüllt. Angus Wood, der eifersüchtige Protagonist, ist dagegen ein zu freundlicher Mann. Der Wahnsinn seiner Figur wird zu keiner Sekunde so glaubhaft wie bei Sergey Drobyshevskiy als Canio im „Bajazzo“. Andre Bücker zeigt erneut, dass er als Regisseur ein Händchen für Personenführung hat.
Denkt Kaufmann angesichts der Weill-Kompetenz, die dieser Abend unter Beweis gestellt hat. über Kooperationen mit anderen Stadttheatern nach 7 Vorstellen kann er sich das gut, sagt er. Aber jetzt, im Frühstadium der Intendanz von Andre Bücker, sei es wichtig, dass dieser erst einmal dem Haus ein eigenes Profil verleiht. Anders als das Theater ist das Kurt Weil Fest nicht direkt betroffen von der großen Spardebatte, die Dessaus Oberbürgermeister Klemens Koschig vor einem Jahr vom Zaun gebrochen hat und die immer noch anhält. Das Fest wird größtenteils von Sachsen-Anhalt und nur zu einem geringen Teil von der Stadt bezuschusst. Bedrohlich ist die Lage dennoch, denn auch dem Land geht es schlecht. In seiner Eröffnungsrede hat Ministerpräsident Wolfgang Böhmer mal wieder laut darüber nachgedacht. Gelder an den Publikumszuspruch zu binden. Kaufmann schüttelt es natürlich angesichts solcher Ideen. Denn sie laufen darauf hinaus, dass bald landauf, landab nur noch die „Zauberflöte“ gezeigt wird. „Leider sind es meist gerade die Kulturfreunde, die schweigen“, sagt er. „Sie müssen begreifen, dass es um ihr kulturelles Erbe geht, aber dass sie dafür auch etwas tun müssen.“ Deshalb hält er die Debatte in Dessau auch für 50 wichtig. Deutschland wird geprägt von Städten dieser Größe. Ein Modellfall also.
28.03.2011, 17:42 | tags:
Anhaltische Philharmonie
867
Pressemitteilung vom 28.03.2011
6. Sinfoniekonzert „Gute Nachbarn“
Am Donnerstag, 31. März und am Freitag, 1. April jeweils um 19.30 Uhr lädt das Anhaltische Theater zum sechsten Sinfoniekonzert ein. Das Motto des Abends „Gute Nachbarn“ zum Anlass nehmend, ist das Publikum eingeladen, einen/e Nachbarn/in oder Freund/in mit ins Konzert zu bringen. Die Besucher können einmalig für die Konzerte am Donnerstag und am Freitag ein Extra-Ticket zu jeweils 8, - EURO erwerben. Die Tickets erhalten Sie im Vorfeld an den Theaterkassen.
Auf dem Programm stehen Werke von Karol Szymanowski, Max Bruch und Antonín Dvořák.
Die Anhaltische Philharmonie spielt unter der Leitung von Charles Olivieri-Munroe. Der junge Dirigent stammt aus Kanada, lebt seit vielen Jahren in Prag und entwickelte sich zu einem Spezialisten in Sachen tschechischer Musik.
Mit der ebenfalls jungen holländischen Geigerin Frederieke Saeijs konnte nicht nur eine ideale Interpretin für Max Bruchs Violinkonzert in g-Moll gewonnen werden, sondern auch eine tolle Ausbilderin für junge Musikschüler. Im Rahmen der Kooperation mit der Musikschule Dessau-Roßlau werden Schüler bereits die Hauptprobe am Mittwoch, 30.3. um 19 Uhr besuchen und im Anschluss daran an einem Workshop mit der jungen Geigerin teilnehmen.
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Abendkasse und an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 / 2400 - 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr; sowie über die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 / 2511 - 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr; Mail: kasse@anhaltisches-theater.de.
28.03.2011, 12:28 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
866
Helmut Rohm, Volksstimme, 28.03.2011
Uraufführung am Anhaltischen Theater Dessau
Außergewöhnliches Ballettereignis in fantasievollen Bildern
Es ist an sich angeraten, mit Superlativen sorgsam und differenziert umzugehen. Für die jüngste Ballettproduktion am Anhaltischen Theater Dessau jedoch sind hohe Lobpreisungen durchaus berechtigt, nahezu unumgänglich. In der Choreografie und Inszenierung von Ballettchef Tomasz Kajdanski kam am Freitag "Die Nibelungen: Siegfriedsaga" auf die Bühne des Großen Hauses.
In dieser Form ist es eine Uraufführung, ein sehr gelungenes Experiment dazu: Der monumentale Wagner in musikalischer Kurzfassung und als Ballett. Dessau hatte einst den Ruf als "Bayreuth des Nordens". In den letzten Jahren wurde mit erfolgreichen Wagner-Opernaufführungen an der "Reinkarnation" gewirkt.
Als musikalische Grundlage wählte Kajdanski die 90-minütige konzertante Fassung "Ring ohne Worte" des früheren Dessauer GMD Carlos Kalmar mit Musik aus "Das Rheingold", "Die Walküre", "Siegfried" und "Götterdämmerung".
Die Anhaltische Philharmonie unter Daniel Carlberg präsentiert diese Musik mit viel Hingabe und facettenreicher Differenziertheit. Wagner fürs Ohr mit einem Aha für bisher vielleicht Distanzierte und gleichsam bestätigend für den "eingefleischten" Wagnerianer.
Als sich die Bühne auftut, ist der Zuschauer auch optisch in den Bann gezogen. Es entsteht eine Wirkung, die über das gesamte Stück mit hoher Konzentration und steter Spannung anhält."Alles ist dunkel und aus dem Nichts erschafft Erda, die Erdgöttin, die Welt. Das Leben beginnt", wird im sehr gut aufführungsbegleitenden Programmheft der Weltenanfang, auch der des Balletts, beschrieben. Erda (Melanie Legrand überzeugend) in einem faszinierenden weißen, wehenden, eben göttlichen Kostüm, eröffnet mit einem emotional beeindruckendem Tanz die Erlebniswelt des Ballettabends.
In fantasievollen Bildern (Bühne und Kostüme Dorin Gal), einschließlich effektvollem Technikeinsatz, lässt Tomasz Kajdanski seine Zuschauer den jungen, mutigen und mit schier übermenschlichen Kräften ausgestatteten Helden Siegfried auf dessen wesentlichen Lebensstationen begleiten und ihn bei Abenteuern erleben.
Der Choreograf setzt vor allem auf Symbolhaftigkeit. Handlungen werden oft nur angedeutet. Siegfrieds golden glänzendes Schwert ist Handlungsrepräsentant. Die prägnante Darstellung im Programmheft ist hilfreich, um die Figuren schnell zu erkennen. So kann sich der Zuschauer ganz der tänzerischen Umsetzung hingeben und Ballett vom Feinsten genießen.
Tomasz Kajdanski schafft eine kongeniale Gesamtwirkung von Musik und Handlung. Er setzt voll auf die Stärke und das Können seiner Kompanie im Team und insbesondere auf die jungen Solistinnen und Solisten. Klassischer Tanz in Perfektion von allen, gepaart mit individuellen Ausdrucksstärken, prägen dieses Ballett.
Jonathan Augerau brilliert als Siegfried. Anna-Maria Tasarz (Brunhilde) und Yuliya Gerbyna (Kriemhild) verkörpern Frauen mit Gefühlen und Leidenschaften. Hagen (Juan Pablo Lastras-Sanchez) und Gunther (Joe Monghan) sind in den Turbulenzen um Siegfrieds Tod in voller Aktion. Rai Kirchner ist als Mime und Johan Plaitano als Alberich zu erleben.
Die Inszenierung beeindruckt ebenso durch aktionsreiche Massenszenen. Besonders eindrucksvoll sind die an asiatische Kampfspiele angelehnten Sequenzen. Zum Schluss geht "alles den Berg runter". Doch die Hoffnung auf die Erneuerung der Welt bleibt?!
Tosender langanhaltender Beifall, Bravorufe zuhauf - Dessau ist um ein außergewöhnliches Balletterlebnis reicher.
27.03.2011, 23:09 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
865
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 28.03.2011
Mit Schwert und Schleier
Alles beginnt im Eis - und es endet mit Feuer und Regen. Der Krieger, der am Anfang sein Schwert aus der Hand einer Göttin empfangen hat, wird am Ende von der Hand eines Menschen erschlagen. Und aus der Erde, in die man ihn bettet, kriecht ein neues Geschlecht - ein neuer Anfang?
Für seine Deutung der "Nibelungen" konzentriert sich der Dessauer Ballett-Chef Tomasz Kajdanski ganz auf die "Siegfriedsaga" - und bedient sich dabei der Musik aus Richard Wagners "Ring", die der frühere Dessauer Generalmusikdirektor Carlos Kalmar in den 90er Jahren in eine reine Orchesterfassung gebracht hat. Das ist insofern gewagt, als in der Oper ja die Götter eine entscheidende Rolle spielen, deren Sphäre im Ballett nur noch durch Erda, Alberich und Mime vertreten ist. Dass die Konzentration auf die Welt der Menschen dennoch große Attraktivität entfalten kann, zeigte der begeisterte Premieren-Applaus am Freitag.
Den verdient sich die Compagnie mit berückend schönen Bildern: Das Ringen zwischen Brunhilde und Siegfried zeigt den unmittelbaren Umschlag von Gewalt in Erotik, während die Begegnung des Helden mit Kriemhild eher die sanfte Seite der Liebe assoziiert. Die Reaktion von Hagen und Gunther auf den Einbruch des Fremden in ihre enge, höfische Welt schwankt zwischen Faszination und Abwehr, der Schwertschwur der Männer nimmt die kommende Katastrophe vorweg. All dies grundiert Dorin Gal mit Projektionen, die den Horizont hinter einer großen Schräge begrenzen - und stattet es mit Kostümen aus, die an das archaische Futur von "Star Wars" erinnern.
Ein Mann zwischen zwei Frauen
Dass der Kampf mit dem Drachen allzu nah an das "Rheingold"-Finale der legendären Inszenierung von La Fura dels Baus herankommt, an der man heutzutage kaum noch vorbeikommt - geschenkt. Schwieriger scheint die zeitliche Forcierung des Finales nach der epischen Breite des Beginns: Von Brunhildes Ankunft in Worms bis zu Kriemhilds Rache wird das Drama wie im Zeitraffer erzählt, die Geschichte rast auf ihr Ende zu. Doch damit wird wohl zugleich das erzählerische Interesse des Choreografen deutlich: Ihm geht es um einen Mann, der zwischen zwei sehr unterschiedlichen Frauen steht - und am Ende an der Rivalität der beiden zugrunde geht. Was Kajdanski dabei besonders markant herausarbeitet, ist die Einsamkeit aller Figuren: Die Nibelungen ist eine Geschichte der großen Einzelnen, jedes Gefühl und jede Gemeinschaft birgt hier zugleich Gefahr - ein frappierend moderner Blick auf eine untergegangene Welt.
Erda (Melanie Legrand) ist dabei sowohl elegante Spielmacherin als auch mitleidende Augenzeugin, während sich Alberich (Johan Plaitano) und Mime (Rai Kirchner) vergeblich gegen die Kraft des Drachentöters stemmen. Jonathan Augereau tanzt diesen Siegfried mit jugendlicher Vitalität und verführerischer Geschmeidigkeit, der sowohl Brunhilde (Anna-Maria Tasarz) als auch Kriemhild (Yuliya Gerbyna) erliegen. Doch dies bleibt die einzige Gemeinsamkeit zwischen der dunklen, großen Walküre aus dem Norden und der helleren, kleineren Königstochter vom Rhein: Erst über ihre in Athletik und Ausdruck sehr verschiedenen Sprachen definiert sich Siegfried, im Widerstand der Einen wie in der Hingabe der Anderen findet er zu sich selbst. Auf männlicher Seite markieren Gunther (Joe Monaghan) und Hagen (Juan Pablo Lastras-Sanchez) ähnlich unterschiedliche Charaktere, so dass eine Symmetrie der Geschlechter entsteht.
Dass es schwer sein würde, eine Gruppe in dieses Tableau zu integrieren, war abzusehen. Kajdanski gelingt es - beispielsweise im Walkürenritt oder in der von einer Zeugentribüne gekrönten Mordszene - dennoch immer wieder. Und man darf darüber staunen, wie gut diese Compagnie im zweiten Jahr ihres Bestehens inzwischen zusammengewachsen ist. Die Synchronizität und das Ebenmaß der Bewegungen zeigen sich nun auch in einer eher klassizistischen Formensprache.
Blech-Fraktion hat Probleme
Von der Anhaltischen Philharmonie unter der Leitung von Daniel Carlberg lässt sich das allerdings nur sehr bedingt sagen. Nach dem grandiosen Eindruck der jüngsten Vergangenheit hört man diesmal doch deutliche Probleme, namentlich die von Wagner besonders geforderte Blech-Fraktion zeigt eher Nerven als Muskeln. So ist der optische Eindruck dieser mit Schwert und Schleier ausgefochtenen Tragödie besser als der akustische. Den Jubel trübt das aber nicht.
Nächste Vorstellungen: 2. April, 17 Uhr; 7. April, 16 Uhr
27.03.2011, 18:52 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
864
Boris Michael Gruhl, tanznetz.de, 27.03.2011
Noch eine Chance für Mutter Erda
Ein Nibelungen-Ballett mit Musik von Wagner in Dessau
Nein, das ist nicht der Ring in einer Kurzfassung, auch wenn die Musik des neuen Balletts von Tomasz Kajdanski, das jetzt am Anhaltischen Theater Dessau uraufgeführt wurde, von Richard Wagner ist. Carlos Kalmar, vormaliger Generalmusikdirektor, hat Motive aus der Tetralogie und dem Vorspiel zusammengefügt. Entstanden ist ein vierteiliges Stück für großes Orchester, dessen Teile jeweils dem Charakter des zugrunde liegenden Werkes folgen.
Kajdanskis Handlung aber folgt nicht der des Wagnerschen Ringes. Im Ballett „Die Nibelungen: Siegfriedsaga“ geht er den Weg mit Siegfried von dessen Eintritt ins tragische Heldenleben bis zu seinem Tod samt tödlicher Trauer, die Rache um Rache gebiert. Wagners Musik wird nicht „vertanzt“. Weder Rhythmen noch melodische Bögen oder Klangexplosionen wie der Trauermarsch aus der „Götterdämmerung“ und zuvor die galoppierende Kampfmusik der Walküren werden bewegungsmäßig gedoppelt. Der Klang, mitunter auch wie ein guter Filmsound empfunden, sorgt für die emotionale und assoziative Weite der klar strukturierten Erzählung der Siegfried-Geschichte mit den Mitteln des Tanzes.
Es beginnt mit Erdas (Mélanie Legrand) Erschaffung der Welt aus dem Nichts zu den aufsteigenden Klängen des Vorspiels aus „Rheingold“. Die große Bühne des Dessauer Theaters von Dorin Gal ist schwarz und leer. Über eine steile Schräge gelangt man auf die Erde. Auch Siegfried steigt herab. Mit seinen Heldentaten wird er aufsteigen, aber heraus kommt er nicht mehr aus diesem dunklen Schlund. Man wird ihn am Ende heraus tragen, aufgebahrt, erhöht und stilisiert für Geschichtsbücher, Opern und Filme. Der junge Mann selbst stirbt gänzlich einsam.
Das Dessauer Nibelungen-Ballett vermittelt in direkter Erzählweise die Stationen des jungen Siegfried. Jung wird er bleiben. Zunächst wird die Waffe geschmiedet. Die erste Mutprobe, der Kampf mit dem Lindwurm, ist Blutbad und Feuertaufe zugleich. Allein eine Laune der Natur in Form des herabfallenden Lindenblattes verhindert die totale Unsterblichkeit. Nächstes Objekt der Eroberung ist eine Frau. Aber bald schon ist es dem Helden langweilig an Brunhildes Seite (Anna-Maria Tasarz) im kämpferischen Staat der Walküren. Nach dem Sieg über den heimtückischen Alberich (Johan Plaitano) ist der Held perfekt, vergoldet strahlt Siegfried. Was folgt ist das Trauerspiel am Hof der Burgunden in Worms am Rhein. Der junge Held wird vollends zum willfährigen Werkzeug im schmutzigen Ränkespiel einer kriminellen politischen Bande, an deren Spitze Widerlinge wie Gunther und Hagen (Joe Monaghan und Juan Pablo Lastras-Sanchez) das Sagen haben. Unter der Tarnkappe, einer weißen Neutralmaske, verliert der Tänzer Gesicht und Persönlichkeit. Siegfried wird zur Kampfmaschine, die mehrfach eroberte Brunhilde mag ebenso für die Tragik ziviler Opfer stehen wie Kriemhild (Yuliya Gerbyna). Dann rollt die sagenhafte Mordmaschine, kein Einhalt für Hauen und Stechen. Am Ende ist die Bühne wieder schwarz und leer, eine verkohlte Ruine, aus deren Löchern unkenntliche Gestalten kriechen. Eine Gestalt, übergroß, in strahlendem Weiß, Madonna, Mutter, Engel schwebt wie ein Gruß aus frommen Wallfahrtsorten über dem gottlosen Unort. Erda lässt es regnen. Noch eine Chance für die Welt.
Eben weil Tomasz Kajdanski seinen jungen Siegfried mit so viel Sympathie ausstattet, weil er ihn so entsetzlich schuldlos schuldig werden lässt, wirkt diese Apotheose der Hoffnung wie ein verzweifeltes Zeichen wider besseres Wissen.
Getanzt wird in der Dessauer Uraufführung vorzüglich. Das ist ein Abend starker, großer Bilder, so phantastisch mit schwebenden Gestalten und so erdverbunden und der Realität geschuldet durch die überzeugenden Persönlichkeiten aller Tänzerinnen und Tänzer der Kompanie. Eine phänomenale Leistung bietet der junge Jonathan Augereau als Siegfried. Mit neoklassisch elegantem Anflug hat er jene unbeschwerte Lässigkeit des zunächst naiven Abenteurers. Kommen dazu Mittel der Kunst des zeitgemäßen Ausdruckstanzes fügt sich eine Charakterleistung von emotionaler Kraft. Augereau vermittelt die tragischen Facetten missbräuchlich verführbarer Einsamkeit eines jungen Mannes. Dafür wird er zurecht inmitten des Ensembles vom Publikum gefeiert.
Viel Applaus auch für das Spiel der Anhaltischen Philharmonie unter der Leitung von Daniel Carlberg. Ein weitestgehend gelungener Vorgeschmack auf die folgende Ring-Produktion ab nächster Saison. Außergewöhnlich beginnt man mit dem Finale. Zunächst mit „Die Götterdämmerung“, die Katastrophe, dann die Tragödie in der Rückschau, bis zum Beginn des reinen Anfangs im „Rheingold“. 2014 soll sich der Dessauer Ring runden.
wieder am 2. und 7.4.
www.anhaltisches-theater.de
24.03.2011, 07:28 | tags:
Anhaltische Philharmonie
860
Danny Gitter, Mitteldeutsche Zeitung, 24.03.2011
Notenschlüssel macht Appetit
Es gibt Regeln, die braucht kein Mensch und es gibt Regeln, die versuchen, einem Universalanspruch gerecht zu werden. Immanuel Kant probierte dies einst mit dem kategorischen Imperativ. Antony Hermus und Joachim Landgraf mit der "Rule Number Six". Die "Regel Nummer sechs" war der rote Faden, der Spannungsbogen des zweiten Philharmonie-Stammtisches. Nach der Premiere am 19. Januar hatte das Anhaltische Theater am Dienstagabend wieder in die oberste Etage des Brauhauses in der Langen Gasse geladen.
Erlebte bei der ersten Auflage das eigens für den Stammtisch entwickelte Philharmonie-Bier seine Premiere, gab am Dienstagabend ein in Brotform gebackener Notenschlüssel sein Debüt. Bier und Brot waren somit kulinarische Möglichkeiten der Sättigung. Den kulturellen Appetit stillte das Ensemble des Theaters.
Und schon stand sie wieder im Raum - die "Regel Nummer sechs". "Wo hast du diese Regel her?", fragte Verwaltungsdirektor Landgraf Generalmusikdirektor Hermus. "Ich kenne sie aus England", so Hermus. Mehr wurde erstmal nicht verraten. Doch auch so war genug Kurzweil angesagt. Das Streichquartett spielte in vier Sätzen bekannte Melodien. Einmal richtig erkannt und benannt, winkte den Mitratern aus dem Publikum jeweils eine Freikarte für das Theater. "Eine Kleine Nachtmusik", der "Radetzky Marsch" und "Beethovens Fünfte" waren nur einige der bekannten Takte und Töne, die das Quartett mit jeder Menge Humor darbot. Kein Wunder. Schließlich spielten die Musiker "Eine kleine Lachmusik" von Wolfgang Schröder.
Der Ernst des Lebens, er hatte Hausverbot an diesem Abend. Locker waren die Moderationen von Landgraf und mit einer Prise Humor gewürzt die Gespräche zwischen Hermus und Landgraf. Ganz im Ernst, der 1973 geborene Niederländer Antony Hermus hat im Alter von 25 Jahren in Wirtschaftsinformatik promoviert. Weniger ernst kommentierte Landgraf: "Als er promoviert hat, gab es noch keine Kopierverfahren im Internet".
Das Publikum lernte aber auch den internationalen Antony Hermus kennen. Frankreich und Taiwan standen unter anderem schon auf der Agenda des Dirigenten. Aus dem asiatischen Taiwan hat Hermus auch einige seiner Bühnenoutfits. Der aufmerksame Zuschauer wird den Unterschied zur herkömmlichen Kleidung von Dirigenten bei einem Besuch im Anhaltischen Theater erkennen. Dort versucht der Generalmusikdirektor auch vor allem das junge Publikum für Theater und Musik zu begeistern. "Dessau hat eine gute Infrastruktur. Darauf kann man aufbauen", lobt Hermus ausdrücklich seinen Vorgänger Golo Berg.
Der Anfang wurde mit verbilligten Sinfoniekonzerten für Musikkurse von Dessauer Schulen gemacht. Kinderopern, musikalische Schnitzeljagden und Scratchkonzerte sind weitere Schritte, das Musikangebot des Theaters einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Für das Scratchkonzert im letzten Jahr studierten nicht nur jugendliche Musikinteressierte innerhalb kurzer Zeit die Carmina Burana ein. In diesem Sommer steht Beethoven auf dem Plan. "Erleben Sie diesen Spaß", lädt Landgraf zur regen Teilnahme ein.
Seinen ganz eigenen Spaß machte sich Landgraf schon am Dienstagabend. In Kapitänskluft schmetterte er den bekannten Hans Albers Klassiker "Auf der Reeperbahn nachts um halb eins". Fast wäre der Verwaltungsdirektor der gesangliche Höhepunkt des Abends geworden, wäre die Konkurrenz mit Angelina Ruzzafante und Bariton Ulf Paulsen nicht so groß gewesen. Die Rolle des Entertainers und Moderators hat er sowieso abgestaubt.
Pflichtgemäß löste Landgraf in dieser Funktion zusammen mit Hermus die Regel "Nummer sechs" auf. "Nimm Dich selbst nicht so gottverdammt wichtig", heißt sie. Oberbürgermeister Klemens Koschig und Finanzdezernentin Sabrina Nußbeck bekamen sie als Umhängeschilder überreicht. Vielleicht hilft dieser Leitspruch den beiden nun im harten politischen Alltag.
Am 28. Juni um 19 Uhr wird zum dritten Philharmonie-Stammtisch eingeladen.
18.03.2011, 14:39 | tags:
Anhaltische Philharmonie
852
Pressemitteilung vom 18.03.2011
Der Countdown läuft
Nachdem in der vergangenen Spielzeit das Wunschkonzert „Frühling in Wien“ auf große Resonanz gestoßen ist, lädt das Anhaltische Theater sein Publikum in diesem Jahr ein, das Programm eines „Ungarischen Abends“ am Samstag, 9. April um 19.30 Uhr und am Sonntag, 22. Mai um 18 Uhr mitzugestalten.
Noch bis zum 24. März besteht die Möglichkeit abzustimmen, entweder an den Theaterkassen oder auch im Internet unter www.anhaltisches-theater.de/wunschkonzert.
Unter den Teilnehmern werden 3 Theatergutscheine für je 2 Personen verlost. Nach einschlägigen Werken von Liszt, Kodály und Berlioz stehen im zweiten Teil ungarische Operettenmelodien von Strauß, Lehár, Kálmán und Abraham zur Auswahl, die von Angelina Ruzzafante (Sopran), David Ameln (Tenor) und Wiard Witholt (Bariton) gesungen werden. Als Solisten wirken weiterhin mit: Boris Cepeda (Klavier) und Olga Mishula (Cymbal). Die Anhaltische Philharmonie musiziert unter der Leitung von Daniel Carlberg. Es moderiert Ronald Müller.
Erlös zugunsten der Inszenierung des Zyklus „Der Ring des Nibelungen“ 2012 bis 2015
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Abendkasse und an der Theaterkasse im Rathaus-Center; Tel: 0340 / 2400 - 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 / 2511 - 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr; Mail: kasse@anhaltisches-theater.de.
18.03.2011, 11:06 | tags:
Anhaltische Philharmonie
849
Julia Rac, Mitteldeutsche Zeitung, 18.03.2011
Einweihung mit vier Händen
Ein wunderschöner, schwarz glänzender neuer Flügel. Noch verpackt und verschnürt mit rotem Geschenkband. Wie mag er wohl klingen?
Als "Glückstag" bezeichnet der Schulleiter des Gropius-Gymnasiums Jürgen Ahlwardt in seinen Grußworten vor den Anwesenden im Musiksaal des Walter Gropius-Gymnasiums diesen Dienstag. Endlich konnte die Schule das teure Klavier bezahlen und nun endlich einweihen. Ohne den Förderverein um den vorherigen Vorsitzenden Joachim Landgraf und den neuen Chef Roland Schneider und die vielen Spendengelder beim 14. Frühjahrsball unter dem Motto "Ein Flügel für Gropius" wären die über 10 000 Euro niemals zusammengekommen. Für diese Unterstützung bedankte sich der Schulleiter ganz herzlich bei den vielen Sponsoren.
Außerdem wurde der Tag genutzt, um einen Kooperationsvertrag zwischen Förderverein und Anhaltischem Theater zu unterzeichnen. Fördervereinsvorsitzender Roland Schneider sprach von einer "mehr als gelungenen Zusammenarbeit". Zwischen Gymnasium und Theater sei längst eine Freundschaft gewachsen und nach mehr als zehn Jahren sei es endlich an der Zeit, diese auf Vertragsebene fortzusetzen, zu entwickeln und zu würdigen. Gemeinsame Aktivitäten waren bisher beispielsweise jährliche "Schultheatertage", bei denen Schüler, Lehrer und Eltern Repertoire-Vorstellungen des Anhaltischen Theaters besuchen, die wiederholte Beteiligung von Schulklassen des Gropius-Gymnasiums als "Premierenklasse" am Entstehungsprozess einer Inszenierung und Kennenlernen des Theaters im Rahmen von Führungen.
Im Fach Musik besuchten die Schüler Sinfoniekonzerte, es fanden "Klingende Musikunterrichte" durch Mitglieder der Philharmonie statt oder thematischen Jugendkonzerte. Das Anhaltische Theater unterstützt tatkräftig künstlerische Projekte der Schule wie beispielsweise in den Jahren 2006 und 2007 zur Realisierung des Kindermusicals "Magic Drum". Weitere Projekte wie einem Begleitprojekt zur Kinderoper "Oskar und die Groschenoper" sind geplant.
Endlich war es so weit. Jürgen Ahlwardt, Roland Schneider und die Musiklehrerinnen Ines Weinreich und Petra Scherkenbach zogen die Schleife auf und der Flügel konnte musikalisch eingeweiht werden. Den Anfang machten Generalmusikdirektor Antony Hermus und Konzertpianist Boris Cepeda vom Anhaltischen Theater, denen man den Spaß an ihrem Spiel deutlich ansah. Eine Show machten sie aus der vierhändig gespielten "Ungarischen Rhapsodie Nr. 2". "Was soll man da noch sagen?", bemerkte Jürgen Ahlwardt schmunzelnd. "Der Flügel hat den Test bestanden. Sie haben ihn ja nicht gerade geschont."
Es folgte ein vielfältiges Programm des Walter-Gropius-Gymnasiums, beginnend mit Sophie Schulze aus der 5 c, die für ihren erst einjährigen Klavierunterricht erstaunlich gut spielte. Dann waren Rosalie Herrmann (7 b) und Till Schwalba (6 d) an Klavier und Blockflöte zu erleben und schließlich die klassische Sängerin Denise Karali (11 a), die von Inge Papenkowa am Klavier begleitet wurde. Zum Abschluss sang der Chor ein Lied aus dem Musical "Pocahontas".
12.03.2011, 16:03 | tags:
Anhaltische Philharmonie
841
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 12.03.2011
Kurt-Weill-Fest
Auf der Suche nach dem Asyl im Gesang
Es gibt Momente, in denen man den immateriellen Wert der deutschen Musiktradition mit bloßen Händen greifen kann - etwa dann, wenn ein Orchester ein Werk spielt, das ihm ein junger, aufstrebender Komponist vor 88 Jahren gewidmet hat.
Damals war die Anhaltische Philharmonie zwar noch die "Kapelle des Friedrich-Theaters" und ihr erster Kapellmeister hieß Albert Bing. Doch weil dieser Musiker an die Begabung des jungen Kurt Weill glaubte, die das Publikum bei der Uraufführung des Quodlibet aus der Pantomime "Zaubernacht" noch nicht erkennen wollte, konnte nun Generalmusikdirektor Antony Hermus nun dieses Stück an den Beginn eines Programms stellen, das auf den Titel "Durch die Nacht zum Licht" hörte - und so mittelbar das "Berlin im Licht"-Motto des zu Ende gehenden Kurt-Weill-Festes aufnahm. Dass das Orchester damit sein eigenes Erbe antrat, war nur einer der bemerkenswerten Aspekte in diesem Sinfoniekonzert. Hinzu kam eine kluge Dramaturgie, die Hanns Eislers eigenhändige Grabschrift "Ernste Gesänge" zwischen Weill und der ersten Sinfonie von Johannes Brahms platzierte - und so das sperrige Werk schützend umarmte.
Während man bei Weill den wenig später schon typischen Ton noch in Andeutungen findet, die vor allem von den Bläsern wunderbar herausgearbeitet wurden, ist Eislers disparater Gedicht-Zyklus ein in seiner stilistischen Vielfalt ultimatives Werk. Als Solist hielt sich Ulf Paulsen an die Forderung des Komponisten, der auch für die hermetischen Hölderlin-Texte - im Brechtschen Sinne des Einfachen, aber schwer zu Machenden - Leichtigkeit und Freundlichkeit empfahl. Am Ende hatte er so tatsächlich das "Asyl im Gesang" gefunden, mit dem der Komponist sich kurz vor seinem Tod aus der Welt in sein Werk verabschiedete.
Den gleichen Weg, der die eigene Kunst als eine geistige Zuflucht vor den Zumutungen der Gegenwart begreift, ging die Philharmonie dann mit Johannes Brahms: Diese feinsinnige und kraftvolle, in den Einzelstimmen wie im Tutti souverän gespielte und geleitete Interpretation dürfte auch den Hörern der Live-Übertragung auf MDR Figaro und Deutschlandradio Kultur einen Eindruck vermittelt haben, auf welchem Niveau die Anhaltische Philharmonie derzeit spielt. Und zugleich erwies sich die Entscheidung des neuen Intendanten Michael Kaufmann, dem heimischen Orchester mehr Raum zu geben, als goldrichtig und zukunftsträchtig.
11.03.2011, 10:45 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
838
Pressemitteilung vom 11.03.2011
Matinee zur Premiere „Die Nibelungen: Siegfriedsaga“
Am Sonntag, 20. März um 10.30 Uhr, nur wenige Tage vor der Premiere der Ballettinszenierung „Die Nibelungen: Siegfriedsaga“, lädt das Anhaltische Theater zu einer Matinee auf die Probebühne 1 ein. Ballettdirektor Tomasz Kajdanski und sein Inszenierungsteam werden einen ersten Einblick in das Stück um die Sage des Helden Siegfried geben.
Das Publikum erfährt nicht nur Ideen und Hintergründe zur Inszenierung, sondern darf sich auch schon auf einige Ausschnitte der Geschichte um Siegfried, Brunhilde, Kriemhilde, Gunther und Hagen freuen, die die Mitglieder des Ballettensembles zeigen. Dabei wird Musik aus Wagners „Der Ring des Nibelungen“ in der Orchesterfassung von Carlos Kalmar zu erleben sein.
Am 25. März hat das Ballett „Die Nibelungen: Siegfriedsaga“ um 19.30 Uhr im Großen Haus Premiere.
Für den Eintritt zur Matinee wird ein Obolus von 3,- Euro erhoben, der beim Besuch der entsprechenden Veranstaltung auf den Kartenpreis angerechnet wird.
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Abendkasse und unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr; Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr; Mail: kasse@anhaltisches-theater.de.
11.03.2011, 09:50 | tags:
Anhaltische Philharmonie
837
Pressemitteilung vom 11.03.2011
Zweiter Philharmonie-Stammtisch
Die Anhaltische Philharmonie lädt am 22. März um 19 Uhr zum zweiten Philharmonie-Stammtisch ins Brauhaus ein. Natürlich wird auch diesmal das eigens für diesen Zweck gemeinsam mit dem Brauhaus entwickelte Philharmonie-Bier ausgeschenkt. Verwaltungsdirektor Joachim Landgraf wird ein weiteres Mal mit Generalmusikdirektor Antony Hermus ins Gespräch kommen. Beide freuen sich auf den Dialog mit dem Publikum.
Außerdem erwarten die Besucher einige musikalische Darbietungen und ein Imbiss, den das Brauhaus für einen kleinen Obolus bereit hält. Zeitiges Kommen sichert die besten Plätze!
Tickets für 3,- Euro und Informationen erhalten Sie unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 / 2400-258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr; Theaterkasse - nur telefonisch 0340 / 2511-333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr; Mail: kasse@anhaltisches-theater.de.
02.03.2011, 17:07 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
817
Pressemitteilung vom 02.03.2011
Premiere „Die Nibelungen: Siegfriedsaga“
Ballett zu Musik von Richard Wagner, gespielt von der Anhaltischen Philharmonie
Am Freitag, 25. März um 19.30 Uhr lädt das Anhaltische Theater zur Ballettpremiere „Die Nibelungen: Siegfriedsaga“ ins Große Haus ein.
Tomasz Kajdanski inszeniert und choreografiert mit „Die Nibelungen: Siegfriedsaga“ einen Ballettabend zu der Musik von Richard Wagner aus „Der Ring des Nibelungen“ in der Orchesterfassung von Carlos Kalmar.
In der Ballettinszenierung wird die Sage um den Helden Siegfried erzählt: eine spannende Geschichte über Macht und Reichtum, Liebe und Eifersucht und dem Traum von einer besseren Welt. Viele Wandlungen hat die Geschichte durchlaufen und nun schafft Tomasz Kajdanski mit seinen Tänzern einen neuen Mythos. Der Abend kombiniert Motive der Götterwelt aus Wagners „Ring des Nibelungen“ mit der „Siegfriedsage“.
Kajdanski bringt sowohl Siegfrieds Heldentaten als auch die politische Dimension des Stoffes auf die Bühne und bedient sich in seiner Choreografie Elementen der Kampfkunst.
Der Tanz stellt natürlich besonders die Körperlichkeit der Figuren heraus, die gerade bei Siegfried und Brunhilde einen wesentlichen Bestandteil ihrer Persönlichkeit ausmachen. Stark wie Siegfried und Brunhilde, bezaubernd schön wie Kriemhild, anmutig wie die Göttin Erda, verschlagen wie Mime und Alberich, listig wie Hagen sind die Figuren in dieser mythischen Welt. Doch durch ihre Leidenschaftlichkeit, mit ihren menschlichen Träumen und Konflikten berühren sie unsere Gegenwart. Zur Musik von Richard Wagner entstehen beeindruckende Bilder von außergewöhnlicher Intensität.
Choreografie und Inszenierung: Tomasz Kajdanski; Bühne und Kostüme: Dorin Gal; Musikalische Leitung: Daniel Carlberg; Dramaturgie: Sophie Walz; Video Angela Zumpe
Tänzer: Jonathan Augereau/Gorden Wannhoff (Siegfried); Rai Kirchner (Mime); Johan Plaitano/Rai Kirchner (Alberich); Joe Monaghan (Gunther); Juan Pablo Lastras-Sanchez (Hagen); Mélanie Legrand/Sayo Shiba (Erda); Anna-Maria Tasarz/Annelies Waller /Sayo Shiba (Brunhilde); Yuliya Gerbyna/ Laura Costa Chaud (Kriemhilde)
Weitere Termine: 27.3., 17 Uhr; 2.4., 17 Uhr; 7.4., 16 Uhr; 3.6., 19 Uhr; 18.6., 19.30 Uhr; 24.6., 19.30 Uhr
Tickets und Informationen erhalten Sie unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr; Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr; Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
01.03.2011, 19:20 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
815
Pressemitteilung vom 01.03.2011
Großes Wagner Wochenende
Zum letzten Mal steht am Samstag, 19. März um 16 Uhr Wagners „Lohengrin“ auf dem Spielplan - jene Inszenierung von Andrea Moses, mit der im Musiktheater die 215. Spielzeit fulminant eröffnet wurde, die 2010 für den Theaterpreis „FAUST“ nominiert war und die seither Gäste aus ganz Deutschland nach Dessau anzieht. Lohengrin“ ist ein Studie über die Undurchschaubarkeit einer durchmanipulierten Gesellschaft und der verbreiteten Sehnsucht nach einem machtvollen Führer.
„Wann hat man eine so kluge, lebendige Wagner-Aufführung zuletzt in Berlin erlebt? Dem Theater Dessau ist mit „Lohengrin" ein großer Wurf gelungen.“ – so der Tagesspiegel im Oktober 2009
Am Sonntag, 20. März um 17 Uhr lädt das Anhaltische Theater zum letzten Mal zur Großen Opern-Gala ein. Unter dem Titel „Sink hernieder, Nacht der Liebe“ werden die Highlights aus Wagners Schaffen präsentiert. Die Gralserzählung aus „Lohengrin“, „Isoldes Liebestod“, „Der Ritt der Walküren“ oder auch Brünnhildes Schlussgesang aus der „Götterdämmerung“ dürfen da neben zahlreichen weiteren Stücken nicht fehlen. Das Publikum kann sich also auf einen klanggewaltigen Abend freuen. Mitwirkende Solisten sind KS Iordanka Derilova, Angelina Ruzzafante, Ulf Paulsen, Pavel Shmulevich, Andrew Sritheran, Wiard Witholt und Angus Wood, begleitet von der Anhaltischen Philharmonie unter der Leitung von GMD Antony Hermus und dem Chor des Anhaltischen Theaters. Die Moderation liegt in den Händen von Heribert Germeshausen.
„Hier etabliert sich (nach Andrea Moses’ aufsehenerregender ‚Lohengrin’-Inszenierung im vergangenen Jahr) wohl wieder das ‚Bayreuth des Nordens’“ – so die Musikzeitschrift Orpheus 2011.
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Abendkasse und an der Theaterkasse im Rathaus-Center; Tel: 0340 / 2400 - 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr; sowie über die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 / 2511 - 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr; Mail: kasse@anhaltisches-theater.de.
01.03.2011, 18:53 | tags:
Anhaltische Philharmonie
814
Pressemitteilung vom 01.03.2011
Konzerte im Monat März
Das 5. Sinfoniekonzert „Durch die Nacht zum Licht“ der Anhaltischen Philharmonie findet in dieser Saison in Kooperation mit dem Kurt Weill Fest statt. An zwei Abenden, am 10. und 11. März jeweils um 19.30 Uhr, erklingt „Quodlibet“, eine Suite aus der Pantomime „Zaubernacht“ von Kurt Weill. Dieses Werk hat der 23-jährige Weill seinem Lehrer und Freund Albert Bing, dem 1. Kapellmeister des Dessauer Friedrich-Theaters gewidmet, und Bing war es auch, der die Suite im 5. Dessauer Abonnementskonzert der Saison 1922/23 zur Uraufführung brachte.
Im zweiten Teil stand damals die 1. Sinfonie von Johannes Brahms auf dem Programm, die auch 2011 den Konzertabend beschließen wird. Zwischen Weill und Brahms kommt jedoch Weills Zeitgenosse Hanns Eisler zu Wort. Ulf Paulsen singt die „Ernsten Gesänge“ für Bariton und Streichorchester aus den Jahren 1961/62. Es ist das letzte Werk, das Eisler geschaffen hat – und eines seiner besten und eindrucksvollsten.
Am Dirigentenpult steht GMD Antony Hermus. Wie gewohnt gibt es mit ihm und Musikdramaturg Ronald Müller an beiden Konzertabenden 18.30 Uhr im Foyer eine Einführung. Das Konzert am Donnerstag (10.3.) wird von Deutschlandradio Kultur und MDR Figaro aufgezeichnet und zeitversetzt am selben Abend gesendet.
Musik für verschiedene Bläserbesetzungen bietet das 5. Konzert der Kammermusikreihe, die das Anhaltische Theater im Dessauer Schloss Georgium veranstaltet. Mit Vincent Persichetti, Jean Francaix, Claude Arrieu und Francis Poulenc sind am 26. März ab 15.30 Uhr ausschließlich amerikanische und französische Komponisten des 20. Jahrhunderts zu hören. Außerdem wird Oboistin Maddy Aldis-Evans gemeinsam mit ihren Kollegen Frauke Groß (Flöte), Erich Wagner (Klarinette), Daniel Costello (Horn) und Ulrich Jäger-Marquardt (Fagott) ihre eigene Komposition „Three Sketches“ vorstellen. Den Klavierpart in Poulencs Sextett für Bläserquintett und Klavier übernimmt GMD Antony Hermus.
Ganz am Ende des Monats steht bereits das 6. Sinfoniekonzert „Gute Nachbarn“ auf dem Spielplan des Anhaltischen Theaters. Mit Charles Olivieri-Munroe ist erstmals in dieser Saison ein Gastdirigent am Pult der Anhaltischen Philharmonie zu erleben. Der 1969 in Kanada geborene Olivieri-Munroe lebt seit vielen Jahren in Prag und entwickelte sich zu einem Spezialisten in Sachen tschechischer Musik. Auf seine Interpretation der 6. Sinfonie von Antonín Dvorák darf man zu Recht gespannt sein. Mit dieser heutzutage leider eher vernachlässigten Sinfonie errang Dvorák einst seinen internationalen Durchbruch. Sie fesselt durch ihr beseeltes Melos und ihren musikantischen Schwung; ihr Scherzo ist ein feuriger Furiant.
Ein ungeheuer populäres und immer wieder gern gehörtes Werk ist Max Bruchs Violinkonzert in g-Moll. Mit der jungen holländischen Geigerin Frederieke Saeijs konnte eine ideale Interpretin für dieses Konzert gewonnen werden. Aus Deutschlands östlichem Nachbarland Polen stammt Karol Szymanowski, in dessen Stil sich romantische Emotionalität und impressionistisches Kolorit zu einer sehr persönlichen Synthese verbinden. Von ihm erklingt eingangs die Konzertouvertüre op. 12.
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Abendkasse und an der Theaterkasse im Rathaus-Center; Tel: 0340 / 2400 - 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr; sowie über die Theaterkasse nur telefonisch 0340 / 2511 - 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr; Mail: kasse@anhaltisches-theater.de.
28.02.2011, 09:34 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
806
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 28.02.2011
Der Tod macht die Musik
Die Welt ist eine Bühne ist eine Welt: Hinter dem Vorhang bauscht sich eine weitere Gardine, das Portal verlängert sich bis zum Horizont, die Kostüme sind von den Alltagskleidern nicht zu unterscheiden - und die Schauspieler überschminken vor dem Spiegel ihre Masken. Die Selbstverhandlung des Theaters auf dem Theater, die sowohl in Kurt Weills "Der Protagonist" als auch in Ruggero Leoncavallos "I Pagliacci" ein zentrales Motiv darstellt, verdoppelt die Illusion mit dem Ziel ihrer Zerstörung. Und wenn am Ende beider Opern ein realer Mord geschieht, dann zeigt dies auf fatale Weise die Vermischung von Kunst und Leben - und ist doch wieder Theater.
Die Verknüpfung der beiden Werke bescherte dem Dessauer Kurt-Weill-Fest nun einen großen Eröffnungsabend im Anhaltischen Theater. Erstmals seit der Jubiläumsproduktion des "Kuhhandel" im Jahr 2000 inszenierte ein Hausherr wieder selbst - und anders als die anmaßende Karikatur seines Vorgängers zeigte André Bücker eine vielschichtige Deutung, die sich in den Dienst des selten gespielten Weill-Erstlings von 1926 und des Vorläufers von 1892 stellte. Einen wesentlichen Anteil am Gelingen des Konzepts hatte dabei das Bühnenbild von Oliver Proske.
Die Holzschachtel, in der die warme Farbe und die Ornamentbänder des Bühnenportals aufgenommen werden, entpuppt sich mit fortschreitendem Geschehen als magische Box voller Fenster und Türen, Schubladen und Verstecke. Da können sich Wände zum Kreuzgang einer Kirche öffnen, da kippen Dächer aus dem Himmel und da schieben sich Balkone in den Raum - eine Fülle von Spielorten und -anlässen, die von der Regie dankbar angenommen wird.
Als dramaturgische Klammer setzt Bücker zudem eine symbolische Figur: Ein Kind mit Schädelmaske rammt zu den ersten Klängen einen Dolch in die Mitte der Vorbühne, das Mord-Instrument ist von Anfang an präsent - und fortan macht der Tod die Musik. Auch das Orchester des Herzogs, mit dem der Protagonist sein Stück in Szene setzen soll, erscheint als Gruppe von Knochenmännern. Wenn im zweiten Teil der Kinderchor auf stummen Saiten spielt, spiegeln sich diese lärmenden Leichen in lautlosen Lebenden - so, wie sich die Handlung der Stücke vielfach wechselseitig reflektiert.
Das zieht sich bis in die Stimmfarben der Hauptfiguren hinein: In beiden Fällen ist der Prinzipal der Theatertruppe ein Tenor, der heimliche Liebhaber ein Bariton - und das Opfer ein dramatischer Sopran. Hinzu gesellen sich Boten und die niederen Chargen des Ensembles sowie - im Falle des "Pagliacci" - das Publikum. Mit Wiard Witolt (Junger Herr / Silvio), Ulf Paulsen (Wirt / Tonio) und David Ameln (Hausmeister / Peppe) kann das Haus auf ausschließlich eigene Kräfte zurückgreifen, die hinter wechselnden Masken gemeinsame Triebkräfte ihrer Gestalten sicht- und hörbar machen - in Abwandlung des Satzes aus Georg Kaisers Libretto "Figur ist gleich, nur grenzenlose Verwandlung gilt!".
Mit Angus Wood als Protagonist und Sergey Drobyshevskiy als Canio werden zudem zwei hoch gestimmte Herren aufgeboten, deren Timbres sich bei einer optimalen Disposition des Bajazzo noch besser ergänzen dürften. Immerhin findet Leoncavallos Held im Moment des größten Schmerzes auch zu jener Kraft, mit der Drobyshevskiy zuletzt in der "Turandot" begeisterte. Angus Wood hingegen hält nicht nur der ambitionierten Klangsprache des damals 25-jährigen Komponisten und dem elaborierten Text seines Librettisten stand, sondern bewährt sich mit seinen Mitspielern Cezary Rotkiewicz, Christian Most und Anne Weinkauf auch in den beiden großen, zentralen Pantomimen.
Mit diesen stummen Szenen hat Weill eine bleibende Herausforderung über mehr als 100 Takte geschaffen. Gabriella Gilardi füllt diese gewaltigen Intermezzi mit den Mitteln eines derben Volkstheaters, das bereits auf die obligatorischen Commedia-Szenen im "Pagliacci" verweist - und choreografiert dort dann einen Kirchgang, der auf die forcierten Auftritte der Theatermacher im "Protagonisten" zurückdeutet. Der leuchtende Solitär aber ist einmal mehr Iordanka Derilova, die an diesem Abend den doppelten Bühnentod stirbt, nachdem sie in beiden Stücken starke, liebende Frauen zum Leben erweckt hat. Wenn sie als Nedda verzweifelt versucht, aus dem echten Konflikt mit Canio in die Harmlosigkeit der Komödie zurückzufinden, dann schließt sich ein Kreis - und man hört Leoncavallos Finale mit an Weill geschulten Ohren.
Beide Klangsprachen sind bei Antony Hermus in besten Händen, selbst wenn die Anhaltische Philharmonie am Ende ein wenig mit ihrer Konzentration zu kämpfen hat. Der nervöse, kleinteilige Gestus des jungen Weill fordert eben doch Tribut, gemeinsam mit den von Dorislava Kuntschewa und Helmut Sonne exzellent gearbeiteten Chören aber gelingt eine großartige Ensemble-Leistung. Und beiläufig wirkt das Ganze auch wie eine Antwort auf die Festakt-Ansprache des scheidenden Ministerpräsidenten Wolfgang Böhmer, der einmal mehr freihändig über An- und Zuspruch der Theater im Land sinniert hatte. Hier stimmt beides!
Nächste Vorstellungen: 5. März, 17 Uhr; 26. März, 19.30 Uhr
21.02.2011, 22:14 | tags:
Anhaltische Philharmonie
798
Thomas Altmann, Mitteldeutsche Zeitung, 22.02.2011
Vom Misthaufen zum Happy End
Wenn es im Froschschenkel kribbelt, ertönt die Trompete, der Prinzessin gehört die Solovioline und das Fagott gibt den Mistkäfer. Dennoch erzählt diese Musik nicht einfach die Geschichte ein zweites Mal, sondern schafft via Misthaufen, Gewitter und Landidylle in eigenen Bildern einen zweiten Weg zur Fantasie. Dabei ist die Hauptperson koprophag, ernährt sich also nicht nur von abgestorbenen Pflanzen, sondern verwertet auch Kot.
"Der Mistkäfer" für Sprecher und Orchester nach Hans-Christian Andersen erlebte am Sonntag gleich zwei Aufführungen in der Dessauer Marienkirche. Es spielte die Anhaltische Philharmonie unter Leitung von Kapellmeister Wolfgang Kluge. Jan-Pieter Fuhr erzählte geradewegs die Geschichte und lieh dem Käfer eine köstliche Stimme. Die Musik zum Stück schrieb Andreas N. Tarkmann. Die neue Textfassung besorgte Jörg Schade.
Andersens Parabel des hochnäsigen Selbstbetrugs wird in dieser Fassung abgefedert. Hier und da zieht der Mistkäfer aus dem kaiserlichen Stall, weil nur das kriegserprobte Ross des Herrschers goldene Hufeisen bekommt, während das Insekt leer ausgeht. Hier und da erlebt der Erdbohrer einiges an Abenteuern. In der neuen Fassung werden nicht nur die Ohrwürmer zugunsten eines Heeres von Ameisen aussortiert, hier darf auch der Käfer zum Helden werden, die Prinzessin wecken, bevor der Wasserfall ihr Boot in die Tiefe reißt.
So bekommt der kleine Miesepeter am Ende einen kleinen Orden verliehen, mit einem goldenen Stift auf den kugeligen Körper geschrieben und wird zum kaiserlichen Hofmistkäfer ernannt. In der Vorlage sitzt der blasierte Antiheld am Ende auf dem Rücken des Rosses und wähnt, dass dem Pferd die goldenen Hufeisen um seinetwillen angenagelt wurden seien. So bleibt der Selbstbetrug konstant und die unausgesprochene Botschaft klingt allemal durch: Gib dich zufrieden und sei stille! Das mag heute weniger funktionieren, eher darf jeder ein Held sein. Und nach dem Finale bekommt jedes Kind per Stempel einen Mistkäfer-Orden, wird quasi zum Helden gestempelt.
Zuweilen ist die Musik melodramatisch mit dem Text verschränkt, zuweilen wird illustriert und manchmal erscheint der Text als Bindeglied farbenprächtiger, eigener musikalischer Bilder, welche sich gemäßigt modern geben, im besten Sinne des Wortes abstrahieren und viel Atmosphäre in diesem Familienkonzert transportieren. Direkt oder diffus setzt das Orchester sicher die Lichter und die Bläser akzentuieren vortrefflich. Ameisenmarsch und Hochzeitswalzer: vom freien Farbauftrag geht es immer mal wieder zurück zum Thema. Fantastische Freiheiten, gezielte Charakteristiken, maßvolles Pathos und generell ausgesucht schöne Klänge, die nuanciert mit abgründigen Möglichkeiten spielen, eignen sich als Einstieg und Weg zur Musik, vom Misthaufen zum Happyend. Und bekäme der Mistkäfer goldene Hufeisen an seine sechs Beine genagelt, könnte er gar nicht mehr fliegen, brummend und in tiefen Höhen.
21.02.2011, 15:36 | tags:
Anhaltische Philharmonie
797
Pressemitteilung vom 21.02.2011
Jugendkonzert „Musik und Sprache“
Nach den erfolgreichen Konzerten für die Gymnasien "Philanthropinum" und "Walter Gropius" sowie die Sekundarschule "Am Rathaus" heißt es am Donnerstag, 24. Februar ab 10.30 Uhr nun auch im Liborius-Gymnasium "Musik und Sprache".
In den Schülermoderationen werden die verschiedenen Aspekte des Themas erörtert und die Anhaltische Philharmonie unter der Leitung von Daniel Carlberg steuert dazu passende Musikstücke bei. Das Konzert wird unterstützt vom Freundeskreis des Dessauer Theaters.
07.02.2011, 16:42 | tags:
Anhaltische Philharmonie
784
Johannes Killyen, Mitteldeutsche Zeitung, 02.02.2011
SINFONIEKONZERT
Schilli lässt Leichtes leicht klingen
Philharmonie begeistert mit Strauß.
Nicht selten wird der alte gegen den jungen Richard Strauss (1864-1949) ausgespielt. Da stehen dann bahnbrechende frühe Opernprojekte wie „Salome" (1905) und „Elektra" (1909) gegen die süffige Melancholie der "Metamorphosen" (1945) oder der "Vier letzten Lieder" (1948). Konnte man nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs noch so schön, so harmonisch komponieren?
Strauss konnte. Und er war dabei unglaublich erfolgreich. Ja, er legte mit dem Oboenkonzert 1946 - im Alter von über 80 Jahren - gar ein Werk vor, das als Inbegriff klassizistischer Jugendfrische gelten darf. Beim vierten Sinfoniekonzert der Anhaltischen Philharmonie war dieses quirlige, über den Dingen schwebende Stück in einer mustergültigen Interpretation mit Stefan Schilli zu hören, dem Solooboisten beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks.
Schilli spielte über alle Lagen hinweg mit makellosem Ton - zart dem Klang nachspürend, aber auch kräftig fordernd und technisch stets brillant. Wie schwer es ist, Leichtes - zumal dieses Konzert - auch leicht klingen zu lassen, war bei ihm nicht einmal zu erahnen. Freilich gehörte dazu die Mitwirkung der Anhaltischen Philharmonie, die unter Leitung von Generalmusikdirektor Antony Hermus ihren vertrackten Part hellwach bewältigte.
Zuvor hatte das Orchester schon eine funkelnd klare G-Dur-Sinfonie KV 318 von Mozart gespielt, die ob ihrer Struktur eigentlich eine Ouvertüre ist. Hier wie auch im Oboenkonzert wurde deutlich, wie die Musiker in den vergangenen eineinhalb Jahren an ihrem Klang gefeilt haben, zu welch einem Piano sie fähig sind. Und für Hermus setzen sie sich stets an den äußersten Rand der Stuhlkante: Nachlässigkeiten haben Seltenheitswert.
Dass es die nach der Pause am Beginn der eingängigen Suite aus Strauss' Oper "Der Rosenkavalier" (1911) auch gab, ist kaum der Rede wert. Mehr schon die Tatsache, dass der vom Programm vorgegebene Wohlklang mit zunehmender Konzertdauer etwas üppig anmutete. Es fehlte an diesem Abend zumindest ein nachdenkliches, dunkles Werk.
Ravels brillant instrumentierte Walzerfolge „Valses nobles et sentimentales" zeichnete sich in diese Entwicklung ein. Und nach der herrlichen „Rosenkavalier" - Suite in furiosem Tempo mag sich der eine oder andere Hörer gefühlt haben wie nach dem übermäßigen Genuss bester Pralinen. Alle anderen forderten am Freitag begeistert eine Zugabe. Und erhielten noch einen delikaten Nachschlag Strauss.
01.02.2011, 16:59 | tags:
Anhaltische Philharmonie
780
Pressemitteilung vom 01.02.2011
4. Kammerkonzert und Familienkonzert „Der Mistkäfer“
Begegnungen mit Musik von Paul Hindemith und Robert Schumann bietet das Programm des 4. Kammerkonzerts, das das Anhaltische Theater am 19. Februar, 15.30 Uhr im Schloss Georgium veranstaltet. Hindemiths „Drei Stücke für fünf Instrumente“, 1925 unter dem Titel „Drei Anekdoten für Radio“ entstanden, sowie seine Sonate für B-Trompete und Klavier aus dem Jahr 1939 bilden den ungewöhnlichen Auftakt des Konzerts. Im zweiten Teil erklingt Schumanns 2. Klaviertrio F-Dur op. 80. Die Interpreten sind Holger Hepp (Klarinette), Arne Lagemann (Trompete), Weronika Ambrosio (Violine), Doreen Büring (Violoncello) und Stefan Neubert (Klavier).
Zum Familienkonzert für Menschen ab 5 lädt die Anhaltische Philharmonie unter der Leitung von Wolfgang Kluge am 20. Februar in die Dessauer Marienkirche ein. Gleich zweimal, um 14 und um 16 Uhr, wird an diesem Sonntag Hans Christian Andersens Märchen „Der Mistkäfer“ mit Musik von Andreas N. Tarkmann erzählt. Jan-Pieter Fuhr als Sprecher nimmt die kleinen und großen Zuhörer mit auf die Abenteuerreise des kleinen unansehnlichen Mistkäfers, der im Pferdestall des Kaisers groß wird. Deswegen ist er sehr hochmütig, fühlt sich jedoch unverstanden und missachtet. Er macht sich auf die Reise durch die Welt, wo so manches Abenteuer auf ihn wartet. Als er der Prinzessin das Leben rettet, belohnt sie ihn mit einem kleinen kaiserlichen Orden, den sie ihm mit goldenem Stift auf den Rücken malt. Zufrieden kehrt er schließlich in den kaiserlichen Pferdestall zurück. Übrigens erhält jeder Besucher dieses Familienkonzerts einen „Original-Mistkäfer-Stempel“-Abdruck mit auf den Heimweg!
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Abendkasse und an der Theaterkasse im Rathaus-Center | Tel: 0340 / 2400 - 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr | sowie über die Theaterkasse - | nur telefonisch 0340 / 2511 - 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de.
24.01.2011, 20:15 | tags:
Anhaltische Philharmonie
770
Mitteldeutsche Zeitung, 25.01.2011
Der Rosenkavalier gibt das Motto vor
Im 4. Sinfoniekonzert der Anhaltischen Philharmonie am Donnerstag und Freitag dieser Woche, jeweils um 19.30 Uhr, steht Musik von Wolfgang Amadeus Mozart, Richard Strauss und Maurice Ravel auf dem Programm. Mozarts kleine G-Dur-Sinfonie KV 318 bildet den Anfang, die Strauss'sche "Rosenkavalier"-Suite den Schluss des Konzerts. Dem "Rosenkavalier", der genau vor 100 Jahren in Dresden uraufgeführt wurde, ist auch das Motto des Konzerts entnommen: "Die Zeit, die ist ein sonderbar Ding". Ihren 100. Geburtstag feiern auch die "Valses nobles et sentimentales" von Maurice Ravel. Außerdem erklingt das Oboenkonzert (1945) des 80-jährigen Richard Strauss, das über die Zeiten hinweg einen fernen Gruß an Mozart darstellt. Als Solist ist Stefan Schilli, Solooboist des Bayerischen Rundfunks, zu erleben.
Stefan Schilli studierte an den Musikhochschulen in Trossingen und Karlsruhe, bevor er 1991 - mit gerade zwanzig Jahren - Solo-Oboist im Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks wurde. 1996 gewann er die Wettbewerbe "Prager Frühling" sowie den ARD-Wettbewerb, nachdem er schon 1993 den "Deutschen Musikwettbewerb" für sich entscheiden konnte. Schilli zählt zu den führenden Oboisten seiner Generation und tritt auf allen großen Konzertbühnen der Welt auf. Sein Debüt in der Berliner Philharmonie feierte er mit dem Oboenkonzert von Richard Strauß, begleitet vom Deutschen Symphonieorchester Berlin. Als Solist musiziert er mit so namhaften Dirigenten wie Lorin Maazel, Mariss Jansons, Sir Colin Davis, Reinhard Goebel und Christopher Hogwood. Gastspielreisen führen ihn u. a. regelmäßig nach Südostasien, in die USA, nach Russland oder zu renommierten Festspielen. Ferner beschäftigt er sich im "Ensemble Triolog" intensiv mit zeitgenössischer Musik. Neben seiner Professur an der Universität Mozarteum in Salzburg ist Stefan Schilli ständiger Gastdozent an bedeutenden Instituten. Seit ein paar Jahren widmet sich Schilli zunehmend dem Spiel der historischen Oboeninstrumente und ist Mitglied des neugegründeten Barockensembles "L'acca".
Dessaus Generalmusikdirektor Antony Hermus steht bei den Sinfoniekonzerten am Dirigentenpult der Anhaltischen Philharmonie und wird gemeinsam mit Musikdramaturg Ronald Müller den interessierten Hörern ab 18.30 Uhr im Foyer eine Konzerteinführung geben.
Karten und Informationen an der Abendkasse und an der Theaterkasse Rathaus-Center, Telefon 0340 / 2 40 02 58.
22.01.2011, 09:16 | tags:
Anhaltische Philharmonie
768
Thomas Altmann, Mitteldeutsche Zeitung, 22.01.2011
Zwickelbier und ein wenig Hans Albers
"Lippen schweigen, 's flüstern Geigen"? Niemand schweigt, die Geigen trinken Bier mit der Tuba - und der Verwaltungsdirektor singt schon nach dem ersten Zwickel ein Walzerlied: "Du sollst bis morgen früh um neune meine kleine Liebste sein." Die Besungene ist blond, das Bier bernsteinfarben.
Die Anhaltische Philharmonie hat mit dem Brauhaus "Zum Alten Dessauer" ein eigenes Bier kreiert und setzte beim ersten Philharmonie-Stammtisch auf die geselligen Perspektiven des Getränks. Ungefiltert, naturtrüb und süffig lief der erste "Philharmonie-Stammtisch". Das erste Fass Bier stach Braumeister Matthias Hankel an. Das erste Glas trank Generalmusikdirektor Antony Hermus: "Köstlich. Köstlich. Sehr gut". Die Blitzlichter zuckten.
Nachdem Verwaltungsdirektor Joachim Landgraf das Zwickelbier und die Gastgeber gelobt hatte, sang er sehr seemännisch "Auf der Reeperbahn", trug dann wieder Sakko und kam zum Stammtisch-Thema: "Ich hätte vorher nie geglaubt, dass es einen solchen Generalmusikdirektor, einen solchen Menschen, an einem Theater geben könne". Es ging um den Chef der Philharmonie. Sein Vater, ein Banker, leitete einen Kirchenchor. "Meine Mutter spielt nur Nähmaschine", sagte Hermus und erzählte von der Skepsis der Eltern. So habe er Wirtschaftsinformatik studiert, promovierte hier, begann aber beinah gleichzeitig an der Musikhochschule Tilburg zu studieren, Fachrichtung Klavier, später Dirigieren. 1998 ging er an das Hagener Theater und stieg in fünf Jahren vom Praktikanten zum Generalmusikdirektor auf. Die Zeit in Hagen nebst Entsprechungen der damaligen Situation dort und der heutigen hier solle, so Landgraf, Thema eines zweiten Stammtisches werden, am 22. März. Auf den Beginn in Dessau wurde noch geblickt mit viel Lob von und nach allen Seiten. Die Zuschauer schrieben Fragen. Die besten wurden mit Eintrittskarten prämiert: "Sind sie Holländer? Haben sie einen Wohnwagen mit?" "Ja" und "nein" sagte Hermus, als betrachte er Dessau nicht als Zwischenstopp. Und zwischendurch sang Angelina Ruzzafante Gershwins "By Strauss", dann das Duett "Violetta / Germont" aus "La Traviata", ohne Probe und umso famoser mit Alexander Marco-Buhrmester, der 1995 als Guglielmo auf der Dessauer Bühne stand. Kurz entschlossen stand auch Wiard Witholt neben dem Stehtisch: "Lippen schweigen" - und alles klang bernsteinfarben.
Wer sich nun im Brauhaus ein "Philharmonie-Bier" bestellt, läuft eventuell Gefahr, ein wenig geschraubt wie ein Weintrinker auf Abwegen zu wirken. Aber Namen sind wie Blumen und die sind bei einem ungespundeten Bier kurzlebig. Prost!
20.01.2011, 16:50 | tags:
Anhaltische Philharmonie
765
Pressemitteilung vom 20.01.2011
Geburtstagskinder aufgepasst!
Im 4. Sinfoniekonzert der Anhaltischen Philharmonie am 27. und 28. Januar, jeweils um 19.30 Uhr steht Musik von Wolfgang Amadeus Mozart, Richard Strauss und Maurice Ravel auf dem Programm. Mozarts kleine G-Dur-Sinfonie KV 318 bildet den Anfang, die Strausssche „Rosenkavalier“-Suite den Schluss des Konzerts. Dem „Rosenkavalier“, der genau vor 100 Jahren in Dresden uraufgeführt wurde, ist auch das Motto des Konzerts entnommen: „Die Zeit, die ist ein sonderbar Ding“. Ihren 100. Geburtstag feiern neben dem „Rosenkavalier“ von Richard Strauss auch die „Valses nobles et sentimentales“ von Maurice Ravel.
Diese Jubiläen und den Geburtstag Mozarts am 27. Januar zum Anlass nehmend, lädt das Anhaltische Theater alle Musikfreunde, die am 27. oder 28. Januar Geburtstag haben, mit jeweils zwei Freikarten zum Sinfoniekonzert ein. Für weitere Gäste der Geburtstagskinder gibt es Sonderermäßigungen. Nach dem Konzert lädt GMD Antony Hermus die Geburtstagsgesellschaft zu einem Glas Sekt ein. (Rückmeldungen bitte unter presse@anhaltisches-theater.de, Franziska Blech, Tel. 0340 25 11 324).
Außerdem erklingt das Oboenkonzert (1945) des 80-jährigen Richard Strauss, das über die Zeiten hinweg einen fernen Gruß an Mozart darstellt. Als Solist dieses bezaubernden Werkes konnte Stefan Schilli, der Solooboist des Bayerischen Rundfunks gewonnen werden. GMD Antony Hermus steht am Dirigentenpult der Anhaltischen Philharmonie und wird gemeinsam mit Musikdramaturg Ronald Müller den interessierten Hörern ab 18.30 Uhr im Foyer eine Konzerteinführung geben.
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Abendkasse und unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr; Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr; Mail: kasse@anhaltisches-theater.de.
12.01.2011, 12:14 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
760
Pressemitteilung vom 12.01.2011
Opern-Gala „Sink hernieder, Nacht der Liebe“
Am Samstag, 15. Januar um 17.00 Uhr lädt das Anhaltische Theater zur Großen Opern-Gala ein. Nachdem in der vergangenen Spielzeit die „Italienische Opern-Gala“ mit viel Begeisterung vom Publikum aufgenommen wurde, werden in der Gala mit dem Titel „Sink hernieder, Nacht der Liebe“ die Highlights aus Wagners Schaffen präsentiert. „Die Gralserzählung aus „Lohengrin“, „Isoldes Liebestod“, „Der Ritt der Walküren“ oder auch „Brünnhildes Schlussgesang“ aus „Die Götterdämmerung“ dürfen da, neben zahlreichen weiteren Stücken nicht fehlen. Das Publikum darf sich also auf einen klanggewaltigen Abend freuen.
Mitwirkende Solisten sind KS Iordanka Derilova, Angelina Ruzzafante, Ulf Paulsen, Pavel Shmulevich, Andrew Sritheran, Wiard Witholt und Angus Wood, begleitet von der Anhaltischen Philharmonie unter der Leitung von GMD Antony Hermus und dem Chor des Anhaltischen Theaters. Die Moderation liegt in den Händen von Heribert Germeshausen.
„Hier etabliert sich (nach Andrea Moses´aufsehenerregender Lohengrin-Inszenierung im vergangenen Jahr) wohl wieder das "Bayreuth des Nordens". – so die Musikzeitschrift Orpheus 2011
Weitere Vorstellung: 20.03.2011, um 17 Uhr
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr; Mail: kasse@anhaltisches-theater.de und auch an der Abendkasse.
11.01.2011, 13:28 | tags:
Anhaltische Philharmonie
756
Pressemitteilung vom 11.01.2011
Keine Schnapsidee
Keine Schnapsidee sondern ein eigenes Philharmonie-Bier hat die Anhaltische Philharmonie gemeinsam mit dem Brauhaus Dessau entwickelt. Erstmals präsentiert und ausgeschenkt wird es am 19. Januar um 19 Uhr im Brauhaus Dessau zum ersten Philharmonie-Stammtisch. Generalmusikdirektor Antony Hermus und Verwaltungsdirektor Joachim Landgraf freuen sich auf das Gespräch mit dem Publikum. Außerdem erwarten die Besucher einige musikalische Darbietungen und ein kleiner Imbiss, den das Brauhaus für einen kleinen Obolus bereit hält. Zeitiges Kommen sichert die besten Plätze!
10.01.2011, 09:59 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
755
Herbert Henning, Orpheus, Jan./Febr. 2011
Dessau
Wagner-Musik auf hohem Niveau
Aus ganz Deutschland waren nicht nur die "Wagnerianer" zur Richard-Wagner-Gala "Sink hernieder, Nacht der Liebe" ins Anhaltische Theater Dessau angereist. Und jeder künstlerische Beitrag der Sängerinnen und Sänger, des vortrefflich von Helmut Sonne einstudierten Opernchores und vor allem der Anhaltischen Philharmonie unter GMD Antony Hermus rechtfertigte den weiten Weg. Hier etabliert sich (nach Andrea Moses´aufsehenerregender Lohengrin-Inszenierung im vergangenen Jahr) wohl wieder das "Bayreuth des Nordens". Das musikalische dieser Wagner-Gala mit Ulf Paulsen und dem jungen stimmgewaltigen Pavel Shmulevich, mit Angus Wood und Wiard Witholt, vor allem aber mit Iordanka Derilova, die als Isolde, Kundry und Ortrud wahre Triumphe an diesem Haus feierte, wurde der Abend zu einem Erfolg des Musikalischen.
Mit "Einsam in trüben Tagen" debütierte die ausdrucksstarke Angelina Ruzzafante als Elsa, die sie in der Dessauer Inszenierung von Lohengrin ab Januar 2011 an der Seite des neuseeländischen Heldentenors Andrew Sritheran singen wird. Er überzeugte einmal mehr mit der ungekürzten Gralserzählung des Schwanenritters und bestach mit seiner leicht dunkel timbrierten Stimme. Mit der mitreißend (Bläser, Schlagwerk) intonierten Ouvertüre zu "Der fliegende Holländer" setzte zu Beginn das Orchester Glanzpunkte.
Wunderbar gelang es dem Dirigenten, sich auf die ganz unterschiedliche Gefühlswelt der Musik und die Empfindungen der Sänger einzustellen. Ulf Paulsen sang mit schwarzem Bass den Holländer-Monolog und gestaltet berührend mit Stimmgewalt Wotans Abschied. Aus "Das Rheingold" brachten Angus Wood "Immer ist Undank Loges Lohn" und Pavel Shmulevich Wotans "Abendlich strahlt der Sonne Auge" mit sängerischer Perfektion, die für den geplanten "Ring" aufhorchen lässt, zu Gehör.
Die Anhaltische Philharmonie entfachte mit dem "Ritt der Walküren" ein musikalisches Feuerwerk und begleitete subtil den Opernchor beim "Einzug der Gäste" wie auch beim Brautchor aus "Lohengrin". Mit Isoldes "Mild und leise, wie er lächelt" bewies die charismatische Iordanka Derilova einmal mehr ihre hohe Stimmkultur und wusste leise, aber auch dramatische Akzente zu setzen. Noch stärker gelang es ihr mit dem Schlussgesang der Brünhilde aus der "Götterdämmerung". Hier zeigte es sich, dass die Sängerin sich nun endgültig als hochdramtischer Sopran etabliert hat.
Übrigens wechselt in den Gala-Abenden das Programm. Iordanka Derilova debütierte beim zweiten mit der Ballade der Senta. Für März 2011 wird neben "Lohengrin" und der Richard-Wagner-Gala das Ballett "Die Nibelungen" nach Hebbel Premiere haben. Junge Sänger, wie Wiard Witholt, der wundervoll mit baritalem Glanz Wolframs "Lied an den Abendstern" sang, und der junge russische Bassist Pavel Shmulevich, der "Das schöne Fest Johannestag" aus den "Meistersingern" tadellos und sprachlich wohl artikuliert gab, garatieren am Anhaltischen Theater, dass die großen Vorhaben von GMD Antony Hermus nicht nur in Sachen Wagner glücken werden.
04.01.2011, 16:52 | tags:
Anhaltische Philharmonie
751
Johannes Killyen, Mitteldeutsche Zeitung, 3.1.2011
Alternative zum Urlaub
Es gehört zu den vornehmsten Aufgaben der Kunst, dem Menschen neben vielem anderen auch die Aussicht auf eine bessere Welt zu bieten. In diesem Sinne hat die Anhaltische Philharmonie im subpolaren deutschen Winter das richtige Angebot vorgelegt: eine CD mit Musik aus der mediterranen Wärme Spaniens, zugleich ein Streifzug über feurige Feste und durch laue Sommernächte.
Die im Label "Acousence" erschienene Aufnahme entstand parallel zu einem spanischen Konzertabend Mitte 2010, geleitet von Generalmusikdirektor Antony Hermus. Die unter dem Titel "Espana" veröffentlichte CD ist dabei nicht nur für Freunde der Philharmonie interessant, sondern stellt eine Bereicherung der Diskografie dar.
Vereint sind hier zentrale Werke der spanischen Orchesterliteratur, von Emmanuel Chabrier über Joaquín Turina, Joaquín Rodrigo, Maurice Ravel und Manuel de Falla bis zu dem Zeitgenossen Arturo Marquéz. Gemeinsam singen sie - wie es sich für eine Nationalschule des 19. und 20. Jahrhunderts gehört - ein Hohes Lied auf die regionale Vielfalt spanischer (Volks-)Musik. Die kann man mit dem gebührenden zeitlichen Abstand zur Fußball-Weltmeisterschaft auch als Fußball-Fan genießen.
Bei aller Vergleichbarkeit hat natürlich jedes Stück auf dieser CD sein eigenes Gepräge: Die 1883 komponierte Espana-Rhapsodie von Emmanuel Chabrier etwa, einem französischen Spanien-Fanatiker, gibt sich aufgedreht und eingängig, hervorragend instrumentiert, aber weder rhythmisch noch harmonisch besonders anspruchsvoll. Demgegenüber sind die "Danzas Fantasticas" von Joaquín Turina und auch die drei Tänze aus dem Ballett "Der Dreispitz" ("El sombrero de tres picos") von Manuel de Falla (beide 1919) deutlich mehr dem Impressionismus verpflichtet - Tongemälde, die auch in dunklen und bedrohlichen Farben aufgetragen sind und so dem Geheimnis einer Natur Raum lassen, die sich der Verfügung des Menschen entzieht.
Immer wieder überraschend ist trotz seiner Berühmtheit das 1939 entstandene "Concierto de Aranjuez" für Gitarre und Orchester von Joaquín Rodrigo: natürlich eine grandiose Hommage auf den Flamenco, aber zugleich eine künstlerische Verfremdung und Verfeinerung der stolz-herrischen Gebärde, die man (als ahnungsloser Deutscher) mit dem Flamenco in Verbindung bringt. Marlon Titre an der Sologitarre und die aufmerksam begleitende Anhaltische Philharmonie heben hervor, wie zart und an sich freundlich das "Concierto" gewebt ist, der zweite Satz eine atemberaubend schöne Trauerode. Gestampftes Testosteron findet sich darin wenig.
Durchweg macht das Dessauer Orchester auf dieser Aufnahme eine gute Figur. Wie es sich in den letzten eineinhalb Jahren entwickelt hat, ist vielleicht aber am besten in Maurice Ravels Orchesterlied "Alborada del gracioso" zu hören, das den Interpreten größte klangliche Transparenz und Finesse abverlangt. Ganz am Schluss folgt dann mit "Danzón No. 2" von Arturo Marquéz (1994) ein munter folkloristisch-jazziger Exkurs nach Mexiko.
Alles in allem ist diese CD eine angemessene Alternative zur Urlaubsreise ans Mittelmeer, wo es zurzeit ja auch nicht gerade kuschelig warm ist. Nur die spanischen Häppchen, die rund um das Konzert gereicht wurden, muss man schon selbst machen.
"Espana", Chabrier / Turina / Ravel /de Falla / Marquéz / Rodrigo, Marlon Titre (Gitarre), Anhaltische Philharmonie Dessau, Antony Hermus, Acousence Records 2010, Preis: 15 Euro, erhältlich im Anhaltischen Theater, Hörbeispiele auf der Webseite.
02.01.2011, 20:31 | tags:
Anhaltische Philharmonie
750
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 3.1.2011
Neujahrskonzert
Der Clown am Ende seines Witzes
Irgendwann steht er ganz allein im Rampenlicht, der traurige Spaßmacher mit seinen schäbigen kleinen Tricks. Selbst seine Katze, die er auf den seltsamen Namen Ruth Maria Kubitschek getauft hat, will nicht länger mit ihm arbeiten. Der Zylinder bleibt leer, der Zirkusdirektor winkt verzweifelt aus den Kulissen. Doch dann, als der Höhepunkt der Verzweiflung erreicht ist, setzt in seinem Rücken die Musik ein: "Send in the Clowns .".
Melancholisches Lächeln
Stephen Sondheims Song aus dem Musical "A Little Night Music" ist ein idealer Neujahrsgruß, weil er die Trauer über verlorene Zeit mit einem melancholischen Lächeln verbindet - und weil die letzte Zeile "Well, maybe next Year" trotz alledem Hoffnung enthält. Wenn man es zudem von einem Clown singen lässt, dann wird daraus viel mehr als nur eine Nummer in einem Konzert voller Höhepunkte.
Denn dann enthält dieses Lied alles, was das Theater mit dem Zirkus verbindet: die Magie des unwiederbringlichen Augenblicks, den Triumph über die Angst und die Sehnsucht nach dem Applaus. Und dann ruft da ein Narr um Hilfe, der am Ende seines Witzes immer noch ein Lied im Gepäck hat - so wie Jan Kersjes, der gemeinsam mit Thorsten Köhler das Neujahrskonzert der Anhaltischen Philharmonie unter Antony Hermus prägte. Es muss ja nicht immer Beethovens Neunte sein, manchmal passt auch ein Satz aus Vivaldis Piccolo-Konzert oder die Rachearie von Mozarts sternflammender Königin zum Jahresanfang - vor allem dann, wenn man als Solisten den dreifachen Weltmeister im Kunstpfeifen verpflichtet hat.
Der Niederländer Geert Chatrou, den sein Landsmann Hermus für das Orchester entdeckt hat, ist ein echtes Ausnahmetalent: Er pfeift die barocken Triller und Verzierungen so souverän wie die klassischen Koloraturen, die Atemtechnik ist so verblüffend wie die Sauberkeit in den Spitzenlagen und die Modulationsfähigkeit. Dass er im klassischen Konzertbetrieb dennoch ein Exot bleibt, dessen Auftritt auch ein wenig an die landläufigen Casting-Shows erinnert, hat wohl eher mit dem standardisierten Denken im deutschen Theaterbetrieb zu tun.
Wenn sich aber die Sparten der U- und E-Musik treffen, dann kann daraus das Ü wie Überraschung werden. Und davon gab es bei diesem fast ausverkauften Jahresauftakt reichlich. Die Anhaltische Philharmonie ließ nur am Anfang kurz erkennen, dass ihr der doppelte "Fledermaus"-Marathon vom Vorabend noch in den Knochen steckte, schon bei Nino Rotas Suite aus Fellinis "La Strada" spielte sie sich unter dem angedeuteten Chapiteau warm. Und dann ging es von Strawinsky zu Strauß, von Smetana zu Kabalewsky - immer munterer und heiterer entlang des roten Fadens, der sich diesmal zum Drahtseil der Artisten in der Zirkuskuppel spannte.
Schnauzbart und Uniform
Für den Manegen-Zauber sorgte der mit Schnauzbart und golden betresster Uniform posierende Zirkusdirektor Thorsten Köhler, für optische Attraktionen war neben dem Ballett des Anhaltischen Theaters auch der Kinder- und Jugendzirkus Köthen verpflichtet worden.
Da man auf große Dressurakte jenseits des Orchesters verzichtet hatte, durften Leroy Andersons "Waltzing Cat", Henry Mancinis "Pink Panther" und der Schwan aus dem "Karneval der Tiere" von Camille Saint-Saëns die Menagerie ersetzen. Den Zauber aber verdankte der Abend der sichtlichen Begeisterung, mit der ein Theater hier seine eigenen Möglichkeiten feierte - spartenübergreifend und allen Existenzsorgen zum Trotz. Dass ein Schauspieler wie Kersjes so wunderbar den alten Schmachtfetzen "O mein Papa" aus der Operette "Feuerwerk" zu singen weiß und ein Generalmusikdirektor höchstselbst die Holzschuhe überstreift, um in das gesteppte Finale des berühmten Tanzes aus "Zar und Zimmermann" einzugreifen - wo, bitte, bekommt man so etwas sonst geboten?
Dabei muss keiner Angst haben, dass die Seriosität des Unternehmens leidet, wenn man die Illusionen bewusst entzaubert - die Würde des Theaters bleibt unantastbar, wenn es auch die Komik mit dem gebotenen Ernst behandelt. So war dieses Konzert auch ein Versprechen für das kommende Jahr. Und am Ende des umjubelten Abends strahlte auch der traurige Clown.
Das Konzert wird am 9. Januar um 18.30 Uhr im Anhaltischen Theater und am 14. Januar um 19.30 Uhr im Elbe-Werk Roßlau wiederholt.
21.12.2010, 14:16 | tags:
Anhaltische Philharmonie
741
Pressemitteilung vom 21.12.2010
Konzerte im Januar
Zu Beginn des neuen Jahres, am 1. Januar um 17.00 Uhr wird die Bühne des Anhaltischen Theaters zur Manege und das Konzertzimmer zum Zirkuszelt. Beim Neujahrskonzert 2011 unter dem Motto „Einzug der Gladiatoren“ erlebt das Publikum ein ungewöhnliches und spannendes Programm: den Weltmeister im Kunstpfeifen Geert Chatrou, musikalische Tiere, Ballett, einen Clown, Jongleure vom Kinder-und Jugendcircus „Fantasia“ aus Köthen und als „Zirkuskapelle“ die Anhaltischen Philharmonie unter der Leitung von GMD Antony Hermus. Insgesamt dreimal wird dieses Zirkus-Konzert präsentiert: am Neujahrstag um 17 Uhr, zum Neujahrsempfang des Oberbürgermeisters am 9. Januar um 18.30 Uhr und in leicht abgewandelter Form am 14. Januar um 19.30 Uhr noch einmal im Elbe-Werk Roßlau.
Das 3. Kammerkonzert des Anhaltischen Theaters im Schloss Georgium steht am 22. Januar ab 15.30 Uhr ganz im Zeichen der Musik für Violine und Klavier. Zu hören sind Violinsonaten von Beethoven, George Antheil und die sogenannte „FAE-Sonate“ – eine Gemeinschaftskomposition von Albert Dietrich, Robert Schumann und Johannes Brahms. Außerdem erklingen die Fantasie nach Motiven der Rossini-Oper „Moses“ von Niccolò Paganini und die „Carmen“-Fantasie von Pablo de Sarasate. Es musizieren Myra van Campen-Bálint und Wolfgang Kluge.
Im 4. Sinfoniekonzert der Anhaltischen Philharmonie am 27. und 28. Januar, jeweils 19.30 Uhr steht Musik von Wolfgang Amadeus Mozart, Richard Strauss und Maurice Ravel auf dem Programm. Mozarts kleine G-Dur-Sinfonie KV 318 bildet den Anfang, die Strausssche „Rosenkavalier“-Suite den Schluss des Konzerts. Dem „Rosenkavalier“, der genau vor 100 Jahren in Dresden uraufgeführt wurde, ist auch das Motto des Konzerts entnommen: „Die Zeit, die ist ein sonderbar Ding“. 1911 beschwor Strauss im „Rosenkavalier“ mit anachronistischen Walzerklängen das Wien der Kaiserin Maria Theresia herauf, und im selben Jahr komponierte Maurice Ravel mit seinen „Valses nobles et sentimentales“ eine Hommage an Franz Schubert. Einen fernen Gruß an Mozart stellt das Oboenkonzert von Richard Strauss dar, das der 80-jährige Komponist 1945 schrieb. Als Solist dieses bezaubernden Werkes konnte Stefan Schilli, der Solooboist des Bayerischen Rundfunks gewonnen werden. GMD Antony Hermus steht am Dirigentenpult der Anhaltischen Philharmonie und wird gemeinsam mit Musikdramaturg Ronald Müller den interessierten Hörern ab 18.30 Uhr im Foyer eine Konzerteinführung geben.
Am 31. Januar um 10.30 Uhr startet im Theater eine weitere „Musikalische Schnitzeljagd“, bei der sich Schüler im ganzen Haus auf die Suche nach verschiedenen Musikinstrumenten machen werden.
Das alljährliche Jugendkonzert, das die Anhaltische Philharmonie in enger Zusammenarbeit mit den drei Dessau-Roßlauer Gymnasien sowie der Sekundarschule „Am Rathaus“ vorbereitet und durchführt, steht 2011 unter dem Motto „Musik und Sprache“. In den Schülermoderationen werden die verschiedenen Aspekte des Themas erörtert und die Anhaltische Philharmonie unter der Leitung von Wolfgang Kluge steuert dazu passende Musikstücke bei. Das Spektrum der ausgewählten Kompositionen reicht von Beethoven, Mussorgski, Smetana und Strawinsky bis zu Musicalklängen und altenglischen Volksliedern.
Als Solisten wirken mit: Kristina Baran (Sopran), David Ameln (Tenor) und Wiard Witholt (Bariton). Die Termine sind: 12. Januar, 12.30 Uhr Marienkirche für Gymnasium Philanthropinum), 12. Januar, 17 Uhr (Marienkirche für Sekundarschule „Am Rathaus“), 13. Januar, 12.50 Uhr (Walter-Gropius-Gymnasium) und 24. Februar, 10.30 Uhr (Liborius-Gymnasium).
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Abendkasse und an der Theaterkasse im Rathaus-Center; Tel: 0340 / 2400 - 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 / 2511 - 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr; Mail: kasse@anhaltisches-theater.de.
21.12.2010, 09:53 | tags:
Anhaltische Philharmonie
739
Franz Werfel, Mitteldeutsche Zeitung, 21.12.2010
Weihnachtsstimmung auf der Bühne
KONZERT Zwei Abende vor dem vierten Advent stand im Anhaltischen Theater eine musikalische Märchenstunde an.
Vorsichtig tastet sich die Anhaltische Philharmonie
unter ihrem ersten Kapellmeister
Daniel Carlberg an Mendelssohn
heran. Dessen Ouvertüre zur
„Schönen Melusine“, die der Romantiker im Alter von erst 24 Jahren schrieb, eröffnete das „Weihnachtliche Konzert“ am vergangenen Freitag. Die rasante Entwicklung dieser Komposition gestalten die Interpreten hervorragend aus, das peitschende Staccato der Streicher,
unterstützt von den Pauken,
wechselt abrupt zum vollsten Orchesterklang, der hier denkbar
breit ausgefüllt wird. Dabei begeistert vor allem, wie genau das Orchester unter seinem Dirigenten die schnellen Stimmungswechsel bewältigt. Weihnachten ja, aber bitte
nicht aalglatt.
Akzentuierte Einsätze
Danach ein Zeitsprung zur vorletzten Jahrhundertwende mit Antonín Dvoráks „Rusalka“. Besonders die Dessauer Blechbläser begeisterten
mit ihren diesmal scharfen, akzentuierten Einsätzen und harmonischen Akkorden. Die Philharmonie beherrscht das Tänzelnde der Polonaise,
vor allem die Streicher schaffen
hier jenen so wichtigen warmen
und dennoch nur flüchtigen
Klang. Ist man einmal ganz im
Tanz versunken, geht dieser auch
schon wieder zu Ende. Anschließend, in der Wassermann-Arie derselben
Oper, ein gut aufgelegter Ulf
Paulsen, dessen Bass sich zu jener
ur-böhmischen Traurigkeit glänzend
mischt. Er vermag, technisch
perfekt, diese melancholisch-tragische Süße scheinbar spielend
leicht zu erzeugen - und begeistert das gut besuchte Haus.
Dann der Auftritt des Kinderballetts.
Gabriella Gilardi schuf zu Leos Janáceks Opernmusik „Das schlaue Füchslein“ eine schöne Choreografie, die die Tänzerinnen
des Kinderballetts verschiedener
Altersgruppen an ihrem jeweiligen
Leistungsstand abholte. Und plötzlich ist die Bühne auch visuell erfüllt vom eifrigen Summen, Flattern und Piepsen der Marienkäfer, Schmetterlinge, Hennen und Küken.
Den Kücklein - gerade frisch
geschlüpft - kleben sogar noch die
Eierschalen auf ihren Köpfchen.
Sowieso konnten die fröhlichbunten
Kostüme und Schrittfolgen
der Kinder Gedanken an die Kälte
vor dem Theater ausblenden und
Vorfreude auf den Frühling wecken.
Da wurde gesprungen, gelacht
und sogar der ein oder andere
tierische Konflikt ausgetragen, etwa wenn einzelne Tiere aus ihren
Gruppen ausgeschlossen werden,
um sich anschließend im Ringelreihen wieder zu versöhnen.
In die Pause ging es mit dem furiosen Finale von Janáceks Musik - und einem gelungenen Schlussbild der 16 jungen Tänzerinnen.
Gerald Fiedler moderiert
Fast ein Muss bei Weihnachtskonzerten
sind Auszüge aus Tschaikowskys
Ballettmusik „Schwanensee“.
So erklang auch in Dessau die
Suite aus diesem Ballett, nachdem
Schauspieler Gerald Fiedler, der
das Publikum den Abend hindurch
mit Hintergrundinformationen und
Anekdoten zu den einzelnen Stücken
bedachte, die bekannte Geschichte
referiert hatte.
Vielleicht hätte man sich, im Sinne eines abwechslungsreichen Programms,
hier nicht zu sehr auf die
tiefromantischen Effekte des Werkes, sondern eher auf seine dynamische Dramatik stützen sollen. Allzu brav, die Reibung nicht suchend kam Tschaikosky daher(was dem immer schön anzuhörenden Stück natürlich wenig anhaben
konnte). So musste auch die
berühmte Mazurka auf dem weihnachtlich drapierten Präsentierteller landen, wollte die Suite an sich nicht ein wenig flotter angegangen werden. In der Märchenballade vom „Dicken fetten Pfannkuchen“ aus der Feder Siegfried Wagners bewies sich erneut Ulf Paulsen als
facettenreicher musikalischer
Märchenonkel, der die verschiedenen Charaktere, denen der Pfannkuchen auf seinem abenteuerlichen Weg - kantaper, kantaper - begegnet, üppig ausgestalten und somit viele Lacher und Bravorufe ernten kann.
Engelbert Humperdincks Finale
seiner bekanntesten Oper „Hänsel
und Gretel“ brachte zum Ende des
Konzerts noch einmal viele Akteure
auf der Bühne zusammen: Sharleen
Joynt als Gretel, Anne Weinkauf
als Hänsel und Ulrike Hoffmann
mit Ulf Paulsen als Eltern sowieder Kinderchor des Theaters
beschlossen den weihnachtlichen
Theaterreigen.
Spätestens als dann alle beteiligten Künstler zusammen mit dem Publikum Weihnachtslieder wie
„Stille Nacht, heilige Nacht“ oder
„O du fröhliche“ anstimmten,
konnte sich die vorweihnachtliche
Stimmung kollektiv Bahn brechen.
Wer mag bei diesem also noch aktuellen Liedgut und dem „gesegneten Weihnachtsfest“, das Gerald Fiedler allen Besuchern im Namen des Theaters wünschte, noch von Säkularisierung sprechen?
Für die letzte Aufführung des diesjährigen
Weihnachtskonzertes am Donnerstag um 18 Uhr können noch Restkarten erworben werden.
15.12.2010, 15:35 | tags:
Anhaltische Philharmonie
735
Pressemitteilung vom 15.12.2010
2. Kammerkonzert im Schloss Georgium
Am Samstag, 18. Dezember um 15.30 Uhr lädt das Anhaltische Theater zum 2. Kammerkonzert der Spielzeit in das Schloss Georgium ein. Zwei ungarische Komponisten des 20. Jahrhunderts prägen den ersten Teil des Konzerts: Maté Hollós mit „Canticornum“ für Horn und Klavier und György Ligeti mit seinem Horntrio „Hommage à Brahms". Im zweiten Teil erklingt dann noch das große Klavierquintett f-Moll op. 34 von Johannes Brahms.
Es spielen: Daniel Costello, Horn; Weronika Ambrosio, Violine; Johannes Schmidt, Violine; Michiaki Manda, Viola; Doreen Büring, Violoncello; Boris Cepeda, Klavier
15.12.2010, 15:34 | tags:
Anhaltische Philharmonie
734
Pressemitteilung vom 15.12.2010
Ein musikalisches Weihnachtsgeschenk
Neue CDs der Anhaltischen Philharmonie
Gerade noch rechtzeitig vor Weihnachten ist beim Label cpo eine neue CD der Anhaltischen Philharmonie mit Werken des Dessauer Hofkapellmeisters August Klughardt (1847 – 1902) erschienen. Die Aufnahmen des Violinkonzerts mit der Geigerin Mirjam Tschopp und der 3. Sinfonie unter der Leitung von Golo Berg entstanden im März 2009 in Koproduktion mit Deutschlandradio Kultur. Schon seit einigen Wochen auf dem Markt ist der Mitschnitt des von Generalmusikdirektor Antony Hermus dirigierten Sinfoniekonzerts mit spanisch-lateinamerikanischer Musik vom Juli 2010, der unter dem Titel „España“ auf CD veröffentlicht wurde. Beide CDs sind ab sofort an den Theaterkassen zum Preis von jeweils 14 Euro erhältlich.
15.12.2010, 12:27 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
733
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 15.12.2010
Musikfeste
Tickets als Geschenk-Idee
Große Musikfeste müssen wegen ihrer prominenten Gäste nicht nur weit im Voraus planen, sie reichen diesen Termindruck auch gern an ihr Publikum weiter - was vor Weihnachten freilich zur perfekten Geschenk-Idee führt. Sowohl für das Dessauer Kurt-Weill-Fest als auch für Halles Händel-Festspiele 2011 sind nämlich bereits jetzt Tickets verfügbar, mit denen man Kunstgenuss auf höchstem Niveau überreichen kann. Dass man damit nicht bis zur letzten Sekunde warten sollte, zeigen die positiven Zwischenbilanzen der Veranstalter.
So bietet das Festival der Klassischen Moderne vom 25. Februar bis zum 12. März mit der Doppelpremiere von "Der Protagonist / I Pagliacci" sowie mit "One Touch of Venus" im Anhaltischen Theater, mit der Pantomime "Die Zaubernacht" und mit "Heute abend: Lola Blau" eine Fülle von szenischen Produktionen. Zu den Konzerthighlights dürfte neben den Auftritten des Ensemble Modern als Artist in Residence und der Anhaltischen Philharmonie auch das Wiedersehen mit dem Posaunisten Nils Landgren und seinem Begleiter Michael Wollny zählen. Und für die Fans modernerer Klänge sind die Auftritte von Little Annie sowie von Philip Boa Pflicht.
Daneben werden Dada und Tango, Orgelfugen und Balladen, Jazz-Frühschoppen und Filmklassiker angeboten - ein Programm für jeden Geschmack und jeden Geldbeutel, das unter dem Motto "Berlin im Licht" die Städte-Trilogie des neuen Festival-Intendanten Michael Kaufmann eröffnet. Dessen Vorgänger Clemens Birnbaum hat sein zweites Händel-Fest in Halle schwerpunktmäßig der sächsischen Barockmusik gewidmet - und für die Zeit vom 2. bis zum 12. Juni abermals ein attraktives Programm zusammengestellt.
Zu den Stars des Jahrgangs zählen Ensembles wie das Collegium 1704 und Café Zimmermann, aber auch Solisten wie Vivica Genaux und Veronica Cangemi. Als interkulturelle Projekte werden sowohl "Israel in Egypt" mit l'arte del mondo und Yair Dalal als auch "Von Istanbul nach Dresden" mit dem Ensemble Sarband angekündigt. Zur großen Opern-Produktion "Ottone" gesellt sich neben der Wiederaufnahme von "Orlando" ein "Rinaldo", den die Lautten-Compagney gemeinsam mit der italienischen Marionetten-Compagnie Carlo Colla aufführt.
Neben einer konzertanten Aufführung der "Agrippina" mit Europa Galante erklingen die Oratorien "Jephtha" und "Athalia", das "Occasional Oratorio" und natürlich der "Messiah". Dass das Orchestra of the Age of Enlightenment mit seinem halleschen Debüt eine Lücke in der Festival-Geschichte schließt, ist ebenso erfreulich wie der Jazz-Schwerpunkt mit Uri Caine und Gianluisi Trovesi.
Und zum Finaltag gibt es nicht nur das traditionelle Abschlusskonzert unter der Leitung von Howard Arman, sondern auch ein Gastspiel des italienischen Aterballetto mit dem Tanztheater "Serata Haendel". So wird das Elbflorenz, das Händel 1719 auf der Suche nach Sängern für seine Londoner Opern-Compagnie aufsuchte, an der Saale wieder aufgebaut - barocke Pracht mit einer Fülle von zeitgenössischen Akzenten.
Dass man von Halle aus direkt zum Bachfest nach Leipzig weiterreisen kann, hat mittlerweile Tradition. Im kommenden Jahr empfiehlt sich für Barock-Fans darüber hinaus ein Abstecher nach Zerbst, wo nach mehrjähriger Unterbrechung vom 7. bis zum 17. April erstmals wieder Fasch-Festtage stattfinden. Auch für dieses Festival sind die Karten bereits im Vorverkauf erhältlich.
07.12.2010, 10:58 | tags:
Anhaltische Philharmonie
715
Super Sonntag, 5.12.2010
Musikschüler fiebern ihrem Auftritt entgegen
Weihnachtliche Konzerte der Musikschule
Auch die Musikschule Dessau-Roßlau ist angekommen im Advent - und damit zum 45. Mal bei ihrem traditionsreichen Weihnachtlichen Konzert im Anhaltischen Theater. Wie in jedem Jahr beginnen die Vorbereitungen auf die weihnachtlichen Konzerte direkt nach den Sommerferien mit der Auswahl der in Frage kommenden musikalischen Werke und spätestens mit Einsetzen der Laubfärbung mit intensiven zusätzlichen Proben bis weit in die Abendstunden und an den Wochenenden. Mit großem Engagement bereiten sich die jungen Musiker zusammen mit ihren Lehrern auf dieses wichtigste Konzert am Jahresende vor. Am 12. Dezember, um 19.30 Uhr und am 13. Dezember, um 17 Uhr kann sich das Publikum selbst ein Bild machen von den Ergebnissen dieser Arbeit.
Das Konzertprogramm wird auf vielfache Weise mit weihnachtlichem Leben erfüllt. Mit „Puer natus in Bethlehem“ erklingt ein lateinisches Weihnachtslied, das in zahlreiche Sprachen übersetzt worden ist. Im Deutschen ist es bekannt als „Ein Kind geboren zu Bethlehem“. Dieses Werk von Michael Praetorius wird gestaltet in musikalischer Kooperation von Musikschulorchester, zwei Blockflötenensembles und zwei Gesangsensembles mit insgesamt 60 Mitwirkenden unter der Stabführung von Friedemann Neef. Für die Einstudierung zeichnen maßgeblich Anne und Wolf-Jürgen Gander, Marianne Kaiser und Ulrike Mahlo verantwortlich. „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ - das sagen zu können - wünschen sich ganz sicher die jüngsten Schüler, wenn sie Ihrem Auftritt auf der Bühne des Theaters entgegenfiebern. Ihre kleine Reise durch die musikalische Weihnachtswelt unternehmen die Streichergruppe, Ensembles und Solisten mit großer Erwartung und Aufregung unter anderem mit dem „Traumschiffli“" von Gerda Bächli und mit „Rudolph, the Red-Nosed Reindeer“. Auch das Nachwuchsorchester wird sich mit Weihnachtlichem aus alter und neuer Zeit vorstellen. Bekannte Lieder wie „Vom Himmel hoch, da komm ich her“, „Leise rieselt der Schnee“ und „Jingle Bells“ werden in instrumentaler Fassung sicher ihr begeistertes Publikum finden. Kleine vorweihnachtliche musikalische Leckerbissen wie die Sonatine für Mandoline und Klavier von Ludwig van Beethoven und ein Arrangement des Weihnachtsliedes „O Tannenbaum“ für Saxofonquintett stehen ebenso auf dem Programm wie Beiträge der Jugend - Big Band unter Leitung von Detlef Metzner und erfahrener Schülersolisten. Die solistischen Beiträge sind auch eingebettet in das Spiel des Musikschulorchesters. So erklingen das Andante aus dem Concerto in Es für Trompete von Joseph Haydn mit Maria Brand, Largo und Allegro aus dem einzigen Konzert für zwei Violoncelli von Antonio Vivaldi mit Elisabeth Sommer und Paul Weinreich und die Arie „Großer Herr, o starker König“ aus dem Weihnachts-Oratorium von Johann Sebastian Bach mit Philipp Jekal. Bastian Matthei wird mit dem Gnomenreigen von Franz Liszt am Flügel und mit einem Satz aus dem Konzert D-Dur von Johann Baptiste Vanhal am Kontrabass zu erleben sein. Cornelius Tamm spielt zwei Preludes for Piano von George Gershwin und Tabea Korsowsky wird ihre neue, beim 6. Violin-Förderwettbewerb der Ostdeutschen Sparkassenstiftung erspielte Violine, erstmalig im Konzert zum Einsatz bringen. Für Ronald Müller, Dramaturg am Anhaltischen Theater, ist das 45. Weihnachtliche Konzert der Musikschule zugleich ein Jubiläumskonzert. Er übernimmt zum zehnten Mal die Moderation der beiden Veranstaltungen.
Karten für das 45. Weihnachtliche Konzert der Musikschule sind an der Theaterkasse im Rathauscenter erhältlich.
07.12.2010, 10:15 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
714
Franz Werfel, Mitteldeutsche Zeitung, 7.12.2010
Der Frosch in der Badewanne
Das kollektive Baden in allen Gesellschaftsschichten ist bei der Neuinszenierung der "Fledermaus" durch Hinrich Horstkotte am Anhaltischen Theater Dessau das bestimmende Prinzip. So will nicht nur die Straußsche Ortsangabe neu angedacht werden, der Ganzkörperreinigung sind auch die Bühnenbilder von Martin Dolnik und viele Arrangements gewidmet. Dies deutet sich schon in der Ouvertüre an, die sich - trotz hartnäckiger Versuche - ob ihrer kraft- und schwungvollen Interpretation durch Wolfgang Kluge und die Anhaltische Philharmonie partout nicht zerhusten lassen wollte.
Da wird etwas plakativ im Bühnenportal der Ort des Geschehens "Baden bei Wien" angeschrieben; in den Badekammern aber kann sich das Volk im fröhlichen "Jeder-mit-Jedem" glücklich tummeln. Wer alleine ist, greift in nicht enden wollenden Tiraden zum Strick. Die hundert Jahre alten Badeanzüge entlocken dem Publikum ebenso Gluckser, wie der große blaue Schwimmring oder die überdimensionierten Kinderlutscher. Letztere sieht man auch lieber, als das mehrmalige Greifen in den Schritt der männlichen Lüstlinge. Danach findet sich der Zuschauer im Haus der von Eisensteins wieder. Die obligatorische Badewanne fehlt auch hier nicht, dient als Verschönerungs- und Rückzugsort. In diesen Zimmern können sich die Herrschaften ausleben. Hier intoniert der heldentenörige Gesangslehrer Alfred (wie immer stimmlich hochpräsent: Angus Wood) "Du bist mein ganzes Herz", hier schmachtet seine Angebetete, die verheiratete Rosalinde (Angelina Ruzzafante), hingebungsvoll dahin.
Gut gewollte Übertreibungen
Sharleen Joynt als Stubenmädchen Adele hingegen enttäuscht auf ganzer Linie. Ihre vorgemachten Übertreibungen sind in der Regel nur gut gewollt und bleiben als offensichtliche Behauptungen für sich stehen. Zudem überzeugt die junge, zierliche Soubrette auch gesanglich nicht. Die hellen Koloraturen kommen meist nicht über den Graben hinaus - das gleiche gilt für ihre Dialogszenen.
Treffen in der anschließenden Rausschmeiß-Szene die Gegner Gabriel von Eisenstein (Wiard Witholt) und Dr. Blind (Filippo Deledda) aufeinander, geht es hektisch zu. Hinter dem vielen Gerenne auf der Bühne verschwinden die Sangestexte der Darsteller. Diese Szene ist paradigmatisch für viele kleine Ungenauigkeiten. Aufgeregt sind Musik und Libretto sowieso, mehr Ruhe in der Inszenierung hätte der musikalischen Qualität gut getan. Diese stellt sich sofort ein, wenn Rosalinde ihre erfrischenden Solopassagen gerade heraus ins Publikum singen darf.
Auf viele Pointen jedoch inszeniert die Regie derart deutlich hin, dass sie meist vorhersehbar sind - und dann verpuffen. Dabei funktionieren die Slapstickeinlagen sogar ganz gut, wenn sie überzeugend und sicher dargeboten werden, wenn sich die Darsteller in ihrer Komik ernst nehmen und diese genau herausarbeiten.
Im zweiten Akt überzeugt David Ameln mit seinem herrlich verrückten Russenprinzen Orlofsky - mal piepsig fistelnd, dann übergangslos aufbrausend und fauchend. Nicht nur wegen seines Kostüms, durch das er auf mindestens das Dreifache seines Körperumfangs verbreitert wurde, erlangt er hier eine enorme Präsenz. Im Laufe des teilweise recht zäh dargebotenen Gastmahls verwandelt sich dann die Villa Orlofsky in eine Riesenwanne, der prunkhafte Kronleuchter wird - was kostet die Welt? - zum Stöpsel. Am Ende der rauschenden Orgie werden der Stöpsel gezogen und das herrschaftliche Wasser abgelassen. Und die feinen Herren landen dort, wo sie wirklich hingehören: in Froschs Gefängnis.
Gefängnis in der Kanalisation
Selten hat man einen so durchdachten Pausenübergang gesehen wie hier in Dessau. So wie auch Bühne und Spannung im dritten Akt am besten tragen. Dies liegt zu großen Teilen an Jan-Pieter Fuhrs Frosch. Dieser Spieler vermag nicht nur die Bühne angemessen auszufüllen, sondern lässt seine Wortwitze auch beim zehnten Mal noch zünden. Und es liegt an spritzigen Dialogen, die hier geradlinig und schnell erzählt werden.
Bühnenbild und Leitideen dieser Inszenierung sind also durchaus stimmig. Im Detail hätten ein paar Stellschrauben konsequenter justiert werden müssen.
Nächste Vorstellungen: 10. Dezember, 19.30 Uhr, 18. Dezember, 17 Uhr, 19. Dezember, 15 Uhr
06.12.2010, 15:54 | tags:
Anhaltische Philharmonie
, Diverses
710
Pressemitteilung vom 6.12.2010
19. Dessauer Bassgeigenweihnacht
Die Musikschule Dessau-Roßlau und Mitglieder der Anhaltischen Philharmonie laden am Dienstag, 14. Dezember um 18.00 Uhr zu einem besonderen Konzert in die Marienkirche ein.
23 Kontrabassisten im Alter von sieben bis achtundvierzig Jahren, darunter Schüler der Musikschule Dessau-Roßlau und der Grundschule am Akazienwäldchen, gestalten gemeinsam mit Mitgliedern der Anhaltischen Philharmonie ein unterhaltsames nicht nur vorweihnachtliches Programm der 19. Dessauer Bassgeigenweihnacht.
In dem Konzert werden Kompositionen von Giovanni Bottesini, Richard Eilenberg, Christoph Reuter, Franz Schubert u.a. erklingen. Die Geschichte zur 19. Bassgeigenweihnacht, vorgetragen von den Schülern der AG Kontrabass der Grundschule am Akazienwäldchen, erzählt von 10 kleinen Kontrabässen, Pinseläffchen und von einem Faultier. Die Kontrabassschüler der Musikschule stellen sich mit solistischen Beiträgen vor. Es erklingen die weihnachtlichen Weisen im einzigartigen Sound des Bassgeigenorchesters.
Die musikalische Leitung und Moderation liegt in den Händen von Ingo Burghausen, Wolfgang Kind begleitet die Musiker am Klavier.
Die 19. Dessauer Bassgeigenweihnacht ist eine Veranstaltung der Musikschule Dessau-Roßlau mit freundlicher Unterstützung des Anhaltischen Theaters Dessau und der Stadt Dessau-Roßlau.
Der Eintritt ist frei.
Weitere Informationen gibt es unter www.bassgeigengala.de oder telefonisch unter 0177 70 14 776 bei Ingo Burghausen.
06.12.2010, 15:28 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
709
Helmut Rohm, Volksstimme, 6.12.2010
Premiere der Johann Strauß Operette "Die Fledermaus" am Anhaltischen Theater in Dessau
Eine hintergründige Rachekomödie mit sehr viel Augenzwickern
Dessau-Roßlau. "Glücklich ist, wer vergisst ..." heißt es in der Operette "Die Fledermaus" von Johann Strauß, die am Sonnabendabend im annähernd ausverkauften Anhaltischen Theater Dessau ihre mit viel Beifall aufgenommene Premiere hatte. Unglücklich, weil er nicht vergessen kann, ist dagegen Dr. Falke. Vor Jahren hat ihn sein Freund von Eisenstein nach einem gemeinsam besuchten Maskenball betrunken in einem Fledermauskostüm öffentlich der Lächerlichkeit preisgegeben.
Regisseur Hinrich Horstkotte hat eine reizvoll parodierende und ironisch-hintergründige Rachekomödie mit viel Augenzwinkern auf die Bühne gebracht. In prachtvoll-schönen Kostümen (ebenfalls Hinrich Horstkotte) aus der Zeit um 1880 und ideenreichen Bühnenbildern (Martin Dolnik). Wie beim "Untergrund-Gefängnis" im dritten Akt gibt es dafür oft Spontanbeifall. Da die Handlung in Baden bei Wien spielt, spielt das Baden in realen und symbolhaft übergroßen Badewannen eine prägende Rolle. Auch hier und da als Ort erotischer "Exzesse".
Ulf Paulsen als Dr. Falke fädelt mehr im Hintergrund mephistohaft ein Verwirrspiel ein. Er lädt verschiedene Personen zum Ball beim Grafen Orlofsky ein (vergnüglich, komisch David Ameln, Clown Popov lässt grüßen). Dort trifft sich zum Amüsement mit Suff und Spiel die Hautevolee oder jene, die sich dazuzählen. Alle inkognito - mehr Schein als Sein.
Alfred (Angus Wood als amouröser Schwerenöter) wurde schon im Vorfeld verwechselt und als Eisenstein weggesperrt. Der wirkliche von Eisenstein (Wiard Witholt sehr überzeugend als Sucher nach Liebesabenteuern) kommt und Gefängnisdirektor Frank (Kostadin Arguirov), beide als französische Edelleute. Eisensteins Stubenmädchen Adele (Sharleen Joynt stark im Gesang mit tollen Koloraturen und facettenreich im Spiel) träumt von einer Diva-Rolle, während Rosalinde von Eisenstein (Angelina Ruzzafante unter anderem mit einem beeindruckenden Csardas) als geheimnisvolle ungarische Gräfin auftritt. Ein Traum in Illusionen.
Hinrich Horstkotte bringt turbulentes Leben in den Ballsaal, wenn sonst auch hin und wieder die Handlungsabläufe etwas dahinplätschern. Der Dessauer Opernchor agiert neben Gesang mit bekannt aktivem Spiel. Orlofsky lädt sich niedliche liebebedürftige Tanzmäuschen ein. Das Ballettensemble steuert als "Ball-Beitrag" eine schnelle Polka bei.
Am nächsten Morgen im Gefängnis mit Jan-Pieter Fuhr als trink- und redseligem Gerichtsdiener Frosch weicht die Illusion der totalen Ernüchterung. Eisenstein muss bei seiner Gattin Buße tun. "Glücklich ist, wer vergisst ..." Und "nur der Champagner war an allem schuld". Vergessen, vergeben, Happy End.
Die Anhaltische Philharmonie unter Wolfgang Kluge interpretiert die feinsinnige und gleichsam mitreißende Strauß‘sche Musik mit bravourösem Engagement.
01.12.2010, 14:51 | tags:
Anhaltische Philharmonie
704
Pressemitteilung vom 01.12.2010
Nächste Konzerte der Anhaltischen Philharmonie
Auch in diesem Jahr lädt das Anhaltische Theater zum Weihnachtlichen Konzert und zum Neujahrskonzert der Anhaltischen Philharmonie in das Große Haus ein.
Am Samstag, 11. Dezember um 17.00 Uhr hält das Weihnachtliche Konzert ein besonders abwechslungsreiches und märchenhaftes Programm bereit. Auf Mendelssohns Ouvertüre „Das Märchen von der schönen Melusine“ folgen Polonaise und Arie des Wassermanns aus Dvoráks Oper „Rusalka“ sowie die Suite aus Janáceks „Schlauem Füchslein“. Dabei wird das Kinderballett des Anhaltischen Theaters mitwirken. Weiter geht es mit Ausschnitten aus Tschaikowskis „Schwanensee“-Musik und dem „Märchen vom dicken fetten Pfannkuchen“, als Ballade vertont von Siegfried Wagner und gesungen von Ulf Paulsen. Zum Abschluss erklingt das Finale aus Humperdincks Märchenoper „Hänsel und Gretel“ mit weiteren Gesangssolisten und dem Kinderchor des Anhaltischen Theaters, und es wird zum gemeinsamen Weihnachtsliedersingen eingeladen. Die Anhaltische Philharmonie Dessau spielt unter der Leitung von Daniel Carlberg. Die Moderation übernimmt Gerald Fiedler. Das Konzert erlebt im Monat Dezember drei Aufführungen in Dessau, am 11. (17 Uhr), 17. (19.30 Uhr) und 23. Dezember 2010 (18 Uhr). Eine Voraufführung mit leicht verändertem Programm findet am 5. Dezember um 15 Uhr im Elbe-Werk in der Roßlauer Hauptstraße statt.
Zwei ungarische Komponisten des 20. Jahrhunderts prägen den ersten Teil des Kammerkonzerts am 18. Dezember, um 15.30 Uhr im Schloss Georgium: Maté Hollós mit „Canticornum“ für Horn und Klavier und György Ligeti mit seinem Horntrio „Hommage à Brahms“. Im zweiten Teil erklingt dann noch das große Klavierquintett f-Moll op. 34 von Johannes Brahms. Die Ausführenden sind Daniel Costello (Horn), Weronika Ambrosio (Violine), Johannes Schmidt (Violine), Michiaki Manda (Viola), Doreen Büring (Violoncello) und Boris Cepeda (Klavier).
Beim Neujahrskonzert 2011 wird die Bühne des Anhaltischen Theaters zur Manege und das Konzertzimmer zum Zirkuszelt. Unter dem Motto „Einzug der Gladiatoren“ erlebt das Publikum ein ungewöhnliches und spannendes Programm: den Weltmeister im Kunstpfeifen Geert Chatrou, musikalische Tiere, Ballett, einen Clown, Jongleure vom Kinder- und Jugendcircus „Fantasia“ aus Köthen und als „Zirkuskapelle“ die Anhaltische Philharmonie unter der Leitung von GMD Antony Hermus. Insgesamt dreimal wird dieses Zirkus-Konzert präsentiert: am Neujahrstag um 17.00 Uhr, zum Neujahrsempfang des Oberbürgermeisters am 9. Januar um 18.30 Uhr und in leicht abgewandelter Form am 14. Januar um 19.30 Uhr noch einmal im Elbe-Werk Roßlau.
Tickets und Informationen erhalten Sie unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 / 2400-258 Montag bis Samstag 9.30 bis 20.00 Uhr; Theaterkasse - nur telefonisch 0340 / 2511-333 Montag bis Freitag 9.00 bis 17.00 Uhr; Mail: kasse@anhaltisches-theater.de.
30.11.2010, 14:07 | tags:
Anhaltische Philharmonie
702
Pressemitteilung vom 30.11.2010
Erleben Sie das ungewöhnlichste Konzert des Jahres!
staging the bauhaus – Ein Raumkonzert
Für alle, die die spektakuläre Konzert-Installation am 26. November auf der Bauhaus-Bühne verpasst haben, besteht am 6. Dezember um 19.00 Uhr ein letztes Mal die Möglichkeit, das wohl außergewöhnlichste Konzert der Anhaltischen Philharmonie unter der Leitung von Daniel Carlberg zu besuchen. Denn wann erlebt man schon einmal 4 Flügel, 7 Schlagzeuger, elektrische Glocken und Flugzeugpropeller beim gemeinsamen Musizieren, wie es George Antheil für sein „Ballet mécanique“ vorschreibt. „Das Bauhaus bebte im Applaus“, schrieb Kritiker Johannes Killyen in der „Mitteldeutschen Zeitung“. Außerdem erklingen: Aaron Coplands „The City“ (live gespielt zum gleichnamigen Dokumentarfilm), Charles Ives’ „The unanswered Question“ und Arnold Schönbergs „Begleitmusik zu einer Lichtspielszene op. 34“.
Schönberg schrieb dieses Stück für einen Film, den es niemals gegeben hat. Zwei junge Dessauer Künstler, Ronny Traufeller und Normen Wassmuth haben zur Musik eine Lichtinstallation geschaffen, die nun als Uraufführung das Bauhaus in ein ganz ungewohntes Licht taucht. In einem Zusammenspiel von Licht, Klang, Mensch wird die von Walter Gropius entworfene Bauhausbühne als „agierende Architektur“ in Bewegung gesetzt.
In Kooperation mit dem Bauhaus Dessau.
Musikalische Leitung und Konzept: Daniel Carlberg; Video: Ronny Traufeller/Norman Wassmuth
Licht: Henning Höhne; Szenografie: Torsten Blume; Dramaturgie: Holger Kuhla
Tickets und Informationen erhalten Sie unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr; Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr; Mail: kasse@anhaltisches-theater.de oder bei der Stiftung Bauhaus Dessau, Telefon 0340-6508-250 sowie an der Abendkasse.
28.11.2010, 21:57 | tags:
Anhaltische Philharmonie
699
Johannes Killyen, Mitteldeutsche Zeitung, 29.11.2010
Die Bilder und die Klänge des Bauhauses
In launiger Küchenpoesie hat Oskar Schlemmer die Bühnenarbeit einmal als "Blume im Knopfloch des Bauhauses" bezeichnet und damit sicherlich mehr als nur ein schmückendes Emblem gemeint. Die Arbeit an der Bauhausbühne bündelte wie in einem Brennpunkt die unterschiedlichsten Kräfte der Weimarer und dann vor allem der Dessauer Avantgarde-Schmiede. Auch wenn viele experimentelle Ansätze der 20er und 30er Jahre, die für die neuartige Bühne entwickelt wurden, nicht über das Stadium der Idee hinauskamen, waren ihre Nachwirkungen gewaltig - gerade in den USA. Über Details dieser Rezeption tauschten sich in einem Kongress nun Fachleute aus, während die interessierte Öffentlichkeit am Freitag eine fulminant sinnliche "Konzertinstallation" auf der Bauhausbühne vorzog.
Die hatte es in sich, gerade weil ein glänzend moderierender wie dirigierender Daniel Carlberg und die bestens aufgelegte Anhaltische Philharmonie nicht den Versuch unternahmen, historische Bauhausprojekte wieder zu beleben, sondern Maximen des Bauhaustheaters in Szene setzten: als "Beziehungen von Licht, Raum, Fläche, Form, Bewegung, Ton, Mensch", wie Bauhausmeister Moholy-Nagy es einst formuliert hat.
Den Anfang machte der auf drei Leinwände projizierte Dokumentarfilm "The City" (1939), zu dem das Orchester und ein in die Lücken der Partitur hinein improvisierender Pianist (Boris Cepeda) die Original-Filmmusik von Aaron Copland spielten.
Fesselnd war zum einen der Film selbst, der die Folgen ungehemmten industriellen Wachstums vorführt und dieser düsteren Vision aus kochendem Stahl und rauchenden Schloten den Traum von einem menschenwürdigen Leben in grünen Vorstädten entgegen setzt. Doch der eigentliche Clou war die Musik des Gottvaters der amerikanischen Musik, die nicht wie eine Klangsoße über die Filmhandlung gegossen wird, sondern stets ihre Eigenständigkeit bewahrt, ja entscheidende Akzente setzt. Ein von Patrick Rupar gesprochener hymnischer (Original-)Begleittext rundete das Gesamtkunstwerk ab.
Demgegenüber erkundete Charles Ives berühmtes metaphysisches Programmstück "The unanswered question" (Die unbeantwortete Frage, 1906) die klangräumliche Wirkung des Bauhauses vom Foyer bis zur Hinterbühne - während Arnold Schönbergs "Begleitmusik zu einer Lichtspielszene" (1929/30) in bester Bauhausmanier von einer eigens dafür kreierten Lichtkomposition (Ronny Traufeller, Norman Wassmuth) illuminiert wurde. Flackernde, grauschattierte Formen ließen im Kopf jenen Film ablaufen, der zu Schönbergs Komposition nie gedreht worden war.
Schließlich ein Skandalstück ersten Ranges, ganz unklassisch, ganz dem stampfenden Lärm der neuen Zeit huldigend: George Antheils "Ballet mécanique" (1926) für sage und schreibe vier Flügel und sieben Schlagzeuger. Dieses Werk ist revolutionär, nicht weil dabei ständig Wecker klingeln und Flugzeugpropeller mehr dekorativ sich drehen. Es ist ein Manifest, in dem der Rhythmus gegen die Melodie aufbegehrt und sich von ihr löst. Mit brachialem Knall endete dieser Akt der Befreiung. Das Bauhaus bebte im Applaus.
Das Konzert wird am 6. Dezember um 19 Uhr wiederholt.
24.11.2010, 19:20 | tags:
Anhaltische Philharmonie
, Diverses
695
Pressemitteilung vom 24.11.2010
19. Dessauer Bassgeigenweihnacht: Aus BISS wird BASS denn wir sind keine Vampire
Zum nunmehr 19. Mal laden die Musikschule Dessau-Roßlau und das Anhaltische Theater am Dienstag, 14. Dezember um 18.00 Uhr zur Dessauer Bassgeigenweihnacht in die Marienkirche ein.
Im Mittelpunkt des Abends stehen die ca. 20 großen und kleinen Kontrabassisten: Schüler der Musikschule Dessau-Roßlau und der Grundschule am Akazienwäldchen, die gemeinsam mit Mitgliedern der Anhaltischen Philharmonie musizieren. Die musikalische Leitung und Moderation liegt in den Händen von Ingo Burghausen, Wolfgang Kind begleitet die Musiker am Klavier.
Neben Weihnachtsliedern wird auch richtig schwere Konzertliteratur dargeboten, sodass der musikalische Austausch der Kleinsten mit erfahrenen Kontrabassisten wie jedes Jahr ein wahrer Publikumsmagnet zu werden verspricht.
Die 19. Dessauer Bassgeigenweihnacht ist eine Veranstaltung der Musikschule Dessau-Roßlau mit freundlicher Unterstützung des Anhaltischen Theaters Dessau und der Stadt Dessau-Roßlau.
Der Eintritt ist frei.
Weitere Informationen gibt es unter www.bassgeigengala.de oder
telefonisch unter 0177 70 14 776 bei Ingo Burghausen.
24.11.2010, 12:25 | tags:
Anhaltische Philharmonie
693
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 24.11.2010
BAUHAUS - Kongress beleuchtet die Bedeutung der Bauhausbühne. Programm hält neben Vorträgen und Filmen auch ein außergewöhnliches Konzert bereit.
Konzert mit vier Klavieren und Flugzeugpropeller
Der Aufbau der Instrumente auf der Probebühne des Anhaltischen Theaters ist ungewöhnlich: vier Klaviere und sieben Schlagzeuge stehen dort. es fehlen noch die elektrischen Glocken und Flugzeugpropeller. „Das ist ein Riesenaufwand und eine außergewöhnliche Besetzung", weiß Daniel Carlberg. Der 1. Kapellmeister der Anhaltischen Philharmonie fiebert einem ganz besonderen Konzert entgegen, das er am Freitag, 20 Uhr, auf der Dessauer Bauhausbühne leiten wird. "Staging the bauhaus" heißt der Abend, den man ohne weiteres ein Gesamtkunstwerk nennen kann, denn er ist mehr als ein Konzert, vielmehr eine Klanginstallation.
Vier Kompositionen werden erklingen: Aaren Coplands "The City", Charles Ives' "The unanswered question", Arnold Schönbergs „Begleitmusik zu einer Lichtspielszene op. 34 und George Antheils „Ballet méchanlque". Damit treffen Werke aus den Jahren 1906 bis 1939 auf der von Walter Groplus entworfenen Bauhausbühne aufeinander. „Ich bin ein großer Fan der Klassischen Moderne und fasziniert vom Bauhaus. Seitdem ich in Dessau bin, hatte ich den Wunsch, in einem Konzert die Themen Zeit und Raum aufzugreifen", erzählt Daniel Carlberg. Bei der Stiftung Bauhaus Dessau fand der Kapellmeister offene Ohren und so wird es das Konzert nicht allein geben, es ist inzwischen der Höhepunkt des Festivalkongresses „Vorstellungsvermögen", der am Freitag und Sonnabend stattfindet.
Die vier Flügel und die sieben Schlagzeuge, die erst in dieser Woche für die Proben auf die Bauhausbühne umzogen, erleben die Zuhörer in George Antheils „Ballet méchanique". „Es passt alles in die Aula hinein", ist sich Carlberg sicher, der für das Stück alle Pianisten des Theaters zum Einsatz bringt und für die Schlagzeuge Aushilfen engagiert. „Die Propeller, die das Stück vorschreibt, werden gebaut, und ich hoffe, dass sie fertig werden.“ Antheil sei es in dieser Komposition um das Maschinelle, um die Begeisterung für den technischen Fortschritt gegangen. In Charles lves' „The unanswered question" werde man den Raum der Bühne am eindrücklichsten nutzen. Drei Sektionen - Streicher, Trompeter und Holzbläser -, so erläutert Daniel Carlberg, werden dafür in der Mensa, auf der Bühne und Im Zuschauerraum verteilt. „Dabei entsteht tatsächlich ein Gesamtkunstwerk aus Musik und Klang“, so Carlberg, ergänzt um Lichtstimmungen, die - jedes Mal anders - alle Stücke des Abends begleiten.
Arnold Schönbergs „Begleitmusik zu einer Lichtspielszene" wird gar um ein Video ergänzt. Schönberg schrieb das Stück für einen Film, den es nie gegeben hat. Dieses Versäumnis holen nun Ronny Traufeller und Norman Wassmuth nach. Die beiden ehemaligen Studenten der Hochschule Anhalt erhielten den Auftrag, eine Lichtspielszene zu kreieren . „Damit reagieren sie auch auf uns, die Musiker", erklärt Carlberg. Eröffnen aber wird der Dirigent den Abend mit Aaron Coplands „The City", der Originalmusik zum gleichnamigen Film, der anlässlich der Weltausstellung in New York entstand. Das erweiterte Kammermusikensemble der Anhaltischen Philharmonie wird live zu dem Dokumentarfilm spielen, der auf drei Projektionsflächen zu sehen ist, dazu gesellt sich ein Schauspieler als Sprecher.
„Für mich ist dieses Konzert ein richtiger Reißer, ein Spektakel", sagt Daniel Carlberg, alle Kompositionen seien Revolutionsstücke. „Die Zuschauer werden rundum eingeschlossen von Klang und Licht. Wir werden alle Sinne beanspruchen, das Publikum muss sehr viel aufnehmen." Eine Herausforderung also auch für die Zuhörer, aber doch nicht in dem Sinne, dass es abschreckend sein müsste. „Es sind alles sehr gut hörbare Kompositionen, fast populär zu nennen", sagt Carlberg, der am Freitag zudem zu allen Stücken eine kleine Einführung geben wird und nach dem Konzert auch im Bauhausclub anzutreffen ist. „Da beantworte ich dann gerne alle Fragen und freue mich auf Gespräche", so der Dirigent, der sich wünschen würde, in jedem Jahr solch ein „besonderes Schlaglicht" auf der Bauhausbühne setzen zu können.
Konzert "staging the bauhaus“ am 26. November, 20 Uhr, auf der Bauhausbühne. Wiederholung am am 6. Dezember um 19 Uhr. Karten gibt es an den Theaterkassen und an der Abendkasse.
23.11.2010, 11:30 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
688
Franz Werfel, Mitteldeutsche Zeitung, 17.11.2010
Mit Gipsarm durch Wagners Welt
GALA Anhaltische Philharmonie, Solisten und Chor widmen sich Richard Wagners großem Opernschaffen.
Eine Ouvertüre eröffnete das Konzert. Und eine ziemlich schwungvolle dazu. Wagners
„Fliegender Holländer" bildete am Sonntagabend bei der Richard-Wagner-Gala der Anhaltischen Philharmonie den Auftakt für einen zweieinhalbstündigen repräsentativen Querschnitt durch das Opernwerk des großen Orchestrierers. Bereits zum zweiten Mal sank in dieser Spielzeit die „Nacht der Liebe" in Dessau hernieder. Beeindruckend am Sonntag:
Generalmusikdirektor Antony Hermus dirigierte wie stets auf hohem Niveau mit seiner körperlichen Präsenz und Konzentration, obwohl sein linker Arm eingegipst war. Würden sich andere Dirigenten bei so einer Entzündung längst nicht mehr aufs Pult stellen, wollte Hermus der Dessauer Musikgemeinde nicht absagen.
Dynamischer Auftakt
So spielte die Anhaltische Philharmonie wie mittlerweile gewohnt dynamisch auf, ließ der volltönende Orchesterklang erkennen, wie Wagner bei genannter Ouvertüre bereits die Bandbreite der einzelnen Instrumente durchdekliniert. Einen ersten Höhepunkt konnte Ulf Paulsen mit dem Holländer Monolog setzen. Der Bassist zeichnet die Entwicklung des im pianissimo fast nur gehauchten und dennoch den großen Saal füllenden „Die Frist ist um" bis hin zum verzweifelt rufenden fortissimo „Vergeb'ne Hoffnung" plastisch nach . Jubel im Publikum. Auch Wiard Witholt sang die tiefromantische Tenor-Arie „Oh, du mein holder Abendstern“ aus dem „Tannhäuser" sehr überzeugend. Das Zarte, suchend Flehende ist bei ihm hervorragend herausgearbeitet.
Die ganze Gralserzählung
Dessaus Lohengrin, Andrew Sritheran, durfte, wie auch in der mittlerweile für den Theaterpreis „FAUST“ nominierten Inszenierung Andreas Moses', seine ungekürzte Gralserzählung vortragen. Erneut überzeugte der gebürtige Neuseeländer mit seinem strahlenden, hellen Tenor, der auch in den hohen Lagen sehr präsent bleibt. Allein eine etwas verständlichere Artikulation wünschte man sich dann doch. Kammersängerin Iordanka Derilova stellte noch ihre Interpretation von Isoldes Liebestod „Mild und leise" vor. Ihr samtiges, warmes Timbre, das sie sich auch in höchsten Höhen erhält, und ihre tief gefühlten Emotionen waren wie so oft schlicht großartig.
Der zweite Teil gab - nach dem Brautchor des „Lohengrin", den der Opernchor des Anhaltischen Theaters sehr ausdrucksstark und präzise sang - vor allem einem eindrücklichen Ausblick darauf, Wie die Dessauer „Ring"-Tetralogie ab 2012 klingen könnte.
Als Gott Loge empfahl sich Tenor Angus Wood mit dem Monolog „Immer ist Undank Loges Lohn!", woraufhin der erst 28-jährige Pavel Shmulevich - erstmalig in heldenbaritonalen Höhen unterwegs - seinen Wotan-Monolog sang. Beide sowie auch Sopranistin Angelina Ruzzafante überzeugten durch Präzision und dennoch befreiend interpretiert gesungene Passagen.
Da Dessaus „Ring des Nibelungen" ab 2012 mit dem letzten Teil, der "Götterdämmerung", beginnen wird, sollte eine Arie aus diesem Werk die Wagner-Gala beschließen. Was hätte dabei passender erscheinen können als ein Schlussgesang? So verabschiedete Iordanka Derilova das Publikum mit Brünhildes Schlussarie „Starke Scheite". Dass an diesem Abend immer wieder einige Einsätze im Orchester nicht ganz genau gelangen, mag entschuldigt werden. GMD Hermus aber unterstreicht mit dieser Wagner-Gala einmal mehr seine konsequente Wagner-Behandlung. Wagner klingt bei ihm stets so neu und unverbraucht, so wohltuend frisch.
Ein gelungenes "Wagner-Medley" also, das den Großmeister des Orchesters aus verschiedenen Perspektiven zusammenschaute. Die Erklärungen des Dessauer Operndirektors Heribert Germeshausen ermöglichten zudem verschiedene Einblicke in das komplexe Universum Wagner.
Die wenigen Zuhörer im Saal dankten es dem Ensemble zu Recht mit langem Applaus. Die dritte Auflage der Gala am 15. Januar sei allen Wagner-Liebhabern anempfohlen.
17.11.2010, 11:57 | tags:
Anhaltische Philharmonie
684
Pressemitteilung vom 17.11.2010
Anhaltische Philharmonie spielt zum Totensonntag Mozart „Requiem“
Am Totensonntag, 21. November um 17 Uhr musiziert die Anhaltische Philharmonie gemeinsam mit dem Universitätschor „Johann Friedrich Reichardt“ und spielt Wolfgang Amadeus Mozarts berühmtes „Requiem“ im Großen Haus des Anhaltischen Theaters.
Die musikalische Leitung liegt in den Händen von GMD Antony Hermus.
Als Solisten wirken mit: Angelina Ruzzafante (Sopran), Marilyn Bennett (Mezzosopran), Angus Wood (Tenor) und Ulf Paulsen (Bass) mit. Zum Auftakt des Konzerts erklingen einige der „Elf Choralvorspiele“ op. 122 von Johannes Brahms in Orchesterfassungen von Henk de Vlieger.
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Abendkasse und an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr; Mail: kasse@anhaltisches-theater.de.
11.11.2010, 13:19 | tags:
Anhaltische Philharmonie
671
Pressemitteilung vom 11.11.2010
Anhaltische Philharmonie spielt Mozart „Requiem“
Am Samstag, 13. November um 20.00 Uhr musiziert die Anhaltische Philharmonie gemeinsam mit dem Universitätschor „Johann Friedrich Reichardt“ und spielt Wolfgang Amadeus Mozarts berühmtes „Requiem“ in der Marktkirche in Halle (Saale).
Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Universitätsmusikdirektor Jens Lorenz.
Das Konzert wird am Totensonntag, 21. November um 17 Uhr auch im Anhaltischen Theater zur Aufführung gelangen. Diesmal steht GMD Antony Hermus am Dirigentenpult. Als Solisten wirken mit: Angelina Ruzzafante (Sopran), Marilyn Bennett (Mezzosopran), Angus Wood (Tenor) und Ulf Paulsen (Bass) mit. Zum Auftakt des Konzerts erklingen einige der „Elf Choralvorspiele“ op. 122 von Johannes Brahms in Orchesterfassungen von Henk de Vlieger.
Tickets und Informationen erhalten Sie an den jeweiligen Abendkassen und an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de.
10.11.2010, 15:41 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
667
Dieter Bub, www.kultur-info.eu und unter www.berlin-kulturtip.de, 10.11.2010
TURANDOT IN DESSAU
Das ist eine der besten Opernempfehlungen der Saison – anderthalb Zug- oder Autostunden von Berlin entfernt. In Dessau: der Weg lohnt. Ein großer Abend in der „Provinz“, die nicht selten mehr Erlebnis bereit hält als die Kopfgeburt-Experimente, die der „Holländer“ in der Börse als Schauplatz an der Deutschen Oper oder die „Turandot“ vor ein paar Jahren an der Staatsoper unter den Linden. Was damals Doris Dörrie inszenierte mit einem überdimensionalen Handy und mit einem Ende der Prinzessin und ihrem Eroberer in einer Plattenbausiedlung war effektvoll, irritierend und langweilig.
In Dessau wird „Turandot“ aufregend spannend, ergreifend und mit hoher musikalischer Qualität gezeigt. Das Anhaltische Theater in seinem mächtigen Wagner – Opernbau mit schmalem Etat bringt ein großes Kunststück fertig. Das Bühnenbild – modern in einer Arena, in der sich eine weißgekleidete Event-Gesellschaft mit Golfschlägern in Turandots Riddle Club vergnügt und sich an den Mordritualen der Kaltherzigen delektiert. Der Chor – von hoher Qualität - und Ensemble in der Inszenierung von Andrea Moses bewegt geführt. Die Solisten mit Iordanka Derilova in der Titelpartie stimmlich außerordentlich dramatisch, Sergey Drobyshevskiy als Calaf bemerkenswert und von großer Ausstrahlung Angelina Ruzzafante als Sklavin Liu. Das Anhaltische Theater nutzt die stimmlichen Potentiale vor allem aus dem Osten Europas.
Und das Orchester unter Antony Hermus bestens dramatisch aufgelegt.
„Turandot“ in Dessau großer Jubel.
Große Oper für kleines Geld – auch beim Vergleich der Kartenpreise.
Einst gab es von der deutschen Hauptstadt aus einen lebhaften Opernbesuch in Dresden, Leipzig, Meiningen – und Dessau.
Es lohnt sich auch heute!
10.11.2010, 11:02 | tags:
Anhaltische Philharmonie
662
Pressemitteilung vom 10.11.2010
„Zauber der Operette“ Konzert
Zum letzten Mal in diesem Jahr lädt das Anhaltische Theater am Freitag, 12. November um 19.30 Uhr zu seinem schwungvollen Operettenkonzert „Zauber der Operette" ein.
Unter der Leitung von Wolfgang Kluge wirken als Solisten mit: Kristina Baran und Angelina Ruzzafante (Sopran) sowie David Ameln, Angus Wood und Andrew Sritheran (Tenor). Auf dem Programm stehen Lieder und Duette aus Operetten wie „Eine Nacht in Venedig", „Die Fledermaus", „Boccaccio", „Paganini" und „Giuditta". Die Anhaltische Philharmonie steuert einige bekannte Orchesterstücke bei. Auch das Ballettensemble und der Opernchor werden zu erleben sein. Als Moderator begleitet Ronald Müller das Publikum durch den Abend.
09.11.2010, 11:04 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
659
Pressemitteilung vom 9.11.2010
Opern-Gala „Sink hernieder, Nacht der Liebe“
Am Sonntag, 14. November um 17 Uhr lädt das Anhaltische Theater zur Großen Opern-Gala ein.
Nach dem großen Erfolg der „Italienischen Operngala“ in der vergangenen Spielzeit erklingen in dieser Gala die Highlights aus Wagners Schaffen. Vom „Fliegenden Holländer“ bis zum Parsifal“, „Die Gralserzählung aus „Lohengrin“, „Isoldes Liebestod“, „Der Ritt der Walküren“ oder auch „Brünhildes Schlussgesang“ aus „Die Götterdämmerung“ dürfen da, neben zahlreichen weiteren Stücken nicht fehlen.
Mitwirkende Solisten sind KS Iordanka Derilova, Angelina Ruzzafante, Ulf Paulsen, Pavel Shmulevich, Andrew Sritheran, Wiard Witholt und Angus Wood, begleitet von der Anhaltischen Philharmonie unter der Leitung von GMD Antony Hermus und dem Chor des Anhaltischen Theaters. Die Verbundenheit des Dessauer Theaters mit Wagner reicht 150 Jahre in die Geschichte zurück und ist nach wie vor lebendig – und damals wie heute künstlerisch auf höchstem Niveau. Das Publikum darf sich also auf einen klanggewaltigen Abend freuen.
Die Moderation liegt in den Händen von Heribert Germeshausen.
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de und auch an der Abendkasse.
09.11.2010, 06:58 | tags:
Anhaltische Philharmonie
658
Johannes Killyen, Mitteldeutsche Zeitung, 9.11.2010
Anhaltische Philharmonie
Musik aus kosmischen Bereichen
Die Vorstellung mittelalterlicher Musiktheoretiker, wonach kosmische Maßverhältnisse sich auch in der Musik widerspiegeln müssten, mag uns hanebüchen erscheinen. Doch im Sinfoniekonzert der Anhaltischen Philharmonie bekam man eine recht präzise Vorstellung davon, wie so eine Analogie funktionieren kann. Umkreist von den prominenten "Planeten" des Briten Gustav Holst erlebte "Pluto" von Bernhard Schneyer seine Uraufführung - ein Auftragswerk des "Impuls"-Festivals für Neue Musik. Der gebürtige Wernigeröder hat die Torkelbewegungen des Pluto in "hinkenden" Taktarten zum Klingen gebracht. Und sogar die Wirkungsgeschichte des Himmelskörpers vertont: Da verpufft die Musik und erinnert so an das Schicksal des kleinen Sonnenumrunders, dem 2006 der Planetenstatus abgesprochen wurde.
Die opulenten Sätze der "Planeten"-Suite wurden durch Bildprojektionen fulminant in Szene gesetzt - in Zusammenarbeit mit dem Schwabe-Verein und dem Gropius-Gymnasium. Auf der Bühne selbst verlangte die Weltraumexpedition dem von Antony Hermus geleiteten Orchester alle Kraftreserven ab. Dabei geriet der militante Marsbesuch am Anfang noch etwas unpräzise, doch die friedliche Venusmission, das Freudenfest auf dem Jupiter oder die mystische Planetendämmerung auf dem Neptun verliefen danach glücklich.
Dabei waren in Wagners Tannhäuser-Ouvertüre mit dem Venusberg-Bacchanal schon am Anfang alle Register zu voller Aufmerksamkeit verpflichtet worden. Und mussten in Christian Josts Schlagzeugkonzert "Cosmodromion" beinahe einen Blindflug absolvieren: Erst zum Schluss der Proben war die phänomenale Solistin Tatjana Koleva hinzugekommen, vollführte dann aber auf dem ihr fremden philharmonischen Instrumentarium Wunderdinge: vierstimmige Kaskaden auf Vibraphon, vulkanische Eruptionen auf dem Drumset.
Bis auf den Titel und trotz sphärischer Passagen hatte all das aber wenig mit Weltraum zu tun - eher schon mit Klangraum oder Raumklang, den Blechbläser auf dem Rang sicherstellten. Doch "wie der Himmel klingt" - so das Leitmotto des Impuls-Festivals - lässt sich ohnehin nicht nur aus astronomischer Sicht klären. Himmelsmusik darf auch nach Göttlichem fragen.
08.11.2010, 13:01 | tags:
Anhaltische Philharmonie
656
Pressemitteilung vom 8.11.2010
staging the bauhaus – Ein Raumkonzert
Zu einem außergewöhnlichen Konzert mit dem Titel „staging the bauhaus“ laden am Freitag, 26. November um 20.00 Uhr das Anhaltische Theater und die Stiftung Bauhaus Dessau ins Bauhaus ein. Die Anhaltische Philharmonie spielt unter der musikalischen Leitung von Daniel Carlberg vier revolutionäre und bahnbrechende Werke: Aaron Coplands “The City”, Charles Ives´ “The unanswered Question”, Arnold Schönbergs „Begleitmusik zu einer Lichtspielszene“ op. 34 und George Antheils “Ballet méchanique”.
Diese vier Kompositionen aus den Jahren 1906 bis 1939,
werden in einem ungewöhnlichen Zusammenspiel von Licht, Klang, Mensch, die von Walter Gropius entworfenen Bauhausbühne als „agierende Architektur“ in Bewegung setzen.
Coplands Originalmusik begleitet den in den Raum projizierten Film „The city“, der sich mit neuen Dimensionen der Industrialisierung in den 30er Jahren auseinandersetzt. Eines der bekanntesten Stücke des Komponisten Charles Ives verbreitet seine höchst divergierenden musikalischen Schichten von der Bauhausmensa bis ins Treppenhaus.
Eines der radikalsten und skandalträchtigsten Musikwerke der 20er Jahre, der Höhepunkt der Beschäftigung George Antheils mit dem Futurismus und der maschinellen Musik, lässt 4 Flügel, 7 Schlagzeuger, elektrische Glocken und originale Flugzeugpropeller gemeinsam musizieren. Und Schönbergs „Begleitmusik zu einer Lichtspielszene“, ein Werk aus der 12-Ton-Schule, steht mit einer Licht-Installation in einem bewegten Dialog.
In Kooperation mit dem Bauhaus Dessau. Das Konzert findet im Rahmen des Festivalkongresses „Vorstellungsvermögen“ am Bauhaus statt.
Weiterer Termin: 06.12.2010, um 19 Uhr im Bauhaus
Musikalische Leitung und Konzept: Daniel Carlberg; Video: Ronny Traufeller/Norman Wassmuth
Licht: Henning Höhne; Szenographie: Torsten Blume; Dramaturgie: Holger Kuhla
Tickets und Informationen erhalten Sie unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr; Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr; Mail: kasse@anhaltisches-theater.de oder bei der Stiftung Bauhaus Dessau, Telefon 0340-6508-250 sowie an der Abendkasse.
04.11.2010, 16:48 | tags:
Anhaltische Philharmonie
, Diverses
652
Pressemitteilung vom 4.11.2011
Nächste Veranstaltungen des Impuls Festivals in Dessau
Nach der umjubelten Premiere von „Mackie und die Detektive“ auf der Bauhausbühne folgen innerhalb der kommenden Tage zwei weitere spannende Konzerte des Impuls Festivals in Dessau.
Unter dem Titel „Junge Komponisten“ stellen die gerade neun bis sechzehn Jahre alten Mitglieder der Komponistenklassen Halle und Magdeburg am 6. November um 15.00 Uhr auf der Bauhausbühne zehn ihrer Uraufführungen vor. Das Dessauer Bauhaus war schon immer eine Werkstatt, in der junge Menschen von erfahrenen Lehrern an die Hand genommen wurden und ihre ersten künstlerischen Schritte wagten. Die entstandenen Stücke bringt das Dresdner Ensemble „Sinfonietta“ unter der musikalischen Leitung von Milko Kersten auf die Bauhausbühne Dessau. Trotz, vielleicht gerade wegen ihres jungen Alters, sind die Kompositionen frech in ihren klanglichen Ideen und Komponisten geradewegs bewundernswert in ihrem Eifer.
Am 10. November um 19.30 Uhr findet im Elbe-Werk Roßlau ein weitere Veranstaltung statt, die sich mit den Sternen und Planeten befasst. Auch in dem Konzertprogramm „Klang Kosmos II“ werden die vertonten Himmelskörper mit Projektionen sichtbar gemacht. Es spielt die Anhaltische Philharmonie unter der Leitung von Daniel Carlberg.
400.000 Jahre nach dem Urknall wird das dunkle Universum zum ersten Mal von neu entstehenden Sternen erleuchtet. In „A Glimmer in the Age of Darkness“ beschreibt Guillaume Connesson diese Sternengeburt in schillernden Farben. 90 Jahre nach Gustav Holsts „Planeten“ werden jetzt auch die Monde des Jupiter hörbar. Jens Marggraf bringt sie in „Sidera Medicea“ zum Klingen. Die Himmelsscheibe von Nebra gilt als die weltweit älteste konkrete Himmelsdarstellung und als einer der wichtigsten archäologischen Funde aus der Bronzezeit. Seit 2002 gehört sie zum Bestand des Landesmuseums für Vorgeschichte Sachsen-Anhalt in Halle. Der Dessauer Komponist Christoph Reuter hat in einem Auftragswerk für das IMPULS Festival der Himmelsscheibe mit vier Kontrabässen und einem Klavier eine hörbare Dimension hinzugefügt. Die Aufforderung in Stephen Spielbergs Blockbuster „Unheimliche Begegnung der dritten Art“, sich auf das Unbekannte einzulassen und damit in Kontakt zu treten, klingt zugleich wie eine Einladung, sich für Neue Musik zu öffnen. Deshalb schließt IMPULS-Extra mit John Williams´ berühmtem Soundtrack zu diesem Film.
Karten für die Veranstaltung „Jungen Komponisten“ gibt es zu 6,- Euro, für das Konzert „Klang Kosmos II“ zu 14,50 Euro; ermäßigt 11,50 Euro im Vorverkauf unter karten@impulsfestival.de oder unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr; Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr; Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
28.10.2010, 15:03 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
633
Pressemitteilung vom 28.10.2010
Das Anhaltische Theater Dessau zählt zu den besten Opernhäusern Deutschlands
Alljährlich wartet die Opernwelt mit Spannung auf die Kritikerumfrage im Jahrbuch der Zeitschrift „Opernwelt”. Im Oktober erschienenen Jahrbuch 2010 hat das Anhaltische Theater Dessau insgesamt 11 Nominierungen erhalten und schnitt damit hervorragend ab.
In der wohl wichtigsten deutschlandweiten Kritikerumfrage für das Musiktheater erhielt das Anhaltische Theater Nominierungen als „bestes Opernhaus des Jahres“ für die Produktionen „Lohengrin“, „La Muette de Portici“ sowie sein „neues, handverlesenes Sängerensemble“.
Andrea Moses wurde für ihre Inszenierung von „Lohengrin“ mehrfach als „Regisseurin des Jahres“ nominiert, ebenso „La Muette de Portici“ in der Inszenierung von Generalintendant André Bücker in der Kategorie „Wiederentdeckung“.
Zahlreiche Nominierungen gab es ebenfalls für Generalmusikdirektor Antony Hermus als „Dirigent des Jahres“ speziell für seine Dirigate von „Lohengrin“ und „Un ballo in maschera“ sowie für den Opernchor des Anhaltischen Theaters als „Chor des Jahres“. Über individuelle Nominierungen als „Sänger des Jahres“ bzw. „Nachwuchssänger des Jahres“ können sich Diego Torre und Pavel Shmulevich freuen. Diego Torre für sein Europadebüt als „Masaniello“ in „La Muette de Portici“, Ensemblemitglied Pavel Shmulevich für seine Aufritte als Heinrich in „Lohengrin“ sowie „Sarastro“ in „Die Zauberflöte“.
26.10.2010, 07:05 | tags:
Anhaltische Philharmonie
, Diverses
625
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 26.10.2010
Mit neuer Musik zu den Sternen
Neue Musik hat in diesen Tagen Hochkonjunktur und ganz besonders in Dessau. Die dritte Auflage des Impuls-Festival für Neue Musik in Sachsen-Anhalt findet ab Freitag bis 21. November wieder in den sechs Orchesterstädten des Landes und darüber hinaus in Köthen, Stendal und Michaelstein statt. Mit sechs Konzerten und Aufführungen ist Dessau dabei die Stadt im Land, in der man die meisten Impuls-Termine besuchen kann. Insgesamt sind in den drei Festivalwochen die Werke von 21 Komponisten, darunter zehn Uraufführungen, zu erleben, fast 300 Musiker wirken mit.
Fest für die Region
Unter der Intendanz von Hans Rotman kooperieren die Orchester aus Dessau, Halberstadt, Halle, Magdeburg, Schönebeck und Wernigerode in innovativen Konzert- und Präsentationsformen, wie z.B. den Impuls-Orchestertreffen, der Impuls-Komponistenwerkstatt oder dem Jugendprojekt "Impuls Backstage". Dass das Impuls-Festival ein Projekt für die ganze Region ist, wird gleich zum Auftakt am Freitag dieser Woche mit dem Impuls-G6-Dirigentengipfel deutlich, der jedes Jahr in einer anderen Stadt des Landes stattfindet, diesmal in Köthen. Zu hören ist das MDR-Sinfonieorchester als neuer Impuls-Partner, das unter Leitung von sechs Dirigenten - darunter auch Dessaus GMD Antony Hermus - das Festival eröffnet. Beginnend mit einer Hommage an die Bachstadt Köthen spiegelt sich im Eröffnungsprogramm die Vielfalt des Festivals 2010: Von einer Mondlandungs-Reminiszenz über eine Uraufführung von Thomas Buchholz mit Köthener Schülern bis zur Hommage an Ligeti, reicht das musikalische Universum. Guillaume Connesson, zentraler Komponist von Impuls, macht mit seinem Funken sprühenden Klavierkonzert einen Abstecher in die Science-Fiction-Welt, bevor sich der Bogen mit Leonard Bernsteins Prelude, Fugue and Riffs zur Hommage an Bach schließt.
Unter dem Motto "Die Luft von anderen Planeten" lädt das Festival in den folgenden Tagen und Wochen und mit einer Fülle von Veranstaltungen auch in Dessau-Roßlau zu einem musikalischen Schnellflug durch das 20. und 21. Jahrhundert ein. Auf der Bauhausbühne in Dessau ist gleich am zweiten Festivaltag, an diesem Samstag um 15 Uhr, ein besonderes Projekt mit Kindern zu erleben. Zu hören gibt es dort erstmals etwas aus dem Musical "Mackie und die Detektive", für das der Dessauer Christoph Reuter die Musik und August Buchner den Text schrieb. Was hat Erich Kästners Klassiker "Emil und die Detektive" mit der "Dreigroschenoper" von Brecht und Weill gemeinsam? Auf den ersten Blick vor allem die Entstehungsgeschichte: Beide Werke feierten bei ihrem Erscheinen 1928 / 29 Triumphe und wurden verfilmt. Wenn man sich aber den Inhalt genauer anschaut, dann sind die Figuren des Herrn Grundeis und des Herrn Macheath gar nicht so weit voneinander entfernt. In dem Musical sollen sich die Berliner Abenteuer von Emil Tischbein nun mit der Aufführungsgeschichte der Bettleroper am Schiffbauerdamm verbinden.
Mackie auf Bauhausbühne
Als Work in Progress wird "Mackie und die Detektive" beim Impuls-Festival erstmals dem Publikum musikalisch vorgestellt, in einem zweiten Schritt soll die szenische Fassung entstehen. Neben den Schauspielern Frank Roder und Ralph Richter sind der Kinderchor des Anhaltischen Theater und das Kammerorchester Wernigerode am Sonnabend zu erleben.
Im Anhaltischen Theater stehen die Sinfoniekonzerte am 4. und 5. November, jeweils 19.30 Uhr, ganz im Zeichen von Impuls. Das Festival bringt zusammen mit GMD Antony Hermus "Die Planeten" von Gustav Holst in den Konzertsaal. Jeder Satz trägt den Namen eines Planeten des Sonnensystems. Der Pluto ist dabei nicht berücksichtigt, weil er seinerzeit noch unbekannt war und erst 1930 entdeckt wurde. Impuls holt dies nach und lässt mit dem Auftrag an Bernhard Schneyer, der nun diesen Himmelskörper vertont, den Kanon an Planeten vollständig werden. Christian Jost - von ihm wird "Cosmodromion - Konzert für Schlagzeug und Orchester" gespielt - ist der Astronaut unter den Komponisten von heute. Noch nie wurde die "Special-Effekts"-Abteilung des Orchesters - das Schlagzeug - so virtuos für den Sprung ins All benutzt.
Das Konzert "Klang-Kosmos II" führt am 10. November um 19.30 Uhr mit dem Dirigenten Daniel Carlberg, 1. Kapellmeister des Anhaltischen Theaters, in das Elbe-Werk Roßlau. 400 000 Jahre nach dem Urknall wird das dunkle Universum zum ersten Mal von neu entstehenden Sternen erleuchtet. In "Age of Darkness" beschreibt Komponist Guillaume Connesson diese Sternengeburt in schillernden Farben. 90 Jahre nach Gustav Holsts "Planeten" werden auch die Monde des Jupiters hörbar. Jens Marggraf bringt sie in "Sidera Medicea" zum Klingen. Die Aufforderung in Stephen Spielbergs Blockbuster "Unheimliche Begegnung der dritten Art", sich auf das Unbekannte einzulassen und damit in Kontakt zu treten, klingt zugleich wie eine Einladung, sich für Neue Musik zu öffnen. Deshalb schließt Impuls-Extra mit John Williams' berühmtem Soundtrack zu diesem Film. In Kooperation mit dem Planetarium Dessau wird das Universum in beiden Konzerten multimedial hör- und sichtbar gemacht.
22.10.2010, 12:28 | tags:
Anhaltische Philharmonie
620
Pressemitteilung vom 22.10.2010
Wie klingt der Himmel? Klang Kosmos I
Das 3. Sinfoniekonzert „All-Gegenwart“ der Anhaltischen Philharmonie am 4. und 5. November, jeweils 19.30 Uhr, ist ein gemeinsames Projekt des IMPULS-Festivals für Neue Musik in Sachsen-Anhalt, des Walter-Gropius-Gymnasiums, der Astronomischen Station und dem Schwabe-Verein Dessau e.V. Unter der Leitung von GMD Antony Hermus widmet sich das Konzertprogramm den Planeten des Universums.
Hauptwerk ist die 1914 bis 1917 entstandene Suite „The Planets“ von Gustav Holst – ein gewaltiges Werk von großer Bildhaftigkeit und beeindruckender Klanglichkeit, das bis zum heutigen Tag zahlreiche Komponisten hörbar stark beeinflusst. Holsts Musik ist von den astrologischen Charakteren der Planeten angeregt. Zwei Planeten fehlen in der siebensätzigen Suite: Erde und Pluto. Letzterer wurde erst 1930 entdeckt, im Jahr 2006 aber wiederum zum Zwergplaneten zurückgestuft. In unserem Konzert wird ein Pluto gewidmeter Satz des Magdeburger Komponisten Bernhard Schneyer eingefügt. Der 1963 in Trier geborene Christian Jost hat sich in den letzten Jahren zu einer der erfolgreichsten und meistgespielten Komponistenpersönlichkeiten seiner Generation entwickelt. 2002 schrieb er das virtuose Schlagzeugkonzert „Cosmodromion“. Es wird in Dessau von der gebürtigen Bulgarin Tatiana Koleva erstmals in einer Neufassung gespielt. In das Reich der Liebesgöttin Venus, in Holsts „Planeten“ als Bringerin des Friedens geschildert, führt uns das Bacchanal, das Wagner 1861 für die Pariser Erstaufführung seiner Oper „Tannhäuser“ nachkomponierte und mit dem der Konzertabend beginnt.
Zusätzlich zum Konzert und zur obligatorischen Konzerteinführung (18.30 Uhr im Foyer) gestalten Schüler des Gropius-Gymnasiums und der Schwabeverein in den Theaterfoyers Powerpoint-Präsentationen zu den Planeten unseres Sonnensystems. Während des Konzerts werden Fotoprojektionen im Bühnenhintergrund zu sehen sein. Im Anschluss an das Konzert besteht an beiden Abenden die Möglichkeit, mit dem „Sternbus“ zur Astronomischen Station „Samuel Heinrich Schwabe“ auf dem Gelände des Walter-Gropius-Gymnasiums (Peterholzstraße 58) zu fahren, wo Fernrohrbeobachtungen und kurze Vorträge im Planetarium stattfinden. Wegen beschränkter Kapazität werden an der Theaterkasse hierfür Zusatztickets zum Preis von 4 Euro ausgegeben.
Die Anhaltische Philharmonie beteiligt sich noch mit einem weiteren Konzert am IMPULS-Festival. „Klang-Kosmos II“ findet am Mittwoch, 10. November, um 19.30 Uhr im Elbe-Werk Roßlau statt. Unter der Leitung von Daniel Carlberg erklingen „A Glimmer in the Age of Darkness“ von Guillaume Connesson, das in schillernden Farben die Sternengeburt beschreibt, Jens Marggrafs „Sidera Medicea“ über die Monde des Jupiter, John Williams Soundtrack zum Blockbuster „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ von Stephen Spielberg und eine Uraufführung von Christoph Reuter: „Himmelsscheibe“ für vier Kontrabässe und Klavier.
Tickets und Informationen erhalten Sie unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr; Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr; Mail: kasse@anhaltisches-theater.de und an der Abendkasse.
18.10.2010, 12:27 | tags:
Anhaltische Philharmonie
606
Pressemitteilung vom 18.10.2010
1. Kammerkonzert im Schloss Georgium
Im Rahmen des 1. Kammerkonzertes des Anhaltischen Theaters im Schloss Georgium musizieren am Samstagnachmittag, 30. Oktober, 15.30 Uhr das Bläserquintett „Consortio Anhaltino“ und der Pianist Wolfgang Kluge. Auf dem Programm stehen Duo-, Trio- Quartett und Sextett-Kompositionen von Julius Röntgen, Pierre Genin Agricole, Joseph Lauber, Claude Debussy und Gordon Jacob.
Es spielen: Aline Vannuys, Flöte ; Anne-Catherine Pignot, Oboe; Holger Hepp, Klarinette;
Sabine Scharnagl, Horn; Sabine Brell-Ludwig, Fagott
Tickets und Informationen erhalten Sie unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr; Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr; Mail: kasse@anhaltisches-theater.de und an der Abendkasse.
15.10.2010, 12:13 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
600
Helmut Rohm, Zerbster Volksstimme, 15.10.2010
Premiere am Sonnabend am Anhaltischen Theater
„Sink hernieder, Nacht der Liebe“ – große Richard-Wagner-Gala
Nach dem überaus großen Erfolg der „Italienischen Operngala“ in der letzten Spielzeit präsentiert das Anhaltische Theater Dessau nun mit „Sink hernieder, Nacht der Liebe“ eine große Richard-Wagner-Gala. Premiere ist am Sonnabend, dem 16. Oktober, um 19.30 Uhr.
Dessau-Roßlau. Dessau galt einst als „Bayreuth des Nordens“. „Tannhäuser“ kam 1857 auf die Dessauer Bühne. Bereits im Januar 1869 erlebte Dessau „Die Meistersinger von Nürnberg“. 1872 war Richard Wagner zu Gast. Unter Heinz Röttger, in Dessau von 1954 bis 1977 Generalmusikdirektor gab es viele Wagner-Aufführungen. Sogar Wagnerfestspiele wurden veranstaltet. „In den letzten Jahren wurde in Dessau wieder verstärkt Wagner gegeben, Tristan, auch Parsifal“, erinnert GMD Antony Hermus. In der vergangenen Spielzeit inszenierte Andrea Moses die von der Fachwelt und dem Publikum gleichermaßen gefeierte Oper „Lohengrin“.
Für Antony Hermus ist Richard Wagner „eine ganz große Liebe“. Seine private Visitenkarte trägt das Wagner-Zitat : „Music is the language of passion“ (Musik ist die Sprache der Leidenschaft) . Als Teenager hatte er mit einer „Fliegenden Holländer“-CD seine ersten Kontakt mit dem Komponisten (1813-1883). Bei „Tannhäuser“, der ersten Wagner-Oper, die er sah, sei er allerdings eingeschlafen. Ob man das schreiben kann? Aber es war so!
2004 hat der Niederländer in Hagen mit dem „Fliegenden Holländer“ seine erste Wagner-Oper dirigiert. Bei der „hoffentlich keiner eingeschlafen ist“, schiebt er lachend nach. Inzwischen dirigierte er auch „Tannhäuser“ und eben in Dessau „Lohengrin“.
Mit der jetzigen Gala, so Antony Hermus, soll das Vorurteil „Wagner ist schwer“ widerlegt werden. Wagners Musik sei ungemein dramatisch geschrieben, toll instrumentiert, kurzweilig und habe unglaublich schöne Melodien. Fast jeder kenne den „Walkürenritt“, den „Einzug der Gäste“ (Tannhäuser), den „Brautchor“ (Lohengrin) sowie andere sehr bekannte Stücke. „Oft auch nicht wissend, dass sie von Richard Wagner stammen“, ist sich Antony Hermus sicher.
Bei der Programmauswahl haben er, Operndirektor Heribert Germeshausen und Musikdramaturg Ronald Müller einen „Querschnitt“ konzipiert. „Die Gala ist sowohl Einführung für interessierte ‚Einsteiger‘ und wird ebenso den ‚richtigen‘ Wagnerianern bestens gefallen“, ist sich der GMD ganz sicher.
Neben der Anhaltischen Philharmonie wird „unser fabelhaftes Sängerensemble“, so Antony Hermus, mitwirken: KS Iordanka Derilova, Angelina Ruzzafante, Angus Wood, Andrew Sritheran, Wiard Witholt, Ulf Paulsen und Pavel Shmulevich. Und - zum ersten Mal in einer Gala - ist der Chor unter Leitung von Helmut Sonne dabei. Operndirektor Heribert Germeshausen wird moderieren, wird das Publikum mit Wagners Leben und Werk bekannt machen.
Ist Dessau auf gutem Weg, den Ruf als „Bayreuth des Nordens“ zu verteidigen beziehungsweise wiederzuerlangen? In diesem Jahr passiert da am Theater einiges. Diese Gala steht noch mehrmals im Spielplan. Das Ballett vertanzt „Die Nibelungen“. Am 19. und 20. Februar 2011 gibt es ein „konzentriertes Wagner-Wochenende“ mit Lohengrin, einer Matinee zum Nibelungen-Ballett und der Wagner-Gala.
Ab 2012 soll, beginnend mit „Götterdämmerung“ der „Ring der Nibelungen“ am Anhaltischen Theater zur Aufführung gelangen.
15.10.2010, 10:02 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
599
Alexander Hauer, Musenblätter, 15.10.2010
Dessau Turandot 25.09.2010, Premiere
Turandot, Puccinis letztes, unvollendetes Werk erlebte in Dessau eine glanzvolle Premiere. Unter der musikalischen Leitung von Antony Hermus erstrahlte aus dem Graben die Anhaltische Philharmonie mit orientalischem Goldglanz. Auf der Bühne gesellte sich zu den überragenden Stimmen ein neues Juwel hinzu: Sergey Drobyshevskiy als Calaf. Seine Interpretation des unbekannten Prinzen stellt so manche beliebte Studioaufnahme in den Schatten.
Kongenial seine Gegenspielerin und Objekt der Begierde Iordanka Derilova. Das „Stimmwunder“ von Dessau wurde von Angelina Ruzzafante als Liu und Pavel Shmulevich als Timur vervollständigt. Expressive Dramatik auf der einen Seite, auf der anderen, zarte Lyrismen prägten die beiden Sopranpartien. Pavel Shmulevich gab mit scheinbar unergründlich tiefem Bass den alten König Timur. Wiard Withold, Angus Wood und David Ameln waren ein erfrischendes Hofschranzengespann Ping, Pang und Pong. Adam Fenger überzeugte mit sonorem Bariton als Mandarin. Klaus Gerber interpretierte den Kaiser Altoum als altersschwachen, gebrochenen Mann. Der Chor unter der Leitung von Helmut Sonne , verstärkt durch Mitglieder des Coruso Chores aus Berlin, agierte als textverständlicher und beweglicher Klangkörper, an dessen sängerischer Raffinesse sich mancher Opernchor aus größeren Häusern messen lassen muss.
Allein diese Konstellation, dieses musikalische Juwel, jener Hochgenuss der italienischen Oper, würde reichen um einen Besuch in Dessau für eine konzertante Oper zu rechtfertigen.
Aber ein Opernabend ist mehr als ein Konzert. In Dessau kam zu der Musik auch eine überragende Inszenierung dazu.
Andrea Moses, die für ihren „Lohengrin“ eine Faustnominierung erhielt, brachte in Dessau ihre Weimarer Turandot in einer Überarbeitung heraus. Turandot ganz ohne Chinoiserien, ganz ohne Drachen, Phönixe und Einhörner. Die Ausstattung von Christian Wiehle verbannte in der Konzeption Andrea Moses‘ alles Asiatische von der Bühne. Das Volk von Peking mutierte zu einer entmenschlichten Gesellschaft, die nur noch für den Kick lebt. In einer, einem Fernsehstudio nicht unähnlicher Arena hält Turandot, die Showmasterin ihr großes Quiz ab. Der Einsatz ist hoch, wenn die drei Fragen nicht korrekt beantwortet werden, droht der Tod. Der Preis ist dem ebenbürtig, ein Leben an der Seite von Turandot. Und ähnlich dem Publikum von beliebten Castingshows wie DSDS, X-Faktor, etc. giert es auch in „Turandot’s Riddle Club“ nach dem Scheitern der Kandidaten. Eine elitäre Gesellschaft, ganz in schwarz-weiß, den beiden Trauerfarben der östlichen und der westlichen Welt gekleidet, erhält mit VIP-Pass Zutritt zur Arena. Das einfache Volk, die Underdogs, die Gescheiterten, von Wiehle in schmuddeliges Grau gekleidet, bleiben unter dem Spott der Elite außen vor.
Calaf ist bei Andrea Moses nicht der strahlende Held, sondern ein liebesunfähiger Egoist. Genau wie Turandot ist auch er bereit, über Leichen zu gehen, wenn er seine Wünsche und Befindlichkeiten durchsetzen will. Alle, die ihm zu Beginn der Oper lieben, sein Vater Timur und die Sklavin Liu, sind am Ende der Oper tot. Deren Sterben hat nur einer zu verantworten: Calaf. Und an diesem Punkt setzt die geniale Inszenierung Andrea Moses an. Es geht nicht um fehlgeleitete Liebe zwischen zwei Menschen, ihr geht es um zwei Übermenschen Nietzscher Prägung. Aus diesem Blickwinkel heraus liest sich die Partitur der Turandot wie eine Anleitung zur Schaffung eines Superhelden: Das Fehlen von Gefühlen, die Verleugnung von Liebe, die Rücksichtslosigkeit anderen gegenüber, der Wunsch im Mittelpunkt zu stehen und vor allem die Stilisierung des Ichs werden aus dir einen Superstar, hier den neuen Kaiser von China, machen.
Andrea Moses mischt die Zeiten in ihrer Turandot. Die Grundlage ist die Entstehungszeit der literarischen Vorlage. Im 18.Jahrhunderts tauchte die persische Erzählung(Haft paikar-Sieben Schönheiten, Nizami um 1140-1209) von der grausamen Prinzessin in Paris auf. Zu einer Zeit in der Exekutionen, Folter, etc. durchaus auch noch einen Unterhaltungswert hatten. Die Welt William Shakespeares war noch nicht so weit entfernt, der Pariser Hof bot genügend Platz für Intrigen und Skandale. Die zweite Zeitebene ist die der Entstehung der Oper. Zeitgleich zu Puccinis Alterswerk entstanden Freuds Traumdeutung, Arthur Schnitzlers „Traumnovelle“ aber auch Schlagerschmonzetten wie „Leila“ (Leila, küsse mich und quäle mich, denn ich liebe nur dich). Die dritte Ebene ist unsere Zeit, die durch wachsende Brutalität, ansteigenden Egoismus und einer erschreckenden Gleichgültigkeit gegenüber Dritten geprägt ist.
Dies Alles wird von Andrea Moses ohne moralisierende Haltung dargestellt, sie weist keine Schuld zu, sie spiegelt nur das Tagesgeschehen in überzeichneter Form.
Am Ende, wenn Turandot und Calaf zusammengekommen sind, wenn das Volk von Peking im Siegestaumel die Penner ermordet hat, knien die beiden Protagonisten am Bühnenrand und bedrohen sich in sexueller Verzückung gegenseitig mit Messern.
Der Abend endete unter frenetischen Beifall für Sänger, Chor, Orchester und das Regieteam. Ein tobendes Haus, das den Premierenabend auch schon mit Szenenapplaus bedachte, steigerte sich in einen schier unendlichen Beifall.
Sachsen Anhalt und die Stadt Dessau besitzen in ihrem Theater einen Kulturort auf den so manches „erste“ Haus dieser Republik neidvoll schauen sollte. Für diese Turandot vergebe ich uneingeschränkt 5 Sterne, aber nur weil ich keine 6 vergeben kann.
Die weiteste Anreise lohnt sich, und wer dann das „Chinesische“ immer noch vermisst, kann danach gerne in den „Goldenen Drachen“ essen gehen.
12.10.2010, 12:02 | tags:
Anhaltische Philharmonie
596
Johannes Killyen, Mitteldeutsche Zeitung, 13.10.2010
Dessau-Roßlau
Mal getrennt und mal zusammen
Es war das Bild des Abends: Geiger mit Jahrzehnten philharmonischer Berufserfahrung teilten sich das Pult mit Teenagern; gestandene Solobläser waren umgeben von eifrigen Nachwuchsoboisten, -trompetern und -hornisten, die vielleicht noch nie in einem derart großen Ensemble gespielt hatten. Anhaltische Philharmonie und Musikschulorchester im Gleichklang - das hatte hohen Wert, auch symbolisch gesehen.
Schüler und Lehrer vereint
Denn deutlich wurde damit im "Philharmonischen Musikschulkonzert" am Sonnabend, dass die musikalische Nachwuchsarbeit in Dessau und Umgebung ohne die Mitglieder des Theaterorchesters nicht annähernd so erfolgreich wäre. Zugleich demonstrierte der gemeinsame Auftritt, dass die Zukunft der Philharmonie auch von der Rückbindung an die Basis abhängt. Nicht von ungefähr waren in zahlreichen Fällen Schüler und Lehrer in diesem 86-köpfigen Orchester vereint, das unter der Leitung von Kapellmeister Daniel Carlberg am Ende die dunkel pathetische Tondichtung "Finlandia" des finnischen Nationalkomponisten Jean Sibelius spielte.
Zuvor saßen sich die beiden Ensembles in einem Satz aus der Es-Dur-Sinfonie für Doppelorchester von Johann Christian Bach noch sauber getrennt gegenüber und hatten den Reiz dieses Stückes im wahrsten Sinne des Wortes vor Augen geführt: Während bei CD-Einspielungen nur selten zwischen den Orchestern unterschieden werden kann, waren ergänzende Einsätze hier gut sichtbar. Auf diese Aufgabe hatte Dirigent Friedemann Neef seine Musikschüler so akribisch vorbereitet, dass sie den Profikollegen an Spannkraft nicht nachstanden. Auch ein Allegro aus Felix Mendelssohns zweiter Streichersinfonie war (diesmal in reiner Musikschulbesetzung) erfreulich präzise artikuliert und dramaturgisch ausgefeilt, kam nur an dünn instrumentierten Übergängen leicht ins Stocken.
War im zweiten Teil des von Konzertdramaturg Ronald Müller moderierten Abends also das Team der Star, so nahmen vor der Pause junge Solistinnen und Solisten die Protagonistenrolle ein. Sie schlugen mit ihren professionellen und doch keineswegs abgeklärten Auftritten eine Brücke zwischen Amateur- und Berufsmusik.
Souveräne Solisten
Da war zum einen Bastian Matthei, der souverän Giovanni Bottesinis Elegie D-Dur für Kontrabass und Orchester meisterte - was umso höher zu bewerten ist, als der Streichbass ja nicht unbedingt für den konzertanten Auftritt erfunden wurde, zu solch seltenen Gelegenheiten aber in äußerst heikle Tonbereiche gedrängt wird. Auch Nils Martin Bauer hatte es im Posaunenkonzert von Friedebald Gräfe (1840-1880) keineswegs einfach: chromatische Läufe, halsbrecherische Dreiklänge, ständige Lagenwechsel. Doch Bauer blieb souverän, spielte mit vollem, kräftigem Ton und technischer Finesse, lediglich leichten Abstrichen in der Intonation. Eine Entdeckung war die darauf folgende Konzertsuite "Märchen" von Václav Trojan (1907-1983), ein ungemein farbiges, quirliges Stück, "erzählt" von Daniela Hosang als Solistin auf dem Akkordeon, die vertrackteste rhythmische Passagen mit der größten Selbstverständlichkeit in den sensibel gestalteten Begleitsatz der Anhaltischen Philharmonie einflocht.
Ähnliches konnte auch das Saxophonquartett der Musikschule mit Alexander Neumann, Ann-Kristin Lamprecht, Lukas Benecke und Carsten Schaub für sich in Anspruch nehmen, wobei zu spüren war, dass die bestens eingespielten Jugendlichen sich bei der Zugabe - einer mitreißenden Irischen Suite - wohler fühlten als in einem minimalistischen Satz aus dem Konzert für Saxophon-Quartett und Orchester von Philip Glass.
Doch ob Glass, Sibelius oder Mendelssohn: Geklatscht wurde laut und ausgiebig an diesem Abend, der hoffentlich zu einer guten Dessau-Roßlauer Tradition werden wird.
06.10.2010, 20:34 | tags:
Anhaltische Philharmonie
586
Johannes Killyen, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 5.10.2010
Der Schalk trifft den Virtuosen
Anhaltische Philharmonie
Daniel Carlberg dirigiert das 2. Sinfoniekonzert. Joseph Moog gastiert als Solist am Flügel.
Der Erfolg stand im Grunde schon vor dem ersten Haydnschen b-Moll-Dreiklang fest:
Beim zweiten Sinfoniekonzert der Anhaltischen Philharmonie am Freitag war der große Theatersaal nicht nur gut gefüllt, sondern beinahe ausverkauft – fast ebenso gut fiel die Bilanz für den Donnerstag aus. Vergessen waren Konzerte vor halbleeren Rängen von denen es in den vergangenen Jahren nicht nur ein oder zwei gegeben hat.
Man geht wieder ins Konzert
Ins konzert zu gehen, macht in Dessau derzeit nicht nur Spaß – es ist offenbar auch schick. Längst gehören Gymnasialklassen und selbst Grundschüler zum Stammpublikum, das Bürgertum der Region zeigt Gesicht. Dieser Befund ist als Verdienst der neuen musikalischen Hausleitung und natürlich der Musiker zu werten, und wird auch nicht dadurch geschmälert, dass diesmal mit Haydn, Prokofjew und Beethoven verträgliche ebenso wie eingängige Musik auf dem Programm stand. Die drei Werke des Abends verband eine frenetisch gefeierte Uraufführung, die im Fall Haydns im London des Jahres 1792 stattfand. Folgerichtig zählt die 98. zu den „Londoner“ Sinfonien des Meisters, die ihren früheren „Artgenossen“ an Reife deutlich überlegen sind.
Hier finden in besonders geglückter Weise Ernst, Tiefe und doch auch der Schalk zueinander, der von Haydn immer zu erwarten ist und in Dessau angemessen inszeniert wurde: Kurz vor Ende des vierten Satzes stürmte Kapellmeister Daniel Carlberg mit wehenden Rockschößen von der Bühne, um das Werk an einem bislang ungenutzten Cembalo zu beenden, das zur Entstehungszeit Ende des 18. Jahrhunderts eigentlich nichts mehr in der Sinfonie verloren hatte. Das finale Presto ist auch sonst ein bemerkenswerter Satz, weil darin schon der Esprit eines Rossini durchklinkt und Haydn damit seiner Zeit wieder einmal voraus war. Am schönsten gelang der Anhaltischen Philharmonie unter Carlbergs Leitung aber der zweite Satz, ein herrlich entspanntes Adagio cantabile mit Mozartschen Dimensionen. Die restlichen Abschnitte waren präzise und delikat gespielt, hätten aber noch mehr farbliche Extreme vertragen.
Die stellten sich bei Sergej Prokofjews frühem erstem Klavierkonzert op. 10 ganz von selbst ein: Der Saal wurde von pathetischen Klangwellen geflutet, in die hinein der junge Solist Joseph Moog aberwitzige Akkord-Kaskaden donnerte. Es raste der rhythmische Puls und perlten die Läufe – ein Triumph der Virtuosität, der von Prokofjews bisweilen verdickter Instrumentation aber etwas geschmälert wurde.
Genaue Tempowahl
Dafür wiederum konnten weder die Philharmoniker noch Joseph Moog etwas, der nach seiner technischen Glanzleistung erwartungsgemäß gefeiert wurde. Zu welch brillianter Klarheit und Leichtigkeit er fähig ist, zeigen aber viel besser seine Beethoven-Einspielungen.
Apropos Beethoven: Dessen siebente Sinfonie, urauffgeführt 1813 kurz nach der Niederlage Napoleons, markierte standesgemäß den Höhepunkt des Konzertabends: Carlbergs Lesart zeichnete sich nicht durch eine spektakuläre, wohl aber genaue Tempowahl aus, in deren Rahmen er etwa das Hauptthema des zweiten Satzes, den Tauermarsch, zurecht nicht zu langsam nahm, dafür aber das liebliche zweite Thema ganz ruhig anging.
Im ersten Satz, der mit seinen tänzerischen Punktierungen natürlicherweise immer wieder an Fahrt verliert, ließ er Entspannung zu, zog aber zielstrebig das Tempo an, wenn das Hauptthema jubelnd kulminierte. Ebenso war diese Siebente ein Ausweis des hohen Niveaus, auf dem die Anhaltische Philharmonie derzeit (hier in einer extravagaten Aufstellung, die Kontrabässe ganz hinten) zu spielen vermag.
Mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks wurden die Motive von Holz- zu Blechbläsern, zu den Streichern und wieder zurückgegeben. Die Hörner meisterten fehlerfrei ihre Himmelfahrtspartie. Im gesamten Ensemble schlich sich kaum eine Intonationstrübung ein. Und die Spannung ließ auch im verrückt taumelden Schlusssatz nicht nach. Zu Beethovens Zeit wäre eine herausgeklatschte Wiederholung Pflicht gewesen. Hier tat es auch ein langer Applaus ohne Zugabe.
Konzertvorschau:
Profis und Schüler teilen sich die Pulte
Kaum ist das zweite Sinfoniekonzert verklungen, treten die Musiker der Anhaltischen Philharmonie wieder auf, diesmal mit Solisten und dem Orchester der Musikschule. An diesem Sonnabend um 18 Uhr ist das „Philharmonische Musikschulkonzert“ zu erleben. Diesmal stehen als Soloinstrumente Kontrabass, Posaune, Akkordeon und Saxophone – allesamt gespielt von Musikschülern – im Mittelpunkt. Die beiden Orchester treten miteinander in einer Sinfonie für Doppelorchester von Johann Christian Bach auf und vereinigen sich abschließend zur Tondichtung „Finlandia“ von Jean Sibelius.
04.10.2010, 10:53 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
582
Christian Wildhagen, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4.10.2010
Dessau: Turandot
Messer an der Kehle
Am Ende war der Tod der liebenden Frau ganz umsonst. Denn dieser Tenor-Prinz, ein Biedermann als Macho, geht buchstäblich über Leichen. Um im Geschlechterkampf Sieger zu bleiben, spielt er mit dem Feuer und offenbart dem seiner Lust jenes Geheimnis, um dessentwillen eine andere soeben ihr Leben geopfert hat: seinen Namen. Die Begehrte indes zeigt sich wenig beeindruckt – und setzt dem Prinzen das Messer an die Kehle! Bei ihrer Dessauer Inszenierung, die in Koproduktion mit dem Nationaltheater Weimar entstand, formt Andrea Moses den heiklen Schluss von Puccinis letzter Oper zu einem beispiellosen Showdown zwischen dem eiskalten Siegertypen Kalaf und der nicht minder eisigen Turandot. Für Liebe ist da kein Platz. Es geht um Macht, denn wer die Macht über den anderen gewinnt, hat auch dieses Rätselspiel auf Leben und Tod für sich entschieden. Andrea Moses, die ab 2011 als rechte Hand von Jossi Wieler den Neuanfang der Stuttgarter Oper mitgestalten soll, geht mit dieser fesselnden Lesart weiter auf dem Weg, den sie mit ihrer ersten Dessauer Operninszenierung, dem mittlerweile für den „Faust“-Preis nominierten „Lohengrin“, einschlug: Sie dreht die Werke nicht durch den Wolf eines aufgepfropften Regiekonzepts, sondern denkt deren Schlüsselszenen radikal zu Ende. „Turandot“ als Quizshow, Kalaf als Paul-Potts-Verschnitt – das liegt fast schon zu nahe. Doch wie hier die fernsehglatten Oberflächen unversehens aufbrechen und sich die Killer-Instinkte aller Beteiligten offenbaren, lässt den Atem stocken. Antony Hermus, der neue Generalmusikdirektor, verstärkt die Spannung noch durch sein explosives Dirigat, und auf Ensemblemitglieder wie Iordanka Derilova und Sergey Drobyshevskiy in den mörderischen Hauptpartien dürfte manch größeres Haus neidisch schauen.
28.09.2010, 15:32 | tags:
Anhaltische Philharmonie
578
Pressemitteilung vom 28.09.2010
Philharmonisches Musikschulkonzert
Gemeinsame Konzerte der Anhaltischen Philharmonie mit Solisten und Orchester der Musikschule Dessau-Roßlau im Großen Haus des Anhaltischen Theaters sind mittlerweile schon zu einer kleinen Tradition geworden. Am Samstag, 9. Oktober um 18 Uhr ist es wieder einmal so weit. Beim „Philharmonischen Musikschulkonzert“ stehen diesmal nicht Geige, Cello oder Klavier als Soloinstrumente im Mittelpunkt, sondern Kontrabass (Bastian Matthei), Posaune (Nils Martin Bauer), Akkordeon (Daniela Hosang) und Saxophone (Quartett aus Alexander Neumann, Ann-Kristin Lamprecht, Lukas Benecke und Carsten Schaub). Die beiden Orchester treten miteinander in einer Sinfonie für Doppelorchester von Johann Christian Bach auf und vereinigen sich abschließend zur Tondichtung „Finlandia“ von Jean Sibelius. Außerdem erklingen Kompositionen von Brahms, Bottesini, Gräfe, Trojan, Glass und Mendelssohn. Am Dirigentenpult stehen Daniel Carlberg und Friedemann Neef. Durch das Programm führt Ronald Müller.
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de und auch an der Abendkasse.
28.09.2010, 13:55 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
575
Pressemitteilung vom 28.09.2010
Premiere „Sink hernieder, Nacht der Liebe“ - Die große Richard-Wagner-Gala
Nach dem großen Erfolg der „Italienischen Operngala“ in der vergangenen Spielzeit lädt das Anhaltische Theater am Samstag, 16. Oktober um 19.30 Uhr zur großen Richard-Wagner-Gala ein. Das Theater weist damit einem Komponisten Referenz, mit dessen Namen es seit 1857 in besonderer Weise verknüpft ist. 1857 ging mit „Tannhäuser“ erstmals ein Werk Wagners über die Bühne des damaligen Herzoglichen Hoftheaters. Nur sieben Monate nach der Münchner Uraufführung und neun Tage nach der Dresdner Erstaufführung fand am 30. Januar 1869 die Dessauer Erstaufführung der »Meistersinger von Nürnberg« statt. Die Reihe lässt sich fortsetzen, von Wagners Besuch in Dessau im Jahre 1872 – ein Aufenthalt, der in seinem Aufsatz »Ein Einblick in das heutige deutsche Opernwesen« insofern Niederschlag fand, als er die am Dessauer Theater geleistete künstlerische Arbeit äußerst lobend erwähnte – über die Mitwirkung von zwölf Musikern der Dessauer Hofkapelle bei den ersten Bayreuther Festspielen 1876 bis zur »Lohengrin«-Premiere am 3. Oktober 2009 unter der musikalischen Leitung von GMD Antony Hermus und in der Inszenierung von Andrea Moses, die hiermit für den FAUST-Preis nominiert wurde.
Mitwirkende Solisten sind KS Iordanka Derilova, Angelina Ruzzafante, Ulf Paulsen, Pavel Shmulevich, Andrew Sritheran, Wiard Witholt und Angus Wood, begleitet von der Anhaltischen Philharmonie unter der Leitung von GMD Antony Hermus und dem Chor des Anhaltischen Theaters.
Vom „Fliegenden Holländer“ bis zum „Parsifal“ erklingen die Highlights aus Wagners Schaffen: u.a. „Die Gralserzählung“ aus „Lohengrin“, „Isoldes Liebestod“, „Der Ritt der Walküren“ und „Brünnhildes Schlussgesang“ aus „Die Götterdämmerung“.
Die Moderation liegt in den Händen von Heribert Germeshausen.
28.09.2010, 09:34 | tags:
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572
Irene Constantin, Neues Deutschland, 28.09.2010
Blut, unsichtbar
Puccinis »Turandot« in Dessau
T urandot's Riddle Club« ist eine einzige große Show. Die ganz Schönen und fast ganz Reichen sind dort unter sich. Underdogs, die vor den Toren lungern, werden nicht mit dem Baseballschläger abgewehrt, sondern mit edlem Golfgerät. Die Rätsel sind auch nicht der eigentliche Kick. Man gefällt sich im Ekel-Dandytum, spielt mit abgeschlagenen Köpfen Fußball und lässt sich auch mal gern in Schönheit erdolchen.
Blondmähnig wie Marilyn, sportiv wie Madonna, im schwarzen Glitzerkleid unter samtenem Henkersmantel, hantiert die Königin des Clubs mit ihrem Dolch. Flecken macht das alles nicht auf den von Christian Wiehle erdachten arenaförmigen Showtheater-Rängen oder den schicken weißen Kostümen. Man tut ja nur so. Oder hat Regisseurin Andrea Moses das Theaterblut aus ästhetischen Gründen der Fantasie der Zuschauer anheimgegeben und es ist doch alles letaler Ernst? Man weiß es nicht. Wer weiß auch schon, wo er aufwacht nach 72 Stunden Party?
Calaf will rein in diesen Club und nicht nur das, er will der Größte werden. Die Sentimentalitäten der plötzlich auftauchenden Reste seiner Familie, Liu und der Vater, stören ihn nur, mit Mühe bliebt er höflich. Was selbst die beinahe netten Zyniker Ping, Pang und Pong und den Rest des Clubs für einen Moment in seiner nie erlebten Gefühlsechtheit rühren kann, Lius opferbereiter Liebestod, lässt ihn kalt.
In dem Punkt versteht er sich mit Turandot. Und er kriegt sie ganz, weil er clever erahnt, dass Turandot in ihm – wie er in ihr – den ebenbürtigen Partner erkennt. Er hat keine Angst vor ihrem an seinem Hals entlangstrichelnden Dolch. Papa Altoum, gehobener Texaslook in Cremeweiß, ist zufrieden. Der makellos singende und noch im kollektiven Rausch individualisiert spielende Chor hat einen neuen Vorturner.
Nichts kann stimmiger sein als diese Inszenierung. Puccinis letzte Oper muss einfach so aussehen, wie sie bei Andrea Moses und Christian Wiehle aussieht, jede pseudo-chinesische Verkleidung wird in Zukunft nur noch albern wirken. Das ganze Stück ist ein Spiel mit abgefeimten Gewaltfantasien, ob in Fernost oder Mittelwest bleibt sich in hermetischen Nächten gleich.
Für die aufpeitschenden schwarzen Klangfantasien sorgt die geradezu unheimlich aufspielende Anhaltische Philharmonie unter Anthony Hermus. Ob er den pseudochinesischen Singsang des wunderbaren Kinderchors zart untermalt, das perfekt singende und spielende Ping-Pang-Pong-Trio an der Grenze zur musikalischen Parodie spazieren führt, den grandiosen Sergej Drobyschewsky beim »Nessun dorma« auf seinem Klangteppich geradezu davonfliegen lässt, Angelina Ruzzafantes sentimental-gefühlvolle Liu-Töne noch inniger klingen lässt oder der lodernd auftrumpfenden Iordanka Derilova in der Titelpartie rasant Feuer gibt, Hermus tut immer das genau Richtige und gleichzeitig das Äußerste.
Diese mit Weimar koproduzierte Inszenierung ist unverkrampft großes und zeitgemäßes Musiktheater und hat in Dessau durchweg erstklassige Protagonisten gefunden. Diesem Haus den Finanzmangel-Strick um den Hals zu legen, würde einen gigantischen Kulturverlust bedeuten.
Auf der Heimfahrt dann, im Autoradio eine kleine Meldung, dass ein dem Doping freundlich zugeneigter Sportbund in Deutschland mit genau den Steuermillionen finanziert wird, die das Theater auf sichere Wege geleiten könnten. Aber man muss die deutsche Geld-Welt nicht verstehen.
Nächste Vorstellung: 3. Oktober
27.09.2010, 17:15 | tags:
Anhaltische Philharmonie
570
Pressemitteilung vom 27.09.2010
Kammerkonzert zum Schumann-Jahr
Ganz im Zeichen des 200. Geburtstages von Robert Schumann steht das Kammerkonzert des Anhaltischen Theaters am 2. Oktober 2010, um 15.30 Uhr im Schloss Georgium. Myra van Campen-Bálint (Violine), Matthias Wilde (Violoncello) und Wolfgang Kluge (Klavier) interpretieren neben der „Trio Rhapsody“ des Ungarn János Gyulai Gaál das 1. Klaviertrio Schumanns. Außerdem erklingen drei Romanzen für Violine und Klavier von Clara Schumann. Die Uraufführung einer mit freundlicher Unterstützung des Freundeskreises des Dessauer Theaters entstandenen Auftragskomposition des chilenischen Komponisten Andrès Louis Maupoint spielen Matthias Wilde und die Leipziger Pianistin Olga Gollej: „Halluzinationen“ für Cello und Klavier. Dieses Konzert war bereits für die vergangene Saison geplant und wird nun nachgeholt.
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de und auch an der Abendkasse.
27.09.2010, 12:20 | tags:
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569
Helmut Rohm, Volksstimme, 27.09.2010
Puccinis Oper "Turandot" am Anhaltischen Theater Dessau
Kampf der Geschlechter und ein Kampf um die Macht
Dessau-Roßlau. Die neue Dessauer Spielzeit leitete Regisseurin Andrea Moses mit Giacomo Puccinis Oper "Turandot" ein, einer Neueinstudierung ihrer Inszenierung am Nationaltheater Weimar. Am Sonnabend gab es eine stürmisch gefeierte Premiere.
Kraftvoll und intensiv, aus dem Vollen schöpfend, beginnt die Anhaltische Philharmonie unter GMD Antony Hermus die Aufführung.
Eine riesig große, mehretagige, aus Stahlgerüsten errichtete Arena (Bühne und Kostüme Christian Wiehle), an ein modernes Fernsehstudio oder eine Freilichtbühne erinnernd, füllt die gewaltige Dessauer Bühne. Nichts von exotisch fernöstlicher Nostalgie. Andrea Moses nimmt den Zuschauer mit Ironie und Spielfreude mit ins Heute. Und es passt. Weil die Probleme, so wie sie in Puccinis kaiserlichem China herrschten, noch immer, teils noch drastischer aktuell sind.
Dominantes Schwarz-Weiß in der Kostümgestaltung und schlichtes Grau für die wenigen "Außenseiter" symbolisieren Machtkonstellationen.
Dass die Prinzessin Turandot nur demjenigen ihr Ja-Wort gibt, der drei schwierige Rätsel zu lösen vermag, ist eine vordergründige Mache, ein Vorwand. Diese nutzt die eiskalte und grausame Turandot, um ihre Macht zu demonstrieren, ihre todbringende Macht sogar abstoßend genüsslich auszuleben. Denn, wer sich bewirbt, die drei Rätsel nicht löst - wird getötet. Späte Rache für das Schicksal einer Vorfahrin soll genommen werden.
Drei Fragen bis zum Tod, ohne Joker. Kürzlich war es ein persischer Prinz, der durch das Messer Turandots selbst in einer öffentlich inszenierten Show in "Turandot‘s Riddle Club" sein Leben lassen musste. Das Volk tobt, huldigt der Prinzessin, lässt sich, für den Zuschauer erschreckend und nachdenkenswert zugleich, regelrecht manipulieren. Gänsehaut stellt sich ein. Und versnobte junge Männer spielen mit dem Kopf des gemeuchelten Prinzen Golf ...
Den Tod vor Augen, vielfach gewarnt, verfällt der nächste Bewerber, ein zunächst unbekannter Prinz (Kalaf), der Schönheit Turandots. Er glaubt an seine eigene Stärke, an die Macht der Liebe. Der personifizierte Geschlechterkampf nimmt, einem Thriller gleich, packend dramatisch inszeniert, seinen Lauf.
Iordanka Derilova als Turandot begeistert mit fantastischer Stimme und facettenreichem Spiel in fast übermenschlichen Ausbrüchen, nicht minder eindrucksvoll in den emotional nahegehenden Momenten. Kalaf wird durch den ausdrucksstarken und stimmgewaltigen Tenor Sergey Drobyshevskiy zu einem sympathischen "Siegertyp". Wunderschön und einfühlsam "lebt", mit bezaubernder Stimme und glaubhaftem Spiel, Angelina Ruzzafante die Sklavin Liù, die aus Liebe zu Kalaf den Freitod wählt, statt ihn zu verraten. Als letztendlich gefährliche aktive Mitläufer, von Andrea Moses als ein wenig skurril und erheiternd gezeichnet, agieren Wiard Witholt, Angus Wood und David Ameln als Ping, Pang und Pong. Pavel Shmulevich als Timur und Klaus Gerber als Turandots Vater Altoum sind ebenfalls überzeugend.
Seine große Partie hat der Chor (Leitung Helmut Sonne) mit viel Engagement bravourös bewältigt.
Antony Hermus bleibt mit der Anhaltischen Philharmonie dem furiosen Auftakt treu. Sie bringen die ungemein vielseitige kraftvolle und fantasiereiche Musik mit fernöstlichem Anklang stets auf den Punkt in bester Harmonie mit der Handlung.
Das Premierenpublikum feiert alle Akteure wie auch das Inszenierungsteam mit frenetischem Beifall.
27.09.2010, 08:00 | tags:
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, Pressestimmen
568
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 27.09.2010
Anhaltisches Quiz
Eine mörderische Quiz-Show
Es war vor drei Jahren, als ein Underdog die Welt zu Tränen rührte - dank einer Melodie von Giacomo Puccini, die sich eigentlich nicht für eine Castingshow eignete. Doch als Paul Potts sein "Nessun dorma" in "Britain's Got Talent" schmachtete, wurde nicht nur die hart gesottene Jury schwach. Spätestens im Telekom-Werbespot sprengte das Bravourstück jedes Tenors dann alle Genregrenzen. Was also läge näher, als die "Turandot" in jenes Genre zu verlegen, in der sie damit gelandet war? Genau dies tut Andrea Moses mit ihrer Inszenierung, die nach einer ersten Version am Deutschen Nationaltheater Weimar nun ihre umjubelte Premiere am Anhaltischen Theater Dessau feierte.
Schreckliche Spaßgesellschaft
Man durfte am Samstag über die musikalische Qualität wie über die dramaturgische Konsequenz des Abends staunen, das eigentliche Wunder aber war die Publikumsreaktion. Ein Jahr nach ihrem "Lohengrin"-Debüt, das von hartnäckigen Buh-Rufern skandalisiert worden war und inzwischen für den Deutschen Theaterpreis "Faust" nominiert ist, konnte sich die Regisseurin diesmal fast einhellige Zustimmung abholen. Und dabei ist ihre "Turandot" keineswegs moderater als ihre Lesart des Wagner-Werks. Aber die Radikalität, mit der sie die Geschichte einer grausamen Spaßgesellschaft erzählt, wird vor Ort inzwischen mit Spannung und Interesse quittiert.
Gespielt wird am Hofe der "Principessa di morte" mit höchstem Einsatz: Wer ihre Rätsel nicht lösen kann, bezahlt mit seinem Leben. Dass aber das Volk in "Turandot's Riddle Club" jubelnd die Emporen füllt, wenn sie einem weiteren Freier die Kehle durchschneidet - das ist die eigentliche Perversion dieses schrecklichen Märchens. Die logische Konsequenz liegt daher im Wechsel der Fronten, als die schwarze Witwe zur weißen Braut werden soll: Die Masse ist nun auf Seiten des Siegers Calaf, der seinen Triumph seinerseits mit einer Rätselfrage krönt - und sich von der faschistoid uniformierten Menge als ihr neuer Führer feiern lässt.
Mit ihrem Ausstatter Christian Wiehle findet Andrea Moses eine Fülle von Details, die ihre Lesart bekräftigen. Das kollektive Warmup und die Cheerleader, die zum Siegeszeichen gestreckten Arme und die zur Waffe umgewidmeten Golfschläger - all dies sind Zeichen einer dekadenten Zeit, die das Quiz auf Leben und Tod als ultimativen Kick versteht. Dass die Betonung des Spiels nicht nur den Ernst der Lage steigert, sondern auch für Momente der Komik sorgt, ist die große Kunst dieses Abends. Es darf gelacht werden - und das macht alles noch viel schlimmer.
Das zeigt sich vor allem in den Figuren der Hofschranzen Ping, Pang und Pong, die Wiard Witholt, Angus Wood und David Ameln als fideles Trio von Spielmachern und Strippenziehern zeigen. Schnaps und Kokain helfen ihnen dabei, den letzten Rest von Gewissen zu betäuben - und selbst der Kaiser (Klaus Gerber) tanzt nach ihrer Pfeife. Diesen aalglatten Männern mit ihren perfekt sitzenden Anzügen und Stimmen muss der Einbruch des Elends in Gestalt von Timur (Pavel Shmulevich) und Li (Angelina Ruzzafante) wie eine pure Provokation erscheinen - zumal beide ihre verletzliche Unschuld auf höchstem sängerischen Niveau verteidigen. Diese Fremden sind in das Modell der betäubten Society nicht integrierbar, an ihren echten Gefühlen zerbricht das Talmi-Pathos - und folgerichtig werden ihre Wiedergänger am Ende von grausamen Kindern hingerichtet. Da bewirbt sich die nächste Generation um die Rolle der Turandot ...
Müde Boxer im Clinch
Die ist zu diesem Zeitpunkt bereits vakant: Überwältigt vom Beispiel der Sklavin, die lieber sterben als ihre Liebe verraten will, hat sich die grausame Prinzessin zumindest scheinbar in Calaf verliebt. Iordanka Derilova aber trägt das klingenscharfe Metall bis zum Schluss in der Hand und in der Kehle, ihr Lachen bleibt schrecklich - und am Ende wirkt ihre Umarmung mit dem Bräutigam wie der Clinch zweier erschöpfter Boxer. Das selbstsichere "Vincero", das Sergey Drobyshevskiy so lässig in den aufbrandenden Beifall gestemmt hatte, erweist sich also als Trugschluss. In dieser Geschichte gibt es keinen eindeutigen Sieger.
Gewinner aber gibt es dennoch viele - auch und vor allem die Anhaltische Philharmonie, die unter ihrem Generalmusikdirektor Antony Hermus erneut auf dem mittlerweile gewohnt hohen Niveau musiziert. Hier werden neben den fahlen und grellen Farben des Werks auch jene eigentümlichen Chinoiserien höchst kompetent präsentiert, die man auf der Szene konsequent verweigert und die dem Werk aus dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts seine zeitlose Schönheit geben - auch wenn es als Puccinis Schwanengesang immer den Nimbus des nicht ganz Bewältigten, nicht Vollendeten wahrt.
Doch auf dieser Basis entfaltet sich - im Zusammenspiel mit den aus mehreren Chören rekrutierten und von Helmut Sonne sowie Dorislava Kuntscheva einstudierten Massen - auch die ganze existenzielle Wucht des Geschehens. Ein großer, spannender Abend!
Nächste Vorstellungen: 3. Oktober, 17 Uhr; 8. Oktober, 19.30 Uhr
14.09.2010, 19:15 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
558
Pressemitteilung vom 14.09.2010
Premiere „Turandot“
Dramma lirico in drei Akten von Giacomo Puccini
Text von Giuseppe Adami und Renato Simoni
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Am 25. September um 19.00 Uhr zeigt das Anhaltische Theater die Oper „Turandot“ im Großen Haus. Für die Neueinstudierung ihrer Weimarer Turandot-Produktion hat Andrea Moses mit den Ensemblemitgliedern des Anhaltischen Theaters Dessau in allen tragenden Partien eine vollständig neue Besetzung hochkarätiger Solisten zur Verfügung. Mit dieser Inszenierung kommt eine der populärsten Opern des 20. Jahrhunderts auf die Bühne, die in Dessau letztmalig vor 50 Jahren auf dem Spielplan stand. GMD Antony Hermus dirigiert die Anhaltische Philharmonie.
Prinzessin Turandot wird nur einen Prinzen heiraten, der drei von ihr gestellte Rätsel lösen kann. Wer das nicht vermag, wird geköpft. Mit diesem grausamen Gesetz nimmt Turandot späte Rache für das Schicksal einer Vorfahrin, die einst von einem fremden Mann vergewaltigt worden war. 13 junge Königssöhne mussten bereits sterben. Auch Prinz Calaf ist von Turandots Schönheit bezaubert. Er bewirbt sich und löst die drei Rätsel, doch Turandot weist ihn trotzdem von sich. Calaf will Turandot nicht zwingen, sondern gibt ihr seinerseits auf, bis zum nächsten Morgen seinen Namen in Erfahrung zu bringen. Vermag sie es, so will er sterben. Mit Gewalt versucht Turandot, von Liù – einer Sklavin, die Calaf liebt – den Namen zu erfahren. Liùs Freitod aus Liebe erschüttert Turandot, doch erst Calafs Küsse machen auch sie zur liebenden Frau.
Puccinis letzte Oper verbindet Bombastisches mit Intimen, Tragisches mit Komödiantischem. Es geht um Macht und Machtdemonstration, den ewigen Kampf der Geschlechter und die große Liebe. Mit viel Ironie und Spielfreude verbindet Andrea Moses die verschiedenen Charakteristika dieses Werkes zu einem Medienspektakel im Turandots Riddle Club.
Musikalische Leitung: GMD Antony Hermus | Inszenierung: Andrea Moses
Bühne und Kostüme: Christian Wiehle | Dramaturgie: Michael Dißmeier / Heribert Germeshausen
Choreinstudierung: Helmut Sonne
Mit KS Iordanka Derilova (Turandot), Angelina Ruzzafante (Liù), Sergey Drobryshevskiy / Andrew Sritheran (Calaf), Pavel Shmulevich (Timur), Wiard Witholt (Ping), Angus Wood (Pang), David Ameln (Pong) u.a.
Weitere Vorstellungen am: 3.10.2010, 17 Uhr; 8.10.2010, 19.30 Uhr; 24.10.2010, 17 Uhr; 7.11.2010, 17 Uhr; 20.11.2010, 17 Uhr; 9.12.2010, 16 Uhr;
12.3.2011, 17 Uhr; 3.4.2011, 17 Uhr; 5.6.2011, 17 Uhr | 12.6.2011, 17 Uhr.
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de und auch an der Abendkasse.
14.09.2010, 15:32 | tags:
Anhaltische Philharmonie
556
Johannes Killyen, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 14.09.2010
Blech bläst wie von Sinnen
Sinfoniekonzert
Die Philharmonie startet mit einem Gast meisterhaft in die Saison.
War das die reumütige Antwort eines zu Recht gerügten Künstlers? Klang so der sozialistische Jubel, den die Funktionäre vom Genossen Schostakowitsch erwarteten? Vieileicht muss man das Ende seiner fünften Sinfonie sehen, um es noch besser zu begreifen: Da hält der martialische Totentanz ohne Grund plötzlich inne, und strahlende Fanfaren in D-Dur brechen über die Zuhörer herein. Das Blech bläst wie von Sinnen, bis die Lippen ihren Dienst versagen - während die Streicher lustlos auf einem Ton herumsägen, als seien sie zur Maidemonstration bestellte Volksmassen.
Ein russischer Auftakt
Dieses „Schlussbild" beim ersten Sinfoniekonzert der Anhaltischen Philharmonie am Freitag war optisch stark, Wie man es bei konzertanter Musik selten erlebt. Es führte vor Augen, was Schostakowitsch 1974, also lange nach der Uraufführung, über seine berühmteste Sinfonie sagte: "Dieser Jubel ist unter Drohungen erzwungen - so, als schlage man uns mit einem Knüppel und verlange dazu: Jubeln sollt ihr!" Der Jubel, den das zahlreiche Publikum nach der hohlen Schlussapotheose spendete, war freilich ein ganz ehrlicher und galt einem würdigen, russisch geprägten Auftakt für die neue philharmonische Spielzeit. ,
Die hatte hintersinnig mit Alfred Schnittkes Orchesterwerk ,,(K)ein Sommernachtstraum" begonnen, das sich von einer zarten Geigenmelodie im Rokokostil fulminant zu dissonanten Tongebirgen hochschraubte, um danach wieder in vermeintliche Unschuld zu verfallen. Dieses der Stilvielfalt verschriebene kleine Meisterwerk (1983/84) an den Anfang der Saison zu stellen, zeigte, dass Generalmusikdirektor Antony Hermus durchaus den Mut auch zu Verstörendem hat.
Freilich wurden etwaige Irritationen von Peter Tschalkowskis berühmtem Violinkonzert (1881) rasch wieder eingefangen. Lange war es in Dessau nicht mehr zu hören, doch das Warten hat sich gelohnt: Der junge russische Geiger Alexander Sitkovetsky spielte sich im Verlauf des monumentalen Opus in einen derartigen Rausch hinein, dass erst eine zugegebene Bach-Sarabande für Ruhe vor und auf der Bühne sorgte.
Frenetischer Applaus
Alexander, der äußerlich leger auftretende Neffe des (noch) berühmteren Geigers Dmitri Sitkovetski, hatte das Tschaikowski-Konzert beinahe abgeklärt und cool begonnen, süffig im Ton, vielleicht nicht mit der letzten Klarheit im Figurenwerk. Doch nach wenigen Minuten fanden bei ihm Gefühl und Kontrolle in einer Perfektion zusammen, dass das eigentlich gut geschulte Dessauer Publikum sich schon nach dem ersten Satz nicht anders als mit einem frenetischen Zwischenapplaus zu helfen wusste.
Kaskaden, Läufe, Doppelgriffe und wie Brillanten aufblitzende Flageolett-Töne- Sitkovetski gab fortan den Hexenmeister, der sich über die natürlichen Beschränkungen der Finger- und Bogentechnik einfach hinwegzusetzen schien. Schön, dass er sich im zweiten Teil des Konzertes ganz selbstverständlich in einer der hinteren Parkettreihen niederließ, um die Sinfonie Nr. 5 seines Landsmannes Dmitri Schostakowitsch zu erleben. Und die große Stunde der Anhaltischen Philharmonie, die Schnittkes Kapriolen und die durchaus heikle Begleitung des Tschaikowski-Konzertes zuvor gut gemeistert hatte.
Antony Hermus und seine Musiker legten eine extreme Lesart der Sinfonie vor, trugen in Geschlossenheit und weit ausgreifenden Melodiebögen Trauer, trieben aber vor allem die zerstörerische Gewalt und den Sarkasmus in dieser Musik derart auf die Spitze, dass die ansonsten souveränen Blech- und selbst die Holzbläser in der Intonation kurzzeitig nachließen. Doch Hermus waren diese Einbußen ganz zu Recht weniger wichtig als die Wahrhaftigkeit des Ausdrucks. Denn Schostakowitsch verträgt keine Halbherzigkeit.
13.09.2010, 12:41 | tags:
Anhaltische Philharmonie
555
Pressemitteilung vom 13.09.2010
2. Sinfoniekonzert „Bravo! Da Capo!“
Am Donnerstag, 30. September und Freitag, 01. Oktober findet um 19.30 Uhr im Großen Haus das 2. Sinfoniekonzert der Anhaltischen Philharmonie statt.
Der 23-jährige Ausnahmepianist Joseph Moog, Schüler des in Dessau bestens bekannten Bernd Glemser, spielt im Rahmen des 2. Sinfoniekonzerts das 1. Klavierkonzert von Sergej Prokofjew – ein atemberaubend virtuoses Stück, das sich der damals 21-jährige Komponist und Pianist 1912 für den eigenen Gebrauch geschrieben hatte.
Prokofjews Klavierkonzert wird umrahmt von zwei klassischen Sinfonien. Eingangs erklingt die Londoner B-Dur-Sinfonie (Nr. 98) von Joseph Haydn. Bei ihrer Uraufführung 1792 in London wurden der erste und der letzte Satz da capo verlangt. „Bravo! Da capo!“ ist daher auch der Titel dieses Sinfoniekonzerts. Denn auch beim nach der Pause anstehenden Werk, der mitreißenden 7. Sinfonie von Ludwig van Beethoven, verlief die Uraufführung nicht ohne „Da capo!“. Das Publikum erzwang anno 1813 in Wien eine Wiederholung des zweiten Satzes. Die ganze Sinfonie mit ihrem Schwung und ihrer unglaublichen rhythmischen Energie wurde damals als Fest nach dem Sieg über Napoleon bejubelt. Am Dirigentenpult der Anhaltischen Philharmonie steht Daniel Carlberg, seit vergangenem Jahr 1. Kapellmeister des Anhaltischen Theaters.
13.09.2010, 12:30 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
554
Pressemitteilung vom 13.09.2010
„Zauber der Operette“
Unter dem Motto „Zauber der Operette" lädt das Anhaltische Theater am 17. September um 19.30 Uhr zu einem schwungvollen Operettenkonzert ein. Unter der Leitung von Wolfgang Kluge wirken als Solisten mit: Cornelia Marschall und Angelina Ruzzafante (Sopran) sowie David Ameln und Angus Wood (Tenor).
Auf dem Programm stehen Lieder und Duette aus Operetten wie „Eine Nacht in Venedig", „Die Fledermaus", „Boccaccio", „Paganini", „Clivia" und „Giuditta". Die Anhaltische Philharmonie steuert einige bekannte Orchesterstücke bei und auch das Ballettensemble wird zu erleben sein. Als Moderator begleitet Ronald Müller das Publikum durch den Abend.
In der Konzertpause besteht die Gelegenheit, im Foyer auf großer Leinwand die zehnminütige Filmdokumentation über das fantastische Scratch-Konzert „Carmina Burana“, welches im Mai stattfand, anzuschauen.
Informationen und Tickets erhalten Sie an der Abendkasse und unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9.30 bis 20 Uhr | ab dem 23. August Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
13.09.2010, 00:01 | tags:
Anhaltische Philharmonie
552
Thomas Altmann, Mitteldeutsche Zeitung, 31.08.2010
Von Sehnsüchten und Stechmücken
Wallraf-Quartett beendet die Saison der Seekonzerte in Wölritz
Und frische Nahrung, neues Blut saug' ich aus freier Welt; wie ist Natur so hold und gut, die mich am Busen hält!"
Natürlich ist das lyrische Ich ein Mensch und somit ein Säugetier. Aber am Sonnabend In Wörlitz könnte man glauben, Goethe habe seine Verse aus der Perspektive der gemeinen Stechmücken geschrieben, die an den Wörlitzer Ufern auf die Gäste des letzten Seekonzertes der Saison lauern.
Ein Verweis auf diese Blickrichtung leitet am kleinen Wallloch die Geburtstagsverse ein. Schließlich muss ein Seekonzert an einem 28. August dem Dichter gratulieren. Ein echtes musikalisches Geschenk überreicht das Wallraf-Quartett. Ohne Regen. Bei Sonnenschein. Nur der Wind verzittert die langen Schatten ein wenig.
An der Gondelstation wird Mückenspray und Sekt gereicht - und damit das Nützliche mal wieder mit dem Schönen verbunden. Dann wird der Weg zurück zur Natur an gedeckten Tischen und sitzend genommen: Vorspeise am Nymphäum, Hauptgang in Nähe der Goldenen Urne und das Dessert, danke, vielleicht nach dem Konzert.
Kaum sind die Boote am Ufer vertäut, steigen sie aus dem Schilf, die kleinen stechenden Biester. Und sie sticht immer, die Serenade aus dem Streichquartett F-Dur op. 3 Nr. 5, welches Joseph Haydn als Autor führt, auch wenn es vielleicht aus der Feder von Roman Hofstetter stammt. Liedhaft, licht mit schönem runden Ton schwingt sich der Ohrwurm über das Walloch. Es musizieren: Katja Wallraf (1. Violine), Johannes Schmidt (2.
Violine), Svetla Kambourova (Viola) und Gerald Manske (Violoncello). Mozart folgt, das Streichquartett D-Dur KV 155. Da werden die Charaktere der Sätze schlüssig gestaltet, besonders auch der besinnlich, vertiefte Mittelsatz.
„So lasst mich scheinen, bis ich werde": Zu Goethes Versen erklingt Franz Schuberts Musik, bearbeitet für Streichquartett von Aribert Relmann. „Nur wer die Sehnsucht kennt, weiß, was ich leide!": Am Fuß des Venustempels singt Kristina Baran still schmerzhaft und sehr ausgewogen von der Sehnsucht der „Mignon", die im Bildungsroman „Wilhelm Meisters Lehrjahre" liebt, sucht und stirbt. So schaukeln die Gondeln im Land der Sehnsucht - und die Mücken sind vergessen, beinah.
„Seh' ich ans Firmament" - da kommt nun doch eine Wolke, aber vorher kommen Streichtriosatz B-Dur D 471 und Streichquartettsatz c-Moll D 703 von Franz Schubert. Hier spielt die erste Geige wirklich die erste Geige, Katja Wallraf spielt sie meisterhaft im Kreise kongenialer Kollegen. Die packende Dichte widersprüchlicher Gefühle wirkt rastlos, aber nie getrieben, so fließend, so lyrisch, so dramatisch. Man behält unbedingt diese Stimmungen aus dem unvollendeten Ouartett im Ohr.
Am Gotischen Haus, wo der Fürst tägllch die Gärtnerstochter adelte, zählt der Gondoliere die Kinder des Landesvaters auf, die ehelichen, neben- und unehelichen. Die Gäste staunen - und der Himmel zeigt sich potent. Die Wolke geht und der Sonnenuntergang steht an. Beinah ein bisschen viel Farbe, aber Natur. Übrigens, es gibt auch im Elysium Mücken.
03.09.2010, 22:31 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
541
Operapoint, Heft 3/ 2010, Oliver Hohlbach
Dessau, Anhaltisches Theater
Die Stumme von Portici (La Muette de Portici)
von Daniel-François-Esprit Auber (1782-1871);Oper in fünf Akten; Libretto von Eugène Scribe und Germain Delavigne, UA: 29. Februar 1828 Paris, Opéra
Regie: André Bücker, Bühne: Jan Steigert
Dirigent: Antony Hermus, Anhaltische Philharmonie, Opernchor, Coruso Chor und Kinderballett des Anhaltischen Theaters Dessau
Solisten: Eric Laporte (Alphonse), Angelina Ruzzafante (Elvire), Angus Wood (Lorenzo), Ulf Paulsen (Selva), Anne Weinkauf (Hofdame), Diego Torre (Masaniello), Gabriella Gilardi (Fenella, stumme Ballettrolle), Wiard Witholt, Kostadin Arguirov, Stephan Biener (Gefährten)
Besuchte Aufführung: 24. April 2010 (Premiere)
Kurzinhalt
Prinzessin Elvire und Alphonse, Sohn des spanischen Vizekönigs, treffen Heiratsvorbereitungen. Die stumme Fenella erkennt ihn als ihren Verführer. Dies provoziert ihren Bruder, den Fischer Masaniello, einen Aufstand gegen die verhaßte spanische Besatzung anzuführen. Gerade als Masaniello die Kontrolle über den Aufstand zu verlieren droht, suchen Alphonse und Elvire Schutz bei ihm, der nun den Zorn seiner rebellischen Freunde fürchten muß. Sein Freund Pietro sieht in ihm einen Verräter und potentiellen Tyrannen und vergiftet ihn. Alphonse ist es zwischenzeitlich gelungen, Truppen gegen die Revolte zu mobilisieren. Sterbend gelingt es Masaniello, Elvire vor den Rebellen zu retten, Fenella tötet sich verzweifelt selbst. Zum Schluß bricht der Vesuv aus.
Aufführung
Wir befinden uns im Neapel der Gegenwart. Nicht die Spanier haben die Stadt im Würgegriff, sondern die Camorra. Die Anhänger Masaniellos sind schwarz gekleidet und sonnenbebrillt. Die Kämpfe mit dem Gegner erfolgen mit dem Maschinengewehr. Kinder hasten eifrig spielend durch die Kulissen. All das geschieht zwischen Containerhafen und Werft, selbst die Hochzeit zwischen Alphonse und Elvire findet auf der Rückseite eines Schiff-Rohbaus statt - der Vesuvausbruch fällt aus.
Sänger und Orchester
Das Duett zwischen Masaniello und Pietro "Die heilige Liebe zum Vaterland" und Masaniellos Arie im dritten Akt "Laufet zur Rache! Die Waffen, das Feuer! sind nicht nur sehr effektvoll geschrieben, sondern auch eine gewaltige Herausforderung für jeden Tenor. Beides stellte Diego Torre (Masaniello) unter Beweis. Allerdings hatte er damit keinerlei Schwierigkeiten. Leicht und schwerelos, aber mit viel französischer Verve und hoher Durchschlagskraft sang er diese beiden Stücke. Gleiches kann man für den zweiten Tenor Eric Laporte sagen. Seine Auftritte als Alphonse im ersten Akt sind völlig an der Gesangslinie orientiert. Der dritte Tenor Angus Wood als Lorenzo hat zwar nur einige kurze Auftritte, kann aber mit eher dramatischen Ausbrüchen glänzen.
Angelina Ruzzafante ist der Koloratursopran des Hauses und gewinnt das Publikum mit ebendiesen Koloraturen als Elvire mit Szenenapplaus - so als wären diese Koloraturen eine ganz einfache Sache. Ulf Paulsen in der leider viel zu kurzen Rolle des Selva kann auch in einer etwas tiefer liegenden Partie mit Ausdruck und kluger Gestaltung überzeugen - als echter Opernbösewicht mit Ausstrahlung. Antony Hermus führt die Anhaltische Philharmonie und diese Produktion auf eine musikalische Entdeckungsreise, die Auber als einen Mitbegründer der Grand Opera mehr als würdigt. Diese musikalische Fülle, die den Zuhörer fast drei Stunden mit französischem Wohlklang und Klangwolken mitreißt, führt hoffentlich zu einer Auber-Wiedergeburt.
Fazit
Ohne Zweifel eine aufsehenerregende Produktion und eine Wiederentdeckung eines wichtigen Beitrages zur Musikgeschichte. Musikalisch mit drei herausragenden Sängern besetzt. Szenisch hat man sich sehr bemüht, hat sehr viel Bewegung auf die Bühne gebracht. Atemberaubend, in welchem Tempo die Bühnen-Arbeiter die Kulissen immer wieder neu zusammenschieben.
Eine Revolution entfiel an diesem Abend: auch wenn der Chor zur Pause durch den Zuschauerraum faustschwingend abgezogen ist, so ist das Publikum nicht hinterhergezogen, wie es das bei der Aufführung in Brüssel 1830 gewesen ist. Das Publikum feierte die Produktion lange und stürmisch. Den Besuch einer Vorstellung kann man auf jeden Fall sehr empfehlen.
28.08.2010, 11:39 | tags:
Anhaltische Philharmonie
, Diverses
538
Steffen Brachert, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 28.08.2010
«Aeroflorale II» landet und das Bauhaus hebt ab
Den letzten Kontakt gab es vor drei Tagen. Die Verbindung war schlecht. "Wir haben längst nicht alles verstanden." Die Stille im Mittelwellen-Äther kann die Französin Marie Saunier aber nicht beunruhigen. "Wir haben auch schon einmal zwei Wochen nichts voneinander gehört."
Seit zwei Tagen ist Saunier in Dessau und bereitet mit einem kleinen Team die Ankunft der "Aeroflorale II" vor. Das spektakuläre Luftschiff ist mit seiner "Expedition Vegetale" vor einigen Monaten in Bolivien gestartet, wurde vor kurzem in Frankreich gesichtet und wird in dieser Woche zum Farbfest in Dessau erwartet.
Auflösung mit der Landung
Was da genau auf dem Marktplatz ankommt, weiß kaum einer so richtig. Eine Skizze der "Aeroflorale II" existiert. 16 bis 18 Meter groß ist das stählerne Ungetüm, das von Ballons getragen wird. Dazu gibt es ein Bild, das einen Mann am Steuer des riesigen Flugobjekts zeigt, und mysteriöse Funksprüche, die immer wieder in Dessau eintreffen.
Die Geheimhaltung ist Teil der Strategie. Eine Auflösung verspricht die französische Künstlergruppe "La Machine" erst in der nächsten Woche. "Ab Dienstag bereiten wir die Landung des Luftschiffes vor." Sauniers Empfehlung an die Stadt ist eindeutig. "Vielleicht stellen Sie schon einmal ein paar Schilder auf." Sauniers Bitte an die Dessauer ist ebenso klar. "Helfen Sie der Crew bei ihren Experimenten." Die Expeditionen werden sich quer durch die Stadt ziehen. Überraschungen sind nicht ausgeschlossen. Mitmachen ist erwünscht.
Es ist das 13. Farbfest, das Dessau am ersten September-Wochenende feiert. Noch nie war eines geheimnisvoller. Im vorigen Jahr hat "La Machine" zum Tag der Deutschen Einheit in Berlin stählerne Riesen zum Brandenburger Tor laufen lassen. Die Konstrukteure schufen aber auch schon Spinnen und Elefanten aus Metall. Die Zusammenarbeit mit Dessau gilt als kleine Sensation und wurde möglich durch die Hochschule Anhalt, die seit Jahren Kontakte zur Architekturhochschule Nantes hält. Nantes ist die Heimatstadt von "La Machine", das mitgeholfen hat, mit Kultur die Stadtentwicklung voranzutreiben, wie Axel Teichert, Dekan in Dessau, anerkennend feststellt. Nantes kann und soll Vorbild für die Muldestadt sein. "Die Stadt", verspricht Teichert, "wird beim Farbfest die kreative Kraft der Hochschule entdecken."
Das 13. Farbfest - es ist der Farbe Grün, tollkühnen Menschen und fliegenden Kisten gewidmet - euphorisiert die Beteiligten. Erstmalig findet es an vier Tagen statt. Erstmalig hat es internationale Partner. "Es ist schon in der Vorbereitung ein beeindruckender, wunderschöner Kraftakt", freut sich Ingolf Kern vom Bauhaus auf ein "selbstbewusstes Fest, das es so noch nicht gegeben hat". Das Bauhaus selbst, der Ausgangs- und Fixpunkt des Festes, trägt dazu bei. Dort heißt es zum Farbfest "Maschine: Grün!".
"Grün ist uns aber nicht genug", sagt Andreas Kühnlein. Gemeinsam mit Torsten Blume versucht der Mann vom Bauhaus, den 1 600 Seiten zählenden Roman von Thomas Pynchon "Gegen den Tag" zu inszenieren, obwohl dort 600 Personen mitspielen und es eben so viele Erzählstränge gibt. "Das Buch", sagt Kühnlein, "passt zur Verrücktheit des Bauhauses."
Das Dessauer Welterbe wird zum Farbfest von den "Freunden der Fährnis" erobert, einem internationalen Aeronautenclub, der mit dem Luftschiff "Inconvenience" bis in die 1920er Jahre hinein obskure Forschungsaufträge in aller Welt erledigte - und im Jahr 2010 wieder abheben soll. Videoprojektionen, Dampf, Zahnräder, Lärm: Das Bauhaus soll an diesem Abend zu einem riesigen Luftschiff werden. "Inconvienience" trifft "Aeroflorale II". Ein großes Spektakel kündigt sich an. Bindeglied ist das Anhaltische Theater, für das Intendant André Bücker ein Eröffnungskonzert mit grünen Farbtupfern verspricht.
Gefühl und Hoffnung
All das provoziert Fragen, auf die selbst die Organisatoren nicht alle Antworten wissen. Doch alle eint bei diesem ganz besonderen Experiment das Gefühl und die Hoffnung, das Farbfest in einem Maße weiter entwickelt zu haben, dass es internationale Dimensionen erreicht. "Ein neues Fest entsteht immer im alten", sagt Burghard Duhm, der für das Bauhaus alle bisherigen zwölf Farbfeste mitvorbereitet hat. "Doch das jetzt könnte die Zukunft sein."
24.08.2010, 11:48 | tags:
Anhaltische Philharmonie
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Pressemitteilung vom 24.08.2010
Letztes Seekonzert der Saison
Am kommenden Samstag findet in den Wörlitzer Anlagen das letzte Seekonzert der Saison statt. An diesem 28. August, Goethes 261. Geburtstag, lautet das Motto „West-östlicher Diwan – Poesie trifft Musik“. Das Wallraf-Quartett der Anhaltischen Philharmonie gestaltet den Abend mit Musik von Haydn, Mozart und Schubert und die Sängerin Kristina Baran steuert Goethe-Texte in Liedern und Gedichten bei. Interessenten treffen sich bis spätestens 18 Uhr an der Gondelstation im Wörlitzer Park.
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Abendkasse und an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über
die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr |
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
15.08.2010, 10:48 | tags:
Anhaltische Philharmonie
, Diverses
536
Super Sonntag, 15.08.2010
Religionen der Welt zu Gast in Luthers Wittenberg
Himmel auf Erden:
Wittenberg (wg). Das Reformationsjubiläum 2017 und die Lutherdekade sollen nicht so sehr der protestantischen oder nationalen Nabelschau dienen, sondern den ökumenischen und interkulturellen Dialog pflegen. “Diesen Gedanken greifen wir mit dem internationalen Festival spiritueller Musik aller Religionen auf“, erklärt Silvio Wiesner, Produktionsleiter der Bühne Wittenberg. “Himmel auf Erden“ heißt das ehrgeizige, gemeinsam mit dem Anhaltischen Theater Dessau entwickelte Projekt, das im Reigen der Festival-Events von 2011 bis 2013 ein neues und bislang ungehörtes Kapitel aufschlagen soll.
Wittenberg ist nicht nur die wichtigste Wirkungsstätte Martin Luthers: Durch seine antijüdische Polemik ist die Stadt auch ein Ort des religiösen Fundamentalismus. “Deshalb wollen wir hier ein Zeichen der religiösen Toleranz setzen, und zwar nicht durch wohlfeile Kanzelreden, sondern durch Musik“, betont Wiesner. Der Anspruch der Initiatoren ist ein multikultureller und multireligiöser: Die Palette 2011 reicht von einem buddhistischen Priester-Ensemble aus Japan über Sikh-Musik aus Indien bis hin zu einem Aborigine-Ensemble aus Australien.
Mit dabei sein wird “Sacred Bridges“, eine Crossover-Gruppe mit Musikern aus Bulgarien, der Türkei, Libanon, Irak, Schweden, China, England, Japan, Italien und Deutschland, wobei jeder Künstler seine heimischen Traditionen gleichberechtigt in den musikalischen Dialog einbringt. Für das Festivalprogramm 2011, das unter dem Motto “Im Anfang“ steht, werden unter anderem auch das renommierte Schweizer Kammerorchester Basel, die Lautten Compagney Berlin sowie Chor und Orchester des Anhaltischen Theaters erwartet. “Mitten im Leben“ und “Heimkehr ins Paradies“ sind die Themenjahre für 2012 und 2013.
“Mit diesem Festival fragen wir nach der Herkunft und der Zukunft aller Religionen und laden ein zu einer Suche nach ihren Gemeinsamkeiten und Unterschieden“, berichtet Johannes Winkelmann, Geschäftsführer des Vereins WittenbergKultur. Ein Schwerpunkt wird auf die großen Chorwerke gelegt. Aufführungsorte in Wittenberg werden die Schloss- und Stadtkirche, Phönix Theaterwelt sowie der Schlosshof, der Hof der Leucorea und der Hof des Lutherhauses sein.
Von der Bundeskulturstiftung wird das Projekt 2011 und 2012 mit jeweils 200.000 Euro gefördert, aber auch die Finanzierung für 2013 ist den Angaben Winkelmanns zufolge bereits gesichert. Einen festen Bestandteil aller drei Festivaljahre bildet der “Wittenberger Thesen-Chor“, der sich an die weltweite Bewegung der “Complaints Choir" anschließt. Während diese von den finnischen Künstlern Tellervo Kalleinen und Oliver Kochta-Kalleinen begründete Gesangsgemeinschaft überwiegend alltäglichen Ärger und private Sorgen in ein kollektives Erlebnis verwandelt, sollen in Wittenberg neue Thesen für das 21. Jahrhundert gesammelt und gesungen werden.
Dabei wird es um die Themenbereiche Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung gehen. Ob prominenter Zeitgenosse oder einfacher Bürger - jeder kann Kernsätze als Thesen abgeben, die von jungen Komponisten vertont und schließlich auf öffentlichen Plätzen während des Festivals vom “Wittenberger Thesen-Chor“ gesungen werden. Als Partner für dieses Projekt stehen die Singakademie Berlin sowie der renommierte Chorleiter Klaus-Martin Bresgott zur Verfügung.
10.08.2010, 16:08 | tags:
Anhaltische Philharmonie
534
Pressemitteilung vom 10.08.2010
1. Sinfoniekonzert „Drei Variationen über Russland“
Am Donnerstag, 9. September und Freitag, 10. September findet um 19.30 Uhr im Großen Haus das 1. Sinfoniekonzert der Anhaltischen Philharmonie statt. Die Leitung hat GMD Antony Hermus. Drei bedeutende Vertreter russischer Musikkultur mit herausragenden Werken bestimmen das „Drei Variationen über Russland“ überschriebene Auftaktkonzert der Saison. Tschaikowskis Violinkonzert, eines der schwierigsten aber auch wirkungsvollsten Werke des Repertoires, wird gespielt vom jungen britischen Geiger Alexander Sitkovetsky, dem Spross einer renommierten Moskauer Musikerfamilie. Dmitri Schostakowitsch ist mit seiner großartigen 5. Sinfonie vertreten, die die dunklen Seiten der sowjetischen Gesellschaft Ende der 1930er Jahre reflektiert, als der Stalinsche Terror seinen Höhepunkt erreichte: Leid, Aufbegehren gegen Unrecht, Anpassung, angstvolle Einsamkeit und gewaltsam erzwungener Jubel. Kein russischer Komponist im engeren Sinne ist der Wolgadeutsche Alfred Schnittke. Er verbrachte einige Jugendjahre in Wien, wonach ihm jahrzehntelang ein „gewisser Mozart-Schubert-Sound“ in Erinnerung blieb, der sich 1983 auch in seinem zehnminütigen Orchesterstück „(K)ein Sommernachtstraum“ niederschlug. Näheres über die drei Werke und ihre Komponisten erfahren Interessenten ab 18.30 Uhr bei der Konzerteinführung im Foyer.
Informationen und Tickets erhalten Sie an der Abendkasse und unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9.30 bis 20 Uhr | ab dem 23. August Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
10.08.2010, 12:06 | tags:
Anhaltische Philharmonie
532
Pressemitteilung vom 10.08.2010
Eröffnungskonzert zum Spielzeitbeginn
Am 4. September um 19 Uhr wird die Spielzeit 2010/11 traditionell mit dem Eröffnungskonzert auf dem Theatervorplatz eröffnet. Die Solisten, der Opernchor und die Anhaltische Philharmonie präsentieren musikalische Kostproben aus den bevorstehenden Neuinszenierungen. Das Publikum kann sich auf Ausschnitte aus Puccinis „Turandot“, Mussorgskis „Chowanschtschina“, Leoncavallos „Bajazzo“, Mozarts „Così fan tutte“ und Strauß’ „Fledermaus“ freuen.
Am Dirigentenpult wechseln sich GMD Antony Hermus, Daniel Carlberg und Wolfgang Kluge ab. Es moderiert Generalintendant André Bücker. Da dieses Open-Air-Konzert wie gewohnt Bestandteil des Dessauer Farbfestes ist, darf das Publikum im Programm zudem mit „grünen“ Überraschungen rechnen.
Am Sonntagnachmittag, 5. September ab 15 Uhr lädt das Anhaltischen Theater auf die große Bühne seines Hauses ein. „Freunde, das Leben ist lebenswert!“ lautet das Motto eines Konzertes, in dem beliebte Melodien aus Oper, Operette und Konzert erklingen werden, u.a. von Auber, Verdi, Strauß, Lehár und Dostal. Die Anhaltische Philharmonie musiziert unter der Leitung von Wolfgang Kluge. Es singen Iordanka Derilova, Cornelia Marschall, Angelina Ruzzafante, David Ameln, Andrew Sritheran, Angus Wood und Wiard Witholt. Durch das Programm führt Ronald Müller.
Informationen und Tickets erhalten Sie an der Abendkasse und unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9.30 bis 20 Uhr | ab dem 23. August Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
09.08.2010, 22:34 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
, Pressestimmen
530
Vesna Mlakar, danceforyou! - Magazin, Juli/August 2010
Abgrund Mensch
Tomasz Kajdanski und Dorin Gal gelingt in Dessau nach Maxim Gorkis "Nachtasyl" ein berührend zeitloser Totentanz.
Wer wagt, gewinnt! - diesen Ausruf haben sich Ballettchef Tomasz Kajdanski und sein Intendant André Bücker ganz offensichtlich seit Amtsantritt zu Beginn dieser Spielzeit auf die Fahnen geschrieben. Ihr 1250 Plätze fassendes Anhaltisches Theater Dessau steht - und das merkt man erst, wenn einen das Navi auf Schleichwegen an verfallenen ruinösen Fabrikpalästen und tristen Wohnblöcken vorbei an das Dreispartenhaus heranführt - am Rand einer ehemals blühenden Stadt. Die Abwanderung der Bevölkerung heute ist enorm, doch verständlich angesichts des nach massiven Zerstörungen Ende des 2. Weltkriegs und teils vermurkstem Wiederaufbau nun mangelnden urbanen Charmes. Wer nicht ausharren muss oder seine Zeit mit Shoppen in den schicken neuen Ladenpassagen verbringt, flüchtet jede freie Minute ins paradiesische Grün der Elbanlagen - oder gleich bis nach Wörlitz. Nur das Weltkulturerbe Bauhaus und die benachbarten Meisterhäuser fungieren für das zusammengeführte Dessau-Roßlau als studentischer und touristischer Rettungsanker.
Angesichts dessen - und weil aufrütteln bzw. das Publikum mit Maß herausfordern dem Denker Kajdanski mehr liegen als bloß hübsche Variationen - passt seine zweite abendfüllende Premiere (nach Wedekinds Lulu) hierher wie "die Faust aufs Auge". Massive globale Krisenherde in Wirtschaft und Ökologie sowie das wachsende Auseinanderklaffen der sozialen Unterschiede verleihen seiner getanzten Adaption von Maxim Gorkis düsterem Drama Nachtasyl aus dem Jahr 1902 darüber hinaus brisante Aktualität:
Wie anno dazumal im zaristischen Russland finden sich auch in unseren Metropolen jene wild zusammengewürfelten Häuflein verlorener, in sich verzagter und gebrochener Existenzen, die sich - während der letzte Halt um sie herum zerfällt - in ihrer Verzweiflung aneinander klammern und ein Entkommen aus dem oft selbst verschuldeten Desaster suchen. Ein - so bringen es der Choreograf, seine höchst motivierte elfköpfige Tänzercrew und Kajdanskis kongenialer Partner in Sachen Ausstattung, Dorin Gal, auf die Bühne - durch permanente Frustration in (Auto-)Aggression umschlagendes, letztendlich vergebliches Aufbäumen.
Für die Tristesse der Ausweglosen, unfähig, selbst eine Erfolg versprechende Initiative zu ergreifen, hat das Produktionsteam ein atmosphärisch den gesamten, ohne Pause 75 Minuten langen Abend tragendes Bild gefunden: Ganz im Sinne des Originaltitels Na dne (übersetzt: Szenen aus der Tiefe) spielt sich alles am Grunde eines verfallenen Schwimmbassins ab. Die in der Mitte prangende, riesige, aus dem Loch führende Leiter, wagt keiner der Insassen zu erklimmen. Stattdessen toben sie - anfangs vereinzelt, dann durcheinander, verwickeln sich in Duette, dass die Fetzen fliegen, rennen kopflos gegen Wände, wälzen sich auf Matratzen oder hängen resignierend auf Stühlen ab. Dazu tönt live aus dem Orchestergraben in seiner eindrücklichen Klangereignishaftigkeit Detlev Glanerts Theatrum bestiarum.
Die Welt von außen - wie der Himmel über dem Becken aller Farben beraubt - zieht nur mehr in Form von Projektionen (Angela Zumpe) an ihnen vorbei: Häuser, Gemäuerreste, Graffitis, volle Supermarktregale. .. Unerreichbar für die an Gorkis Vierakter angelehnten Charaktere: .Asylbesitzer" Kostylew (Gordon Wannhoff), seine Frau Wassilissa (Yun-Ju Chen), deren Schwester Natascha (Laura Costa Chaud), den in sie verliebten Taugenichts Pepel (Juan Pablo Lastras-Sanchez), den gewalttätigen Handwerker Kleschtsch (Rai-Hilmar Kirchner) und seine am Ende zu Tode gequälte Anna (Einspringerin Anna Maria Tasarz), Nastja (Yuliya Gerbyna), eine Prostituierte, den alkohol süchtig-lebensmüden Schauspieler (Ion Beitia - ab nächster Spielzeit in München bei H. H. Paar engagiert), einen heruntergekommenen Baron (Jonathan Augereau) und das junge Mädchen (Denise Evrard).
Jedem von ihnen hat Kajdanski versucht, die rollentypischen Eigenarten in Körper und Requisiten zu legen. Einer Exposition gleich beginnt deshalb sein erster "Rasend vor Ohnmacht" betitelter Handlungsteil. Seine Bewegungsfindungen dazu sind heftig, verquirlt zwischen Klassik und Streetdance, impulsiv. Die fatale Getriebenheit seiner Interpreten nimmt das im finalen Countdown "Endzeit" zu Glanerts Mahler/Skizzen noch gesteigerte Tempo der Inszenierung vorweg. Vor allem aber nach dem berückenden, choreografisch am ausgefeiltesten gelösten Mittelteil "Hoffnung", dem Kajdanski Schönbergs Verklärte Nacht unterlegt, wünschte man sich mehr Zeit, um von den Gestalten Abschied zu nehmen.
Kajdanski aber lässt das Geschehen nach einem Moment der Erstarrung am Boden in einen Wust aus Unordnung eskalieren - angereichert mit so vielen parallelen, bildhaften Spielszenen um Selbstmord, Mord und gegenseitige Quälereien, dass das Auge unter Papierfetzen, die in die Luft gewirbelt werden und kübelweise über Anna ausgeleerter Erde kaum folgen kann. In einer monströs von vorn nach hinten wallenden Welle wird alles unter schwarzem Stoff begraben.
Katharsis für das Publikum! Die Tänzer entlassen uns nicht etwa bedrückt, sondern (vielleicht unserer Distanz) positiv gestärkt. Da glimmt nach, was der Solist des Abends Joe Monaghan in der Rolle des die Nacht zum Tag, die Wüste zur grünen Wiese und alles Grau in leuchtende Farben verwandelnde Pilger Luka bei seinem Besuch im Abgrund an Hoffnungen ausgelöst hat. Ein Blickfang in seiner akademischen Andersartigkeit bringt er - virtuos beredt und überzeugend sanft - alle an einen Tisch sowie die angespannten Beziehungskonstellationen in Harmonie zum Schwingen: ein Gipfel an Gefühlen, die überspringen - ob man Gorkis russischen Bestseller nun kennt oder nicht!
30.07.2010, 11:30 | tags:
Anhaltische Philharmonie
524
Steffen Brachert, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 29.07.2010
«Aeroflorale» landet auf dem Markt
Es ist ein Projekt und ein Spektakel, wie es die Stadt Dessau wohl noch nicht erlebt hat. Es ist ein Experiment, das voller Geheimnisse steckt. Es gibt nur wenige Informationen, dafür aber schon einige verwirrende Mails. Aus dem Amazonas beispielsweise, wo "Aeroflorale II" gerade gestartet ist, um den Baikalsee im fernen Russland zu erreichen und auf dem Weg dahin seltene Gewächse und Pflanzen zu sammeln. Die seltsame Geschichte ist Teil des Projekts.
Europaweite Spuren
"Aeroflorale II"? Es ist der Name einer Expedition, die von "La Machine" initiiert wurde. Die international bekannte französische Compagnie hat europaweit schon spektakuläre Spuren hinterlassen. Durch Nantes lief 2007 ein stählerner Elefant. Durch Liverpool mühte sich im Kulturhauptstadtjahr 2008 eine Spinne. Berlin staunte 2009, zum Tag der deutschen Einheit, über Riesen am Brandenburger Tor. Dass 2010 nun Dessau auserkoren wurde, als erste Stadt die neueste Entwicklung von "La Machine" zu präsentieren, ist eigentlich kaum zu glauben, wertet das traditionsreichen Farbfest in enormer Weise auf und wird es wahrscheinlich nachhaltig verändern.
Im September vorigen Jahres waren die Macher von La Machine und die Partner der Architekturhochschule Ensa in Nantes auf Einladung der Hochschule Anhalt das erste Mal in Dessau, erlebten am Bauhaus das rote Farbfest und waren fasziniert von der Idee, hier selbst etwas zu machen. Im Ergebnis wird in der Nacht zum 2. September "Aeroflorale II" in Dessau landen. "Dessau wacht auf und hat ein spektakuläres Flugobjekt auf dem Markt stehen", berichtet Burghard Duhm von der Stiftung Bauhaus. 16 Meter ist es hoch, in der besonderen Ästhetik von Jules Verne - und damit nicht zu übersehen.
32 Personen bietet "Aeroflorale II" Platz. Meeresbiologen, Elektromechaniker, Klimaforscher, Gärtner, Musiker, Köche, ein Pflanzensoziologe. Ihre Begrüßung erfolgt musikalisch: Die Jugend-Big-Band Anhalt spielt auf, bevor das Farbfest offiziell eröffnet wird und die Experten in den nächsten Tagen zu einer "Expedition Vegetale" quer durch die Stadt aufbrechen. Es ist der Beginn eines Abenteuers. Für die Forscher. Für die Dessau-Roßlauer. Für die vielen Gäste. 10 000 Besucher zog das Farbfest in den letzten Jahren in seinen Bann. "Wir hoffen, wir denken", sagt Duhm, "dass es in diesem Jahr doppelt oder dreimal so viel werden." Der Countdown läuft.
Das 13. Farbfest wird Anfang September die Stadt in Grün tauchen - und das erstmalig an gleich vier Tagen. "Wir hatten bei den vergangenen Farbfesten immer das räumliche und inhaltliche Problem, alles in drei, vier Stunden packen zu müssen", erinnert Duhm. Vieles ist dabei untergegangen. Das ist nun vorbei. Das Farbfest expandiert, weil Land und Lotto-Toto zusätzliches Geld gegeben haben, um "La Machine" zu ermöglichen, weil französischen Städte sich einbringen, die nach Dessau die "Aeroflorale II" erwarten.
"Ikarus - Traum und Drama der Moderne" ist das Motto des Farbfestes, mit dem sich die Macher von "La Machine", Studenten der Hochschule Anhalt, das Bauhaus selbst, das Umweltbundesamt und das Anhaltische Theater intensiv auseinander gesetzt haben. Das Farbfest hat sich neue Partner gesucht und diese gefunden.
Am "Aeroflorale II" beginnt am 4. September der Hauptakt des Farbfestes. Was ab 16 Uhr in der Zerbster Straße passiert, darüber hüllen sich die Macher von "La Machine" in Schweigen. Für die nächsten Tage und Wochen sind Reiseberichte der Expedition angekündigt. Stück für Stück wird und soll sich ein Bild zusammenfügen, das sich am ersten September-Sonnabend erschließt und einen spektakulären Abend einleitet, der auch Bewährtes bietet.
19 Uhr startet das Anhaltische Theater mit seinem Open-Air-Konzert in die Spielzeit - mit Ausschnitten aus Puccinis "Turandot", Mozarts "Così fan tutte" und der "Fledermaus" von Strauß. Ist der letzte Ton verklungen, beginnt der Umzug zum Hochschul-Campus, wo Studenten ihre Arbeiten zum Thema "Ikarus - Traum und Drama der Moderne" präsentieren, geht es weiter zum Bauhaus, wo um 21 Uhr das eigentliche Farbfest beginnt.
"Bei allen Neuerungen wollen wir unseren historischen Wurzeln treu bleiben", sagt Andreas Kühnlein vom Bauhaus, das sich am Farbfest-Abend auf die Spuren von Thomas Pynchons Roman "Gegen den Tag" begibt.
Bauhaus wird zum Luftschiff
"Maschine: Grün!" ist die Nacht überschrieben, in der das Welterbe zu einem Luftschiff wird, das bis in die 1920er Jahre mit obskuren Forschungsaufträgen den weltweiten Äther durchquert hat, seitdem fest vertäut in Dessau liegt und am Abend des 4. September wieder abhebt wie ein Luftschiff - unter lautem Getöse, mit Licht und Dampf und Projektionen, mit Schaustellern und einem besonderen Musikprogramm. Ein grünes Bauhaus, das fliegt? Das könnte wohl selbst noch die Franzosen von "La Machine" in Staunen versetzen.
30.07.2010, 10:39 | tags:
Anhaltische Philharmonie
523
Gina Apitz, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 19.07.2010
Die Hauptstadt bejubelt die Gäste
Es erinnerte an eine Klassenfahrt: Einer nach dem anderen kletterten die Musiker der Anhaltischen Philharmonie in den Reisebus. Die besten Plätze - ganz hinten - waren schnell besetzt. Die ersten packten schon ihre Brötchen aus. Eineinhalb Stunden würde die Fahrt nach Berlin dauern. Dort gaben die Philharmoniker am Donnerstag das Eröffnungskonzert des diesjährigen "Classic-Open-Air"-Festivals. Am Samstag spielten sie ein zweites Mal in Berlin - jetzt ist die Saison vorbei. Sechs freie Wochen erwarten die 81 Orchester-Mitglieder.
Wie oft sie bei dem Open-Air-Konzert schon dabei waren, konnten die Musiker am Donnerstag nicht beantworten. Zehn Jahre? Oder 15 Jahre? Der Abschlussauftritt im Juli ist stets ein Höhepunkt im Kalender. "Die Atmosphäre ist schon großartig", sagt Uwe Städter und lehnt sich in seinem Sitz zurück. Der 47-Jährige spielt Oboe, seit 1986 ist er am Anhaltischen Theater. Er sieht müde aus. Unter seinen Augen zeichnen sich dunkle Ringe ab. Er setzt eine Sonnenbrille auf, rückt sie gerade und blickt aus dem Fenster.
Mit Routine auf Fahrt
Vor 6 000 Menschen wird er in wenigen Stunden auftreten. Hat man nach so vielen Jahren noch Lampenfieber? "Eigentlich kaum", antwortet Städter. "Wir haben viel Routine." Ein wenig Aufregung sei schon da, sagt dagegen Jens Uhlig. Der Besuch in Berlin sei schon etwas Besonderes, so der Tuba-Spieler. Besonders schön ist das Konzert in solch einer lauwarmen Sommernacht. "Einmal hat es in Strömen geregnet", erinnert sich Uhlig. "Die Leute sind trotzdem sitzen geblieben." Ursprünglich kommt Jens Uhlig aus Chemnitz, hat in Berlin studiert und ist seit neun Jahren Mitglied der Anhaltischen Philharmonie. Der 37-Jährige fühlt sich im Orchester in Dessau wohl - wegen der großen Bandbreite, die am Theater gespielt wird. "Für eine Wagner-Oper habe ich ein Leben lang geübt", sagt Uhlig. "In einem kleinen Orchester könnte ich die nie spielen."
Für solch anspruchsvolle Stücke wird viel geprobt. Die Philharmoniker haben eine Sechs-Tage-Woche. Vormittags zwei bis drei Stunden Probe, nachmittags haben die Musiker Pause, 19 Uhr müssen sie für die zweite Probe wieder im Theater sein. "Wenn die meisten Leute frei haben, müssen wir parat stehen", sagt Jens Uhlig. "Trotzdem kann ich mir nichts besseres vorstellen." Er runzelt die Stirn, grinst und sagt: "Bei welchem Beruf bekommen Sie nach getaner Arbeit schon Applaus?" Uwe Städter nickt.
Auf der Autobahn ist wenig los. Bald erreicht der Bus die Avus, der Funkturm taucht auf. Der Busfahrer tourt mitten durch die Stadt. Am Tiergarten rätseln die Musiker, an welchen Botschaften sie entlang fahren. "Der fährt einen Riesenumweg", sagt Uhlig und schaut auf die Uhr. 13 Uhr beginnen die Proben auf dem Gendarmenmarkt in Mitte.
Eine Pause ist nicht eingeplant. Auf der Bühne vor dem Schauspielhaus wurde schon alles vorbereitet. Die Musiker setzen sich auf die Stühle, die auf schwarzem Theater-Stoff stehen. Mikrofone stehen bereit, werden umgerückt. Die letzten
Stühle werden in Position gerutscht - das Orchester blickt auf ein Meer von leeren Sitzplätzen. Links sieht man den französischen, rechts den deutschen Dom. Eine beeindruckende Kulisse.
Ein Mann mit einem Funkgerät am Gürtel flitzt aufgeregt über die Bühne. Auch Herbert Feuerstein, der den Abend moderiert, läuft unruhig hin und her. Ein Helfer mit freiem Oberkörper hangelt sich am oberen Teil der Bühne entlang. Er wird abgeseilt, rennt fluchend zum anderen Ende, kraxelt wieder hinauf und hantiert an einem Lautsprecher. Es ist leicht bewölkt, aber trotzdem heiß. Die Stimmung ist angespannt. Der einzige, der entspannt bleibt, ist Antony Hermus, der Generalmusikdirektor der Anhaltischen Philharmonie. Hermus lächelt in die Runde, begrüßt Leute, reißt Witze und spielt auf dem Klavier. "Das wird ein toller Abend", verspricht der Dirigent, räumt aber ein: "Wir hatten in der letzten Saison viele Höhepunkte." Hermus ist stolz, dass zu den Sinfoniekonzerten 15 Prozent mehr Besucher kamen. "Die Dessauer sind musikalisch veranlagt", findet er.
Angesichts der schlechten finanziellen Lage der Stadt betont der Chefdirigent, dass Kultur ein Standortfaktor sei, der Arbeitsplätze schafft. "Das Theater ist so wichtig wie Luft und Wasser", erklärt er. Damit das Orchester weiterhin so gut angenommen wird, spielt man in der neuen Saison wieder viele populäre Stücke wie Johann Strauss' "Fledermaus". Geplant sind eine Wagner-Gala, aber auch ein paar experimentelle Stücke. "Wir versuchen ein Orchester für die Bürger zu sein", sagt Hermus. Was ihm ebenso am Herzen liegt, ist die Jugendarbeit. So wird es in der kommenden Saison eine Zusammenarbeit mit dem Walter-Gropius-Gymnasium geben.
Punkt 13 Uhr beginnt am Donnerstag der Soundcheck. Die Musiker stimmen ihre Instrumente, ein wildes Gefiedel erklingt. Danach lässt Hermus jede Instrumentengruppe einzeln spielen. Als das Orchester beginnt, Auszüge aus Opern komplett anzuspielen, kommen die ersten Interessierten. Noch ist der Gendarmenmarkt nicht abgesperrt. Ein Dutzend Opernfans besetzt einige Plätze und lauscht. Zwei ältere Damen haben Stift und Papier parat - sie hoffen auf ein Autogramm einer brasilianischen Opernsängerin. Später taucht der Chor auf. Hermus steht auf einem Schemel und dirigiert inbrünstig. An Chor und Musiker schickt er mehrfach Bravo-Rufe.
Wunschkonzert mit Pfeifer
"Hermus strahlt immer positive Energie aus", sagt Pianist Stefan Neubert. Seit dreieinhalb Jahren arbeitet der 28-Jährige als Musiker und Korrepetitor am Theater in Dessau. Die Atmosphäre unter den Philharmonikern sei "ziemlich entspannt", sagt Neubert. Aufgeregt ist auch er nicht. "Wir spielen heute viele Stücke, die wir ohnehin im Programm haben", erklärt er. Vier Mal wurde mit den Sängern vorher geprobt - neben diesen tritt auch Geert Chatrou, der Weltmeister im Kunstpfeifen, auf. "Heute Abend spielen wir aber vor allem Operetten, also alles Schnulzen", sagt Neubert und grinst. Die Besucher konnten sich im Vorfeld ihre Lieblings-Stücke wünschen.
Am Abend sind die Sitzreihen gut gefüllt. Zwei Stunden lang lauschen die Besucher Sängern, Chor und Orchester. Untermalt wird das Spektakel mit Lichtinstallationen und einem Feuerwerk zum Abschluss. 23 Uhr geht es für die Philharmoniker zurück nach Dessau. Ihr Urlaub ist nicht mehr fern.
12.07.2010, 16:29 | tags:
Anhaltische Philharmonie
, Diverses
518
Pressemitteilung vom 12.07.2010
Öffnungszeiten der Theaterkassen während der Spielzeitpause und Spielzeitauftakt
Während der Spielzeitpause ist die Theaterkasse im Rathaus-Center für Besucher zu den üblichen Öffnungszeiten von Montag bis Samstag von 9.30 Uhr bis 20 Uhr geöffnet.
Das Abonnementbüro und der telefonische Besucherservice im Anhaltischen Theater/ Friedensplatz 1a bleiben vom 19. Juli bis zum 20. August geschlossen und sind ab Montag, 23. August wieder geöffnet. Ausführliche Auskünfte zu den Abonnementangeboten erhalten sie jeder Zeit an der Theaterkasse im Rathaus-Center, an der auch Abonnements vereinbart werden können. Die Weihnachts- und Silvesterangebote des Anhaltischen Theaters sind ebenfalls an der Theaterkasse im Rathaus-Center ab dem 19. Juli buchbar.
Während der Spielzeitpause stellt das Theater auf ein neues Ticketsystem um. Da dies in kürzester Zeit geschieht, bitten wir, falls es zu geringfügigen zeitlichen Verzögerungen beim Ticketbuchen kommen sollte, um Entschuldigung.
Am 4. September um 19 Uhr wird die Spielzeit 2010/11 traditionell mit dem Eröffnungskonzert auf dem Theatervorplatz eröffnet. Die Solisten, der Opernchor und die Anhaltische Philharmonie präsentieren musikalische Kostproben aus den bevorstehenden Neuinszenierungen. Das Publikum kann sich auf Ausschnitte aus Puccinis „Turandot“, Mussorgskis „Chowanschtschina“, Leoncavallos „Bajazzo“, Mozarts „Così fan tutte“ und Strauß’ „Fledermaus“ freuen. Am Dirigentenpult wechseln sich GMD Antony Hermus, Daniel Carlberg und Wolfgang Kluge ab. Es moderiert Generalintendant André Bücker. Da dieses Open-Air-Konzert wie gewohnt Bestandteil des Dessauer Farbfestes ist, darf man im Programm zudem mit „grünen“ Überraschungen rechnen.
Am Sonntagnachmittag, 5. September ab 15 Uhr lädt das Anhaltischen Theater auf die große Bühne seines Hauses ein. „Freunde, das Leben ist lebenswert!“ lautet das Motto eines Konzertes, in dem beliebte Melodien aus Oper, Operette und Konzert erklingen werden, u.a. von Auber, Verdi, Strauß, Lehár und Dostal. Die Anhaltische Philharmonie musiziert unter der Leitung von Wolfgang Kluge. Es singen Iordanka Derilova, Cornelia Marschall, Angelina Ruzzafante, David Ameln, Andrew Sritheran, Angus Wood und Wiard Witholt. Durch das Programm führt Ronald Müller. Ebenfalls am ersten Septemberwochenende geht auch der diesjährige Gartenreichsommer zu Ende. Das Abschlusskonzert „Stars von morgen“ mit Kindern und Jugendlichen der Akademie für musikalisch Hochbegabte findet am 4. September, 18.30 Uhr traditionell im Schloss Mosigkau statt. Und am 5. September heißt es ab 10.30 Uhr zum letzten Mal in diesem Jahr „... und sonntags ins Luisium“. Moderiert von Ellen-Jutta Poller sorgen das Concento-Quintett und der Madrigalchor für musikalische Abwechslung.
Informationen und Tickets erhalten Sie an der Abendkasse und unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9.30 bis 20 Uhr | ab dem 23. August Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
09.07.2010, 10:34 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
, Pressestimmen
512
Orpheus, Herbert Henning, Juli/August 2010
Sehnsucht nach Freiheit
Die Zeit der Grand Opéra ist vorbei. Vielleicht ist dies ja ein Grund dafür, dass die Oper La Muette de Portici von Auber von den Spielplänen nahezu ganz verschwunden ist obwohl sie einst zu den berühmtesten Opern des 19. Jahrhunderts zählte. Vor 52 Jahren war sie das letzte Mal in Dessau zu sehen. Für André Bücker wurde seine emotionsgeladene Inszenierung unter der musikalischen Leitung von Antony Hermus und Chordirektor Helmut Sonne zu einem nicht nur musikalischen Triumph mit einem erstklassigen Sängerensemble, das keinen Vergleich mit großen Opernhäusern zu scheuen braucht. Packendes Musiktheater, das ungemein fesselt und die Geschichte um den Aufstand der Fischer in einem neapolitanischen Fischerort am Fuße des Vesuvs neu erzählt und auf ganz besondere Weise jene politische Dimension des Stückes freilegt, die bei einer Aufführung 1830 in Brüssel eine Revolution einleitete. In dieser monumentalen Inszenierung mit der phänomenal eingesetzten und präzise funktionierenden Bühnenmaschinerie sind Menschen und Maschinen in einer Container-“Landschaft" eines Hafendocks allgegenwärtig. In unaufhörlicher, wie von Geisterhand gesteuerte Verwandlung mit dem auf Videowänden immer präsenten Meer und einer Werftszenerie, die fernab jeglicher Idylle ist, wird in starken Bildern voller Dramatik und Leidenschaft das Geschehen erzählt. Dabei leistet der durch den Coruso-Chor e.V. verstärkte Opernchor mit einer großen Statisterie vereint, musikalisch und darstellerisch Herausragendes. André Bücker gelingt die Gratwanderung zwischen eindrucksvollen, der Grand Opéra ähnlichen Massenszenen und sehr genau gezeichneten individuellen Charakteren der Figuren. Das stumme Mädchen Fenella wird von Gabriella Gilardi mit einer ausdrucksstarken und expressiven Körpersprache getanzt und emotionalisiert die Inszenierung ganz besonders. Es sind vor allem aber die Sänger im Ensemble, die diese Aufführung dominieren und zu einem musikalischen Triumph werden lassen. Allen voran der junge mexikanische Tenor Diego Torre, der mit unglaublicher Energie und sängerischer Präsenz nahezu mühelos die heikle Höhe der Partie das Masaniello meistert. Makellos der Gesang von Eric Laporte als Alphonse und Angelina Ruzzafante als Elvire. Ulf Paulsen und Angus Wood sind die gewalttätigen Handlanger der Camorra. Vor allem Wiard Witholt als nach Rache dürstender Pietro, ungestümer Gefährte des Masaniello, hat sängerisch und darstellerisch Format. Jan Steigert (Bühne) und Christian Schrills (Video) lassen zum Finale den Vesuv flammende Lava speien - Metapher für die unbändige Kraft und Leidenschaft des Volkes, das das Schicksal der Stummen von Portici zum Fanal wider Terror und Gewalt nimmt. Das Leben jenseits von Wohlstand und Freiheit hat nicht zuletzt durch die leidenschaftliche und packende Musizierweise der Anhaltischen Philharmonie in dieser umjubelten Inszenierung ein Gesicht.
09.07.2010, 10:28 | tags:
Musiktheater
, das neue Team
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, Diverses
, Pressestimmen
511
Orpheus, Kevin Clarke, Juli/August 2010
Sänger sind wie Diamanten, die man zum Funkeln bringen muss!
Antony Hermus
Der Dirigent und neue GMD von Dessau im Gespräch mit Kevin Clarke
Antony Hermus, 1973 in den Niederlanden geboren, studierte an der Musikhochschule Tilburg. 2003 bis 2008 war er GMD in Hagen, seit dieser Saison ist er GMD des Anhaltischen Theaters Dessau, wo seine erste Produktion (Lohengrin) überregional positive Reaktionen hervorrief.
Aubers Stumme von Portici ist ein unbekanntes Werk, eine Grand Opéra mit spektakulären Effekten. Wie seid ihr an so ein Werk herangegangen?
Das war eine spannende Arbeit, vor allem, weil es kaum Vorbilder gibt. Aubers Stumme ist vor allem bekannt wegen ihrer revolutionären Inhalte. Es geht um Unterdrückung und Rache, wobei Persönliches und Politisches vermischt werden. Bis 1882 gab es 505 (!) Vorstellungen der Stummen an der Pariser Oper, heutzutage wird das Stück nur sehr selten gespielt, trotz der packenden, nach wie vor aktuellen Geschichte und berückend schönen Musik. Faszinierend ist auch die Figur der Stummen selbst, Fenella, die bei uns von einer Tänzerin dargestellt wird. Sie macht eine große Entwicklung durch, sagt nichts, kommuniziert aber viel, unterstützt von schillernden Orchesterzwischenspielen. Außerdem haben wir für die Hauptrollen eine super Besetzung.
Historische Dirigenten haben mit Solisten Rollen Satz für Satz probiert, um eine ideale Interpretation zu finden. Ist das auch Dein Ideal?
Ich arbeite unglaublich gern mit Sängern, weil sie wie Diamanten sind, die man schleifen und zum Funkeln bringen muss. Die Erkenntnis, dass Dirigenten Sängern helfen sollten, ist bei mir relativ früh gekommen. Ich war bei einer Pelléas-Produktion Studienleiter und hatte mit allen Sängern die Rollen einstudiert. Ich kannte das Stück also ziemlich gut. Bei einer Durchlaufprobe auf der Bühne mit Orchester fehlte ein Nebenrollendarsteller, und mein damaliger GMD bat mich, für eine Szene einzuspringen und auf der Bühne singend die Stichworte zu geben. Ich dachte „kein Problem“. Der Dirigent seinerseits dachte „ach, der Antony kennt das Stück ja, der hat's schließlich einstudiert, dem muss ich keine Zeichen geben“. Und ich stand da oben auf einer Schräge und hörte nur ein flirrendes Orchesterrauschen, von ganz weit weg. Alle meine Einsätze waren falsch, ich kam dauernd aus dem Takt. Der GMD guckte mich irritiert an. Und ich merkte, aha, das ist also das Gefühl, das ein Sänger hat, wenn er auf der Bühne steht und ein Dirigent ihm nicht hilft! Vorher habe ich mich immer geärgert über Sänger, die geschleppt oder Einsätze verpasst haben. Aber seit diesem Schlüsselerlebnis weiß ich, dass es meine wichtigste Aufgabe ist, Sängern zu helfen durch den Abend zu kommen, darauf zu achten, dass ihnen die Puste (oder Stimme) nicht wegbleibt. Als Dirigent muss ich für sie die richtigen Tempi finden, bei denen sie sich wohl fühlen. Und ich muss ein Band mit ihnen entwickeln. Nur dann entsteht Vertrauen und fühlt sich ein Sänger getragen. Orchester und Dirigent sollten einen Teppich für Sänger ausrollen, auf dem sie sich frei bewegen können.
Sänger müssten Dich für diese Einstellung lieben.
Ich liebe meinerseits jedenfalls Sänger, die sich mit Leidenschaft und einer großen Musikalität in Opern stürzen und genauso theatralisch denken wie ich.
Würdest Du Dich als Stimmfetischist bezeichnen?
Ich habe schon gewisse Klangideale für bestimmte Rollen. Die Herausforderung am deutschen Ensemblebetrieb ist, dass man Sänger sucht, die möglichst vielseitig einsetzbar sind, ohne sie im Repertoirebetrieb zu verheizen. In Dessau ist das bis jetzt gut gelungen, was vor allem das Verdienst von unserem Casting-Chef Heribert Germeshausen ist, der ein super Gespür für interessante Sänger hat.
Sind unbekannte Stücke ein Spielplanschwerpunkt?
Wir bemühen uns, erfinderisch zu sein. Raritäten werden auch in den nächsten Jahren vorkommen. Im Fall der Stummen von Portici war es eine tolle Entdeckungsreise mit einer Partitur, die kaum jemand kennt. Was eher unerfreulich war, war die Stückel-Arbeit mit dem Notenmaterial, denn es gibt keine kritische Edition von einem französischen Verlag, d.h. materialtechnisch ist das Stück schwierig. Als Holländer interessierte es mich besonders, weil mit Portici die belgische Revolution startete und letztlich die Unabhängigkeit der Niederlande herbeigeführt wurde. Solche Bezugspunkte zu meiner Heimat sind vielleicht zufällig, aber es gab sie auch beim Lohengrin, der ja bekanntlich in Brabant spielt, wo ich herkomme. Man könnte fast sagen, dass unser diesjähriger Spielplan speziell für mich konzipiert wurde.
Wie sieht es mit Medienpartnerschaften aus. Kommen weiterhin Produktionen aus Dessau auf CD und DVD heraus?
Wir werden versuchen, Dessau über CDs und DVDs auf die internationale Opern- und Orchesterlandkarte zu setzen. Wir haben hier ein großes Haus mit einer super Akustik und vielen bühnentechnischen Möglichkeiten. Das wollen wir optimal nutzen. Von der Stummen von Portici wird es eine DVD geben.
Vor kurzem lief in Dessau Kurt Weills One Touch of Venus. In den USA ist das Stück ein Klassiker, in Deutschland fast unbekannt. Hast Du Berührungsängste mit der Kunstform Operette oder Musical?
Überhaupt nicht. Wichtig ist für mich die Qualität der Musik. Ich bin ein großer Bernstein-Fan. Unseren neuen Candide hätte ich gern selbst gemacht, aber das ging zeitlich nicht. West Side Story würde ich sofort dirigieren oder On the Town. Ich habe in meiner Zeit in Hagen viele Operetten dirigiert, die mir auch viel Spaß gemacht haben. Grundsätzlich gilt: Gute Kapellmeister erkennt man daran, dass sie Operetten gut dirigieren können. Da scheidet sich schnell die Spreu vom Weizen.
Was sind Deine Pläne und Träume?
Ich würde gern wieder eine große Puccini-Oper leiten und einen Mozart-Zyklus oder (im Konzertbereich) einen Beethoven-Zyklus. Auch die Opern von Wagner und Strauss faszinieren mich unglaublich. Aber vor allem will ich mich persönlich weiterentwickeln als Künstler und Mensch, und dafür ist Dessau eine ideale Umgebung. Im Moment habe ich auch etliche Einladungen von Opernhäusern und Sinfonieorchestern für Gastdirigate, speziell in Frankreich und Holland. In Dessau hoffe ich, dass wir weitermachen können mit all dem, was wir angefangen haben, trotz Sparzwang, der momentan nicht nur bei uns herrscht. Die Stadt-, Landes- und Bundesväter sollten eines nicht vergessen: Kultur ist in einer Gesellschaft nicht die Sahne auf dem Kuchen, sondern auch die Hefe im Teig!
06.07.2010, 14:37 | tags:
Anhaltische Philharmonie
, Pressestimmen
508
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 06.07.10
Rasante Reise in den Süden
Anhaltische Philharmonie entführt ihr Publikum nach Spanien.
In der Musik beschreibt der Begriff der Antizipation normalerweise die Vorwegnahme eines Tones, der im harmonischen Gefüge eigentlich erst später kommen müsste - und an der ungewohnten Stelle deshalb möglicherweise für einen Missklang sorgt. Im Sport aber steht das Wort für die Vorahnung des Wettkampfgeschehens, die dem Athleten einen entscheidenden Vorteil verschaffen kann. Im letzten Sinfoniekonzert der Saison bewies die Anhaltische Philharmonie nun, dass man beide Bedeutungen durchaus zusammendenken kann - auch wenn der Ablauf des Abends natürlich schon lange feststand.
Doch wenn ein Niederländer zwei Stunden nach dem Sieg seiner Mannschaft über Brasilien ein Programm dirigiert, bei dem ein deutsches Sinfonieorchester ein überwiegend spanisches Programm präsentiert, dann sind drei der vier Halbfinalisten - und vermutlich auch die Endspiel-Gegner - der Fußball-WM auf engem Raum versammelt. Dass die Hitzeschlacht unter dem Motto "Auf in die Sonne" ohnehin auch eine sportliche Herausforderung an alle Interpreten werden würde - wer hätte nach dieser ersten Saison des Antony Hermus daran zweifeln wollen?
Dabei war das südländische Flair zunächst eher im Flirren der Atmosphäre und in gelegentlichen Eruptionen des Temperaments zu suchen: Vor Joaquin Rodrigos "Concierto de Aranjuez" hatte die Dramaturgie Emmanuel Chabriers Rhapsodie "Espana" und Joaquin Turinas "Danzas Fantasticas" gesetzt, die ihre thematischen Zuweisungen vor allem aus tänzerischen Vorbildern schöpfen. Dass sie sich in diesem Ansatz relativ nahe kommen, steigerte die Spannung auf den Auftritt von Marlon Titre, der mit dem Klassiker von Rodrigo nun eine entscheidende Steigerung bringen musste.
Das gelang dem jungen Gitarristen scheinbar mühelos - und mit wahrhaft majestätischer Haltung. Der Minimalismus, mit dem er die maximale Herausforderung dieses Virtuosen-Stücks meisterte und sich dabei als Motor und Inspirator des Orchesterklangs behauptete, war auch optisch ein Genuss - und setzte zumindest in der zweiten Aufführung zugleich jene Kräfte frei, mit denen die Philharmoniker ihr letztes Heimspiel vor der Sommerpause gewinnen konnten.
Denn von nun an ging es nach der Pause Schlag auf Schlag: Maurice Ravels "Alborada del Gracioso" als Mini-Bolero, dessen energetische Steigerung im Schlusstanz aus dem Ballett "Der Dreispitz" von Manuel de Falla noch einmal lustvoll potenziert wurde. Und mit dem hochtourigen "Danzón No. 2" von Arturo Márquez sowie "Estancia" von Alberto Ginastera mischten dann sogar noch lateinamerikanische Rhythmen in die Grüße aus dem Süden - und beim "Mambo" von Leonard Bernstein riefen die Musiker den Titel in den Saal.
Wen soll man loben? Das Englischhorn, den Solo-Cellisten, die ersten Pulte bei Oboe, Klarinette und Trompete? Oder die glorreichen sieben Schlagzeuger? Am besten alle zusammen und jeden einzeln, so wie es Antony Hermus am Ende tat. Und ihn selbst natürlich - auch für sein abermals flammendes Bekenntnis zu Dessau.
02.07.2010, 09:39 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
, Pressestimmen
504
Hartmut Regitz, tanz, Juli 2010
TOMASZ KAJDANSKI «NACHTASYL»
Das Notquartier als «Nachtasyl»: Dorin Gals Bühne nimmt in Dessau Maxim Gorki beim Wort und platziert die «Szenen aus der Tiefe» in einem Schwimmbad, das schon mal bessere Tage erlebt haben muss. Die Gestrandeten sitzen auf dem Trockenen, wenn sie nicht gerade Amok laufen. Ohne Ausweg scheint ihr Dasein, obwohl es Fluchtmöglichkeiten bietet. Ein paar Sprossen die Leiter hinauf, und man wäre der Trostlosigkeit entronnen. Wirklich benutzt wird sie nur von einem, der für eine Nacht in dem Asyl Unterschlupf findet und am nächsten Morgen wieder verschwindet.
Bei Gorki ist Luka so etwas wie ein Landstreicher, der seinen Mitbewohnern ein paar Stunden lang Geschichten, Märchen, auch ein paar Lügen auftischt. Ganz in der Tradition einer eher missverstandenen Aufführungsgeschichte macht Tomasz Kajdanski aus ihm einen Hoffnungsträger, einen Katalysator, der die Welt seiner Mitmenschen verändert. Auf einmal gewinnen die Träume, die Angela Zumpe auf die Beckenmauern projiziert, Farbe und Frische. Selbst der Himmel, zuvor noch auf einem Plafond grau in grau, erstrahlt für kurze Zeit in schönstem Blau. Statt Detlev Glanerts «Theatrum Bestiarum» erklingt Arnold Schönbergs «Verklärte Nacht».
Mit dem Wechsel der musikalischen Stimmung verändert sich auch das Material der Bewegung. Kajdanski choreografiert nicht mehr einen Kampf um die nackte Existenz. Ein verzweifeltes virtuoses Aufbegehren macht im weiteren Verlauf einer Paarung Platz, die in ihrer Parallelführung so etwas wie ein harmonisches Miteinander signalisiert. Der Selbstmordkandidat befreit sich von seiner Krawatte, die ihm wie ein Strick um den Hals hängt. Ein anderer sucht Geborgenheit in Lukas Schoß. Joe Monaghan, elegant in seiner Erscheinung und durchweg expressiv im Tanz, erinnert stark an die Engelsgestalt in Pier Paolo Pasolinis Film «Teorema - Geometrie der Liebe». Wie dort verändert er durch seine Empathie die Menschen. Und wie dort hinterlässt sein Verschwinden eine lähmende Leere.
«Rasend vor Ohnmacht» hat Kajdanski noch den ersten Teil seiner «Handlung» genannt, «Hoffnung» den zweiten. Mit «Endzeit» schließt Kajdanski insofern an den Anfang an, als er der abschließenden Szene die «MahIer/Skizze» von Glanert unterlegt: ein elementares Klangereignis, das durchaus etwas Apokalyptisches hat. So, wie Kajdanski sein Tanztheater präsentiert, brutal bis zum Exzess, persönlichkeitsstark und hoch motiviert bis in die Fingerspitzen, hat man den Eindruck, als kämpfe es selbst ums Überleben.
Tatsächlich soll das Anhaltische Theater Dessau von 2013 an nur noch mit der Hälfte der jährlichen kommunalen Unterstützung von sieben Millionen auskommen. Falls das geschieht, so Generalintendant André Bücker, «ist die Schließung programmiert» - und Kajdanski gezwungen, mitsamt seinem Ensemble andernorts um Asyl zu ersuchen. Es muss ja nicht unbedingt ein Schwimmbad sein. Ein ausgedientes Theater tut es zur Not ja auch.
Wieder 4. Juli, 12., 18. Sept. anhaltisches-theater.de
02.07.2010, 09:25 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
, Pressestimmen
503
Joachim Lange, Die Deutsche Bühne, Juli 2010
Auf dem Trocknen
Tomasz Kajdanskis Dessauer Tanztheater "Nachtasyl - Szenen aus der Tiefe"
Der furiose Neuanfang des Anhaltischen Theaters nach dem Wechsel
vom Langzeitintendanten Johannes Felsenstein zu André Bücker ist ohne das Tanztheater von Tomasz Kajdanski und seiner Truppe nicht vorstellbar. Ihre "Lulu"-Version war bereits ein furioser Einstieg. Und mit "Nachtasyl – Szenen aus der Tiefe" nach Maxim Gorki ist es nicht anders. Hier ist eine hochprofessionelle, so athletisch wie ausdrucksstark tanzende Truppe am Werke, der es zu klug kombinierter Musik um ambitioniertes Tanztheater im besten Sinne des Wortes geht. Auch, dass die Anhaltische Philharmonie unter Leitung von Wolfgang Kluge den musikalischen Mix aus Werken von Detlev Glanert und Arnold Schönberg wieder mit großem Orchester vom Graben aus beisteuert, unterstreicht die Bedeutung, die die Tanzsparte in Dessau hat.
Im Nachtasyl folgt Kajdanski mit seinen elf Tänzern, locker, aber erkennbar, Maxim Gorkis dunklem Stück über die Verlorenen und Ausgestoßenen, gleichwohl immer noch träumenden Menschen, das ihm 1902 den Durchbruch eintrug. In Dessau sind es jetzt im wahrsten Wortsinn Gestrandete, junge Menschen von heute. Man könnte jedem von ihnen in einer der urbanen Problemzonen unserer Städte begegnen. Beim Abhängen oder Rumlungern. Der Untertitel "Szenen aus der Tiefe" meint sowohl die seelischen Abgründe der Verzweiflung und Ratlosigkeit als auch den hochatmosphärischen Raum von Dorin Gal.
Alles spielt sich nämlich in einem trocken gelegten Schwimmbecken ab. Die Rückwand ist dabei ebenso Projektionsfläche für die exzellenten, unaufdringlichen Videos von Angela Zumpe, wie eine über dem Becken schwebende Leinwand. Die urbane Tristesse vom Leben verlassener Bauten und die Träume von Wolken, Meer und blühenden Landschaften mischen sich dabei suggestiv in die tanzend erzählten kleinen Geschichten von Aggressivität und Aufbegehren, von Liebe und Hass, von Sehnsucht nach dem Leben oder dem Tod. Dabei profilieren die Tänzer ihre Figuren als Individuen und erzeugen in der Balance mit der kontrastierend kombinierten Musik von Glanerts "Theatrum Bestiarium" und "Mahler/Skizze" und Schönbergs "Verklärter Nacht" einen Sog, zwischen aufkeimender Traumhoffnung und niederschmetternder Dunkelheit der Realität. Am Ende, wenn die Szene unter einem schwarzen Tuch verschwindet, bleibt dennoch auch die geträumte Hoffnung im Gedächtnis. Ein starkes Stück Tanztheater!
30.06.2010, 17:10 | tags:
Anhaltische Philharmonie
, Diverses
502
Pressemitteilung vom 30.06.2010
Neue Initiative zur Anschaffung eines Konzertflügels - "88 Tasten für je 88 Euro"
Am Samstag, dem 19. Juni 2010, musizierten die drei ehemaligen Dessauer Musikschüler Annemarie Klein, Annemarie Schulze und Christoph Schreiber erneut in einem Benefizkonzert zugunsten der Musikschule. In bewährter Weise wurden die jungen Künstler zum Teil vom Kapellmeister und Studienleiter der Anhaltischen Philharmonie, Wolfgang Kluge begleitet.
Die jungen Musiker starteten gemeinsam mit Anne Meißner vor zwei Jahren in ihrem Abschiedskonzert von der Musikschule die Initiative, für die Anschaffung eines Konzertflügels in Verantwortung des Förderkreises der Musikschule Geld zu sammeln.
Das Sonderspendenkonto "Konzertflügel" wies zum Zeitpunkt des diesjährigen Konzertes einen Betrag von fast 12.000 Euro aus. Bei dem Benefizkonzert am 19. Juni wurde von den ehemaligen Musikschülern, die inzwischen alle Musik studieren, das neue Großprojekt
"88 Tasten für je 88 Euro" ins Leben gerufen. Diese aktuelle Weiterführung der Spendenaktion nimmt Bezug darauf, dass ein Konzertflügel 88 Tasten hat und jede Taste nunmehr „gekauft“ werden kann.
Zum Konzert wurden die großartigen Leistungen der jungen Künstler vom Publikum begeistert gefeiert. Der gesamte Erlös des Konzertes in Höhe von 587 Euro ist ebenfalls ein Beitrag für das Flügel-Spendenkonto. Ein anschließender kleiner Empfang zum Schuljahresausklang, der von den Vorstandsmitgliedern des Förderkreises in eigener Initiative im Georgengarten ausgerichtet wurde, bot die Möglichkeit zu Gesprächen und natürlich zur Erläuterung der neuen Initiative "88 Tasten für je 88 Euro".
Als unmittelbares Echo konnten bereits 15 Tasten "verkauft" werden. Diejenigen, die sich an der Initiative beteiligen, übernehmen Patenschaften für jeweils eine oder mehrere Tasten des neuen Flügels und unterstützen somit unmittelbar die weitere Finanzierung des Instrumentes. Die "Tasten-Paten" werden auf einer großen Flügeltastatur-Nachbildung im Saal der Musikschule, dem Standort des ersehnten Instrumentes, eine dauerhafte Würdigung finden.
Des Weiteren erhalten sie eine persönliche Urkunde und natürlich Einladungen zu besonderen Sponsorenkonzerten mit diesem Flügel.
Der Vorstand des Förderkreises hat als Ziel formuliert, spätestens zum 800jährigen Jubiläum der Stadt Dessau im Jahr 2013 dieses anspruchsvolle Vorhaben zu realisieren.
An alle Freunde der Musikschule, an Unternehmen und Einrichtungen sowie Privatpersonen ergeht die Bitte, sich mit konkreten Patenschaften an dem Flügeltasten-Projekt zu beteiligen. Ein kleiner Flyer des Förderkreises, der zum Beispiel an der Theaterkasse im Rathauscenter oder über die unten aufgeführten Kontaktmöglichkeiten erhältlich ist, gibt allen am Projekt Interessierten die nötigen Informationen sowie die Möglichkeit, sich der Initiative mit entsprechenden Geldbeträgen anzuschließen.
Ansprechpartner sind: Frau Klein im Sekretariat der Musikschule (Telefon 0340/214542) und Frau Schreiber vom Vorstand des Förderkreises der Musikschule (Telefon 0162/4932720).
Den Förderkreis der Musikschule der Stadt Dessau e.V. erreichen Sie auch per E-Mail: foerderkreis-musikschule@gmx.de.
30.06.2010, 16:37 | tags:
Anhaltische Philharmonie
501
Pressemitteilung vom 30.06.2010
Sommerliche Konzerte in Wörlitz und Berlin
Ihr letztes Wörlitzer Seekonzert der laufenden Saison, jene beliebten Abende, an denen eine gemächliche Gondelfahrt über die Seen und Kanäle mit einem Abendessen auf den Gondeln und musikalischen Genüssen an den Ufern kombiniert ist, bestreiten die Dessauer Musiker am 10. Juli. Ein Kammerensemble aus Bläsern und Streichern lädt unter dem Motto „Fiati con archi“ zu Musik von Rossini, Pleyel u.a. ein. Weitere Seekonzerte mit Berliner Künstlern sind am 3., 17., 24. und 31. Juli geplant. Gäste der Seekonzerte treffen sich an den jeweiligen Konzerttagen bis 18 Uhr an der Gondelstation.
Bevor sich die Musikerinnen und Musiker der Anhaltischen Philharmonie endgültig in den Urlaub verabschieden, gastieren sie noch mit drei Konzerten außerhalb Dessaus: am 9. Juli um 19 Uhr in der Stadthalle Zerbst mit einem Tschaikowski-Programm anlässlich der Einweihung des Katharina-Denkmals in Zerbst sowie am 15. und 17. Juli jeweils um 19:30 Uhr beim Classic Open Air auf dem Berliner Gendarmenmarkt.
Informationen und Tickets für die Seekonzerte erhalten Sie an der Abendkasse und unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr | Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
27.06.2010, 10:31 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
497
Axel Göritz, Opernnetz.de, Juni 2010
Theater im Theater
Ursprünglich als Stoff um die reale Ermordung des schwedischen Königs Gustav III. während eines Balles Ende des 18. Jahrhunderts geplant, verlegte Verdi wegen der Zensur in Italien die Handlung seines Maskenballs ins ferne, für die regierenden Herrscherhäuser unproblematische Boston in Neuengland, aus dem gekrönten König wurde ein ziviler Gouverneur . Die Neuproduktion in Dessau greift nun wieder die ursprüngliche Version mit dem Bezugsrahmen in Schweden auf und nähert sich dem historischen Vorbild noch mit einem zusätzlichen Dreh. Gustav III. war ein aufgeklärter Monarch, den Künsten zugetan und sie fördernd. Die Inszenierung von Roland Schwab greift diesen verbürgten Rahmen auf und lässt das Stück als Theater im Theater auf einer Probebühne beginnen. In einer Anfangs-Pantomime ziehen die Laien-Schauspieler per Zufalls-Karten ihre Rollen, legen ihre jeweiligen Kostüme an und das Spiel um das tragische Schicksal des unglücklich verliebten Königs mit dem Pagen Oscar (Cornelia Marschall mit klarer Diktion) als Maître de Plaisir kann beginnen. Das funktioniert in der ersten Hälfte mit ihrer turbulenten Handlung um die Zauberin und Wahrsagerin Ulrika sehr schön, im Stil einer commedia dell'arte wird drastisch und fast überbordend gespielt, man fällt gelegentlich auch aus der Rolle und beobachtet das Spiel quasi als eigener ironischer Kommentator, geht wie im Zirkusrund auch mal sich anbiedernd und um Beifall heischend durch die erste Publikumsreihe, kurzum, man veranstaltet pralles Volkstheater mit einem gewissen Augenzwinkern.
Das gelingt auch wegen der tollen Spiellaune von Hector Sandoval (mit seinem nicht allzu großen, aber sehr stimmschön und ausdrucksvoll geführten Tenor) in der Rolle des Königs. Wie er sich ins Zeug legt und als Theatertier verausgabt sieht man auf der Opernbühne sonst eher recht selten. Seine Mitspieler brauchen dann doch etwas länger, bis sie ebenfalls in Fahrt kommen und einigermaßen mithalten können. Ein starkes Bild dabei die Wahrsage-Szene mit der Warnung an den König, dass er durch die Hand eines Freundes getötet werde, als die Zauberin Ulrika (Rita Kapfhammer mit voll tönendem Alt) aus dem Leib einer ihrer Lemuren einen soeben geborenen erwachsenen Menschen zieht.
Doch dieses doppelbödige Spektakel mit dem Spiel im Spiel (so liest Ulrika die Zukunft nicht aus der realen Hand des Königs, sondern aus einer ihr gereichten Puppen-Hand) verliert sich, je mehr das Drama um König Gustav und seine Geliebte Amelia, die Frau seines besten Freundes und Sekretärs René, in den Mittelpunkt der Handlung rückt. Jetzt wird, in durchaus eindrucksvollen Bildern, auch dank des die Bühne beherrschenden riesigen Spiegels (Bühne: Hartmut Schörghofer), der das Geschehen für den Zuschauer geheimnisvoll verdoppelt, ungebrochen die Leidenschaft um Amelia gezeigt, die schließlich in dem Rache-Mord am König kulminiert. Den stärksten Eindruck hinterlässt dabei die Schluss-Szene auf dem Maskenball, als sich die Verschwörer unter Anführung von René zu einem gespenstischen Todestanz-Ständchen mit Geigen und Bratschen „bewaffnet“ dem König nähern, ihn im Takt des fahlen Orchesterklangs in die Enge treiben und schließlich mit dem Geigenbogen erstechen.
Das stimmliche Niveau aller Protagonisten war hoch. Ulf Paulsen wusste nach verhaltenem Start auch darstellerisch voll zu überzeugen, im Hass und der Rache wegen der vermeintlichen Untreue seiner Gattin lief er mit seinem kraftvollen Bariton zu großer Form auf. Die Amelia von Iordanka Derilova hatte alles, was man von einem dramatischen Verdi-Sopran erwarten kann: die leuchtende, kräftige Höhe ebenso wie die volle Mittellage und ein zartes Piano. Und der Regisseur hatte ihr die sonst Derilova-typischen weit ausholenden Armbewegungen ausgetrieben, so dass sie umso glaubhafter ihr Gewissensdrama um Liebe und Verzicht gestalten konnte.
Die Anhaltische Philharmonie unter Leitung ihres Generalmusikdirektors Antony Hermus klang zu Beginn zu verhalten und zu gemächlich. Im Verlauf der Aufführung kam die Spannung dann auch aus dem Orchestergraben, in den großen Ensemble-Szenen fanden die Musiker zu sattem Verdi-Klang, ebenso wie der Chor unter Leitung von Helmut Sonne.
Das Premieren-Publikum feierte alle Beteiligten, einschließlich des Regie-Teams, mit großem Beifall und Fuß-Trampeln. Ein oder zwei einsame Buh-Rufe animierten die übergroße Gegen-Fraktion zu umso kräftigere Bravo-Salven.
27.06.2010, 10:19 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
496
Thomas Starost, Main Post, 24.06.2010
SCHWEINFURT
Stimmfest mit furioser Durchschlagskraft
Sensationeller Gala-Abend beendet Schweinfurter Theatersaison
Das war's. Aus, Schluss, vorbei. Die Schweinfurter Theater-Saison 2009/ 2010 ist Vergangenheit. Nur wie und in welchem Stil sie beendet wurde, das wird noch lange Zeit unvergesslich bleiben.
Was da zum Abschluss geboten wurde war eine so furiose, sensationelle Aufführung, bei der wirklich alle kritischen Bremsen schwach werden. Einen Konzertabend mit solchen Beifalls-Tumulten zu toppen wird eine nur schwer zu meisternde Herausforderung für kommende Spielzeiten. Versprochen war eine „Festliche Operngala“ des Anhaltischen Theaters Dessau und es wurde ein grandioses, einzigartiges Stimmfest mit furioser Durchschlagskraft.
Um dem Geschehen nur annähernd gerecht zu werden, muss man tief in die Kiste mit den Superlativen greifen: sensationell, einzigartig, über Strecken absolute Weltklasse mit einer alles überragenden, überstrahlenden Starsolistin Iordanka Derilova. Was brauchen wir hier Bayreuth, Mailand, Verona oder Wien, wenn sich das Theater der Stadt ein solches Ensemble, ein solches Orchester, solche Solisten zumindest ab und zu leisten kann.
Iordanka Derilova ist ein Glücksfall für jeden Opernabend und immer wieder verblüfft, über welche Stimmgewalt und Gestaltungskraft diese Sängerin verfügt. Zum Abschluss des offiziellen Programms gibt es eine Gesangs-Demonstration mit der vertrackt schweren Arie „In questa reggia“ aus Puccinis Turandot. Und Derilova stellt eine schier unglaubliche Leistung der „eisgegürteten Prinzessin“ auf die Bühne, mit Gänsehaut-Garantie beim Publikum. Die Stimme ist nicht nur in jeder Lage sicher durchgebildet, sie produziert immenses Volumen mit Brillanz und Klangschönheit und liegt auch bei den gewaltigen Klang-Ausbrüchen der Arie immer absolut sicher im Fokus.
Gänsehaut-Garantie
Das gilt ebenso für das Duett Tosca - Cavaradossi aus Puccinis Tosca, bei dem das Publikum förmlich mit Klangwogen aus Farbe, Fülle und Volumen überflutet wird. Mit Pedro Velázquez Diaz in der Tenorpartie hat Iordanka Derilova einen Gegenpart, der problemlos mithalten kann, wenn es um pathetisches, konzentriert versammeltes Singen geht. Und endlich, endlich, endlich auch in Schweinfurt wieder mal ein Tenor, bei dem man nicht bei jedem Spitzenton mit schweißnassen Händen mitbangen muss, ob er nun getroffen wird oder zum Desaster verkommt.
Diaz verfügt beim tenoralen Gassenhauer „E lucevan le stelle“ („Und es blitzen die Sterne“) über eine wunderbar sicher anzuhörende Höhe mit dem nötigen „squillo“, dem metallischen Kern und prächtigem Volumen. Dritter im Bunde Bariton Ulf Paulsen, mit Weltklasse-Leistung bei der vertrackt schweren Arie „Nemico della Patria“ („Feind des Vaterlandes“) aus Umberto Giardanos Verismo - Reißer „Andera Chenier“: Con Forza Singen von fast einschüchternder Wucht, mit Eleganz in der Stimmführung.
Nicht ganz in der Klasse, aber immer noch im Bereich des Außerordentlichen der junge, baumlange Bariton Wlard Witholt mit einer wunderbar einfühlsamen Interpretation der Arie „An den Abendstern“ aus Wagners Tannhäuser und Angelina Ruzzafantes lyrischer Sopran mit „Einsam in trüben Tagen“ aus Wagners Lohengrin.
Unter der Leitung ihres neuen General-Musikdirektors Antony Hermus präsentierte sich zudem der gesamte Orchester-Apparat der Anhaltischen Philharmonie Dessau als prächtig homogener Klangkörper. Ein so gut aufgelegter Streich- und Blechbläser-Apparat ist auch bei den Bamberger Symphonikern nicht alle Tage zu hören. Wagners Walkürenritt geriet zur imposanten Blechbläser-Demonstration.
Am Ende Beifalls-Tumulte im Haus, Bravos, Blumen, minutenlange stehende Ovationen, rhythmisches Klatschen – und dann als Zugabe noch das „Brindisi“, das berühmte Trinklied aus Verdis „La Traviata“. Grenzüberschreitender Jubel vom Publikum auf die Bühne.
25.06.2010, 15:07 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
494
Pressemitteilung vom 25.06.2010
„Nachtasyl“ zum letzten Mal vor der Sommerpause
Das Anhaltische Theater Dessau zeigt am Sonntag, 4. Juli, um 17 Uhr die Uraufführung „Nachtasyl – Szenen aus der Tiefe“ nach Maxim Gorkis gleichnamigen Schauspiel letztmalig in dieser Spielzeit. „Nachtasyl – Szenen aus der Tiefe“ ist die zweite Tanzinszenierung des Ballettdirektors Tomasz Kajdanski auf der Dessauer Bühne.
Im Nachtasyl finden sich zerbrochene und verzagte Existenzen an einem Ort des Verfalls zusammen. Sie zerstören und ermüden sich, halten aneinander fest, trösten sich und suchen dabei immer wieder das Licht, das Morgen. Sinnlich und hochenergetisch zeigen die Tänzer in einem spannenden Bühnenbild nicht nur die Zustände der Ausweglosigkeit und des Verlorenseins, sondern auch die Schönheit und Kraft des Aufbruchs sowie die Hoffnung nach Momenten der stillen oder aggressiven Verzweiflung.
Die Inszenierung steht in der kommenden Spielzeit, im September, nur noch zwei weitere Male auf dem Spielplan. Unter der Leitung von Wolfgang Kluge spielt die Anhaltische Philharmonie spannungsreiche und vielseitige Musik von Detlev Glanert und Arnold Schönberg.
„Es wird großartig getanzt, eine Kompanie aus höchst individuellen Tänzerinnen und Tänzern, deren Authentizität der Choreograf nicht verstellt sondern nutzt. Und es wird spannend musiziert...“ – www.tanznetz.de, 01.06.2010
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de und auch an der Abendkasse.
25.06.2010, 14:49 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
493
Schweinfurter Tagblatt, 18.06.2010
Interview: Die Sopranistin Iordanka Derilova ist am Dienstag bei der Operngala aus Dessau im Theater zu Gast
Besonders gefallen mir böse, fatale Frauen
Mit einer Operngala am Dienstag, 22. Juni, um 19.30 Uhr, beschließt das Anhaltische Theater Dessau die 43. Saison des Theaters Schweinfurt. Mit dabei die in Sofia geborene und in Schweinfurt schon oft gefeierte Sopranistin Iordanka Derilova. Sie erhielt 2003 ein Festengagement am Anhaltischen Theater. 2008 präsentierte sie sich in der Rolle der Turandot bei den Salzburgern Festtagen im Großen Festspielhaus. 2009 war sie in der Rolle der Aida zu hören. Die Höhepunkte 2009 waren die Auszeichnung des Titels Kammersängerin und die Rolle der Elektra. In der Spielzeit 2009/10 wird sie die Rollen Ortrud („Lohengrin“) und Amelia („Ein Maskenball“) am Anhaltischen Theater singen.
Frage: Wenn man Ihren künstlerischen Lebensweg betrachtet, fasziniert einerseits das beachtliche Rollenrepertoire aber auch die vielen Stationen Ihres Erfolgs in ganz Europa und auch im weiteren Ausland. Können Sie eine Lieblingsrolle benennen? Und eine Station Ihres Werdegangs, die Ihnen besonders am Herzen liegt?
Iordanka Derilova: Nur eine Rolle zu benennen, fällt mir schwer. Besonders gefallen mir böse, fatale Frauen (lacht), zum Beispiel Lady Macbeth, Abigaille, Turandot und Elektra mag ich sehr. Ich fühle mich eigentlich überall wohl. Elektra in Stockholm und Elektra in Catania und Aida in Japan – alles Große Häuser – haben mich schon sehr beeindruckt. Das verrückteste Publikum aber habe ich Japan erlebt. Das war eine ganz besondere Atmosphäre.
2003 wurden Sie unter der Intendanz von Johannes Felsenstein an das Anhaltische Theater Dessau engagiert. Sie haben auch in der Abschiedsproduktion von Felsenstein die Titelrolle der Elektra gesungen. Welche Erinnerungen haben Sie an die Zusammenarbeit mit ihm?
Derilova: Die Rolle der Elektra war eine schöne Herausforderung, die mich viel Kraft gekostet hat (zwei Kilogramm Körpergewicht pro Vorstellung), die mir aber auch unheimlich Freude und Spaß gemacht hat. Neben Elektra habe ich zahlreiche Partien mit Johannes Felsenstein erarbeitet. Er ist ein Mensch, der sehr viel fordert, und das ist gut so. Einmal sagte er zu mir: „Du bist wie Plastilin – ich kann Dich für jede Rolle formen.“ Ich habe von ihm viel gelernt.
Die neue Intendanz: ein neuer Generalintendant – André Bücker –, ein neuer GMD – Antony Hermus –, eine neue Chefregisseurin – Andrea Moses –, neue Kolleginnen und Kollegen. Wie sind Ihre ersten Erfahrungen?
Derilova: Sehr schön! Mit Antony Hermus und Andrea Moses zu arbeiten, war ein großes Vergnügen. Ich bin schon ungeduldig und kann die nächste Turandot-Produktion kaum erwarten. Mit André Bücker werde ich erst in der nächsten Spielzeit arbeiten „Der Protagonist/ Der Bajazzo“ – darauf freue ich mich sehr.
Das Anhaltische Theater Dessau gastiert seit fünf Jahren im Theater Schweinfurt. Am 22. Juni nun mit einer Operngala, die sich Wagner und dem italienischen Repertoire widmet. Welche Erinnerungen haben Sie an Schweinfurt?
Derilova: Wir freuen uns immer sehr auf Schweinfurt, etwas Schönes für das Publikum zu machen.
Im Mai 2011 werden Sie als Leonore in Beethovens Fidelio (Inszenierung: Johannes Felsenstein) zurückkehren. Liegt Ihnen die Rolle der Leonore?
Derilova: Es ist nicht eine meiner Lieblingspartien. Sie ist zwar eine starke Persönlichkeit, dennoch ist die Musik etwas trocken, zu wenig leidenschaftlich – zumindest für mich.
Sie haben die Elektra gesungen wie auch die Isolde und Kundry, Aida, Rusalka, Tosca oder Turandot. Von welchen Partien träumen Sie noch?
Derilova: Ich möchte gern Manon Lescaut von Puccini und Salomé von Strauss singen. Aber sicher gibt es noch viele andere faszinierende Rollen.
Schweinfurt und Dessau
Das Theater Schweinfurt gehört zu den fünf größten Gastspielhäusern im deutschsprachigen Raum. Fester Bestandteil der Arbeit ist die Kontinuität der Zusammenarbeit mit verlässlichen Partnern über Jahre hinweg. Die Bamberger Symphoniker spielen seit Oktober 1946 regelmäßig in Schweinfurt. Münchner Kammerspiele und Bayerisches Staatsschauspiel sind seit Jahrzehnten zu Gast.
Aktuelles Beispiel ist das freundschaftliche Verhältnis zum Anhaltischen Theater Dessau, das im Oktober 2004 begann. Mehr als 13 000 Menschen haben hier inzwischen Produktionen des Anhaltischen Theaters gesehen, darunter „Don Karlos“, „Die Hochzeit des Figaro“, „Don Giovanni“, „Landschaft mit Schatten“ (Tanztheater - Gregor Seyffert)oder „Land des Lächelns“.
Das Gespräch führte Christian Kreppel Leiter des Schweinfurter Theaters
23.06.2010, 14:35 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
, Pressestimmen
485
Christoph Suhre, „Der neue Merker“, Juni 2010
Dessau: "LA MUETTE DE PORTICI"
Unter Aubers Vornamen findet sich auch dieser: Esprit. Nur wenige seiner ca. 50 Bühnenwerke sind heute noch bekannt, aber die, die heute hauptsächlich durch CD-Angebote zugänglich sind, eint eines: Diese Musik besitzt Esprit. Der 1782 geborene Komponist galt zunächst als repräsentativer Vertreter der Opéra Comique, die er mit nicht weniger als 34 Stücken belieferte. Ab 1840 etwa war dann seine Annäherung an die ernste Oper zu erkennen. Auffällig ist, dass dabei Aubers Stil keinem größeren Wandel unterworfen war. »La Muette de Portici" wurde 1828 in der Opéra Paris uraufgeführt.
Das Libretto von Eugène Scribe greift einen historischen Vorgang aus dem Jahre 1647 auf Ein Fischer, Masaniello genannt, entfacht in Neapel einen Aufstand gegen die Steuerpolitik der spanischen Besatzungsmacht. Auch wenn die Fischer und Obsthändler Teilerfolge erzielen, scheitert der Aufstand. Zudem bricht auch noch der Vesuv aus. Bühnenwirksamer geht’s nimmer.
Regisseur André Bücker belässt die Handlung am Ort des historischen Geschehens, zeigt uns aber das Neapel der Gegenwart, in dem es bekanntermaßen genügend Zündstoff gibt. Der Camorra obliegt die totale wirtschaftliche Kontrolle der Region. Sie hat kriminelle Strukturen aufgebaut, die über die Bevölkerung und deren Leben bestimmen. Insofern sind die Vorgänge aus dem Jahre 1647 nach wie vor aktuell und brisant. Das opulente Bühnenbild von Jan Steigert spiegelt Hafenatmosphäre wider, die Kostüme, die Suse Tobisch entwarf, sind zeitgemäß. Videoclips, für die Christian Schrills verantwortlich zeichnet, werden nicht ausgespart. Das Geschehen spielt sich im Wesentlichen in einer Containerlandschaft ab – die Bühnenmaschinerie ist im Totaleinsatz und bis ins Letzte gefordert. In Aubers Oper gibt es große Chortableaus, die André Bücker bühnenwirksam arrangiert, es gibt Ensembles, die orchestersprachliche Feinheiten erfordern, sowie Arien und Duette, die von den Solisten Gesangstechnik, Kantabilität und Emotionalität erfordern. Die Dessauer Aufführung bleibt nichts davon schuldig. Zu lesen ist, dass von dieser Produktion eine DVD erstellt wird. Interessierte Opernbesucher werden dann Gelegenheit haben, ein Werk kennen zu lernen, dass zu Unrecht ein Schattendasein führt. Sie werden aber auch Gelegenheit haben, sich von der großartigen Leistungsfähigkeit des Dessauer Ensembles ein Bild zu machen.
Kurios ist. dass die Vertreterin der Titelpartie zwar permanent präsent ist, aber nichts zu singen hat. André Bücker entschied sich bei der Besetzung dieser Rolle für eine Tänzerin. Gabriella Gilardi verfügt über ein hohes Maß an Körperbeherrschung und Körpersprache und kann dadurch die Befindlichkeiten der stummen Fenella sehr gut zum Ausdruck bringen. Mitunter wirkt sie in ihren Bewegungen etwas abstrakt, aber das muss kein Nachteil sein, denn das Mädchen stößt aufgrund ihres Handicaps an Grenzen. Eine Tenorpartie ersten Ranges ist die des Masaniello. In einer Studioeinspielung drückt immerhin Alfredo Kraus dieser exponierten Partie sein Gütesiegel auf. In Dessau erlebten wir den mexikanischen Tenor Diego Torre als Masaniello. Am Anhaltischen Theater gab er zugleich sein Europadebüt. In den großen Ensembles ist er absolut präsent und wenn er zu Beginn des 4. Aktes seine Kavatine Spectacle affreux singt, dürfte auch der letzte Zuschauer zu der Erkenntnis gelangt sein, dass wir es hier mit einer Tenorstimme zu tun haben, die zu ganz großen Hoffnungen berechtigt. Der sympathische Sänger verfügt über eine Stimme, die über Glanz und Elastizität, Expressivität und Innigkeit, Klang und Volumen verfügt. Mit Oscar de la Torre hatte man für die Partie des Alphonse einen weiteren mexikanischen Tenor verpflichtet. Alphonse ist in der Vorlage der Sohn des spanischen Vizekönigs, in der Lesart von André Bücker Capo eines Clans. Auch dieser Sänger weiß zu begeistern, erleben wir doch in seinem Gesangspart viele Verzierungen, die an Rossini erinnern und Leichtigkeit, Höhe und Atem erfordern. Oscar de la Torre stellt sich souverän diesen Anforderungen.
Neben der Fenella ist die Elvire eine weitere zentrale Frauengestalt der Oper. Sie ist Alphonses Braut und wird durch dessen skrupelloses Tun und Lassen in unterschiedlichste Konfliktsituationen gestoßen. Das alles wird natürlich auch musikalisch untersetzt und erfordert von der Rollenvertreterin entsprechende gesangliche und darstellerische Mittel. Bei Angelina Ruzzafante ist diese Partie bestens aufgehoben. Einerseits setzt sie zarte, berührende Piani in den Raum, anderseits trumpft sie in den großen Ensembles eindrucksvoll auf, ohne dabei schrill zu klingen oder zu forcieren. Wiard Witholt beeindruckt mit gut geführter und kerniger Stimme als Pietro. Zunächst begegnen wir ihm als wahrem Freund Masaniellos. Später wendet er sich von ihm ab und vergiftet ihn gar. Wiard Witholt gestaltet diesen Wechsel absolut überzeugend. Obwohl Ulf Paulsen in dieser Oper eine relativ kleine Rolle zu gestalten hat, kann man sich ihm weder vokal noch darstellerisch entziehen. Er ist ein Verbündeter Alpbonses und damit Drahtzieher düsterer Machenschaften. Kostadin Aguirov als Borella, .Angus Wood als Vertraute Alfonses und Stephan Biener als Moreno runden ein absolut intaktes Ensemble ab. Mit Umsicht und Esprit wurde das Ensemble von Antony Hermus am Pult der engagiert spielenden Anhaltischen Philharmonie trefflich unterstützt. Der Dirigent weiß um die Schönheiten der packenden Musik und lässt sie deshalb entsprechend nuanciert und facettenreich erklingen. Ein Genuss! Der Opernchor des Anhaltischen Theaters wurde durch Mitglieder des Coruso Chores aus Berlin klangvoll unterstützt. Die Chorleitung oblag Helmut Sonne. Das konnte sich hören und sehen lassen. Ein Extralob verdienen auch die Mitglieder des Kinderballetts des Theaters, die in der Choreografie von Gabriella Gilardi die Intentionen des Regieteams wirkungsvoll unterstützten. Das Beispiel Dessau in Bezug auf Auber sollte Schule machen. Es lohnt sich!
21.06.2010, 14:44 | tags:
Anhaltische Philharmonie
481
Pressemitteilung vom 21.06.2010
Auf in die Sonne!
Zum Abschluss der Konzertsaison lädt das Anhaltische Theater am 1. und 2. Juli, jeweils 19.30 Uhr im Großen Haus zum 8. Sinfoniekonzert ein, das mit dem Titel „Auf in die Sonne“ überschrieben ist.
Generalmusikdirektor Antony Hermus hat sich für beide Tage etwas Besonderes einfallen lassen und nimmt Musiker und Publikum mit auf eine vergnügliche Urlaubsreise.
Im Konzert „Auf in die Sonne“ geht es musikalisch nach Spanien und nach Lateinamerika. Feuriges Temperament und Lebensfreude enthält die Musik der dortigen Komponisten, aber auch eine ganz eigentümliche Melancholie. Und wenn von spanischer Musik die Rede ist, darf der Klang einer Gitarre nicht fehlen: Joaquín Rodrigos berühmtes „Concierto de Aranjuez“, diese einzigartige Hommage an den Flamenco, wird 70 Jahre nach seiner Entstehung erstmals in einem Dessauer Sinfoniekonzert zu erleben sein.
Solist ist der mehrfach preisgekrönte holländische Gitarrist Marlon Titre. Außerdem umfasst das Programm Werke von Emmanuel Chabrier („España“-Rhapsodie), Joaquín Turina („Danzas fantásticas“), Maurice Ravel („Alborada del gracioso“), Manuel de Falla („Der Dreispitz“) sowie zwei Tänze aus Mexiko und Argentinien von Arturo Márquez und Alberto Ginastera, die im Orchester ein wahres Feuerwerk an tänzerischen Rhythmen und Virtuosität entfesseln. Urlaubsstimmung und gute Laune sind somit also garantiert. Doch damit nicht genug: Schon vor dem Konzert, in der Pause und auch danach gibt es im Foyer und im Theaterrestaurant spanische Extras, wie Kostüme, Flamenco- und Salsa-Tanz, Tango und kulinarische Köstlichkeiten. Gemeinsam mit ihrem treuen Publikum möchte die Anhaltische Philharmonie den Saison-Ausklang auf sommerliche Art feiern.
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel:
0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über
die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr |
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
20.06.2010, 23:59 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
480
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 21.06.2010
Anhaltisches Theater
Maskenspiel im Spiegelbild
Der Tod schiebt eine ruhige Kugel: Langsam kreist das Geschoss an der Wand des Trichters abwärts zu dem leuchtenden Kreuz, das den Sitz des Lebens markiert. Und die Musik schweigt dazu - die doppelbödige Trivialität, die falsche Süße und das hysterische Gelächter verstummt in einer Totenstille, die nur vom mahlenden Geräusch des Balles grundiert wird. Alles fällt in diesem Moment zusammen - die unglückliche Liebe des schwedischen Königs Gustav zur Frau seines treuen Freunds Anckarström, der ungewollte Verrat seines Pagen und die Prophezeiung der Hexe Ulrica.
Als das Anhaltische Theater Dessau Giuseppes Verdis "Un ballo in maschera" auf den Spielplan setzte, konnte man noch nicht ahnen, dass die Premiere am Vorabend einer Hochzeit im schwedischen Königshaus über die Bühne gehen würde. Von historischen Pomp aber ist Roland Schwabs Inszenierung ohnehin weit entfernt: Sein imaginäres Schweden ist eine Bühnenmaschine, auf dem die royale Rolle am Anfang ebenso per Los bestimmt wird wie die Partien der Verschwörer - und das Mittel zur öffentlichen Wahrnehmung ist ein gigantischer Spiegel, der den Zuschauern Einblicke in tote Winkel gewährt oder die Kehrseite der Pracht zeigt. Die Spielmacher aber sind der Diener und die Wahrsagerin, die sich ihrer Stellung in dieser Theatertruppe bewusst sind.
Fülle an Einfällen
Allein dieser aus der Theaterbegeisterung des realen Vorbilds Gustav. III entwickelte Ansatz hätte für einen spannenden Abend genügt, Schwab aber will mehr - und greift allzu oft in jene Kiste, auf die sein Bühnenbildner Hartmut Schörghöfer das düstere Wort "Pandora" geschrieben hat. Da finden sich Clownsnasen und Blumensträuße, Brautschleier und Zauberkräuter. und als sich der König für seinen Besuch beim Orakel verkleidet, fällt das schon längst nicht mehr auf, weil hier alle Masken tragen. Es ist die Fülle an Einfällen, die der Idee im Wege steht und die zwischen der bösen Ironie und bloßen Illustration keine eindeutige Perspektive auf die Geschichte entwickelt.
Bildgewaltig und überraschend aber ist der Abend allemal - und lediglich das dröhnende Gelächter, das der Regisseur seinen Figuren immer wieder in den Mund legt, muss man ihm wirklich übelnehmen. Denn das böse Lachen obliegt in dieser Oper dem Orchester - und die Anhaltische Philharmonie spielt unter ihrem Generalmusikdirektor Antony Hermus auch diesen Verdi auf einem unerhörten Niveau. Der Thrill der düster romantischen Friedhofsszene ist ihnen so geläufig wie der angeheiterte Taumel der Ballszenen, das innige Gebet Amelias ist hier so gut aufgehoben wie die aufgesetzte Fröhlichkeit des Hofstaats. Und wenn Anckarström seinen Nebenbuhler aus einer fratzenhaften Kapelle heraus schließlich mit einem Geigenbogen ersticht, dann ist dies nur konsequent: Im "Maskenball", der in Dessau mittlerweile ganz selbstverständlich in Originalsprache über die Bühne geht, mordet die Musik. Und man genießt den Sog in die Katastrophe in jeder Sekunde. Das ist auch ein Verdienst der Solisten, unter denen sich Iordanka Derilova und Ulf Paulsen im Furor ihrer Liebe und ihrer Verzweiflung den größten Applaus verdienen. Dieses stimmlich wie spielerisch todsichere Paar findet in Hector Sandovals König einen Mit- und Gegenspieler, der eher die leichtsinnige Lust als die drückende Last der Macht betont und dessen Würde in bester Theatermanier von den Anderen behauptet wird.
Meister des Totentanzes
Dafür ist vor allem Cornelia Marschall als bravouröser Zeremonienmeister des Totentanzes zuständig, der jedes Wort in eine Volte und jede Geste in einen Scherz verwandeln kann - und der in der Schicksalsgöttin der Rita Kapfhammer seinen dunkel getönten Widerpart findet. Auch Wiard Witholts Seemann und die Verschwörer von Nico Wouterse und Rosen Krastev balancieren sicher auf dem schmalen Grat zwischen dem raunenden Schicksal der Musik und dem mutwilligen Spiel der Inszenierung. Und Helmut Sonne zeigt mit seinem Opernchor, dass die zuletzt bemühte Verstärkung von außen vor allem quantitativ nötig ist - qualitativ genügt das hauseigene Ensemble höchsten Ansprüchen. Dass dieser Verdi die hauseigene Tradition auf neuer Höhe fortsetzt und zudem einen Spiegel als Mittel der Entlarvung benutzt, wo er zuletzt im "Macbeth" der Denunziation diente, rundet sich zum würdigen Abschluss dieser Musiktheater-Saison - auch wenn der Doppel-Mord in der Applausordnung die Premieren-Begeisterung eine kurze Schrecksekunde beimischte.
Nächste Vorstellungen: 27. Juni und 3. Juli, jeweils 17 Uhr
08.06.2010, 16:48 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
473
Pressemitteilung vom 08.06.2010
Premiere Ein Maskenball [Un ballo in maschera]
- in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln -
Am 18. Juni um 19:30 Uhr hat die Oper „Ein Maskenball [Un ballo in maschera]“ im Großen Haus des Anhaltischen Theaters Premiere.
Erzählt wird in der Oper von Giuseppe Verdi ein Königsmord, ein Drama über Leben und Tod des schwedischen Königs Gustav III. Roland Schwab inszeniert dieses Intrigenspiel, als eine große Maskerade, in der Sein und Schein bald nicht mehr zu unterscheiden sind.
König Gustav III. von Schweden liebt Amelia, die Gattin seines treuen Freundes Anckarström. Dieser warnt ihn vor einer Verschwörung, doch Gustav schlägt alle Warnungen in den Wind. Nachdem Graf Anckarström erfahren hat, wer die geheimnisvolle Geliebte seines Königs ist, schlägt er sich auf die Seite der Verschwörer. Auf einem Maskenball tötet er Gustav. – Da ein Königsmord auf der Bühne für die italienische Zensur nicht in Frage kam, musste Verdi die Handlung nach Boston verlegen, um seine Oper 1859 in Rom zur Aufführung bringen zu können. »Un ballo in maschera« wurde ein triumphaler Erfolg, der dem dramatisch packenden und musikalisch ungemein reichen Werk bis heute treu geblieben ist.
Roland Schwab zählt zu den führenden Regisseuren der jüngeren Generation. Zu seinen wichtigsten Arbeiten der letzten Zeit zählen: MOZART - FRAGMENTE, ein Beitrag zum Mozartjahr 2006 und TIEFLAND von Eugen d`Albert (2007) beides an der Deutschen Oper Berlin, THE RAKE´S PROGRESS an der Oper Dortmund (2008), sowie AIDA am Musiktheater im Revier, Gelsenkirchen (2008). Nächste Regiearbeiten führen Roland Schwab an die Oper Bonn (LA SONNAMBULA) und wiederum an die Deutsche Oper Berlin (DON GIOVANNI).
Inszenierung: Roland Schwab | Bühne und Kostüme: Frank Fellmann nach Entwürfen von Hartmut Schörghofer | Chor: Helmut Sonne | Dramaturgie: Heribert Germeshausen
Es spielt die Anhaltische Philharmonie unter der Leitung von GMD Antony Hermus.
Mit: Hector Sandoval (18.6.10) / Andrew Sritheran/ Angus Wood (König Gustav III. von Schweden), Ulf Paulsen (Graf René Anckarström), KS Iordanka Derilova (Amelia), Rita Kapfhammer (Ulrica Arvidson), Cornelia Marschall (Oscar, Page), Wiard Witholt (Christian, ein Seeman), Nico Wouterse (Graf Horn), Rosen Krastev/Pavel Shmulevich (Graf Ribbing), Filippo Deledda/Leszek Wypchlo (Arzt), Alexander Dubnov/Mikolaj Kapala (Diener Amelias)
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Abendkasse und unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr | Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
02.06.2010, 17:00 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
468
Pressemitteilung vom 02.06.2010
„Nachtasyl – Szenen aus der Tiefe“
Am Samstag, 5. Juni um 16.00 Uhr zeigt das Anhaltische Theater Dessau das Ballett „Nachtasyl – Szenen aus der Tiefe“ auf der Bühne des Großen Hauses. Tomasz Kajdanskis Inszenierung, die sich am gleichnamigen Drama von Maxim Gorki orientiert, ist ein Abend über zerbrochene und verzagte Existenzen, die sich an einem Ort des Verfalls zusammenfinden, sich zerstören, sich ermüden, sich aneinander festhalten, trösten und dabei immer wieder das Licht suchen, das Morgen. Sinnlich und hochenergetisch zeigen die Tänzer in einem spannenden Bühnenbild nicht nur die Zustände der Ausweglosigkeit und des Verlorenseins, sondern auch die Schönheit und Kraft des Aufbruchs sowie die Hoffnung nach Momenten der stillen oder aggressiven Verzweiflung.
Die Inszenierung ist in dieser Spielzeit nur noch drei weitere Male zu sehen und steht in der kommenden Spielzeit, im September noch zwei Mal auf dem Spielplan. Die Anhaltische Philharmonie spielt Musik von Detlev Glanert und Arnold Schönberg unter der Leitung von Wolfgang Kluge.
„Es wird großartig getanzt, eine Kompanie aus höchst individuellen Tänzerinnen und Tänzern, deren Authentizität der Choreograf nicht verstellt sondern nutzt. Und es wird spannend musiziert...“ – www.tanznetz.de, 01.06.2010
„Kajdanski [...] bietet [...] mit seinen fulminant auftrumpfenden elf Tänzern ein unter die Haut gehendes Stück Abrechnung mit beschämenden sozialen Zuständen.“ – Neues Deutschland, 02.06.2010
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de und auch an der Abendkasse.
02.06.2010, 06:45 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
467
Volkmar Draeger, Neues Deutschland/ Feuilleton, 02.06.2010
Aufschreckend zeitgemäße Adaption
In Dessau zeigt Tomasz Kajdanski Gorkis »Nachtasyl« als Tanztheater
Verfilmt wurde Maxim Gorkis »Nachtasyl« bereits mehrfach: 1936 von Jean Renoir, 1957 von Akira Kurosawa. In der Sprache jenes Mediums ist das Drama um ein Dutzend Gestrandeter vorstellbar, der Tanz greift es erst 108 Jahre nach der Uraufführung am Künstlertheater Moskau auf, aus gutem Grund. Zum einen kann er die philosophischen Fragestellungen nach dem Sinn des Lebens nur schwer transportieren; zum anderen scheint die Situation der Barfüßler genannten Tagelöhner und Landstreicher leidvoll aktuell. Wieder lungern Obdachlose auf den Straßen, saufen sich den leeren Alltag schön, finden nicht die Kraft zum Neubeginn. Das zwingt fast zur Auseinandersetzung mit Gorkis zu Weltruhm gelangtem Stoff auch im Tanz.
Tomasz Kajdanski hat das in Dessau gewagt und seiner Sammlung sperriger Stücke nun ein weiteres hinzugefügt. Nach »Lulu« als Auftakt am neuen Wirkungsort folgt jetzt »Nachtasyl – Szenen aus der Tiefe«. Der Choreograf und sein Ausstatter Dorin Gal haben die Unterzeile wie auch den russischen Originaltitel »Na dnje«, »Auf dem Grunde«, wörtlich genommen und das Geschehen aus dem Keller in ein marodes Schwimmbassin verlegt. Wie ein schmuddlig graues Verließ unter niedrigem Plafond wirkt, wo Gestalten als Silhouetten sitzen, liegen, stehen; an die beiden Einstiege ins Becken, die Ausstieg aus jener Tristesse sein könnten, werden sie selbst im Sprung nie heranreichen. Schrill ist der Ton, als die Kurtine hochfährt, den nebligen Blick aufklart, zugleich das desparate Inferno in Gang setzt.
Zwar hat Kajdanski seinen Figuren Namen aus Gorkis Vorlage zugeordnet, greift auch deren persönliche Konflikte wie ihre spannungsgeladenen Beziehungen auf. Die Bewegungssprache und Gals punkhaft abgerissene Kostüme weisen sie eindeutig als Menschen unserer Tage aus. In dieser zeitgemäßen Adaption liegt einer der Vorzüge jener Inszenierung: Auch ohne Gorkis Stück zu kennen, erschließt sich die Thematik.
Unterstützt wird das Team von den gewählten Musiken: Detlev Glanerts »Theatrum Bestiarum – Lieder und Tänze für großes Orchester« im »Rasend vor Ohnmacht« genannten ersten Teil, Arnold Schönbergs »Verklärte Nacht« für »Hoffnung« als Mittelteil, Glanerts »Mahler/Skizze« für »Endzeit« als Finale. Dass Glanerts enorm vielschichtige, bisweilen aufschreckende Klangbilder zu Schönbergs trauervoll sinfonischem Gestus verblüffend genau passen und von der Anhaltischen Philharmonie unter Wolfgang Kluge konzertreif musiziert werden, gibt den 75 pausenlosen Minuten Tanz Reiz und akustischen Widerpart gleichermaßen.
Gegen Wände rasen die Insassen jener Tiefenwelt an, richten die Verzweiflung mehr noch gegeneinander, während eine Welt kalter Betonklötze als Langsam-Film hinter ihnen vorüberzieht. In aufbäumenden Soli und Ensembles brechen sich Hilflosigkeit und Aggression Bahn, Matratzen werden zu Schlaggegenständen, Stühle zu Plätzen der Lethargie. Mit viel Aktion lässt Kajdanski die Charaktere zusammenprallen, setzt klassischen Tanz ebenso ein wie Kampfsport, umschreibt so Gorkis Personalkonstellationen: Bassinbesitzer Kostylew und Wassilissa, Pepel und Natascha, den trunksüchtigen Schauspieler in seinem Selbsthass. Erst als Luka wie eine Vision der Hoffnung ins Bassin steigt, beginnen sich die aufgeregten Attacken unter gewitterdräuendem Plafond zu entwirren. Was wir wollten, war nicht das, flüstern Stimmen vom Band: Wovon sollen wir leben, lasst mich sterben.
Die Nacht verklärt sich jedoch allmählich in erfüllt intakte Beziehungen vor idyllischen Landschaften, denn Gutes zu tun gilt es, sich selbst zu achten, wie Luka lehrt. Kaum hat sich der rätselvolle Fremde entfernt, wird aus dem tänzerischen Dauerschwelgen ein gewalttätiger Flächenbrand, den Ernüchterung und Unfähigkeit zur Tat entzünden. Der Traum weicht endgültig der Realität: Mit Wassilissas Sticknadel ersticht Pepel Kostylew, an Lukas Leiter erhängt sich der Schauspieler, kübelweise Erde begräbt die tote Anna. Über das ganze Totenhaus breiten zwei ein schwarzes Tuch, das noch lange wie eine düstere Wolke schwebt, wenn die Musik mit einzelnen Schluchzern verebbt.
Einen Ausweg aus dem Dilemma weiß auch Kajdanski nicht, bietet zumindest aber mit seinen fulminant auftrumpfenden elf Tänzern ein unter die Haut gehendes Stück Abrechnung mit beschämenden sozialen Zuständen. Das macht sein »Nachtasyl« zu einer eminent wichtigen, weil zeitnahen Produktion, der man die Sympathien des Publikums wünscht. Dass sie keinen Trost mitgibt, ist nicht seine Schuld; dass sie pralles Tanztheater liefert, aber sein Verdienst.
Weitere Vorstellungen: 5., 11., 17.6., 4.7.
01.06.2010, 16:28 | tags:
Anhaltische Philharmonie
, Diverses
466
Pressemitteilung vom 01.06.2010
Konzerte im Monat Juni
Der Monat Juni hält eine Fülle von Open-Air-Veranstaltungen bereit. In Wörlitz finden insgesamt drei Seekonzerte statt – jene beliebten Abende, an denen eine gemächliche Gondelfahrt über die Seen und Kanäle mit einem Abendessen auf den Gondeln und musikalischen Genüssen an den Ufern kombiniert ist. Am 5. Juni musiziert ein Flötenquartett der Anhaltischen Philharmonie (mit Streichern) Werke u.a. von Mozart, Reger, Hoffmeister und Sibelius, am 12. Juni steht Harmoniemusik aus Joseph Haydns „Die Jahreszeiten“ auf dem Programm, gespielt vom Bläseroktett der Anhaltischen Philharmonie. Und am „Tag der Musik“, 19.6. erklingt „Fröhliche Bläsermusik“ mit dem Concento-Quintett und Werken von Mozart, Mendelssohn, Offenbach u.a. Gäste der Seekonzerte treffen sich an den jeweiligen Konzerttagen bis 18 Uhr an der Gondelstation.
Am 13. Juni findet das einzige Wandelkonzert der diesjährigen Saison statt. Treffpunkt ist 15 Uhr am Südsee-Pavillon auf dem Eisenhart, wo die Besucher mit einem Glas Sekt begrüßt werden.
Ein Mitarbeiter der Kulturstiftung führt die Spaziergänger durch Neumarks Garten, auf die Roseninsel und zur Teelauben-Fähre, wo Ensemblemitglieder der Anhaltischen Philharmonie musizieren. Der Nachmittag klingt im Garten am Grauen Haus mit einer Kaffeetafel aus.
Im Wörlitzer Schlosskonzert am 11. Juni um 18.30 Uhr präsentieren Martin Seemann und Beni Araki musikalische Kostbarkeiten für Violoncello und Hammerflügel.
Zweimal lädt der Freundeskreis des Dessauer Theaters zur beliebten Reihe „... und sonntags ins Luisium“ ein. Am 13.6., 10.30 Uhr ist das Anhaltische Streichquartett mit Moderator Karl Thiele zu Gast und am 27.6. das Holzbläserquintett „Consortio Anhaltino“ mit Moderator Ronald Müller.
Am Nachmittag des Tags der offenen Tür am Anhaltischen Theater, am 6. Juni spielt die Anhaltische Philharmonie noch einmal ihr Wunschkonzert „Frühling in Wien“, das bereits am 25. April für ein ausverkauftes Haus gesorgt hatte. Werke Wiener Komponisten wie Mozart, Schubert und Strauß, die sich das Publikum selber aussuchen konnte, werden erklingen. Der Gewinner des Dirigenten-Castings, das am Tag der offenen Tür stattfindet, wird Dirigent Daniel Carlberg im Konzert unterstützen. Weitere Mitwirkende sind die Sopranistin Cornelia Marschall und Moderator Ronald Müller.
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Abendkasse und an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über
die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr |
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
01.06.2010, 11:58 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
463
Boris Michael Gruhl, http://www.tanznetz.de, 01.06.2010
Hart und genau, Gewalt und Zärtlichkeit
Tomasz Kajdanskis "Nachtasyl" nach Gorki
„Nachtasyl – Szenen aus der Tiefe“ heißt das Stück nach dem Schauspiel von Maxim Gorki, das am Wochenende zum ersten Mal über die große Dessauer Bühne ging und vom Premierenpublikum einhellig begeistert aufgenommen wurde. Das Drama von 1901 spielt in einem Elendsquartier, in einer Absteige, wo eine Gruppe gescheiterter Menschen sich das ohnehin schwere Leben regelrecht zur Hölle machen. Dennoch schildert Gorki, wie sich die Menschen in ihrem Unglück zu artikulieren versuchen, ihr Überleben zu organisieren, ihren Anspruch ein Mensch zu sein soweit als möglich nicht aufgeben wollen. Das alles schließt Verletzungen, Misshandlungen, Gewalt gegeneinander, Tod und Selbstmord nicht aus. Eine der widersprüchlichsten Figuren ist der freundliche Pilger Luka. Er kommt in das Asyl mit seinen Geschichten voller visionärer Hoffnungen, die von christlicher Nächstenliebe motiviert sind. Sie erweisen sich aber als eine Art „Lügentherapie“ und werden ohne Wirkung bleiben, wenn er das Asyl wieder verlässt.
Gorkis Stück ist ein vorrevolutionärer Aufschrei. Was Kajdanski jetzt auf die Dessauer Bühne bringt ist ein Aufschrei nach den Revolutionen, stumme Schreie der Körper zu aufwühlender Musik von Arnold Schönberg und Detlev Glanert. Durch geschickte Dramaturgie und überzeugende Körpersprache, die ohne ein Wort, allein durch Bewegung und Musik, die grundsätzlichen Motive des Stückes sinnlich erfahrbar vermittelt, gewinnt der Abend rasch an suggestiver Wirkung. Dorin Gal verwandelt die riesige Bühne in ein aufgegebenes Schwimmbecken. Der Gegenwartsbezug ist deutlich, dennoch weist das Bild allgemeiner Nutzlosigkeit über sich hinaus. Auf dem Boden des Beckens befindet sich das Nachtasyl, das längst zum beschränkten Lebensraum und Kampfraum für die Menschen geworden ist. Sie kommen da nicht mehr heraus. Wenn sich die Tänzer am Boden befinden, ihre Bewegungen schmerzverzerrt und zuckend sind, dann muss man an krepierende Fische denken. Das Leben draußen schwimmt in einer grauen Videoinstallation vorbei. Geschändete Landschaften, verlassene Wohngebiete, Industrieruinen, wie man sie bei Dessau sicher finden kann.
Die Choreografie hat drei Teile. Die Exposition, in der uns das Leben in den Szenen aus der Tiefe vorgestellt wird in Choreografien der Gruppe, Einzelner, in Duetten und verschiedenen Konstellationen. „Rasend vor Ohnmacht“ ist dieser Teil überschrieben, das drückt er aus mit der Komposition „Theatrum bestiarium“ von Detlev Glanert, 2004/2005 komponiert, deren schroffer Gestus des großen Orchesters mit verstörenden Orgelklängen regelrecht aufwühlt.
„Hoffnung“ heißt der zweite Teil, da steigt eben jener Pilger herab und die Situation verändert sich, die Bewegungen werden fließender, in den Dialogen mit Luka verändern sich die Menschen scheinbar, es entsteht so etwas wie ein Anflug von Harmonie. Die Musik dazu, Arnold Schönbergs „Verklärte Nacht“ von 1899 in der Orchesterfassung entfaltet suggestive Wirkung, durchbricht aber den eher traurigen Grundgestus nicht.
„Endzeit“ der letzte, ganz knappe Teil, wurde zu Glanerts „Mahler/Skizze“ von 1989 choreografiert, die damit beginnt, dass Steine aufeinander geschlagen werden, dann in Klang und Rhythmik beim Einsatz eher ungewöhnlicher Instrumente wie Windmaschine, Blechen und Kuhglocken, apokalyptische Bilder beschwört. Der Pilger Luka hat das Asyl verlassen, übrigens über die Treppe, die für jeden der Nachtasylanten hinausführen würde, aber nur einer benutzt sie noch, der Schauspieler, indem er sich daran erhängt. Die Übrigen richten sich ein, nur brutaler, endgültiger, mörderischer.
Fünf Tänzerinnen und fünf Tänzer, dazu der Tänzer des Pilgers, gestalten die wesentlichen Rollen des Stückes. Manche Abhängigkeiten, Gemeinheiten, Betrügereien, Affären usw. sind auch bei Kenntnis der Vorlage abzulesen, was aber nicht unbedingt nötig ist. Die Grundstimmung vermittelt sich durch die Kraft und die Intensität der Tänzerinnen und Tänzer. Hohe Sprünge, irre Drehungen und krachende Stürze, Gewalt und Zärtlichkeit, verbitterte Vereinzelung, exzessive Sehnsucht nach Nähe, bilden spannende Gegensätze. Jeder und jede im Einzelnen, in Begegnungen oder in der Gruppe, halten jene Spannung aufrecht, die sich von der großen Bühne her in den Saal vermittelt. Gänzlich anders als in der Verzweiflung des ersten Teils die Körpersprache im zweiten, wenn Luka hinabsteigt, Joe Monaghan hat da ein weites, so faszinierendes wie einladendes Bewegungspotenzial und es ist verblüffend, zu welchem Wandel die Tänzerinnen und Tänzer bereit und fähig sind. Umso erschreckender ist dann der bestialische Schluss, aber in dieser Konsequenz wohl die eigentliche Wahrheit des Stückes.
Es wird großartig getanzt, eine Kompanie aus höchst individuellen Tänzerinnen und Tänzern, deren Authentizität der Choreograf nicht verstellt sondern nutzt. Und es wird spannend musiziert, zum Schlussapplaus kommt das ganze Orchester auf die Bühne und wird mit dem Dirigenten Wolfgang Kluge ebenso gefeiert wie Dessauer Kompanie mit Tomasz Kajdanski. Der Abend ist mit seinen 75 Minuten von der zeitlichen Dimension her kurz, von der ästhetischen Dimension her aber alles andere als schmerzlos.
Nächste Aufführungen: 5., 11., 17.06., 4.07.
www.anhaltisches-theater.de
30.05.2010, 19:22 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
457
Andreas Hillger, mz-web.de, 30.05.2010
Anhaltisches Theater
Am Grund der Gesellschaft
Die Lage mag schrecklich sein, ausweglos ist sie nicht: Unübersehbar führt eine Leiter an der Stirnseite zum Rand jenes leeren Wasserbeckens, das den Ausgestoßenen als Unterschlupf dient. Man müsste nur die Sprossen ergreifen und nach oben steigen, um diesen "Szenen aus der Tiefe" zu entkommen. Aber offenbar ist das geteilte, durch wechselseitige Demütigungen sogar gesteigerte Elend immer noch leichter zu ertragen als die unsichere Freiheit jenseits dieses Käfigs. Wie sonst wollte man erklären, dass niemand diesem "Nachtasyl" entflieht?
Auf der Nachtseite
Maxim Gorkis Schauspiel vom Anfang des 20. Jahrhunderts ist bis heute eine der trostlosesten Studien der Armut im zaristischen Russland - und war nach Tomasz Kajdanskis "Lulu"-Adaption nun eine durchaus gewagte Wahl für seine zweite abendfüllende Choreografie als Dessauer Ballettchef. Vor der Premiere durfte man sich fragen, ob das Publikum eine weitere Produktion goutieren würde, die auf der Nachtseite des Lebens spielt. Der Schlussapplaus nach diesem pausenlosen Kraftakt aber ließ alle Zweifler verstummen: Ausgerechnet mit einer weitgehend fatalistischen Geschichte hat sich das neue Ensemble endgültig seine große Bühne erobert.
Das liegt vor allem daran, dass Kajdanski sich nicht auf die Koalitionen und Kollisionen von Gorkis breit ausgemalten Prekariats-Charakteren verlässt, sondern im Herzen der Finsternis einen utopischen Moment behauptet: Der greise Pilger Luka wird in Joe Monaghans Anverwandlung der Rolle zur eleganten Lichtgestalt, die wie ein Wesen aus einer höheren Welt in die Grube hinabsteigt und deren Insassen ihr besseres Ich zeigt - ein Seelsorger der Körper, der die fremde Last auf sich nimmt und dessen Abschied für die endgültige Katastrophe sorgen wird.
Bis dahin aber stiftet er das Glück der Gleichzeitigkeit, den Einklang der Bewegungen, der sich davor und danach nur scheinbar zufällig einstellen will. Und dieses Zentraum, das Kajdanski auf Arnold Schönbergs "Verklärte Nacht" choreografiert, birgt in seiner Schönheit und Leichtigkeit, seiner Energie und Poesie einige der schönsten Momente, die man im Dessauer Tanztheater in den letzten Jahrzehnten sehen konnte.
Umrahmt wird dieses Bild von Szenen, denen Detlev Glanerts Kompositionen "Theatrum Bestiarium" und "Mahler / Skizze" zu Grunde liegen und die Gorkis Vorlage wenn nicht im Buchstaben, so doch im Geiste zitieren. Man muss die Vorlage nicht gelesen haben, um die Rivalität zwischen den ungleichen Schwestern Natascha (Laura Costa Chaud) und Wassilissa (Yun-Yu Chen) zu erkennen - oder das Ausmaß der Zerstörung zwischen Kleschtsch (Rai-Hilmar Kirchner) und seiner im Schmerz verpuppten Frau Anna (Anna Maria Tasarz) zu ermessen.
Emotionale Hintergründe
Da ist der von seinem Kostüm gewürgte Schauspieler (Ion Beitia) und die von ihrer Laszivität geschüttelte Hure (Yuliya Gerbyna), da ist der unbarmherzige Herbergsvater (Gorden Wannhoff) und der kraftstrotzende Dieb Pepel (Juan Pablo Lastras) . Kajdanski findet für jede Figuren ihren individuellen Ausdruck, den er durch Angela Zumpes Video-Projektionen in Dorin Gals Bühnenraum nicht illustriert, sondern emotional grundiert. Und die Anhaltische Philharmonie ist ihm unter Leitung von Wolfgang Kluge dabei ein großartiger Partner - sensibel in der Interaktion mit den Tänzern und außerordentlich aufmerksam im Umgang mit den diffizilen Werken.
Zu welch unverhofft euphorischen Glücksmomenten das führen kann, sieht man vor den farbsatten Bildern von Wiesen und Wellen im Mittelteil. Da werden aus hinfälligen Opfern plötzlich selbstbewusste, schöne Menschen, die nicht länger um ihren Platz in der Hackordnung kämpfen - und deren Kraft nicht mehr nur für ein kurzes Aufbäumen, sondern für Erlösung im Tanz reicht.
Im Kontrast zum harten Schluss wird dann auch deutlich, warum sich der Geschichtenerzähler Kajdanski ausgerechnet diese Vorlage gewählt hat: Sein stummes "Nachtasyl" ist in der Konzentration auf die Leiber beredter als viele Schauspiel-Inszenierungen, die dem Zuschauer die voyeuristische Perspektive einer Doku-Soap aufzwingen. Der Tanz wahrt die Distanz - und geht gerade darum sehr nah.
Nächste Vorstellungen: 5. Juni, 16 Uhr und 11. Juni, 19.30 Uhr
28.05.2010, 20:05 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
456
Pressemitteilung vom 28.05.2010
Letzte Aufführung „Die Stumme von Portici“ in dieser Spielzeit
Das Anhaltische Theater zeigt am Freitag, 4. Juni 2010 um 19.30 Uhr Aubers Oper „Die Stumme von Portici“ zum letzten Mal in dieser Spielzeit. Diese Vorstellung ist gleichzeitig der vorletzte Auftritt des mexikanischen Gastsängers Diego Torre auf der Dessauer Bühne. Hier gab er in der Rolle des Masaniello sein Europadebüt. Erst zum Kurt Weill Fest im kommenden Jahr wird er wieder zu erleben sein.
Die Liebesgeschichte zwischen Fenella, der stummen Schwester Masaniellos, und dem Sohn des Viezekönigs Alphonse sowie der Aufstand der Bürger Neapels gegen die spanische Besatzung angeführt von Masaniello, stehen im Mittelpunkt dieser Oper.
In der Inszenierung des Generalintendanten André Bücker spielen unter der Leitung des Generalmusikdirektors Antony Hermus außerdem Angelina Ruzzafante, Yulia Gerbyna, Eric Laporte, Kostadin Arguirov, Wiard Witholt, Angus Wood, Christian Most, die Anhaltische Philharmonie und das Kinderballett des Anhaltischen Theaters.
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de und auch an der Abendkasse.
25.05.2010, 19:06 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
449
Pressemitteilung vom 25.5.2010
„Nachtasyl – Szenen aus der Tiefe“
Uraufführung und Premiere hat die Ballettinszenierung „Nachtasyl - Szenen aus der Tiefe“ am 29. Mai um 19.30 Uhr im Großen Haus des Anhaltischen Theaters.
„Nachtasyl“, sich orientierend am gleichnamigen Drama von Maxim Gorki, ist ein Abend über zerbrochene und verzagte Existenzen, die sich an einem Ort des Verfalls zusammenfinden, sich zerstören, sich ermüden, sich aneinander festhalten, trösten und dabei immer wieder das Licht suchen, das Morgen. Thematisiert werden dabei nicht nur sinnlich und hochenergetisch die Zustände der Ausweglosigkeit und des Verlorenseins bei sozialem Abstieg, sondern auch die Schönheit und Kraft des Aufbruchs sowie die Hoffnung nach Momenten der stillen oder aggressiven Verzweiflung.
Choreograf Tomasz Kajdanski und Dorin Gal, der Bühne und Kostüme gestaltet, sehen die Handlung nicht in einem Elendsviertel. Daher gestaltet Dorin Gal eine Schwimmbadruine als einen Ort, der selbst schon bessere Tage gesehen hat, und damals ein Ort der Erholung, der Flucht aus dem Alltag gewesen ist.
Den Rahmen zu dem dreiteiligen Abend bilden zwei Werke des 1960 in Hamburg geborenen Komponisten Detlev Glanert, der zur Premiere anwesend sein wird. Seine Klangsprache ist melodisch-gestisch und kombiniert raffiniert Tradition und Moderne. Den Mittelteil bildet Arnold Schönbergs „Verklärte Nacht“. Sie besitzt einen äußerst lyrischen Charakter und ist auf Grund ihrer starken Chromatik, besonders in der hier gespielten Orchesterfassung, sehr farbenreich.
Es spielt die Anhaltische Philharmonie unter der Leitung von Wolfgang Kluge
Choreografie: Tomasz Kajdanski | Bühne und Kostüm: Dorin Gal | Video: Angela Zumpe | Animation: Christian Weiß | Dramaturgie: Sophie Walz
Tänzer: Laura Costa Chaud, Yun-Ju Chen, Denise Evrard, Yulija Gerbyna/Denise Evrard, Nadja Réthey-Prikkel/Gabriella Gilardi, Anna Maria Tasarz, | Jonathan Augereau, Ion Beitia, Rai-Hilmar Kirchner, Juan Pablo Lastras-Sanchez, Joe Monaghan, Gorden Wannhoff
Weitere Termine: 5. Juni 16 Uhr | 11. Juni 19:30 Uhr | 17. Juni 16 Uhr | 4. Juli 17 Uhr im Großen Haus
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de und auch an der Abendkasse.
21.05.2010, 10:51 | tags:
Schauspiel
, Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
443
Pressemitteilung vom 21.05.2010
Pfingsten im Anhaltischen Theater
Am Samstag, 22. Mai um 17 Uhr zeigt das Anhaltische Theater Dessau André Bückers gefeierte Operninszenierung „Die Stumme von Portici“. In der Rolle des Masaniello gibt der mexikanische Tenor Diego Torre sein Operndebüt in Europa. Unter Leitung des Generalmusikdirektors Antony Hermus singen und spielen außerdem Angelina Ruzzafante, Yulia Gerbyna, Oscar de la Torre, Kostadin Arguirov, Ulf Paulsen, Wiard Witholt, Angus Wood und die Anhaltische Philharmonie. Bereits um 15:45 Uhr ist das Theaterrestaurant geöffnet und lädt ein zum „Kaffee im Salon“. Für musikalische Untermalung sorgt das „Salonorchester Papillon“.
Zum letzten Mal wird um 19:30 Uhr die unterhaltsame Schauspielinszenierung „Gesänge aus 1001 Deutschen Nacht“ im Alten Theater zu sehen sein. Nach der Vorstellung können die Besucher des Alten Theaters den Abend im neu gestalteten Biergarten ausklingen lassen.
Am Sonntag, 23. Mai um 10:30 Uhr auf der Probebühne 1 (Eingang über Bühnenpforte) geben das Leitungsteam (Ballettdirektor Tomasz Kajdanski, Bühnenbildner Dorin Gal, Kapellmeister Wolfgang Kluge, Sophie Walz - Dramaturgie) und die Tänzer bei einer Matinee Einblick in die Ballettinszenierung „Nachtasyl – Szenen aus der Tiefe“, die am 29. Mai Premiere und Uraufführung hat. Die Zuschauer erwartet spannendes Gespräch über die Hintergründe der Inszenierung und die Wahl der Musik. Ensemblemitglieder der Ballettkompanie werden Ausschnitte der Choreografie zeigen.
Ebenfalls am Pfingstsonntag findet in den Wörlitzer Anlagen ein Nachmittag mit Musik und Poesie unter dem Titel „Klingender Park – Lustwandeln und doppelter Genuss...“ statt. Den Pfingstspaziergang zwischen 14 und 17 Uhr können die Besucher im Vorübergehen mit dem Anhören eines Gedichts oder eines Musikstückes verbinden, dargeboten von Künstlern des Anhaltischen Theaters an den schönsten Stellen des Parks. Es wirken u.a. mit: Ensembles und Solisten der Anhaltischen Philharmonie, Dessauer Blechbläser (am Monument), Anhaltisches Streichquartett (am Gotischen Haus), Harfe (am Floratempel) und Schauspieler des Anhaltischen Theaters. Der Eintritt ist frei.
Im Großen Haus wird um 17 Uhr zum letzten Mal in dieser Spielzeit Mozarts „Die Zauberflöte“ mit gewohnt großartiger Sängerbesetzung gezeigt.
Im Alten Theater/ Foyer wird an diesem Abend um 19:30 Uhr die charmante Inszenierung „Mein wildes Herz in Deine Ruh“ zu erleben sein.
Pfingstmontag, 24. Mai lädt das Anhaltische Theater um 17:00 Uhr im Großen Haus zur italienischen Opern-Gala „Serata di Gala“ ein. Es wirken mit: KS Iordanka Derilova, Cornelia Marschall, Angelina Ruzzafante, Kostadin Arguirov, Ulf Paulsen, Pavel Shmulevich, Wiard Witholt, Angus Wood. Moderiert wird der Abend von Heribert Germeshausen/ Leitender Dramaturg Musiktheater/ Operndirektion.
Im Alten Theater ist um 19:30 Uhr Gerald Fiedler, alias Leo Polte der VIII,
mit einer neuen Folge von „Der letzte Einruf!!! zu erleben. Diesmal geht es um Verdi und seine Oper EIN MASKENBALL und natürlich um Fürst Leopold III., Richard Wagner, das Intendantenkarussell, Pferde auf der Bühne und noch so manche Überraschung. Ulf Paulsen wird Gast in der Show sein, am Klavier: Stefan Neubert.
Für alle Vorstellungen gibt es noch Karten an der Abendkasse und unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr.
18.05.2010, 15:58 | tags:
Anhaltische Philharmonie
, Diverses
439
Pressemitteilung vom 18.05.2010
„Klingender Park – Lustwandeln und doppelter Genuss...“
Am Pfingstsonntag, 23. Mai findet in den Wörlitzer Anlagen ein Nachmittag mit Musik und Poesie unter dem Titel „Klingender Park – Lustwandeln und doppelter Genuss...“ statt. Den Pfingstspaziergang zwischen 14 und 17 Uhr können die Besucher gewissermaßen im Vorübergehen und kostenlos verbinden mit dem Anhören eines Gedichts oder eines Musikstückes, dargeboten von Künstlern des Anhaltischen Theaters an den schönsten Stellen des Parks. Es wirken u.a. mit: Ensembles und Solisten der Anhaltischen Philharmonie, Dessauer Blechbläser (am Monument), Anhaltisches Streichquartett (am Gotischen Haus)
17.05.2010, 13:21 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
438
Helmut Rohm, Volksstimme/ Anhalt-Zerbster Nachrichten, 6.05.2010
Weltberühmter Bariton Leo Nucci im Theater
Einmaliges Konzert am 10. Mai in Dessau
Es war die Idee von Ursula Riccio, Präsidentin der Gesellschaft der "Verdi-Freunde in der Welt" ("Viva Verdi"), dass der weltbekannte italienische Opernsänger Leo Nucci (68) in Dessau einmal ein Konzert gibt.
"Diese Idee wurde vor etwa fünf Jahren geboren, als Ursula Riccio mit Mitgliedern ihrer Gesellschaft eines der hier in Dessau regelmäßig durchgeführten Meetings veranstaltete, die stets mit Besuchen des Anhaltischen Theaters verbunden werden" , erinnert sich Joachim Landgraf, Verwaltungsdirektor und Stellvertreter des Generalintendanten des Dessauer Theaters.
Der Traum wird nun, durch die Unterstützung der Associazione "Viva Verdi" und insbesondere eben deren Präsidentin Ursula Riccio, zur Realität. Leo Nucci gibt am kommenden Montag, dem 10. Mai, um 20 Uhr im Großen Haus des Anhaltischen Theaters Dessau ein Gala-Solo-Konzert. Es ist ein Benefizkonzert zugunsten der Theaterstiftung des Anhaltischen Theaters Dessau.
Seit vielen Jahren wieder in Deutschland
Seit Mitte der 80er Jahre ist das wieder einer der ersten Auftritte Nuccis in Deutschland, übrigens der einzige des Jahres 2010.
Leo Nucci wurde in der Nähe von Bologna geboren und debütierte als Preisträger des dortigen Gesangswettbewerbes als Rossinis Figaro in Spoleto. Den ersten Rigoletto singt er 1973. "Er zählt heute zweifelsohne weltweit zu den besten Rigoletto- Darstellern", schätzt Joachim Landgraf ein.
Leo Nucci singt 1977 an der Mailänder Scala den Figaro. Er vertritt mit phänomenalem Erfolg einen erkrankten Kollegen als Miller am Royal Opera House Covent Garden London. Dieser Erfolg öffnet ihm die Tore aller bedeutenden Theater in Europa, Nord- und Südamerika und Japan, die Mailänder Scala ebenso wie die Wiener Oper oder die New Yorker Met. Leo Nucci gewinnt zahlreiche international renommierte Wettbewerbe. Er ist Träger bedeutender italienischer wie auch internationaler Auszeichnungen. Der Sänger hat mit den bedeutendsten Dirigenten zusammengearbeitet, wie unter anderem Herbert von Karajan, Sir Georg Solti, Lorin Maazel oder Bruno Bartoletti.
Philharmonie begleitet den Sänger
Leo Nuccis "Komponisten-Übersicht" reicht von Bellini über Puccini bis Verdi. Zu seinem umfangreichen, etwa 60 Rollen umfassendem Repertoire gehören unter anderem Rigoletto, Nabucco und Falstaff aus den gleichnamigen Verdi-Opern.
In seinem Dessauer Benefizkonzert singt der italienische Bariton Arien aus den VerdiOpern "La Traviata", "Rigoletto", "Un Ballo in Maschera", "Macbeth", "Nabucco", "Don Carlo" sowie aus Giordanos "Andrea Chenier".
Leo Nucci wird von der Anhaltischen Philharmonie unter Leitung ihres Generalmusikdirektors Antony Hermus begleitet. Das Dessauer Orchester wird unter anderem mit den Ouvertüren von "Vespri Siciliani", "Nabucco", "La Traviata" und "Forza" eine eigenständigen konzertanten Beitrag beisteuern.
Karten gibt es noch an den Theaterkassen oder unter Telefon (03 40) 2 5113 33.
16.05.2010, 22:31 | tags:
Anhaltische Philharmonie
, Diverses
437
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 17.05.2010
Stimmgewaltiger Chor sorgt für denkwürdigen Auftritt
Was für ein Tag: Ein ganzes Theater voll glücklicher Menschen. Strahlende Zuschauer, aufgekratzte Sänger und über alle Maßen zufriedene Veranstalter. Das erste Scratch-Konzert in der Geschichte des Anhaltischen Theaters war einer der ganz großen Erfolge in dieser Spielzeit. Dass er eben dies werden würde, zeichnete sich schon am Samstagvormittag ab. Punkt zehn Uhr war das Parkett im Zuschauersaal gut gefüllt. Sortiert nach Stimmgruppen saßen dort mehr als 300 Sänger. Die Bühne gehörte zwei Männern: Kapellmeister Wolfgang Kluge am Klavier und Generalmusikdirektor Antony Hermus mit dem Taktstock in der Hand.
Hermus bringt Idee mit
Hermus hatte die Idee des Scratch-Konzertes aus Hagen nach Dessau mitgebracht. Dessen Prinzip ist schnell erklärt: Sänger und Sängerinnen, ob Laien oder Profis, studieren binnen eines Tages ein Chorwerk ein und bringen es am Abend zur Aufführung.
In Dessau-Roßlau und Umgebung ließen sich die sangesbegeisterten Anhalter schnell von diesem Konzept überzeugen. Mehr als 300 Frauen und Männer meldeten sich an, 100 Kinder und dazu der 40-köpfige Opernchor ließen eine singende Menschenmasse zusammen kommen, die man so in der Stadt noch nicht gehört hatte. Um die Qualität der Aufführung am Abend sollte es dabei gar nicht gehen. Es zählte der Weg dorthin, wie Hermus immer wieder versicherte. Das gemeinsame Singen, das gesellige Beisammensein seien die Hauptsache des Tages. Für alle Mitwirkenden sollte er Recht behalten. Manchem verging wohl die ganztägige Probe viel zu schnell. Wie es es dem Holländer gelang, die große Schar von Sängern zu motivieren, das war schlicht großartig.
Großartige Motivation
"Stellen sie sich vor, sie sind junge Mädchen und haben ihre erste Verabredung", so lockte er die Damen und schon war deren "Seht mich an, jungen man! lat mich iu gevallen!" ein einziges zartes Locken. "Holen Sie rechtzeitig Atem", riet er oder: "Warten sie nicht aufeinander, singen sie einfach, heute singt niemand falsch." Und falls doch: "Wenn es schief geht, dann sagen wir einfach wie faszinierend." Schief ging am Abend freilich nichts, nicht wenige staunten, welch hohe Qualität da stimmgewaltig über die Bühne kam.
"Wir haben ein gutes Gefühl", sagte schon zur Mittagszeit Kathrin Buchholz aus Berlin. Sie war beim Besucher einer "Lohengrin"-Vorstellung auf das Scratch-Konzert aufmerksam geworden und hatte eine Freundin überredet mitzumachen. In der Pause unterhalten sich die beiden Frauen mit Christine Rudolph aus Wuppertal, die für Scratch und die weiteren Vorstellungen beim Elbmusikfest nach Dessau gereist war.
"Für uns Laien ist das ein tolles Geschenk", so Kathrin Buchholz. "So etwas gibt es in Berlin nicht." Dabei war die Hauptstadt noch ein naher Ort, aus dem die Sänger anreisten. Holländer kamen zum Mitsingen, aus Hagen brachte ein Bus Teilnehmer, der "Ex Audi"-Chor aus Magdeburg machte sich mit einer Gruppe ebenso auf den Weg wie die hallesche Robert-Franz-Singakademie.
"Die Leute kamen aus allen Himmelsrichtungen", erzählte Verwaltungsdirektor Joachim Landgraf, der vor allem mit der Organisation beschäftigt war. Die klappte vorzüglich, viel Lob gab es am Abend für die Betreuung und die Verpflegung. Großes leisteten freilich auch andere Abteilungen des Theaters in diesen vier Tagen des Elbmusikfestes. So musste die Technik des Hauses für jeden Abend die Bühne umbauen. Die Anhaltische Philharmonie war im Dauereinsatz. "Aber das macht ja Spaß, wir sind froh, wenn wir spielen können", sagte nach dem Konzert Jörn Kerber von den 1. Violinen. Wie ein Rockkonzert sei die Aufführung gewesen. Das Publikum fand das auch und bejubelte mit stehenden Ovationen alle Mitwirkenden. "Beifall ist unsere Droge", sagte Kerber.
Berauscht davon durften sich am Samstag ganz viele fühlen. Für die 100 Chorkinder, die Dorislava Kuntscheva einstudierte, floss der Kindersekt. Überwältigt dankte Generalintendant André Bücker den Solisten Angelina Ruzzafante, Hagen Matzeit und Wiard Witholt, allen Sängern und Musikern und jenen, die hinter den Kulissen zum Gelingen beigetragen hatten.
Jubelnd wurde eine Ankündigung kommentiert: Am 4. Juni 2011 wird es wieder ein Scratch-Konzert geben. Nach dem großen Erfolg dieser Erstauflage ist es freilich fraglich, ob die Ausmaße des Theaters dann noch ausreichen, um die Mitwirkenden auf der Bühne und die Zuschauer zu fassen.
14.05.2010, 14:52 | tags:
Anhaltische Philharmonie
436
Ute van der Sanden, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 14.05.2010
Benefizgala
Vivat Verdi, vivat Nucci!
Was für ein Abend! Dramatisch wie die Inhalte der Verdi-Opern, aus denen Leo Nucci die populärsten Arien seines Faches zum Besten gab, entwickelten sich die Umstände seines Auftretens in Dessau. Mindestens.
Zuerst war die Aschewolke gekommen. Nach Mailand, wo der Bariton gen Sachsen-Anhalt starten wollte. Daraufhin führte Joachim Landgraf, Verwaltungsdirektor des Anhaltischen Theaters, nach eigenen Angaben 70 Telefonate, um den Sänger per Privatjet einfliegen zu lassen. Dann kam das schlechte Wetter. Nach Dessau, wo die Maschine nach "sensationellem Direktanflug" am Montag schließlich doch landete.
Verdi blickte gutmütig
Und dann kamen die Zuhörer, darunter prominente aus Bund, Land und Stadt, aus Politik, Verwaltung, Finanzwesen und Wirtschaft. Die Mitglieder der Gesellschaft "Viva Verdi" kamen im Sonderbus, auch Ursula Riccio, die Gründerin, deren Engagement das Gastspiel zu danken ist. Sie wurde mit einem Blumenbouquet begrüßt, das sie auf dem freien Nachbarsitz drapierte: "Für Verdi!" Über alles und alle hinweg aber blickte gutmütig, wissend und auch ein wenig skeptisch der Meister von der Rückwand des Orchesterzimmers.
Landgraf ordinierte die fulminante Introduktion, nicht ohne die echauffierten Reaktionen mit gewisser Freude zur Kenntnis zu nehmen. Fast wäre ihr Anlass, die Benefizgala zugunsten der Theaterstiftung, in den Hintergrund getreten, zumal sich vorstellen lässt, wie viel Probenzeit nach der spektakulären Anreise geblieben war - oder wie wenig.
Hingerissen von der Musik
Das Kunststück galt, es nicht merken zu lassen. Darin haben sich Leo Nucci, Antony Hermus und die Anhaltische Philharmonie als wahre Akrobaten erwiesen. Der Taktstock war kaum zur Ouvertüre der "Sizilianischen Vesper" erhoben, da riss es den Chefdirigenten und sein Orchester auch schon hin: Verdis Musik entfaltete ihre beseligende Wirkung und machte das profane Vorspiel sofort vergessen.
Dessau darf sich glücklich schätzen, das erste Gastspiel Leo Nuccis in Deutschland seit langem erlebt zu haben - das einzige in diesem Jahr. Ob als verzweifelt besorgter Germont in der "Traviata" oder lyrischer "Nabucco", ob als wild entschlossener Tyrann "Macbeth" oder misstrauischer, wiewohl stimmgewaltiger Infant in "Don Carlos": In jeder einzelnen Kostprobe seiner Kunst erkannte man die Gründe für eine Weltkarriere.
Nucci verzaubert mit seinem Auftreten ebenso wie mit dem Klang seiner Stimme. Der Bariton besitzt nach wie vor erstaunliche Kraft, auch für das große Programm, er verfügt über eine expressive, bestens geführte hohe Lage und Tiefen, in denen geheimnisvoll Verhangenes schwingt. Als Bühnenpersönlichkeit zeigte Nucci unwiderstehliche darstellerische Präsenz, Glaubwürdigkeit, Grandezza. Untrüglich sein Gespür für das Melos, die Dramaturgie der Szene, hinreißend sein Legato. Italienische Oper, so die Botschaft ganz im Sinne Verdis, ist mehr als Belcanto - Oper ist die schiere Gefühlsentladung.
Die Anhaltische Philharmonie bewies ihre Klasse in den Arienbegleitungen nicht minder als in orchestralen Zwischenspielen, mit glanzvollen solistischen Darbietungen, großer metrischer Präzision und ausgeprägtem Sinn für die Pausen in der Musik. Euphorisch das Einvernehmen mit dem Solisten, die Aufmerksamkeit füreinander gipfelte in spontanen Umarmungen auf dem Podium - großes Kino für ein leidenschaftlich entflammtes Publikum.
Mit seiner zweiten Zugabe, der Orchesterversion von Heintjes "Mama", rührte Leo Nucci - "Für alle Mütter, bitte, singt mit mir!" - schließlich jedes Herz. Die Zuhörer standen, sangen, jubelten, und man durfte sich ein bisschen fühlen wie in der Arena di Verona.
Nun erwartet Dessau mit Spannung jenes Büchlein, das der Herr Verwaltungsdirektor über das Ereignis zu schreiben versprach. Vor allem aber, der Abend zeigte es nach stets ausverkauften "Serata di Gala"-Estraden in den vergangenen Monaten neuerlich, verlangt es das Publikum nach einer großen, dramatischen Verdi-Oper. Bitteschön - am 18. Juni hat der "Maskenball" Premiere. Vivat Leo Nucci, vivat Italia!
07.05.2010, 16:55 | tags:
Anhaltische Philharmonie
429
Pressemitteilung vom 07.05.2010
Weltstar Leo Nucci singt zugunsten der Theaterstiftung
Erster Auftritt in Deutschland seit über 20 Jahren und einziger Deutschlandauftritt 2010
Das Anhaltische Theater Dessau lädt am 10. Mai, um 20 Uhr zur Großen Operngala ein. Weltstar Leo Nucci singt zugunsten der Theaterstiftung des Theaters Dessau.
Erstmals seit Ende der 1980er Jahre tritt Leo Nucci wieder in Deutschland auf: Am Anhaltischen Theater Dessau, das sich 2010 Nucci mit Mailand, Wien, Parma und Zürich teilt. Begleitet von der Anhaltischen Philharmonie Dessau unter der Leitung von Generalmusikdirektor Antony Hermus singt Leo Nucci Höhepunkte aus seinem Repertoire.
In der Gala werden Ausschnitte u.a. aus „La Traviata“, „Un Ballo in Maschera“, „Rigoletto“, „Macbeth“, „Nabucco“, „Don Carlo“, „Andrea Chenier“ erklingen. Seit seinem Debüt an der Mailänder Scala 1977 zählt Leo Nucci zu den größten seines Faches. Er kann auf eine einzigartige, über 30 Jahre währende Weltkarriere zurückblicken, die ihn an die Zentren des internationalen Opernbetriebes führte: Salzburger Festspiele (mit Herbert von Karajan), Metropolitan Opera New York (mit James Levine), Mailänder Scala (mit Claudio Abbado, Riccardo Muti), Wiener Staatsoper, Opernhaus Zürich, Teatro Regio di Parma.
Für die Gala gibt es noch Restkarten. Mit dem Kauf eines Tickets leisten Sie einen Beitrag für die Zukunft des Theaters. Der Auftritt Leo Nuccis in Dessau wird ermöglicht durch die Associazione „Viva Verdi“, insbesondere durch deren Präsidentin Ursula Riccio aus Nürnberg.
Tickets und Informationen unter:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr
Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
07.05.2010, 16:39 | tags:
Anhaltische Philharmonie
428
Pressemitteilung vom 07.05.2010
Elbmusikfest vom 13. bis 16. Mai in Dessau-Roßlau
Das Elbmusikfest findet zum zweiten Mal vom 13. bis 16. Mai 2010 in Dessau-Roßlau statt. Im 19. Jahrhundert hatten die Elbmusikfeste eine große Bedeutung für die regionale Entwicklung des Chorwesens. Diese Tradition, Sänger und Chöre zusammenzuführen, soll nach einer Unterbrechung von 175 Jahren mit dem Elbmusikfest wiederbelebt und gestärkt werden. Neben dem „Scratch-Konzert“ werden an vier aufeinander folgenden Tagen zwei Inszenierungen des Musiktheaters und eine Inszenierung des Balletts gezeigt.
Den Auftakt macht am Donnerstag, 13. Mai 2010 um 18 Uhr Andrea Moses politisch umstrittene Inszenierung „Lohengrin“. Sie versetzt Wagners Stück in das Parlament einer heutigen Hauptstadt, dessen Volk sich nach einem Führer ins Glück sehnt. Lohengrin gelingt es durch seine Ausstrahlungskraft und mediale Präsenz das Volk für sich zu begeistern und für den Krieg, gegen wen auch immer. Es wirken mit, neben Andrew Sritheran als Lohngrin, Bettine Kampp, Iordanka Derilova, Pavel Shmulevich, Ulf Paulsen und Wiard Witholt.
Wann hat man eine so kluge, lebendige Wagner-Aufführung zuletzt in Berlin erlebt? Dem Theater Dessau ist mit "Lohengrin" ein großer Wurf gelungen.... Auf nach Dessau! (Jörg Königsdorf, Tagesspiegel, 6.10.2009)
Am Freitag, 14. Mai 2010 um 19.00 Uhr präsentiert das Ballettensemble Tomasz Kajdanskis Uraufführung „Lulu“. Frank Wedekinds Tragödie ist die Grundlage für die Auseinandersetzung mit diesem sinnlichen Sujet. Yulia Gerbyna tanzt die Lulu. Die Anhaltische Philharmonie spielt unter Leitung von Daniel Carlberg.
Ein besonderer Höhepunkt ist das „Scratch-Konzert“ am Sonnabend, 15. Mai. Über 300 begeisterte Sänger und Sängerinnen und ein stattlicher Kinderchor aus Dessau-Roßlau und Umgebung werden am Morgen mit den Proben zu Carl Orffs „Carmina Burana“ beginnen und das Stück bereits am Abend um 19 Uhr zur Aufführung bringen. Der Generalmusikdirektor Antony Hermus dirigiert den Scratch-Chor und die Anhaltische Philharmonie. Als Solisten sind am Abend Angelina Ruzzafante, Sopran
05.05.2010, 09:56 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
424
Zuschauermeinung, Peter Bilsing, Herausgeber und Chefredakteur „Der Opernfreund“, 01.05.2010
Wie immer in Dessau mindestens 5 Sterne, wenn nicht sogar 5*deluxe.
Spannendes, kluges Regietheater ohne Firlefanz. Klug gekürzt, das Ballett flog raus, auch kein Vulkan am Ende, wäre sowieso lächerlich. Bücker scheint wirklich einer der Großen zu sein. Hermus am Pult, den sollte man sich merken, nach seinem Lohengrin. Jetzt das. Die Sänger, wow, und das in der tiefsten anhaltischen Provinz. Man sollte mehr Reklame für dieses Theater machen, das um sein Überleben kämpft. Wenn man bedenkt welchen Scheiß sich Berlin, München und andere sogenannte große Häuser erlauben, dann lob ich mir die Provinz. Schickt alle die ihr kennt nach Dessau, da findet im Mai ein kleines Festival statt, es lohnt sich. Als Hotel rate ich zum Fürst Leopold, direkt gegenüber dem Theater.
In offener Begeisterung
Peter Bilsing
04.05.2010, 11:37 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
423
Udo Pacolt, http://www.der-neue-merker.eu/mod,criticism/id_menuitem,15/id_criticism,2911, 03.05.2010
Revolutionsoper in Dessau: „Die Stumme von Portici“ von Auber (Vorstellung: 2. 5.2010)
Im Anhaltischen Theater Dessau steht zurzeit die selten gespielte Revolutionsoper „Die Stumme von Portici“ von Daniel-François-Esprit Auber in französischer Sprache (mit deutschen Übertiteln) auf dem Programm, die nach einer Aufführung in Brüssel am 25. August 1830 so starke revolutionäre Impulse gegen die Fremdherrschaft der Niederländer setzte, dass es zur Gründung des Staates Belgien kam. Als während der Einführung zur Oper am 2. Mai auf diese historisch belegte Tatsache hingewiesen wurde, winkte ein Zuhörer mit einer belgischen Flagge und nach dem „Revolutionsduett“ von Masaniello und Pietro im 2. Akt schwenkten auf dem Rang sogar einige Zuschauer kleine belgische Fahnen!
„La muette de Portici“ („Die Stumme von Portici“) wurde 1828 in Paris uraufgeführt – der Text stammt von Eugène Scribe und Germain Delavigne – und war damals nicht zuletzt wegen der aufwendigen Inszenierung und der historisch getreuen Kostüme und Kulissen eine Sensation. In Deutschland war das Werk vor allem an der Berliner Hofoper sehr erfolgreich, wo es ab 1829 bis zum Jahrhundertende 285 Mal gespielt wurde!
Die Handlung der fünfaktigen Oper, die 1647 in Neapel und Portici spielt, in geraffter Form: Alphonse, Sohn des Vizekönigs von Neapel, quält vor seiner Hochzeit mit Elvire Gewissensbisse, weil er einst das stumme Fischermädchen Fenella verführt hat, das dann von seinem Vater in den Kerker geworfen wurde. Unmittelbar vor der Hochzeitszeremonie gelingt es Fenella, aus dem Gefängnis zu fliehen und bei Elvira Schutz zu suchen. Als sie in dem Bräutigam ihren einstigen Geliebten erkennt und ihn mit beredten Gesten als ihren Verführer vor aller Augen anklagt, kann sie im Schutz der Neapolitaner vor den Soldaten fliehen. – Am Strand von Portici erfährt Masaniello von seinem Freund Pietro, dass die spanischen Soldaten des Vizekönigs seine Schwester Fenella verschleppt haben. Beide schwören Rache. Da erblickt Masaniello Fenella, die sich aus Gram über Alphonses Verrat ins Meer stürzen will. Was sie ihm nach ihrer Rettung stumm zu verstehen gibt, schürt Masaniellos Hass. Er ruft die Fischer zur Revolte gegen die Willkür und Tyrannei des Vizekönigs auf. – Elvire und Alphonse versöhnen sich. Als Selva, der Offizier der Leibwache, Fenella erneut zu verhaften versucht, gibt Masaniello das lang erwartete Zeichen zum Aufstand und bittet Gott um Beistand für die Aufständischen. – Masaniello ist über die blutigen Ausschreitungen gegen die Spanier erschüttert. Alphonse und Elvire verschlägt es auf ihrer Flucht aus Neapel in Masaniellos Fischerhütte. Im Zwiespalt ihrer Gefühle entscheiden sich Masaniello und Fenella, den Flüchtigen zu helfen. In den Augen der Fischer wird dadurch Masaniello zum Verräter. Während eine Delegation Neapels Masaniello huldigt, beschließt Pietro mit den Seinen Masaniellos Tod. – Pietro hat Masaniello ein langsam wirkendes Gift verabreicht, das zum Wahnsinn führt. Als Masaniello die Neapolitaner im Kampf gegen den zurückgekehrten Alphonse anführt, wird das offensichtlich. Fenellas drastische Schilderung der Schrecken, die von den Spaniern angerichtet werden, lässt ihn dennoch an der Spitze seiner Leute in den Kampf ziehen, wobei ein Ausbruch des Vesuvs den schaurigen Hintergrund bildet. Die auf der Flucht befindliche Elvire versucht Fenella zu überzeugen, ihr zu folgen. Von Alphonse erfährt Fenella, dass Masaniello bei dem Versuch, Elvire zu schützen, von seinen eigenen Gefolgsleuten umgebracht wurde, worauf sich Fenella aus Verzweiflung tötet.
Alphonse, Elvire und Fenella sind erfundene Figuren, wobei das literarische Vorbild für sie in Walter Scotts Peveril of the Peak aus dem Jahr 1823 zu finden ist. Die pantomimisch dargestellte Titelfigur, die einst von berühmten Primaballerinen wie Maria Taglioni und Fanny Elßler dargestellt wurde, ähnelt der Silvana aus Webers gleichnamiger Oper. Masaniello, 1620 in Neapel geboren, hieß in Wirklichkeit Tommaso Aniello. Als Anführer des Aufstandes 1647 gegen die spanische Regierung in Neapel ging er in die Geschichte ein.
André Bücker verlegte die Handlung der Oper in die heutige Zeit, wobei die Fischer ihrem Tagewerk auf der Werft nachgehen, die Besetzer Neapels Mafiosi sind und der Vizekönig ein Pate der Camorra ist, der im Rollstuhl sitzt. Dass die Mafiosi allesamt mit Gewehren bewaffnet sind und Alphonse mit einem Revolver, passt in diese Inszenierung. Als sich die „Verschwörer“ auf dem Markt von Portici versammeln, kommen deren Frauen gerade vom Shopping und zeigen einander ihre Einkäufe. In jeder Szene stolpern die Darsteller über nicht geleerte Müllsäcke – wohl eine Anspielung auf die hygienischen Zustände vor einigen Monaten in Neapel, wo es durch die wirtschaftliche Kontrolle der Camorra keine demokratische Rechtsordnung gibt, sondern eher besatzungsähnliche Zustände herrschen.
Das Bühnenbild von Jan Steigert vermittelte mit den Containern, die für die jeweilige Szene umgestellt werden konnten, die Atmosphäre einer Werft in einer Stadt am Meer ebenso wie die dazu passenden Videos von Christian Schrills und die über Lautsprecher tönenden Möwenlaute. Die auf die jetzige Zeit abgestimmten Kostüme stammen von Suse Tobisch.
Mit mächtiger metallischer Tenorstimme sang der Mexikaner Diego Torre, der in Dessau sein Europadebüt gibt, den Masaniello. Leider legte er zu viel Kraft in seine Stimme, wodurch er zwar manchmal sogar den stimmgewaltigen Chor übertönte, aber auch an seine Grenzen stieß. Der Tenor Eric Laporte als Alphonse und die Sopranistin Angelina Ruzzafante als Elvire gaben stimmlich und darstellerisch ein ideales Paar. Von den Gefährten Masaniellos überzeugten der Bass Wiard Witholt als Pietro und der Bariton Kostadin Aguirov als Borella sowohl stimmlich wie auch schauspielerisch. Die Titelrolle wurde von der Solotänzerin Gabriella Gilardi mit ausdrucksstarken Gesten, Sprüngen und Bewegungen blendend gespielt. Als Leiterin des kürzlich gegründeten Kinderballetts am Anhaltischen Theater gelang es ihr auch, immer wieder ihre Schützlinge in verschiedenen Szenen zu präsentieren. Der Opernchor des Anhaltischen Theaters (Leitung: Helmut Sonne) erfüllte seine in dieser Oper tragende Funktion voll und ganz und agierte sowohl als neapolitanisches Volk und als Werftarbeiter wie auch als Revolutionäre auf beeindruckende Weise. An Stimmkraft fehlte es ihm keinesfalls, nur schien die Personenführung in manchen Szenen zu kurz gekommen zu sein.
Die mit südländischem Kolorit, dramatischen Ensembles und Chorszenen versehene Partitur Aubers wurde von der Anhaltischen Philharmonie unter der Leitung von Antony Hermus – er ist seit 2009 Generalmusikdirektor des Anhaltischen Theaters – packend und mitreißend wiedergegeben. Wenn auch manches an der Inszenierung missfiel, an der musikalischen Qualität des Abends konnte man seine Freude haben! Die unkonventionelle musikalische Gestaltung der Oper „La muette de Portici“ bezeichnete übrigens Richard Wagner als „heiß bis zum Brennen, unterhaltend bis zum Hineinbeißen“. Und in seinen Erinnerungen an Auber schrieb er u. a.: „Wie dem Sujet am Schrecklichsten, aber auch am Zartesten nichts fehlte, so ließ Auber seine Musik jeden Kontrast, jede Mischung in Konturen und in einem Kolorit von so drastischer Deutlichkeit ausführen, dass man sich nicht entsinnen konnte, eben diese Deutlichkeit je so greifbar wahrgenommen zu haben.“
Das Publikum in Dessau, das schon nach dem 2. Akt in frenetischen Beifall verfallen war, feierte am Schluss der Vorstellung das gesamte Ensemble, den Chor, den Dirigenten und das Orchester mit minutenlangem, nicht enden wollendem Applaus! Bravorufe gab es für Diego Torre, die Tänzerin Gabriella Gilardi und die Anhaltische Philharmonie, die unter Antony Hermus groß aufgespielt hatte.
03.05.2010, 13:53 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
419
Alexander Hauer, Der Opernfreund (Print), http://www.deropernfreund.de/pageID_4251591.html und http://www.musenblaetter.de, 28.04.20210
Theater Dessau
La Muette de Portici
André Bückers Einstand als Opernregisseur an seinem Hause muss man als großen Wurf bezeichnen. Die Grand opéra wird zwar in gekürzter Form, ohne Ballett, gegeben, zeichnet sich aber durch eine kluge Neudeutung auf höchstem musikalischen Niveau aus.
Bücker verlegt die Handlung aus dem frühen 17. Jahrhundert in die Jetztzeit, aus den spanischen Besatzern werden Mafiaangehörige, aus den revoltierenden Fischern Werftarbeiter. Der Verlust pittoresker Bilder machen aber das Bühnenbild Jan Steigerts und die stimmigen Kostüme von Suse Tobisch wieder wett. Jene Oper um Macht und Ohnmacht, um die Kraft der Schwächeren, wenn sie sich zusammenschließen, wurde bei der Uraufführung eher delektiert, hatte einen sensationellen Erfolg weltweit, und führte, der Legende nach zur Ablösung Belgiens von den Niederlanden. Dieser revolutionäre Gedanke ging in der heutigen Zeit verloren, Bücker schafft aber einen stimmigen Einblick in das System Camorra, in deren Machtstrukturen, die unter anderem auch auf der stillschweigenden Duldung und der Angst der Bürger, basiert. Schon in der Ouvertüre zeigt Bücker die Unbarmherzigkeit dieses Systems auf, wenn die Mafiaschergen um Selva ein Kind entführen, um Fenella in ihre Fänge zu bekommen.
Fenella, diese Einmaligkeit in der Operngeschichte, in der die Titelfigur nicht singt, wird von Gabriella Gilardi mit größter Expressivität getanzt. Ihr Ausdruck und ihre beseelte Körpersprache korrespondiert auf dem gleichen, höchsten Niveau ihrer Sängerkollegen.
Antony Hermus zaubert mit der Anhaltischen Philharmonie feinsten französischen Klang aus dem Graben. Das Ensemble um die beiden Tenöre Diego Torre als Fanellas Bruder Masaniello, schafft es den hohen Ansprüchen seiner Partie das Beste herauszuholen. Sein Gegenspieler, ebenfalls Tenor, Alphonse, Eric Laporte ist ihm ebenbürtig. Alphonse Braut Elvira, jenes naive, weltfremde Mädchen, das die Beziehungen zwischen ihrem Bräutigam und Fanella nicht kennt oder wissentlich verdrängt, wird von Angelina Ruzzafante mit scheinbarer Mühelosigkeit interpretiert.
Angus Wood gestaltet seine kleine Rolle als Lorenzo spannend und konzentriert. Der Star unter den Bösen ist aber Ulf Paulsen der aus Selva einen Furcht erregenden, mit eiskaltem Bariton ausgestatteten, Mafioso macht.
Auf der Seite der „Guten“ kämpfen Kostadin Arguirov, Stephan Biener und Wiard Witholt mit Masaniello gegen das System. Dieses geschlossen gute Ensemble singt auf einem Niveau, dass man nicht alle Tage zu hören bekommt.
Neben den erstklassischen Solisten sei aber auch noch der von Helmut Sonne perfekt einstudierte Chor der Anhaltischen Oper erwähnt. Verstärkt durch Gäste des Coruso Chores, Berlin, unterstreicht er den mehr als perfekten Gesamteindruck des Abends.
Die Premiere endete unter frenetischem Applaus, sowohl für das Regieteam als auch für die musikalischen und tänzerischen Leistungen. Auf die DVD-Veröffentlichung sollte man sich freuen.
29.04.2010, 08:28 | tags:
Theaterpaedagogik
, Anhaltische Philharmonie
417
Franz Werfel, Mitteldeutsche Zeitung/Dessau-Roßlau, 29.04.2010
Orchester zum Greifen nah
GMD Antony Hermus lädt Kinder zur musikalischen Schnitzeljagd ein.
Wann wurde je Grundschülern anspruchsvolle Opernmusik so unmittelbar nahe gebracht? Jegliche „Durchgang verboten!“-Schilder im Bühnenbereich des Anhaltischen Theaters geflissentlich übergehend, Bühnentechnikern, beim Einstellen der Züge und Scheinwerfer sowie Malern und Tischlern bei ihrer Arbeit zusehend, begaben sich am vergangenen Montagvormittag rund 40 Dessauer Schüler auf eine spannende Schnitzeljagd. Angeleitet wurden sie von Generalmusikdirektor Antony Hermus, der dieses besondere Vermittlungskonzert – welch klares, wichtiges Bekenntnis! – kurzerhand zur Chefsache erklärt hatte. Als „Paten“ standen ihm die Theaterpädagogin Imme Heiligendorff und der Musikdramaturg Ronald Müller zur Seite.
Die Schüler „jagten“ den einzelnen Instrumentenstimmen der Ouvertüre von Georges Bizets „Carmen“ nach und staunten, wie am Ende jedes Instrument hörbar seinen Ort im Werk einnahm. „Oft gehen unsere Musiker ja direkt in die Schulen. Mit der Schnitzeljagd wollten wir die Kinder auch einmal in unser Großes Haus einladen“, erklärte Hermus.
Diese folgten dankbar der Einladung und lauschten zu Beginn der Streichergruppe, die, unterstützt von den Schlagzeugern, im großen Probensaal eine erste Hörprobe aus der Ouvertüre zum Besten gab. Violinistin Katja Wallraf erläuterte den gespannten Kindern die einzelnen Streichinstrumente, wies auf Unterschiede in Bauart und Tonumfang hin. Und die beiden Bassisten rockten spontan „Smoke On The Water“ auf ihren tiefen Streichinstrumenten. Bei den Schlagwerken sorgten besonders das unterschätzte Gewicht der großen Becken und die in der Tonhöhe per Pedal verstellbaren Pauken für Verwunderung. Als Dirigent Hermus überraschend Pult und Taktstock der neunjährigen Chanel überließ, waren ihr Freude (und für einen Moment auch Aufregung) ins Gesicht geschrieben. Wie es sich gehört, folgten die Musiker aufmerksam dem Tempo der kleinen Dirigentin, auch wenn ihre Arme gegen Ende des kurzen Stückes schwerer wurden.
Vorbei am Malsaal, in dem einer gefiederten Eule bei ihrer Genese für die nächste Schauspielpremiere „Carmen Kittel“ zugeschaut werden durfte, gelangten die jungen Zuhörer in den Chorprobensaal. Dort hatten sich die Blechbläser bereits eingerichtet und schmetterten ihren Carmen-Part. Nur der Tubist fehlte, wie die aufmerksamen Kinder sofort bemerkten, aber: „Der hat heute frei, der arbeitet sonst immer schon so viel“, scherzte ein Kollege, bevor er von den Schwierigkeiten einer Musikerlaufbahn und der damit verbundenen Übungsdisziplin, gerade in jungen Jahren, berichtete. Auch die Chemie kam nicht zu kurz, denn en passant lernten die Viertklässler noch, dass Gold ob seiner weicheren Beschaffenheit einen wärmeren Klang als Silber hat.
Barfuß machten es sich die Kinder anschließend im Ballettsaal gemütlich, in dem die Holzbläser ihre Melodien und Instrumente vorstellten, wobei jeder Musiker darauf hinwies, dass selbstverständlich sein Instrument das schönste sei.
Zum Abschluss der eineinhalbstündigen Schnitzeljagd fanden alle Kinder und Musiker im großen Probensaal zusammen. Die jungen Zuschauer durften nun heben ihren Lieblingsinstrumenten Platz nehmen – eng ging es vor allem bei den Schlagwerken und Kontrabässen zu. Diesmal dirigierte Hermus selbst, und der jetzt wieder zusammengesetzte Klangkörper Orchester konnte seine volle Schönheit und Kraft entfalten. Zurück blieben begeisterte Schüler und Lehrer sowie die offene Frage, warum so wenige Schulen an dieser genialen Musikvermittlung der anderen Art teilnahmen.
28.04.2010, 15:56 | tags:
Anhaltische Philharmonie
416
Pressemitteilung vom 28.04.2010
7. Sinfoniekonzert „Fügungen des Lebens“
„Fügungen des Lebens“ ist das 7. Sinfoniekonzert der Anhaltischen Philharmonie am 6. und 7. Mai, jeweils 19.30 Uhr, überschrieben. Daniel Carlberg, seit Beginn dieser Saison 1. Kapellmeister am Anhaltischen Theater, hat als Eröffnungsstück für sein Sinfoniekonzert das kurzweilige „Divertimento“ von Leonard Bernstein ausgewählt.
Anschließend erklingt das melodienreiche Violinkonzert von Erich Wolfgang Korngold. Der Komponist verarbeitete in dem 1947 uraufgeführten Werk einige der zahlreichen Filmmusiken, die er im amerikanischen Exil in Hollywood geschrieben hatte.
Solistin ist die junge Geigerin Tanja Becker-Bender, derzeit Professorin an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg. Die FAZ bescheinigte ihr „völlig ausgereifte Virtuosität und phänomenale Intensität des Ausdrucks und der Balance”.
Nach der Pause dirigiert Daniel Carlberg die 4. Sinfonie von Peter Tschaikowski. Deren Thema ist das Schicksal, „die verhängnisvolle Macht, die unser Streben nach Glück verhindert und eifersüchtig darüber wacht, dass Glück und Frieden nie vollkommen und wolkenlos werden“ (Tschaikowski). Doch im Finale freut sich der Held am Glück der anderen, „und das Leben ist doch zu ertragen“. Mehr über die Hintergründe der erklingenden Werke können die Besucher wie immer in der Konzerteinführung erfahren, die an beiden Abenden jeweils 18:30 Uhr im Foyer stattfindet.
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel:
0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über
die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr |
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
27.04.2010, 16:52 | tags:
Anhaltische Philharmonie
414
Franz Werfel, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 27.04.2010
Frühlingsgefühle im Dreivierteltakt
Mit einem Wunschkonzert begrüßt das Orchester vor ausverkauftem Haus die wärmeren Jahreszeiten.
Die Bühne des Anhaltischen Theaters Dessau holzgetäfelt und mit grünenden Topfpflanzen drapiert, dazu im Hintergrund eine große Leinwand, die im Laufe des Konzertabends die Topfpflanzen in freier Wildbahn zeigte und damit Hörbares sichtbar machen wollte – spätestens bei dieser Kulisse dürften sich am frühen Sonntagabend beim dankbaren Publikum längst überfällige Frühlingsgefühle eingestellt haben.
Es war das erste Wunschkonzert in der 243 Jahre umfassenden Orchesterhistorie, wie Ronald Müller, Musikdramaturg des Hauses und Moderator des Abends, erläuterte. Daran beteiligten sich 252 Interessierte und votierten im Vorfeld per Karte oder im Internet für verschiedene Orchesterwerke großer Wiener Komponisten.
Dessaus Erster Kapellmeister Daniel Carlberg dirigierte die Philharmoniker von Beginn an konzentriert und erfrischend – teilweise vom Cembalo aus. Die Ouvertüre zu Mozarts „Entführung aus dem Serail“ eröffnete den bunten Konzertabend. Nach drei Tänzen aus der Feder des gebürtigen Salzburgers bildete die Ouvertüre zur „Hochzeit des Figaro“ den Abschluss des Mozart-Potpourris. Die Tamino-Arie „Dies Bildnis ist bezaubernd schön“ intonierte Ensemblemitglied Angus Wood spontan, nachdem die angekündigte Solistin des Abends, Sopranistin Cornelia Marschall, kurzfristig erkrankt war. Da Wood noch am Abend zuvor in der Opernpremiere der „Stummen von Portici“ brilliert hatte, verzieh man ihm gern seine Schwierigkeit im Ansatz des zweiten Arienteiles.
Umso glanzvoller gelang ihm nach der Pause „Dein ist mein ganzes Herz“ aus Franz Lehárs Operette „Das Land des Lächelns“.
Vor frühlingsbeblühten Bergwiesen interpretierten die Dessauer Musiker anschließend präzise forsch den 1. Satz aus Franz Schuberts 5. Sinfonie in B-Dur, womit der Streifzug durch den Wiener Musikwald fortgesetzt wurde.
Ebenso als Ersatz für Cornelia Marschall konnte die Berliner Sopranistin Johanna Krumin noch wenige Stunden vor dem Konzert verpflichtet werden. Beeindruckend, wie sie mit ihrer starken Stimme Schuberts „Der Hirt auf dem Felsen“ im perfekten Duett mit dem Soloklarinettisten Reinhard Gutte intonierte, auch wenn der Text des Dessauer Lyrikers Wilhelm Müller bei deutlicherer Artikulation gerade an diesem Ort gern verstanden worden wäre. Krumin sang dagegen die Arie „Draußen in Sievering“ aus Strauss’ Operette „Die Tänzerin Fanny Elßler“ wunderbar.
Als Glücksfee loste die Berlinerin zudem drei Besucher aus, die sich an der Abstimmung beteiligt hatten, und beschenkte diese mit Freikarten.
Ferner begeisterten unter anderem ein hervorragendes, auswendig gehaltenes Dirigat der Ouvertüre zur „Fledermaus“ (dem Publikum wurde dabei unter Begeisterungsrufen eine Neuinszenierung der beliebten Strauss’schen Operette im Dezember dieses Jahres versprochen) und der mittlerweile zum Schlager avancierte Marsch „Wien bleibt Wien“ Johann Schrammeis. Dem fulminanten Abschluss (Strauss’ obligatorischer „Kaiser-Walzer“) folgten ein langer, enthusiastischer Applaus sowie zwei Zugaben.
„Eigentlich wollten wir uns den Radetzky-Marsch heute schenken“, schmunzelte ein zufriedener Ronald Müller nach dem dreistündigen Konzert. Doch das Publikum klatschte beharrlich weiter, bis der beliebte Rausschmeißer des Johann Strauss Vaters schlussendlich doch noch gespielt wurde.
Das Konzert wird zum Tag der offenen Tür am 6. Juni um 17 Uhr mit Sängerin Cornelia Marschall wiederholt.
15.04.2010, 21:42 | tags:
Ballett
, Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
397
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 16.04.2010
Am 15. Mai in Dessau
Carmina Burana für ganz Eilige passt ins Fest-Quartett
"Wir haben noch Platz für viel mehr Leute." Ja, die Dessauer Theaterbühne ist groß und Antony Hermus weiß das. 500 Menschen, so der Generalmusikdirektor, würde man unter bekommen. Viele fehlen dafür nicht mehr. Mit Stand von Donnerstagmittag haben sich bislang 327 Sängerinnen und Sänger für das Scratch-Konzert am 15. Mai im Anhaltischen Theater angemeldet.
Mitten in das erste Elbmusikfest der Neuzeit ist dieses Scratch-Konzert eingebettet. Das Prinzip ist schnell erklärt. "80 Prozent des Ergebnisses erreichen wir in 20 Prozent der Zeit", lacht Hermus, und tatsächlich ist die Zeit knapp. Nur einen Tag Probe gesteht man den Sängern zu. Denn die Idee des Scratch-Konzertes besteht darin, mit einem Chor aus Hobby-Sängern innerhalb von 24 Stunden Carl Orffs Chorwerk "Carmina Burana" einzustudieren und das Ergebnis in einer öffentlichen Aufführung zu präsentieren.
Dass so etwas geht und dabei auch noch gut klingt, vor allem aber jede Menge Spaß macht, Mitwirkenden wie Zuhörern gleichermaßen, hat Antony Hermus schon andernorts erlebt. Drei Mal leitete er solche Scratch-Konzerte bereits in Hagen. Bis zu 450 Hagener konnte man mobilisieren, mitzumachen.
Dass dies auch in Dessau zu schaffen ist, ist Hermus zuversichtlich. Schon jetzt ist das Konzert eine Sache der gesamten Region, aus Städten ringsum sind Anmeldungen eingegangen, von Kinderchören bis zu singenden Senioren. "Man muss sich einfach rantrauen und muss gar keine ausgebildete Stimme haben", erklärt Hermus, der sich einen "Tag der genussvollen Musik" erhofft.
Er zieht auch den Hut vor den Musikern der Anhaltischen Philharmonie, denn normalerweise hätten die stets den Anspruch, ein perfektes Konzert zu spielen. Diesmal aber seien die Wagnisse weitaus größer. "Alle wissen, dass wir nur einen Tag Zeit haben, das ist ein ganz anderes Arbeiten", sagt der Dirigent, der sich auf die Energie freut, die von so vielen Sängern und dem Orchester ausgehen wird. "Wir werden erleben, was Musik ausmacht: das selbst Mitmachen."
Ohnehin ist das Elbmusikfest, das es als Fest regionaler Chöre schon einmal im 19. Jahrhundert in Dessau gab, ein Fest des Gesangs. So sind es die Wagner-Chöre des "Lohengrin" mit denen das Fest am 13. Mai beginnt. "Ich bin stolz und froh, dass das Elbmusikfest mit dieser Oper eröffnet wird", so Regisseurin Andrea Moses, die deutschlandweit für ihre politische Lesart des Stoffes von der Kritik gelobt wurde. "Wir brauchen sehr viel mehr politisches Theater, um die Leute zum Mitdenken zu ermutigen", findet Dessaus Chefregisseurin, die sich mit ihren Arbeiten auch in der Tradition von Walter Felsenstein sieht.
So wie das Elbmusikfest mit großen Chören beginnt, endet es auch am 16. Mai, allerdings mit großer französischer Choroper: "Die Stumme von Portici". Noch kennt niemand diese Aufführung, mit der sich Generalintendant André Bücker auch als Opernregisseur dem Publikum vorstellt. Die Premiere der Oper von Daniel F. E. Auber ist am 24. April. Ein "dankbares Stück für unser Sängerensemble" nennt André Bücker das Werk und freut sich über seine erste Zusammenarbeit mit Antony Hermus im Musiktheater. Mit Diego Torre habe man zudem einen hervorragenden jungen Tenor verpflichten können, der während der Probenzeit sein Debüt an der Metropolitan Opera New York in "Aida" gab.
Ohne einen Chor, dafür aber mit den Ausdrucksmitteln des Tanzes, kommt die vierte Aufführung des Elbmusikfestes aus, die das Quartett komplettiert. Am 14. Mai wird im Anhaltischen Theater das Ballett "Lulu" gezeigt, das Tomasz Kajdanski choreographierte. "Ich habe mir vorgenommen, dass unser Ballettensemble ein Gesicht bekommt", so Kajdanski. Mit "Lulu" sei dies gelungen. Die Musik für "Lulu" kommt von der Anhaltischen Philharmonie, die tatsächlich keinen Abend des Elbmusikfestes auslässt und sich ein paar aufführungsfreie Tage nach diesem verlängerten musikalischen Wochenende vor Pfingsten verdient haben dürfte.
Karten für das Elbmusikfest 2010 mit "Lohengrin" (13. Mai, 18 Uhr), "Lulu" (14. Mai, 19 Uhr), Scratch-Konzert "Carmina Burana" (15. Mai, 19 Uhr) und "Die Stumme von Portici" (16. Mai, 17 Uhr) gibt es an der Theaterkasse im Rathaus-Center, Telefon 0340 / 2 40 02 58.
08.04.2010, 13:43 | tags:
Anhaltische Philharmonie
384
Pressemitteilung vom 08.04.2010
6. Kammerkonzert entfällt krankheitsbedingt
Das für den 17. April um 15:30 Uhr im Schloss Georgium geplante Kammerkonzert des Anhaltischen Theaters muss krankheitsbedingt entfallen.
Das Konzert wird in der nächsten Spielzeit nachgeholt. Gekaufte Karten können gern an der Theaterkasse umgetauscht werden.
Kartenumtausch über Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über
die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr |
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de und an der Abendkasse.
07.04.2010, 12:38 | tags:
Anhaltische Philharmonie
383
Pressemitteilung vom 07.04.2010
Wunschkonzert „Frühling in Wien“ ausverkauft
Am Tag der offenen Tür des Anhaltischen Theaters, am 6. Juni, gibt die Anhaltische Philharmonie um 17.00 Uhr ein Sonderkonzert. Da das Wunschkonzert „Frühling in Wien“ am 25. April bereits ausverkauft ist, wird es am 6. Juni in ähnlicher Form wiederholt. Unter der Leitung von Daniel Carlberg und mit Cornelia Marschall als Solistin erklingen dann noch einmal beliebte Melodien von Mozart, Schubert, Johann und Josef Strauß, Franz Lehár u.a. Bei diesem Konzert soll auch der Gewinner des Dirigenten-Castings, das am Tag der offenen Tür stattfindet, mit einem Dirigat einbezogen werden.
Karten für das Sonderkonzert erhalten Sie bereits jetzt an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über
die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr |
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
05.04.2010, 20:05 | tags:
Anhaltische Philharmonie
382
Ute van der Sanden, Mitteldeutsche zeitung/ Dessau-Roßlau, 06.04.2010
Notizen aus Partitur befolgt
Das war ein Schumann, wie ihn Dessau schon lange nicht mehr gehört hatte. Passend zum 200. Geburtsjahr des Komponisten stand seine d-Moll-Sinfonie auf dem Programm des jüngsten Abonnementkonzerts.
Interessant vom ersten Takt
Der Zählung nach gilt sie als Schumanns viertes, entstanden war sie jedoch unmittelbar nach dem ersten, "Frühlingssinfonie" genannten Orchesterwerk - zumindest in der Urfassung. So klang es auch: Ursprünglich, heiter und mit einer Konsequenz transparent, die am Ende alle Erwartungen übertraf. Der Generalmusikdirektor verzichtete auf jedwede Ingredienz für eine romantische Soße, die sich mit Hilfe dieser Partitur und vor allem der oft bemängelten Schumannschen Instrumentierung auch anrühren lässt: Klangballast, statisches Fortissimo, langsame Tempi, schwülstige Agogik. Antony Hermus' Version bejubelte viel eher den Frühling, als dass sie mit dem Ende der Karwoche und dem schwermütigen Konzertmotto "Klagelieder" leiden wollte. Seine quicklebendige Leitung kam einer gestalterischen Herausforderung an das Orchester gleich. Es verlieh dem Finalwerk des Abends Optimismus, Energie, Kraft und Elan - Eigenschaften also, aus denen der Geist der Klassik sprach.
Schön war's und vom ersten bis zum letzten Takt interessant. Hermus näherte sich dem attacca verbundenen Viersätzer von der gesanglichen Seite, vom Klangsinnlichen her. Vielleicht hat man die Holzbläser deshalb selten so kantabel vernommen. Neben bildschönen Soli von Violine und Cello im zweiten, dem witzigen Tänzeln im dritten und einer dramatischen Anwandlung vor dem vierten Satz, neben gründlicher Differenzierung in Dynamik, Artikulation und Ausdruck besaß diese "Vierte" einen weiteren Vorzug: ihre emotionale Mitteilsamkeit, ihr musikantisches Sendungsbewusstsein.
Wie sehr eine mit so viel Herzblut offerierte Schumann-Sinfonie zu begeistern vermag, zeigte der Applaus - zumal Hermus den Finalsatz gejagt hatte, als werde er von einer Stoppuhr verfolgt. Die Beschleunigung war vom Komponisten wohl auch intendiert, hatte er doch Vorschriften wie "Stringendo" und "Schneller" bis zum "Presto" in die Partitur notiert. Das reizten die Dessauer Musiker aus, ohne ihren weichen Grundton und die rhythmische Präzision zu vernachlässigen. Kurzum: Mit Schumann hatten der Konzertabend, Antony Hermus und das Orchester ihren Meister gefunden.
Jenseits der Massenunterhaltung
Der Solist Julian Steckel wäre für ein großes romantisches Cellokonzert sicher ausgiebiger gefeiert worden als für "Schelomo". Dass er die zauberhafte, aber nicht allzu populäre "Hebräische Rhapsodie" von Ernest Bloch spielte, bekräftigte seine künstlerische Seriosität und sein Wirken jenseits der Massenunterhaltung. Mit Blochs bedeutungsprallem Porträt des Königs Salomon, mit dem orientalischen Kolorit des Werkes und der Korrespondenz zwischen dem lyrischen Ich der Solostimme und dem Orchestersatz wirkte Julian Steckel wesentlich vertrauter als das immerhin souverän begleitende Dessauer Ensemble. Steckels klarer, direkter, aufgeweckter Ton zeigte in der Tiefe ein hinreißend sonores Timbre, die Intensität seines Espressivo-Spiels war unwiderstehlich.
Mehr konzeptionelle Sorgfalt wäre einzig dem Eingangswerk zu wünschen gewesen, den Raffinessen und Wechselspielen des Haydnschen Satzes, seinen Tempi, den überraschenden Forte-Akkorden auf der dritten Zählzeit im Trio. "Lamentatione" konnte sich gegen die gewichtigen nachfolgenden Werke nicht behaupten.
Das ohnehin fragmentarisch anmutende, weil nach dem Menuett abbrechende dreisätzige Stück wirkte ohne Da-capo-Teile wie eine Einspielübung - trotz agilen Dirigats, tadellos artikulierender Streicher und bestens disponierter Bläser. Die lukrative Gesamtdauer des Konzerts von nur gut neunzig Minuten hätte die Wiederholungen übrigens gut verkraftet.
01.04.2010, 15:59 | tags:
Anhaltische Philharmonie
381
Pressemitteilung vom 01.04.2010
Musikalische Schnitzeljagd im Theater
Eine besondere Form des Schülerkonzerts findet am Montag, 26. April um 10.30 Uhr im Anhaltischen Theater statt.
Aufgeteilt in vier Gruppen erleben die Grundschüler und Kinder im Vorschulalter das Vorspiel aus Bizets Oper „Carmen“ an verschiedenen Orten im Haus, die ein Theaterbesucher sonst nicht kennenlernt. Dort stellen Musiker der Anhaltischen Philharmonie in kleinen Gruppen ihre Instrumente vor. Die Kinder können nicht nur hören und staunen sondern auch probieren, wie die Instrumente klingen und sich im Zusammenspiel verändern. Die Veranstaltung dauert etwa eine Stunde. Die Leitung des Schülerkonzerts hat Generalmusikdirektor Antony Hermus.
Tickets zum Preis von drei Euro und Informationen erhalten Sie an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über
die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr |
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
26.03.2010, 14:01 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
367
25.03.2010, 10:17 | tags:
Anhaltische Philharmonie
365
dpa, Mitteldeutsche Zeitung/Dessau-Roßlau, 25.03.2010
500 Teilnehmer für Scratch-Konzert erwartet
Hobbysänger studieren binnen 24 Stunden «Carmina Burana» ein - Aufführung am 15. Mai
Am Anhaltischen Theater Dessau wollen mehrere hundert Hobbysänger binnen 24 Stunden «Carmina Burana» einstudieren. Für das sogenannte Scratch-Konzert am 15. Mai haben sich bislang 252 Sängerinnen und Sänger aller Generationen angemeldet, wie eine Theatersprecherin am Mittwoch sagte. Sie rechnet mit 400 bis 500 Teilnehmern. Diese studieren das berühmte Orff'sche Werk zusammen mit Solisten und dem Opernchor des Theaters unter der Leitung von Generalmusikdirektor Antony Hermus ein. «Scratch» steht in etwa für «zusammengewürfelt». Die Noten muss jeder selbst kaufen, zudem wird ein «Verköstigungsbeitrag» fällig.
24.03.2010, 13:07 | tags:
Anhaltische Philharmonie
364
Pressemitteilung vom 24.03.2010
6. Sinfoniekonzert [Klagelieder]
Am Gründonnerstag und Karfreitag, am 1. und 2. April, findet jeweils um 19:30 Uhr das 6. Sinfoniekonzert der Anhaltischen Philharmonie statt.
Mit der „Lamentatione“ -Sinfonie [Nr. 26] von Joseph Haydn steht am Beginn ein Werk, das mit seinen verwendeten gregorianischen Choralmelodien auf die Karwoche Bezug nimmt. Der aus der Schweiz stammende Ernest Bloch wurde ab 1916 in den USA zu einem anerkannten Komponisten national-jüdischer Musik. Sein bekanntestes Werk ist die 1916 entstandene Hebräische Rhapsodie für Cello und Orchester „Schelomo“ – ein musikalisches Porträt des alttestamentarischen Königs Salomon, das in seiner großen Emotionalität direkt zum Herzen spricht.
Als Solist konnte der junge, bereits mehrfach preisgekrönte Cellist Julian Steckel verpflichtet werden. Nach der Pause erklingt Robert Schumanns 4. Sinfonie in d-Moll. Am Dirigentenpult steht Generalmusikdirektor Antony Hermus. Gemeinsam mit Musikdramaturg Ronald Müller lädt er auch um 18:30 Uhr zur Konzerteinführung im Foyer ein.
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Abendkasse und an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
23.03.2010, 14:34 | tags:
Ballett
, Schauspiel
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, Anhaltische Philharmonie
361
Pressemitteilung vom 23.03.2010
Zum Osterspezialpreis ins Theater
Das Anhaltische Theater bietet zu Ostern drei Stücke zum Spezial Preis von jeweils 8,- Euro an.
Am Dienstag und Mittwoch, den 30. und 31. März, um 19.30 Uhr wird im Alten Theater das Schauspiel von Einar Schleef „Abschlussfeier“ in der Regie von Armin Petras aufgeführt. Das Stück nimmt die Zuschauer mit in eine DDR-Jugendherberge am Ende der 70er Jahre. Die Inszenierung entstand als Koproduktion mit dem Maxim Gorki Theater Berlin.
Ballett gibt es auf der Bauhausbühne zu sehen am Karfreitag, Ostersamstag und -sonntag. Tänzer und Tänzerinnen des Anhaltischen Theaters präsentieren mit „Hermes in der Stadt“ erstmals eigene Choreographien, acht kurze und kraftvolle Szenen in einer Koproduktion mit der Stiftung Bauhaus Dessau. Inspiration hierfür waren die Texte von Lothar Trolle, der am 2. April für Gespräche mit dem Publikum anwesend sein wird. Moderiert wird das Gespräch von Andreas Hillger, Kulturredakteur der Mitteldeutschen Zeitung.
Mit „Candide“, Regie Cordula Däuper, wird am Ostermontag im Großen Haus Leonard Bernsteins kühnste Schöpfung für die Musiktheaterbühne gezeigt, eine Mischung aus Musical, klassischer Operette und komischer Oper. Die Vorstellung beginnt um 17 Uhr.
Tickets zu 8,- Euro erhalten Sie ab sofort über:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr | Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
22.03.2010, 15:12 | tags:
Ballett
, Schauspiel
, Musiktheater
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358
Pressemitteilung vom 22.03.2010
Theaterwelten - Festliche Konzertgala zum Welttheatertag
Am 27. März 2010 findet im Anhaltischen Theater um 19.30 Uhr eine Festliche Konzertgala unter dem Motto „Theaterwelten“ statt. Seit 1961 ist dieser Tag vom Internationalen Theaterinstitut der UNESCO zum Welttag des Theaters ausgerufen.
Alle vier Sparten des Anhaltischen Theaters (Musiktheater, Ballett, Schauspiel und die Philharmonie) nehmen ihr Publikum mit auf eine unterhaltsame Reise durch verschiedene Länder dieser Erde und zeigen die große Vielfalt ihres künstlerischen Spektrums. Unterwegs erklingt unter anderem Musik von Wagner, Dvorák, Elgar, Offenbach, Strauß, Abraham, Weill. Der musikalische Reiseleiter heißt Generalmusikdirektor Antony Hermus, der Moderator Thorsten Köhler.
Als Solisten wirken mit: Angelina Ruzzafante, Ulf Paulsen, Andrew Sritheran, Angus Wood Jan Kersjes, Matthieu Svetchine und Karl Thiele.
Die Initiative „Land braucht Stadt“ hat zu einer großen Demonstration gegen die Sparpläne der Stadt Dessau aufgerufen. Diese beginnt am Welttheatertag um 15 Uhr am Tierpark und endet vor dem Anhaltischen Theater, wo weitere sportliche und kulturelle Aktionen geplant sind.
19.03.2010, 10:43 | tags:
Anhaltische Philharmonie
353
Pressemitteilung vom 19.03.2010
5. Kammerkonzert im Schloss Georgium
Im 5. Kammerkonzert des Anhaltischen Theaters am 20. März, 15.30 Uhr im Schloss Georgium erklingt Musik für Streichquartett. Katja Wallraf und Uta Hauser (Violinen), Svetlana Kamburova (Viola) und Doreen Büring (Violoncello) spielen die „Italienische Serenade“ von Hugo Wolf, das 3. Quartett B-Dur op. 67 von Johannes Brahms sowie das 2. Quartett des Janácek-Schülers Pavel Haas. In letzterem Stück erhalten die vier Damen Unterstützung von Schlagzeuger Jacob Janke.
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Abendkasse und an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
18.03.2010, 17:54 | tags:
Anhaltische Philharmonie
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Johannes Killyen, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 16.03.2010
Ein Solopart mit Teamgeist
SINFONIEKONZERT Philharmonie präsentiert den Zuhörern musikalische Helden.
Der amerikanische Satiriker Peter Schickele hat die Steigerungsformen musikalischer Heldenverehrung einmal so beschrieben: „Beethoven tat es mit seiner Siegesmusik für Wellington, Tschaikowski mit der 1812-Ouvertüre für die Russen - und Richard Strauss mit dem ‚Heldenleben' für sich selbst“.
Orchestrale Materialschlacht
Der Seitenhieb auf die 1898 entstandene Tondichtung von Strauss ist boshaft, doch passend: Da tritt großspurig der Held auf (natürlich Strauss selbst), widersetzt sich heroisch (wie sonst?) seinen Widersachern, lässt sich auch von der schönen Gefährtin nicht beirren, zieht unter Blechgeschmetter in den Kampf, um hernach die Welt mit Friedenswerken zu beglücken und ihr am Ende zu entsagen.
Ein streitbares, verstörendes Werk, dieses „Heldenleben“ – eine orchestrale Materialschlacht und doch auch zart gewebt wie ein feines Seidentuch. Donnerstag war das Stück zum Abschluss des 5. Sinfoniekonzertes der Anhaltischen Philharmonie zu erleben, am Pult stand Generalmusikdirektor Antony Hermus. Seinen Mut mochte man schon vor dem ersten Ton loben, denn wer die Kräfte zehrende, technisch in höchstem Maße anspruchsvolle Tondichtung live aufführt, begibt sich in harte Konkurrenz zu Massen von CD-Einspielungen.
Doch frisch gewagt war in diesem Fall auch schon gewonnen, denn das Dessauer Orchester bestand die harte Bewährungsprobe blendend - und das, obwohl Hermus zumindest am Anfang ein furioses Tempo vorgab und die Horngruppe von acht auf sechs reduziert worden war. Am schönsten war, dass bei aller Herausforderung nicht das technisch Machbare im Vordergrund stand, sondern die Strauss’sche Musik mit all ihren Nuancen.
Sei es die entschieden und virtuos gespielte Sologeige von Myra van Campen-Bálint, das Englischhorn, das solistische Waldhorn oder die in Mannschaftsstärke vertretene Schlagzeuggruppe: Jede Emotion, jede Regung in der Partitur wurde ernst genommen und gestaltet. Und in pulsierenden Streichpassagen, in kecken Holzbläsereinwürfen waren sogar Töne zu hören, die bei CD-Aufnahmen einfach verloren gehen. Das Heldenleben endete im Glück.
Star an der Bratsche
Doch begegnete man an diesem Abend noch weiteren Helden: zu Beginn etwa dem tragischen Feldherren Coriolan, der nur Böses im Schilde führt und für die einzige gute Tat mit dem Tod bestraft wird. Folgerichtig dominieren auch in Beethovens „Coriolan“-Ouvertüre dunkle Farben; Hermus skizzierte einen düster gestimmten Helden, der von Anfang an weiß, dass er verloren hat: kein brillanter, aber ein solider Konzertbeginn. Schließlich wäre bei Paul Hindemiths „Bratschenkonzert nach alten Volksliedern“ in der poetischen Figur eines „Schwanendrehers“ (der im dritten Satz vorkommt) ein weiterer Held zu vermuten gewesen.
Doch der Star stand in modischem Knitteranzug leibhaftig auf der Bühne, erinnerte mit dem Dreitagebart ein wenig an Nigel Kennedy, hieß aber Nils Mönkemeyer und spielte die Viola. Und wie!
Viel ist über den 32-Jährigen geschrieben worden, der jetzt schon mehr gegen das Mauerblümchen- Image seines Instruments getan hat als Generationen von Bratschern vor ihm. Sobald die Musik begonnen hatte, präsentierte er sich aber gar nicht als extrovertierter Superstar, sondern füllte den ins Orchester hinein geschriebenen Solopart mit Teamgeist aus: berückend schön, zupackend und natürlich ohne Fehl und Tadel.
Bezeichnend für die chronische Suche nach guten Violastücken war freilich, dass Mönkemeyer als Solozugabe einen langsamen Satz aus Bachs G-Dur-Cellosuite spielte. In der Pause lud der Solist noch zur Autogrammstunde - was sich für einen musikalischen Helden ja auch gehört.
18.03.2010, 06:43 | tags:
Anhaltische Philharmonie
349
Ute van der Sanden, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 18.03.2010
«Wir wollen Spaß miteinander»
Philharmonie trifft Stadtteilschule - eine musikalische Weltreise in der Marienkirche
"Und so ist das Leben", schrieb einst Tschaikowsky über seine vierte Sinfonie, "ein unentwegter Wechsel harter Wirklichkeit mit flüchtigen Träumen von Glück." Das Mädchen sprach's und ging ab. Die Musiker aber setzten die Instrumente an, der Dirigent hob den Taktstock. Und dann flitzte das Sinfoniefinale so quietschvergnügt von der Bühne, dass einem gar nicht mehr nach harter Wirklichkeit zumute sein konnte.
Endlich. Wurden bisher lediglich die Dessauer Gymnasiasten in die orchestrale Grundversorgung einbezogen, spielt die Anhaltische Philharmonie neuerdings auch für einen Schultypus, der den wesentlich größeren Anteil von Schülerinnen und Schülern auf das Leben danach vorbereiten soll. Erstmals gab's am Dienstag ein Konzert für die Sekundarschule "Am Rathaus". Einiges daran war anders als sonst: Das Ereignis fand nicht in der Schulaula statt, sondern an einem richtigen, will sagen offiziellen Veranstaltungsort, in der Marienkirche. Und nicht zur Unterrichtszeit, sondern nach Feierabend. So konnten auch Familien mit.
Für Geschwister, Eltern und Großeltern war die Teilnahme freilich fakultativ. Umso erfreulicher, dass der Saal rappelvoll war und sogar zusätzliche Stuhlreihen aufgebaut wurden. Während der gut einstündigen Vorstellung herrschte so etwas wie Straßenfest-Gelassenheit. Dass die Bühne zu klein ist für ein Sinfonieorchester und die Akustik alles andere als ideal - was machte das schon? Zugehört wurde trotzdem. Das lag an den Straßenfegern, die die Philharmonie während ihrer musikalischen Weltreise vorlegte. "Musik und Geographie" hieß das diesjährige Jugendkonzert, "weil viele Komponisten in ihrer Musik Natureindrücke verarbeitet haben", wie die jugendliche Sprecherin begründete. Unter Leitung von Kapellmeister Daniel Carlberg ließen die Dessauer Musiker Richard Wagners "Lohengrin"-Vorspiel antanzen, fegten alsdann Edvard Griegs "Höhle des Bergkönigs" durch, ruderten kräftig auf der "Moldau" von Bedrich Smetana und ließen auch Leonard Bernsteins "Candide"-Ouvertüre ordentlich krachen.
Die Trommeleinlage der drei mosambikanischen Perkussionisten passte zwar nicht unbedingt ins sinfonische Programm, dafür war deren Auftritt atmosphärisch umso wichtiger: Auch sie gehören ins Kulturleben der Stadt. Nicht nur, weil sie seit 22 Jahren in Dessau zu Hause sind, sondern erst recht und umso mehr nach den neuerlichen Demonstrationen vom vergangenen Wochenende. "Wir wollen Spaß miteinander haben", verkündeten sie unter Beifall.
Aus Paris gab's ein Chanson, "L'Accordéoniste" mit Daniela Hosang am Akkordeon und Anne Weinkauf vom Opernchor. Edward Elgars erster Marsch aus "Pomp and Circumstance" beendete die Estrade mit Verweis auf die "Last Night of the Proms" in London. Wer wollte, durfte den Nachmittag durchaus als deren kleine Dessauer Schwester begreifen.
Sympathisch, wie die Mädchen und Jungen der Sekundarschule ihre bündige, informative Moderation vortrugen und nicht auf den Hinweis verzichteten, "das Wasser der Moldau sprudelt im berühmten Budweiser Bier". Passend zum jeweiligen Ausflugsort wurden Urlaubsdias an die Großleinwand im Bühnenhintergrund projiziert. Von Schülern. Sie zeigten die Bilder der Welt, Polarlicht und russische Birken, auch einen Vertreter der Grenadier Guards unter putziger Bärenfellmütze.
Selbstverständlich wurde im Saal getuschelt und ungeniert manches Bonbon ausgewickelt. Allzu unruhige Geister hatten resolute Lehrerinnen im Blick und im Griff. Und klar liefen die Kids während der Musikbeiträge aufs Klo. Bis eine Pädagogin die Neuankömmlinge kopfschüttelnd abwies. Derweil tanzte ein kleines kraushaariges Mädchen mit weit ausgebreiteten Armen vor der Bühne zur "Moldau". Ihnen habe es gefallen, sagten anschließend einige Mädchen und Jungen. Was besonders? Alles eigentlich! Die meisten aber wollten gar nichts sagen.
Applaudiert haben viele. Auch mal an der falschen Stelle, na und? Bei den anderen wird sich schon noch herumsprechen, dass sie klatschen dürfen, wenn's schön war. Nur wenigen konnte man ansehen, dass sie nicht ganz freiwillig gekommen waren. Auch okay. Denn "wenn sie nur mal die Stöpsel aus den Ohren nehmen, ist schon eine Menge gewonnen", reflektierte ein Musiker.
Wer es richtig fein haben will, kann ja die Sinfoniekonzerte besuchen. Außerdem gibt es noch mehr Sekundarschulen in Dessau. Und in Roßlau natürlich auch.
02.03.2010, 17:48 | tags:
Anhaltische Philharmonie
304
Pressemitteilung vom 02.03.2010
„ECHO Klassik“ – Preisträger zu Gast im 5. Sinfoniekonzert der Anhaltischen Philharmonie
Gast im 5. Sinfoniekonzert der Anhaltischen Philharmonie am 11. und 12. März ist der Bratschist Nils Mönkemeyer, den das Klassik-Magazin „Rondo“ unlängst als „erstes deutsches Bratschenwunder“ bezeichnete. Für seine Debüt-CD erhielt der 32-Jährige den „Echo Klassik 2009“ als Nachwuchskünstler des Jahres.
Der inzwischen international gefragte Mönkemeyer spielt in Dessau das Bratschenkonzert „Der Schwanendreher“ nach alten Volksliedern, das sich Paul Hindemith, der ein hervorragender Bratschist war, 1935 für den eigenen Gebrauch auf den Leib geschrieben hat.
Den Konzertabend eröffnet Beethovens „Coriolan“-Ouvertüre, und nach der Pause steht als Hauptwerk die Tondichtung „Ein Heldenleben“ von Richard Strauss auf dem Programm. Strauss beschreibt darin keinen Helden aus Literatur, Mythologie oder Geschichte, sondern einen Künstler – sich selbst im Alter von 34 Jahren! Der Vorwurf einer „Privat-Eroica“ und eines „Kolosses auf tönernen Füßen“ blieb dem Werk denn auch nicht erspart. Und trotzdem: Ein fulminantes, opulentes Stück Musik – ein Fest für jedes Orchester und ein Genuss für jeden Zuhörer! GMD Antony Hermus dirigiert die Anhaltische Philharmonie.
Konzerteinführung am 11. und 12. März jeweils um 18:30 Uhr im Foyer
Tickets und Informationen erhalten Sie unter: Theaterkasse Rathaus-Center
Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr |
Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr |
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
18.02.2010, 07:25 | tags:
Anhaltische Philharmonie
, Diverses
284
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 18.02.2010
Musik für Kaffee im Salon
Salonorchester Papillon gibt Samstag im Theaterrestaurant 100. Konzert
Es wird sein wie immer. Das Theaterrestaurant füllt sich eine Stunde vor der Vorstellung. Kaffee und Kuchen werden bestellt und es wird geplaudert. Dazu erklingt Musik, vorgetragen von sieben Musikern: dem Salonorchester Papillon. Etwas Besonderes hat der Nachmittag am Sonnabend dieser Woche dann aber doch: Für das Orchester ist es der 100. Auftritt bei "Kaffee im Salon" um 15.45 Uhr. Mag sein, dass dies der einen oder anderen Dame, die zu den Stammzuhörern gehört, einen kleinen Gruß wert ist. Stammpublikum hat das kleine Ensemble, das sich aus Musikern der Anhaltischen Philharmonie zusammensetzt, reichlich. Gewachsen ist es in sechs Jahren, seit sich das Orchester 2003 gründete.
Die Anfänge für Musik in der klassischen Pariser Besetzung liegen jedoch schon sehr viel weiter zurück, erinnert sich Reinhard Gutte, der Klarinette und Saxophon spielt. Schon seit 1985 habe solch ein Orchester in wechselnden Besetzungen gespielt. 2002 gab es dann ein überaus erfolgreiches Faschingskonzert und daraus resultierend den Wunsch, fortan regelmäßig aufzutreten, eben als Salonorchester Papillon. 35 Titel hatte man zu Beginn im Repertoire, inzwischen ist dieses auf über 700 angewachsen. So griff Martin Schulze (Violine) auf Noten des Großvaters zurück, die er im Keller liegen hatte. "Der spielte schon in den 1920er Jahren in einem Caféhaus-Orchester", erzählt der Musiker. Und damals wie heute ist es eine ähnliche Bandbreite an Musik, die die Zuhörer erfreut. "Wir spielen eigentlich alles, außer bei Bebop würden wir vielleicht streiken", lacht Reinhard Gutte. Opern- und Operettenpotpourris erklingen, wenn Papillon auftritt, Märsche, Walzer, Schlager, Tangos bis hin zu Arrangements von Wagner-Stücken hat man im Programm.
Bei der Reihe "Kaffee im Salon" stimme man das Programm direkt auf die sich anschließende Vorstellung auf der Bühne ab. Dass sich bei diesen Auftritten das Publikum unterhält, die Musik bei Kaffee und Kuchen praktisch nebenbei konsumiert, stört die Papillon-Musiker wenig. "Das ist so gewollt. Wenn das Restaurant voll ist, muss man allerdings schon etwas an dynamischer Stärke dazu geben", sagt Martin Schulze.
Der Geiger und der Klarinettist wie auch die anderen Musiker lieben an ihrer Besetzung im Salonorchester eines ganz besonders: "Jeder ist hier Solist", sagt Gutte. "Es ist ein selbstbestimmtes Musizieren mit Kollegen mit denen man sich gut versteht", ergänzt Martin Schulze. Bis zu 15 Konzerte geben sie pro Spielzeit im Theaterrestaurant, dazu kommen außerhalb des Dessauer Hauses seit der Gründung noch einmal 60 Konzerte in der Region bis hin zum Gastspielort Winterthur. "Wir sind sehr flexibel und können dort auftreten, wo ein großes Orchester nicht hinkommt", sagt Reinhard Gutte. Für den Auftritt am Sonnabend habe man sich Höhepunkte des Programms heraus gesucht. Derart beschwingt von Salonmusik können die Besucher dann nahtlos in die Vorstellung der Operette "La Périchole" um 17 Uhr wechseln.
17.02.2010, 17:29 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
, Diverses
281
Pressemitteilung vom 17.02.2010
KLANG-KOSMOS DESSAU / Elbmusikfest 2010
Vier Aufführungen an vier aufeinander folgenden Tagen
Das Anhaltische Theater Dessau nimmt in seiner 215. Spielzeit die Tradition der Elbmusikfeste, einem Vorläufer der Anhaltischen Musikfeste, wieder auf und veranstaltet am Himmelfahrtswochenende 2010, vom 13. bis zum 16. Mai, nach einer Unterbrechung von 175 Jahren das nunmehr zweite in Dessau stattfindende Elbmusikfest. Für die regionale Entwicklung des Chorwesens im 19. Jahrhundert hatten die Elbmusikfeste eine große Bedeutung.
Diese Tradition, Sänger und Chöre zusammenzuführen, soll mit dem Elbmusikfest wiederbelebt und gestärkt werden.
An vier aufeinander folgenden Tagen werden zwei Inszenierungen des Musiktheaters und eine Inszenierung des Balletts gezeigt sowie ein SCRATCH-KONZERT aufgeführt.
„SCRATCH“ heißt diese Form deshalb, weil man „from scratch“, also bei Null anfängt und innerhalb eines Tages das Werk zur Aufführung bringt. Die Idee des SCRATCH-KONZERTES besteht darin, mit einem Chor aus Hobby-Sängern innerhalb von 24 Stunden Carl Orffs Chorwerk »Carmina Burana« einzustudieren und das Ergebnis in einer öffentlichen Aufführung zu präsentieren. Der Weg ist dabei das Ziel. Mitmachen kann jeder, der Spaß am Singen hat. Erfahrung im Chorgesang ist natürlich von Vorteil, eine individuelle Vorbereitung erwünscht.
Jeder Mitwirkende muss im Besitz einer Teilnehmerkarte sein, die an der Theaterkasse Rathaus-Center gegen eine Gebühr von 10,- Euro (Ermäßigungsberechtigte 5,- Euro) erworben werden kann. Die Theaterkasse nimmt gleichzeitig die ebenfalls notwendigen schriftlichen Anmeldungen entgegen.
Die Anmeldung für die Teilnahme an diesem Projekt läuft bereits – Anmeldeschluss ist der 22. April. In der Teilnahmegebühr enthalten ist eine Versorgung mit Speisen und Getränken während der Probenpausen am 15. Mai. Selbstverständlich können die Karten auch über das Internet bestellt werden.
Das benötigte Notenmaterial muss jeder Teilnehmer selbst besorgen. Chorpartituren [16,95 Euro] oder Klavierauszüge [39,95 Euro] sind im Fachgeschäft »Musik-Erber« in der Askanischen Straße 55, in 06842 Dessau-Roßlau erhältlich.
Am Freitag, d. 14. Mai finden von 19 - 21 Uhr separate Stimmproben [Teilnahme freiwillig] statt.
Die Gesamtchorprobe mit Klavier findet am Sonnabend, d. 15. Mai von 9:30 - 12:30 Uhr und eine Generalprobe mit Solisten und Orchester um 14 - 17 Uhr statt.
Am 15. Mai, um 19 Uhr lädt das Anhaltische Theater zum Konzert ins Große Haus.
Ausführliche Informationen zum Scratch-Konzert unter www.anhaltisches-theater.de/scratch, mehr Informationen zum Elbmusikfest 2010 unter www.anhaltisches-theater.de/elbmusikfest
- Mai – 16. Mai 2010
KLANG-KOSMOS DESSAU / Elbmusikfest 2010
Vier Aufführungen an vier aufeinander folgenden Tagen
Eröffnung: Donnerstag, 13. Mai 2010, 18 Uhr RICHARD WAGNER LOHENGRIN
Anhaltisches Theater, Großes Haus
Freitag, 14. Mai 2010, 19 Uhr LULU BALLETT VON TOMASZ KAJDANSKI (MIT ORCHESTER), Anhaltisches Theater, Großes Haus
Samstag, 15. Mai 2010, 19 Uhr CARMINA BURANA SCRATCH-KONZERT, Anhaltisches Theater, Großes Haus
Sonntag, 16. Mai 2010, 17 Uhr DANIEL-FRANÇOIS-ESPRIT AUBER
DIE STUMME VON PORTICI / LA MUETTE DE PORTICI, Anhaltisches Theater, Großes Haus
Tickets und Informationen erhalten Sie unter:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr
Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
05.02.2010, 10:46 | tags:
Anhaltische Philharmonie
, Diverses
256
Pressemitteilung vom 05.02.2010
Wunschkonzert im Anhaltischen Theater
Erstmals lädt das Anhaltische Theater am Sonntag, d. 25. April, um 17 Uhr zu einem Wunschkonzert mit dem Titel „Frühling in Wien“ im Großen Haus ein.
Unter der Leitung von Daniel Carlberg bringt die Anhaltische Philharmonie gemeinsam mit Gesangssolisten bekannte Werke Wiener Komponisten zu Gehör. Mozart und Schubert dürfen ebenso wenig fehlen wie die Mitglieder der Strauß-Dynastie mit Stücken wie dem „Frühlingsstimmen“-Walzer oder der „Krapfenwaldl“-Polka. Eine Besonderheit dieses Konzertes besteht darin, dass die Besucher einige Programmpunkte im Vorfeld selbst auswählen können.
Nähere Informationen finden Sie in unserem Flyer „Frühling in Wien“ sowie auf der website des Theaters unter http://www.anhaltisches-theater.de/fruehling_in_wien.
Einsendeschluss für alle Musikwünsche ist der 12. April 2010. Unter den Einsendern werden 3 Gutscheine für je 2 Personen für eine Vorstellung freier Wahl verlost.
Karten zu den üblichen Konzertpreisen unter:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr
Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
05.02.2010, 10:36 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
, Diverses
255
Pressemitteilung vom 05.02.2010
Weltstar Leo Nucci in Dessau
Erster Auftritt in Deutschland seit über 20 Jahren und einziger Deutschlandauftritt 2010
Seit seinem Debüt an der Mailänder Scala 1977 zählt er zu den größten seines Faches. Leo Nucci kann auf eine einzigartige, über 30 Jahre währende Weltkarriere zurückblicken, die ihn an die Zentren des internationalen Opernbetriebes führte: Salzburger Festspiele (mit Herbert von Karajan), Metropolitan Opera New York (mit James Levine), Mailänder Scala (mit Claudio Abbado, Riccardo Muti), Wiener Staatsoper, Opernhaus Zürich, Teatro Regio di Parma.
Erstmals seit Ende der 1980er Jahre tritt Leo Nucci wieder in Deutschland auf: Am Anhaltischen Theater Dessau, das sich 2010 Nucci mit Mailand, Wien, Parma und Zürich teilt. Begleitet von der Anhaltischen Philharmonie Dessau unter der Leitung von GMD Antony Hermus singt Leo Nucci Höhepunkte aus seinem Repertoire.
In der Großen Operngala am 10. Mai, um 20 Uhr im Großen Haus werden Ausschnitte u.a. aus „La Traviata“, „Un Ballo in Maschera“, „Rigoletto“, „Macbeth“, „Nabucco“, „Don Carlo“, „Andrea Chenier“ erklingen. Das Konzert ist als Benefizkonzert zugunsten der Theaterstiftung ausgewiesen. Mit jedem Kauf eines Tickets unterstützen Sie also maßgeblich künftige künstlerische Vorhaben des Theaters, die durch die Stiftung finanziell unterstützt werden.
Der Auftritt Leo Nuccis in Dessau wird ermöglicht durch die Associazione „Viva Verdi“, insbesondere durch deren Präsidentin Ursula Riccio aus Nürnberg.
Tickets und Informationen unter:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr
Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
05.02.2010, 09:32 | tags:
Anhaltische Philharmonie
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Pressemitteilung vom 05.02.2010
Anhaltische Philharmonie lädt ein zur „Unsterblichen Liebe Teil II“
„Unsterbliche Liebe II“ lautet der Untertitel der Sinfoniekonzerte der Anhaltischen Philharmonie im Februar. Am 11. und 12. Februar jeweils um19.30 Uhr prägen gleich zwei Liebespaare das Konzertprogramm – allerdings zwei, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
Das komische Paar Béatrice und Bénédict aus Shakespeares Komödie „Viel Lärm um nichts“ machte Hector Berlioz zu Titelhelden einer komischen Oper (1862), aus der die quirlige Ouvertüre erklingt.
Im Gegensatz dazu schildert Arnold Schönberg in einer großen Sinfonischen Dichtung das Schicksal von Pelléas und Mélisande: Mélisande liebt Pelléas, ist jedoch mit dessen älterem Bruder Golaud verheiratet. Die Tragödie ist vorprogrammiert. Schönbergs frühes Orchesterwerk (1903) wurde von Richard Strauss angeregt und steht noch ganz in der Tradition der Spätromantik.
Zwischen diesen beiden Liebesgeschichten, der komischen und der tragischen, steht Webers 1. Klarinettenkonzert mit Daniel Ottensamer, dem jungen Soloklarinettisten der Wiener Philharmoniker.
Das 4. Sinfoniekonzert wird von einem Gast dirigiert. Der Italiener Marzio Conti ist derzeit Chefdirigent des Nationalorchesters von Andorra und künstlerischer Leiter des Orchestra Sinfonica di Sanremo.
Für beide der fantastischen Sinfoniekonzerte gibt es noch Tickets.
Tickets und Informationen erhalten Sie unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr | Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
02.02.2010, 18:11 | tags:
Anhaltische Philharmonie
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251
Pressemitteilung vom 02.02.2010
Außergewöhnliche musikalische Talente stellen sich vor
Nachdem am 10. Januar eine Patenschaftsvereinbarung zwischen der Musikschule Dessau-Roßlau und der Anhaltischen Philharmonie unterzeichnet wurde, mit der die bereits bestehende vielfältige Zusammenarbeit auf eine dauerhafte vertragliche Basis gestellt worden ist, gibt es am 6. Februar um 18 Uhr im Theater ein gemeinsames Konzert der Philharmonie mit dem Orchester und Preisträgern der Musikschule. Das Motto lautet „FESTE FEIERN“. Eine Reihe ausgesuchter junger Talente, alle Schüler der Musikschule Dessau-Roßlau, erhalten die Möglichkeit, ihr musikalisches Können auf höchstem Niveau und ihre Begeisterung für ihre Instrumente zu zeigen.
Zu hören sind Kompositionen von Tschaikowski, Kabalewski, Weber, Fauré, Sarasate, Schostakowitsch, Haydn und Rossini/Respighi. Als Solisten wirken mit: Tabea Korsowsky (Violine), Florian Marcy (Klarinette), Anh Quan Dao (Violine), Cornelius Tamm (Klavier) und Philipp Jekal (Bariton).
Das Konzert steht unter der Leitung der Dirigenten Daniel Carlberg und Friedemann Neef. Es moderiert Ronald Müller.
Tickets und Informationen erhalten Sie unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr | Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
02.02.2010, 10:29 | tags:
Anhaltische Philharmonie
, Pressestimmen
249
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau, 02.02.2010
Eigenleben der Plüschtiere
Kuscheltierkonzert in der Marienkirche begeisterte Sonntag kleine und große Besucher
Man hat es immer geahnt. Kaum schließt man hinter sich die Tür zum Kinderzimmer, dann erwachen dessen Bewohner und führen ein Eigenleben. Gerät man da hinein, dann kann es einem wie dem Erzähler des Kuscheltierkonzertes ergehen. Im Dessauer Fall heißt dieser Maximilian Schumann. Der Zehnjährige hat am Sonntag ein großes Programm absolviert. Zwei Mal lud das Anhaltische Theater an diesem Tag in die Marienkirche Kinder, Eltern und Großeltern ein. Zwei Mal erzählte Maximilian gemeinsam mit einer kleinen Besetzung der Anhaltischen Philharmonie von seinen Abenteuern mit den Kuscheltieren.
Das Kuscheltierkonzert schrieb Klaus Wüsthoff. 1997 wurde es in Berlin uraufgeführt, in einer CD-Einspielung fungiert Otto Sander als Sprecher. In Dessau sollte es freilich kein Erwachsener sein, der die Kinder mit auf eine musikalische Reise nimmt. Mit Maximilian Schumann fand man einen jungen Erzähler, der über alle Maßen souverän sein Headset trug, mit Kuscheltieren jonglierte und tanzte und dabei noch stets ein Auge auf Dirigent Daniel Carlberg hatte, der ihm den Einsatz gab.
Das Publikum in der Marienkirche war zu beiden Vorstellungen reichlich gekommen und rechnete man all die Hasen, Bären, Küken, Pferde, Pinguine und das ganze Getier noch hinzu, das Kinder in den Händen hielten und auf dem Schoß hatten, dann war diese neue Form eines Konzertes für die Jüngsten beide Male mehr als ausverkauft.
Wüsthoffs Stück ist ein Karneval der Tiere in der Gegenwart. Die Musik lässt das Pferd gleichermaßen galoppieren und wiehern, den Elefanten behäbig tapsen und Affen und Eichhörnchen quicklebendig springen. Carlberg und seine Musiker gaben nicht weniger als bei einem Konzert für erwachsenes Publikum, hatten sich jedoch dem Anlass entsprechend ausgerüstet: Am Kontrabass baumelte eine Robe und zu Füßen der Notenständer lauschte manch anderes Getier.
Was im Kuscheltierkonzert passiert, ist eine kleine Geschichte, die freilich nur Anlass ist, die plüschige Kinderzimmerbesatzung in musikalischen Farben vorzustellen. Das macht Maximilian Schumann zur Musik ganz exzellent und wie ein Profi. Er gibt dem Papagei ein keifendes Krächzen und dem Bär ein gemütliches Brummen. Lässt die wilde Jagd von Affe und Eichhörnchen ins Publikum hinüberschwappen und kürt den Elefanten im Finale als Sieger des Schönheitswettbewerbes der Kuscheltiere. Nur eines hätte bei diesem sonntäglichen Musikspaß für die ganze Familie vielleicht noch besser gelingen können: All die zuschauenden Kuscheltiere wären gerne in irgendeiner Form, die über bloßes Klatschen hinaus geht, an diesem Konzert beteiligt gewesen.
01.02.2010, 17:43 | tags:
Musiktheater
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, Pressestimmen
248
Udo Badelt, Opernwelt/ Februar 2010
Antwerpen/Dessau
Bernstein: Candide
Die beste aller Welten
Um herauszufinden, ob dies tatsächlich die beste aller möglichen Welten ist, kommen die Protagonisten in Leonard Bernsteins „Candide“ ganz schön rum: Westfalen, Bulgarien, Lissabon, Paris, Südamerika, Eldorado. Das Stück selbst reist nicht annähernd so viel: Es gilt, auch wegen der vielen Ortswechsel, als schwierig zu inszenieren und steht - zu Unrecht - im Schatten der „West Side Story“. Insofern ist es nicht ohne Reiz, dass „Candide“ jetzt in zwei Städten gleichzeitig auf die Bühne kommt (in beiden Fällen unter neuer Intendanz) und damit Anlass bietet, zwei verschiedene mögliche Theaterwelten und ihre Bedingungen kennenzulernen.
Antwerpen: Weltstadt der Renaissance, Hafenstadt, 470 000 Einwohner. Seit Januar 2009 ist der 35-jährige Schweizer Aviel Cahn Intendant der Vlaamse Opera. Sein Hauptanliegen ist es, Oper als Kunstform stärker zur Diskussion zu stellen und in die Stadt zu tragen. Zu dieser Strategie gehört ein Zusatzprogramm aus Filmen, Lesungen und Diskussionen. Es scheint zu funktionieren: Als Cahn vergangenes Jahr Saint-Saëns' „Samson und Dalila“ von einem israelisch-palästinensischen Regieduo inszenieren ließ, wurde heiß diskutiert in einer Kommune, in der so viele orthodoxe Juden leben wie nirgends sonst in Europa. „Candide“ soll diejenigen anlocken, die sonst eher ins Musical gehen. „Oper darf nicht nur für die Happy Few sein“, sagt Cahn, der dabei auf manche belgische Gefühligkeit Rücksicht nehmen muss. So gehen die Wallonen nicht nach Flandern in die Oper, sondern nach Brüssel. Die selbstbewussten Besucher aus Lilie dagegen müssen sich ihrer französischen Identität nicht versichern und fahren gern nach Antwerpen.
In Dessau wäre man wahrscheinlich froh, wenn man diese Probleme hätte. Deindustrialisierung, das Verschwinden der Junkers-Werke, ein Bevölkerungsrückgang von 130 000 (1940) auf zur Zeit rund 70 000 Einwohner und in der Folge mehrere Eingemeindungen haben dazu geführt, dass die Stadt inzwischen offiziell unter der Bindestrich-Scheußlichkeit „Dessau-Roßlau“ fungiert. Dennoch spürt André Bücker, seit dieser Spielzeit Intendant des Anhaltischen Theaters (als Nachfolger von Johannes Felsenstein), einen tief verwurzelten Stolz auf die reiche kulturelle Vergangenheit des mitteldeutschen Kernraums. An seinem Haus wird seit 1794 ununterbrochen Theater gespielt. Anders als Aviel Cahn in Antwerpen hat Bücker einen inhaltlichen Grund, „Candide“ auf den Spielplan zu setzen: Das nach einer Vorlage von Voltaire entstandene Stück soll die aufklärerische Tradition von Dessau als Geburtsstadt von Moses Mendelssohn zitieren. Deshalb ist auch Lessings „Nathan der Weise“ im Programm, und - als Kehrseite der Aufklärung - „Lohengrin“.
Musikalisch sind beide „Candide“-Abende auf ähnlich hohem Niveau. Daniel Carlberg in Dessau ist ein Dirigent mit äußerst präziser Zeichengebung; das Tempo legt er breiter und langsamer an - aber nicht langweiliger - als Yannis Pouspourikas in Antwerpen. Dort trifft das Orchester ziemlich genau den Geist jenes britischen Humors, mit dem Regisseur Nigel Lowery das Stück angegangen ist. In der kindlichen Idylle des Beginns laufen Candide und seine Liebe Kunigunde hinter einer Wand, davor baumeln Beinchen, die sie sich umgehängt haben, so dass sie aussehen wie Puppen. Erzähler ist hier ein Sendemast mit der Anmutung des Computers HAL in Stanley Kubricks Film „2001“. In Dessau nimmt Regisseurin Cordula Däuper die Figuren ernster, und nicht zuletzt deshalb ist ihre Inszenierung die ruhigere und menschlichere. Der Erzähler ist hier aus Fleisch und Blut, allerdings wechselt die Rolle mehrmals zwischen den Figuren, was eine Schwäche der Inszenierung ist. In bei den Häusern wird Dr. Pangloss, der die Lehre von Gottfried Wilhelm Leibniz vertritt - dass wir in der besten aller möglichen Welten leben würden - von Schauspielern verkörpert (Graham Valentine in Antwerpen, Stephan Lohse in Dessau), die zwar charakteristische Würze einbringen, als Sänger aber schwache Leistungen bieten.
Was man von der übrigen Besetzung nicht sagen kann. Herausragend: Jane Archibald (Antwerpen) und Angelina Ruzzafante(Dessau), die beide als Kunigunde nicht nur die Bravour-Nummer „Glitter And Be Gay“ souverän meistern, sowie Renate Dasch als Alte Frau in Dessau, die sich nach den internationalen Erfolgen ihrer Tochter Annette jetzt im Alter von 64 Jahren mit Noblesse noch einmal ein ganz neues Berufsfeld eröffnet hat. Früher war sie Ärztin - was für sie eindeutig nicht die beste aller möglichen Welten war.
Bernstein: Candide
Antwerpen
Premiere am 15., besuchte Vorstellung am 29. Dezember 2009.
Musikalische Leitung: Yannis Pouspourikas, Inszenierung und Ausstattung: Nigel Lowery. Solisten: Michael Spyres (Candide), Jane Archibald (Kunigunde), Karan Armstrong (Alte Frau), Graham Valentine (Pangloss/Martin) u. a.
Dessau
Premiere am 4. Dezember 2009, besuchte Vorstellung am 9. Januar 2010.
Musikalische Leitung: Daniel Carlberg, Inszenierung: Cordula Däuper, Bühne: Jochen Schmitt, Kostüme: Mareile Krettek. Solisten: David Ameln (Candide), Angelina Ruzzafante (Kunigunde), Renate Dasch (Alte Frau), Stephan Lohse (Erzähler/Pangloss/ Martin) u.a.
20.01.2010, 17:39 | tags:
Theaterpaedagogik
, Anhaltische Philharmonie
234
Pressemitteilung vom 20. Januar 2010
Ein Kuscheltierkonzert für Kinder!
Junge Konzertbesucher (ab 4 Jahren) sind am 31. Januar sehr herzlich in die Dessauer Marienkirche eingeladen. Um 11 und um 15 Uhr wird dort das von Klaus Wüsthoff für Orchester und Erzähler geschriebene „Kuscheltierkonzert“ aufgeführt. Dirigent ist Daniel Carlberg, Erzähler der 10-jährige Dessauer Schüler Maximilian Schumann.
Worum es geht? Natürlich um Kuscheltiere! Gemeinsam mit dem Orchester erzählt Maximilian von seinen Abenteuern mit Pferd, Eichhörnchen, Fuchs, Bär, Schildkröte, Elefant, Pinguin, Robbe, Papagei und Hase. Wer eines dieser Kuscheltiere daheim hat, bringt es am besten mit ins Konzert! Alle sind gefragt, denn sie alle spielen mit im „Kuscheltierkonzert“.
Tickets [4,50 EURO für Kinder; 6,- Euro für Erwachsene] erhalten Sie unter:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr
Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
Das Anhaltische Theater bietet speziell für Kinder ein Wa(h)l-Abo an, mit dem drei Vorstellungen freier Wahl, in denen ein Tier der Titelheld ist, für nur 7,50 EURO besucht werden können.
Mit dem Wa(h)l-Abo können junge Zuschauer z.B. die Vorstellungen « Schaf » - eine Kinderoper, « Kuscheltierkonzert » und « Das Unglückshuhn » - eine Puppentheaterproduktion besuchen.
20.01.2010, 11:02 | tags:
Anhaltische Philharmonie
233
Ute van der Sanden, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau, 19.01.2010
Ein Abend mit Ballett im Kopf und im Herzen
Mit Dirigent Dirk Kaftan bezeugt die Anhaltische Philharmonie beim Sinfoniekonzert ihre "Unsterbliche Liebe" - zur Musik.
Wildfremde Menschen treffen sich im Proberaum, arbeiten ein paar Tage zusammen, gehen auseinander. Zuvor aber führen sie das Ergebnis ihrer Anstrengung öffentlich auf, und im besten Fall ist darin nicht die Spur von Fremdheit, sondern "Unsterbliche Liebe".
Einigkeit im Ausdruck
So hieß das dritte Sinfoniekonzert der Anhaltischen Philharmonie, an dessen genial komponiertes Programm der etwas weniger genial gedachte Titel nur dann heranreichte, wenn man ihn äußerst wohlwollend mit Igor Strawinskys "Pulcinella"-Suite und Wolfgang Amadeus Mozarts berühmtem A-Dur-Klavierkonzert assoziierte.
Am Ende jedoch war das egal, zumal nach Sergej Prokofjews Ballettmusik zu "Romeo und Julia". Denn die Einigkeit im Ausdruck, das beredte Miteinander und die gemeinsame Bereitschaft zur Emotion, wie sie die Dessauer Musiker unter Leitung von Dirk Kaftan am Ende voriger Woche hören ließen, sind auch unter Profis mitnichten selbstverständlich und deswegen ein Glücksfall - zumal die Philharmonie mitsamt aller ihrer Orchestersolisten auf einem technischen und klanglichen Niveau agierte, von dem sie nie wieder abrücken möge.
Das war eine Eintracht, die nur Musik schaffen kann. Und das Beste: Das Publikum ist Teil des Wunders und ebenso angerührt wie die Mitwirkenden, wenn´s gelingt. Viele Umstände tragen dazu bei, nicht alle lassen sich in Worten fassen.
Exzellente, ehrgeizige Gäste des Hauses aber bestimmt. Dirk Kaftan, neuerdings Generalmusikdirektor in Augsburg, stand als personifizierte Herausforderung vor dem Orchester, dessen Zusammenspiel er ausgezeichnet zu organisieren wusste. Gastdirigent Kaftan gab präzise, detaillierte Anweisungen und zeigte sich als erstklassiger Begleiter, was besonders Finghin Collins am Klavier gefreut haben dürfte.
Der irische Pianist hinterließ mit Mozarts A-Dur-Konzert einen grandiosen Eindruck. Leicht, frei und beseelt nahm sich Collins seines Parts an, mit sprühender Virtuosität und ausgeprägter Vorliebe für gedankliche Bögen, unter denen er auch die Stimme des Orchesters versammelte. Er flutete das zauberhafte Werk mit dem Licht seines unbeschwerten Tons und fand doch für jeden Einfall eine Entsprechung: Ein Staccato war hier ein Lachen und da ein Hüpfen, jeder Lauf hatte ein Ziel. Und wen die ausladenden Gesten und die expressive Mimik des Spielers irritierten, die mitunter tatsächlich ans Parodistische grenzten, der konnte ja die Augen schließen.
Die Seligkeit war vollkommen, als Collins das erste von drei "Wiegenlieder meiner Schmerzen" genannten Intermezzi aus Johannes Brahms´ Opus 117 zugab: sehr langsam, sehr zart, mit perfekt phrasierter Melodiestimme in der Mittelhand - ein Traum in Es-Dur, wie Mondlicht schimmernd und auch ohne jedwede Kenntnis des Titels den melancholischen Nachtgesang suggerierend.
Forsche Einwürfe
Dass die Präsenz des Konzertflügels zuvor die optische Geschlossenheit einer kleinen Besetzung gestört hatte, war der "Pulcinella"-Suite einziger Nachteil. Was klang, war famos: Schon die Sinfonia überraschte durch ihren Schwung und ihren charmanten, ja liebevollen Tonfall. Dazu gesellten sich forsche Einwürfe und hingebungsvolle Kantilenen, rhythmische Finesse und pittoresker Witz.
So meisterlich die Partitur auf die Einfälle barocker Meister konstruiert wurde, so unmittelbar, fröhlich und beherzt war nun ihre Ausstrahlung. Die Orchestersolisten hätten nach jedem Satz einen Sonderapplaus verdient gehabt: Die Konzertmeisterin für den zweiten, Posaune und Kontrabass für den siebten Satz, die Trompete fürs Finale; Oboen, Fagotte und Flöten sowieso, und ach, die Hörner erst!
Begeisterte Zuhörer
Nicht anders die Ausschnitte aus Prokofjews "Romeo und Julia". Um den zweiten Konzertteil mit der berühmtesten Liebestragödie aller Zeiten haben sich vor allem die Bläser verdient gemacht. In der wirbelnden Choreografie aus Orchesterfarben in herrlichen Nuancen, Stimmungen und Bildern drehten die Emotionen Pirouetten. Vom stampfenden "Tanz der Ritter" über den leidenschaftlichen Abschied der Liebenden bis zu "Julias Tod" herrschten größte Sorgfalt und Konzentration. Man scheute nicht die Schärfen des Klangs, hielt aber die Fortissimo-Passagen elastisch trotz aller Wucht.
So ging der Abend beim 3. Sinfoniekonzert im Anhaltischen Theater, nachdem er im Pianissimo verhallt war, im andauernden Beifall einer begeisterten Hörerschaft auf. Ein Abend, der keine realen Bilder brauchte, weil die Musik Vorstellung genug war: Ballett im Kopf und im Herzen.
11.01.2010, 13:54 | tags:
Anhaltische Philharmonie
223
Pressemitteilung vom 5. Januar 2010
Patenschaftsvereinbarung zwischen Musikschule Dessau-Rosslau und Anhaltischer Philharmonie unterzeichnet
Die Anhaltische Philharmonie und die Musikschule Dessau- Rosslau vereinbarten dauerhaft eine Patenschaft. Generalmusikdirektor Antony Hermus und Orchestervorstand Ekkehard Neumann unterzeichneten am 10. Januar mit der Leiterin der Musikschule, Ute Mahlo und dem Leiter des Musikschulorchesters, Friedemann Neef einen Patenschaftsvertrag. Zukünftig werden beide Institutionen eng und auf vielfältige Weise zusammenarbeiten und sich gegenseitig unterstützen.
Die Patenschaftsvereinbarung beinhaltet u.a. ein gemeinsames öffentliches Musizieren pro Saison. Zudem ermöglicht die Anhaltische Philharmonie den Musikschülern nach vorheriger Absprache Probenbesuche. Insbesondere sollen die Hauptproben der Sinfoniekonzerte für diejenigen Musikschüler geöffnet werden, deren Instrument als Soloinstrument im Programm vertreten ist. Mindestens einmal pro Saison stehen Konzertsolisten der Anhaltischen Philharmonie für Workshops mit Musikschülern zur Verfügung.
Einzelne Mitglieder der Anhaltischen Philharmonie übernehmen Mentorenaufgaben beim Musikschulorchester und beraten auf Wunsch dessen Mitglieder z.B. bei Fragen der Musikausbildung, vor Wettbewerben oder beim Instrumentenkauf. Bei den Donnerstags-Sinfoniekonzerten erhalten Musikschüler und Lehrer/Innen der Musikschule ermäßigte Eintrittskarten. Die Anhaltische Philharmonie hilft dem Orchester der Musikschule bei Besetzungsproblemen. Die Musikschule wird die Anhaltische Philharmonie bei der Werbung für ihre Sinfonie- und Sonderkonzerte unterstützen.
11.01.2010, 10:49 | tags:
Anhaltische Philharmonie
, Pressestimmen
221
Ute van der Sanden, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Rosslau, 05.01.2010
Ode auf die Geschwindigkeit
KONZERT Antony Hermus zündet mit der Anhaltischen Philharmonie, tollen Solisten und großem Chor zum Jahreswechsel dreimal Beethovens neunte Sinfonie.
Viele Sachen sind schneller geworden in dieser ersten Dekade des neuen Jahrtausends, das Internet, die Mikrowellen und die Waschmaschinen, sogar die Bildungsabschlüsse. Beethovens Neunter ist das nicht passiert, zumindest in Dessau. Eine Stunde und sechs Minuten hat die erste von insgesamt vier Aufführungen am Anhaltischen Theater gedauert, inklusive Chorauftritt, Nachstimmen und Zwischenapplaus zur Begrüßung der Sängerschar. Das haben Karajan und Toscanini auch schon geschafft, fast jedenfalls. Warum erschien, was in diesen sechsundsechzig Minuten passierte, trotzdem wie eine Ode an die Geschwindigkeit?
Es war, wie meistens in solchen Fällen, eher eine Frage der Haltung als des tatsächlichen Tempos. Generalmusikdirektor Antony Hermus, der vorab das neue Dezennium willkommen geheißen, ein küchenpoetisches Neujahrsrezept von Goethes Mutter Katharina Elisabeth zum Besten gegeben und dem Publikum seine persönlichen Wünsche entboten hatte, war ehrgeizig genug, die - seine Worte -"monumentale neunte Sinfonie" auswendig zu dirigieren. Zur selben Minute blätterte übrigens in Leipzig Gewandhauskapellmeister Riccardo Chailly Partiturseiten um, wie im Fernsehen live zu verfolgen war.
Gipfel im zweiten Satz
Die stets unterhaltsame, bisweilen rasante Dessauer Darbietung gipfelte im tänzerischen zweiten Satz. Und mit ihm begann sie auch. Spätestens im Trioteil wusste man die Musiker und ihren Dirigenten gedanklich in jenem Werk versammelt, das auf den Pulten lag. Hermus ließ in der Scherzo-Mitte ein tatsächliches Presto spielen. Danach klang dieser Satz wie Ballett: leicht, voller Schwung, im Bunde mit der bukolischen Idylle der sechsten Sinfonie, aller Wuchtigkeit enthoben und ebenso rhythmisch prononciert, wie alle Rhythmen, besonders die punktierten, mit großer Exaktheit und Entschlossenheit zelebriert wurden.
Nicht das krachende Finale, das, einmal entzündet, wie eine Silvesterrakete abbrannte - nein, dieser zweite Satz war der essentielle Höhepunkt des Abends. Der erste hatte sich zuvor angehört, als stamme er aus einem anderen Stück oder müsse konzeptionell noch reifen. Der dritte wurde als Klangteppich entrollt, ein Vorgeschmack auf das noch nicht erfundene Nocturne; er enthüllte Phrasierungsübungen für Streicher wie für Holzbläser, und das wunderliche Solo im vierten Horn - man schwamm drüber. Nun aber kam endlich Ulf Paulsens Basspartie. Mit raumgreifender Stimme und der rhetorischen Wucht des musiktheatralisch Erfahrenen gebot er "angenehmere" Töne, "freudenvollere".
So geschah es. Das Vokalensemble, bestehend aus Damen und Herren des Opern- und des Extra- sowie des Coruso-Chores, wuchtete das Finale samt Schillers Ode übers Orchester hinweg in den Zuschauersaal, was die Profisänger in diesem Tempo eher mäßig angestrengt haben dürfte. Legato war nicht vorgesehen, aber jedes einzelne Wort verständlich - auch in den Beiträgen Angelina Ruzzafantes, Carola Günthers und Angus Woods in den weiteren Solopartien, deren klangliche Präsenz keine Wünsche offen ließ.
Zwar galoppierte der Cherub eher vor Gott, als dass er daselbst gestanden hätte, aber wie gesagt: Langweilig wurde das nicht. Nun zeichnet die Abwesenheit von Langeweile allein noch keine Interpretation aus, die Anwesenheit von gestalterischem Ernst, Gelassenheit und Eleganz hingegen wohl. Das Credo dieser Neunten war Hymne und Tanz, Sound und Effekt. Das kam an beim Publikum, es applaudierte begeistert. Überwältigte Zuschauer reagieren stärker, sogar in Dessau.
Frohe Botschaft
Gleichwohl war nicht nur die Tatsache, dass mit der Neunten das Neue Jahr am Anhaltischen Theater genau so begann, wie das alte geendet hatte, frohe Botschaft. Auch die Aufführung selbst war eine. Denn die wirklich guten Dinge bleiben, mögen sie auch inzwischen ein bisschen schnittiger wirken, als sie vorher aufgetreten waren: Schillers Wort und Mutters Sprüche, die Anhaltische Philharmonie und Beethovens Musik.
Nächste Aufführung des Konzertes an diesem Sonntag, 18.30 Uhr. Karten gibt es an den Theaterkassen.
30.12.2009, 11:57 | tags:
Anhaltische Philharmonie
, Diverses
217
Pressemitteilung vom 30.12.2009
„Frühling in Wien“ im Anhaltischen Theater
Am 25. April 2010, um 17 Uhr, lädt das Anhaltische Theater zu einem Konzert „Frühling in Wien“ ein. Unter der Leitung von Daniel Carlberg bringt die Anhaltische Philharmonie gemeinsam mit Gesangssolisten bekannte Werke Wiener Komponisten zu Gehör.
Mozart und Schubert dürfen ebenso wenig fehlen wie die Mitglieder der Strauß-Dynastie mit Stücken wie dem „Frühlingsstimmen“-Walzer oder der „Krapfenwaldl“-Polka. Eine Besonderheit dieses Konzertes besteht darin, dass die Besucher einige Programmpunkte im Vorfeld selbst auswählen können.
Karten zu den üblichen Konzertpreisen unter:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Freitag 9:30 bis 20 Uhr
Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
28.12.2009, 12:50 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
, Diverses
216
Pressemitteilung vom 28.12.2009
„Fidelio“ – Zum letzten Mal in Dessau
Ludwig van Beethovens „Fidelio“ wird am Samstag, dem 16. Januar, um 17 Uhr zum letzten Mal im Großen Haus des Anhaltischen Theaters zu sehen sein. Anschließend gastiert das Anhaltische Theater mit „Fidelio“ am 23. und 24. Januar am Theater in Winterthur / Schweiz.
In veränderter Besetzung wurde die von Johannes Felsenstein inszenierte Oper in dieser Spielzeit wieder aufgenommen. Beethoven zeichnete in seiner einzigen, mehrfach überarbeiteten Oper schonungslose Bilder vom deformierenden Umgang mit Macht.
Marzelline, das einzige Kind des Kerkermeisters Rocco, weist die Heiratsanträge des Gefängnispförtners Jaquino zurück, weil sie sich in Fidelio verliebt hat. Niemand ahnt, dass dieser Fidelio, der zu aller Zufriedenheit Hilfsdienste im Staatsgefängnis versieht, in Wirklichkeit Leonore ist. Sie ist – als Mann verkleidet – auf der Suche nach ihrem Gatten Don Florestan, den der verfeindete Gouverneur Pizarro im Gefängnis verschwinden ließ. Leonore gelingt es, in die geheimsten Kerker vorzudringen und dort Pizarros Mord an Florestan zu verhindern.
Es spielt die Anhaltische Philharmonie unter der Leitung von Daniel Carlberg. Als Solisten hören Sie KS Iordanka Derilova (Leonore), Cornelia Marschall (Marzeline), Kostadin Arguirov (Don Fernando), Andrew Sritheran (Florestan) Ulf Paulsen (Don Pizarro), Daniel Golossov (Rocco), David Ameln (Jaquino).
Für diese Vorstellung bietet das Anhaltische Theater Tickets zum Sonderpreis für 8,- EURO.
Dieses Angebot gilt vom 04. bis 16. Januar 2010.
Tickets erhalten Sie unter:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Freitag 9:30 bis 20 Uhr
Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
28.12.2009, 12:48 | tags:
Anhaltische Philharmonie
, Diverses
215
Pressemitteilung vom 28.12.2009
Konzerte im Januar
Das neue Jahr beginnt im Anhaltischen Theater am 1. Januar um 17 Uhr mit einer Aufführung der IX. Sinfonie von Ludwig van Beethoven. Unter der Leitung von GMD Antony Hermus spielt die Anhaltische Philharmonie. Es singen die Damen und Herren des Opern- und des Extrachores sowie Mitglieder des Coruso-Chores. Als Solisten wirken mit: Angelina Ruzzafante (Sopran), Carola Günther (Mezzosopran), Andrew Sritheran / Angus Wood (Tenor) und Ulf Paulsen (Bariton). Noch einmal wird Beethovens letzte Sinfonie am 10. Januar 2010 ab 18.30 Uhr zum Neujahrsempfang des Oberbürgermeisters erklingen.
Wenige Tage später, am 14. und 15. Januar 2010, 19.30 Uhr, tritt beim 3. Sinfoniekonzert mit dem Titel „Unsterbliche Liebe“ ein Gastdirigent ans Pult der Anhaltischen Philharmonie. Dirk Kaftan ist seit Beginn dieser Spielzeit Generalmusikdirektor der Stadt Augsburg. In Dessau dirigiert er „Romeo und Julia“, die wohl berühmteste Liebesgeschichte aller Zeiten, in der musikalischen Version Sergej Prokofjews. Die Musik dieses 1935/36 komponierten Balletts erklingt in einer Konzertversion, die weitgehend dem Gang der Handlung folgend die schönsten Abschnitte der Partitur präsentiert. Außerdem auf dem Programm: Mozarts berühmtes A-Dur-Klavierkonzert KV 488, gespielt von Finghin Collins, einem jungen irischen Pianisten, der seit seinem 1. Preis beim renommierten Clara-Haskil Klavierwettbewerb 1999 eine vielversprechende Karriere eingeschlagen hat und mittlerweile bei den besten Orchestern der Welt gastiert. Eröffnet wird der Konzertabend mit Musik des italienischen Barock-Komponisten Giovanni Battista Pergolesi (1710 – 1736), allerdings in jenem neoklassizistischen Klanggewand, das ihr Igor Strawinsky 1919/20 in seinem „Pulcinella“-Ballett verordnet hat.
Im 3. Kammerkonzert des Anhaltischen Theaters im Schloss Georgium, das am 23. Januar, um 15:30 Uhr stattfindet, erklingt ein gegenüber dem Konzertplan geändertes Programm. Weronika Ambrosio und Johannes Schmidt (Violinen), Michiaki Manda (Viola) und Boris Cepeda (Klavier) spielen Duo- und Trio-Kompositionen von Wolfgang Amadeus Mozart, Robert Fuchs, Karol Szymanowski und Antonín Dvorák.
Die jüngsten Konzertbesucher (ab 4 Jahren) sind am 31. Januar sehr herzlich in die Dessauer Marienkirche eingeladen. Um 11 und um 15 Uhr wird dort das von Klaus Wüsthoff für Orchester und Erzähler geschriebene „Kuscheltierkonzert“ aufgeführt. Dirigent ist Daniel Carlberg, Erzähler der 10-jährige Dessauer Schüler Maximilian Schumann.
Worum es geht? Natürlich um Kuscheltiere! Gemeinsam mit dem Orchester erzählt Maximilian von seinen Abenteuern mit Pferd, Eichhörnchen, Fuchs, Bär, Schildkröte, Elefant, Pinguin, Robbe, Papagei und Hase. Wer eines dieser Kuscheltiere daheim hat, bringt es am besten mit ins Konzert! Alle sind gefragt, denn sie alle spielen mit im „Kuscheltierkonzert“.
Tickets erhalten Sie unter:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Freitag 9:30 bis 20 Uhr
Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
21.12.2009, 15:35 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
, Diverses
212
Pressemitteilung ´vom 21.12.2009
Vorstellungsänderung
Die Vorstellung »Lulu« am 22.12.2009 um 19:30 Uhr fällt krankheitsbedingt aus, stattdessen wird das Weihnachtliche Konzert von der Anhaltischen Philharmonie unter der Leitung von Wolfgang Kluge gespielt.
Bereits gekaufte Karten behalten ihre Gültigkeit für das Konzert oder können nach Umtausch der Karte für eine künftige »Lulu«-Vorstellung verwendet werden. Letztgenannter Umtausch sollte bis Ende diesen Jahres erfolgen und kann auch per Post geschehen.
Aus Anlass des 250. Todestages von Georg Friedrich Händel in diesem Jahr ist der erste Teil des Konzertes ganz dem Schaffen dieses Barockmeisters gewidmet. Zwischen den Sätzen eines von Händel selbst aus Oratorienchören zusammengestellten doppelchörigen Orchesterkonzertes singt die Sopranistin Cornelia Marschall Arien aus den Oratorien „Der Messias“ und „Salomo“. Im zweiten Teil dominiert in Werken von Franz Liszt und Otto Nicolai hingegen der romantische Orchesterklang. Die berühmten Weihnachtslieder von Peter Cornelius erklingen in der Orchesterbearbeitung des ehemaligen Dessauer Hofkapellmeisters Franz Mikorey, gesungen von Cornelia Marschall. Schauspielerin Christel Ortmann liest weihnachtliche Texte.
16.12.2009, 21:55 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
, Pressestimmen
210
Volkmar Draeger, ballettanz / Seite 36 / Januar 2010
Tomasz Kajdanski: «Lulu»
Dessau
Einen «Regenbogen der Gefühle» verspricht Tomasz Kajdanski mit seinem Debüt am Anhaltischen Theater. In Eisenach von Erfolg verwöhnt, hat er sich hier nun «Lulu» nach Frank Wedekind ausgesucht. Der Neoklassik Gonzalo Galgueras und den spektakulären Inszenierungen von Gregor Seyffert, seinen Vorgängern, lässt er düster dramatisches Tanztheater folgen.
Mit Sinn und Sinnlichkeit überschreibt er seine erste Saison. Und sinnlicher als Lulu geht’s kaum. Dorin Gal hat Dessaus Bühnenweite nach hinten durch ein transparentes arenaartiges Halbrund mit Etagen und Türen begrenzt. Auf hellem Horizont fangen Projektionen die Tiefe des Raums auf. In zwölf Bilder zerlegt Kajdanski Lulu, ihren triebhaft ins Verderben stürzenden Sexus.
Tobender Tanz und starke Bildhaftigkeit kennzeichnen seine Handschrift, mit dramatischer Präzision reißt Daniel Carlberg die Anhaltische Philharmonie hin, die szenisch erstaunlich passfähig meist sinfonische Musik der Wiener Schule und von Schostakowitsch, Korngold, Antheil bis Boulez und Rihm zu bewältigen hat.
Als fünf Meter hohes Lustsymbol in liebesrotem Samt überragt dazu Lulu barbusig jene, die unten nach ihr hangeln, sie anbeten, auf die Knie fallen, unter ihren Rock schlüpfen. Und sie umkreist der Reigen derer, die sie in den Untergang treiben: der dämonische Schigolch als ihr Erzeuger und Lenker; Dr. Schön, dessen Geliebte sie ist, und der sie freigebig an andere verleiht, an seinen Sohn Alwa und den Künstler Schwarz, die beide ihren Ansprüchen nicht genügen; da gibt’s den zupackenden Rodrigo, die lesbische Gräfin Geschwitz als Retterin in der Not und Jack the Ripper, dem sie sich todwund ausliefert.
Lulu empfängt sie eingesperrt im Gerüsttempel, räkelt, spreizt sich lasziv, erleidet in fliegenden Duos Zudringlichkeiten, sie sieht sich in Trios zwischen Verehrer geworfen, verfällt der Erotik des windig wendigen Dr. Schön, verliert schließlich Selbstachtung und Halt. Dass bei so viel emotionalem Aufruhr, dem auch mehrere Männer zum Opfer fallen und der Lulu in Notwehr zur Mörderin ihrer eigentlichen Liebe macht, die choreografische Flamme dauerzüngelt, atemlos sprunggewaltiger Tanz bisweilen die Figurenzeichnung überwuchert, ist nicht zu übersehen. Den kraftzehrenden Tanzexplosionen stehen eindringliche Bilder gegenüber: Lulus ins Leere gehender Wutausbruch, weil die Gesellschaft sie missachtet; ihre Hingabe in der Anstalt, wo wie eine entzündete Vulva zwischen weißem Stoff ein rotes Oval schwebt; ihr Solo beim Herrenabend auf einem Roulettetisch, als sei sie der Hauptgewinn.
Laura Costa Chaud im Titelpart, als Wesen nicht von dieser Welt und zumeist auf Spitze gestellt, Yun-Ju Chen als Gräfin, Juan Pablo Lastras als Dr. Schön, Joe Monaghan als Schigolch, Ion Beitias als schüchterner Alwa leisten 90 Minuten lang tänzerdarstellerische Schwerstarbeit, die sich gelohnt hat.
Wieder 30. Jan., 5. Feb., 21. März,10. April, 15. Mai
anhaltisches-theater.de
13.12.2009, 14:42 | tags:
Anhaltische Philharmonie
, Diverses
205
Pressemitteilung vom 11.12.2009
Kulturstiftung des Bundes fördert „Himmel auf Erden“
Der Stiftungsrat der Kulturstiftung des Bundes hat auf seiner Sitzung
am 10. Dezember 2009 den Antrag des Wittenberg Kultur e. V. für das
internationale Musik-Festival „Himmel auf Erden – Die Religionen der
Welt zu Gast in Luthers Wittenberg“ bewilligt. Damit unterstützt und
ermöglicht die Kulturstiftung des Bundes den Auftakt für dieses
Festival des geistlichen Gesangs in den Jahren 2011 und 2012 mit
jeweils 200 000 Euro.
Die Veranstaltungsreihe, die in Zusammenarbeit mit dem Anhaltischen Theater Dessau und unter der künstlerischen Leitung von dessen Generalintendant André Bücker sowie dessen Generalmusikdirektor Antony Hermus veranstaltet wird, soll im Rahmen
der Luther-Dekade jährlich zunächst bis 2013 stattfinden und das Theaterprojekt „Weltzeit Wittenberg“ flankieren. Sie widmet sich den sakralen Vokalwerken aller Religionen und Kulturen und will im Vorfeld des Reformations-Jubiläums so den Gesang als Ausdruck der Spiritualität betonen. Neben zentralen Werken der christlichen
Tradition soll dabei auch die Musik aus buddhistischen und
islamischen, jüdischen und anderen Kulturkreisen erklingen – ein
Zeichen religiöser Akzeptanz und kultureller Offenheit an der
Geburtsstätte des Protestantismus.
Wittenberg Kultur e. V. und das
Anhaltische Theater Dessau haben sich für „Himmel auf Erden“ mit
Kooperationspartnern wie den Händel-Festspielen in Halle, dem
Kammerorchester Basel und der Lautten-Compagney Berlin
zusammengefunden, mit denen bereits erste Projekte fest verabredet sind. Neben konzertanten Aufführungen wird es im Rahmen des Festivals auch szenische Versionen von großen religiösen Werken geben. Das konkrete Programm des ersten Jahrgangs soll im Sommer 2010 vorgestellt werden, wenn in Wittenberg André Bückers Inszenierung von „Ein neues
Lied wir heben an“ als erster Teil der „Weltzeit“-Trilogie Premiere
hat.
10.12.2009, 17:11 | tags:
Anhaltische Philharmonie
, Diverses
200
Pressemitteilung vom 09.12.2009
18. Dessauer Bassgeigenweihnacht – „Bärenstark“
Am Dienstag, dem 15.12.2009, um 18.00 Uhr, findet in der Marienkirche die 18. Dessauer Bassgeigenweihnacht statt. Diese Veranstaltung der Musikschule Dessau – Roßlau gestalten ca. 15 Kontrabassisten aus Dessau und weitere Mitwirkende u.a. mit Violoncello und Flöte.
Unter dem Motto „Bärenstark“ wird die diesjährige Weihnachtsgeschichte zu erleben sein. Musikalisch erzählt wird sie von Schülern der Grundschule am Akazienwäldchen.
Es erklingen Werke von Georg – Friedrich Händel, Johann Matthias Sperger, Giovanni Bottesini und anderen Komponisten aus 5 Jahrhunderten. Mit Mazurka und ungarischem Tanz, als Tierorchester sowie im Ragtime stellen sich die nicht nur bassspielenden Mitwirkenden vor.
Bastian Matthai und Cornelius Tamm als Teilnehmer bei „Jugend musiziert“ 2010 spielen erstmalig einen Ausschnitt ihres Wettbewerbsprogramms.
Natürlich erklingen auch wieder bekannte weihnachtliche Melodien im Bassgeigenorchestersound.
Nach dem Konzert besteht die Möglichkeit zum „Schnupperbass“, anfassen und probieren ausdrücklich erlaubt.
Es wirken mit: Schüler der Musikschule Dessau-Roßlau, Mitglieder der Anhaltischen Philharmonie Dessau, die Schüler der AG Kontrabass der Grundschule am Akazienwäldchen (ein Projekt des Landesverbandes der Musikschulen Sachsen-Anhalt) sowie Gäste aus der Region.
Natürlich werden auch wieder die kleinsten Kontrabassisten unseres Landes zu erleben sein.
Das Konzert beginnt um 18.00 Uhr, der Eintritt ist frei.
Am Flügel: Wolfgang Kind
Gesamtleitung: Ingo Burghausen
Die 18. Dessauer Bassgeigenweihnacht ist eine Veranstaltung der Musikschule Dessau – Roßlau mit freundlicher Unterstützung der Stadt Dessau und des Anhaltischen Theaters Dessau.
Weitere Informationen zur Bassgeigengala unter: www.bassgeigengala.de
10.12.2009, 17:05 | tags:
Spielzeit
, Ballett
, Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
198
Pressemitteilung vom 10.12.2009
Geschenkideen rund ums Theater
10.12.2009, 17:04 | tags:
Spielzeit
, Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
197
Pressemitteilung vom 10.12.2009
Weihnachten und Jahreswechsel im Anhaltischen Theater
Für die gesamte Familie bietet das Anhaltische Theater am 1. Weihnachtsfeiertag, dem 25. Dezember um 16 Uhr das Grimmsche Märchen „Sechse kommen durch die Welt“. Dieses Stück über die Freundschaft wird mit viel Witz und Komik erzählt, so dass bei großen und kleinen Besuchern wohl kein Auge trocken bleibt.
„La Périchole“ eines der Hauptwerke Jacques Offenbachs voller Witz und überquellendem Melodienreichtum steht am 2. Weihnachtsfeiertag, dem 26. Dezember um 17 Uhr auf dem Spielplan. Gespielt wird eine neue deutsche Textfassung von Stefan A. Trossbach mit Dialogen von Peter Ensikat. Eine reisende Theatertruppe gastiert in der Stadt und präsentiert die lustige, aber auch zu Herzen gehende Geschichte der Straßensängerin Périchole und ihres Geliebten Piquillo.
Am 27. Dezember, um 16 Uhr lädt das Theater zu einem Besuch der Inszenierung „Lohengrin“ – Romantische Oper von Richard Wagner ein. Mit Wagners vermutlich populärster Oper wurde im Musiktheater die 215. Spielzeit fulminant eröffnet und zieht seit dem Gäste aus ganz Deutschland nach Dessau. Der zwischen Juni 1846 und März 1848 komponierte „Lohengrin“ nimmt in Wagners Oeuvre in mehrer Hinsicht eine Schlüsselstellung ein: Zum einen verwirklichte Wagner, der „vollkommenste Revolutionär“ nach eigenem Zeugnis, in ihm erstmals weitgehend sein Konzept eines durchkomponierten Musikdramas, zum anderen wollte er am avisierten Uraufführungsort Dresden mit der Oper 1849 auch die Gesellschaft revolutionieren. Freuen Sie sich darauf, neben etablierten Publikumslieblingen wie Iordanka Derilova und Ulf Paulsen unsere neuen stimmgewaltigen Ensemblemitglieder kennenzulernen.
Nach fünf Jahren Abstinenz erklingt im Anhaltischen Theater zum Jahreswechsel 2009/2010 wieder Beethovens IX. Sinfonie. Am Silvestertag finden die beiden Aufführungen um 17 und um 20 Uhr statt. Unter der Leitung von GMD Antony Hermus spielt die Anhaltische Philharmonie. Es singen die Damen und Herren des Opern- und des Extrachores sowie Mitglieder des Coruso-Chores. Als Solisten wirken mit: Angelina Ruzzafante (Sopran), Carola Günther (Mezzosopran), Andrew Sritheran / Angus Wood (Tenor) und Ulf Paulsen (Bariton).
Tickets und Informationen erhalten Sie unter:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Freitag 9:30 bis 20 Uhr
Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
10.12.2009, 09:53 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
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Alessandro Anghinoni, www.operamagazine.nl, 07.12.2009
Nederlanders vallen op in ‘gewone’ Candide
Dessau 7 december 2009 Geen reacties
Na een bejubelde Lohengrin waren de verwachtingen rond de volgende première van het Anhaltisches Theater uit Dessau hooggespannen. De productie van Candide viel echter tegen. Niettemin waren de solisten, waaronder de Nederlandse bariton Wiard Witholt, goed.
Van mijn niet-Duitse vrienden heeft iedereen wel een idee wat Bauhaus is, maar slechts een paar weten waar Dessau ligt. Vaak halen ze de naam van de hoofdstad van het Bauhaus door de war met de naam van een concentratiekamp in Zuid-Duitsland.
Maar de stad heeft niet direct zulke gruwelijke herinneringen. Er is slechts één goed zichtbaar spoor van de Nazi-tijd: het enorme, buitensporige theater dat door Adolf Hitler in 1938 geopend werd en uitgerust is met Duitslands grootste roterende toneel.
Vandaag heet dit 1100 plaatsen tellende huis het Anhaltisches Theater en de nieuwe muzikale directeur is de Nederlandse workaholic Antony Hermus, die het seizoen op 4 oktober opende met een alom geprezen Lohengrin.
Zulke creatieve persoonlijkheden zijn welkom. Niet alleen bij culturele instituties, maar in de hele stad. Dessau probeert namelijk haar status als ‘kreisfreie Stadt’ (een onafhankelijke stad, die zo’n 100.000 inwoners moet hebben) te behouden en wil daarvoor de populatieafname die sinds de hereniging van Duitsland aan de gang is in bedwang houden.
In zo’n moeizame situatie kun je het programma van het operahuis zien als een oproep tot een revolutie: Lohengrin, Candide, Un ballo in Maschera, One touch of Venus en La muette de Portici zijn de grootste premières die gepland staan in het Antony Hermus-tijdperk. Alle opera’s gaan in meer of mindere mate over rebellie.
Lohengrin was een groot succes, op een paar wrijvingen met halsstarrige aanhangers van het traditionalisme na.
De tweede première, Candide van Leonard Bernstein, is slechts ten dele een voortzetting van het gladde pad van de roem. We zagen de laatste versie van het stuk, gebaseerd op een tekst van Hugh Weeler, in een Duitse vertaling, met dialogen die herzien waren door de jonge regisseur Cordula Däuper.
Hoewel ik een supporter ben van de jonge mensen die in het theater in Dessau werken, moet ik jammer genoeg zeggen dat Däuper niet aan mijn verwachtingen kon voldoen. Niet dat de voorstelling het zien niet waard was, maar ik kon me gemakkelijk een veel verrassender, onderhoudender vertolking voorstellen. Dessau heeft meer nodig dan ‘gewone’ producties om uit haar depressieve situatie te klimmen.
Maar net als Candide geef ik mijn optimisme niet zo makkelijk op en probeer ik de goede punten eruit te halen. Allereerst de vurige en nauwgezette directie van Daniel Carlberg, onder wiens leiding het orkest momenten van zo’n meeslepende intensiteit bereikte, dat het me moeite kostte om mijn zelfbeheersing te bewaren en niet op te staan en rond te gaan dansen. Al direct bij de ouverture!
Van de hoofdrollen wil ik David Ameln noemen, een knappe en ervaren buffo-tenor, die een zachte en lyrische Candide neerzette. Hij verpersoonlijkte de onschuld.
De briljante Nederlands-Italiaanse Angelina Ruzzafante – een mooie coloratuursopraan met prachtig lyrisch potentieel – zong Cunegonde zonder zichtbare moeite met de hoge e’s in de showaria ‘Glitter and be gay’. Helaas werd die aria geregisseerd als een magere en niet-originele kopie van ‘Diamonds are a girl’s best friends’.
De spelbreker Maximilian was de veelbelovende Nederlandse bariton Wiard Witholt, die zijn kleine rol uitstekend zong, met een preciesie in zijn uitspraak en gemak in zijn zang waarmee hij alle anderen overtrof.
Voor mij blijft het onbegrijpelijk waarom de operazangers uitgerust werden met microfoons. De onnatuurlijke klank stond in onaangenaam contrast met de rijkheid van de muziek uit de orkestbak. Een microfoon was misschien nodig voor de grotendeels gesproken rollen van Voltaire en dr. Pangloss, maar moest de rest van de cast daar dan door verpest worden?
Zoals ik al zei, heeft Dessau het grootste roterende toneel in Duitsland. Dus verwijt het me niet als ik zeg dat ik verwachtte dat er iets zou gaan gebeuren tijdens het laatste lied met koor, ‘Make our Garden Grow’. De klank was geweldig, maar het ijzeren gordijn was neergelaten en alles werd overgelaten aan de verbeelding van de toeschouwer. Een nogal minimalistische, koude, geenszins entertainende enscenering voor het slot van een show.
Niettemin, ik ben vol vertrouwen dat er meer over Dessau en zijn opera’s te vertellen zal zijn op basis van de volgende premières.
Alessandro Anghinoni doet regelmatig verslag van interessante producties in Berlijn. Hij is Italiaans maar woont sinds 2000 in Berlijn. Hij is vertaler van beroep en schrijft regelmatig over opera. Voorheen voor bladen als Opernwelt, tegenwoordig op zijn blog Operello
10.12.2009, 09:24 | tags:
Musiktheater
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Helmut Rohm, Zerbster Volksstimme, 08.12.2009
Cordula Däuper bringt Bernsteins „Candide“ auf die Bühne des Anhaltischen Theaters Dessau
Wenn die „beste aller Welten“ auf die Wirklichkeit trifft
Trist und grau verwehrt der sogenannte Eiserne Vorhang den Blick auf die Bühne. Aus
dem Orchestergraben dagegen schallt temporeiche Musik, mit viel Blech, auch fließend schönen Passagen. Diese Ouvertüre von „Candide“, dem Musical von Leonhard Bernstein, ist sehr bekannt. Das Musical selbst dagegen ist recht selten auf der Bühne zu erleben. Jetzt hatte es in der Inszenierung von Cordula Däuper am Anhaltischen Theater Dessau Premiere.
Nach dem furiosen Auftakt durch die mitreißend aufspielende Anhaltische Philharmonie unter Leitung des 1. Kapellmeisters Daniel Carlberg tut sich eine weit in die Tiefe reichende Bühne
mit oft nur skizzenhaft angedeuteten Requisiten auf. Eine ganz in Weiß gekleidete große Menschengruppe (Chor unter der Leitung von Helmut Sonne) vermittelt ein „Schön-Gut-
Sauber“-Gefühl. Idylle „von früher“ steuert ein großes Mosaikbild bei (Bühne: Jochen
Schmitt, Kostüme: Mareile Krettek). Gerade eben um und über diese „beste aller möglichen
Welten“ geht es. Literarische Grundlage ist der Voltaire-Roman „Candide oder der Optimismus“, in dem sich der Autor mit der Leibniz- These von „der besten aller
möglichen Welten“ auseinandersetzt.
Die Geschichte: Auf einem westfälischen Schloss Thunderten- Tronck werden die halbwüchsigen Kinder des Barons, Maximilian und Cunegunde, sowie Candide, ein unehelich geborener Neffe der beiden, und das Dienstmädchen Paquette vom Lehrer Pangloss erzogen. Abgeschirmt von der Realität, in der „besten aller Welten“. Wegen eines innerfamiliären Vorfalls wird der „Bastard“ Candide aus dem Schloss gejagt – und muss die reale schonungslose Vielfalt schrecklicher Erfahrungen durchleben.
Cordula Däuper hat sich dem schwierigen Unterfangen erfolgreich gestellt, den Zuschauer auf die handlungs-, handlungsort- und personalreiche Irrfahrt des Candide durch ganz Europa, hin bis in die „Neue Welt“, mitzunehmen. Ihr Angebot: Eine Spielanordnung als Experiment, spannend und flott unterhaltend gestaltet. Zentrale Frage: Wie lange wird der
Candide‘sche Optimismus Bestand haben? Eine von der Regisseurin geschaffene „allwissende Figur“ (ungemein variabel Stephan Lohse) wandelt zwischen Personen und Zeiten, ist Voltaire, Lehrer Pangloss, Mulatte Cacambo, auch Martin.
Mitdenken und Nachdenken
Dem Zuschauer, von dem viel Konzentration, Mit- und am besten auch Nachdenken abverlangt wird, hilft er, dem Geschehen, oft auch nur in ganz kurz erwähnten Episoden, stringent folgen zu können. Ein wenig Toleranz beim Publikum natürlich vorausgesetzt. Die Erzählweise von Cordula Däuper reflektiert die menschliche Gefühlspalette trefflich: dubios verwirrend, persiflierend, derb direkt, verletzend zynisch, satirisch, auch hintergründig humorvoll, ebenso emotional nahegehend. Auffallend, ohne vordergründig hervorgehoben
zu werden, sind die vielen Parallelen im menschlichen Handlungsmuster von „früher und heute“. All diese Wahrheiten und Andeutungen, das aktionsreiche Spiel, die tolle Musik, verdankt das Publikum dem rundum engagierten Ensemble.
Herausragend sind die Protagonisten.
Faszinierend mit Stimme, Spiel und einem wahren „Koloraturen-Gewitter“ Angelina Ruzzafante als Cunegunde. David Ameln war der immer gescholtene, doch liebenswerte,
ewig suchende Candide. Renate Dasch überzeugte als souverän mondäne Old Lady.
Ob das abschließende Sich- Wiederfinden aller Figuren, das Haus bauen und warten, „bis unser Garten blüht“, die nun „beste aller Welten“ ist, bleibt offen. Diese Frage kann sich
wohl nur jeder Zuschauer selbst beantworten.
Die nächsten Aufführungen sind am 10. Dezember um 16 Uhr und 20. Dezember um 17.30 Uhr zu erleben.
08.12.2009, 18:32 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
, Lohengrin
, Pressestimmen
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Alexander Hauer, http://www.deropernfreund.de/pageID_7953294.html,
http://www.musenblaetter.de/liste.php?bid=28, Dezember 2009
Anhaltisches Theater Dessau
Lohengrin
Der von vielen herbeigesehnte, von vielen befürchtete, Führungswechsel in Dessau blieb ohne große Folgen. Ja, es weht ein neuer Wind, aber die Qualität der Inszenierungen und die musikalische Leistung blieben auf dem gleichen, hohen Niveau. Dies ist mein Eindruck nach Andrea Moses’ klug durchdachten, und von Antony Hermus außergewöhnlich transparent geführten, Lohengrin am 22. November.
Zusammen mit Andrea Moses befreite er den Lohengrin von seiner romantischen Last, Wagner, ohne seine Schwere, bekam Swing.
Andrea Moses betrachtete den Text genau, mit chirurgischer Präzision sezierte sie die Textinhalte, setzte sich auf das genaueste mit dem musikalischen Subtext auseinander und schuf so zusammen mit ihrem Team einen höchst aktuellen, politischen Opernabend: Der heilige Gral als Heilsversprechen um einen Krieg im Osten zu führen ( ganz aktuell, seit einiger Zeit wird Deutschland auch am Hindukusch verteidigt, Danke, Herr Struck!). Nachdem die Brabanter Heinrich zunächst die Gefolgschaft für seinen Krieg gegen Ungarn verweigern, zaubert er eine weitere politische Marionette herbei.
Lohengrin erscheint aus der Unterbühne, Videoeinspielungen (Chris Kondek und Jens Crull) im Stil deutscher und amerikanischer Wahlspots, unterstreichen seinen Auftritt. Andrew Sritheran ist ein stimmlich sicherer, seine Kräfte klug einteilender, baritonal gefärbter Lohengrin. Er gestaltet seine Rolle als eiskalter Machtpolitiker, durchaus bereit seine Gegner zu töten, ist sich aber seiner Rolle als Marionette von Heinrich durchaus bewusst. Dieser Lohengrin weiß schon zu Beginn an, dass er Elsa verlassen muss und wird.
Bettine Kampp ist eine psychisch labile Elsa, durch jahrelange Gefangenschaft tablettenabhängig. Sie erkennt, wenn sie sich retten will, muss sie diesen Lohengrin heiraten, egal unter welchen Bedingungen. Spätestens aber, seit der Fragestellung im Brautgemach, beginnt aber ihre Emanzipation, und am Ende der Oper sieht sie als einzige das Unheil mit klaren Augen. Frau Kampps warmes Timbre und die klare Textverständlichkeit lassen diese Elsa auch musikalisch zu einem Hochgenuss werden.
Die Gegenspieler, Ortrud und Telramund (hinter jedem erfolgreichen Mann steht ein ehrgeizige Frau), Iordanka Derilova und Ulf Paulsen, sind, wie erwartet, einfach sensationell. Die schauspielerische Leistung der beiden steht der Gesanglichen in nichts nach. Ulf Paulsen eher lyrischer Bariton hat Möglichkeit zu schon fast brutalen Ausbrüchen, Derilovas glockenklarer Sopran, der Rolle angepasst, eiskalt und wunderbar verständlich (zum ersten Mal, nach vielen, vielen Lohengrinen habe ich verstanden, was Ortrud bei der Anrufung der alten Götter singt).
Pavel Shmulevich als Heinrich, steht in Moses’ Deutung im Mittelpunkt der Inszenierung. Seine Erscheinung ist fast zu sympathisch und seinem sonoren Bass fehlt das letzte Quäntchen an teuflischer Bösartigkeit.
Wiard Withold überzeugt als Heerrufer. Im Erscheinungsbild eines Priesters, ist er ein Einpeitscher, der es schafft, die Volksmassen auf Kriegskurs zu trimmen.
Der, durch den Coruso Chor und Extrachor verstärkte, Chor des Stadttheaters unter Helmut Sonne brilliert, wie man es sich nicht besser wünschen könnte.
Andrea Moses gelingt in der Ausstattung von Christian Wiehle ein zeitloses hochpolitisches Werk. Die Verführung des Volkes, die Abhängigkeit durch Lobbyisten und politische Willkür, waren und sind immer tagesaktuell.
Boshaft könnte man auch sagen: Nach der Wahl ist vor der Wahl.
In ihrem Schlussbild erscheint auf Heinrichs Befehl eine weitere Marionette, Gottfried, schnell zu recht geschustert mit Kindermaske. Während das Volk nun wie paralysiert gen Osten marschiert steht eine geistig nun völlig klare Elsa am Rand, die alle Avancen von Heinrich und dem Heerrufer ablehnt.
Der Abend endete unter einhelligen Jubel für Sänger und Orchester in einer klug durchleuchteten, romantikfreien Inszenierung.
Das Stadttheater lud im Anschluss an die Aufführung zu einer Diskussion ein. Rege Beteiligung des Publikums führte zu einer Auseinandersetzung mit dem Abend für beide Seiten. Regie, Dirigent und Sänger stellten sich den Fragen der Zuschauer. Kontroverse Auffassungen prallten aufeinander, blieben aber an diesem Abend von Seiten der Wagnerianer (noch) sachlich.
07.12.2009, 16:12 | tags:
Schauspiel/Musiktheater
, Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
, Pressestimmen
190
Dr. Kevin Clarke, http://magazin.klassik.com/konzerte/reviews.cfm?task=review
07.12.2009, 12:32 | tags:
Schauspiel/Musiktheater
, Musiktheater
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, Pressestimmen
189
Franz R. Stuke, http://www.opernnetz.de/seiten/rezensionen/dess_cand.htm, 7.12.2009
Zeitlose Gültigkeit
Es ist das Stück zur verlogenen Gegenwart – Voltaires philosophische Satire über „die Beste aller Welten“! Mit Bernsteins anspielungsreicher Musik entwickelt sich „Aufklärung mit den Mitteln der Unterhaltung“ (Brecht).
Ganz in diesem verkappten Lehrstück-Verständnis inszeniert Cordula Däuber – trifft den ironischen Duktus Voltaires mit seinem apokryphen Humor punktgenau, setzt auf die „system-persiflierende“ Musik Bernsteins als handlungsstrukturierendes Element. Die Geschichte der Reise Candides durch die Unbilden der Welt mit Krieg, gewalttätigen Ideologien, gnadenlosem Reichtum und schnöselhafter Unmoral bis zu seinem „Garten“, den er pflegen will – sie gerät zur tour d’horizon durch die Globalisierungs-Katastrophen, kommentiert vom Voltaire-Pangloss, mit personen-bezogenem Bühnenhandeln, realisiert durch ideenreiche Konstellationen der agierenden Personen - solo, in Ensembles und als „Masse“. Und dies permanent sowohl der Botschaft Voltaires als auch der hinreißenden musikalischen Piècen Bernsteins szenisch-subtil gerecht werdend!
Das alles geschieht auf einer Bühne mit grauen Wänden, die sich zerlegen lassen, zu Stufen aufbauend, mit sparsamen Requisiten arbeitend – Jochen Schmitts Bühnen-Elemente schaffen die kommunikativen Räume der Ausweglosigkeit für die Personen, die immer wieder durch Versenkungen stimuliert werden. Mareile Kretteks phantasievolle Kostüme korrespondieren mit dem ironisierenden Duktus des überzeugenden Inszenierungskonzepts.
Daniel Carlberg stürzt sich mit der brillanten Anhaltischen Philharmonie fulminant in die „spritzige“ Ouvertüre, interpretiert die so faszinierend wechselnden Stil-Anleihen Bernsteins mit bewundernswerter Flexibilität, gibt den Solo-Instrumenten Raum für virtuose Passagen – und nutzt die Chance zu etwas Einmaligem: die „hinterlistige“ Umsetzung ironisch-klingender Musik!
Für die Solisten ein prima Angebot für inspirierendes Spiel und distanziert-interpretierenden Gesang, mit Chancen zum Demonstrieren stimmlicher Virtuosität. Stephan Lohse gibt dem Voltaire/Pangloss ambivalenten Charakter, agiert reaktionssicher, spricht enorm ausdrucksstark und singt mit beeindruckender Intensität. David Ameln gelingt ein naiv-leidender Candide, ein ästhimierender Archetyp gläubigen Vertrauens, stimmlich hellwach, variabel im Ausdruck. Renate Dasch ist die lustvoll-stimulierende Alte Dame, darstellerisch flexibel, mit chansonhafter stimmlicher Attitüde! Angelina Ruzzafante kostet die Rolle der Kunigunde ironisch-lustvoll aus, brilliert mit perlenden Koloraturen, fasziniert mit stimmlicher Variabilität. Das Dessauer Ensemble überzeugt mit attraktivem Spiel, gesanglich perfekt positioniert - so wie der Opernchor, geleitet von Helmut Sonne: individualisiert im kollektiven Spiel, famos im differenzierenden Gesang der von Bernstein geforderten Stil-Mixtur!
Der nicht nur intellektuelle Spaß an der aufklärerischen Geschichte fand zur Premiere kein volles Haus in Dessau mit seinem riesigen Auditorium - doch die Zustimmung wächst von Szene zu Szene, endet mit nachhaltiger Zustimmung.
Prognose: Der Dessauer Candide wird zur Attraktion der Besucher aus Berlin, Leipzig, Magdeburg!
27.11.2009, 14:17 | tags:
Spielzeit
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, Anhaltische Philharmonie
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Pressemitteilung vom 27.11.2009
Wiederaufnahme von „Die Zauberflöte“
Die wohl beliebteste Oper der Musikgeschichte, „Die Zauberflöte“ von Wolfgang Amadeus Mozart, steht ab dem 19. Dezember wieder auf dem Spielplan des Anhaltischen Theaters.
Unter der Leitung von Daniel Carlberg werden in fast allen Hauptrollen neue Sänger zu hören sein, so dass der Opernbesuch auch jedem empfohlen werden kann, der die Inszenierung von Johannes Felsenstein bereits gesehen hat.
Der junge russische Bassist Pavel Shmulevich, sowohl als Heinrich in „Lohengrin“ als auch bei der „Serata di Gala“ gleichermaßen umjubelt, wird die Partie des Sarastro übernehmen, die er bereits in einer Neuinszenierung am traditionsreichen Marinskii Theater gesungen hat. Eine Paraderolle ist der Papageno für Wiard Witholt, der im „Lohengrin“ der Partie des Heerrufers nicht nur ungewöhnliche stimmliche Brillanz, sondern auch ungewöhnliches darstellerisches Profil verliehen hatte. Angus Wood erwies sich bereits Ende der letzten Spielzeit als Piquillo in der Premiere von „La Périchole“ als absoluter Publikumsliebling.
Er wird ab dem 19.12. den Prinzen Tamino verkörpern. David Ameln singt den Monostatos. Und als Königin der Nacht kommt mit Diana Tomsche vom Staatstheater Karlsruhe eine profilierte Koloratursopranistin als Gast nach Dessau. Die Pamina wird in bewährter Weise von Cornelia Marschall verkörpert, der Sprecher ist Kostadin Arguirov.
Weitere Termine: 17.01.10, 17 Uhr | 11.04.10, 17 Uhr | 23.05.10, 17 Uhr
Karten unter:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Freitag 9:30 – 20 Uhr
Theaterkasse - Nur Telefonisch 0340 2511 – 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
25.11.2009, 16:45 | tags:
Schauspiel/Musiktheater
, Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
179
Pressemitteilung vom 25.11.2009
Premiere Musiktheater
Candide - Musical von Leonard Bernstein
Mit „Candide“ schuf der Komponist und Dirigent Leonard Bernstein 1956, nur ein Jahr vor „West Side Story“ einen der ungewöhnlichsten Beiträge zum modernen Musiktheater. Das Anhaltische Theater Dessau lädt am 4. Dezember, um 19:30 Uhr ins Große Haus zur Premiere „Candide“.
Auf dem westfälischen Schloss Thunder-ten-Tronck wachsen Candide, seine heimliche Liebe Cunegunde, deren Bruder Maximilian und Paquette in der optimistischen Lebensphilosophie ihres Lehrers Pangloss von der „besten aller Welten“ auf. Die Idylle wird zerstört, als Candide vom Grafen Thunder-ten-Tronck beim Liebesspiel mit Cunegunde ertappt und aus dem Schloss verbannt wird. Auf seiner Reise durch die Welt muss Candide am eigenen Leib erfahren, dass die „beste aller Welten“ nur in der Philosophie und ohne Bezug zur Realität existiert. Mit Witz, beißendem Spott und Ironie werden der überhebliche Adel, die kirchliche Inquisition, Krieg, Sklaverei und die naive Utopie des einfachen Manns von einem sorglosen Leben angeprangert. Doch im Unterschied zu Voltaires Erzählung, die bei allem Humor ein bitterböses negatives Märchen ist, findet Bernsteins Werk einen versöhnlichen Abschluss, in einem Hymnus auf das bescheidene private Glück, den eigenen Garten zu bestellen.
Wenn „West Side Story“ auch die größere Bekanntheit erlangte, so ist „Candide“ doch das komplexere, genialere Werk, Bernsteins kühnste Schöpfung für die Musiktheaterbühne überhaupt, eine Mischung aus Musical, klassischer Operette und komischer Oper. Das Libretto ist eine geschickte Dramatisierung von Voltaires berühmtem Roman „Candide ou l’Optimisme“ [Candide oder der Optimismus]. Die musikalische Leitung liegt beim 1. Kapellmeister des Anhaltischen Theaters Daniel Carlberg, der einen bravourösen Einstand mit dem Ballett LULU feiern konnte. Als Regisseurin konnte Cordula Däuper gewonnen werden, die zuletzt mit großem Erfolg an der Komischen Oper in Berlin gearbeitet hat.
Inszenierung: Cordula Däuper I Musikalische Leitung: Daniel Carlberg I Bühne: Jochen Schmitt I Kostüme: Mareile Krettek I Chor: Helmut Sonne
Solisten: Angelina Ruzzafante (Cunegunde), Kristina Baran (Paquette), Renate Dasch (Alte Lady), David Ameln/ Angus Wood (Candide), Stephan Lohse (Voltaire/ Pangloss/ Martin), Wiard Witholt (Maximilian), Kostadin Arguirov (Captain), David Schroeder (Vardendendour/ Ragotski/ Governor)
Nächste Termine: 6.12.09, 17 Uhr I 10.12.09, 16 Uhr I 20.12.09, 17 Uhr | 09.01.10, 17 Uhr | 28.01.10, 19:30 Uhr
Am 28.1. im Anschluss an die Vorstellung „Nachgefragt“ mit Regisseurin Cordula Däuper und Ensemble-Mitgliedern
13.11.2009, 16:21 | tags:
Anhaltische Philharmonie
, Diverses
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Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 12.11.2009
Donnerstag hau'n sie auf die Pauke
Konzert: Im Elbe-Werk dirigiert Antony Hermus das «Impuls-Orchestertreffen»
Der Zyklop tanzte schon im Opernhaus Magdeburg und im Neuen Theater in Halle, jetzt macht er sich auf in den Heimatort seines Schöpfers. Am Donnerstagabend erlebt man ihn in der Stadt, genauer gesagt ab 19.30 Uhr im Elbe-Werk (Hauptstraße 117-119) in Roßlau. Der "Tanz des Zyklopen" ist ein Musikstück, komponiert vom Dessauer Musiker und Komponisten Christoph Reuter. Bereits zweimal erprobt, wird nun das Trio der Aufführungen komplett, wenn am Donnerstagabend in Roßlau das "Impuls Orchestertreffen 3" stattfindet. Angesiedelt ist es innerhalb des Impuls-Festivals für Neue Musik, das noch bis zum Wochenende in Sachsen-Anhalt Konzert-Veranstaltungen anbietet.
Die Orchestertreffen sind eine besondere Form der Konzerte; sie fanden bisher in Halle und Magdeburg und Donnerstag nun auch in Dessau statt und präsentieren die stadteigenen Orchester mit Beiträgen zur Neuen Musik. Im zweiten Teil des Konzertes erlebt das Publikum dann fünf Schlagzeuger aus allen großen Orchestern des Landes. Sie spielen neue Kompositionen für Schlagwerk und jeweils ein Instrument, die von Komponisten Sachsen-Anhalts geschrieben wurden.
Der Dessauer Christoph Reuter wählte sich als ergänzendes Instrument das Klavier und sitzt auch selbst am Flügel. Sein Part inmitten der Werke seiner Kollegen ist eine höchst unterhaltsame, vom Jazz beeinflusste und auch mit Witz und Ironie geschriebene Komposition. Bei der Aufführung in der vergangenen Woche in Halle gehörte der "Tanz der Zyklopen" zu jenen Stücken, die das Publikum besonders feierte. Wohl auch, weil die Aufführung mit kleine Tücken verbunden war, als ein Bein des Konzertflügels beim Rollen auf die Bühne brach, Reuter aber unbeirrt in die Tasten schlug, als das Instrument auf einen Hebewagen gehievt war.
So etwas muss man wohl nicht befürchten, wenn das Impuls-Festival am Donnerstag im Elbe-Werk Station macht. Dessaus Generalmusikdirektor Antony Hermus dirigiert das dritte und letzte Orchestertreffen, und mit Tan Duns tödlich feurigem Paul-Klee-Dialog schließt er den Kreis, der mit dem Impuls-Eröffnungskonzert drei Wochen zuvor in der Stadt begonnen wurde. Dass dieses Konzert keine dröge Wiederholungsveranstaltung ist, beweist es bereits in den ersten Minuten, wenn besagtes Impuls-Percussion-Ensemble auf die Pauke haut - und bestätigt es nach der Pause doppelt, indem es den bisherigen Festivalstücken noch zwei bisher nicht erklungene Kompositionen zur Seite stellt. "Voyage" von Philip Glass bezieht sich dabei noch einmal explizit auf das Festival-Thema "Odyssee", während die Uraufführung von "Kristalle" eine Verbeugung vor einem Mann ist, der kürzlich seinen 70. Geburtstag feierte: Thomas Müller erwarb sich seine Meriten als Dirigent der Reihe "Konfrontation", die bis heute - als K-Reihe der Staatskapelle Halle mit Festivalintendant Hans Rotman - erfolgreich in Halle junge Zuhörer an Neue Musik heranführt.
Karten gibt es an den Theaterkassen unter den Nummern 0340 / 2 40 02 58 und 0340 / 2 51 13 33 sowie an der Abendkasse.
11.11.2009, 16:13 | tags:
Schauspiel/Musiktheater
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, Pressestimmen
155
Herbert Henning, Orpheus Nov./ Dez. 2009
DESSAU
Keine Zeiten für Romantik
Das Anhaltische Theater Dessau startet nach der Ära von Johannes Felsenstein in die 215. Spielzeit mit Wagners LOHENGRIN in der Inszenierung von ANDREA MOSES, die in emanzipatorischer Absicht eine hochinteressante Sicht auf die irrationale Welt des „Schwanenritters“ eröffnet und dabei aus der Sicht von Elsa eine Geschichte von Macht und Machterhaltung, Täuschung, Versprechen und Manipulation von Menschen, denen die Ideale abhanden gekommen sind, spannend und überraschend aktuell erzählt.
Von Anfang an hat die angesichts der Anklage von Ortrud und Telramund traumatisierte Elsa keine Chance und erst im Brautgemach, dass wie in einem „Wolkenkuckucksheim“ überirdisch schwebt (Ausstattung: CHRISTIAN WIEHLE) emanzipiert sich diese Frau und stellt die verbotenen Frage nach „Herkunft und Stand“ dieses Mannes. Moses beleuchtet die Figuren mit großer Genauigkeit, inszeniert die Auseinandersetzungen zwischen Ortrud, Telramund und Elsa fast intim als Kammerspiel mit großer Genauigkeit. Die Sänger agieren als Schauspieler mit außerordentlicher darstellerischer Präzision.
Dies gilt vor allem für IORDANKA DEVRILOVA als Ortrud mit lodernder, expressiver Stimme und dämonischer Intensität im Spiel wider dem Wahn des Schwanenkults und der Einlullung der Massen durch das König Heinrich/Lohengrin-Bündnis. Für ihre Rache opfert diese raffiniert handelnde „femme fatale“ ihren Mann, den ULF PAULSEN mit markanter Stimme singt. Große musikalische Momente für PAVEL SHMULEVICH als König Heinrich und als einziger Verbündeter an der Seite von Elsa WIARD WITHOLT als kraftvoller Heerufer.
BETTINE KAMPP macht mit jugendlich - dramatischer Stimme überzeugend die Wandlung vom ahnungslosen Mädchen, das in den Sog politischer Ränke gerät, zur emanzipierten Frau deutlich. Dass der neuseeländische Sänger ANDREW SRITHERAN nach stimmlichen Aussetzern in der Brautgemach-Szene in der selten gehörten vollständigen Gralserzählung zu wunderbarem piano findet, zeigt das stimmliche Potential dieses jungen und attraktiven Sängers.
Für die Anhaltische Philharmonie unter ANTONY HERMUS und die von HELMUT SONNE einstudierten, Chöre gilt nach dieser Lohengrin-Premiere uneingeschränkt das musikalische Prädikat „Bayreuth des Nordens“. Selten hat man das Vorspiel zum 3. Akt und den Hochzeitsmarsch mit soviel musikalischer „Ironie“ und orchestraler Präzision erlebt. Ein fulminanter Auftakt des Dirigenten mit dem Orchester, enthusiastisch gefeiert. Das außerordentlich heftige Buh-Konzert für das Inszenierungsteam sollte nicht vom Besuch dieses Dessauer LOHENGRIN abhalten.
09.11.2009, 21:35 | tags:
Anhaltische Philharmonie
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Johannes Killyen, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 10.11.2009
Frappierende Klangkultur
Sinfoniekonzert: Philharmonie spielt Beethovens «Eroica» in einem Höllentempo
Beethoven und das richtige Tempo - dieses Thema hat Generationen von Musikwissenschaftlern und Interpreten schlaflose Nächte beschert. Dabei scheint die Wahl der richtigen Geschwindigkeit im Falle Beethovens einfacher zu sein als, sagen wir, bei Mozart oder Bach. Denn immerhin kannte der "Titan" aus Wien das 1815 erfundene Metronom und trug als vielleicht erster Komponist überhaupt Metronomzahlen in einige seiner Werke ein.
Schnelles Tempo gewagt
Die waren, wie es sich für den Querkopf Beethoven gehört, freilich etwas anders, als die meisten Dirigenten und Instrumentalisten es später wahrhaben mochten. Für den Kopfsatz seiner dritten Sinfonie, der "Eroica", hat der Meister zum Beispiel ein Tempo vorgegeben, das dieses "Allegro con brio" in die Nähe eines Wiener Walzers rückt. "Unschön", meckerten die Besserwisser - "unspielbar", die Kleingeister. War Beethovens Metronom kaputt? Oder sollte man alles einfach halb so schnell spielen?
Es gibt in der Masse von "Eroica"-Aufnahmen nicht viele, die das schnelle Tempo wagen und zur Diskussion stellen. Weshalb die Interpretation des neuen Generalmusikdirektors Antony Hermus beim zweiten Sinfoniekonzert der Anhaltischen Philharmonie am Donnerstag und Freitag einer erfrischenden Ohrenwäsche gleichkam.
Hermus und sein glänzend präpariertes Orchester lieferten den Beweis dafür, dass es möglich ist, den besagten Anfangssatz in größter Natürlichkeit in einem wahren Höllentempo zu spielen - so, wie es Beethoven wollte. Das allein hätte für eine - sagen wir es ruhig - sensationelle Aufführung freilich nicht gereicht. Aber es machte exemplarisch deutlich, wie mutig und konsequent der neue musikalische Leiter des Dessauer Theaters seine Arbeit angeht.
Innerhalb weniger Monate hat Hermus im Orchester eine Klangkultur etabliert, die schlicht frappierend ist. Er gewichtet die Stimmen aufs Klügste, kultiviert feinstes Wispern ebenso wie eine klangvolle Mittellage oder ein explosives Forte. Kurz: Er präsentiert sich als Meister der wohl kalkulierten Effekte, ohne dabei Effekthascherei zu betreiben. Paradox: Nichts scheint bei dem Holländer zufällig zu geschehen, und doch überrascht vieles. Auch die neue Orchesteraufstellung, die in der Beethoven-Sinfonie zu reizvollen Stereo-Effekten zwischen den ersten Geigen auf der linken und den zweiten Geigen auf der rechten Seite führte.
Emotionalität im Trio
Ein Satz gelang in der "Eroica" schöner als der andere - vielleicht wäre dennoch der Trauermarsch hervorzuheben, dessen Dramaturgie alle Schatten- und Lichtseiten eines Heldenlebens beleuchtete. Schade, dass sich ausgerechnet hier leichte Unstimmigkeiten in das Zusammenspiel einschlichen.
Beethovens dritte Sinfonie ließ vergessen, dass dieses Sinfoniekonzert auch vor der Pause schon einiges zu bieten hatte: Da entfaltete das Storioni-Trio aus Amsterdam ein zu Beginn etwas akademisch komponiertes Concertino für Klaviertrio und Streicher von Bohuslav Martinu (1890-1959) am Ende zu großer Emotionalität. Um in der Zugabe mit einem Satz aus Dvoráks "Dumky"-Trio das eigentliche Werk beinahe auszustechen.
Ganz am Anfang die Reverenz an einen Jubilar und Meister des Hauses: Das Sinfonische Vorspiel von Heinz Röttger aus dem Jahr 1936, der von 1954 bis zu seinem Tod 1977 Generalmusikdirektor am Anhaltischen Theater war. Das zwischen Bruckner, Strauss, neuer Sachlichkeit und Hollywood-Sound virtuos changierende Stück machte Lust auf mehr Röttger. Der sich, so wie das Publikum, über diesen Abend ebenso wie auf die nächsten Sinfoniekonzerte am Anhaltischen Theater gefreut hätte.
Das Konzert wird am Dienstagabend, 20 Uhr, auf Deutschlandradio Kultur und am 23. November (ebenfalls 20 Uhr) auf MDR Figaro noch einmal gesendet.
05.11.2009, 20:30 | tags:
Anhaltische Philharmonie
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Johannes Killyen, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 6.11.2009
Heinz Röttger
Begnadeter Orchester-Erzieher
Freitag vor 100 Jahren wurde der Dirigent und Komponist geboren - Er prägte mehr als zwei Jahrzehnte das Dessauer Musikleben
Man sollte, ließ Heinz Röttger einst verlauten, im Rücken des Dirigenten einen Paravent aufstellen: "Um das Publikum bloß nicht von der Musik abzulenken." Das war so bescheiden gesprochen, dass es an Koketterie grenzt. Und doch darf man ihm abnehmen, dass er von heiligem Ernst erfüllte war, wenn es um die eine Sache ging: Musik. Freitag vor 100 Jahren wurde der Komponist und Dirigent Heinz Röttger geboren - der wichtigste Generalmusikdirektor des Dessauer Theaters im 20. Jahrhundert.
Große romantische Kiste
Szenenwechsel. Auf der Probenbühne des Anhaltischen Theaters ist soeben Beethovens "Eroica" verklungen. Ein neues Werk liegt auf den Pulten, "seien wir gespannt", sagt Antony Hermus. Es ist die erste veritable Begegnung mit einem Stück des großen Vorgängers. Punktierungen donnern, sanft wellen sich Klangflächen, dazwischen fahren Blechfanfaren. Bruckner klingt an und Wagner, auch Richard Strauss natürlich - große romantische Kiste. "Manchmal sind da aber Klangballungen, die sperren sich gegen das Wohlbefinden", sinniert Hermus, der seit wenigen Wochen Generalmusikdirektor in Dessau ist.
Für das Jubiläumskonzert ist Röttgers "Sinfonisches Vorspiel" ausgewählt worden, das in diesem Haus noch nie gespielt wurde. 1936 komponiert, hat der 27-Jährige es Alfred Morgenroth gewidmet, der als Sekretär der Reichsmusikkammer unter anderem dafür zuständig war, "feindländische Schallplatten" zu verbieten. Was Röttger - damals Solorepetitor am Stadttheater Augsburg - nicht davon abhielt, den Förderer als engen Freund zu bezeichnen. Zu diesem Zeitpunkt befindet sich Röttger als Komponist und Dirigent schon auf der Erfolgsspur. Den kurzen Abzweig zur Theologie hat der 1909 in Herford geborene Sohn eines Eisenbahners wieder verlassen, hat sich mit einer Dissertation über "Das Formproblem bei Richard Strauss" die Anerkennung des Meisters erworben und kann auch schon auf eine Assistenzzeit bei Hans Knappertsbusch in München zurückblicken.
Der Krieg markierte für Röttger, der 1941 heimlich die Schwedin Eva Johnn heiratete und später im Zuge der Entnazifizierung als Mitläufer eingeordnet wurde, den entscheidenden Wendepunkt: Er wurde 1942 eingezogen, verwundet, als "letzte Reserve" wieder eingezogen - und überlebte traumatisiert. Fortan war Röttger ein überzeugter Pazifist, der sich selbst in Sitzungen des DDR-Komponistenverbandes der Idee eines "gerechten Krieges" verweigerte.
In den Osten war er 1948 gekommen, als musikalischer Oberleiter am Theater Stralsund und ab 1951 als Generalmusikdirektor in Rostock. Als er 1954 das Probedirigat in Dessau gewinnt, will man ihn nicht ziehen lassen und belegt ihn mit einer Berufssperre, die nur durch Intervention des Ministeriums für Kultur aufgehoben wird.
Es beginnt eine goldene Zeit für Heinz Röttger - und für Dessau. Der bekennende Fußballfan legt die verschüttete Wagner-Tradition der Muldestadt wieder frei und baut - im Triumvirat mit Regisseur Willy Bodenstein und Ausstatter Wolf Hochheim - das riesenhafte Theater zum viel beschworenen "Bayreuth des Nordens" aus - bis der Mauerbau mit den folgenden Einschränkungen die Wagnerfestwochen auf ein regionales Ereignis reduziert.
Röttger prägte als begnadeter Orchester-Erzieher Generationen von Philharmonikern, wurde von den Sängern ob seiner Sensibilität verehrt und hob das Niveau der ihm zugeordneten Ensembles kontinuierlich an. Zugleich war er ein glühender Förderer der zeitgenössischen Musik, nicht zuletzt seiner eigenen. Früh stellte er sich hinter das im sozialistischen Realismus verpönte Zwölftonsystem und die elektroakustische Musik. Legendär die Aufführung des Jazz-Konzerts von Rolf Liebermann im Jahr 1955, das Röttger als "Volksmusik einer unterdrückten Rasse" ausgab und so unangreifbar machte.
Warten auf Wiederentdeckung
1977 starb Röttger nach kurzer schwerer Krankheit: hoch geschätzt, manchmal belächelt ob seiner Unbeholfenheit in praktischen Dingen - und zumindest in Dessau nicht vergessen. Über 40 seiner Werke wurden seit seinem Tod hier aufgeführt, seit 1998 vor allem auf Betreiben des Anhaltischen Kammermusikvereins. Eine praktische Würdigung seines Opernschaffens wäre freilich wieder an der Zeit, zum Beispiel eine Neuinszenierung des "Spanischen Capriccio", seines wohl besten Bühnenwerks.
Als Mann des Theaters scheute sich Röttger übrigens auch nicht, Details selbst berühmter Werke für seine Bedürfnisse anzupassen. Dabei konnte er auf Richard Strauss persönlich verweisen, der angesichts eines fehlenden Tenors im "Rosenkavalier" Röttger trocken zuwarf: "Dann nehmen Sie doch einen Sopran."
Konzert mit "Sinfonischem Vorspiel": Am Freitag, 19.30 Uhr, Anhaltisches Theater
05.11.2009, 12:17 | tags:
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Karsten Pietsch, Leipziger Internetzeitung/ Kultur. Theater, 04.11.2009
Theaterbrief aus Dessau:
Wagners „Lohengrin“ und zwei Stunden warten auf den Kuss von Elsa und Ortrud
Kaum dass die ersten Ouvertüren-Takte verklingen, dämmert es hinter dem Vorhang. Menschen in heutiger Kleidung lümmeln auf den Tischen und Stühlen einer Konferenz-Arena. Die Strukturen der Macht, der Akteure und der Reagierenden sind klar erkennbar, ein trefflicher und machtsicherer Ort auch für Befragungen und Urteile.
Elsa hat Gleichgewichts- und Bewusstseinsstörungen, greift zur Pulverdose, die man ihr wegnimmt. Mit Rausch kämpft sie den Abend lang.
„Offenes Land“ ist die Spielzeit übertitelt, die Leitung des Anhaltischen Theaters hat gewechselt. Im Spielzeitheft gibt es vornehmlich Foto-Schnappschüsse aus der Region.
Kein Regisseur muss an dem anknüpfen, was von gleichen Autoren vorher am selben Haus inszeniert wurde, mag es das Publikum tun, wenn ihm danach ist. Johannes Felsensteins Wagner-Sicht auf „Parsifal“ hatte so viel Kunst, wie nötig war, dass man nichts mehr weglassen konnte. Aus einem Holz geschnitzt. Der tote Baum lag auf der Bühne, war Höhle und, wenn er aufgerichtet war, auch Kruzifix in der Gralsburg.
Andrea Moses geht einen anderen Weg, zeigt pures Heute, setzt als Regisseurin, und in der neuen Dessauer Theaterleitung Schauspielchefin, beim Publikum keine Kenntnisse um Wagner und irgendwelche Zeitereignisse voraus, sie erzählt alles.
Lohengrin 2009: Menschen gestalten -Zukunft bewegen
Über der Bühne von Christian Wiehle hängt in großen Lettern, die sich grafisch nicht akkurat zu einem Gesamtbild fügen „Menschen gestalten - Zukunft bewegen“. Mit einer solchen Parole, um zwei Worte verdreht, zogen ja tatsächlich Politiker in den Wahlkampf. In dieser Form nun ist sie nicht eine harmoniesüchtige esoterische Anwandlung, sondern Gehirnwäsche, totalitärer Anspruch, ein Apparat. Stilisiert mit einem Schwanenhals, Gefieder und grellem Lichtstrahl. Leider kommt die Regie nicht auf die Idee, die vier Worte der Losung ein paar Mal sinnstiftend zu verändern.
Da kommt einer daher, meint man müsse ihm folgen, dürfe aber nie fragen, woher er käme. In der Regie von Andrea Moses sieht man auf der Bühne nicht viel andere Kleidung, ebenfalls von Christian Wiehle gestaltet, als die des Publikums, Frisuren und Brillen im Chor scheinen auf Menschenmengen zu verweisen, die auch bei früheren Inthronisierungen schon dabei waren. Ein neuer Heilsbringer kommt auch auf die Zuschauer zu, denn der Chor agitiert mit seinen wappendekorierten Liederbüchern im Saal. Überdeutlich ist der Zeigefinger: Vorsicht vor Uniformitäten, Wappen, Liederbüchern, Vereinnahmungen.
Goldglitzer und Luftballons sichern der Putzfrau Arbeit
Andrew Sritheran singt und spielt den Lohengrin, schwarzhaarig, dunkelhäutig, weltmännisch daherkommend, auf extra eingefahrenem Podest wie in einem eigens errichteten Tempel. Bettine Kampp als Elsa von Brabant und Iordanka Derilova als Ortrud sind Stimmen, die sich schon längst im Wagner-Fach zu Hause fühlen dürfen. Von der Regie kriegen sie interessante Momente. Nach zwei Stunden Spielzeit dürfen sie sich sogar küssen. Am Ende des ersten Aktes gibt es Goldglitzer von oben und Luftballons, eine unvermeidliche Zutat aus dem Werkzeugkasten cooler Ausstatter und Spielleiter. Bleibt für die Phantasie sonst nur noch der Zwischenraum zwischen Schwarz und Weiss, Schatten und Dämmerung?
Immerhin gibt das einer Putzfrau Arbeit, der wir danach zusehen dürfen.
Man sieht sicher auch ohne Kenntnis der Handlungsbeschreibungen, dass es sich hier um einen Intrigantenstadel handelt. Programmhefttexte erzählen mit Namen von Personen und Firmen etwas von heutigen Lobbyismus genannten Einflüssen und Abhängigkeiten zwischen Wirtschaft und Politik. „Du bist Brabant“ steht über der Szene des zweiten Aktes, „Vertrauen in Deutschland“ wird im dritten Akt per Losung eingefordert.
Im Brautgemach sehen wir unter anderem auf am Fenster vorbeiziehende Wolken; landläufig ist das der Alptraum der Darsteller vieler Naturbühnen, dass sich das Publikum vom Bühnengeschehen abwenden könnte, um den vorbeiziehenden Wolken nachzuschauen.
Man ist schon über Leichen gegangen, hat Fahnen geschwungen wenn Gottfried, wir sind wieder bei Wagners Mythos-Stoff, aus dem Schnürboden herunterschwebt. Dabei werden die Scheinwerfer zum Blenden ins Publikum gerichtet.
Martin Gregor-Dellin schloss seinen Wälzer der Wagner-Biografie mit den Worten: „Was folgte, ist Nachwelt, eine andere Geschichte, ohne Wagner, und fern ist Heute, von ihm getrennt durch Katastrophen.“ In den Anmerkungen findet sich Gregor-Dellins Kommentar zu Deutungen der Figuren aus dem „Ring des Nibelungen“: „Hagen als Wiedergeburt wäre Hitler usw., aber wozu gibt es Inszenierungen?“ Man kann hinzufügen: „Und dann ist in jedem Fall der alte Wagner an allem Schuld!“
Dessauer Unikat
Zeitreisen auf mehreren Ebenen sind im Theater üblich. Bei Richard Wagners „Lohengrin“ im Anhaltischen Theater Dessau schmilzt der von Wagner geschriebene Mythos zur großen Gefahr in Form von wieder einmal neuen Leitfiguren und Aufmärschen, die mit Wappen und Liederbüchern Seelen fangen. Musiktheater, bei dem zum alten Soundtrack sehr viel zu sehen ist. Sänger sind zu hören, deren Namen man sich merken kann, weil die wagnersingende Reisegemeinde überschaubar ist. Immerhin eine Version anno jetzt, 2009, ein Dessauer Unikat.
Nächste Vorstellungen im Anhaltischen Theater Dessau: 22. November, 27. Dezember 2009, 4. Februar, 3. April, 13. Mai 2010
www.anhaltisches-theater.de
03.11.2009, 13:36 | tags:
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148
Raus aus der Vergangenheit
André Bücker vollbringt am Anhaltischen Theater in Dessau einen auf ganzer Linie überzeugenden Neustart als Nachfolger von Johannes Felsenstein
Eine Putzfrau, ausgerechnet eine Putzfrau ist es, die zur Augenzeugin der Verschwörung wird: Im verwüsteten Plenarsaal, wo Luftballons zwischen umgeworfenen Stühlen liegen, blickt sie schweigend auf den abgesetzten Herrscher und seine First Lady herab. Und während sich die Anhänger des Gewesenen spätestens in diesem Augenblick auf radikale Ablehnung einigen, sehen all jene, die auf das Kommende gehofft haben: Hier findet tatsächlich ein Akt der Reinigung statt, ein Kehraus jener Tradition, die auf dem Anhaltischen Theater zuletzt bleischwer lastete.
Nichts weniger hatte André Bücker für seine erste Dessauer Spielzeit angekündigt, nichts weniger hat sein Team mit dem ersten Premierenwochenende gehalten: Der Premieren-Hattrick aus Einar Schleefs „Abschlussfeier“, Richard Wagners „Lohengrin“ und Gotthold Ephraim Lessings „Nathan der Weise“ war eine politische und poetische Ansage, die in ihrer programmatischen Geschlossenheit wie in ihren ästhetischen Differenzen zu schönsten Hoffnungen für die Zukunft berechtigte. Dass sich der neue Generalintendant dabei in nobler Zurückhaltung übte und seine eigene Inszenierung an den Schluss des großen Theater-Festes stellte, durfte nach den Tagen des Patriarchen Johannes Felsenstein als Bekenntnis zum demokratischen Miteinander verstanden werden.
Die Fallhöhe seines „Nathan“ aber ist gleichwohl himmlisch: Rechas Vision, die einen Engel statt des Tempelherrn für ihre Rettung aus dem Feuer verantwortlich macht, wird als Prolog auf der großen Showtreppe zwischen Erde und Wasser, Feuer und Luft sichtbar beglaubigt. Im elementaren Bühnenbild von Suse Tobisch, die auch für die sakrale Haute Couture der Kostüme verantwortlich zeichnet, liest das neue Ensemble fortan einen alten Text, als wäre er ein Stück von heute. Uwe Fischers Nathan ist kein statuarischer Weiser, sondern ein von Kleinmut und Zweifeln getriebener Mensch, der sich seine Güte mühsam erarbeiten muss – und eigentlich lieber sein Gärtchen bestellen würde. Doch seitdem der selbstbewusste, kraftstrotzende Tempelherr (Sebastian Müller-Stahl) seine traumverlorene Adoptivtochter Recha (Ines Schiller) aus den Flammen getragen hat, bleibt ihm weder Zeit für seinen skurrilen Derwisch-Freund (Thorsten Köhler) noch für die Glaubensnöte seiner Dienerin Daja (Eva-Marianne Berger), die unter der Last ihrer Kruzifixe zusammenzubrechen droht und vom vielen Beten schon Pflaster an den Knien hat. Zwischen dem bigotten Patriarchen (Gerald Fiedler) und dem leichtsinnig toleranten Kampfsportler Saladin (Stephan Korves) muss der Jude sein höchstes Gut verteidigen – und gleichzeitig die Begehrlichkeiten von Sittah (Antje Weber) abwehren. Wie gut, dass wenigstens der Klosterbruder (Henning Kober) als Deus ex machina hält, was sein mit Heiligenbildchen bestickter Kittel verspricht …
André Bücker glückt es auf überraschende Weise, den Humor des Lessing-Textes als Geschmacksverstärker für die Bitterkeit freizulegen, er schlägt in der überwältigenden Körperlichkeit seines Ensembles einen gleichermaßen natürlichen wie hohen Ton an – und läuft am Ende in einhellige Begeisterung, nachdem sich am Vorabend ein Sturm aus Buh- und Bravo-Rufen über seine neue Chefregisseurin ergossen hatte. Dabei war auch Andrea Moses mit ihrem „Lohengrin“ ein großer Wurf gelungen: Sie hatte nicht nur den schimmernden Helden als Demagogen entzaubert, der mit seinem Frageverbot einen esoterischen Faschismus etabliert. Sie hatte zugleich den Hochbunker aus dem Jahr 1938 in all seinen gigantischen Möglichkeiten ausgeschöpft – und mit dem Haus auch die Menschen bewegt.
Denn dies war die frappierendste Neuerung ihres Abends, der in Christian Wiehles Ausstattung Schnürboden und Versenkung, Hinter- und Seitenbühne beansprucht: Ihre individuelle und präzise Figurenführung löste endlich jene musiktheatralische Qualität ein, die in den letzten Jahren vor Ort meist zur bloßen Behauptung verkommen war. Der Chor, verstärkt um Mitglieder des Extrachores und des freien Coruso-Ensembles, zeigte sich unter der Leitung von Helmut Sonne sängerisch wie darstellerisch in der Form seines Lebens, die Anhaltische Philharmonie spielte unter Antony Hermus gar weit über ihren bisherigen Möglichkeiten. Wie hier die Szene aus dem Klang geschöpft und in den Ton zurückgeführt wurde – das hatte Charme und Kraft, das war eine Verführung zum Denken und ein Bekenntnis zum „Bayreuth des Nordens“.
Dass sich neben den verlässlichen Konstanten Ulf Paulsen (Telramund) und Iordanka Derilova (Ortrud) ein neues Sängerensemble behauptete, von dem man sich künftig viel erwarten darf, rundete den positiven Eindruck: Pavel Shmulevich ist ein viriler König Heinrich, neben dem auch sein Heerrufer Wiard Witholt glänzende Figur macht. Und während Bettine Kampp als zunächst narkotisiertes Opfer Elsa allmählich zur selbstbewussten Frau reift, die als Einzige dem militanten Sog der New-Age-Gemeinde entrinnt, muss Andrew Sritheran in seinem Rollendebüt als Lohengrin zwar Lehrgeld zahlen. Er rettet sich – von Antony Hermus treulich geführt – aber mit Bravour über den Abend und wird an dieser Rolle gewiss weiter wachsen. Dass das gesamte Ensemble am Ende zudem wie ein Mann applaudierend hinter seiner Regisseurin stand, die drei Tage nach ihrem Dessauer Einstand mit der Berufung an die Staatsoper Stuttgart bereits die nächste Karriere-Stufe nahm, war ein Beweis für den neuen Geist, der auf dieser großen Bühne weht – und der Andrea Moses auch darin bestärkt, ihren Dessauer Vertrag bis 2011 zu erfüllen.
Dass Armin Petras schließlich ein besonderes Geschenk zum Einstand mitbringen würde, hatte man angesichts seiner Affinität zum Werk von Einar Schleef vermuten dürfen. Und tatsächlich geriet die „Abschlussfeier“, die vom Clash der Kulturen in einer DDR-Jugendherberge erzählt, zu einem Schauspielerfest voll überdrehter, traurig grundierter Heiterkeit: Ursula Werner und Hilke Altefrohne, Julischka Eichel und Sabine Weibel gaben als Gorki-Gäste hier das Niveau vor, zu dem sich auch die Ensemblemitglieder Regula Steiner-Tomic und Christel Ortmann sowie der Jugendklub des Anhaltischen Theaters streckten. Aus der kleinen Spielstätte wuchs und öffnete sich dieser so kluge wie sentimentale Abend in die Stadt hinein. Und am Ende der großen Party in einem kleinen Land konnte man wissen, dass dort vielleicht nicht alles schlecht – aber ganz gewiss gar nichts gut war.
Dass bereits in der ersten „Lohengrin“-Pause das neue Gästebuch mit dem Eintrag „André Bücker absetzen“ eröffnet worden war, erzählte viel über die Aufnahmebereitschaft der Alten für das Neue. Das letzte Wort aber hatte der Hausherr selbst: Nachdem ein Kinderchor die drakonische Strafe für Menschlichkeit zunächst noch mit „Hallelujah“ bejubelt hatte, schwebte am Ende eine bunte Leuchtschrift über der Szene: Ein roter Halbmond bildete das „C“, ein Davidsstern das „X“ und ein Kreuz das „T“ in dieser Aufforderung, die sich insgesamt als „Coexist“ lesen ließ. Und Nathan, dieser Mensch von Hier und Heute, pflanzte endlich seinen Baum. Was für ein Bild, welch ein Versprechen!
02.11.2009, 20:35 | tags:
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Ute van der Sanden, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 03.11.2009
Triumphzug des Belcanto
Neue und alte Sängerinnen und Sänger des Anhaltischen Theaters übertrumpfen sich in «Serata di Gala»
Beide Konzertmeister der Anhaltischen Philharmonie lächelten beim Betreten der Bühne ins Publikum. Man müsste den Satz glatt noch einmal hinschreiben, so außerordentlich erschien, was sich am Freitag im Theater zutrug. Dabei wurden die frohen Gesichter von Myra van Campen-Bálint und ihrem Stellvertreter Martin Schulze, so imposant sie zunächst wirken mochten, mehr und mehr zur Marginalie. Knapp 900 Menschen erlebten im beinahe ausverkauften Großen Saal die Premiere der "Serata di Gala". Sie genossen eine Vorstellung der romantisch-dramatischen Oper, die italienischer geriet, als man zu hoffen gewagt hatte, und die somit die meisten Erwartungen übertroffen haben dürfte.
Nicht, dass man das Dessauer Publikum mit einem Gefälligkeitsprogramm aus Bravourarien und Ohrwürmern geködert hätte. Neben Ausschnitten aus Verdis "Traviata" und "Don Carlo", aus Puccinis "Manon Lescaut" und "La Bohéme" erklangen Raritäten, etwa aus Leoncavallos "Zazà". Gewiss gilt die italienische Oper den Sängern als willkommene Herausforderung. Sie zeigen, was sie drauf haben, und das Publikum liebt sie dafür. Hier kam es noch besser, denn zunehmend war den Solisten ihr Auftreten mehr Vergnügen als Dienst.
Con fuoco ließ Generalmusikdirektor Antony Hermus schon Verdis "Sizilianische Vesper" von der Bühne zischen. Was nach der Ouvertüre geschah, sprach für sich. Ulf Paulsen sang mit wie durch ein Wunder erholter Stimme aus "Andrea Chenier", bekam Bravos und lief lachend in die Gasse. Cornelia Marschall brillierte in Mascagnis "Lodoletta" mit lupenreinen Sprüngen und gab eine herrlich vitale Musette in "La Bohéme", auch sie klang ausgeruht. Als Iordanka Derilova in tomatenroter Robe gen Rampe wehte, ging ein Raunen durch Publikum und Orchester. Sie sang mit Andrew Sritheran aus "Tosca", dass einem das Herz aufgehen wollte, und ihre "Turandot" war die reinste Raserei. Kostadin Arguirov gestaltete den Auftritt des besorgten Germont mit stimmlicher und szenischer Kraft. Ob sie alle sich und ihre Stimmen neu gefunden haben? Oder wieder?
Die kürzlich engagierten Solisten taten das Ihrige. Angelina Ruzzafante begeisterte mit strahlender oberer Lage und exzellenten Koloraturen. Das Finale des ersten "Traviata"-Akts krönte sie mit dem hohen Es aller wahrhaften Primadonnen. Bassist Pavel Shmulevich ist, wie seine "Don Carlo"-Arie "Ella gaimmai m'amo" zeigte, ein Filippo, wie er im Buche steht. Andrew Sritheran und Wiard Witholt, der neue lyrische Bariton mit ungewöhnlich weichem Timbre, begegneten sich im vierten Akt der "Bohème" auf erfrischende Weise "in un coupé". Schließlich das "Libiamo" aus der "Traviata" zum Mitklatschen und Mitsingen - da war's für alle ein großer Spaß. Antony Hermus atmete mit den Sängern und verführte seine Musiker mit liebenswertem Enthusiasmus zu rasantem, federndem oder kantablem Spiel. Nicht unerwähnt dürfen die Glanzvorstellungen des Solocellisten Matthias Wilde im "Manon"-Vorspiel und in der Arienbegleitung zu "Don Carlo" bleiben.
Kein Wunder also, dass sich das Publikum von Auftritt zu Auftritt in seine Begeisterung hineinjubelte und lostobte, kaum dass die Sänger ausgeatmet hatten. Die kurzweilige Gala mit einer Dauer von drei Stunden hatte zwar keine Längen, war nach der Pause allerdings auch nicht mehr steigerungsfähig.
Heribert Germeshausen, neu am Haus als leitender Musikdramaturg, kam ebenfalls auf den Punkt. Er sprach über Libretti, Orchestrierung und Personalstile - kurz und bündig, ernsthaft und kundig. Seine Moderation trug er auswendig vor, nur ein Bellini-Zitat las er ab: "Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen". In diesem Sinn ist das Ensemble des Anhaltischen Theaters vor sein Publikum getreten. Mit Superlativen soll man bekanntlich vorsichtig sein, hier sind sie angemessen: Ein Wettstreit der Sänger, ein Fest der Stimmen, ein Triumphzug des Belcanto, in und für Dessau - bravissimo!
Nächste Vorstellung am Sonnabend, 14. November, 17 Uhr.
02.11.2009, 20:06 | tags:
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Roberto Becker, Freies Wort, 15.10.2009
Macht haben immer die anderen
Oper | Andrea Moses gelingt mit ihrem „Lohengrin“ ein fulminanter Einstieg als Chefregisseurin in Dessau
Es ist fast schon unheimlich: Genau am Tag der Premiere von Andrea Moses‘ „Lohengrin“ in Dessau stirbt Reinhard Mohn, Gründer und spiritus rector der Bertelsmann-Stiftung. Aus solchen Denkfabriken beziehen politische Eliten heute einen Gutteil ihres geistigen Strategie-Dopings. Und das ist in Andrea Moses‘ ersten großen Wagner-Inszenierung ein Thema. Wenn man genau hinsieht, dann liefert der Wunderritter, der aus dem Nichts auftaucht, sich jede Nachfrage nach seiner Herkunft und Legitimierung verbittet, aber Liebe und Gefolgschaft einfordert,
tatsächlich die Steilvorlage für eine Analyse der Manipulationsmechanismen, die die Politik heute selbst dann braucht, wenn sie, wie Barack Obama, glaubwürdig an einer Wende zum
Besseren interessiert ist.
Wenn der Dessauer Lohengrin schließlich mit einem Gefolge adretter Helferinnen, die ein
geistiges Geschenkpaket für jeden dabei haben, genau zum richtigen Zeitpunkt aus der Versenkungauftaucht, und erst dem König und dann Elsa die Hand reicht, dann sieht das in einem Glitzer- und Luftballonregen nicht von ungefähr so aus wie auf einem amerikanischen Wahlkongress. Auch in diesem modernen Bühnenbrabant
sind die tatsächlichen Strippenzieher (König Heinrich und sein Vize, der Heerrufer) bestens
via Handy mit ihrer Zentrale vernetzt. Und auch hier werden sie durch die diskreten Herren mit Sonnenbrille, Mitschreib-Laptop und Pistolen im Gurt geschützt. Vor Wackelkandidatinnen wie die psychisch offenbar etwas labile Thronerbin Elsa oder vor immer noch vergleichsweise klar denkenden Quertreibern, wie
Ortrud und Telramund. Weil die beiden sich als einzige nicht von der verteilten, neuen Bibel mit dem Schwanenlogo drauf oder dem Spruch über der Bühne „Menschen gestalten – Zukunft bewegen“ einwickeln lassen, werden sie bei Andrea Moses zu fast schon positiven Helden. Wobei natürlich auch die beiden der Manipulation
Widerstand entgegensetzen, um selbst beim Kampf um die Köpfe im Spiel zu bleiben.
Spannende Geschichte
Am Ende behalten die Mächte, die aus dem Hintergrund und ohne Legitimation herrschen, und ihre militärischen Expansionspläne mit Zustimmung der Massen umsetzen wollen, die Oberhand. Wenn Lohengrin im Brautgemach als eine Art Superberater und Politschauspieler im Solde der Herrschenden auffliegt (Telramund hat eine Filmkopie von der Geldübergabe!), zieht der zwar ab, sorgt aber für einen Ersatzmann, der aus dem Schnürboden einschwebt.
Vor diesem noch etwas unfertigen, willfährigen Gottfried freilich ist Elsa dann so entsetzt,
dass sie zu guter letzt doch noch zu sich kommt und aus dem Stück und von der Bühne flieht.
Was Andrea Moses abgeliefert hat, ist einen spannend erzählte Geschichte, die mit der
klassischen eine zweite, in ihr verborgene miterzählt, ohne die erste zu ignorieren. Das hat in
Christian Wiehles Bühne, zwischen dem Auditorium, dem sakralen Hochzeitsgerüst und dem
Hochzeitsbungalow über den Wolken einen Raum für spannende, durchweg exzellent erspielte Figurenporträts. Mit Sängerdarstellern von Format. Wie der schon in Meiningen gut bekannten Bettina Kampp, die die Elsa tatsächlich als eine etwas seltsam traumatisierte Frau durch die Welt taumeln lässt. Am Ende aber ist sie die einzige, die sich der um sich greifenden Kriegshysterie entziehen kann.
Andrew Sritheran hat als Lohengrin am Ende genügend Kraft für die sonst fast nie zu hörende komplette Gralserzählung. Der erweiterte Chor wächst stimmlich und darstellerisch über sich hinaus, und auch der neue GMD der Anhaltischen Philharmonie, Antony Hermus, kann den Abend als Erfolg für sich verbuchen. Sicher ging da auch manches schief, und ein so aufgemischter Hochzeitsmarsch ist
Geschmacksache – doch insgesamt gab es in Dessau nicht nur auf der Bühne, sondern auch aus dem Graben spannenden, faszinierenden Wagner. Dass Andrea Moses am Ende neben Begeisterung auch Widerspruch erntete, gehört bei Wagner irgendwie dazu. Ihr „Lohengrin“ jedenfalls knüpft an ihr Strauss-Doppel in Meiningen und ihre Weimarer „Turandot“ an. In Dessau jedenfalls sind spannende Theaterzeiten
angebrochen.
www.anhaltisches-theater.de
02.11.2009, 19:45 | tags:
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, Pressestimmen
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Joachim Lange, Thüringer Allgemeine, 30.10.2009
Auf der Blutspur
Eisenachs Ex-Ballettchef Tomasz Kajdanski gelingt mit „Lulu“ ein starker Einstand in Dessau
Thüringen hat viel verloren, als der Eisenacher Ballettchef Tomasz Kajdanski zu Spielzeitbeginn nach Sachsen-Anhalt wechselte. Dem Anhaltischen Theater Dessau gelingt mit neuem Spitzenpersonal ein furioser Auftakt. Tomasz Kajdanski steuert dazu eine atemberaubende Version der „Lulu“ bei.
Natürlich profitiert die vertanzte „Lulu“ vom Schauspiel Frank Wedekinds und wohl noch mehr von Alban Bergs Oper. Auch wenn dessen Musik nur mit dem Ostinato aus der Lulu-Suite erklingt.
Doch die erste Produktion des neuen Ballettchefs Tomasz Kajdanski steht ganz für sich selbst. Kapellmeister Daniel Carlberg − auch neu − hat dafür nicht nur eine zwingende musikalische Tonspur aus passgenauen
Stücken von Rihm, Korngold, Antheil, Schönberg, Schostakowitsch und Boulez zusammengestellt, sondern interpretiert sie auch mit zwingender Präzision live mit der Anhaltischen Philharmonie.
Der 80-minütige Abend beginnt mit einem metaphorischen Coup: Eine barbusige Lulu thront in einem meterhohen roten Kleid vor einer gerahmten Videoleinwand. Am Ende liegt sie von Jack the Ripper ermordet zwischen den unzähligen Papieren, die im vorletzten Bild „Im freien Fall“ aus dem Schnürboden gefallen waren. Bis dahin wurde die charismatische Laura Costa Chaud als Lulu zum Fixpunkt der Begehrlichkeiten, ob nun von Dr. Schön (Juan Paolo Lastras-Sanchez), der Geschwitz (Yun-Ju Chen) oder dem Zuhälter Schigolch (Joe Monaghan). Und zum Opfer. Mit kraftvoller Virtuosität entfesselt Kajdanski nicht nur die Obsessionen und hält ein erstaunliches Tempo. Weder in den Soli noch in den expressiven Ensembleauftritten verfallen die 13 Tänzer auch nur einen Moment in Verlegenheitsaktionismus.
Die Bühne hat Dorin Gal zuerst durch eine halbrunde transparente Wand voller Türen und Fenster begrenzt. Als sich Lulu von Dr. Schön nicht zum Selbstmord zwingen lässt, sondern ihn erschießt, fällt ein weißer Vorhang mit einer hintersinnigen Blutspur. Nicht nur in der intelligent assoziativen und kraftvollen Virtuosität des Tanzes, sondern auch in ihrer kargen und gleichzeitig opulenten Ästhetik ist diese „Lulu“ ein Wurf!
Tomasz Kajdanski musste in Dessau gegen die Erinnerung an den hier äußerst beliebten und mit seiner DeSade-Kreation im Kraftwerk Vockerode tatsächlich Maßstäbe setzenden Gregor Seyffert antreten. Er hat die Herausforderung auf seine Weise angenommen und haushoch gewonnen.
Nächste Vorstellung: 7. 11.
29.10.2009, 17:01 | tags:
Anhaltische Philharmonie
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Pressemitteilung vom 28.10.2009
Kammermusikreihe des Anhaltischen Theaters startet am Reformationstag
Im Schloss Georgium beginnt die Kammermusikreihe des Anhaltischen Theaters am 31. Oktober (Reformationstag) um 15:30 Uhr mit einem Konzert des Anhaltischen Streichquartetts (Martin Schulze, 1. Violine; Christiane Thal, 2. Violine; Claudia Michaelsen, Viola; Matthias Wilde, Violoncello). Zu hören sind das in Theresienstadt entstandene 3. Quartett von Viktor Ullmann, 4 Stücke für Streichquartett op. 81 von Felix Mendelssohn Bartholdy und als krönender Abschluss Robert Schumanns Klavierquintett op. 44 mit Wolfgang Kluge als Pianisten.
Karten für das Kammerkonzert gibt es an der Theaterkasse im Rathaus-Center und unter den Telefonnummern: 0340 2511 – 333 oder 0340 2400 – 258,
per mail: kasse@anhaltisches-theater.de und auch an der Kasse im Schloss Georgium am Tag der Vorstellung.
29.10.2009, 16:59 | tags:
Anhaltische Philharmonie
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Pressemitteilung vom 28.10.2009
„Das Glück macht den Helden“
Anhaltische Philharmonie Dessau lädt ein zum 2. Sinfoniekonzert
Nach dem überaus erfolgreichen Auftaktkonzert mit Werken von Brahms, Wagenaar und Dvorák bringt auch das 2. Sinfoniekonzert der Anhaltischen Philharmonie unter der Leitung ihres neuen Generalmusikdirektors Antony Hermus eine ausgewogene Mischung aus Bekanntem und Unbekanntem.
Das „Sinfonische Vorspiel“ von Heinz Röttger, bisher noch nie in Dessau erklungen, eröffnet aus Anlass des 100. Geburtstages (6. November) des früheren Dessauer Generalmusikdirektors das Programm. Trotz der hörbaren Vorbilder Strauss und Bruckner ist es ein Werk des Aufbruchs, in dem der damals 27-jährige Röttger sich als souveräner und einfallsreicher Komponist präsentiert.
Der 50. Todestag des tschechischen Komponisten Bohuslav Martinů ist der Anlass, sein Concertino Nr. 2 (1933) zu Gehör zu bringen, in dem ein Klaviertrio und ein Streichorchester in musikalischen Wettstreit miteinander treten. Solisten in diesem vitalen und virtuosen Stück sind die Musiker des Storioni-Trios aus Amsterdam, eines relativ jungen Ensembles, das sich jedoch mit seinem breiten Repertoire und seinen begeisternden Interpretationen bereits einen guten Namen in der Musikwelt erworben hat. Seinen Namen verdankt das Trio übrigens der von Wouter Vossen gespielten Violine – einem von Laurentius Storioni 1764 in Cremona gebauten Instrument. Das Cello spielt Vossens Bruder Marc, das Klavier Bart van de Roer.
Wie im 1. Sinfoniekonzert steht auch im 2. wieder ein Dauerbrenner des sinfonischen Repertoires auf dem Programm. Einst als „äußerst schwierig, ... grell und bizarr“, gar als „sittenverderbend“ bezeichnet, hat Beethovens 3. Sinfonie auch heute noch nichts von ihrer aufregenden Kühnheit eingebüßt – kein Wunder, galt diese „Sinfonia eroica“ doch ursprünglich einem der kühnsten Zeitgenossen Beethovens: Napoleon Bonaparte. An beiden Konzertabenden (5. und 6. November, Beginn jeweils 19.30 Uhr) geben GMD Antony Hermus und Musikdramaturg Ronald Müller ab 18.30 Uhr im Foyer eine Einführung. Das Konzert wird von Deutschlandradio Kultur aufgezeichnet.
Mit Werken von Röttger, Martinů, Beethoven
Dirigent: GMD Antony Hermus | Solisten: Storioni-Trio Amsterdam
Am 5. und 6. November 2009, 19:30 Uhr im Großen Haus
Karten für das 2. Sinfoniekonzert gibt es an der Theaterkasse im Rathaus-Center und unter den Telefonnummern: 0340 2511 – 333 oder 0340 2400 – 258 bzw. per mail: kasse@anhaltisches-theater.de.
29.10.2009, 16:55 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
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Pressemitteilung vom 29.10.2009
Premiere für die zweite LULU
Tanztheater Uraufführung von Tomasz Kajdanski nach Frank Wedekind
Nachdem die erste Premiere „Lulu“ vom Publikum stürmisch gefeiert wurde, lädt das Anhaltische Theater zu einer weiteren „Lulu“ Vorstellung, die gleichzeitig den Charakter einer Premiere trägt, am 7. November, um 19:30 Uhr im Großen Haus ein. Die Rolle der „Lulu“ wird diesmal von Yuliya Gerbyna getanzt. Mit „Lulu“ gaben der neue Ballettdirektor Tomasz Kajdanski und sein Ensemble ihr Debut in Dessau. Zu erleben ist ein Tanzthriller, live begleitet von der Anhaltischen Philharmonie unter Daniel Carlberg, die Musik von Alban Berg, Arnold Schönberg, Erich Wolfgang Korngold, Wolfgang Rihm, George Antheil, Pierre Boulez und Dmitri Schostakowitsch erklingen lässt.
Die Besonderheit dieser Inszenierung besteht in den zwei Besetzungen der Titelrolle der Lulu, bei denen es sich nicht um eine klassische Doppelbesetzung handelt. Kajdanski legt besonderen Wert darauf, dass beide Tänzerinnen in ihren jeweiligen Lulu-Vorstellungen den Zuschauern eine völlig andere tänzerische Darstellung der Titelrolle bieten werden, so dass man die Vorstellung unbedingt zweimal besuchen sollte. Jede der beiden Tänzerinnen verkörpert eine ganz andere Lulu. Beide bringen ihre eigenen expressiven Emotionen und Sichtweisen in die Darstellung ein und haben – auch wegen ihrer kulturellen Hintergründe, die sie aus ihren Heimatländern Brasilien und der Ukraine einbringen – eine unterschiedliche Körperlichkeit auf der Bühne. Kajdanski: „Man verliebt sich ja auch in verschiedene Frauentypen. Ich bin sicher, die Zuschauer werden mir recht geben, wenn sie beide Vorstellungen besucht haben und die zwei verschiedenen Tänzerinnen der Lulu gesehen haben.“
Joachim Lange schrieb in seiner Frühkritik für die online Seite kultiversum, die „Lulu“ sei ein Wurf, nicht nur in der intelligent assoziativen und kraftvollen Virtuosität des Tanzes, sondern auch in ihrer kargen und gleichzeitig opulenten Ästhetik.
28.10.2009, 11:10 | tags:
Spielzeit
, Ballett
, Anhaltische Philharmonie
, Pressestimmen
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Helmut Rohm, Zerbster Volkstimme, 27.10.2009
Gefeierte Ballettpremiere am Theater Dessau
„Lulu“ – gescheiterte „Urgestalt des Weibes“
Barbusig und im überdimensionierten roten Kleid, einem (fragwürdigen) Denkmal gleich, wird Lulu als „Urgestalt des Weibes“ präsentiert. Videosequenzen vermitteln mehr schemenhaft Einblicke in ihr bisheriges, von Sex und Prostitution geprägtes Leben.
Am Anhaltischen Theater Dessau hatte das Ballett „Lulu“ seine vom Premierenpublikum gefeierte Uraufführung. Die Choreografie schuf der neue Dessauer Ballettchef Tomasz Kajdanski nach Frank Wedekinds Lulu-Tragödie. In zwölf expressiven Bildern zeichnet
Kajdanski das dramatische Leben und den Untergang der wunderschönen und lebenshungrigen Lulu nach. Nur scheinbar lebt sie ihre eigenen Wünsche, Begehrlichkeiten und Fantasien aus. Vielmehr ist sie gefangen, wird ständig getrieben, ist Spielball männlicher
Dominanz, den Verstrickungen und Intrigen ausgesetzt, emotional korrumpiert. Kajdanski ist eine spannungsgeladene Balance zwischen konsequenter Symbolträchtigkeit und einer bis ins feinste Detail wirkenden Körpersprache der handelnden Personen in ihrer sehr differenzierten bewegenden Persönlichkeitsstruktur gelungen.
Die harmonische Verknüpfung von ausgeprägtem klassischen Ballett und modernen Ausdrucksformen kommt völlig ungezwungen daher, setzt auch spannende Kontraste.
Und die Dessauer Ensemblemitglieder beherrschen diese Symbiose ausgezeichnet. Laura
Costa Chaud, die gesamten pausenlosen gut 80 Minuten fast durchtanzend, gestaltet die Lulu als einen wahren Gefühlsvulkan, der alle Facetten ihres rasanten Lebens offenlegt, den Zuschauer mitfühlen lässt. Schigolch, ihr mutmaßlicher Vater, erhält von Joe Monaghan eine geheimnisumwitterte Machtausstrahlung. Hervorzuheben auch Juan Pablo Lastras-Sanchez als Dr. Schön und Yun-Ju Chen als lesbische Gräfin Geschwitz.
Bravourös interpretiert die Anhaltische Philharmonie unter Daniel Carlberg die ausgewählten Kompositionen unter anderen von Rihm, Antheil, Alban Berg, Korngold, Schönberg und Schostakowitsch. Ein Halbrund mit vielen Türen ist optisches Zentrum des unaufdringlich aussagekräftigen Bühnenbildes von Ausstatter Dorin Gal. Kajdanski bezeichnete es als Destillat aus Bordell, Peep Show Location und Zirkus. Für Lulu ist es, trotz Strebens nach Freiheit und Unabhängigkeit, ein lebenslanges Gefängnis. Und das Rot der (gekauften) Liebe ertrinkt im Blutrot des Todes.
27.10.2009, 13:31 | tags:
Anhaltische Philharmonie
, Diverses
133
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 27.10.2009
Dirigentengipfel eröffnet das «Impuls»-Festival
Sachsen-Anhalt entdeckt die Neue Musik. 20 Veranstaltungen sind geplant
So kann Neue Musik auch klingen: Zwei Gruppen junger Leute klatschen einen einfachen Rhythmus, tricky wird das Ganze, weil die einen leicht zeitversetzt die Hände schlagen. Das Klatschen geht auseinander, überlagert sich und am Ende finden die Töne wieder zusammen. "Das ist Minimalmusik der besten Sorte", findet Hans Rotman. Der Niederländer ist der Intendant des "Impuls"-Festivals, das am Montag in Dessau eröffnet wird. In dieser Woche stellten Rotman und sein Team, zu dem sich auch Sachsen-Anhalts Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz gesellte, das "Impuls"-Programm auf der Bauhausbühne vor.
"Impuls" ist das Festival des Landes für Neue Musik. Den ersten Jahrgang rief Rotman vor einem Jahr ins Leben, die 2009er Neuauflage hat nach wie vor den Anspruch, Zuhörer für die Neue Musik zu gewinnen. "Wir hätten heute kein musikalisches Erbe, wenn nicht zu allen Zeiten Leute die zeitgenössische Musik gefördert hätten", freut sich Olbertz auf den Auftakt im Anhaltischen Theater.
Um 19.30 Uhr ist am Montag auf der Großen Bühne der "G6 Dirigentengipfel" zu hören. Die musikalischen Leiter aller großen Orchester Sachsen-Anhalts werden binnen eines Konzertes an das Pult vor die Anhaltische Philharmonie treten. Sein Orchester auch mal den anderen zu überlassen, stellt für Antony Hermus, Dessaus Generalmusikdirektor, kein Problem dar. Nach ersten Proben sagte er: "Es ist interessant zu beobachten, wie unterschiedlich die Kollegen mit neuer Musik umgehen. Das bereichert mein Orchester nur."
Wenn der Landesmusikrat sich anlässlich von "Impuls" wünscht, dass vom Festival eben Impulse ausgehen und sich die Orchester auch darüber hinaus mit Neuer Musik beschäftigen, dann funktioniert dies in Dessau schon bestens. "Bei uns ist neue, moderne und zeitgenössische Musik permanent vertreten," so Hermus. Beim "Dirigentengipfel" am Montag wird er ein Stück von John Adams dirigierten, George Antheils "A Jazz Symphony" von 1955, dirigiert von Hans Rotman, ist das älteste Stück des Abends. Ein ganz neues Werk steuert mit der Uraufführung Annette Schlünz bei. Schlünz, in Dessau geboren und aufgewachsen, ist eine der erfolgreichsten Komponistinnen in Deutschland.
Gut 20 Veranstaltungen listet das "Impuls"-Programm bis zum 15. November in Sachsen-Anhalt insgesamt auf. Veranstaltungsorte sind neben Dessau auch Magdeburg und Halle sowie Wernigerode, Halberstadt und Quedlinburg. Neben Jugendkonzerten und Familienkonzerten sind vor allem die Orchestertreffen zu nennen, die es in den drei größten Städten des Landes gibt. Dabei trifft das Impuls Percussion Ensemble auf die jeweiligen Orchester vor Ort, zusammen werden vier Werke von Komponisten des Landes, die sich an das Thema "Odyssee" anlehnen, zur Aufführung gebracht. Das Orchestertreffen 3 wird es am 12. November im Roßlauer Elbe-Werk geben.
Alle Konzerte, so informierte Festival-Intendant Hans Rotman, werden übrigens moderiert. "Die Vermittlung für Neue Musik fängt ja schon bei den Musikern an. Sie müssen genauso Stück für Stück verführt werden wie das Publikum." Hilfreich sei es deshalb in jedem Falle, auch etwas über die Komponisten zu erfahren.
Alle Infos unter www.impulsfestival.de
Tickets gibt es an den Theaterkassen.
27.10.2009, 09:33 | tags:
Spielzeit
, Schauspiel/Musiktheater
, Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
, Lohengrin
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Reinhard Wengierek, Die Welt, 27.10.2009
Massen im Gleichschritt
Heute Dessau, übermorgen Stuttgart: Andrea Moses inszeniert einen fulminanten "Lohengrin"
Die sagenhaft 215. Spielzeit am Anhaltischen Theater zu Dessau wurde trompetenschrill und violinensüß eröffnet. Die komplett neue Führung unter Generalintendant André Bücker will den zuletzt ziemlich angestauten Muff hinwegfegen, den Ex-Intendant Johannes Felsenstein - Sohn des Opernavantgardisten Walter Felsenstein - in seiner Amtszeit von geradezu stalinistischem Ausmaß hinterließ.
Das Opern-Opening, flankiert von zwei Mal Schauspiel - eine Schleef-Uraufführung unter Armin Petras und Lessings "Nathan" unter Bücker -, dieser Start mit Wagners "Lohengrin" in Regie von Andrea Moses (Opern- und Schauspielchefin) und Antony Hermus (Generalmusikdirektor) war, um es gleich zu sagen, ein Paukenschlag von metropolitaner Kraft, der obendrein anspielt auf die Geschichte des einst von fürstlichen Gnaden gegründeten Instituts, das als ein "Bayreuth des Nordens" galt. Und das auch aus diesem Grunde (und um den "wehrwirtschaftlich" bedeutenden Standort zu umglänzen) von den Wagnerianern an der Nazi-Spitze 1938 einen deutlich überdimensionierten Neubau spendiert bekam.
"Lohengrin" handelt von der verbreiteten Sehnsucht nach einem machtvollen Führer ins Glück, einem verlässlichen Daseinsbeschützer - und obendrein selig machenden Liebhaber. Der Ritter Lohengrin - Andrew Sritheran als starker Mann im Business-Dress mit knallroter Krawatte - als Retter aus verfahrenen Situationen im Sozial-Politischen wie Privat-Erotischen, der jedoch, Wagners dramatischer Kniff, nur zu funktionieren imstande ist bei bedingungsloser Hingabe der sich ihm Anvertrauten: das Volk von Brabant in Kostüm und Anzug sowie die unglücklich einsame Elsa (Bettine Kampp).
Doch es klappt nicht, obgleich schicke Lohengrin-Hostessen unentwegt indoktrinäre Anleitungen zum rechten Glauben an den großen Meister verteilen. Weil: Die Glückseligkeit, die sich die formierte Mehrheitsgesellschaft durch blinde Gefolgschaft erkaufen will, wird von einer kritischen, dabei allerdings auch nicht froh werdenden Minderheit (Elsa; Ortrud: Iordanka Derilova; Telramund: Ulf Paulsen) unmöglich gemacht. Der gebückte Gang unterm Zwang gottgleich sich erhebender Führerfiguren führt nicht ins Heil - das erzählt Andrea Moses so schlüssig wie überraschend heutig. In psychedelisch-sakralen, düster schicken Versammlungsräumen von Christian Wiehle, nicht unähnlich den Hallen der Scientology-Church. Überm Bühnenportal prangt in knalligen Lettern die perfide Losung: "Menschen gestalten, Zukunft bewegen".
Es ist die Beschwörung einer böse dräuenden, quasi-religiös faschistoiden Dunkelwelt. Unheimlich gerade auch dadurch, dass sie in märchenhaftem Schönklang der Anhaltischen Philharmonie sowie nicht ohne menschelnde Komik erscheint. Ein präzis geführtes Spiel, das stringent aufs Tragödische zielt. Auf das wuchtige Warnbild vorm heillosen Gleichschritt-Marsch der Masse ins Manipulierte, Fremdbestimmte, der renitente Individuen überrennt und ausstößt.
Großes Gegenwartstheater mit Wagner als frappierend selbstverständlichem Zeitgenossen. Eine der plausibelsten "Lohengrin"-Produktionen hierzulande; Bayreuth aufgemerkt. Und obendrein die allerbeste Empfehlung für Regisseurin Moses, die in zwei Jahren gemeinsam mit Intendant Jossi Wieler Stuttgarts Staatsoper als Hausregisseurin beglücken wird.
Termine: 22. November, 27. Dezember; Karten: (0340) 25 11 333
26.10.2009, 07:28 | tags:
Spielzeit
, Ballett
, Anhaltische Philharmonie
, Pressestimmen
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Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 26.10.2009
Tanztheater
Der dunkle Spiegel der Lust
Tomas Kajdanski gelingt mit «Lulu» nach Wedekind ein beeindruckender Einstand in Dessau
Ihre Seele ist längst tot, ihr Körper aber will einfach nicht sterben: Obwohl Lulu diesen einzigen, von ungezählten Berührungen längst abgenutzten Besitz am Ende sogar Jack the Ripper vor die Füße geworfen hat, findet sie auch unter seinen mörderischen Händen keine Erlösung. Die öffentliche Frau, die auf dem schmalen Grat zwischen Lust und Schmerz tausend kleine Tode gestorben ist, bäumt sich immer wieder auf, bis Muskeln und Nerven endlich Ruhe geben. Und die Welt wird schwarz - so, wie sie war, bevor Lulu kam.
Tomasz Kajdanskis Entscheidung, seine Dessauer Ballett-Direktion mit einer Adaption von Frank Wedekinds "Lulu"-Dramen zu eröffnen, schien im Vorfeld so originell wie gewagt. Denn einerseits ist die Geschichte der jungen Frau, die jedermann als Objekt seiner persönlichen Begierde erscheint, ein ideales Sujet für die erotischste unter den darstellenden Künsten.
Schwarz-Weiß im Rotlicht
Andererseits muss man sich vor Ort am "Marquis de Sade" messen lassen, der in den vergangenen Sommern eine schwarze Messe der Lust gefeiert hat. Kajdanski aber richtet seine Arbeit an anderen Skalen aus: Seine "Lulu" ist kein multimediales Spektakel, sondern ein furioser Tanzabend - und eine Hommage an die Klassische Moderne, der in der Stadt des Bauhauses und des Weill-Festes wie eine ästhetische Punktlandung wirkt.
Dafür sorgt zunächst das musikalische Tableau: Mit Werken von Arnold Schönberg, Alban Berg, Erich Wolfgang Korngold und George Antheil, aber auch von Dmitri Schostakowitsch, Pierre Boulez und Wolfgang Rihm gibt der neue Kapellmeister Daniel Carlberg einen beeindruckenden Einstand. Die Anhaltische Philharmonie, die in ihrer Geschichte eher auf die erste als auf die zweite Wiener Schule verweist, musiziert mit messerscharfem Intellekt und kontrollierter, nicht nachlassender Energie. So wird dem Tanz ein fester und federnder Boden bereitet, wie ihn keine Ton-Konserve zu bieten hat.
Das erste Bild ist Programm: Wie eine überlebensgroße Bienenkönigin steht Lulu mit entblößtem Oberkörper in dem halbrunden Peep-Show-Theater, dem Ausstatter Dorin Gal mit gläsernen Türen jede Intimität verweigert. Unter dem roten Rock verschwinden und erscheinen all die Männer und Frauen, denen Lulu auf ihrem Weg in die Katastrophe begegnen wird - ein Akt des Gebärens und des Verschlingens, eine metaphorische Überhöhung der schwarz-weißen Videos aus dem Rotlicht-Milieu. Dass es Kajdanski fortan gelingt, selbst in der Nacktheit jede Peinlichkeit zu meiden und den Tanz als künstlerisches Äquivalent zur Sexualität zu behaupten, ist die bezwingendste Qualität des Abends. Denn hier wie dort gibt es ein breites Spektrum von Spielarten, das sich in den einzelnen Charakteren der ausnahmslos doppelt besetzten Solo-Rollen spiegelt. Da ist zunächst der Zuhälter Schigolch (Joe Managhan), der das Mädchen mit animalischer Kraft und dämonischer Dominanz zu Markte trägt. Da ist Lulus Geliebter Schön (Juan Pablo Lastras-Sanchez), der sein Selbstbewusstsein aus Erfahrung und Eleganz schöpft.
Auf Knien und Zehenspitzen
Da sind der platonische Schwärmer Schwarz (Gorden Wannhoff) und der liebeshungrige Alwa (Ion Beitia), der zupackende Kraft-Kerl Rodrigo (Rai Kirchner) und der nur noch als Schatten erinnerte Goll (Kengo Yamazaki). Und da ist die lesbische Gräfin Geschwitz (Yun-Ju Chen), die sich zunächst vor ihren eigenen Wünschen fürchtet und Lulu dennoch nach ganz unten folgt. Laura Costa Chaud aber spiegelt ihre Titelheldin in all diesen Figuren: Sie kann naiv und lasziv sein, sie bewegt sich auf Knien so selbstverständlich wie auf Zehenspitzen, sie ist rasend verführerisch und wahnsinnig erschöpft. Um dieses lodernde, in jedem Windzug flackernde Licht gruppiert Kajdanski seine schnell wechselnden Gestalten, die er aus dem klassischen Gleichmaß in individuellen Gestus, in ein atemraubendes Tempo und in beeindruckende Bilder bis hin zur Travestie treibt. In Dessau, das darf man nach der umjubelten Premiere vermelden, wird wieder getanzt. Und wie!
Nächste Vorstellungen: 7., 13. und 28. November, jeweils 19.30 Uhr
24.10.2009, 11:13 | tags:
Spielzeit
, Anhaltische Philharmonie
, Diverses
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Ilka Hillger, Mittedeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 24.10.2009
Dirigentengipfel eröffnet das «Impuls»-Festival
Sachsen-Anhalt entdeckt die Neue Musik. 20 Veranstaltungen sind geplant
So kann Neue Musik auch klingen: Zwei Gruppen junger Leute klatschen einen einfachen Rhythmus, tricky wird das Ganze, weil die einen leicht zeitversetzt die Hände schlagen. Das Klatschen geht auseinander, überlagert sich und am Ende finden die Töne wieder zusammen. "Das ist Minimalmusik der besten Sorte", findet Hans Rotman. Der Niederländer ist der Intendant des "Impuls"-Festivals, das am Montag in Dessau eröffnet wird. In dieser Woche stellten Rotman und sein Team, zu dem sich auch Sachsen-Anhalts Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz gesellte, das "Impuls"-Programm auf der Bauhausbühne vor.
"Impuls" ist das Festival des Landes für Neue Musik. Den ersten Jahrgang rief Rotman vor einem Jahr ins Leben, die 2009er Neuauflage hat nach wie vor den Anspruch, Zuhörer für die Neue Musik zu gewinnen. "Wir hätten heute kein musikalisches Erbe, wenn nicht zu allen Zeiten Leute die zeitgenössische Musik gefördert hätten", freut sich Olbertz auf den Auftakt im Anhaltischen Theater.
Um 19.30 Uhr ist am Montag auf der Großen Bühne der "G6 Dirigentengipfel" zu hören. Die musikalischen Leiter aller großen Orchester Sachsen-Anhalts werden binnen eines Konzertes an das Pult vor die Anhaltische Philharmonie treten. Sein Orchester auch mal den anderen zu überlassen, stellt für Antony Hermus, Dessaus Generalmusikdirektor, kein Problem dar. Nach ersten Proben sagte er: "Es ist interessant zu beobachten, wie unterschiedlich die Kollegen mit neuer Musik umgehen. Das bereichert mein Orchester nur."
Wenn der Landesmusikrat sich anlässlich von "Impuls" wünscht, dass vom Festival eben Impulse ausgehen und sich die Orchester auch darüber hinaus mit Neuer Musik beschäftigen, dann funktioniert dies in Dessau schon bestens. "Bei uns ist neue, moderne und zeitgenössische Musik permanent vertreten," so Hermus. Beim "Dirigentengipfel" am Montag wird er ein Stück von John Adams dirigierten, George Antheils "A Jazz Symphony" von 1955, dirigiert von Hans Rotman, ist das älteste Stück des Abends. Ein ganz neues Werk steuert mit der Uraufführung Annette Schlünz bei. Schlünz, in Dessau geboren und aufgewachsen, ist eine der erfolgreichsten Komponistinnen in Deutschland.
Gut 20 Veranstaltungen listet das "Impuls"-Programm bis zum 15. November in Sachsen-Anhalt insgesamt auf. Veranstaltungsorte sind neben Dessau auch Magdeburg und Halle sowie Wernigerode, Halberstadt und Quedlinburg. Neben Jugendkonzerten und Familienkonzerten sind vor allem die Orchestertreffen zu nennen, die es in den drei größten Städten des Landes gibt. Dabei trifft das Impuls Percussion Ensemble auf die jeweiligen Orchester vor Ort, zusammen werden vier Werke von Komponisten des Landes, die sich an das Thema "Odyssee" anlehnen, zur Aufführung gebracht. Das Orchestertreffen 3 wird es am 12. November im Roßlauer Elbe-Werk geben.
Alle Konzerte, so informierte Festival-Intendant Hans Rotman, werden übrigens moderiert. "Die Vermittlung für Neue Musik fängt ja schon bei den Musikern an. Sie müssen genauso Stück für Stück verführt werden wie das Publikum." Hilfreich sei es deshalb in jedem Falle, auch etwas über die Komponisten zu erfahren.
Alle Infos unter:
www.impulsfestival.de
Tickets gibt es an den Theaterkassen.
22.10.2009, 20:23 | tags:
Spielzeit
, Ballett
, Anhaltische Philharmonie
120
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 22.10.2009
Ballett
Mit der Sprache des Tanzes Geschichten erzählen
Am Freitagabend hat im Theater der Tanzabend «Lulu» Premiere
"Wir haben keine Worte, wir singen nicht, wir können nur tanzen." Das aber können sie meisterhaft. Es ist eine Probe, auf der Dessaus Ballettchef Tomasz Kajdanski das sagt. Eineinhalb Wochen vor der Premiere für sein erstes Ballett in Dessau - "Lulu" nach dem Roman von Frank Wedekind - hat Kajdanski das Publikum eingeladen, sich einen so genannten Durchlauf auf der großen Bühne anzuschauen. Zu diesem Zeitpunkt ist die Choreographie längst abgeschlossen, jetzt lässt der Pole seine Tänzerinnen und Tänzer durchtanzen. Kraft und Kondition wird das geben für den Tanzabend. Fast 100 Zuschauer genießen auf der öffentlichen Probe einen ersten Blick auf die Produktion und die so ungewöhnliche Atmosphäre im Zuschauerraum.
Reihe 5 im Parkett ist reserviert. Dort ist das Regiepult aufgebaut, dahinter wird später Tomasz Kajdanski sitzen, aber auch immer mal wieder aufspringen, um auf die Bühne zu sprinten. Dort begrüßt er auch zu Beginn die Besucher. "Wir brauchen die Nähe des Publikums", sagt er und ist gespannt auf erste Reaktionen auf seine Arbeit. Er entschuldigt das, was beim Proben Alltag ist. Es gib keine Kostüme, die Kulissen sind noch in den Werkstätten, was jetzt auf der Bühne steht, deutet das Bühnenbild nur an, es herrscht ein kühles Arbeitslicht und die Musik kommt als rauschende Konserve vom Band.
Getanzt aber wird an diesem Abend ohne jegliche Einschränkung. Laura Costa Chauds Lulu steht minutenlang still auf der Bühne, umschwärmt vom Personal des Stückes. Und dann tanzt auch sie, und Kajdanski erzählt die Geschichte einer extremen Frau in einer männerdominierten Welt. "Im Ballett müssen die Bewegungen die Emotionen tragen, nur damit können wir den inneren Zustand beschreiben", gibt Tomasz Kajdanksi den Zuschauern mit auf den Weg, dann schaut auch er zu.
Unterbrechungen gibt es an diesem Abend kaum, und wenn, dann greift der Choreograph ganz nebenbei auf der Bühne ein, während das Ensemble weitertanzt. Als das große runde Sofa nicht so leicht über die Bühne rollt, wie es rollen soll, rennt Kajdanski hinauf, mal steht ein Stuhl nicht dort wo er stehen soll und er bringt ihn schnell aus den Kulissen herbei. "Wir haben auch beim Umbau noch nicht alles unter Kontrolle. Aber sagen sie es nicht weiter." Das Publikum lacht und ist ganz zuversichtlich. Über zehn Tage sind schließlich noch Zeit bis zur Premiere, als es diese Probe erlebt.
Inzwischen freilich steht "Lulu" direkt vor der Tür. Am Freitag erlebt man die Ballettinszenierung erstmals im Großen Haus, am Donnerstag gab es die Generalprobe, nun auch längst mit Bühnenbild, Kostümen, dem perfekten Licht und natürlich dem Orchester unter der Leitung von Daniel Carlberg. Der aber saß auch schon bei den anderen Proben mit Kajdanski hinter dem Regiepult, machte sich eifrig Notizen in die Partitur.
Alban Berg, Arnold Schönberg, Erich Wolfgang Korngold, Wolfgang Rihm, George Antheil, Pierre Boulez und Dmitri Schostakowitsch - das sind die Komponisten, von denen Musik am Premierenabend erklingen wird. Es sind keine gefälligen Kompositionen, die man da hört, eine Grundnervosität liegt ihnen allen inne, die perfekt mit dem Geschehen auf der Bühne verschmilzt.
Zwei Lulus hat Tomasz Kajdanski für seine Dessauer Antrittsinszenierung auserkoren, neben Laura Costa Chaud hat auch Yuliya Gerbyna die Rolle einstudiert. Zwei sehr verschiedene Frauentypen verkörpern eine Lulu, die je nach Besetzung ganz andere Ausdrucksformen haben soll. "Man verliebt sich ja auch in verschiedene Frauentypen. Ich bin sicher, die Zuschauer werden mir Recht geben, wenn sie beide Vorstellungen besucht haben und die zwei verschiedenen Tänzerinnen der Lulu gesehen haben", meint Choreograph Kajdanski, der erst ganz kurzfristig entscheiden will, wer nun am Freitagabend tanzen wird.
Wer indes noch gar nicht weiß, ob er die eine oder andere Lulu tanzen sehen will, dem kann die Entscheidungsfindung leichter gemacht werden. Auch jene, die keine Probe sahen, können sich einen kleinen Eindruck von der Inszenierung machen. Auf der Internetseite des Anhaltischen Theaters gibt es einen Videoclip mit Tanzszenen.
Karten für die Premiere und die zweite Vorstellung an diesem Sonntag um 17 Uhr gibt es an der Theaterkasse und an der Abendkasse. Nach der freitäglichen Premiere wird zur öffentlichen Premierenfeier eingeladen, am Sonntag ist nach der Vorstellung um 18.30 Uhr im Theaterrestaurant ein "Nachgefragt" vorgesehen .
15.10.2009, 16:43 | tags:
Spielzeit
, Ballett
, Anhaltische Philharmonie
113
Pressemitteilung vom 15.10.2009
Premiere Ballett
„Lulu“
Tanztheater Uraufführung von Tomasz Kajdanski nach Frank Wedekind
Lulu – mit diesem höchst sinnlichen Sujet geben der neue Ballettdirektor Tomasz Kajdanski und sein Ensemble ihr Début in Dessau. Erleben Sie einem Tanzthriller, live begleitet von der Anhaltischen Philharmonie unter Daniel Carlberg.
Mit Musik von Alban Berg, Arnold Schönberg, Erich Wolfgang Korngold, Wolfgang Rihm, George Antheil, Pierre Boulez und Dmitri Schostakowitsch
Choreografie: Tomasz Kajdanski | Musikalische Leitung: Daniel Carlberg |
Bühne und Kostüme: Dorin Gal | Video: Jan Müller
„Mir geht es bei Lulu nicht darum, Wedekind eins zu eins umzusetzen. Sie ist, wie das Libretto zu Alban Bergs gleichnamiger Oper, vielmehr die Grundlage für meine Auseinandersetzung mit diesem Sujet, mit extremen Frauenbildern. Was müssen junge Leute heute beispielsweise nicht alles tun, um für ihren Betrieb oder sogar für ihr Studium Geld zu erhalten. Wie Geld korrumpiert, wie Liebe tragisch endet, das alles kann man hier zeigen. Am Ende trifft Lulu auf ihren Engel und wird erlöst. Ist das nicht ein Wunsch, wenn man ein soziales Thema zu Ende bringen möchte?“
Eine Besonderheit sind die zwei Besetzungen der Titelrolle Lulu, bei denen es sich nicht um eine klassische Doppelbesetzung handelt. Ballettdirektor Tomasz Kajdanski legt besonderen Wert darauf, dass beide Tänzerinnen in ihren jeweiligen Lulu-Vorstellungen den Zuschauern eine völlig andere tänzerische Darstellung der Titelrolle bieten werden, so dass man die Vorstellung unbedingt zweimal besuchen sollte.
Kajdanski sagt weiter dazu: „Wenn ich zwei so erstklassige Tänzerinnen wie Laura Costa Chaud und Yuliya Gerbyna im Ensemble habe, muss ich das auch in der Besetzung nutzen. Wir werden zwei verschiedene Premieren haben, da jede der beiden eine andere Lulu verkörpert. Beide bringen ihre eigenen expressiven Emotionen und Sichtweisen in die Darstellung ein und haben – auch wegen ihrer kulturellen Hintergründe, die sie aus ihren Heimatländern Brasilien und der Ukraine einbringen – eine unterschiedliche Körperlichkeit auf der Bühne. Man verliebt sich ja auch in verschiedene Frauentypen. Ich bin sicher, die Zuschauer werden mir recht geben, wenn sie beide Vorstellungen besucht haben und die zwei verschiedenen Tänzerinnen der Lulu gesehen haben.“
Bei der Premiere am Freitag, den 23. Oktober um 19:30 Uhr im Großen Haus sind die Hauptrollen folgendermaßen besetzt:
Laura Costa Chaud / Yulia Gerbyna (Lulu), Yun-Ju Chen (Geschwitz), Juan Pablo Lastras-Sanchez (Dr. Schön), Joe Monaghan (Schigolch), Ion Beitia (Alwa).
Für die Premiere und die nächsten Vorstellungen gibt es noch Restkarten.
Nächste Vorstellungen: 25.10.09, 17 Uhr | 7.11.09, 19:30 Uhr | 13.11.09, 19:30 Uhr
12.10.2009, 20:22 | tags:
Spielzeit
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104
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Rosslau,12.10.2009
Das Konzertzimmer weitet sich zur Kathedrale
Antony Hermus dirigiert sein 1. Sinfoniekonzert bei der Anhaltischen Philarmonie
Es gibt Ausnahmesituationen, in denen die grundsätzlich richtige Formel "Bilde, Künstler, rede nicht!" außer Kraft tritt. Das erste Sinfoniekonzert eines Generalmusikdirektors beispielsweise rechtfertigt programmatische Ansagen, wenn sie denn so verbindlich sind wie im Falle von Antony Hermus: Dass "Musik eben kein Luxus, sondern ein Grundbedarf" sei, verkündete er vergangene Woche an zwei bestens besuchten Abenden im Anhaltischen Theater - und bezog sich damit demonstrativ auf Simon Rattle, dessen Arbeit mit den Berliner Philharmonikern bekanntlich beispielgebend für die Popularisierung des klassischen Erbes ist.
Wer dem Grußwort im Namen der Anhaltischen Philharmonie übrigens genau zuhörte, konnte einen weiteren Beweis für das neue Traditionsbewusstsein am Dessauer Theater entdecken: Während Generalintendant André Bücker stolz die Kontinuität in der 215. Spielzeit betont, verweist das Orchester bereits auf seine 243. Saison - und wurzelt damit am tiefsten in der lokalen Kulturgeschichte.
Ein großer Motivator
Doch dass dieser chronologische Tiefgang keinen Wert an sich darstellt - wer wüsste es besser als jene Künstler, die historische Überlieferung immer wieder vergegenwärtigen und aus dem Augenblick erschaffen müssen? In der zweiten Sinfonie von Johannes Brahms zeigte Antony Hermus, dass er sich mit seinen Philharmonikern bereits perfekt auf diese Aufgabe eingestimmt hat: Die lichten, luftigen Momente füllte das Orchester mit ätherischer Transparenz, um sich bruchlos in massive Wucht zu steigern. Zwischen den einzelnen Stimmen und Gruppen herrschte organisches Einverständnis, alles war ganz bei und für sich - und der Motor des Ganzen bewährte sich als großer Motivator. Wie Hermus im Freitagskonzert den Beginn des dritten Satzes mit links aus dem Handgelenk schüttelte, um hernach mit der Stabhand die Feinschraffur der Streicher zu unterstützen, wie er diesen Klangkörper in beherrschter Entfesselung zur finalen Attacke führte - das war, mit Verlaub, dann doch Luxus. Aber eben einer, der hier schon bald zum Grundbedarf für viele Besucher werden könnte.
Denn dass Antony Hermus ein großer Menschenverführer ist, zeigte ja nicht nur die Haltung der Musiker. Da saß niemand zurückgelehnt oder missmutig an seinem Pult, trotz energischer Konzentration sah man in lächelnde Gesichter - und nur gelegentlich wischte eine Hand über eine schweißnasse Stirn. Doch nachdem man sich im impressionistisch durchsonnten "Levenszomer" von Hermus' niederländischem Landsmann Johan Wagenaar kurz erholt hatte, demonstrierte der Dirigent endgültig sein demokratisches Selbstverständnis als Erster unter Gleichen.
Mit dem Opern- und Extrachor des Theaters, mit dem Luther- und dem Friedrich-Schneider-Chor, mit den Fürstsingers sowie den Jugendchören des Liborius- und des Gropius-Gymnasiums kamen rund 250 Sängerinnen und Sänger auf die Bühne, um Antonin Dvoraks "Te Deum" aufzuführen - eine säkulare Gemeinde in absichtlicher Durchmischung der Stimmen, die das Konzertzimmer zur Kathedrale weitete und wie ein Spiegel für Parkett und Rang wirkte.
Applaus von der Bühne
Gewiss ist dieses Werk, das 1892 einen alten Glauben in die Neue Welt transportieren sollte, nicht die tiefschürfendste Umsetzung des ambrosianischen Lobgesangs. Aber als Ermutigung zur Teilhabe, als Einladung an alle Musikbegeisterten wirkt es in seiner fast verspielten Farbigkeit doch beispielhaft - zumal, wenn mit Angelina Ruzzafantes klarem, extrem durchsetzungsfähigem Sopran und Wiard Witholts (am Donnerstag durch Ulf Paulsen ersetzten) schönem, weichen Bariton zwei kongeniale Solostimmen in den gigantischen Chor einfallen. Dass es nach dem "Alleluja" ebenso viel Applaus aus dem Zuschauerraum wie aus den Reihen der Sänger gab, dass man nach der in Höhen wie Tiefen ausgeloteten "Aeterna" am Ende das "Laudemus" als Zugabe wiederholen musste - was für ein Beginn!
Wenn es gelingt, die Euphorie dieses Auftakts in den Alltag zu verlängern, dann steht der Anhaltischen Philharmonie im 243. Jahr eine glänzende Zukunft bevor.
07.10.2009, 09:29 | tags:
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103
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau, 06.10.2009
Weg zum perfekten Klang
Im Dessauer Liborius-Gymnasium treffen sich die Chöre der Stadt zur gemeinsamen Probe
Am Samstag im "Lohengrin" beflügelte er das Orchester, trieb es auf Schwanes Schwingen zu ungeahnten Höhen, bereitete den Chören und Solisten ein Notenhimmelbett. Antony Hermus, Dessaus neuer Generalmusikdirektor, ist gerade heftig dabei, die Stadt musikalisch zu verzaubern. Was mit der ersten Opernpremiere am Wochenende im Anhaltischen Theater beim Publikum funktionierte, das hat der Dirigent bei rund 260 Dessauern schon längst geschafft. Wie das gelang, hört man nicht nur, das sieht man auch: am vergangenen Donnerstag in der Aula des Liborius-Gymnasiums.
Es ist kurz vor halb acht am Abend, da strömen vom Teenie bis zu Männern und Frauen in den frühen Achtzigern die Sängerinnen und Sänger in die Schule. Es ist die zweite gemeinsame Probe von Dessauer Chören, die beim ersten Sinfoniekonzert dieser Saison am Donnerstag und Freitag vor die Zuhörer im Theater treten. In den Taschen hat jeder die Noten, Dvorák steht drauf. Das "Te Deum" aus seiner Feder soll den zweiten Teil des Abends bilden. Bislang haben die Chöre jeder für sich geprobt, einmal nur traf man sich bisher gemeinsam auf der Probebühne im Theater, nun gilt es, erneut zueinander zu finden.
"Meine Damen und Herren vom großen gemeinsamen Dessauer Chor", derart begrüßt Antony Hermus die große Runde und lässt gar nicht viel Zeit vergehen, sondern kommt gleich zum Wesentlichen: Es wird gesungen. Aus rund 250 Kehlen. Wäre der Neubau des Gymnasiums nicht so solide, man könnte sagen, dass die Wände wackeln. Doch ach, es geht noch viel, viel besser. Darauf arbeitet Hermus hin und lässt die Mühen bis zum perfekten Klang folgen. Er feilt an den Tenorstimmen und bringt sie in neue Höhen, bemüht sein Handy, um zu demonstrieren, wie sich ein Ton halten lässt, klettert vom Stuhl aufs Podest auf den Boden, und der große Chor tut es ihm stimmlich nach bis zum zartesten Flüsterton. Er droht droht lachend damit, gelbe Karten zu verteilen, wenn zur falschen Zeit geatmet wird, denn "das hört man". Kritik übt er, wenn Einsätze nicht kommen, Konsonanten nicht artikuliert sind. Doch wie er dies tut, das ist so charmant, so anspornend, dass die Singenden und neugierigen Zuhörer gleichermaßen Dauerlächeln und mit großer Lust diesem Mann und seiner Idee von Musik folgen. "Sie singen alles richtig, ich kann gar nichts sagen, aber es fehlt das Feuer", sagt Hermus, gleich darauf bekommt er es und strahlt gemeinsam mit den Sängerinnen und Sängern, als dann die Flamme lodert.
Chorübergreifend machen sich die Mitwirkenden miteinander bekannt, kommen ins Gespräch und verschmelzen zu einer Einheit, über die sich beim Gesang immer wieder die Stimmen der beiden Solisten Angelina Ruzzafante und Wiard Witholt erheben. Bei den Proben in dieser Woche kommt nun noch das Orchester hinzu. Doch Bange ist niemanden vor dem Zusammentreffen zweier so großer Klangapparate.
Nahezu ausverkauft sind inzwischen beide Konzerte, und ob des "Te Deum" vergisst man leicht, dass es noch mehr zu hören gibt: Johannes Brahms' 2. Sinfonie mit ihren pastoralen Klängen und dem jubelnden Finale eröffnet den Konzertabend, ihr folgt die Orchesterfantasie "Levenszomer" (Lebenssommer) des holländischen Organisten und Komponisten Johan Wagenaar (1862-1941). Dann aber, nach der Pause, wird es eng auf der Dessauer Bühne.
07.10.2009, 07:27 | tags:
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99
Pressemitteilung vom 06.10.2009
„Gesänge aus 1001 deutschen Nacht“ im Alten Theater
Das Anhaltische Theater Dessau lädt zur Premiere II der „Gesänge aus 1001 deutschen Nacht“ am 8. Oktober, um 19:30 Uhr ins Alte Theater ein. Hier heißt es: Willkommen in der Anstalt! Der Bus ist angekommen und die illustren Fahrgäste erwarten jetzt ihr Publikum im Foyer des Alten Theaters, um einen Tag aus ihrem Leben im „Tollhaus Deutschland“ zu besingen.
Das Ensemble „Gesänge aus Tausend und Einer deutschen Nacht“ startete seine musikalische Odyssee unter Dessaus „freien Himmeln“. In einem alten B 1000 Bus wurden seit dem 2. Oktober in Dessau und Umgebung bekannte, wie außergewöhnliche Orte angesteuert und gesungen, was die deutsche Seele hergibt.
Jetzt präsentiert eine Inszenierung aus dem Tollhaus fünf sangeswütige Spieler, eine kleine Combo und ein atemberaubendes Stück Deutschland.
Regie: Krzystof Minkowski | Musikalische Leitung: Benjamin Schultz | Ausstattung: Konrad Schaller
Karten gibt es an der Theaterkasse und unter den Telefonnummern: 0340 2511 – 333 oder 0340 2400 – 258.
07.10.2009, 07:09 | tags:
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Anhaltisches Theater Dessau lädt ein zum 1. Sinfoniekonzert „Die Himmel rühmen...“
Wenige Tage nach seiner ersten Opern-Premiere gibt Dessaus neuer Generalmusikdirektor Antony Hermus seinen sinfonischen Einstand. Am 8. und 9. Oktober, jeweils 19.30 Uhr, dirigiert er das 1. Sinfoniekonzert der Anhaltischen Philharmonie. Drei Werke stehen auf dem Programm, das „Die Himmel rühmen“ überschrieben ist. Den Anfang macht die sonnendurchflutete 2. Sinfonie von Johannes Brahms. Nach ihrem jubelnden Finale werden die Konzertbesucher in die Pause entlassen und lernen danach das Werk eines Landsmannes von Antony Hermus kennen. Der holländische Organist und Komponist Johan Wagenaar war ein Zeitgenosse von Richard Strauss, was man seiner Musik auch anhört. Das ausgewählte Stück heißt „Levenszomer“ („Lebenssommer“) und entstand 1903. Am Schluss des Programms steht Antonín Dvoráks festlich-freudige Vertonung des lateinischen Lobgesangs „Te Deum“, komponiert 1892 für die 400-Jahrfeier der Entdeckung Amerikas. Für diese Aufführung konnten neben dem Opern- und dem Extrachor des Anhaltischen Theaters noch fünf weitere Chöre aus der Stadt Dessau-Roßlau gewonnen werden: der Lutherchor, der Friedrich-Schneider-Chor und die Chöre der drei Gymnasien. Zwei neuengagierte Ensemblemitglieder des Anhaltischen Theaters wirken als Solisten mit: Angelina Ruzzafante (Sopran) und Wiard Witholt (Bariton). Insgesamt werden an die 300 Mitwirkende auf der Bühne stehen. An jedem Konzertabend gibt es 18.30 Uhr eine Konzerteinführung im Foyer.
Karten für das 1. Sinfoniekonzert gibt es an der Theaterkasse im Rathaus-Center und unter den Telefonnummern: 0340 2511 – 333 oder 0340 2400 – 258.
06.10.2009, 08:53 | tags:
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Joachim Lange, http://www.festspiele.de/startseite/news, 05.10.2009
Lohengrin, übernehmen Sie!
Andrea Moses macht in Dessau aus Wagners „Lohengrin“ eine spannende Studie über eine manipulierte Gesellschaft
DESSAU: „Menschen gestalten – Zukunft bewegen“ prangt in großen Lettern über dem gewaltigen Bühnenportal des Dessauer Opernhauses.
Im Laufe des Abends wird einem diese griffige „human coaching“ Losung immer klarer und immer unheimlicher. Die neue Chefregisseurin des Hauses, Andrea Moses, macht in ihrer Einstandsinszenierung nämlich aus Wagners „Lohengrin“ vor allem eine packende Studie über die Manipulierbarkeit der Massen und über die Undurchschaubarkeit von Machtstrukturen. Sie zeigt, wie Menschen, die dagegen kämpfen, nicht mehr funktionieren oder auf der Strecke bleiben, aussortiert oder ersetzt werden. Das war nach den fast zwei Jahrzehnten, in denen Walter Felsensteins Sohn Johannes hier das (Theater erhaltende) Intendanten-Zepter führte, als Regisseur aber demonstrativ eine eher konservative Opernästhetik pflegte, für einen Teil des Publikums ziemlich neu und zu viel.
Dabei haben Andrea Moses und ihr Ausstatter Christian Wiehle Wagners Schwanenritteroper zwar das historisch Märchenhafte verweigert, aber nicht das geheimnisvoll Spannende eines Kampfes um die Macht und die Frage, ob die Freiheit Brabants an der ungarischen Grenze verteidigt werden muss. Dass bei dieser Regisseurin (nach ihrem atemberaubend gegenwärtigen Nahost-Strauss Doppel mit „Salome“ und „Elektra“ in Meiningen und ihrer nicht minder packenden US-Fernsehshow „Turandot“ in Weimar) „Lohengrin“ vom Märchen zum Gegenwartsstück werden würde, war nicht anders zu erwarten. Am Ende marschieren sie denn auch alle im Gleichschritt unter wehenden Fahnen im wahrsten Wortsinn rückwärts in den Krieg und nur Elsa entkommt dem triumphierenden Wahnsinn über den Zuschauerraum.
Wo Katharina Wagner in Budapest in ihrem „Wende“ – Lohengrin den 89er Bruch verarbeitet und der junge Regisseur Florian Lutz in Gera-Altenburg die Nachwende-Zeit im Osten Deutschlands thematisiert hat, da verlängert Moses dieses Lohengrin-Potential sozusagen in die drohende Zukunft einer durchmanipulierten, von nicht legitimierten Mächten gelenkten Gesellschaft. Ohne auf eine allzu direkte politische Metaphorik auszuweichen. Das bleibt mit „Du bist Brabant“ überm Traualtar und einem eher ironischen „Vertrauen in Deutschland“ über dem Brautgemach-Bungalow mit seinem ebenso ironischen Wolke Sieben Video und etwas Bühnennebel eher in der Andeutung.
Zu Beginn sieht man in einer Art Auditorium, das Hörsaal oder auch Parlament sein könnte, die Brabanter noch als ziemlich individuelle und offensichtlich in verschiedene Lager differenzierte Zeitgenossen. Manche lesen Zeitung, einige stricken, andere reden miteinander und ein paar smarte Herren verstecken sich hinter ihren Sonnenbrillen und füttern ihre Laptops.
Und auch als der König und sein Heerrufer eintreffen und mit Friedrichs Anklage gegen Elsa der Kampf um die Macht beginnt, ist das Pro und Kontra noch deutlich wahrnehmbar. Doch der zum Krieg rüstende Heinrich und sein Heerrufer verlassen sich nicht auf die bedingungslose Gefolgschaft der Brabanter oder strategische Argumente. Sie haben einen Plan und der heißt Lohengrin. Der Superheld, der Strahlemann mit Charisma, der hochgepuschte Messias. Er wird mit einem medialen Brimborium von Obamascher Perfektion denn auch installiert. Da greift der König selbst zum Handy und setzt seinen backstage wartenden Kandidaten punktgenau in Marsch, da gibt es mit Schwanen-Auftritts-Video, Schaukampf und einer ganzen Truppe von ideologischen Hostessen, samt neuer Bibel mit aggressivem Schwanenlogo in der Geschenktüte, eine Art von fingierter Kandidatenkür.
Der Heerrufer ist in diesem Spiel dafür verantwortlich, dass Elsa, die sich hier tatsächlich so seltsam bewegt, wie sie redet, nicht aus der ihr zugedachten Rolle fällt. Als Telramund sie in aller Öffentlichkeit auffordert, das Frageverbot zu brechen, reicht ihr der Heerrufer schon mal auf seinem Minidisplay den Text. Er dirigiert das Verhalten der Massen und überwacht und lenkt Elsa. Bis eben auch sie im Brautgemacht nicht mehr „funktioniert“. Hier lässt Telramund schließlich auch Lohengrin auffliegen. Er hat einen Mitschnitt, auf dem man sieht, wie der Held für seinen „Auftrag Brabant“ abkassiert…
Diese enthüllende Sichtweise ist nahezu konsequent und läuft im szenischen Detail mit einer bis zum letzten Choristen durchgestalteten Personenregie als spannender Thriller ab. Dass es dann Lohengrin ist, der dem König und dem Heerrufer eine Telefonnummer zusteckt, über die sie den Ersatz-Jungen (noch ziemlich „unfertig“ und mit Maske) aus dem Schnürboden einschweben lassen können, ist mit Blick auf das Wissen Lohengrins über Gottfrieds Verbleib zwar einleuchtend, wäre aber in der Logik der erzählten Geschichte auch als Plan B der beiden Strippenzieher denkbar gewesen. Sei‘s drum.
Für die hier mitgelieferte, äußerst selten zu hörende zweite Strophe der Gralserzählung, die über Gottfrieds Schicksal aufklärt, hat der junge neuseeländische Tenor Andrew Sritheran jedenfalls genügend Kraft. Die kleinen Angestrengtheiten lagen zum Glück vor dem „In fernem Land…“ Auch sonst kann Dessau (das ja ein Theater mit großer Wagnervergangenheit und nie ganz abgerissener –Gegenwart ist) ein Ensemble von Sängerdarstellern aufbieten, das sich hören und sehen lassen kann. Es ist imponierend mit welcher darstellerischen Intensität und stimmlichen Wucht Iordanka Derilova eine mit allen Mittel kämpfende Power-Ortrud liefert und Ulf Paulsen als Telramund auch in seiner Niederlage souverän der Mann an der Seite seiner strategisch denkenden Frau ist. Bettine Kampp ergänzt ihre wunderbar klare Elsa um eine Studie einer stets manipulierten Frau, die sich erst am Ende aus dem Alptraum dieses Lebens befreien kann. Pavel Shmulevich macht aus dem König mit nobler Wucht einen modernen Manager der Macht und der junge Wiard Witholt ist seiner Rolle als Sprecher und Coach Elsas in jeder Hinsicht gewachsen! Die Spielfreude auch des aufgestockten Chores war allenthalben spürbar.
Alles in allem überzeugte auch die Anhaltische Philharmonie unter ihrem neuen Chef Antony Hermus. Obwohl das beim Vorspiel noch nicht so klar war, etliche Patzer dazwischenfunkten und Hermus aus dem Hochzeitsmarsch zum Beginn des dritten Aufzug einen Geschwindmarsch machte, der (vielleicht ja bewusst) mehr einer Parodie dieses Ohrwurms glich. Doch im Ganzen fand das Orchester überzeugend zu seinen Qualitäten, lieferte im dramatischen Auftrumpfen der Massenszenen das martialisch Enthüllende ebenso mit, wie dann doch noch die betörenden Gralsklänge.
Alles in allem ist Dessau ein spannender und lohnender Neustart gelungen. Und das Anhaltische Theater liegt ja nun keineswegs in fernem Land.
06.10.2009, 08:42 | tags:
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95
Jörg Königsdorf, Tagesspiegel, 06.10.2009
Wann hat man eine so kluge, lebendige Wagner-Aufführung zuletzt in Berlin erlebt? Dem Theater Dessau ist mit "Lohengrin" ein großer Wurf gelungen.
Dieser Lohengrin arbeitet mit allen Tricks: Inszeniert sich mit Schwanenlogo und großem Auftritt als Retter des Brabantischen Volks, macht der treudoofen Elsa den Traumprinzen vor und schreckt auch nicht davor zurück, seinen Duellgegner Telramund mit einem fiesen Foul zu Fall zu bringen. Die Geschichte schreiben die Sieger, weiß dieser skrupellose Politprofi – und falls seine Hinterzimmer-Kungeleien mit dem König irgendwann doch rauskommen sollten, kann er immer noch sein Erweckungsprediger-Charisma spielen lassen und die Massen auf sich einschwören.
Es ist schon ein starkes Stück, das das neue Team des Dessauer Theaters dem Publikum zur Saisoneröffnung zumutet. Nachdem hier unter Altintendant Johannes Felsenstein anderthalb Jahrzehnte lang – durchaus erfolgreich – Oper gemacht wurde, die meist genauso aussah, wie man es nach der Lektüre des Opernführers erwarten durfte, kehren sein Nachfolger André Bücker und die neue Chefregisseurin Andrea Moses ostentativ das Unterste zuoberst. Von jetzt an soll in der Bauhausstadt brandaktuelles Musiktheater stattfinden und die Kunst wieder das Gewissen der Gesellschaft sein. „Menschen gestalten – Zukunft bewegen“ lautet das ehrgeizig optimistische Motto, das sich die Dessauer Theatermacher auf die Fahnen und in großen Lettern auch übers Bühnenportal geschrieben haben.
In Dessau wird die Geschichte zum Politkrimi mit menschlichem Tiefgang
Sympathisch ist solche Aufbruchstimmung allemal, und wer weder durch diesen Leitspruch noch durch die Platzierung der „Lohengrin“-Premiere auf den „Tag der deutschen Einheit“ stutzig geworden ist, der merkt sehr schnell, dass das neue Team seinen Anspruch mit Volldampf einlöst: In Dessau wird die Geschichte vom scheiternden Heilsbringer zum Politkrimi mit menschlichem Tiefgang. Systematisch werden die gewählten Schicksalslenker demontiert, werden Glanz und Gloria der wagnerschen Musik als höchst wirksame PR-Mittel interpretiert. Mit dem Resultat, dass die Rollen von Gut und Böse sich völlig neu verteilen, ohne dass dies je gegen Text und Musik verstoßen würde.
So ist der Graf Telramund, der die Herrschaft über Brabant erstrebt, kein bloßer Ehrgeizling, sondern der letzte Politiker, der noch einen Begriff von Anstand und Ehre hat. Und Elsa ist kein verzagtes Mäuschen, sondern wird zur eigentlichen Heldin des Dramas: Wenn sie schließlich die verbotene Frage stellt, um die Wahrheit über ihren Helden zu erfahren, ist das der Moment, in dem sie den Betrug Lohengrins durchschaut. Am Ende wird sie unter den heilsgläubigen Brabantern umherwanken wie Kassandra unter den Trojanern – ebenso wenig wie die Wahrheit hat sie selbst hier noch einen Platz.
Schon fast überscharf behält Moses den ganzen Abend über jede ihrer Figuren im Fokus: den steif-korrekten Recken Telramund (Ulf Paulsen), die sexy bitch Ortrud (Iordanka Derilova), den windigen Business-König Heinrich (Pavel Shmulevich), den Politkandidaten Lohengrin und vor allem Elsa, die zu Beginn fast als dumme Gans im Jackie-Kennedy- Outfit erscheint. Dass diese lebensunerfahrene Tussi für die Heilsbotschaften der Gralssekte empfänglich ist, glaubt man jedenfalls sofort – auch weil Bettine Kampp diese naive Verschrobenheit auch wirklich singt und darstellt: Ihr „Einsam in trüben Tagen“ ist die trotzige Traumerzählung eines gealterten Kindes, das erst durch die Enttäuschung erwachsen werden wird.
Echtes Hörtheater
Dieser Dessauer „Lohengrin“ ist ein großer Wurf und vermutlich die spannendste Deutung seit Peter Konwitschnys legendärer Hamburger Inszenierung. Dass ein solcher Kraftakt an einem vergleichsweise kleinen Haus wie Dessau gelingt, liegt allerdings nicht nur an einem gescheiten, minutiös umgesetzten Konzept, sondern daran, dass Moses mit ihren Sängern und nicht gegen sie inszeniert. Andrew Sritherans Lohengrin beispielsweise hat nicht nur das schmierig-süßliche Sektenführer-Grinsen perfekt drauf, sondern singt seinen Schwanenmann auch so: Selbst sein „Elsa, ich liebe dich“ trompetet er mit gleißend metallischem Forte heraus –kein Liebesgeständnis, sondern ein Showact fürs sensationsgierige Volk und die Presse. Oder auch die Gralserzählung: Statt einer weihevollen Legato-Suada singt Sritheran das Stück als spontane Erweckungspredigt.
Und dann ist da Dessaus neuer Chefdirigent Antony Hermus, der mit seiner Anhaltischen Philharmonie keinen Schönklang ohne szenische Anbindung produziert, sondern mit offenen Augen und Ohren dirigiert. Das ist echtes Hörtheater: Jubelndes Volk und Konfettiregen in den ekstatischen Fanfaren der Trompeten, treuherziger Kirchenlied-Tonfall in den andächtigen großen Chorpassagen, dann wieder, im Brautchor, angenehm leichtfüßig.
Wann hat man eine so kluge, lebendige Wagner-Aufführung zuletzt in Berlin erlebt? Auf nach Dessau!
05.10.2009, 15:49 | tags:
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92
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/Dessau, 04.10.2009
Angriff der Gegenwart auf die übrige Zeit
Lohengrin auf der Bühne des Anhaltischen Theaters
In der Original-Fassung konnte man es als noble Absicht verstehen, bei Vertauschung der Verben aber wird daraus pure Esoterik: "Menschen gestalten - Zukunft bewegen" steht in großen Buchstaben über der Bühne des Anhaltischen Theaters. Und wer diese kleine Korrektur bemerkt hat, wird später auch die Parole "Vertrauen in Deutschland" mit anderen Augen lesen: Meint der inzwischen abgewählte Slogan wirklich noch, dass man auf diese Nation bauen kann? Oder fragt er nicht vielmehr, wie es um das Vertrauen in diesem Land bestellt ist?
Größtmöglicher Umkehrschluss
Andrea Moses versucht mit ihrem Dessauer Debüt den größtmöglichen Umkehrschluss: Ausgerechnet "Lohengrin", diesen grundguten Wagner-Helden in blendender Rüstung, will sie in seinem ehernen Selbstbewusstsein erschüttern, sein märchenhaftes Frageverbot als demagogische Geste entlarven. Dass dies nur mit Gewalt funktionieren kann, war von vornherein klar - ebenso wie die Tatsache, dass die Fraktion der Fraglosen diese Verstörung mit Empörung quittieren würde. Doch dass ein Gewitter aus Buh- und Bravo-Rufen einen elektrisierenden Abend krönt, war als Ausdruck einer Selbstverständigung des Publikums über sein Theater vor Ort bisher ja ein unerhörter Vorgang.
Dies ist der neuen Chefregisseurin gelungen: Sie hat das Brabant von Telramund und Ortrud in eine träge Demokratie verwandelt, deren Parlament anfällig ist für den Angriff des Irrationalen. Ihr Lohengrin ist ein charismatischer Sektenführer, der statt eines politischen Programms Gesangbücher und Autogramm-Oblaten verteilt - und dessen messianische Pose entzaubert wird, als die zunächst traumverlorene Prophetin Elsa ihn nach seiner wahren Art befragt. Dass ein kurzes Video zudem eine Verschwörung des Helden mit König Heinrich andeutet, überdehnt die Lesart freilich - selbst wenn der fragwürdige Heilsbringer dem Herrscher zum Abschied eine goldene Brücke in den Krieg baut.
Das eigentliche Sakrileg für die Gralshüter aber bleibt wohl, dass an diesem Abend nicht nur gedacht, sondern auch gelacht werden darf. Dabei ist der Auftritt einer Putzfrau als Verletzung der verkaterten Intimität zwischen den Verschwörern so schlüssig wie Telramunds lächerliche "Schwanensee"-Etüde vor der Kirche, die als Verspottung auf ihren Urheber zurückfällt - wenn man denn bereit ist, sich auf diese Aktualisierung einzulassen. Als visuelle Verführung bewährt sich die Ausstattung von Christian Wiehle: Wann wurden die grandiosen Möglichkeiten der Dessauer Wagner-Bühne zuletzt so raumgreifend ausgeschöpft? Wann gab es zuletzt derart überwältigende Verwandlungen, mit denen sich auch die Technik des Hauses höchstes Lob verdient?
Der Star sitzt im Graben
Der Star des Abends freilich sitzt im Graben: Antony Hermus hat die Anhaltische Philharmonie in kürzester Zeit verzaubert, er schöpft bereits im Vorspiel die Szene buchstäblich aus dem Klang und trägt die Sänger wie die Musiker durch eine fast makellose Vorstellung zum atemberaubenden Finale. Was hier an Elastizität und Dynamik, an Farbenreichtum und Nuancen zu hören ist, hätte man bislang kaum für möglich gehalten, dies ist ein Aufbruch, der einhellige Begeisterung findet. Und auch der Chor, den Helmut Sonne um Mitglieder des Extrachores und des freien Coruso-Ensembles bereichert hat, zeigt sich dank individueller Figurenzeichnung bei maximaler musikalischer Geschlossenheit in Topform. So kann, so muss es weitergehen im "Bayreuth des Nordens". Dafür steht zudem ein Solisten-Ensemble, in dem Ulf Paulsen als sinistrer Machtmensch Telramund sowie Iordanka Derilova als furiose First Lady Ortrud mit starken Stimmen und scharf konturierten Charakteren für Qualität sorgen. Neben ihnen führt sich eine Gruppe neuer Sänger ein, die sich sehen und hören lassen kann: Pavel Shmulevich ist ein König von wahrhaft majestätischem Ausdruck, Wiard Witholt ein Heerrufer mit verführerischer Verlässlichkeit.
Bettine Kampp steigert - als einziger Gast - ihre Elsa vom Opfer stimmlich wie darstellerisch zur selbstbewussten Frau, die als Einzige dem Gleichschritt entkommt. Andrew Sritheran schließlich muss bei seinem Rollen-Debüt im dritten Aufzug Lehrgeld zahlen, zeigt dann aber - von Antony Hermus geführt - in der ungekürzten Gralserzählung, dass in ihm ein echter Schwanenritter steckt. Im Dessauer "Lohengrin" wird Wagners Forderung "Kinder, schafft Neues!" also nicht - wie jüngst an der Berliner Staatsoper - plakatiert. Es wird einfach gemacht.
Nächste Vorstellungen: 10. Oktober und 22. November, jeweils 17 Uhr
05.10.2009, 15:41 | tags:
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Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau, 04.10.2009
Publikum fiebert mit und ist begeistert
Spielzeit-Auftakt am Anhaltischen Theater kommt gut an - Prominente Besucher loben neues Team
Nur ein paar Takte reichten aus und Klemens Koschigs Ängste waren am Samstagabend verflogen. Noch am Abend zuvor war der Oberbürgermeister unsicher ob des Ausgangs der Opernpremiere von "Lohengrin". "Ich habe Angst", gestand er da. 24 Stunden später, nach viereinhalb Stunden Wagner am Anhaltischen Theater, war Koschig jedoch überzeugt: "Genau für solch ein Theater haben wir André Bücker nach Dessau geholt. Es gibt so viele jüngere Leute im Publikum, das haben wir uns gewünscht".
Beginn mit Abschlussfeier
Erstmals bestätigt sah sich das Stadtoberhaupt schon am Freitagabend im Alten Theater. Dort begann das Eröffnungswochenende unter der neuen Intendanz von André Bücker mit der Premiere von "Abschlussfeier" in der Regie von Armin Petras. Petras, Intendant des Berliner Maxim-Gorki-Theaters, schickte sein Publikum durch das ganze Haus und schließlich vor die Tür. Nach einer bejubelten Premiere blieben viele gern, denn das bislang so kühl wirkende Foyer des Alten Theaters hatte sich durch das Bühnenbild in einen Partykeller verwandelt, der sich perfekt für eine Premierenfeier mit Live-Musik und Tanz eignete.
Im Restaurant sprach derweil die lokale Prominenz über das Gesehene. Mit der "Abschlussfeier" habe er ein Stück erlebt, dass nicht besser zum Tag der Deutschen Einheit hätte passen können, sagte Klemens Koschig. Er wertete die Inszenierung vor allem angesichts der Verklärung von Erinnerungen als besonders wichtig. "Es ist gut, dass es solche Stücke gibt, die uns immer wieder vorführen, wie es in der DDR war." Autor Einar Schleef, der mit seiner Erzählung die Vorlage für die Theaterfassung der Dessauer Uraufführung lieferte, war ein Meister im Schildern des ostdeutschen Alltags. Dass sich dies adäquat auf der Bühne widerspiegelte, fanden auch Gäste aus Sangerhausen. Mit zehn Leuten war der Schleef-Arbeitskreis aus der Geburtsstadt des Autors angereist. "Die Fahrt hat sich gelohnt. Es war ein toller Abend", freute sich Dieter Wrobbel vom Arbeitskreis, der zugleich auch einen Bekannten in Dessau wiedertraf: André Bücker inszenierte beim "Schleef-Block I" 2004 in Sangerhausen den Schleef-Abend "Kein schöner Land", und auch Petras kam damals mit einer Produktion in die Rosenstadt. "Eigentlich schließt sich hier heute in Dessau ein Kreis", befand Wrobbel
Eine Zuschauerin der "Abschlussfeier" konnte am Freitag nicht ganz so gelassen in die Premierenfeier gehen, denn ihre eigene fand erst am Abend darauf statt. Andrea Moses, Regisseurin des "Lohengrin", verabschiedete sich bald und sammelte Kraft für ihr Dessau-Debüt.
18 Uhr sah man sie am Sonnabend ganz außen in Reihe 5 im Parkett sitzen. Angespannt, mitfiebernd, lachend und begeistert von Solisten, Chören und Orchester, blieb für die Regisseurin nun nicht mehr viel zu tun. Zwei Pausen gab es während der Oper, danach eine bis in die Morgenstunden dauernde Premierenfeier, Zeit also für Diskussionen über die Lesart der Regisseurin, Zeit für erste negative und positive Einträge in das neue Gästebuch des Hauses. Bevor gefeiert wurde, galt das Wort des Generalintendanten jedoch allen Mitwirkenden. André Bücker dankte im Rangfoyer nicht nur den Solisten und Chören, er hob auch alle Gewerke und die Technik des Hauses hervor. "Aus einem Stab kommt kein Klang." Mehr musste Dirigent Antony Hermus als Wertschätzung für Orchester und Ensemble nicht sagen.
Auffallend viele auswärtige Besucher waren am Sonnabend nach Dessau gekommen. Theaterleute, die den Dessauer Neustart miterleben wollten. So auch Ulrich Katzer, Betriebsdirektor der halleschen Oper und Orchester GmbH, der alle drei Eröffnungspremieren sah. "Ich bin neidisch", war sein Kommentar nach der Opern-Premiere. "Dessau kann stolz sein auf seine neue Mannschaft."
Christoph Werner, Intendant des "Neuen Theaters" in Halle und gebürtiger Dessauer, hat neben den Besuchen bei seinen Eltern nun noch einen weiteren Grund ausgemacht, wieder öfter nach Dessau zu kommen. "Das war ein Großstadttheaterabend, wie man ihn auch in Dresden erleben kann. Als Dessauer bin ich stolz, dass man solches Theater jetzt auch in meiner Heimatstadt sehen kann", sagte er. Werner, der in Halle die Nachfolge von Peter Sodann antrat, weiß um die Probleme und Ängste, die mit einem Wechsel der Intendanz verbunden sind. "In Gesprächen und beim Publikum habe ich gemerkt, wie verfelsensteint noch manches ist. Die jetzigen Premieren sind eine klare Ansage. Ich wünsche dem neuen Team viel Kraft und komme jetzt öfter."
Zurück an den früheren Wirkungsort kehrte auch Clemens Birnbaum. Der ehemalige Weill-Fest-Intendant verantwortet nun in Halle die Händel-Festspiele. "Lohengrin war ein großartiger Saisonauftakt und eine phantastische musikalische Leistung", lobte er vor allem die Arbeit von Generalmusikdirektor Antony Hermus. Und in der Inszenierung von Andreas Moses habe er sich "keine Minute gelangweilt".
Gäste kommen wieder
Ein besonders kritisches Auge auf den Opernabend warfen mehr als 40 Besucher aus Bremen, die nach Dessau gereist waren. Nicht zum ersten Mal kamen Mitglieder des Bremer Richard-Wagner-Verbandes in die Muldestadt. "Der erste Eindruck war gewöhnungsbedürftig, aber wenn man sich erst einmal gewöhnt hatte, dann war es toll", resümierte Hannelore Pöpper. Die Bremer werden Dessaus Theater weiter besuchen, versicherte sie.
"Wir kommen wieder", befand auch ein anderer prominenter Premierengast: Bernd Junkers, der nur Stunden zuvor eine Ju 52 auf den Namen "Dessau" getauft hatte, will fortan öfter die Strecke München-Dessau fahren, um hier ins Theater zu gehen.
02.10.2009, 07:13 | tags:
Spielzeit
, Anhaltische Philharmonie
84
THOMAS ALTMANN, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau, 29.09.2009
Mit feuchten Augen in den Abend hinaus
Freundeskreis stellt den neuen Generalmusikdirektor der Philharmonie Antony Hermus vor
"Kramer! Gib die Farbe mir, meine Wangen rot zu malen": der "Klassik-Quickie", das Scratch-Projekt "Carmina Burana" im Mai nächsten Jahres wird wohl das Spektakel der Saison. Mitsingen darf, wer mitsingen wil. Geprobt wird lediglich einen Tag lang. Und am Abend gibt es auf "Biegen und Brechen ein Konzert", sagte Antony Hermus und fügte noch ausdrücklich hinzu, dass hier das Ziel der Weg sei, und, dass man immer mal wieder versuchen solle, "ein Loch in die eigene Begrenzung zu reißen", auch wenn man fallen könne. Da stand der Kornhausdialog kurz vor dem Finale.
Der Freundeskreis des Theaters stellte am Sonntag den neuen Generalmusikdirektor der Anhaltischen Philharmonie vor. Antony Hermus wurde befragt von Oliver Thust, Vorsitzender des Freundeskreises. Die erste Frage zielte auf den Beginn. "Ich bin", sagte Hermus, "in Brabant geboren." Was bühnenreif klang, wurde gleich geerdet: "Meine Eltern stellten sich einen Musiker vor, der bei einer Hochzeit spielt und dafür 25 Euro und eine Flasche Wein bekommt." Das sollte anders werden. Hermus, Jahrgang 1973, studierte an der Musikhochschule in Tilburg Klavier und Dirigieren und zudem Wirtschaftsinformatik: "Auf der Universität war ich Künstler, in der Hochschule Geschäftsmann".
Wie sich das vereinen ließ und entwickelte, darüber wurde gesprochen und über den Weg am Theater Hagen vom Praktikanten, über den Studienleiter und 1. Kapellmeister zum Generalmusikdirektor. Nach seinem Abschied dort im vorigen Jahr gab es einen vollen Terminkalender. Warum er dennoch nach Dessau gekommen sei, fragte Thust. Hermus habe hier eine offene Situation vorgefunden und ein leistungsstarkes Orchester, das bereit sei, seinen Klangvorstellungen und Ideen zu folgen, das ein gutes Gefühl für Sänger habe, das mithöre und mitatme. Auch die bisherige Jugendarbeit wurde als vorbildlich und einmalig gelobt. Daran solle angeknüpft werden. Und die Frage nach den Vorlieben war natürlich zwingend. Hermus nannte das romantische Repertoire, einige Komponisten aus anderen Zeiten und sagte: "Ich bin ein musikalischer Allesesser". Da wurden keine Grenzen entworfen, zur leichteren Kost nicht und nicht zur Musik der Moderne oder zur Neuen Musik. Das Orchester habe einen Kulturauftrag und spiele vor allem für ein Publikum. Musik solle begeistern und berühren. Ziel sei, "so viele Hörer wie möglich mit feuchten Augen in den Abend zu schicken".
Und überhaupt wolle Hermus "erst ein bisschen angekommen sein". Das erste Sinfoniekonzert in der kommenden Woche dürfte diese Ankunft markieren. Mit Johannes Brahms' Sinfonie Nr. 2 bewege man sich auf bekannten deutschen Bahnen. Mit Johann Wagenaars Orchesterfantasie "Lebenssommer" gebe es ein Stück Heimat des Dirigenten. Und Antonín Dvoráks "Te Deum" op. 103 für Soli, Chor und Orchester gereicht gewiss zur Kennlernrunde. Denn da vereinen sich die Stimmen der Dessauer Chöre auf der Dessauer Bühne. Absicht sei, so Hermus, gemeinsam mit den musikbegeisterten Menschen der Stadt zu musizieren. Bevor in der offenen Gesprächsrunde das nun gut und frisch informierte Publikum einige Repertoirewünsche äußerte, wollte Thust noch wissen, wie man den offensichtlichen Schwung des Beginnens gegen die Routine mit in den Alltag nehmen könne. Das sei wie in einer Beziehung, sagte Hermus, der auch dem geschirrspülenden Liebhaber offenbar Leidenschaft nicht absprechen mag. Und zum Scratch-Projekt sagte er zuvor: "80 Prozent des Ergebnisses erreicht man in 20 Prozent der Zeit. Dann wird es schwer", dann vielleicht verwöhnt - "O Fortuna" aus Carmina Burana - das Glück "spielerisch den wachen Sinn".
30.09.2009, 08:19 | tags:
Spielzeit
, Schauspiel/Musiktheater
, Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
82
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung / Dessau, 16.09.2009
Neues Ensemble probt für die ersten Premieren
Mit Wagners «Lohengrin» wird am 3. Oktober die Spielzeit am Anhaltischen Theater offiziell eröffnet
Der Einstand am ersten Septembersamstag war gelungen. Wer an diesem Abend zum Vorplatz des Anhaltischen Theaters kam und aufmerksam lauschte, der hörte beim traditionellen Eröffnungskonzert der neuen Spielzeit eine Menge neuer Stimmen von Sängerinnen und Sängern, die fortan zum Ensemble des Musiktheaters gehören. Viele von ihnen stehen in diesen Tagen auf der Bühne und bereiten die erste Premiere dieser Sparte vor.
Konfrontation mit "Wunder"
Zur Spielzeiteröffnung inszeniert Chefregisseurin Andrea Moses mit "Lohengrin" (3. Oktober, 18 Uhr) erstmals ein Werk von Richard Wagner. Der zwischen Juni 1846 und März 1848 komponierte "Lohengrin" nimmt in Wagners Oeuvre eine Schlüsselstellung ein: Zum einen verwirklichte Wagner, der "vollkommenste Revolutionär" nach eigenem Zeugnis, in ihm erstmals weitgehend sein Konzept eines durchkomponierten Musikdramas, zum anderen wollte er am avisierten Uraufführungsort Dresden mit der Oper 1849 auch die Gesellschaft revolutionieren. Diese gesellschaftspolitische Zielsetzung und ihre Verortung im Heute bildet den Ausgangspunkt für Andrea Moses' Interpretation: Eine desillusionierte und in Apathie verfallene Gesellschaft, deren politische Eliten in Machtkämpfe verstrickt und durch Berater fremdbestimmt sind, wird mit einem "Wunder" konfrontiert, das den Ausbruch aus einer verfahrenen Situation zu gewährleisten scheint.
Unter dem Motto "Utopie und Wahnsinn" begegnen den Theatergängern in dieser Saison noch eine ganze Reihe weiterer Stücke, die den Versuch der Realisierung und das Scheitern politischer Utopien thematisieren, und im Einzelfall, wie bei "Die Stumme von Portici", tatsächlich politische Veränderungen auslösten. Daniel-François-Esprit Aubers Große Oper in fünf Akten inszeniert André Bücker. Der Generalintendant des Anhaltischen Theaters stellt sich mit "La Muette de Portici" am 24. April in Dessau als Opernregisseur vor.
Viel früher geht es auch in Leonard Bernsteins Musical "Candide" um Utopien, denn es basiert auf Voltaires Text aus der französischen Aufklärung. "Candide" bringt Gastregisseurin Cordula Däuper am 4. Dezember zur Premiere. Allein die Musik und der Gesang stehen bereits am 30. Oktober im Mittelpunkt, wenn "Serata di Gala", eine italienische Operngala, Premiere hat.
In das neue Jahr startet die Musiktheatersparte des Anhaltischen Theaters am 5. März mit einer Koproduktion mit dem Kurt Weill Fest Dessau 2010: Kurt Weills "One touch of Venus". Klaus Seiffert nimmt sich dieser musikalischen Komödie an. Er ließ sich am Musicalstudio Theater an der Wien zum Sänger, Tänzer und Schauspieler ausbilden. Seitdem spielte er in Produktionen wie "A Chorus Line" (Wien), "Cats" (Hamburg), "Les Miserables" (Duisburg), "Rocky Horror Show" (Saarbrücken), "Hair" (Dortmund) und in über 20 weiteren Musicals. Zu seinen Erfolgen als Regisseur und Choreograph zählen "Love is...", "Godspell", "Madame Pompadour", "Die Fledermaus", "Die verkaufte Braut" und, als Co-Regisseur, "Victor / Victoria" in Bremen, Karlsruhe, München und Dortmund.
Roland Schwab heißt der Regiegast, der am 18. Juni in Dessau einen Giuseppe Verdi zur Premiere bringt. Die große Oper des Italieners "Un ballo in maschera", dieser Maskenball wird in italienischer Originalsprache zu hören sein, wie auch schon "Die Stumme von Portici" in Französisch erklingt.
Debüt an Deutscher Oper
Schwab, der bei Götz Friedrich studierte, gab anlässlich des Mozartjahrs mit "Fragmente" von Mozart sein erfolgreiches Regiedebüt an der Deutschen Oper Berlin, an der er mittlerweile auch "Tiefland" inszenierte und 2010 eine Neuproduktion von "Don Giovanni" herausbringen wird.
17.07.2009, 21:24 | tags:
Anhaltische Philharmonie
66
Helden, Leben und Schicksale in Noten gesetzt
Generalmusikdirektor und Musikdramaturg haben anspruchsvolles Konzertprogramm geplant
VON UTE VAN DER SANDEN, 15.07.09
DESSAU/MZ. Mit der so genannten Schicksalssinfonie, Beethovens "Fünfter", gab Golo Berg im Juni seinen Ausstand als Generalmusikdirektor in Dessau. Die nächste Konzertsaison führt den Begriff sogar im Namen: "Helden - Leben - Schicksal" steht über der ersten Spielzeit des neuen Chefdirigenten Antony Hermus. Absicht, Zufall oder Schicksal? "Macht des Zufalls", witzelt Musikdramaturg Ronald Müller, der den Konzertkalender mitverantwortet und seinen Inhalt, salopp gesagt, unter die Leute bringt.
Auf Wunsch der neuen Theaterleitung hat Hermus für alle Abende Titel gefunden - Mottos, die neugierig machen und Emotionen ansprechen. "Die Himmel rühmen" heißt das romantische Eröffnungskonzert am 8. und 9. Oktober, für dessen Finale sieben Chöre engagiert wurden: Jene der drei Dessau-Roßlauer Gymnasien, dazu Luther-, Friedrich-Schneider-, Opern- und Extrachor singen in Dvoráks "Te Deum". Bei der 20-minütigen Konzertmesse werden fast 300 Vokalisten auf der Bühne stehen.
Schon mit diesem ersten Programm gibt sich der neue GMD zu erkennen: als Brahms-Liebhaber; dessen "Zweite" erklingt hier ungewöhnlicherweise schon vor der Pause. Als Freund der großen romantischen Sinfonieorchesterbesetzung, der seine Musiker ausgelastet wissen möchte - "nicht übers Limit hinaus, aber die Zahlen müssen stimmen". Und als Kunstvermittler, der nach Offenheit, neuen Formen des Miteinanders von Musikern und musizierendem Publikum zu suchen verspricht: "Musik ist für jeden da, der Spaß daran hat", sagt Antony Hermus.
"Unsterbliche Liebe" lässt die Philharmonie mit Auszügen aus Prokofjews Ballett "Romeo und Julia" und Schönbergs sinfonischer Dichtung "Pelléas und Melisánde" vernehmen. Unsterblich ist aber auch des Publikums Zuneigung zu Mozarts A-Dur-Klavierkonzert und Carl Maria von Webers Klarinettenkonzert. Alle Solopartien werden von jungen, weltweit auftretenden Instrumentalisten versehen, mit denen Hermus teils schon gearbeitet hat.
Chorsinfonik, Jubiläen, klassische Moderne, sinfonisches Repertoire: Auf diesen Säulen ruht die nächste Spielzeit. Robert Schumann und Felix Mendelssohn Bartholdy wurden vor 200 Jahren geboren. Heinz Röttgers "Sinfonisches Vorspiel" justament am 100. Geburtstag des früheren musikalischen Leiters des Landestheaters untergebracht zu haben, freut den Musikdramaturgen besonders. Auch Bohuslav Martinu steht anlässlich seines 50. Todestages mit einem Werk im Programm - zumindest ein Akzent.
Schließlich darf die Sinfonik des 19. Jahrhunderts nicht zu kurz kommen, die für die künstlerische Identität und Beurteilung jedes philharmonischen Orchesters tonangebend ist. Dazu zählen auch sinfonische Dichtungen wie das "Heldenleben" von Richard Strauss. Die größte konzertante Herausforderung der Spielzeit habe man so terminiert, dass ausreichend Proben möglich seien, versichert Müller.
Brahms' zweite, Beethovens dritte, Schumanns und Tschaikowskys vierte Sinfonie spielen alle Orchester gern. Mendelssohn Bartholdy kommt in der Kammermusikreihe vor. Und weil die Tonsprache des 20. Jahrhunderts in der Kurt-Weill-Stadt kein Fremdwort ist, erklingt in jedem Programm mindestens ein Werk, das vor weniger als hundert Jahren entstand. Barockes gibt's nur Weihnachten: Die alten Meister den Spezialensembles zu überlassen, ist längst Praxis.
Freunde der Kammermusik dürfen sich auf sechs Nachmittage im Schloss Georgium freuen - und die Freunde zeitgenössischer Kammermusik ebenfalls, denn auch hier liegt jeweils zumindest ein Werk des 20. Jahrhunderts auf den Pulten. Für den Auftakt haben sich das Anhaltische Streichquartett und Wolfgang Kluge das attraktive Klavierquintett von Schumann vorgenommen. Wie immer gilt: rechtzeitig Karten reservieren!
Aus der Liste der Sonderkonzerte - neuerdings sogar an Sekundarschulen - ragen Angebote heraus, die auch für jene interessant sind, denen die Gipfelstürme der Sinfonik zu anstrengend erscheinen. Und sie müssen noch nicht einmal ins Theater kommen, denn auch im Elbe-Werk, im Elektromotorenwerk und im Umweltbundesamt wird wieder Musik gemacht. Mit beliebten Melodien aus Oper, Operette und Konzert, mit drei Offerten des Impuls-Festivals für zeitgenössische Musik und erst recht mit dem letzten Sinfoniekonzert, einer spanischen Estrade, werden auch spezielle Wünsche erfüllt.
Ganz klassisch wird das nächste Jahr empfangen: Den Schlusschor über Schillers "Ode an die Freude" in Beethovens "Neunter" zu singen, geben sich Opern- und Extrachor die Ehre. Das Schicksal der drei Sonntagskonzerte ist besiegelt: "Schade für die Zuhörer der Reihe, sie hat den Aufwand nicht gelohnt", bedauert Ronald Müller. Die Kapazitäten würden für andere Vorhaben genutzt, betont Hermus. Indes, die Helden der Spielzeit wird das Publikum schon selber krönen müssen.
30.06.2009, 14:10 | tags:
Anhaltische Philharmonie
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Für alle Freunde der Anhaltischen Philharmonie Dessau
Am 2. und 3. Juli 2009 findet auf dem Berliner Gendarmenmarkt das Festival "Classic Open Air" mit Beteiligung der Anhaltischen Philharmonie statt. Erstmals wird bei diesen beiden Konzerten Generalmusikdirektor Antony Hermus das Orchester dirigieren.
Donnerstag, 2. Juli 2009, 20.30 Uhr
Feuerstein präsentiert
First Night- Klassik Spektakulär
Musikalische Meisterwerke von Verdi, Rossini, Händel, Mozart, Bizet, Lortzing, Lehár, Tschaikowski u. a.
Solisten: Carmen Fuggiss (Sopran),
Hagen Matzeit (Bariton/Countertenor)
Andrew Richards (Tenor)
Berliner Konzert Chor
Anhaltische Philharmonie Dessau, Dirigent GMD Antony Hermus
Feuerwerksfinale
Freitag, 3. Juli 2009, 20.00 Uhr
Nessun Dorma!
Puccinis Welt – musikalische Begegnungen mit Verdi, Lehár, Mascagni, Gershwin
Musik aus La Bohème, Tosca, Madame Butterfly, Turandot,
Manon Lescaut, Aida, Land des Lächelns, Cavalleria Rusticana,
Porgy and Bess u. a.
Solisten: Eva Lind (Sopran), Georgina Lukács (Sopran),
Marco Jentzsch (Tenor)
Anhaltische Philharmonie Dessau
Dirigent: GMD Antony Hermus