12.07.2010, 16:29 | tags:
Anhaltische Philharmonie
, Diverses
Pressemitteilung vom 12.07.2010
Öffnungszeiten der Theaterkassen während der Spielzeitpause und Spielzeitauftakt
Während der Spielzeitpause ist die Theaterkasse im Rathaus-Center für Besucher zu den üblichen Öffnungszeiten von Montag bis Samstag von 9.30 Uhr bis 20 Uhr geöffnet.
Das Abonnementbüro und der telefonische Besucherservice im Anhaltischen Theater/ Friedensplatz 1a bleiben vom 19. Juli bis zum 20. August geschlossen und sind ab Montag, 23. August wieder geöffnet. Ausführliche Auskünfte zu den Abonnementangeboten erhalten sie jeder Zeit an der Theaterkasse im Rathaus-Center, an der auch Abonnements vereinbart werden können. Die Weihnachts- und Silvesterangebote des Anhaltischen Theaters sind ebenfalls an der Theaterkasse im Rathaus-Center ab dem 19. Juli buchbar.
Während der Spielzeitpause stellt das Theater auf ein neues Ticketsystem um. Da dies in kürzester Zeit geschieht, bitten wir, falls es zu geringfügigen zeitlichen Verzögerungen beim Ticketbuchen kommen sollte, um Entschuldigung.
Am 4. September um 19 Uhr wird die Spielzeit 2010/11 traditionell mit dem Eröffnungskonzert auf dem Theatervorplatz eröffnet. Die Solisten, der Opernchor und die Anhaltische Philharmonie präsentieren musikalische Kostproben aus den bevorstehenden Neuinszenierungen. Das Publikum kann sich auf Ausschnitte aus Puccinis „Turandot“, Mussorgskis „Chowanschtschina“, Leoncavallos „Bajazzo“, Mozarts „Così fan tutte“ und Strauß’ „Fledermaus“ freuen. Am Dirigentenpult wechseln sich GMD Antony Hermus, Daniel Carlberg und Wolfgang Kluge ab. Es moderiert Generalintendant André Bücker. Da dieses Open-Air-Konzert wie gewohnt Bestandteil des Dessauer Farbfestes ist, darf man im Programm zudem mit „grünen“ Überraschungen rechnen.
Am Sonntagnachmittag, 5. September ab 15 Uhr lädt das Anhaltischen Theater auf die große Bühne seines Hauses ein. „Freunde, das Leben ist lebenswert!“ lautet das Motto eines Konzertes, in dem beliebte Melodien aus Oper, Operette und Konzert erklingen werden, u.a. von Auber, Verdi, Strauß, Lehár und Dostal. Die Anhaltische Philharmonie musiziert unter der Leitung von Wolfgang Kluge. Es singen Iordanka Derilova, Cornelia Marschall, Angelina Ruzzafante, David Ameln, Andrew Sritheran, Angus Wood und Wiard Witholt. Durch das Programm führt Ronald Müller. Ebenfalls am ersten Septemberwochenende geht auch der diesjährige Gartenreichsommer zu Ende. Das Abschlusskonzert „Stars von morgen“ mit Kindern und Jugendlichen der Akademie für musikalisch Hochbegabte findet am 4. September, 18.30 Uhr traditionell im Schloss Mosigkau statt. Und am 5. September heißt es ab 10.30 Uhr zum letzten Mal in diesem Jahr „... und sonntags ins Luisium“. Moderiert von Ellen-Jutta Poller sorgen das Concento-Quintett und der Madrigalchor für musikalische Abwechslung.
Informationen und Tickets erhalten Sie an der Abendkasse und unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9.30 bis 20 Uhr | ab dem 23. August Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
09.07.2010, 10:34 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
, Pressestimmen
Orpheus, Herbert Henning, Juli/August 2010
Sehnsucht nach Freiheit
Die Zeit der Grand Opéra ist vorbei. Vielleicht ist dies ja ein Grund dafür, dass die Oper La Muette de Portici von Auber von den Spielplänen nahezu ganz verschwunden ist obwohl sie einst zu den berühmtesten Opern des 19. Jahrhunderts zählte. Vor 52 Jahren war sie das letzte Mal in Dessau zu sehen. Für André Bücker wurde seine emotionsgeladene Inszenierung unter der musikalischen Leitung von Antony Hermus und Chordirektor Helmut Sonne zu einem nicht nur musikalischen Triumph mit einem erstklassigen Sängerensemble, das keinen Vergleich mit großen Opernhäusern zu scheuen braucht. Packendes Musiktheater, das ungemein fesselt und die Geschichte um den Aufstand der Fischer in einem neapolitanischen Fischerort am Fuße des Vesuvs neu erzählt und auf ganz besondere Weise jene politische Dimension des Stückes freilegt, die bei einer Aufführung 1830 in Brüssel eine Revolution einleitete. In dieser monumentalen Inszenierung mit der phänomenal eingesetzten und präzise funktionierenden Bühnenmaschinerie sind Menschen und Maschinen in einer Container-“Landschaft" eines Hafendocks allgegenwärtig. In unaufhörlicher, wie von Geisterhand gesteuerte Verwandlung mit dem auf Videowänden immer präsenten Meer und einer Werftszenerie, die fernab jeglicher Idylle ist, wird in starken Bildern voller Dramatik und Leidenschaft das Geschehen erzählt. Dabei leistet der durch den Coruso-Chor e.V. verstärkte Opernchor mit einer großen Statisterie vereint, musikalisch und darstellerisch Herausragendes. André Bücker gelingt die Gratwanderung zwischen eindrucksvollen, der Grand Opéra ähnlichen Massenszenen und sehr genau gezeichneten individuellen Charakteren der Figuren. Das stumme Mädchen Fenella wird von Gabriella Gilardi mit einer ausdrucksstarken und expressiven Körpersprache getanzt und emotionalisiert die Inszenierung ganz besonders. Es sind vor allem aber die Sänger im Ensemble, die diese Aufführung dominieren und zu einem musikalischen Triumph werden lassen. Allen voran der junge mexikanische Tenor Diego Torre, der mit unglaublicher Energie und sängerischer Präsenz nahezu mühelos die heikle Höhe der Partie das Masaniello meistert. Makellos der Gesang von Eric Laporte als Alphonse und Angelina Ruzzafante als Elvire. Ulf Paulsen und Angus Wood sind die gewalttätigen Handlanger der Camorra. Vor allem Wiard Witholt als nach Rache dürstender Pietro, ungestümer Gefährte des Masaniello, hat sängerisch und darstellerisch Format. Jan Steigert (Bühne) und Christian Schrills (Video) lassen zum Finale den Vesuv flammende Lava speien - Metapher für die unbändige Kraft und Leidenschaft des Volkes, das das Schicksal der Stummen von Portici zum Fanal wider Terror und Gewalt nimmt. Das Leben jenseits von Wohlstand und Freiheit hat nicht zuletzt durch die leidenschaftliche und packende Musizierweise der Anhaltischen Philharmonie in dieser umjubelten Inszenierung ein Gesicht.
09.07.2010, 10:28 | tags:
Musiktheater
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Orpheus, Kevin Clarke, Juli/August 2010
Sänger sind wie Diamanten, die man zum Funkeln bringen muss!
Antony Hermus
Der Dirigent und neue GMD von Dessau im Gespräch mit Kevin Clarke
Antony Hermus, 1973 in den Niederlanden geboren, studierte an der Musikhochschule Tilburg. 2003 bis 2008 war er GMD in Hagen, seit dieser Saison ist er GMD des Anhaltischen Theaters Dessau, wo seine erste Produktion (Lohengrin) überregional positive Reaktionen hervorrief.
Aubers Stumme von Portici ist ein unbekanntes Werk, eine Grand Opéra mit spektakulären Effekten. Wie seid ihr an so ein Werk herangegangen?
Das war eine spannende Arbeit, vor allem, weil es kaum Vorbilder gibt. Aubers Stumme ist vor allem bekannt wegen ihrer revolutionären Inhalte. Es geht um Unterdrückung und Rache, wobei Persönliches und Politisches vermischt werden. Bis 1882 gab es 505 (!) Vorstellungen der Stummen an der Pariser Oper, heutzutage wird das Stück nur sehr selten gespielt, trotz der packenden, nach wie vor aktuellen Geschichte und berückend schönen Musik. Faszinierend ist auch die Figur der Stummen selbst, Fenella, die bei uns von einer Tänzerin dargestellt wird. Sie macht eine große Entwicklung durch, sagt nichts, kommuniziert aber viel, unterstützt von schillernden Orchesterzwischenspielen. Außerdem haben wir für die Hauptrollen eine super Besetzung.
Historische Dirigenten haben mit Solisten Rollen Satz für Satz probiert, um eine ideale Interpretation zu finden. Ist das auch Dein Ideal?
Ich arbeite unglaublich gern mit Sängern, weil sie wie Diamanten sind, die man schleifen und zum Funkeln bringen muss. Die Erkenntnis, dass Dirigenten Sängern helfen sollten, ist bei mir relativ früh gekommen. Ich war bei einer Pelléas-Produktion Studienleiter und hatte mit allen Sängern die Rollen einstudiert. Ich kannte das Stück also ziemlich gut. Bei einer Durchlaufprobe auf der Bühne mit Orchester fehlte ein Nebenrollendarsteller, und mein damaliger GMD bat mich, für eine Szene einzuspringen und auf der Bühne singend die Stichworte zu geben. Ich dachte „kein Problem“. Der Dirigent seinerseits dachte „ach, der Antony kennt das Stück ja, der hat's schließlich einstudiert, dem muss ich keine Zeichen geben“. Und ich stand da oben auf einer Schräge und hörte nur ein flirrendes Orchesterrauschen, von ganz weit weg. Alle meine Einsätze waren falsch, ich kam dauernd aus dem Takt. Der GMD guckte mich irritiert an. Und ich merkte, aha, das ist also das Gefühl, das ein Sänger hat, wenn er auf der Bühne steht und ein Dirigent ihm nicht hilft! Vorher habe ich mich immer geärgert über Sänger, die geschleppt oder Einsätze verpasst haben. Aber seit diesem Schlüsselerlebnis weiß ich, dass es meine wichtigste Aufgabe ist, Sängern zu helfen durch den Abend zu kommen, darauf zu achten, dass ihnen die Puste (oder Stimme) nicht wegbleibt. Als Dirigent muss ich für sie die richtigen Tempi finden, bei denen sie sich wohl fühlen. Und ich muss ein Band mit ihnen entwickeln. Nur dann entsteht Vertrauen und fühlt sich ein Sänger getragen. Orchester und Dirigent sollten einen Teppich für Sänger ausrollen, auf dem sie sich frei bewegen können.
Sänger müssten Dich für diese Einstellung lieben.
Ich liebe meinerseits jedenfalls Sänger, die sich mit Leidenschaft und einer großen Musikalität in Opern stürzen und genauso theatralisch denken wie ich.
Würdest Du Dich als Stimmfetischist bezeichnen?
Ich habe schon gewisse Klangideale für bestimmte Rollen. Die Herausforderung am deutschen Ensemblebetrieb ist, dass man Sänger sucht, die möglichst vielseitig einsetzbar sind, ohne sie im Repertoirebetrieb zu verheizen. In Dessau ist das bis jetzt gut gelungen, was vor allem das Verdienst von unserem Casting-Chef Heribert Germeshausen ist, der ein super Gespür für interessante Sänger hat.
Sind unbekannte Stücke ein Spielplanschwerpunkt?
Wir bemühen uns, erfinderisch zu sein. Raritäten werden auch in den nächsten Jahren vorkommen. Im Fall der Stummen von Portici war es eine tolle Entdeckungsreise mit einer Partitur, die kaum jemand kennt. Was eher unerfreulich war, war die Stückel-Arbeit mit dem Notenmaterial, denn es gibt keine kritische Edition von einem französischen Verlag, d.h. materialtechnisch ist das Stück schwierig. Als Holländer interessierte es mich besonders, weil mit Portici die belgische Revolution startete und letztlich die Unabhängigkeit der Niederlande herbeigeführt wurde. Solche Bezugspunkte zu meiner Heimat sind vielleicht zufällig, aber es gab sie auch beim Lohengrin, der ja bekanntlich in Brabant spielt, wo ich herkomme. Man könnte fast sagen, dass unser diesjähriger Spielplan speziell für mich konzipiert wurde.
Wie sieht es mit Medienpartnerschaften aus. Kommen weiterhin Produktionen aus Dessau auf CD und DVD heraus?
Wir werden versuchen, Dessau über CDs und DVDs auf die internationale Opern- und Orchesterlandkarte zu setzen. Wir haben hier ein großes Haus mit einer super Akustik und vielen bühnentechnischen Möglichkeiten. Das wollen wir optimal nutzen. Von der Stummen von Portici wird es eine DVD geben.
Vor kurzem lief in Dessau Kurt Weills One Touch of Venus. In den USA ist das Stück ein Klassiker, in Deutschland fast unbekannt. Hast Du Berührungsängste mit der Kunstform Operette oder Musical?
Überhaupt nicht. Wichtig ist für mich die Qualität der Musik. Ich bin ein großer Bernstein-Fan. Unseren neuen Candide hätte ich gern selbst gemacht, aber das ging zeitlich nicht. West Side Story würde ich sofort dirigieren oder On the Town. Ich habe in meiner Zeit in Hagen viele Operetten dirigiert, die mir auch viel Spaß gemacht haben. Grundsätzlich gilt: Gute Kapellmeister erkennt man daran, dass sie Operetten gut dirigieren können. Da scheidet sich schnell die Spreu vom Weizen.
Was sind Deine Pläne und Träume?
Ich würde gern wieder eine große Puccini-Oper leiten und einen Mozart-Zyklus oder (im Konzertbereich) einen Beethoven-Zyklus. Auch die Opern von Wagner und Strauss faszinieren mich unglaublich. Aber vor allem will ich mich persönlich weiterentwickeln als Künstler und Mensch, und dafür ist Dessau eine ideale Umgebung. Im Moment habe ich auch etliche Einladungen von Opernhäusern und Sinfonieorchestern für Gastdirigate, speziell in Frankreich und Holland. In Dessau hoffe ich, dass wir weitermachen können mit all dem, was wir angefangen haben, trotz Sparzwang, der momentan nicht nur bei uns herrscht. Die Stadt-, Landes- und Bundesväter sollten eines nicht vergessen: Kultur ist in einer Gesellschaft nicht die Sahne auf dem Kuchen, sondern auch die Hefe im Teig!
06.07.2010, 14:37 | tags:
Anhaltische Philharmonie
, Pressestimmen
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 06.07.10
Rasante Reise in den Süden
Anhaltische Philharmonie entführt ihr Publikum nach Spanien.
In der Musik beschreibt der Begriff der Antizipation normalerweise die Vorwegnahme eines Tones, der im harmonischen Gefüge eigentlich erst später kommen müsste - und an der ungewohnten Stelle deshalb möglicherweise für einen Missklang sorgt. Im Sport aber steht das Wort für die Vorahnung des Wettkampfgeschehens, die dem Athleten einen entscheidenden Vorteil verschaffen kann. Im letzten Sinfoniekonzert der Saison bewies die Anhaltische Philharmonie nun, dass man beide Bedeutungen durchaus zusammendenken kann - auch wenn der Ablauf des Abends natürlich schon lange feststand.
Doch wenn ein Niederländer zwei Stunden nach dem Sieg seiner Mannschaft über Brasilien ein Programm dirigiert, bei dem ein deutsches Sinfonieorchester ein überwiegend spanisches Programm präsentiert, dann sind drei der vier Halbfinalisten - und vermutlich auch die Endspiel-Gegner - der Fußball-WM auf engem Raum versammelt. Dass die Hitzeschlacht unter dem Motto "Auf in die Sonne" ohnehin auch eine sportliche Herausforderung an alle Interpreten werden würde - wer hätte nach dieser ersten Saison des Antony Hermus daran zweifeln wollen?
Dabei war das südländische Flair zunächst eher im Flirren der Atmosphäre und in gelegentlichen Eruptionen des Temperaments zu suchen: Vor Joaquin Rodrigos "Concierto de Aranjuez" hatte die Dramaturgie Emmanuel Chabriers Rhapsodie "Espana" und Joaquin Turinas "Danzas Fantasticas" gesetzt, die ihre thematischen Zuweisungen vor allem aus tänzerischen Vorbildern schöpfen. Dass sie sich in diesem Ansatz relativ nahe kommen, steigerte die Spannung auf den Auftritt von Marlon Titre, der mit dem Klassiker von Rodrigo nun eine entscheidende Steigerung bringen musste.
Das gelang dem jungen Gitarristen scheinbar mühelos - und mit wahrhaft majestätischer Haltung. Der Minimalismus, mit dem er die maximale Herausforderung dieses Virtuosen-Stücks meisterte und sich dabei als Motor und Inspirator des Orchesterklangs behauptete, war auch optisch ein Genuss - und setzte zumindest in der zweiten Aufführung zugleich jene Kräfte frei, mit denen die Philharmoniker ihr letztes Heimspiel vor der Sommerpause gewinnen konnten.
Denn von nun an ging es nach der Pause Schlag auf Schlag: Maurice Ravels "Alborada del Gracioso" als Mini-Bolero, dessen energetische Steigerung im Schlusstanz aus dem Ballett "Der Dreispitz" von Manuel de Falla noch einmal lustvoll potenziert wurde. Und mit dem hochtourigen "Danzón No. 2" von Arturo Márquez sowie "Estancia" von Alberto Ginastera mischten dann sogar noch lateinamerikanische Rhythmen in die Grüße aus dem Süden - und beim "Mambo" von Leonard Bernstein riefen die Musiker den Titel in den Saal.
Wen soll man loben? Das Englischhorn, den Solo-Cellisten, die ersten Pulte bei Oboe, Klarinette und Trompete? Oder die glorreichen sieben Schlagzeuger? Am besten alle zusammen und jeden einzeln, so wie es Antony Hermus am Ende tat. Und ihn selbst natürlich - auch für sein abermals flammendes Bekenntnis zu Dessau.
02.07.2010, 09:39 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
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Hartmut Regitz, tanz, Juli 2010
TOMASZ KAJDANSKI «NACHTASYL»
Das Notquartier als «Nachtasyl»: Dorin Gals Bühne nimmt in Dessau Maxim Gorki beim Wort und platziert die «Szenen aus der Tiefe» in einem Schwimmbad, das schon mal bessere Tage erlebt haben muss. Die Gestrandeten sitzen auf dem Trockenen, wenn sie nicht gerade Amok laufen. Ohne Ausweg scheint ihr Dasein, obwohl es Fluchtmöglichkeiten bietet. Ein paar Sprossen die Leiter hinauf, und man wäre der Trostlosigkeit entronnen. Wirklich benutzt wird sie nur von einem, der für eine Nacht in dem Asyl Unterschlupf findet und am nächsten Morgen wieder verschwindet.
Bei Gorki ist Luka so etwas wie ein Landstreicher, der seinen Mitbewohnern ein paar Stunden lang Geschichten, Märchen, auch ein paar Lügen auftischt. Ganz in der Tradition einer eher missverstandenen Aufführungsgeschichte macht Tomasz Kajdanski aus ihm einen Hoffnungsträger, einen Katalysator, der die Welt seiner Mitmenschen verändert. Auf einmal gewinnen die Träume, die Angela Zumpe auf die Beckenmauern projiziert, Farbe und Frische. Selbst der Himmel, zuvor noch auf einem Plafond grau in grau, erstrahlt für kurze Zeit in schönstem Blau. Statt Detlev Glanerts «Theatrum Bestiarum» erklingt Arnold Schönbergs «Verklärte Nacht».
Mit dem Wechsel der musikalischen Stimmung verändert sich auch das Material der Bewegung. Kajdanski choreografiert nicht mehr einen Kampf um die nackte Existenz. Ein verzweifeltes virtuoses Aufbegehren macht im weiteren Verlauf einer Paarung Platz, die in ihrer Parallelführung so etwas wie ein harmonisches Miteinander signalisiert. Der Selbstmordkandidat befreit sich von seiner Krawatte, die ihm wie ein Strick um den Hals hängt. Ein anderer sucht Geborgenheit in Lukas Schoß. Joe Monaghan, elegant in seiner Erscheinung und durchweg expressiv im Tanz, erinnert stark an die Engelsgestalt in Pier Paolo Pasolinis Film «Teorema - Geometrie der Liebe». Wie dort verändert er durch seine Empathie die Menschen. Und wie dort hinterlässt sein Verschwinden eine lähmende Leere.
«Rasend vor Ohnmacht» hat Kajdanski noch den ersten Teil seiner «Handlung» genannt, «Hoffnung» den zweiten. Mit «Endzeit» schließt Kajdanski insofern an den Anfang an, als er der abschließenden Szene die «MahIer/Skizze» von Glanert unterlegt: ein elementares Klangereignis, das durchaus etwas Apokalyptisches hat. So, wie Kajdanski sein Tanztheater präsentiert, brutal bis zum Exzess, persönlichkeitsstark und hoch motiviert bis in die Fingerspitzen, hat man den Eindruck, als kämpfe es selbst ums Überleben.
Tatsächlich soll das Anhaltische Theater Dessau von 2013 an nur noch mit der Hälfte der jährlichen kommunalen Unterstützung von sieben Millionen auskommen. Falls das geschieht, so Generalintendant André Bücker, «ist die Schließung programmiert» - und Kajdanski gezwungen, mitsamt seinem Ensemble andernorts um Asyl zu ersuchen. Es muss ja nicht unbedingt ein Schwimmbad sein. Ein ausgedientes Theater tut es zur Not ja auch.
Wieder 4. Juli, 12., 18. Sept. anhaltisches-theater.de
02.07.2010, 09:25 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
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Joachim Lange, Die Deutsche Bühne, Juli 2010
Auf dem Trocknen
Tomasz Kajdanskis Dessauer Tanztheater "Nachtasyl - Szenen aus der Tiefe"
Der furiose Neuanfang des Anhaltischen Theaters nach dem Wechsel
vom Langzeitintendanten Johannes Felsenstein zu André Bücker ist ohne das Tanztheater von Tomasz Kajdanski und seiner Truppe nicht vorstellbar. Ihre "Lulu"-Version war bereits ein furioser Einstieg. Und mit "Nachtasyl – Szenen aus der Tiefe" nach Maxim Gorki ist es nicht anders. Hier ist eine hochprofessionelle, so athletisch wie ausdrucksstark tanzende Truppe am Werke, der es zu klug kombinierter Musik um ambitioniertes Tanztheater im besten Sinne des Wortes geht. Auch, dass die Anhaltische Philharmonie unter Leitung von Wolfgang Kluge den musikalischen Mix aus Werken von Detlev Glanert und Arnold Schönberg wieder mit großem Orchester vom Graben aus beisteuert, unterstreicht die Bedeutung, die die Tanzsparte in Dessau hat.
Im Nachtasyl folgt Kajdanski mit seinen elf Tänzern, locker, aber erkennbar, Maxim Gorkis dunklem Stück über die Verlorenen und Ausgestoßenen, gleichwohl immer noch träumenden Menschen, das ihm 1902 den Durchbruch eintrug. In Dessau sind es jetzt im wahrsten Wortsinn Gestrandete, junge Menschen von heute. Man könnte jedem von ihnen in einer der urbanen Problemzonen unserer Städte begegnen. Beim Abhängen oder Rumlungern. Der Untertitel "Szenen aus der Tiefe" meint sowohl die seelischen Abgründe der Verzweiflung und Ratlosigkeit als auch den hochatmosphärischen Raum von Dorin Gal.
Alles spielt sich nämlich in einem trocken gelegten Schwimmbecken ab. Die Rückwand ist dabei ebenso Projektionsfläche für die exzellenten, unaufdringlichen Videos von Angela Zumpe, wie eine über dem Becken schwebende Leinwand. Die urbane Tristesse vom Leben verlassener Bauten und die Träume von Wolken, Meer und blühenden Landschaften mischen sich dabei suggestiv in die tanzend erzählten kleinen Geschichten von Aggressivität und Aufbegehren, von Liebe und Hass, von Sehnsucht nach dem Leben oder dem Tod. Dabei profilieren die Tänzer ihre Figuren als Individuen und erzeugen in der Balance mit der kontrastierend kombinierten Musik von Glanerts "Theatrum Bestiarium" und "Mahler/Skizze" und Schönbergs "Verklärter Nacht" einen Sog, zwischen aufkeimender Traumhoffnung und niederschmetternder Dunkelheit der Realität. Am Ende, wenn die Szene unter einem schwarzen Tuch verschwindet, bleibt dennoch auch die geträumte Hoffnung im Gedächtnis. Ein starkes Stück Tanztheater!
30.06.2010, 17:10 | tags:
Anhaltische Philharmonie
, Diverses
Pressemitteilung vom 30.06.2010
Neue Initiative zur Anschaffung eines Konzertflügels - "88 Tasten für je 88 Euro"
Am Samstag, dem 19. Juni 2010, musizierten die drei ehemaligen Dessauer Musikschüler Annemarie Klein, Annemarie Schulze und Christoph Schreiber erneut in einem Benefizkonzert zugunsten der Musikschule. In bewährter Weise wurden die jungen Künstler zum Teil vom Kapellmeister und Studienleiter der Anhaltischen Philharmonie, Wolfgang Kluge begleitet.
Die jungen Musiker starteten gemeinsam mit Anne Meißner vor zwei Jahren in ihrem Abschiedskonzert von der Musikschule die Initiative, für die Anschaffung eines Konzertflügels in Verantwortung des Förderkreises der Musikschule Geld zu sammeln.
Das Sonderspendenkonto "Konzertflügel" wies zum Zeitpunkt des diesjährigen Konzertes einen Betrag von fast 12.000 Euro aus. Bei dem Benefizkonzert am 19. Juni wurde von den ehemaligen Musikschülern, die inzwischen alle Musik studieren, das neue Großprojekt
"88 Tasten für je 88 Euro" ins Leben gerufen. Diese aktuelle Weiterführung der Spendenaktion nimmt Bezug darauf, dass ein Konzertflügel 88 Tasten hat und jede Taste nunmehr „gekauft“ werden kann.
Zum Konzert wurden die großartigen Leistungen der jungen Künstler vom Publikum begeistert gefeiert. Der gesamte Erlös des Konzertes in Höhe von 587 Euro ist ebenfalls ein Beitrag für das Flügel-Spendenkonto. Ein anschließender kleiner Empfang zum Schuljahresausklang, der von den Vorstandsmitgliedern des Förderkreises in eigener Initiative im Georgengarten ausgerichtet wurde, bot die Möglichkeit zu Gesprächen und natürlich zur Erläuterung der neuen Initiative "88 Tasten für je 88 Euro".
Als unmittelbares Echo konnten bereits 15 Tasten "verkauft" werden. Diejenigen, die sich an der Initiative beteiligen, übernehmen Patenschaften für jeweils eine oder mehrere Tasten des neuen Flügels und unterstützen somit unmittelbar die weitere Finanzierung des Instrumentes. Die "Tasten-Paten" werden auf einer großen Flügeltastatur-Nachbildung im Saal der Musikschule, dem Standort des ersehnten Instrumentes, eine dauerhafte Würdigung finden.
Des Weiteren erhalten sie eine persönliche Urkunde und natürlich Einladungen zu besonderen Sponsorenkonzerten mit diesem Flügel.
Der Vorstand des Förderkreises hat als Ziel formuliert, spätestens zum 800jährigen Jubiläum der Stadt Dessau im Jahr 2013 dieses anspruchsvolle Vorhaben zu realisieren.
An alle Freunde der Musikschule, an Unternehmen und Einrichtungen sowie Privatpersonen ergeht die Bitte, sich mit konkreten Patenschaften an dem Flügeltasten-Projekt zu beteiligen. Ein kleiner Flyer des Förderkreises, der zum Beispiel an der Theaterkasse im Rathauscenter oder über die unten aufgeführten Kontaktmöglichkeiten erhältlich ist, gibt allen am Projekt Interessierten die nötigen Informationen sowie die Möglichkeit, sich der Initiative mit entsprechenden Geldbeträgen anzuschließen.
Ansprechpartner sind: Frau Klein im Sekretariat der Musikschule (Telefon 0340/214542) und Frau Schreiber vom Vorstand des Förderkreises der Musikschule (Telefon 0162/4932720).
Den Förderkreis der Musikschule der Stadt Dessau e.V. erreichen Sie auch per E-Mail: foerderkreis-musikschule@gmx.de.
30.06.2010, 16:37 | tags:
Anhaltische Philharmonie
Pressemitteilung vom 30.06.2010
Sommerliche Konzerte in Wörlitz und Berlin
Ihr letztes Wörlitzer Seekonzert der laufenden Saison, jene beliebten Abende, an denen eine gemächliche Gondelfahrt über die Seen und Kanäle mit einem Abendessen auf den Gondeln und musikalischen Genüssen an den Ufern kombiniert ist, bestreiten die Dessauer Musiker am 10. Juli. Ein Kammerensemble aus Bläsern und Streichern lädt unter dem Motto „Fiati con archi“ zu Musik von Rossini, Pleyel u.a. ein. Weitere Seekonzerte mit Berliner Künstlern sind am 3., 17., 24. und 31. Juli geplant. Gäste der Seekonzerte treffen sich an den jeweiligen Konzerttagen bis 18 Uhr an der Gondelstation.
Bevor sich die Musikerinnen und Musiker der Anhaltischen Philharmonie endgültig in den Urlaub verabschieden, gastieren sie noch mit drei Konzerten außerhalb Dessaus: am 9. Juli um 19 Uhr in der Stadthalle Zerbst mit einem Tschaikowski-Programm anlässlich der Einweihung des Katharina-Denkmals in Zerbst sowie am 15. und 17. Juli jeweils um 19:30 Uhr beim Classic Open Air auf dem Berliner Gendarmenmarkt.
Informationen und Tickets für die Seekonzerte erhalten Sie an der Abendkasse und unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr | Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
27.06.2010, 10:31 | tags:
Musiktheater
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Axel Göritz, Opernnetz.de, Juni 2010
Theater im Theater
Ursprünglich als Stoff um die reale Ermordung des schwedischen Königs Gustav III. während eines Balles Ende des 18. Jahrhunderts geplant, verlegte Verdi wegen der Zensur in Italien die Handlung seines Maskenballs ins ferne, für die regierenden Herrscherhäuser unproblematische Boston in Neuengland, aus dem gekrönten König wurde ein ziviler Gouverneur . Die Neuproduktion in Dessau greift nun wieder die ursprüngliche Version mit dem Bezugsrahmen in Schweden auf und nähert sich dem historischen Vorbild noch mit einem zusätzlichen Dreh. Gustav III. war ein aufgeklärter Monarch, den Künsten zugetan und sie fördernd. Die Inszenierung von Roland Schwab greift diesen verbürgten Rahmen auf und lässt das Stück als Theater im Theater auf einer Probebühne beginnen. In einer Anfangs-Pantomime ziehen die Laien-Schauspieler per Zufalls-Karten ihre Rollen, legen ihre jeweiligen Kostüme an und das Spiel um das tragische Schicksal des unglücklich verliebten Königs mit dem Pagen Oscar (Cornelia Marschall mit klarer Diktion) als Maître de Plaisir kann beginnen. Das funktioniert in der ersten Hälfte mit ihrer turbulenten Handlung um die Zauberin und Wahrsagerin Ulrika sehr schön, im Stil einer commedia dell'arte wird drastisch und fast überbordend gespielt, man fällt gelegentlich auch aus der Rolle und beobachtet das Spiel quasi als eigener ironischer Kommentator, geht wie im Zirkusrund auch mal sich anbiedernd und um Beifall heischend durch die erste Publikumsreihe, kurzum, man veranstaltet pralles Volkstheater mit einem gewissen Augenzwinkern.
Das gelingt auch wegen der tollen Spiellaune von Hector Sandoval (mit seinem nicht allzu großen, aber sehr stimmschön und ausdrucksvoll geführten Tenor) in der Rolle des Königs. Wie er sich ins Zeug legt und als Theatertier verausgabt sieht man auf der Opernbühne sonst eher recht selten. Seine Mitspieler brauchen dann doch etwas länger, bis sie ebenfalls in Fahrt kommen und einigermaßen mithalten können. Ein starkes Bild dabei die Wahrsage-Szene mit der Warnung an den König, dass er durch die Hand eines Freundes getötet werde, als die Zauberin Ulrika (Rita Kapfhammer mit voll tönendem Alt) aus dem Leib einer ihrer Lemuren einen soeben geborenen erwachsenen Menschen zieht.
Doch dieses doppelbödige Spektakel mit dem Spiel im Spiel (so liest Ulrika die Zukunft nicht aus der realen Hand des Königs, sondern aus einer ihr gereichten Puppen-Hand) verliert sich, je mehr das Drama um König Gustav und seine Geliebte Amelia, die Frau seines besten Freundes und Sekretärs René, in den Mittelpunkt der Handlung rückt. Jetzt wird, in durchaus eindrucksvollen Bildern, auch dank des die Bühne beherrschenden riesigen Spiegels (Bühne: Hartmut Schörghofer), der das Geschehen für den Zuschauer geheimnisvoll verdoppelt, ungebrochen die Leidenschaft um Amelia gezeigt, die schließlich in dem Rache-Mord am König kulminiert. Den stärksten Eindruck hinterlässt dabei die Schluss-Szene auf dem Maskenball, als sich die Verschwörer unter Anführung von René zu einem gespenstischen Todestanz-Ständchen mit Geigen und Bratschen „bewaffnet“ dem König nähern, ihn im Takt des fahlen Orchesterklangs in die Enge treiben und schließlich mit dem Geigenbogen erstechen.
Das stimmliche Niveau aller Protagonisten war hoch. Ulf Paulsen wusste nach verhaltenem Start auch darstellerisch voll zu überzeugen, im Hass und der Rache wegen der vermeintlichen Untreue seiner Gattin lief er mit seinem kraftvollen Bariton zu großer Form auf. Die Amelia von Iordanka Derilova hatte alles, was man von einem dramatischen Verdi-Sopran erwarten kann: die leuchtende, kräftige Höhe ebenso wie die volle Mittellage und ein zartes Piano. Und der Regisseur hatte ihr die sonst Derilova-typischen weit ausholenden Armbewegungen ausgetrieben, so dass sie umso glaubhafter ihr Gewissensdrama um Liebe und Verzicht gestalten konnte.
Die Anhaltische Philharmonie unter Leitung ihres Generalmusikdirektors Antony Hermus klang zu Beginn zu verhalten und zu gemächlich. Im Verlauf der Aufführung kam die Spannung dann auch aus dem Orchestergraben, in den großen Ensemble-Szenen fanden die Musiker zu sattem Verdi-Klang, ebenso wie der Chor unter Leitung von Helmut Sonne.
Das Premieren-Publikum feierte alle Beteiligten, einschließlich des Regie-Teams, mit großem Beifall und Fuß-Trampeln. Ein oder zwei einsame Buh-Rufe animierten die übergroße Gegen-Fraktion zu umso kräftigere Bravo-Salven.
27.06.2010, 10:19 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
Thomas Starost, Main Post, 24.06.2010
SCHWEINFURT
Stimmfest mit furioser Durchschlagskraft
Sensationeller Gala-Abend beendet Schweinfurter Theatersaison
Das war's. Aus, Schluss, vorbei. Die Schweinfurter Theater-Saison 2009/ 2010 ist Vergangenheit. Nur wie und in welchem Stil sie beendet wurde, das wird noch lange Zeit unvergesslich bleiben.
Was da zum Abschluss geboten wurde war eine so furiose, sensationelle Aufführung, bei der wirklich alle kritischen Bremsen schwach werden. Einen Konzertabend mit solchen Beifalls-Tumulten zu toppen wird eine nur schwer zu meisternde Herausforderung für kommende Spielzeiten. Versprochen war eine „Festliche Operngala“ des Anhaltischen Theaters Dessau und es wurde ein grandioses, einzigartiges Stimmfest mit furioser Durchschlagskraft.
Um dem Geschehen nur annähernd gerecht zu werden, muss man tief in die Kiste mit den Superlativen greifen: sensationell, einzigartig, über Strecken absolute Weltklasse mit einer alles überragenden, überstrahlenden Starsolistin Iordanka Derilova. Was brauchen wir hier Bayreuth, Mailand, Verona oder Wien, wenn sich das Theater der Stadt ein solches Ensemble, ein solches Orchester, solche Solisten zumindest ab und zu leisten kann.
Iordanka Derilova ist ein Glücksfall für jeden Opernabend und immer wieder verblüfft, über welche Stimmgewalt und Gestaltungskraft diese Sängerin verfügt. Zum Abschluss des offiziellen Programms gibt es eine Gesangs-Demonstration mit der vertrackt schweren Arie „In questa reggia“ aus Puccinis Turandot. Und Derilova stellt eine schier unglaubliche Leistung der „eisgegürteten Prinzessin“ auf die Bühne, mit Gänsehaut-Garantie beim Publikum. Die Stimme ist nicht nur in jeder Lage sicher durchgebildet, sie produziert immenses Volumen mit Brillanz und Klangschönheit und liegt auch bei den gewaltigen Klang-Ausbrüchen der Arie immer absolut sicher im Fokus.
Gänsehaut-Garantie
Das gilt ebenso für das Duett Tosca - Cavaradossi aus Puccinis Tosca, bei dem das Publikum förmlich mit Klangwogen aus Farbe, Fülle und Volumen überflutet wird. Mit Pedro Velázquez Diaz in der Tenorpartie hat Iordanka Derilova einen Gegenpart, der problemlos mithalten kann, wenn es um pathetisches, konzentriert versammeltes Singen geht. Und endlich, endlich, endlich auch in Schweinfurt wieder mal ein Tenor, bei dem man nicht bei jedem Spitzenton mit schweißnassen Händen mitbangen muss, ob er nun getroffen wird oder zum Desaster verkommt.
Diaz verfügt beim tenoralen Gassenhauer „E lucevan le stelle“ („Und es blitzen die Sterne“) über eine wunderbar sicher anzuhörende Höhe mit dem nötigen „squillo“, dem metallischen Kern und prächtigem Volumen. Dritter im Bunde Bariton Ulf Paulsen, mit Weltklasse-Leistung bei der vertrackt schweren Arie „Nemico della Patria“ („Feind des Vaterlandes“) aus Umberto Giardanos Verismo - Reißer „Andera Chenier“: Con Forza Singen von fast einschüchternder Wucht, mit Eleganz in der Stimmführung.
Nicht ganz in der Klasse, aber immer noch im Bereich des Außerordentlichen der junge, baumlange Bariton Wlard Witholt mit einer wunderbar einfühlsamen Interpretation der Arie „An den Abendstern“ aus Wagners Tannhäuser und Angelina Ruzzafantes lyrischer Sopran mit „Einsam in trüben Tagen“ aus Wagners Lohengrin.
Unter der Leitung ihres neuen General-Musikdirektors Antony Hermus präsentierte sich zudem der gesamte Orchester-Apparat der Anhaltischen Philharmonie Dessau als prächtig homogener Klangkörper. Ein so gut aufgelegter Streich- und Blechbläser-Apparat ist auch bei den Bamberger Symphonikern nicht alle Tage zu hören. Wagners Walkürenritt geriet zur imposanten Blechbläser-Demonstration.
Am Ende Beifalls-Tumulte im Haus, Bravos, Blumen, minutenlange stehende Ovationen, rhythmisches Klatschen – und dann als Zugabe noch das „Brindisi“, das berühmte Trinklied aus Verdis „La Traviata“. Grenzüberschreitender Jubel vom Publikum auf die Bühne.
25.06.2010, 15:07 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
Pressemitteilung vom 25.06.2010
„Nachtasyl“ zum letzten Mal vor der Sommerpause
Das Anhaltische Theater Dessau zeigt am Sonntag, 4. Juli, um 17 Uhr die Uraufführung „Nachtasyl – Szenen aus der Tiefe“ nach Maxim Gorkis gleichnamigen Schauspiel letztmalig in dieser Spielzeit. „Nachtasyl – Szenen aus der Tiefe“ ist die zweite Tanzinszenierung des Ballettdirektors Tomasz Kajdanski auf der Dessauer Bühne.
Im Nachtasyl finden sich zerbrochene und verzagte Existenzen an einem Ort des Verfalls zusammen. Sie zerstören und ermüden sich, halten aneinander fest, trösten sich und suchen dabei immer wieder das Licht, das Morgen. Sinnlich und hochenergetisch zeigen die Tänzer in einem spannenden Bühnenbild nicht nur die Zustände der Ausweglosigkeit und des Verlorenseins, sondern auch die Schönheit und Kraft des Aufbruchs sowie die Hoffnung nach Momenten der stillen oder aggressiven Verzweiflung.
Die Inszenierung steht in der kommenden Spielzeit, im September, nur noch zwei weitere Male auf dem Spielplan. Unter der Leitung von Wolfgang Kluge spielt die Anhaltische Philharmonie spannungsreiche und vielseitige Musik von Detlev Glanert und Arnold Schönberg.
„Es wird großartig getanzt, eine Kompanie aus höchst individuellen Tänzerinnen und Tänzern, deren Authentizität der Choreograf nicht verstellt sondern nutzt. Und es wird spannend musiziert...“ – www.tanznetz.de, 01.06.2010
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de und auch an der Abendkasse.
25.06.2010, 14:49 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
Schweinfurter Tagblatt, 18.06.2010
Interview: Die Sopranistin Iordanka Derilova ist am Dienstag bei der Operngala aus Dessau im Theater zu Gast
Besonders gefallen mir böse, fatale Frauen
Mit einer Operngala am Dienstag, 22. Juni, um 19.30 Uhr, beschließt das Anhaltische Theater Dessau die 43. Saison des Theaters Schweinfurt. Mit dabei die in Sofia geborene und in Schweinfurt schon oft gefeierte Sopranistin Iordanka Derilova. Sie erhielt 2003 ein Festengagement am Anhaltischen Theater. 2008 präsentierte sie sich in der Rolle der Turandot bei den Salzburgern Festtagen im Großen Festspielhaus. 2009 war sie in der Rolle der Aida zu hören. Die Höhepunkte 2009 waren die Auszeichnung des Titels Kammersängerin und die Rolle der Elektra. In der Spielzeit 2009/10 wird sie die Rollen Ortrud („Lohengrin“) und Amelia („Ein Maskenball“) am Anhaltischen Theater singen.
Frage: Wenn man Ihren künstlerischen Lebensweg betrachtet, fasziniert einerseits das beachtliche Rollenrepertoire aber auch die vielen Stationen Ihres Erfolgs in ganz Europa und auch im weiteren Ausland. Können Sie eine Lieblingsrolle benennen? Und eine Station Ihres Werdegangs, die Ihnen besonders am Herzen liegt?
Iordanka Derilova: Nur eine Rolle zu benennen, fällt mir schwer. Besonders gefallen mir böse, fatale Frauen (lacht), zum Beispiel Lady Macbeth, Abigaille, Turandot und Elektra mag ich sehr. Ich fühle mich eigentlich überall wohl. Elektra in Stockholm und Elektra in Catania und Aida in Japan – alles Große Häuser – haben mich schon sehr beeindruckt. Das verrückteste Publikum aber habe ich Japan erlebt. Das war eine ganz besondere Atmosphäre.
2003 wurden Sie unter der Intendanz von Johannes Felsenstein an das Anhaltische Theater Dessau engagiert. Sie haben auch in der Abschiedsproduktion von Felsenstein die Titelrolle der Elektra gesungen. Welche Erinnerungen haben Sie an die Zusammenarbeit mit ihm?
Derilova: Die Rolle der Elektra war eine schöne Herausforderung, die mich viel Kraft gekostet hat (zwei Kilogramm Körpergewicht pro Vorstellung), die mir aber auch unheimlich Freude und Spaß gemacht hat. Neben Elektra habe ich zahlreiche Partien mit Johannes Felsenstein erarbeitet. Er ist ein Mensch, der sehr viel fordert, und das ist gut so. Einmal sagte er zu mir: „Du bist wie Plastilin – ich kann Dich für jede Rolle formen.“ Ich habe von ihm viel gelernt.
Die neue Intendanz: ein neuer Generalintendant – André Bücker –, ein neuer GMD – Antony Hermus –, eine neue Chefregisseurin – Andrea Moses –, neue Kolleginnen und Kollegen. Wie sind Ihre ersten Erfahrungen?
Derilova: Sehr schön! Mit Antony Hermus und Andrea Moses zu arbeiten, war ein großes Vergnügen. Ich bin schon ungeduldig und kann die nächste Turandot-Produktion kaum erwarten. Mit André Bücker werde ich erst in der nächsten Spielzeit arbeiten „Der Protagonist/ Der Bajazzo“ – darauf freue ich mich sehr.
Das Anhaltische Theater Dessau gastiert seit fünf Jahren im Theater Schweinfurt. Am 22. Juni nun mit einer Operngala, die sich Wagner und dem italienischen Repertoire widmet. Welche Erinnerungen haben Sie an Schweinfurt?
Derilova: Wir freuen uns immer sehr auf Schweinfurt, etwas Schönes für das Publikum zu machen.
Im Mai 2011 werden Sie als Leonore in Beethovens Fidelio (Inszenierung: Johannes Felsenstein) zurückkehren. Liegt Ihnen die Rolle der Leonore?
Derilova: Es ist nicht eine meiner Lieblingspartien. Sie ist zwar eine starke Persönlichkeit, dennoch ist die Musik etwas trocken, zu wenig leidenschaftlich – zumindest für mich.
Sie haben die Elektra gesungen wie auch die Isolde und Kundry, Aida, Rusalka, Tosca oder Turandot. Von welchen Partien träumen Sie noch?
Derilova: Ich möchte gern Manon Lescaut von Puccini und Salomé von Strauss singen. Aber sicher gibt es noch viele andere faszinierende Rollen.
Schweinfurt und Dessau
Das Theater Schweinfurt gehört zu den fünf größten Gastspielhäusern im deutschsprachigen Raum. Fester Bestandteil der Arbeit ist die Kontinuität der Zusammenarbeit mit verlässlichen Partnern über Jahre hinweg. Die Bamberger Symphoniker spielen seit Oktober 1946 regelmäßig in Schweinfurt. Münchner Kammerspiele und Bayerisches Staatsschauspiel sind seit Jahrzehnten zu Gast.
Aktuelles Beispiel ist das freundschaftliche Verhältnis zum Anhaltischen Theater Dessau, das im Oktober 2004 begann. Mehr als 13 000 Menschen haben hier inzwischen Produktionen des Anhaltischen Theaters gesehen, darunter „Don Karlos“, „Die Hochzeit des Figaro“, „Don Giovanni“, „Landschaft mit Schatten“ (Tanztheater - Gregor Seyffert)oder „Land des Lächelns“.
Das Gespräch führte Christian Kreppel Leiter des Schweinfurter Theaters
23.06.2010, 14:35 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
, Pressestimmen
Christoph Suhre, „Der neue Merker“, Juni 2010
Dessau: "LA MUETTE DE PORTICI"
Unter Aubers Vornamen findet sich auch dieser: Esprit. Nur wenige seiner ca. 50 Bühnenwerke sind heute noch bekannt, aber die, die heute hauptsächlich durch CD-Angebote zugänglich sind, eint eines: Diese Musik besitzt Esprit. Der 1782 geborene Komponist galt zunächst als repräsentativer Vertreter der Opéra Comique, die er mit nicht weniger als 34 Stücken belieferte. Ab 1840 etwa war dann seine Annäherung an die ernste Oper zu erkennen. Auffällig ist, dass dabei Aubers Stil keinem größeren Wandel unterworfen war. »La Muette de Portici" wurde 1828 in der Opéra Paris uraufgeführt.
Das Libretto von Eugène Scribe greift einen historischen Vorgang aus dem Jahre 1647 auf Ein Fischer, Masaniello genannt, entfacht in Neapel einen Aufstand gegen die Steuerpolitik der spanischen Besatzungsmacht. Auch wenn die Fischer und Obsthändler Teilerfolge erzielen, scheitert der Aufstand. Zudem bricht auch noch der Vesuv aus. Bühnenwirksamer geht’s nimmer.
Regisseur André Bücker belässt die Handlung am Ort des historischen Geschehens, zeigt uns aber das Neapel der Gegenwart, in dem es bekanntermaßen genügend Zündstoff gibt. Der Camorra obliegt die totale wirtschaftliche Kontrolle der Region. Sie hat kriminelle Strukturen aufgebaut, die über die Bevölkerung und deren Leben bestimmen. Insofern sind die Vorgänge aus dem Jahre 1647 nach wie vor aktuell und brisant. Das opulente Bühnenbild von Jan Steigert spiegelt Hafenatmosphäre wider, die Kostüme, die Suse Tobisch entwarf, sind zeitgemäß. Videoclips, für die Christian Schrills verantwortlich zeichnet, werden nicht ausgespart. Das Geschehen spielt sich im Wesentlichen in einer Containerlandschaft ab – die Bühnenmaschinerie ist im Totaleinsatz und bis ins Letzte gefordert. In Aubers Oper gibt es große Chortableaus, die André Bücker bühnenwirksam arrangiert, es gibt Ensembles, die orchestersprachliche Feinheiten erfordern, sowie Arien und Duette, die von den Solisten Gesangstechnik, Kantabilität und Emotionalität erfordern. Die Dessauer Aufführung bleibt nichts davon schuldig. Zu lesen ist, dass von dieser Produktion eine DVD erstellt wird. Interessierte Opernbesucher werden dann Gelegenheit haben, ein Werk kennen zu lernen, dass zu Unrecht ein Schattendasein führt. Sie werden aber auch Gelegenheit haben, sich von der großartigen Leistungsfähigkeit des Dessauer Ensembles ein Bild zu machen.
Kurios ist. dass die Vertreterin der Titelpartie zwar permanent präsent ist, aber nichts zu singen hat. André Bücker entschied sich bei der Besetzung dieser Rolle für eine Tänzerin. Gabriella Gilardi verfügt über ein hohes Maß an Körperbeherrschung und Körpersprache und kann dadurch die Befindlichkeiten der stummen Fenella sehr gut zum Ausdruck bringen. Mitunter wirkt sie in ihren Bewegungen etwas abstrakt, aber das muss kein Nachteil sein, denn das Mädchen stößt aufgrund ihres Handicaps an Grenzen. Eine Tenorpartie ersten Ranges ist die des Masaniello. In einer Studioeinspielung drückt immerhin Alfredo Kraus dieser exponierten Partie sein Gütesiegel auf. In Dessau erlebten wir den mexikanischen Tenor Diego Torre als Masaniello. Am Anhaltischen Theater gab er zugleich sein Europadebüt. In den großen Ensembles ist er absolut präsent und wenn er zu Beginn des 4. Aktes seine Kavatine Spectacle affreux singt, dürfte auch der letzte Zuschauer zu der Erkenntnis gelangt sein, dass wir es hier mit einer Tenorstimme zu tun haben, die zu ganz großen Hoffnungen berechtigt. Der sympathische Sänger verfügt über eine Stimme, die über Glanz und Elastizität, Expressivität und Innigkeit, Klang und Volumen verfügt. Mit Oscar de la Torre hatte man für die Partie des Alphonse einen weiteren mexikanischen Tenor verpflichtet. Alphonse ist in der Vorlage der Sohn des spanischen Vizekönigs, in der Lesart von André Bücker Capo eines Clans. Auch dieser Sänger weiß zu begeistern, erleben wir doch in seinem Gesangspart viele Verzierungen, die an Rossini erinnern und Leichtigkeit, Höhe und Atem erfordern. Oscar de la Torre stellt sich souverän diesen Anforderungen.
Neben der Fenella ist die Elvire eine weitere zentrale Frauengestalt der Oper. Sie ist Alphonses Braut und wird durch dessen skrupelloses Tun und Lassen in unterschiedlichste Konfliktsituationen gestoßen. Das alles wird natürlich auch musikalisch untersetzt und erfordert von der Rollenvertreterin entsprechende gesangliche und darstellerische Mittel. Bei Angelina Ruzzafante ist diese Partie bestens aufgehoben. Einerseits setzt sie zarte, berührende Piani in den Raum, anderseits trumpft sie in den großen Ensembles eindrucksvoll auf, ohne dabei schrill zu klingen oder zu forcieren. Wiard Witholt beeindruckt mit gut geführter und kerniger Stimme als Pietro. Zunächst begegnen wir ihm als wahrem Freund Masaniellos. Später wendet er sich von ihm ab und vergiftet ihn gar. Wiard Witholt gestaltet diesen Wechsel absolut überzeugend. Obwohl Ulf Paulsen in dieser Oper eine relativ kleine Rolle zu gestalten hat, kann man sich ihm weder vokal noch darstellerisch entziehen. Er ist ein Verbündeter Alpbonses und damit Drahtzieher düsterer Machenschaften. Kostadin Aguirov als Borella, .Angus Wood als Vertraute Alfonses und Stephan Biener als Moreno runden ein absolut intaktes Ensemble ab. Mit Umsicht und Esprit wurde das Ensemble von Antony Hermus am Pult der engagiert spielenden Anhaltischen Philharmonie trefflich unterstützt. Der Dirigent weiß um die Schönheiten der packenden Musik und lässt sie deshalb entsprechend nuanciert und facettenreich erklingen. Ein Genuss! Der Opernchor des Anhaltischen Theaters wurde durch Mitglieder des Coruso Chores aus Berlin klangvoll unterstützt. Die Chorleitung oblag Helmut Sonne. Das konnte sich hören und sehen lassen. Ein Extralob verdienen auch die Mitglieder des Kinderballetts des Theaters, die in der Choreografie von Gabriella Gilardi die Intentionen des Regieteams wirkungsvoll unterstützten. Das Beispiel Dessau in Bezug auf Auber sollte Schule machen. Es lohnt sich!
21.06.2010, 14:44 | tags:
Anhaltische Philharmonie
Pressemitteilung vom 21.06.2010
Auf in die Sonne!
Zum Abschluss der Konzertsaison lädt das Anhaltische Theater am 1. und 2. Juli, jeweils 19.30 Uhr im Großen Haus zum 8. Sinfoniekonzert ein, das mit dem Titel „Auf in die Sonne“ überschrieben ist.
Generalmusikdirektor Antony Hermus hat sich für beide Tage etwas Besonderes einfallen lassen und nimmt Musiker und Publikum mit auf eine vergnügliche Urlaubsreise.
Im Konzert „Auf in die Sonne“ geht es musikalisch nach Spanien und nach Lateinamerika. Feuriges Temperament und Lebensfreude enthält die Musik der dortigen Komponisten, aber auch eine ganz eigentümliche Melancholie. Und wenn von spanischer Musik die Rede ist, darf der Klang einer Gitarre nicht fehlen: Joaquín Rodrigos berühmtes „Concierto de Aranjuez“, diese einzigartige Hommage an den Flamenco, wird 70 Jahre nach seiner Entstehung erstmals in einem Dessauer Sinfoniekonzert zu erleben sein.
Solist ist der mehrfach preisgekrönte holländische Gitarrist Marlon Titre. Außerdem umfasst das Programm Werke von Emmanuel Chabrier („España“-Rhapsodie), Joaquín Turina („Danzas fantásticas“), Maurice Ravel („Alborada del gracioso“), Manuel de Falla („Der Dreispitz“) sowie zwei Tänze aus Mexiko und Argentinien von Arturo Márquez und Alberto Ginastera, die im Orchester ein wahres Feuerwerk an tänzerischen Rhythmen und Virtuosität entfesseln. Urlaubsstimmung und gute Laune sind somit also garantiert. Doch damit nicht genug: Schon vor dem Konzert, in der Pause und auch danach gibt es im Foyer und im Theaterrestaurant spanische Extras, wie Kostüme, Flamenco- und Salsa-Tanz, Tango und kulinarische Köstlichkeiten. Gemeinsam mit ihrem treuen Publikum möchte die Anhaltische Philharmonie den Saison-Ausklang auf sommerliche Art feiern.
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel:
0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über
die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr |
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
20.06.2010, 23:59 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 21.06.2010
Anhaltisches Theater
Maskenspiel im Spiegelbild
Der Tod schiebt eine ruhige Kugel: Langsam kreist das Geschoss an der Wand des Trichters abwärts zu dem leuchtenden Kreuz, das den Sitz des Lebens markiert. Und die Musik schweigt dazu - die doppelbödige Trivialität, die falsche Süße und das hysterische Gelächter verstummt in einer Totenstille, die nur vom mahlenden Geräusch des Balles grundiert wird. Alles fällt in diesem Moment zusammen - die unglückliche Liebe des schwedischen Königs Gustav zur Frau seines treuen Freunds Anckarström, der ungewollte Verrat seines Pagen und die Prophezeiung der Hexe Ulrica.
Als das Anhaltische Theater Dessau Giuseppes Verdis "Un ballo in maschera" auf den Spielplan setzte, konnte man noch nicht ahnen, dass die Premiere am Vorabend einer Hochzeit im schwedischen Königshaus über die Bühne gehen würde. Von historischen Pomp aber ist Roland Schwabs Inszenierung ohnehin weit entfernt: Sein imaginäres Schweden ist eine Bühnenmaschine, auf dem die royale Rolle am Anfang ebenso per Los bestimmt wird wie die Partien der Verschwörer - und das Mittel zur öffentlichen Wahrnehmung ist ein gigantischer Spiegel, der den Zuschauern Einblicke in tote Winkel gewährt oder die Kehrseite der Pracht zeigt. Die Spielmacher aber sind der Diener und die Wahrsagerin, die sich ihrer Stellung in dieser Theatertruppe bewusst sind.
Fülle an Einfällen
Allein dieser aus der Theaterbegeisterung des realen Vorbilds Gustav. III entwickelte Ansatz hätte für einen spannenden Abend genügt, Schwab aber will mehr - und greift allzu oft in jene Kiste, auf die sein Bühnenbildner Hartmut Schörghöfer das düstere Wort "Pandora" geschrieben hat. Da finden sich Clownsnasen und Blumensträuße, Brautschleier und Zauberkräuter. und als sich der König für seinen Besuch beim Orakel verkleidet, fällt das schon längst nicht mehr auf, weil hier alle Masken tragen. Es ist die Fülle an Einfällen, die der Idee im Wege steht und die zwischen der bösen Ironie und bloßen Illustration keine eindeutige Perspektive auf die Geschichte entwickelt.
Bildgewaltig und überraschend aber ist der Abend allemal - und lediglich das dröhnende Gelächter, das der Regisseur seinen Figuren immer wieder in den Mund legt, muss man ihm wirklich übelnehmen. Denn das böse Lachen obliegt in dieser Oper dem Orchester - und die Anhaltische Philharmonie spielt unter ihrem Generalmusikdirektor Antony Hermus auch diesen Verdi auf einem unerhörten Niveau. Der Thrill der düster romantischen Friedhofsszene ist ihnen so geläufig wie der angeheiterte Taumel der Ballszenen, das innige Gebet Amelias ist hier so gut aufgehoben wie die aufgesetzte Fröhlichkeit des Hofstaats. Und wenn Anckarström seinen Nebenbuhler aus einer fratzenhaften Kapelle heraus schließlich mit einem Geigenbogen ersticht, dann ist dies nur konsequent: Im "Maskenball", der in Dessau mittlerweile ganz selbstverständlich in Originalsprache über die Bühne geht, mordet die Musik. Und man genießt den Sog in die Katastrophe in jeder Sekunde. Das ist auch ein Verdienst der Solisten, unter denen sich Iordanka Derilova und Ulf Paulsen im Furor ihrer Liebe und ihrer Verzweiflung den größten Applaus verdienen. Dieses stimmlich wie spielerisch todsichere Paar findet in Hector Sandovals König einen Mit- und Gegenspieler, der eher die leichtsinnige Lust als die drückende Last der Macht betont und dessen Würde in bester Theatermanier von den Anderen behauptet wird.
Meister des Totentanzes
Dafür ist vor allem Cornelia Marschall als bravouröser Zeremonienmeister des Totentanzes zuständig, der jedes Wort in eine Volte und jede Geste in einen Scherz verwandeln kann - und der in der Schicksalsgöttin der Rita Kapfhammer seinen dunkel getönten Widerpart findet. Auch Wiard Witholts Seemann und die Verschwörer von Nico Wouterse und Rosen Krastev balancieren sicher auf dem schmalen Grat zwischen dem raunenden Schicksal der Musik und dem mutwilligen Spiel der Inszenierung. Und Helmut Sonne zeigt mit seinem Opernchor, dass die zuletzt bemühte Verstärkung von außen vor allem quantitativ nötig ist - qualitativ genügt das hauseigene Ensemble höchsten Ansprüchen. Dass dieser Verdi die hauseigene Tradition auf neuer Höhe fortsetzt und zudem einen Spiegel als Mittel der Entlarvung benutzt, wo er zuletzt im "Macbeth" der Denunziation diente, rundet sich zum würdigen Abschluss dieser Musiktheater-Saison - auch wenn der Doppel-Mord in der Applausordnung die Premieren-Begeisterung eine kurze Schrecksekunde beimischte.
Nächste Vorstellungen: 27. Juni und 3. Juli, jeweils 17 Uhr
08.06.2010, 16:48 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
Pressemitteilung vom 08.06.2010
Premiere Ein Maskenball [Un ballo in maschera]
- in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln -
Am 18. Juni um 19:30 Uhr hat die Oper „Ein Maskenball [Un ballo in maschera]“ im Großen Haus des Anhaltischen Theaters Premiere.
Erzählt wird in der Oper von Giuseppe Verdi ein Königsmord, ein Drama über Leben und Tod des schwedischen Königs Gustav III. Roland Schwab inszeniert dieses Intrigenspiel, als eine große Maskerade, in der Sein und Schein bald nicht mehr zu unterscheiden sind.
König Gustav III. von Schweden liebt Amelia, die Gattin seines treuen Freundes Anckarström. Dieser warnt ihn vor einer Verschwörung, doch Gustav schlägt alle Warnungen in den Wind. Nachdem Graf Anckarström erfahren hat, wer die geheimnisvolle Geliebte seines Königs ist, schlägt er sich auf die Seite der Verschwörer. Auf einem Maskenball tötet er Gustav. – Da ein Königsmord auf der Bühne für die italienische Zensur nicht in Frage kam, musste Verdi die Handlung nach Boston verlegen, um seine Oper 1859 in Rom zur Aufführung bringen zu können. »Un ballo in maschera« wurde ein triumphaler Erfolg, der dem dramatisch packenden und musikalisch ungemein reichen Werk bis heute treu geblieben ist.
Roland Schwab zählt zu den führenden Regisseuren der jüngeren Generation. Zu seinen wichtigsten Arbeiten der letzten Zeit zählen: MOZART - FRAGMENTE, ein Beitrag zum Mozartjahr 2006 und TIEFLAND von Eugen d`Albert (2007) beides an der Deutschen Oper Berlin, THE RAKE´S PROGRESS an der Oper Dortmund (2008), sowie AIDA am Musiktheater im Revier, Gelsenkirchen (2008). Nächste Regiearbeiten führen Roland Schwab an die Oper Bonn (LA SONNAMBULA) und wiederum an die Deutsche Oper Berlin (DON GIOVANNI).
Inszenierung: Roland Schwab | Bühne und Kostüme: Frank Fellmann nach Entwürfen von Hartmut Schörghofer | Chor: Helmut Sonne | Dramaturgie: Heribert Germeshausen
Es spielt die Anhaltische Philharmonie unter der Leitung von GMD Antony Hermus.
Mit: Hector Sandoval (18.6.10) / Andrew Sritheran/ Angus Wood (König Gustav III. von Schweden), Ulf Paulsen (Graf René Anckarström), KS Iordanka Derilova (Amelia), Rita Kapfhammer (Ulrica Arvidson), Cornelia Marschall (Oscar, Page), Wiard Witholt (Christian, ein Seeman), Nico Wouterse (Graf Horn), Rosen Krastev/Pavel Shmulevich (Graf Ribbing), Filippo Deledda/Leszek Wypchlo (Arzt), Alexander Dubnov/Mikolaj Kapala (Diener Amelias)
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Abendkasse und unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr | Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
02.06.2010, 17:00 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
Pressemitteilung vom 02.06.2010
„Nachtasyl – Szenen aus der Tiefe“
Am Samstag, 5. Juni um 16.00 Uhr zeigt das Anhaltische Theater Dessau das Ballett „Nachtasyl – Szenen aus der Tiefe“ auf der Bühne des Großen Hauses. Tomasz Kajdanskis Inszenierung, die sich am gleichnamigen Drama von Maxim Gorki orientiert, ist ein Abend über zerbrochene und verzagte Existenzen, die sich an einem Ort des Verfalls zusammenfinden, sich zerstören, sich ermüden, sich aneinander festhalten, trösten und dabei immer wieder das Licht suchen, das Morgen. Sinnlich und hochenergetisch zeigen die Tänzer in einem spannenden Bühnenbild nicht nur die Zustände der Ausweglosigkeit und des Verlorenseins, sondern auch die Schönheit und Kraft des Aufbruchs sowie die Hoffnung nach Momenten der stillen oder aggressiven Verzweiflung.
Die Inszenierung ist in dieser Spielzeit nur noch drei weitere Male zu sehen und steht in der kommenden Spielzeit, im September noch zwei Mal auf dem Spielplan. Die Anhaltische Philharmonie spielt Musik von Detlev Glanert und Arnold Schönberg unter der Leitung von Wolfgang Kluge.
„Es wird großartig getanzt, eine Kompanie aus höchst individuellen Tänzerinnen und Tänzern, deren Authentizität der Choreograf nicht verstellt sondern nutzt. Und es wird spannend musiziert...“ – www.tanznetz.de, 01.06.2010
„Kajdanski [...] bietet [...] mit seinen fulminant auftrumpfenden elf Tänzern ein unter die Haut gehendes Stück Abrechnung mit beschämenden sozialen Zuständen.“ – Neues Deutschland, 02.06.2010
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de und auch an der Abendkasse.
02.06.2010, 06:45 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
Volkmar Draeger, Neues Deutschland/ Feuilleton, 02.06.2010
Aufschreckend zeitgemäße Adaption
In Dessau zeigt Tomasz Kajdanski Gorkis »Nachtasyl« als Tanztheater
Verfilmt wurde Maxim Gorkis »Nachtasyl« bereits mehrfach: 1936 von Jean Renoir, 1957 von Akira Kurosawa. In der Sprache jenes Mediums ist das Drama um ein Dutzend Gestrandeter vorstellbar, der Tanz greift es erst 108 Jahre nach der Uraufführung am Künstlertheater Moskau auf, aus gutem Grund. Zum einen kann er die philosophischen Fragestellungen nach dem Sinn des Lebens nur schwer transportieren; zum anderen scheint die Situation der Barfüßler genannten Tagelöhner und Landstreicher leidvoll aktuell. Wieder lungern Obdachlose auf den Straßen, saufen sich den leeren Alltag schön, finden nicht die Kraft zum Neubeginn. Das zwingt fast zur Auseinandersetzung mit Gorkis zu Weltruhm gelangtem Stoff auch im Tanz.
Tomasz Kajdanski hat das in Dessau gewagt und seiner Sammlung sperriger Stücke nun ein weiteres hinzugefügt. Nach »Lulu« als Auftakt am neuen Wirkungsort folgt jetzt »Nachtasyl – Szenen aus der Tiefe«. Der Choreograf und sein Ausstatter Dorin Gal haben die Unterzeile wie auch den russischen Originaltitel »Na dnje«, »Auf dem Grunde«, wörtlich genommen und das Geschehen aus dem Keller in ein marodes Schwimmbassin verlegt. Wie ein schmuddlig graues Verließ unter niedrigem Plafond wirkt, wo Gestalten als Silhouetten sitzen, liegen, stehen; an die beiden Einstiege ins Becken, die Ausstieg aus jener Tristesse sein könnten, werden sie selbst im Sprung nie heranreichen. Schrill ist der Ton, als die Kurtine hochfährt, den nebligen Blick aufklart, zugleich das desparate Inferno in Gang setzt.
Zwar hat Kajdanski seinen Figuren Namen aus Gorkis Vorlage zugeordnet, greift auch deren persönliche Konflikte wie ihre spannungsgeladenen Beziehungen auf. Die Bewegungssprache und Gals punkhaft abgerissene Kostüme weisen sie eindeutig als Menschen unserer Tage aus. In dieser zeitgemäßen Adaption liegt einer der Vorzüge jener Inszenierung: Auch ohne Gorkis Stück zu kennen, erschließt sich die Thematik.
Unterstützt wird das Team von den gewählten Musiken: Detlev Glanerts »Theatrum Bestiarum – Lieder und Tänze für großes Orchester« im »Rasend vor Ohnmacht« genannten ersten Teil, Arnold Schönbergs »Verklärte Nacht« für »Hoffnung« als Mittelteil, Glanerts »Mahler/Skizze« für »Endzeit« als Finale. Dass Glanerts enorm vielschichtige, bisweilen aufschreckende Klangbilder zu Schönbergs trauervoll sinfonischem Gestus verblüffend genau passen und von der Anhaltischen Philharmonie unter Wolfgang Kluge konzertreif musiziert werden, gibt den 75 pausenlosen Minuten Tanz Reiz und akustischen Widerpart gleichermaßen.
Gegen Wände rasen die Insassen jener Tiefenwelt an, richten die Verzweiflung mehr noch gegeneinander, während eine Welt kalter Betonklötze als Langsam-Film hinter ihnen vorüberzieht. In aufbäumenden Soli und Ensembles brechen sich Hilflosigkeit und Aggression Bahn, Matratzen werden zu Schlaggegenständen, Stühle zu Plätzen der Lethargie. Mit viel Aktion lässt Kajdanski die Charaktere zusammenprallen, setzt klassischen Tanz ebenso ein wie Kampfsport, umschreibt so Gorkis Personalkonstellationen: Bassinbesitzer Kostylew und Wassilissa, Pepel und Natascha, den trunksüchtigen Schauspieler in seinem Selbsthass. Erst als Luka wie eine Vision der Hoffnung ins Bassin steigt, beginnen sich die aufgeregten Attacken unter gewitterdräuendem Plafond zu entwirren. Was wir wollten, war nicht das, flüstern Stimmen vom Band: Wovon sollen wir leben, lasst mich sterben.
Die Nacht verklärt sich jedoch allmählich in erfüllt intakte Beziehungen vor idyllischen Landschaften, denn Gutes zu tun gilt es, sich selbst zu achten, wie Luka lehrt. Kaum hat sich der rätselvolle Fremde entfernt, wird aus dem tänzerischen Dauerschwelgen ein gewalttätiger Flächenbrand, den Ernüchterung und Unfähigkeit zur Tat entzünden. Der Traum weicht endgültig der Realität: Mit Wassilissas Sticknadel ersticht Pepel Kostylew, an Lukas Leiter erhängt sich der Schauspieler, kübelweise Erde begräbt die tote Anna. Über das ganze Totenhaus breiten zwei ein schwarzes Tuch, das noch lange wie eine düstere Wolke schwebt, wenn die Musik mit einzelnen Schluchzern verebbt.
Einen Ausweg aus dem Dilemma weiß auch Kajdanski nicht, bietet zumindest aber mit seinen fulminant auftrumpfenden elf Tänzern ein unter die Haut gehendes Stück Abrechnung mit beschämenden sozialen Zuständen. Das macht sein »Nachtasyl« zu einer eminent wichtigen, weil zeitnahen Produktion, der man die Sympathien des Publikums wünscht. Dass sie keinen Trost mitgibt, ist nicht seine Schuld; dass sie pralles Tanztheater liefert, aber sein Verdienst.
Weitere Vorstellungen: 5., 11., 17.6., 4.7.
01.06.2010, 16:28 | tags:
Anhaltische Philharmonie
, Diverses
Pressemitteilung vom 01.06.2010
Konzerte im Monat Juni
Der Monat Juni hält eine Fülle von Open-Air-Veranstaltungen bereit. In Wörlitz finden insgesamt drei Seekonzerte statt – jene beliebten Abende, an denen eine gemächliche Gondelfahrt über die Seen und Kanäle mit einem Abendessen auf den Gondeln und musikalischen Genüssen an den Ufern kombiniert ist. Am 5. Juni musiziert ein Flötenquartett der Anhaltischen Philharmonie (mit Streichern) Werke u.a. von Mozart, Reger, Hoffmeister und Sibelius, am 12. Juni steht Harmoniemusik aus Joseph Haydns „Die Jahreszeiten“ auf dem Programm, gespielt vom Bläseroktett der Anhaltischen Philharmonie. Und am „Tag der Musik“, 19.6. erklingt „Fröhliche Bläsermusik“ mit dem Concento-Quintett und Werken von Mozart, Mendelssohn, Offenbach u.a. Gäste der Seekonzerte treffen sich an den jeweiligen Konzerttagen bis 18 Uhr an der Gondelstation.
Am 13. Juni findet das einzige Wandelkonzert der diesjährigen Saison statt. Treffpunkt ist 15 Uhr am Südsee-Pavillon auf dem Eisenhart, wo die Besucher mit einem Glas Sekt begrüßt werden.
Ein Mitarbeiter der Kulturstiftung führt die Spaziergänger durch Neumarks Garten, auf die Roseninsel und zur Teelauben-Fähre, wo Ensemblemitglieder der Anhaltischen Philharmonie musizieren. Der Nachmittag klingt im Garten am Grauen Haus mit einer Kaffeetafel aus.
Im Wörlitzer Schlosskonzert am 11. Juni um 18.30 Uhr präsentieren Martin Seemann und Beni Araki musikalische Kostbarkeiten für Violoncello und Hammerflügel.
Zweimal lädt der Freundeskreis des Dessauer Theaters zur beliebten Reihe „... und sonntags ins Luisium“ ein. Am 13.6., 10.30 Uhr ist das Anhaltische Streichquartett mit Moderator Karl Thiele zu Gast und am 27.6. das Holzbläserquintett „Consortio Anhaltino“ mit Moderator Ronald Müller.
Am Nachmittag des Tags der offenen Tür am Anhaltischen Theater, am 6. Juni spielt die Anhaltische Philharmonie noch einmal ihr Wunschkonzert „Frühling in Wien“, das bereits am 25. April für ein ausverkauftes Haus gesorgt hatte. Werke Wiener Komponisten wie Mozart, Schubert und Strauß, die sich das Publikum selber aussuchen konnte, werden erklingen. Der Gewinner des Dirigenten-Castings, das am Tag der offenen Tür stattfindet, wird Dirigent Daniel Carlberg im Konzert unterstützen. Weitere Mitwirkende sind die Sopranistin Cornelia Marschall und Moderator Ronald Müller.
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Abendkasse und an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über
die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr |
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
01.06.2010, 11:58 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
Boris Michael Gruhl, http://www.tanznetz.de, 01.06.2010
Hart und genau, Gewalt und Zärtlichkeit
Tomasz Kajdanskis "Nachtasyl" nach Gorki
„Nachtasyl – Szenen aus der Tiefe“ heißt das Stück nach dem Schauspiel von Maxim Gorki, das am Wochenende zum ersten Mal über die große Dessauer Bühne ging und vom Premierenpublikum einhellig begeistert aufgenommen wurde. Das Drama von 1901 spielt in einem Elendsquartier, in einer Absteige, wo eine Gruppe gescheiterter Menschen sich das ohnehin schwere Leben regelrecht zur Hölle machen. Dennoch schildert Gorki, wie sich die Menschen in ihrem Unglück zu artikulieren versuchen, ihr Überleben zu organisieren, ihren Anspruch ein Mensch zu sein soweit als möglich nicht aufgeben wollen. Das alles schließt Verletzungen, Misshandlungen, Gewalt gegeneinander, Tod und Selbstmord nicht aus. Eine der widersprüchlichsten Figuren ist der freundliche Pilger Luka. Er kommt in das Asyl mit seinen Geschichten voller visionärer Hoffnungen, die von christlicher Nächstenliebe motiviert sind. Sie erweisen sich aber als eine Art „Lügentherapie“ und werden ohne Wirkung bleiben, wenn er das Asyl wieder verlässt.
Gorkis Stück ist ein vorrevolutionärer Aufschrei. Was Kajdanski jetzt auf die Dessauer Bühne bringt ist ein Aufschrei nach den Revolutionen, stumme Schreie der Körper zu aufwühlender Musik von Arnold Schönberg und Detlev Glanert. Durch geschickte Dramaturgie und überzeugende Körpersprache, die ohne ein Wort, allein durch Bewegung und Musik, die grundsätzlichen Motive des Stückes sinnlich erfahrbar vermittelt, gewinnt der Abend rasch an suggestiver Wirkung. Dorin Gal verwandelt die riesige Bühne in ein aufgegebenes Schwimmbecken. Der Gegenwartsbezug ist deutlich, dennoch weist das Bild allgemeiner Nutzlosigkeit über sich hinaus. Auf dem Boden des Beckens befindet sich das Nachtasyl, das längst zum beschränkten Lebensraum und Kampfraum für die Menschen geworden ist. Sie kommen da nicht mehr heraus. Wenn sich die Tänzer am Boden befinden, ihre Bewegungen schmerzverzerrt und zuckend sind, dann muss man an krepierende Fische denken. Das Leben draußen schwimmt in einer grauen Videoinstallation vorbei. Geschändete Landschaften, verlassene Wohngebiete, Industrieruinen, wie man sie bei Dessau sicher finden kann.
Die Choreografie hat drei Teile. Die Exposition, in der uns das Leben in den Szenen aus der Tiefe vorgestellt wird in Choreografien der Gruppe, Einzelner, in Duetten und verschiedenen Konstellationen. „Rasend vor Ohnmacht“ ist dieser Teil überschrieben, das drückt er aus mit der Komposition „Theatrum bestiarium“ von Detlev Glanert, 2004/2005 komponiert, deren schroffer Gestus des großen Orchesters mit verstörenden Orgelklängen regelrecht aufwühlt.
„Hoffnung“ heißt der zweite Teil, da steigt eben jener Pilger herab und die Situation verändert sich, die Bewegungen werden fließender, in den Dialogen mit Luka verändern sich die Menschen scheinbar, es entsteht so etwas wie ein Anflug von Harmonie. Die Musik dazu, Arnold Schönbergs „Verklärte Nacht“ von 1899 in der Orchesterfassung entfaltet suggestive Wirkung, durchbricht aber den eher traurigen Grundgestus nicht.
„Endzeit“ der letzte, ganz knappe Teil, wurde zu Glanerts „Mahler/Skizze“ von 1989 choreografiert, die damit beginnt, dass Steine aufeinander geschlagen werden, dann in Klang und Rhythmik beim Einsatz eher ungewöhnlicher Instrumente wie Windmaschine, Blechen und Kuhglocken, apokalyptische Bilder beschwört. Der Pilger Luka hat das Asyl verlassen, übrigens über die Treppe, die für jeden der Nachtasylanten hinausführen würde, aber nur einer benutzt sie noch, der Schauspieler, indem er sich daran erhängt. Die Übrigen richten sich ein, nur brutaler, endgültiger, mörderischer.
Fünf Tänzerinnen und fünf Tänzer, dazu der Tänzer des Pilgers, gestalten die wesentlichen Rollen des Stückes. Manche Abhängigkeiten, Gemeinheiten, Betrügereien, Affären usw. sind auch bei Kenntnis der Vorlage abzulesen, was aber nicht unbedingt nötig ist. Die Grundstimmung vermittelt sich durch die Kraft und die Intensität der Tänzerinnen und Tänzer. Hohe Sprünge, irre Drehungen und krachende Stürze, Gewalt und Zärtlichkeit, verbitterte Vereinzelung, exzessive Sehnsucht nach Nähe, bilden spannende Gegensätze. Jeder und jede im Einzelnen, in Begegnungen oder in der Gruppe, halten jene Spannung aufrecht, die sich von der großen Bühne her in den Saal vermittelt. Gänzlich anders als in der Verzweiflung des ersten Teils die Körpersprache im zweiten, wenn Luka hinabsteigt, Joe Monaghan hat da ein weites, so faszinierendes wie einladendes Bewegungspotenzial und es ist verblüffend, zu welchem Wandel die Tänzerinnen und Tänzer bereit und fähig sind. Umso erschreckender ist dann der bestialische Schluss, aber in dieser Konsequenz wohl die eigentliche Wahrheit des Stückes.
Es wird großartig getanzt, eine Kompanie aus höchst individuellen Tänzerinnen und Tänzern, deren Authentizität der Choreograf nicht verstellt sondern nutzt. Und es wird spannend musiziert, zum Schlussapplaus kommt das ganze Orchester auf die Bühne und wird mit dem Dirigenten Wolfgang Kluge ebenso gefeiert wie Dessauer Kompanie mit Tomasz Kajdanski. Der Abend ist mit seinen 75 Minuten von der zeitlichen Dimension her kurz, von der ästhetischen Dimension her aber alles andere als schmerzlos.
Nächste Aufführungen: 5., 11., 17.06., 4.07.
www.anhaltisches-theater.de
30.05.2010, 19:22 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
Andreas Hillger, mz-web.de, 30.05.2010
Anhaltisches Theater
Am Grund der Gesellschaft
Die Lage mag schrecklich sein, ausweglos ist sie nicht: Unübersehbar führt eine Leiter an der Stirnseite zum Rand jenes leeren Wasserbeckens, das den Ausgestoßenen als Unterschlupf dient. Man müsste nur die Sprossen ergreifen und nach oben steigen, um diesen "Szenen aus der Tiefe" zu entkommen. Aber offenbar ist das geteilte, durch wechselseitige Demütigungen sogar gesteigerte Elend immer noch leichter zu ertragen als die unsichere Freiheit jenseits dieses Käfigs. Wie sonst wollte man erklären, dass niemand diesem "Nachtasyl" entflieht?
Auf der Nachtseite
Maxim Gorkis Schauspiel vom Anfang des 20. Jahrhunderts ist bis heute eine der trostlosesten Studien der Armut im zaristischen Russland - und war nach Tomasz Kajdanskis "Lulu"-Adaption nun eine durchaus gewagte Wahl für seine zweite abendfüllende Choreografie als Dessauer Ballettchef. Vor der Premiere durfte man sich fragen, ob das Publikum eine weitere Produktion goutieren würde, die auf der Nachtseite des Lebens spielt. Der Schlussapplaus nach diesem pausenlosen Kraftakt aber ließ alle Zweifler verstummen: Ausgerechnet mit einer weitgehend fatalistischen Geschichte hat sich das neue Ensemble endgültig seine große Bühne erobert.
Das liegt vor allem daran, dass Kajdanski sich nicht auf die Koalitionen und Kollisionen von Gorkis breit ausgemalten Prekariats-Charakteren verlässt, sondern im Herzen der Finsternis einen utopischen Moment behauptet: Der greise Pilger Luka wird in Joe Monaghans Anverwandlung der Rolle zur eleganten Lichtgestalt, die wie ein Wesen aus einer höheren Welt in die Grube hinabsteigt und deren Insassen ihr besseres Ich zeigt - ein Seelsorger der Körper, der die fremde Last auf sich nimmt und dessen Abschied für die endgültige Katastrophe sorgen wird.
Bis dahin aber stiftet er das Glück der Gleichzeitigkeit, den Einklang der Bewegungen, der sich davor und danach nur scheinbar zufällig einstellen will. Und dieses Zentraum, das Kajdanski auf Arnold Schönbergs "Verklärte Nacht" choreografiert, birgt in seiner Schönheit und Leichtigkeit, seiner Energie und Poesie einige der schönsten Momente, die man im Dessauer Tanztheater in den letzten Jahrzehnten sehen konnte.
Umrahmt wird dieses Bild von Szenen, denen Detlev Glanerts Kompositionen "Theatrum Bestiarium" und "Mahler / Skizze" zu Grunde liegen und die Gorkis Vorlage wenn nicht im Buchstaben, so doch im Geiste zitieren. Man muss die Vorlage nicht gelesen haben, um die Rivalität zwischen den ungleichen Schwestern Natascha (Laura Costa Chaud) und Wassilissa (Yun-Yu Chen) zu erkennen - oder das Ausmaß der Zerstörung zwischen Kleschtsch (Rai-Hilmar Kirchner) und seiner im Schmerz verpuppten Frau Anna (Anna Maria Tasarz) zu ermessen.
Emotionale Hintergründe
Da ist der von seinem Kostüm gewürgte Schauspieler (Ion Beitia) und die von ihrer Laszivität geschüttelte Hure (Yuliya Gerbyna), da ist der unbarmherzige Herbergsvater (Gorden Wannhoff) und der kraftstrotzende Dieb Pepel (Juan Pablo Lastras) . Kajdanski findet für jede Figuren ihren individuellen Ausdruck, den er durch Angela Zumpes Video-Projektionen in Dorin Gals Bühnenraum nicht illustriert, sondern emotional grundiert. Und die Anhaltische Philharmonie ist ihm unter Leitung von Wolfgang Kluge dabei ein großartiger Partner - sensibel in der Interaktion mit den Tänzern und außerordentlich aufmerksam im Umgang mit den diffizilen Werken.
Zu welch unverhofft euphorischen Glücksmomenten das führen kann, sieht man vor den farbsatten Bildern von Wiesen und Wellen im Mittelteil. Da werden aus hinfälligen Opfern plötzlich selbstbewusste, schöne Menschen, die nicht länger um ihren Platz in der Hackordnung kämpfen - und deren Kraft nicht mehr nur für ein kurzes Aufbäumen, sondern für Erlösung im Tanz reicht.
Im Kontrast zum harten Schluss wird dann auch deutlich, warum sich der Geschichtenerzähler Kajdanski ausgerechnet diese Vorlage gewählt hat: Sein stummes "Nachtasyl" ist in der Konzentration auf die Leiber beredter als viele Schauspiel-Inszenierungen, die dem Zuschauer die voyeuristische Perspektive einer Doku-Soap aufzwingen. Der Tanz wahrt die Distanz - und geht gerade darum sehr nah.
Nächste Vorstellungen: 5. Juni, 16 Uhr und 11. Juni, 19.30 Uhr
28.05.2010, 20:05 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
Pressemitteilung vom 28.05.2010
Letzte Aufführung „Die Stumme von Portici“ in dieser Spielzeit
Das Anhaltische Theater zeigt am Freitag, 4. Juni 2010 um 19.30 Uhr Aubers Oper „Die Stumme von Portici“ zum letzten Mal in dieser Spielzeit. Diese Vorstellung ist gleichzeitig der vorletzte Auftritt des mexikanischen Gastsängers Diego Torre auf der Dessauer Bühne. Hier gab er in der Rolle des Masaniello sein Europadebüt. Erst zum Kurt Weill Fest im kommenden Jahr wird er wieder zu erleben sein.
Die Liebesgeschichte zwischen Fenella, der stummen Schwester Masaniellos, und dem Sohn des Viezekönigs Alphonse sowie der Aufstand der Bürger Neapels gegen die spanische Besatzung angeführt von Masaniello, stehen im Mittelpunkt dieser Oper.
In der Inszenierung des Generalintendanten André Bücker spielen unter der Leitung des Generalmusikdirektors Antony Hermus außerdem Angelina Ruzzafante, Yulia Gerbyna, Eric Laporte, Kostadin Arguirov, Wiard Witholt, Angus Wood, Christian Most, die Anhaltische Philharmonie und das Kinderballett des Anhaltischen Theaters.
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de und auch an der Abendkasse.
25.05.2010, 19:06 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
Pressemitteilung vom 25.5.2010
„Nachtasyl – Szenen aus der Tiefe“
Uraufführung und Premiere hat die Ballettinszenierung „Nachtasyl - Szenen aus der Tiefe“ am 29. Mai um 19.30 Uhr im Großen Haus des Anhaltischen Theaters.
„Nachtasyl“, sich orientierend am gleichnamigen Drama von Maxim Gorki, ist ein Abend über zerbrochene und verzagte Existenzen, die sich an einem Ort des Verfalls zusammenfinden, sich zerstören, sich ermüden, sich aneinander festhalten, trösten und dabei immer wieder das Licht suchen, das Morgen. Thematisiert werden dabei nicht nur sinnlich und hochenergetisch die Zustände der Ausweglosigkeit und des Verlorenseins bei sozialem Abstieg, sondern auch die Schönheit und Kraft des Aufbruchs sowie die Hoffnung nach Momenten der stillen oder aggressiven Verzweiflung.
Choreograf Tomasz Kajdanski und Dorin Gal, der Bühne und Kostüme gestaltet, sehen die Handlung nicht in einem Elendsviertel. Daher gestaltet Dorin Gal eine Schwimmbadruine als einen Ort, der selbst schon bessere Tage gesehen hat, und damals ein Ort der Erholung, der Flucht aus dem Alltag gewesen ist.
Den Rahmen zu dem dreiteiligen Abend bilden zwei Werke des 1960 in Hamburg geborenen Komponisten Detlev Glanert, der zur Premiere anwesend sein wird. Seine Klangsprache ist melodisch-gestisch und kombiniert raffiniert Tradition und Moderne. Den Mittelteil bildet Arnold Schönbergs „Verklärte Nacht“. Sie besitzt einen äußerst lyrischen Charakter und ist auf Grund ihrer starken Chromatik, besonders in der hier gespielten Orchesterfassung, sehr farbenreich.
Es spielt die Anhaltische Philharmonie unter der Leitung von Wolfgang Kluge
Choreografie: Tomasz Kajdanski | Bühne und Kostüm: Dorin Gal | Video: Angela Zumpe | Animation: Christian Weiß | Dramaturgie: Sophie Walz
Tänzer: Laura Costa Chaud, Yun-Ju Chen, Denise Evrard, Yulija Gerbyna/Denise Evrard, Nadja Réthey-Prikkel/Gabriella Gilardi, Anna Maria Tasarz, | Jonathan Augereau, Ion Beitia, Rai-Hilmar Kirchner, Juan Pablo Lastras-Sanchez, Joe Monaghan, Gorden Wannhoff
Weitere Termine: 5. Juni 16 Uhr | 11. Juni 19:30 Uhr | 17. Juni 16 Uhr | 4. Juli 17 Uhr im Großen Haus
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de und auch an der Abendkasse.
21.05.2010, 10:51 | tags:
Schauspiel
, Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
Pressemitteilung vom 21.05.2010
Pfingsten im Anhaltischen Theater
Am Samstag, 22. Mai um 17 Uhr zeigt das Anhaltische Theater Dessau André Bückers gefeierte Operninszenierung „Die Stumme von Portici“. In der Rolle des Masaniello gibt der mexikanische Tenor Diego Torre sein Operndebüt in Europa. Unter Leitung des Generalmusikdirektors Antony Hermus singen und spielen außerdem Angelina Ruzzafante, Yulia Gerbyna, Oscar de la Torre, Kostadin Arguirov, Ulf Paulsen, Wiard Witholt, Angus Wood und die Anhaltische Philharmonie. Bereits um 15:45 Uhr ist das Theaterrestaurant geöffnet und lädt ein zum „Kaffee im Salon“. Für musikalische Untermalung sorgt das „Salonorchester Papillon“.
Zum letzten Mal wird um 19:30 Uhr die unterhaltsame Schauspielinszenierung „Gesänge aus 1001 Deutschen Nacht“ im Alten Theater zu sehen sein. Nach der Vorstellung können die Besucher des Alten Theaters den Abend im neu gestalteten Biergarten ausklingen lassen.
Am Sonntag, 23. Mai um 10:30 Uhr auf der Probebühne 1 (Eingang über Bühnenpforte) geben das Leitungsteam (Ballettdirektor Tomasz Kajdanski, Bühnenbildner Dorin Gal, Kapellmeister Wolfgang Kluge, Sophie Walz - Dramaturgie) und die Tänzer bei einer Matinee Einblick in die Ballettinszenierung „Nachtasyl – Szenen aus der Tiefe“, die am 29. Mai Premiere und Uraufführung hat. Die Zuschauer erwartet spannendes Gespräch über die Hintergründe der Inszenierung und die Wahl der Musik. Ensemblemitglieder der Ballettkompanie werden Ausschnitte der Choreografie zeigen.
Ebenfalls am Pfingstsonntag findet in den Wörlitzer Anlagen ein Nachmittag mit Musik und Poesie unter dem Titel „Klingender Park – Lustwandeln und doppelter Genuss...“ statt. Den Pfingstspaziergang zwischen 14 und 17 Uhr können die Besucher im Vorübergehen mit dem Anhören eines Gedichts oder eines Musikstückes verbinden, dargeboten von Künstlern des Anhaltischen Theaters an den schönsten Stellen des Parks. Es wirken u.a. mit: Ensembles und Solisten der Anhaltischen Philharmonie, Dessauer Blechbläser (am Monument), Anhaltisches Streichquartett (am Gotischen Haus), Harfe (am Floratempel) und Schauspieler des Anhaltischen Theaters. Der Eintritt ist frei.
Im Großen Haus wird um 17 Uhr zum letzten Mal in dieser Spielzeit Mozarts „Die Zauberflöte“ mit gewohnt großartiger Sängerbesetzung gezeigt.
Im Alten Theater/ Foyer wird an diesem Abend um 19:30 Uhr die charmante Inszenierung „Mein wildes Herz in Deine Ruh“ zu erleben sein.
Pfingstmontag, 24. Mai lädt das Anhaltische Theater um 17:00 Uhr im Großen Haus zur italienischen Opern-Gala „Serata di Gala“ ein. Es wirken mit: KS Iordanka Derilova, Cornelia Marschall, Angelina Ruzzafante, Kostadin Arguirov, Ulf Paulsen, Pavel Shmulevich, Wiard Witholt, Angus Wood. Moderiert wird der Abend von Heribert Germeshausen/ Leitender Dramaturg Musiktheater/ Operndirektion.
Im Alten Theater ist um 19:30 Uhr Gerald Fiedler, alias Leo Polte der VIII,
mit einer neuen Folge von „Der letzte Einruf!!! zu erleben. Diesmal geht es um Verdi und seine Oper EIN MASKENBALL und natürlich um Fürst Leopold III., Richard Wagner, das Intendantenkarussell, Pferde auf der Bühne und noch so manche Überraschung. Ulf Paulsen wird Gast in der Show sein, am Klavier: Stefan Neubert.
Für alle Vorstellungen gibt es noch Karten an der Abendkasse und unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr.
18.05.2010, 15:58 | tags:
Anhaltische Philharmonie
, Diverses
Pressemitteilung vom 18.05.2010
„Klingender Park – Lustwandeln und doppelter Genuss...“
Am Pfingstsonntag, 23. Mai findet in den Wörlitzer Anlagen ein Nachmittag mit Musik und Poesie unter dem Titel „Klingender Park – Lustwandeln und doppelter Genuss...“ statt. Den Pfingstspaziergang zwischen 14 und 17 Uhr können die Besucher gewissermaßen im Vorübergehen und kostenlos verbinden mit dem Anhören eines Gedichts oder eines Musikstückes, dargeboten von Künstlern des Anhaltischen Theaters an den schönsten Stellen des Parks. Es wirken u.a. mit: Ensembles und Solisten der Anhaltischen Philharmonie, Dessauer Blechbläser (am Monument), Anhaltisches Streichquartett (am Gotischen Haus)
17.05.2010, 13:21 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
Helmut Rohm, Volksstimme/ Anhalt-Zerbster Nachrichten, 6.05.2010
Weltberühmter Bariton Leo Nucci im Theater
Einmaliges Konzert am 10. Mai in Dessau
Es war die Idee von Ursula Riccio, Präsidentin der Gesellschaft der "Verdi-Freunde in der Welt" ("Viva Verdi"), dass der weltbekannte italienische Opernsänger Leo Nucci (68) in Dessau einmal ein Konzert gibt.
"Diese Idee wurde vor etwa fünf Jahren geboren, als Ursula Riccio mit Mitgliedern ihrer Gesellschaft eines der hier in Dessau regelmäßig durchgeführten Meetings veranstaltete, die stets mit Besuchen des Anhaltischen Theaters verbunden werden" , erinnert sich Joachim Landgraf, Verwaltungsdirektor und Stellvertreter des Generalintendanten des Dessauer Theaters.
Der Traum wird nun, durch die Unterstützung der Associazione "Viva Verdi" und insbesondere eben deren Präsidentin Ursula Riccio, zur Realität. Leo Nucci gibt am kommenden Montag, dem 10. Mai, um 20 Uhr im Großen Haus des Anhaltischen Theaters Dessau ein Gala-Solo-Konzert. Es ist ein Benefizkonzert zugunsten der Theaterstiftung des Anhaltischen Theaters Dessau.
Seit vielen Jahren wieder in Deutschland
Seit Mitte der 80er Jahre ist das wieder einer der ersten Auftritte Nuccis in Deutschland, übrigens der einzige des Jahres 2010.
Leo Nucci wurde in der Nähe von Bologna geboren und debütierte als Preisträger des dortigen Gesangswettbewerbes als Rossinis Figaro in Spoleto. Den ersten Rigoletto singt er 1973. "Er zählt heute zweifelsohne weltweit zu den besten Rigoletto- Darstellern", schätzt Joachim Landgraf ein.
Leo Nucci singt 1977 an der Mailänder Scala den Figaro. Er vertritt mit phänomenalem Erfolg einen erkrankten Kollegen als Miller am Royal Opera House Covent Garden London. Dieser Erfolg öffnet ihm die Tore aller bedeutenden Theater in Europa, Nord- und Südamerika und Japan, die Mailänder Scala ebenso wie die Wiener Oper oder die New Yorker Met. Leo Nucci gewinnt zahlreiche international renommierte Wettbewerbe. Er ist Träger bedeutender italienischer wie auch internationaler Auszeichnungen. Der Sänger hat mit den bedeutendsten Dirigenten zusammengearbeitet, wie unter anderem Herbert von Karajan, Sir Georg Solti, Lorin Maazel oder Bruno Bartoletti.
Philharmonie begleitet den Sänger
Leo Nuccis "Komponisten-Übersicht" reicht von Bellini über Puccini bis Verdi. Zu seinem umfangreichen, etwa 60 Rollen umfassendem Repertoire gehören unter anderem Rigoletto, Nabucco und Falstaff aus den gleichnamigen Verdi-Opern.
In seinem Dessauer Benefizkonzert singt der italienische Bariton Arien aus den VerdiOpern "La Traviata", "Rigoletto", "Un Ballo in Maschera", "Macbeth", "Nabucco", "Don Carlo" sowie aus Giordanos "Andrea Chenier".
Leo Nucci wird von der Anhaltischen Philharmonie unter Leitung ihres Generalmusikdirektors Antony Hermus begleitet. Das Dessauer Orchester wird unter anderem mit den Ouvertüren von "Vespri Siciliani", "Nabucco", "La Traviata" und "Forza" eine eigenständigen konzertanten Beitrag beisteuern.
Karten gibt es noch an den Theaterkassen oder unter Telefon (03 40) 2 5113 33.
16.05.2010, 22:31 | tags:
Anhaltische Philharmonie
, Diverses
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 17.05.2010
Stimmgewaltiger Chor sorgt für denkwürdigen Auftritt
Was für ein Tag: Ein ganzes Theater voll glücklicher Menschen. Strahlende Zuschauer, aufgekratzte Sänger und über alle Maßen zufriedene Veranstalter. Das erste Scratch-Konzert in der Geschichte des Anhaltischen Theaters war einer der ganz großen Erfolge in dieser Spielzeit. Dass er eben dies werden würde, zeichnete sich schon am Samstagvormittag ab. Punkt zehn Uhr war das Parkett im Zuschauersaal gut gefüllt. Sortiert nach Stimmgruppen saßen dort mehr als 300 Sänger. Die Bühne gehörte zwei Männern: Kapellmeister Wolfgang Kluge am Klavier und Generalmusikdirektor Antony Hermus mit dem Taktstock in der Hand.
Hermus bringt Idee mit
Hermus hatte die Idee des Scratch-Konzertes aus Hagen nach Dessau mitgebracht. Dessen Prinzip ist schnell erklärt: Sänger und Sängerinnen, ob Laien oder Profis, studieren binnen eines Tages ein Chorwerk ein und bringen es am Abend zur Aufführung.
In Dessau-Roßlau und Umgebung ließen sich die sangesbegeisterten Anhalter schnell von diesem Konzept überzeugen. Mehr als 300 Frauen und Männer meldeten sich an, 100 Kinder und dazu der 40-köpfige Opernchor ließen eine singende Menschenmasse zusammen kommen, die man so in der Stadt noch nicht gehört hatte. Um die Qualität der Aufführung am Abend sollte es dabei gar nicht gehen. Es zählte der Weg dorthin, wie Hermus immer wieder versicherte. Das gemeinsame Singen, das gesellige Beisammensein seien die Hauptsache des Tages. Für alle Mitwirkenden sollte er Recht behalten. Manchem verging wohl die ganztägige Probe viel zu schnell. Wie es es dem Holländer gelang, die große Schar von Sängern zu motivieren, das war schlicht großartig.
Großartige Motivation
"Stellen sie sich vor, sie sind junge Mädchen und haben ihre erste Verabredung", so lockte er die Damen und schon war deren "Seht mich an, jungen man! lat mich iu gevallen!" ein einziges zartes Locken. "Holen Sie rechtzeitig Atem", riet er oder: "Warten sie nicht aufeinander, singen sie einfach, heute singt niemand falsch." Und falls doch: "Wenn es schief geht, dann sagen wir einfach wie faszinierend." Schief ging am Abend freilich nichts, nicht wenige staunten, welch hohe Qualität da stimmgewaltig über die Bühne kam.
"Wir haben ein gutes Gefühl", sagte schon zur Mittagszeit Kathrin Buchholz aus Berlin. Sie war beim Besucher einer "Lohengrin"-Vorstellung auf das Scratch-Konzert aufmerksam geworden und hatte eine Freundin überredet mitzumachen. In der Pause unterhalten sich die beiden Frauen mit Christine Rudolph aus Wuppertal, die für Scratch und die weiteren Vorstellungen beim Elbmusikfest nach Dessau gereist war.
"Für uns Laien ist das ein tolles Geschenk", so Kathrin Buchholz. "So etwas gibt es in Berlin nicht." Dabei war die Hauptstadt noch ein naher Ort, aus dem die Sänger anreisten. Holländer kamen zum Mitsingen, aus Hagen brachte ein Bus Teilnehmer, der "Ex Audi"-Chor aus Magdeburg machte sich mit einer Gruppe ebenso auf den Weg wie die hallesche Robert-Franz-Singakademie.
"Die Leute kamen aus allen Himmelsrichtungen", erzählte Verwaltungsdirektor Joachim Landgraf, der vor allem mit der Organisation beschäftigt war. Die klappte vorzüglich, viel Lob gab es am Abend für die Betreuung und die Verpflegung. Großes leisteten freilich auch andere Abteilungen des Theaters in diesen vier Tagen des Elbmusikfestes. So musste die Technik des Hauses für jeden Abend die Bühne umbauen. Die Anhaltische Philharmonie war im Dauereinsatz. "Aber das macht ja Spaß, wir sind froh, wenn wir spielen können", sagte nach dem Konzert Jörn Kerber von den 1. Violinen. Wie ein Rockkonzert sei die Aufführung gewesen. Das Publikum fand das auch und bejubelte mit stehenden Ovationen alle Mitwirkenden. "Beifall ist unsere Droge", sagte Kerber.
Berauscht davon durften sich am Samstag ganz viele fühlen. Für die 100 Chorkinder, die Dorislava Kuntscheva einstudierte, floss der Kindersekt. Überwältigt dankte Generalintendant André Bücker den Solisten Angelina Ruzzafante, Hagen Matzeit und Wiard Witholt, allen Sängern und Musikern und jenen, die hinter den Kulissen zum Gelingen beigetragen hatten.
Jubelnd wurde eine Ankündigung kommentiert: Am 4. Juni 2011 wird es wieder ein Scratch-Konzert geben. Nach dem großen Erfolg dieser Erstauflage ist es freilich fraglich, ob die Ausmaße des Theaters dann noch ausreichen, um die Mitwirkenden auf der Bühne und die Zuschauer zu fassen.
14.05.2010, 14:52 | tags:
Anhaltische Philharmonie
Ute van der Sanden, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 14.05.2010
Benefizgala
Vivat Verdi, vivat Nucci!
Was für ein Abend! Dramatisch wie die Inhalte der Verdi-Opern, aus denen Leo Nucci die populärsten Arien seines Faches zum Besten gab, entwickelten sich die Umstände seines Auftretens in Dessau. Mindestens.
Zuerst war die Aschewolke gekommen. Nach Mailand, wo der Bariton gen Sachsen-Anhalt starten wollte. Daraufhin führte Joachim Landgraf, Verwaltungsdirektor des Anhaltischen Theaters, nach eigenen Angaben 70 Telefonate, um den Sänger per Privatjet einfliegen zu lassen. Dann kam das schlechte Wetter. Nach Dessau, wo die Maschine nach "sensationellem Direktanflug" am Montag schließlich doch landete.
Verdi blickte gutmütig
Und dann kamen die Zuhörer, darunter prominente aus Bund, Land und Stadt, aus Politik, Verwaltung, Finanzwesen und Wirtschaft. Die Mitglieder der Gesellschaft "Viva Verdi" kamen im Sonderbus, auch Ursula Riccio, die Gründerin, deren Engagement das Gastspiel zu danken ist. Sie wurde mit einem Blumenbouquet begrüßt, das sie auf dem freien Nachbarsitz drapierte: "Für Verdi!" Über alles und alle hinweg aber blickte gutmütig, wissend und auch ein wenig skeptisch der Meister von der Rückwand des Orchesterzimmers.
Landgraf ordinierte die fulminante Introduktion, nicht ohne die echauffierten Reaktionen mit gewisser Freude zur Kenntnis zu nehmen. Fast wäre ihr Anlass, die Benefizgala zugunsten der Theaterstiftung, in den Hintergrund getreten, zumal sich vorstellen lässt, wie viel Probenzeit nach der spektakulären Anreise geblieben war - oder wie wenig.
Hingerissen von der Musik
Das Kunststück galt, es nicht merken zu lassen. Darin haben sich Leo Nucci, Antony Hermus und die Anhaltische Philharmonie als wahre Akrobaten erwiesen. Der Taktstock war kaum zur Ouvertüre der "Sizilianischen Vesper" erhoben, da riss es den Chefdirigenten und sein Orchester auch schon hin: Verdis Musik entfaltete ihre beseligende Wirkung und machte das profane Vorspiel sofort vergessen.
Dessau darf sich glücklich schätzen, das erste Gastspiel Leo Nuccis in Deutschland seit langem erlebt zu haben - das einzige in diesem Jahr. Ob als verzweifelt besorgter Germont in der "Traviata" oder lyrischer "Nabucco", ob als wild entschlossener Tyrann "Macbeth" oder misstrauischer, wiewohl stimmgewaltiger Infant in "Don Carlos": In jeder einzelnen Kostprobe seiner Kunst erkannte man die Gründe für eine Weltkarriere.
Nucci verzaubert mit seinem Auftreten ebenso wie mit dem Klang seiner Stimme. Der Bariton besitzt nach wie vor erstaunliche Kraft, auch für das große Programm, er verfügt über eine expressive, bestens geführte hohe Lage und Tiefen, in denen geheimnisvoll Verhangenes schwingt. Als Bühnenpersönlichkeit zeigte Nucci unwiderstehliche darstellerische Präsenz, Glaubwürdigkeit, Grandezza. Untrüglich sein Gespür für das Melos, die Dramaturgie der Szene, hinreißend sein Legato. Italienische Oper, so die Botschaft ganz im Sinne Verdis, ist mehr als Belcanto - Oper ist die schiere Gefühlsentladung.
Die Anhaltische Philharmonie bewies ihre Klasse in den Arienbegleitungen nicht minder als in orchestralen Zwischenspielen, mit glanzvollen solistischen Darbietungen, großer metrischer Präzision und ausgeprägtem Sinn für die Pausen in der Musik. Euphorisch das Einvernehmen mit dem Solisten, die Aufmerksamkeit füreinander gipfelte in spontanen Umarmungen auf dem Podium - großes Kino für ein leidenschaftlich entflammtes Publikum.
Mit seiner zweiten Zugabe, der Orchesterversion von Heintjes "Mama", rührte Leo Nucci - "Für alle Mütter, bitte, singt mit mir!" - schließlich jedes Herz. Die Zuhörer standen, sangen, jubelten, und man durfte sich ein bisschen fühlen wie in der Arena di Verona.
Nun erwartet Dessau mit Spannung jenes Büchlein, das der Herr Verwaltungsdirektor über das Ereignis zu schreiben versprach. Vor allem aber, der Abend zeigte es nach stets ausverkauften "Serata di Gala"-Estraden in den vergangenen Monaten neuerlich, verlangt es das Publikum nach einer großen, dramatischen Verdi-Oper. Bitteschön - am 18. Juni hat der "Maskenball" Premiere. Vivat Leo Nucci, vivat Italia!
07.05.2010, 16:55 | tags:
Anhaltische Philharmonie
Pressemitteilung vom 07.05.2010
Weltstar Leo Nucci singt zugunsten der Theaterstiftung
Erster Auftritt in Deutschland seit über 20 Jahren und einziger Deutschlandauftritt 2010
Das Anhaltische Theater Dessau lädt am 10. Mai, um 20 Uhr zur Großen Operngala ein. Weltstar Leo Nucci singt zugunsten der Theaterstiftung des Theaters Dessau.
Erstmals seit Ende der 1980er Jahre tritt Leo Nucci wieder in Deutschland auf: Am Anhaltischen Theater Dessau, das sich 2010 Nucci mit Mailand, Wien, Parma und Zürich teilt. Begleitet von der Anhaltischen Philharmonie Dessau unter der Leitung von Generalmusikdirektor Antony Hermus singt Leo Nucci Höhepunkte aus seinem Repertoire.
In der Gala werden Ausschnitte u.a. aus „La Traviata“, „Un Ballo in Maschera“, „Rigoletto“, „Macbeth“, „Nabucco“, „Don Carlo“, „Andrea Chenier“ erklingen. Seit seinem Debüt an der Mailänder Scala 1977 zählt Leo Nucci zu den größten seines Faches. Er kann auf eine einzigartige, über 30 Jahre währende Weltkarriere zurückblicken, die ihn an die Zentren des internationalen Opernbetriebes führte: Salzburger Festspiele (mit Herbert von Karajan), Metropolitan Opera New York (mit James Levine), Mailänder Scala (mit Claudio Abbado, Riccardo Muti), Wiener Staatsoper, Opernhaus Zürich, Teatro Regio di Parma.
Für die Gala gibt es noch Restkarten. Mit dem Kauf eines Tickets leisten Sie einen Beitrag für die Zukunft des Theaters. Der Auftritt Leo Nuccis in Dessau wird ermöglicht durch die Associazione „Viva Verdi“, insbesondere durch deren Präsidentin Ursula Riccio aus Nürnberg.
Tickets und Informationen unter:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr
Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
07.05.2010, 16:39 | tags:
Anhaltische Philharmonie
Pressemitteilung vom 07.05.2010
Elbmusikfest vom 13. bis 16. Mai in Dessau-Roßlau
Das Elbmusikfest findet zum zweiten Mal vom 13. bis 16. Mai 2010 in Dessau-Roßlau statt. Im 19. Jahrhundert hatten die Elbmusikfeste eine große Bedeutung für die regionale Entwicklung des Chorwesens. Diese Tradition, Sänger und Chöre zusammenzuführen, soll nach einer Unterbrechung von 175 Jahren mit dem Elbmusikfest wiederbelebt und gestärkt werden. Neben dem „Scratch-Konzert“ werden an vier aufeinander folgenden Tagen zwei Inszenierungen des Musiktheaters und eine Inszenierung des Balletts gezeigt.
Den Auftakt macht am Donnerstag, 13. Mai 2010 um 18 Uhr Andrea Moses politisch umstrittene Inszenierung „Lohengrin“. Sie versetzt Wagners Stück in das Parlament einer heutigen Hauptstadt, dessen Volk sich nach einem Führer ins Glück sehnt. Lohengrin gelingt es durch seine Ausstrahlungskraft und mediale Präsenz das Volk für sich zu begeistern und für den Krieg, gegen wen auch immer. Es wirken mit, neben Andrew Sritheran als Lohngrin, Bettine Kampp, Iordanka Derilova, Pavel Shmulevich, Ulf Paulsen und Wiard Witholt.
Wann hat man eine so kluge, lebendige Wagner-Aufführung zuletzt in Berlin erlebt? Dem Theater Dessau ist mit "Lohengrin" ein großer Wurf gelungen.... Auf nach Dessau! (Jörg Königsdorf, Tagesspiegel, 6.10.2009)
Am Freitag, 14. Mai 2010 um 19.00 Uhr präsentiert das Ballettensemble Tomasz Kajdanskis Uraufführung „Lulu“. Frank Wedekinds Tragödie ist die Grundlage für die Auseinandersetzung mit diesem sinnlichen Sujet. Yulia Gerbyna tanzt die Lulu. Die Anhaltische Philharmonie spielt unter Leitung von Daniel Carlberg.
Ein besonderer Höhepunkt ist das „Scratch-Konzert“ am Sonnabend, 15. Mai. Über 300 begeisterte Sänger und Sängerinnen und ein stattlicher Kinderchor aus Dessau-Roßlau und Umgebung werden am Morgen mit den Proben zu Carl Orffs „Carmina Burana“ beginnen und das Stück bereits am Abend um 19 Uhr zur Aufführung bringen. Der Generalmusikdirektor Antony Hermus dirigiert den Scratch-Chor und die Anhaltische Philharmonie. Als Solisten sind am Abend Angelina Ruzzafante, Sopran
05.05.2010, 09:56 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
Zuschauermeinung, Peter Bilsing, Herausgeber und Chefredakteur „Der Opernfreund“, 01.05.2010
Wie immer in Dessau mindestens 5 Sterne, wenn nicht sogar 5*deluxe.
Spannendes, kluges Regietheater ohne Firlefanz. Klug gekürzt, das Ballett flog raus, auch kein Vulkan am Ende, wäre sowieso lächerlich. Bücker scheint wirklich einer der Großen zu sein. Hermus am Pult, den sollte man sich merken, nach seinem Lohengrin. Jetzt das. Die Sänger, wow, und das in der tiefsten anhaltischen Provinz. Man sollte mehr Reklame für dieses Theater machen, das um sein Überleben kämpft. Wenn man bedenkt welchen Scheiß sich Berlin, München und andere sogenannte große Häuser erlauben, dann lob ich mir die Provinz. Schickt alle die ihr kennt nach Dessau, da findet im Mai ein kleines Festival statt, es lohnt sich. Als Hotel rate ich zum Fürst Leopold, direkt gegenüber dem Theater.
In offener Begeisterung
Peter Bilsing
04.05.2010, 11:37 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
Udo Pacolt, http://www.der-neue-merker.eu/mod,criticism/id_menuitem,15/id_criticism,2911, 03.05.2010
Revolutionsoper in Dessau: „Die Stumme von Portici“ von Auber (Vorstellung: 2. 5.2010)
Im Anhaltischen Theater Dessau steht zurzeit die selten gespielte Revolutionsoper „Die Stumme von Portici“ von Daniel-François-Esprit Auber in französischer Sprache (mit deutschen Übertiteln) auf dem Programm, die nach einer Aufführung in Brüssel am 25. August 1830 so starke revolutionäre Impulse gegen die Fremdherrschaft der Niederländer setzte, dass es zur Gründung des Staates Belgien kam. Als während der Einführung zur Oper am 2. Mai auf diese historisch belegte Tatsache hingewiesen wurde, winkte ein Zuhörer mit einer belgischen Flagge und nach dem „Revolutionsduett“ von Masaniello und Pietro im 2. Akt schwenkten auf dem Rang sogar einige Zuschauer kleine belgische Fahnen!
„La muette de Portici“ („Die Stumme von Portici“) wurde 1828 in Paris uraufgeführt – der Text stammt von Eugène Scribe und Germain Delavigne – und war damals nicht zuletzt wegen der aufwendigen Inszenierung und der historisch getreuen Kostüme und Kulissen eine Sensation. In Deutschland war das Werk vor allem an der Berliner Hofoper sehr erfolgreich, wo es ab 1829 bis zum Jahrhundertende 285 Mal gespielt wurde!
Die Handlung der fünfaktigen Oper, die 1647 in Neapel und Portici spielt, in geraffter Form: Alphonse, Sohn des Vizekönigs von Neapel, quält vor seiner Hochzeit mit Elvire Gewissensbisse, weil er einst das stumme Fischermädchen Fenella verführt hat, das dann von seinem Vater in den Kerker geworfen wurde. Unmittelbar vor der Hochzeitszeremonie gelingt es Fenella, aus dem Gefängnis zu fliehen und bei Elvira Schutz zu suchen. Als sie in dem Bräutigam ihren einstigen Geliebten erkennt und ihn mit beredten Gesten als ihren Verführer vor aller Augen anklagt, kann sie im Schutz der Neapolitaner vor den Soldaten fliehen. – Am Strand von Portici erfährt Masaniello von seinem Freund Pietro, dass die spanischen Soldaten des Vizekönigs seine Schwester Fenella verschleppt haben. Beide schwören Rache. Da erblickt Masaniello Fenella, die sich aus Gram über Alphonses Verrat ins Meer stürzen will. Was sie ihm nach ihrer Rettung stumm zu verstehen gibt, schürt Masaniellos Hass. Er ruft die Fischer zur Revolte gegen die Willkür und Tyrannei des Vizekönigs auf. – Elvire und Alphonse versöhnen sich. Als Selva, der Offizier der Leibwache, Fenella erneut zu verhaften versucht, gibt Masaniello das lang erwartete Zeichen zum Aufstand und bittet Gott um Beistand für die Aufständischen. – Masaniello ist über die blutigen Ausschreitungen gegen die Spanier erschüttert. Alphonse und Elvire verschlägt es auf ihrer Flucht aus Neapel in Masaniellos Fischerhütte. Im Zwiespalt ihrer Gefühle entscheiden sich Masaniello und Fenella, den Flüchtigen zu helfen. In den Augen der Fischer wird dadurch Masaniello zum Verräter. Während eine Delegation Neapels Masaniello huldigt, beschließt Pietro mit den Seinen Masaniellos Tod. – Pietro hat Masaniello ein langsam wirkendes Gift verabreicht, das zum Wahnsinn führt. Als Masaniello die Neapolitaner im Kampf gegen den zurückgekehrten Alphonse anführt, wird das offensichtlich. Fenellas drastische Schilderung der Schrecken, die von den Spaniern angerichtet werden, lässt ihn dennoch an der Spitze seiner Leute in den Kampf ziehen, wobei ein Ausbruch des Vesuvs den schaurigen Hintergrund bildet. Die auf der Flucht befindliche Elvire versucht Fenella zu überzeugen, ihr zu folgen. Von Alphonse erfährt Fenella, dass Masaniello bei dem Versuch, Elvire zu schützen, von seinen eigenen Gefolgsleuten umgebracht wurde, worauf sich Fenella aus Verzweiflung tötet.
Alphonse, Elvire und Fenella sind erfundene Figuren, wobei das literarische Vorbild für sie in Walter Scotts Peveril of the Peak aus dem Jahr 1823 zu finden ist. Die pantomimisch dargestellte Titelfigur, die einst von berühmten Primaballerinen wie Maria Taglioni und Fanny Elßler dargestellt wurde, ähnelt der Silvana aus Webers gleichnamiger Oper. Masaniello, 1620 in Neapel geboren, hieß in Wirklichkeit Tommaso Aniello. Als Anführer des Aufstandes 1647 gegen die spanische Regierung in Neapel ging er in die Geschichte ein.
André Bücker verlegte die Handlung der Oper in die heutige Zeit, wobei die Fischer ihrem Tagewerk auf der Werft nachgehen, die Besetzer Neapels Mafiosi sind und der Vizekönig ein Pate der Camorra ist, der im Rollstuhl sitzt. Dass die Mafiosi allesamt mit Gewehren bewaffnet sind und Alphonse mit einem Revolver, passt in diese Inszenierung. Als sich die „Verschwörer“ auf dem Markt von Portici versammeln, kommen deren Frauen gerade vom Shopping und zeigen einander ihre Einkäufe. In jeder Szene stolpern die Darsteller über nicht geleerte Müllsäcke – wohl eine Anspielung auf die hygienischen Zustände vor einigen Monaten in Neapel, wo es durch die wirtschaftliche Kontrolle der Camorra keine demokratische Rechtsordnung gibt, sondern eher besatzungsähnliche Zustände herrschen.
Das Bühnenbild von Jan Steigert vermittelte mit den Containern, die für die jeweilige Szene umgestellt werden konnten, die Atmosphäre einer Werft in einer Stadt am Meer ebenso wie die dazu passenden Videos von Christian Schrills und die über Lautsprecher tönenden Möwenlaute. Die auf die jetzige Zeit abgestimmten Kostüme stammen von Suse Tobisch.
Mit mächtiger metallischer Tenorstimme sang der Mexikaner Diego Torre, der in Dessau sein Europadebüt gibt, den Masaniello. Leider legte er zu viel Kraft in seine Stimme, wodurch er zwar manchmal sogar den stimmgewaltigen Chor übertönte, aber auch an seine Grenzen stieß. Der Tenor Eric Laporte als Alphonse und die Sopranistin Angelina Ruzzafante als Elvire gaben stimmlich und darstellerisch ein ideales Paar. Von den Gefährten Masaniellos überzeugten der Bass Wiard Witholt als Pietro und der Bariton Kostadin Aguirov als Borella sowohl stimmlich wie auch schauspielerisch. Die Titelrolle wurde von der Solotänzerin Gabriella Gilardi mit ausdrucksstarken Gesten, Sprüngen und Bewegungen blendend gespielt. Als Leiterin des kürzlich gegründeten Kinderballetts am Anhaltischen Theater gelang es ihr auch, immer wieder ihre Schützlinge in verschiedenen Szenen zu präsentieren. Der Opernchor des Anhaltischen Theaters (Leitung: Helmut Sonne) erfüllte seine in dieser Oper tragende Funktion voll und ganz und agierte sowohl als neapolitanisches Volk und als Werftarbeiter wie auch als Revolutionäre auf beeindruckende Weise. An Stimmkraft fehlte es ihm keinesfalls, nur schien die Personenführung in manchen Szenen zu kurz gekommen zu sein.
Die mit südländischem Kolorit, dramatischen Ensembles und Chorszenen versehene Partitur Aubers wurde von der Anhaltischen Philharmonie unter der Leitung von Antony Hermus – er ist seit 2009 Generalmusikdirektor des Anhaltischen Theaters – packend und mitreißend wiedergegeben. Wenn auch manches an der Inszenierung missfiel, an der musikalischen Qualität des Abends konnte man seine Freude haben! Die unkonventionelle musikalische Gestaltung der Oper „La muette de Portici“ bezeichnete übrigens Richard Wagner als „heiß bis zum Brennen, unterhaltend bis zum Hineinbeißen“. Und in seinen Erinnerungen an Auber schrieb er u. a.: „Wie dem Sujet am Schrecklichsten, aber auch am Zartesten nichts fehlte, so ließ Auber seine Musik jeden Kontrast, jede Mischung in Konturen und in einem Kolorit von so drastischer Deutlichkeit ausführen, dass man sich nicht entsinnen konnte, eben diese Deutlichkeit je so greifbar wahrgenommen zu haben.“
Das Publikum in Dessau, das schon nach dem 2. Akt in frenetischen Beifall verfallen war, feierte am Schluss der Vorstellung das gesamte Ensemble, den Chor, den Dirigenten und das Orchester mit minutenlangem, nicht enden wollendem Applaus! Bravorufe gab es für Diego Torre, die Tänzerin Gabriella Gilardi und die Anhaltische Philharmonie, die unter Antony Hermus groß aufgespielt hatte.
03.05.2010, 13:53 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
Alexander Hauer, Der Opernfreund (Print), http://www.deropernfreund.de/pageID_4251591.html und http://www.musenblaetter.de, 28.04.20210
Theater Dessau
La Muette de Portici
André Bückers Einstand als Opernregisseur an seinem Hause muss man als großen Wurf bezeichnen. Die Grand opéra wird zwar in gekürzter Form, ohne Ballett, gegeben, zeichnet sich aber durch eine kluge Neudeutung auf höchstem musikalischen Niveau aus.
Bücker verlegt die Handlung aus dem frühen 17. Jahrhundert in die Jetztzeit, aus den spanischen Besatzern werden Mafiaangehörige, aus den revoltierenden Fischern Werftarbeiter. Der Verlust pittoresker Bilder machen aber das Bühnenbild Jan Steigerts und die stimmigen Kostüme von Suse Tobisch wieder wett. Jene Oper um Macht und Ohnmacht, um die Kraft der Schwächeren, wenn sie sich zusammenschließen, wurde bei der Uraufführung eher delektiert, hatte einen sensationellen Erfolg weltweit, und führte, der Legende nach zur Ablösung Belgiens von den Niederlanden. Dieser revolutionäre Gedanke ging in der heutigen Zeit verloren, Bücker schafft aber einen stimmigen Einblick in das System Camorra, in deren Machtstrukturen, die unter anderem auch auf der stillschweigenden Duldung und der Angst der Bürger, basiert. Schon in der Ouvertüre zeigt Bücker die Unbarmherzigkeit dieses Systems auf, wenn die Mafiaschergen um Selva ein Kind entführen, um Fenella in ihre Fänge zu bekommen.
Fenella, diese Einmaligkeit in der Operngeschichte, in der die Titelfigur nicht singt, wird von Gabriella Gilardi mit größter Expressivität getanzt. Ihr Ausdruck und ihre beseelte Körpersprache korrespondiert auf dem gleichen, höchsten Niveau ihrer Sängerkollegen.
Antony Hermus zaubert mit der Anhaltischen Philharmonie feinsten französischen Klang aus dem Graben. Das Ensemble um die beiden Tenöre Diego Torre als Fanellas Bruder Masaniello, schafft es den hohen Ansprüchen seiner Partie das Beste herauszuholen. Sein Gegenspieler, ebenfalls Tenor, Alphonse, Eric Laporte ist ihm ebenbürtig. Alphonse Braut Elvira, jenes naive, weltfremde Mädchen, das die Beziehungen zwischen ihrem Bräutigam und Fanella nicht kennt oder wissentlich verdrängt, wird von Angelina Ruzzafante mit scheinbarer Mühelosigkeit interpretiert.
Angus Wood gestaltet seine kleine Rolle als Lorenzo spannend und konzentriert. Der Star unter den Bösen ist aber Ulf Paulsen der aus Selva einen Furcht erregenden, mit eiskaltem Bariton ausgestatteten, Mafioso macht.
Auf der Seite der „Guten“ kämpfen Kostadin Arguirov, Stephan Biener und Wiard Witholt mit Masaniello gegen das System. Dieses geschlossen gute Ensemble singt auf einem Niveau, dass man nicht alle Tage zu hören bekommt.
Neben den erstklassischen Solisten sei aber auch noch der von Helmut Sonne perfekt einstudierte Chor der Anhaltischen Oper erwähnt. Verstärkt durch Gäste des Coruso Chores, Berlin, unterstreicht er den mehr als perfekten Gesamteindruck des Abends.
Die Premiere endete unter frenetischem Applaus, sowohl für das Regieteam als auch für die musikalischen und tänzerischen Leistungen. Auf die DVD-Veröffentlichung sollte man sich freuen.
29.04.2010, 08:28 | tags:
Theaterpaedagogik
, Anhaltische Philharmonie
Franz Werfel, Mitteldeutsche Zeitung/Dessau-Roßlau, 29.04.2010
Orchester zum Greifen nah
GMD Antony Hermus lädt Kinder zur musikalischen Schnitzeljagd ein.
Wann wurde je Grundschülern anspruchsvolle Opernmusik so unmittelbar nahe gebracht? Jegliche „Durchgang verboten!“-Schilder im Bühnenbereich des Anhaltischen Theaters geflissentlich übergehend, Bühnentechnikern, beim Einstellen der Züge und Scheinwerfer sowie Malern und Tischlern bei ihrer Arbeit zusehend, begaben sich am vergangenen Montagvormittag rund 40 Dessauer Schüler auf eine spannende Schnitzeljagd. Angeleitet wurden sie von Generalmusikdirektor Antony Hermus, der dieses besondere Vermittlungskonzert – welch klares, wichtiges Bekenntnis! – kurzerhand zur Chefsache erklärt hatte. Als „Paten“ standen ihm die Theaterpädagogin Imme Heiligendorff und der Musikdramaturg Ronald Müller zur Seite.
Die Schüler „jagten“ den einzelnen Instrumentenstimmen der Ouvertüre von Georges Bizets „Carmen“ nach und staunten, wie am Ende jedes Instrument hörbar seinen Ort im Werk einnahm. „Oft gehen unsere Musiker ja direkt in die Schulen. Mit der Schnitzeljagd wollten wir die Kinder auch einmal in unser Großes Haus einladen“, erklärte Hermus.
Diese folgten dankbar der Einladung und lauschten zu Beginn der Streichergruppe, die, unterstützt von den Schlagzeugern, im großen Probensaal eine erste Hörprobe aus der Ouvertüre zum Besten gab. Violinistin Katja Wallraf erläuterte den gespannten Kindern die einzelnen Streichinstrumente, wies auf Unterschiede in Bauart und Tonumfang hin. Und die beiden Bassisten rockten spontan „Smoke On The Water“ auf ihren tiefen Streichinstrumenten. Bei den Schlagwerken sorgten besonders das unterschätzte Gewicht der großen Becken und die in der Tonhöhe per Pedal verstellbaren Pauken für Verwunderung. Als Dirigent Hermus überraschend Pult und Taktstock der neunjährigen Chanel überließ, waren ihr Freude (und für einen Moment auch Aufregung) ins Gesicht geschrieben. Wie es sich gehört, folgten die Musiker aufmerksam dem Tempo der kleinen Dirigentin, auch wenn ihre Arme gegen Ende des kurzen Stückes schwerer wurden.
Vorbei am Malsaal, in dem einer gefiederten Eule bei ihrer Genese für die nächste Schauspielpremiere „Carmen Kittel“ zugeschaut werden durfte, gelangten die jungen Zuhörer in den Chorprobensaal. Dort hatten sich die Blechbläser bereits eingerichtet und schmetterten ihren Carmen-Part. Nur der Tubist fehlte, wie die aufmerksamen Kinder sofort bemerkten, aber: „Der hat heute frei, der arbeitet sonst immer schon so viel“, scherzte ein Kollege, bevor er von den Schwierigkeiten einer Musikerlaufbahn und der damit verbundenen Übungsdisziplin, gerade in jungen Jahren, berichtete. Auch die Chemie kam nicht zu kurz, denn en passant lernten die Viertklässler noch, dass Gold ob seiner weicheren Beschaffenheit einen wärmeren Klang als Silber hat.
Barfuß machten es sich die Kinder anschließend im Ballettsaal gemütlich, in dem die Holzbläser ihre Melodien und Instrumente vorstellten, wobei jeder Musiker darauf hinwies, dass selbstverständlich sein Instrument das schönste sei.
Zum Abschluss der eineinhalbstündigen Schnitzeljagd fanden alle Kinder und Musiker im großen Probensaal zusammen. Die jungen Zuschauer durften nun heben ihren Lieblingsinstrumenten Platz nehmen – eng ging es vor allem bei den Schlagwerken und Kontrabässen zu. Diesmal dirigierte Hermus selbst, und der jetzt wieder zusammengesetzte Klangkörper Orchester konnte seine volle Schönheit und Kraft entfalten. Zurück blieben begeisterte Schüler und Lehrer sowie die offene Frage, warum so wenige Schulen an dieser genialen Musikvermittlung der anderen Art teilnahmen.
28.04.2010, 15:56 | tags:
Anhaltische Philharmonie
Pressemitteilung vom 28.04.2010
7. Sinfoniekonzert „Fügungen des Lebens“
„Fügungen des Lebens“ ist das 7. Sinfoniekonzert der Anhaltischen Philharmonie am 6. und 7. Mai, jeweils 19.30 Uhr, überschrieben. Daniel Carlberg, seit Beginn dieser Saison 1. Kapellmeister am Anhaltischen Theater, hat als Eröffnungsstück für sein Sinfoniekonzert das kurzweilige „Divertimento“ von Leonard Bernstein ausgewählt.
Anschließend erklingt das melodienreiche Violinkonzert von Erich Wolfgang Korngold. Der Komponist verarbeitete in dem 1947 uraufgeführten Werk einige der zahlreichen Filmmusiken, die er im amerikanischen Exil in Hollywood geschrieben hatte.
Solistin ist die junge Geigerin Tanja Becker-Bender, derzeit Professorin an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg. Die FAZ bescheinigte ihr „völlig ausgereifte Virtuosität und phänomenale Intensität des Ausdrucks und der Balance”.
Nach der Pause dirigiert Daniel Carlberg die 4. Sinfonie von Peter Tschaikowski. Deren Thema ist das Schicksal, „die verhängnisvolle Macht, die unser Streben nach Glück verhindert und eifersüchtig darüber wacht, dass Glück und Frieden nie vollkommen und wolkenlos werden“ (Tschaikowski). Doch im Finale freut sich der Held am Glück der anderen, „und das Leben ist doch zu ertragen“. Mehr über die Hintergründe der erklingenden Werke können die Besucher wie immer in der Konzerteinführung erfahren, die an beiden Abenden jeweils 18:30 Uhr im Foyer stattfindet.
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel:
0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über
die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr |
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
27.04.2010, 16:52 | tags:
Anhaltische Philharmonie
Franz Werfel, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 27.04.2010
Frühlingsgefühle im Dreivierteltakt
Mit einem Wunschkonzert begrüßt das Orchester vor ausverkauftem Haus die wärmeren Jahreszeiten.
Die Bühne des Anhaltischen Theaters Dessau holzgetäfelt und mit grünenden Topfpflanzen drapiert, dazu im Hintergrund eine große Leinwand, die im Laufe des Konzertabends die Topfpflanzen in freier Wildbahn zeigte und damit Hörbares sichtbar machen wollte – spätestens bei dieser Kulisse dürften sich am frühen Sonntagabend beim dankbaren Publikum längst überfällige Frühlingsgefühle eingestellt haben.
Es war das erste Wunschkonzert in der 243 Jahre umfassenden Orchesterhistorie, wie Ronald Müller, Musikdramaturg des Hauses und Moderator des Abends, erläuterte. Daran beteiligten sich 252 Interessierte und votierten im Vorfeld per Karte oder im Internet für verschiedene Orchesterwerke großer Wiener Komponisten.
Dessaus Erster Kapellmeister Daniel Carlberg dirigierte die Philharmoniker von Beginn an konzentriert und erfrischend – teilweise vom Cembalo aus. Die Ouvertüre zu Mozarts „Entführung aus dem Serail“ eröffnete den bunten Konzertabend. Nach drei Tänzen aus der Feder des gebürtigen Salzburgers bildete die Ouvertüre zur „Hochzeit des Figaro“ den Abschluss des Mozart-Potpourris. Die Tamino-Arie „Dies Bildnis ist bezaubernd schön“ intonierte Ensemblemitglied Angus Wood spontan, nachdem die angekündigte Solistin des Abends, Sopranistin Cornelia Marschall, kurzfristig erkrankt war. Da Wood noch am Abend zuvor in der Opernpremiere der „Stummen von Portici“ brilliert hatte, verzieh man ihm gern seine Schwierigkeit im Ansatz des zweiten Arienteiles.
Umso glanzvoller gelang ihm nach der Pause „Dein ist mein ganzes Herz“ aus Franz Lehárs Operette „Das Land des Lächelns“.
Vor frühlingsbeblühten Bergwiesen interpretierten die Dessauer Musiker anschließend präzise forsch den 1. Satz aus Franz Schuberts 5. Sinfonie in B-Dur, womit der Streifzug durch den Wiener Musikwald fortgesetzt wurde.
Ebenso als Ersatz für Cornelia Marschall konnte die Berliner Sopranistin Johanna Krumin noch wenige Stunden vor dem Konzert verpflichtet werden. Beeindruckend, wie sie mit ihrer starken Stimme Schuberts „Der Hirt auf dem Felsen“ im perfekten Duett mit dem Soloklarinettisten Reinhard Gutte intonierte, auch wenn der Text des Dessauer Lyrikers Wilhelm Müller bei deutlicherer Artikulation gerade an diesem Ort gern verstanden worden wäre. Krumin sang dagegen die Arie „Draußen in Sievering“ aus Strauss’ Operette „Die Tänzerin Fanny Elßler“ wunderbar.
Als Glücksfee loste die Berlinerin zudem drei Besucher aus, die sich an der Abstimmung beteiligt hatten, und beschenkte diese mit Freikarten.
Ferner begeisterten unter anderem ein hervorragendes, auswendig gehaltenes Dirigat der Ouvertüre zur „Fledermaus“ (dem Publikum wurde dabei unter Begeisterungsrufen eine Neuinszenierung der beliebten Strauss’schen Operette im Dezember dieses Jahres versprochen) und der mittlerweile zum Schlager avancierte Marsch „Wien bleibt Wien“ Johann Schrammeis. Dem fulminanten Abschluss (Strauss’ obligatorischer „Kaiser-Walzer“) folgten ein langer, enthusiastischer Applaus sowie zwei Zugaben.
„Eigentlich wollten wir uns den Radetzky-Marsch heute schenken“, schmunzelte ein zufriedener Ronald Müller nach dem dreistündigen Konzert. Doch das Publikum klatschte beharrlich weiter, bis der beliebte Rausschmeißer des Johann Strauss Vaters schlussendlich doch noch gespielt wurde.
Das Konzert wird zum Tag der offenen Tür am 6. Juni um 17 Uhr mit Sängerin Cornelia Marschall wiederholt.
15.04.2010, 21:42 | tags:
Ballett
, Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 16.04.2010
Am 15. Mai in Dessau
Carmina Burana für ganz Eilige passt ins Fest-Quartett
"Wir haben noch Platz für viel mehr Leute." Ja, die Dessauer Theaterbühne ist groß und Antony Hermus weiß das. 500 Menschen, so der Generalmusikdirektor, würde man unter bekommen. Viele fehlen dafür nicht mehr. Mit Stand von Donnerstagmittag haben sich bislang 327 Sängerinnen und Sänger für das Scratch-Konzert am 15. Mai im Anhaltischen Theater angemeldet.
Mitten in das erste Elbmusikfest der Neuzeit ist dieses Scratch-Konzert eingebettet. Das Prinzip ist schnell erklärt. "80 Prozent des Ergebnisses erreichen wir in 20 Prozent der Zeit", lacht Hermus, und tatsächlich ist die Zeit knapp. Nur einen Tag Probe gesteht man den Sängern zu. Denn die Idee des Scratch-Konzertes besteht darin, mit einem Chor aus Hobby-Sängern innerhalb von 24 Stunden Carl Orffs Chorwerk "Carmina Burana" einzustudieren und das Ergebnis in einer öffentlichen Aufführung zu präsentieren.
Dass so etwas geht und dabei auch noch gut klingt, vor allem aber jede Menge Spaß macht, Mitwirkenden wie Zuhörern gleichermaßen, hat Antony Hermus schon andernorts erlebt. Drei Mal leitete er solche Scratch-Konzerte bereits in Hagen. Bis zu 450 Hagener konnte man mobilisieren, mitzumachen.
Dass dies auch in Dessau zu schaffen ist, ist Hermus zuversichtlich. Schon jetzt ist das Konzert eine Sache der gesamten Region, aus Städten ringsum sind Anmeldungen eingegangen, von Kinderchören bis zu singenden Senioren. "Man muss sich einfach rantrauen und muss gar keine ausgebildete Stimme haben", erklärt Hermus, der sich einen "Tag der genussvollen Musik" erhofft.
Er zieht auch den Hut vor den Musikern der Anhaltischen Philharmonie, denn normalerweise hätten die stets den Anspruch, ein perfektes Konzert zu spielen. Diesmal aber seien die Wagnisse weitaus größer. "Alle wissen, dass wir nur einen Tag Zeit haben, das ist ein ganz anderes Arbeiten", sagt der Dirigent, der sich auf die Energie freut, die von so vielen Sängern und dem Orchester ausgehen wird. "Wir werden erleben, was Musik ausmacht: das selbst Mitmachen."
Ohnehin ist das Elbmusikfest, das es als Fest regionaler Chöre schon einmal im 19. Jahrhundert in Dessau gab, ein Fest des Gesangs. So sind es die Wagner-Chöre des "Lohengrin" mit denen das Fest am 13. Mai beginnt. "Ich bin stolz und froh, dass das Elbmusikfest mit dieser Oper eröffnet wird", so Regisseurin Andrea Moses, die deutschlandweit für ihre politische Lesart des Stoffes von der Kritik gelobt wurde. "Wir brauchen sehr viel mehr politisches Theater, um die Leute zum Mitdenken zu ermutigen", findet Dessaus Chefregisseurin, die sich mit ihren Arbeiten auch in der Tradition von Walter Felsenstein sieht.
So wie das Elbmusikfest mit großen Chören beginnt, endet es auch am 16. Mai, allerdings mit großer französischer Choroper: "Die Stumme von Portici". Noch kennt niemand diese Aufführung, mit der sich Generalintendant André Bücker auch als Opernregisseur dem Publikum vorstellt. Die Premiere der Oper von Daniel F. E. Auber ist am 24. April. Ein "dankbares Stück für unser Sängerensemble" nennt André Bücker das Werk und freut sich über seine erste Zusammenarbeit mit Antony Hermus im Musiktheater. Mit Diego Torre habe man zudem einen hervorragenden jungen Tenor verpflichten können, der während der Probenzeit sein Debüt an der Metropolitan Opera New York in "Aida" gab.
Ohne einen Chor, dafür aber mit den Ausdrucksmitteln des Tanzes, kommt die vierte Aufführung des Elbmusikfestes aus, die das Quartett komplettiert. Am 14. Mai wird im Anhaltischen Theater das Ballett "Lulu" gezeigt, das Tomasz Kajdanski choreographierte. "Ich habe mir vorgenommen, dass unser Ballettensemble ein Gesicht bekommt", so Kajdanski. Mit "Lulu" sei dies gelungen. Die Musik für "Lulu" kommt von der Anhaltischen Philharmonie, die tatsächlich keinen Abend des Elbmusikfestes auslässt und sich ein paar aufführungsfreie Tage nach diesem verlängerten musikalischen Wochenende vor Pfingsten verdient haben dürfte.
Karten für das Elbmusikfest 2010 mit "Lohengrin" (13. Mai, 18 Uhr), "Lulu" (14. Mai, 19 Uhr), Scratch-Konzert "Carmina Burana" (15. Mai, 19 Uhr) und "Die Stumme von Portici" (16. Mai, 17 Uhr) gibt es an der Theaterkasse im Rathaus-Center, Telefon 0340 / 2 40 02 58.
08.04.2010, 13:43 | tags:
Anhaltische Philharmonie
Pressemitteilung vom 08.04.2010
6. Kammerkonzert entfällt krankheitsbedingt
Das für den 17. April um 15:30 Uhr im Schloss Georgium geplante Kammerkonzert des Anhaltischen Theaters muss krankheitsbedingt entfallen.
Das Konzert wird in der nächsten Spielzeit nachgeholt. Gekaufte Karten können gern an der Theaterkasse umgetauscht werden.
Kartenumtausch über Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über
die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr |
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de und an der Abendkasse.
07.04.2010, 12:38 | tags:
Anhaltische Philharmonie
Pressemitteilung vom 07.04.2010
Wunschkonzert „Frühling in Wien“ ausverkauft
Am Tag der offenen Tür des Anhaltischen Theaters, am 6. Juni, gibt die Anhaltische Philharmonie um 17.00 Uhr ein Sonderkonzert. Da das Wunschkonzert „Frühling in Wien“ am 25. April bereits ausverkauft ist, wird es am 6. Juni in ähnlicher Form wiederholt. Unter der Leitung von Daniel Carlberg und mit Cornelia Marschall als Solistin erklingen dann noch einmal beliebte Melodien von Mozart, Schubert, Johann und Josef Strauß, Franz Lehár u.a. Bei diesem Konzert soll auch der Gewinner des Dirigenten-Castings, das am Tag der offenen Tür stattfindet, mit einem Dirigat einbezogen werden.
Karten für das Sonderkonzert erhalten Sie bereits jetzt an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über
die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr |
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
05.04.2010, 20:05 | tags:
Anhaltische Philharmonie
Ute van der Sanden, Mitteldeutsche zeitung/ Dessau-Roßlau, 06.04.2010
Notizen aus Partitur befolgt
Das war ein Schumann, wie ihn Dessau schon lange nicht mehr gehört hatte. Passend zum 200. Geburtsjahr des Komponisten stand seine d-Moll-Sinfonie auf dem Programm des jüngsten Abonnementkonzerts.
Interessant vom ersten Takt
Der Zählung nach gilt sie als Schumanns viertes, entstanden war sie jedoch unmittelbar nach dem ersten, "Frühlingssinfonie" genannten Orchesterwerk - zumindest in der Urfassung. So klang es auch: Ursprünglich, heiter und mit einer Konsequenz transparent, die am Ende alle Erwartungen übertraf. Der Generalmusikdirektor verzichtete auf jedwede Ingredienz für eine romantische Soße, die sich mit Hilfe dieser Partitur und vor allem der oft bemängelten Schumannschen Instrumentierung auch anrühren lässt: Klangballast, statisches Fortissimo, langsame Tempi, schwülstige Agogik. Antony Hermus' Version bejubelte viel eher den Frühling, als dass sie mit dem Ende der Karwoche und dem schwermütigen Konzertmotto "Klagelieder" leiden wollte. Seine quicklebendige Leitung kam einer gestalterischen Herausforderung an das Orchester gleich. Es verlieh dem Finalwerk des Abends Optimismus, Energie, Kraft und Elan - Eigenschaften also, aus denen der Geist der Klassik sprach.
Schön war's und vom ersten bis zum letzten Takt interessant. Hermus näherte sich dem attacca verbundenen Viersätzer von der gesanglichen Seite, vom Klangsinnlichen her. Vielleicht hat man die Holzbläser deshalb selten so kantabel vernommen. Neben bildschönen Soli von Violine und Cello im zweiten, dem witzigen Tänzeln im dritten und einer dramatischen Anwandlung vor dem vierten Satz, neben gründlicher Differenzierung in Dynamik, Artikulation und Ausdruck besaß diese "Vierte" einen weiteren Vorzug: ihre emotionale Mitteilsamkeit, ihr musikantisches Sendungsbewusstsein.
Wie sehr eine mit so viel Herzblut offerierte Schumann-Sinfonie zu begeistern vermag, zeigte der Applaus - zumal Hermus den Finalsatz gejagt hatte, als werde er von einer Stoppuhr verfolgt. Die Beschleunigung war vom Komponisten wohl auch intendiert, hatte er doch Vorschriften wie "Stringendo" und "Schneller" bis zum "Presto" in die Partitur notiert. Das reizten die Dessauer Musiker aus, ohne ihren weichen Grundton und die rhythmische Präzision zu vernachlässigen. Kurzum: Mit Schumann hatten der Konzertabend, Antony Hermus und das Orchester ihren Meister gefunden.
Jenseits der Massenunterhaltung
Der Solist Julian Steckel wäre für ein großes romantisches Cellokonzert sicher ausgiebiger gefeiert worden als für "Schelomo". Dass er die zauberhafte, aber nicht allzu populäre "Hebräische Rhapsodie" von Ernest Bloch spielte, bekräftigte seine künstlerische Seriosität und sein Wirken jenseits der Massenunterhaltung. Mit Blochs bedeutungsprallem Porträt des Königs Salomon, mit dem orientalischen Kolorit des Werkes und der Korrespondenz zwischen dem lyrischen Ich der Solostimme und dem Orchestersatz wirkte Julian Steckel wesentlich vertrauter als das immerhin souverän begleitende Dessauer Ensemble. Steckels klarer, direkter, aufgeweckter Ton zeigte in der Tiefe ein hinreißend sonores Timbre, die Intensität seines Espressivo-Spiels war unwiderstehlich.
Mehr konzeptionelle Sorgfalt wäre einzig dem Eingangswerk zu wünschen gewesen, den Raffinessen und Wechselspielen des Haydnschen Satzes, seinen Tempi, den überraschenden Forte-Akkorden auf der dritten Zählzeit im Trio. "Lamentatione" konnte sich gegen die gewichtigen nachfolgenden Werke nicht behaupten.
Das ohnehin fragmentarisch anmutende, weil nach dem Menuett abbrechende dreisätzige Stück wirkte ohne Da-capo-Teile wie eine Einspielübung - trotz agilen Dirigats, tadellos artikulierender Streicher und bestens disponierter Bläser. Die lukrative Gesamtdauer des Konzerts von nur gut neunzig Minuten hätte die Wiederholungen übrigens gut verkraftet.
01.04.2010, 15:59 | tags:
Anhaltische Philharmonie
Pressemitteilung vom 01.04.2010
Musikalische Schnitzeljagd im Theater
Eine besondere Form des Schülerkonzerts findet am Montag, 26. April um 10.30 Uhr im Anhaltischen Theater statt.
Aufgeteilt in vier Gruppen erleben die Grundschüler und Kinder im Vorschulalter das Vorspiel aus Bizets Oper „Carmen“ an verschiedenen Orten im Haus, die ein Theaterbesucher sonst nicht kennenlernt. Dort stellen Musiker der Anhaltischen Philharmonie in kleinen Gruppen ihre Instrumente vor. Die Kinder können nicht nur hören und staunen sondern auch probieren, wie die Instrumente klingen und sich im Zusammenspiel verändern. Die Veranstaltung dauert etwa eine Stunde. Die Leitung des Schülerkonzerts hat Generalmusikdirektor Antony Hermus.
Tickets zum Preis von drei Euro und Informationen erhalten Sie an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über
die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr |
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
26.03.2010, 14:01 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
25.03.2010, 10:17 | tags:
Anhaltische Philharmonie
dpa, Mitteldeutsche Zeitung/Dessau-Roßlau, 25.03.2010
500 Teilnehmer für Scratch-Konzert erwartet
Hobbysänger studieren binnen 24 Stunden «Carmina Burana» ein - Aufführung am 15. Mai
Am Anhaltischen Theater Dessau wollen mehrere hundert Hobbysänger binnen 24 Stunden «Carmina Burana» einstudieren. Für das sogenannte Scratch-Konzert am 15. Mai haben sich bislang 252 Sängerinnen und Sänger aller Generationen angemeldet, wie eine Theatersprecherin am Mittwoch sagte. Sie rechnet mit 400 bis 500 Teilnehmern. Diese studieren das berühmte Orff'sche Werk zusammen mit Solisten und dem Opernchor des Theaters unter der Leitung von Generalmusikdirektor Antony Hermus ein. «Scratch» steht in etwa für «zusammengewürfelt». Die Noten muss jeder selbst kaufen, zudem wird ein «Verköstigungsbeitrag» fällig.
24.03.2010, 13:07 | tags:
Anhaltische Philharmonie
Pressemitteilung vom 24.03.2010
6. Sinfoniekonzert [Klagelieder]
Am Gründonnerstag und Karfreitag, am 1. und 2. April, findet jeweils um 19:30 Uhr das 6. Sinfoniekonzert der Anhaltischen Philharmonie statt.
Mit der „Lamentatione“ -Sinfonie [Nr. 26] von Joseph Haydn steht am Beginn ein Werk, das mit seinen verwendeten gregorianischen Choralmelodien auf die Karwoche Bezug nimmt. Der aus der Schweiz stammende Ernest Bloch wurde ab 1916 in den USA zu einem anerkannten Komponisten national-jüdischer Musik. Sein bekanntestes Werk ist die 1916 entstandene Hebräische Rhapsodie für Cello und Orchester „Schelomo“ – ein musikalisches Porträt des alttestamentarischen Königs Salomon, das in seiner großen Emotionalität direkt zum Herzen spricht.
Als Solist konnte der junge, bereits mehrfach preisgekrönte Cellist Julian Steckel verpflichtet werden. Nach der Pause erklingt Robert Schumanns 4. Sinfonie in d-Moll. Am Dirigentenpult steht Generalmusikdirektor Antony Hermus. Gemeinsam mit Musikdramaturg Ronald Müller lädt er auch um 18:30 Uhr zur Konzerteinführung im Foyer ein.
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Abendkasse und an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
23.03.2010, 14:34 | tags:
Ballett
, Schauspiel
, Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
Pressemitteilung vom 23.03.2010
Zum Osterspezialpreis ins Theater
Das Anhaltische Theater bietet zu Ostern drei Stücke zum Spezial Preis von jeweils 8,- Euro an.
Am Dienstag und Mittwoch, den 30. und 31. März, um 19.30 Uhr wird im Alten Theater das Schauspiel von Einar Schleef „Abschlussfeier“ in der Regie von Armin Petras aufgeführt. Das Stück nimmt die Zuschauer mit in eine DDR-Jugendherberge am Ende der 70er Jahre. Die Inszenierung entstand als Koproduktion mit dem Maxim Gorki Theater Berlin.
Ballett gibt es auf der Bauhausbühne zu sehen am Karfreitag, Ostersamstag und -sonntag. Tänzer und Tänzerinnen des Anhaltischen Theaters präsentieren mit „Hermes in der Stadt“ erstmals eigene Choreographien, acht kurze und kraftvolle Szenen in einer Koproduktion mit der Stiftung Bauhaus Dessau. Inspiration hierfür waren die Texte von Lothar Trolle, der am 2. April für Gespräche mit dem Publikum anwesend sein wird. Moderiert wird das Gespräch von Andreas Hillger, Kulturredakteur der Mitteldeutschen Zeitung.
Mit „Candide“, Regie Cordula Däuper, wird am Ostermontag im Großen Haus Leonard Bernsteins kühnste Schöpfung für die Musiktheaterbühne gezeigt, eine Mischung aus Musical, klassischer Operette und komischer Oper. Die Vorstellung beginnt um 17 Uhr.
Tickets zu 8,- Euro erhalten Sie ab sofort über:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr | Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
22.03.2010, 15:12 | tags:
Ballett
, Schauspiel
, Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
Pressemitteilung vom 22.03.2010
Theaterwelten - Festliche Konzertgala zum Welttheatertag
Am 27. März 2010 findet im Anhaltischen Theater um 19.30 Uhr eine Festliche Konzertgala unter dem Motto „Theaterwelten“ statt. Seit 1961 ist dieser Tag vom Internationalen Theaterinstitut der UNESCO zum Welttag des Theaters ausgerufen.
Alle vier Sparten des Anhaltischen Theaters (Musiktheater, Ballett, Schauspiel und die Philharmonie) nehmen ihr Publikum mit auf eine unterhaltsame Reise durch verschiedene Länder dieser Erde und zeigen die große Vielfalt ihres künstlerischen Spektrums. Unterwegs erklingt unter anderem Musik von Wagner, Dvorák, Elgar, Offenbach, Strauß, Abraham, Weill. Der musikalische Reiseleiter heißt Generalmusikdirektor Antony Hermus, der Moderator Thorsten Köhler.
Als Solisten wirken mit: Angelina Ruzzafante, Ulf Paulsen, Andrew Sritheran, Angus Wood Jan Kersjes, Matthieu Svetchine und Karl Thiele.
Die Initiative „Land braucht Stadt“ hat zu einer großen Demonstration gegen die Sparpläne der Stadt Dessau aufgerufen. Diese beginnt am Welttheatertag um 15 Uhr am Tierpark und endet vor dem Anhaltischen Theater, wo weitere sportliche und kulturelle Aktionen geplant sind.
19.03.2010, 10:43 | tags:
Anhaltische Philharmonie
Pressemitteilung vom 19.03.2010
5. Kammerkonzert im Schloss Georgium
Im 5. Kammerkonzert des Anhaltischen Theaters am 20. März, 15.30 Uhr im Schloss Georgium erklingt Musik für Streichquartett. Katja Wallraf und Uta Hauser (Violinen), Svetlana Kamburova (Viola) und Doreen Büring (Violoncello) spielen die „Italienische Serenade“ von Hugo Wolf, das 3. Quartett B-Dur op. 67 von Johannes Brahms sowie das 2. Quartett des Janácek-Schülers Pavel Haas. In letzterem Stück erhalten die vier Damen Unterstützung von Schlagzeuger Jacob Janke.
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Abendkasse und an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
18.03.2010, 17:54 | tags:
Anhaltische Philharmonie
Johannes Killyen, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 16.03.2010
Ein Solopart mit Teamgeist
SINFONIEKONZERT Philharmonie präsentiert den Zuhörern musikalische Helden.
Der amerikanische Satiriker Peter Schickele hat die Steigerungsformen musikalischer Heldenverehrung einmal so beschrieben: „Beethoven tat es mit seiner Siegesmusik für Wellington, Tschaikowski mit der 1812-Ouvertüre für die Russen - und Richard Strauss mit dem ‚Heldenleben' für sich selbst“.
Orchestrale Materialschlacht
Der Seitenhieb auf die 1898 entstandene Tondichtung von Strauss ist boshaft, doch passend: Da tritt großspurig der Held auf (natürlich Strauss selbst), widersetzt sich heroisch (wie sonst?) seinen Widersachern, lässt sich auch von der schönen Gefährtin nicht beirren, zieht unter Blechgeschmetter in den Kampf, um hernach die Welt mit Friedenswerken zu beglücken und ihr am Ende zu entsagen.
Ein streitbares, verstörendes Werk, dieses „Heldenleben“ – eine orchestrale Materialschlacht und doch auch zart gewebt wie ein feines Seidentuch. Donnerstag war das Stück zum Abschluss des 5. Sinfoniekonzertes der Anhaltischen Philharmonie zu erleben, am Pult stand Generalmusikdirektor Antony Hermus. Seinen Mut mochte man schon vor dem ersten Ton loben, denn wer die Kräfte zehrende, technisch in höchstem Maße anspruchsvolle Tondichtung live aufführt, begibt sich in harte Konkurrenz zu Massen von CD-Einspielungen.
Doch frisch gewagt war in diesem Fall auch schon gewonnen, denn das Dessauer Orchester bestand die harte Bewährungsprobe blendend - und das, obwohl Hermus zumindest am Anfang ein furioses Tempo vorgab und die Horngruppe von acht auf sechs reduziert worden war. Am schönsten war, dass bei aller Herausforderung nicht das technisch Machbare im Vordergrund stand, sondern die Strauss’sche Musik mit all ihren Nuancen.
Sei es die entschieden und virtuos gespielte Sologeige von Myra van Campen-Bálint, das Englischhorn, das solistische Waldhorn oder die in Mannschaftsstärke vertretene Schlagzeuggruppe: Jede Emotion, jede Regung in der Partitur wurde ernst genommen und gestaltet. Und in pulsierenden Streichpassagen, in kecken Holzbläsereinwürfen waren sogar Töne zu hören, die bei CD-Aufnahmen einfach verloren gehen. Das Heldenleben endete im Glück.
Star an der Bratsche
Doch begegnete man an diesem Abend noch weiteren Helden: zu Beginn etwa dem tragischen Feldherren Coriolan, der nur Böses im Schilde führt und für die einzige gute Tat mit dem Tod bestraft wird. Folgerichtig dominieren auch in Beethovens „Coriolan“-Ouvertüre dunkle Farben; Hermus skizzierte einen düster gestimmten Helden, der von Anfang an weiß, dass er verloren hat: kein brillanter, aber ein solider Konzertbeginn. Schließlich wäre bei Paul Hindemiths „Bratschenkonzert nach alten Volksliedern“ in der poetischen Figur eines „Schwanendrehers“ (der im dritten Satz vorkommt) ein weiterer Held zu vermuten gewesen.
Doch der Star stand in modischem Knitteranzug leibhaftig auf der Bühne, erinnerte mit dem Dreitagebart ein wenig an Nigel Kennedy, hieß aber Nils Mönkemeyer und spielte die Viola. Und wie!
Viel ist über den 32-Jährigen geschrieben worden, der jetzt schon mehr gegen das Mauerblümchen- Image seines Instruments getan hat als Generationen von Bratschern vor ihm. Sobald die Musik begonnen hatte, präsentierte er sich aber gar nicht als extrovertierter Superstar, sondern füllte den ins Orchester hinein geschriebenen Solopart mit Teamgeist aus: berückend schön, zupackend und natürlich ohne Fehl und Tadel.
Bezeichnend für die chronische Suche nach guten Violastücken war freilich, dass Mönkemeyer als Solozugabe einen langsamen Satz aus Bachs G-Dur-Cellosuite spielte. In der Pause lud der Solist noch zur Autogrammstunde - was sich für einen musikalischen Helden ja auch gehört.
18.03.2010, 06:43 | tags:
Anhaltische Philharmonie
Ute van der Sanden, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 18.03.2010
«Wir wollen Spaß miteinander»
Philharmonie trifft Stadtteilschule - eine musikalische Weltreise in der Marienkirche
"Und so ist das Leben", schrieb einst Tschaikowsky über seine vierte Sinfonie, "ein unentwegter Wechsel harter Wirklichkeit mit flüchtigen Träumen von Glück." Das Mädchen sprach's und ging ab. Die Musiker aber setzten die Instrumente an, der Dirigent hob den Taktstock. Und dann flitzte das Sinfoniefinale so quietschvergnügt von der Bühne, dass einem gar nicht mehr nach harter Wirklichkeit zumute sein konnte.
Endlich. Wurden bisher lediglich die Dessauer Gymnasiasten in die orchestrale Grundversorgung einbezogen, spielt die Anhaltische Philharmonie neuerdings auch für einen Schultypus, der den wesentlich größeren Anteil von Schülerinnen und Schülern auf das Leben danach vorbereiten soll. Erstmals gab's am Dienstag ein Konzert für die Sekundarschule "Am Rathaus". Einiges daran war anders als sonst: Das Ereignis fand nicht in der Schulaula statt, sondern an einem richtigen, will sagen offiziellen Veranstaltungsort, in der Marienkirche. Und nicht zur Unterrichtszeit, sondern nach Feierabend. So konnten auch Familien mit.
Für Geschwister, Eltern und Großeltern war die Teilnahme freilich fakultativ. Umso erfreulicher, dass der Saal rappelvoll war und sogar zusätzliche Stuhlreihen aufgebaut wurden. Während der gut einstündigen Vorstellung herrschte so etwas wie Straßenfest-Gelassenheit. Dass die Bühne zu klein ist für ein Sinfonieorchester und die Akustik alles andere als ideal - was machte das schon? Zugehört wurde trotzdem. Das lag an den Straßenfegern, die die Philharmonie während ihrer musikalischen Weltreise vorlegte. "Musik und Geographie" hieß das diesjährige Jugendkonzert, "weil viele Komponisten in ihrer Musik Natureindrücke verarbeitet haben", wie die jugendliche Sprecherin begründete. Unter Leitung von Kapellmeister Daniel Carlberg ließen die Dessauer Musiker Richard Wagners "Lohengrin"-Vorspiel antanzen, fegten alsdann Edvard Griegs "Höhle des Bergkönigs" durch, ruderten kräftig auf der "Moldau" von Bedrich Smetana und ließen auch Leonard Bernsteins "Candide"-Ouvertüre ordentlich krachen.
Die Trommeleinlage der drei mosambikanischen Perkussionisten passte zwar nicht unbedingt ins sinfonische Programm, dafür war deren Auftritt atmosphärisch umso wichtiger: Auch sie gehören ins Kulturleben der Stadt. Nicht nur, weil sie seit 22 Jahren in Dessau zu Hause sind, sondern erst recht und umso mehr nach den neuerlichen Demonstrationen vom vergangenen Wochenende. "Wir wollen Spaß miteinander haben", verkündeten sie unter Beifall.
Aus Paris gab's ein Chanson, "L'Accordéoniste" mit Daniela Hosang am Akkordeon und Anne Weinkauf vom Opernchor. Edward Elgars erster Marsch aus "Pomp and Circumstance" beendete die Estrade mit Verweis auf die "Last Night of the Proms" in London. Wer wollte, durfte den Nachmittag durchaus als deren kleine Dessauer Schwester begreifen.
Sympathisch, wie die Mädchen und Jungen der Sekundarschule ihre bündige, informative Moderation vortrugen und nicht auf den Hinweis verzichteten, "das Wasser der Moldau sprudelt im berühmten Budweiser Bier". Passend zum jeweiligen Ausflugsort wurden Urlaubsdias an die Großleinwand im Bühnenhintergrund projiziert. Von Schülern. Sie zeigten die Bilder der Welt, Polarlicht und russische Birken, auch einen Vertreter der Grenadier Guards unter putziger Bärenfellmütze.
Selbstverständlich wurde im Saal getuschelt und ungeniert manches Bonbon ausgewickelt. Allzu unruhige Geister hatten resolute Lehrerinnen im Blick und im Griff. Und klar liefen die Kids während der Musikbeiträge aufs Klo. Bis eine Pädagogin die Neuankömmlinge kopfschüttelnd abwies. Derweil tanzte ein kleines kraushaariges Mädchen mit weit ausgebreiteten Armen vor der Bühne zur "Moldau". Ihnen habe es gefallen, sagten anschließend einige Mädchen und Jungen. Was besonders? Alles eigentlich! Die meisten aber wollten gar nichts sagen.
Applaudiert haben viele. Auch mal an der falschen Stelle, na und? Bei den anderen wird sich schon noch herumsprechen, dass sie klatschen dürfen, wenn's schön war. Nur wenigen konnte man ansehen, dass sie nicht ganz freiwillig gekommen waren. Auch okay. Denn "wenn sie nur mal die Stöpsel aus den Ohren nehmen, ist schon eine Menge gewonnen", reflektierte ein Musiker.
Wer es richtig fein haben will, kann ja die Sinfoniekonzerte besuchen. Außerdem gibt es noch mehr Sekundarschulen in Dessau. Und in Roßlau natürlich auch.
02.03.2010, 17:48 | tags:
Anhaltische Philharmonie
Pressemitteilung vom 02.03.2010
„ECHO Klassik“ – Preisträger zu Gast im 5. Sinfoniekonzert der Anhaltischen Philharmonie
Gast im 5. Sinfoniekonzert der Anhaltischen Philharmonie am 11. und 12. März ist der Bratschist Nils Mönkemeyer, den das Klassik-Magazin „Rondo“ unlängst als „erstes deutsches Bratschenwunder“ bezeichnete. Für seine Debüt-CD erhielt der 32-Jährige den „Echo Klassik 2009“ als Nachwuchskünstler des Jahres.
Der inzwischen international gefragte Mönkemeyer spielt in Dessau das Bratschenkonzert „Der Schwanendreher“ nach alten Volksliedern, das sich Paul Hindemith, der ein hervorragender Bratschist war, 1935 für den eigenen Gebrauch auf den Leib geschrieben hat.
Den Konzertabend eröffnet Beethovens „Coriolan“-Ouvertüre, und nach der Pause steht als Hauptwerk die Tondichtung „Ein Heldenleben“ von Richard Strauss auf dem Programm. Strauss beschreibt darin keinen Helden aus Literatur, Mythologie oder Geschichte, sondern einen Künstler – sich selbst im Alter von 34 Jahren! Der Vorwurf einer „Privat-Eroica“ und eines „Kolosses auf tönernen Füßen“ blieb dem Werk denn auch nicht erspart. Und trotzdem: Ein fulminantes, opulentes Stück Musik – ein Fest für jedes Orchester und ein Genuss für jeden Zuhörer! GMD Antony Hermus dirigiert die Anhaltische Philharmonie.
Konzerteinführung am 11. und 12. März jeweils um 18:30 Uhr im Foyer
Tickets und Informationen erhalten Sie unter: Theaterkasse Rathaus-Center
Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr |
Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr |
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
18.02.2010, 07:25 | tags:
Anhaltische Philharmonie
, Diverses
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 18.02.2010
Musik für Kaffee im Salon
Salonorchester Papillon gibt Samstag im Theaterrestaurant 100. Konzert
Es wird sein wie immer. Das Theaterrestaurant füllt sich eine Stunde vor der Vorstellung. Kaffee und Kuchen werden bestellt und es wird geplaudert. Dazu erklingt Musik, vorgetragen von sieben Musikern: dem Salonorchester Papillon. Etwas Besonderes hat der Nachmittag am Sonnabend dieser Woche dann aber doch: Für das Orchester ist es der 100. Auftritt bei "Kaffee im Salon" um 15.45 Uhr. Mag sein, dass dies der einen oder anderen Dame, die zu den Stammzuhörern gehört, einen kleinen Gruß wert ist. Stammpublikum hat das kleine Ensemble, das sich aus Musikern der Anhaltischen Philharmonie zusammensetzt, reichlich. Gewachsen ist es in sechs Jahren, seit sich das Orchester 2003 gründete.
Die Anfänge für Musik in der klassischen Pariser Besetzung liegen jedoch schon sehr viel weiter zurück, erinnert sich Reinhard Gutte, der Klarinette und Saxophon spielt. Schon seit 1985 habe solch ein Orchester in wechselnden Besetzungen gespielt. 2002 gab es dann ein überaus erfolgreiches Faschingskonzert und daraus resultierend den Wunsch, fortan regelmäßig aufzutreten, eben als Salonorchester Papillon. 35 Titel hatte man zu Beginn im Repertoire, inzwischen ist dieses auf über 700 angewachsen. So griff Martin Schulze (Violine) auf Noten des Großvaters zurück, die er im Keller liegen hatte. "Der spielte schon in den 1920er Jahren in einem Caféhaus-Orchester", erzählt der Musiker. Und damals wie heute ist es eine ähnliche Bandbreite an Musik, die die Zuhörer erfreut. "Wir spielen eigentlich alles, außer bei Bebop würden wir vielleicht streiken", lacht Reinhard Gutte. Opern- und Operettenpotpourris erklingen, wenn Papillon auftritt, Märsche, Walzer, Schlager, Tangos bis hin zu Arrangements von Wagner-Stücken hat man im Programm.
Bei der Reihe "Kaffee im Salon" stimme man das Programm direkt auf die sich anschließende Vorstellung auf der Bühne ab. Dass sich bei diesen Auftritten das Publikum unterhält, die Musik bei Kaffee und Kuchen praktisch nebenbei konsumiert, stört die Papillon-Musiker wenig. "Das ist so gewollt. Wenn das Restaurant voll ist, muss man allerdings schon etwas an dynamischer Stärke dazu geben", sagt Martin Schulze.
Der Geiger und der Klarinettist wie auch die anderen Musiker lieben an ihrer Besetzung im Salonorchester eines ganz besonders: "Jeder ist hier Solist", sagt Gutte. "Es ist ein selbstbestimmtes Musizieren mit Kollegen mit denen man sich gut versteht", ergänzt Martin Schulze. Bis zu 15 Konzerte geben sie pro Spielzeit im Theaterrestaurant, dazu kommen außerhalb des Dessauer Hauses seit der Gründung noch einmal 60 Konzerte in der Region bis hin zum Gastspielort Winterthur. "Wir sind sehr flexibel und können dort auftreten, wo ein großes Orchester nicht hinkommt", sagt Reinhard Gutte. Für den Auftritt am Sonnabend habe man sich Höhepunkte des Programms heraus gesucht. Derart beschwingt von Salonmusik können die Besucher dann nahtlos in die Vorstellung der Operette "La Périchole" um 17 Uhr wechseln.
17.02.2010, 17:29 | tags:
Musiktheater
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Pressemitteilung vom 17.02.2010
KLANG-KOSMOS DESSAU / Elbmusikfest 2010
Vier Aufführungen an vier aufeinander folgenden Tagen
Das Anhaltische Theater Dessau nimmt in seiner 215. Spielzeit die Tradition der Elbmusikfeste, einem Vorläufer der Anhaltischen Musikfeste, wieder auf und veranstaltet am Himmelfahrtswochenende 2010, vom 13. bis zum 16. Mai, nach einer Unterbrechung von 175 Jahren das nunmehr zweite in Dessau stattfindende Elbmusikfest. Für die regionale Entwicklung des Chorwesens im 19. Jahrhundert hatten die Elbmusikfeste eine große Bedeutung.
Diese Tradition, Sänger und Chöre zusammenzuführen, soll mit dem Elbmusikfest wiederbelebt und gestärkt werden.
An vier aufeinander folgenden Tagen werden zwei Inszenierungen des Musiktheaters und eine Inszenierung des Balletts gezeigt sowie ein SCRATCH-KONZERT aufgeführt.
„SCRATCH“ heißt diese Form deshalb, weil man „from scratch“, also bei Null anfängt und innerhalb eines Tages das Werk zur Aufführung bringt. Die Idee des SCRATCH-KONZERTES besteht darin, mit einem Chor aus Hobby-Sängern innerhalb von 24 Stunden Carl Orffs Chorwerk »Carmina Burana« einzustudieren und das Ergebnis in einer öffentlichen Aufführung zu präsentieren. Der Weg ist dabei das Ziel. Mitmachen kann jeder, der Spaß am Singen hat. Erfahrung im Chorgesang ist natürlich von Vorteil, eine individuelle Vorbereitung erwünscht.
Jeder Mitwirkende muss im Besitz einer Teilnehmerkarte sein, die an der Theaterkasse Rathaus-Center gegen eine Gebühr von 10,- Euro (Ermäßigungsberechtigte 5,- Euro) erworben werden kann. Die Theaterkasse nimmt gleichzeitig die ebenfalls notwendigen schriftlichen Anmeldungen entgegen.
Die Anmeldung für die Teilnahme an diesem Projekt läuft bereits – Anmeldeschluss ist der 22. April. In der Teilnahmegebühr enthalten ist eine Versorgung mit Speisen und Getränken während der Probenpausen am 15. Mai. Selbstverständlich können die Karten auch über das Internet bestellt werden.
Das benötigte Notenmaterial muss jeder Teilnehmer selbst besorgen. Chorpartituren [16,95 Euro] oder Klavierauszüge [39,95 Euro] sind im Fachgeschäft »Musik-Erber« in der Askanischen Straße 55, in 06842 Dessau-Roßlau erhältlich.
Am Freitag, d. 14. Mai finden von 19 - 21 Uhr separate Stimmproben [Teilnahme freiwillig] statt.
Die Gesamtchorprobe mit Klavier findet am Sonnabend, d. 15. Mai von 9:30 - 12:30 Uhr und eine Generalprobe mit Solisten und Orchester um 14 - 17 Uhr statt.
Am 15. Mai, um 19 Uhr lädt das Anhaltische Theater zum Konzert ins Große Haus.
Ausführliche Informationen zum Scratch-Konzert unter www.anhaltisches-theater.de/scratch, mehr Informationen zum Elbmusikfest 2010 unter www.anhaltisches-theater.de/elbmusikfest
- Mai – 16. Mai 2010
KLANG-KOSMOS DESSAU / Elbmusikfest 2010
Vier Aufführungen an vier aufeinander folgenden Tagen
Eröffnung: Donnerstag, 13. Mai 2010, 18 Uhr RICHARD WAGNER LOHENGRIN
Anhaltisches Theater, Großes Haus
Freitag, 14. Mai 2010, 19 Uhr LULU BALLETT VON TOMASZ KAJDANSKI (MIT ORCHESTER), Anhaltisches Theater, Großes Haus
Samstag, 15. Mai 2010, 19 Uhr CARMINA BURANA SCRATCH-KONZERT, Anhaltisches Theater, Großes Haus
Sonntag, 16. Mai 2010, 17 Uhr DANIEL-FRANÇOIS-ESPRIT AUBER
DIE STUMME VON PORTICI / LA MUETTE DE PORTICI, Anhaltisches Theater, Großes Haus
Tickets und Informationen erhalten Sie unter:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr
Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
05.02.2010, 10:46 | tags:
Anhaltische Philharmonie
, Diverses
Pressemitteilung vom 05.02.2010
Wunschkonzert im Anhaltischen Theater
Erstmals lädt das Anhaltische Theater am Sonntag, d. 25. April, um 17 Uhr zu einem Wunschkonzert mit dem Titel „Frühling in Wien“ im Großen Haus ein.
Unter der Leitung von Daniel Carlberg bringt die Anhaltische Philharmonie gemeinsam mit Gesangssolisten bekannte Werke Wiener Komponisten zu Gehör. Mozart und Schubert dürfen ebenso wenig fehlen wie die Mitglieder der Strauß-Dynastie mit Stücken wie dem „Frühlingsstimmen“-Walzer oder der „Krapfenwaldl“-Polka. Eine Besonderheit dieses Konzertes besteht darin, dass die Besucher einige Programmpunkte im Vorfeld selbst auswählen können.
Nähere Informationen finden Sie in unserem Flyer „Frühling in Wien“ sowie auf der website des Theaters unter http://www.anhaltisches-theater.de/fruehling_in_wien.
Einsendeschluss für alle Musikwünsche ist der 12. April 2010. Unter den Einsendern werden 3 Gutscheine für je 2 Personen für eine Vorstellung freier Wahl verlost.
Karten zu den üblichen Konzertpreisen unter:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr
Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
05.02.2010, 10:36 | tags:
Musiktheater
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Pressemitteilung vom 05.02.2010
Weltstar Leo Nucci in Dessau
Erster Auftritt in Deutschland seit über 20 Jahren und einziger Deutschlandauftritt 2010
Seit seinem Debüt an der Mailänder Scala 1977 zählt er zu den größten seines Faches. Leo Nucci kann auf eine einzigartige, über 30 Jahre währende Weltkarriere zurückblicken, die ihn an die Zentren des internationalen Opernbetriebes führte: Salzburger Festspiele (mit Herbert von Karajan), Metropolitan Opera New York (mit James Levine), Mailänder Scala (mit Claudio Abbado, Riccardo Muti), Wiener Staatsoper, Opernhaus Zürich, Teatro Regio di Parma.
Erstmals seit Ende der 1980er Jahre tritt Leo Nucci wieder in Deutschland auf: Am Anhaltischen Theater Dessau, das sich 2010 Nucci mit Mailand, Wien, Parma und Zürich teilt. Begleitet von der Anhaltischen Philharmonie Dessau unter der Leitung von GMD Antony Hermus singt Leo Nucci Höhepunkte aus seinem Repertoire.
In der Großen Operngala am 10. Mai, um 20 Uhr im Großen Haus werden Ausschnitte u.a. aus „La Traviata“, „Un Ballo in Maschera“, „Rigoletto“, „Macbeth“, „Nabucco“, „Don Carlo“, „Andrea Chenier“ erklingen. Das Konzert ist als Benefizkonzert zugunsten der Theaterstiftung ausgewiesen. Mit jedem Kauf eines Tickets unterstützen Sie also maßgeblich künftige künstlerische Vorhaben des Theaters, die durch die Stiftung finanziell unterstützt werden.
Der Auftritt Leo Nuccis in Dessau wird ermöglicht durch die Associazione „Viva Verdi“, insbesondere durch deren Präsidentin Ursula Riccio aus Nürnberg.
Tickets und Informationen unter:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr
Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
05.02.2010, 09:32 | tags:
Anhaltische Philharmonie
Pressemitteilung vom 05.02.2010
Anhaltische Philharmonie lädt ein zur „Unsterblichen Liebe Teil II“
„Unsterbliche Liebe II“ lautet der Untertitel der Sinfoniekonzerte der Anhaltischen Philharmonie im Februar. Am 11. und 12. Februar jeweils um19.30 Uhr prägen gleich zwei Liebespaare das Konzertprogramm – allerdings zwei, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
Das komische Paar Béatrice und Bénédict aus Shakespeares Komödie „Viel Lärm um nichts“ machte Hector Berlioz zu Titelhelden einer komischen Oper (1862), aus der die quirlige Ouvertüre erklingt.
Im Gegensatz dazu schildert Arnold Schönberg in einer großen Sinfonischen Dichtung das Schicksal von Pelléas und Mélisande: Mélisande liebt Pelléas, ist jedoch mit dessen älterem Bruder Golaud verheiratet. Die Tragödie ist vorprogrammiert. Schönbergs frühes Orchesterwerk (1903) wurde von Richard Strauss angeregt und steht noch ganz in der Tradition der Spätromantik.
Zwischen diesen beiden Liebesgeschichten, der komischen und der tragischen, steht Webers 1. Klarinettenkonzert mit Daniel Ottensamer, dem jungen Soloklarinettisten der Wiener Philharmoniker.
Das 4. Sinfoniekonzert wird von einem Gast dirigiert. Der Italiener Marzio Conti ist derzeit Chefdirigent des Nationalorchesters von Andorra und künstlerischer Leiter des Orchestra Sinfonica di Sanremo.
Für beide der fantastischen Sinfoniekonzerte gibt es noch Tickets.
Tickets und Informationen erhalten Sie unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr | Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
02.02.2010, 18:11 | tags:
Anhaltische Philharmonie
, Diverses
Pressemitteilung vom 02.02.2010
Außergewöhnliche musikalische Talente stellen sich vor
Nachdem am 10. Januar eine Patenschaftsvereinbarung zwischen der Musikschule Dessau-Roßlau und der Anhaltischen Philharmonie unterzeichnet wurde, mit der die bereits bestehende vielfältige Zusammenarbeit auf eine dauerhafte vertragliche Basis gestellt worden ist, gibt es am 6. Februar um 18 Uhr im Theater ein gemeinsames Konzert der Philharmonie mit dem Orchester und Preisträgern der Musikschule. Das Motto lautet „FESTE FEIERN“. Eine Reihe ausgesuchter junger Talente, alle Schüler der Musikschule Dessau-Roßlau, erhalten die Möglichkeit, ihr musikalisches Können auf höchstem Niveau und ihre Begeisterung für ihre Instrumente zu zeigen.
Zu hören sind Kompositionen von Tschaikowski, Kabalewski, Weber, Fauré, Sarasate, Schostakowitsch, Haydn und Rossini/Respighi. Als Solisten wirken mit: Tabea Korsowsky (Violine), Florian Marcy (Klarinette), Anh Quan Dao (Violine), Cornelius Tamm (Klavier) und Philipp Jekal (Bariton).
Das Konzert steht unter der Leitung der Dirigenten Daniel Carlberg und Friedemann Neef. Es moderiert Ronald Müller.
Tickets und Informationen erhalten Sie unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr | Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
02.02.2010, 10:29 | tags:
Anhaltische Philharmonie
, Pressestimmen
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau, 02.02.2010
Eigenleben der Plüschtiere
Kuscheltierkonzert in der Marienkirche begeisterte Sonntag kleine und große Besucher
Man hat es immer geahnt. Kaum schließt man hinter sich die Tür zum Kinderzimmer, dann erwachen dessen Bewohner und führen ein Eigenleben. Gerät man da hinein, dann kann es einem wie dem Erzähler des Kuscheltierkonzertes ergehen. Im Dessauer Fall heißt dieser Maximilian Schumann. Der Zehnjährige hat am Sonntag ein großes Programm absolviert. Zwei Mal lud das Anhaltische Theater an diesem Tag in die Marienkirche Kinder, Eltern und Großeltern ein. Zwei Mal erzählte Maximilian gemeinsam mit einer kleinen Besetzung der Anhaltischen Philharmonie von seinen Abenteuern mit den Kuscheltieren.
Das Kuscheltierkonzert schrieb Klaus Wüsthoff. 1997 wurde es in Berlin uraufgeführt, in einer CD-Einspielung fungiert Otto Sander als Sprecher. In Dessau sollte es freilich kein Erwachsener sein, der die Kinder mit auf eine musikalische Reise nimmt. Mit Maximilian Schumann fand man einen jungen Erzähler, der über alle Maßen souverän sein Headset trug, mit Kuscheltieren jonglierte und tanzte und dabei noch stets ein Auge auf Dirigent Daniel Carlberg hatte, der ihm den Einsatz gab.
Das Publikum in der Marienkirche war zu beiden Vorstellungen reichlich gekommen und rechnete man all die Hasen, Bären, Küken, Pferde, Pinguine und das ganze Getier noch hinzu, das Kinder in den Händen hielten und auf dem Schoß hatten, dann war diese neue Form eines Konzertes für die Jüngsten beide Male mehr als ausverkauft.
Wüsthoffs Stück ist ein Karneval der Tiere in der Gegenwart. Die Musik lässt das Pferd gleichermaßen galoppieren und wiehern, den Elefanten behäbig tapsen und Affen und Eichhörnchen quicklebendig springen. Carlberg und seine Musiker gaben nicht weniger als bei einem Konzert für erwachsenes Publikum, hatten sich jedoch dem Anlass entsprechend ausgerüstet: Am Kontrabass baumelte eine Robe und zu Füßen der Notenständer lauschte manch anderes Getier.
Was im Kuscheltierkonzert passiert, ist eine kleine Geschichte, die freilich nur Anlass ist, die plüschige Kinderzimmerbesatzung in musikalischen Farben vorzustellen. Das macht Maximilian Schumann zur Musik ganz exzellent und wie ein Profi. Er gibt dem Papagei ein keifendes Krächzen und dem Bär ein gemütliches Brummen. Lässt die wilde Jagd von Affe und Eichhörnchen ins Publikum hinüberschwappen und kürt den Elefanten im Finale als Sieger des Schönheitswettbewerbes der Kuscheltiere. Nur eines hätte bei diesem sonntäglichen Musikspaß für die ganze Familie vielleicht noch besser gelingen können: All die zuschauenden Kuscheltiere wären gerne in irgendeiner Form, die über bloßes Klatschen hinaus geht, an diesem Konzert beteiligt gewesen.
01.02.2010, 17:43 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
, Pressestimmen
Udo Badelt, Opernwelt/ Februar 2010
Antwerpen/Dessau
Bernstein: Candide
Die beste aller Welten
Um herauszufinden, ob dies tatsächlich die beste aller möglichen Welten ist, kommen die Protagonisten in Leonard Bernsteins „Candide“ ganz schön rum: Westfalen, Bulgarien, Lissabon, Paris, Südamerika, Eldorado. Das Stück selbst reist nicht annähernd so viel: Es gilt, auch wegen der vielen Ortswechsel, als schwierig zu inszenieren und steht - zu Unrecht - im Schatten der „West Side Story“. Insofern ist es nicht ohne Reiz, dass „Candide“ jetzt in zwei Städten gleichzeitig auf die Bühne kommt (in beiden Fällen unter neuer Intendanz) und damit Anlass bietet, zwei verschiedene mögliche Theaterwelten und ihre Bedingungen kennenzulernen.
Antwerpen: Weltstadt der Renaissance, Hafenstadt, 470 000 Einwohner. Seit Januar 2009 ist der 35-jährige Schweizer Aviel Cahn Intendant der Vlaamse Opera. Sein Hauptanliegen ist es, Oper als Kunstform stärker zur Diskussion zu stellen und in die Stadt zu tragen. Zu dieser Strategie gehört ein Zusatzprogramm aus Filmen, Lesungen und Diskussionen. Es scheint zu funktionieren: Als Cahn vergangenes Jahr Saint-Saëns' „Samson und Dalila“ von einem israelisch-palästinensischen Regieduo inszenieren ließ, wurde heiß diskutiert in einer Kommune, in der so viele orthodoxe Juden leben wie nirgends sonst in Europa. „Candide“ soll diejenigen anlocken, die sonst eher ins Musical gehen. „Oper darf nicht nur für die Happy Few sein“, sagt Cahn, der dabei auf manche belgische Gefühligkeit Rücksicht nehmen muss. So gehen die Wallonen nicht nach Flandern in die Oper, sondern nach Brüssel. Die selbstbewussten Besucher aus Lilie dagegen müssen sich ihrer französischen Identität nicht versichern und fahren gern nach Antwerpen.
In Dessau wäre man wahrscheinlich froh, wenn man diese Probleme hätte. Deindustrialisierung, das Verschwinden der Junkers-Werke, ein Bevölkerungsrückgang von 130 000 (1940) auf zur Zeit rund 70 000 Einwohner und in der Folge mehrere Eingemeindungen haben dazu geführt, dass die Stadt inzwischen offiziell unter der Bindestrich-Scheußlichkeit „Dessau-Roßlau“ fungiert. Dennoch spürt André Bücker, seit dieser Spielzeit Intendant des Anhaltischen Theaters (als Nachfolger von Johannes Felsenstein), einen tief verwurzelten Stolz auf die reiche kulturelle Vergangenheit des mitteldeutschen Kernraums. An seinem Haus wird seit 1794 ununterbrochen Theater gespielt. Anders als Aviel Cahn in Antwerpen hat Bücker einen inhaltlichen Grund, „Candide“ auf den Spielplan zu setzen: Das nach einer Vorlage von Voltaire entstandene Stück soll die aufklärerische Tradition von Dessau als Geburtsstadt von Moses Mendelssohn zitieren. Deshalb ist auch Lessings „Nathan der Weise“ im Programm, und - als Kehrseite der Aufklärung - „Lohengrin“.
Musikalisch sind beide „Candide“-Abende auf ähnlich hohem Niveau. Daniel Carlberg in Dessau ist ein Dirigent mit äußerst präziser Zeichengebung; das Tempo legt er breiter und langsamer an - aber nicht langweiliger - als Yannis Pouspourikas in Antwerpen. Dort trifft das Orchester ziemlich genau den Geist jenes britischen Humors, mit dem Regisseur Nigel Lowery das Stück angegangen ist. In der kindlichen Idylle des Beginns laufen Candide und seine Liebe Kunigunde hinter einer Wand, davor baumeln Beinchen, die sie sich umgehängt haben, so dass sie aussehen wie Puppen. Erzähler ist hier ein Sendemast mit der Anmutung des Computers HAL in Stanley Kubricks Film „2001“. In Dessau nimmt Regisseurin Cordula Däuper die Figuren ernster, und nicht zuletzt deshalb ist ihre Inszenierung die ruhigere und menschlichere. Der Erzähler ist hier aus Fleisch und Blut, allerdings wechselt die Rolle mehrmals zwischen den Figuren, was eine Schwäche der Inszenierung ist. In bei den Häusern wird Dr. Pangloss, der die Lehre von Gottfried Wilhelm Leibniz vertritt - dass wir in der besten aller möglichen Welten leben würden - von Schauspielern verkörpert (Graham Valentine in Antwerpen, Stephan Lohse in Dessau), die zwar charakteristische Würze einbringen, als Sänger aber schwache Leistungen bieten.
Was man von der übrigen Besetzung nicht sagen kann. Herausragend: Jane Archibald (Antwerpen) und Angelina Ruzzafante(Dessau), die beide als Kunigunde nicht nur die Bravour-Nummer „Glitter And Be Gay“ souverän meistern, sowie Renate Dasch als Alte Frau in Dessau, die sich nach den internationalen Erfolgen ihrer Tochter Annette jetzt im Alter von 64 Jahren mit Noblesse noch einmal ein ganz neues Berufsfeld eröffnet hat. Früher war sie Ärztin - was für sie eindeutig nicht die beste aller möglichen Welten war.
Bernstein: Candide
Antwerpen
Premiere am 15., besuchte Vorstellung am 29. Dezember 2009.
Musikalische Leitung: Yannis Pouspourikas, Inszenierung und Ausstattung: Nigel Lowery. Solisten: Michael Spyres (Candide), Jane Archibald (Kunigunde), Karan Armstrong (Alte Frau), Graham Valentine (Pangloss/Martin) u. a.
Dessau
Premiere am 4. Dezember 2009, besuchte Vorstellung am 9. Januar 2010.
Musikalische Leitung: Daniel Carlberg, Inszenierung: Cordula Däuper, Bühne: Jochen Schmitt, Kostüme: Mareile Krettek. Solisten: David Ameln (Candide), Angelina Ruzzafante (Kunigunde), Renate Dasch (Alte Frau), Stephan Lohse (Erzähler/Pangloss/ Martin) u.a.
20.01.2010, 17:39 | tags:
Theaterpaedagogik
, Anhaltische Philharmonie
Pressemitteilung vom 20. Januar 2010
Ein Kuscheltierkonzert für Kinder!
Junge Konzertbesucher (ab 4 Jahren) sind am 31. Januar sehr herzlich in die Dessauer Marienkirche eingeladen. Um 11 und um 15 Uhr wird dort das von Klaus Wüsthoff für Orchester und Erzähler geschriebene „Kuscheltierkonzert“ aufgeführt. Dirigent ist Daniel Carlberg, Erzähler der 10-jährige Dessauer Schüler Maximilian Schumann.
Worum es geht? Natürlich um Kuscheltiere! Gemeinsam mit dem Orchester erzählt Maximilian von seinen Abenteuern mit Pferd, Eichhörnchen, Fuchs, Bär, Schildkröte, Elefant, Pinguin, Robbe, Papagei und Hase. Wer eines dieser Kuscheltiere daheim hat, bringt es am besten mit ins Konzert! Alle sind gefragt, denn sie alle spielen mit im „Kuscheltierkonzert“.
Tickets [4,50 EURO für Kinder; 6,- Euro für Erwachsene] erhalten Sie unter:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr
Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
Das Anhaltische Theater bietet speziell für Kinder ein Wa(h)l-Abo an, mit dem drei Vorstellungen freier Wahl, in denen ein Tier der Titelheld ist, für nur 7,50 EURO besucht werden können.
Mit dem Wa(h)l-Abo können junge Zuschauer z.B. die Vorstellungen « Schaf » - eine Kinderoper, « Kuscheltierkonzert » und « Das Unglückshuhn » - eine Puppentheaterproduktion besuchen.
20.01.2010, 11:02 | tags:
Anhaltische Philharmonie
Ute van der Sanden, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau, 19.01.2010
Ein Abend mit Ballett im Kopf und im Herzen
Mit Dirigent Dirk Kaftan bezeugt die Anhaltische Philharmonie beim Sinfoniekonzert ihre "Unsterbliche Liebe" - zur Musik.
Wildfremde Menschen treffen sich im Proberaum, arbeiten ein paar Tage zusammen, gehen auseinander. Zuvor aber führen sie das Ergebnis ihrer Anstrengung öffentlich auf, und im besten Fall ist darin nicht die Spur von Fremdheit, sondern "Unsterbliche Liebe".
Einigkeit im Ausdruck
So hieß das dritte Sinfoniekonzert der Anhaltischen Philharmonie, an dessen genial komponiertes Programm der etwas weniger genial gedachte Titel nur dann heranreichte, wenn man ihn äußerst wohlwollend mit Igor Strawinskys "Pulcinella"-Suite und Wolfgang Amadeus Mozarts berühmtem A-Dur-Klavierkonzert assoziierte.
Am Ende jedoch war das egal, zumal nach Sergej Prokofjews Ballettmusik zu "Romeo und Julia". Denn die Einigkeit im Ausdruck, das beredte Miteinander und die gemeinsame Bereitschaft zur Emotion, wie sie die Dessauer Musiker unter Leitung von Dirk Kaftan am Ende voriger Woche hören ließen, sind auch unter Profis mitnichten selbstverständlich und deswegen ein Glücksfall - zumal die Philharmonie mitsamt aller ihrer Orchestersolisten auf einem technischen und klanglichen Niveau agierte, von dem sie nie wieder abrücken möge.
Das war eine Eintracht, die nur Musik schaffen kann. Und das Beste: Das Publikum ist Teil des Wunders und ebenso angerührt wie die Mitwirkenden, wenn´s gelingt. Viele Umstände tragen dazu bei, nicht alle lassen sich in Worten fassen.
Exzellente, ehrgeizige Gäste des Hauses aber bestimmt. Dirk Kaftan, neuerdings Generalmusikdirektor in Augsburg, stand als personifizierte Herausforderung vor dem Orchester, dessen Zusammenspiel er ausgezeichnet zu organisieren wusste. Gastdirigent Kaftan gab präzise, detaillierte Anweisungen und zeigte sich als erstklassiger Begleiter, was besonders Finghin Collins am Klavier gefreut haben dürfte.
Der irische Pianist hinterließ mit Mozarts A-Dur-Konzert einen grandiosen Eindruck. Leicht, frei und beseelt nahm sich Collins seines Parts an, mit sprühender Virtuosität und ausgeprägter Vorliebe für gedankliche Bögen, unter denen er auch die Stimme des Orchesters versammelte. Er flutete das zauberhafte Werk mit dem Licht seines unbeschwerten Tons und fand doch für jeden Einfall eine Entsprechung: Ein Staccato war hier ein Lachen und da ein Hüpfen, jeder Lauf hatte ein Ziel. Und wen die ausladenden Gesten und die expressive Mimik des Spielers irritierten, die mitunter tatsächlich ans Parodistische grenzten, der konnte ja die Augen schließen.
Die Seligkeit war vollkommen, als Collins das erste von drei "Wiegenlieder meiner Schmerzen" genannten Intermezzi aus Johannes Brahms´ Opus 117 zugab: sehr langsam, sehr zart, mit perfekt phrasierter Melodiestimme in der Mittelhand - ein Traum in Es-Dur, wie Mondlicht schimmernd und auch ohne jedwede Kenntnis des Titels den melancholischen Nachtgesang suggerierend.
Forsche Einwürfe
Dass die Präsenz des Konzertflügels zuvor die optische Geschlossenheit einer kleinen Besetzung gestört hatte, war der "Pulcinella"-Suite einziger Nachteil. Was klang, war famos: Schon die Sinfonia überraschte durch ihren Schwung und ihren charmanten, ja liebevollen Tonfall. Dazu gesellten sich forsche Einwürfe und hingebungsvolle Kantilenen, rhythmische Finesse und pittoresker Witz.
So meisterlich die Partitur auf die Einfälle barocker Meister konstruiert wurde, so unmittelbar, fröhlich und beherzt war nun ihre Ausstrahlung. Die Orchestersolisten hätten nach jedem Satz einen Sonderapplaus verdient gehabt: Die Konzertmeisterin für den zweiten, Posaune und Kontrabass für den siebten Satz, die Trompete fürs Finale; Oboen, Fagotte und Flöten sowieso, und ach, die Hörner erst!
Begeisterte Zuhörer
Nicht anders die Ausschnitte aus Prokofjews "Romeo und Julia". Um den zweiten Konzertteil mit der berühmtesten Liebestragödie aller Zeiten haben sich vor allem die Bläser verdient gemacht. In der wirbelnden Choreografie aus Orchesterfarben in herrlichen Nuancen, Stimmungen und Bildern drehten die Emotionen Pirouetten. Vom stampfenden "Tanz der Ritter" über den leidenschaftlichen Abschied der Liebenden bis zu "Julias Tod" herrschten größte Sorgfalt und Konzentration. Man scheute nicht die Schärfen des Klangs, hielt aber die Fortissimo-Passagen elastisch trotz aller Wucht.
So ging der Abend beim 3. Sinfoniekonzert im Anhaltischen Theater, nachdem er im Pianissimo verhallt war, im andauernden Beifall einer begeisterten Hörerschaft auf. Ein Abend, der keine realen Bilder brauchte, weil die Musik Vorstellung genug war: Ballett im Kopf und im Herzen.
11.01.2010, 13:54 | tags:
Anhaltische Philharmonie
Pressemitteilung vom 5. Januar 2010
Patenschaftsvereinbarung zwischen Musikschule Dessau-Rosslau und Anhaltischer Philharmonie unterzeichnet
Die Anhaltische Philharmonie und die Musikschule Dessau- Rosslau vereinbarten dauerhaft eine Patenschaft. Generalmusikdirektor Antony Hermus und Orchestervorstand Ekkehard Neumann unterzeichneten am 10. Januar mit der Leiterin der Musikschule, Ute Mahlo und dem Leiter des Musikschulorchesters, Friedemann Neef einen Patenschaftsvertrag. Zukünftig werden beide Institutionen eng und auf vielfältige Weise zusammenarbeiten und sich gegenseitig unterstützen.
Die Patenschaftsvereinbarung beinhaltet u.a. ein gemeinsames öffentliches Musizieren pro Saison. Zudem ermöglicht die Anhaltische Philharmonie den Musikschülern nach vorheriger Absprache Probenbesuche. Insbesondere sollen die Hauptproben der Sinfoniekonzerte für diejenigen Musikschüler geöffnet werden, deren Instrument als Soloinstrument im Programm vertreten ist. Mindestens einmal pro Saison stehen Konzertsolisten der Anhaltischen Philharmonie für Workshops mit Musikschülern zur Verfügung.
Einzelne Mitglieder der Anhaltischen Philharmonie übernehmen Mentorenaufgaben beim Musikschulorchester und beraten auf Wunsch dessen Mitglieder z.B. bei Fragen der Musikausbildung, vor Wettbewerben oder beim Instrumentenkauf. Bei den Donnerstags-Sinfoniekonzerten erhalten Musikschüler und Lehrer/Innen der Musikschule ermäßigte Eintrittskarten. Die Anhaltische Philharmonie hilft dem Orchester der Musikschule bei Besetzungsproblemen. Die Musikschule wird die Anhaltische Philharmonie bei der Werbung für ihre Sinfonie- und Sonderkonzerte unterstützen.
11.01.2010, 10:49 | tags:
Anhaltische Philharmonie
, Pressestimmen
Ute van der Sanden, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Rosslau, 05.01.2010
Ode auf die Geschwindigkeit
KONZERT Antony Hermus zündet mit der Anhaltischen Philharmonie, tollen Solisten und großem Chor zum Jahreswechsel dreimal Beethovens neunte Sinfonie.
Viele Sachen sind schneller geworden in dieser ersten Dekade des neuen Jahrtausends, das Internet, die Mikrowellen und die Waschmaschinen, sogar die Bildungsabschlüsse. Beethovens Neunter ist das nicht passiert, zumindest in Dessau. Eine Stunde und sechs Minuten hat die erste von insgesamt vier Aufführungen am Anhaltischen Theater gedauert, inklusive Chorauftritt, Nachstimmen und Zwischenapplaus zur Begrüßung der Sängerschar. Das haben Karajan und Toscanini auch schon geschafft, fast jedenfalls. Warum erschien, was in diesen sechsundsechzig Minuten passierte, trotzdem wie eine Ode an die Geschwindigkeit?
Es war, wie meistens in solchen Fällen, eher eine Frage der Haltung als des tatsächlichen Tempos. Generalmusikdirektor Antony Hermus, der vorab das neue Dezennium willkommen geheißen, ein küchenpoetisches Neujahrsrezept von Goethes Mutter Katharina Elisabeth zum Besten gegeben und dem Publikum seine persönlichen Wünsche entboten hatte, war ehrgeizig genug, die - seine Worte -"monumentale neunte Sinfonie" auswendig zu dirigieren. Zur selben Minute blätterte übrigens in Leipzig Gewandhauskapellmeister Riccardo Chailly Partiturseiten um, wie im Fernsehen live zu verfolgen war.
Gipfel im zweiten Satz
Die stets unterhaltsame, bisweilen rasante Dessauer Darbietung gipfelte im tänzerischen zweiten Satz. Und mit ihm begann sie auch. Spätestens im Trioteil wusste man die Musiker und ihren Dirigenten gedanklich in jenem Werk versammelt, das auf den Pulten lag. Hermus ließ in der Scherzo-Mitte ein tatsächliches Presto spielen. Danach klang dieser Satz wie Ballett: leicht, voller Schwung, im Bunde mit der bukolischen Idylle der sechsten Sinfonie, aller Wuchtigkeit enthoben und ebenso rhythmisch prononciert, wie alle Rhythmen, besonders die punktierten, mit großer Exaktheit und Entschlossenheit zelebriert wurden.
Nicht das krachende Finale, das, einmal entzündet, wie eine Silvesterrakete abbrannte - nein, dieser zweite Satz war der essentielle Höhepunkt des Abends. Der erste hatte sich zuvor angehört, als stamme er aus einem anderen Stück oder müsse konzeptionell noch reifen. Der dritte wurde als Klangteppich entrollt, ein Vorgeschmack auf das noch nicht erfundene Nocturne; er enthüllte Phrasierungsübungen für Streicher wie für Holzbläser, und das wunderliche Solo im vierten Horn - man schwamm drüber. Nun aber kam endlich Ulf Paulsens Basspartie. Mit raumgreifender Stimme und der rhetorischen Wucht des musiktheatralisch Erfahrenen gebot er "angenehmere" Töne, "freudenvollere".
So geschah es. Das Vokalensemble, bestehend aus Damen und Herren des Opern- und des Extra- sowie des Coruso-Chores, wuchtete das Finale samt Schillers Ode übers Orchester hinweg in den Zuschauersaal, was die Profisänger in diesem Tempo eher mäßig angestrengt haben dürfte. Legato war nicht vorgesehen, aber jedes einzelne Wort verständlich - auch in den Beiträgen Angelina Ruzzafantes, Carola Günthers und Angus Woods in den weiteren Solopartien, deren klangliche Präsenz keine Wünsche offen ließ.
Zwar galoppierte der Cherub eher vor Gott, als dass er daselbst gestanden hätte, aber wie gesagt: Langweilig wurde das nicht. Nun zeichnet die Abwesenheit von Langeweile allein noch keine Interpretation aus, die Anwesenheit von gestalterischem Ernst, Gelassenheit und Eleganz hingegen wohl. Das Credo dieser Neunten war Hymne und Tanz, Sound und Effekt. Das kam an beim Publikum, es applaudierte begeistert. Überwältigte Zuschauer reagieren stärker, sogar in Dessau.
Frohe Botschaft
Gleichwohl war nicht nur die Tatsache, dass mit der Neunten das Neue Jahr am Anhaltischen Theater genau so begann, wie das alte geendet hatte, frohe Botschaft. Auch die Aufführung selbst war eine. Denn die wirklich guten Dinge bleiben, mögen sie auch inzwischen ein bisschen schnittiger wirken, als sie vorher aufgetreten waren: Schillers Wort und Mutters Sprüche, die Anhaltische Philharmonie und Beethovens Musik.
Nächste Aufführung des Konzertes an diesem Sonntag, 18.30 Uhr. Karten gibt es an den Theaterkassen.
30.12.2009, 11:57 | tags:
Anhaltische Philharmonie
, Diverses
Pressemitteilung vom 30.12.2009
„Frühling in Wien“ im Anhaltischen Theater
Am 25. April 2010, um 17 Uhr, lädt das Anhaltische Theater zu einem Konzert „Frühling in Wien“ ein. Unter der Leitung von Daniel Carlberg bringt die Anhaltische Philharmonie gemeinsam mit Gesangssolisten bekannte Werke Wiener Komponisten zu Gehör.
Mozart und Schubert dürfen ebenso wenig fehlen wie die Mitglieder der Strauß-Dynastie mit Stücken wie dem „Frühlingsstimmen“-Walzer oder der „Krapfenwaldl“-Polka. Eine Besonderheit dieses Konzertes besteht darin, dass die Besucher einige Programmpunkte im Vorfeld selbst auswählen können.
Karten zu den üblichen Konzertpreisen unter:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Freitag 9:30 bis 20 Uhr
Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
28.12.2009, 12:50 | tags:
Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
, Diverses
Pressemitteilung vom 28.12.2009
„Fidelio“ – Zum letzten Mal in Dessau
Ludwig van Beethovens „Fidelio“ wird am Samstag, dem 16. Januar, um 17 Uhr zum letzten Mal im Großen Haus des Anhaltischen Theaters zu sehen sein. Anschließend gastiert das Anhaltische Theater mit „Fidelio“ am 23. und 24. Januar am Theater in Winterthur / Schweiz.
In veränderter Besetzung wurde die von Johannes Felsenstein inszenierte Oper in dieser Spielzeit wieder aufgenommen. Beethoven zeichnete in seiner einzigen, mehrfach überarbeiteten Oper schonungslose Bilder vom deformierenden Umgang mit Macht.
Marzelline, das einzige Kind des Kerkermeisters Rocco, weist die Heiratsanträge des Gefängnispförtners Jaquino zurück, weil sie sich in Fidelio verliebt hat. Niemand ahnt, dass dieser Fidelio, der zu aller Zufriedenheit Hilfsdienste im Staatsgefängnis versieht, in Wirklichkeit Leonore ist. Sie ist – als Mann verkleidet – auf der Suche nach ihrem Gatten Don Florestan, den der verfeindete Gouverneur Pizarro im Gefängnis verschwinden ließ. Leonore gelingt es, in die geheimsten Kerker vorzudringen und dort Pizarros Mord an Florestan zu verhindern.
Es spielt die Anhaltische Philharmonie unter der Leitung von Daniel Carlberg. Als Solisten hören Sie KS Iordanka Derilova (Leonore), Cornelia Marschall (Marzeline), Kostadin Arguirov (Don Fernando), Andrew Sritheran (Florestan) Ulf Paulsen (Don Pizarro), Daniel Golossov (Rocco), David Ameln (Jaquino).
Für diese Vorstellung bietet das Anhaltische Theater Tickets zum Sonderpreis für 8,- EURO.
Dieses Angebot gilt vom 04. bis 16. Januar 2010.
Tickets erhalten Sie unter:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Freitag 9:30 bis 20 Uhr
Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
28.12.2009, 12:48 | tags:
Anhaltische Philharmonie
, Diverses
Pressemitteilung vom 28.12.2009
Konzerte im Januar
Das neue Jahr beginnt im Anhaltischen Theater am 1. Januar um 17 Uhr mit einer Aufführung der IX. Sinfonie von Ludwig van Beethoven. Unter der Leitung von GMD Antony Hermus spielt die Anhaltische Philharmonie. Es singen die Damen und Herren des Opern- und des Extrachores sowie Mitglieder des Coruso-Chores. Als Solisten wirken mit: Angelina Ruzzafante (Sopran), Carola Günther (Mezzosopran), Andrew Sritheran / Angus Wood (Tenor) und Ulf Paulsen (Bariton). Noch einmal wird Beethovens letzte Sinfonie am 10. Januar 2010 ab 18.30 Uhr zum Neujahrsempfang des Oberbürgermeisters erklingen.
Wenige Tage später, am 14. und 15. Januar 2010, 19.30 Uhr, tritt beim 3. Sinfoniekonzert mit dem Titel „Unsterbliche Liebe“ ein Gastdirigent ans Pult der Anhaltischen Philharmonie. Dirk Kaftan ist seit Beginn dieser Spielzeit Generalmusikdirektor der Stadt Augsburg. In Dessau dirigiert er „Romeo und Julia“, die wohl berühmteste Liebesgeschichte aller Zeiten, in der musikalischen Version Sergej Prokofjews. Die Musik dieses 1935/36 komponierten Balletts erklingt in einer Konzertversion, die weitgehend dem Gang der Handlung folgend die schönsten Abschnitte der Partitur präsentiert. Außerdem auf dem Programm: Mozarts berühmtes A-Dur-Klavierkonzert KV 488, gespielt von Finghin Collins, einem jungen irischen Pianisten, der seit seinem 1. Preis beim renommierten Clara-Haskil Klavierwettbewerb 1999 eine vielversprechende Karriere eingeschlagen hat und mittlerweile bei den besten Orchestern der Welt gastiert. Eröffnet wird der Konzertabend mit Musik des italienischen Barock-Komponisten Giovanni Battista Pergolesi (1710 – 1736), allerdings in jenem neoklassizistischen Klanggewand, das ihr Igor Strawinsky 1919/20 in seinem „Pulcinella“-Ballett verordnet hat.
Im 3. Kammerkonzert des Anhaltischen Theaters im Schloss Georgium, das am 23. Januar, um 15:30 Uhr stattfindet, erklingt ein gegenüber dem Konzertplan geändertes Programm. Weronika Ambrosio und Johannes Schmidt (Violinen), Michiaki Manda (Viola) und Boris Cepeda (Klavier) spielen Duo- und Trio-Kompositionen von Wolfgang Amadeus Mozart, Robert Fuchs, Karol Szymanowski und Antonín Dvorák.
Die jüngsten Konzertbesucher (ab 4 Jahren) sind am 31. Januar sehr herzlich in die Dessauer Marienkirche eingeladen. Um 11 und um 15 Uhr wird dort das von Klaus Wüsthoff für Orchester und Erzähler geschriebene „Kuscheltierkonzert“ aufgeführt. Dirigent ist Daniel Carlberg, Erzähler der 10-jährige Dessauer Schüler Maximilian Schumann.
Worum es geht? Natürlich um Kuscheltiere! Gemeinsam mit dem Orchester erzählt Maximilian von seinen Abenteuern mit Pferd, Eichhörnchen, Fuchs, Bär, Schildkröte, Elefant, Pinguin, Robbe, Papagei und Hase. Wer eines dieser Kuscheltiere daheim hat, bringt es am besten mit ins Konzert! Alle sind gefragt, denn sie alle spielen mit im „Kuscheltierkonzert“.
Tickets erhalten Sie unter:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Freitag 9:30 bis 20 Uhr
Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
21.12.2009, 15:35 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
, Diverses
Pressemitteilung ´vom 21.12.2009
Vorstellungsänderung
Die Vorstellung »Lulu« am 22.12.2009 um 19:30 Uhr fällt krankheitsbedingt aus, stattdessen wird das Weihnachtliche Konzert von der Anhaltischen Philharmonie unter der Leitung von Wolfgang Kluge gespielt.
Bereits gekaufte Karten behalten ihre Gültigkeit für das Konzert oder können nach Umtausch der Karte für eine künftige »Lulu«-Vorstellung verwendet werden. Letztgenannter Umtausch sollte bis Ende diesen Jahres erfolgen und kann auch per Post geschehen.
Aus Anlass des 250. Todestages von Georg Friedrich Händel in diesem Jahr ist der erste Teil des Konzertes ganz dem Schaffen dieses Barockmeisters gewidmet. Zwischen den Sätzen eines von Händel selbst aus Oratorienchören zusammengestellten doppelchörigen Orchesterkonzertes singt die Sopranistin Cornelia Marschall Arien aus den Oratorien „Der Messias“ und „Salomo“. Im zweiten Teil dominiert in Werken von Franz Liszt und Otto Nicolai hingegen der romantische Orchesterklang. Die berühmten Weihnachtslieder von Peter Cornelius erklingen in der Orchesterbearbeitung des ehemaligen Dessauer Hofkapellmeisters Franz Mikorey, gesungen von Cornelia Marschall. Schauspielerin Christel Ortmann liest weihnachtliche Texte.
16.12.2009, 21:55 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
, Pressestimmen
Volkmar Draeger, ballettanz / Seite 36 / Januar 2010
Tomasz Kajdanski: «Lulu»
Dessau
Einen «Regenbogen der Gefühle» verspricht Tomasz Kajdanski mit seinem Debüt am Anhaltischen Theater. In Eisenach von Erfolg verwöhnt, hat er sich hier nun «Lulu» nach Frank Wedekind ausgesucht. Der Neoklassik Gonzalo Galgueras und den spektakulären Inszenierungen von Gregor Seyffert, seinen Vorgängern, lässt er düster dramatisches Tanztheater folgen.
Mit Sinn und Sinnlichkeit überschreibt er seine erste Saison. Und sinnlicher als Lulu geht’s kaum. Dorin Gal hat Dessaus Bühnenweite nach hinten durch ein transparentes arenaartiges Halbrund mit Etagen und Türen begrenzt. Auf hellem Horizont fangen Projektionen die Tiefe des Raums auf. In zwölf Bilder zerlegt Kajdanski Lulu, ihren triebhaft ins Verderben stürzenden Sexus.
Tobender Tanz und starke Bildhaftigkeit kennzeichnen seine Handschrift, mit dramatischer Präzision reißt Daniel Carlberg die Anhaltische Philharmonie hin, die szenisch erstaunlich passfähig meist sinfonische Musik der Wiener Schule und von Schostakowitsch, Korngold, Antheil bis Boulez und Rihm zu bewältigen hat.
Als fünf Meter hohes Lustsymbol in liebesrotem Samt überragt dazu Lulu barbusig jene, die unten nach ihr hangeln, sie anbeten, auf die Knie fallen, unter ihren Rock schlüpfen. Und sie umkreist der Reigen derer, die sie in den Untergang treiben: der dämonische Schigolch als ihr Erzeuger und Lenker; Dr. Schön, dessen Geliebte sie ist, und der sie freigebig an andere verleiht, an seinen Sohn Alwa und den Künstler Schwarz, die beide ihren Ansprüchen nicht genügen; da gibt’s den zupackenden Rodrigo, die lesbische Gräfin Geschwitz als Retterin in der Not und Jack the Ripper, dem sie sich todwund ausliefert.
Lulu empfängt sie eingesperrt im Gerüsttempel, räkelt, spreizt sich lasziv, erleidet in fliegenden Duos Zudringlichkeiten, sie sieht sich in Trios zwischen Verehrer geworfen, verfällt der Erotik des windig wendigen Dr. Schön, verliert schließlich Selbstachtung und Halt. Dass bei so viel emotionalem Aufruhr, dem auch mehrere Männer zum Opfer fallen und der Lulu in Notwehr zur Mörderin ihrer eigentlichen Liebe macht, die choreografische Flamme dauerzüngelt, atemlos sprunggewaltiger Tanz bisweilen die Figurenzeichnung überwuchert, ist nicht zu übersehen. Den kraftzehrenden Tanzexplosionen stehen eindringliche Bilder gegenüber: Lulus ins Leere gehender Wutausbruch, weil die Gesellschaft sie missachtet; ihre Hingabe in der Anstalt, wo wie eine entzündete Vulva zwischen weißem Stoff ein rotes Oval schwebt; ihr Solo beim Herrenabend auf einem Roulettetisch, als sei sie der Hauptgewinn.
Laura Costa Chaud im Titelpart, als Wesen nicht von dieser Welt und zumeist auf Spitze gestellt, Yun-Ju Chen als Gräfin, Juan Pablo Lastras als Dr. Schön, Joe Monaghan als Schigolch, Ion Beitias als schüchterner Alwa leisten 90 Minuten lang tänzerdarstellerische Schwerstarbeit, die sich gelohnt hat.
Wieder 30. Jan., 5. Feb., 21. März,10. April, 15. Mai
anhaltisches-theater.de
13.12.2009, 14:42 | tags:
Anhaltische Philharmonie
, Diverses
Pressemitteilung vom 11.12.2009
Kulturstiftung des Bundes fördert „Himmel auf Erden“
Der Stiftungsrat der Kulturstiftung des Bundes hat auf seiner Sitzung
am 10. Dezember 2009 den Antrag des Wittenberg Kultur e. V. für das
internationale Musik-Festival „Himmel auf Erden – Die Religionen der
Welt zu Gast in Luthers Wittenberg“ bewilligt. Damit unterstützt und
ermöglicht die Kulturstiftung des Bundes den Auftakt für dieses
Festival des geistlichen Gesangs in den Jahren 2011 und 2012 mit
jeweils 200 000 Euro.
Die Veranstaltungsreihe, die in Zusammenarbeit mit dem Anhaltischen Theater Dessau und unter der künstlerischen Leitung von dessen Generalintendant André Bücker sowie dessen Generalmusikdirektor Antony Hermus veranstaltet wird, soll im Rahmen
der Luther-Dekade jährlich zunächst bis 2013 stattfinden und das Theaterprojekt „Weltzeit Wittenberg“ flankieren. Sie widmet sich den sakralen Vokalwerken aller Religionen und Kulturen und will im Vorfeld des Reformations-Jubiläums so den Gesang als Ausdruck der Spiritualität betonen. Neben zentralen Werken der christlichen
Tradition soll dabei auch die Musik aus buddhistischen und
islamischen, jüdischen und anderen Kulturkreisen erklingen – ein
Zeichen religiöser Akzeptanz und kultureller Offenheit an der
Geburtsstätte des Protestantismus.
Wittenberg Kultur e. V. und das
Anhaltische Theater Dessau haben sich für „Himmel auf Erden“ mit
Kooperationspartnern wie den Händel-Festspielen in Halle, dem
Kammerorchester Basel und der Lautten-Compagney Berlin
zusammengefunden, mit denen bereits erste Projekte fest verabredet sind. Neben konzertanten Aufführungen wird es im Rahmen des Festivals auch szenische Versionen von großen religiösen Werken geben. Das konkrete Programm des ersten Jahrgangs soll im Sommer 2010 vorgestellt werden, wenn in Wittenberg André Bückers Inszenierung von „Ein neues
Lied wir heben an“ als erster Teil der „Weltzeit“-Trilogie Premiere
hat.
10.12.2009, 17:11 | tags:
Anhaltische Philharmonie
, Diverses
Pressemitteilung vom 09.12.2009
18. Dessauer Bassgeigenweihnacht – „Bärenstark“
Am Dienstag, dem 15.12.2009, um 18.00 Uhr, findet in der Marienkirche die 18. Dessauer Bassgeigenweihnacht statt. Diese Veranstaltung der Musikschule Dessau – Roßlau gestalten ca. 15 Kontrabassisten aus Dessau und weitere Mitwirkende u.a. mit Violoncello und Flöte.
Unter dem Motto „Bärenstark“ wird die diesjährige Weihnachtsgeschichte zu erleben sein. Musikalisch erzählt wird sie von Schülern der Grundschule am Akazienwäldchen.
Es erklingen Werke von Georg – Friedrich Händel, Johann Matthias Sperger, Giovanni Bottesini und anderen Komponisten aus 5 Jahrhunderten. Mit Mazurka und ungarischem Tanz, als Tierorchester sowie im Ragtime stellen sich die nicht nur bassspielenden Mitwirkenden vor.
Bastian Matthai und Cornelius Tamm als Teilnehmer bei „Jugend musiziert“ 2010 spielen erstmalig einen Ausschnitt ihres Wettbewerbsprogramms.
Natürlich erklingen auch wieder bekannte weihnachtliche Melodien im Bassgeigenorchestersound.
Nach dem Konzert besteht die Möglichkeit zum „Schnupperbass“, anfassen und probieren ausdrücklich erlaubt.
Es wirken mit: Schüler der Musikschule Dessau-Roßlau, Mitglieder der Anhaltischen Philharmonie Dessau, die Schüler der AG Kontrabass der Grundschule am Akazienwäldchen (ein Projekt des Landesverbandes der Musikschulen Sachsen-Anhalt) sowie Gäste aus der Region.
Natürlich werden auch wieder die kleinsten Kontrabassisten unseres Landes zu erleben sein.
Das Konzert beginnt um 18.00 Uhr, der Eintritt ist frei.
Am Flügel: Wolfgang Kind
Gesamtleitung: Ingo Burghausen
Die 18. Dessauer Bassgeigenweihnacht ist eine Veranstaltung der Musikschule Dessau – Roßlau mit freundlicher Unterstützung der Stadt Dessau und des Anhaltischen Theaters Dessau.
Weitere Informationen zur Bassgeigengala unter: www.bassgeigengala.de
10.12.2009, 17:05 | tags:
Spielzeit
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, Musiktheater
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Pressemitteilung vom 10.12.2009
Geschenkideen rund ums Theater
10.12.2009, 17:04 | tags:
Spielzeit
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Pressemitteilung vom 10.12.2009
Weihnachten und Jahreswechsel im Anhaltischen Theater
Für die gesamte Familie bietet das Anhaltische Theater am 1. Weihnachtsfeiertag, dem 25. Dezember um 16 Uhr das Grimmsche Märchen „Sechse kommen durch die Welt“. Dieses Stück über die Freundschaft wird mit viel Witz und Komik erzählt, so dass bei großen und kleinen Besuchern wohl kein Auge trocken bleibt.
„La Périchole“ eines der Hauptwerke Jacques Offenbachs voller Witz und überquellendem Melodienreichtum steht am 2. Weihnachtsfeiertag, dem 26. Dezember um 17 Uhr auf dem Spielplan. Gespielt wird eine neue deutsche Textfassung von Stefan A. Trossbach mit Dialogen von Peter Ensikat. Eine reisende Theatertruppe gastiert in der Stadt und präsentiert die lustige, aber auch zu Herzen gehende Geschichte der Straßensängerin Périchole und ihres Geliebten Piquillo.
Am 27. Dezember, um 16 Uhr lädt das Theater zu einem Besuch der Inszenierung „Lohengrin“ – Romantische Oper von Richard Wagner ein. Mit Wagners vermutlich populärster Oper wurde im Musiktheater die 215. Spielzeit fulminant eröffnet und zieht seit dem Gäste aus ganz Deutschland nach Dessau. Der zwischen Juni 1846 und März 1848 komponierte „Lohengrin“ nimmt in Wagners Oeuvre in mehrer Hinsicht eine Schlüsselstellung ein: Zum einen verwirklichte Wagner, der „vollkommenste Revolutionär“ nach eigenem Zeugnis, in ihm erstmals weitgehend sein Konzept eines durchkomponierten Musikdramas, zum anderen wollte er am avisierten Uraufführungsort Dresden mit der Oper 1849 auch die Gesellschaft revolutionieren. Freuen Sie sich darauf, neben etablierten Publikumslieblingen wie Iordanka Derilova und Ulf Paulsen unsere neuen stimmgewaltigen Ensemblemitglieder kennenzulernen.
Nach fünf Jahren Abstinenz erklingt im Anhaltischen Theater zum Jahreswechsel 2009/2010 wieder Beethovens IX. Sinfonie. Am Silvestertag finden die beiden Aufführungen um 17 und um 20 Uhr statt. Unter der Leitung von GMD Antony Hermus spielt die Anhaltische Philharmonie. Es singen die Damen und Herren des Opern- und des Extrachores sowie Mitglieder des Coruso-Chores. Als Solisten wirken mit: Angelina Ruzzafante (Sopran), Carola Günther (Mezzosopran), Andrew Sritheran / Angus Wood (Tenor) und Ulf Paulsen (Bariton).
Tickets und Informationen erhalten Sie unter:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Freitag 9:30 bis 20 Uhr
Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
10.12.2009, 09:53 | tags:
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Alessandro Anghinoni, www.operamagazine.nl, 07.12.2009
Nederlanders vallen op in ‘gewone’ Candide
Dessau 7 december 2009 Geen reacties
Na een bejubelde Lohengrin waren de verwachtingen rond de volgende première van het Anhaltisches Theater uit Dessau hooggespannen. De productie van Candide viel echter tegen. Niettemin waren de solisten, waaronder de Nederlandse bariton Wiard Witholt, goed.
Van mijn niet-Duitse vrienden heeft iedereen wel een idee wat Bauhaus is, maar slechts een paar weten waar Dessau ligt. Vaak halen ze de naam van de hoofdstad van het Bauhaus door de war met de naam van een concentratiekamp in Zuid-Duitsland.
Maar de stad heeft niet direct zulke gruwelijke herinneringen. Er is slechts één goed zichtbaar spoor van de Nazi-tijd: het enorme, buitensporige theater dat door Adolf Hitler in 1938 geopend werd en uitgerust is met Duitslands grootste roterende toneel.
Vandaag heet dit 1100 plaatsen tellende huis het Anhaltisches Theater en de nieuwe muzikale directeur is de Nederlandse workaholic Antony Hermus, die het seizoen op 4 oktober opende met een alom geprezen Lohengrin.
Zulke creatieve persoonlijkheden zijn welkom. Niet alleen bij culturele instituties, maar in de hele stad. Dessau probeert namelijk haar status als ‘kreisfreie Stadt’ (een onafhankelijke stad, die zo’n 100.000 inwoners moet hebben) te behouden en wil daarvoor de populatieafname die sinds de hereniging van Duitsland aan de gang is in bedwang houden.
In zo’n moeizame situatie kun je het programma van het operahuis zien als een oproep tot een revolutie: Lohengrin, Candide, Un ballo in Maschera, One touch of Venus en La muette de Portici zijn de grootste premières die gepland staan in het Antony Hermus-tijdperk. Alle opera’s gaan in meer of mindere mate over rebellie.
Lohengrin was een groot succes, op een paar wrijvingen met halsstarrige aanhangers van het traditionalisme na.
De tweede première, Candide van Leonard Bernstein, is slechts ten dele een voortzetting van het gladde pad van de roem. We zagen de laatste versie van het stuk, gebaseerd op een tekst van Hugh Weeler, in een Duitse vertaling, met dialogen die herzien waren door de jonge regisseur Cordula Däuper.
Hoewel ik een supporter ben van de jonge mensen die in het theater in Dessau werken, moet ik jammer genoeg zeggen dat Däuper niet aan mijn verwachtingen kon voldoen. Niet dat de voorstelling het zien niet waard was, maar ik kon me gemakkelijk een veel verrassender, onderhoudender vertolking voorstellen. Dessau heeft meer nodig dan ‘gewone’ producties om uit haar depressieve situatie te klimmen.
Maar net als Candide geef ik mijn optimisme niet zo makkelijk op en probeer ik de goede punten eruit te halen. Allereerst de vurige en nauwgezette directie van Daniel Carlberg, onder wiens leiding het orkest momenten van zo’n meeslepende intensiteit bereikte, dat het me moeite kostte om mijn zelfbeheersing te bewaren en niet op te staan en rond te gaan dansen. Al direct bij de ouverture!
Van de hoofdrollen wil ik David Ameln noemen, een knappe en ervaren buffo-tenor, die een zachte en lyrische Candide neerzette. Hij verpersoonlijkte de onschuld.
De briljante Nederlands-Italiaanse Angelina Ruzzafante – een mooie coloratuursopraan met prachtig lyrisch potentieel – zong Cunegonde zonder zichtbare moeite met de hoge e’s in de showaria ‘Glitter and be gay’. Helaas werd die aria geregisseerd als een magere en niet-originele kopie van ‘Diamonds are a girl’s best friends’.
De spelbreker Maximilian was de veelbelovende Nederlandse bariton Wiard Witholt, die zijn kleine rol uitstekend zong, met een preciesie in zijn uitspraak en gemak in zijn zang waarmee hij alle anderen overtrof.
Voor mij blijft het onbegrijpelijk waarom de operazangers uitgerust werden met microfoons. De onnatuurlijke klank stond in onaangenaam contrast met de rijkheid van de muziek uit de orkestbak. Een microfoon was misschien nodig voor de grotendeels gesproken rollen van Voltaire en dr. Pangloss, maar moest de rest van de cast daar dan door verpest worden?
Zoals ik al zei, heeft Dessau het grootste roterende toneel in Duitsland. Dus verwijt het me niet als ik zeg dat ik verwachtte dat er iets zou gaan gebeuren tijdens het laatste lied met koor, ‘Make our Garden Grow’. De klank was geweldig, maar het ijzeren gordijn was neergelaten en alles werd overgelaten aan de verbeelding van de toeschouwer. Een nogal minimalistische, koude, geenszins entertainende enscenering voor het slot van een show.
Niettemin, ik ben vol vertrouwen dat er meer over Dessau en zijn opera’s te vertellen zal zijn op basis van de volgende premières.
Alessandro Anghinoni doet regelmatig verslag van interessante producties in Berlijn. Hij is Italiaans maar woont sinds 2000 in Berlijn. Hij is vertaler van beroep en schrijft regelmatig over opera. Voorheen voor bladen als Opernwelt, tegenwoordig op zijn blog Operello
10.12.2009, 09:24 | tags:
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Helmut Rohm, Zerbster Volksstimme, 08.12.2009
Cordula Däuper bringt Bernsteins „Candide“ auf die Bühne des Anhaltischen Theaters Dessau
Wenn die „beste aller Welten“ auf die Wirklichkeit trifft
Trist und grau verwehrt der sogenannte Eiserne Vorhang den Blick auf die Bühne. Aus
dem Orchestergraben dagegen schallt temporeiche Musik, mit viel Blech, auch fließend schönen Passagen. Diese Ouvertüre von „Candide“, dem Musical von Leonhard Bernstein, ist sehr bekannt. Das Musical selbst dagegen ist recht selten auf der Bühne zu erleben. Jetzt hatte es in der Inszenierung von Cordula Däuper am Anhaltischen Theater Dessau Premiere.
Nach dem furiosen Auftakt durch die mitreißend aufspielende Anhaltische Philharmonie unter Leitung des 1. Kapellmeisters Daniel Carlberg tut sich eine weit in die Tiefe reichende Bühne
mit oft nur skizzenhaft angedeuteten Requisiten auf. Eine ganz in Weiß gekleidete große Menschengruppe (Chor unter der Leitung von Helmut Sonne) vermittelt ein „Schön-Gut-
Sauber“-Gefühl. Idylle „von früher“ steuert ein großes Mosaikbild bei (Bühne: Jochen
Schmitt, Kostüme: Mareile Krettek). Gerade eben um und über diese „beste aller möglichen
Welten“ geht es. Literarische Grundlage ist der Voltaire-Roman „Candide oder der Optimismus“, in dem sich der Autor mit der Leibniz- These von „der besten aller
möglichen Welten“ auseinandersetzt.
Die Geschichte: Auf einem westfälischen Schloss Thunderten- Tronck werden die halbwüchsigen Kinder des Barons, Maximilian und Cunegunde, sowie Candide, ein unehelich geborener Neffe der beiden, und das Dienstmädchen Paquette vom Lehrer Pangloss erzogen. Abgeschirmt von der Realität, in der „besten aller Welten“. Wegen eines innerfamiliären Vorfalls wird der „Bastard“ Candide aus dem Schloss gejagt – und muss die reale schonungslose Vielfalt schrecklicher Erfahrungen durchleben.
Cordula Däuper hat sich dem schwierigen Unterfangen erfolgreich gestellt, den Zuschauer auf die handlungs-, handlungsort- und personalreiche Irrfahrt des Candide durch ganz Europa, hin bis in die „Neue Welt“, mitzunehmen. Ihr Angebot: Eine Spielanordnung als Experiment, spannend und flott unterhaltend gestaltet. Zentrale Frage: Wie lange wird der
Candide‘sche Optimismus Bestand haben? Eine von der Regisseurin geschaffene „allwissende Figur“ (ungemein variabel Stephan Lohse) wandelt zwischen Personen und Zeiten, ist Voltaire, Lehrer Pangloss, Mulatte Cacambo, auch Martin.
Mitdenken und Nachdenken
Dem Zuschauer, von dem viel Konzentration, Mit- und am besten auch Nachdenken abverlangt wird, hilft er, dem Geschehen, oft auch nur in ganz kurz erwähnten Episoden, stringent folgen zu können. Ein wenig Toleranz beim Publikum natürlich vorausgesetzt. Die Erzählweise von Cordula Däuper reflektiert die menschliche Gefühlspalette trefflich: dubios verwirrend, persiflierend, derb direkt, verletzend zynisch, satirisch, auch hintergründig humorvoll, ebenso emotional nahegehend. Auffallend, ohne vordergründig hervorgehoben
zu werden, sind die vielen Parallelen im menschlichen Handlungsmuster von „früher und heute“. All diese Wahrheiten und Andeutungen, das aktionsreiche Spiel, die tolle Musik, verdankt das Publikum dem rundum engagierten Ensemble.
Herausragend sind die Protagonisten.
Faszinierend mit Stimme, Spiel und einem wahren „Koloraturen-Gewitter“ Angelina Ruzzafante als Cunegunde. David Ameln war der immer gescholtene, doch liebenswerte,
ewig suchende Candide. Renate Dasch überzeugte als souverän mondäne Old Lady.
Ob das abschließende Sich- Wiederfinden aller Figuren, das Haus bauen und warten, „bis unser Garten blüht“, die nun „beste aller Welten“ ist, bleibt offen. Diese Frage kann sich
wohl nur jeder Zuschauer selbst beantworten.
Die nächsten Aufführungen sind am 10. Dezember um 16 Uhr und 20. Dezember um 17.30 Uhr zu erleben.
08.12.2009, 18:32 | tags:
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, Lohengrin
, Pressestimmen
Alexander Hauer, http://www.deropernfreund.de/pageID_7953294.html,
http://www.musenblaetter.de/liste.php?bid=28, Dezember 2009
Anhaltisches Theater Dessau
Lohengrin
Der von vielen herbeigesehnte, von vielen befürchtete, Führungswechsel in Dessau blieb ohne große Folgen. Ja, es weht ein neuer Wind, aber die Qualität der Inszenierungen und die musikalische Leistung blieben auf dem gleichen, hohen Niveau. Dies ist mein Eindruck nach Andrea Moses’ klug durchdachten, und von Antony Hermus außergewöhnlich transparent geführten, Lohengrin am 22. November.
Zusammen mit Andrea Moses befreite er den Lohengrin von seiner romantischen Last, Wagner, ohne seine Schwere, bekam Swing.
Andrea Moses betrachtete den Text genau, mit chirurgischer Präzision sezierte sie die Textinhalte, setzte sich auf das genaueste mit dem musikalischen Subtext auseinander und schuf so zusammen mit ihrem Team einen höchst aktuellen, politischen Opernabend: Der heilige Gral als Heilsversprechen um einen Krieg im Osten zu führen ( ganz aktuell, seit einiger Zeit wird Deutschland auch am Hindukusch verteidigt, Danke, Herr Struck!). Nachdem die Brabanter Heinrich zunächst die Gefolgschaft für seinen Krieg gegen Ungarn verweigern, zaubert er eine weitere politische Marionette herbei.
Lohengrin erscheint aus der Unterbühne, Videoeinspielungen (Chris Kondek und Jens Crull) im Stil deutscher und amerikanischer Wahlspots, unterstreichen seinen Auftritt. Andrew Sritheran ist ein stimmlich sicherer, seine Kräfte klug einteilender, baritonal gefärbter Lohengrin. Er gestaltet seine Rolle als eiskalter Machtpolitiker, durchaus bereit seine Gegner zu töten, ist sich aber seiner Rolle als Marionette von Heinrich durchaus bewusst. Dieser Lohengrin weiß schon zu Beginn an, dass er Elsa verlassen muss und wird.
Bettine Kampp ist eine psychisch labile Elsa, durch jahrelange Gefangenschaft tablettenabhängig. Sie erkennt, wenn sie sich retten will, muss sie diesen Lohengrin heiraten, egal unter welchen Bedingungen. Spätestens aber, seit der Fragestellung im Brautgemach, beginnt aber ihre Emanzipation, und am Ende der Oper sieht sie als einzige das Unheil mit klaren Augen. Frau Kampps warmes Timbre und die klare Textverständlichkeit lassen diese Elsa auch musikalisch zu einem Hochgenuss werden.
Die Gegenspieler, Ortrud und Telramund (hinter jedem erfolgreichen Mann steht ein ehrgeizige Frau), Iordanka Derilova und Ulf Paulsen, sind, wie erwartet, einfach sensationell. Die schauspielerische Leistung der beiden steht der Gesanglichen in nichts nach. Ulf Paulsen eher lyrischer Bariton hat Möglichkeit zu schon fast brutalen Ausbrüchen, Derilovas glockenklarer Sopran, der Rolle angepasst, eiskalt und wunderbar verständlich (zum ersten Mal, nach vielen, vielen Lohengrinen habe ich verstanden, was Ortrud bei der Anrufung der alten Götter singt).
Pavel Shmulevich als Heinrich, steht in Moses’ Deutung im Mittelpunkt der Inszenierung. Seine Erscheinung ist fast zu sympathisch und seinem sonoren Bass fehlt das letzte Quäntchen an teuflischer Bösartigkeit.
Wiard Withold überzeugt als Heerrufer. Im Erscheinungsbild eines Priesters, ist er ein Einpeitscher, der es schafft, die Volksmassen auf Kriegskurs zu trimmen.
Der, durch den Coruso Chor und Extrachor verstärkte, Chor des Stadttheaters unter Helmut Sonne brilliert, wie man es sich nicht besser wünschen könnte.
Andrea Moses gelingt in der Ausstattung von Christian Wiehle ein zeitloses hochpolitisches Werk. Die Verführung des Volkes, die Abhängigkeit durch Lobbyisten und politische Willkür, waren und sind immer tagesaktuell.
Boshaft könnte man auch sagen: Nach der Wahl ist vor der Wahl.
In ihrem Schlussbild erscheint auf Heinrichs Befehl eine weitere Marionette, Gottfried, schnell zu recht geschustert mit Kindermaske. Während das Volk nun wie paralysiert gen Osten marschiert steht eine geistig nun völlig klare Elsa am Rand, die alle Avancen von Heinrich und dem Heerrufer ablehnt.
Der Abend endete unter einhelligen Jubel für Sänger und Orchester in einer klug durchleuchteten, romantikfreien Inszenierung.
Das Stadttheater lud im Anschluss an die Aufführung zu einer Diskussion ein. Rege Beteiligung des Publikums führte zu einer Auseinandersetzung mit dem Abend für beide Seiten. Regie, Dirigent und Sänger stellten sich den Fragen der Zuschauer. Kontroverse Auffassungen prallten aufeinander, blieben aber an diesem Abend von Seiten der Wagnerianer (noch) sachlich.
07.12.2009, 16:12 | tags:
Schauspiel/Musiktheater
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, Pressestimmen
Dr. Kevin Clarke, http://magazin.klassik.com/konzerte/reviews.cfm?task=review
07.12.2009, 12:32 | tags:
Schauspiel/Musiktheater
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Franz R. Stuke, http://www.opernnetz.de/seiten/rezensionen/dess_cand.htm, 7.12.2009
Zeitlose Gültigkeit
Es ist das Stück zur verlogenen Gegenwart – Voltaires philosophische Satire über „die Beste aller Welten“! Mit Bernsteins anspielungsreicher Musik entwickelt sich „Aufklärung mit den Mitteln der Unterhaltung“ (Brecht).
Ganz in diesem verkappten Lehrstück-Verständnis inszeniert Cordula Däuber – trifft den ironischen Duktus Voltaires mit seinem apokryphen Humor punktgenau, setzt auf die „system-persiflierende“ Musik Bernsteins als handlungsstrukturierendes Element. Die Geschichte der Reise Candides durch die Unbilden der Welt mit Krieg, gewalttätigen Ideologien, gnadenlosem Reichtum und schnöselhafter Unmoral bis zu seinem „Garten“, den er pflegen will – sie gerät zur tour d’horizon durch die Globalisierungs-Katastrophen, kommentiert vom Voltaire-Pangloss, mit personen-bezogenem Bühnenhandeln, realisiert durch ideenreiche Konstellationen der agierenden Personen - solo, in Ensembles und als „Masse“. Und dies permanent sowohl der Botschaft Voltaires als auch der hinreißenden musikalischen Piècen Bernsteins szenisch-subtil gerecht werdend!
Das alles geschieht auf einer Bühne mit grauen Wänden, die sich zerlegen lassen, zu Stufen aufbauend, mit sparsamen Requisiten arbeitend – Jochen Schmitts Bühnen-Elemente schaffen die kommunikativen Räume der Ausweglosigkeit für die Personen, die immer wieder durch Versenkungen stimuliert werden. Mareile Kretteks phantasievolle Kostüme korrespondieren mit dem ironisierenden Duktus des überzeugenden Inszenierungskonzepts.
Daniel Carlberg stürzt sich mit der brillanten Anhaltischen Philharmonie fulminant in die „spritzige“ Ouvertüre, interpretiert die so faszinierend wechselnden Stil-Anleihen Bernsteins mit bewundernswerter Flexibilität, gibt den Solo-Instrumenten Raum für virtuose Passagen – und nutzt die Chance zu etwas Einmaligem: die „hinterlistige“ Umsetzung ironisch-klingender Musik!
Für die Solisten ein prima Angebot für inspirierendes Spiel und distanziert-interpretierenden Gesang, mit Chancen zum Demonstrieren stimmlicher Virtuosität. Stephan Lohse gibt dem Voltaire/Pangloss ambivalenten Charakter, agiert reaktionssicher, spricht enorm ausdrucksstark und singt mit beeindruckender Intensität. David Ameln gelingt ein naiv-leidender Candide, ein ästhimierender Archetyp gläubigen Vertrauens, stimmlich hellwach, variabel im Ausdruck. Renate Dasch ist die lustvoll-stimulierende Alte Dame, darstellerisch flexibel, mit chansonhafter stimmlicher Attitüde! Angelina Ruzzafante kostet die Rolle der Kunigunde ironisch-lustvoll aus, brilliert mit perlenden Koloraturen, fasziniert mit stimmlicher Variabilität. Das Dessauer Ensemble überzeugt mit attraktivem Spiel, gesanglich perfekt positioniert - so wie der Opernchor, geleitet von Helmut Sonne: individualisiert im kollektiven Spiel, famos im differenzierenden Gesang der von Bernstein geforderten Stil-Mixtur!
Der nicht nur intellektuelle Spaß an der aufklärerischen Geschichte fand zur Premiere kein volles Haus in Dessau mit seinem riesigen Auditorium - doch die Zustimmung wächst von Szene zu Szene, endet mit nachhaltiger Zustimmung.
Prognose: Der Dessauer Candide wird zur Attraktion der Besucher aus Berlin, Leipzig, Magdeburg!
27.11.2009, 14:17 | tags:
Spielzeit
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Pressemitteilung vom 27.11.2009
Wiederaufnahme von „Die Zauberflöte“
Die wohl beliebteste Oper der Musikgeschichte, „Die Zauberflöte“ von Wolfgang Amadeus Mozart, steht ab dem 19. Dezember wieder auf dem Spielplan des Anhaltischen Theaters.
Unter der Leitung von Daniel Carlberg werden in fast allen Hauptrollen neue Sänger zu hören sein, so dass der Opernbesuch auch jedem empfohlen werden kann, der die Inszenierung von Johannes Felsenstein bereits gesehen hat.
Der junge russische Bassist Pavel Shmulevich, sowohl als Heinrich in „Lohengrin“ als auch bei der „Serata di Gala“ gleichermaßen umjubelt, wird die Partie des Sarastro übernehmen, die er bereits in einer Neuinszenierung am traditionsreichen Marinskii Theater gesungen hat. Eine Paraderolle ist der Papageno für Wiard Witholt, der im „Lohengrin“ der Partie des Heerrufers nicht nur ungewöhnliche stimmliche Brillanz, sondern auch ungewöhnliches darstellerisches Profil verliehen hatte. Angus Wood erwies sich bereits Ende der letzten Spielzeit als Piquillo in der Premiere von „La Périchole“ als absoluter Publikumsliebling.
Er wird ab dem 19.12. den Prinzen Tamino verkörpern. David Ameln singt den Monostatos. Und als Königin der Nacht kommt mit Diana Tomsche vom Staatstheater Karlsruhe eine profilierte Koloratursopranistin als Gast nach Dessau. Die Pamina wird in bewährter Weise von Cornelia Marschall verkörpert, der Sprecher ist Kostadin Arguirov.
Weitere Termine: 17.01.10, 17 Uhr | 11.04.10, 17 Uhr | 23.05.10, 17 Uhr
Karten unter:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Freitag 9:30 – 20 Uhr
Theaterkasse - Nur Telefonisch 0340 2511 – 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
25.11.2009, 16:45 | tags:
Schauspiel/Musiktheater
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Pressemitteilung vom 25.11.2009
Premiere Musiktheater
Candide - Musical von Leonard Bernstein
Mit „Candide“ schuf der Komponist und Dirigent Leonard Bernstein 1956, nur ein Jahr vor „West Side Story“ einen der ungewöhnlichsten Beiträge zum modernen Musiktheater. Das Anhaltische Theater Dessau lädt am 4. Dezember, um 19:30 Uhr ins Große Haus zur Premiere „Candide“.
Auf dem westfälischen Schloss Thunder-ten-Tronck wachsen Candide, seine heimliche Liebe Cunegunde, deren Bruder Maximilian und Paquette in der optimistischen Lebensphilosophie ihres Lehrers Pangloss von der „besten aller Welten“ auf. Die Idylle wird zerstört, als Candide vom Grafen Thunder-ten-Tronck beim Liebesspiel mit Cunegunde ertappt und aus dem Schloss verbannt wird. Auf seiner Reise durch die Welt muss Candide am eigenen Leib erfahren, dass die „beste aller Welten“ nur in der Philosophie und ohne Bezug zur Realität existiert. Mit Witz, beißendem Spott und Ironie werden der überhebliche Adel, die kirchliche Inquisition, Krieg, Sklaverei und die naive Utopie des einfachen Manns von einem sorglosen Leben angeprangert. Doch im Unterschied zu Voltaires Erzählung, die bei allem Humor ein bitterböses negatives Märchen ist, findet Bernsteins Werk einen versöhnlichen Abschluss, in einem Hymnus auf das bescheidene private Glück, den eigenen Garten zu bestellen.
Wenn „West Side Story“ auch die größere Bekanntheit erlangte, so ist „Candide“ doch das komplexere, genialere Werk, Bernsteins kühnste Schöpfung für die Musiktheaterbühne überhaupt, eine Mischung aus Musical, klassischer Operette und komischer Oper. Das Libretto ist eine geschickte Dramatisierung von Voltaires berühmtem Roman „Candide ou l’Optimisme“ [Candide oder der Optimismus]. Die musikalische Leitung liegt beim 1. Kapellmeister des Anhaltischen Theaters Daniel Carlberg, der einen bravourösen Einstand mit dem Ballett LULU feiern konnte. Als Regisseurin konnte Cordula Däuper gewonnen werden, die zuletzt mit großem Erfolg an der Komischen Oper in Berlin gearbeitet hat.
Inszenierung: Cordula Däuper I Musikalische Leitung: Daniel Carlberg I Bühne: Jochen Schmitt I Kostüme: Mareile Krettek I Chor: Helmut Sonne
Solisten: Angelina Ruzzafante (Cunegunde), Kristina Baran (Paquette), Renate Dasch (Alte Lady), David Ameln/ Angus Wood (Candide), Stephan Lohse (Voltaire/ Pangloss/ Martin), Wiard Witholt (Maximilian), Kostadin Arguirov (Captain), David Schroeder (Vardendendour/ Ragotski/ Governor)
Nächste Termine: 6.12.09, 17 Uhr I 10.12.09, 16 Uhr I 20.12.09, 17 Uhr | 09.01.10, 17 Uhr | 28.01.10, 19:30 Uhr
Am 28.1. im Anschluss an die Vorstellung „Nachgefragt“ mit Regisseurin Cordula Däuper und Ensemble-Mitgliedern
13.11.2009, 16:21 | tags:
Anhaltische Philharmonie
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Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 12.11.2009
Donnerstag hau'n sie auf die Pauke
Konzert: Im Elbe-Werk dirigiert Antony Hermus das «Impuls-Orchestertreffen»
Der Zyklop tanzte schon im Opernhaus Magdeburg und im Neuen Theater in Halle, jetzt macht er sich auf in den Heimatort seines Schöpfers. Am Donnerstagabend erlebt man ihn in der Stadt, genauer gesagt ab 19.30 Uhr im Elbe-Werk (Hauptstraße 117-119) in Roßlau. Der "Tanz des Zyklopen" ist ein Musikstück, komponiert vom Dessauer Musiker und Komponisten Christoph Reuter. Bereits zweimal erprobt, wird nun das Trio der Aufführungen komplett, wenn am Donnerstagabend in Roßlau das "Impuls Orchestertreffen 3" stattfindet. Angesiedelt ist es innerhalb des Impuls-Festivals für Neue Musik, das noch bis zum Wochenende in Sachsen-Anhalt Konzert-Veranstaltungen anbietet.
Die Orchestertreffen sind eine besondere Form der Konzerte; sie fanden bisher in Halle und Magdeburg und Donnerstag nun auch in Dessau statt und präsentieren die stadteigenen Orchester mit Beiträgen zur Neuen Musik. Im zweiten Teil des Konzertes erlebt das Publikum dann fünf Schlagzeuger aus allen großen Orchestern des Landes. Sie spielen neue Kompositionen für Schlagwerk und jeweils ein Instrument, die von Komponisten Sachsen-Anhalts geschrieben wurden.
Der Dessauer Christoph Reuter wählte sich als ergänzendes Instrument das Klavier und sitzt auch selbst am Flügel. Sein Part inmitten der Werke seiner Kollegen ist eine höchst unterhaltsame, vom Jazz beeinflusste und auch mit Witz und Ironie geschriebene Komposition. Bei der Aufführung in der vergangenen Woche in Halle gehörte der "Tanz der Zyklopen" zu jenen Stücken, die das Publikum besonders feierte. Wohl auch, weil die Aufführung mit kleine Tücken verbunden war, als ein Bein des Konzertflügels beim Rollen auf die Bühne brach, Reuter aber unbeirrt in die Tasten schlug, als das Instrument auf einen Hebewagen gehievt war.
So etwas muss man wohl nicht befürchten, wenn das Impuls-Festival am Donnerstag im Elbe-Werk Station macht. Dessaus Generalmusikdirektor Antony Hermus dirigiert das dritte und letzte Orchestertreffen, und mit Tan Duns tödlich feurigem Paul-Klee-Dialog schließt er den Kreis, der mit dem Impuls-Eröffnungskonzert drei Wochen zuvor in der Stadt begonnen wurde. Dass dieses Konzert keine dröge Wiederholungsveranstaltung ist, beweist es bereits in den ersten Minuten, wenn besagtes Impuls-Percussion-Ensemble auf die Pauke haut - und bestätigt es nach der Pause doppelt, indem es den bisherigen Festivalstücken noch zwei bisher nicht erklungene Kompositionen zur Seite stellt. "Voyage" von Philip Glass bezieht sich dabei noch einmal explizit auf das Festival-Thema "Odyssee", während die Uraufführung von "Kristalle" eine Verbeugung vor einem Mann ist, der kürzlich seinen 70. Geburtstag feierte: Thomas Müller erwarb sich seine Meriten als Dirigent der Reihe "Konfrontation", die bis heute - als K-Reihe der Staatskapelle Halle mit Festivalintendant Hans Rotman - erfolgreich in Halle junge Zuhörer an Neue Musik heranführt.
Karten gibt es an den Theaterkassen unter den Nummern 0340 / 2 40 02 58 und 0340 / 2 51 13 33 sowie an der Abendkasse.
11.11.2009, 16:13 | tags:
Schauspiel/Musiktheater
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Herbert Henning, Orpheus Nov./ Dez. 2009
DESSAU
Keine Zeiten für Romantik
Das Anhaltische Theater Dessau startet nach der Ära von Johannes Felsenstein in die 215. Spielzeit mit Wagners LOHENGRIN in der Inszenierung von ANDREA MOSES, die in emanzipatorischer Absicht eine hochinteressante Sicht auf die irrationale Welt des „Schwanenritters“ eröffnet und dabei aus der Sicht von Elsa eine Geschichte von Macht und Machterhaltung, Täuschung, Versprechen und Manipulation von Menschen, denen die Ideale abhanden gekommen sind, spannend und überraschend aktuell erzählt.
Von Anfang an hat die angesichts der Anklage von Ortrud und Telramund traumatisierte Elsa keine Chance und erst im Brautgemach, dass wie in einem „Wolkenkuckucksheim“ überirdisch schwebt (Ausstattung: CHRISTIAN WIEHLE) emanzipiert sich diese Frau und stellt die verbotenen Frage nach „Herkunft und Stand“ dieses Mannes. Moses beleuchtet die Figuren mit großer Genauigkeit, inszeniert die Auseinandersetzungen zwischen Ortrud, Telramund und Elsa fast intim als Kammerspiel mit großer Genauigkeit. Die Sänger agieren als Schauspieler mit außerordentlicher darstellerischer Präzision.
Dies gilt vor allem für IORDANKA DEVRILOVA als Ortrud mit lodernder, expressiver Stimme und dämonischer Intensität im Spiel wider dem Wahn des Schwanenkults und der Einlullung der Massen durch das König Heinrich/Lohengrin-Bündnis. Für ihre Rache opfert diese raffiniert handelnde „femme fatale“ ihren Mann, den ULF PAULSEN mit markanter Stimme singt. Große musikalische Momente für PAVEL SHMULEVICH als König Heinrich und als einziger Verbündeter an der Seite von Elsa WIARD WITHOLT als kraftvoller Heerufer.
BETTINE KAMPP macht mit jugendlich - dramatischer Stimme überzeugend die Wandlung vom ahnungslosen Mädchen, das in den Sog politischer Ränke gerät, zur emanzipierten Frau deutlich. Dass der neuseeländische Sänger ANDREW SRITHERAN nach stimmlichen Aussetzern in der Brautgemach-Szene in der selten gehörten vollständigen Gralserzählung zu wunderbarem piano findet, zeigt das stimmliche Potential dieses jungen und attraktiven Sängers.
Für die Anhaltische Philharmonie unter ANTONY HERMUS und die von HELMUT SONNE einstudierten, Chöre gilt nach dieser Lohengrin-Premiere uneingeschränkt das musikalische Prädikat „Bayreuth des Nordens“. Selten hat man das Vorspiel zum 3. Akt und den Hochzeitsmarsch mit soviel musikalischer „Ironie“ und orchestraler Präzision erlebt. Ein fulminanter Auftakt des Dirigenten mit dem Orchester, enthusiastisch gefeiert. Das außerordentlich heftige Buh-Konzert für das Inszenierungsteam sollte nicht vom Besuch dieses Dessauer LOHENGRIN abhalten.
09.11.2009, 21:35 | tags:
Anhaltische Philharmonie
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Johannes Killyen, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 10.11.2009
Frappierende Klangkultur
Sinfoniekonzert: Philharmonie spielt Beethovens «Eroica» in einem Höllentempo
Beethoven und das richtige Tempo - dieses Thema hat Generationen von Musikwissenschaftlern und Interpreten schlaflose Nächte beschert. Dabei scheint die Wahl der richtigen Geschwindigkeit im Falle Beethovens einfacher zu sein als, sagen wir, bei Mozart oder Bach. Denn immerhin kannte der "Titan" aus Wien das 1815 erfundene Metronom und trug als vielleicht erster Komponist überhaupt Metronomzahlen in einige seiner Werke ein.
Schnelles Tempo gewagt
Die waren, wie es sich für den Querkopf Beethoven gehört, freilich etwas anders, als die meisten Dirigenten und Instrumentalisten es später wahrhaben mochten. Für den Kopfsatz seiner dritten Sinfonie, der "Eroica", hat der Meister zum Beispiel ein Tempo vorgegeben, das dieses "Allegro con brio" in die Nähe eines Wiener Walzers rückt. "Unschön", meckerten die Besserwisser - "unspielbar", die Kleingeister. War Beethovens Metronom kaputt? Oder sollte man alles einfach halb so schnell spielen?
Es gibt in der Masse von "Eroica"-Aufnahmen nicht viele, die das schnelle Tempo wagen und zur Diskussion stellen. Weshalb die Interpretation des neuen Generalmusikdirektors Antony Hermus beim zweiten Sinfoniekonzert der Anhaltischen Philharmonie am Donnerstag und Freitag einer erfrischenden Ohrenwäsche gleichkam.
Hermus und sein glänzend präpariertes Orchester lieferten den Beweis dafür, dass es möglich ist, den besagten Anfangssatz in größter Natürlichkeit in einem wahren Höllentempo zu spielen - so, wie es Beethoven wollte. Das allein hätte für eine - sagen wir es ruhig - sensationelle Aufführung freilich nicht gereicht. Aber es machte exemplarisch deutlich, wie mutig und konsequent der neue musikalische Leiter des Dessauer Theaters seine Arbeit angeht.
Innerhalb weniger Monate hat Hermus im Orchester eine Klangkultur etabliert, die schlicht frappierend ist. Er gewichtet die Stimmen aufs Klügste, kultiviert feinstes Wispern ebenso wie eine klangvolle Mittellage oder ein explosives Forte. Kurz: Er präsentiert sich als Meister der wohl kalkulierten Effekte, ohne dabei Effekthascherei zu betreiben. Paradox: Nichts scheint bei dem Holländer zufällig zu geschehen, und doch überrascht vieles. Auch die neue Orchesteraufstellung, die in der Beethoven-Sinfonie zu reizvollen Stereo-Effekten zwischen den ersten Geigen auf der linken und den zweiten Geigen auf der rechten Seite führte.
Emotionalität im Trio
Ein Satz gelang in der "Eroica" schöner als der andere - vielleicht wäre dennoch der Trauermarsch hervorzuheben, dessen Dramaturgie alle Schatten- und Lichtseiten eines Heldenlebens beleuchtete. Schade, dass sich ausgerechnet hier leichte Unstimmigkeiten in das Zusammenspiel einschlichen.
Beethovens dritte Sinfonie ließ vergessen, dass dieses Sinfoniekonzert auch vor der Pause schon einiges zu bieten hatte: Da entfaltete das Storioni-Trio aus Amsterdam ein zu Beginn etwas akademisch komponiertes Concertino für Klaviertrio und Streicher von Bohuslav Martinu (1890-1959) am Ende zu großer Emotionalität. Um in der Zugabe mit einem Satz aus Dvoráks "Dumky"-Trio das eigentliche Werk beinahe auszustechen.
Ganz am Anfang die Reverenz an einen Jubilar und Meister des Hauses: Das Sinfonische Vorspiel von Heinz Röttger aus dem Jahr 1936, der von 1954 bis zu seinem Tod 1977 Generalmusikdirektor am Anhaltischen Theater war. Das zwischen Bruckner, Strauss, neuer Sachlichkeit und Hollywood-Sound virtuos changierende Stück machte Lust auf mehr Röttger. Der sich, so wie das Publikum, über diesen Abend ebenso wie auf die nächsten Sinfoniekonzerte am Anhaltischen Theater gefreut hätte.
Das Konzert wird am Dienstagabend, 20 Uhr, auf Deutschlandradio Kultur und am 23. November (ebenfalls 20 Uhr) auf MDR Figaro noch einmal gesendet.
05.11.2009, 20:30 | tags:
Anhaltische Philharmonie
Johannes Killyen, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 6.11.2009
Heinz Röttger
Begnadeter Orchester-Erzieher
Freitag vor 100 Jahren wurde der Dirigent und Komponist geboren - Er prägte mehr als zwei Jahrzehnte das Dessauer Musikleben
Man sollte, ließ Heinz Röttger einst verlauten, im Rücken des Dirigenten einen Paravent aufstellen: "Um das Publikum bloß nicht von der Musik abzulenken." Das war so bescheiden gesprochen, dass es an Koketterie grenzt. Und doch darf man ihm abnehmen, dass er von heiligem Ernst erfüllte war, wenn es um die eine Sache ging: Musik. Freitag vor 100 Jahren wurde der Komponist und Dirigent Heinz Röttger geboren - der wichtigste Generalmusikdirektor des Dessauer Theaters im 20. Jahrhundert.
Große romantische Kiste
Szenenwechsel. Auf der Probenbühne des Anhaltischen Theaters ist soeben Beethovens "Eroica" verklungen. Ein neues Werk liegt auf den Pulten, "seien wir gespannt", sagt Antony Hermus. Es ist die erste veritable Begegnung mit einem Stück des großen Vorgängers. Punktierungen donnern, sanft wellen sich Klangflächen, dazwischen fahren Blechfanfaren. Bruckner klingt an und Wagner, auch Richard Strauss natürlich - große romantische Kiste. "Manchmal sind da aber Klangballungen, die sperren sich gegen das Wohlbefinden", sinniert Hermus, der seit wenigen Wochen Generalmusikdirektor in Dessau ist.
Für das Jubiläumskonzert ist Röttgers "Sinfonisches Vorspiel" ausgewählt worden, das in diesem Haus noch nie gespielt wurde. 1936 komponiert, hat der 27-Jährige es Alfred Morgenroth gewidmet, der als Sekretär der Reichsmusikkammer unter anderem dafür zuständig war, "feindländische Schallplatten" zu verbieten. Was Röttger - damals Solorepetitor am Stadttheater Augsburg - nicht davon abhielt, den Förderer als engen Freund zu bezeichnen. Zu diesem Zeitpunkt befindet sich Röttger als Komponist und Dirigent schon auf der Erfolgsspur. Den kurzen Abzweig zur Theologie hat der 1909 in Herford geborene Sohn eines Eisenbahners wieder verlassen, hat sich mit einer Dissertation über "Das Formproblem bei Richard Strauss" die Anerkennung des Meisters erworben und kann auch schon auf eine Assistenzzeit bei Hans Knappertsbusch in München zurückblicken.
Der Krieg markierte für Röttger, der 1941 heimlich die Schwedin Eva Johnn heiratete und später im Zuge der Entnazifizierung als Mitläufer eingeordnet wurde, den entscheidenden Wendepunkt: Er wurde 1942 eingezogen, verwundet, als "letzte Reserve" wieder eingezogen - und überlebte traumatisiert. Fortan war Röttger ein überzeugter Pazifist, der sich selbst in Sitzungen des DDR-Komponistenverbandes der Idee eines "gerechten Krieges" verweigerte.
In den Osten war er 1948 gekommen, als musikalischer Oberleiter am Theater Stralsund und ab 1951 als Generalmusikdirektor in Rostock. Als er 1954 das Probedirigat in Dessau gewinnt, will man ihn nicht ziehen lassen und belegt ihn mit einer Berufssperre, die nur durch Intervention des Ministeriums für Kultur aufgehoben wird.
Es beginnt eine goldene Zeit für Heinz Röttger - und für Dessau. Der bekennende Fußballfan legt die verschüttete Wagner-Tradition der Muldestadt wieder frei und baut - im Triumvirat mit Regisseur Willy Bodenstein und Ausstatter Wolf Hochheim - das riesenhafte Theater zum viel beschworenen "Bayreuth des Nordens" aus - bis der Mauerbau mit den folgenden Einschränkungen die Wagnerfestwochen auf ein regionales Ereignis reduziert.
Röttger prägte als begnadeter Orchester-Erzieher Generationen von Philharmonikern, wurde von den Sängern ob seiner Sensibilität verehrt und hob das Niveau der ihm zugeordneten Ensembles kontinuierlich an. Zugleich war er ein glühender Förderer der zeitgenössischen Musik, nicht zuletzt seiner eigenen. Früh stellte er sich hinter das im sozialistischen Realismus verpönte Zwölftonsystem und die elektroakustische Musik. Legendär die Aufführung des Jazz-Konzerts von Rolf Liebermann im Jahr 1955, das Röttger als "Volksmusik einer unterdrückten Rasse" ausgab und so unangreifbar machte.
Warten auf Wiederentdeckung
1977 starb Röttger nach kurzer schwerer Krankheit: hoch geschätzt, manchmal belächelt ob seiner Unbeholfenheit in praktischen Dingen - und zumindest in Dessau nicht vergessen. Über 40 seiner Werke wurden seit seinem Tod hier aufgeführt, seit 1998 vor allem auf Betreiben des Anhaltischen Kammermusikvereins. Eine praktische Würdigung seines Opernschaffens wäre freilich wieder an der Zeit, zum Beispiel eine Neuinszenierung des "Spanischen Capriccio", seines wohl besten Bühnenwerks.
Als Mann des Theaters scheute sich Röttger übrigens auch nicht, Details selbst berühmter Werke für seine Bedürfnisse anzupassen. Dabei konnte er auf Richard Strauss persönlich verweisen, der angesichts eines fehlenden Tenors im "Rosenkavalier" Röttger trocken zuwarf: "Dann nehmen Sie doch einen Sopran."
Konzert mit "Sinfonischem Vorspiel": Am Freitag, 19.30 Uhr, Anhaltisches Theater
05.11.2009, 12:17 | tags:
Musiktheater
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Karsten Pietsch, Leipziger Internetzeitung/ Kultur. Theater, 04.11.2009
Theaterbrief aus Dessau:
Wagners „Lohengrin“ und zwei Stunden warten auf den Kuss von Elsa und Ortrud
Kaum dass die ersten Ouvertüren-Takte verklingen, dämmert es hinter dem Vorhang. Menschen in heutiger Kleidung lümmeln auf den Tischen und Stühlen einer Konferenz-Arena. Die Strukturen der Macht, der Akteure und der Reagierenden sind klar erkennbar, ein trefflicher und machtsicherer Ort auch für Befragungen und Urteile.
Elsa hat Gleichgewichts- und Bewusstseinsstörungen, greift zur Pulverdose, die man ihr wegnimmt. Mit Rausch kämpft sie den Abend lang.
„Offenes Land“ ist die Spielzeit übertitelt, die Leitung des Anhaltischen Theaters hat gewechselt. Im Spielzeitheft gibt es vornehmlich Foto-Schnappschüsse aus der Region.
Kein Regisseur muss an dem anknüpfen, was von gleichen Autoren vorher am selben Haus inszeniert wurde, mag es das Publikum tun, wenn ihm danach ist. Johannes Felsensteins Wagner-Sicht auf „Parsifal“ hatte so viel Kunst, wie nötig war, dass man nichts mehr weglassen konnte. Aus einem Holz geschnitzt. Der tote Baum lag auf der Bühne, war Höhle und, wenn er aufgerichtet war, auch Kruzifix in der Gralsburg.
Andrea Moses geht einen anderen Weg, zeigt pures Heute, setzt als Regisseurin, und in der neuen Dessauer Theaterleitung Schauspielchefin, beim Publikum keine Kenntnisse um Wagner und irgendwelche Zeitereignisse voraus, sie erzählt alles.
Lohengrin 2009: Menschen gestalten -Zukunft bewegen
Über der Bühne von Christian Wiehle hängt in großen Lettern, die sich grafisch nicht akkurat zu einem Gesamtbild fügen „Menschen gestalten - Zukunft bewegen“. Mit einer solchen Parole, um zwei Worte verdreht, zogen ja tatsächlich Politiker in den Wahlkampf. In dieser Form nun ist sie nicht eine harmoniesüchtige esoterische Anwandlung, sondern Gehirnwäsche, totalitärer Anspruch, ein Apparat. Stilisiert mit einem Schwanenhals, Gefieder und grellem Lichtstrahl. Leider kommt die Regie nicht auf die Idee, die vier Worte der Losung ein paar Mal sinnstiftend zu verändern.
Da kommt einer daher, meint man müsse ihm folgen, dürfe aber nie fragen, woher er käme. In der Regie von Andrea Moses sieht man auf der Bühne nicht viel andere Kleidung, ebenfalls von Christian Wiehle gestaltet, als die des Publikums, Frisuren und Brillen im Chor scheinen auf Menschenmengen zu verweisen, die auch bei früheren Inthronisierungen schon dabei waren. Ein neuer Heilsbringer kommt auch auf die Zuschauer zu, denn der Chor agitiert mit seinen wappendekorierten Liederbüchern im Saal. Überdeutlich ist der Zeigefinger: Vorsicht vor Uniformitäten, Wappen, Liederbüchern, Vereinnahmungen.
Goldglitzer und Luftballons sichern der Putzfrau Arbeit
Andrew Sritheran singt und spielt den Lohengrin, schwarzhaarig, dunkelhäutig, weltmännisch daherkommend, auf extra eingefahrenem Podest wie in einem eigens errichteten Tempel. Bettine Kampp als Elsa von Brabant und Iordanka Derilova als Ortrud sind Stimmen, die sich schon längst im Wagner-Fach zu Hause fühlen dürfen. Von der Regie kriegen sie interessante Momente. Nach zwei Stunden Spielzeit dürfen sie sich sogar küssen. Am Ende des ersten Aktes gibt es Goldglitzer von oben und Luftballons, eine unvermeidliche Zutat aus dem Werkzeugkasten cooler Ausstatter und Spielleiter. Bleibt für die Phantasie sonst nur noch der Zwischenraum zwischen Schwarz und Weiss, Schatten und Dämmerung?
Immerhin gibt das einer Putzfrau Arbeit, der wir danach zusehen dürfen.
Man sieht sicher auch ohne Kenntnis der Handlungsbeschreibungen, dass es sich hier um einen Intrigantenstadel handelt. Programmhefttexte erzählen mit Namen von Personen und Firmen etwas von heutigen Lobbyismus genannten Einflüssen und Abhängigkeiten zwischen Wirtschaft und Politik. „Du bist Brabant“ steht über der Szene des zweiten Aktes, „Vertrauen in Deutschland“ wird im dritten Akt per Losung eingefordert.
Im Brautgemach sehen wir unter anderem auf am Fenster vorbeiziehende Wolken; landläufig ist das der Alptraum der Darsteller vieler Naturbühnen, dass sich das Publikum vom Bühnengeschehen abwenden könnte, um den vorbeiziehenden Wolken nachzuschauen.
Man ist schon über Leichen gegangen, hat Fahnen geschwungen wenn Gottfried, wir sind wieder bei Wagners Mythos-Stoff, aus dem Schnürboden herunterschwebt. Dabei werden die Scheinwerfer zum Blenden ins Publikum gerichtet.
Martin Gregor-Dellin schloss seinen Wälzer der Wagner-Biografie mit den Worten: „Was folgte, ist Nachwelt, eine andere Geschichte, ohne Wagner, und fern ist Heute, von ihm getrennt durch Katastrophen.“ In den Anmerkungen findet sich Gregor-Dellins Kommentar zu Deutungen der Figuren aus dem „Ring des Nibelungen“: „Hagen als Wiedergeburt wäre Hitler usw., aber wozu gibt es Inszenierungen?“ Man kann hinzufügen: „Und dann ist in jedem Fall der alte Wagner an allem Schuld!“
Dessauer Unikat
Zeitreisen auf mehreren Ebenen sind im Theater üblich. Bei Richard Wagners „Lohengrin“ im Anhaltischen Theater Dessau schmilzt der von Wagner geschriebene Mythos zur großen Gefahr in Form von wieder einmal neuen Leitfiguren und Aufmärschen, die mit Wappen und Liederbüchern Seelen fangen. Musiktheater, bei dem zum alten Soundtrack sehr viel zu sehen ist. Sänger sind zu hören, deren Namen man sich merken kann, weil die wagnersingende Reisegemeinde überschaubar ist. Immerhin eine Version anno jetzt, 2009, ein Dessauer Unikat.
Nächste Vorstellungen im Anhaltischen Theater Dessau: 22. November, 27. Dezember 2009, 4. Februar, 3. April, 13. Mai 2010
www.anhaltisches-theater.de
03.11.2009, 13:36 | tags:
Spielzeit
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Raus aus der Vergangenheit
André Bücker vollbringt am Anhaltischen Theater in Dessau einen auf ganzer Linie überzeugenden Neustart als Nachfolger von Johannes Felsenstein
Eine Putzfrau, ausgerechnet eine Putzfrau ist es, die zur Augenzeugin der Verschwörung wird: Im verwüsteten Plenarsaal, wo Luftballons zwischen umgeworfenen Stühlen liegen, blickt sie schweigend auf den abgesetzten Herrscher und seine First Lady herab. Und während sich die Anhänger des Gewesenen spätestens in diesem Augenblick auf radikale Ablehnung einigen, sehen all jene, die auf das Kommende gehofft haben: Hier findet tatsächlich ein Akt der Reinigung statt, ein Kehraus jener Tradition, die auf dem Anhaltischen Theater zuletzt bleischwer lastete.
Nichts weniger hatte André Bücker für seine erste Dessauer Spielzeit angekündigt, nichts weniger hat sein Team mit dem ersten Premierenwochenende gehalten: Der Premieren-Hattrick aus Einar Schleefs „Abschlussfeier“, Richard Wagners „Lohengrin“ und Gotthold Ephraim Lessings „Nathan der Weise“ war eine politische und poetische Ansage, die in ihrer programmatischen Geschlossenheit wie in ihren ästhetischen Differenzen zu schönsten Hoffnungen für die Zukunft berechtigte. Dass sich der neue Generalintendant dabei in nobler Zurückhaltung übte und seine eigene Inszenierung an den Schluss des großen Theater-Festes stellte, durfte nach den Tagen des Patriarchen Johannes Felsenstein als Bekenntnis zum demokratischen Miteinander verstanden werden.
Die Fallhöhe seines „Nathan“ aber ist gleichwohl himmlisch: Rechas Vision, die einen Engel statt des Tempelherrn für ihre Rettung aus dem Feuer verantwortlich macht, wird als Prolog auf der großen Showtreppe zwischen Erde und Wasser, Feuer und Luft sichtbar beglaubigt. Im elementaren Bühnenbild von Suse Tobisch, die auch für die sakrale Haute Couture der Kostüme verantwortlich zeichnet, liest das neue Ensemble fortan einen alten Text, als wäre er ein Stück von heute. Uwe Fischers Nathan ist kein statuarischer Weiser, sondern ein von Kleinmut und Zweifeln getriebener Mensch, der sich seine Güte mühsam erarbeiten muss – und eigentlich lieber sein Gärtchen bestellen würde. Doch seitdem der selbstbewusste, kraftstrotzende Tempelherr (Sebastian Müller-Stahl) seine traumverlorene Adoptivtochter Recha (Ines Schiller) aus den Flammen getragen hat, bleibt ihm weder Zeit für seinen skurrilen Derwisch-Freund (Thorsten Köhler) noch für die Glaubensnöte seiner Dienerin Daja (Eva-Marianne Berger), die unter der Last ihrer Kruzifixe zusammenzubrechen droht und vom vielen Beten schon Pflaster an den Knien hat. Zwischen dem bigotten Patriarchen (Gerald Fiedler) und dem leichtsinnig toleranten Kampfsportler Saladin (Stephan Korves) muss der Jude sein höchstes Gut verteidigen – und gleichzeitig die Begehrlichkeiten von Sittah (Antje Weber) abwehren. Wie gut, dass wenigstens der Klosterbruder (Henning Kober) als Deus ex machina hält, was sein mit Heiligenbildchen bestickter Kittel verspricht …
André Bücker glückt es auf überraschende Weise, den Humor des Lessing-Textes als Geschmacksverstärker für die Bitterkeit freizulegen, er schlägt in der überwältigenden Körperlichkeit seines Ensembles einen gleichermaßen natürlichen wie hohen Ton an – und läuft am Ende in einhellige Begeisterung, nachdem sich am Vorabend ein Sturm aus Buh- und Bravo-Rufen über seine neue Chefregisseurin ergossen hatte. Dabei war auch Andrea Moses mit ihrem „Lohengrin“ ein großer Wurf gelungen: Sie hatte nicht nur den schimmernden Helden als Demagogen entzaubert, der mit seinem Frageverbot einen esoterischen Faschismus etabliert. Sie hatte zugleich den Hochbunker aus dem Jahr 1938 in all seinen gigantischen Möglichkeiten ausgeschöpft – und mit dem Haus auch die Menschen bewegt.
Denn dies war die frappierendste Neuerung ihres Abends, der in Christian Wiehles Ausstattung Schnürboden und Versenkung, Hinter- und Seitenbühne beansprucht: Ihre individuelle und präzise Figurenführung löste endlich jene musiktheatralische Qualität ein, die in den letzten Jahren vor Ort meist zur bloßen Behauptung verkommen war. Der Chor, verstärkt um Mitglieder des Extrachores und des freien Coruso-Ensembles, zeigte sich unter der Leitung von Helmut Sonne sängerisch wie darstellerisch in der Form seines Lebens, die Anhaltische Philharmonie spielte unter Antony Hermus gar weit über ihren bisherigen Möglichkeiten. Wie hier die Szene aus dem Klang geschöpft und in den Ton zurückgeführt wurde – das hatte Charme und Kraft, das war eine Verführung zum Denken und ein Bekenntnis zum „Bayreuth des Nordens“.
Dass sich neben den verlässlichen Konstanten Ulf Paulsen (Telramund) und Iordanka Derilova (Ortrud) ein neues Sängerensemble behauptete, von dem man sich künftig viel erwarten darf, rundete den positiven Eindruck: Pavel Shmulevich ist ein viriler König Heinrich, neben dem auch sein Heerrufer Wiard Witholt glänzende Figur macht. Und während Bettine Kampp als zunächst narkotisiertes Opfer Elsa allmählich zur selbstbewussten Frau reift, die als Einzige dem militanten Sog der New-Age-Gemeinde entrinnt, muss Andrew Sritheran in seinem Rollendebüt als Lohengrin zwar Lehrgeld zahlen. Er rettet sich – von Antony Hermus treulich geführt – aber mit Bravour über den Abend und wird an dieser Rolle gewiss weiter wachsen. Dass das gesamte Ensemble am Ende zudem wie ein Mann applaudierend hinter seiner Regisseurin stand, die drei Tage nach ihrem Dessauer Einstand mit der Berufung an die Staatsoper Stuttgart bereits die nächste Karriere-Stufe nahm, war ein Beweis für den neuen Geist, der auf dieser großen Bühne weht – und der Andrea Moses auch darin bestärkt, ihren Dessauer Vertrag bis 2011 zu erfüllen.
Dass Armin Petras schließlich ein besonderes Geschenk zum Einstand mitbringen würde, hatte man angesichts seiner Affinität zum Werk von Einar Schleef vermuten dürfen. Und tatsächlich geriet die „Abschlussfeier“, die vom Clash der Kulturen in einer DDR-Jugendherberge erzählt, zu einem Schauspielerfest voll überdrehter, traurig grundierter Heiterkeit: Ursula Werner und Hilke Altefrohne, Julischka Eichel und Sabine Weibel gaben als Gorki-Gäste hier das Niveau vor, zu dem sich auch die Ensemblemitglieder Regula Steiner-Tomic und Christel Ortmann sowie der Jugendklub des Anhaltischen Theaters streckten. Aus der kleinen Spielstätte wuchs und öffnete sich dieser so kluge wie sentimentale Abend in die Stadt hinein. Und am Ende der großen Party in einem kleinen Land konnte man wissen, dass dort vielleicht nicht alles schlecht – aber ganz gewiss gar nichts gut war.
Dass bereits in der ersten „Lohengrin“-Pause das neue Gästebuch mit dem Eintrag „André Bücker absetzen“ eröffnet worden war, erzählte viel über die Aufnahmebereitschaft der Alten für das Neue. Das letzte Wort aber hatte der Hausherr selbst: Nachdem ein Kinderchor die drakonische Strafe für Menschlichkeit zunächst noch mit „Hallelujah“ bejubelt hatte, schwebte am Ende eine bunte Leuchtschrift über der Szene: Ein roter Halbmond bildete das „C“, ein Davidsstern das „X“ und ein Kreuz das „T“ in dieser Aufforderung, die sich insgesamt als „Coexist“ lesen ließ. Und Nathan, dieser Mensch von Hier und Heute, pflanzte endlich seinen Baum. Was für ein Bild, welch ein Versprechen!
02.11.2009, 20:35 | tags:
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Ute van der Sanden, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 03.11.2009
Triumphzug des Belcanto
Neue und alte Sängerinnen und Sänger des Anhaltischen Theaters übertrumpfen sich in «Serata di Gala»
Beide Konzertmeister der Anhaltischen Philharmonie lächelten beim Betreten der Bühne ins Publikum. Man müsste den Satz glatt noch einmal hinschreiben, so außerordentlich erschien, was sich am Freitag im Theater zutrug. Dabei wurden die frohen Gesichter von Myra van Campen-Bálint und ihrem Stellvertreter Martin Schulze, so imposant sie zunächst wirken mochten, mehr und mehr zur Marginalie. Knapp 900 Menschen erlebten im beinahe ausverkauften Großen Saal die Premiere der "Serata di Gala". Sie genossen eine Vorstellung der romantisch-dramatischen Oper, die italienischer geriet, als man zu hoffen gewagt hatte, und die somit die meisten Erwartungen übertroffen haben dürfte.
Nicht, dass man das Dessauer Publikum mit einem Gefälligkeitsprogramm aus Bravourarien und Ohrwürmern geködert hätte. Neben Ausschnitten aus Verdis "Traviata" und "Don Carlo", aus Puccinis "Manon Lescaut" und "La Bohéme" erklangen Raritäten, etwa aus Leoncavallos "Zazà". Gewiss gilt die italienische Oper den Sängern als willkommene Herausforderung. Sie zeigen, was sie drauf haben, und das Publikum liebt sie dafür. Hier kam es noch besser, denn zunehmend war den Solisten ihr Auftreten mehr Vergnügen als Dienst.
Con fuoco ließ Generalmusikdirektor Antony Hermus schon Verdis "Sizilianische Vesper" von der Bühne zischen. Was nach der Ouvertüre geschah, sprach für sich. Ulf Paulsen sang mit wie durch ein Wunder erholter Stimme aus "Andrea Chenier", bekam Bravos und lief lachend in die Gasse. Cornelia Marschall brillierte in Mascagnis "Lodoletta" mit lupenreinen Sprüngen und gab eine herrlich vitale Musette in "La Bohéme", auch sie klang ausgeruht. Als Iordanka Derilova in tomatenroter Robe gen Rampe wehte, ging ein Raunen durch Publikum und Orchester. Sie sang mit Andrew Sritheran aus "Tosca", dass einem das Herz aufgehen wollte, und ihre "Turandot" war die reinste Raserei. Kostadin Arguirov gestaltete den Auftritt des besorgten Germont mit stimmlicher und szenischer Kraft. Ob sie alle sich und ihre Stimmen neu gefunden haben? Oder wieder?
Die kürzlich engagierten Solisten taten das Ihrige. Angelina Ruzzafante begeisterte mit strahlender oberer Lage und exzellenten Koloraturen. Das Finale des ersten "Traviata"-Akts krönte sie mit dem hohen Es aller wahrhaften Primadonnen. Bassist Pavel Shmulevich ist, wie seine "Don Carlo"-Arie "Ella gaimmai m'amo" zeigte, ein Filippo, wie er im Buche steht. Andrew Sritheran und Wiard Witholt, der neue lyrische Bariton mit ungewöhnlich weichem Timbre, begegneten sich im vierten Akt der "Bohème" auf erfrischende Weise "in un coupé". Schließlich das "Libiamo" aus der "Traviata" zum Mitklatschen und Mitsingen - da war's für alle ein großer Spaß. Antony Hermus atmete mit den Sängern und verführte seine Musiker mit liebenswertem Enthusiasmus zu rasantem, federndem oder kantablem Spiel. Nicht unerwähnt dürfen die Glanzvorstellungen des Solocellisten Matthias Wilde im "Manon"-Vorspiel und in der Arienbegleitung zu "Don Carlo" bleiben.
Kein Wunder also, dass sich das Publikum von Auftritt zu Auftritt in seine Begeisterung hineinjubelte und lostobte, kaum dass die Sänger ausgeatmet hatten. Die kurzweilige Gala mit einer Dauer von drei Stunden hatte zwar keine Längen, war nach der Pause allerdings auch nicht mehr steigerungsfähig.
Heribert Germeshausen, neu am Haus als leitender Musikdramaturg, kam ebenfalls auf den Punkt. Er sprach über Libretti, Orchestrierung und Personalstile - kurz und bündig, ernsthaft und kundig. Seine Moderation trug er auswendig vor, nur ein Bellini-Zitat las er ab: "Die Oper muss Tränen entlocken, die Menschen schaudern machen und durch Gesang sterben lassen". In diesem Sinn ist das Ensemble des Anhaltischen Theaters vor sein Publikum getreten. Mit Superlativen soll man bekanntlich vorsichtig sein, hier sind sie angemessen: Ein Wettstreit der Sänger, ein Fest der Stimmen, ein Triumphzug des Belcanto, in und für Dessau - bravissimo!
Nächste Vorstellung am Sonnabend, 14. November, 17 Uhr.
02.11.2009, 20:06 | tags:
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Roberto Becker, Freies Wort, 15.10.2009
Macht haben immer die anderen
Oper | Andrea Moses gelingt mit ihrem „Lohengrin“ ein fulminanter Einstieg als Chefregisseurin in Dessau
Es ist fast schon unheimlich: Genau am Tag der Premiere von Andrea Moses‘ „Lohengrin“ in Dessau stirbt Reinhard Mohn, Gründer und spiritus rector der Bertelsmann-Stiftung. Aus solchen Denkfabriken beziehen politische Eliten heute einen Gutteil ihres geistigen Strategie-Dopings. Und das ist in Andrea Moses‘ ersten großen Wagner-Inszenierung ein Thema. Wenn man genau hinsieht, dann liefert der Wunderritter, der aus dem Nichts auftaucht, sich jede Nachfrage nach seiner Herkunft und Legitimierung verbittet, aber Liebe und Gefolgschaft einfordert,
tatsächlich die Steilvorlage für eine Analyse der Manipulationsmechanismen, die die Politik heute selbst dann braucht, wenn sie, wie Barack Obama, glaubwürdig an einer Wende zum
Besseren interessiert ist.
Wenn der Dessauer Lohengrin schließlich mit einem Gefolge adretter Helferinnen, die ein
geistiges Geschenkpaket für jeden dabei haben, genau zum richtigen Zeitpunkt aus der Versenkungauftaucht, und erst dem König und dann Elsa die Hand reicht, dann sieht das in einem Glitzer- und Luftballonregen nicht von ungefähr so aus wie auf einem amerikanischen Wahlkongress. Auch in diesem modernen Bühnenbrabant
sind die tatsächlichen Strippenzieher (König Heinrich und sein Vize, der Heerrufer) bestens
via Handy mit ihrer Zentrale vernetzt. Und auch hier werden sie durch die diskreten Herren mit Sonnenbrille, Mitschreib-Laptop und Pistolen im Gurt geschützt. Vor Wackelkandidatinnen wie die psychisch offenbar etwas labile Thronerbin Elsa oder vor immer noch vergleichsweise klar denkenden Quertreibern, wie
Ortrud und Telramund. Weil die beiden sich als einzige nicht von der verteilten, neuen Bibel mit dem Schwanenlogo drauf oder dem Spruch über der Bühne „Menschen gestalten – Zukunft bewegen“ einwickeln lassen, werden sie bei Andrea Moses zu fast schon positiven Helden. Wobei natürlich auch die beiden der Manipulation
Widerstand entgegensetzen, um selbst beim Kampf um die Köpfe im Spiel zu bleiben.
Spannende Geschichte
Am Ende behalten die Mächte, die aus dem Hintergrund und ohne Legitimation herrschen, und ihre militärischen Expansionspläne mit Zustimmung der Massen umsetzen wollen, die Oberhand. Wenn Lohengrin im Brautgemach als eine Art Superberater und Politschauspieler im Solde der Herrschenden auffliegt (Telramund hat eine Filmkopie von der Geldübergabe!), zieht der zwar ab, sorgt aber für einen Ersatzmann, der aus dem Schnürboden einschwebt.
Vor diesem noch etwas unfertigen, willfährigen Gottfried freilich ist Elsa dann so entsetzt,
dass sie zu guter letzt doch noch zu sich kommt und aus dem Stück und von der Bühne flieht.
Was Andrea Moses abgeliefert hat, ist einen spannend erzählte Geschichte, die mit der
klassischen eine zweite, in ihr verborgene miterzählt, ohne die erste zu ignorieren. Das hat in
Christian Wiehles Bühne, zwischen dem Auditorium, dem sakralen Hochzeitsgerüst und dem
Hochzeitsbungalow über den Wolken einen Raum für spannende, durchweg exzellent erspielte Figurenporträts. Mit Sängerdarstellern von Format. Wie der schon in Meiningen gut bekannten Bettina Kampp, die die Elsa tatsächlich als eine etwas seltsam traumatisierte Frau durch die Welt taumeln lässt. Am Ende aber ist sie die einzige, die sich der um sich greifenden Kriegshysterie entziehen kann.
Andrew Sritheran hat als Lohengrin am Ende genügend Kraft für die sonst fast nie zu hörende komplette Gralserzählung. Der erweiterte Chor wächst stimmlich und darstellerisch über sich hinaus, und auch der neue GMD der Anhaltischen Philharmonie, Antony Hermus, kann den Abend als Erfolg für sich verbuchen. Sicher ging da auch manches schief, und ein so aufgemischter Hochzeitsmarsch ist
Geschmacksache – doch insgesamt gab es in Dessau nicht nur auf der Bühne, sondern auch aus dem Graben spannenden, faszinierenden Wagner. Dass Andrea Moses am Ende neben Begeisterung auch Widerspruch erntete, gehört bei Wagner irgendwie dazu. Ihr „Lohengrin“ jedenfalls knüpft an ihr Strauss-Doppel in Meiningen und ihre Weimarer „Turandot“ an. In Dessau jedenfalls sind spannende Theaterzeiten
angebrochen.
www.anhaltisches-theater.de
02.11.2009, 19:45 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
, Pressestimmen
Joachim Lange, Thüringer Allgemeine, 30.10.2009
Auf der Blutspur
Eisenachs Ex-Ballettchef Tomasz Kajdanski gelingt mit „Lulu“ ein starker Einstand in Dessau
Thüringen hat viel verloren, als der Eisenacher Ballettchef Tomasz Kajdanski zu Spielzeitbeginn nach Sachsen-Anhalt wechselte. Dem Anhaltischen Theater Dessau gelingt mit neuem Spitzenpersonal ein furioser Auftakt. Tomasz Kajdanski steuert dazu eine atemberaubende Version der „Lulu“ bei.
Natürlich profitiert die vertanzte „Lulu“ vom Schauspiel Frank Wedekinds und wohl noch mehr von Alban Bergs Oper. Auch wenn dessen Musik nur mit dem Ostinato aus der Lulu-Suite erklingt.
Doch die erste Produktion des neuen Ballettchefs Tomasz Kajdanski steht ganz für sich selbst. Kapellmeister Daniel Carlberg − auch neu − hat dafür nicht nur eine zwingende musikalische Tonspur aus passgenauen
Stücken von Rihm, Korngold, Antheil, Schönberg, Schostakowitsch und Boulez zusammengestellt, sondern interpretiert sie auch mit zwingender Präzision live mit der Anhaltischen Philharmonie.
Der 80-minütige Abend beginnt mit einem metaphorischen Coup: Eine barbusige Lulu thront in einem meterhohen roten Kleid vor einer gerahmten Videoleinwand. Am Ende liegt sie von Jack the Ripper ermordet zwischen den unzähligen Papieren, die im vorletzten Bild „Im freien Fall“ aus dem Schnürboden gefallen waren. Bis dahin wurde die charismatische Laura Costa Chaud als Lulu zum Fixpunkt der Begehrlichkeiten, ob nun von Dr. Schön (Juan Paolo Lastras-Sanchez), der Geschwitz (Yun-Ju Chen) oder dem Zuhälter Schigolch (Joe Monaghan). Und zum Opfer. Mit kraftvoller Virtuosität entfesselt Kajdanski nicht nur die Obsessionen und hält ein erstaunliches Tempo. Weder in den Soli noch in den expressiven Ensembleauftritten verfallen die 13 Tänzer auch nur einen Moment in Verlegenheitsaktionismus.
Die Bühne hat Dorin Gal zuerst durch eine halbrunde transparente Wand voller Türen und Fenster begrenzt. Als sich Lulu von Dr. Schön nicht zum Selbstmord zwingen lässt, sondern ihn erschießt, fällt ein weißer Vorhang mit einer hintersinnigen Blutspur. Nicht nur in der intelligent assoziativen und kraftvollen Virtuosität des Tanzes, sondern auch in ihrer kargen und gleichzeitig opulenten Ästhetik ist diese „Lulu“ ein Wurf!
Tomasz Kajdanski musste in Dessau gegen die Erinnerung an den hier äußerst beliebten und mit seiner DeSade-Kreation im Kraftwerk Vockerode tatsächlich Maßstäbe setzenden Gregor Seyffert antreten. Er hat die Herausforderung auf seine Weise angenommen und haushoch gewonnen.
Nächste Vorstellung: 7. 11.
29.10.2009, 17:01 | tags:
Anhaltische Philharmonie
Pressemitteilung vom 28.10.2009
Kammermusikreihe des Anhaltischen Theaters startet am Reformationstag
Im Schloss Georgium beginnt die Kammermusikreihe des Anhaltischen Theaters am 31. Oktober (Reformationstag) um 15:30 Uhr mit einem Konzert des Anhaltischen Streichquartetts (Martin Schulze, 1. Violine; Christiane Thal, 2. Violine; Claudia Michaelsen, Viola; Matthias Wilde, Violoncello). Zu hören sind das in Theresienstadt entstandene 3. Quartett von Viktor Ullmann, 4 Stücke für Streichquartett op. 81 von Felix Mendelssohn Bartholdy und als krönender Abschluss Robert Schumanns Klavierquintett op. 44 mit Wolfgang Kluge als Pianisten.
Karten für das Kammerkonzert gibt es an der Theaterkasse im Rathaus-Center und unter den Telefonnummern: 0340 2511 – 333 oder 0340 2400 – 258,
per mail: kasse@anhaltisches-theater.de und auch an der Kasse im Schloss Georgium am Tag der Vorstellung.
29.10.2009, 16:59 | tags:
Anhaltische Philharmonie
Pressemitteilung vom 28.10.2009
„Das Glück macht den Helden“
Anhaltische Philharmonie Dessau lädt ein zum 2. Sinfoniekonzert
Nach dem überaus erfolgreichen Auftaktkonzert mit Werken von Brahms, Wagenaar und Dvorák bringt auch das 2. Sinfoniekonzert der Anhaltischen Philharmonie unter der Leitung ihres neuen Generalmusikdirektors Antony Hermus eine ausgewogene Mischung aus Bekanntem und Unbekanntem.
Das „Sinfonische Vorspiel“ von Heinz Röttger, bisher noch nie in Dessau erklungen, eröffnet aus Anlass des 100. Geburtstages (6. November) des früheren Dessauer Generalmusikdirektors das Programm. Trotz der hörbaren Vorbilder Strauss und Bruckner ist es ein Werk des Aufbruchs, in dem der damals 27-jährige Röttger sich als souveräner und einfallsreicher Komponist präsentiert.
Der 50. Todestag des tschechischen Komponisten Bohuslav Martinů ist der Anlass, sein Concertino Nr. 2 (1933) zu Gehör zu bringen, in dem ein Klaviertrio und ein Streichorchester in musikalischen Wettstreit miteinander treten. Solisten in diesem vitalen und virtuosen Stück sind die Musiker des Storioni-Trios aus Amsterdam, eines relativ jungen Ensembles, das sich jedoch mit seinem breiten Repertoire und seinen begeisternden Interpretationen bereits einen guten Namen in der Musikwelt erworben hat. Seinen Namen verdankt das Trio übrigens der von Wouter Vossen gespielten Violine – einem von Laurentius Storioni 1764 in Cremona gebauten Instrument. Das Cello spielt Vossens Bruder Marc, das Klavier Bart van de Roer.
Wie im 1. Sinfoniekonzert steht auch im 2. wieder ein Dauerbrenner des sinfonischen Repertoires auf dem Programm. Einst als „äußerst schwierig, ... grell und bizarr“, gar als „sittenverderbend“ bezeichnet, hat Beethovens 3. Sinfonie auch heute noch nichts von ihrer aufregenden Kühnheit eingebüßt – kein Wunder, galt diese „Sinfonia eroica“ doch ursprünglich einem der kühnsten Zeitgenossen Beethovens: Napoleon Bonaparte. An beiden Konzertabenden (5. und 6. November, Beginn jeweils 19.30 Uhr) geben GMD Antony Hermus und Musikdramaturg Ronald Müller ab 18.30 Uhr im Foyer eine Einführung. Das Konzert wird von Deutschlandradio Kultur aufgezeichnet.
Mit Werken von Röttger, Martinů, Beethoven
Dirigent: GMD Antony Hermus | Solisten: Storioni-Trio Amsterdam
Am 5. und 6. November 2009, 19:30 Uhr im Großen Haus
Karten für das 2. Sinfoniekonzert gibt es an der Theaterkasse im Rathaus-Center und unter den Telefonnummern: 0340 2511 – 333 oder 0340 2400 – 258 bzw. per mail: kasse@anhaltisches-theater.de.
29.10.2009, 16:55 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
Pressemitteilung vom 29.10.2009
Premiere für die zweite LULU
Tanztheater Uraufführung von Tomasz Kajdanski nach Frank Wedekind
Nachdem die erste Premiere „Lulu“ vom Publikum stürmisch gefeiert wurde, lädt das Anhaltische Theater zu einer weiteren „Lulu“ Vorstellung, die gleichzeitig den Charakter einer Premiere trägt, am 7. November, um 19:30 Uhr im Großen Haus ein. Die Rolle der „Lulu“ wird diesmal von Yuliya Gerbyna getanzt. Mit „Lulu“ gaben der neue Ballettdirektor Tomasz Kajdanski und sein Ensemble ihr Debut in Dessau. Zu erleben ist ein Tanzthriller, live begleitet von der Anhaltischen Philharmonie unter Daniel Carlberg, die Musik von Alban Berg, Arnold Schönberg, Erich Wolfgang Korngold, Wolfgang Rihm, George Antheil, Pierre Boulez und Dmitri Schostakowitsch erklingen lässt.
Die Besonderheit dieser Inszenierung besteht in den zwei Besetzungen der Titelrolle der Lulu, bei denen es sich nicht um eine klassische Doppelbesetzung handelt. Kajdanski legt besonderen Wert darauf, dass beide Tänzerinnen in ihren jeweiligen Lulu-Vorstellungen den Zuschauern eine völlig andere tänzerische Darstellung der Titelrolle bieten werden, so dass man die Vorstellung unbedingt zweimal besuchen sollte. Jede der beiden Tänzerinnen verkörpert eine ganz andere Lulu. Beide bringen ihre eigenen expressiven Emotionen und Sichtweisen in die Darstellung ein und haben – auch wegen ihrer kulturellen Hintergründe, die sie aus ihren Heimatländern Brasilien und der Ukraine einbringen – eine unterschiedliche Körperlichkeit auf der Bühne. Kajdanski: „Man verliebt sich ja auch in verschiedene Frauentypen. Ich bin sicher, die Zuschauer werden mir recht geben, wenn sie beide Vorstellungen besucht haben und die zwei verschiedenen Tänzerinnen der Lulu gesehen haben.“
Joachim Lange schrieb in seiner Frühkritik für die online Seite kultiversum, die „Lulu“ sei ein Wurf, nicht nur in der intelligent assoziativen und kraftvollen Virtuosität des Tanzes, sondern auch in ihrer kargen und gleichzeitig opulenten Ästhetik.
28.10.2009, 11:10 | tags:
Spielzeit
, Ballett
, Anhaltische Philharmonie
, Pressestimmen
Helmut Rohm, Zerbster Volkstimme, 27.10.2009
Gefeierte Ballettpremiere am Theater Dessau
„Lulu“ – gescheiterte „Urgestalt des Weibes“
Barbusig und im überdimensionierten roten Kleid, einem (fragwürdigen) Denkmal gleich, wird Lulu als „Urgestalt des Weibes“ präsentiert. Videosequenzen vermitteln mehr schemenhaft Einblicke in ihr bisheriges, von Sex und Prostitution geprägtes Leben.
Am Anhaltischen Theater Dessau hatte das Ballett „Lulu“ seine vom Premierenpublikum gefeierte Uraufführung. Die Choreografie schuf der neue Dessauer Ballettchef Tomasz Kajdanski nach Frank Wedekinds Lulu-Tragödie. In zwölf expressiven Bildern zeichnet
Kajdanski das dramatische Leben und den Untergang der wunderschönen und lebenshungrigen Lulu nach. Nur scheinbar lebt sie ihre eigenen Wünsche, Begehrlichkeiten und Fantasien aus. Vielmehr ist sie gefangen, wird ständig getrieben, ist Spielball männlicher
Dominanz, den Verstrickungen und Intrigen ausgesetzt, emotional korrumpiert. Kajdanski ist eine spannungsgeladene Balance zwischen konsequenter Symbolträchtigkeit und einer bis ins feinste Detail wirkenden Körpersprache der handelnden Personen in ihrer sehr differenzierten bewegenden Persönlichkeitsstruktur gelungen.
Die harmonische Verknüpfung von ausgeprägtem klassischen Ballett und modernen Ausdrucksformen kommt völlig ungezwungen daher, setzt auch spannende Kontraste.
Und die Dessauer Ensemblemitglieder beherrschen diese Symbiose ausgezeichnet. Laura
Costa Chaud, die gesamten pausenlosen gut 80 Minuten fast durchtanzend, gestaltet die Lulu als einen wahren Gefühlsvulkan, der alle Facetten ihres rasanten Lebens offenlegt, den Zuschauer mitfühlen lässt. Schigolch, ihr mutmaßlicher Vater, erhält von Joe Monaghan eine geheimnisumwitterte Machtausstrahlung. Hervorzuheben auch Juan Pablo Lastras-Sanchez als Dr. Schön und Yun-Ju Chen als lesbische Gräfin Geschwitz.
Bravourös interpretiert die Anhaltische Philharmonie unter Daniel Carlberg die ausgewählten Kompositionen unter anderen von Rihm, Antheil, Alban Berg, Korngold, Schönberg und Schostakowitsch. Ein Halbrund mit vielen Türen ist optisches Zentrum des unaufdringlich aussagekräftigen Bühnenbildes von Ausstatter Dorin Gal. Kajdanski bezeichnete es als Destillat aus Bordell, Peep Show Location und Zirkus. Für Lulu ist es, trotz Strebens nach Freiheit und Unabhängigkeit, ein lebenslanges Gefängnis. Und das Rot der (gekauften) Liebe ertrinkt im Blutrot des Todes.
27.10.2009, 13:31 | tags:
Anhaltische Philharmonie
, Diverses
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 27.10.2009
Dirigentengipfel eröffnet das «Impuls»-Festival
Sachsen-Anhalt entdeckt die Neue Musik. 20 Veranstaltungen sind geplant
So kann Neue Musik auch klingen: Zwei Gruppen junger Leute klatschen einen einfachen Rhythmus, tricky wird das Ganze, weil die einen leicht zeitversetzt die Hände schlagen. Das Klatschen geht auseinander, überlagert sich und am Ende finden die Töne wieder zusammen. "Das ist Minimalmusik der besten Sorte", findet Hans Rotman. Der Niederländer ist der Intendant des "Impuls"-Festivals, das am Montag in Dessau eröffnet wird. In dieser Woche stellten Rotman und sein Team, zu dem sich auch Sachsen-Anhalts Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz gesellte, das "Impuls"-Programm auf der Bauhausbühne vor.
"Impuls" ist das Festival des Landes für Neue Musik. Den ersten Jahrgang rief Rotman vor einem Jahr ins Leben, die 2009er Neuauflage hat nach wie vor den Anspruch, Zuhörer für die Neue Musik zu gewinnen. "Wir hätten heute kein musikalisches Erbe, wenn nicht zu allen Zeiten Leute die zeitgenössische Musik gefördert hätten", freut sich Olbertz auf den Auftakt im Anhaltischen Theater.
Um 19.30 Uhr ist am Montag auf der Großen Bühne der "G6 Dirigentengipfel" zu hören. Die musikalischen Leiter aller großen Orchester Sachsen-Anhalts werden binnen eines Konzertes an das Pult vor die Anhaltische Philharmonie treten. Sein Orchester auch mal den anderen zu überlassen, stellt für Antony Hermus, Dessaus Generalmusikdirektor, kein Problem dar. Nach ersten Proben sagte er: "Es ist interessant zu beobachten, wie unterschiedlich die Kollegen mit neuer Musik umgehen. Das bereichert mein Orchester nur."
Wenn der Landesmusikrat sich anlässlich von "Impuls" wünscht, dass vom Festival eben Impulse ausgehen und sich die Orchester auch darüber hinaus mit Neuer Musik beschäftigen, dann funktioniert dies in Dessau schon bestens. "Bei uns ist neue, moderne und zeitgenössische Musik permanent vertreten," so Hermus. Beim "Dirigentengipfel" am Montag wird er ein Stück von John Adams dirigierten, George Antheils "A Jazz Symphony" von 1955, dirigiert von Hans Rotman, ist das älteste Stück des Abends. Ein ganz neues Werk steuert mit der Uraufführung Annette Schlünz bei. Schlünz, in Dessau geboren und aufgewachsen, ist eine der erfolgreichsten Komponistinnen in Deutschland.
Gut 20 Veranstaltungen listet das "Impuls"-Programm bis zum 15. November in Sachsen-Anhalt insgesamt auf. Veranstaltungsorte sind neben Dessau auch Magdeburg und Halle sowie Wernigerode, Halberstadt und Quedlinburg. Neben Jugendkonzerten und Familienkonzerten sind vor allem die Orchestertreffen zu nennen, die es in den drei größten Städten des Landes gibt. Dabei trifft das Impuls Percussion Ensemble auf die jeweiligen Orchester vor Ort, zusammen werden vier Werke von Komponisten des Landes, die sich an das Thema "Odyssee" anlehnen, zur Aufführung gebracht. Das Orchestertreffen 3 wird es am 12. November im Roßlauer Elbe-Werk geben.
Alle Konzerte, so informierte Festival-Intendant Hans Rotman, werden übrigens moderiert. "Die Vermittlung für Neue Musik fängt ja schon bei den Musikern an. Sie müssen genauso Stück für Stück verführt werden wie das Publikum." Hilfreich sei es deshalb in jedem Falle, auch etwas über die Komponisten zu erfahren.
Alle Infos unter www.impulsfestival.de
Tickets gibt es an den Theaterkassen.
27.10.2009, 09:33 | tags:
Spielzeit
, Schauspiel/Musiktheater
, Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
, Lohengrin
Reinhard Wengierek, Die Welt, 27.10.2009
Massen im Gleichschritt
Heute Dessau, übermorgen Stuttgart: Andrea Moses inszeniert einen fulminanten "Lohengrin"
Die sagenhaft 215. Spielzeit am Anhaltischen Theater zu Dessau wurde trompetenschrill und violinensüß eröffnet. Die komplett neue Führung unter Generalintendant André Bücker will den zuletzt ziemlich angestauten Muff hinwegfegen, den Ex-Intendant Johannes Felsenstein - Sohn des Opernavantgardisten Walter Felsenstein - in seiner Amtszeit von geradezu stalinistischem Ausmaß hinterließ.
Das Opern-Opening, flankiert von zwei Mal Schauspiel - eine Schleef-Uraufführung unter Armin Petras und Lessings "Nathan" unter Bücker -, dieser Start mit Wagners "Lohengrin" in Regie von Andrea Moses (Opern- und Schauspielchefin) und Antony Hermus (Generalmusikdirektor) war, um es gleich zu sagen, ein Paukenschlag von metropolitaner Kraft, der obendrein anspielt auf die Geschichte des einst von fürstlichen Gnaden gegründeten Instituts, das als ein "Bayreuth des Nordens" galt. Und das auch aus diesem Grunde (und um den "wehrwirtschaftlich" bedeutenden Standort zu umglänzen) von den Wagnerianern an der Nazi-Spitze 1938 einen deutlich überdimensionierten Neubau spendiert bekam.
"Lohengrin" handelt von der verbreiteten Sehnsucht nach einem machtvollen Führer ins Glück, einem verlässlichen Daseinsbeschützer - und obendrein selig machenden Liebhaber. Der Ritter Lohengrin - Andrew Sritheran als starker Mann im Business-Dress mit knallroter Krawatte - als Retter aus verfahrenen Situationen im Sozial-Politischen wie Privat-Erotischen, der jedoch, Wagners dramatischer Kniff, nur zu funktionieren imstande ist bei bedingungsloser Hingabe der sich ihm Anvertrauten: das Volk von Brabant in Kostüm und Anzug sowie die unglücklich einsame Elsa (Bettine Kampp).
Doch es klappt nicht, obgleich schicke Lohengrin-Hostessen unentwegt indoktrinäre Anleitungen zum rechten Glauben an den großen Meister verteilen. Weil: Die Glückseligkeit, die sich die formierte Mehrheitsgesellschaft durch blinde Gefolgschaft erkaufen will, wird von einer kritischen, dabei allerdings auch nicht froh werdenden Minderheit (Elsa; Ortrud: Iordanka Derilova; Telramund: Ulf Paulsen) unmöglich gemacht. Der gebückte Gang unterm Zwang gottgleich sich erhebender Führerfiguren führt nicht ins Heil - das erzählt Andrea Moses so schlüssig wie überraschend heutig. In psychedelisch-sakralen, düster schicken Versammlungsräumen von Christian Wiehle, nicht unähnlich den Hallen der Scientology-Church. Überm Bühnenportal prangt in knalligen Lettern die perfide Losung: "Menschen gestalten, Zukunft bewegen".
Es ist die Beschwörung einer böse dräuenden, quasi-religiös faschistoiden Dunkelwelt. Unheimlich gerade auch dadurch, dass sie in märchenhaftem Schönklang der Anhaltischen Philharmonie sowie nicht ohne menschelnde Komik erscheint. Ein präzis geführtes Spiel, das stringent aufs Tragödische zielt. Auf das wuchtige Warnbild vorm heillosen Gleichschritt-Marsch der Masse ins Manipulierte, Fremdbestimmte, der renitente Individuen überrennt und ausstößt.
Großes Gegenwartstheater mit Wagner als frappierend selbstverständlichem Zeitgenossen. Eine der plausibelsten "Lohengrin"-Produktionen hierzulande; Bayreuth aufgemerkt. Und obendrein die allerbeste Empfehlung für Regisseurin Moses, die in zwei Jahren gemeinsam mit Intendant Jossi Wieler Stuttgarts Staatsoper als Hausregisseurin beglücken wird.
Termine: 22. November, 27. Dezember; Karten: (0340) 25 11 333
26.10.2009, 07:28 | tags:
Spielzeit
, Ballett
, Anhaltische Philharmonie
, Pressestimmen
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 26.10.2009
Tanztheater
Der dunkle Spiegel der Lust
Tomas Kajdanski gelingt mit «Lulu» nach Wedekind ein beeindruckender Einstand in Dessau
Ihre Seele ist längst tot, ihr Körper aber will einfach nicht sterben: Obwohl Lulu diesen einzigen, von ungezählten Berührungen längst abgenutzten Besitz am Ende sogar Jack the Ripper vor die Füße geworfen hat, findet sie auch unter seinen mörderischen Händen keine Erlösung. Die öffentliche Frau, die auf dem schmalen Grat zwischen Lust und Schmerz tausend kleine Tode gestorben ist, bäumt sich immer wieder auf, bis Muskeln und Nerven endlich Ruhe geben. Und die Welt wird schwarz - so, wie sie war, bevor Lulu kam.
Tomasz Kajdanskis Entscheidung, seine Dessauer Ballett-Direktion mit einer Adaption von Frank Wedekinds "Lulu"-Dramen zu eröffnen, schien im Vorfeld so originell wie gewagt. Denn einerseits ist die Geschichte der jungen Frau, die jedermann als Objekt seiner persönlichen Begierde erscheint, ein ideales Sujet für die erotischste unter den darstellenden Künsten.
Schwarz-Weiß im Rotlicht
Andererseits muss man sich vor Ort am "Marquis de Sade" messen lassen, der in den vergangenen Sommern eine schwarze Messe der Lust gefeiert hat. Kajdanski aber richtet seine Arbeit an anderen Skalen aus: Seine "Lulu" ist kein multimediales Spektakel, sondern ein furioser Tanzabend - und eine Hommage an die Klassische Moderne, der in der Stadt des Bauhauses und des Weill-Festes wie eine ästhetische Punktlandung wirkt.
Dafür sorgt zunächst das musikalische Tableau: Mit Werken von Arnold Schönberg, Alban Berg, Erich Wolfgang Korngold und George Antheil, aber auch von Dmitri Schostakowitsch, Pierre Boulez und Wolfgang Rihm gibt der neue Kapellmeister Daniel Carlberg einen beeindruckenden Einstand. Die Anhaltische Philharmonie, die in ihrer Geschichte eher auf die erste als auf die zweite Wiener Schule verweist, musiziert mit messerscharfem Intellekt und kontrollierter, nicht nachlassender Energie. So wird dem Tanz ein fester und federnder Boden bereitet, wie ihn keine Ton-Konserve zu bieten hat.
Das erste Bild ist Programm: Wie eine überlebensgroße Bienenkönigin steht Lulu mit entblößtem Oberkörper in dem halbrunden Peep-Show-Theater, dem Ausstatter Dorin Gal mit gläsernen Türen jede Intimität verweigert. Unter dem roten Rock verschwinden und erscheinen all die Männer und Frauen, denen Lulu auf ihrem Weg in die Katastrophe begegnen wird - ein Akt des Gebärens und des Verschlingens, eine metaphorische Überhöhung der schwarz-weißen Videos aus dem Rotlicht-Milieu. Dass es Kajdanski fortan gelingt, selbst in der Nacktheit jede Peinlichkeit zu meiden und den Tanz als künstlerisches Äquivalent zur Sexualität zu behaupten, ist die bezwingendste Qualität des Abends. Denn hier wie dort gibt es ein breites Spektrum von Spielarten, das sich in den einzelnen Charakteren der ausnahmslos doppelt besetzten Solo-Rollen spiegelt. Da ist zunächst der Zuhälter Schigolch (Joe Managhan), der das Mädchen mit animalischer Kraft und dämonischer Dominanz zu Markte trägt. Da ist Lulus Geliebter Schön (Juan Pablo Lastras-Sanchez), der sein Selbstbewusstsein aus Erfahrung und Eleganz schöpft.
Auf Knien und Zehenspitzen
Da sind der platonische Schwärmer Schwarz (Gorden Wannhoff) und der liebeshungrige Alwa (Ion Beitia), der zupackende Kraft-Kerl Rodrigo (Rai Kirchner) und der nur noch als Schatten erinnerte Goll (Kengo Yamazaki). Und da ist die lesbische Gräfin Geschwitz (Yun-Ju Chen), die sich zunächst vor ihren eigenen Wünschen fürchtet und Lulu dennoch nach ganz unten folgt. Laura Costa Chaud aber spiegelt ihre Titelheldin in all diesen Figuren: Sie kann naiv und lasziv sein, sie bewegt sich auf Knien so selbstverständlich wie auf Zehenspitzen, sie ist rasend verführerisch und wahnsinnig erschöpft. Um dieses lodernde, in jedem Windzug flackernde Licht gruppiert Kajdanski seine schnell wechselnden Gestalten, die er aus dem klassischen Gleichmaß in individuellen Gestus, in ein atemraubendes Tempo und in beeindruckende Bilder bis hin zur Travestie treibt. In Dessau, das darf man nach der umjubelten Premiere vermelden, wird wieder getanzt. Und wie!
Nächste Vorstellungen: 7., 13. und 28. November, jeweils 19.30 Uhr
24.10.2009, 11:13 | tags:
Spielzeit
, Anhaltische Philharmonie
, Diverses
Ilka Hillger, Mittedeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 24.10.2009
Dirigentengipfel eröffnet das «Impuls»-Festival
Sachsen-Anhalt entdeckt die Neue Musik. 20 Veranstaltungen sind geplant
So kann Neue Musik auch klingen: Zwei Gruppen junger Leute klatschen einen einfachen Rhythmus, tricky wird das Ganze, weil die einen leicht zeitversetzt die Hände schlagen. Das Klatschen geht auseinander, überlagert sich und am Ende finden die Töne wieder zusammen. "Das ist Minimalmusik der besten Sorte", findet Hans Rotman. Der Niederländer ist der Intendant des "Impuls"-Festivals, das am Montag in Dessau eröffnet wird. In dieser Woche stellten Rotman und sein Team, zu dem sich auch Sachsen-Anhalts Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz gesellte, das "Impuls"-Programm auf der Bauhausbühne vor.
"Impuls" ist das Festival des Landes für Neue Musik. Den ersten Jahrgang rief Rotman vor einem Jahr ins Leben, die 2009er Neuauflage hat nach wie vor den Anspruch, Zuhörer für die Neue Musik zu gewinnen. "Wir hätten heute kein musikalisches Erbe, wenn nicht zu allen Zeiten Leute die zeitgenössische Musik gefördert hätten", freut sich Olbertz auf den Auftakt im Anhaltischen Theater.
Um 19.30 Uhr ist am Montag auf der Großen Bühne der "G6 Dirigentengipfel" zu hören. Die musikalischen Leiter aller großen Orchester Sachsen-Anhalts werden binnen eines Konzertes an das Pult vor die Anhaltische Philharmonie treten. Sein Orchester auch mal den anderen zu überlassen, stellt für Antony Hermus, Dessaus Generalmusikdirektor, kein Problem dar. Nach ersten Proben sagte er: "Es ist interessant zu beobachten, wie unterschiedlich die Kollegen mit neuer Musik umgehen. Das bereichert mein Orchester nur."
Wenn der Landesmusikrat sich anlässlich von "Impuls" wünscht, dass vom Festival eben Impulse ausgehen und sich die Orchester auch darüber hinaus mit Neuer Musik beschäftigen, dann funktioniert dies in Dessau schon bestens. "Bei uns ist neue, moderne und zeitgenössische Musik permanent vertreten," so Hermus. Beim "Dirigentengipfel" am Montag wird er ein Stück von John Adams dirigierten, George Antheils "A Jazz Symphony" von 1955, dirigiert von Hans Rotman, ist das älteste Stück des Abends. Ein ganz neues Werk steuert mit der Uraufführung Annette Schlünz bei. Schlünz, in Dessau geboren und aufgewachsen, ist eine der erfolgreichsten Komponistinnen in Deutschland.
Gut 20 Veranstaltungen listet das "Impuls"-Programm bis zum 15. November in Sachsen-Anhalt insgesamt auf. Veranstaltungsorte sind neben Dessau auch Magdeburg und Halle sowie Wernigerode, Halberstadt und Quedlinburg. Neben Jugendkonzerten und Familienkonzerten sind vor allem die Orchestertreffen zu nennen, die es in den drei größten Städten des Landes gibt. Dabei trifft das Impuls Percussion Ensemble auf die jeweiligen Orchester vor Ort, zusammen werden vier Werke von Komponisten des Landes, die sich an das Thema "Odyssee" anlehnen, zur Aufführung gebracht. Das Orchestertreffen 3 wird es am 12. November im Roßlauer Elbe-Werk geben.
Alle Konzerte, so informierte Festival-Intendant Hans Rotman, werden übrigens moderiert. "Die Vermittlung für Neue Musik fängt ja schon bei den Musikern an. Sie müssen genauso Stück für Stück verführt werden wie das Publikum." Hilfreich sei es deshalb in jedem Falle, auch etwas über die Komponisten zu erfahren.
Alle Infos unter:
www.impulsfestival.de
Tickets gibt es an den Theaterkassen.
22.10.2009, 20:23 | tags:
Spielzeit
, Ballett
, Anhaltische Philharmonie
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 22.10.2009
Ballett
Mit der Sprache des Tanzes Geschichten erzählen
Am Freitagabend hat im Theater der Tanzabend «Lulu» Premiere
"Wir haben keine Worte, wir singen nicht, wir können nur tanzen." Das aber können sie meisterhaft. Es ist eine Probe, auf der Dessaus Ballettchef Tomasz Kajdanski das sagt. Eineinhalb Wochen vor der Premiere für sein erstes Ballett in Dessau - "Lulu" nach dem Roman von Frank Wedekind - hat Kajdanski das Publikum eingeladen, sich einen so genannten Durchlauf auf der großen Bühne anzuschauen. Zu diesem Zeitpunkt ist die Choreographie längst abgeschlossen, jetzt lässt der Pole seine Tänzerinnen und Tänzer durchtanzen. Kraft und Kondition wird das geben für den Tanzabend. Fast 100 Zuschauer genießen auf der öffentlichen Probe einen ersten Blick auf die Produktion und die so ungewöhnliche Atmosphäre im Zuschauerraum.
Reihe 5 im Parkett ist reserviert. Dort ist das Regiepult aufgebaut, dahinter wird später Tomasz Kajdanski sitzen, aber auch immer mal wieder aufspringen, um auf die Bühne zu sprinten. Dort begrüßt er auch zu Beginn die Besucher. "Wir brauchen die Nähe des Publikums", sagt er und ist gespannt auf erste Reaktionen auf seine Arbeit. Er entschuldigt das, was beim Proben Alltag ist. Es gib keine Kostüme, die Kulissen sind noch in den Werkstätten, was jetzt auf der Bühne steht, deutet das Bühnenbild nur an, es herrscht ein kühles Arbeitslicht und die Musik kommt als rauschende Konserve vom Band.
Getanzt aber wird an diesem Abend ohne jegliche Einschränkung. Laura Costa Chauds Lulu steht minutenlang still auf der Bühne, umschwärmt vom Personal des Stückes. Und dann tanzt auch sie, und Kajdanski erzählt die Geschichte einer extremen Frau in einer männerdominierten Welt. "Im Ballett müssen die Bewegungen die Emotionen tragen, nur damit können wir den inneren Zustand beschreiben", gibt Tomasz Kajdanksi den Zuschauern mit auf den Weg, dann schaut auch er zu.
Unterbrechungen gibt es an diesem Abend kaum, und wenn, dann greift der Choreograph ganz nebenbei auf der Bühne ein, während das Ensemble weitertanzt. Als das große runde Sofa nicht so leicht über die Bühne rollt, wie es rollen soll, rennt Kajdanski hinauf, mal steht ein Stuhl nicht dort wo er stehen soll und er bringt ihn schnell aus den Kulissen herbei. "Wir haben auch beim Umbau noch nicht alles unter Kontrolle. Aber sagen sie es nicht weiter." Das Publikum lacht und ist ganz zuversichtlich. Über zehn Tage sind schließlich noch Zeit bis zur Premiere, als es diese Probe erlebt.
Inzwischen freilich steht "Lulu" direkt vor der Tür. Am Freitag erlebt man die Ballettinszenierung erstmals im Großen Haus, am Donnerstag gab es die Generalprobe, nun auch längst mit Bühnenbild, Kostümen, dem perfekten Licht und natürlich dem Orchester unter der Leitung von Daniel Carlberg. Der aber saß auch schon bei den anderen Proben mit Kajdanski hinter dem Regiepult, machte sich eifrig Notizen in die Partitur.
Alban Berg, Arnold Schönberg, Erich Wolfgang Korngold, Wolfgang Rihm, George Antheil, Pierre Boulez und Dmitri Schostakowitsch - das sind die Komponisten, von denen Musik am Premierenabend erklingen wird. Es sind keine gefälligen Kompositionen, die man da hört, eine Grundnervosität liegt ihnen allen inne, die perfekt mit dem Geschehen auf der Bühne verschmilzt.
Zwei Lulus hat Tomasz Kajdanski für seine Dessauer Antrittsinszenierung auserkoren, neben Laura Costa Chaud hat auch Yuliya Gerbyna die Rolle einstudiert. Zwei sehr verschiedene Frauentypen verkörpern eine Lulu, die je nach Besetzung ganz andere Ausdrucksformen haben soll. "Man verliebt sich ja auch in verschiedene Frauentypen. Ich bin sicher, die Zuschauer werden mir Recht geben, wenn sie beide Vorstellungen besucht haben und die zwei verschiedenen Tänzerinnen der Lulu gesehen haben", meint Choreograph Kajdanski, der erst ganz kurzfristig entscheiden will, wer nun am Freitagabend tanzen wird.
Wer indes noch gar nicht weiß, ob er die eine oder andere Lulu tanzen sehen will, dem kann die Entscheidungsfindung leichter gemacht werden. Auch jene, die keine Probe sahen, können sich einen kleinen Eindruck von der Inszenierung machen. Auf der Internetseite des Anhaltischen Theaters gibt es einen Videoclip mit Tanzszenen.
Karten für die Premiere und die zweite Vorstellung an diesem Sonntag um 17 Uhr gibt es an der Theaterkasse und an der Abendkasse. Nach der freitäglichen Premiere wird zur öffentlichen Premierenfeier eingeladen, am Sonntag ist nach der Vorstellung um 18.30 Uhr im Theaterrestaurant ein "Nachgefragt" vorgesehen .
15.10.2009, 16:43 | tags:
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Pressemitteilung vom 15.10.2009
Premiere Ballett
„Lulu“
Tanztheater Uraufführung von Tomasz Kajdanski nach Frank Wedekind
Lulu – mit diesem höchst sinnlichen Sujet geben der neue Ballettdirektor Tomasz Kajdanski und sein Ensemble ihr Début in Dessau. Erleben Sie einem Tanzthriller, live begleitet von der Anhaltischen Philharmonie unter Daniel Carlberg.
Mit Musik von Alban Berg, Arnold Schönberg, Erich Wolfgang Korngold, Wolfgang Rihm, George Antheil, Pierre Boulez und Dmitri Schostakowitsch
Choreografie: Tomasz Kajdanski | Musikalische Leitung: Daniel Carlberg |
Bühne und Kostüme: Dorin Gal | Video: Jan Müller
„Mir geht es bei Lulu nicht darum, Wedekind eins zu eins umzusetzen. Sie ist, wie das Libretto zu Alban Bergs gleichnamiger Oper, vielmehr die Grundlage für meine Auseinandersetzung mit diesem Sujet, mit extremen Frauenbildern. Was müssen junge Leute heute beispielsweise nicht alles tun, um für ihren Betrieb oder sogar für ihr Studium Geld zu erhalten. Wie Geld korrumpiert, wie Liebe tragisch endet, das alles kann man hier zeigen. Am Ende trifft Lulu auf ihren Engel und wird erlöst. Ist das nicht ein Wunsch, wenn man ein soziales Thema zu Ende bringen möchte?“
Eine Besonderheit sind die zwei Besetzungen der Titelrolle Lulu, bei denen es sich nicht um eine klassische Doppelbesetzung handelt. Ballettdirektor Tomasz Kajdanski legt besonderen Wert darauf, dass beide Tänzerinnen in ihren jeweiligen Lulu-Vorstellungen den Zuschauern eine völlig andere tänzerische Darstellung der Titelrolle bieten werden, so dass man die Vorstellung unbedingt zweimal besuchen sollte.
Kajdanski sagt weiter dazu: „Wenn ich zwei so erstklassige Tänzerinnen wie Laura Costa Chaud und Yuliya Gerbyna im Ensemble habe, muss ich das auch in der Besetzung nutzen. Wir werden zwei verschiedene Premieren haben, da jede der beiden eine andere Lulu verkörpert. Beide bringen ihre eigenen expressiven Emotionen und Sichtweisen in die Darstellung ein und haben – auch wegen ihrer kulturellen Hintergründe, die sie aus ihren Heimatländern Brasilien und der Ukraine einbringen – eine unterschiedliche Körperlichkeit auf der Bühne. Man verliebt sich ja auch in verschiedene Frauentypen. Ich bin sicher, die Zuschauer werden mir recht geben, wenn sie beide Vorstellungen besucht haben und die zwei verschiedenen Tänzerinnen der Lulu gesehen haben.“
Bei der Premiere am Freitag, den 23. Oktober um 19:30 Uhr im Großen Haus sind die Hauptrollen folgendermaßen besetzt:
Laura Costa Chaud / Yulia Gerbyna (Lulu), Yun-Ju Chen (Geschwitz), Juan Pablo Lastras-Sanchez (Dr. Schön), Joe Monaghan (Schigolch), Ion Beitia (Alwa).
Für die Premiere und die nächsten Vorstellungen gibt es noch Restkarten.
Nächste Vorstellungen: 25.10.09, 17 Uhr | 7.11.09, 19:30 Uhr | 13.11.09, 19:30 Uhr
12.10.2009, 20:22 | tags:
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Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Rosslau,12.10.2009
Das Konzertzimmer weitet sich zur Kathedrale
Antony Hermus dirigiert sein 1. Sinfoniekonzert bei der Anhaltischen Philarmonie
Es gibt Ausnahmesituationen, in denen die grundsätzlich richtige Formel "Bilde, Künstler, rede nicht!" außer Kraft tritt. Das erste Sinfoniekonzert eines Generalmusikdirektors beispielsweise rechtfertigt programmatische Ansagen, wenn sie denn so verbindlich sind wie im Falle von Antony Hermus: Dass "Musik eben kein Luxus, sondern ein Grundbedarf" sei, verkündete er vergangene Woche an zwei bestens besuchten Abenden im Anhaltischen Theater - und bezog sich damit demonstrativ auf Simon Rattle, dessen Arbeit mit den Berliner Philharmonikern bekanntlich beispielgebend für die Popularisierung des klassischen Erbes ist.
Wer dem Grußwort im Namen der Anhaltischen Philharmonie übrigens genau zuhörte, konnte einen weiteren Beweis für das neue Traditionsbewusstsein am Dessauer Theater entdecken: Während Generalintendant André Bücker stolz die Kontinuität in der 215. Spielzeit betont, verweist das Orchester bereits auf seine 243. Saison - und wurzelt damit am tiefsten in der lokalen Kulturgeschichte.
Ein großer Motivator
Doch dass dieser chronologische Tiefgang keinen Wert an sich darstellt - wer wüsste es besser als jene Künstler, die historische Überlieferung immer wieder vergegenwärtigen und aus dem Augenblick erschaffen müssen? In der zweiten Sinfonie von Johannes Brahms zeigte Antony Hermus, dass er sich mit seinen Philharmonikern bereits perfekt auf diese Aufgabe eingestimmt hat: Die lichten, luftigen Momente füllte das Orchester mit ätherischer Transparenz, um sich bruchlos in massive Wucht zu steigern. Zwischen den einzelnen Stimmen und Gruppen herrschte organisches Einverständnis, alles war ganz bei und für sich - und der Motor des Ganzen bewährte sich als großer Motivator. Wie Hermus im Freitagskonzert den Beginn des dritten Satzes mit links aus dem Handgelenk schüttelte, um hernach mit der Stabhand die Feinschraffur der Streicher zu unterstützen, wie er diesen Klangkörper in beherrschter Entfesselung zur finalen Attacke führte - das war, mit Verlaub, dann doch Luxus. Aber eben einer, der hier schon bald zum Grundbedarf für viele Besucher werden könnte.
Denn dass Antony Hermus ein großer Menschenverführer ist, zeigte ja nicht nur die Haltung der Musiker. Da saß niemand zurückgelehnt oder missmutig an seinem Pult, trotz energischer Konzentration sah man in lächelnde Gesichter - und nur gelegentlich wischte eine Hand über eine schweißnasse Stirn. Doch nachdem man sich im impressionistisch durchsonnten "Levenszomer" von Hermus' niederländischem Landsmann Johan Wagenaar kurz erholt hatte, demonstrierte der Dirigent endgültig sein demokratisches Selbstverständnis als Erster unter Gleichen.
Mit dem Opern- und Extrachor des Theaters, mit dem Luther- und dem Friedrich-Schneider-Chor, mit den Fürstsingers sowie den Jugendchören des Liborius- und des Gropius-Gymnasiums kamen rund 250 Sängerinnen und Sänger auf die Bühne, um Antonin Dvoraks "Te Deum" aufzuführen - eine säkulare Gemeinde in absichtlicher Durchmischung der Stimmen, die das Konzertzimmer zur Kathedrale weitete und wie ein Spiegel für Parkett und Rang wirkte.
Applaus von der Bühne
Gewiss ist dieses Werk, das 1892 einen alten Glauben in die Neue Welt transportieren sollte, nicht die tiefschürfendste Umsetzung des ambrosianischen Lobgesangs. Aber als Ermutigung zur Teilhabe, als Einladung an alle Musikbegeisterten wirkt es in seiner fast verspielten Farbigkeit doch beispielhaft - zumal, wenn mit Angelina Ruzzafantes klarem, extrem durchsetzungsfähigem Sopran und Wiard Witholts (am Donnerstag durch Ulf Paulsen ersetzten) schönem, weichen Bariton zwei kongeniale Solostimmen in den gigantischen Chor einfallen. Dass es nach dem "Alleluja" ebenso viel Applaus aus dem Zuschauerraum wie aus den Reihen der Sänger gab, dass man nach der in Höhen wie Tiefen ausgeloteten "Aeterna" am Ende das "Laudemus" als Zugabe wiederholen musste - was für ein Beginn!
Wenn es gelingt, die Euphorie dieses Auftakts in den Alltag zu verlängern, dann steht der Anhaltischen Philharmonie im 243. Jahr eine glänzende Zukunft bevor.
07.10.2009, 09:29 | tags:
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Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau, 06.10.2009
Weg zum perfekten Klang
Im Dessauer Liborius-Gymnasium treffen sich die Chöre der Stadt zur gemeinsamen Probe
Am Samstag im "Lohengrin" beflügelte er das Orchester, trieb es auf Schwanes Schwingen zu ungeahnten Höhen, bereitete den Chören und Solisten ein Notenhimmelbett. Antony Hermus, Dessaus neuer Generalmusikdirektor, ist gerade heftig dabei, die Stadt musikalisch zu verzaubern. Was mit der ersten Opernpremiere am Wochenende im Anhaltischen Theater beim Publikum funktionierte, das hat der Dirigent bei rund 260 Dessauern schon längst geschafft. Wie das gelang, hört man nicht nur, das sieht man auch: am vergangenen Donnerstag in der Aula des Liborius-Gymnasiums.
Es ist kurz vor halb acht am Abend, da strömen vom Teenie bis zu Männern und Frauen in den frühen Achtzigern die Sängerinnen und Sänger in die Schule. Es ist die zweite gemeinsame Probe von Dessauer Chören, die beim ersten Sinfoniekonzert dieser Saison am Donnerstag und Freitag vor die Zuhörer im Theater treten. In den Taschen hat jeder die Noten, Dvorák steht drauf. Das "Te Deum" aus seiner Feder soll den zweiten Teil des Abends bilden. Bislang haben die Chöre jeder für sich geprobt, einmal nur traf man sich bisher gemeinsam auf der Probebühne im Theater, nun gilt es, erneut zueinander zu finden.
"Meine Damen und Herren vom großen gemeinsamen Dessauer Chor", derart begrüßt Antony Hermus die große Runde und lässt gar nicht viel Zeit vergehen, sondern kommt gleich zum Wesentlichen: Es wird gesungen. Aus rund 250 Kehlen. Wäre der Neubau des Gymnasiums nicht so solide, man könnte sagen, dass die Wände wackeln. Doch ach, es geht noch viel, viel besser. Darauf arbeitet Hermus hin und lässt die Mühen bis zum perfekten Klang folgen. Er feilt an den Tenorstimmen und bringt sie in neue Höhen, bemüht sein Handy, um zu demonstrieren, wie sich ein Ton halten lässt, klettert vom Stuhl aufs Podest auf den Boden, und der große Chor tut es ihm stimmlich nach bis zum zartesten Flüsterton. Er droht droht lachend damit, gelbe Karten zu verteilen, wenn zur falschen Zeit geatmet wird, denn "das hört man". Kritik übt er, wenn Einsätze nicht kommen, Konsonanten nicht artikuliert sind. Doch wie er dies tut, das ist so charmant, so anspornend, dass die Singenden und neugierigen Zuhörer gleichermaßen Dauerlächeln und mit großer Lust diesem Mann und seiner Idee von Musik folgen. "Sie singen alles richtig, ich kann gar nichts sagen, aber es fehlt das Feuer", sagt Hermus, gleich darauf bekommt er es und strahlt gemeinsam mit den Sängerinnen und Sängern, als dann die Flamme lodert.
Chorübergreifend machen sich die Mitwirkenden miteinander bekannt, kommen ins Gespräch und verschmelzen zu einer Einheit, über die sich beim Gesang immer wieder die Stimmen der beiden Solisten Angelina Ruzzafante und Wiard Witholt erheben. Bei den Proben in dieser Woche kommt nun noch das Orchester hinzu. Doch Bange ist niemanden vor dem Zusammentreffen zweier so großer Klangapparate.
Nahezu ausverkauft sind inzwischen beide Konzerte, und ob des "Te Deum" vergisst man leicht, dass es noch mehr zu hören gibt: Johannes Brahms' 2. Sinfonie mit ihren pastoralen Klängen und dem jubelnden Finale eröffnet den Konzertabend, ihr folgt die Orchesterfantasie "Levenszomer" (Lebenssommer) des holländischen Organisten und Komponisten Johan Wagenaar (1862-1941). Dann aber, nach der Pause, wird es eng auf der Dessauer Bühne.
07.10.2009, 07:27 | tags:
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Pressemitteilung vom 06.10.2009
„Gesänge aus 1001 deutschen Nacht“ im Alten Theater
Das Anhaltische Theater Dessau lädt zur Premiere II der „Gesänge aus 1001 deutschen Nacht“ am 8. Oktober, um 19:30 Uhr ins Alte Theater ein. Hier heißt es: Willkommen in der Anstalt! Der Bus ist angekommen und die illustren Fahrgäste erwarten jetzt ihr Publikum im Foyer des Alten Theaters, um einen Tag aus ihrem Leben im „Tollhaus Deutschland“ zu besingen.
Das Ensemble „Gesänge aus Tausend und Einer deutschen Nacht“ startete seine musikalische Odyssee unter Dessaus „freien Himmeln“. In einem alten B 1000 Bus wurden seit dem 2. Oktober in Dessau und Umgebung bekannte, wie außergewöhnliche Orte angesteuert und gesungen, was die deutsche Seele hergibt.
Jetzt präsentiert eine Inszenierung aus dem Tollhaus fünf sangeswütige Spieler, eine kleine Combo und ein atemberaubendes Stück Deutschland.
Regie: Krzystof Minkowski | Musikalische Leitung: Benjamin Schultz | Ausstattung: Konrad Schaller
Karten gibt es an der Theaterkasse und unter den Telefonnummern: 0340 2511 – 333 oder 0340 2400 – 258.
07.10.2009, 07:09 | tags:
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Anhaltisches Theater Dessau lädt ein zum 1. Sinfoniekonzert „Die Himmel rühmen...“
Wenige Tage nach seiner ersten Opern-Premiere gibt Dessaus neuer Generalmusikdirektor Antony Hermus seinen sinfonischen Einstand. Am 8. und 9. Oktober, jeweils 19.30 Uhr, dirigiert er das 1. Sinfoniekonzert der Anhaltischen Philharmonie. Drei Werke stehen auf dem Programm, das „Die Himmel rühmen“ überschrieben ist. Den Anfang macht die sonnendurchflutete 2. Sinfonie von Johannes Brahms. Nach ihrem jubelnden Finale werden die Konzertbesucher in die Pause entlassen und lernen danach das Werk eines Landsmannes von Antony Hermus kennen. Der holländische Organist und Komponist Johan Wagenaar war ein Zeitgenosse von Richard Strauss, was man seiner Musik auch anhört. Das ausgewählte Stück heißt „Levenszomer“ („Lebenssommer“) und entstand 1903. Am Schluss des Programms steht Antonín Dvoráks festlich-freudige Vertonung des lateinischen Lobgesangs „Te Deum“, komponiert 1892 für die 400-Jahrfeier der Entdeckung Amerikas. Für diese Aufführung konnten neben dem Opern- und dem Extrachor des Anhaltischen Theaters noch fünf weitere Chöre aus der Stadt Dessau-Roßlau gewonnen werden: der Lutherchor, der Friedrich-Schneider-Chor und die Chöre der drei Gymnasien. Zwei neuengagierte Ensemblemitglieder des Anhaltischen Theaters wirken als Solisten mit: Angelina Ruzzafante (Sopran) und Wiard Witholt (Bariton). Insgesamt werden an die 300 Mitwirkende auf der Bühne stehen. An jedem Konzertabend gibt es 18.30 Uhr eine Konzerteinführung im Foyer.
Karten für das 1. Sinfoniekonzert gibt es an der Theaterkasse im Rathaus-Center und unter den Telefonnummern: 0340 2511 – 333 oder 0340 2400 – 258.
06.10.2009, 08:53 | tags:
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Joachim Lange, http://www.festspiele.de/startseite/news, 05.10.2009
Lohengrin, übernehmen Sie!
Andrea Moses macht in Dessau aus Wagners „Lohengrin“ eine spannende Studie über eine manipulierte Gesellschaft
DESSAU: „Menschen gestalten – Zukunft bewegen“ prangt in großen Lettern über dem gewaltigen Bühnenportal des Dessauer Opernhauses.
Im Laufe des Abends wird einem diese griffige „human coaching“ Losung immer klarer und immer unheimlicher. Die neue Chefregisseurin des Hauses, Andrea Moses, macht in ihrer Einstandsinszenierung nämlich aus Wagners „Lohengrin“ vor allem eine packende Studie über die Manipulierbarkeit der Massen und über die Undurchschaubarkeit von Machtstrukturen. Sie zeigt, wie Menschen, die dagegen kämpfen, nicht mehr funktionieren oder auf der Strecke bleiben, aussortiert oder ersetzt werden. Das war nach den fast zwei Jahrzehnten, in denen Walter Felsensteins Sohn Johannes hier das (Theater erhaltende) Intendanten-Zepter führte, als Regisseur aber demonstrativ eine eher konservative Opernästhetik pflegte, für einen Teil des Publikums ziemlich neu und zu viel.
Dabei haben Andrea Moses und ihr Ausstatter Christian Wiehle Wagners Schwanenritteroper zwar das historisch Märchenhafte verweigert, aber nicht das geheimnisvoll Spannende eines Kampfes um die Macht und die Frage, ob die Freiheit Brabants an der ungarischen Grenze verteidigt werden muss. Dass bei dieser Regisseurin (nach ihrem atemberaubend gegenwärtigen Nahost-Strauss Doppel mit „Salome“ und „Elektra“ in Meiningen und ihrer nicht minder packenden US-Fernsehshow „Turandot“ in Weimar) „Lohengrin“ vom Märchen zum Gegenwartsstück werden würde, war nicht anders zu erwarten. Am Ende marschieren sie denn auch alle im Gleichschritt unter wehenden Fahnen im wahrsten Wortsinn rückwärts in den Krieg und nur Elsa entkommt dem triumphierenden Wahnsinn über den Zuschauerraum.
Wo Katharina Wagner in Budapest in ihrem „Wende“ – Lohengrin den 89er Bruch verarbeitet und der junge Regisseur Florian Lutz in Gera-Altenburg die Nachwende-Zeit im Osten Deutschlands thematisiert hat, da verlängert Moses dieses Lohengrin-Potential sozusagen in die drohende Zukunft einer durchmanipulierten, von nicht legitimierten Mächten gelenkten Gesellschaft. Ohne auf eine allzu direkte politische Metaphorik auszuweichen. Das bleibt mit „Du bist Brabant“ überm Traualtar und einem eher ironischen „Vertrauen in Deutschland“ über dem Brautgemach-Bungalow mit seinem ebenso ironischen Wolke Sieben Video und etwas Bühnennebel eher in der Andeutung.
Zu Beginn sieht man in einer Art Auditorium, das Hörsaal oder auch Parlament sein könnte, die Brabanter noch als ziemlich individuelle und offensichtlich in verschiedene Lager differenzierte Zeitgenossen. Manche lesen Zeitung, einige stricken, andere reden miteinander und ein paar smarte Herren verstecken sich hinter ihren Sonnenbrillen und füttern ihre Laptops.
Und auch als der König und sein Heerrufer eintreffen und mit Friedrichs Anklage gegen Elsa der Kampf um die Macht beginnt, ist das Pro und Kontra noch deutlich wahrnehmbar. Doch der zum Krieg rüstende Heinrich und sein Heerrufer verlassen sich nicht auf die bedingungslose Gefolgschaft der Brabanter oder strategische Argumente. Sie haben einen Plan und der heißt Lohengrin. Der Superheld, der Strahlemann mit Charisma, der hochgepuschte Messias. Er wird mit einem medialen Brimborium von Obamascher Perfektion denn auch installiert. Da greift der König selbst zum Handy und setzt seinen backstage wartenden Kandidaten punktgenau in Marsch, da gibt es mit Schwanen-Auftritts-Video, Schaukampf und einer ganzen Truppe von ideologischen Hostessen, samt neuer Bibel mit aggressivem Schwanenlogo in der Geschenktüte, eine Art von fingierter Kandidatenkür.
Der Heerrufer ist in diesem Spiel dafür verantwortlich, dass Elsa, die sich hier tatsächlich so seltsam bewegt, wie sie redet, nicht aus der ihr zugedachten Rolle fällt. Als Telramund sie in aller Öffentlichkeit auffordert, das Frageverbot zu brechen, reicht ihr der Heerrufer schon mal auf seinem Minidisplay den Text. Er dirigiert das Verhalten der Massen und überwacht und lenkt Elsa. Bis eben auch sie im Brautgemacht nicht mehr „funktioniert“. Hier lässt Telramund schließlich auch Lohengrin auffliegen. Er hat einen Mitschnitt, auf dem man sieht, wie der Held für seinen „Auftrag Brabant“ abkassiert…
Diese enthüllende Sichtweise ist nahezu konsequent und läuft im szenischen Detail mit einer bis zum letzten Choristen durchgestalteten Personenregie als spannender Thriller ab. Dass es dann Lohengrin ist, der dem König und dem Heerrufer eine Telefonnummer zusteckt, über die sie den Ersatz-Jungen (noch ziemlich „unfertig“ und mit Maske) aus dem Schnürboden einschweben lassen können, ist mit Blick auf das Wissen Lohengrins über Gottfrieds Verbleib zwar einleuchtend, wäre aber in der Logik der erzählten Geschichte auch als Plan B der beiden Strippenzieher denkbar gewesen. Sei‘s drum.
Für die hier mitgelieferte, äußerst selten zu hörende zweite Strophe der Gralserzählung, die über Gottfrieds Schicksal aufklärt, hat der junge neuseeländische Tenor Andrew Sritheran jedenfalls genügend Kraft. Die kleinen Angestrengtheiten lagen zum Glück vor dem „In fernem Land…“ Auch sonst kann Dessau (das ja ein Theater mit großer Wagnervergangenheit und nie ganz abgerissener –Gegenwart ist) ein Ensemble von Sängerdarstellern aufbieten, das sich hören und sehen lassen kann. Es ist imponierend mit welcher darstellerischen Intensität und stimmlichen Wucht Iordanka Derilova eine mit allen Mittel kämpfende Power-Ortrud liefert und Ulf Paulsen als Telramund auch in seiner Niederlage souverän der Mann an der Seite seiner strategisch denkenden Frau ist. Bettine Kampp ergänzt ihre wunderbar klare Elsa um eine Studie einer stets manipulierten Frau, die sich erst am Ende aus dem Alptraum dieses Lebens befreien kann. Pavel Shmulevich macht aus dem König mit nobler Wucht einen modernen Manager der Macht und der junge Wiard Witholt ist seiner Rolle als Sprecher und Coach Elsas in jeder Hinsicht gewachsen! Die Spielfreude auch des aufgestockten Chores war allenthalben spürbar.
Alles in allem überzeugte auch die Anhaltische Philharmonie unter ihrem neuen Chef Antony Hermus. Obwohl das beim Vorspiel noch nicht so klar war, etliche Patzer dazwischenfunkten und Hermus aus dem Hochzeitsmarsch zum Beginn des dritten Aufzug einen Geschwindmarsch machte, der (vielleicht ja bewusst) mehr einer Parodie dieses Ohrwurms glich. Doch im Ganzen fand das Orchester überzeugend zu seinen Qualitäten, lieferte im dramatischen Auftrumpfen der Massenszenen das martialisch Enthüllende ebenso mit, wie dann doch noch die betörenden Gralsklänge.
Alles in allem ist Dessau ein spannender und lohnender Neustart gelungen. Und das Anhaltische Theater liegt ja nun keineswegs in fernem Land.
06.10.2009, 08:42 | tags:
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Jörg Königsdorf, Tagesspiegel, 06.10.2009
Wann hat man eine so kluge, lebendige Wagner-Aufführung zuletzt in Berlin erlebt? Dem Theater Dessau ist mit "Lohengrin" ein großer Wurf gelungen.
Dieser Lohengrin arbeitet mit allen Tricks: Inszeniert sich mit Schwanenlogo und großem Auftritt als Retter des Brabantischen Volks, macht der treudoofen Elsa den Traumprinzen vor und schreckt auch nicht davor zurück, seinen Duellgegner Telramund mit einem fiesen Foul zu Fall zu bringen. Die Geschichte schreiben die Sieger, weiß dieser skrupellose Politprofi – und falls seine Hinterzimmer-Kungeleien mit dem König irgendwann doch rauskommen sollten, kann er immer noch sein Erweckungsprediger-Charisma spielen lassen und die Massen auf sich einschwören.
Es ist schon ein starkes Stück, das das neue Team des Dessauer Theaters dem Publikum zur Saisoneröffnung zumutet. Nachdem hier unter Altintendant Johannes Felsenstein anderthalb Jahrzehnte lang – durchaus erfolgreich – Oper gemacht wurde, die meist genauso aussah, wie man es nach der Lektüre des Opernführers erwarten durfte, kehren sein Nachfolger André Bücker und die neue Chefregisseurin Andrea Moses ostentativ das Unterste zuoberst. Von jetzt an soll in der Bauhausstadt brandaktuelles Musiktheater stattfinden und die Kunst wieder das Gewissen der Gesellschaft sein. „Menschen gestalten – Zukunft bewegen“ lautet das ehrgeizig optimistische Motto, das sich die Dessauer Theatermacher auf die Fahnen und in großen Lettern auch übers Bühnenportal geschrieben haben.
In Dessau wird die Geschichte zum Politkrimi mit menschlichem Tiefgang
Sympathisch ist solche Aufbruchstimmung allemal, und wer weder durch diesen Leitspruch noch durch die Platzierung der „Lohengrin“-Premiere auf den „Tag der deutschen Einheit“ stutzig geworden ist, der merkt sehr schnell, dass das neue Team seinen Anspruch mit Volldampf einlöst: In Dessau wird die Geschichte vom scheiternden Heilsbringer zum Politkrimi mit menschlichem Tiefgang. Systematisch werden die gewählten Schicksalslenker demontiert, werden Glanz und Gloria der wagnerschen Musik als höchst wirksame PR-Mittel interpretiert. Mit dem Resultat, dass die Rollen von Gut und Böse sich völlig neu verteilen, ohne dass dies je gegen Text und Musik verstoßen würde.
So ist der Graf Telramund, der die Herrschaft über Brabant erstrebt, kein bloßer Ehrgeizling, sondern der letzte Politiker, der noch einen Begriff von Anstand und Ehre hat. Und Elsa ist kein verzagtes Mäuschen, sondern wird zur eigentlichen Heldin des Dramas: Wenn sie schließlich die verbotene Frage stellt, um die Wahrheit über ihren Helden zu erfahren, ist das der Moment, in dem sie den Betrug Lohengrins durchschaut. Am Ende wird sie unter den heilsgläubigen Brabantern umherwanken wie Kassandra unter den Trojanern – ebenso wenig wie die Wahrheit hat sie selbst hier noch einen Platz.
Schon fast überscharf behält Moses den ganzen Abend über jede ihrer Figuren im Fokus: den steif-korrekten Recken Telramund (Ulf Paulsen), die sexy bitch Ortrud (Iordanka Derilova), den windigen Business-König Heinrich (Pavel Shmulevich), den Politkandidaten Lohengrin und vor allem Elsa, die zu Beginn fast als dumme Gans im Jackie-Kennedy- Outfit erscheint. Dass diese lebensunerfahrene Tussi für die Heilsbotschaften der Gralssekte empfänglich ist, glaubt man jedenfalls sofort – auch weil Bettine Kampp diese naive Verschrobenheit auch wirklich singt und darstellt: Ihr „Einsam in trüben Tagen“ ist die trotzige Traumerzählung eines gealterten Kindes, das erst durch die Enttäuschung erwachsen werden wird.
Echtes Hörtheater
Dieser Dessauer „Lohengrin“ ist ein großer Wurf und vermutlich die spannendste Deutung seit Peter Konwitschnys legendärer Hamburger Inszenierung. Dass ein solcher Kraftakt an einem vergleichsweise kleinen Haus wie Dessau gelingt, liegt allerdings nicht nur an einem gescheiten, minutiös umgesetzten Konzept, sondern daran, dass Moses mit ihren Sängern und nicht gegen sie inszeniert. Andrew Sritherans Lohengrin beispielsweise hat nicht nur das schmierig-süßliche Sektenführer-Grinsen perfekt drauf, sondern singt seinen Schwanenmann auch so: Selbst sein „Elsa, ich liebe dich“ trompetet er mit gleißend metallischem Forte heraus –kein Liebesgeständnis, sondern ein Showact fürs sensationsgierige Volk und die Presse. Oder auch die Gralserzählung: Statt einer weihevollen Legato-Suada singt Sritheran das Stück als spontane Erweckungspredigt.
Und dann ist da Dessaus neuer Chefdirigent Antony Hermus, der mit seiner Anhaltischen Philharmonie keinen Schönklang ohne szenische Anbindung produziert, sondern mit offenen Augen und Ohren dirigiert. Das ist echtes Hörtheater: Jubelndes Volk und Konfettiregen in den ekstatischen Fanfaren der Trompeten, treuherziger Kirchenlied-Tonfall in den andächtigen großen Chorpassagen, dann wieder, im Brautchor, angenehm leichtfüßig.
Wann hat man eine so kluge, lebendige Wagner-Aufführung zuletzt in Berlin erlebt? Auf nach Dessau!
05.10.2009, 15:49 | tags:
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Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/Dessau, 04.10.2009
Angriff der Gegenwart auf die übrige Zeit
Lohengrin auf der Bühne des Anhaltischen Theaters
In der Original-Fassung konnte man es als noble Absicht verstehen, bei Vertauschung der Verben aber wird daraus pure Esoterik: "Menschen gestalten - Zukunft bewegen" steht in großen Buchstaben über der Bühne des Anhaltischen Theaters. Und wer diese kleine Korrektur bemerkt hat, wird später auch die Parole "Vertrauen in Deutschland" mit anderen Augen lesen: Meint der inzwischen abgewählte Slogan wirklich noch, dass man auf diese Nation bauen kann? Oder fragt er nicht vielmehr, wie es um das Vertrauen in diesem Land bestellt ist?
Größtmöglicher Umkehrschluss
Andrea Moses versucht mit ihrem Dessauer Debüt den größtmöglichen Umkehrschluss: Ausgerechnet "Lohengrin", diesen grundguten Wagner-Helden in blendender Rüstung, will sie in seinem ehernen Selbstbewusstsein erschüttern, sein märchenhaftes Frageverbot als demagogische Geste entlarven. Dass dies nur mit Gewalt funktionieren kann, war von vornherein klar - ebenso wie die Tatsache, dass die Fraktion der Fraglosen diese Verstörung mit Empörung quittieren würde. Doch dass ein Gewitter aus Buh- und Bravo-Rufen einen elektrisierenden Abend krönt, war als Ausdruck einer Selbstverständigung des Publikums über sein Theater vor Ort bisher ja ein unerhörter Vorgang.
Dies ist der neuen Chefregisseurin gelungen: Sie hat das Brabant von Telramund und Ortrud in eine träge Demokratie verwandelt, deren Parlament anfällig ist für den Angriff des Irrationalen. Ihr Lohengrin ist ein charismatischer Sektenführer, der statt eines politischen Programms Gesangbücher und Autogramm-Oblaten verteilt - und dessen messianische Pose entzaubert wird, als die zunächst traumverlorene Prophetin Elsa ihn nach seiner wahren Art befragt. Dass ein kurzes Video zudem eine Verschwörung des Helden mit König Heinrich andeutet, überdehnt die Lesart freilich - selbst wenn der fragwürdige Heilsbringer dem Herrscher zum Abschied eine goldene Brücke in den Krieg baut.
Das eigentliche Sakrileg für die Gralshüter aber bleibt wohl, dass an diesem Abend nicht nur gedacht, sondern auch gelacht werden darf. Dabei ist der Auftritt einer Putzfrau als Verletzung der verkaterten Intimität zwischen den Verschwörern so schlüssig wie Telramunds lächerliche "Schwanensee"-Etüde vor der Kirche, die als Verspottung auf ihren Urheber zurückfällt - wenn man denn bereit ist, sich auf diese Aktualisierung einzulassen. Als visuelle Verführung bewährt sich die Ausstattung von Christian Wiehle: Wann wurden die grandiosen Möglichkeiten der Dessauer Wagner-Bühne zuletzt so raumgreifend ausgeschöpft? Wann gab es zuletzt derart überwältigende Verwandlungen, mit denen sich auch die Technik des Hauses höchstes Lob verdient?
Der Star sitzt im Graben
Der Star des Abends freilich sitzt im Graben: Antony Hermus hat die Anhaltische Philharmonie in kürzester Zeit verzaubert, er schöpft bereits im Vorspiel die Szene buchstäblich aus dem Klang und trägt die Sänger wie die Musiker durch eine fast makellose Vorstellung zum atemberaubenden Finale. Was hier an Elastizität und Dynamik, an Farbenreichtum und Nuancen zu hören ist, hätte man bislang kaum für möglich gehalten, dies ist ein Aufbruch, der einhellige Begeisterung findet. Und auch der Chor, den Helmut Sonne um Mitglieder des Extrachores und des freien Coruso-Ensembles bereichert hat, zeigt sich dank individueller Figurenzeichnung bei maximaler musikalischer Geschlossenheit in Topform. So kann, so muss es weitergehen im "Bayreuth des Nordens". Dafür steht zudem ein Solisten-Ensemble, in dem Ulf Paulsen als sinistrer Machtmensch Telramund sowie Iordanka Derilova als furiose First Lady Ortrud mit starken Stimmen und scharf konturierten Charakteren für Qualität sorgen. Neben ihnen führt sich eine Gruppe neuer Sänger ein, die sich sehen und hören lassen kann: Pavel Shmulevich ist ein König von wahrhaft majestätischem Ausdruck, Wiard Witholt ein Heerrufer mit verführerischer Verlässlichkeit.
Bettine Kampp steigert - als einziger Gast - ihre Elsa vom Opfer stimmlich wie darstellerisch zur selbstbewussten Frau, die als Einzige dem Gleichschritt entkommt. Andrew Sritheran schließlich muss bei seinem Rollen-Debüt im dritten Aufzug Lehrgeld zahlen, zeigt dann aber - von Antony Hermus geführt - in der ungekürzten Gralserzählung, dass in ihm ein echter Schwanenritter steckt. Im Dessauer "Lohengrin" wird Wagners Forderung "Kinder, schafft Neues!" also nicht - wie jüngst an der Berliner Staatsoper - plakatiert. Es wird einfach gemacht.
Nächste Vorstellungen: 10. Oktober und 22. November, jeweils 17 Uhr
05.10.2009, 15:41 | tags:
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, Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau, 04.10.2009
Publikum fiebert mit und ist begeistert
Spielzeit-Auftakt am Anhaltischen Theater kommt gut an - Prominente Besucher loben neues Team
Nur ein paar Takte reichten aus und Klemens Koschigs Ängste waren am Samstagabend verflogen. Noch am Abend zuvor war der Oberbürgermeister unsicher ob des Ausgangs der Opernpremiere von "Lohengrin". "Ich habe Angst", gestand er da. 24 Stunden später, nach viereinhalb Stunden Wagner am Anhaltischen Theater, war Koschig jedoch überzeugt: "Genau für solch ein Theater haben wir André Bücker nach Dessau geholt. Es gibt so viele jüngere Leute im Publikum, das haben wir uns gewünscht".
Beginn mit Abschlussfeier
Erstmals bestätigt sah sich das Stadtoberhaupt schon am Freitagabend im Alten Theater. Dort begann das Eröffnungswochenende unter der neuen Intendanz von André Bücker mit der Premiere von "Abschlussfeier" in der Regie von Armin Petras. Petras, Intendant des Berliner Maxim-Gorki-Theaters, schickte sein Publikum durch das ganze Haus und schließlich vor die Tür. Nach einer bejubelten Premiere blieben viele gern, denn das bislang so kühl wirkende Foyer des Alten Theaters hatte sich durch das Bühnenbild in einen Partykeller verwandelt, der sich perfekt für eine Premierenfeier mit Live-Musik und Tanz eignete.
Im Restaurant sprach derweil die lokale Prominenz über das Gesehene. Mit der "Abschlussfeier" habe er ein Stück erlebt, dass nicht besser zum Tag der Deutschen Einheit hätte passen können, sagte Klemens Koschig. Er wertete die Inszenierung vor allem angesichts der Verklärung von Erinnerungen als besonders wichtig. "Es ist gut, dass es solche Stücke gibt, die uns immer wieder vorführen, wie es in der DDR war." Autor Einar Schleef, der mit seiner Erzählung die Vorlage für die Theaterfassung der Dessauer Uraufführung lieferte, war ein Meister im Schildern des ostdeutschen Alltags. Dass sich dies adäquat auf der Bühne widerspiegelte, fanden auch Gäste aus Sangerhausen. Mit zehn Leuten war der Schleef-Arbeitskreis aus der Geburtsstadt des Autors angereist. "Die Fahrt hat sich gelohnt. Es war ein toller Abend", freute sich Dieter Wrobbel vom Arbeitskreis, der zugleich auch einen Bekannten in Dessau wiedertraf: André Bücker inszenierte beim "Schleef-Block I" 2004 in Sangerhausen den Schleef-Abend "Kein schöner Land", und auch Petras kam damals mit einer Produktion in die Rosenstadt. "Eigentlich schließt sich hier heute in Dessau ein Kreis", befand Wrobbel
Eine Zuschauerin der "Abschlussfeier" konnte am Freitag nicht ganz so gelassen in die Premierenfeier gehen, denn ihre eigene fand erst am Abend darauf statt. Andrea Moses, Regisseurin des "Lohengrin", verabschiedete sich bald und sammelte Kraft für ihr Dessau-Debüt.
18 Uhr sah man sie am Sonnabend ganz außen in Reihe 5 im Parkett sitzen. Angespannt, mitfiebernd, lachend und begeistert von Solisten, Chören und Orchester, blieb für die Regisseurin nun nicht mehr viel zu tun. Zwei Pausen gab es während der Oper, danach eine bis in die Morgenstunden dauernde Premierenfeier, Zeit also für Diskussionen über die Lesart der Regisseurin, Zeit für erste negative und positive Einträge in das neue Gästebuch des Hauses. Bevor gefeiert wurde, galt das Wort des Generalintendanten jedoch allen Mitwirkenden. André Bücker dankte im Rangfoyer nicht nur den Solisten und Chören, er hob auch alle Gewerke und die Technik des Hauses hervor. "Aus einem Stab kommt kein Klang." Mehr musste Dirigent Antony Hermus als Wertschätzung für Orchester und Ensemble nicht sagen.
Auffallend viele auswärtige Besucher waren am Sonnabend nach Dessau gekommen. Theaterleute, die den Dessauer Neustart miterleben wollten. So auch Ulrich Katzer, Betriebsdirektor der halleschen Oper und Orchester GmbH, der alle drei Eröffnungspremieren sah. "Ich bin neidisch", war sein Kommentar nach der Opern-Premiere. "Dessau kann stolz sein auf seine neue Mannschaft."
Christoph Werner, Intendant des "Neuen Theaters" in Halle und gebürtiger Dessauer, hat neben den Besuchen bei seinen Eltern nun noch einen weiteren Grund ausgemacht, wieder öfter nach Dessau zu kommen. "Das war ein Großstadttheaterabend, wie man ihn auch in Dresden erleben kann. Als Dessauer bin ich stolz, dass man solches Theater jetzt auch in meiner Heimatstadt sehen kann", sagte er. Werner, der in Halle die Nachfolge von Peter Sodann antrat, weiß um die Probleme und Ängste, die mit einem Wechsel der Intendanz verbunden sind. "In Gesprächen und beim Publikum habe ich gemerkt, wie verfelsensteint noch manches ist. Die jetzigen Premieren sind eine klare Ansage. Ich wünsche dem neuen Team viel Kraft und komme jetzt öfter."
Zurück an den früheren Wirkungsort kehrte auch Clemens Birnbaum. Der ehemalige Weill-Fest-Intendant verantwortet nun in Halle die Händel-Festspiele. "Lohengrin war ein großartiger Saisonauftakt und eine phantastische musikalische Leistung", lobte er vor allem die Arbeit von Generalmusikdirektor Antony Hermus. Und in der Inszenierung von Andreas Moses habe er sich "keine Minute gelangweilt".
Gäste kommen wieder
Ein besonders kritisches Auge auf den Opernabend warfen mehr als 40 Besucher aus Bremen, die nach Dessau gereist waren. Nicht zum ersten Mal kamen Mitglieder des Bremer Richard-Wagner-Verbandes in die Muldestadt. "Der erste Eindruck war gewöhnungsbedürftig, aber wenn man sich erst einmal gewöhnt hatte, dann war es toll", resümierte Hannelore Pöpper. Die Bremer werden Dessaus Theater weiter besuchen, versicherte sie.
"Wir kommen wieder", befand auch ein anderer prominenter Premierengast: Bernd Junkers, der nur Stunden zuvor eine Ju 52 auf den Namen "Dessau" getauft hatte, will fortan öfter die Strecke München-Dessau fahren, um hier ins Theater zu gehen.
02.10.2009, 07:13 | tags:
Spielzeit
, Anhaltische Philharmonie
THOMAS ALTMANN, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau, 29.09.2009
Mit feuchten Augen in den Abend hinaus
Freundeskreis stellt den neuen Generalmusikdirektor der Philharmonie Antony Hermus vor
"Kramer! Gib die Farbe mir, meine Wangen rot zu malen": der "Klassik-Quickie", das Scratch-Projekt "Carmina Burana" im Mai nächsten Jahres wird wohl das Spektakel der Saison. Mitsingen darf, wer mitsingen wil. Geprobt wird lediglich einen Tag lang. Und am Abend gibt es auf "Biegen und Brechen ein Konzert", sagte Antony Hermus und fügte noch ausdrücklich hinzu, dass hier das Ziel der Weg sei, und, dass man immer mal wieder versuchen solle, "ein Loch in die eigene Begrenzung zu reißen", auch wenn man fallen könne. Da stand der Kornhausdialog kurz vor dem Finale.
Der Freundeskreis des Theaters stellte am Sonntag den neuen Generalmusikdirektor der Anhaltischen Philharmonie vor. Antony Hermus wurde befragt von Oliver Thust, Vorsitzender des Freundeskreises. Die erste Frage zielte auf den Beginn. "Ich bin", sagte Hermus, "in Brabant geboren." Was bühnenreif klang, wurde gleich geerdet: "Meine Eltern stellten sich einen Musiker vor, der bei einer Hochzeit spielt und dafür 25 Euro und eine Flasche Wein bekommt." Das sollte anders werden. Hermus, Jahrgang 1973, studierte an der Musikhochschule in Tilburg Klavier und Dirigieren und zudem Wirtschaftsinformatik: "Auf der Universität war ich Künstler, in der Hochschule Geschäftsmann".
Wie sich das vereinen ließ und entwickelte, darüber wurde gesprochen und über den Weg am Theater Hagen vom Praktikanten, über den Studienleiter und 1. Kapellmeister zum Generalmusikdirektor. Nach seinem Abschied dort im vorigen Jahr gab es einen vollen Terminkalender. Warum er dennoch nach Dessau gekommen sei, fragte Thust. Hermus habe hier eine offene Situation vorgefunden und ein leistungsstarkes Orchester, das bereit sei, seinen Klangvorstellungen und Ideen zu folgen, das ein gutes Gefühl für Sänger habe, das mithöre und mitatme. Auch die bisherige Jugendarbeit wurde als vorbildlich und einmalig gelobt. Daran solle angeknüpft werden. Und die Frage nach den Vorlieben war natürlich zwingend. Hermus nannte das romantische Repertoire, einige Komponisten aus anderen Zeiten und sagte: "Ich bin ein musikalischer Allesesser". Da wurden keine Grenzen entworfen, zur leichteren Kost nicht und nicht zur Musik der Moderne oder zur Neuen Musik. Das Orchester habe einen Kulturauftrag und spiele vor allem für ein Publikum. Musik solle begeistern und berühren. Ziel sei, "so viele Hörer wie möglich mit feuchten Augen in den Abend zu schicken".
Und überhaupt wolle Hermus "erst ein bisschen angekommen sein". Das erste Sinfoniekonzert in der kommenden Woche dürfte diese Ankunft markieren. Mit Johannes Brahms' Sinfonie Nr. 2 bewege man sich auf bekannten deutschen Bahnen. Mit Johann Wagenaars Orchesterfantasie "Lebenssommer" gebe es ein Stück Heimat des Dirigenten. Und Antonín Dvoráks "Te Deum" op. 103 für Soli, Chor und Orchester gereicht gewiss zur Kennlernrunde. Denn da vereinen sich die Stimmen der Dessauer Chöre auf der Dessauer Bühne. Absicht sei, so Hermus, gemeinsam mit den musikbegeisterten Menschen der Stadt zu musizieren. Bevor in der offenen Gesprächsrunde das nun gut und frisch informierte Publikum einige Repertoirewünsche äußerte, wollte Thust noch wissen, wie man den offensichtlichen Schwung des Beginnens gegen die Routine mit in den Alltag nehmen könne. Das sei wie in einer Beziehung, sagte Hermus, der auch dem geschirrspülenden Liebhaber offenbar Leidenschaft nicht absprechen mag. Und zum Scratch-Projekt sagte er zuvor: "80 Prozent des Ergebnisses erreicht man in 20 Prozent der Zeit. Dann wird es schwer", dann vielleicht verwöhnt - "O Fortuna" aus Carmina Burana - das Glück "spielerisch den wachen Sinn".
30.09.2009, 08:19 | tags:
Spielzeit
, Schauspiel/Musiktheater
, Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung / Dessau, 16.09.2009
Neues Ensemble probt für die ersten Premieren
Mit Wagners «Lohengrin» wird am 3. Oktober die Spielzeit am Anhaltischen Theater offiziell eröffnet
Der Einstand am ersten Septembersamstag war gelungen. Wer an diesem Abend zum Vorplatz des Anhaltischen Theaters kam und aufmerksam lauschte, der hörte beim traditionellen Eröffnungskonzert der neuen Spielzeit eine Menge neuer Stimmen von Sängerinnen und Sängern, die fortan zum Ensemble des Musiktheaters gehören. Viele von ihnen stehen in diesen Tagen auf der Bühne und bereiten die erste Premiere dieser Sparte vor.
Konfrontation mit "Wunder"
Zur Spielzeiteröffnung inszeniert Chefregisseurin Andrea Moses mit "Lohengrin" (3. Oktober, 18 Uhr) erstmals ein Werk von Richard Wagner. Der zwischen Juni 1846 und März 1848 komponierte "Lohengrin" nimmt in Wagners Oeuvre eine Schlüsselstellung ein: Zum einen verwirklichte Wagner, der "vollkommenste Revolutionär" nach eigenem Zeugnis, in ihm erstmals weitgehend sein Konzept eines durchkomponierten Musikdramas, zum anderen wollte er am avisierten Uraufführungsort Dresden mit der Oper 1849 auch die Gesellschaft revolutionieren. Diese gesellschaftspolitische Zielsetzung und ihre Verortung im Heute bildet den Ausgangspunkt für Andrea Moses' Interpretation: Eine desillusionierte und in Apathie verfallene Gesellschaft, deren politische Eliten in Machtkämpfe verstrickt und durch Berater fremdbestimmt sind, wird mit einem "Wunder" konfrontiert, das den Ausbruch aus einer verfahrenen Situation zu gewährleisten scheint.
Unter dem Motto "Utopie und Wahnsinn" begegnen den Theatergängern in dieser Saison noch eine ganze Reihe weiterer Stücke, die den Versuch der Realisierung und das Scheitern politischer Utopien thematisieren, und im Einzelfall, wie bei "Die Stumme von Portici", tatsächlich politische Veränderungen auslösten. Daniel-François-Esprit Aubers Große Oper in fünf Akten inszeniert André Bücker. Der Generalintendant des Anhaltischen Theaters stellt sich mit "La Muette de Portici" am 24. April in Dessau als Opernregisseur vor.
Viel früher geht es auch in Leonard Bernsteins Musical "Candide" um Utopien, denn es basiert auf Voltaires Text aus der französischen Aufklärung. "Candide" bringt Gastregisseurin Cordula Däuper am 4. Dezember zur Premiere. Allein die Musik und der Gesang stehen bereits am 30. Oktober im Mittelpunkt, wenn "Serata di Gala", eine italienische Operngala, Premiere hat.
In das neue Jahr startet die Musiktheatersparte des Anhaltischen Theaters am 5. März mit einer Koproduktion mit dem Kurt Weill Fest Dessau 2010: Kurt Weills "One touch of Venus". Klaus Seiffert nimmt sich dieser musikalischen Komödie an. Er ließ sich am Musicalstudio Theater an der Wien zum Sänger, Tänzer und Schauspieler ausbilden. Seitdem spielte er in Produktionen wie "A Chorus Line" (Wien), "Cats" (Hamburg), "Les Miserables" (Duisburg), "Rocky Horror Show" (Saarbrücken), "Hair" (Dortmund) und in über 20 weiteren Musicals. Zu seinen Erfolgen als Regisseur und Choreograph zählen "Love is...", "Godspell", "Madame Pompadour", "Die Fledermaus", "Die verkaufte Braut" und, als Co-Regisseur, "Victor / Victoria" in Bremen, Karlsruhe, München und Dortmund.
Roland Schwab heißt der Regiegast, der am 18. Juni in Dessau einen Giuseppe Verdi zur Premiere bringt. Die große Oper des Italieners "Un ballo in maschera", dieser Maskenball wird in italienischer Originalsprache zu hören sein, wie auch schon "Die Stumme von Portici" in Französisch erklingt.
Debüt an Deutscher Oper
Schwab, der bei Götz Friedrich studierte, gab anlässlich des Mozartjahrs mit "Fragmente" von Mozart sein erfolgreiches Regiedebüt an der Deutschen Oper Berlin, an der er mittlerweile auch "Tiefland" inszenierte und 2010 eine Neuproduktion von "Don Giovanni" herausbringen wird.
17.07.2009, 21:24 | tags:
Anhaltische Philharmonie
Helden, Leben und Schicksale in Noten gesetzt
Generalmusikdirektor und Musikdramaturg haben anspruchsvolles Konzertprogramm geplant
VON UTE VAN DER SANDEN, 15.07.09
DESSAU/MZ. Mit der so genannten Schicksalssinfonie, Beethovens "Fünfter", gab Golo Berg im Juni seinen Ausstand als Generalmusikdirektor in Dessau. Die nächste Konzertsaison führt den Begriff sogar im Namen: "Helden - Leben - Schicksal" steht über der ersten Spielzeit des neuen Chefdirigenten Antony Hermus. Absicht, Zufall oder Schicksal? "Macht des Zufalls", witzelt Musikdramaturg Ronald Müller, der den Konzertkalender mitverantwortet und seinen Inhalt, salopp gesagt, unter die Leute bringt.
Auf Wunsch der neuen Theaterleitung hat Hermus für alle Abende Titel gefunden - Mottos, die neugierig machen und Emotionen ansprechen. "Die Himmel rühmen" heißt das romantische Eröffnungskonzert am 8. und 9. Oktober, für dessen Finale sieben Chöre engagiert wurden: Jene der drei Dessau-Roßlauer Gymnasien, dazu Luther-, Friedrich-Schneider-, Opern- und Extrachor singen in Dvoráks "Te Deum". Bei der 20-minütigen Konzertmesse werden fast 300 Vokalisten auf der Bühne stehen.
Schon mit diesem ersten Programm gibt sich der neue GMD zu erkennen: als Brahms-Liebhaber; dessen "Zweite" erklingt hier ungewöhnlicherweise schon vor der Pause. Als Freund der großen romantischen Sinfonieorchesterbesetzung, der seine Musiker ausgelastet wissen möchte - "nicht übers Limit hinaus, aber die Zahlen müssen stimmen". Und als Kunstvermittler, der nach Offenheit, neuen Formen des Miteinanders von Musikern und musizierendem Publikum zu suchen verspricht: "Musik ist für jeden da, der Spaß daran hat", sagt Antony Hermus.
"Unsterbliche Liebe" lässt die Philharmonie mit Auszügen aus Prokofjews Ballett "Romeo und Julia" und Schönbergs sinfonischer Dichtung "Pelléas und Melisánde" vernehmen. Unsterblich ist aber auch des Publikums Zuneigung zu Mozarts A-Dur-Klavierkonzert und Carl Maria von Webers Klarinettenkonzert. Alle Solopartien werden von jungen, weltweit auftretenden Instrumentalisten versehen, mit denen Hermus teils schon gearbeitet hat.
Chorsinfonik, Jubiläen, klassische Moderne, sinfonisches Repertoire: Auf diesen Säulen ruht die nächste Spielzeit. Robert Schumann und Felix Mendelssohn Bartholdy wurden vor 200 Jahren geboren. Heinz Röttgers "Sinfonisches Vorspiel" justament am 100. Geburtstag des früheren musikalischen Leiters des Landestheaters untergebracht zu haben, freut den Musikdramaturgen besonders. Auch Bohuslav Martinu steht anlässlich seines 50. Todestages mit einem Werk im Programm - zumindest ein Akzent.
Schließlich darf die Sinfonik des 19. Jahrhunderts nicht zu kurz kommen, die für die künstlerische Identität und Beurteilung jedes philharmonischen Orchesters tonangebend ist. Dazu zählen auch sinfonische Dichtungen wie das "Heldenleben" von Richard Strauss. Die größte konzertante Herausforderung der Spielzeit habe man so terminiert, dass ausreichend Proben möglich seien, versichert Müller.
Brahms' zweite, Beethovens dritte, Schumanns und Tschaikowskys vierte Sinfonie spielen alle Orchester gern. Mendelssohn Bartholdy kommt in der Kammermusikreihe vor. Und weil die Tonsprache des 20. Jahrhunderts in der Kurt-Weill-Stadt kein Fremdwort ist, erklingt in jedem Programm mindestens ein Werk, das vor weniger als hundert Jahren entstand. Barockes gibt's nur Weihnachten: Die alten Meister den Spezialensembles zu überlassen, ist längst Praxis.
Freunde der Kammermusik dürfen sich auf sechs Nachmittage im Schloss Georgium freuen - und die Freunde zeitgenössischer Kammermusik ebenfalls, denn auch hier liegt jeweils zumindest ein Werk des 20. Jahrhunderts auf den Pulten. Für den Auftakt haben sich das Anhaltische Streichquartett und Wolfgang Kluge das attraktive Klavierquintett von Schumann vorgenommen. Wie immer gilt: rechtzeitig Karten reservieren!
Aus der Liste der Sonderkonzerte - neuerdings sogar an Sekundarschulen - ragen Angebote heraus, die auch für jene interessant sind, denen die Gipfelstürme der Sinfonik zu anstrengend erscheinen. Und sie müssen noch nicht einmal ins Theater kommen, denn auch im Elbe-Werk, im Elektromotorenwerk und im Umweltbundesamt wird wieder Musik gemacht. Mit beliebten Melodien aus Oper, Operette und Konzert, mit drei Offerten des Impuls-Festivals für zeitgenössische Musik und erst recht mit dem letzten Sinfoniekonzert, einer spanischen Estrade, werden auch spezielle Wünsche erfüllt.
Ganz klassisch wird das nächste Jahr empfangen: Den Schlusschor über Schillers "Ode an die Freude" in Beethovens "Neunter" zu singen, geben sich Opern- und Extrachor die Ehre. Das Schicksal der drei Sonntagskonzerte ist besiegelt: "Schade für die Zuhörer der Reihe, sie hat den Aufwand nicht gelohnt", bedauert Ronald Müller. Die Kapazitäten würden für andere Vorhaben genutzt, betont Hermus. Indes, die Helden der Spielzeit wird das Publikum schon selber krönen müssen.
30.06.2009, 14:10 | tags:
Anhaltische Philharmonie
Für alle Freunde der Anhaltischen Philharmonie Dessau
Am 2. und 3. Juli 2009 findet auf dem Berliner Gendarmenmarkt das Festival "Classic Open Air" mit Beteiligung der Anhaltischen Philharmonie statt. Erstmals wird bei diesen beiden Konzerten Generalmusikdirektor Antony Hermus das Orchester dirigieren.
Donnerstag, 2. Juli 2009, 20.30 Uhr
Feuerstein präsentiert
First Night- Klassik Spektakulär
Musikalische Meisterwerke von Verdi, Rossini, Händel, Mozart, Bizet, Lortzing, Lehár, Tschaikowski u. a.
Solisten: Carmen Fuggiss (Sopran),
Hagen Matzeit (Bariton/Countertenor)
Andrew Richards (Tenor)
Berliner Konzert Chor
Anhaltische Philharmonie Dessau, Dirigent GMD Antony Hermus
Feuerwerksfinale
Freitag, 3. Juli 2009, 20.00 Uhr
Nessun Dorma!
Puccinis Welt – musikalische Begegnungen mit Verdi, Lehár, Mascagni, Gershwin
Musik aus La Bohème, Tosca, Madame Butterfly, Turandot,
Manon Lescaut, Aida, Land des Lächelns, Cavalleria Rusticana,
Porgy and Bess u. a.
Solisten: Eva Lind (Sopran), Georgina Lukács (Sopran),
Marco Jentzsch (Tenor)
Anhaltische Philharmonie Dessau
Dirigent: GMD Antony Hermus