02.03.2010, 17:48 | tags: Anhaltische Philharmonie | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 02.03.2010
„ECHO Klassik“ – Preisträger zu Gast im 5. Sinfoniekonzert der Anhaltischen Philharmonie
Gast im 5. Sinfoniekonzert der Anhaltischen Philharmonie am 11. und 12. März ist der Bratschist Nils Mönkemeyer, den das Klassik-Magazin „Rondo“ unlängst als „erstes deutsches Bratschenwunder“ bezeichnete. Für seine Debüt-CD erhielt der 32-Jährige den „Echo Klassik 2009“ als Nachwuchskünstler des Jahres.
Der inzwischen international gefragte Mönkemeyer spielt in Dessau das Bratschenkonzert „Der Schwanendreher“ nach alten Volksliedern, das sich Paul Hindemith, der ein hervorragender Bratschist war, 1935 für den eigenen Gebrauch auf den Leib geschrieben hat.
Den Konzertabend eröffnet Beethovens „Coriolan“-Ouvertüre, und nach der Pause steht als Hauptwerk die Tondichtung „Ein Heldenleben“ von Richard Strauss auf dem Programm. Strauss beschreibt darin keinen Helden aus Literatur, Mythologie oder Geschichte, sondern einen Künstler – sich selbst im Alter von 34 Jahren! Der Vorwurf einer „Privat-Eroica“ und eines „Kolosses auf tönernen Füßen“ blieb dem Werk denn auch nicht erspart. Und trotzdem: Ein fulminantes, opulentes Stück Musik – ein Fest für jedes Orchester und ein Genuss für jeden Zuhörer! GMD Antony Hermus dirigiert die Anhaltische Philharmonie.
Konzerteinführung am 11. und 12. März jeweils um 18:30 Uhr im Foyer
Tickets und Informationen erhalten Sie unter: Theaterkasse Rathaus-Center
Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr |
Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr |
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
18.02.2010, 07:25 | tags: Anhaltische Philharmonie, Diverses | Autor: Franziska Blech
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 18.02.2010
Musik für Kaffee im Salon
Salonorchester Papillon gibt Samstag im Theaterrestaurant 100. Konzert
Es wird sein wie immer. Das Theaterrestaurant füllt sich eine Stunde vor der Vorstellung. Kaffee und Kuchen werden bestellt und es wird geplaudert. Dazu erklingt Musik, vorgetragen von sieben Musikern: dem Salonorchester Papillon. Etwas Besonderes hat der Nachmittag am Sonnabend dieser Woche dann aber doch: Für das Orchester ist es der 100. Auftritt bei "Kaffee im Salon" um 15.45 Uhr. Mag sein, dass dies der einen oder anderen Dame, die zu den Stammzuhörern gehört, einen kleinen Gruß wert ist. Stammpublikum hat das kleine Ensemble, das sich aus Musikern der Anhaltischen Philharmonie zusammensetzt, reichlich. Gewachsen ist es in sechs Jahren, seit sich das Orchester 2003 gründete.
Die Anfänge für Musik in der klassischen Pariser Besetzung liegen jedoch schon sehr viel weiter zurück, erinnert sich Reinhard Gutte, der Klarinette und Saxophon spielt. Schon seit 1985 habe solch ein Orchester in wechselnden Besetzungen gespielt. 2002 gab es dann ein überaus erfolgreiches Faschingskonzert und daraus resultierend den Wunsch, fortan regelmäßig aufzutreten, eben als Salonorchester Papillon. 35 Titel hatte man zu Beginn im Repertoire, inzwischen ist dieses auf über 700 angewachsen. So griff Martin Schulze (Violine) auf Noten des Großvaters zurück, die er im Keller liegen hatte. "Der spielte schon in den 1920er Jahren in einem Caféhaus-Orchester", erzählt der Musiker. Und damals wie heute ist es eine ähnliche Bandbreite an Musik, die die Zuhörer erfreut. "Wir spielen eigentlich alles, außer bei Bebop würden wir vielleicht streiken", lacht Reinhard Gutte. Opern- und Operettenpotpourris erklingen, wenn Papillon auftritt, Märsche, Walzer, Schlager, Tangos bis hin zu Arrangements von Wagner-Stücken hat man im Programm.
Bei der Reihe "Kaffee im Salon" stimme man das Programm direkt auf die sich anschließende Vorstellung auf der Bühne ab. Dass sich bei diesen Auftritten das Publikum unterhält, die Musik bei Kaffee und Kuchen praktisch nebenbei konsumiert, stört die Papillon-Musiker wenig. "Das ist so gewollt. Wenn das Restaurant voll ist, muss man allerdings schon etwas an dynamischer Stärke dazu geben", sagt Martin Schulze.
Der Geiger und der Klarinettist wie auch die anderen Musiker lieben an ihrer Besetzung im Salonorchester eines ganz besonders: "Jeder ist hier Solist", sagt Gutte. "Es ist ein selbstbestimmtes Musizieren mit Kollegen mit denen man sich gut versteht", ergänzt Martin Schulze. Bis zu 15 Konzerte geben sie pro Spielzeit im Theaterrestaurant, dazu kommen außerhalb des Dessauer Hauses seit der Gründung noch einmal 60 Konzerte in der Region bis hin zum Gastspielort Winterthur. "Wir sind sehr flexibel und können dort auftreten, wo ein großes Orchester nicht hinkommt", sagt Reinhard Gutte. Für den Auftritt am Sonnabend habe man sich Höhepunkte des Programms heraus gesucht. Derart beschwingt von Salonmusik können die Besucher dann nahtlos in die Vorstellung der Operette "La Périchole" um 17 Uhr wechseln.
17.02.2010, 17:29 | tags: Musiktheater, Anhaltische Philharmonie, Diverses | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 17.02.2010
KLANG-KOSMOS DESSAU / Elbmusikfest 2010
Vier Aufführungen an vier aufeinander folgenden Tagen
Das Anhaltische Theater Dessau nimmt in seiner 215. Spielzeit die Tradition der Elbmusikfeste, einem Vorläufer der Anhaltischen Musikfeste, wieder auf und veranstaltet am Himmelfahrtswochenende 2010, vom 13. bis zum 16. Mai, nach einer Unterbrechung von 175 Jahren das nunmehr zweite in Dessau stattfindende Elbmusikfest. Für die regionale Entwicklung des Chorwesens im 19. Jahrhundert hatten die Elbmusikfeste eine große Bedeutung.
Diese Tradition, Sänger und Chöre zusammenzuführen, soll mit dem Elbmusikfest wiederbelebt und gestärkt werden.
An vier aufeinander folgenden Tagen werden zwei Inszenierungen des Musiktheaters und eine Inszenierung des Balletts gezeigt sowie ein SCRATCH-KONZERT aufgeführt.
„SCRATCH“ heißt diese Form deshalb, weil man „from scratch“, also bei Null anfängt und innerhalb eines Tages das Werk zur Aufführung bringt. Die Idee des SCRATCH-KONZERTES besteht darin, mit einem Chor aus Hobby-Sängern innerhalb von 24 Stunden Carl Orffs Chorwerk »Carmina Burana« einzustudieren und das Ergebnis in einer öffentlichen Aufführung zu präsentieren. Der Weg ist dabei das Ziel. Mitmachen kann jeder, der Spaß am Singen hat. Erfahrung im Chorgesang ist natürlich von Vorteil, eine individuelle Vorbereitung erwünscht.
Jeder Mitwirkende muss im Besitz einer Teilnehmerkarte sein, die an der Theaterkasse Rathaus-Center gegen eine Gebühr von 10,- Euro (Ermäßigungsberechtigte 5,- Euro) erworben werden kann. Die Theaterkasse nimmt gleichzeitig die ebenfalls notwendigen schriftlichen Anmeldungen entgegen.
Die Anmeldung für die Teilnahme an diesem Projekt läuft bereits – Anmeldeschluss ist der 22. April. In der Teilnahmegebühr enthalten ist eine Versorgung mit Speisen und Getränken während der Probenpausen am 15. Mai. Selbstverständlich können die Karten auch über das Internet bestellt werden.
Das benötigte Notenmaterial muss jeder Teilnehmer selbst besorgen. Chorpartituren [16,95 Euro] oder Klavierauszüge [39,95 Euro] sind im Fachgeschäft »Musik-Erber« in der Askanischen Straße 55, in 06842 Dessau-Roßlau erhältlich.
Am Freitag, d. 14. Mai finden von 19 - 21 Uhr separate Stimmproben [Teilnahme freiwillig] statt.
Die Gesamtchorprobe mit Klavier findet am Sonnabend, d. 15. Mai von 9:30 - 12:30 Uhr und eine Generalprobe mit Solisten und Orchester um 14 - 17 Uhr statt.
Am 15. Mai, um 19 Uhr lädt das Anhaltische Theater zum Konzert ins Große Haus.
Ausführliche Informationen zum Scratch-Konzert unter www.anhaltisches-theater.de/scratch, mehr Informationen zum Elbmusikfest 2010 unter www.anhaltisches-theater.de/elbmusikfest
- Mai – 16. Mai 2010
KLANG-KOSMOS DESSAU / Elbmusikfest 2010
Vier Aufführungen an vier aufeinander folgenden Tagen
Eröffnung: Donnerstag, 13. Mai 2010, 18 Uhr RICHARD WAGNER LOHENGRIN
Anhaltisches Theater, Großes Haus
Freitag, 14. Mai 2010, 19 Uhr LULU BALLETT VON TOMASZ KAJDANSKI (MIT ORCHESTER), Anhaltisches Theater, Großes Haus
Samstag, 15. Mai 2010, 19 Uhr CARMINA BURANA SCRATCH-KONZERT, Anhaltisches Theater, Großes Haus
Sonntag, 16. Mai 2010, 17 Uhr DANIEL-FRANÇOIS-ESPRIT AUBER
DIE STUMME VON PORTICI / LA MUETTE DE PORTICI, Anhaltisches Theater, Großes Haus
Tickets und Informationen erhalten Sie unter:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr
Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
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05.02.2010, 10:46 | tags: Anhaltische Philharmonie, Diverses | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 05.02.2010
Wunschkonzert im Anhaltischen Theater
Erstmals lädt das Anhaltische Theater am Sonntag, d. 25. April, um 17 Uhr zu einem Wunschkonzert mit dem Titel „Frühling in Wien“ im Großen Haus ein.
Unter der Leitung von Daniel Carlberg bringt die Anhaltische Philharmonie gemeinsam mit Gesangssolisten bekannte Werke Wiener Komponisten zu Gehör. Mozart und Schubert dürfen ebenso wenig fehlen wie die Mitglieder der Strauß-Dynastie mit Stücken wie dem „Frühlingsstimmen“-Walzer oder der „Krapfenwaldl“-Polka. Eine Besonderheit dieses Konzertes besteht darin, dass die Besucher einige Programmpunkte im Vorfeld selbst auswählen können.
Nähere Informationen finden Sie in unserem Flyer „Frühling in Wien“ sowie auf der website des Theaters unter http://www.anhaltisches-theater.de/fruehling_in_wien.
Einsendeschluss für alle Musikwünsche ist der 12. April 2010. Unter den Einsendern werden 3 Gutscheine für je 2 Personen für eine Vorstellung freier Wahl verlost.
Dirigent: Daniel Carlberg | Solistin: Cornelia Marschall, Sopran | Moderation: Ronald Müller
Karten zu den üblichen Konzertpreisen unter:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr
Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
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05.02.2010, 10:36 | tags: Musiktheater, Anhaltische Philharmonie, Diverses | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 05.02.2010
Weltstar Leo Nucci in Dessau
Erster Auftritt in Deutschland seit über 20 Jahren und einziger Deutschlandauftritt 2010
Seit seinem Debüt an der Mailänder Scala 1977 zählt er zu den größten seines Faches. Leo Nucci kann auf eine einzigartige, über 30 Jahre währende Weltkarriere zurückblicken, die ihn an die Zentren des internationalen Opernbetriebes führte: Salzburger Festspiele (mit Herbert von Karajan), Metropolitan Opera New York (mit James Levine), Mailänder Scala (mit Claudio Abbado, Riccardo Muti), Wiener Staatsoper, Opernhaus Zürich, Teatro Regio di Parma.
Erstmals seit Ende der 1980er Jahre tritt Leo Nucci wieder in Deutschland auf: Am Anhaltischen Theater Dessau, das sich 2010 Nucci mit Mailand, Wien, Parma und Zürich teilt. Begleitet von der Anhaltischen Philharmonie Dessau unter der Leitung von GMD Antony Hermus singt Leo Nucci Höhepunkte aus seinem Repertoire.
In der Großen Operngala am 10. Mai, um 20 Uhr im Großen Haus werden Ausschnitte u.a. aus „La Traviata“, „Un Ballo in Maschera“, „Rigoletto“, „Macbeth“, „Nabucco“, „Don Carlo“, „Andrea Chenier“ erklingen. Das Konzert ist als Benefizkonzert zugunsten der Theaterstiftung ausgewiesen. Mit jedem Kauf eines Tickets unterstützen Sie also maßgeblich künftige künstlerische Vorhaben des Theaters, die durch die Stiftung finanziell unterstützt werden.
Der Auftritt Leo Nuccis in Dessau wird ermöglicht durch die Associazione „Viva Verdi“, insbesondere durch deren Präsidentin Ursula Riccio aus Nürnberg.
Tickets und Informationen unter:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr
Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
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05.02.2010, 09:32 | tags: Anhaltische Philharmonie | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 05.02.2010
Anhaltische Philharmonie lädt ein zur „Unsterblichen Liebe Teil II“
„Unsterbliche Liebe II“ lautet der Untertitel der Sinfoniekonzerte der Anhaltischen Philharmonie im Februar. Am 11. und 12. Februar jeweils um19.30 Uhr prägen gleich zwei Liebespaare das Konzertprogramm – allerdings zwei, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
Das komische Paar Béatrice und Bénédict aus Shakespeares Komödie „Viel Lärm um nichts“ machte Hector Berlioz zu Titelhelden einer komischen Oper (1862), aus der die quirlige Ouvertüre erklingt.
Im Gegensatz dazu schildert Arnold Schönberg in einer großen Sinfonischen Dichtung das Schicksal von Pelléas und Mélisande: Mélisande liebt Pelléas, ist jedoch mit dessen älterem Bruder Golaud verheiratet. Die Tragödie ist vorprogrammiert. Schönbergs frühes Orchesterwerk (1903) wurde von Richard Strauss angeregt und steht noch ganz in der Tradition der Spätromantik.
Zwischen diesen beiden Liebesgeschichten, der komischen und der tragischen, steht Webers 1. Klarinettenkonzert mit Daniel Ottensamer, dem jungen Soloklarinettisten der Wiener Philharmoniker.
Das 4. Sinfoniekonzert wird von einem Gast dirigiert. Der Italiener Marzio Conti ist derzeit Chefdirigent des Nationalorchesters von Andorra und künstlerischer Leiter des Orchestra Sinfonica di Sanremo.
Für beide der fantastischen Sinfoniekonzerte gibt es noch Tickets.
Tickets und Informationen erhalten Sie unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr | Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
02.02.2010, 18:11 | tags: Anhaltische Philharmonie, Diverses | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 02.02.2010
Außergewöhnliche musikalische Talente stellen sich vor
Nachdem am 10. Januar eine Patenschaftsvereinbarung zwischen der Musikschule Dessau-Roßlau und der Anhaltischen Philharmonie unterzeichnet wurde, mit der die bereits bestehende vielfältige Zusammenarbeit auf eine dauerhafte vertragliche Basis gestellt worden ist, gibt es am 6. Februar um 18 Uhr im Theater ein gemeinsames Konzert der Philharmonie mit dem Orchester und Preisträgern der Musikschule. Das Motto lautet „FESTE FEIERN“. Eine Reihe ausgesuchter junger Talente, alle Schüler der Musikschule Dessau-Roßlau, erhalten die Möglichkeit, ihr musikalisches Können auf höchstem Niveau und ihre Begeisterung für ihre Instrumente zu zeigen.
Zu hören sind Kompositionen von Tschaikowski, Kabalewski, Weber, Fauré, Sarasate, Schostakowitsch, Haydn und Rossini/Respighi. Als Solisten wirken mit: Tabea Korsowsky (Violine), Florian Marcy (Klarinette), Anh Quan Dao (Violine), Cornelius Tamm (Klavier) und Philipp Jekal (Bariton).
Das Konzert steht unter der Leitung der Dirigenten Daniel Carlberg und Friedemann Neef. Es moderiert Ronald Müller.
Tickets und Informationen erhalten Sie unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr | Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
02.02.2010, 10:29 | tags: Anhaltische Philharmonie, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau, 02.02.2010
Eigenleben der Plüschtiere
Kuscheltierkonzert in der Marienkirche begeisterte Sonntag kleine und große Besucher
Man hat es immer geahnt. Kaum schließt man hinter sich die Tür zum Kinderzimmer, dann erwachen dessen Bewohner und führen ein Eigenleben. Gerät man da hinein, dann kann es einem wie dem Erzähler des Kuscheltierkonzertes ergehen. Im Dessauer Fall heißt dieser Maximilian Schumann. Der Zehnjährige hat am Sonntag ein großes Programm absolviert. Zwei Mal lud das Anhaltische Theater an diesem Tag in die Marienkirche Kinder, Eltern und Großeltern ein. Zwei Mal erzählte Maximilian gemeinsam mit einer kleinen Besetzung der Anhaltischen Philharmonie von seinen Abenteuern mit den Kuscheltieren.
Das Kuscheltierkonzert schrieb Klaus Wüsthoff. 1997 wurde es in Berlin uraufgeführt, in einer CD-Einspielung fungiert Otto Sander als Sprecher. In Dessau sollte es freilich kein Erwachsener sein, der die Kinder mit auf eine musikalische Reise nimmt. Mit Maximilian Schumann fand man einen jungen Erzähler, der über alle Maßen souverän sein Headset trug, mit Kuscheltieren jonglierte und tanzte und dabei noch stets ein Auge auf Dirigent Daniel Carlberg hatte, der ihm den Einsatz gab.
Das Publikum in der Marienkirche war zu beiden Vorstellungen reichlich gekommen und rechnete man all die Hasen, Bären, Küken, Pferde, Pinguine und das ganze Getier noch hinzu, das Kinder in den Händen hielten und auf dem Schoß hatten, dann war diese neue Form eines Konzertes für die Jüngsten beide Male mehr als ausverkauft.
Wüsthoffs Stück ist ein Karneval der Tiere in der Gegenwart. Die Musik lässt das Pferd gleichermaßen galoppieren und wiehern, den Elefanten behäbig tapsen und Affen und Eichhörnchen quicklebendig springen. Carlberg und seine Musiker gaben nicht weniger als bei einem Konzert für erwachsenes Publikum, hatten sich jedoch dem Anlass entsprechend ausgerüstet: Am Kontrabass baumelte eine Robe und zu Füßen der Notenständer lauschte manch anderes Getier.
Was im Kuscheltierkonzert passiert, ist eine kleine Geschichte, die freilich nur Anlass ist, die plüschige Kinderzimmerbesatzung in musikalischen Farben vorzustellen. Das macht Maximilian Schumann zur Musik ganz exzellent und wie ein Profi. Er gibt dem Papagei ein keifendes Krächzen und dem Bär ein gemütliches Brummen. Lässt die wilde Jagd von Affe und Eichhörnchen ins Publikum hinüberschwappen und kürt den Elefanten im Finale als Sieger des Schönheitswettbewerbes der Kuscheltiere. Nur eines hätte bei diesem sonntäglichen Musikspaß für die ganze Familie vielleicht noch besser gelingen können: All die zuschauenden Kuscheltiere wären gerne in irgendeiner Form, die über bloßes Klatschen hinaus geht, an diesem Konzert beteiligt gewesen.
01.02.2010, 17:43 | tags: Musiktheater, Anhaltische Philharmonie, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Udo Badelt, Opernwelt/ Februar 2010
Antwerpen/Dessau
Bernstein: Candide
Die beste aller Welten
Um herauszufinden, ob dies tatsächlich die beste aller möglichen Welten ist, kommen die Protagonisten in Leonard Bernsteins „Candide“ ganz schön rum: Westfalen, Bulgarien, Lissabon, Paris, Südamerika, Eldorado. Das Stück selbst reist nicht annähernd so viel: Es gilt, auch wegen der vielen Ortswechsel, als schwierig zu inszenieren und steht - zu Unrecht - im Schatten der „West Side Story“. Insofern ist es nicht ohne Reiz, dass „Candide“ jetzt in zwei Städten gleichzeitig auf die Bühne kommt (in beiden Fällen unter neuer Intendanz) und damit Anlass bietet, zwei verschiedene mögliche Theaterwelten und ihre Bedingungen kennenzulernen.
Antwerpen: Weltstadt der Renaissance, Hafenstadt, 470 000 Einwohner. Seit Januar 2009 ist der 35-jährige Schweizer Aviel Cahn Intendant der Vlaamse Opera. Sein Hauptanliegen ist es, Oper als Kunstform stärker zur Diskussion zu stellen und in die Stadt zu tragen. Zu dieser Strategie gehört ein Zusatzprogramm aus Filmen, Lesungen und Diskussionen. Es scheint zu funktionieren: Als Cahn vergangenes Jahr Saint-Saëns' „Samson und Dalila“ von einem israelisch-palästinensischen Regieduo inszenieren ließ, wurde heiß diskutiert in einer Kommune, in der so viele orthodoxe Juden leben wie nirgends sonst in Europa. „Candide“ soll diejenigen anlocken, die sonst eher ins Musical gehen. „Oper darf nicht nur für die Happy Few sein“, sagt Cahn, der dabei auf manche belgische Gefühligkeit Rücksicht nehmen muss. So gehen die Wallonen nicht nach Flandern in die Oper, sondern nach Brüssel. Die selbstbewussten Besucher aus Lilie dagegen müssen sich ihrer französischen Identität nicht versichern und fahren gern nach Antwerpen.
In Dessau wäre man wahrscheinlich froh, wenn man diese Probleme hätte. Deindustrialisierung, das Verschwinden der Junkers-Werke, ein Bevölkerungsrückgang von 130 000 (1940) auf zur Zeit rund 70 000 Einwohner und in der Folge mehrere Eingemeindungen haben dazu geführt, dass die Stadt inzwischen offiziell unter der Bindestrich-Scheußlichkeit „Dessau-Roßlau“ fungiert. Dennoch spürt André Bücker, seit dieser Spielzeit Intendant des Anhaltischen Theaters (als Nachfolger von Johannes Felsenstein), einen tief verwurzelten Stolz auf die reiche kulturelle Vergangenheit des mitteldeutschen Kernraums. An seinem Haus wird seit 1794 ununterbrochen Theater gespielt. Anders als Aviel Cahn in Antwerpen hat Bücker einen inhaltlichen Grund, „Candide“ auf den Spielplan zu setzen: Das nach einer Vorlage von Voltaire entstandene Stück soll die aufklärerische Tradition von Dessau als Geburtsstadt von Moses Mendelssohn zitieren. Deshalb ist auch Lessings „Nathan der Weise“ im Programm, und - als Kehrseite der Aufklärung - „Lohengrin“.
Musikalisch sind beide „Candide“-Abende auf ähnlich hohem Niveau. Daniel Carlberg in Dessau ist ein Dirigent mit äußerst präziser Zeichengebung; das Tempo legt er breiter und langsamer an - aber nicht langweiliger - als Yannis Pouspourikas in Antwerpen. Dort trifft das Orchester ziemlich genau den Geist jenes britischen Humors, mit dem Regisseur Nigel Lowery das Stück angegangen ist. In der kindlichen Idylle des Beginns laufen Candide und seine Liebe Kunigunde hinter einer Wand, davor baumeln Beinchen, die sie sich umgehängt haben, so dass sie aussehen wie Puppen. Erzähler ist hier ein Sendemast mit der Anmutung des Computers HAL in Stanley Kubricks Film „2001“. In Dessau nimmt Regisseurin Cordula Däuper die Figuren ernster, und nicht zuletzt deshalb ist ihre Inszenierung die ruhigere und menschlichere. Der Erzähler ist hier aus Fleisch und Blut, allerdings wechselt die Rolle mehrmals zwischen den Figuren, was eine Schwäche der Inszenierung ist. In bei den Häusern wird Dr. Pangloss, der die Lehre von Gottfried Wilhelm Leibniz vertritt - dass wir in der besten aller möglichen Welten leben würden - von Schauspielern verkörpert (Graham Valentine in Antwerpen, Stephan Lohse in Dessau), die zwar charakteristische Würze einbringen, als Sänger aber schwache Leistungen bieten.
Was man von der übrigen Besetzung nicht sagen kann. Herausragend: Jane Archibald (Antwerpen) und Angelina Ruzzafante(Dessau), die beide als Kunigunde nicht nur die Bravour-Nummer „Glitter And Be Gay“ souverän meistern, sowie Renate Dasch als Alte Frau in Dessau, die sich nach den internationalen Erfolgen ihrer Tochter Annette jetzt im Alter von 64 Jahren mit Noblesse noch einmal ein ganz neues Berufsfeld eröffnet hat. Früher war sie Ärztin - was für sie eindeutig nicht die beste aller möglichen Welten war.
Bernstein: Candide
Antwerpen
Premiere am 15., besuchte Vorstellung am 29. Dezember 2009.
Musikalische Leitung: Yannis Pouspourikas, Inszenierung und Ausstattung: Nigel Lowery. Solisten: Michael Spyres (Candide), Jane Archibald (Kunigunde), Karan Armstrong (Alte Frau), Graham Valentine (Pangloss/Martin) u. a.
Dessau
Premiere am 4. Dezember 2009, besuchte Vorstellung am 9. Januar 2010.
Musikalische Leitung: Daniel Carlberg, Inszenierung: Cordula Däuper, Bühne: Jochen Schmitt, Kostüme: Mareile Krettek. Solisten: David Ameln (Candide), Angelina Ruzzafante (Kunigunde), Renate Dasch (Alte Frau), Stephan Lohse (Erzähler/Pangloss/ Martin) u.a.
20.01.2010, 17:39 | tags: Theaterpädagogik, Anhaltische Philharmonie | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 20. Januar 2010
Ein Kuscheltierkonzert für Kinder!
Junge Konzertbesucher (ab 4 Jahren) sind am 31. Januar sehr herzlich in die Dessauer Marienkirche eingeladen. Um 11 und um 15 Uhr wird dort das von Klaus Wüsthoff für Orchester und Erzähler geschriebene „Kuscheltierkonzert“ aufgeführt. Dirigent ist Daniel Carlberg, Erzähler der 10-jährige Dessauer Schüler Maximilian Schumann.
Worum es geht? Natürlich um Kuscheltiere! Gemeinsam mit dem Orchester erzählt Maximilian von seinen Abenteuern mit Pferd, Eichhörnchen, Fuchs, Bär, Schildkröte, Elefant, Pinguin, Robbe, Papagei und Hase. Wer eines dieser Kuscheltiere daheim hat, bringt es am besten mit ins Konzert! Alle sind gefragt, denn sie alle spielen mit im „Kuscheltierkonzert“.
Tickets [4,50 EURO für Kinder; 6,- Euro für Erwachsene] erhalten Sie unter:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr
Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
Das Anhaltische Theater bietet speziell für Kinder ein Wa(h)l-Abo an, mit dem drei Vorstellungen freier Wahl, in denen ein Tier der Titelheld ist, für nur 7,50 EURO besucht werden können.
Mit dem Wa(h)l-Abo können junge Zuschauer z.B. die Vorstellungen « Schaf » - eine Kinderoper, « Kuscheltierkonzert » und « Das Unglückshuhn » - eine Puppentheaterproduktion besuchen.
20.01.2010, 11:02 | tags: Anhaltische Philharmonie | Autor: Franziska Blech
Ute van der Sanden, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau, 19.01.2010
Ein Abend mit Ballett im Kopf und im Herzen
Mit Dirigent Dirk Kaftan bezeugt die Anhaltische Philharmonie beim Sinfoniekonzert ihre "Unsterbliche Liebe" - zur Musik.
Wildfremde Menschen treffen sich im Proberaum, arbeiten ein paar Tage zusammen, gehen auseinander. Zuvor aber führen sie das Ergebnis ihrer Anstrengung öffentlich auf, und im besten Fall ist darin nicht die Spur von Fremdheit, sondern "Unsterbliche Liebe".
Einigkeit im Ausdruck
So hieß das dritte Sinfoniekonzert der Anhaltischen Philharmonie, an dessen genial komponiertes Programm der etwas weniger genial gedachte Titel nur dann heranreichte, wenn man ihn äußerst wohlwollend mit Igor Strawinskys "Pulcinella"-Suite und Wolfgang Amadeus Mozarts berühmtem A-Dur-Klavierkonzert assoziierte.
Am Ende jedoch war das egal, zumal nach Sergej Prokofjews Ballettmusik zu "Romeo und Julia". Denn die Einigkeit im Ausdruck, das beredte Miteinander und die gemeinsame Bereitschaft zur Emotion, wie sie die Dessauer Musiker unter Leitung von Dirk Kaftan am Ende voriger Woche hören ließen, sind auch unter Profis mitnichten selbstverständlich und deswegen ein Glücksfall - zumal die Philharmonie mitsamt aller ihrer Orchestersolisten auf einem technischen und klanglichen Niveau agierte, von dem sie nie wieder abrücken möge.
Das war eine Eintracht, die nur Musik schaffen kann. Und das Beste: Das Publikum ist Teil des Wunders und ebenso angerührt wie die Mitwirkenden, wenn´s gelingt. Viele Umstände tragen dazu bei, nicht alle lassen sich in Worten fassen.
Exzellente, ehrgeizige Gäste des Hauses aber bestimmt. Dirk Kaftan, neuerdings Generalmusikdirektor in Augsburg, stand als personifizierte Herausforderung vor dem Orchester, dessen Zusammenspiel er ausgezeichnet zu organisieren wusste. Gastdirigent Kaftan gab präzise, detaillierte Anweisungen und zeigte sich als erstklassiger Begleiter, was besonders Finghin Collins am Klavier gefreut haben dürfte.
Der irische Pianist hinterließ mit Mozarts A-Dur-Konzert einen grandiosen Eindruck. Leicht, frei und beseelt nahm sich Collins seines Parts an, mit sprühender Virtuosität und ausgeprägter Vorliebe für gedankliche Bögen, unter denen er auch die Stimme des Orchesters versammelte. Er flutete das zauberhafte Werk mit dem Licht seines unbeschwerten Tons und fand doch für jeden Einfall eine Entsprechung: Ein Staccato war hier ein Lachen und da ein Hüpfen, jeder Lauf hatte ein Ziel. Und wen die ausladenden Gesten und die expressive Mimik des Spielers irritierten, die mitunter tatsächlich ans Parodistische grenzten, der konnte ja die Augen schließen.
Die Seligkeit war vollkommen, als Collins das erste von drei "Wiegenlieder meiner Schmerzen" genannten Intermezzi aus Johannes Brahms´ Opus 117 zugab: sehr langsam, sehr zart, mit perfekt phrasierter Melodiestimme in der Mittelhand - ein Traum in Es-Dur, wie Mondlicht schimmernd und auch ohne jedwede Kenntnis des Titels den melancholischen Nachtgesang suggerierend.
Forsche Einwürfe
Dass die Präsenz des Konzertflügels zuvor die optische Geschlossenheit einer kleinen Besetzung gestört hatte, war der "Pulcinella"-Suite einziger Nachteil. Was klang, war famos: Schon die Sinfonia überraschte durch ihren Schwung und ihren charmanten, ja liebevollen Tonfall. Dazu gesellten sich forsche Einwürfe und hingebungsvolle Kantilenen, rhythmische Finesse und pittoresker Witz.
So meisterlich die Partitur auf die Einfälle barocker Meister konstruiert wurde, so unmittelbar, fröhlich und beherzt war nun ihre Ausstrahlung. Die Orchestersolisten hätten nach jedem Satz einen Sonderapplaus verdient gehabt: Die Konzertmeisterin für den zweiten, Posaune und Kontrabass für den siebten Satz, die Trompete fürs Finale; Oboen, Fagotte und Flöten sowieso, und ach, die Hörner erst!
Begeisterte Zuhörer
Nicht anders die Ausschnitte aus Prokofjews "Romeo und Julia". Um den zweiten Konzertteil mit der berühmtesten Liebestragödie aller Zeiten haben sich vor allem die Bläser verdient gemacht. In der wirbelnden Choreografie aus Orchesterfarben in herrlichen Nuancen, Stimmungen und Bildern drehten die Emotionen Pirouetten. Vom stampfenden "Tanz der Ritter" über den leidenschaftlichen Abschied der Liebenden bis zu "Julias Tod" herrschten größte Sorgfalt und Konzentration. Man scheute nicht die Schärfen des Klangs, hielt aber die Fortissimo-Passagen elastisch trotz aller Wucht.
So ging der Abend beim 3. Sinfoniekonzert im Anhaltischen Theater, nachdem er im Pianissimo verhallt war, im andauernden Beifall einer begeisterten Hörerschaft auf. Ein Abend, der keine realen Bilder brauchte, weil die Musik Vorstellung genug war: Ballett im Kopf und im Herzen.
11.01.2010, 13:54 | tags: Anhaltische Philharmonie | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 5. Januar 2010
Patenschaftsvereinbarung zwischen Musikschule Dessau-Rosslau und Anhaltischer Philharmonie unterzeichnet
Die Anhaltische Philharmonie und die Musikschule Dessau- Rosslau vereinbarten dauerhaft eine Patenschaft. Generalmusikdirektor Antony Hermus und Orchestervorstand Ekkehard Neumann unterzeichneten am 10. Januar mit der Leiterin der Musikschule, Ute Mahlo und dem Leiter des Musikschulorchesters, Friedemann Neef einen Patenschaftsvertrag. Zukünftig werden beide Institutionen eng und auf vielfältige Weise zusammenarbeiten und sich gegenseitig unterstützen.
Die Patenschaftsvereinbarung beinhaltet u.a. ein gemeinsames öffentliches Musizieren pro Saison. Zudem ermöglicht die Anhaltische Philharmonie den Musikschülern nach vorheriger Absprache Probenbesuche. Insbesondere sollen die Hauptproben der Sinfoniekonzerte für diejenigen Musikschüler geöffnet werden, deren Instrument als Soloinstrument im Programm vertreten ist. Mindestens einmal pro Saison stehen Konzertsolisten der Anhaltischen Philharmonie für Workshops mit Musikschülern zur Verfügung.
Einzelne Mitglieder der Anhaltischen Philharmonie übernehmen Mentorenaufgaben beim Musikschulorchester und beraten auf Wunsch dessen Mitglieder z.B. bei Fragen der Musikausbildung, vor Wettbewerben oder beim Instrumentenkauf. Bei den Donnerstags-Sinfoniekonzerten erhalten Musikschüler und Lehrer/Innen der Musikschule ermäßigte Eintrittskarten. Die Anhaltische Philharmonie hilft dem Orchester der Musikschule bei Besetzungsproblemen. Die Musikschule wird die Anhaltische Philharmonie bei der Werbung für ihre Sinfonie- und Sonderkonzerte unterstützen.
11.01.2010, 10:49 | tags: Anhaltische Philharmonie, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Ute van der Sanden, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Rosslau, 05.01.2010
Ode auf die Geschwindigkeit
KONZERT Antony Hermus zündet mit der Anhaltischen Philharmonie, tollen Solisten und großem Chor zum Jahreswechsel dreimal Beethovens neunte Sinfonie.
Viele Sachen sind schneller geworden in dieser ersten Dekade des neuen Jahrtausends, das Internet, die Mikrowellen und die Waschmaschinen, sogar die Bildungsabschlüsse. Beethovens Neunter ist das nicht passiert, zumindest in Dessau. Eine Stunde und sechs Minuten hat die erste von insgesamt vier Aufführungen am Anhaltischen Theater gedauert, inklusive Chorauftritt, Nachstimmen und Zwischenapplaus zur Begrüßung der Sängerschar. Das haben Karajan und Toscanini auch schon geschafft, fast jedenfalls. Warum erschien, was in diesen sechsundsechzig Minuten passierte, trotzdem wie eine Ode an die Geschwindigkeit?
Es war, wie meistens in solchen Fällen, eher eine Frage der Haltung als des tatsächlichen Tempos. Generalmusikdirektor Antony Hermus, der vorab das neue Dezennium willkommen geheißen, ein küchenpoetisches Neujahrsrezept von Goethes Mutter Katharina Elisabeth zum Besten gegeben und dem Publikum seine persönlichen Wünsche entboten hatte, war ehrgeizig genug, die - seine Worte -"monumentale neunte Sinfonie" auswendig zu dirigieren. Zur selben Minute blätterte übrigens in Leipzig Gewandhauskapellmeister Riccardo Chailly Partiturseiten um, wie im Fernsehen live zu verfolgen war.
Gipfel im zweiten Satz
Die stets unterhaltsame, bisweilen rasante Dessauer Darbietung gipfelte im tänzerischen zweiten Satz. Und mit ihm begann sie auch. Spätestens im Trioteil wusste man die Musiker und ihren Dirigenten gedanklich in jenem Werk versammelt, das auf den Pulten lag. Hermus ließ in der Scherzo-Mitte ein tatsächliches Presto spielen. Danach klang dieser Satz wie Ballett: leicht, voller Schwung, im Bunde mit der bukolischen Idylle der sechsten Sinfonie, aller Wuchtigkeit enthoben und ebenso rhythmisch prononciert, wie alle Rhythmen, besonders die punktierten, mit großer Exaktheit und Entschlossenheit zelebriert wurden.
Nicht das krachende Finale, das, einmal entzündet, wie eine Silvesterrakete abbrannte - nein, dieser zweite Satz war der essentielle Höhepunkt des Abends. Der erste hatte sich zuvor angehört, als stamme er aus einem anderen Stück oder müsse konzeptionell noch reifen. Der dritte wurde als Klangteppich entrollt, ein Vorgeschmack auf das noch nicht erfundene Nocturne; er enthüllte Phrasierungsübungen für Streicher wie für Holzbläser, und das wunderliche Solo im vierten Horn - man schwamm drüber. Nun aber kam endlich Ulf Paulsens Basspartie. Mit raumgreifender Stimme und der rhetorischen Wucht des musiktheatralisch Erfahrenen gebot er "angenehmere" Töne, "freudenvollere".
So geschah es. Das Vokalensemble, bestehend aus Damen und Herren des Opern- und des Extra- sowie des Coruso-Chores, wuchtete das Finale samt Schillers Ode übers Orchester hinweg in den Zuschauersaal, was die Profisänger in diesem Tempo eher mäßig angestrengt haben dürfte. Legato war nicht vorgesehen, aber jedes einzelne Wort verständlich - auch in den Beiträgen Angelina Ruzzafantes, Carola Günthers und Angus Woods in den weiteren Solopartien, deren klangliche Präsenz keine Wünsche offen ließ.
Zwar galoppierte der Cherub eher vor Gott, als dass er daselbst gestanden hätte, aber wie gesagt: Langweilig wurde das nicht. Nun zeichnet die Abwesenheit von Langeweile allein noch keine Interpretation aus, die Anwesenheit von gestalterischem Ernst, Gelassenheit und Eleganz hingegen wohl. Das Credo dieser Neunten war Hymne und Tanz, Sound und Effekt. Das kam an beim Publikum, es applaudierte begeistert. Überwältigte Zuschauer reagieren stärker, sogar in Dessau.
Frohe Botschaft
Gleichwohl war nicht nur die Tatsache, dass mit der Neunten das Neue Jahr am Anhaltischen Theater genau so begann, wie das alte geendet hatte, frohe Botschaft. Auch die Aufführung selbst war eine. Denn die wirklich guten Dinge bleiben, mögen sie auch inzwischen ein bisschen schnittiger wirken, als sie vorher aufgetreten waren: Schillers Wort und Mutters Sprüche, die Anhaltische Philharmonie und Beethovens Musik.
Nächste Aufführung des Konzertes an diesem Sonntag, 18.30 Uhr. Karten gibt es an den Theaterkassen.
30.12.2009, 11:57 | tags: Anhaltische Philharmonie, Diverses | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 30.12.2009
„Frühling in Wien“ im Anhaltischen Theater
Am 25. April 2010, um 17 Uhr, lädt das Anhaltische Theater zu einem Konzert „Frühling in Wien“ ein. Unter der Leitung von Daniel Carlberg bringt die Anhaltische Philharmonie gemeinsam mit Gesangssolisten bekannte Werke Wiener Komponisten zu Gehör.
Mozart und Schubert dürfen ebenso wenig fehlen wie die Mitglieder der Strauß-Dynastie mit Stücken wie dem „Frühlingsstimmen“-Walzer oder der „Krapfenwaldl“-Polka. Eine Besonderheit dieses Konzertes besteht darin, dass die Besucher einige Programmpunkte im Vorfeld selbst auswählen können.
Karten zu den üblichen Konzertpreisen unter:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Freitag 9:30 bis 20 Uhr
Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
28.12.2009, 12:50 | tags: Musiktheater, Anhaltische Philharmonie, Diverses | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 28.12.2009
„Fidelio“ – Zum letzten Mal in Dessau
Ludwig van Beethovens „Fidelio“ wird am Samstag, dem 16. Januar, um 17 Uhr zum letzten Mal im Großen Haus des Anhaltischen Theaters zu sehen sein. Anschließend gastiert das Anhaltische Theater mit „Fidelio“ am 23. und 24. Januar am Theater in Winterthur / Schweiz.
In veränderter Besetzung wurde die von Johannes Felsenstein inszenierte Oper in dieser Spielzeit wieder aufgenommen. Beethoven zeichnete in seiner einzigen, mehrfach überarbeiteten Oper schonungslose Bilder vom deformierenden Umgang mit Macht.
Marzelline, das einzige Kind des Kerkermeisters Rocco, weist die Heiratsanträge des Gefängnispförtners Jaquino zurück, weil sie sich in Fidelio verliebt hat. Niemand ahnt, dass dieser Fidelio, der zu aller Zufriedenheit Hilfsdienste im Staatsgefängnis versieht, in Wirklichkeit Leonore ist. Sie ist – als Mann verkleidet – auf der Suche nach ihrem Gatten Don Florestan, den der verfeindete Gouverneur Pizarro im Gefängnis verschwinden ließ. Leonore gelingt es, in die geheimsten Kerker vorzudringen und dort Pizarros Mord an Florestan zu verhindern.
Es spielt die Anhaltische Philharmonie unter der Leitung von Daniel Carlberg. Als Solisten hören Sie KS Iordanka Derilova (Leonore), Cornelia Marschall (Marzeline), Kostadin Arguirov (Don Fernando), Andrew Sritheran (Florestan) Ulf Paulsen (Don Pizarro), Daniel Golossov (Rocco), David Ameln (Jaquino).
Für diese Vorstellung bietet das Anhaltische Theater Tickets zum Sonderpreis für 8,- EURO.
Dieses Angebot gilt vom 04. bis 16. Januar 2010.
Tickets erhalten Sie unter:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Freitag 9:30 bis 20 Uhr
Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
28.12.2009, 12:48 | tags: Anhaltische Philharmonie, Diverses | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 28.12.2009
Konzerte im Januar
Das neue Jahr beginnt im Anhaltischen Theater am 1. Januar um 17 Uhr mit einer Aufführung der IX. Sinfonie von Ludwig van Beethoven. Unter der Leitung von GMD Antony Hermus spielt die Anhaltische Philharmonie. Es singen die Damen und Herren des Opern- und des Extrachores sowie Mitglieder des Coruso-Chores. Als Solisten wirken mit: Angelina Ruzzafante (Sopran), Carola Günther (Mezzosopran), Andrew Sritheran / Angus Wood (Tenor) und Ulf Paulsen (Bariton). Noch einmal wird Beethovens letzte Sinfonie am 10. Januar 2010 ab 18.30 Uhr zum Neujahrsempfang des Oberbürgermeisters erklingen.
Wenige Tage später, am 14. und 15. Januar 2010, 19.30 Uhr, tritt beim 3. Sinfoniekonzert mit dem Titel „Unsterbliche Liebe“ ein Gastdirigent ans Pult der Anhaltischen Philharmonie. Dirk Kaftan ist seit Beginn dieser Spielzeit Generalmusikdirektor der Stadt Augsburg. In Dessau dirigiert er „Romeo und Julia“, die wohl berühmteste Liebesgeschichte aller Zeiten, in der musikalischen Version Sergej Prokofjews. Die Musik dieses 1935/36 komponierten Balletts erklingt in einer Konzertversion, die weitgehend dem Gang der Handlung folgend die schönsten Abschnitte der Partitur präsentiert. Außerdem auf dem Programm: Mozarts berühmtes A-Dur-Klavierkonzert KV 488, gespielt von Finghin Collins, einem jungen irischen Pianisten, der seit seinem 1. Preis beim renommierten Clara-Haskil Klavierwettbewerb 1999 eine vielversprechende Karriere eingeschlagen hat und mittlerweile bei den besten Orchestern der Welt gastiert. Eröffnet wird der Konzertabend mit Musik des italienischen Barock-Komponisten Giovanni Battista Pergolesi (1710 – 1736), allerdings in jenem neoklassizistischen Klanggewand, das ihr Igor Strawinsky 1919/20 in seinem „Pulcinella“-Ballett verordnet hat.
Im 3. Kammerkonzert des Anhaltischen Theaters im Schloss Georgium, das am 23. Januar, um 15:30 Uhr stattfindet, erklingt ein gegenüber dem Konzertplan geändertes Programm. Weronika Ambrosio und Johannes Schmidt (Violinen), Michiaki Manda (Viola) und Boris Cepeda (Klavier) spielen Duo- und Trio-Kompositionen von Wolfgang Amadeus Mozart, Robert Fuchs, Karol Szymanowski und Antonín Dvorák.
Die jüngsten Konzertbesucher (ab 4 Jahren) sind am 31. Januar sehr herzlich in die Dessauer Marienkirche eingeladen. Um 11 und um 15 Uhr wird dort das von Klaus Wüsthoff für Orchester und Erzähler geschriebene „Kuscheltierkonzert“ aufgeführt. Dirigent ist Daniel Carlberg, Erzähler der 10-jährige Dessauer Schüler Maximilian Schumann.
Worum es geht? Natürlich um Kuscheltiere! Gemeinsam mit dem Orchester erzählt Maximilian von seinen Abenteuern mit Pferd, Eichhörnchen, Fuchs, Bär, Schildkröte, Elefant, Pinguin, Robbe, Papagei und Hase. Wer eines dieser Kuscheltiere daheim hat, bringt es am besten mit ins Konzert! Alle sind gefragt, denn sie alle spielen mit im „Kuscheltierkonzert“.
Tickets erhalten Sie unter:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Freitag 9:30 bis 20 Uhr
Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
21.12.2009, 15:35 | tags: Ballett, Anhaltische Philharmonie, Diverses | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung ´vom 21.12.2009
Vorstellungsänderung
Die Vorstellung »Lulu« am 22.12.2009 um 19:30 Uhr fällt krankheitsbedingt aus, stattdessen wird das Weihnachtliche Konzert von der Anhaltischen Philharmonie unter der Leitung von Wolfgang Kluge gespielt.
Bereits gekaufte Karten behalten ihre Gültigkeit für das Konzert oder können nach Umtausch der Karte für eine künftige »Lulu«-Vorstellung verwendet werden. Letztgenannter Umtausch sollte bis Ende diesen Jahres erfolgen und kann auch per Post geschehen.
Aus Anlass des 250. Todestages von Georg Friedrich Händel in diesem Jahr ist der erste Teil des Konzertes ganz dem Schaffen dieses Barockmeisters gewidmet. Zwischen den Sätzen eines von Händel selbst aus Oratorienchören zusammengestellten doppelchörigen Orchesterkonzertes singt die Sopranistin Cornelia Marschall Arien aus den Oratorien „Der Messias“ und „Salomo“. Im zweiten Teil dominiert in Werken von Franz Liszt und Otto Nicolai hingegen der romantische Orchesterklang. Die berühmten Weihnachtslieder von Peter Cornelius erklingen in der Orchesterbearbeitung des ehemaligen Dessauer Hofkapellmeisters Franz Mikorey, gesungen von Cornelia Marschall. Schauspielerin Christel Ortmann liest weihnachtliche Texte.
16.12.2009, 21:55 | tags: Ballett, Anhaltische Philharmonie, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Volkmar Draeger, ballettanz / Seite 36 / Januar 2010
Tomasz Kajdanski: «Lulu»
Dessau
Einen «Regenbogen der Gefühle» verspricht Tomasz Kajdanski mit seinem Debüt am Anhaltischen Theater. In Eisenach von Erfolg verwöhnt, hat er sich hier nun «Lulu» nach Frank Wedekind ausgesucht. Der Neoklassik Gonzalo Galgueras und den spektakulären Inszenierungen von Gregor Seyffert, seinen Vorgängern, lässt er düster dramatisches Tanztheater folgen.
Mit Sinn und Sinnlichkeit überschreibt er seine erste Saison. Und sinnlicher als Lulu geht’s kaum. Dorin Gal hat Dessaus Bühnenweite nach hinten durch ein transparentes arenaartiges Halbrund mit Etagen und Türen begrenzt. Auf hellem Horizont fangen Projektionen die Tiefe des Raums auf. In zwölf Bilder zerlegt Kajdanski Lulu, ihren triebhaft ins Verderben stürzenden Sexus.
Tobender Tanz und starke Bildhaftigkeit kennzeichnen seine Handschrift, mit dramatischer Präzision reißt Daniel Carlberg die Anhaltische Philharmonie hin, die szenisch erstaunlich passfähig meist sinfonische Musik der Wiener Schule und von Schostakowitsch, Korngold, Antheil bis Boulez und Rihm zu bewältigen hat.
Als fünf Meter hohes Lustsymbol in liebesrotem Samt überragt dazu Lulu barbusig jene, die unten nach ihr hangeln, sie anbeten, auf die Knie fallen, unter ihren Rock schlüpfen. Und sie umkreist der Reigen derer, die sie in den Untergang treiben: der dämonische Schigolch als ihr Erzeuger und Lenker; Dr. Schön, dessen Geliebte sie ist, und der sie freigebig an andere verleiht, an seinen Sohn Alwa und den Künstler Schwarz, die beide ihren Ansprüchen nicht genügen; da gibt’s den zupackenden Rodrigo, die lesbische Gräfin Geschwitz als Retterin in der Not und Jack the Ripper, dem sie sich todwund ausliefert.
Lulu empfängt sie eingesperrt im Gerüsttempel, räkelt, spreizt sich lasziv, erleidet in fliegenden Duos Zudringlichkeiten, sie sieht sich in Trios zwischen Verehrer geworfen, verfällt der Erotik des windig wendigen Dr. Schön, verliert schließlich Selbstachtung und Halt. Dass bei so viel emotionalem Aufruhr, dem auch mehrere Männer zum Opfer fallen und der Lulu in Notwehr zur Mörderin ihrer eigentlichen Liebe macht, die choreografische Flamme dauerzüngelt, atemlos sprunggewaltiger Tanz bisweilen die Figurenzeichnung überwuchert, ist nicht zu übersehen. Den kraftzehrenden Tanzexplosionen stehen eindringliche Bilder gegenüber: Lulus ins Leere gehender Wutausbruch, weil die Gesellschaft sie missachtet; ihre Hingabe in der Anstalt, wo wie eine entzündete Vulva zwischen weißem Stoff ein rotes Oval schwebt; ihr Solo beim Herrenabend auf einem Roulettetisch, als sei sie der Hauptgewinn.
Laura Costa Chaud im Titelpart, als Wesen nicht von dieser Welt und zumeist auf Spitze gestellt, Yun-Ju Chen als Gräfin, Juan Pablo Lastras als Dr. Schön, Joe Monaghan als Schigolch, Ion Beitias als schüchterner Alwa leisten 90 Minuten lang tänzerdarstellerische Schwerstarbeit, die sich gelohnt hat.
Wieder 30. Jan., 5. Feb., 21. März,10. April, 15. Mai
anhaltisches-theater.de
13.12.2009, 14:42 | tags: Anhaltische Philharmonie, Diverses | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 11.12.2009
Kulturstiftung des Bundes fördert „Himmel auf Erden“
Der Stiftungsrat der Kulturstiftung des Bundes hat auf seiner Sitzung
am 10. Dezember 2009 den Antrag des Wittenberg Kultur e. V. für das
internationale Musik-Festival „Himmel auf Erden – Die Religionen der
Welt zu Gast in Luthers Wittenberg“ bewilligt. Damit unterstützt und
ermöglicht die Kulturstiftung des Bundes den Auftakt für dieses
Festival des geistlichen Gesangs in den Jahren 2011 und 2012 mit
jeweils 200 000 Euro.
Die Veranstaltungsreihe, die in Zusammenarbeit mit dem Anhaltischen Theater Dessau und unter der künstlerischen Leitung von dessen Generalintendant André Bücker sowie dessen Generalmusikdirektor Antony Hermus veranstaltet wird, soll im Rahmen
der Luther-Dekade jährlich zunächst bis 2013 stattfinden und das Theaterprojekt „Weltzeit Wittenberg“ flankieren. Sie widmet sich den sakralen Vokalwerken aller Religionen und Kulturen und will im Vorfeld des Reformations-Jubiläums so den Gesang als Ausdruck der Spiritualität betonen. Neben zentralen Werken der christlichen
Tradition soll dabei auch die Musik aus buddhistischen und
islamischen, jüdischen und anderen Kulturkreisen erklingen – ein
Zeichen religiöser Akzeptanz und kultureller Offenheit an der
Geburtsstätte des Protestantismus.
Wittenberg Kultur e. V. und das
Anhaltische Theater Dessau haben sich für „Himmel auf Erden“ mit
Kooperationspartnern wie den Händel-Festspielen in Halle, dem
Kammerorchester Basel und der Lautten-Compagney Berlin
zusammengefunden, mit denen bereits erste Projekte fest verabredet sind. Neben konzertanten Aufführungen wird es im Rahmen des Festivals auch szenische Versionen von großen religiösen Werken geben. Das konkrete Programm des ersten Jahrgangs soll im Sommer 2010 vorgestellt werden, wenn in Wittenberg André Bückers Inszenierung von „Ein neues
Lied wir heben an“ als erster Teil der „Weltzeit“-Trilogie Premiere
hat.
10.12.2009, 17:11 | tags: Anhaltische Philharmonie, Diverses | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 09.12.2009
18. Dessauer Bassgeigenweihnacht – „Bärenstark“
Am Dienstag, dem 15.12.2009, um 18.00 Uhr, findet in der Marienkirche die 18. Dessauer Bassgeigenweihnacht statt. Diese Veranstaltung der Musikschule Dessau – Roßlau gestalten ca. 15 Kontrabassisten aus Dessau und weitere Mitwirkende u.a. mit Violoncello und Flöte.
Unter dem Motto „Bärenstark“ wird die diesjährige Weihnachtsgeschichte zu erleben sein. Musikalisch erzählt wird sie von Schülern der Grundschule am Akazienwäldchen.
Es erklingen Werke von Georg – Friedrich Händel, Johann Matthias Sperger, Giovanni Bottesini und anderen Komponisten aus 5 Jahrhunderten. Mit Mazurka und ungarischem Tanz, als Tierorchester sowie im Ragtime stellen sich die nicht nur bassspielenden Mitwirkenden vor.
Bastian Matthai und Cornelius Tamm als Teilnehmer bei „Jugend musiziert“ 2010 spielen erstmalig einen Ausschnitt ihres Wettbewerbsprogramms.
Natürlich erklingen auch wieder bekannte weihnachtliche Melodien im Bassgeigenorchestersound.
Nach dem Konzert besteht die Möglichkeit zum „Schnupperbass“, anfassen und probieren ausdrücklich erlaubt.
Es wirken mit: Schüler der Musikschule Dessau-Roßlau, Mitglieder der Anhaltischen Philharmonie Dessau, die Schüler der AG Kontrabass der Grundschule am Akazienwäldchen (ein Projekt des Landesverbandes der Musikschulen Sachsen-Anhalt) sowie Gäste aus der Region.
Natürlich werden auch wieder die kleinsten Kontrabassisten unseres Landes zu erleben sein.
Das Konzert beginnt um 18.00 Uhr, der Eintritt ist frei.
Am Flügel: Wolfgang Kind
Gesamtleitung: Ingo Burghausen
Die 18. Dessauer Bassgeigenweihnacht ist eine Veranstaltung der Musikschule Dessau – Roßlau mit freundlicher Unterstützung der Stadt Dessau und des Anhaltischen Theaters Dessau.
Weitere Informationen zur Bassgeigengala unter: www.bassgeigengala.de
10.12.2009, 17:05 | tags: Spielzeit, Ballett, Musiktheater, Anhaltische Philharmonie | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 10.12.2009
Geschenkideen rund ums Theater
10.12.2009, 17:04 | tags: Spielzeit, Musiktheater, Anhaltische Philharmonie | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 10.12.2009
Weihnachten und Jahreswechsel im Anhaltischen Theater
Für die gesamte Familie bietet das Anhaltische Theater am 1. Weihnachtsfeiertag, dem 25. Dezember um 16 Uhr das Grimmsche Märchen „Sechse kommen durch die Welt“. Dieses Stück über die Freundschaft wird mit viel Witz und Komik erzählt, so dass bei großen und kleinen Besuchern wohl kein Auge trocken bleibt.
„La Périchole“ eines der Hauptwerke Jacques Offenbachs voller Witz und überquellendem Melodienreichtum steht am 2. Weihnachtsfeiertag, dem 26. Dezember um 17 Uhr auf dem Spielplan. Gespielt wird eine neue deutsche Textfassung von Stefan A. Trossbach mit Dialogen von Peter Ensikat. Eine reisende Theatertruppe gastiert in der Stadt und präsentiert die lustige, aber auch zu Herzen gehende Geschichte der Straßensängerin Périchole und ihres Geliebten Piquillo.
Am 27. Dezember, um 16 Uhr lädt das Theater zu einem Besuch der Inszenierung „Lohengrin“ – Romantische Oper von Richard Wagner ein. Mit Wagners vermutlich populärster Oper wurde im Musiktheater die 215. Spielzeit fulminant eröffnet und zieht seit dem Gäste aus ganz Deutschland nach Dessau. Der zwischen Juni 1846 und März 1848 komponierte „Lohengrin“ nimmt in Wagners Oeuvre in mehrer Hinsicht eine Schlüsselstellung ein: Zum einen verwirklichte Wagner, der „vollkommenste Revolutionär“ nach eigenem Zeugnis, in ihm erstmals weitgehend sein Konzept eines durchkomponierten Musikdramas, zum anderen wollte er am avisierten Uraufführungsort Dresden mit der Oper 1849 auch die Gesellschaft revolutionieren. Freuen Sie sich darauf, neben etablierten Publikumslieblingen wie Iordanka Derilova und Ulf Paulsen unsere neuen stimmgewaltigen Ensemblemitglieder kennenzulernen.
Nach fünf Jahren Abstinenz erklingt im Anhaltischen Theater zum Jahreswechsel 2009/2010 wieder Beethovens IX. Sinfonie. Am Silvestertag finden die beiden Aufführungen um 17 und um 20 Uhr statt. Unter der Leitung von GMD Antony Hermus spielt die Anhaltische Philharmonie. Es singen die Damen und Herren des Opern- und des Extrachores sowie Mitglieder des Coruso-Chores. Als Solisten wirken mit: Angelina Ruzzafante (Sopran), Carola Günther (Mezzosopran), Andrew Sritheran / Angus Wood (Tenor) und Ulf Paulsen (Bariton).
Tickets und Informationen erhalten Sie unter:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Freitag 9:30 bis 20 Uhr
Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
10.12.2009, 09:53 | tags: Musiktheater, Anhaltische Philharmonie, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Alessandro Anghinoni, www.operamagazine.nl, 07.12.2009
Nederlanders vallen op in ‘gewone’ Candide
Dessau 7 december 2009 Geen reacties
Na een bejubelde Lohengrin waren de verwachtingen rond de volgende première van het Anhaltisches Theater uit Dessau hooggespannen. De productie van Candide viel echter tegen. Niettemin waren de solisten, waaronder de Nederlandse bariton Wiard Witholt, goed.
Van mijn niet-Duitse vrienden heeft iedereen wel een idee wat Bauhaus is, maar slechts een paar weten waar Dessau ligt. Vaak halen ze de naam van de hoofdstad van het Bauhaus door de war met de naam van een concentratiekamp in Zuid-Duitsland.
Maar de stad heeft niet direct zulke gruwelijke herinneringen. Er is slechts één goed zichtbaar spoor van de Nazi-tijd: het enorme, buitensporige theater dat door Adolf Hitler in 1938 geopend werd en uitgerust is met Duitslands grootste roterende toneel.
Vandaag heet dit 1100 plaatsen tellende huis het Anhaltisches Theater en de nieuwe muzikale directeur is de Nederlandse workaholic Antony Hermus, die het seizoen op 4 oktober opende met een alom geprezen Lohengrin.
Zulke creatieve persoonlijkheden zijn welkom. Niet alleen bij culturele instituties, maar in de hele stad. Dessau probeert namelijk haar status als ‘kreisfreie Stadt’ (een onafhankelijke stad, die zo’n 100.000 inwoners moet hebben) te behouden en wil daarvoor de populatieafname die sinds de hereniging van Duitsland aan de gang is in bedwang houden.
In zo’n moeizame situatie kun je het programma van het operahuis zien als een oproep tot een revolutie: Lohengrin, Candide, Un ballo in Maschera, One touch of Venus en La muette de Portici zijn de grootste premières die gepland staan in het Antony Hermus-tijdperk. Alle opera’s gaan in meer of mindere mate over rebellie.
Lohengrin was een groot succes, op een paar wrijvingen met halsstarrige aanhangers van het traditionalisme na.
De tweede première, Candide van Leonard Bernstein, is slechts ten dele een voortzetting van het gladde pad van de roem. We zagen de laatste versie van het stuk, gebaseerd op een tekst van Hugh Weeler, in een Duitse vertaling, met dialogen die herzien waren door de jonge regisseur Cordula Däuper.
Hoewel ik een supporter ben van de jonge mensen die in het theater in Dessau werken, moet ik jammer genoeg zeggen dat Däuper niet aan mijn verwachtingen kon voldoen. Niet dat de voorstelling het zien niet waard was, maar ik kon me gemakkelijk een veel verrassender, onderhoudender vertolking voorstellen. Dessau heeft meer nodig dan ‘gewone’ producties om uit haar depressieve situatie te klimmen.
Maar net als Candide geef ik mijn optimisme niet zo makkelijk op en probeer ik de goede punten eruit te halen. Allereerst de vurige en nauwgezette directie van Daniel Carlberg, onder wiens leiding het orkest momenten van zo’n meeslepende intensiteit bereikte, dat het me moeite kostte om mijn zelfbeheersing te bewaren en niet op te staan en rond te gaan dansen. Al direct bij de ouverture!
Van de hoofdrollen wil ik David Ameln noemen, een knappe en ervaren buffo-tenor, die een zachte en lyrische Candide neerzette. Hij verpersoonlijkte de onschuld.
De briljante Nederlands-Italiaanse Angelina Ruzzafante – een mooie coloratuursopraan met prachtig lyrisch potentieel – zong Cunegonde zonder zichtbare moeite met de hoge e’s in de showaria ‘Glitter and be gay’. Helaas werd die aria geregisseerd als een magere en niet-originele kopie van ‘Diamonds are a girl’s best friends’.
De spelbreker Maximilian was de veelbelovende Nederlandse bariton Wiard Witholt, die zijn kleine rol uitstekend zong, met een preciesie in zijn uitspraak en gemak in zijn zang waarmee hij alle anderen overtrof.
Voor mij blijft het onbegrijpelijk waarom de operazangers uitgerust werden met microfoons. De onnatuurlijke klank stond in onaangenaam contrast met de rijkheid van de muziek uit de orkestbak. Een microfoon was misschien nodig voor de grotendeels gesproken rollen van Voltaire en dr. Pangloss, maar moest de rest van de cast daar dan door verpest worden?
Zoals ik al zei, heeft Dessau het grootste roterende toneel in Duitsland. Dus verwijt het me niet als ik zeg dat ik verwachtte dat er iets zou gaan gebeuren tijdens het laatste lied met koor, ‘Make our Garden Grow’. De klank was geweldig, maar het ijzeren gordijn was neergelaten en alles werd overgelaten aan de verbeelding van de toeschouwer. Een nogal minimalistische, koude, geenszins entertainende enscenering voor het slot van een show.
Niettemin, ik ben vol vertrouwen dat er meer over Dessau en zijn opera’s te vertellen zal zijn op basis van de volgende premières.
Alessandro Anghinoni doet regelmatig verslag van interessante producties in Berlijn. Hij is Italiaans maar woont sinds 2000 in Berlijn. Hij is vertaler van beroep en schrijft regelmatig over opera. Voorheen voor bladen als Opernwelt, tegenwoordig op zijn blog Operello
10.12.2009, 09:24 | tags: Musiktheater, Anhaltische Philharmonie, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Helmut Rohm, Zerbster Volksstimme, 08.12.2009
Cordula Däuper bringt Bernsteins „Candide“ auf die Bühne des Anhaltischen Theaters Dessau
Wenn die „beste aller Welten“ auf die Wirklichkeit trifft
Trist und grau verwehrt der sogenannte Eiserne Vorhang den Blick auf die Bühne. Aus
dem Orchestergraben dagegen schallt temporeiche Musik, mit viel Blech, auch fließend schönen Passagen. Diese Ouvertüre von „Candide“, dem Musical von Leonhard Bernstein, ist sehr bekannt. Das Musical selbst dagegen ist recht selten auf der Bühne zu erleben. Jetzt hatte es in der Inszenierung von Cordula Däuper am Anhaltischen Theater Dessau Premiere.
Nach dem furiosen Auftakt durch die mitreißend aufspielende Anhaltische Philharmonie unter Leitung des 1. Kapellmeisters Daniel Carlberg tut sich eine weit in die Tiefe reichende Bühne
mit oft nur skizzenhaft angedeuteten Requisiten auf. Eine ganz in Weiß gekleidete große Menschengruppe (Chor unter der Leitung von Helmut Sonne) vermittelt ein „Schön-Gut-
Sauber“-Gefühl. Idylle „von früher“ steuert ein großes Mosaikbild bei (Bühne: Jochen
Schmitt, Kostüme: Mareile Krettek). Gerade eben um und über diese „beste aller möglichen
Welten“ geht es. Literarische Grundlage ist der Voltaire-Roman „Candide oder der Optimismus“, in dem sich der Autor mit der Leibniz- These von „der besten aller
möglichen Welten“ auseinandersetzt.
Die Geschichte: Auf einem westfälischen Schloss Thunderten- Tronck werden die halbwüchsigen Kinder des Barons, Maximilian und Cunegunde, sowie Candide, ein unehelich geborener Neffe der beiden, und das Dienstmädchen Paquette vom Lehrer Pangloss erzogen. Abgeschirmt von der Realität, in der „besten aller Welten“. Wegen eines innerfamiliären Vorfalls wird der „Bastard“ Candide aus dem Schloss gejagt – und muss die reale schonungslose Vielfalt schrecklicher Erfahrungen durchleben.
Cordula Däuper hat sich dem schwierigen Unterfangen erfolgreich gestellt, den Zuschauer auf die handlungs-, handlungsort- und personalreiche Irrfahrt des Candide durch ganz Europa, hin bis in die „Neue Welt“, mitzunehmen. Ihr Angebot: Eine Spielanordnung als Experiment, spannend und flott unterhaltend gestaltet. Zentrale Frage: Wie lange wird der
Candide‘sche Optimismus Bestand haben? Eine von der Regisseurin geschaffene „allwissende Figur“ (ungemein variabel Stephan Lohse) wandelt zwischen Personen und Zeiten, ist Voltaire, Lehrer Pangloss, Mulatte Cacambo, auch Martin.
Mitdenken und Nachdenken
Dem Zuschauer, von dem viel Konzentration, Mit- und am besten auch Nachdenken abverlangt wird, hilft er, dem Geschehen, oft auch nur in ganz kurz erwähnten Episoden, stringent folgen zu können. Ein wenig Toleranz beim Publikum natürlich vorausgesetzt. Die Erzählweise von Cordula Däuper reflektiert die menschliche Gefühlspalette trefflich: dubios verwirrend, persiflierend, derb direkt, verletzend zynisch, satirisch, auch hintergründig humorvoll, ebenso emotional nahegehend. Auffallend, ohne vordergründig hervorgehoben
zu werden, sind die vielen Parallelen im menschlichen Handlungsmuster von „früher und heute“. All diese Wahrheiten und Andeutungen, das aktionsreiche Spiel, die tolle Musik, verdankt das Publikum dem rundum engagierten Ensemble.
Herausragend sind die Protagonisten.
Faszinierend mit Stimme, Spiel und einem wahren „Koloraturen-Gewitter“ Angelina Ruzzafante als Cunegunde. David Ameln war der immer gescholtene, doch liebenswerte,
ewig suchende Candide. Renate Dasch überzeugte als souverän mondäne Old Lady.
Ob das abschließende Sich- Wiederfinden aller Figuren, das Haus bauen und warten, „bis unser Garten blüht“, die nun „beste aller Welten“ ist, bleibt offen. Diese Frage kann sich
wohl nur jeder Zuschauer selbst beantworten.
Die nächsten Aufführungen sind am 10. Dezember um 16 Uhr und 20. Dezember um 17.30 Uhr zu erleben.
08.12.2009, 18:32 | tags: Musiktheater, Anhaltische Philharmonie, Lohengrin, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Alexander Hauer, http://www.deropernfreund.de/pageID_7953294.html,
http://www.musenblaetter.de/liste.php?bid=28, Dezember 2009
Anhaltisches Theater Dessau
Lohengrin
Der von vielen herbeigesehnte, von vielen befürchtete, Führungswechsel in Dessau blieb ohne große Folgen. Ja, es weht ein neuer Wind, aber die Qualität der Inszenierungen und die musikalische Leistung blieben auf dem gleichen, hohen Niveau. Dies ist mein Eindruck nach Andrea Moses’ klug durchdachten, und von Antony Hermus außergewöhnlich transparent geführten, Lohengrin am 22. November.
Zusammen mit Andrea Moses befreite er den Lohengrin von seiner romantischen Last, Wagner, ohne seine Schwere, bekam Swing.
Andrea Moses betrachtete den Text genau, mit chirurgischer Präzision sezierte sie die Textinhalte, setzte sich auf das genaueste mit dem musikalischen Subtext auseinander und schuf so zusammen mit ihrem Team einen höchst aktuellen, politischen Opernabend: Der heilige Gral als Heilsversprechen um einen Krieg im Osten zu führen ( ganz aktuell, seit einiger Zeit wird Deutschland auch am Hindukusch verteidigt, Danke, Herr Struck!). Nachdem die Brabanter Heinrich zunächst die Gefolgschaft für seinen Krieg gegen Ungarn verweigern, zaubert er eine weitere politische Marionette herbei.
Lohengrin erscheint aus der Unterbühne, Videoeinspielungen (Chris Kondek und Jens Crull) im Stil deutscher und amerikanischer Wahlspots, unterstreichen seinen Auftritt. Andrew Sritheran ist ein stimmlich sicherer, seine Kräfte klug einteilender, baritonal gefärbter Lohengrin. Er gestaltet seine Rolle als eiskalter Machtpolitiker, durchaus bereit seine Gegner zu töten, ist sich aber seiner Rolle als Marionette von Heinrich durchaus bewusst. Dieser Lohengrin weiß schon zu Beginn an, dass er Elsa verlassen muss und wird.
Bettine Kampp ist eine psychisch labile Elsa, durch jahrelange Gefangenschaft tablettenabhängig. Sie erkennt, wenn sie sich retten will, muss sie diesen Lohengrin heiraten, egal unter welchen Bedingungen. Spätestens aber, seit der Fragestellung im Brautgemach, beginnt aber ihre Emanzipation, und am Ende der Oper sieht sie als einzige das Unheil mit klaren Augen. Frau Kampps warmes Timbre und die klare Textverständlichkeit lassen diese Elsa auch musikalisch zu einem Hochgenuss werden.
Die Gegenspieler, Ortrud und Telramund (hinter jedem erfolgreichen Mann steht ein ehrgeizige Frau), Iordanka Derilova und Ulf Paulsen, sind, wie erwartet, einfach sensationell. Die schauspielerische Leistung der beiden steht der Gesanglichen in nichts nach. Ulf Paulsen eher lyrischer Bariton hat Möglichkeit zu schon fast brutalen Ausbrüchen, Derilovas glockenklarer Sopran, der Rolle angepasst, eiskalt und wunderbar verständlich (zum ersten Mal, nach vielen, vielen Lohengrinen habe ich verstanden, was Ortrud bei der Anrufung der alten Götter singt).
Pavel Shmulevich als Heinrich, steht in Moses’ Deutung im Mittelpunkt der Inszenierung. Seine Erscheinung ist fast zu sympathisch und seinem sonoren Bass fehlt das letzte Quäntchen an teuflischer Bösartigkeit.
Wiard Withold überzeugt als Heerrufer. Im Erscheinungsbild eines Priesters, ist er ein Einpeitscher, der es schafft, die Volksmassen auf Kriegskurs zu trimmen.
Der, durch den Coruso Chor und Extrachor verstärkte, Chor des Stadttheaters unter Helmut Sonne brilliert, wie man es sich nicht besser wünschen könnte.
Andrea Moses gelingt in der Ausstattung von Christian Wiehle ein zeitloses hochpolitisches Werk. Die Verführung des Volkes, die Abhängigkeit durch Lobbyisten und politische Willkür, waren und sind immer tagesaktuell.
Boshaft könnte man auch sagen: Nach der Wahl ist vor der Wahl.
In ihrem Schlussbild erscheint auf Heinrichs Befehl eine weitere Marionette, Gottfried, schnell zu recht geschustert mit Kindermaske. Während das Volk nun wie paralysiert gen Osten marschiert steht eine geistig nun völlig klare Elsa am Rand, die alle Avancen von Heinrich und dem Heerrufer ablehnt.
Der Abend endete unter einhelligen Jubel für Sänger und Orchester in einer klug durchleuchteten, romantikfreien Inszenierung.
Das Stadttheater lud im Anschluss an die Aufführung zu einer Diskussion ein. Rege Beteiligung des Publikums führte zu einer Auseinandersetzung mit dem Abend für beide Seiten. Regie, Dirigent und Sänger stellten sich den Fragen der Zuschauer. Kontroverse Auffassungen prallten aufeinander, blieben aber an diesem Abend von Seiten der Wagnerianer (noch) sachlich.
07.12.2009, 16:12 | tags: Schauspiel/Musiktheater, Musiktheater, Anhaltische Philharmonie, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Dr. Kevin Clarke, http://magazin.klassik.com/konzerte/reviews.cfm?task=review
07.12.2009, 12:32 | tags: Schauspiel/Musiktheater, Musiktheater, Anhaltische Philharmonie, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Franz R. Stuke, http://www.opernnetz.de/seiten/rezensionen/dess_cand.htm, 7.12.2009
Zeitlose Gültigkeit
Es ist das Stück zur verlogenen Gegenwart – Voltaires philosophische Satire über „die Beste aller Welten“! Mit Bernsteins anspielungsreicher Musik entwickelt sich „Aufklärung mit den Mitteln der Unterhaltung“ (Brecht).
Ganz in diesem verkappten Lehrstück-Verständnis inszeniert Cordula Däuber – trifft den ironischen Duktus Voltaires mit seinem apokryphen Humor punktgenau, setzt auf die „system-persiflierende“ Musik Bernsteins als handlungsstrukturierendes Element. Die Geschichte der Reise Candides durch die Unbilden der Welt mit Krieg, gewalttätigen Ideologien, gnadenlosem Reichtum und schnöselhafter Unmoral bis zu seinem „Garten“, den er pflegen will – sie gerät zur tour d’horizon durch die Globalisierungs-Katastrophen, kommentiert vom Voltaire-Pangloss, mit personen-bezogenem Bühnenhandeln, realisiert durch ideenreiche Konstellationen der agierenden Personen - solo, in Ensembles und als „Masse“. Und dies permanent sowohl der Botschaft Voltaires als auch der hinreißenden musikalischen Piècen Bernsteins szenisch-subtil gerecht werdend!
Das alles geschieht auf einer Bühne mit grauen Wänden, die sich zerlegen lassen, zu Stufen aufbauend, mit sparsamen Requisiten arbeitend – Jochen Schmitts Bühnen-Elemente schaffen die kommunikativen Räume der Ausweglosigkeit für die Personen, die immer wieder durch Versenkungen stimuliert werden. Mareile Kretteks phantasievolle Kostüme korrespondieren mit dem ironisierenden Duktus des überzeugenden Inszenierungskonzepts.
Daniel Carlberg stürzt sich mit der brillanten Anhaltischen Philharmonie fulminant in die „spritzige“ Ouvertüre, interpretiert die so faszinierend wechselnden Stil-Anleihen Bernsteins mit bewundernswerter Flexibilität, gibt den Solo-Instrumenten Raum für virtuose Passagen – und nutzt die Chance zu etwas Einmaligem: die „hinterlistige“ Umsetzung ironisch-klingender Musik!
Für die Solisten ein prima Angebot für inspirierendes Spiel und distanziert-interpretierenden Gesang, mit Chancen zum Demonstrieren stimmlicher Virtuosität. Stephan Lohse gibt dem Voltaire/Pangloss ambivalenten Charakter, agiert reaktionssicher, spricht enorm ausdrucksstark und singt mit beeindruckender Intensität. David Ameln gelingt ein naiv-leidender Candide, ein ästhimierender Archetyp gläubigen Vertrauens, stimmlich hellwach, variabel im Ausdruck. Renate Dasch ist die lustvoll-stimulierende Alte Dame, darstellerisch flexibel, mit chansonhafter stimmlicher Attitüde! Angelina Ruzzafante kostet die Rolle der Kunigunde ironisch-lustvoll aus, brilliert mit perlenden Koloraturen, fasziniert mit stimmlicher Variabilität. Das Dessauer Ensemble überzeugt mit attraktivem Spiel, gesanglich perfekt positioniert - so wie der Opernchor, geleitet von Helmut Sonne: individualisiert im kollektiven Spiel, famos im differenzierenden Gesang der von Bernstein geforderten Stil-Mixtur!
Der nicht nur intellektuelle Spaß an der aufklärerischen Geschichte fand zur Premiere kein volles Haus in Dessau mit seinem riesigen Auditorium - doch die Zustimmung wächst von Szene zu Szene, endet mit nachhaltiger Zustimmung.
Prognose: Der Dessauer Candide wird zur Attraktion der Besucher aus Berlin, Leipzig, Magdeburg!
27.11.2009, 14:17 | tags: Spielzeit, Musiktheater, Anhaltische Philharmonie | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 27.11.2009
Wiederaufnahme von „Die Zauberflöte“
Die wohl beliebteste Oper der Musikgeschichte, „Die Zauberflöte“ von Wolfgang Amadeus Mozart, steht ab dem 19. Dezember wieder auf dem Spielplan des Anhaltischen Theaters.
Unter der Leitung von Daniel Carlberg werden in fast allen Hauptrollen neue Sänger zu hören sein, so dass der Opernbesuch auch jedem empfohlen werden kann, der die Inszenierung von Johannes Felsenstein bereits gesehen hat.
Der junge russische Bassist Pavel Shmulevich, sowohl als Heinrich in „Lohengrin“ als auch bei der „Serata di Gala“ gleichermaßen umjubelt, wird die Partie des Sarastro übernehmen, die er bereits in einer Neuinszenierung am traditionsreichen Marinskii Theater gesungen hat. Eine Paraderolle ist der Papageno für Wiard Witholt, der im „Lohengrin“ der Partie des Heerrufers nicht nur ungewöhnliche stimmliche Brillanz, sondern auch ungewöhnliches darstellerisches Profil verliehen hatte. Angus Wood erwies sich bereits Ende der letzten Spielzeit als Piquillo in der Premiere von „La Périchole“ als absoluter Publikumsliebling.
Er wird ab dem 19.12. den Prinzen Tamino verkörpern. David Ameln singt den Monostatos. Und als Königin der Nacht kommt mit Diana Tomsche vom Staatstheater Karlsruhe eine profilierte Koloratursopranistin als Gast nach Dessau. Die Pamina wird in bewährter Weise von Cornelia Marschall verkörpert, der Sprecher ist Kostadin Arguirov.
Weitere Termine: 17.01.10, 17 Uhr | 11.04.10, 17 Uhr | 23.05.10, 17 Uhr
Karten unter:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Freitag 9:30 – 20 Uhr
Theaterkasse - Nur Telefonisch 0340 2511 – 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
25.11.2009, 16:45 | tags: Schauspiel/Musiktheater, Musiktheater, Anhaltische Philharmonie | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 25.11.2009
Premiere Musiktheater
Candide - Musical von Leonard Bernstein
Mit „Candide“ schuf der Komponist und Dirigent Leonard Bernstein 1956, nur ein Jahr vor „West Side Story“ einen der ungewöhnlichsten Beiträge zum modernen Musiktheater. Das Anhaltische Theater Dessau lädt am 4. Dezember, um 19:30 Uhr ins Große Haus zur Premiere „Candide“.
Auf dem westfälischen Schloss Thunder-ten-Tronck wachsen Candide, seine heimliche Liebe Cunegunde, deren Bruder Maximilian und Paquette in der optimistischen Lebensphilosophie ihres Lehrers Pangloss von der „besten aller Welten“ auf. Die Idylle wird zerstört, als Candide vom Grafen Thunder-ten-Tronck beim Liebesspiel mit Cunegunde ertappt und aus dem Schloss verbannt wird. Auf seiner Reise durch die Welt muss Candide am eigenen Leib erfahren, dass die „beste aller Welten“ nur in der Philosophie und ohne Bezug zur Realität existiert. Mit Witz, beißendem Spott und Ironie werden der überhebliche Adel, die kirchliche Inquisition, Krieg, Sklaverei und die naive Utopie des einfachen Manns von einem sorglosen Leben angeprangert. Doch im Unterschied zu Voltaires Erzählung, die bei allem Humor ein bitterböses negatives Märchen ist, findet Bernsteins Werk einen versöhnlichen Abschluss, in einem Hymnus auf das bescheidene private Glück, den eigenen Garten zu bestellen.
Wenn „West Side Story“ auch die größere Bekanntheit erlangte, so ist „Candide“ doch das komplexere, genialere Werk, Bernsteins kühnste Schöpfung für die Musiktheaterbühne überhaupt, eine Mischung aus Musical, klassischer Operette und komischer Oper. Das Libretto ist eine geschickte Dramatisierung von Voltaires berühmtem Roman „Candide ou l’Optimisme“ [Candide oder der Optimismus]. Die musikalische Leitung liegt beim 1. Kapellmeister des Anhaltischen Theaters Daniel Carlberg, der einen bravourösen Einstand mit dem Ballett LULU feiern konnte. Als Regisseurin konnte Cordula Däuper gewonnen werden, die zuletzt mit großem Erfolg an der Komischen Oper in Berlin gearbeitet hat.
Inszenierung: Cordula Däuper I Musikalische Leitung: Daniel Carlberg I Bühne: Jochen Schmitt I Kostüme: Mareile Krettek I Chor: Helmut Sonne
Solisten: Angelina Ruzzafante (Cunegunde), Kristina Baran (Paquette), Renate Dasch (Alte Lady), David Ameln/ Angus Wood (Candide), Stephan Lohse (Voltaire/ Pangloss/ Martin), Wiard Witholt (Maximilian), Kostadin Arguirov (Captain), David Schroeder (Vardendendour/ Ragotski/ Governor)
Nächste Termine: 6.12.09, 17 Uhr I 10.12.09, 16 Uhr I 20.12.09, 17 Uhr | 09.01.10, 17 Uhr | 28.01.10, 19:30 Uhr
Am 28.1. im Anschluss an die Vorstellung „Nachgefragt“ mit Regisseurin Cordula Däuper und Ensemble-Mitgliedern
13.11.2009, 16:21 | tags: Anhaltische Philharmonie, Diverses | Autor: Franziska Blech
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 12.11.2009
Donnerstag hau'n sie auf die Pauke
Konzert: Im Elbe-Werk dirigiert Antony Hermus das «Impuls-Orchestertreffen»
Der Zyklop tanzte schon im Opernhaus Magdeburg und im Neuen Theater in Halle, jetzt macht er sich auf in den Heimatort seines Schöpfers. Am Donnerstagabend erlebt man ihn in der Stadt, genauer gesagt ab 19.30 Uhr im Elbe-Werk (Hauptstraße 117-119) in Roßlau. Der "Tanz des Zyklopen" ist ein Musikstück, komponiert vom Dessauer Musiker und Komponisten Christoph Reuter. Bereits zweimal erprobt, wird nun das Trio der Aufführungen komplett, wenn am Donnerstagabend in Roßlau das "Impuls Orchestertreffen 3" stattfindet. Angesiedelt ist es innerhalb des Impuls-Festivals für Neue Musik, das noch bis zum Wochenende in Sachsen-Anhalt Konzert-Veranstaltungen anbietet.
Die Orchestertreffen sind eine besondere Form der Konzerte; sie fanden bisher in Halle und Magdeburg und Donnerstag nun auch in Dessau statt und präsentieren die stadteigenen Orchester mit Beiträgen zur Neuen Musik. Im zweiten Teil des Konzertes erlebt das Publikum dann fünf Schlagzeuger aus allen großen Orchestern des Landes. Sie spielen neue Kompositionen für Schlagwerk und jeweils ein Instrument, die von Komponisten Sachsen-Anhalts geschrieben wurden.
Der Dessauer Christoph Reuter wählte sich als ergänzendes Instrument das Klavier und sitzt auch selbst am Flügel. Sein Part inmitten der Werke seiner Kollegen ist eine höchst unterhaltsame, vom Jazz beeinflusste und auch mit Witz und Ironie geschriebene Komposition. Bei der Aufführung in der vergangenen Woche in Halle gehörte der "Tanz der Zyklopen" zu jenen Stücken, die das Publikum besonders feierte. Wohl auch, weil die Aufführung mit kleine Tücken verbunden war, als ein Bein des Konzertflügels beim Rollen auf die Bühne brach, Reuter aber unbeirrt in die Tasten schlug, als das Instrument auf einen Hebewagen gehievt war.
So etwas muss man wohl nicht befürchten, wenn das Impuls-Festival am Donnerstag im Elbe-Werk Station macht. Dessaus Generalmusikdirektor Antony Hermus dirigiert das dritte und letzte Orchestertreffen, und mit Tan Duns tödlich feurigem Paul-Klee-Dialog schließt er den Kreis, der mit dem Impuls-Eröffnungskonzert drei Wochen zuvor in der Stadt begonnen wurde. Dass dieses Konzert keine dröge Wiederholungsveranstaltung ist, beweist es bereits in den ersten Minuten, wenn besagtes Impuls-Percussion-Ensemble auf die Pauke haut - und bestätigt es nach der Pause doppelt, indem es den bisherigen Festivalstücken noch zwei bisher nicht erklungene Kompositionen zur Seite stellt. "Voyage" von Philip Glass bezieht sich dabei noch einmal explizit auf das Festival-Thema "Odyssee", während die Uraufführung von "Kristalle" eine Verbeugung vor einem Mann ist, der kürzlich seinen 70. Geburtstag feierte: Thomas Müller erwarb sich seine Meriten als Dirigent der Reihe "Konfrontation", die bis heute - als K-Reihe der Staatskapelle Halle mit Festivalintendant Hans Rotman - erfolgreich in Halle junge Zuhörer an Neue Musik heranführt.
Karten gibt es an den Theaterkassen unter den Nummern 0340 / 2 40 02 58 und 0340 / 2 51 13 33 sowie an der Abendkasse.
11.11.2009, 16:13 | tags: Schauspiel/Musiktheater, Musiktheater, Anhaltische Philharmonie, Lohengrin, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Herbert Henning, Orpheus Nov./ Dez. 2009
DESSAU
Keine Zeiten für Romantik
Das Anhaltische Theater Dessau startet nach der Ära von Johannes Felsenstein in die 215. Spielzeit mit Wagners LOHENGRIN in der Inszenierung von ANDREA MOSES, die in emanzipatorischer Absicht eine hochinteressante Sicht auf die irrationale Welt des „Schwanenritters“ eröffnet und dabei aus der Sicht von Elsa eine Geschichte von Macht und Machterhaltung, Täuschung, Versprechen und Manipulation von Menschen, denen die Ideale abhanden gekommen sind, spannend und überraschend aktuell erzählt.
Von Anfang an hat die angesichts der Anklage von Ortrud und Telramund traumatisierte Elsa keine Chance und erst im Brautgemach, dass wie in einem „Wolkenkuckucksheim“ überirdisch schwebt (Ausstattung: CHRISTIAN WIEHLE) emanzipiert sich diese Frau und stellt die verbotenen Frage nach „Herkunft und Stand“ dieses Mannes. Moses beleuchtet die Figuren mit großer Genauigkeit, inszeniert die Auseinandersetzungen zwischen Ortrud, Telramund und Elsa fast intim als Kammerspiel mit großer Genauigkeit. Die Sänger agieren als Schauspieler mit außerordentlicher darstellerischer Präzision.
Dies gilt vor allem für IORDANKA DEVRILOVA als Ortrud mit lodernder, expressiver Stimme und dämonischer Intensität im Spiel wider dem Wahn des Schwanenkults und der Einlullung der Massen durch das König Heinrich/Lohengrin-Bündnis. Für ihre Rache opfert diese raffiniert handelnde „femme fatale“ ihren Mann, den ULF PAULSEN mit markanter Stimme singt. Große musikalische Momente für PAVEL SHMULEVICH als König Heinrich und als einziger Verbündeter an der Seite von Elsa WIARD WITHOLT als kraftvoller Heerufer.
BETTINE KAMPP macht mit jugendlich - dramatischer Stimme überzeugend die Wandlung vom ahnungslosen Mädchen, das in den Sog politischer Ränke gerät, zur emanzipierten Frau deutlich. Dass der neuseeländische Sänger ANDREW SRITHERAN nach stimmlichen Aussetzern in der Brautgemach-Szene in der selten gehörten vollständigen Gralserzählung zu wunderbarem piano findet, zeigt das stimmliche Potential dieses jungen und attraktiven Sängers.
Für die Anhaltische Philharmonie unter ANTONY HERMUS und die von HELMUT SONNE einstudierten, Chöre gilt nach dieser Lohengrin-Premiere uneingeschränkt das musikalische Prädikat „Bayreuth des Nordens“. Selten hat man das Vorspiel zum 3. Akt und den Hochzeitsmarsch mit soviel musikalischer „Ironie“ und orchestraler Präzision erlebt. Ein fulminanter Auftakt des Dirigenten mit dem Orchester, enthusiastisch gefeiert. Das außerordentlich heftige Buh-Konzert für das Inszenierungsteam sollte nicht vom Besuch dieses Dessauer LOHENGRIN abhalten.
09.11.2009, 21:35 | tags: Anhaltische Philharmonie, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Johannes Killyen, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 10.11.2009
Frappierende Klangkultur
Sinfoniekonzert: Philharmonie spielt Beethovens «Eroica» in einem Höllentempo
Beethoven und das richtige Tempo - dieses Thema hat Generationen von Musikwissenschaftlern und Interpreten schlaflose Nächte beschert. Dabei scheint die Wahl der richtigen Geschwindigkeit im Falle Beethovens einfacher zu sein als, sagen wir, bei Mozart oder Bach. Denn immerhin kannte der "Titan" aus Wien das 1815 erfundene Metronom und trug als vielleicht erster Komponist überhaupt Metronomzahlen in einige seiner Werke ein.
Schnelles Tempo gewagt
Die waren, wie es sich für den Querkopf Beethoven gehört, freilich etwas anders, als die meisten Dirigenten und Instrumentalisten es später wahrhaben mochten. Für den Kopfsatz seiner dritten Sinfonie, der "Eroica", hat der Meister zum Beispiel ein Tempo vorgegeben, das dieses "Allegro con brio" in die Nähe eines Wiener Walzers rückt. "Unschön", meckerten die Besserwisser - "unspielbar", die Kleingeister. War Beethovens Metronom kaputt? Oder sollte man alles einfach halb so schnell spielen?
Es gibt in der Masse von "Eroica"-Aufnahmen nicht viele, die das schnelle Tempo wagen und zur Diskussion stellen. Weshalb die Interpretation des neuen Generalmusikdirektors Antony Hermus beim zweiten Sinfoniekonzert der Anhaltischen Philharmonie am Donnerstag und Freitag einer erfrischenden Ohrenwäsche gleichkam.
Hermus und sein glänzend präpariertes Orchester lieferten den Beweis dafür, dass es möglich ist, den besagten Anfangssatz in größter Natürlichkeit in einem wahren Höllentempo zu spielen - so, wie es Beethoven wollte. Das allein hätte für eine - sagen wir es ruhig - sensationelle Aufführung freilich nicht gereicht. Aber es machte exemplarisch deutlich, wie mutig und konsequent der neue musikalische Leiter des Dessauer Theaters seine Arbeit angeht.
Innerhalb weniger Monate hat Hermus im Orchester eine Klangkultur etabliert, die schlicht frappierend ist. Er gewichtet die Stimmen aufs Klügste, kultiviert feinstes Wispern ebenso wie eine klangvolle Mittellage oder ein explosives Forte. Kurz: Er präsentiert sich als Meister der wohl kalkulierten Effekte, ohne dabei Effekthascherei zu betreiben. Paradox: Nichts scheint bei dem Holländer zufällig zu geschehen, und doch überrascht vieles. Auch die neue Orchesteraufstellung, die in der Beethoven-Sinfonie zu reizvollen Stereo-Effekten zwischen den ersten Geigen auf der linken und den zweiten Geigen auf der rechten Seite führte.
Emotionalität im Trio
Ein Satz gelang in der "Eroica" schöner als der andere - vielleicht wäre dennoch der Trauermarsch hervorzuheben, dessen Dramaturgie alle Schatten- und Lichtseiten eines Heldenlebens beleuchtete. Schade, dass sich ausgerechnet hier leichte Unstimmigkeiten in das Zusammenspiel einschlichen.
Beethovens dritte Sinfonie ließ vergessen, dass dieses Sinfoniekonzert auch vor der Pause schon einiges zu bieten hatte: Da entfaltete das Storioni-Trio aus Amsterdam ein zu Beginn etwas akademisch komponiertes Concertino für Klaviertrio und Streicher von Bohuslav Martinu (1890-1959) am Ende zu großer Emotionalität. Um in der Zugabe mit einem Satz aus Dvoráks "Dumky"-Trio das eigentliche Werk beinahe auszustechen.
Ganz am Anfang die Reverenz an einen Jubilar und Meister des Hauses: Das Sinfonische Vorspiel von Heinz Röttger aus dem Jahr 1936, der von 1954 bis zu seinem Tod 1977 Generalmusikdirektor am Anhaltischen Theater war. Das zwischen Bruckner, Strauss, neuer Sachlichkeit und Hollywood-Sound virtuos changierende Stück machte Lust auf mehr Röttger. Der sich, so wie das Publikum, über diesen Abend ebenso wie auf die nächsten Sinfoniekonzerte am Anhaltischen Theater gefreut hätte.
Das Konzert wird am Dienstagabend, 20 Uhr, auf Deutschlandradio Kultur und am 23. November (ebenfalls 20 Uhr) auf MDR Figaro noch einmal gesendet.
05.11.2009, 20:30 | tags: Anhaltische Philharmonie | Autor: Franziska Blech
Johannes Killyen, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 6.11.2009
Heinz Röttger
Begnadeter Orchester-Erzieher
Freitag vor 100 Jahren wurde der Dirigent und Komponist geboren - Er prägte mehr als zwei Jahrzehnte das Dessauer Musikleben
Man sollte, ließ Heinz Röttger einst verlauten, im Rücken des Dirigenten einen Paravent aufstellen: "Um das Publikum bloß nicht von der Musik abzulenken." Das war so bescheiden gesprochen, dass es an Koketterie grenzt. Und doch darf man ihm abnehmen, dass er von heiligem Ernst erfüllte war, wenn es um die eine Sache ging: Musik. Freitag vor 100 Jahren wurde der Komponist und Dirigent Heinz Röttger geboren - der wichtigste Generalmusikdirektor des Dessauer Theaters im 20. Jahrhundert.
Große romantische Kiste
Szenenwechsel. Auf der Probenbühne des Anhaltischen Theaters ist soeben Beethovens "Eroica" verklungen. Ein neues Werk liegt auf den Pulten, "seien wir gespannt", sagt Antony Hermus. Es ist die erste veritable Begegnung mit einem Stück des großen Vorgängers. Punktierungen donnern, sanft wellen sich Klangflächen, dazwischen fahren Blechfanfaren. Bruckner klingt an und Wagner, auch Richard Strauss natürlich - große romantische Kiste. "Manchmal sind da aber Klangballungen, die sperren sich gegen das Wohlbefinden", sinniert Hermus, der seit wenigen Wochen Generalmusikdirektor in Dessau ist.
Für das Jubiläumskonzert ist Röttgers "Sinfonisches Vorspiel" ausgewählt worden, das in diesem Haus noch nie gespielt wurde. 1936 komponiert, hat der 27-Jährige es Alfred Morgenroth gewidmet, der als Sekretär der Reichsmusikkammer unter anderem dafür zuständig war, "feindländische Schallplatten" zu verbieten. Was Röttger - damals Solorepetitor am Stadttheater Augsburg - nicht davon abhielt, den Förderer als engen Freund zu bezeichnen. Zu diesem Zeitpunkt befindet sich Röttger als Komponist und Dirigent schon auf der Erfolgsspur. Den kurzen Abzweig zur Theologie hat der 1909 in Herford geborene Sohn eines Eisenbahners wieder verlassen, hat sich mit einer Dissertation über "Das Formproblem bei Richard Strauss" die Anerkennung des Meisters erworben und kann auch schon auf eine Assistenzzeit bei Hans Knappertsbusch in München zurückblicken.
Der Krieg markierte für Röttger, der 1941 heimlich die Schwedin Eva Johnn heiratete und später im Zuge der Entnazifizierung als Mitläufer eingeordnet wurde, den entscheidenden Wendepunkt: Er wurde 1942 eingezogen, verwundet, als "letzte Reserve" wieder eingezogen - und überlebte traumatisiert. Fortan war Röttger ein überzeugter Pazifist, der sich selbst in Sitzungen des DDR-Komponistenverbandes der Idee eines "gerechten Krieges" verweigerte.
In den Osten war er 1948 gekommen, als musikalischer Oberleiter am Theater Stralsund und ab 1951 als Generalmusikdirektor in Rostock. Als er 1954 das Probedirigat in Dessau gewinnt, will man ihn nicht ziehen lassen und belegt ihn mit einer Berufssperre, die nur durch Intervention des Ministeriums für Kultur aufgehoben wird.
Es beginnt eine goldene Zeit für Heinz Röttger - und für Dessau. Der bekennende Fußballfan legt die verschüttete Wagner-Tradition der Muldestadt wieder frei und baut - im Triumvirat mit Regisseur Willy Bodenstein und Ausstatter Wolf Hochheim - das riesenhafte Theater zum viel beschworenen "Bayreuth des Nordens" aus - bis der Mauerbau mit den folgenden Einschränkungen die Wagnerfestwochen auf ein regionales Ereignis reduziert.
Röttger prägte als begnadeter Orchester-Erzieher Generationen von Philharmonikern, wurde von den Sängern ob seiner Sensibilität verehrt und hob das Niveau der ihm zugeordneten Ensembles kontinuierlich an. Zugleich war er ein glühender Förderer der zeitgenössischen Musik, nicht zuletzt seiner eigenen. Früh stellte er sich hinter das im sozialistischen Realismus verpönte Zwölftonsystem und die elektroakustische Musik. Legendär die Aufführung des Jazz-Konzerts von Rolf Liebermann im Jahr 1955, das Röttger als "Volksmusik einer unterdrückten Rasse" ausgab und so unangreifbar machte.
Warten auf Wiederentdeckung
1977 starb Röttger nach kurzer schwerer Krankheit: hoch geschätzt, manchmal belächelt ob seiner Unbeholfenheit in praktischen Dingen - und zumindest in Dessau nicht vergessen. Über 40 seiner Werke wurden seit seinem Tod hier aufgeführt, seit 1998 vor allem auf Betreiben des Anhaltischen Kammermusikvereins. Eine praktische Würdigung seines Opernschaffens wäre freilich wieder an der Zeit, zum Beispiel eine Neuinszenierung des "Spanischen Capriccio", seines wohl besten Bühnenwerks.
Als Mann des Theaters scheute sich Röttger übrigens auch nicht, Details selbst berühmter Werke für seine Bedürfnisse anzupassen. Dabei konnte er auf Richard Strauss persönlich verweisen, der angesichts eines fehlenden Tenors im "Rosenkavalier" Röttger trocken zuwarf: "Dann nehmen Sie doch einen Sopran."
Konzert mit "Sinfonischem Vorspiel": Am Freitag, 19.30 Uhr, Anhaltisches Theater
05.11.2009, 12:17 | tags: Musiktheater, Anhaltische Philharmonie, Lohengrin, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Karsten Pietsch, Leipziger Internetzeitung/ Kultur. Theater, 04.11.2009
Theaterbrief aus Dessau:
Wagners „Lohengrin“ und zwei Stunden warten auf den Kuss von Elsa und Ortrud
Kaum dass die ersten Ouvertüren-Takte verklingen, dämmert es hinter dem Vorhang. Menschen in heutiger Kleidung lümmeln auf den Tischen und Stühlen einer Konferenz-Arena. Die Strukturen der Macht, der Akteure und der Reagierenden sind klar erkennbar, ein trefflicher und machtsicherer Ort auch für Befragungen und Urteile.
Elsa hat Gleichgewichts- und Bewusstseinsstörungen, greift zur Pulverdose, die man ihr wegnimmt. Mit Rausch kämpft sie den Abend lang.
„Offenes Land“ ist die Spielzeit übertitelt, die Leitung des Anhaltischen Theaters hat gewechselt. Im Spielzeitheft gibt es vornehmlich Foto-Schnappschüsse aus der Region.
Kein Regisseur muss an dem anknüpfen, was von gleichen Autoren vorher am selben Haus inszeniert wurde, mag es das Publikum tun, wenn ihm danach ist. Johannes Felsensteins Wagner-Sicht auf „Parsifal“ hatte so viel Kunst, wie nötig war, dass man nichts mehr weglassen konnte. Aus einem Holz geschnitzt. Der tote Baum lag auf der Bühne, war Höhle und, wenn er aufgerichtet war, auch Kruzifix in der Gralsburg.
Andrea Moses geht einen anderen Weg, zeigt pures Heute, setzt als Regisseurin, und in der neuen Dessauer Theaterleitung Schauspielchefin, beim Publikum keine Kenntnisse um Wagner und irgendwelche Zeitereignisse voraus, sie erzählt alles.
Lohengrin 2009: Menschen gestalten -Zukunft bewegen
Über der Bühne von Christian Wiehle hängt in großen Lettern, die sich grafisch nicht akkurat zu einem Gesamtbild fügen „Menschen gestalten - Zukunft bewegen“. Mit einer solchen Parole, um zwei Worte verdreht, zogen ja tatsächlich Politiker in den Wahlkampf. In dieser Form nun ist sie nicht eine harmoniesüchtige esoterische Anwandlung, sondern Gehirnwäsche, totalitärer Anspruch, ein Apparat. Stilisiert mit einem Schwanenhals, Gefieder und grellem Lichtstrahl. Leider kommt die Regie nicht auf die Idee, die vier Worte der Losung ein paar Mal sinnstiftend zu verändern.
Da kommt einer daher, meint man müsse ihm folgen, dürfe aber nie fragen, woher er käme. In der Regie von Andrea Moses sieht man auf der Bühne nicht viel andere Kleidung, ebenfalls von Christian Wiehle gestaltet, als die des Publikums, Frisuren und Brillen im Chor scheinen auf Menschenmengen zu verweisen, die auch bei früheren Inthronisierungen schon dabei waren. Ein neuer Heilsbringer kommt auch auf die Zuschauer zu, denn der Chor agitiert mit seinen wappendekorierten Liederbüchern im Saal. Überdeutlich ist der Zeigefinger: Vorsicht vor Uniformitäten, Wappen, Liederbüchern, Vereinnahmungen.
Goldglitzer und Luftballons sichern der Putzfrau Arbeit
Andrew Sritheran singt und spielt den Lohengrin, schwarzhaarig, dunkelhäutig, weltmännisch daherkommend, auf extra eingefahrenem Podest wie in einem eigens errichteten Tempel. Bettine Kampp als Elsa von Brabant und Iordanka Derilova als Ortrud sind Stimmen, die sich schon längst im Wagner-Fach zu Hause fühlen dürfen. Von der Regie kriegen sie interessante Momente. Nach zwei Stunden Spielzeit dürfen sie sich sogar küssen. Am Ende des ersten Aktes gibt es Goldglitzer von oben und Luftballons, eine unvermeidliche Zutat aus dem Werkzeugkasten cooler Ausstatter und Spielleiter. Bleibt für die Phantasie sonst nur noch der Zwischenraum zwischen Schwarz und Weiss, Schatten und Dämmerung?
Immerhin gibt das einer Putzfrau Arbeit, der wir danach zusehen dürfen.
Man sieht sicher auch ohne Kenntnis der Handlungsbeschreibungen, dass es sich hier um einen Intrigantenstadel handelt. Programmhefttexte erzählen mit Namen von Personen und Firmen etwas von heutigen Lobbyismus genannten Einflüssen und Abhängigkeiten zwischen Wirtschaft und Politik. „Du bist Brabant“ steht über der Szene des zweiten Aktes, „Vertrauen in Deutschland“ wird im dritten Akt per Losung eingefordert.
Im Brautgemach sehen wir unter anderem auf am Fenster vorbeiziehende Wolken; landläufig ist das der Alptraum der Darsteller vieler Naturbühnen, dass sich das Publikum vom Bühnengeschehen abwenden könnte, um den vorbeiziehenden Wolken nachzuschauen.
Man ist schon über Leichen gegangen, hat Fahnen geschwungen wenn Gottfried, wir sind wieder bei Wagners Mythos-Stoff, aus dem Schnürboden herunterschwebt. Dabei werden die Scheinwerfer zum Blenden ins Publikum gerichtet.
Martin Gregor-Dellin schloss seinen Wälzer der Wagner-Biografie mit den Worten: „Was folgte, ist Nachwelt, eine andere Geschichte, ohne Wagner, und fern ist Heute, von ihm getrennt durch Katastrophen.“ In den Anmerkungen findet sich Gregor-Dellins Kommentar zu Deutungen der Figuren aus dem „Ring des Nibelungen“: „Hagen als Wiedergeburt wäre Hitler usw., aber wozu gibt es Inszenierungen?“ Man kann hinzufügen: „Und dann ist in jedem Fall der alte Wagner an allem Schuld!“
Dessauer Unikat
Zeitreisen auf mehreren Ebenen sind im Theater üblich. Bei Richard Wagners „Lohengrin“ im Anhaltischen Theater Dessau schmilzt der von Wagner geschriebene Mythos zur großen Gefahr in Form von wieder einmal neuen Leitfiguren und Aufmärschen, die mit Wappen und Liederbüchern Seelen fangen. Musiktheater, bei dem zum alten Soundtrack sehr viel zu sehen ist. Sänger sind zu hören, deren Namen man sich merken kann, weil die wagnersingende Reisegemeinde überschaubar ist. Immerhin eine Version anno jetzt, 2009, ein Dessauer Unikat.
Nächste Vorstellungen im Anhaltischen Theater Dessau: 22. November, 27. Dezember 2009, 4. Februar, 3. April, 13. Mai 2010
www.anhaltisches-theater.de
03.11.2009, 13:36 | tags: Spielzeit, Schauspiel, Musiktheater, Anhaltische Philharmonie, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Andreas Hillger, Die Deutsche Bühne, 11 | 2009
Raus aus der Vergangenheit
André Bücker vollbringt am Anhaltischen Theater in Dessau einen auf ganzer Linie überzeugenden Neustart als Nachfolger von Johannes Felsenstein
Eine Putzfrau, ausgerechnet eine Putzfrau ist es, die zur Augenzeugin der Verschwörung wird: Im verwüsteten Plenarsaal, wo Luftballons zwischen umgeworfenen Stühlen liegen, blickt sie schweigend auf den abgesetzten Herrscher und seine First Lady herab. Und während sich die Anhänger des Gewesenen spätestens in diesem Augenblick auf radikale Ablehnung einigen, sehen all jene, die auf das Kommende gehofft haben: Hier findet tatsächlich ein Akt der Reinigung statt, ein Kehraus jener Tradition, die auf dem Anhaltischen Theater zuletzt bleischwer lastete.
Nichts weniger hatte André Bücker für seine erste Dessauer Spielzeit angekündigt, nichts weniger hat sein Team mit dem ersten Premierenwochenende gehalten: Der Premieren-Hattrick aus Einar Schleefs „Abschlussfeier“, Richard Wagners „Lohengrin“ und Gotthold Ephraim Lessings „Nathan der Weise“ war eine politische und poetische Ansage, die in ihrer programmatischen Geschlossenheit wie in ihren ästhetischen Differenzen zu schönsten Hoffnungen für die Zukunft berechtigte. Dass sich der neue Generalintendant dabei in nobler Zurückhaltung übte und seine eigene Inszenierung an den Schluss des großen Theater-Festes stellte, durfte nach den Tagen des Patriarchen Johannes Felsenstein als Bekenntnis zum demokratischen Miteinander verstanden werden.
Die Fallhöhe seines „Nathan“ aber ist gleichwohl himmlisch: Rechas Vision, die einen Engel statt des Tempelherrn für ihre Rettung aus dem Feuer verantwortlich macht, wird als Prolog auf der großen Showtreppe zwischen Erde und Wasser, Feuer und Luft sichtbar beglaubigt. Im elementaren Bühnenbild von Suse Tobisch, die auch für die sakrale Haute Couture der Kostüme verantwortlich zeichnet, liest das neue Ensemble fortan einen alten Text, als wäre er ein Stück von heute. Uwe Fischers Nathan ist kein statuarischer Weiser, sondern ein von Kleinmut und Zweifeln getriebener Mensch, der sich seine Güte mühsam erarbeiten muss – und eigentlich lieber sein Gärtchen bestellen würde. Doch seitdem der selbstbewusste, kraftstrotzende Tempelherr (Sebastian Müller-Stahl) seine traumverlorene Adoptivtochter Recha (Ines Schiller) aus den Flammen getragen hat, bleibt ihm weder Zeit für seinen skurrilen Derwisch-Freund (Thorsten Köhler) noch für die Glaubensnöte seiner Dienerin Daja (Eva-Marianne Berger), die unter der Last ihrer Kruzifixe zusammenzubrechen droht und vom vielen Beten schon Pflaster an den Knien hat. Zwischen dem bigotten Patriarchen (Gerald Fiedler) und dem leichtsinnig toleranten Kampfsportler Saladin (Stephan Korves) muss der Jude sein höchstes Gut verteidigen – und gleichzeitig die Begehrlichkeiten von Sittah (Antje Weber) abwehren. Wie gut, dass wenigstens der Klosterbruder (Henning Kober) als Deus ex machina hält, was sein mit Heiligenbildchen bestickter Kittel verspricht …
André Bücker glückt es auf überraschende Weise, den Humor des Lessing-Textes als Geschmacksverstärker für die Bitterkeit freizulegen, er schlägt in der überwältigenden Körperlichkeit seines Ensembles einen gleichermaßen natürlichen wie hohen Ton an – und läuft am Ende in einhellige Begeisterung, nachdem sich am Vorabend ein Sturm aus Buh- und Bravo-Rufen über seine neue Chefregisseurin ergossen hatte. Dabei war auch Andrea Moses mit ihrem „Lohengrin“ ein großer Wurf gelungen: Sie hatte nicht nur den schimmernden Helden als Demagogen entzaubert, der mit seinem Frageverbot einen esoterischen Faschismus etabliert. Sie hatte zugleich den Hochbunker aus dem Jahr 1938 in all seinen gigantischen Möglichkeiten ausgeschöpft – und mit dem Haus auch die Menschen bewegt.
Denn dies war die frappierendste Neuerung ihres Abends, der in Christian Wiehles Ausstattung Schnürboden und Versenkung, Hinter- und Seitenbühne beansprucht: Ihre individuelle und präzise Figurenführung löste endlich jene musiktheatralische Qualität ein, die in den letzten Jahren vor Ort meist zur bloßen Behauptung verkommen war. Der Chor, verstärkt um Mitglieder des Extrachores und des freien Coruso-Ensembles, zeigte sich unter der Leitung von Helmut Sonne sängerisch wie darstellerisch in der Form seines Lebens, die Anhaltische Philharmonie spielte unter Antony Hermus gar weit über ihren bisherigen Möglichkeiten. Wie hier die Szene aus dem Klang geschöpft und in den Ton zurückgeführt wurde – das hatte Charme und Kraft, das war eine Verführung zum Denken und ein Bekenntnis zum „Bayreuth des Nordens“.
Dass sich neben den verlässlichen Konstanten Ulf Paulsen (Telramund) und Iordanka Derilova (Ortrud) ein neues Sängerensemble behauptete, von dem man sich künftig viel erwarten darf, rundete den positiven Eindruck: Pavel Shmulevich ist ein viriler König Heinrich, neben dem auch sein Heerrufer Wiard Witholt glänzende Figur macht. Und während Bettine Kampp als zunächst narkotisiertes Opfer Elsa allmählich zur selbstbewussten Frau reift, die als Einzige dem militanten Sog der New-Age-Gemeinde entrinnt, muss Andrew Sritheran in seinem Rollendebüt als Lohengrin zwar Lehrgeld zahlen. Er rettet sich – von Antony Hermus treulich geführt – aber mit Bravour über den Abend und wird an dieser Rolle gewiss weiter wachsen. Dass das gesamte Ensemble am Ende zudem wie ein Mann applaudierend hinter seiner Regisseurin stand, die drei Tage nach ihrem Dessauer Einstand mit der Berufung an die Staatsoper Stuttgart bereits die nächste Karriere-Stufe nahm, war ein Beweis für den neuen Geist, der auf dieser großen Bühne weht – und der Andrea Moses auch darin bestärkt, ihren Dessauer Vertrag bis 2011 zu erfüllen.
Dass Armin Petras schließlich ein besonderes Geschenk zum Einstand mitbringen würde, hatte man angesichts seiner Affinität zum Werk von Einar Schleef vermuten dürfen. Und tatsächlich geriet die „Abschlussfeier“, die vom Clash der Kulturen in einer DDR-Jugendherberge erzählt, zu einem Schauspielerfest voll überdrehter, traurig grundierter Heiterkeit: Ursula Werner und Hilke Altefrohne, Julischka Eichel und Sabine Weibel gaben als Gorki-Gäste hier das Niveau vor, zu dem sich auch die Ensemblemitglieder Regula Steiner-Tomic und Christel Ortmann sowie der Jugendklub des Anhaltischen Theaters streckten. Aus der kleinen Spielstätte wuchs und öffnete sich dieser so kluge wie sentimentale Abend in die Stadt hinein. Und am Ende der großen Party in einem kleinen Land konnte man wissen, dass dort vielleicht nicht alles schlecht – aber ganz gewiss gar nichts gut war.
Dass bereits in der ersten „Lohengrin“-Pause das neue Gästebuch mit dem Eintrag „André Bücker absetzen“ eröffnet worden war, erzählte viel über die Aufnahmebereitschaft der Alten für das Neue. Das letzte Wort aber hatte der Hausherr selbst: Nachdem ein Kinderchor die drakonische Strafe für Menschlichkeit zunächst noch mit „Hallelujah“ bejubelt hatte, schwebte am Ende eine bunte Leuchtschrift über der Szene: Ein roter Halbmond bildete das „C“, ein Davidsstern das „X“ und ein Kreuz das „T“ in dieser Aufforderung, die sich insgesamt als „Coexist“ lesen ließ. Und Nathan, dieser Mensch von Hier und Heute, pflanzte endlich seinen Baum. Was für ein Bild, welch ein Versprechen!
02.11.2009, 20:35 | tags: Musiktheater, Anhaltische Philharmonie, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Ute van der Sanden, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 03.11.2009
Triumphzug des Belcanto
Neue und alte Sängerinnen und Sänger des Anhaltischen Theaters übertrumpfen sich in «Serata di Gala»
Beide Konzertmeister der Anhaltischen Philharmonie lächelten beim Betreten der Bühne ins Publikum. Man müsste den Satz glatt noch einmal hinschreiben, so außerordentlich erschien, was sich am Freitag im Theater zutrug. Dabei wurden die frohen Gesichter von Myra van Campen-Bálint und ihrem Stellvertreter Martin Schulze, so imposant sie zunächst wirken mochten, mehr und mehr zur Marginalie. Knapp 900 Menschen erlebten im beinahe ausverkauften Großen Saal die Premiere der "Serata di Gala". Sie genossen eine Vorstellung der romantisch-dramatischen Oper, die italienischer geriet, als man zu hoffen gewagt hatte, und die somit die meisten Erwartungen übertroffen haben dürfte.
Nicht, dass man das Dessauer Publikum mit einem Gefälligkeitsprogramm aus Bravourarien und Ohrwürmern geködert hätte. Neben Ausschnitten aus Verdis "Traviata" und "Don Carlo", aus Puccinis "Manon Lescaut" und "La Bohéme" erklangen Raritäten, etwa aus Leoncavallos "Zazà". Gewiss gilt die italienische Oper den Sängern als willkommene Herausforderung. Sie zeigen, was sie drauf haben, und das Publikum liebt sie dafür. Hier kam es noch besser, denn zunehmend war den Solisten ihr Auftreten mehr Vergnügen als Dienst.
Con fuoco ließ Generalmusikdirektor Antony Hermus schon Verdis "Sizilianische Vesper" von der Bühne zischen. Was nach der Ouvertüre geschah, sprach für sich. Ulf Paulsen sang mit wie durch ein Wunder erholter Stimme aus "Andrea Chenier", bekam Bravos und lief lachend in die Gasse. Cornelia Marschall brillierte in Mascagnis "Lodoletta" mit lupenreinen Sprüngen und gab eine herrlich vitale Musette in "La Bohéme", auch sie klang ausgeruht. Als Iordanka Derilova in tomatenroter Robe gen Rampe wehte, ging ein Raunen durch Publikum und Orchester. Sie sang mit Andrew Sritheran aus "Tosca", dass einem das Herz aufgehen wollte, und ihre "Turandot" war die reinste Raserei. Kostadin Arguirov gestaltete den Auftritt des besorgten Germont mit stimmlicher und szenischer Kraft. Ob sie alle sich und ihre Stimmen neu gefunden haben? Oder wieder?
Die kürzlich engagierten Solisten taten das Ihrige. Angelina Ruzzafante begeisterte mit strahlender oberer Lage und exzellenten Koloraturen. Das Finale des ersten "Traviata"-Akts krönte sie mit dem hohen Es aller wahrhaften Primadonnen. Bassist Pavel Shmulevich ist, wie seine "Don Carlo"-Arie "Ella gaimmai m'amo" zeigte, ein Filippo, wie er im Buche steht. Andrew Sritheran und Wiard Witholt, der neue lyrische Bariton mit ungewöhnlich weichem Timbre, begegneten sich im vierten Akt der "Bohème" auf erfrischende Weise "in un coupé". Schließlich das "Libiamo" aus der "Traviata" zum Mitklatschen und Mitsingen - da war's für alle ein großer Spaß. Antony Hermus atmete mit den Sängern und verführte seine Musiker mit liebenswertem Enthusiasmus zu rasantem, federndem oder kantablem Spiel. Nicht unerwähnt dürfen die Glanzvorstellungen des Solocellisten Matthias Wilde im "Manon"-Vorspiel und in der Arienbegleitung zu "Don Carlo" bleiben.
Kein Wunder also, dass sich das Publikum von Auftritt zu Auftritt in seine Begeisterung hineinjubelte und lostobte, kaum dass die Sänger ausgeatmet hatten. Die kurzweilige Gala mit einer Dauer von drei Stunden hatte zwar keine Längen, war nach der Pause allerdings auch nicht mehr steigerungsfähig.
Heribert Germeshausen, neu am Haus als leitender Musikdramaturg, kam ebenfalls auf den Punkt. Er sprach über Libretti, Orchestrierung und Personalstile - kurz und bündig, ernsthaft und kundig. Seine Moderation trug er auswendig vor, nur ein Bellini-Zitat las er ab: "Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen". In diesem Sinn ist das Ensemble des Anhaltischen Theaters vor sein Publikum getreten. Mit Superlativen soll man bekanntlich vorsichtig sein, hier sind sie angemessen: Ein Wettstreit der Sänger, ein Fest der Stimmen, ein Triumphzug des Belcanto, in und für Dessau - bravissimo!
Nächste Vorstellung am Sonnabend, 14. November, 17 Uhr.
02.11.2009, 20:06 | tags: Musiktheater, Anhaltische Philharmonie, Lohengrin, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Roberto Becker, Freies Wort, 15.10.2009
Macht haben immer die anderen
Oper | Andrea Moses gelingt mit ihrem „Lohengrin“ ein fulminanter Einstieg als Chefregisseurin in Dessau
Es ist fast schon unheimlich: Genau am Tag der Premiere von Andrea Moses‘ „Lohengrin“ in Dessau stirbt Reinhard Mohn, Gründer und spiritus rector der Bertelsmann-Stiftung. Aus solchen Denkfabriken beziehen politische Eliten heute einen Gutteil ihres geistigen Strategie-Dopings. Und das ist in Andrea Moses‘ ersten großen Wagner-Inszenierung ein Thema. Wenn man genau hinsieht, dann liefert der Wunderritter, der aus dem Nichts auftaucht, sich jede Nachfrage nach seiner Herkunft und Legitimierung verbittet, aber Liebe und Gefolgschaft einfordert,
tatsächlich die Steilvorlage für eine Analyse der Manipulationsmechanismen, die die Politik heute selbst dann braucht, wenn sie, wie Barack Obama, glaubwürdig an einer Wende zum
Besseren interessiert ist.
Wenn der Dessauer Lohengrin schließlich mit einem Gefolge adretter Helferinnen, die ein
geistiges Geschenkpaket für jeden dabei haben, genau zum richtigen Zeitpunkt aus der Versenkungauftaucht, und erst dem König und dann Elsa die Hand reicht, dann sieht das in einem Glitzer- und Luftballonregen nicht von ungefähr so aus wie auf einem amerikanischen Wahlkongress. Auch in diesem modernen Bühnenbrabant
sind die tatsächlichen Strippenzieher (König Heinrich und sein Vize, der Heerrufer) bestens
via Handy mit ihrer Zentrale vernetzt. Und auch hier werden sie durch die diskreten Herren mit Sonnenbrille, Mitschreib-Laptop und Pistolen im Gurt geschützt. Vor Wackelkandidatinnen wie die psychisch offenbar etwas labile Thronerbin Elsa oder vor immer noch vergleichsweise klar denkenden Quertreibern, wie
Ortrud und Telramund. Weil die beiden sich als einzige nicht von der verteilten, neuen Bibel mit dem Schwanenlogo drauf oder dem Spruch über der Bühne „Menschen gestalten – Zukunft bewegen“ einwickeln lassen, werden sie bei Andrea Moses zu fast schon positiven Helden. Wobei natürlich auch die beiden der Manipulation
Widerstand entgegensetzen, um selbst beim Kampf um die Köpfe im Spiel zu bleiben.
Spannende Geschichte
Am Ende behalten die Mächte, die aus dem Hintergrund und ohne Legitimation herrschen, und ihre militärischen Expansionspläne mit Zustimmung der Massen umsetzen wollen, die Oberhand. Wenn Lohengrin im Brautgemach als eine Art Superberater und Politschauspieler im Solde der Herrschenden auffliegt (Telramund hat eine Filmkopie von der Geldübergabe!), zieht der zwar ab, sorgt aber für einen Ersatzmann, der aus dem Schnürboden einschwebt.
Vor diesem noch etwas unfertigen, willfährigen Gottfried freilich ist Elsa dann so entsetzt,
dass sie zu guter letzt doch noch zu sich kommt und aus dem Stück und von der Bühne flieht.
Was Andrea Moses abgeliefert hat, ist einen spannend erzählte Geschichte, die mit der
klassischen eine zweite, in ihr verborgene miterzählt, ohne die erste zu ignorieren. Das hat in
Christian Wiehles Bühne, zwischen dem Auditorium, dem sakralen Hochzeitsgerüst und dem
Hochzeitsbungalow über den Wolken einen Raum für spannende, durchweg exzellent erspielte Figurenporträts. Mit Sängerdarstellern von Format. Wie der schon in Meiningen gut bekannten Bettina Kampp, die die Elsa tatsächlich als eine etwas seltsam traumatisierte Frau durch die Welt taumeln lässt. Am Ende aber ist sie die einzige, die sich der um sich greifenden Kriegshysterie entziehen kann.
Andrew Sritheran hat als Lohengrin am Ende genügend Kraft für die sonst fast nie zu hörende komplette Gralserzählung. Der erweiterte Chor wächst stimmlich und darstellerisch über sich hinaus, und auch der neue GMD der Anhaltischen Philharmonie, Antony Hermus, kann den Abend als Erfolg für sich verbuchen. Sicher ging da auch manches schief, und ein so aufgemischter Hochzeitsmarsch ist
Geschmacksache – doch insgesamt gab es in Dessau nicht nur auf der Bühne, sondern auch aus dem Graben spannenden, faszinierenden Wagner. Dass Andrea Moses am Ende neben Begeisterung auch Widerspruch erntete, gehört bei Wagner irgendwie dazu. Ihr „Lohengrin“ jedenfalls knüpft an ihr Strauss-Doppel in Meiningen und ihre Weimarer „Turandot“ an. In Dessau jedenfalls sind spannende Theaterzeiten
angebrochen.
www.anhaltisches-theater.de
02.11.2009, 19:45 | tags: Ballett, Anhaltische Philharmonie, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Joachim Lange, Thüringer Allgemeine, 30.10.2009
Auf der Blutspur
Eisenachs Ex-Ballettchef Tomasz Kajdanski gelingt mit „Lulu“ ein starker Einstand in Dessau
Thüringen hat viel verloren, als der Eisenacher Ballettchef Tomasz Kajdanski zu Spielzeitbeginn nach Sachsen-Anhalt wechselte. Dem Anhaltischen Theater Dessau gelingt mit neuem Spitzenpersonal ein furioser Auftakt. Tomasz Kajdanski steuert dazu eine atemberaubende Version der „Lulu“ bei.
Natürlich profitiert die vertanzte „Lulu“ vom Schauspiel Frank Wedekinds und wohl noch mehr von Alban Bergs Oper. Auch wenn dessen Musik nur mit dem Ostinato aus der Lulu-Suite erklingt.
Doch die erste Produktion des neuen Ballettchefs Tomasz Kajdanski steht ganz für sich selbst. Kapellmeister Daniel Carlberg − auch neu − hat dafür nicht nur eine zwingende musikalische Tonspur aus passgenauen
Stücken von Rihm, Korngold, Antheil, Schönberg, Schostakowitsch und Boulez zusammengestellt, sondern interpretiert sie auch mit zwingender Präzision live mit der Anhaltischen Philharmonie.
Der 80-minütige Abend beginnt mit einem metaphorischen Coup: Eine barbusige Lulu thront in einem meterhohen roten Kleid vor einer gerahmten Videoleinwand. Am Ende liegt sie von Jack the Ripper ermordet zwischen den unzähligen Papieren, die im vorletzten Bild „Im freien Fall“ aus dem Schnürboden gefallen waren. Bis dahin wurde die charismatische Laura Costa Chaud als Lulu zum Fixpunkt der Begehrlichkeiten, ob nun von Dr. Schön (Juan Paolo Lastras-Sanchez), der Geschwitz (Yun-Ju Chen) oder dem Zuhälter Schigolch (Joe Monaghan). Und zum Opfer. Mit kraftvoller Virtuosität entfesselt Kajdanski nicht nur die Obsessionen und hält ein erstaunliches Tempo. Weder in den Soli noch in den expressiven Ensembleauftritten verfallen die 13 Tänzer auch nur einen Moment in Verlegenheitsaktionismus.
Die Bühne hat Dorin Gal zuerst durch eine halbrunde transparente Wand voller Türen und Fenster begrenzt. Als sich Lulu von Dr. Schön nicht zum Selbstmord zwingen lässt, sondern ihn erschießt, fällt ein weißer Vorhang mit einer hintersinnigen Blutspur. Nicht nur in der intelligent assoziativen und kraftvollen Virtuosität des Tanzes, sondern auch in ihrer kargen und gleichzeitig opulenten Ästhetik ist diese „Lulu“ ein Wurf!
Tomasz Kajdanski musste in Dessau gegen die Erinnerung an den hier äußerst beliebten und mit seiner DeSade-Kreation im Kraftwerk Vockerode tatsächlich Maßstäbe setzenden Gregor Seyffert antreten. Er hat die Herausforderung auf seine Weise angenommen und haushoch gewonnen.
Nächste Vorstellung: 7. 11.
29.10.2009, 17:01 | tags: Anhaltische Philharmonie | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 28.10.2009
Kammermusikreihe des Anhaltischen Theaters startet am Reformationstag
Im Schloss Georgium beginnt die Kammermusikreihe des Anhaltischen Theaters am 31. Oktober (Reformationstag) um 15:30 Uhr mit einem Konzert des Anhaltischen Streichquartetts (Martin Schulze, 1. Violine; Christiane Thal, 2. Violine; Claudia Michaelsen, Viola; Matthias Wilde, Violoncello). Zu hören sind das in Theresienstadt entstandene 3. Quartett von Viktor Ullmann, 4 Stücke für Streichquartett op. 81 von Felix Mendelssohn Bartholdy und als krönender Abschluss Robert Schumanns Klavierquintett op. 44 mit Wolfgang Kluge als Pianisten.
Karten für das Kammerkonzert gibt es an der Theaterkasse im Rathaus-Center und unter den Telefonnummern: 0340 2511 – 333 oder 0340 2400 – 258,
per mail: kasse@anhaltisches-theater.de und auch an der Kasse im Schloss Georgium am Tag der Vorstellung.
29.10.2009, 16:59 | tags: Anhaltische Philharmonie | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 28.10.2009
„Das Glück macht den Helden“
Anhaltische Philharmonie Dessau lädt ein zum 2. Sinfoniekonzert
Nach dem überaus erfolgreichen Auftaktkonzert mit Werken von Brahms, Wagenaar und Dvorák bringt auch das 2. Sinfoniekonzert der Anhaltischen Philharmonie unter der Leitung ihres neuen Generalmusikdirektors Antony Hermus eine ausgewogene Mischung aus Bekanntem und Unbekanntem.
Das „Sinfonische Vorspiel“ von Heinz Röttger, bisher noch nie in Dessau erklungen, eröffnet aus Anlass des 100. Geburtstages (6. November) des früheren Dessauer Generalmusikdirektors das Programm. Trotz der hörbaren Vorbilder Strauss und Bruckner ist es ein Werk des Aufbruchs, in dem der damals 27-jährige Röttger sich als souveräner und einfallsreicher Komponist präsentiert.
Der 50. Todestag des tschechischen Komponisten Bohuslav Martinů ist der Anlass, sein Concertino Nr. 2 (1933) zu Gehör zu bringen, in dem ein Klaviertrio und ein Streichorchester in musikalischen Wettstreit miteinander treten. Solisten in diesem vitalen und virtuosen Stück sind die Musiker des Storioni-Trios aus Amsterdam, eines relativ jungen Ensembles, das sich jedoch mit seinem breiten Repertoire und seinen begeisternden Interpretationen bereits einen guten Namen in der Musikwelt erworben hat. Seinen Namen verdankt das Trio übrigens der von Wouter Vossen gespielten Violine – einem von Laurentius Storioni 1764 in Cremona gebauten Instrument. Das Cello spielt Vossens Bruder Marc, das Klavier Bart van de Roer.
Wie im 1. Sinfoniekonzert steht auch im 2. wieder ein Dauerbrenner des sinfonischen Repertoires auf dem Programm. Einst als „äußerst schwierig, ... grell und bizarr“, gar als „sittenverderbend“ bezeichnet, hat Beethovens 3. Sinfonie auch heute noch nichts von ihrer aufregenden Kühnheit eingebüßt – kein Wunder, galt diese „Sinfonia eroica“ doch ursprünglich einem der kühnsten Zeitgenossen Beethovens: Napoleon Bonaparte. An beiden Konzertabenden (5. und 6. November, Beginn jeweils 19.30 Uhr) geben GMD Antony Hermus und Musikdramaturg Ronald Müller ab 18.30 Uhr im Foyer eine Einführung. Das Konzert wird von Deutschlandradio Kultur aufgezeichnet.
Mit Werken von Röttger, Martinů, Beethoven
Dirigent: GMD Antony Hermus | Solisten: Storioni-Trio Amsterdam
Am 5. und 6. November 2009, 19:30 Uhr im Großen Haus
Karten für das 2. Sinfoniekonzert gibt es an der Theaterkasse im Rathaus-Center und unter den Telefonnummern: 0340 2511 – 333 oder 0340 2400 – 258 bzw. per mail: kasse@anhaltisches-theater.de.
29.10.2009, 16:55 | tags: Ballett, Anhaltische Philharmonie | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 29.10.2009
Premiere für die zweite LULU
Tanztheater Uraufführung von Tomasz Kajdanski nach Frank Wedekind
Nachdem die erste Premiere „Lulu“ vom Publikum stürmisch gefeiert wurde, lädt das Anhaltische Theater zu einer weiteren „Lulu“ Vorstellung, die gleichzeitig den Charakter einer Premiere trägt, am 7. November, um 19:30 Uhr im Großen Haus ein. Die Rolle der „Lulu“ wird diesmal von Yuliya Gerbyna getanzt. Mit „Lulu“ gaben der neue Ballettdirektor Tomasz Kajdanski und sein Ensemble ihr Debut in Dessau. Zu erleben ist ein Tanzthriller, live begleitet von der Anhaltischen Philharmonie unter Daniel Carlberg, die Musik von Alban Berg, Arnold Schönberg, Erich Wolfgang Korngold, Wolfgang Rihm, George Antheil, Pierre Boulez und Dmitri Schostakowitsch erklingen lässt.
Die Besonderheit dieser Inszenierung besteht in den zwei Besetzungen der Titelrolle der Lulu, bei denen es sich nicht um eine klassische Doppelbesetzung handelt. Kajdanski legt besonderen Wert darauf, dass beide Tänzerinnen in ihren jeweiligen Lulu-Vorstellungen den Zuschauern eine völlig andere tänzerische Darstellung der Titelrolle bieten werden, so dass man die Vorstellung unbedingt zweimal besuchen sollte. Jede der beiden Tänzerinnen verkörpert eine ganz andere Lulu. Beide bringen ihre eigenen expressiven Emotionen und Sichtweisen in die Darstellung ein und haben – auch wegen ihrer kulturellen Hintergründe, die sie aus ihren Heimatländern Brasilien und der Ukraine einbringen – eine unterschiedliche Körperlichkeit auf der Bühne. Kajdanski: „Man verliebt sich ja auch in verschiedene Frauentypen. Ich bin sicher, die Zuschauer werden mir recht geben, wenn sie beide Vorstellungen besucht haben und die zwei verschiedenen Tänzerinnen der Lulu gesehen haben.“
Joachim Lange schrieb in seiner Frühkritik für die online Seite kultiversum, die „Lulu“ sei ein Wurf, nicht nur in der intelligent assoziativen und kraftvollen Virtuosität des Tanzes, sondern auch in ihrer kargen und gleichzeitig opulenten Ästhetik.
28.10.2009, 11:10 | tags: Spielzeit, Ballett, Anhaltische Philharmonie, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Helmut Rohm, Zerbster Volkstimme, 27.10.2009
Gefeierte Ballettpremiere am Theater Dessau
„Lulu“ – gescheiterte „Urgestalt des Weibes“
Barbusig und im überdimensionierten roten Kleid, einem (fragwürdigen) Denkmal gleich, wird Lulu als „Urgestalt des Weibes“ präsentiert. Videosequenzen vermitteln mehr schemenhaft Einblicke in ihr bisheriges, von Sex und Prostitution geprägtes Leben.
Am Anhaltischen Theater Dessau hatte das Ballett „Lulu“ seine vom Premierenpublikum gefeierte Uraufführung. Die Choreografie schuf der neue Dessauer Ballettchef Tomasz Kajdanski nach Frank Wedekinds Lulu-Tragödie. In zwölf expressiven Bildern zeichnet
Kajdanski das dramatische Leben und den Untergang der wunderschönen und lebenshungrigen Lulu nach. Nur scheinbar lebt sie ihre eigenen Wünsche, Begehrlichkeiten und Fantasien aus. Vielmehr ist sie gefangen, wird ständig getrieben, ist Spielball männlicher
Dominanz, den Verstrickungen und Intrigen ausgesetzt, emotional korrumpiert. Kajdanski ist eine spannungsgeladene Balance zwischen konsequenter Symbolträchtigkeit und einer bis ins feinste Detail wirkenden Körpersprache der handelnden Personen in ihrer sehr differenzierten bewegenden Persönlichkeitsstruktur gelungen.
Die harmonische Verknüpfung von ausgeprägtem klassischen Ballett und modernen Ausdrucksformen kommt völlig ungezwungen daher, setzt auch spannende Kontraste.
Und die Dessauer Ensemblemitglieder beherrschen diese Symbiose ausgezeichnet. Laura
Costa Chaud, die gesamten pausenlosen gut 80 Minuten fast durchtanzend, gestaltet die Lulu als einen wahren Gefühlsvulkan, der alle Facetten ihres rasanten Lebens offenlegt, den Zuschauer mitfühlen lässt. Schigolch, ihr mutmaßlicher Vater, erhält von Joe Monaghan eine geheimnisumwitterte Machtausstrahlung. Hervorzuheben auch Juan Pablo Lastras-Sanchez als Dr. Schön und Yun-Ju Chen als lesbische Gräfin Geschwitz.
Bravourös interpretiert die Anhaltische Philharmonie unter Daniel Carlberg die ausgewählten Kompositionen unter anderen von Rihm, Antheil, Alban Berg, Korngold, Schönberg und Schostakowitsch. Ein Halbrund mit vielen Türen ist optisches Zentrum des unaufdringlich aussagekräftigen Bühnenbildes von Ausstatter Dorin Gal. Kajdanski bezeichnete es als Destillat aus Bordell, Peep Show Location und Zirkus. Für Lulu ist es, trotz Strebens nach Freiheit und Unabhängigkeit, ein lebenslanges Gefängnis. Und das Rot der (gekauften) Liebe ertrinkt im Blutrot des Todes.
27.10.2009, 13:31 | tags: Anhaltische Philharmonie, Diverses | Autor: Franziska Blech
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 27.10.2009
Dirigentengipfel eröffnet das «Impuls»-Festival
Sachsen-Anhalt entdeckt die Neue Musik. 20 Veranstaltungen sind geplant
So kann Neue Musik auch klingen: Zwei Gruppen junger Leute klatschen einen einfachen Rhythmus, tricky wird das Ganze, weil die einen leicht zeitversetzt die Hände schlagen. Das Klatschen geht auseinander, überlagert sich und am Ende finden die Töne wieder zusammen. "Das ist Minimalmusik der besten Sorte", findet Hans Rotman. Der Niederländer ist der Intendant des "Impuls"-Festivals, das am Montag in Dessau eröffnet wird. In dieser Woche stellten Rotman und sein Team, zu dem sich auch Sachsen-Anhalts Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz gesellte, das "Impuls"-Programm auf der Bauhausbühne vor.
"Impuls" ist das Festival des Landes für Neue Musik. Den ersten Jahrgang rief Rotman vor einem Jahr ins Leben, die 2009er Neuauflage hat nach wie vor den Anspruch, Zuhörer für die Neue Musik zu gewinnen. "Wir hätten heute kein musikalisches Erbe, wenn nicht zu allen Zeiten Leute die zeitgenössische Musik gefördert hätten", freut sich Olbertz auf den Auftakt im Anhaltischen Theater.
Um 19.30 Uhr ist am Montag auf der Großen Bühne der "G6 Dirigentengipfel" zu hören. Die musikalischen Leiter aller großen Orchester Sachsen-Anhalts werden binnen eines Konzertes an das Pult vor die Anhaltische Philharmonie treten. Sein Orchester auch mal den anderen zu überlassen, stellt für Antony Hermus, Dessaus Generalmusikdirektor, kein Problem dar. Nach ersten Proben sagte er: "Es ist interessant zu beobachten, wie unterschiedlich die Kollegen mit neuer Musik umgehen. Das bereichert mein Orchester nur."
Wenn der Landesmusikrat sich anlässlich von "Impuls" wünscht, dass vom Festival eben Impulse ausgehen und sich die Orchester auch darüber hinaus mit Neuer Musik beschäftigen, dann funktioniert dies in Dessau schon bestens. "Bei uns ist neue, moderne und zeitgenössische Musik permanent vertreten," so Hermus. Beim "Dirigentengipfel" am Montag wird er ein Stück von John Adams dirigierten, George Antheils "A Jazz Symphony" von 1955, dirigiert von Hans Rotman, ist das älteste Stück des Abends. Ein ganz neues Werk steuert mit der Uraufführung Annette Schlünz bei. Schlünz, in Dessau geboren und aufgewachsen, ist eine der erfolgreichsten Komponistinnen in Deutschland.
Gut 20 Veranstaltungen listet das "Impuls"-Programm bis zum 15. November in Sachsen-Anhalt insgesamt auf. Veranstaltungsorte sind neben Dessau auch Magdeburg und Halle sowie Wernigerode, Halberstadt und Quedlinburg. Neben Jugendkonzerten und Familienkonzerten sind vor allem die Orchestertreffen zu nennen, die es in den drei größten Städten des Landes gibt. Dabei trifft das Impuls Percussion Ensemble auf die jeweiligen Orchester vor Ort, zusammen werden vier Werke von Komponisten des Landes, die sich an das Thema "Odyssee" anlehnen, zur Aufführung gebracht. Das Orchestertreffen 3 wird es am 12. November im Roßlauer Elbe-Werk geben.
Alle Konzerte, so informierte Festival-Intendant Hans Rotman, werden übrigens moderiert. "Die Vermittlung für Neue Musik fängt ja schon bei den Musikern an. Sie müssen genauso Stück für Stück verführt werden wie das Publikum." Hilfreich sei es deshalb in jedem Falle, auch etwas über die Komponisten zu erfahren.
Alle Infos unter www.impulsfestival.de
Tickets gibt es an den Theaterkassen.
27.10.2009, 09:33 | tags: Spielzeit, Schauspiel/Musiktheater, Musiktheater, Anhaltische Philharmonie, Lohengrin | Autor: Franziska Blech
Reinhard Wengierek, Die Welt, 27.10.2009
Massen im Gleichschritt
Heute Dessau, übermorgen Stuttgart: Andrea Moses inszeniert einen fulminanten "Lohengrin"
Die sagenhaft 215. Spielzeit am Anhaltischen Theater zu Dessau wurde trompetenschrill und violinensüß eröffnet. Die komplett neue Führung unter Generalintendant André Bücker will den zuletzt ziemlich angestauten Muff hinwegfegen, den Ex-Intendant Johannes Felsenstein - Sohn des Opernavantgardisten Walter Felsenstein - in seiner Amtszeit von geradezu stalinistischem Ausmaß hinterließ.
Das Opern-Opening, flankiert von zwei Mal Schauspiel - eine Schleef-Uraufführung unter Armin Petras und Lessings "Nathan" unter Bücker -, dieser Start mit Wagners "Lohengrin" in Regie von Andrea Moses (Opern- und Schauspielchefin) und Antony Hermus (Generalmusikdirektor) war, um es gleich zu sagen, ein Paukenschlag von metropolitaner Kraft, der obendrein anspielt auf die Geschichte des einst von fürstlichen Gnaden gegründeten Instituts, das als ein "Bayreuth des Nordens" galt. Und das auch aus diesem Grunde (und um den "wehrwirtschaftlich" bedeutenden Standort zu umglänzen) von den Wagnerianern an der Nazi-Spitze 1938 einen deutlich überdimensionierten Neubau spendiert bekam.
"Lohengrin" handelt von der verbreiteten Sehnsucht nach einem machtvollen Führer ins Glück, einem verlässlichen Daseinsbeschützer - und obendrein selig machenden Liebhaber. Der Ritter Lohengrin - Andrew Sritheran als starker Mann im Business-Dress mit knallroter Krawatte - als Retter aus verfahrenen Situationen im Sozial-Politischen wie Privat-Erotischen, der jedoch, Wagners dramatischer Kniff, nur zu funktionieren imstande ist bei bedingungsloser Hingabe der sich ihm Anvertrauten: das Volk von Brabant in Kostüm und Anzug sowie die unglücklich einsame Elsa (Bettine Kampp).
Doch es klappt nicht, obgleich schicke Lohengrin-Hostessen unentwegt indoktrinäre Anleitungen zum rechten Glauben an den großen Meister verteilen. Weil: Die Glückseligkeit, die sich die formierte Mehrheitsgesellschaft durch blinde Gefolgschaft erkaufen will, wird von einer kritischen, dabei allerdings auch nicht froh werdenden Minderheit (Elsa; Ortrud: Iordanka Derilova; Telramund: Ulf Paulsen) unmöglich gemacht. Der gebückte Gang unterm Zwang gottgleich sich erhebender Führerfiguren führt nicht ins Heil - das erzählt Andrea Moses so schlüssig wie überraschend heutig. In psychedelisch-sakralen, düster schicken Versammlungsräumen von Christian Wiehle, nicht unähnlich den Hallen der Scientology-Church. Überm Bühnenportal prangt in knalligen Lettern die perfide Losung: "Menschen gestalten, Zukunft bewegen".
Es ist die Beschwörung einer böse dräuenden, quasi-religiös faschistoiden Dunkelwelt. Unheimlich gerade auch dadurch, dass sie in märchenhaftem Schönklang der Anhaltischen Philharmonie sowie nicht ohne menschelnde Komik erscheint. Ein präzis geführtes Spiel, das stringent aufs Tragödische zielt. Auf das wuchtige Warnbild vorm heillosen Gleichschritt-Marsch der Masse ins Manipulierte, Fremdbestimmte, der renitente Individuen überrennt und ausstößt.
Großes Gegenwartstheater mit Wagner als frappierend selbstverständlichem Zeitgenossen. Eine der plausibelsten "Lohengrin"-Produktionen hierzulande; Bayreuth aufgemerkt. Und obendrein die allerbeste Empfehlung für Regisseurin Moses, die in zwei Jahren gemeinsam mit Intendant Jossi Wieler Stuttgarts Staatsoper als Hausregisseurin beglücken wird.
Termine: 22. November, 27. Dezember; Karten: (0340) 25 11 333
26.10.2009, 07:28 | tags: Spielzeit, Ballett, Anhaltische Philharmonie, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 26.10.2009
Tanztheater
Der dunkle Spiegel der Lust
Tomas Kajdanski gelingt mit «Lulu» nach Wedekind ein beeindruckender Einstand in Dessau
Ihre Seele ist längst tot, ihr Körper aber will einfach nicht sterben: Obwohl Lulu diesen einzigen, von ungezählten Berührungen längst abgenutzten Besitz am Ende sogar Jack the Ripper vor die Füße geworfen hat, findet sie auch unter seinen mörderischen Händen keine Erlösung. Die öffentliche Frau, die auf dem schmalen Grat zwischen Lust und Schmerz tausend kleine Tode gestorben ist, bäumt sich immer wieder auf, bis Muskeln und Nerven endlich Ruhe geben. Und die Welt wird schwarz - so, wie sie war, bevor Lulu kam.
Tomasz Kajdanskis Entscheidung, seine Dessauer Ballett-Direktion mit einer Adaption von Frank Wedekinds "Lulu"-Dramen zu eröffnen, schien im Vorfeld so originell wie gewagt. Denn einerseits ist die Geschichte der jungen Frau, die jedermann als Objekt seiner persönlichen Begierde erscheint, ein ideales Sujet für die erotischste unter den darstellenden Künsten.
Schwarz-Weiß im Rotlicht
Andererseits muss man sich vor Ort am "Marquis de Sade" messen lassen, der in den vergangenen Sommern eine schwarze Messe der Lust gefeiert hat. Kajdanski aber richtet seine Arbeit an anderen Skalen aus: Seine "Lulu" ist kein multimediales Spektakel, sondern ein furioser Tanzabend - und eine Hommage an die Klassische Moderne, der in der Stadt des Bauhauses und des Weill-Festes wie eine ästhetische Punktlandung wirkt.
Dafür sorgt zunächst das musikalische Tableau: Mit Werken von Arnold Schönberg, Alban Berg, Erich Wolfgang Korngold und George Antheil, aber auch von Dmitri Schostakowitsch, Pierre Boulez und Wolfgang Rihm gibt der neue Kapellmeister Daniel Carlberg einen beeindruckenden Einstand. Die Anhaltische Philharmonie, die in ihrer Geschichte eher auf die erste als auf die zweite Wiener Schule verweist, musiziert mit messerscharfem Intellekt und kontrollierter, nicht nachlassender Energie. So wird dem Tanz ein fester und federnder Boden bereitet, wie ihn keine Ton-Konserve zu bieten hat.
Das erste Bild ist Programm: Wie eine überlebensgroße Bienenkönigin steht Lulu mit entblößtem Oberkörper in dem halbrunden Peep-Show-Theater, dem Ausstatter Dorin Gal mit gläsernen Türen jede Intimität verweigert. Unter dem roten Rock verschwinden und erscheinen all die Männer und Frauen, denen Lulu auf ihrem Weg in die Katastrophe begegnen wird - ein Akt des Gebärens und des Verschlingens, eine metaphorische Überhöhung der schwarz-weißen Videos aus dem Rotlicht-Milieu. Dass es Kajdanski fortan gelingt, selbst in der Nacktheit jede Peinlichkeit zu meiden und den Tanz als künstlerisches Äquivalent zur Sexualität zu behaupten, ist die bezwingendste Qualität des Abends. Denn hier wie dort gibt es ein breites Spektrum von Spielarten, das sich in den einzelnen Charakteren der ausnahmslos doppelt besetzten Solo-Rollen spiegelt. Da ist zunächst der Zuhälter Schigolch (Joe Managhan), der das Mädchen mit animalischer Kraft und dämonischer Dominanz zu Markte trägt. Da ist Lulus Geliebter Schön (Juan Pablo Lastras-Sanchez), der sein Selbstbewusstsein aus Erfahrung und Eleganz schöpft.
Auf Knien und Zehenspitzen
Da sind der platonische Schwärmer Schwarz (Gorden Wannhoff) und der liebeshungrige Alwa (Ion Beitia), der zupackende Kraft-Kerl Rodrigo (Rai Kirchner) und der nur noch als Schatten erinnerte Goll (Kengo Yamazaki). Und da ist die lesbische Gräfin Geschwitz (Yun-Ju Chen), die sich zunächst vor ihren eigenen Wünschen fürchtet und Lulu dennoch nach ganz unten folgt. Laura Costa Chaud aber spiegelt ihre Titelheldin in all diesen Figuren: Sie kann naiv und lasziv sein, sie bewegt sich auf Knien so selbstverständlich wie auf Zehenspitzen, sie ist rasend verführerisch und wahnsinnig erschöpft. Um dieses lodernde, in jedem Windzug flackernde Licht gruppiert Kajdanski seine schnell wechselnden Gestalten, die er aus dem klassischen Gleichmaß in individuellen Gestus, in ein atemraubendes Tempo und in beeindruckende Bilder bis hin zur Travestie treibt. In Dessau, das darf man nach der umjubelten Premiere vermelden, wird wieder getanzt. Und wie!
Nächste Vorstellungen: 7., 13. und 28. November, jeweils 19.30 Uhr
24.10.2009, 11:13 | tags: Spielzeit, Anhaltische Philharmonie, Diverses | Autor: Franziska Blech
Ilka Hillger, Mittedeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 24.10.2009
Dirigentengipfel eröffnet das «Impuls»-Festival
Sachsen-Anhalt entdeckt die Neue Musik. 20 Veranstaltungen sind geplant
So kann Neue Musik auch klingen: Zwei Gruppen junger Leute klatschen einen einfachen Rhythmus, tricky wird das Ganze, weil die einen leicht zeitversetzt die Hände schlagen. Das Klatschen geht auseinander, überlagert sich und am Ende finden die Töne wieder zusammen. "Das ist Minimalmusik der besten Sorte", findet Hans Rotman. Der Niederländer ist der Intendant des "Impuls"-Festivals, das am Montag in Dessau eröffnet wird. In dieser Woche stellten Rotman und sein Team, zu dem sich auch Sachsen-Anhalts Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz gesellte, das "Impuls"-Programm auf der Bauhausbühne vor.
"Impuls" ist das Festival des Landes für Neue Musik. Den ersten Jahrgang rief Rotman vor einem Jahr ins Leben, die 2009er Neuauflage hat nach wie vor den Anspruch, Zuhörer für die Neue Musik zu gewinnen. "Wir hätten heute kein musikalisches Erbe, wenn nicht zu allen Zeiten Leute die zeitgenössische Musik gefördert hätten", freut sich Olbertz auf den Auftakt im Anhaltischen Theater.
Um 19.30 Uhr ist am Montag auf der Großen Bühne der "G6 Dirigentengipfel" zu hören. Die musikalischen Leiter aller großen Orchester Sachsen-Anhalts werden binnen eines Konzertes an das Pult vor die Anhaltische Philharmonie treten. Sein Orchester auch mal den anderen zu überlassen, stellt für Antony Hermus, Dessaus Generalmusikdirektor, kein Problem dar. Nach ersten Proben sagte er: "Es ist interessant zu beobachten, wie unterschiedlich die Kollegen mit neuer Musik umgehen. Das bereichert mein Orchester nur."
Wenn der Landesmusikrat sich anlässlich von "Impuls" wünscht, dass vom Festival eben Impulse ausgehen und sich die Orchester auch darüber hinaus mit Neuer Musik beschäftigen, dann funktioniert dies in Dessau schon bestens. "Bei uns ist neue, moderne und zeitgenössische Musik permanent vertreten," so Hermus. Beim "Dirigentengipfel" am Montag wird er ein Stück von John Adams dirigierten, George Antheils "A Jazz Symphony" von 1955, dirigiert von Hans Rotman, ist das älteste Stück des Abends. Ein ganz neues Werk steuert mit der Uraufführung Annette Schlünz bei. Schlünz, in Dessau geboren und aufgewachsen, ist eine der erfolgreichsten Komponistinnen in Deutschland.
Gut 20 Veranstaltungen listet das "Impuls"-Programm bis zum 15. November in Sachsen-Anhalt insgesamt auf. Veranstaltungsorte sind neben Dessau auch Magdeburg und Halle sowie Wernigerode, Halberstadt und Quedlinburg. Neben Jugendkonzerten und Familienkonzerten sind vor allem die Orchestertreffen zu nennen, die es in den drei größten Städten des Landes gibt. Dabei trifft das Impuls Percussion Ensemble auf die jeweiligen Orchester vor Ort, zusammen werden vier Werke von Komponisten des Landes, die sich an das Thema "Odyssee" anlehnen, zur Aufführung gebracht. Das Orchestertreffen 3 wird es am 12. November im Roßlauer Elbe-Werk geben.
Alle Konzerte, so informierte Festival-Intendant Hans Rotman, werden übrigens moderiert. "Die Vermittlung für Neue Musik fängt ja schon bei den Musikern an. Sie müssen genauso Stück für Stück verführt werden wie das Publikum." Hilfreich sei es deshalb in jedem Falle, auch etwas über die Komponisten zu erfahren.
Alle Infos unter:
www.impulsfestival.de
Tickets gibt es an den Theaterkassen.
22.10.2009, 20:23 | tags: Spielzeit, Ballett, Anhaltische Philharmonie | Autor: Franziska Blech
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 22.10.2009
Ballett
Mit der Sprache des Tanzes Geschichten erzählen
Am Freitagabend hat im Theater der Tanzabend «Lulu» Premiere
"Wir haben keine Worte, wir singen nicht, wir können nur tanzen." Das aber können sie meisterhaft. Es ist eine Probe, auf der Dessaus Ballettchef Tomasz Kajdanski das sagt. Eineinhalb Wochen vor der Premiere für sein erstes Ballett in Dessau - "Lulu" nach dem Roman von Frank Wedekind - hat Kajdanski das Publikum eingeladen, sich einen so genannten Durchlauf auf der großen Bühne anzuschauen. Zu diesem Zeitpunkt ist die Choreographie längst abgeschlossen, jetzt lässt der Pole seine Tänzerinnen und Tänzer durchtanzen. Kraft und Kondition wird das geben für den Tanzabend. Fast 100 Zuschauer genießen auf der öffentlichen Probe einen ersten Blick auf die Produktion und die so ungewöhnliche Atmosphäre im Zuschauerraum.
Reihe 5 im Parkett ist reserviert. Dort ist das Regiepult aufgebaut, dahinter wird später Tomasz Kajdanski sitzen, aber auch immer mal wieder aufspringen, um auf die Bühne zu sprinten. Dort begrüßt er auch zu Beginn die Besucher. "Wir brauchen die Nähe des Publikums", sagt er und ist gespannt auf erste Reaktionen auf seine Arbeit. Er entschuldigt das, was beim Proben Alltag ist. Es gib keine Kostüme, die Kulissen sind noch in den Werkstätten, was jetzt auf der Bühne steht, deutet das Bühnenbild nur an, es herrscht ein kühles Arbeitslicht und die Musik kommt als rauschende Konserve vom Band.
Getanzt aber wird an diesem Abend ohne jegliche Einschränkung. Laura Costa Chauds Lulu steht minutenlang still auf der Bühne, umschwärmt vom Personal des Stückes. Und dann tanzt auch sie, und Kajdanski erzählt die Geschichte einer extremen Frau in einer männerdominierten Welt. "Im Ballett müssen die Bewegungen die Emotionen tragen, nur damit können wir den inneren Zustand beschreiben", gibt Tomasz Kajdanksi den Zuschauern mit auf den Weg, dann schaut auch er zu.
Unterbrechungen gibt es an diesem Abend kaum, und wenn, dann greift der Choreograph ganz nebenbei auf der Bühne ein, während das Ensemble weitertanzt. Als das große runde Sofa nicht so leicht über die Bühne rollt, wie es rollen soll, rennt Kajdanski hinauf, mal steht ein Stuhl nicht dort wo er stehen soll und er bringt ihn schnell aus den Kulissen herbei. "Wir haben auch beim Umbau noch nicht alles unter Kontrolle. Aber sagen sie es nicht weiter." Das Publikum lacht und ist ganz zuversichtlich. Über zehn Tage sind schließlich noch Zeit bis zur Premiere, als es diese Probe erlebt.
Inzwischen freilich steht "Lulu" direkt vor der Tür. Am Freitag erlebt man die Ballettinszenierung erstmals im Großen Haus, am Donnerstag gab es die Generalprobe, nun auch längst mit Bühnenbild, Kostümen, dem perfekten Licht und natürlich dem Orchester unter der Leitung von Daniel Carlberg. Der aber saß auch schon bei den anderen Proben mit Kajdanski hinter dem Regiepult, machte sich eifrig Notizen in die Partitur.
Alban Berg, Arnold Schönberg, Erich Wolfgang Korngold, Wolfgang Rihm, George Antheil, Pierre Boulez und Dmitri Schostakowitsch - das sind die Komponisten, von denen Musik am Premierenabend erklingen wird. Es sind keine gefälligen Kompositionen, die man da hört, eine Grundnervosität liegt ihnen allen inne, die perfekt mit dem Geschehen auf der Bühne verschmilzt.
Zwei Lulus hat Tomasz Kajdanski für seine Dessauer Antrittsinszenierung auserkoren, neben Laura Costa Chaud hat auch Yuliya Gerbyna die Rolle einstudiert. Zwei sehr verschiedene Frauentypen verkörpern eine Lulu, die je nach Besetzung ganz andere Ausdrucksformen haben soll. "Man verliebt sich ja auch in verschiedene Frauentypen. Ich bin sicher, die Zuschauer werden mir Recht geben, wenn sie beide Vorstellungen besucht haben und die zwei verschiedenen Tänzerinnen der Lulu gesehen haben", meint Choreograph Kajdanski, der erst ganz kurzfristig entscheiden will, wer nun am Freitagabend tanzen wird.
Wer indes noch gar nicht weiß, ob er die eine oder andere Lulu tanzen sehen will, dem kann die Entscheidungsfindung leichter gemacht werden. Auch jene, die keine Probe sahen, können sich einen kleinen Eindruck von der Inszenierung machen. Auf der Internetseite des Anhaltischen Theaters gibt es einen Videoclip mit Tanzszenen.
Karten für die Premiere und die zweite Vorstellung an diesem Sonntag um 17 Uhr gibt es an der Theaterkasse und an der Abendkasse. Nach der freitäglichen Premiere wird zur öffentlichen Premierenfeier eingeladen, am Sonntag ist nach der Vorstellung um 18.30 Uhr im Theaterrestaurant ein "Nachgefragt" vorgesehen .
15.10.2009, 16:43 | tags: Spielzeit, Ballett, Anhaltische Philharmonie | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 15.10.2009
Premiere Ballett
„Lulu“
Tanztheater Uraufführung von Tomasz Kajdanski nach Frank Wedekind
Lulu – mit diesem höchst sinnlichen Sujet geben der neue Ballettdirektor Tomasz Kajdanski und sein Ensemble ihr Début in Dessau. Erleben Sie einem Tanzthriller, live begleitet von der Anhaltischen Philharmonie unter Daniel Carlberg.
Mit Musik von Alban Berg, Arnold Schönberg, Erich Wolfgang Korngold, Wolfgang Rihm, George Antheil, Pierre Boulez und Dmitri Schostakowitsch
Choreografie: Tomasz Kajdanski | Musikalische Leitung: Daniel Carlberg |
Bühne und Kostüme: Dorin Gal | Video: Jan Müller
„Mir geht es bei Lulu nicht darum, Wedekind eins zu eins umzusetzen. Sie ist, wie das Libretto zu Alban Bergs gleichnamiger Oper, vielmehr die Grundlage für meine Auseinandersetzung mit diesem Sujet, mit extremen Frauenbildern. Was müssen junge Leute heute beispielsweise nicht alles tun, um für ihren Betrieb oder sogar für ihr Studium Geld zu erhalten. Wie Geld korrumpiert, wie Liebe tragisch endet, das alles kann man hier zeigen. Am Ende trifft Lulu auf ihren Engel und wird erlöst. Ist das nicht ein Wunsch, wenn man ein soziales Thema zu Ende bringen möchte?“
Eine Besonderheit sind die zwei Besetzungen der Titelrolle Lulu, bei denen es sich nicht um eine klassische Doppelbesetzung handelt. Ballettdirektor Tomasz Kajdanski legt besonderen Wert darauf, dass beide Tänzerinnen in ihren jeweiligen Lulu-Vorstellungen den Zuschauern eine völlig andere tänzerische Darstellung der Titelrolle bieten werden, so dass man die Vorstellung unbedingt zweimal besuchen sollte.
Kajdanski sagt weiter dazu: „Wenn ich zwei so erstklassige Tänzerinnen wie Laura Costa Chaud und Yuliya Gerbyna im Ensemble habe, muss ich das auch in der Besetzung nutzen. Wir werden zwei verschiedene Premieren haben, da jede der beiden eine andere Lulu verkörpert. Beide bringen ihre eigenen expressiven Emotionen und Sichtweisen in die Darstellung ein und haben – auch wegen ihrer kulturellen Hintergründe, die sie aus ihren Heimatländern Brasilien und der Ukraine einbringen – eine unterschiedliche Körperlichkeit auf der Bühne. Man verliebt sich ja auch in verschiedene Frauentypen. Ich bin sicher, die Zuschauer werden mir recht geben, wenn sie beide Vorstellungen besucht haben und die zwei verschiedenen Tänzerinnen der Lulu gesehen haben.“
Bei der Premiere am Freitag, den 23. Oktober um 19:30 Uhr im Großen Haus sind die Hauptrollen folgendermaßen besetzt:
Laura Costa Chaud / Yulia Gerbyna (Lulu), Yun-Ju Chen (Geschwitz), Juan Pablo Lastras-Sanchez (Dr. Schön), Joe Monaghan (Schigolch), Ion Beitia (Alwa).
Für die Premiere und die nächsten Vorstellungen gibt es noch Restkarten.
Nächste Vorstellungen: 25.10.09, 17 Uhr | 7.11.09, 19:30 Uhr | 13.11.09, 19:30 Uhr
12.10.2009, 20:22 | tags: Spielzeit, Anhaltische Philharmonie | Autor: Franziska Blech
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Rosslau,12.10.2009
Das Konzertzimmer weitet sich zur Kathedrale
Antony Hermus dirigiert sein 1. Sinfoniekonzert bei der Anhaltischen Philarmonie
Es gibt Ausnahmesituationen, in denen die grundsätzlich richtige Formel "Bilde, Künstler, rede nicht!" außer Kraft tritt. Das erste Sinfoniekonzert eines Generalmusikdirektors beispielsweise rechtfertigt programmatische Ansagen, wenn sie denn so verbindlich sind wie im Falle von Antony Hermus: Dass "Musik eben kein Luxus, sondern ein Grundbedarf" sei, verkündete er vergangene Woche an zwei bestens besuchten Abenden im Anhaltischen Theater - und bezog sich damit demonstrativ auf Simon Rattle, dessen Arbeit mit den Berliner Philharmonikern bekanntlich beispielgebend für die Popularisierung des klassischen Erbes ist.
Wer dem Grußwort im Namen der Anhaltischen Philharmonie übrigens genau zuhörte, konnte einen weiteren Beweis für das neue Traditionsbewusstsein am Dessauer Theater entdecken: Während Generalintendant André Bücker stolz die Kontinuität in der 215. Spielzeit betont, verweist das Orchester bereits auf seine 243. Saison - und wurzelt damit am tiefsten in der lokalen Kulturgeschichte.
Ein großer Motivator
Doch dass dieser chronologische Tiefgang keinen Wert an sich darstellt - wer wüsste es besser als jene Künstler, die historische Überlieferung immer wieder vergegenwärtigen und aus dem Augenblick erschaffen müssen? In der zweiten Sinfonie von Johannes Brahms zeigte Antony Hermus, dass er sich mit seinen Philharmonikern bereits perfekt auf diese Aufgabe eingestimmt hat: Die lichten, luftigen Momente füllte das Orchester mit ätherischer Transparenz, um sich bruchlos in massive Wucht zu steigern. Zwischen den einzelnen Stimmen und Gruppen herrschte organisches Einverständnis, alles war ganz bei und für sich - und der Motor des Ganzen bewährte sich als großer Motivator. Wie Hermus im Freitagskonzert den Beginn des dritten Satzes mit links aus dem Handgelenk schüttelte, um hernach mit der Stabhand die Feinschraffur der Streicher zu unterstützen, wie er diesen Klangkörper in beherrschter Entfesselung zur finalen Attacke führte - das war, mit Verlaub, dann doch Luxus. Aber eben einer, der hier schon bald zum Grundbedarf für viele Besucher werden könnte.
Denn dass Antony Hermus ein großer Menschenverführer ist, zeigte ja nicht nur die Haltung der Musiker. Da saß niemand zurückgelehnt oder missmutig an seinem Pult, trotz energischer Konzentration sah man in lächelnde Gesichter - und nur gelegentlich wischte eine Hand über eine schweißnasse Stirn. Doch nachdem man sich im impressionistisch durchsonnten "Levenszomer" von Hermus' niederländischem Landsmann Johan Wagenaar kurz erholt hatte, demonstrierte der Dirigent endgültig sein demokratisches Selbstverständnis als Erster unter Gleichen.
Mit dem Opern- und Extrachor des Theaters, mit dem Luther- und dem Friedrich-Schneider-Chor, mit den Fürstsingers sowie den Jugendchören des Liborius- und des Gropius-Gymnasiums kamen rund 250 Sängerinnen und Sänger auf die Bühne, um Antonin Dvoraks "Te Deum" aufzuführen - eine säkulare Gemeinde in absichtlicher Durchmischung der Stimmen, die das Konzertzimmer zur Kathedrale weitete und wie ein Spiegel für Parkett und Rang wirkte.
Applaus von der Bühne
Gewiss ist dieses Werk, das 1892 einen alten Glauben in die Neue Welt transportieren sollte, nicht die tiefschürfendste Umsetzung des ambrosianischen Lobgesangs. Aber als Ermutigung zur Teilhabe, als Einladung an alle Musikbegeisterten wirkt es in seiner fast verspielten Farbigkeit doch beispielhaft - zumal, wenn mit Angelina Ruzzafantes klarem, extrem durchsetzungsfähigem Sopran und Wiard Witholts (am Donnerstag durch Ulf Paulsen ersetzten) schönem, weichen Bariton zwei kongeniale Solostimmen in den gigantischen Chor einfallen. Dass es nach dem "Alleluja" ebenso viel Applaus aus dem Zuschauerraum wie aus den Reihen der Sänger gab, dass man nach der in Höhen wie Tiefen ausgeloteten "Aeterna" am Ende das "Laudemus" als Zugabe wiederholen musste - was für ein Beginn!
Wenn es gelingt, die Euphorie dieses Auftakts in den Alltag zu verlängern, dann steht der Anhaltischen Philharmonie im 243. Jahr eine glänzende Zukunft bevor.
07.10.2009, 09:29 | tags: Spielzeit, Schauspiel/Musiktheater, Musiktheater, Anhaltische Philharmonie | Autor: Franziska Blech
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau, 06.10.2009
Weg zum perfekten Klang
Im Dessauer Liborius-Gymnasium treffen sich die Chöre der Stadt zur gemeinsamen Probe
Am Samstag im "Lohengrin" beflügelte er das Orchester, trieb es auf Schwanes Schwingen zu ungeahnten Höhen, bereitete den Chören und Solisten ein Notenhimmelbett. Antony Hermus, Dessaus neuer Generalmusikdirektor, ist gerade heftig dabei, die Stadt musikalisch zu verzaubern. Was mit der ersten Opernpremiere am Wochenende im Anhaltischen Theater beim Publikum funktionierte, das hat der Dirigent bei rund 260 Dessauern schon längst geschafft. Wie das gelang, hört man nicht nur, das sieht man auch: am vergangenen Donnerstag in der Aula des Liborius-Gymnasiums.
Es ist kurz vor halb acht am Abend, da strömen vom Teenie bis zu Männern und Frauen in den frühen Achtzigern die Sängerinnen und Sänger in die Schule. Es ist die zweite gemeinsame Probe von Dessauer Chören, die beim ersten Sinfoniekonzert dieser Saison am Donnerstag und Freitag vor die Zuhörer im Theater treten. In den Taschen hat jeder die Noten, Dvorák steht drauf. Das "Te Deum" aus seiner Feder soll den zweiten Teil des Abends bilden. Bislang haben die Chöre jeder für sich geprobt, einmal nur traf man sich bisher gemeinsam auf der Probebühne im Theater, nun gilt es, erneut zueinander zu finden.
"Meine Damen und Herren vom großen gemeinsamen Dessauer Chor", derart begrüßt Antony Hermus die große Runde und lässt gar nicht viel Zeit vergehen, sondern kommt gleich zum Wesentlichen: Es wird gesungen. Aus rund 250 Kehlen. Wäre der Neubau des Gymnasiums nicht so solide, man könnte sagen, dass die Wände wackeln. Doch ach, es geht noch viel, viel besser. Darauf arbeitet Hermus hin und lässt die Mühen bis zum perfekten Klang folgen. Er feilt an den Tenorstimmen und bringt sie in neue Höhen, bemüht sein Handy, um zu demonstrieren, wie sich ein Ton halten lässt, klettert vom Stuhl aufs Podest auf den Boden, und der große Chor tut es ihm stimmlich nach bis zum zartesten Flüsterton. Er droht droht lachend damit, gelbe Karten zu verteilen, wenn zur falschen Zeit geatmet wird, denn "das hört man". Kritik übt er, wenn Einsätze nicht kommen, Konsonanten nicht artikuliert sind. Doch wie er dies tut, das ist so charmant, so anspornend, dass die Singenden und neugierigen Zuhörer gleichermaßen Dauerlächeln und mit großer Lust diesem Mann und seiner Idee von Musik folgen. "Sie singen alles richtig, ich kann gar nichts sagen, aber es fehlt das Feuer", sagt Hermus, gleich darauf bekommt er es und strahlt gemeinsam mit den Sängerinnen und Sängern, als dann die Flamme lodert.
Chorübergreifend machen sich die Mitwirkenden miteinander bekannt, kommen ins Gespräch und verschmelzen zu einer Einheit, über die sich beim Gesang immer wieder die Stimmen der beiden Solisten Angelina Ruzzafante und Wiard Witholt erheben. Bei den Proben in dieser Woche kommt nun noch das Orchester hinzu. Doch Bange ist niemanden vor dem Zusammentreffen zweier so großer Klangapparate.
Nahezu ausverkauft sind inzwischen beide Konzerte, und ob des "Te Deum" vergisst man leicht, dass es noch mehr zu hören gibt: Johannes Brahms' 2. Sinfonie mit ihren pastoralen Klängen und dem jubelnden Finale eröffnet den Konzertabend, ihr folgt die Orchesterfantasie "Levenszomer" (Lebenssommer) des holländischen Organisten und Komponisten Johan Wagenaar (1862-1941). Dann aber, nach der Pause, wird es eng auf der Dessauer Bühne.
07.10.2009, 07:27 | tags: Spielzeit, Schauspiel, Anhaltische Philharmonie
Pressemitteilung vom 06.10.2009
„Gesänge aus 1001 deutschen Nacht“ im Alten Theater
Das Anhaltische Theater Dessau lädt zur Premiere II der „Gesänge aus 1001 deutschen Nacht“ am 8. Oktober, um 19:30 Uhr ins Alte Theater ein. Hier heißt es: Willkommen in der Anstalt! Der Bus ist angekommen und die illustren Fahrgäste erwarten jetzt ihr Publikum im Foyer des Alten Theaters, um einen Tag aus ihrem Leben im „Tollhaus Deutschland“ zu besingen.
Das Ensemble „Gesänge aus Tausend und Einer deutschen Nacht“ startete seine musikalische Odyssee unter Dessaus „freien Himmeln“. In einem alten B 1000 Bus wurden seit dem 2. Oktober in Dessau und Umgebung bekannte, wie außergewöhnliche Orte angesteuert und gesungen, was die deutsche Seele hergibt.
Jetzt präsentiert eine Inszenierung aus dem Tollhaus fünf sangeswütige Spieler, eine kleine Combo und ein atemberaubendes Stück Deutschland.
Regie: Krzystof Minkowski | Musikalische Leitung: Benjamin Schultz | Ausstattung: Konrad Schaller
Karten gibt es an der Theaterkasse und unter den Telefonnummern: 0340 2511 – 333 oder 0340 2400 – 258.
07.10.2009, 07:09 | tags: Spielzeit, Anhaltische Philharmonie | Autor: Franziska Blech
Anhaltisches Theater Dessau lädt ein zum 1. Sinfoniekonzert „Die Himmel rühmen...“
Wenige Tage nach seiner ersten Opern-Premiere gibt Dessaus neuer Generalmusikdirektor Antony Hermus seinen sinfonischen Einstand. Am 8. und 9. Oktober, jeweils 19.30 Uhr, dirigiert er das 1. Sinfoniekonzert der Anhaltischen Philharmonie. Drei Werke stehen auf dem Programm, das „Die Himmel rühmen“ überschrieben ist. Den Anfang macht die sonnendurchflutete 2. Sinfonie von Johannes Brahms. Nach ihrem jubelnden Finale werden die Konzertbesucher in die Pause entlassen und lernen danach das Werk eines Landsmannes von Antony Hermus kennen. Der holländische Organist und Komponist Johan Wagenaar war ein Zeitgenosse von Richard Strauss, was man seiner Musik auch anhört. Das ausgewählte Stück heißt „Levenszomer“ („Lebenssommer“) und entstand 1903. Am Schluss des Programms steht Antonín Dvoráks festlich-freudige Vertonung des lateinischen Lobgesangs „Te Deum“, komponiert 1892 für die 400-Jahrfeier der Entdeckung Amerikas. Für diese Aufführung konnten neben dem Opern- und dem Extrachor des Anhaltischen Theaters noch fünf weitere Chöre aus der Stadt Dessau-Roßlau gewonnen werden: der Lutherchor, der Friedrich-Schneider-Chor und die Chöre der drei Gymnasien. Zwei neuengagierte Ensemblemitglieder des Anhaltischen Theaters wirken als Solisten mit: Angelina Ruzzafante (Sopran) und Wiard Witholt (Bariton). Insgesamt werden an die 300 Mitwirkende auf der Bühne stehen. An jedem Konzertabend gibt es 18.30 Uhr eine Konzerteinführung im Foyer.
Karten für das 1. Sinfoniekonzert gibt es an der Theaterkasse im Rathaus-Center und unter den Telefonnummern: 0340 2511 – 333 oder 0340 2400 – 258.
06.10.2009, 08:53 | tags: Spielzeit, Schauspiel/Musiktheater, Musiktheater, Anhaltische Philharmonie | Autor: Franziska Blech
Joachim Lange, http://www.festspiele.de/startseite/news, 05.10.2009
Lohengrin, übernehmen Sie!
Andrea Moses macht in Dessau aus Wagners „Lohengrin“ eine spannende Studie über eine manipulierte Gesellschaft
DESSAU: „Menschen gestalten – Zukunft bewegen“ prangt in großen Lettern über dem gewaltigen Bühnenportal des Dessauer Opernhauses.
Im Laufe des Abends wird einem diese griffige „human coaching“ Losung immer klarer und immer unheimlicher. Die neue Chefregisseurin des Hauses, Andrea Moses, macht in ihrer Einstandsinszenierung nämlich aus Wagners „Lohengrin“ vor allem eine packende Studie über die Manipulierbarkeit der Massen und über die Undurchschaubarkeit von Machtstrukturen. Sie zeigt, wie Menschen, die dagegen kämpfen, nicht mehr funktionieren oder auf der Strecke bleiben, aussortiert oder ersetzt werden. Das war nach den fast zwei Jahrzehnten, in denen Walter Felsensteins Sohn Johannes hier das (Theater erhaltende) Intendanten-Zepter führte, als Regisseur aber demonstrativ eine eher konservative Opernästhetik pflegte, für einen Teil des Publikums ziemlich neu und zu viel.
Dabei haben Andrea Moses und ihr Ausstatter Christian Wiehle Wagners Schwanenritteroper zwar das historisch Märchenhafte verweigert, aber nicht das geheimnisvoll Spannende eines Kampfes um die Macht und die Frage, ob die Freiheit Brabants an der ungarischen Grenze verteidigt werden muss. Dass bei dieser Regisseurin (nach ihrem atemberaubend gegenwärtigen Nahost-Strauss Doppel mit „Salome“ und „Elektra“ in Meiningen und ihrer nicht minder packenden US-Fernsehshow „Turandot“ in Weimar) „Lohengrin“ vom Märchen zum Gegenwartsstück werden würde, war nicht anders zu erwarten. Am Ende marschieren sie denn auch alle im Gleichschritt unter wehenden Fahnen im wahrsten Wortsinn rückwärts in den Krieg und nur Elsa entkommt dem triumphierenden Wahnsinn über den Zuschauerraum.
Wo Katharina Wagner in Budapest in ihrem „Wende“ – Lohengrin den 89er Bruch verarbeitet und der junge Regisseur Florian Lutz in Gera-Altenburg die Nachwende-Zeit im Osten Deutschlands thematisiert hat, da verlängert Moses dieses Lohengrin-Potential sozusagen in die drohende Zukunft einer durchmanipulierten, von nicht legitimierten Mächten gelenkten Gesellschaft. Ohne auf eine allzu direkte politische Metaphorik auszuweichen. Das bleibt mit „Du bist Brabant“ überm Traualtar und einem eher ironischen „Vertrauen in Deutschland“ über dem Brautgemach-Bungalow mit seinem ebenso ironischen Wolke Sieben Video und etwas Bühnennebel eher in der Andeutung.
Zu Beginn sieht man in einer Art Auditorium, das Hörsaal oder auch Parlament sein könnte, die Brabanter noch als ziemlich individuelle und offensichtlich in verschiedene Lager differenzierte Zeitgenossen. Manche lesen Zeitung, einige stricken, andere reden miteinander und ein paar smarte Herren verstecken sich hinter ihren Sonnenbrillen und füttern ihre Laptops.
Und auch als der König und sein Heerrufer eintreffen und mit Friedrichs Anklage gegen Elsa der Kampf um die Macht beginnt, ist das Pro und Kontra noch deutlich wahrnehmbar. Doch der zum Krieg rüstende Heinrich und sein Heerrufer verlassen sich nicht auf die bedingungslose Gefolgschaft der Brabanter oder strategische Argumente. Sie haben einen Plan und der heißt Lohengrin. Der Superheld, der Strahlemann mit Charisma, der hochgepuschte Messias. Er wird mit einem medialen Brimborium von Obamascher Perfektion denn auch installiert. Da greift der König selbst zum Handy und setzt seinen backstage wartenden Kandidaten punktgenau in Marsch, da gibt es mit Schwanen-Auftritts-Video, Schaukampf und einer ganzen Truppe von ideologischen Hostessen, samt neuer Bibel mit aggressivem Schwanenlogo in der Geschenktüte, eine Art von fingierter Kandidatenkür.
Der Heerrufer ist in diesem Spiel dafür verantwortlich, dass Elsa, die sich hier tatsächlich so seltsam bewegt, wie sie redet, nicht aus der ihr zugedachten Rolle fällt. Als Telramund sie in aller Öffentlichkeit auffordert, das Frageverbot zu brechen, reicht ihr der Heerrufer schon mal auf seinem Minidisplay den Text. Er dirigiert das Verhalten der Massen und überwacht und lenkt Elsa. Bis eben auch sie im Brautgemacht nicht mehr „funktioniert“. Hier lässt Telramund schließlich auch Lohengrin auffliegen. Er hat einen Mitschnitt, auf dem man sieht, wie der Held für seinen „Auftrag Brabant“ abkassiert…
Diese enthüllende Sichtweise ist nahezu konsequent und läuft im szenischen Detail mit einer bis zum letzten Choristen durchgestalteten Personenregie als spannender Thriller ab. Dass es dann Lohengrin ist, der dem König und dem Heerrufer eine Telefonnummer zusteckt, über die sie den Ersatz-Jungen (noch ziemlich „unfertig“ und mit Maske) aus dem Schnürboden einschweben lassen können, ist mit Blick auf das Wissen Lohengrins über Gottfrieds Verbleib zwar einleuchtend, wäre aber in der Logik der erzählten Geschichte auch als Plan B der beiden Strippenzieher denkbar gewesen. Sei‘s drum.
Für die hier mitgelieferte, äußerst selten zu hörende zweite Strophe der Gralserzählung, die über Gottfrieds Schicksal aufklärt, hat der junge neuseeländische Tenor Andrew Sritheran jedenfalls genügend Kraft. Die kleinen Angestrengtheiten lagen zum Glück vor dem „In fernem Land…“ Auch sonst kann Dessau (das ja ein Theater mit großer Wagnervergangenheit und nie ganz abgerissener –Gegenwart ist) ein Ensemble von Sängerdarstellern aufbieten, das sich hören und sehen lassen kann. Es ist imponierend mit welcher darstellerischen Intensität und stimmlichen Wucht Iordanka Derilova eine mit allen Mittel kämpfende Power-Ortrud liefert und Ulf Paulsen als Telramund auch in seiner Niederlage souverän der Mann an der Seite seiner strategisch denkenden Frau ist. Bettine Kampp ergänzt ihre wunderbar klare Elsa um eine Studie einer stets manipulierten Frau, die sich erst am Ende aus dem Alptraum dieses Lebens befreien kann. Pavel Shmulevich macht aus dem König mit nobler Wucht einen modernen Manager der Macht und der junge Wiard Witholt ist seiner Rolle als Sprecher und Coach Elsas in jeder Hinsicht gewachsen! Die Spielfreude auch des aufgestockten Chores war allenthalben spürbar.
Alles in allem überzeugte auch die Anhaltische Philharmonie unter ihrem neuen Chef Antony Hermus. Obwohl das beim Vorspiel noch nicht so klar war, etliche Patzer dazwischenfunkten und Hermus aus dem Hochzeitsmarsch zum Beginn des dritten Aufzug einen Geschwindmarsch machte, der (vielleicht ja bewusst) mehr einer Parodie dieses Ohrwurms glich. Doch im Ganzen fand das Orchester überzeugend zu seinen Qualitäten, lieferte im dramatischen Auftrumpfen der Massenszenen das martialisch Enthüllende ebenso mit, wie dann doch noch die betörenden Gralsklänge.
Alles in allem ist Dessau ein spannender und lohnender Neustart gelungen. Und das Anhaltische Theater liegt ja nun keineswegs in fernem Land.
06.10.2009, 08:42 | tags: Spielzeit, Schauspiel/Musiktheater, Musiktheater, Anhaltische Philharmonie | Autor: Franziska Blech
Jörg Königsdorf, Tagesspiegel, 06.10.2009
Wann hat man eine so kluge, lebendige Wagner-Aufführung zuletzt in Berlin erlebt? Dem Theater Dessau ist mit "Lohengrin" ein großer Wurf gelungen.
Dieser Lohengrin arbeitet mit allen Tricks: Inszeniert sich mit Schwanenlogo und großem Auftritt als Retter des Brabantischen Volks, macht der treudoofen Elsa den Traumprinzen vor und schreckt auch nicht davor zurück, seinen Duellgegner Telramund mit einem fiesen Foul zu Fall zu bringen. Die Geschichte schreiben die Sieger, weiß dieser skrupellose Politprofi – und falls seine Hinterzimmer-Kungeleien mit dem König irgendwann doch rauskommen sollten, kann er immer noch sein Erweckungsprediger-Charisma spielen lassen und die Massen auf sich einschwören.
Es ist schon ein starkes Stück, das das neue Team des Dessauer Theaters dem Publikum zur Saisoneröffnung zumutet. Nachdem hier unter Altintendant Johannes Felsenstein anderthalb Jahrzehnte lang – durchaus erfolgreich – Oper gemacht wurde, die meist genauso aussah, wie man es nach der Lektüre des Opernführers erwarten durfte, kehren sein Nachfolger André Bücker und die neue Chefregisseurin Andrea Moses ostentativ das Unterste zuoberst. Von jetzt an soll in der Bauhausstadt brandaktuelles Musiktheater stattfinden und die Kunst wieder das Gewissen der Gesellschaft sein. „Menschen gestalten – Zukunft bewegen“ lautet das ehrgeizig optimistische Motto, das sich die Dessauer Theatermacher auf die Fahnen und in großen Lettern auch übers Bühnenportal geschrieben haben.
In Dessau wird die Geschichte zum Politkrimi mit menschlichem Tiefgang
Sympathisch ist solche Aufbruchstimmung allemal, und wer weder durch diesen Leitspruch noch durch die Platzierung der „Lohengrin“-Premiere auf den „Tag der deutschen Einheit“ stutzig geworden ist, der merkt sehr schnell, dass das neue Team seinen Anspruch mit Volldampf einlöst: In Dessau wird die Geschichte vom scheiternden Heilsbringer zum Politkrimi mit menschlichem Tiefgang. Systematisch werden die gewählten Schicksalslenker demontiert, werden Glanz und Gloria der wagnerschen Musik als höchst wirksame PR-Mittel interpretiert. Mit dem Resultat, dass die Rollen von Gut und Böse sich völlig neu verteilen, ohne dass dies je gegen Text und Musik verstoßen würde.
So ist der Graf Telramund, der die Herrschaft über Brabant erstrebt, kein bloßer Ehrgeizling, sondern der letzte Politiker, der noch einen Begriff von Anstand und Ehre hat. Und Elsa ist kein verzagtes Mäuschen, sondern wird zur eigentlichen Heldin des Dramas: Wenn sie schließlich die verbotene Frage stellt, um die Wahrheit über ihren Helden zu erfahren, ist das der Moment, in dem sie den Betrug Lohengrins durchschaut. Am Ende wird sie unter den heilsgläubigen Brabantern umherwanken wie Kassandra unter den Trojanern – ebenso wenig wie die Wahrheit hat sie selbst hier noch einen Platz.
Schon fast überscharf behält Moses den ganzen Abend über jede ihrer Figuren im Fokus: den steif-korrekten Recken Telramund (Ulf Paulsen), die sexy bitch Ortrud (Iordanka Derilova), den windigen Business-König Heinrich (Pavel Shmulevich), den Politkandidaten Lohengrin und vor allem Elsa, die zu Beginn fast als dumme Gans im Jackie-Kennedy- Outfit erscheint. Dass diese lebensunerfahrene Tussi für die Heilsbotschaften der Gralssekte empfänglich ist, glaubt man jedenfalls sofort – auch weil Bettine Kampp diese naive Verschrobenheit auch wirklich singt und darstellt: Ihr „Einsam in trüben Tagen“ ist die trotzige Traumerzählung eines gealterten Kindes, das erst durch die Enttäuschung erwachsen werden wird.
Echtes Hörtheater
Dieser Dessauer „Lohengrin“ ist ein großer Wurf und vermutlich die spannendste Deutung seit Peter Konwitschnys legendärer Hamburger Inszenierung. Dass ein solcher Kraftakt an einem vergleichsweise kleinen Haus wie Dessau gelingt, liegt allerdings nicht nur an einem gescheiten, minutiös umgesetzten Konzept, sondern daran, dass Moses mit ihren Sängern und nicht gegen sie inszeniert. Andrew Sritherans Lohengrin beispielsweise hat nicht nur das schmierig-süßliche Sektenführer-Grinsen perfekt drauf, sondern singt seinen Schwanenmann auch so: Selbst sein „Elsa, ich liebe dich“ trompetet er mit gleißend metallischem Forte heraus –kein Liebesgeständnis, sondern ein Showact fürs sensationsgierige Volk und die Presse. Oder auch die Gralserzählung: Statt einer weihevollen Legato-Suada singt Sritheran das Stück als spontane Erweckungspredigt.
Und dann ist da Dessaus neuer Chefdirigent Antony Hermus, der mit seiner Anhaltischen Philharmonie keinen Schönklang ohne szenische Anbindung produziert, sondern mit offenen Augen und Ohren dirigiert. Das ist echtes Hörtheater: Jubelndes Volk und Konfettiregen in den ekstatischen Fanfaren der Trompeten, treuherziger Kirchenlied-Tonfall in den andächtigen großen Chorpassagen, dann wieder, im Brautchor, angenehm leichtfüßig.
Wann hat man eine so kluge, lebendige Wagner-Aufführung zuletzt in Berlin erlebt? Auf nach Dessau!
05.10.2009, 15:49 | tags: Spielzeit, Schauspiel/Musiktheater, Musiktheater, Anhaltische Philharmonie | Autor: Franziska Blech
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/Dessau, 04.10.2009
Angriff der Gegenwart auf die übrige Zeit
Lohengrin auf der Bühne des Anhaltischen Theaters
In der Original-Fassung konnte man es als noble Absicht verstehen, bei Vertauschung der Verben aber wird daraus pure Esoterik: "Menschen gestalten - Zukunft bewegen" steht in großen Buchstaben über der Bühne des Anhaltischen Theaters. Und wer diese kleine Korrektur bemerkt hat, wird später auch die Parole "Vertrauen in Deutschland" mit anderen Augen lesen: Meint der inzwischen abgewählte Slogan wirklich noch, dass man auf diese Nation bauen kann? Oder fragt er nicht vielmehr, wie es um das Vertrauen in diesem Land bestellt ist?
Größtmöglicher Umkehrschluss
Andrea Moses versucht mit ihrem Dessauer Debüt den größtmöglichen Umkehrschluss: Ausgerechnet "Lohengrin", diesen grundguten Wagner-Helden in blendender Rüstung, will sie in seinem ehernen Selbstbewusstsein erschüttern, sein märchenhaftes Frageverbot als demagogische Geste entlarven. Dass dies nur mit Gewalt funktionieren kann, war von vornherein klar - ebenso wie die Tatsache, dass die Fraktion der Fraglosen diese Verstörung mit Empörung quittieren würde. Doch dass ein Gewitter aus Buh- und Bravo-Rufen einen elektrisierenden Abend krönt, war als Ausdruck einer Selbstverständigung des Publikums über sein Theater vor Ort bisher ja ein unerhörter Vorgang.
Dies ist der neuen Chefregisseurin gelungen: Sie hat das Brabant von Telramund und Ortrud in eine träge Demokratie verwandelt, deren Parlament anfällig ist für den Angriff des Irrationalen. Ihr Lohengrin ist ein charismatischer Sektenführer, der statt eines politischen Programms Gesangbücher und Autogramm-Oblaten verteilt - und dessen messianische Pose entzaubert wird, als die zunächst traumverlorene Prophetin Elsa ihn nach seiner wahren Art befragt. Dass ein kurzes Video zudem eine Verschwörung des Helden mit König Heinrich andeutet, überdehnt die Lesart freilich - selbst wenn der fragwürdige Heilsbringer dem Herrscher zum Abschied eine goldene Brücke in den Krieg baut.
Das eigentliche Sakrileg für die Gralshüter aber bleibt wohl, dass an diesem Abend nicht nur gedacht, sondern auch gelacht werden darf. Dabei ist der Auftritt einer Putzfrau als Verletzung der verkaterten Intimität zwischen den Verschwörern so schlüssig wie Telramunds lächerliche "Schwanensee"-Etüde vor der Kirche, die als Verspottung auf ihren Urheber zurückfällt - wenn man denn bereit ist, sich auf diese Aktualisierung einzulassen. Als visuelle Verführung bewährt sich die Ausstattung von Christian Wiehle: Wann wurden die grandiosen Möglichkeiten der Dessauer Wagner-Bühne zuletzt so raumgreifend ausgeschöpft? Wann gab es zuletzt derart überwältigende Verwandlungen, mit denen sich auch die Technik des Hauses höchstes Lob verdient?
Der Star sitzt im Graben
Der Star des Abends freilich sitzt im Graben: Antony Hermus hat die Anhaltische Philharmonie in kürzester Zeit verzaubert, er schöpft bereits im Vorspiel die Szene buchstäblich aus dem Klang und trägt die Sänger wie die Musiker durch eine fast makellose Vorstellung zum atemberaubenden Finale. Was hier an Elastizität und Dynamik, an Farbenreichtum und Nuancen zu hören ist, hätte man bislang kaum für möglich gehalten, dies ist ein Aufbruch, der einhellige Begeisterung findet. Und auch der Chor, den Helmut Sonne um Mitglieder des Extrachores und des freien Coruso-Ensembles bereichert hat, zeigt sich dank individueller Figurenzeichnung bei maximaler musikalischer Geschlossenheit in Topform. So kann, so muss es weitergehen im "Bayreuth des Nordens". Dafür steht zudem ein Solisten-Ensemble, in dem Ulf Paulsen als sinistrer Machtmensch Telramund sowie Iordanka Derilova als furiose First Lady Ortrud mit starken Stimmen und scharf konturierten Charakteren für Qualität sorgen. Neben ihnen führt sich eine Gruppe neuer Sänger ein, die sich sehen und hören lassen kann: Pavel Shmulevich ist ein König von wahrhaft majestätischem Ausdruck, Wiard Witholt ein Heerrufer mit verführerischer Verlässlichkeit.
Bettine Kampp steigert - als einziger Gast - ihre Elsa vom Opfer stimmlich wie darstellerisch zur selbstbewussten Frau, die als Einzige dem Gleichschritt entkommt. Andrew Sritheran schließlich muss bei seinem Rollen-Debüt im dritten Aufzug Lehrgeld zahlen, zeigt dann aber - von Antony Hermus geführt - in der ungekürzten Gralserzählung, dass in ihm ein echter Schwanenritter steckt. Im Dessauer "Lohengrin" wird Wagners Forderung "Kinder, schafft Neues!" also nicht - wie jüngst an der Berliner Staatsoper - plakatiert. Es wird einfach gemacht.
Nächste Vorstellungen: 10. Oktober und 22. November, jeweils 17 Uhr
05.10.2009, 15:41 | tags: Spielzeit, Schauspiel, Schauspiel/Musiktheater, Musiktheater, Anhaltische Philharmonie | Autor: Franziska Blech
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau, 04.10.2009
Publikum fiebert mit und ist begeistert
Spielzeit-Auftakt am Anhaltischen Theater kommt gut an - Prominente Besucher loben neues Team
Nur ein paar Takte reichten aus und Klemens Koschigs Ängste waren am Samstagabend verflogen. Noch am Abend zuvor war der Oberbürgermeister unsicher ob des Ausgangs der Opernpremiere von "Lohengrin". "Ich habe Angst", gestand er da. 24 Stunden später, nach viereinhalb Stunden Wagner am Anhaltischen Theater, war Koschig jedoch überzeugt: "Genau für solch ein Theater haben wir André Bücker nach Dessau geholt. Es gibt so viele jüngere Leute im Publikum, das haben wir uns gewünscht".
Beginn mit Abschlussfeier
Erstmals bestätigt sah sich das Stadtoberhaupt schon am Freitagabend im Alten Theater. Dort begann das Eröffnungswochenende unter der neuen Intendanz von André Bücker mit der Premiere von "Abschlussfeier" in der Regie von Armin Petras. Petras, Intendant des Berliner Maxim-Gorki-Theaters, schickte sein Publikum durch das ganze Haus und schließlich vor die Tür. Nach einer bejubelten Premiere blieben viele gern, denn das bislang so kühl wirkende Foyer des Alten Theaters hatte sich durch das Bühnenbild in einen Partykeller verwandelt, der sich perfekt für eine Premierenfeier mit Live-Musik und Tanz eignete.
Im Restaurant sprach derweil die lokale Prominenz über das Gesehene. Mit der "Abschlussfeier" habe er ein Stück erlebt, dass nicht besser zum Tag der Deutschen Einheit hätte passen können, sagte Klemens Koschig. Er wertete die Inszenierung vor allem angesichts der Verklärung von Erinnerungen als besonders wichtig. "Es ist gut, dass es solche Stücke gibt, die uns immer wieder vorführen, wie es in der DDR war." Autor Einar Schleef, der mit seiner Erzählung die Vorlage für die Theaterfassung der Dessauer Uraufführung lieferte, war ein Meister im Schildern des ostdeutschen Alltags. Dass sich dies adäquat auf der Bühne widerspiegelte, fanden auch Gäste aus Sangerhausen. Mit zehn Leuten war der Schleef-Arbeitskreis aus der Geburtsstadt des Autors angereist. "Die Fahrt hat sich gelohnt. Es war ein toller Abend", freute sich Dieter Wrobbel vom Arbeitskreis, der zugleich auch einen Bekannten in Dessau wiedertraf: André Bücker inszenierte beim "Schleef-Block I" 2004 in Sangerhausen den Schleef-Abend "Kein schöner Land", und auch Petras kam damals mit einer Produktion in die Rosenstadt. "Eigentlich schließt sich hier heute in Dessau ein Kreis", befand Wrobbel
Eine Zuschauerin der "Abschlussfeier" konnte am Freitag nicht ganz so gelassen in die Premierenfeier gehen, denn ihre eigene fand erst am Abend darauf statt. Andrea Moses, Regisseurin des "Lohengrin", verabschiedete sich bald und sammelte Kraft für ihr Dessau-Debüt.
18 Uhr sah man sie am Sonnabend ganz außen in Reihe 5 im Parkett sitzen. Angespannt, mitfiebernd, lachend und begeistert von Solisten, Chören und Orchester, blieb für die Regisseurin nun nicht mehr viel zu tun. Zwei Pausen gab es während der Oper, danach eine bis in die Morgenstunden dauernde Premierenfeier, Zeit also für Diskussionen über die Lesart der Regisseurin, Zeit für erste negative und positive Einträge in das neue Gästebuch des Hauses. Bevor gefeiert wurde, galt das Wort des Generalintendanten jedoch allen Mitwirkenden. André Bücker dankte im Rangfoyer nicht nur den Solisten und Chören, er hob auch alle Gewerke und die Technik des Hauses hervor. "Aus einem Stab kommt kein Klang." Mehr musste Dirigent Antony Hermus als Wertschätzung für Orchester und Ensemble nicht sagen.
Auffallend viele auswärtige Besucher waren am Sonnabend nach Dessau gekommen. Theaterleute, die den Dessauer Neustart miterleben wollten. So auch Ulrich Katzer, Betriebsdirektor der halleschen Oper und Orchester GmbH, der alle drei Eröffnungspremieren sah. "Ich bin neidisch", war sein Kommentar nach der Opern-Premiere. "Dessau kann stolz sein auf seine neue Mannschaft."
Christoph Werner, Intendant des "Neuen Theaters" in Halle und gebürtiger Dessauer, hat neben den Besuchen bei seinen Eltern nun noch einen weiteren Grund ausgemacht, wieder öfter nach Dessau zu kommen. "Das war ein Großstadttheaterabend, wie man ihn auch in Dresden erleben kann. Als Dessauer bin ich stolz, dass man solches Theater jetzt auch in meiner Heimatstadt sehen kann", sagte er. Werner, der in Halle die Nachfolge von Peter Sodann antrat, weiß um die Probleme und Ängste, die mit einem Wechsel der Intendanz verbunden sind. "In Gesprächen und beim Publikum habe ich gemerkt, wie verfelsensteint noch manches ist. Die jetzigen Premieren sind eine klare Ansage. Ich wünsche dem neuen Team viel Kraft und komme jetzt öfter."
Zurück an den früheren Wirkungsort kehrte auch Clemens Birnbaum. Der ehemalige Weill-Fest-Intendant verantwortet nun in Halle die Händel-Festspiele. "Lohengrin war ein großartiger Saisonauftakt und eine phantastische musikalische Leistung", lobte er vor allem die Arbeit von Generalmusikdirektor Antony Hermus. Und in der Inszenierung von Andreas Moses habe er sich "keine Minute gelangweilt".
Gäste kommen wieder
Ein besonders kritisches Auge auf den Opernabend warfen mehr als 40 Besucher aus Bremen, die nach Dessau gereist waren. Nicht zum ersten Mal kamen Mitglieder des Bremer Richard-Wagner-Verbandes in die Muldestadt. "Der erste Eindruck war gewöhnungsbedürftig, aber wenn man sich erst einmal gewöhnt hatte, dann war es toll", resümierte Hannelore Pöpper. Die Bremer werden Dessaus Theater weiter besuchen, versicherte sie.
"Wir kommen wieder", befand auch ein anderer prominenter Premierengast: Bernd Junkers, der nur Stunden zuvor eine Ju 52 auf den Namen "Dessau" getauft hatte, will fortan öfter die Strecke München-Dessau fahren, um hier ins Theater zu gehen.
02.10.2009, 07:13 | tags: Spielzeit, Anhaltische Philharmonie | Autor: Franziska Blech
THOMAS ALTMANN, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau, 29.09.2009
Mit feuchten Augen in den Abend hinaus
Freundeskreis stellt den neuen Generalmusikdirektor der Philharmonie Antony Hermus vor
"Kramer! Gib die Farbe mir, meine Wangen rot zu malen": der "Klassik-Quickie", das Scratch-Projekt "Carmina Burana" im Mai nächsten Jahres wird wohl das Spektakel der Saison. Mitsingen darf, wer mitsingen wil. Geprobt wird lediglich einen Tag lang. Und am Abend gibt es auf "Biegen und Brechen ein Konzert", sagte Antony Hermus und fügte noch ausdrücklich hinzu, dass hier das Ziel der Weg sei, und, dass man immer mal wieder versuchen solle, "ein Loch in die eigene Begrenzung zu reißen", auch wenn man fallen könne. Da stand der Kornhausdialog kurz vor dem Finale.
Der Freundeskreis des Theaters stellte am Sonntag den neuen Generalmusikdirektor der Anhaltischen Philharmonie vor. Antony Hermus wurde befragt von Oliver Thust, Vorsitzender des Freundeskreises. Die erste Frage zielte auf den Beginn. "Ich bin", sagte Hermus, "in Brabant geboren." Was bühnenreif klang, wurde gleich geerdet: "Meine Eltern stellten sich einen Musiker vor, der bei einer Hochzeit spielt und dafür 25 Euro und eine Flasche Wein bekommt." Das sollte anders werden. Hermus, Jahrgang 1973, studierte an der Musikhochschule in Tilburg Klavier und Dirigieren und zudem Wirtschaftsinformatik: "Auf der Universität war ich Künstler, in der Hochschule Geschäftsmann".
Wie sich das vereinen ließ und entwickelte, darüber wurde gesprochen und über den Weg am Theater Hagen vom Praktikanten, über den Studienleiter und 1. Kapellmeister zum Generalmusikdirektor. Nach seinem Abschied dort im vorigen Jahr gab es einen vollen Terminkalender. Warum er dennoch nach Dessau gekommen sei, fragte Thust. Hermus habe hier eine offene Situation vorgefunden und ein leistungsstarkes Orchester, das bereit sei, seinen Klangvorstellungen und Ideen zu folgen, das ein gutes Gefühl für Sänger habe, das mithöre und mitatme. Auch die bisherige Jugendarbeit wurde als vorbildlich und einmalig gelobt. Daran solle angeknüpft werden. Und die Frage nach den Vorlieben war natürlich zwingend. Hermus nannte das romantische Repertoire, einige Komponisten aus anderen Zeiten und sagte: "Ich bin ein musikalischer Allesesser". Da wurden keine Grenzen entworfen, zur leichteren Kost nicht und nicht zur Musik der Moderne oder zur Neuen Musik. Das Orchester habe einen Kulturauftrag und spiele vor allem für ein Publikum. Musik solle begeistern und berühren. Ziel sei, "so viele Hörer wie möglich mit feuchten Augen in den Abend zu schicken".
Und überhaupt wolle Hermus "erst ein bisschen angekommen sein". Das erste Sinfoniekonzert in der kommenden Woche dürfte diese Ankunft markieren. Mit Johannes Brahms' Sinfonie Nr. 2 bewege man sich auf bekannten deutschen Bahnen. Mit Johann Wagenaars Orchesterfantasie "Lebenssommer" gebe es ein Stück Heimat des Dirigenten. Und Antonín Dvoráks "Te Deum" op. 103 für Soli, Chor und Orchester gereicht gewiss zur Kennlernrunde. Denn da vereinen sich die Stimmen der Dessauer Chöre auf der Dessauer Bühne. Absicht sei, so Hermus, gemeinsam mit den musikbegeisterten Menschen der Stadt zu musizieren. Bevor in der offenen Gesprächsrunde das nun gut und frisch informierte Publikum einige Repertoirewünsche äußerte, wollte Thust noch wissen, wie man den offensichtlichen Schwung des Beginnens gegen die Routine mit in den Alltag nehmen könne. Das sei wie in einer Beziehung, sagte Hermus, der auch dem geschirrspülenden Liebhaber offenbar Leidenschaft nicht absprechen mag. Und zum Scratch-Projekt sagte er zuvor: "80 Prozent des Ergebnisses erreicht man in 20 Prozent der Zeit. Dann wird es schwer", dann vielleicht verwöhnt - "O Fortuna" aus Carmina Burana - das Glück "spielerisch den wachen Sinn".
30.09.2009, 08:19 | tags: Spielzeit, Schauspiel/Musiktheater, Musiktheater, Anhaltische Philharmonie | Autor: Franziska Blech
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung / Dessau, 16.09.2009
Neues Ensemble probt für die ersten Premieren
Mit Wagners «Lohengrin» wird am 3. Oktober die Spielzeit am Anhaltischen Theater offiziell eröffnet
Der Einstand am ersten Septembersamstag war gelungen. Wer an diesem Abend zum Vorplatz des Anhaltischen Theaters kam und aufmerksam lauschte, der hörte beim traditionellen Eröffnungskonzert der neuen Spielzeit eine Menge neuer Stimmen von Sängerinnen und Sängern, die fortan zum Ensemble des Musiktheaters gehören. Viele von ihnen stehen in diesen Tagen auf der Bühne und bereiten die erste Premiere dieser Sparte vor.
Konfrontation mit "Wunder"
Zur Spielzeiteröffnung inszeniert Chefregisseurin Andrea Moses mit "Lohengrin" (3. Oktober, 18 Uhr) erstmals ein Werk von Richard Wagner. Der zwischen Juni 1846 und März 1848 komponierte "Lohengrin" nimmt in Wagners Oeuvre eine Schlüsselstellung ein: Zum einen verwirklichte Wagner, der "vollkommenste Revolutionär" nach eigenem Zeugnis, in ihm erstmals weitgehend sein Konzept eines durchkomponierten Musikdramas, zum anderen wollte er am avisierten Uraufführungsort Dresden mit der Oper 1849 auch die Gesellschaft revolutionieren. Diese gesellschaftspolitische Zielsetzung und ihre Verortung im Heute bildet den Ausgangspunkt für Andrea Moses' Interpretation: Eine desillusionierte und in Apathie verfallene Gesellschaft, deren politische Eliten in Machtkämpfe verstrickt und durch Berater fremdbestimmt sind, wird mit einem "Wunder" konfrontiert, das den Ausbruch aus einer verfahrenen Situation zu gewährleisten scheint.
Unter dem Motto "Utopie und Wahnsinn" begegnen den Theatergängern in dieser Saison noch eine ganze Reihe weiterer Stücke, die den Versuch der Realisierung und das Scheitern politischer Utopien thematisieren, und im Einzelfall, wie bei "Die Stumme von Portici", tatsächlich politische Veränderungen auslösten. Daniel-François-Esprit Aubers Große Oper in fünf Akten inszeniert André Bücker. Der Generalintendant des Anhaltischen Theaters stellt sich mit "La Muette de Portici" am 24. April in Dessau als Opernregisseur vor.
Viel früher geht es auch in Leonard Bernsteins Musical "Candide" um Utopien, denn es basiert auf Voltaires Text aus der französischen Aufklärung. "Candide" bringt Gastregisseurin Cordula Däuper am 4. Dezember zur Premiere. Allein die Musik und der Gesang stehen bereits am 30. Oktober im Mittelpunkt, wenn "Serata di Gala", eine italienische Operngala, Premiere hat.
In das neue Jahr startet die Musiktheatersparte des Anhaltischen Theaters am 5. März mit einer Koproduktion mit dem Kurt Weill Fest Dessau 2010: Kurt Weills "One touch of Venus". Klaus Seiffert nimmt sich dieser musikalischen Komödie an. Er ließ sich am Musicalstudio Theater an der Wien zum Sänger, Tänzer und Schauspieler ausbilden. Seitdem spielte er in Produktionen wie "A Chorus Line" (Wien), "Cats" (Hamburg), "Les Miserables" (Duisburg), "Rocky Horror Show" (Saarbrücken), "Hair" (Dortmund) und in über 20 weiteren Musicals. Zu seinen Erfolgen als Regisseur und Choreograph zählen "Love is...", "Godspell", "Madame Pompadour", "Die Fledermaus", "Die verkaufte Braut" und, als Co-Regisseur, "Victor / Victoria" in Bremen, Karlsruhe, München und Dortmund.
Roland Schwab heißt der Regiegast, der am 18. Juni in Dessau einen Giuseppe Verdi zur Premiere bringt. Die große Oper des Italieners "Un ballo in maschera", dieser Maskenball wird in italienischer Originalsprache zu hören sein, wie auch schon "Die Stumme von Portici" in Französisch erklingt.
Debüt an Deutscher Oper
Schwab, der bei Götz Friedrich studierte, gab anlässlich des Mozartjahrs mit "Fragmente" von Mozart sein erfolgreiches Regiedebüt an der Deutschen Oper Berlin, an der er mittlerweile auch "Tiefland" inszenierte und 2010 eine Neuproduktion von "Don Giovanni" herausbringen wird.
17.07.2009, 21:24 | tags: Anhaltische Philharmonie | Autor: Frank Orbons
Helden, Leben und Schicksale in Noten gesetzt
Generalmusikdirektor und Musikdramaturg haben anspruchsvolles Konzertprogramm geplant
VON UTE VAN DER SANDEN, 15.07.09
DESSAU/MZ. Mit der so genannten Schicksalssinfonie, Beethovens "Fünfter", gab Golo Berg im Juni seinen Ausstand als Generalmusikdirektor in Dessau. Die nächste Konzertsaison führt den Begriff sogar im Namen: "Helden - Leben - Schicksal" steht über der ersten Spielzeit des neuen Chefdirigenten Antony Hermus. Absicht, Zufall oder Schicksal? "Macht des Zufalls", witzelt Musikdramaturg Ronald Müller, der den Konzertkalender mitverantwortet und seinen Inhalt, salopp gesagt, unter die Leute bringt.
Auf Wunsch der neuen Theaterleitung hat Hermus für alle Abende Titel gefunden - Mottos, die neugierig machen und Emotionen ansprechen. "Die Himmel rühmen" heißt das romantische Eröffnungskonzert am 8. und 9. Oktober, für dessen Finale sieben Chöre engagiert wurden: Jene der drei Dessau-Roßlauer Gymnasien, dazu Luther-, Friedrich-Schneider-, Opern- und Extrachor singen in Dvoráks "Te Deum". Bei der 20-minütigen Konzertmesse werden fast 300 Vokalisten auf der Bühne stehen.
Schon mit diesem ersten Programm gibt sich der neue GMD zu erkennen: als Brahms-Liebhaber; dessen "Zweite" erklingt hier ungewöhnlicherweise schon vor der Pause. Als Freund der großen romantischen Sinfonieorchesterbesetzung, der seine Musiker ausgelastet wissen möchte - "nicht übers Limit hinaus, aber die Zahlen müssen stimmen". Und als Kunstvermittler, der nach Offenheit, neuen Formen des Miteinanders von Musikern und musizierendem Publikum zu suchen verspricht: "Musik ist für jeden da, der Spaß daran hat", sagt Antony Hermus.
"Unsterbliche Liebe" lässt die Philharmonie mit Auszügen aus Prokofjews Ballett "Romeo und Julia" und Schönbergs sinfonischer Dichtung "Pelléas und Melisánde" vernehmen. Unsterblich ist aber auch des Publikums Zuneigung zu Mozarts A-Dur-Klavierkonzert und Carl Maria von Webers Klarinettenkonzert. Alle Solopartien werden von jungen, weltweit auftretenden Instrumentalisten versehen, mit denen Hermus teils schon gearbeitet hat.
Chorsinfonik, Jubiläen, klassische Moderne, sinfonisches Repertoire: Auf diesen Säulen ruht die nächste Spielzeit. Robert Schumann und Felix Mendelssohn Bartholdy wurden vor 200 Jahren geboren. Heinz Röttgers "Sinfonisches Vorspiel" justament am 100. Geburtstag des früheren musikalischen Leiters des Landestheaters untergebracht zu haben, freut den Musikdramaturgen besonders. Auch Bohuslav Martinu steht anlässlich seines 50. Todestages mit einem Werk im Programm - zumindest ein Akzent.
Schließlich darf die Sinfonik des 19. Jahrhunderts nicht zu kurz kommen, die für die künstlerische Identität und Beurteilung jedes philharmonischen Orchesters tonangebend ist. Dazu zählen auch sinfonische Dichtungen wie das "Heldenleben" von Richard Strauss. Die größte konzertante Herausforderung der Spielzeit habe man so terminiert, dass ausreichend Proben möglich seien, versichert Müller.
Brahms' zweite, Beethovens dritte, Schumanns und Tschaikowskys vierte Sinfonie spielen alle Orchester gern. Mendelssohn Bartholdy kommt in der Kammermusikreihe vor. Und weil die Tonsprache des 20. Jahrhunderts in der Kurt-Weill-Stadt kein Fremdwort ist, erklingt in jedem Programm mindestens ein Werk, das vor weniger als hundert Jahren entstand. Barockes gibt's nur Weihnachten: Die alten Meister den Spezialensembles zu überlassen, ist längst Praxis.
Freunde der Kammermusik dürfen sich auf sechs Nachmittage im Schloss Georgium freuen - und die Freunde zeitgenössischer Kammermusik ebenfalls, denn auch hier liegt jeweils zumindest ein Werk des 20. Jahrhunderts auf den Pulten. Für den Auftakt haben sich das Anhaltische Streichquartett und Wolfgang Kluge das attraktive Klavierquintett von Schumann vorgenommen. Wie immer gilt: rechtzeitig Karten reservieren!
Aus der Liste der Sonderkonzerte - neuerdings sogar an Sekundarschulen - ragen Angebote heraus, die auch für jene interessant sind, denen die Gipfelstürme der Sinfonik zu anstrengend erscheinen. Und sie müssen noch nicht einmal ins Theater kommen, denn auch im Elbe-Werk, im Elektromotorenwerk und im Umweltbundesamt wird wieder Musik gemacht. Mit beliebten Melodien aus Oper, Operette und Konzert, mit drei Offerten des Impuls-Festivals für zeitgenössische Musik und erst recht mit dem letzten Sinfoniekonzert, einer spanischen Estrade, werden auch spezielle Wünsche erfüllt.
Ganz klassisch wird das nächste Jahr empfangen: Den Schlusschor über Schillers "Ode an die Freude" in Beethovens "Neunter" zu singen, geben sich Opern- und Extrachor die Ehre. Das Schicksal der drei Sonntagskonzerte ist besiegelt: "Schade für die Zuhörer der Reihe, sie hat den Aufwand nicht gelohnt", bedauert Ronald Müller. Die Kapazitäten würden für andere Vorhaben genutzt, betont Hermus. Indes, die Helden der Spielzeit wird das Publikum schon selber krönen müssen.
30.06.2009, 14:10 | tags: Anhaltische Philharmonie | Autor: Frank Orbons
Für alle Freunde der Anhaltischen Philharmonie Dessau
Am 2. und 3. Juli 2009 findet auf dem Berliner Gendarmenmarkt das Festival "Classic Open Air" mit Beteiligung der Anhaltischen Philharmonie statt. Erstmals wird bei diesen beiden Konzerten Generalmusikdirektor Antony Hermus das Orchester dirigieren.
Donnerstag, 2. Juli 2009, 20.30 Uhr
Feuerstein präsentiert
First Night- Klassik Spektakulär
Musikalische Meisterwerke von Verdi, Rossini, Händel, Mozart, Bizet, Lortzing, Lehár, Tschaikowski u. a.
Solisten: Carmen Fuggiss (Sopran),
Hagen Matzeit (Bariton/Countertenor)
Andrew Richards (Tenor)
Berliner Konzert Chor
Anhaltische Philharmonie Dessau, Dirigent GMD Antony Hermus
Feuerwerksfinale
Freitag, 3. Juli 2009, 20.00 Uhr
Nessun Dorma!
Puccinis Welt – musikalische Begegnungen mit Verdi, Lehár, Mascagni, Gershwin
Musik aus La Bohème, Tosca, Madame Butterfly, Turandot,
Manon Lescaut, Aida, Land des Lächelns, Cavalleria Rusticana,
Porgy and Bess u. a.
Solisten: Eva Lind (Sopran), Georgina Lukács (Sopran),
Marco Jentzsch (Tenor)
Anhaltische Philharmonie Dessau
Dirigent: GMD Antony Hermus