27.01.2012, 14:48 | tags:
Ballett
1195
Pressemitteilung vom 27.01.2012
Treffpunkt Ballett
Am Dienstagabend, 31. Januar um 19.30 Uhr lädt das Anhaltische Theater alle Tanzinteressierten in den Ballettsaal ein. Tomasz Kajdanski und das Ballettensemble geben einen Einblick in ihre neue Inszenierung „Hotel Montparnasse“, die zur Eröffnung des Kurt Weill Fests Dessau 2012 unter dem Motto „Hommage à Paris“ zur Premiere und Uraufführung gelangen wird.
Das Publikum hat hier die Möglichkeit, Tomasz Kajdanski bei seiner Arbeit als Choreograf über die Schulter zu schauen und die Tänzer des Ballettensembles hautnah zu erleben. Diese zeigen erste Ausschnitte der Choreografie zur Musik von Kurt Weill und Georg Gershwin. Die Probenarbeit im Ballettsaal ist hart, hochemotional und unglaublich faszinierend. Bis jeder Tänzer alle Schritte, aus denen sich eine Choreografie zusammensetzt, verinnerlicht und mit der notwendigen Emotion versehen hat, fliest viel Schweiß, aber auch Spaß und Humor kommen nicht zu kurz.
Am 24. Februar um 19 Uhr hat das Ballett „Hotel Montparnasse“ – eine Kooperation mit dem Kurt Weill Fest Dessau um 19 Uhr im Großen Haus Premiere.
Nach Motiven bewegender Emigrantenbiografien lässt Tomasz Kajdanski das Paris der 1930er Jahre auferstehen. Der Pariser Stadtteil Montparnasse – Berg der Musen – bekannt für seine Bars, Cafés, Kabaretts und daher Inspirationsquelle wie auch Zufluchtsort für die Künstler des beginnenden 20. Jahrhunderts, bildet das Zentrum des Balletts.
Erzählt wird von den klaustrophobischen Zuständen der Emigranten ebenso wie von der Lebensfreude in der Metropole Paris.
Kurt Weills 2. Sinfonie und die Konzert-Suite Marie Galante, in Kombination mit Klavierlieder und Ein Amerikaner in Paris von George Gershwin schaffen die Atmosphäre für eine vielschichtige, getanzte Hommage an das Pariser Künstlerleben.
Choreografie, Inszenierung: Tomasz Kajdanski | Musikalische Leitung: Daniel Carlberg | Bühne und Kostüme: Dorin Gal | Dramaturgie: Sophie Walz
Solotänzer: Laura Costa Chaud | Juan Pablo Lastras-Sanchez | Joe Monaghan
Solistin: Ute Gfrerer
Ballettensemble des Anhaltischen Theaters | Anhaltische Philharmonie Dessau
Tickets und Informationen unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
26.01.2012, 17:38 | tags:
Ballett
, Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
1192
Pressemitteilung vom 26.01.2012
Am Wochenende im Anhaltischen Theater
Am Freitag, 27. Januar um 19.30 Uhr steht mit Giacomo Puccinis Oper “La Bohème” eine der weltweit am häufigsten aufgeführten Opern auf dem Spielplan. Die hauseigenen Solisten begleitet von der Anhaltischen Philharmonie unter der Leitung von Daniel Carlberg bringen mit “La Bohème” eine der traumhaftesten Liebesgeschichten der Operngeschichte, in all ihrer Leichtigkeit und Zärtlichkeit auf die Bühne.
Am Samstag, 28. Januar um 17 Uhr ist mit „West Side Story” ein Musical-Klassiker zu erleben.
Leonard Bernsteins berühmtes Musical „West Side Story“, eine moderne Fassung von „Romeo und Julia“, ist nicht nur eine Ansammlung wundervoller Melodien mit rasanten Rhythmen, sondern ein Werk mit dem gerade jetzt hochaktuellen Thema der Sinnlosigkeit von Gewalt und Fremdenfeindlichkeit. Das Anhaltische Theater bietet gleich im Anschluss an die Vorstellung, ein Publikumsgespräch im Theaterrestaurant an, um mit Künstlern über die Inszenierung aber auch zu den aktuellen Bezügen des Werkes ins Gespräch zu kommen.
Letztmalig ist am 29. Januar um 17 Uhr der furiose und bildgewaltige Ballettabend „Die Nibelungen: Siegfriedsaga“ zu sehen. Zur Musik von Richard Wagner, in der Orchesterfassung von Carlos Kalmar, gespielt von der Anhaltischen Philharmonie, erzählt Tomasz Kajdanski die Sage um den Helden Siegfried. Es ist die Geschichte von Menschen, die durch Leidenschaften, Liebe, Hass und Tod miteinander verbunden sind.
Für die Vorstellungen “La Bohème” und „Die Nibelungen: Siegfriedsaga“ sind noch Karten erhältlich, die „West Side Story” am Samstag ist bereits ausverkauft.
Tickets und Informationen unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
22.01.2012, 10:22 | tags:
Ballett
1185
Kerstin Starke, Frankenpost, 21.01.2012
Die Seele muss tanzen
Mit Shakespeares "Der Widerspenstigen Zähmung" meldet sich die Compagnie des Theaters Hof zu Wort. Ballett und Choreografie stammen von Tomasz Kajdanski.
Hof - Die Genialität der Stücke von William Shakespeare schmückt jeden Spielplan, und in Hof tut sie das in dieser Spielzeit nun schon zum zweiten Mal: Die Ballett-Compagnie tanzt die Geschichte "Der Widerspenstigen Zähmung" zu Musik von Dmitri Schostakowitsch; Premiere im Theater ist am Freitag.
Tanz-Libretto und Choreografie dazu stammen von Tomasz Kajdanski, dem Ballettdirektor des Anhaltinischen Theaters Dessau. Dort hatte seine Shakespeare-Version, zu der er "zu 99 Prozent von der Verfilmung von Franco Zeffirelli inspiriert wurde" in der Spielzeit 2010/11 so großen Erfolg, dass sie in diesem Jahr wiederaufgenommen wurde. Nun kommt auch das Hofer Publikum in den Genuss.
Für die nur zwölf Tänzer zählende hiesige Compagnie ist das ungleich schwerer als für die Kollegen in Dessau, denn jede Figur, außer der des Baptista, ist doppelt besetzt. "Die Tänzerinnen und Tänzer sind sehr gefordert", berichtet der in Warschau geborene Choreograf und bescheinigt ihnen ein "gutes Niveau". Das sei für ihn nicht selbstverständlich gewesen. "Ich habe sie sehr gedrillt. Es ist auch eine sehr schwierige Aufgabe: Sie müssen viel tanzen und gleichzeitig spielen und zwar Komödie. Das Wichtigste ist, dass das Publikum lacht."
Tomasz Kajdanski selbst erhielt nach seiner Ausbildung in War-
schau sofort einen Vertrag am dortigen Theater, wo zu jener Zeit Jerzy Graczyk, der langjährige Ballettdirektor des Theaters Hof, Solist war. "Wir jungen Tänzer, alle noch grün hinter den Ohren, haben ihn sehr bewundert." Der Choreograf Hans Kresnik holte Kajdanski nach Hei-
delberg, zwei Jahres später wurde er ans Nationaltheater München engagiert, wo er schließlich Solo-Tänzer wurde. "Dort habe ich große Choreografen wie John Neumeier und
Hans von Manen erlebt und Persönlichkeiten wie August Everding und den Dirigenten Wolfgang Sawallisch", erzählt der 53-Jährige
ußerst lebhaft und gestenreich. "Ich war fast vierzehn Jahre in München, und diese Zeit hat mich sehr
geprägt. Bayern war mein Zu-
hause, hier habe ich mich wohl gefühlt."
In München machte er auch erste eigene Choreografien. Seine Tänzer-Karriere schloss er damals mit einem Gastspiel in New York ab als Sancho Pansa in "Don Quichotte". Kajdanski: "Jemand sah in München mein Ballett ,Haben' und empfahl mich als Choreograf ans Theater nach Rostock." Nach drei Jahren wechselte er von dort nach Coburg, wo gerade Reinhold Röttger, der ehemalige Hofer Intendant, Chef war. "Das war hart damals", erinnert sich der Choreograf. "Zwölf Stunden Arbeit am Tag, in denen man auch kreativ sein musste und Psychologe im Umgang mit den Tänzern."
In Coburg fing Tomasz Kajdanski an, eigene Ballette zu schreiben, sie "vom Nullpunkt an zu entwickeln", und brachte sein erstes - "Kaspar Hauser" - zur Uraufführung. Seine Spezialität und Vorliebe sind, wie er sagt, Handlungsballette: "Der Zuschauer muss das Geschehen nachvollziehen können, der Mensch auf der Bühne muss glaubwürdig sein. Die Seele muss tanzen."
Nach Stationen in Kiel, erneut Rostock und Halberstadt kam Kajdanski nach Eisenach, wo er mit seiner vertanzten Biografie "Tschaikowski" in die Auswahl für den Deutschen Theaterpreis "Der Faust" kam. "Das war wie eine Oscar-Nominierung", freut er sich noch heute. Er folgte dann dem Angebot, Ballettdirektor in Dessau zu werden; dort hat er bislang neben "Lulu" nach Frank Wedekind unter anderem die "Nibelungen" auf die Tanz-Bühne gebracht. Langjähriger Begleiter für den mit einer Deutschen verheirateten Vater eines Sohnes ist der Bühnenbildner Dorin Gal, der auch die Ausstattung in Hof übernommen hat.
Ein besonderer Coup ist Kajdanski mit der Auswahl der Musik für seine "Widerspenstige" gelungen. "Ich habe etwa zwanzig CDs von Dmitri Schostakowitsch durchgehört, bis ich alle Stücke zusammen hatte", erzählt er. Und der Pole, der einst als Fünfjähriger an der Musikschule in Warschau Klavierunterricht hatte, beweist ein gutes Händchen. Denn Ausschnitte etwa aus Schostakowitschs Ballett "Das goldene Zeitalter", aus verschiedenen Ballett-Suiten, aus dessen "Hamlet-Suite" und Filmmusik des Russen scheinen eigens für "Der Widerspenstigen Zähmung" komponiert zu sein.
12.01.2012, 11:46 | tags:
Ballett
1179
Pressemitteilung vom 12.01.2012
Zum letzten Mal : „Die Nibelungen: Siegfriedsaga“
Letztmalig ist am 29. Januar um 17 Uhr der bildgewaltige Tanzabend „Die Nibelungen: Siegfriedsaga“ auf Dessaus Bühne zu sehen. Zur Musik von Richard Wagner, in der Orchesterfassung von Carlos Kalmar, gespielt von der Anhaltischen Philharmonie, erzählt Tomasz Kajdanski die Sage um den Helden Siegfried. Es ist die Geschichte von Menschen, die durch Leidenschaften, Liebe, Hass und Tod miteinander verbunden sind. Ein furioser Ballettabend, der dem Publikum beeindruckende Bilder zeigt!
„Getanzt wird in der Dessauer Uraufführung vorzüglich. Das ist ein Abend starker, großer Bilder, so phantastisch mit schwebenden Gestalten und so erdverbunden und der Realität geschuldet durch die überzeugenden Persönlichkeiten aller Tänzerinnen und Tänzer der Kompanie.“ – so Boris Michael Gruhl, tanznetz, März 2011
Tickets und Informationen erhalten Sie unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
04.01.2012, 13:46 | tags:
Ballett
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Ursula Hoffmann, Allgemeine Zeitung Coesfeld, 23.12.2011
Temporeiche Inszenierung
Shakespeare als Ballett-Vorlage
Eine entzückende Bianca im rosa Kleidchen lässt sich - liebreich lächelnd - gleich von drei Verehrern umgarnen, während ihre temperamentvolle Schwester Katharina, Kratzbürste von Kopf bis Fuß, sich die Männer mit funkensprühenden Augen vom Leib hält. Die leuchtend roten Streifen in ihrem Kleid signalisieren „Vorsicht vor meinem Feuer“. Shakespeares turbulente Liebeskomödie „Der Widerspenstigen Zähmung“ dient für die Ballettkompanie des Anhaltischen Theaters Dessau als Vorlage für ein vor Lebensfreude sprühendes Handlungsballett, das beweist, dass sich Schwung, Witz und Gefühl auch ganz ohne Worte in die Sprache des Tanzes übersetzen lassen. Ein funktionales, einfaches Bühnenbild kombiniert Renaissance-Fassaden mit Spiegelwänden, die Weite und Großzügigkeit zeigen und einen schnellen Wechsel der Spielorte ermöglichen. Hinreißende Kostüme unterstreichen die Charaktere der Figuren, die in Anlehnung an die Commedia dell´arte ausgestattet sind. Der überforderte Vater Baptista ist ebenso als Karikatur angelegt, wie die Freier Biancas, ein witziges Trio, bei denen jeder seine überzeichneten Charakterzüge lustvoll ausspielt. Während Gremio mit Bauch und Zipfelmütze den Clown markiert, ist Biancas Favorit Lucentio eher sanftmütig. Der dritte im Bunde, der Musiklehrer Hortensio, ragt heraus durch seine ausdrucksstarke Mimik, die in Luftsprüngen und Lautenspiel pure Lebensfreude vermittelt.
Überhaupt zeichnet sich die Inszenierung von Thomas Kajdanski durch ein ungeheures Tempo aus. Zeitweise erinnern die Tänzer, die die ganze Bandbreite tänzerischer Ausdrucksformen vom klassischen Spitzentanz über Pirouetten und Hebungen bis zu akrobatischen Sprüngen und Brechungen des modernen Ausdruckstanzes beherrschen, an lebenslustige Füllen, die auf der Weide springen und buckeln. Dazu passt hervorragend die laut Programmheft „lachende Musik“ von Dmitri Schostakowitsch. Handverlesene Auszüge aus seinen Filmen erklingen ebenso wie Ausschnitte aus den Ballettsuiten und fügen sich in ihrer lebendigen Fröhlichkeit und ihrem Farbenreichturn zu einem stimmigen Ganzen. Besonders die zeitweiligen Brüche und Disharmonien scheinen wie gemacht für die Shakespeare-Komödie über den Geschlechterkampf. Der dann heftig tobt zwischen dem heißblütigen Macho Petruchio und der kratzbürstigen Katharina. Und obwohl dieser sowohl den Frauen als auch dem Alkohol nicht abgeneigt erscheint, macht er doch von Anfang an klar, dass er an der vor Temperament sprühenden Frau Gefallen findet. So ist die Zähmung dann auch letzten Endes eher ein Zueinanderfinden und wer hier wen gezähmt hat, wird in der letzten Szene karikiert, in der Katharina die Hosen an hat, während Petruchio - gutmütig lächelnd - im Kleidchen erscheint.
Ein schöner Theaterabend, der ein beständiges Lächeln auf die Gesichter der Zuschauer zaubert.
08.12.2011, 15:29 | tags:
Ballett
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Pressemitteilung vom 08.12.2011
„Der Widerspenstigen Zähmung“
Am Samstag, 17. Dezember um 16 Uhr zeigt sich das Ballettensemble mit „Der Widerspenstigen Zähmung“ wieder von seiner komödiantischen Seite.
Zur temporeichen und vor allem humorvollen Musik von Dmitri Schostakowitsch bringen die Tänzer die shakespearesche Komödie mit großer Spielfreude, immenser Intensität und technischer Perfektion in der Choreografie von Tomasz Kajdanski auf die Bühne.
Popularität erlangte die Geschichte „Der Widerspenstigen Zähmung“ zum einen durch die erfolg-reiche Verfilmung mit Elisabeth Taylor und Richard Burton und zum anderen durch das Musical „Kiss me Kate“ von Cole Porter. Erneut sind die Publikumslieblinge Laura Costa Chaud und Juan Pablo Lastras-Sanchez als Katharina und Petruchio zu erleben, wie sie die Geschichte der Zähmung der Widerspenstigen als turbulente Ballettkomödie vertanzen. Die Vorstellung eignet sich auch besonders für einen Besuch mit Kindern und Jugendlichen.
„Tomasz Kajdanski erweist sich in „Der Widerspenstigen Zähmung“ als ein Meister des Slapstick, der die rhetorischen Volten der Shakespeare-Komödie mühelos in die Sprache des Tanzes übersetzt.“ – so die Mitteldeutsche Zeitung im November 2010
Weitere Vorstellungen:
26.12.11, 17 Uhr | 21.01.12, 17 Uhr | 18.03.12, 16 Uhr
Karten und Informationen unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
21.11.2011, 18:23 | tags:
Ballett
1124
Pressemitteilung vom 21.11.2011
Der Widerspenstigen Zähmung
Ballett nach der gleichnamigen Komödie von William Shakespeare
Mit Musik von Dmitri Schostakowitsch
Nach einem fulminanten Start in die neue Spielzeit mit „West Side Story“ und der Wiederaufnahme „Die Nibelungen: Siegfriedsaga“, in der sich die neuen Ensemblemitglieder bereits hervorragend präsentiert haben, beweisen sie nun auch ihr komödiantisches Können. Am Samstag, 26. November um 17 Uhr bringt das internationale Ensemble erneut die Ballettkomödie „Der Widerspenstigen Zähmung“ nach William Shakespeare auf die Bühne des Anhaltischen Theaters. Dabei stellen sich besonders der Albaner Enea Bakiu und der Australier Joshua Swain in Solorollen vor. Beide jungen Tänzer haben zum Beginn dieser Spielzeit hier in Dessau ihr erstes festes Engagement gefunden und stellen jetzt ihr Talent als Solisten unter Beweis. Dabei sind für diese Rollen nicht nur Perfektion der tänzerischen Technik gefragt, sondern auch großes schauspielerisches Geschick notwendig, um die Komik des Werkes umzusetzen. Die neuen Tänzer setzen ebenso wie das bereits eingespielte Ensemble zu der temporeichen und humorvollen Musik von Dmitri Schostakowitsch die shakespearesche Komödie mit großer Spielfreude, immenser Intensität und technischer Perfektion in der Choreografie von Tomasz Kajdanski auf die Bühne.
Erneut sind die Publikumslieblinge Laura Costa Chaud und Juan Pablo Lastras-Sanchez als Katharina und Petruchio zu erleben, wie sie die Geschichte der Zähmung der Widerspenstigen als turbulente Ballettkomödie vertanzen.
„Tomasz Kajdanski erweist sich in „Der Widerspenstigen Zähmung“ als ein Meister des Slapstick, der die rhetorischen Volten der Shakespeare-Komödie mühelos in die Sprache des Tanzes übersetzt.“ – so die Mitteldeutsche Zeitung im November 2010
Weitere Vorstellungen:
17.12.11, 16 Uhr | 26.12.11, 17 Uhr | 21.01.12, 17 Uhr | 18.03.12, 16 Uhr
Karten und Informationen unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
19.10.2011, 13:32 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
1076
Pressemitteilung vom 19.10.2011
Wagner: bildgewaltig vertanzt
Am Samstag, den 22. Oktober um 17 Uhr zeigt das Anhaltische Theater das Ballett „Die Nibelungen: Siegfriedsaga“. In der furiosen Inszenierung erzählt Tomasz Kajdanski die Sage um den Helden Siegfried zur Musik von Richard Wagner. Es ist die Geschichte von Menschen, die durch Leidenschaften, Liebe, Hass und Tod miteinander verbunden sind. Stark wie Siegfried und Brunhilde, bezaubernd schön wie Kriemhild, anmutig wie die Göttin Erda, verschlagen wie Mime und Alberich, listig wie Hagen sind die Figuren in dieser mythischen Welt. Doch durch ihre Leidenschaftlichkeit, mit ihren menschlichen Träumen und Konflikten berühren sie unsere Gegenwart. Zur Musik von Richard Wagner, gespielt von der Anhaltischen Philharmonie unter der Leitung von Daniel Carlberg entstehen beeindruckende Bilder von außergewöhnlicher Intensität.
„Was Kajdanski mit nur 15 Tänzern, besonders der Solistenequipe, auf die Bühne wuchtet, ist sein Meisterstreich“ – so Volkmar Draeger, tanznetz.de, 27.03.2011
Weitere Termine: 31.10., 17 Uhr | 8.12., 19.30 Uhr | 29.1., 17 Uhr
Tickets und Informationen erhalten Sie unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen
06.10.2011, 17:24 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
1055
Pressemitteilung vom 6.10.2011
„staging the bauhaus II“ / „play bauhaus – jam out“ / „temptations“
Gemeinsame Veranstaltungen der Stiftung Bauhaus Dessau und des Anhaltischen Theaters im Rahmen des Festivalkongresses „Vorstellungsvermögen II“ zur Bauhaus-Bühne Dessau
Zum zweiten Mal laden das Anhaltische Theater und die Stiftung Bauhaus Dessau gemeinsam zum Festivalkongress zur Geschichte der legendären Bauhausbühne ein. Unter dem Titel „Vorstellungsvermögen II“ wird es vom 13. bis 15. Oktober im Bauhausgebäude um den Einfluss der russischen Konstruktivisten auf Musik und Theater gehen.
Anknüpfend an den großen Erfolg im vergangenen Jahr wird es auch diesmal wieder ein Konzert unter dem Motto „staging the bauhaus“ geben. Dirigent Daniel Carlberg und die Anhaltische Philharmonie spielen am 13. Oktober um 20 Uhr u.a. die Originalmusik von Dmitri Schostakowitsch zum Stummfilm „Das neue Bayblon“. Außerdem werden drei kleine vokal-instrumentale Miniaturen von Alexander Mossolow und Igor Strawinsky zu hören sein, bei denen Jagna Rotkiewicz als Solistin mitwirkt.
Die Musik der russischen Avantgarde trifft im Bauhaus auf die Architektur einer Versuchsbühne. Die "Beziehungen von Licht, Raum, Fläche, Form, Bewegung, Ton, Mensch", mit denen sich einst Laszlo Moholy-Nagy beschäftigte, sollen an diesem Abend mit Licht-, Bild- und Stimmbewegungen neu in Szene gesetzt werden. Für das Gesamtkonzept zeichnet Dirigent Daniel Carlberg verantwortlich, der auch wieder moderierend durch den Abend führen wird.
Eintritt: 17,50- / 13,50- Euro ermäßigt / 8,- Schüler
Anhaltische Philharmonie Dessau
Gesamtkonzept und Dirigent: Daniel Carlberg | Solistin: Jagna Rotkiewicz, Sopran |
Sprecher: Eva Marianne Berger, Patrick Rupar | Szenografie: Torsten Blume
Dramaturgie: Holger Kuhla
Neben dem außergewöhnlichen Konzert laden beide Institutionen am 14. Oktober um 20 Uhr zur Tanzperformance „play bauhaus – jam out“ ebenfalls auf die Bauhausbühne ein. Die Performance bezieht sich vor allem auf die Bauhaustänze der 1920er Jahre und auf ihr Spiel mit dem Raum. Außerdem stellen die Akteure an diesem Abend das Projekt „temptations“ vor, bei dem es um körperliche Energien und räumliche Bezüge geht.
Am 15. Oktober um 20 Uhr sind beide Tanzperformances, die auf historische Studien Oskar Schlemmers zurückgehen, auf der Bauhaus-Bühne zu sehen.
Eintritt: 10,- / 7,- Euro ermäßigt
„play bauhaus – jam out“
Eine Produktion der Bauhausbühne, Stiftung Bauhaus Dessau von Torsten Blume (Szenografie, Regie) und Yun-Ju Chen (Tanz, Choreographie) / Sound: Shintaro Imai / Gefördert durch: Chin-Lin Foundation for Culture and Arts, Cloudgate Dance Theatre Fund Taiwan
„temptations“
Eine Produktion des Ballettensembles des Anhaltischen Theaters Dessau / Konzept, Choreografie: Matthew Bindley und Juan Pablo Lastras-Sanchez / Tänzer: Laura Costa Chaud, Charline Debons, Annelies Waller, Anna Jo, Joshua Swain / Musik: Phil Von
Tickets und Informationen unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen, der Abendkasse sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
05.10.2011, 11:49 | tags:
Ballett
, Schauspiel
, Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
1053
Wolf- Dieter Kröning, Bild Zeitung, 4.10.2011
"West Side Story" in Dessau
Weichgespültes Meisterwerk!
Ach, es ist so süß & bitter, so wild & traurig - und endet im Tod! West Side Story, ist - richtig inszeniert - nichts für kleine Kinder. Und Regisseur Christian von Götz macht es richtig!
Das berühmte Musical am Anhaltischen Theater Dessau: ein Meisterwerk - schon das Bühnenbild von Britta Bremer ist schlicht fantastisch.
Tony (David Ameln) und Maria (Cornelia Marschall) sind ein rührendes Liebespaar - wie sie durch ihren Alptraum irrt, ist furios. Die Sänger und Tänzer, die Kämpfe, die Einfälle - prima (auch wenn Latino-Girls nicht rothaarig sind). Der große Wurf somit? Ja, wenn die Anhaltische Philharmonie mitzöge! Alles klingt lieblich: Daniel Carlberg denkt, er dirigiere eine Art Operette - schwelgerisch zerdehnt er die genialen Bernstein-Songs, raubt ihnen die Schärfe, Ruppigkeit, Tempo: Der Weichspüler am Pult arbeitet gegen die Regie. Nur wenige haben`s gemerkt, Trampelapplaus! Fazit: die beste "West Side Story", die ich seit langem gesehen habe. Braucht nur mehr Druck auf der Pumpe.
Nächste Vorstellung: 7. Oktober, 19.30 Uhr, Karte ab 13,50 Euro
04.10.2011, 17:34 | tags:
Ballett
, Schauspiel
, Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
1051
Helmut Rohm, Volksstimme, 4.11.2011
"West Side Story" zum Spielzeitauftakt am Anhaltischen Theater
Bewegende Geschichte in faszinierender Symbiose
essau-Roßlau. "Irgendwo. Irgendwann. Irgendwie." - nur die Hoffnung bleibt. Hier endet Leonard Bernsteins Musical "West Side Story", das am Freitagabend im ausverkauften Anhaltischen Theater Dessau eine frenetisch gefeierte Premiere erlebte.
Im Grunde "sitzen" die bis aufs Blut verfeindeten New Yorker Straßengangs, die Jets und die Sharks "im gleichen Boot". Beide sind Abkömmlinge verschiedener Einwanderergruppen. Beide haben keine soziale Perspektive. Beide klammern sich an ihr vermeintliches Domizil, eine heruntergekommene Industriebrache. Gewalt ist das fast einzige Kommunikationsmittel - ein schier unlösbarer Konflikt.
Mit seinem bisher wohl weltweit erstmaligen Drehbühnen-Raum-Konzept (Bühne: Britta Bremer; Kostüme: Katja Schröpfer) symbolisiert Regisseur Christian von Götz die sich zuspitzende Gewaltspirale, die schließlich aus dem Rahmen läuft.
Beide Gruppen stehen gleichsam für die hoffnungslose Lage der Jugend schlechthin. Etwas von diesem New York der 1950er Jahre ist auch hier und heute. "Während wir in Dessau probten, brannten in London die Straßen, in Berlin die Autos, wurden auf Bahnsteigen unschuldige Menschen zu Tode geprügelt", zieht Christian von Götz erschütternde Parallelen.
Die bewegende Geschichte (Buch Arthur Laurents, Gesangstexte von Stephen Sondheim) inszeniert er als faszinierende Symbiose von Musik, Schauspiel und Tanz (Choreografien Carlos Matos). Das Orchester unter dem furios agierenden Daniel Carlberg spielt groß auf, trifft den Nerv der jeweiligen Situation eindrucksvoll.
Besonders hervorzuheben ist, dass bis auf Karen Helbing (Anita) dieses personalaufwändige Stück durchweg mit theatereigenen Künstlern realisiert wird. Christian von Götz hat dabei ein großartiges Musicalensemble geformt, in dem kaum noch unterscheidbar ist, ob Tänzer, Sänger oder Schauspieler in Aktion sind. Die Dessauer "West Side Story" ist so zu viel mehr als einem eindrucksvoll gelungenen Spielzeitauftakt geworden und setzt sicher hier und da auch über Dessau hinaus neue Maßstäbe.
Der Zuschauer wird förmlich mitgerissen von der unglaublichen temporeichen und ungemein realistisch-dramatisch-tragischen Auseinandersetzung, hin bis zu faszinierend dargestellten realistischen Kampfszenen (Choreografie Klaus Figge).
Er erlebt jedoch auch sehr kontrastreich die von lebensechter Emotionalität geprägten sentimental-lyrischen Szenen der jungen, zunächst scheinbar ungetrübten Liebe von Maria und Tony. Eine aufkeimende Beziehung, die von Cornelia Marschall und David Ameln gesanglich vorzüglich und spielerisch anrührend gelebt wird. Wie bei "Julia und Romeo" kann ihre Liebe nicht glücklich werden. Die Hoffnung bleibt - auf das "Irgendwo. Irgendwann. Irgendwie".
Die nächste Aufführung ist am Freitag, dem 7. Oktober, um 19.30 Uhr.
02.10.2011, 21:59 | tags:
Ballett
, Schauspiel
, Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
1049
Andreas Hillger, mz-web.de,2.10.2011
Anhaltisches Theater
Im Schmelztiegel der Kunst
Am Anfang geht eine Puppe zu Bruch, am Ende werden Menschen in ihrem Blut liegen - doch das kleine Mädchen wird dann noch immer versuchen, das zerstörte Spielzeug zu reparieren. Es ist ein schlichter, stimmiger Rahmen, den Christian von Götz seiner Inszenierung der "West Side Story" am Anhaltischen Theater gegeben hat. Und er passt perfekt zum tödlichen Spiel, das die Jets und die Sharks hier in den Straßen von New York treiben: ein Guerilla-Krieg der Benachteiligten, die ihren Kick in den Klischees vom fremden Gegenüber und in den adrenalinsatten Balzkämpfen vor den Augen ihrer Mädchen suchen. Bis sich zwei junge Menschen zwischen den Fronten begegnen und die Liebe den Hass entlarvt.
Von Verona nach Amerika
Dass diese Geschichte von zeitloser Gültigkeit sein würde, dürften der Komponist Leonard Bernstein sowie seine Librettisten Arthur Laurents (Buch) und Stephen Sondheim (Songs) schon bei der Uraufführung 1957 geahnt haben. Schließlich hatten sie damit das berühmteste Liebesdrama der Literaturgeschichte aus Verona nach Amerika versetzt und Romeo und Julia in Tony und Maria umbenannt. Wie gut sich dieses Werk aber auch für eine Produktion jenseits der Broadway-Traditionen eignet, kann man nun in Dessau sehen: Hier spielt ein deutsches Stadttheater seine Trümpfe aus und inszeniert ausgerechnet die Konfrontation von rivalisierenden Gruppen als Schulterschluss zwischen allen Sparten.
Denn dies ist das überraschende und überzeugende Konzept dieses Abends: Bis auf Cornelia Marschall (Maria) und David Ameln (Tony) sind sämtliche Rollen mit Chorsängern, Tänzern und Schauspielern des Hauses besetzt, lediglich Karen Helbing wurde für die Rolle der Anita als Gast engagiert. Und wo man sonst die Spezialisierung in den Defiziten erkennt, verschwimmen hier die Grenzen zum Besseren: Drei Dutzend Darsteller singen, tanzen und sprechen ihre Rollen überzeugend, sie beflügeln einander zu Höchstleistungen auf fremdem Terrain und treten am Ende ausgepumpt, aber glücklich in den Premierenjubel.
Da sind die Tänzer Matthew Bindley und Juan Pablo Lastraz-Sanchez, die sich als Riff und Bernardo an die Spitze ihrer Heere stellen und als Erste in den Tod gehen. Da sind die Schauspieler Patrick Rupar und Susanne Hessel, die als Action und Anybody's auf Seiten der Jets für gefährliche Energie sorgen. Und da sind die Choristen Alexander Dubnov und Anne Weinkauf, die bei den Sharks vom kleinen Glück träumen. Sie stehen als Erste unter Gleichen in dem Ensemble, das in den von Carlos Matos rasant choreografierten Nummern wie "I'd like to be in America" oder "Officer Krupke", auch und vor allem aber in den von Klaus Figge virtuos inszenierten Kampfszenen über sich hinauswächst.
Kein biederes Remake
Dabei hat Christian von Götz alles andere als ein biederes Remake des klassischen Vorbilds geliefert. Dank der gigantischen Dessauer Drehbühne konnte er sich von Britta Bremer ein Labyrinth bauen lassen, in dem zwischen Feuerleitern und Klimakästen genügend Raum für große Bilder bleibt. Wenn sich Tony und Maria im Brautkleidladen begegnen oder in einem Meer von Kerzen vor der feindlichen Welt verstecken, dann sind diese poetischen Momente einer latenten Angst abgetrotzt, die in erschreckenden Visionen von Schlachthäusern und Drogenrausch vor den Augen der Zuschauer kreist. So braucht es nur wenige Accessoires wie die Liebes-SMS oder die schönen, aktuellen Kostüme von Katja Schröpfer, um die Geschichte in die Gegenwart zu holen - und nur wenige drastische Augenblicke wie die Vergewaltigung von Anita, um ihre existenzielle Dimension deutlich werden zu lassen.
Für die musikalische Qualität und den permanenten Dialog zwischen Bühne und Orchestergraben aber sorgt Daniel Carlberg, der der Anhaltischen Philharmonie ihre zuletzt an Weills "One Touch of Venus" und Bernsteins "Candide" geschulten Amerikanismen entlockt. Und so, wie sich die Musiker in diesen Sound einfühlen, bringen auch die Künstler auf der Bühne ihre biografische Verwurzelung in ein Stück ein, das dafür ideal scheint.
Da kokettiert die Schweizerin mit einem puerto-ricanischen Akzent, da tanzt die Brasilianerin neben dem Briten und die Koreanerin neben dem Albaner. Das Theater als Schmelztiegel, als sozialer Raum mit kultureller Aufgabe. "Somewhere"? Genau hier!
Nächste Vorstellungen: 7. Oktober, 19.30 Uhr; 27. Oktober, 16 Uhr
18.08.2011, 12:58 | tags:
Puppentheater
, Ballett
1009
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 18.8.2011
Wege ins Wunderland
Eigentlich sind es ja fast drei Premieren, die das Ballettensemble von Tomasz Kajdanski in der in wenigen Tagen beginnenden Spielzeit 2011 / 2012 am Anhaltischen Theater zu feiern hat. Da ist zum einen am 24. Februar die Uraufführung von "Hotel Montparnasse" und dann am 16. Juni "Alice im Wunderland". Schon sehr viel früher aber, bei der Eröffnungspremiere mit dem Bernstein-Musical "West Side Story" im September, wird man die Tänzer in einer großen Produktion und mit aufwendigen Choreographien auf der Bühne sehen. Das Ballett, der Chor, Solisten und Schauspieler reisen also erst einmal nach Amerika, ehe Kajdanskis Tänzer das Paris der 30er Jahre erkunden.
Eben dorthin führt das Ballett "Hotel Montparnasse", das zugleich auch die Eröffnungspremiere des Kurt-Weill-Festes 2012 sein wird. Paris war für den Komponisten Kurt Weill eine wichtige Lebensstation bei der Emigration nach Amerika. Paris ist deshalb auch das große Thema des Weill-Festes 2012.
Tomasz Kajdanski lässt für diese Produktion Menschen unterschiedlichsten Couleurs in den 30er Jahren in einem Hotel im Künstlerviertel Montparnasse aufeinander treffen. Dort wird gemeinsam gefeiert und getrauert, aber auch geliebt und gestritten. Mit der Anhaltischen Philharmonie, die Weills Musik spielt, soll dieser Ballett-Abend die bedrückenden wie auch heiteren Klangfarben und Stimmungen der damaligen Zeit charakterisieren.
Lewis Carrolls Buch "Alice im Wunderland" liefert dann im Juni die Vorlage für die zweite große Ballettproduktion der Saison, die Tomasz Kajdanski choreographiert und die erneut von der Anhaltischen Philharmonie musiziert wird. Das Ballettstück, das in bezaubernder Weise mit Logik und Verrücktheiten von Träumen spielt, soll Kinder und Erwachsene gleichermaßen begeistern. Natürlich wird man da auch auf die Grinsekatze, das weiße Kaninchen, den Hutmacher und allerlei andere wunderliche Bewohner jener Welt treffen, in die das Mädchen Alice fällt und in der sie phantastische Abenteuer erlebt. Zu den Wiederaufnahmen im Ballett gehören die Erfolgsproduktionen "Die Nibelungen: Siegfriedsaga" und "Der Widerspenstigen Zähmung".
Mit gerade zwei Spielern - Uta Krieg und Helmut Parthier - ist das Puppentheater die kleinste Sparte der Dessauer Bühne, aber auch eine sehr wichtige. Sind es doch oft die Inszenierungen für die jüngsten Zuschauer im Alten Theater, die diesen Lust machen, auch später das Theater zu besuchen.
Drei Premieren kündigt das Puppentheater für die Saison 2011 / 2012 an. Mit "Der Schimmelreiter" nach Theodor Storm geht es am 28. Oktober los. Die berühmte Novelle um Hauke Haien wurde für ein Spiel von Puppen und Menschen bearbeitet und wird in Dessau von Karin Eppler inszeniert.
"Gans! Schön schlau!" können Kinder ab vier Jahre werden, wenn sie am 8. April die gleichnamige Premiere besuchen, die nach Motiven eines Bilderbuches von Caroline Jayne Church entsteht und von Anne-Kathrin Klatt inszeniert wird. Wie die Matschgans den Fuchs austrickst, wird man nach dem Besuch dieser Vorstellung wissen.
Ins Freie geht es mit dem Puppentheater ab dem 8. Juni. Dann sind die Vampire los, denn Astrid Griesbach inszeniert "Dracula", und frei nach Bram Stoker laden untote Puppen zu einem blutigen Spektakel ein. Wärmstens empfohlen wird dieser Abend übrigens vom Blutspendedienst.
16.06.2011, 15:42 | tags:
Ballett
978
Pressemitteilung vom 16.06.2011
“Die Nibelungen: Siegfriedsaga“
Am Samstag, 18. Juni und am Freitag, 24. Juni jeweils um 19.30 Uhr zeigt das Anhaltische Theater das Ballett “Die Nibelungen: Siegfriedsaga“.
In der furiosen Inszenierung erzählt Tomasz Kajdanski die Sage um den Helden Siegfried zur Musik von Richard Wagner. Es ist die Geschichte von Menschen, die durch Leidenschaften, Liebe, Hass und Tod miteinander verbunden sind.
Stark wie Siegfried und Brunhilde, bezaubernd schön wie Kriemhild, anmutig wie die Göttin Erda, verschlagen wie Mime und Alberich, listig wie Hagen sind die Figuren in dieser mythischen Welt. Doch durch ihre Leidenschaftlichkeit, mit ihren menschlichen Träumen und Konflikten berühren sie unsere Gegenwart. Zur Musik von Richard Wagner entstehen beeindruckende Bilder von außergewöhnlicher Intensität.
„Was Kajdanski mit nur 15 Tänzern, besonders der Solistenequipe, auf die Bühne wuchtet, ist sein Meisterstreich“ – so Volkmar Draeger, tanznetz.de, 27.03.2011
Karten und Informationen unter: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de, den Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
31.05.2011, 16:37 | tags:
Ballett
, Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
948
Pressemitteilung vom 31.05.2011
Elbmusikfest
2. bis 5. Juni 2011 in Dessau
2010 nahm das Anhaltische Theater Dessau die Tradition der Elbmusikfeste wieder auf und veranstaltet dies seitdem jährlich am Himmelfahrtswochenende. Vom 2. bis 5. Juni werden die aktuellen Inszenierungen des Jahres präsentiert, beginnend mit LANDSCAPE– Kritik der Liebe, gefolgt von Mussorgskis CHOWANSCHTSCHINA und der vertanzten Erzählung DIE NIBELUNGEN: SIEGFRIEDSAGA bis hin zu Puccinis TURANDOT.
Die Musikfeste hatten im 19. Jahrhundert eine große Bedeutung für die regionale Entwicklung des Chorwesens. Diese Tradition, Sänger und Chöre zusammenzuführen, wird im Rahmen des Elbmusikfestes mit einem sogenannten SCRATCH-KONZERT am fortgeführt.
Hunderte von Sangesbegeisterten studieren innerhalb von 24 Stunden ein berühmtes Chorwerk bzw. Chorwerke ein, die dann beim abendlichen Konzert unter Mitwirkung von Solisten des Theaters, der Anhaltischen Philharmonie unter der Leitung von GMD Antony Hermus präsentiert werden. 299 Sänger aus Dessau und der Region haben sich angemeldet und 53 Kinder! Wer noch ein Ticket für dieses Konzert am 4. Juni um 19 Uhr erhalten möchte, sollte schnell zugreifen.
Mussorgskis großes Volksdrama CHOWANSCHTSCHINA verknüpft historische Ereignisse aus der Geschichte Russlands mit einer hochdramatischen Liebesgeschichte und ist am Donnerstag, 2. Juni um 18 Uhr im Großen Haus zu sehen. Die Inszenierung ist eine Kooperation mit dem Nationaltheater Weimar, unterstützt durch die Staatsoper Stuttgart.
Der Chor und Kinderchor des Anhaltischen Theaters sowie der Chor des Deutschen Nationaltheaters Weimar bringen neben den Solisten beider Theater dieses Volksdrama, inszeniert von Andrea Moses, mit großer Klanggewalt auf die Bühne.
Es musiziert die Anhaltische Philharmonie unter der Leitung von Generalmusikdirektor Antony Hermus.
„Am Ende dieses Premierenabends am Dessauer Theater bleiben Respekt und Erstaunen, dass hier Aufführungen möglich sind, auf die weit größere Häuser stolz sein könnten – und das hier trotz chronischer Sparzwänge große Oper stattfindet.“ – so DER TAGESSPIEGEL, 10. Mai 2011 zur Inszenierung „Chowanschtschina“
Mit DIE NIBELUNGEN: SIEGFRIEDSAGA erzählt Tomasz Kajdanski die Sage um den Helden Siegfried zur Musik von Richard Wagner. Es ist die Geschichte von Menschen, die durch Leidenschaften, Liebe, Hass und Tod miteinander verbunden sind. Die beeindruckende Ballettinszenierung ist am Freitag, 3. Juni um 19 Uhr im Großen Haus zu erleben.
„Was Kajdanski mit nur 15 Tänzern, besonders der Solistenequipe, auf die Bühne wuchtet, ist sein Meisterstreich“ – so Volkmar Draeger, tanznetz.de, 27.03.2011
Nur noch zwei Mal: am 5. Juni und am 12. Juni jeweils um 17 Uhr ist Puccinis Oper TURANDOT, inszeniert von Andrea Moses auf Dessaus Bühne zu sehen. In der packenden Inszenierung geht es um Macht und Machtdemonstration, den ewigen Kampf der Geschlechter und um die große Liebe. Mit viel Ironie und Spielfreude verbindet Moses die verschiedenen Charakteristika dieses Werkes zu einem Medienspektakel im Turandot´s Riddle Club. Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Generalmusikdirektor Antony Hermus.
„...auf Ensemblemitglieder wie Iordanka Derilova und Sergey Drobyshevskiy in den mörderischen Hauptpartien dürfte manch größeres Haus neidisch schauen.“ – so die FAZ, Oktober 2010
Außerdem lädt das Anhaltische Theater am Freitag, 3. Juni um 16.30 Uhr zum Konzert der Musikschule Coswig ins Foyer des Großen Hauses ein. Sowohl am Freitag, 3. Juni um 17.30 Uhr als auch am Sonntag, 5. Juni um 15.30 Uhr werden Theaterführungen durch das Große Haus angeboten.
Karten und Informationen unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
17.05.2011, 14:44 | tags:
Puppentheater
, Ballett
, Schauspiel
, Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
933
Pressemitteilung vom 17.05.2011
Spielzeit 2011/2012 „GLÜHENDE LANDSCHAFTEN“
Voller Elan geht das Team um Generalintendant André Bücker in die nunmehr 217. Spielzeit. Unter dem Titel „GLÜHENDE LANDSCHAFTEN“ nehmen zahlreiche Inszenierungen die Themen der Stadt und der Region auf. Die kommende Spielzeit ist wieder voller Höhepunkte: das Schauspiel startet unter neuer Leitung von Niklas Ritter mit einem der bedeutendsten Stücke der Weltliteratur, „Hamlet“ von William Shakespeare. Mit „Pension Schöller“ inszeniert Werner Eng für das Publikum eine handfeste Komödie. Weiterhin stehen „Der Turm“ nach dem Roman von Uwe Tellkamp in der Regie von Lukas Langhoff, „Der Besuch der alten Dame“ - eine tragische Komödie von Friedrich Dürrenmatt, „Kasimir und Karoline“ - ein Volksstück von Ödön von Horváth, „Moby Dick“ - ein Abendteuer nach dem Roman von Hermann Melville und die zauberhafte Geschichte der „Weihnachtsgans Auguste“ auf dem Spielplan.
Das große Jubiläum „800 Jahre Anhalt“ zum Anlass nehmend, inszeniert Karl Thiele das Lustspiel „Der alte Dessauer“ nach Karl May als großes Spektakel im Georgengarten in Dessau.
Bereits im September startet ein Festival: die „9. Theatertage der Länder Sachsen- Anhalt und Brandenburg“. Dreizehn Theater zeigen Produktionen für Kinder und Jugendliche. Das Festival ist gleichzeitig Forum für Theaterschaffende und bietet zahlreiche Möglichkeiten der Auseinandersetzung und des Austauschs.
Das Musiktheater geht mit Felix Losert, dem neuen Leitenden Dramaturgen für Musiktheater/Operndirektion im September mit dem Musical-Klassiker „West Side Story“ von Leonard Bernstein, inszeniert von Christian von Götz an den Start. Im Mai 2012 beginnt mit der „Götterdämmerung“, inszeniert von André Bücker und unter der musikalischen Leitung von GMD Antony Hermus der erste Dessauer „Ring“ seit über fünfzig Jahren, der 2015 anlässlich des Internationalen Kongresses der Richard-Wagner-Gesellschaft als vollständiger Zyklus zu sehen sein wird. Außerdem werden bedeutende Werke wie Puccinis „La Bohème“, Gounods „Faust“ - inszeniert von Hinrich Horstkotte, Griegs „Peer Gynt“- in einer halbszenischen Produktion - und Mozarts „Bastien und Bastienne“ - eine Musiktheaterproduktion für Kinder auf dem Spielplan stehen. Die „Große Gala der heiteren Muse“ für die leichte Unterhaltung vereint Operette, Spieloper und Musical.
Zwei große Ballett Premieren, inszeniert und choreografiert von Tomasz Kajdanski werden in der kommenden Spielzeit den Spielplan bereichern. Mit der Uraufführung „Hotel Montparnasse“ eröffnet das Ballett das Kurt Weill Fest 2012 und setzt das Künstler- und Emigrantenleben in Paris, in den aufregenden 20er und 30er Jahren in Szene. Außerdem wartet auf das Publikum die abenteuerliche, märchenhafte wie fantastische Geschichte: „Alice im Wunderland“, für die Lewis Carolls Roman die Grundlage bildet.
Abwechslungsreiche, spannende und anregende Konzerte für Jung und Alt bietet die Anhaltische Philharmonie unter der Leitung von Generalmusikdirektor Antony Hermus: Sinfoniekonzerte, Jugendkonzerte, Konzerte zu Weihnachten und Neujahr, Scratch-Konzerte und Kammerkonzerte. Nachdem sich die Anhaltische Philharmonie 2010 mit dem erfolgreichen Planeten-Konzert am IMPULS-Festival für Neue Musik beteiligt hat, gibt es 2011 eine Fortsetzung der Zusammenarbeit. Im Rahmen des Kurt Weill Fest 2012 lässt die Anhaltische Philharmonie in einem Programm mit musikalischen Bezügen zu Paris auch das „Violinkonzert“ von Kurt Weill erklingen.
Hervorragende Solisten konnten für die Konzerte gewonnen werden: Ragna Schirmer, Nemanja Radulovic, Andrea Lieberknecht, Hardy Rittner, Marina Chiche, Sebastian Manz, Heidi Brunner und Julian Steckel – um nur einige zu nennen.
Beim Festival „Himmel auf Erden“, dass in Koproduktion mit dem WittenbergKultur e.V. in Wittenberg stattfindet und 2012 unter der künstlerischen Leitung von Generalintendant André Bücker ins zweite Jahr geht, ist die Anhaltische Philharmonie ebenfalls mit einem Sonderkonzert beteiligt.
Das Puppentheater bietet neben einem reichen Repertoire und einer neuen, bezaubernden Geschichte um eine „Matschgans“ für die Kleinsten, Theodor Storms „Schimmelreiter“ für Menschen ab 12 Jahren und zum Abschluss der Spielzeit einen Leckerbissen für all jene, die Bram Stokers Vampirstory „Dracula“ schätzen. Diese Inszenierung wird ihre Uraufführung und Premiere im Juni 2012 als Open Air Produktion haben.
Die Theaterpädagogik hat schier unerschöpfliche und abwechslungsreiche Angebote im Programm, neue Patenschaften zwischen Schulen und dem Anhaltischen Theater werden geknüpft – außerdem erwartet das Publikum eine Vielzahl an interessanten Projekten. Neben bereits etablierten Veranstaltungsformaten wie „Die Nacht, die Lichter“, „Trash am Montag“, dem „Philharmonie-Stammtisch“, „Treffpunkt Ballett“ und den Matineen vor den Premieren überraschen neue Formate u.a. die Theatersoap „Was ist denn heut` bei Anhalts los?“, „My Songs“, „Theaterclub“ und „Wunschfilm 299“.
Schließlich gibt es ab der kommenden Spielzeit einen Betreiberwechsel im Theaterrestaurant „Altes Theater“. Das Team um Jörg Folta wird mit hochwertiger Küche und angesagter Bar neben bizarrem Entertainment dem Ort Leben einhauchen.
Informationen zu den Inszenierungen, den Projekten und Aktionen unter www.anhaltisches-
theater.de/vorschau und im neuen Spielzeitheft.
12.05.2011, 22:09 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
928
Herbert Henning, Orpheus, Mai/Juni 2011
Die Nibelungen
Liebe über den Tod hinaus
Die Nibelungen, dieser außergewöhnliche Ballett-Abend von Tomasz Kajdanski ist nicht zu verwechseln mit Wagners Ring, obwohl dessen Musik die vier Teile des Abends dominiert. Carlos Kalmar hat aus der Musik der Tetralogie eine Orchesterfassung erarbeitet, die die Qualität einer Sinfonischen Dichtung hat. Für die tänzerische Nacherzählung der Siegfriedsage hat der Choreograf archaische Bilder von außergewöhnlichem ästhetischem Reiz geschaffen und eine bis an die Grenzen der Tänzer gehende Körpersprache gefunden.
Es ist die Geschichte von Menschen, die durch Leidenschaften, Liebe, Hass und Tod miteinander verbunden sind. Die Szenen wechseln in rasantem Tempo. Es gibt wenige tänzerische Ruhepunkte. Die Klangwucht der Musik (Walkürenritt und Trauermarsch) wird archaisch streng und mit atemberaubender tänzerischer Präzision von den solistisch hoch geforderten Tänzern in fast schon rituellen, synchron getanzten Bewegungsfolgen gedeutet. Es sind grandiose Bilder, die im Gedächtnis bleiben. Großen Anteil daran haben Bühne und Kostüme von Dorin Gal und immer wieder assoziationsreiche Videoprojektionen und wechselnde Lichtstimmungen.
Nach dem Kampf mit Alberich (Johan Plaitano) wird Siegfried als strahlender Held „vergoldet" und es beginnt das langsame Ende im Land der Burgunder. Die dort expressiv getanzten Szenen zwischen Gunter (Joe Monaghan), Hagen (Pablo Lastras-Sanchez) und Kriemhild (Yuliya Gerbyna) mit Siegfried gehören zu den Höhepunkten der spannenden Aufführung. Jonathan Augereau tanzt den Siegfried mit großer Leidenschaft, athletischer Eleganz, emotionaler Kraft und technischer Finesse. Ausdrucksstark die Begegnungen mit Brünhilde (Anna-Maria Tasarz).
Tomasz Kajdanski erfindet immer wieder sich kaum wiederholende Bewegungsstablaus, fordert die Tänzer bis an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit.
Daniel Carlberg leitet die Anhaltische Philharmonie umsichtig. Zum Finale der Götterdämmerung versinkt auf der Bühne die Welt im Chaos, und die Göttin Erda (Melanie Legrand) steigt wie ein Engel als Hoffnungsträger für die Zukunft empor.
09.04.2011, 09:54 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
890
Boris Michael Gruhl, www.musik-in-dresden.de, 04.04.2011
Noch eine Chance für Mutter Erda
Nein, das ist nicht der Ring in einer Kurzfassung, auch wenn die Musik des neuen Balletts von Tomasz Kajdanski, das jetzt am Anhaltischen Theater Dessau uraufgeführt wurde, von Richard Wagner ist. Carlos Kalmar, vormaliger Generalmusikdirektor, hat Motive aus der Tetralogie und dem Vorspiel zusammengefügt. Entstanden ist ein vierteiliges Stück für großes Orchester, dessen Teile jeweils dem Charakter des zugrunde liegenden Werkes folgen.
Kajdanskis Handlung aber folgt nicht der des Wagnerschen Ringes. Im Ballett „Die Nibelungen: Siegfriedsaga“ geht er den Weg mit Siegfried von dessen Eintritt ins tragische Heldenleben bis zu seinem Tod samt tödlicher Trauer, die Rache um Rache gebiert.
Wagners Musik wird nicht „vertanzt“. Weder Rhythmen noch melodische Bögen oder Klangexplosionen wie der Trauermarsch aus der „Götterdämmerung“ und zuvor die galoppierende Kampfmusik der Walküren werden bewegungsmäßig gedoppelt. Der Klang, mitunter auch wie ein guter Filmsound empfunden, sorgt für die emotionale und assoziative Weite der klar strukturierten Erzählung der Siegfried-Geschichte mit den Mitteln des Tanzes.
Es beginnt mit Erdas (Mélanie Legrand) Erschaffung der Welt aus dem Nichts zu den aufsteigenden Klängen des Vorspiels aus „Rheingold“. Die große Bühne des Dessauer Theaters von Dorin Gal ist schwarz und leer. Über eine steile Schräge gelangt man auf die Erde. Auch Siegfried steigt herab. Mit seinen Heldentaten wird er aufsteigen, aber heraus kommt er nicht mehr aus diesem dunklen Schlund. Man wird ihn am Ende heraus tragen, aufgebahrt, erhöht und stilisiert für Geschichtsbücher, Opern und Filme. Der junge Mann selbst stirbt gänzlich einsam.
Das Dessauer Nibelungen-Ballett vermittelt in direkter Erzählweise die Stationen des jungen Siegfried. Jung wird er bleiben. Zunächst wird die Waffe geschmiedet. Die erste Mutprobe, der Kampf mit dem Lindwurm, ist Blutbad und Feuertaufe zugleich. Allein eine Laune der Natur in Form des herabfallenden Lindenblattes verhindert die totale Unsterblichkeit. Nächstes Objekt der Eroberung ist eine Frau. Aber bald schon ist es dem Helden langweilig an Brunhildes Seite (Anna-Maria Tasarz) im kämpferischen Staat der Walküren. Nach dem Sieg über den heimtückischen Alberich (Johan Plaitano) ist der Held perfekt, vergoldet strahlt Siegfried.
Was folgt, ist das Trauerspiel am Hof der Burgunden in Worms am Rhein. Der junge Held wird vollends zum willfährigen Werkzeug im schmutzigen Ränkespiel einer kriminellen politischen Bande an deren Spitze Widerling wie Gunther und Hagen (Joe Monaghan und Juan Pablo Lastras-Sanchez) das Sagen haben. Unter der Tarnkappe, einer weißen Neutralmaske, verliert der Tänzer Gesicht und Persönlichkeit. Siegfried wird zur Kampfmaschine, die mehrfach eroberte Brunhilde mag ebenso für die Tragik ziviler Opfer stehen wie Kriemhild (Yuliya Gerbyna). Dann rollt die sagenhafte Mordmaschine, kein Einhalt für Hauen und Stechen. Am Ende ist die Bühne wieder schwarz und leer, eine verkohlte Ruine, aus deren Löchern unkenntliche Gestalten kriechen. Eine Gestalt, übergroß, in strahlendem Weiß, Madonna, Mutter, Engel schwebt wie ein Gruß aus frommen Wallfahrtsorten über dem gottlosen Unort. Erda lässt es regnen. Noch eine Chance für die Welt.
Eben weil Tomasz Kajdanski seinen jungen Siegfried mit so viel Sympathie ausstattet, weil er ihn so entsetzlich schuldlos schuldig werden lässt, wirkt diese Apotheose der Hoffnung wie ein verzweifeltes Zeichen wider besseres Wissen.
Getanzt wird in der Dessauer Uraufführung vorzüglich. Das ist ein Abend starker, großer Bilder, so phantastisch mit schwebenden Gestalten und so erdverbunden und der Realität geschuldet durch die überzeugenden Persönlichkeiten aller Tänzerinnen und Tänzer der Kompanie. Eine phänomenale Leistung bietet der junge Jonathan Augereau als Siegfried. Mit neoklassisch elegantem Anflug hat er jene unbeschwerte Lässigkeit des zunächst naiven Abenteurers. Kommen dazu Mittel der Kunst des zeitgemäßen Ausdruckstanzes fügt sich eine Charakterleistung von emotionaler Kraft. Augereau vermittelt die tragischen Facetten missbräuchlich verführbarer Einsamkeit eines jungen Mannes. Dafür wird er zurecht inmitten des Ensembles vom Publikum gefeiert.
Viel Applaus auch für das Spiel der Anhaltischen Philharmonie unter der Leitung von Daniel Carlberg. Ein weitestgehend gelungener Vorgeschmack auf die folgende Ring-Produktion ab nächster Saison. Außergewöhnlich beginnt man mit dem Finale. Zunächst mit „Die Götterdämmerung“, die Katastrophe, dann die Tragödie in der Rückschau, bis zum Beginn des reinen Anfangs im „Rheingold“. 2014 soll sich der Dessauer Ring runden.
Weitere Aufführungen: 7.4.; 3., 18., 24.6.
07.04.2011, 09:30 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
885
Joachim Lange, Leipziger Volkszeitung, 06.04.2011
Fingerübung für den szenischen Ring
Ballettabend .Die Nibelungen: Siegfriedsage" am Dessauer Theater euphorisch gefeiert
Im Dessauer Theater ist Wagners Musik bei sich zu Hause. Fast jedenfalls. Die Dimensionen des Hauses passen, die Tradition ist noch nicht vergessen, das Orchester in Wagnerform. Und Choreograph Tomasz Kajdanski ist beim Publikum angekommen. Das feierte ihn und seine Tänzer für ihre jüngste Produktion "Die Nibelungen: Siegfriedsage" euphorisch.
Mag sein, dass bei manch einem auch eine geheime Freude darüber mitschwang. dass man in knapp zwei Stunden eine musikalische Zusammenfassung von Wagners Ring geboten bekam, für den man sonst vier Mal ins Theater muss. Von Walkürenritt und Trauermarsch bis Rheinwogen, Waldweben, Flammenzüngeln, Walhalleinmarsch oder finalem Weltenbrand ist alles da. Und obendrein ohne Gefahren für hoch dramatische Abstürze oder heldentenorale Einbrüche. Dafür immer mit dem vollen Ringsound der Anhaltischen Philharmonie unter Daniel Carlberg. Für die ist das eine gute Fingerübung für den in Dessau ja immer noch anvisierten szenischen Ring. Für Kajdanskis Siegfriedsage liefert der von Carlos Kalmar in den 90er Jahren locker gestrickte Ring-Durchlauf den bewegungsfreundlichen Soundtrack. Die Geschichte aber folgt im Wesentlichen der Siegfriedbiographie aus dem Nibelungenlied.
Dorin Gal hat den Raum dafür mit einer beherrschenden Riesenschräge, mit Videoleinwand im Hintergrund kühn und groß gedacht. Die katastrophischen Videos von Angela Zumpe imaginieren eine existenzielle Grundstimmung. Die nur wenig differenzierenden dunklen Kostüme verweisen dezent auf die Sagenwelt, der die Siegfriedstory entlehnt ist.
Aber Kajdanskis Ästhetik ist in sich stimmig, die Bewegungsabläufe folgen einer eigenen narrativen Logik, die Tänzer füllen sie mit Persönlichkeit. Das gilt vor allem für Siegfried (Jonathan Augereau), auch für Hagen (Juan Pablo Lastras-Sanchez), Gunther (Joe Mongahan) sowie die beiden Frauen Brunhilde (Anna-Maria Tasarz) und Kriemhild (Yuliya Gerbyna).
Weil im Ring die Götter, die hier fehlen, zur Balance des Personals gehören, das Leitmotivgeflecht dominieren und unlösbar mit Bildern verbunden sind, ist es ein Risiko, wenn man dann Siegfrieds Jugend mit einem Rheingoldquerschnitt. seine Begegnung mit Brunhilde mit Walkürenmusik, die Brautwerber-Intrige am Hofe von Burgund mit einem Siegfried-Potpourri und seine Ermordung mit dem Götterdämmerungspathos unterlegt. Wem es als Zuschauer nicht gelingt, die von der Musik evozierten Bilder im Kopf abzuschalten, kommt sich vor, als hätte man in seinem Lieblingsfilm Synchronsprecher und Text ausgetauscht. Das Dessauer Publikum war dazu in der Lage.
Weitere Aufführungen: morgen; 3., 18. und am 24.6.; Kartentelefon: 0340 2511 333; www.anhaltisches-theater.de
05.04.2011, 12:08 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
881
Volkmar Draeger, Neues Deutschland, 05.04.2011
Wie Leid leuchtet
Dessau: "Die Nibelungen: Siegfriedsaga"
Maurice Béjart ließ seine geniale Paraphrase auf den Untergang der Nibelungen und Burgunden 1990 mit grandiosem Bild enden: Ein Riss bringt ihr Reich zum Einsturz. Auch Tomasz Kajdanski hält 21 Jahre später in seinem Zugriff auf den Brachialstoff am Anhaltischen Theater Dessau eine imponierende Schlusslösung bereit. Die Schräge, die ihm Dorin Gal als Einstieg der Helden ins Geschehen gebaut hat, splittert auf und gibt leere Fenster frei, aus denen Gestalten hervorquellen, um im selben Moment zu erstarren. Dem todgeweihten Königtum ist eine Zukunft nicht beschieden. Erst Erda, wie sie im wallend weißen Kleid über der Szene schwebt, lässt Hoffnung auf Neubeginn keimen.
Den hat sie im selben Kostüm schon einmal bewirkt: am Anfang aller Zeit, als die Erdgöttin die Welt erschuf. In Dessau tut sie das bei schwarzer Auskleidung von Szene und Proszenium unter einem Video mit blauweißem Urgewölk, daraus Schnee rieselt – bis die Leinwand von Eisschollen bedeckt ist. Mit künstlich langem Arm streicht Erda in ihrem Solo über den Raum, lässt segenspendend das Gewand flattern.
Zierlich, aber stolz schreitet Siegfried in mattem Schwarz mit sexy Lederschurz die Schräge herab. Schon hat er einen Kampf zu bestehen mit Mime, Herr über die geduckt kriechenden Nibelungen. Dem schlafenden Helden legt Erda dann, auch sie nun im Schwarz der Irdischen, jenes unbezwinglich machende Silberschwert auf den Leib. Das möchte ihm Mime abjagen, Siegfried besiegt ihn, erhält Macht in Nibelheim. Über der geröteten Schräge hängt gestaffelt dessen maskiertes Volk.
So beginnt Kajdanski sein zweieinhalbstündiges Opus magnum »Die Nibelungen: Siegfriedsaga«. Anlass war der 150. Geburtstag von Friedrich Hebbels Trauerspiel »Die Nibelungen«, auch die stete Herausforderung durch Wagners Tetralogie, die in Dessau Einzug halten soll. Musik daraus in einer hauseigenen Orchesterfassung trägt den vierteiligen Abend. Auf »Siegfrieds Jugend« zu Musik aus »Das Rheingold« als Einstieg folgt »Siegfrieds erste Liebe« zu Musik aus »Die Walküre« und meint die Begegnung des Recken mit Brunhilde. Hatte er bislang reichlich Tanz zu bewältigen, versorgt ihn Kajdanski im Duett mit der gepanzerten Amazone nochmals mit klassischem Repertoire, wie man es bei ihm eher selten sieht. Zum Walkürenritt liefern sich die Amazonen rasante Scharmützel. Siegfried befällt Angst, er scheint sein Schicksal zu ahnen. Als er Alberich bezwingt, gewinnt er dessen Tarnkappe und Nibelheims Gold: Ein riesiges Tuch erstickt ihn beinah, Erda aber steht bewahrend vor ihm.
»Siegfried zwischen zwei Frauen« zu Musik aus »Siegfried« führt nach Burgund an Gunthers degenerierten Hof. Den schwachen König dominiert Hagen, Juwel ist Kriemhild in ihrer Schönheit: drei von Einsamkeit Zerfressene in grauem Kerker. Ihr Werkzeug wird Siegfried, der sich in Kriemhild verliebt und mit ihr eines der emotional stärksten, technisch schwersten Duos des Abends hat.
Zu Musik aus »Götterdämmerung« dann »Siegfrieds Tod«. Aus einer Tanzsinfonie hohen Anspruchs wird nun packende Dramatik, wenn Hagen Siegfried meuchelt und von Kriemhild gerichtet wird. Brunhilde springt hinterm glutrot lodernden Katafalk des toten Helden in den Rhein. All das taucht Kajdanski in reinen Tanz, verzichtet auf Pantomime und Erzählgestik und fährt auch inszenatorisch seine Tricks auf. Fackeln beleuchten die Szene, bevor eine Regenwand in Bühnenbreite die Schuld zu tilgen sucht und Erda weit hinten auffährt: Lichtblick nicht für diese, wohl aber eine andere Welt.
Was Kajdanski mit nur 15 Tänzern, besonders der Solistenequipe, auf die Bühne wuchtet: ein Meisterstreich. So elegant wie seine Bewegungserfindung ist Gals Ausstattung ganz in Schwarz- und Grautönen. Was Anna-Maria Tasarz als wehrhafte Brunhilde, Yuliya Gerbyna als zarte Kriemhild, Juan Pablo Lastras als schleimiger Hagen leisten, wird nur vom dauertanzenden Siegfried des Jonathan Augereau übertroffen. Zu respektabler Leistung führte Daniel Carlberg die Anhaltische Philharmonie.
Nächste Vorstellung: 7. April.
31.03.2011, 11:23 | tags:
Ballett
, Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
875
Pressemitteilung vom 31.03.2011
Samstag und Sonntag im Anhaltischen Theater
Gleich zwei große Inszenierungen stehen am Wochenende auf dem Spielplan des Anhaltischen Theaters: Am Samstag, 2. April um 17 Uhr wird die neue Ballettinszenierung „Die Nibelungen: Siegfriedsaga“ von Tomasz Kajdanski gezeigt und am Sonntag, 3. April um 17 Uhr „Turandot“.
Kajdanski inszeniert und choreografiert mit „Die Nibelungen: Siegfriedsaga“ einen Ballettabend zu der Musik von Richard Wagner aus „Der Ring des Nibelungen“ in der Orchesterfassung von Carlos Kalmar, der zur Premiere euphorisch gefeiert wurde. Zur Musik von Richard Wagner entstehen beeindruckende Bilder von außergewöhnlicher Intensität. Es spielt die Anhaltische Philharmonie unter der Leitung von Daniel Carlberg.
„Was Kajdanski mit nur 15 Tänzern, besonders der Solistenequipe, auf die Bühne wuchtet, ist sein Meisterstreich“ – so Volkmar Draeger, tanznetz.de, 27.03.2011
Mit „Turandot“, der Oper von Giacomo Puccini, hat Regisseurin Andrea Moses eine der populärsten Opern des 20. Jahrhunderts auf die Dessauer Theaterbühne gebracht: In der packenden Inszenierung geht es um Macht und Machtdemonstration, den ewigen Kampf der Geschlechter und um die große Liebe. Mit viel Ironie und Spielfreude verbindet Andrea Moses die verschiedenen Charakteristika dieses Werkes zu einem Medienspektakel im Turandot´s Riddle Club. Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Generalmusikdirektor Antony Hermus.
„...auf Ensemblemitglieder wie Iordanka Derilova und Sergey Drobyshevskiy in den mörderischen Hauptpartien dürfte manch größeres Haus neidisch schauen.“ – so die FAZ, Oktober 2010
Tickets und Informationen erhalten Sie unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr; Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr; Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
31.03.2011, 09:29 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
874
Joachim Lange, Gießener Allgemeine, 30.03.2011
Tanztheater in Dessau zeigt »Ring«-Querschnitt
Wenn der Siegfried springt statt singt: Beim Tanztheater in Dessau nimmt sich Tomasz Kajdanski für einen musikalischen »Ring«-Querschnitt die Nibelungen vor.
In Dessau ist Wagners Musik bei sich zu Hause. Fast jedenfalls. Die Dimensionen des Hauses passen, die Aufführungstradition ist noch lebendig, ein szenischer »Ring« zum Wagnerjahr immer noch fest im Visier. Da passt es, das Haus-Choreograf Tomasz Kajdanski und seine Tänzer jetzt auch für ihre jüngste Produktion »Die Nibelungen: Siegfriedsaga« geradezu euphorisch gefeiert wurden.
Immerhin gab es eine musikalische Zusammenfassung von Wagners »Ring«, bei dem man zwar auf den Riesenwurm, aber auf keinen der Ohrwürmer verzichten musste. Von Walkürenritt und Trauermarsch bis zu Rheinwogen, Waldweben, Flammenzüngeln, Walhall-Einmarsch und finalem Weltenbrand ist alles da - obendrein ohne Gefahren für hochdramatische Abstürze oder heldentenorale Einbrüche. Dafür immer mit dem vollen »Ring«-Sound der Anhaltischen Philharmonie unter Daniel Carlberg. Für Kajdanskis Siegfriedsage liefert ein von Carlos Kalmar in den 90er Jahren locker gestrickter musikalischer »Ring«-Durchlauf als Orchesterfassung den bewegungsfreundlichen Soundtrack.
Die Geschichte aber folgt nicht Wagner, sondern im Wesentlichen der Siegfriedbiografie aus dem Nibelungenlied. Dorin Gal hat den Raum dafür mit eine beherrschenden Riesenschräge mit Videoleinwand im Hintergrund kühn und groß gedacht. Die verschattet katastrophischen Videos von Angela Zumpe imaginieren eine existenzielle Grundstimmung, die zu wenig differenzierenden dunklen Kostüme verweisen dezent auf die Sagenwelt, der diese Siegfried-Story entlehnt ist.
Natürlich gelingen Kajdanski auch diesmal einige eindrucksvolle Bilder. Wenn beim Kampf mit dem Drachen etwa eine vernetzte Formation von Tänzern als lebendige Skulptur im Hintergrund schwebt, dann erinnert das zwar deutlich an die Bühnenartistik, mit der La Fura dels Baus in Valencia ihre »Ring«-Welt bebildert haben. Sei's drum: Die Ästhetik ist in sich stimmig, die Bewegungsabläufe folgen einer eigenen narrativen Logik und die Tänzer füllen sie durchaus mit ihrer Persönlichkeit. Das gilt für Siegfried (Jonathan Augereau) genauso wie für Hagen (Juan Pablo Lastras-Sanchez) und Gunther (Joe Mongahan) oder die beiden Frauen Brunhilde (Anna-Maria Tasarz) und Kriemhild (Yuliya Gerbyna). Das ist mal entfernter, assoziativer, dann wieder, wie bei der Eroberung Brunhildes durch den als Gunther getarnten Siegfried, auch ganz direkt, nachvollziehbar erzählt, wobei ausgerechnet die Nibelheim-Musik und der Walkürenritt etwas allzu dekorativ bebildert ausfallen.
Göttin Erda (Melanie Legrand) nimmt das Leben, Lieben und Sterben des Helden Siegfried durch spektakuläre Auftritte am Anfang und am Ende sozusagen in ihre Arme, die wie riesige Engelsflügel überhöht sind. Das ist für die Binnendramaturgie des Abends zwar sinnvoll, verweist aber auch auf dessen grundsätzliches Problem. Weil gerade im »Ring« die Götter, die hier fehlen, zur Balance des Personals gehören, vor allem aber das Leitmotivgeflecht dominiert und exemplarisch geradezu unlösbar mit bestimmten szenischen Bildern verbunden ist, ist es ein Risiko, wenn man dann Siegfrieds Jugend mit einem »Rheingold«-Querschnitt, seine Begegnung mit Brunhild mit Walküren-Musik, die Brautwerber-Intrige am Hofe von Burgund mit einem »Siegfried«-Potpourri und seine Ermordung mit dem Pathos der »Götterdämmerung« unterlegt.
Wem es als Zuschauer nicht gelingt, die von der Musik evozierten »Ring«-Bilder im Kopf abzuschalten, der kommt sich vor, als hätte man in seinem Lieblingsfilm die Synchronsprecher und den Text ausgetauscht. Das Dessauer Publikum war dazu in der Lage.
30.03.2011, 12:02 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
869
Joachim Lange, kultiversum.de, 29.03.2011
Siegfriedsaga
Tomasz Kajdanski erzählt die Geschichte von Siegfried zu einem Musikzusammenschnitt des kompletten Nibelungenringes: Ohne Gesang, aber mit Tanz.
Beschreibung:
Bei dieser «Siegfriedsaga» musste man zwar auf den Riesenwurm, aber auf keinen der Ohrwürmer aus Wagners «Ring» verzichten. Von Walkürenritt und Trauermarsch bis zu Rheinwogen, Waldweben, Flammenzüngeln, Walhalleinmarsch oder finalem Weltenbrand ist alles da. Und obendrein ohne Gefahren für hochdramatische Abstürze oder heldentenorale Einbrüche, weil dazu nicht gesungen, sondern getanzt wird. Die Anhaltischen Philharmonie unter Daniel Carlberg steuert den von Carlos Kalmar in den 90er Jahren locker gestrickten musikalischen Ring-Durchlauf als bewegungsfreundlichen Soundtrack bei.
Die Geschichte aber folgt nicht Wagner, sondern im Wesentlichen der Siegfriedbiographie aus dem Nibelungenlied. Dorin Gal hat den Raum dafür mit einer beherrschenden Riesenschräge mit Videoleinwand im Hintergrund kühn und groß gedacht. Die verschattet katastrophischen Videos von Angela Zumpe evozieren eine existenzielle Grundstimmung, die (zu) wenig differenzierenden dunklen Kostüme verweisen dezent auf die Sagenwelt, der diese Siegfriedstory entlehnt ist.
Natürlich gelingen Kajdanski auch diesmal einige eindrucksvolle Bilder. Wenn beim Kampf mit dem Drachen eine vernetzte Formation von Tänzern als lebendige Skulptur im Hintergrund schwebt, dann erinnert das zwar deutlich an die Bühnenartistik, mit der La Fura dels Baus in Valencia ihre Ringwelt bebildert haben. Aber seis drum: Die Ästhetik ist in sich stimmig, die Bewegungsabläufe folgen einer eigenen narrativen Logik und die Tänzer füllen sie durchaus mit ihrer Persönlichkeit. Das gilt für Siegfried (Jonathan Augereau) genauso wie für Hagen (Juan Pablo Lastras-Sanchez) und Gunther (Joe Mongahan) oder die beiden Frauen Brunhilde (Anna-Maria Tasarz) und Kriemhild (Yuliya Gerbyna). Das ist mal entfernter, assoziativer, dann wieder, wie bei der Eroberung Brunhildes durch den als Gunther getarnten Siegfried, auch ganz direkt, nachvollziehbar erzählt, wobei ausgerechnet die Nibelheim-Musik und der Walkürenritt etwas allzu dekorativ bebildert ausfallen.
Göttin Erda (Melanie Legrand) nimmt das Leben, Lieben und Sterben des sprichwörtlichen Helden Siegfried durch spektakuläre Auftritte am Anfang und am Ende sozusagen in ihre Arme, die wie riesige Engelsflügel überhöht sind. Das ist für die Binnendramturgie des Abends zwar sinnvoll, verweist aber auch auf dessen grundsätzliches Problem. Weil gerade im Ring die Götter, die hier fehlen, zur Balance des Personals gehören, vor allem aber das Leitmotivgeflecht dominiert und exemplarisch unlösbar mit szenischen Bildern verbunden ist, ist es ein Risiko, wenn man dann Siegfrieds Jugend mit einem Rheingoldquerschnitt, seine Begegnung mit Brunhilde mit Walkürenmusik, die Brautwerber-Intrige am Hofe von Burgund mit einem Siegfried-Potpourri und seine Ermordung mit dem Götterdämmerungspathos unterlegt.
Bewertung:
Das Dessauer Publikum feierte den Haus Choreographen Tamasz Kajdanksi und seine Tänzer geradezu euphorisch. Wem es allerdings (wie dem Rezensenten) nicht gelingt, die von der Musik evozierten Ring-Bilder im Kopf abzuschalten, der kommt sich vor, als wäre er im falschen Film.
28.03.2011, 12:28 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
866
Helmut Rohm, Volksstimme, 28.03.2011
Uraufführung am Anhaltischen Theater Dessau
Außergewöhnliches Ballettereignis in fantasievollen Bildern
Es ist an sich angeraten, mit Superlativen sorgsam und differenziert umzugehen. Für die jüngste Ballettproduktion am Anhaltischen Theater Dessau jedoch sind hohe Lobpreisungen durchaus berechtigt, nahezu unumgänglich. In der Choreografie und Inszenierung von Ballettchef Tomasz Kajdanski kam am Freitag "Die Nibelungen: Siegfriedsaga" auf die Bühne des Großen Hauses.
In dieser Form ist es eine Uraufführung, ein sehr gelungenes Experiment dazu: Der monumentale Wagner in musikalischer Kurzfassung und als Ballett. Dessau hatte einst den Ruf als "Bayreuth des Nordens". In den letzten Jahren wurde mit erfolgreichen Wagner-Opernaufführungen an der "Reinkarnation" gewirkt.
Als musikalische Grundlage wählte Kajdanski die 90-minütige konzertante Fassung "Ring ohne Worte" des früheren Dessauer GMD Carlos Kalmar mit Musik aus "Das Rheingold", "Die Walküre", "Siegfried" und "Götterdämmerung".
Die Anhaltische Philharmonie unter Daniel Carlberg präsentiert diese Musik mit viel Hingabe und facettenreicher Differenziertheit. Wagner fürs Ohr mit einem Aha für bisher vielleicht Distanzierte und gleichsam bestätigend für den "eingefleischten" Wagnerianer.
Als sich die Bühne auftut, ist der Zuschauer auch optisch in den Bann gezogen. Es entsteht eine Wirkung, die über das gesamte Stück mit hoher Konzentration und steter Spannung anhält."Alles ist dunkel und aus dem Nichts erschafft Erda, die Erdgöttin, die Welt. Das Leben beginnt", wird im sehr gut aufführungsbegleitenden Programmheft der Weltenanfang, auch der des Balletts, beschrieben. Erda (Melanie Legrand überzeugend) in einem faszinierenden weißen, wehenden, eben göttlichen Kostüm, eröffnet mit einem emotional beeindruckendem Tanz die Erlebniswelt des Ballettabends.
In fantasievollen Bildern (Bühne und Kostüme Dorin Gal), einschließlich effektvollem Technikeinsatz, lässt Tomasz Kajdanski seine Zuschauer den jungen, mutigen und mit schier übermenschlichen Kräften ausgestatteten Helden Siegfried auf dessen wesentlichen Lebensstationen begleiten und ihn bei Abenteuern erleben.
Der Choreograf setzt vor allem auf Symbolhaftigkeit. Handlungen werden oft nur angedeutet. Siegfrieds golden glänzendes Schwert ist Handlungsrepräsentant. Die prägnante Darstellung im Programmheft ist hilfreich, um die Figuren schnell zu erkennen. So kann sich der Zuschauer ganz der tänzerischen Umsetzung hingeben und Ballett vom Feinsten genießen.
Tomasz Kajdanski schafft eine kongeniale Gesamtwirkung von Musik und Handlung. Er setzt voll auf die Stärke und das Können seiner Kompanie im Team und insbesondere auf die jungen Solistinnen und Solisten. Klassischer Tanz in Perfektion von allen, gepaart mit individuellen Ausdrucksstärken, prägen dieses Ballett.
Jonathan Augerau brilliert als Siegfried. Anna-Maria Tasarz (Brunhilde) und Yuliya Gerbyna (Kriemhild) verkörpern Frauen mit Gefühlen und Leidenschaften. Hagen (Juan Pablo Lastras-Sanchez) und Gunther (Joe Monghan) sind in den Turbulenzen um Siegfrieds Tod in voller Aktion. Rai Kirchner ist als Mime und Johan Plaitano als Alberich zu erleben.
Die Inszenierung beeindruckt ebenso durch aktionsreiche Massenszenen. Besonders eindrucksvoll sind die an asiatische Kampfspiele angelehnten Sequenzen. Zum Schluss geht "alles den Berg runter". Doch die Hoffnung auf die Erneuerung der Welt bleibt?!
Tosender langanhaltender Beifall, Bravorufe zuhauf - Dessau ist um ein außergewöhnliches Balletterlebnis reicher.
27.03.2011, 23:09 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
865
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 28.03.2011
Mit Schwert und Schleier
Alles beginnt im Eis - und es endet mit Feuer und Regen. Der Krieger, der am Anfang sein Schwert aus der Hand einer Göttin empfangen hat, wird am Ende von der Hand eines Menschen erschlagen. Und aus der Erde, in die man ihn bettet, kriecht ein neues Geschlecht - ein neuer Anfang?
Für seine Deutung der "Nibelungen" konzentriert sich der Dessauer Ballett-Chef Tomasz Kajdanski ganz auf die "Siegfriedsaga" - und bedient sich dabei der Musik aus Richard Wagners "Ring", die der frühere Dessauer Generalmusikdirektor Carlos Kalmar in den 90er Jahren in eine reine Orchesterfassung gebracht hat. Das ist insofern gewagt, als in der Oper ja die Götter eine entscheidende Rolle spielen, deren Sphäre im Ballett nur noch durch Erda, Alberich und Mime vertreten ist. Dass die Konzentration auf die Welt der Menschen dennoch große Attraktivität entfalten kann, zeigte der begeisterte Premieren-Applaus am Freitag.
Den verdient sich die Compagnie mit berückend schönen Bildern: Das Ringen zwischen Brunhilde und Siegfried zeigt den unmittelbaren Umschlag von Gewalt in Erotik, während die Begegnung des Helden mit Kriemhild eher die sanfte Seite der Liebe assoziiert. Die Reaktion von Hagen und Gunther auf den Einbruch des Fremden in ihre enge, höfische Welt schwankt zwischen Faszination und Abwehr, der Schwertschwur der Männer nimmt die kommende Katastrophe vorweg. All dies grundiert Dorin Gal mit Projektionen, die den Horizont hinter einer großen Schräge begrenzen - und stattet es mit Kostümen aus, die an das archaische Futur von "Star Wars" erinnern.
Ein Mann zwischen zwei Frauen
Dass der Kampf mit dem Drachen allzu nah an das "Rheingold"-Finale der legendären Inszenierung von La Fura dels Baus herankommt, an der man heutzutage kaum noch vorbeikommt - geschenkt. Schwieriger scheint die zeitliche Forcierung des Finales nach der epischen Breite des Beginns: Von Brunhildes Ankunft in Worms bis zu Kriemhilds Rache wird das Drama wie im Zeitraffer erzählt, die Geschichte rast auf ihr Ende zu. Doch damit wird wohl zugleich das erzählerische Interesse des Choreografen deutlich: Ihm geht es um einen Mann, der zwischen zwei sehr unterschiedlichen Frauen steht - und am Ende an der Rivalität der beiden zugrunde geht. Was Kajdanski dabei besonders markant herausarbeitet, ist die Einsamkeit aller Figuren: Die Nibelungen ist eine Geschichte der großen Einzelnen, jedes Gefühl und jede Gemeinschaft birgt hier zugleich Gefahr - ein frappierend moderner Blick auf eine untergegangene Welt.
Erda (Melanie Legrand) ist dabei sowohl elegante Spielmacherin als auch mitleidende Augenzeugin, während sich Alberich (Johan Plaitano) und Mime (Rai Kirchner) vergeblich gegen die Kraft des Drachentöters stemmen. Jonathan Augereau tanzt diesen Siegfried mit jugendlicher Vitalität und verführerischer Geschmeidigkeit, der sowohl Brunhilde (Anna-Maria Tasarz) als auch Kriemhild (Yuliya Gerbyna) erliegen. Doch dies bleibt die einzige Gemeinsamkeit zwischen der dunklen, großen Walküre aus dem Norden und der helleren, kleineren Königstochter vom Rhein: Erst über ihre in Athletik und Ausdruck sehr verschiedenen Sprachen definiert sich Siegfried, im Widerstand der Einen wie in der Hingabe der Anderen findet er zu sich selbst. Auf männlicher Seite markieren Gunther (Joe Monaghan) und Hagen (Juan Pablo Lastras-Sanchez) ähnlich unterschiedliche Charaktere, so dass eine Symmetrie der Geschlechter entsteht.
Dass es schwer sein würde, eine Gruppe in dieses Tableau zu integrieren, war abzusehen. Kajdanski gelingt es - beispielsweise im Walkürenritt oder in der von einer Zeugentribüne gekrönten Mordszene - dennoch immer wieder. Und man darf darüber staunen, wie gut diese Compagnie im zweiten Jahr ihres Bestehens inzwischen zusammengewachsen ist. Die Synchronizität und das Ebenmaß der Bewegungen zeigen sich nun auch in einer eher klassizistischen Formensprache.
Blech-Fraktion hat Probleme
Von der Anhaltischen Philharmonie unter der Leitung von Daniel Carlberg lässt sich das allerdings nur sehr bedingt sagen. Nach dem grandiosen Eindruck der jüngsten Vergangenheit hört man diesmal doch deutliche Probleme, namentlich die von Wagner besonders geforderte Blech-Fraktion zeigt eher Nerven als Muskeln. So ist der optische Eindruck dieser mit Schwert und Schleier ausgefochtenen Tragödie besser als der akustische. Den Jubel trübt das aber nicht.
Nächste Vorstellungen: 2. April, 17 Uhr; 7. April, 16 Uhr
27.03.2011, 18:52 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
864
Boris Michael Gruhl, tanznetz.de, 27.03.2011
Noch eine Chance für Mutter Erda
Ein Nibelungen-Ballett mit Musik von Wagner in Dessau
Nein, das ist nicht der Ring in einer Kurzfassung, auch wenn die Musik des neuen Balletts von Tomasz Kajdanski, das jetzt am Anhaltischen Theater Dessau uraufgeführt wurde, von Richard Wagner ist. Carlos Kalmar, vormaliger Generalmusikdirektor, hat Motive aus der Tetralogie und dem Vorspiel zusammengefügt. Entstanden ist ein vierteiliges Stück für großes Orchester, dessen Teile jeweils dem Charakter des zugrunde liegenden Werkes folgen.
Kajdanskis Handlung aber folgt nicht der des Wagnerschen Ringes. Im Ballett „Die Nibelungen: Siegfriedsaga“ geht er den Weg mit Siegfried von dessen Eintritt ins tragische Heldenleben bis zu seinem Tod samt tödlicher Trauer, die Rache um Rache gebiert. Wagners Musik wird nicht „vertanzt“. Weder Rhythmen noch melodische Bögen oder Klangexplosionen wie der Trauermarsch aus der „Götterdämmerung“ und zuvor die galoppierende Kampfmusik der Walküren werden bewegungsmäßig gedoppelt. Der Klang, mitunter auch wie ein guter Filmsound empfunden, sorgt für die emotionale und assoziative Weite der klar strukturierten Erzählung der Siegfried-Geschichte mit den Mitteln des Tanzes.
Es beginnt mit Erdas (Mélanie Legrand) Erschaffung der Welt aus dem Nichts zu den aufsteigenden Klängen des Vorspiels aus „Rheingold“. Die große Bühne des Dessauer Theaters von Dorin Gal ist schwarz und leer. Über eine steile Schräge gelangt man auf die Erde. Auch Siegfried steigt herab. Mit seinen Heldentaten wird er aufsteigen, aber heraus kommt er nicht mehr aus diesem dunklen Schlund. Man wird ihn am Ende heraus tragen, aufgebahrt, erhöht und stilisiert für Geschichtsbücher, Opern und Filme. Der junge Mann selbst stirbt gänzlich einsam.
Das Dessauer Nibelungen-Ballett vermittelt in direkter Erzählweise die Stationen des jungen Siegfried. Jung wird er bleiben. Zunächst wird die Waffe geschmiedet. Die erste Mutprobe, der Kampf mit dem Lindwurm, ist Blutbad und Feuertaufe zugleich. Allein eine Laune der Natur in Form des herabfallenden Lindenblattes verhindert die totale Unsterblichkeit. Nächstes Objekt der Eroberung ist eine Frau. Aber bald schon ist es dem Helden langweilig an Brunhildes Seite (Anna-Maria Tasarz) im kämpferischen Staat der Walküren. Nach dem Sieg über den heimtückischen Alberich (Johan Plaitano) ist der Held perfekt, vergoldet strahlt Siegfried. Was folgt ist das Trauerspiel am Hof der Burgunden in Worms am Rhein. Der junge Held wird vollends zum willfährigen Werkzeug im schmutzigen Ränkespiel einer kriminellen politischen Bande, an deren Spitze Widerlinge wie Gunther und Hagen (Joe Monaghan und Juan Pablo Lastras-Sanchez) das Sagen haben. Unter der Tarnkappe, einer weißen Neutralmaske, verliert der Tänzer Gesicht und Persönlichkeit. Siegfried wird zur Kampfmaschine, die mehrfach eroberte Brunhilde mag ebenso für die Tragik ziviler Opfer stehen wie Kriemhild (Yuliya Gerbyna). Dann rollt die sagenhafte Mordmaschine, kein Einhalt für Hauen und Stechen. Am Ende ist die Bühne wieder schwarz und leer, eine verkohlte Ruine, aus deren Löchern unkenntliche Gestalten kriechen. Eine Gestalt, übergroß, in strahlendem Weiß, Madonna, Mutter, Engel schwebt wie ein Gruß aus frommen Wallfahrtsorten über dem gottlosen Unort. Erda lässt es regnen. Noch eine Chance für die Welt.
Eben weil Tomasz Kajdanski seinen jungen Siegfried mit so viel Sympathie ausstattet, weil er ihn so entsetzlich schuldlos schuldig werden lässt, wirkt diese Apotheose der Hoffnung wie ein verzweifeltes Zeichen wider besseres Wissen.
Getanzt wird in der Dessauer Uraufführung vorzüglich. Das ist ein Abend starker, großer Bilder, so phantastisch mit schwebenden Gestalten und so erdverbunden und der Realität geschuldet durch die überzeugenden Persönlichkeiten aller Tänzerinnen und Tänzer der Kompanie. Eine phänomenale Leistung bietet der junge Jonathan Augereau als Siegfried. Mit neoklassisch elegantem Anflug hat er jene unbeschwerte Lässigkeit des zunächst naiven Abenteurers. Kommen dazu Mittel der Kunst des zeitgemäßen Ausdruckstanzes fügt sich eine Charakterleistung von emotionaler Kraft. Augereau vermittelt die tragischen Facetten missbräuchlich verführbarer Einsamkeit eines jungen Mannes. Dafür wird er zurecht inmitten des Ensembles vom Publikum gefeiert.
Viel Applaus auch für das Spiel der Anhaltischen Philharmonie unter der Leitung von Daniel Carlberg. Ein weitestgehend gelungener Vorgeschmack auf die folgende Ring-Produktion ab nächster Saison. Außergewöhnlich beginnt man mit dem Finale. Zunächst mit „Die Götterdämmerung“, die Katastrophe, dann die Tragödie in der Rückschau, bis zum Beginn des reinen Anfangs im „Rheingold“. 2014 soll sich der Dessauer Ring runden.
wieder am 2. und 7.4.
www.anhaltisches-theater.de
27.03.2011, 12:45 | tags:
Ballett
863
Volkmar Draeger, tanznetz.de, 27.03.2011
Bildgewaltiger Marathon um Macht und Liebe
Tomasz Kajdanski lässt „Die Nibelungen: Siegfriedsaga“ tanzen
Maurice Béjart lässt seine geniale Paraphrase auf den Untergang der Nibelungen und Burgunden 1990 mit grandiosem Bild enden: Ein Riss bringt ihr Reich zum Einsturz. Auch Tomasz Kajdanski hält 21 Jahre später in seinem Zugriff auf den Brachialstoff am Anhaltischen Theater Dessau eine imponierende Schlusslösung bereit. Die Schräge, die ihm Dorin Gal als Einstieg der Helden ins Geschehen gebaut hat, splittert auf und gibt leere Fenster frei, aus denen Gestalten hervorquellen, um im selben Moment zu erstarren. Dem todgeweihten Königtum ist eine Zukunft nicht beschieden. Erst Erda, wie sie im wallend weißen Kleid über der Szene schwebt, lässt Hoffnung auf den Neubeginn keimen. Den hat sie im selben Kostüm schon einmal bewirkt: am Anfang aller Zeit, als die Erdgöttin die Welt erschuf. In Dessau tut sie das bei schwarzer Auskleidung von Szene und Proszenium unter einem Video mit blauweißem Urgewölk, aus dem Schnee rieselt, bis die Leinwand von Eisschollen bedeckt ist. Mit künstlich langem Arm streicht Erda in ihrem Solo über den Raum und lässt im Laufen segenspendend das Gewand flattern. Als die Musik anschwillt, hat sie zumindest ein Werk vollbracht: Zierlich, aber stolz schreitet Siegfried in mattem Schwarz mit sexy Lederschurz die Schräge herab. Schon hat er einen Kampf zu bestehen mit Mime, Herr über die geduckt kriechenden Nibelungen. Dem schlafenden Helden legt Erda dann, auch sie nun im Schwarz der Irdischen, jenes unbezwinglich machende Silberschwert auf den Leib. Das möchte ihm Mime abjagen, Siegfried besiegt ihn, erhält Macht in Nibelheim. Über der geröteten Schräge hängt gestaffelt dessen maskiertes Volk, Erda geleitet ihren Schützling in das neue Abenteuer.
So beginnt Kajdanski sein zweieinhalbstündiges Opus magnum „Die Nibelungen: Siegfriedsaga“. Anlass war der 150. Geburtstag von Friedrich Hebbels Trauerspiel „Die Nibelungen“, auch die stete Herausforderung durch Wagners Tetralogie, die in Dessau Einzug halten soll. Musik daraus in einer hauseigenen Orchesterfassung trägt den vierteiligen Abend. Auf „Siegfrieds Jugend“ zu Musik aus „Das Rheingold“ als Einstieg folgt „Siegfrieds erste Liebe“ zu Musik aus „Die Walküre“ und meint die Begegnung des Recken mit Brunhilde. Hatte er bis dahin reichlich Tanz zu bewältigen, versorgt ihn Kajdanski im Duett mit der gepanzerten, lanzenbewehrten Amazone nochmals mit klassischem Repertoire, wie man es bei ihm eher selten sieht. Zum Walkürenritt liefern sich die Amazonen, alle unisex in Röcken, rasante Scharmützel. Siegfried befällt Angst, scheint sein Schicksal vorauszuahnen. Als er Alberich bezwingt, gewinnt er dessen Tarnkappe und Nibelheims Gold: Ein riesiges Tuch erstickt ihn beinah, Erda aber steht bewahrend vor ihm.
„Siegfried zwischen zwei Frauen“ zu Musik aus „Siegfried“ führt nach Burgund an Gunthers degenerierten Hof. Den schwachen König dominiert Hagen, Juwel ist Kriemhild in ihrer Schönheit: drei von Einsamkeit Zerfressene in grauem Kerker. Ihr Werkzeug wird Siegfried, der sich in Kriemhild verliebt und mit ihr eines der emotional stärksten, technisch schwersten Duos des Abends hat. Auch in der Figurenführung zwischen lauernder Berechnung bei Gunther und Hagen, naiver Hingabe von Kriemhild und Siegfried gelingt dieses Bild meisterhaft. Als Werber freit er Brunhilde, die sich ebenfalls in ihn verliebt hat, für Gunther, besiegt die Amazone unter der Tarnkappe an dessen Statt. Das zieht zu Musik aus „Götterdämmerung“ „Siegfrieds Tod“ nach sich. Am Hof zu Worms verknoten sich bei der Doppelhochzeit die Schleier der beiden um Siegfried rivalisierenden Bräute. Wieder muss der einspringen, als es Brunhilde den Jungferngürtel zu rauben gilt. Das finale Gemetzel unter den Blicken des auf Schaukeln schwebenden Hofstaats beginnt. Aus einer Tanzsinfonie hohen Anspruchs wird packende Dramatik, wenn Hagen Siegfried meuchelt und von Kriemhild gerichtet wird, nachdem auch Gunther gefallen ist, Brunhilde hinterm glutrot lodernden Katafalk des toten Helden in den Rhein springt. All das taucht Kajdanski in reinen Tanz, verzichtet auf Pantomime und Erzählgestik und fährt auch inszenatorisch seine Tricks auf. Fackeln beleuchten die Szene, bevor eine Regenwand in Bühnenbreite die Schuld zu tilgen sucht und Erda weit hinten auffährt: Lichtblick nicht für diese, wohl aber eine andere Welt.
Was Kajdanski mit nur 15 Tänzern, besonders der Solistenequipe, auf die Bühne wuchtet, ist sein Meisterstreich. So elegant wie seine Bewegungserfindung ist Dorin Gals Ausstattung ganz in Schwarz- und Grautönen. Was Anna-Maria Tasarz als wehrhafte Brunhilde, Yuliya Gerbyna als zarte Kriemhild und Juan Pablo Lastras als schleimiger Hagen leisten, wird nur noch vom dauertanzenden Siegfried des Jonathan Augereau übertroffen. Zu respektabler Leistung führte Daniel Carlberg die Anhaltische Philharmonie.
wieder am 2. und 7.4.
www.anhaltisches-theater.de
24.03.2011, 07:17 | tags:
Ballett
859
Helmut Rohm, Volksstimme, 23. März 2011
Am Anhaltischen Theater Dessau erlebt am Freitag das Ballett "Die Nibelungen: Siegfriedsaga" die Uraufführung / Verantwortliche Dramaturgin ist Sophie Walz
Malsaal-Eindrücke, Kaffee-Vormittag und tolle Wagner-Show
Das Ballett "Die Nibelungen: Siegfriedsaga" hat am kommenden Freitag, dem 25. März, um 19.30 Uhr im Großen Haus des Anhaltischen Theaters Dessau seine Uraufführung. Ballettchef Tomasz Kajdanski choreografierte und inszenierte. Als Dramaturgin ist Sophie Walz für diese Ballettproduktion der Dessauer Kompanie verantwortlich.
Sophie Walz (27), gebürtige Ulmerin, ist in Dessau seit März 2010 als Dramaturgieassistentin mit selbständigem Dramaturgieauftrag tätig. Sie hat bereits die erfolgreiche Ballettaufführung der vorigen Spielzeit "Nachtasyl - Szenen aus der Tiefe", ebenfalls von Tomasz Kajdanski, allein verantwortlich betreut.
Sophie Walz stammt aus einem mehr naturwissenschaftlich geprägten Lehrerhaushalt, besuchte mit den Eltern oft das Theater. Ab sechs Jahren lernte sie Klavier spielen, hatte Kammermusikauftritte, sang im Chor, nahm auch Gesangsunterricht. Über eine Berufsberatung kam sie zu einem Praktikum in den Malsaal des Ulmer Theaters. "Hier begeisterte mich die gute Atmosphäre. Insbesondere hat mich die tolle Zusammenarbeit von handwerklichen, geisteswissenschaftlichen und künstlerischen Bereichen fasziniert", erinnert sich Sophie Walz. Ihr Suchen nach einem späteren Beruf führte sie unter anderem auch zur Dramaturgie.
"Meine Deutsch- und Musiklehrer fanden das gut. Die Mathe- und Physiklehrer hätten mich eher in einer mathematisch-naturwissenschaftlichen Karriere gesehen", erzählt sie lachend.
Schließlich studierte sie an der Münchner Ludwig-Maximilian-Universität Musiktheaterdramaturgie. Nach elf Semestern schloss sie 2009 erfolgreich ab. In einigen Praktika, unter anderem am Münchner Prinzregententheater und bei den Schwetzinger Festspielen, sammelte Sophie Walz praktische Erfahrungen. Dennoch sei es schon nicht leicht gewesen, wenn auf die etwa 60 Bewerbungen entweder gar keine Antwort kam oder "fehlende Erfahrungen" als Ablehnungsgrund genannt wurde.
Sie blieb hartnäckig. Im Februar 2010 schrieb sie eine Bewerbung an das Dessauer Theater, wurde auch von Generalintendanten Andre Bücker zum Gespräch eingeladen. "Und nach einer Woche kam der Anruf, dass ich sofort anfangen kann. Meine erste Festanstellung", freut sie sich noch heute.
An ihrem ersten Arbeitstag kam früh gleich Tomasz Kajdanski kurz ins Büro: "Wir werden zusammenarbeiten. Gehen wir erst mal einen Kaffee trinken." Daraus wurde ein ganzer Vormittag. "Wir haben einfach miteinander geredet und gleich gegenseitiges Verstehen gespürt", denkt Sophie Walz gern an diesen Start in Dessau zurück. Wenn auch der Wechsel von München nach Dessau, wohin sie nach drei Wochen umzog, "ein schon herber Kontrast war". Die herzliche Aufnahme hier habe aber schnell vieles relativiert.
Und was hat eine Dramaturgin zu tun? Sophie Walz denkt nur kurz nach: "Man muss Fragen stellen, hinterfragen können. Und lernen, wann und wie man die dann dem Regisseur oder Bühnenbildner stellen kann“, so ihre fast philosophische Antwort.
Und konkret bei der aktuellen Ballettinszenierung?
„Tomasz Kajdanski und ich haben tagelang zusammengesessen, die Wagnertexte, das Nibelungenlied und mehr gelesen. Wir haben beraten, damit und wie die insgesamt 16 Stunden Wagner auf eine 90-Minuten-Fassung gebracht werden können", erklärt sie. Als musikalische Grundlage hat sich der Choreograf für den "Ring ohne Musik" des früheren Dessauer GMD Carlos Kalmar entschieden.
Es galt danach, die herausgesuchten Szenen "auf die Musik zu verteilen". Da wurde zum Teil sekundenweise, Takt für Takt, mit Stoppuhrmessung gearbeitet, dabei die Szenen aus Zuschauersicht hinterfragt, ob es das ist, was ausgedrückt werden soll.
Sophie Walz schwärmt vom bevorstehenden Ballett. Hier nur ein paar kurze Stichworte: eine irrsinnig tolle Show, für Wagner-Freunde ein Muss, für Neu-Wagner-Freunde ein guter Einstieg, faszinierende Kampfszenen. Und alles dabei: Siegfrieds Heldentaten, sein Glück und Unglück zwischen Brunhilde und Kriemhild, hin bis zum "Walkürenritt" und dem "großen Weltenbrand".
24.03.2011, 07:15 | tags:
Ballett
858
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 24.03.2011
In 90 Minuten mit Erda durch die Welt
Erda breitet die Arme aus und umschließt die Welt. Sie wirbelt umher und kann ihr Reich doch nicht mehr fassen. Es ist aus den Fugen, es wird geliebt und gemordet, die alten Götter ziehen sich zurück und machen neuen Platz. Und Siegfried, der große Hoffnungsträger, wird Opfer von Intrige und Rache. Wollte man die Nibelungen oder die Siegfriedsage komplett erzählen, dann würde das im Theater Tage dauern. Man schaue nur auf Wagners Ring. Dass es auch schneller geht, demonstriert in Dessau das Ballett. In 90 Minuten einmal komplett durch die germanische Sagenwelt, das geht dank einer Orchesterfassung von Wagners "Ring des Nibelungen", geschrieben von Carlos Kalmar, der von 1996 bis 2000 GMD der Anhaltischen Philharmonie war.
Zu seiner Musik lässt nun Dessaus Ballettchef Tomasz Kajdanski seine jungen Frauen und Männer tanzen. Einen Ausblick auf die am Freitagabend anstehende Premiere von "Die Nibelungen: Siegfriedsaga" gewährte er am Wochenende auf der Probebühne des Theaters. "In Dessau, dem Bayreuth des Nordens, dieses Ballett zu tanzen, ist eine riesige Herausforderung", erzählte er den zahlreichen Zuschauern unterm Dach des Theaters, wo Elevin Mélanie Legrand als Erda die Matinee eröffnete. Nach einem Konzert 1997, so erfuhr man von Dramaturgin Sophie Walz, erklinge die Musik von Kalmar nun wieder in Dessau. Kalmar habe die vier Wagner-Opern zu einer viersätzigen Sinfonie zusammengefasst, die am Freitagabend von seinem Amtsnachfolger Antony Hermus dirigiert wird.
Erzählt wird freilich nicht die Geschichte des kompletten Wagner-Rings. "Wir haben uns auf die Siegfriedsage konzentriert und Erda wird ihn durch die verschiedenen Stationen begleiten", so Kajdanksi. Zur Seite stand ihm bei dieser Produktion sein Bühnen- und Kostümbildner Dorin Gal. Der lässt die Tänzer in weiten Hosen auftreten und schuf einen Bühnenraum, der Spielorte von Xanten über Island bis Worms gleichermaßen bedient. "Der Raum bleibt eine Einheit, durch Stimmungen ändert sich der Ort", erläuterte er. Die Ausschnitte, die die Tänzer darboten, begeisterten die Matinee-Besucher, vor allem der Walkürentanz, ein spektakulär choreographierter Tanz mit langen Stöcken, der bereits seit Dezember einstudiert wurde. Perfektion steht bei Tomasz Kajdanski vorne. Demonstrieren werden dies am Freitag seine Tänzer.
Korrektur: Es dirigiert Daniel Carlberg.
11.03.2011, 10:45 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
838
Pressemitteilung vom 11.03.2011
Matinee zur Premiere „Die Nibelungen: Siegfriedsaga“
Am Sonntag, 20. März um 10.30 Uhr, nur wenige Tage vor der Premiere der Ballettinszenierung „Die Nibelungen: Siegfriedsaga“, lädt das Anhaltische Theater zu einer Matinee auf die Probebühne 1 ein. Ballettdirektor Tomasz Kajdanski und sein Inszenierungsteam werden einen ersten Einblick in das Stück um die Sage des Helden Siegfried geben.
Das Publikum erfährt nicht nur Ideen und Hintergründe zur Inszenierung, sondern darf sich auch schon auf einige Ausschnitte der Geschichte um Siegfried, Brunhilde, Kriemhilde, Gunther und Hagen freuen, die die Mitglieder des Ballettensembles zeigen. Dabei wird Musik aus Wagners „Der Ring des Nibelungen“ in der Orchesterfassung von Carlos Kalmar zu erleben sein.
Am 25. März hat das Ballett „Die Nibelungen: Siegfriedsaga“ um 19.30 Uhr im Großen Haus Premiere.
Für den Eintritt zur Matinee wird ein Obolus von 3,- Euro erhoben, der beim Besuch der entsprechenden Veranstaltung auf den Kartenpreis angerechnet wird.
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Abendkasse und unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr; Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr; Mail: kasse@anhaltisches-theater.de.
02.03.2011, 17:07 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
817
Pressemitteilung vom 02.03.2011
Premiere „Die Nibelungen: Siegfriedsaga“
Ballett zu Musik von Richard Wagner, gespielt von der Anhaltischen Philharmonie
Am Freitag, 25. März um 19.30 Uhr lädt das Anhaltische Theater zur Ballettpremiere „Die Nibelungen: Siegfriedsaga“ ins Große Haus ein.
Tomasz Kajdanski inszeniert und choreografiert mit „Die Nibelungen: Siegfriedsaga“ einen Ballettabend zu der Musik von Richard Wagner aus „Der Ring des Nibelungen“ in der Orchesterfassung von Carlos Kalmar.
In der Ballettinszenierung wird die Sage um den Helden Siegfried erzählt: eine spannende Geschichte über Macht und Reichtum, Liebe und Eifersucht und dem Traum von einer besseren Welt. Viele Wandlungen hat die Geschichte durchlaufen und nun schafft Tomasz Kajdanski mit seinen Tänzern einen neuen Mythos. Der Abend kombiniert Motive der Götterwelt aus Wagners „Ring des Nibelungen“ mit der „Siegfriedsage“.
Kajdanski bringt sowohl Siegfrieds Heldentaten als auch die politische Dimension des Stoffes auf die Bühne und bedient sich in seiner Choreografie Elementen der Kampfkunst.
Der Tanz stellt natürlich besonders die Körperlichkeit der Figuren heraus, die gerade bei Siegfried und Brunhilde einen wesentlichen Bestandteil ihrer Persönlichkeit ausmachen. Stark wie Siegfried und Brunhilde, bezaubernd schön wie Kriemhild, anmutig wie die Göttin Erda, verschlagen wie Mime und Alberich, listig wie Hagen sind die Figuren in dieser mythischen Welt. Doch durch ihre Leidenschaftlichkeit, mit ihren menschlichen Träumen und Konflikten berühren sie unsere Gegenwart. Zur Musik von Richard Wagner entstehen beeindruckende Bilder von außergewöhnlicher Intensität.
Choreografie und Inszenierung: Tomasz Kajdanski; Bühne und Kostüme: Dorin Gal; Musikalische Leitung: Daniel Carlberg; Dramaturgie: Sophie Walz; Video Angela Zumpe
Tänzer: Jonathan Augereau/Gorden Wannhoff (Siegfried); Rai Kirchner (Mime); Johan Plaitano/Rai Kirchner (Alberich); Joe Monaghan (Gunther); Juan Pablo Lastras-Sanchez (Hagen); Mélanie Legrand/Sayo Shiba (Erda); Anna-Maria Tasarz/Annelies Waller /Sayo Shiba (Brunhilde); Yuliya Gerbyna/ Laura Costa Chaud (Kriemhilde)
Weitere Termine: 27.3., 17 Uhr; 2.4., 17 Uhr; 7.4., 16 Uhr; 3.6., 19 Uhr; 18.6., 19.30 Uhr; 24.6., 19.30 Uhr
Tickets und Informationen erhalten Sie unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr; Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr; Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
07.12.2010, 15:39 | tags:
Ballett
718
Pressemitteilung vom 7.12.2010
Treffpunkt Ballett: „Ein Hauch von Venus“ im Ballettsaal
Am Dienstag, 14. Dezember um 19.30 Uhr laden der Ballettdirektor und Chefchoreograf Tomasz Kajdanski und seine Tänzer zum letzten Mal in diesem Jahr zur Veranstaltung „Treffpunkt Ballett“ in den Ballettsaal ein.
Knapp 3 Monate vor der Wiederaufnahme des erfolgreichen Musicals „One Touch of Venus“, um die zum Leben erweckte Venus-Statue, zeigen Tomasz Kajdanski und seine Tänzer einige Ausschnitte aus Weills Broadway-Erfolg. Erleben Sie, wie sich die Tänzer im Rhythmus von Swing, Tango, Rumba, Boogie und auch Walzer die mitreißende Choreografie von Mario Mariano wieder ins Gedächtnis rufen.
Das Musical „One Touch of Venus“ [Ein Hauch von Venus] wird im Rahmen des Kurt Weill Fests am Donnerstag, 3. März 2011 um 19.30 Uhr und am Sonntag, 6. März 2011um 17.00 Uhr jeweils im Großen Haus gezeigt.
Tickets zu 3,- EURO für die Veranstaltung „Treffpunkt Ballett“ erhalten Sie an der Theaterkasse im Rathaus-Center - Tel.: 0340 2400 258, Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr, über die Theaterkasse - nur telefonisch: 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr, per Mail: kasse@anhaltisches-theater.de sowie an der Abendkasse.
10.11.2010, 14:00 | tags:
Ballett
666
Pressemitteilung vom 10.11.2010
Familienvorstellung „Der Widerspenstigen Zähmung“
Am Samstag, 27. November um 19.30 Uhr lädt das Anhaltische Theater zur Familienvorstellung
„Der Widerspenstigen Zähmung“ ein. Der Ballettabend nach der gleichnamigen Komödie von William Shakespeare feierte Ende Oktober umjubelt Premiere und eignet sich ganz besonders für eine Familienvorstellung. Kajdanski schafft mit dieser grotesk-komischen Verwandlungs- und Verwirrposse eine Choreografie, die vor Lebenslust, Komik und Energie nur so sprüht, so dass kleine und auch große Menschen viel Spaß beim Zuschauen haben.
Dazu trägt auch die Musikauswahl bei: Es erklingt eine Auswahl an Filmmusiken von Dmitri Schostakowitsch, sowie Ausschnitte aus seinen Ballettsuiten, „Hamlet“, „Das goldene Zeitalter“ und anderen bekannten Stücken. Ganz im Stile der Commedia dell’arte jagt ein Scherz den nächsten und eine turbulente Maskerade entspinnt sich auf der Bühne nicht nur zwischen den Tänzern auch das Bühnenbild mit seinen drehbaren antiken Periakten, schafft einen schnellen Wechsel des Bühnenbildes.
Für die Familienvorstellung hält das Anhaltische Theater ein besonderes Ticketangebot bereit: Für das erste Kind wird freier Eintritt gewährt in Begleitung mindestens eines Erwachsenen. Alle weiteren Kinder, die nicht die eigenen sein müssen, erhalten ein Ticket für nur 5,- Euro, gültig in allen Preiskategorien.
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Abendkasse und unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr; Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr; Mail: kasse@anhaltisches-theater.de.
04.11.2010, 10:17 | tags:
Ballett
650
Pressemitteilung vom 3.11.2010
Der Widerspenstigen Zähmung – ein Shakespeare ohne Worte
Am Samstag, 6. November um 19.30 Uhr zeigt das Anhaltische Theater die erste Ballettinszenierung dieser Spielzeit „Der Widerspenstigen Zähmung“, die vergangene Woche umjubelt Premiere hatte.
Tomasz Kajdanski inszeniert und choreografiert mit „Der Widerspenstigen Zähmung“ einen Ballettabend nach der gleichnamigen Komödie von William Shakespeare. Nach dessen grotesk-komischer Verwandlungs- und Verwirrposse schafft Kajdanski eine Choreografie, die vor Lebenslust, Komik und Energie nur so sprüht. Dabei erklingt eine Auswahl an Filmmusiken von Dmitri Schostakowitsch, sowie Ausschnitte aus seinen Ballettsuiten, „Hamlet“, „Das goldene Zeitalter“ und anderen bekannten Stücken. Ganz im Stile der Commedia dell’arte jagt ein Scherz den nächsten und eine turbulente Maskerade entspinnt sich auf der Bühne nicht nur zwischen den Tänzern auch das Bühnenbild mit seinen drehbaren antiken Periakten, schafft einen schnellen Wechsel des Bühnenbildes.
Dieses Stück eignet sich für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren.
„Dieser Ballettabend ist ein wahres Feuerwerk getanzter Stimmungen: Typen, Temperamente, Tempi, Tricks, totale Unterhaltung ...“ – so die Zerbster Volksstimme
„Tomasz Kajdanski erweist sich in "Der Widerspenstigen Zähmung" als ein Meister des Slapstick, der die rhetorischen Volten der Shakespeare-Komödie mühelos in die Sprache des Tanzes übersetzt.“ – so die Mitteldeutsche Zeitung
Tickets und Informationen erhalten Sie unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr | Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
01.11.2010, 22:10 | tags:
Ballett
641
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 2.11.2010
Theater
Shakespeares Katharina im hellen Licht der Komik
Frauen, schrieb Esther Vilars 1971, manipulieren ihre Partner durch eine fälschlich als Liebe gedeutete Macht. Sex dient ihnen als Gegenleistung für Unterhalt, Unterwerfung als Mittel der Beherrschung. Mit solchen Thesen rief die Autorin mit ihrer Streitschrift "Der dressierte Mann" Hausfrauen wie Feministinnen auf den Plan. Nun liest man sie am Anhaltischen Theater als ironische Brechung zu einer Komödie mit ähnlichem Titel: "Der Widerspenstigen Zähmung".
Sprungkraft und Spielfreude
Im Grunde beginnt Tomasz Kajdanski seine zweite Dessauer Saison wie seine erste - mit einer Hommage an starke, selbstbestimmte Frauen. Doch wo sich Frank Wedekinds Lulu ihren Verehrern noch selbst als dunkler Spiegel vorhielt, in dem diese ihre geheimen Lüste erkannten, ist William Shakespeares Katharina nun ins hellere Licht der Komik gestellt. Dass die drahtige, so energische wie liebliche Laura Costa Chaud auch die zweite dieser Partien prägte, ließ die umjubelte Komödie allerdings wie ein Echo - und wie einen heiteren Kommentar zum ersten, düsteren Entwurf wirken.
Für die Compagnie hält der Abend eine Fülle von markanten Charakterrollen bereit: In seinem sparsam schönen Bühnenraum, der Renaissance-Fassaden mit Spiegelwänden koppelt, zitiert Ausstatter Dorin Gal lustvoll die Typen der Commedia dell'Arte: Der mit der Verheiratung seiner beiden Töchter sichtlich überforderte Baptista ist als Karikatur ebenso genau gezeichnet wie die drei Galane und ihr scheinbar williges Werkzeug Petruchio. Dass die handverlesene Musik von Dmitri Schostakowitsch den überzeichneten Gestus der Geschichte zusätzlich unterstreicht, sorgt schnell für gute Laune - und für Szenenapplaus, der die Inszenierung zeitweise zur Nummernrevue zerlegt. Aber so sind sie ja auch gemeint, die mit Spielfreude und Sprungkraft vorgetragenen Etüden: Gorden Wannhoffs zwitschernder Gesanglehrer Gremio, Joe Monaghans quicklebendiger Lautenspieler Hortensio und Jonathan Cadics Ballettmeister Lucentio. Ein ausdrucksstarkes Trio, das in Juan Pablo Lastras seinen maßlos obszönen Meister findet.
Meister des Slapstick
Dieser Korsar hat zwei Frauen im Arm und zwei Flaschen am Hals, als er sich zur Hochzeit mit Katharina überreden lässt. Und er findet in dem wütenden Wildfang mit den glühenden Augen das passende Objekt für seine Dressur, die er mit seinen Dienern (Jonathan Augereau, Rai Kirchner) in Szene setzt. Während der Zähmung im zweiten Akt gestattet sich die Inszenierung dann größere Erzählbögen und mehr dramaturgische Tiefenschärfe - und Laura Costa Chaud darf endlich auch die Tragik zeigen, die aus ihrem Anspruch auf Selbstbestimmung resultiert. Dass sie ihre Position freilich auch in Abgrenzung zu Yuliya Gerbynas liebeslustiger Bianca sowie zu den beiden sinnlichen Kurtisanen (Anna-Maria Tasarz, Charline Debons) findet, fächert die Spielarten weiblicher Emotionen zu einem breiteren Spektrum auf. Denn das Widerspenstige braucht ja das Anschmiegsame, um kenntlich zu werden - so, wie die Break- und Showdance-Einlagen nur auf der Basis und als Kontrastmittel des klassizistischen Materials ihren ganzen Reiz entfalten können.
Tomasz Kajdanski erweist sich in "Der Widerspenstigen Zähmung" als ein Meister des Slapstick, der die rhetorischen Volten der Shakespeare-Komödie mühelos in die Sprache des Tanzes übersetzt. Hier muss niemand grimassieren oder mit Händen und Füßen plappern, um den Mangel an Dialogen zu kompensieren.
Am Ende dürfte auch dem Letzten klar sein, wer in der Beziehung zwischen Katharina und ihrem Petruchio die Hosen anhat. Denn jede Zähmung hat zwei Seiten - und der Dompteur hat am Ende oft nur gelernt, auf welches Zeichen er die Belohnung reichen darf. Hier ist es der Jubel, der die Gesichter auf der Bühne zum Strahlen bringt.
Nächste Vorstellungen: 6. und 19. November, jeweils 19.30 Uhr
01.11.2010, 13:35 | tags:
Ballett
640
Helmut Rohm, Zerbster´Volksstimme, 1.11.2010
Premiere für Ballett „Der Widerspenstigen Zähmung“ am Anhaltischen Theater Dessau
Ein Feuerwerk getanzter Stimmungen
In seiner ersten Spielzeit am Anhaltischen Theater Dessau hat sich Ballettchef Tomasz Kajdanski mit zwei eher melancholisch-dramatischen Inszenierungen vorgestellt. Sein neues Ballett „Der Widerspenstigen Zähmung“ nach William Shakespeare ist eine grotesk-komische und lebensfrohe Verwandlungs- und Verwirrposse, die bei der Premiere begeistert aufgenommen wurde.
Dieser Ballettabend ist ein wahres Feuerwerk getanzter Stimmungen: Typen, Temperamente, Tempi, Tricks, totale Unterhaltung ...
Tomasz Kajdanski bringt mit seiner Choreografie den klassischen Tanz in faszinierender Klasse auf die Bühne. Spitze, Sprünge, Drehungen, viele Soli, Pas de Deux und Gruppe in ungemein geballter Konzentration – der Zuschauer schaut und genießt. Das Klassische wird in der Dessauer Aufführung ideenreich mit Komik verwoben, der Komödienstoff potenziert mit einfallsreichen Übertreibungen wie in Zeichentrickfi lmen oder bei der Commedia dell’arte.
Die scheinbar spielerisch anzuschauenden, doch schwierig zu tanzenden Szenen meistert das gesamte Ensemble mit höchster Konzentration und toller Ausstrahlung. Oft gibt es Szenenapplaus. Auch für die sich gut einfügenden Breakdance-Einlagen.
Musikalisch setzt der Dessauer Ballettchef auf Dmitri Schostakowitsch. Weil der „so wunderbare, zugängliche, lebensfrohe und lustige Tanz- und Filmmusiken geschrieben hat“. Kajdanski verwendet in der von ihm selbst geschnittenen Musik insgesamt 36 Sequenzen.
Und es passt vorzüglich, Schritte, Sprünge und Kombinationen kommen taktgenau – oder total unerwartet unstimmig. Komödie eben. Lacher im Publikum. Das Bühnenbild mit durch große Spiegel angedeuteten Räumen und einigen wenigen handlungsrelevanten Requisiten gibt viel Tanz- und Handlungsraum. Farbenfrohe, personencharakterisierende Kostüme, auch hier mit Überzeichnungen, vervollständigen die Komplexität (Bühne und Kostüme Dorin Gal).
Mit all dem gelingt es unge mein deutlich, die Geschichte flott zu erzählen. Hier ist nach zwei Stunden die Machtfrage geklärt. Die „widerspenstige“ Katharina lässt aus einer großen Kiste ihren Ehemann Petruchio herauskrabbeln. In einem Kleidchen. Sie hat die Hosen an, hebt den Arm triumphierend: Geschafft!!!
Riesenbeifall bricht los, Bravorufe schallen durch das gut besuchte Große Haus in Dessau. Auch die Männer klatschen. Es ist wohl fast so gekommen wie im realen Leben. Zumal: Wer wen letzendlich „zähmt“, wer im stets aktuellen Geschlechterkampf „das Sagen hat“, kann wohl nie abschließend entschieden werden.
Mit Laura Chosta Chaud und Juan Pablo Lastras-Sanchez sind die Hauptrollen mit zwei fantastischen Solisten besetzt.
Sie lässt den Zuschauer mit ihrem Tanz, mit Mimik, dem Spiel funkelnder Augen, oft nur angedeuteten Gesten ihre Bosheit und Kratzbürstigkeit eindruckvoll erleben, wie sie ebenso ihre inneren Wandlungsprozesse glaubhaft nachvollziehbar präsentiert. Er ist Macho, spricht gern und viel dem Alkohol zu (tolle Szenen!), lässt Katharina seine Macht deutlich spüren, quält sie hier und da ein wenig. Doch letztendlich erliegt, unterliegt er.
Liebe, Verwirrung, Bestechung, Verkleidung in den anderen zu knüpfenden Beziehungen bieten nicht minder viel Spaß und beste Unterhaltung. Die liebevolle Bianca (Yuliya Gerbyna) kann erst heiraten, wenn ihre Schwester Katharina unter der Haube ist. Bianca hat drei Bewerber, die sich in köstlich anzuschauenden „Einlassungen“ als Lehrer präsentieren. Zwei von ihnen (Gremio/Gordon Wannhoff und Hortensio/Joe Monaghan) verkuppeln sie und ihr Auserwählter (Lucentio/Jonathan Cadic) etwas hinterhältig mit den beiden ebenfalls auf Männer wartenden Kurtisanen (Anna-Maria Tasarz und Annelies Walter).
Der Dank des Publikums gebührt dem gesamten Ensemble. Ein Ballettabend, dessen Besuch sich lohnt.
Nächste Möglichkeit ist am Sonnabend, 6. November.
28.10.2010, 09:17 | tags:
Ballett
629
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 28.10.2010
Atemloser Tanz um zwei sehr verschiedene Schwestern
"Ich wundere mich selbst über mich." Offensichtlich kann Tomasz Kajdanski so recht nicht fassen, was er da am Freitag auf die Bühne des Anhaltischen Theaters bringt. "Es wird komisch, ironisch, hat ganz viel Humor", sagt Dessaus Chefchoreograph über das Ballett "Der Widerspenstigen Zähmung", das am Freitag um 19.30 Uhr Premiere hat. Was Kajdanski so wortreich beschreibt, unterstreichen schon jetzt die vielen Szenenfotos und ein Video auf der Internetseite des Theaters. Und so mancher wird sich da fragen, ob das noch der gleiche Kajdanski wie in "Lulu" oder "Nachtasyl" ist. Doch. Er ist es.
"Die Dessauer denken ja sicher, ich bin ein komplizierter, philosophierender Typ, der nur aufs Soziale blickt und keinen Humor hat. Dabei habe ich Freude am Leben und bin ein ganz normaler Kerl." Punkt. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Den Gegenbeweis zu Mutmaßungen über sein viel zu ernsthaftes Wesen tritt der polnische Ballettchef mit seinem Ensemble auf der Bühne an. Er hat sich dafür einen Stoff ausgesucht, der sich für ein komödiantisches Verwirrspiel wie kein zweiter eignet. William Shakespeares Komödie über den ewigen Kampf der Geschlechter liefert die Vorlage für eine neue Farbe, mit der sich Tomasz Kajdanski dem Dessauer Publikum vorstellt. "Es kann ja nicht immer Sushi geben, Schnitzel ist auch mal dran", lacht er. Vor allem versuche er eines: geistreiche Ballette zu choreographieren, denn "Theater ist nicht dazu da, um Unterhaltung zu transportieren".
Schnell ist Kajdanski bei Werten, Geschichte, Tradition und Zukunft. Und all dies fand er eben in seinem neuen Ballett. "Ich habe schon länger über das Stück nachgedacht und es in München auch schon selbst getanzt", erzählt Kajdanski. Nun lässt er tanzen und das nicht zu wenig. "Wir arbeiten brutal. Nach der Probe können sich die Tänzer kaum noch bewegen. Aber stehen sie auf der Bühne, dann ist alles ganz leicht", berichtet der Tanzchef, der seinen jungen Leuten immerhin eine 25-minütige Pause zwischen den beiden Teilen des Balletts zugesteht. "Da können sie wieder normal atmen." Das gilt freilich nicht lange, denn "jede Note wird vertanzt". Geschwindigkeit sei die Devise für die Compagnie. "Hintergrund dafür ist natürlich das klassische Ballett und die Pantomime", sagt Kajdanski, der die Widerspenstige mit den Mitteln der Commedia dell'arte zähmt.
Weil der ganze Shakespeare indes ein wenig zu verwirrend ist, hat Tomasz Kajdanski das Spiel um die Schwestern Katharina und Bianca ein wenig entschlackt. "Ich hoffe, jeder kennt das Thema", sagt der Choreograph, letztlich gehe es schließlich um Liebe und Emanzipation in einer Beziehung, so wie es schon Elisabeth Taylor und Richard Burton in der Verfilmung des Musicals "Kiss me Kate" erzählten.
"Meiner Meinung nach gewinnt am Ende die Frau" - so viel kann Kajdanski sagen. "Er denkt noch, er habe sie gezähmt, dabei hat sie die Hosen an." Spricht da die Erfahrung? "Man muss immer Kompromisse finden", sagt Kajdanski, aber auch: "Frauen machen das ganze männliche Leben zu einem Genuss". Und was ist der Dank? Seinen Tänzerinnen raubt er den Atem.
25.10.2010, 12:50 | tags:
Ballett
622
Helmut Rohm, Zerbster Volksstimme, 25.10.2010
Tomasz Kajdanski inszeniert Ballett „Der Widerspenstigen Zähmung“ am Anhaltischen Theater Dessau
Premiere für grotesk-komische Verwirrposse mit lebensfroher Musik
Die diesjährige „Ballett-Spielzeit“ am Anhaltischen Theater Dessau wird am kommenden Freitag, dem 29. Oktober, um 19.30 Uhr mit der Premiere „Der Widerspenstigen Zähmung“ eröffnet. In der Choreografie und Inszenierung von Tomasz Kajdanski ist der heitere Shakespeare-Stoff zu erleben.
Er ist „kein Mann mit tragischer Vergangenheit“, hat auch keine sonstigen psychischen Probleme, stellt der Dessauer Ballettdirektor Tomasz Kajdanski klar. Er bezieht sich damit auf seine beiden durchaus melancholisch-dramatischen Ballett-inszenierungen „Lulu“ und „Nachtasyl“ in der vergangenen, seiner ersten Dessauer Spielzeit.
Er sei ein „ganz normaler Mann“, mit sowohl dramatischer, aber auch lustiger Seite. Das werde der Zuschauer in der gerade begonnenen neuen Spielzeit kennenlernen. Das Dessauer Theater verfüge über eine zwar „zahlenmäßig relative kleine, aber fabelhafte Kompanie, die das gesamte Ballettvokabular von A bis Z voll beherrscht“. Alle diese Facetten könne man eben nicht in einem Jahr präsentieren.
Tomasz Kajdanski hat sich als Textvorlage für die neue Inszenierung gerade die gleichnamige Komödie von William Shakespeare ausgesucht, weil sie eine ganz tolle grotesk-komische und lebensfrohe Verwandlungs- und Verwirrposse sei. Aber auch, weil das Thema Liebe und „Wer beherrscht wen? Die Frau den Mann oder umgekehrt?“ ungemein aktuell sei, „ein ewiges Thema bleibt“.
Katharina und Bianca sind zwei im Wesen recht unterschiedliche Schwestern. Die jüngere Bianca möchte gern heiraten, hat „nur“ die Qual der Wahl zwischen ihren drei Verehrern. Doch erst muss, nach dem Willen des Vaters, die ältere, nicht zu Unrecht die „Widerspenstige“ genannte Katharina, unter die Haube gebracht werden. Eine turbulente Story mit Werben, Verkleiden, Bestechen beginnt ...
Dazu hat der Choreograf vorwiegend Musik von Dimitri Schostakowitsch „ausgewählt und zusammengeschnitten“. Wunderbare Musik, lustige Tanz- und Filmmusiken, „die viel Lebensfreude ausstrahlen und sehr zugänglich sind“, schwärmt Tomasz Kajdanski.
Sein Ballett werde mit Elementen einer Commedia dell‘arte zu erleben sein. Klassischer Tanz, moderne Bewegungen und eine skurril übertreibende und flotte Pantomime in Cartoon/ Comic-Art werden zu einer Show mit hohem technischen und konditionellen Aufwand und Anspruch verschmelzen. „In den etwa 80 Minuten wird es dabei keine Sekunde Leerlauf geben“, macht der Dessauer Ballettchef neugierig.
Und – er habe eine Kompanie, mit der er die einzelnen Rollen total stimmig besetzen könne. So werden die Ballettbesucher in Dessau mit Laura Chosta Choud und Yuliya Gerbyna, die beiden gleichrangigen Besetzungen der vorjährigen Titelrolle Lulu, als die beiden Schwestern Katharina und Bianca wiedertreffen. Juan Pablo Lastras Sanchez wird als Petruchio auftreten. Dabei sein werden auch die neuen Ensemblemitglieder Mélanie Legrand, Cathrin Klöters, Jonathan Cadic, Annelies Waller, Charline Debons und Jonathan Augereau.
Bühnenbild und Kostüme stammen von Dorin Gal. Als Dramaturgin betreut Sophia Walz diese Ballettinszenierung.
25.10.2010, 12:41 | tags:
Ballett
621
Pressemitteilung vom 25.10.2010
Treffpunkt Ballett: Tomasz Kajdanski gibt Einblicke in die Arbeit des Ballettensembles
Ballettdirektor und Chefchoreograf Tomasz Kajdanski gibt am Mittwoch, 3. November um 19.30 Uhr im Ballettsaal Einblicke in seine Arbeit mit den Tänzern. Dabei werden die neuen Ensemblemitglieder, Charline Debons, Cathrin Klöters, Mélanie Legrand, Annelies Waller, Jonathan Augereau und Jonathan Cadic, vorgestellt und Ausschnitte aus der Ballettinszenierung „Der Widerspenstigen Zähmung“ gezeigt, die am 29. Oktober Premiere hatte. Davon wie Tomasz Kajdanski diese heitere Posse von William Shakespeare in Szene gesetzt hat, können Sie sich beim Treffpunkt Ballett einen ersten Eindruck verschaffen, und erleben wie die Tänzer auch nach einer Premiere noch weiter trainieren.
Tickets für 3,- EURO für die Veranstaltung „Treffpunkt Ballett“ erhalten Sie an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr; Mail: kasse@anhaltisches-theater.de und auch an der Abendkasse.
15.10.2010, 13:47 | tags:
Ballett
601
Pressemitteilung vom 15.10.2010
Matinee zur Premiere „Der Widerspenstigen Zähmung“
Am Sonntag, 24. Oktober um 10.30 Uhr lädt das Ballettensemble im Vorfeld der Premiere „Der Widerspenstigen Zähmung“ zur Matinee ein.
Wie Tomasz Kajdanski und das Ballettensemble die Choreografie dieser heiteren Posse nach der gleichnamigen Komödie von William Shakespeare in Szene setzen, werden sie an diesem Sonntag erzählen und zeigen. Die Choreografie enthält viele Elemente der Commedia dell’arte, verhandelt aber auch bis heute aktuelle Fragen nach Geschlechterrollen.
Ausschnitte der Choreografie und die Ausstellung einiger Kostüme geben ein Vorgeschmack auf die Choreografie. Und natürlich werden auch Teile der dazu ausgewählten Musik von Dmitri Schostakowitsch zu Gehör gebracht, die den komödiantischen Charakter der Choreografie unterstützen.
Für den Eintritt wird ein Obolus von 3,- Euro erhoben, der beim Besuch der entsprechenden Veranstaltung auf den Kartenpreis angerechnet wird.
Das Ballett „Der Widerspenstigen Zähmung“ hat am Freitag, 29. Oktober um 19.30 Uhr im Großen Haus Premiere.
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Abendkasse und unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr; Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr; Mail: kasse@anhaltisches-theater.de.
07.10.2010, 16:01 | tags:
Ballett
589
Pressemitteilung vom 7.10.2010
Ballettpremiere „Der Widerspenstigen Zähmung“
Am Freitag, 29. Oktober um 19.30 Uhr lädt das Anhaltische Theater zur ersten Ballettpremiere in der neuen Spielzeit ein. Tomasz Kajdanski inszeniert und choreografiert mit „Der Widerspenstigen Zähmung“ einen Ballettabend nach der gleichnamigen Komödie von William Shakespeare. Nach Shakespeares grotesk-komischen Verwandlungs- und Verwirrposse schafft Kajdanski eine Choreografie, die vor Lebensfreude nur so sprüht. Dabei erklingt eine Auswahl an Filmmusiken von Dmitri Schostakowitsch, sowie Ausschnitte aus seinen Ballettsuiten, „Hamlet“, „Das goldene Zeitalter“ und anderen bekannten Stücken. Ganz im Stile der Commedia dell’arte jagt ein Scherz den nächsten und eine turbulente Maskerade entspinnt sich auf der Bühne nicht nur zwischen den Tänzern auch das Bühnenbild mit seinen drehbaren antiken Periakten, schafft einen schnellen Wechsel des Bühnenbildes.
Bianca und Katharina sind zwei Schwestern, die nicht unterschiedlicher sein könnten. Bianca, die Jüngere, ist liebenwert und freundlich und möchte nichts lieber als heiraten. Einzige Schwierigkeit für sie ist, dass sie sich noch zwischen drei Verehrern entscheiden muss. Ihrer ältere Schwester, Katharina, hingegen ist aufmüpfig und begegnet jedem mit kecken Widerworten. Sie denkt nicht im entferntesten daran Ehefrau werden zu wollen.
So machen sich Biancas Freier auf die Suche nach einem Ehemann für Katharina und finden ihn in Petruchio, der sich von der Widerspenstigkeit Katharinas nicht abschrecken lässt, besonders da diese Ehe auch finanziell für ihn von großer Attraktivität ist. Die Hochzeit zwischen Katharina und Petruchio ist schnell arrangiert, doch bis die zwei dann wirklich auch in Liebe zueinander finden, wird mit großer Lust gestritten.
Während Katharina und Petruchio sich zankend und neckend näher kommen, verkleiden sich die Verehrer Biancas als Hauslehrer, um ihrer Angebeteten den Hof machen zu können. Mit viel Freude am Spiel der Liebeswerbung, sich gegenseitig überbietend, ringen Lucentio, Gremio und Hortensio um Biancas Gunst, die sich am Ende für Lucentio entscheidet.
Vorstellungsdauer ca. 2 Stunden inkl. Pause
Tickets und Informationen erhalten Sie unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr | Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
04.10.2010, 16:49 | tags:
Ballett
583
Pressemitteilung vom 04.10.2010
Tomasz Kajdanski stellt neue Ballettinszenierung „Der Widerspenstigen Zähmung“ vor
Ballettdirektor und Chefchoreograf Tomasz Kajdanski stellt am Dienstag, 12. Oktober um 19.30 Uhr die Ballettinszenierung „Der Widerspenstigen Zähmung“ vor. Knappe 3 Wochen vor der Premiere zeigen Tomasz Kajdanski und seine Tänzer Ausschnitte der Choreografie und geben Einblicke in die Probenarbeit. Dabei werden auch die neuen Ensemblemitglieder, Charline Debons, Cathrin Klöters, Mélanie Legrand, Annelies Waller, Jonathan Augereau und Jonathan Cadic, vorgestellt.
Grundlage für dieses Handlungsballett ist die gleichnamige Komödie von William Shakespeare, zu der eine Auswahl an Filmmusiken von Dmitri Schostakowitsch, sowie Ausschnitte aus seinen bekannten Ballettsuiten, „Hamlet“ und „Das goldene Zeitalter“ erklingen.
Erzählt wird die Geschichte zweier Schwestern, Bianca und Katharina, die nicht unterschiedlicher sein könnten. Bianca, die Jüngere, ist liebenwert und freundlich und möchte nichts lieber als heiraten. Allerdings muss sie sich erst noch zwischen drei Verehrern entscheiden. Doch vorher muss Katharina heiraten und die denkt gar nicht daran. Ganz im Gegenteil: Sie ist aufmüpfig und begegnet jedem mit kecken Widerworten.
Davon wie Tomasz Kajdanski diese heitere Posse von William Shakespeare, die viele Elemente der Commedia dell’arte enthält, aber auch bis heute aktuelle Fragen nach Geschlechterrollen verhandelt, in Szene setzt, können Sie sich beim Treffpunkt Ballett einen ersten Eindruck verschaffen.
Am 29. Oktober hat das Ballett „Der Widerspenstigen Zähmung“ um 19.30 Uhr im Großen Haus Premiere.
07.09.2010, 12:42 | tags:
Ballett
546
Pressemitteilung vom 7.9.2010
Letzte Vorstellungen der Tanzuraufführung „Nachtasyl – Szenen aus der Tiefe“
Das Anhaltische Theater Dessau zeigt am Sonntag, 12. September und am Samstag, 18. September jeweils um 17 Uhr die Tanzuraufführung „Nachtasyl – Szenen aus der Tiefe“ nach Maxim Gorkis gleichnamigen Schauspiel letztmalig in dieser Spielzeit. „Nachtasyl – Szenen aus der Tiefe“ ist die zweite Tanzinszenierung des Ballettdirektors Tomasz Kajdanski auf der Dessauer Bühne.
Sinnlich und hochenergetisch zeigen die Tänzer in einem spannenden Bühnenbild nicht nur die Zustände der Ausweglosigkeit und des Verlorenseins, sondern auch die Schönheit und Kraft des Aufbruchs sowie die Hoffnung nach Momenten der stillen oder aggressiven Verzweiflung.
Die Anhaltische Philharmonie spielt unter der Leitung von Wolfgang Kluge spannungsreiche und vielseitige Musik von Detlev Glanert und Arnold Schönberg.
„Es wird großartig getanzt, eine Kompanie aus höchst individuellen Tänzerinnen und Tänzern, deren Authentizität der Choreograf nicht verstellt sondern nutzt. Und es wird spannend musiziert...“ – www.tanznetz.de, 01.06.2010
„...ein Gipfel an Gefühlen, die überspringen – ob man Gorkis russischen Bestseller nun kennt oder nicht!“ – Magazin danceforyou, Juli/Aug. 2010
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de und auch an der Abendkasse.
09.08.2010, 22:34 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
, Pressestimmen
530
Vesna Mlakar, danceforyou! - Magazin, Juli/August 2010
Abgrund Mensch
Tomasz Kajdanski und Dorin Gal gelingt in Dessau nach Maxim Gorkis "Nachtasyl" ein berührend zeitloser Totentanz.
Wer wagt, gewinnt! - diesen Ausruf haben sich Ballettchef Tomasz Kajdanski und sein Intendant André Bücker ganz offensichtlich seit Amtsantritt zu Beginn dieser Spielzeit auf die Fahnen geschrieben. Ihr 1250 Plätze fassendes Anhaltisches Theater Dessau steht - und das merkt man erst, wenn einen das Navi auf Schleichwegen an verfallenen ruinösen Fabrikpalästen und tristen Wohnblöcken vorbei an das Dreispartenhaus heranführt - am Rand einer ehemals blühenden Stadt. Die Abwanderung der Bevölkerung heute ist enorm, doch verständlich angesichts des nach massiven Zerstörungen Ende des 2. Weltkriegs und teils vermurkstem Wiederaufbau nun mangelnden urbanen Charmes. Wer nicht ausharren muss oder seine Zeit mit Shoppen in den schicken neuen Ladenpassagen verbringt, flüchtet jede freie Minute ins paradiesische Grün der Elbanlagen - oder gleich bis nach Wörlitz. Nur das Weltkulturerbe Bauhaus und die benachbarten Meisterhäuser fungieren für das zusammengeführte Dessau-Roßlau als studentischer und touristischer Rettungsanker.
Angesichts dessen - und weil aufrütteln bzw. das Publikum mit Maß herausfordern dem Denker Kajdanski mehr liegen als bloß hübsche Variationen - passt seine zweite abendfüllende Premiere (nach Wedekinds Lulu) hierher wie "die Faust aufs Auge". Massive globale Krisenherde in Wirtschaft und Ökologie sowie das wachsende Auseinanderklaffen der sozialen Unterschiede verleihen seiner getanzten Adaption von Maxim Gorkis düsterem Drama Nachtasyl aus dem Jahr 1902 darüber hinaus brisante Aktualität:
Wie anno dazumal im zaristischen Russland finden sich auch in unseren Metropolen jene wild zusammengewürfelten Häuflein verlorener, in sich verzagter und gebrochener Existenzen, die sich - während der letzte Halt um sie herum zerfällt - in ihrer Verzweiflung aneinander klammern und ein Entkommen aus dem oft selbst verschuldeten Desaster suchen. Ein - so bringen es der Choreograf, seine höchst motivierte elfköpfige Tänzercrew und Kajdanskis kongenialer Partner in Sachen Ausstattung, Dorin Gal, auf die Bühne - durch permanente Frustration in (Auto-)Aggression umschlagendes, letztendlich vergebliches Aufbäumen.
Für die Tristesse der Ausweglosen, unfähig, selbst eine Erfolg versprechende Initiative zu ergreifen, hat das Produktionsteam ein atmosphärisch den gesamten, ohne Pause 75 Minuten langen Abend tragendes Bild gefunden: Ganz im Sinne des Originaltitels Na dne (übersetzt: Szenen aus der Tiefe) spielt sich alles am Grunde eines verfallenen Schwimmbassins ab. Die in der Mitte prangende, riesige, aus dem Loch führende Leiter, wagt keiner der Insassen zu erklimmen. Stattdessen toben sie - anfangs vereinzelt, dann durcheinander, verwickeln sich in Duette, dass die Fetzen fliegen, rennen kopflos gegen Wände, wälzen sich auf Matratzen oder hängen resignierend auf Stühlen ab. Dazu tönt live aus dem Orchestergraben in seiner eindrücklichen Klangereignishaftigkeit Detlev Glanerts Theatrum bestiarum.
Die Welt von außen - wie der Himmel über dem Becken aller Farben beraubt - zieht nur mehr in Form von Projektionen (Angela Zumpe) an ihnen vorbei: Häuser, Gemäuerreste, Graffitis, volle Supermarktregale. .. Unerreichbar für die an Gorkis Vierakter angelehnten Charaktere: .Asylbesitzer" Kostylew (Gordon Wannhoff), seine Frau Wassilissa (Yun-Ju Chen), deren Schwester Natascha (Laura Costa Chaud), den in sie verliebten Taugenichts Pepel (Juan Pablo Lastras-Sanchez), den gewalttätigen Handwerker Kleschtsch (Rai-Hilmar Kirchner) und seine am Ende zu Tode gequälte Anna (Einspringerin Anna Maria Tasarz), Nastja (Yuliya Gerbyna), eine Prostituierte, den alkohol süchtig-lebensmüden Schauspieler (Ion Beitia - ab nächster Spielzeit in München bei H. H. Paar engagiert), einen heruntergekommenen Baron (Jonathan Augereau) und das junge Mädchen (Denise Evrard).
Jedem von ihnen hat Kajdanski versucht, die rollentypischen Eigenarten in Körper und Requisiten zu legen. Einer Exposition gleich beginnt deshalb sein erster "Rasend vor Ohnmacht" betitelter Handlungsteil. Seine Bewegungsfindungen dazu sind heftig, verquirlt zwischen Klassik und Streetdance, impulsiv. Die fatale Getriebenheit seiner Interpreten nimmt das im finalen Countdown "Endzeit" zu Glanerts Mahler/Skizzen noch gesteigerte Tempo der Inszenierung vorweg. Vor allem aber nach dem berückenden, choreografisch am ausgefeiltesten gelösten Mittelteil "Hoffnung", dem Kajdanski Schönbergs Verklärte Nacht unterlegt, wünschte man sich mehr Zeit, um von den Gestalten Abschied zu nehmen.
Kajdanski aber lässt das Geschehen nach einem Moment der Erstarrung am Boden in einen Wust aus Unordnung eskalieren - angereichert mit so vielen parallelen, bildhaften Spielszenen um Selbstmord, Mord und gegenseitige Quälereien, dass das Auge unter Papierfetzen, die in die Luft gewirbelt werden und kübelweise über Anna ausgeleerter Erde kaum folgen kann. In einer monströs von vorn nach hinten wallenden Welle wird alles unter schwarzem Stoff begraben.
Katharsis für das Publikum! Die Tänzer entlassen uns nicht etwa bedrückt, sondern (vielleicht unserer Distanz) positiv gestärkt. Da glimmt nach, was der Solist des Abends Joe Monaghan in der Rolle des die Nacht zum Tag, die Wüste zur grünen Wiese und alles Grau in leuchtende Farben verwandelnde Pilger Luka bei seinem Besuch im Abgrund an Hoffnungen ausgelöst hat. Ein Blickfang in seiner akademischen Andersartigkeit bringt er - virtuos beredt und überzeugend sanft - alle an einen Tisch sowie die angespannten Beziehungskonstellationen in Harmonie zum Schwingen: ein Gipfel an Gefühlen, die überspringen - ob man Gorkis russischen Bestseller nun kennt oder nicht!
02.07.2010, 09:39 | tags:
Ballett
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504
Hartmut Regitz, tanz, Juli 2010
TOMASZ KAJDANSKI «NACHTASYL»
Das Notquartier als «Nachtasyl»: Dorin Gals Bühne nimmt in Dessau Maxim Gorki beim Wort und platziert die «Szenen aus der Tiefe» in einem Schwimmbad, das schon mal bessere Tage erlebt haben muss. Die Gestrandeten sitzen auf dem Trockenen, wenn sie nicht gerade Amok laufen. Ohne Ausweg scheint ihr Dasein, obwohl es Fluchtmöglichkeiten bietet. Ein paar Sprossen die Leiter hinauf, und man wäre der Trostlosigkeit entronnen. Wirklich benutzt wird sie nur von einem, der für eine Nacht in dem Asyl Unterschlupf findet und am nächsten Morgen wieder verschwindet.
Bei Gorki ist Luka so etwas wie ein Landstreicher, der seinen Mitbewohnern ein paar Stunden lang Geschichten, Märchen, auch ein paar Lügen auftischt. Ganz in der Tradition einer eher missverstandenen Aufführungsgeschichte macht Tomasz Kajdanski aus ihm einen Hoffnungsträger, einen Katalysator, der die Welt seiner Mitmenschen verändert. Auf einmal gewinnen die Träume, die Angela Zumpe auf die Beckenmauern projiziert, Farbe und Frische. Selbst der Himmel, zuvor noch auf einem Plafond grau in grau, erstrahlt für kurze Zeit in schönstem Blau. Statt Detlev Glanerts «Theatrum Bestiarum» erklingt Arnold Schönbergs «Verklärte Nacht».
Mit dem Wechsel der musikalischen Stimmung verändert sich auch das Material der Bewegung. Kajdanski choreografiert nicht mehr einen Kampf um die nackte Existenz. Ein verzweifeltes virtuoses Aufbegehren macht im weiteren Verlauf einer Paarung Platz, die in ihrer Parallelführung so etwas wie ein harmonisches Miteinander signalisiert. Der Selbstmordkandidat befreit sich von seiner Krawatte, die ihm wie ein Strick um den Hals hängt. Ein anderer sucht Geborgenheit in Lukas Schoß. Joe Monaghan, elegant in seiner Erscheinung und durchweg expressiv im Tanz, erinnert stark an die Engelsgestalt in Pier Paolo Pasolinis Film «Teorema - Geometrie der Liebe». Wie dort verändert er durch seine Empathie die Menschen. Und wie dort hinterlässt sein Verschwinden eine lähmende Leere.
«Rasend vor Ohnmacht» hat Kajdanski noch den ersten Teil seiner «Handlung» genannt, «Hoffnung» den zweiten. Mit «Endzeit» schließt Kajdanski insofern an den Anfang an, als er der abschließenden Szene die «MahIer/Skizze» von Glanert unterlegt: ein elementares Klangereignis, das durchaus etwas Apokalyptisches hat. So, wie Kajdanski sein Tanztheater präsentiert, brutal bis zum Exzess, persönlichkeitsstark und hoch motiviert bis in die Fingerspitzen, hat man den Eindruck, als kämpfe es selbst ums Überleben.
Tatsächlich soll das Anhaltische Theater Dessau von 2013 an nur noch mit der Hälfte der jährlichen kommunalen Unterstützung von sieben Millionen auskommen. Falls das geschieht, so Generalintendant André Bücker, «ist die Schließung programmiert» - und Kajdanski gezwungen, mitsamt seinem Ensemble andernorts um Asyl zu ersuchen. Es muss ja nicht unbedingt ein Schwimmbad sein. Ein ausgedientes Theater tut es zur Not ja auch.
Wieder 4. Juli, 12., 18. Sept. anhaltisches-theater.de
02.07.2010, 09:25 | tags:
Ballett
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503
Joachim Lange, Die Deutsche Bühne, Juli 2010
Auf dem Trocknen
Tomasz Kajdanskis Dessauer Tanztheater "Nachtasyl - Szenen aus der Tiefe"
Der furiose Neuanfang des Anhaltischen Theaters nach dem Wechsel
vom Langzeitintendanten Johannes Felsenstein zu André Bücker ist ohne das Tanztheater von Tomasz Kajdanski und seiner Truppe nicht vorstellbar. Ihre "Lulu"-Version war bereits ein furioser Einstieg. Und mit "Nachtasyl – Szenen aus der Tiefe" nach Maxim Gorki ist es nicht anders. Hier ist eine hochprofessionelle, so athletisch wie ausdrucksstark tanzende Truppe am Werke, der es zu klug kombinierter Musik um ambitioniertes Tanztheater im besten Sinne des Wortes geht. Auch, dass die Anhaltische Philharmonie unter Leitung von Wolfgang Kluge den musikalischen Mix aus Werken von Detlev Glanert und Arnold Schönberg wieder mit großem Orchester vom Graben aus beisteuert, unterstreicht die Bedeutung, die die Tanzsparte in Dessau hat.
Im Nachtasyl folgt Kajdanski mit seinen elf Tänzern, locker, aber erkennbar, Maxim Gorkis dunklem Stück über die Verlorenen und Ausgestoßenen, gleichwohl immer noch träumenden Menschen, das ihm 1902 den Durchbruch eintrug. In Dessau sind es jetzt im wahrsten Wortsinn Gestrandete, junge Menschen von heute. Man könnte jedem von ihnen in einer der urbanen Problemzonen unserer Städte begegnen. Beim Abhängen oder Rumlungern. Der Untertitel "Szenen aus der Tiefe" meint sowohl die seelischen Abgründe der Verzweiflung und Ratlosigkeit als auch den hochatmosphärischen Raum von Dorin Gal.
Alles spielt sich nämlich in einem trocken gelegten Schwimmbecken ab. Die Rückwand ist dabei ebenso Projektionsfläche für die exzellenten, unaufdringlichen Videos von Angela Zumpe, wie eine über dem Becken schwebende Leinwand. Die urbane Tristesse vom Leben verlassener Bauten und die Träume von Wolken, Meer und blühenden Landschaften mischen sich dabei suggestiv in die tanzend erzählten kleinen Geschichten von Aggressivität und Aufbegehren, von Liebe und Hass, von Sehnsucht nach dem Leben oder dem Tod. Dabei profilieren die Tänzer ihre Figuren als Individuen und erzeugen in der Balance mit der kontrastierend kombinierten Musik von Glanerts "Theatrum Bestiarium" und "Mahler/Skizze" und Schönbergs "Verklärter Nacht" einen Sog, zwischen aufkeimender Traumhoffnung und niederschmetternder Dunkelheit der Realität. Am Ende, wenn die Szene unter einem schwarzen Tuch verschwindet, bleibt dennoch auch die geträumte Hoffnung im Gedächtnis. Ein starkes Stück Tanztheater!
25.06.2010, 15:07 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
494
Pressemitteilung vom 25.06.2010
„Nachtasyl“ zum letzten Mal vor der Sommerpause
Das Anhaltische Theater Dessau zeigt am Sonntag, 4. Juli, um 17 Uhr die Uraufführung „Nachtasyl – Szenen aus der Tiefe“ nach Maxim Gorkis gleichnamigen Schauspiel letztmalig in dieser Spielzeit. „Nachtasyl – Szenen aus der Tiefe“ ist die zweite Tanzinszenierung des Ballettdirektors Tomasz Kajdanski auf der Dessauer Bühne.
Im Nachtasyl finden sich zerbrochene und verzagte Existenzen an einem Ort des Verfalls zusammen. Sie zerstören und ermüden sich, halten aneinander fest, trösten sich und suchen dabei immer wieder das Licht, das Morgen. Sinnlich und hochenergetisch zeigen die Tänzer in einem spannenden Bühnenbild nicht nur die Zustände der Ausweglosigkeit und des Verlorenseins, sondern auch die Schönheit und Kraft des Aufbruchs sowie die Hoffnung nach Momenten der stillen oder aggressiven Verzweiflung.
Die Inszenierung steht in der kommenden Spielzeit, im September, nur noch zwei weitere Male auf dem Spielplan. Unter der Leitung von Wolfgang Kluge spielt die Anhaltische Philharmonie spannungsreiche und vielseitige Musik von Detlev Glanert und Arnold Schönberg.
„Es wird großartig getanzt, eine Kompanie aus höchst individuellen Tänzerinnen und Tänzern, deren Authentizität der Choreograf nicht verstellt sondern nutzt. Und es wird spannend musiziert...“ – www.tanznetz.de, 01.06.2010
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de und auch an der Abendkasse.
02.06.2010, 17:00 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
468
Pressemitteilung vom 02.06.2010
„Nachtasyl – Szenen aus der Tiefe“
Am Samstag, 5. Juni um 16.00 Uhr zeigt das Anhaltische Theater Dessau das Ballett „Nachtasyl – Szenen aus der Tiefe“ auf der Bühne des Großen Hauses. Tomasz Kajdanskis Inszenierung, die sich am gleichnamigen Drama von Maxim Gorki orientiert, ist ein Abend über zerbrochene und verzagte Existenzen, die sich an einem Ort des Verfalls zusammenfinden, sich zerstören, sich ermüden, sich aneinander festhalten, trösten und dabei immer wieder das Licht suchen, das Morgen. Sinnlich und hochenergetisch zeigen die Tänzer in einem spannenden Bühnenbild nicht nur die Zustände der Ausweglosigkeit und des Verlorenseins, sondern auch die Schönheit und Kraft des Aufbruchs sowie die Hoffnung nach Momenten der stillen oder aggressiven Verzweiflung.
Die Inszenierung ist in dieser Spielzeit nur noch drei weitere Male zu sehen und steht in der kommenden Spielzeit, im September noch zwei Mal auf dem Spielplan. Die Anhaltische Philharmonie spielt Musik von Detlev Glanert und Arnold Schönberg unter der Leitung von Wolfgang Kluge.
„Es wird großartig getanzt, eine Kompanie aus höchst individuellen Tänzerinnen und Tänzern, deren Authentizität der Choreograf nicht verstellt sondern nutzt. Und es wird spannend musiziert...“ – www.tanznetz.de, 01.06.2010
„Kajdanski [...] bietet [...] mit seinen fulminant auftrumpfenden elf Tänzern ein unter die Haut gehendes Stück Abrechnung mit beschämenden sozialen Zuständen.“ – Neues Deutschland, 02.06.2010
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de und auch an der Abendkasse.
02.06.2010, 06:45 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
467
Volkmar Draeger, Neues Deutschland/ Feuilleton, 02.06.2010
Aufschreckend zeitgemäße Adaption
In Dessau zeigt Tomasz Kajdanski Gorkis »Nachtasyl« als Tanztheater
Verfilmt wurde Maxim Gorkis »Nachtasyl« bereits mehrfach: 1936 von Jean Renoir, 1957 von Akira Kurosawa. In der Sprache jenes Mediums ist das Drama um ein Dutzend Gestrandeter vorstellbar, der Tanz greift es erst 108 Jahre nach der Uraufführung am Künstlertheater Moskau auf, aus gutem Grund. Zum einen kann er die philosophischen Fragestellungen nach dem Sinn des Lebens nur schwer transportieren; zum anderen scheint die Situation der Barfüßler genannten Tagelöhner und Landstreicher leidvoll aktuell. Wieder lungern Obdachlose auf den Straßen, saufen sich den leeren Alltag schön, finden nicht die Kraft zum Neubeginn. Das zwingt fast zur Auseinandersetzung mit Gorkis zu Weltruhm gelangtem Stoff auch im Tanz.
Tomasz Kajdanski hat das in Dessau gewagt und seiner Sammlung sperriger Stücke nun ein weiteres hinzugefügt. Nach »Lulu« als Auftakt am neuen Wirkungsort folgt jetzt »Nachtasyl – Szenen aus der Tiefe«. Der Choreograf und sein Ausstatter Dorin Gal haben die Unterzeile wie auch den russischen Originaltitel »Na dnje«, »Auf dem Grunde«, wörtlich genommen und das Geschehen aus dem Keller in ein marodes Schwimmbassin verlegt. Wie ein schmuddlig graues Verließ unter niedrigem Plafond wirkt, wo Gestalten als Silhouetten sitzen, liegen, stehen; an die beiden Einstiege ins Becken, die Ausstieg aus jener Tristesse sein könnten, werden sie selbst im Sprung nie heranreichen. Schrill ist der Ton, als die Kurtine hochfährt, den nebligen Blick aufklart, zugleich das desparate Inferno in Gang setzt.
Zwar hat Kajdanski seinen Figuren Namen aus Gorkis Vorlage zugeordnet, greift auch deren persönliche Konflikte wie ihre spannungsgeladenen Beziehungen auf. Die Bewegungssprache und Gals punkhaft abgerissene Kostüme weisen sie eindeutig als Menschen unserer Tage aus. In dieser zeitgemäßen Adaption liegt einer der Vorzüge jener Inszenierung: Auch ohne Gorkis Stück zu kennen, erschließt sich die Thematik.
Unterstützt wird das Team von den gewählten Musiken: Detlev Glanerts »Theatrum Bestiarum – Lieder und Tänze für großes Orchester« im »Rasend vor Ohnmacht« genannten ersten Teil, Arnold Schönbergs »Verklärte Nacht« für »Hoffnung« als Mittelteil, Glanerts »Mahler/Skizze« für »Endzeit« als Finale. Dass Glanerts enorm vielschichtige, bisweilen aufschreckende Klangbilder zu Schönbergs trauervoll sinfonischem Gestus verblüffend genau passen und von der Anhaltischen Philharmonie unter Wolfgang Kluge konzertreif musiziert werden, gibt den 75 pausenlosen Minuten Tanz Reiz und akustischen Widerpart gleichermaßen.
Gegen Wände rasen die Insassen jener Tiefenwelt an, richten die Verzweiflung mehr noch gegeneinander, während eine Welt kalter Betonklötze als Langsam-Film hinter ihnen vorüberzieht. In aufbäumenden Soli und Ensembles brechen sich Hilflosigkeit und Aggression Bahn, Matratzen werden zu Schlaggegenständen, Stühle zu Plätzen der Lethargie. Mit viel Aktion lässt Kajdanski die Charaktere zusammenprallen, setzt klassischen Tanz ebenso ein wie Kampfsport, umschreibt so Gorkis Personalkonstellationen: Bassinbesitzer Kostylew und Wassilissa, Pepel und Natascha, den trunksüchtigen Schauspieler in seinem Selbsthass. Erst als Luka wie eine Vision der Hoffnung ins Bassin steigt, beginnen sich die aufgeregten Attacken unter gewitterdräuendem Plafond zu entwirren. Was wir wollten, war nicht das, flüstern Stimmen vom Band: Wovon sollen wir leben, lasst mich sterben.
Die Nacht verklärt sich jedoch allmählich in erfüllt intakte Beziehungen vor idyllischen Landschaften, denn Gutes zu tun gilt es, sich selbst zu achten, wie Luka lehrt. Kaum hat sich der rätselvolle Fremde entfernt, wird aus dem tänzerischen Dauerschwelgen ein gewalttätiger Flächenbrand, den Ernüchterung und Unfähigkeit zur Tat entzünden. Der Traum weicht endgültig der Realität: Mit Wassilissas Sticknadel ersticht Pepel Kostylew, an Lukas Leiter erhängt sich der Schauspieler, kübelweise Erde begräbt die tote Anna. Über das ganze Totenhaus breiten zwei ein schwarzes Tuch, das noch lange wie eine düstere Wolke schwebt, wenn die Musik mit einzelnen Schluchzern verebbt.
Einen Ausweg aus dem Dilemma weiß auch Kajdanski nicht, bietet zumindest aber mit seinen fulminant auftrumpfenden elf Tänzern ein unter die Haut gehendes Stück Abrechnung mit beschämenden sozialen Zuständen. Das macht sein »Nachtasyl« zu einer eminent wichtigen, weil zeitnahen Produktion, der man die Sympathien des Publikums wünscht. Dass sie keinen Trost mitgibt, ist nicht seine Schuld; dass sie pralles Tanztheater liefert, aber sein Verdienst.
Weitere Vorstellungen: 5., 11., 17.6., 4.7.
01.06.2010, 12:53 | tags:
Ballett
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464
Helmut Rohm, Zerbster Volksstimme, 31.05.2010
Ist da noch Hoffnung im „Nachtasyl“?
Begeisterung für Ballett-Uraufführung in Dessau
Ein großes schwarzes Tuch überdeckt am Schluss die gesamte Bühne. Die letzten leisen Töne von Detlef Glanerts Komposition „Mahler/Skizze“ verlieren sich im Raum. Die Hoffnung stirbt zuletzt, heißt es oft. Für die noch im Nachtasyl Verbliebenen hat offensichtlich die Hoffnungslosigkeit gesiegt.
Im Anhaltischen Theater Dessau hatte am Sonnabendabend die Ballett-Uraufführung „Nachtasyl – Szenen aus der Tiefe“ in der Choreografie von Ballettdirektor Tomasz Kajdanski Premiere. Literarische Vorlage bildet Maxim Gorkis gleichnamiges Schauspiel aus dem Jahr 1901.
Kajdanski konfrontiert die Zuschauer mit den Zuständen in einem heutigen „Nachtasyl“. Symbolhaft lokalisiert er das mehr Zusammenhausen dieser Gruppe im und mit dem Leben nicht Zurechtkommender in einem großen Schwimmbecken (Ausstattung Dorin Gal).
Im ersten Teil „Rasend vor Ohnmacht“ offenbaren die Tänzer schonungslos die Lage der von ihnen dargestellten Personen. Die ausdrucksstarke Bewegung, die Mimik bis ins kleinste durchdachte Detail, potenziert durch die Anhaltische Philharmonie unter Wolfgang Kluge, lässt den Zuschauer eindringen in das oft erschütternde, von Ohnmacht, Wut, Verzweiflung, aber auch Wünschen geprägte Fühlen und Handeln der Figuren. Nichts zum Genießen, wenn auch die durchweg professionelle Tanzinterpretation den Zuschauer fasziniert.
Als in Teil zwei („Hoffnung“) Luka (Joe Monaghan in Paraderolle), eine zwiespältige Gestalt, im Nachtasyl auftaucht, scheint es Hoffnung zu geben, eröffnet sich die Möglichkeit, aus dem Teufelskreis auszubrechen. Schönbergs Komposition „Verklärte Nacht“ bietet den stimmigen Background.
Luka geht. Im dritten Teil „Endzeit“ brechen Hoffnung und Zuversicht wie ein Kartenhaus zusammen. Es wird noch dramatischer. Pepel (Juan Pablo Lastras-Sanchez) ermordet Kostylew (Gorden Wannhoff). Kleschtsch (Rai-Hilmar Kirchner) beerdigt seine Frau Anna (Anna Maria Tasarz). Der Schauspieler (Ion Beitia) begeht Suizid. Schließlich deckt das schwarze Tuch alles zu. Totales Chaos. Endzeit? Alles vorbei? Der Zuschauer wird, so er sich öffnet, zum Nachdenken angeregt sein.
In weiteren Rollen: Yun-Ju Chen, Laura Costa Chaud, Yuliya Gerbyna, Jonathan Augereau und Denise Evrard.
Das Publikum im gut besuchten Theater honorierte den Ballettabend mit Begeisterung und zahlreichen Bravos.
01.06.2010, 11:58 | tags:
Ballett
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463
Boris Michael Gruhl, http://www.tanznetz.de, 01.06.2010
Hart und genau, Gewalt und Zärtlichkeit
Tomasz Kajdanskis "Nachtasyl" nach Gorki
„Nachtasyl – Szenen aus der Tiefe“ heißt das Stück nach dem Schauspiel von Maxim Gorki, das am Wochenende zum ersten Mal über die große Dessauer Bühne ging und vom Premierenpublikum einhellig begeistert aufgenommen wurde. Das Drama von 1901 spielt in einem Elendsquartier, in einer Absteige, wo eine Gruppe gescheiterter Menschen sich das ohnehin schwere Leben regelrecht zur Hölle machen. Dennoch schildert Gorki, wie sich die Menschen in ihrem Unglück zu artikulieren versuchen, ihr Überleben zu organisieren, ihren Anspruch ein Mensch zu sein soweit als möglich nicht aufgeben wollen. Das alles schließt Verletzungen, Misshandlungen, Gewalt gegeneinander, Tod und Selbstmord nicht aus. Eine der widersprüchlichsten Figuren ist der freundliche Pilger Luka. Er kommt in das Asyl mit seinen Geschichten voller visionärer Hoffnungen, die von christlicher Nächstenliebe motiviert sind. Sie erweisen sich aber als eine Art „Lügentherapie“ und werden ohne Wirkung bleiben, wenn er das Asyl wieder verlässt.
Gorkis Stück ist ein vorrevolutionärer Aufschrei. Was Kajdanski jetzt auf die Dessauer Bühne bringt ist ein Aufschrei nach den Revolutionen, stumme Schreie der Körper zu aufwühlender Musik von Arnold Schönberg und Detlev Glanert. Durch geschickte Dramaturgie und überzeugende Körpersprache, die ohne ein Wort, allein durch Bewegung und Musik, die grundsätzlichen Motive des Stückes sinnlich erfahrbar vermittelt, gewinnt der Abend rasch an suggestiver Wirkung. Dorin Gal verwandelt die riesige Bühne in ein aufgegebenes Schwimmbecken. Der Gegenwartsbezug ist deutlich, dennoch weist das Bild allgemeiner Nutzlosigkeit über sich hinaus. Auf dem Boden des Beckens befindet sich das Nachtasyl, das längst zum beschränkten Lebensraum und Kampfraum für die Menschen geworden ist. Sie kommen da nicht mehr heraus. Wenn sich die Tänzer am Boden befinden, ihre Bewegungen schmerzverzerrt und zuckend sind, dann muss man an krepierende Fische denken. Das Leben draußen schwimmt in einer grauen Videoinstallation vorbei. Geschändete Landschaften, verlassene Wohngebiete, Industrieruinen, wie man sie bei Dessau sicher finden kann.
Die Choreografie hat drei Teile. Die Exposition, in der uns das Leben in den Szenen aus der Tiefe vorgestellt wird in Choreografien der Gruppe, Einzelner, in Duetten und verschiedenen Konstellationen. „Rasend vor Ohnmacht“ ist dieser Teil überschrieben, das drückt er aus mit der Komposition „Theatrum bestiarium“ von Detlev Glanert, 2004/2005 komponiert, deren schroffer Gestus des großen Orchesters mit verstörenden Orgelklängen regelrecht aufwühlt.
„Hoffnung“ heißt der zweite Teil, da steigt eben jener Pilger herab und die Situation verändert sich, die Bewegungen werden fließender, in den Dialogen mit Luka verändern sich die Menschen scheinbar, es entsteht so etwas wie ein Anflug von Harmonie. Die Musik dazu, Arnold Schönbergs „Verklärte Nacht“ von 1899 in der Orchesterfassung entfaltet suggestive Wirkung, durchbricht aber den eher traurigen Grundgestus nicht.
„Endzeit“ der letzte, ganz knappe Teil, wurde zu Glanerts „Mahler/Skizze“ von 1989 choreografiert, die damit beginnt, dass Steine aufeinander geschlagen werden, dann in Klang und Rhythmik beim Einsatz eher ungewöhnlicher Instrumente wie Windmaschine, Blechen und Kuhglocken, apokalyptische Bilder beschwört. Der Pilger Luka hat das Asyl verlassen, übrigens über die Treppe, die für jeden der Nachtasylanten hinausführen würde, aber nur einer benutzt sie noch, der Schauspieler, indem er sich daran erhängt. Die Übrigen richten sich ein, nur brutaler, endgültiger, mörderischer.
Fünf Tänzerinnen und fünf Tänzer, dazu der Tänzer des Pilgers, gestalten die wesentlichen Rollen des Stückes. Manche Abhängigkeiten, Gemeinheiten, Betrügereien, Affären usw. sind auch bei Kenntnis der Vorlage abzulesen, was aber nicht unbedingt nötig ist. Die Grundstimmung vermittelt sich durch die Kraft und die Intensität der Tänzerinnen und Tänzer. Hohe Sprünge, irre Drehungen und krachende Stürze, Gewalt und Zärtlichkeit, verbitterte Vereinzelung, exzessive Sehnsucht nach Nähe, bilden spannende Gegensätze. Jeder und jede im Einzelnen, in Begegnungen oder in der Gruppe, halten jene Spannung aufrecht, die sich von der großen Bühne her in den Saal vermittelt. Gänzlich anders als in der Verzweiflung des ersten Teils die Körpersprache im zweiten, wenn Luka hinabsteigt, Joe Monaghan hat da ein weites, so faszinierendes wie einladendes Bewegungspotenzial und es ist verblüffend, zu welchem Wandel die Tänzerinnen und Tänzer bereit und fähig sind. Umso erschreckender ist dann der bestialische Schluss, aber in dieser Konsequenz wohl die eigentliche Wahrheit des Stückes.
Es wird großartig getanzt, eine Kompanie aus höchst individuellen Tänzerinnen und Tänzern, deren Authentizität der Choreograf nicht verstellt sondern nutzt. Und es wird spannend musiziert, zum Schlussapplaus kommt das ganze Orchester auf die Bühne und wird mit dem Dirigenten Wolfgang Kluge ebenso gefeiert wie Dessauer Kompanie mit Tomasz Kajdanski. Der Abend ist mit seinen 75 Minuten von der zeitlichen Dimension her kurz, von der ästhetischen Dimension her aber alles andere als schmerzlos.
Nächste Aufführungen: 5., 11., 17.06., 4.07.
www.anhaltisches-theater.de
30.05.2010, 19:22 | tags:
Ballett
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457
Andreas Hillger, mz-web.de, 30.05.2010
Anhaltisches Theater
Am Grund der Gesellschaft
Die Lage mag schrecklich sein, ausweglos ist sie nicht: Unübersehbar führt eine Leiter an der Stirnseite zum Rand jenes leeren Wasserbeckens, das den Ausgestoßenen als Unterschlupf dient. Man müsste nur die Sprossen ergreifen und nach oben steigen, um diesen "Szenen aus der Tiefe" zu entkommen. Aber offenbar ist das geteilte, durch wechselseitige Demütigungen sogar gesteigerte Elend immer noch leichter zu ertragen als die unsichere Freiheit jenseits dieses Käfigs. Wie sonst wollte man erklären, dass niemand diesem "Nachtasyl" entflieht?
Auf der Nachtseite
Maxim Gorkis Schauspiel vom Anfang des 20. Jahrhunderts ist bis heute eine der trostlosesten Studien der Armut im zaristischen Russland - und war nach Tomasz Kajdanskis "Lulu"-Adaption nun eine durchaus gewagte Wahl für seine zweite abendfüllende Choreografie als Dessauer Ballettchef. Vor der Premiere durfte man sich fragen, ob das Publikum eine weitere Produktion goutieren würde, die auf der Nachtseite des Lebens spielt. Der Schlussapplaus nach diesem pausenlosen Kraftakt aber ließ alle Zweifler verstummen: Ausgerechnet mit einer weitgehend fatalistischen Geschichte hat sich das neue Ensemble endgültig seine große Bühne erobert.
Das liegt vor allem daran, dass Kajdanski sich nicht auf die Koalitionen und Kollisionen von Gorkis breit ausgemalten Prekariats-Charakteren verlässt, sondern im Herzen der Finsternis einen utopischen Moment behauptet: Der greise Pilger Luka wird in Joe Monaghans Anverwandlung der Rolle zur eleganten Lichtgestalt, die wie ein Wesen aus einer höheren Welt in die Grube hinabsteigt und deren Insassen ihr besseres Ich zeigt - ein Seelsorger der Körper, der die fremde Last auf sich nimmt und dessen Abschied für die endgültige Katastrophe sorgen wird.
Bis dahin aber stiftet er das Glück der Gleichzeitigkeit, den Einklang der Bewegungen, der sich davor und danach nur scheinbar zufällig einstellen will. Und dieses Zentraum, das Kajdanski auf Arnold Schönbergs "Verklärte Nacht" choreografiert, birgt in seiner Schönheit und Leichtigkeit, seiner Energie und Poesie einige der schönsten Momente, die man im Dessauer Tanztheater in den letzten Jahrzehnten sehen konnte.
Umrahmt wird dieses Bild von Szenen, denen Detlev Glanerts Kompositionen "Theatrum Bestiarium" und "Mahler / Skizze" zu Grunde liegen und die Gorkis Vorlage wenn nicht im Buchstaben, so doch im Geiste zitieren. Man muss die Vorlage nicht gelesen haben, um die Rivalität zwischen den ungleichen Schwestern Natascha (Laura Costa Chaud) und Wassilissa (Yun-Yu Chen) zu erkennen - oder das Ausmaß der Zerstörung zwischen Kleschtsch (Rai-Hilmar Kirchner) und seiner im Schmerz verpuppten Frau Anna (Anna Maria Tasarz) zu ermessen.
Emotionale Hintergründe
Da ist der von seinem Kostüm gewürgte Schauspieler (Ion Beitia) und die von ihrer Laszivität geschüttelte Hure (Yuliya Gerbyna), da ist der unbarmherzige Herbergsvater (Gorden Wannhoff) und der kraftstrotzende Dieb Pepel (Juan Pablo Lastras) . Kajdanski findet für jede Figuren ihren individuellen Ausdruck, den er durch Angela Zumpes Video-Projektionen in Dorin Gals Bühnenraum nicht illustriert, sondern emotional grundiert. Und die Anhaltische Philharmonie ist ihm unter Leitung von Wolfgang Kluge dabei ein großartiger Partner - sensibel in der Interaktion mit den Tänzern und außerordentlich aufmerksam im Umgang mit den diffizilen Werken.
Zu welch unverhofft euphorischen Glücksmomenten das führen kann, sieht man vor den farbsatten Bildern von Wiesen und Wellen im Mittelteil. Da werden aus hinfälligen Opfern plötzlich selbstbewusste, schöne Menschen, die nicht länger um ihren Platz in der Hackordnung kämpfen - und deren Kraft nicht mehr nur für ein kurzes Aufbäumen, sondern für Erlösung im Tanz reicht.
Im Kontrast zum harten Schluss wird dann auch deutlich, warum sich der Geschichtenerzähler Kajdanski ausgerechnet diese Vorlage gewählt hat: Sein stummes "Nachtasyl" ist in der Konzentration auf die Leiber beredter als viele Schauspiel-Inszenierungen, die dem Zuschauer die voyeuristische Perspektive einer Doku-Soap aufzwingen. Der Tanz wahrt die Distanz - und geht gerade darum sehr nah.
Nächste Vorstellungen: 5. Juni, 16 Uhr und 11. Juni, 19.30 Uhr
28.05.2010, 10:40 | tags:
Ballett
, Pressestimmen
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Helmut Rohm, Zerbster Volksstimme, 28. Mai 2010
Gefangen in Hoffnungslosigkeit oder Aufbruch mit Hoffnung?
Ballettinszenierung „Nachtasyl – Szenen aus der Tiefe“ erlebt morgen Uraufführung
Das Stück „Nachtasyl – Szenen aus der Tiefe“ von Maxim Gorki wählte Tomasz Kajdanski, Ballettdirektor und Chefchoreograf am Anhaltischen Theater, als literarische Grundlage für die zweite Dessauer Ballettproduktion der laufenden Spielzeit. Premiere ist am kommenden Sonnabend, dem 29. Mai, um 19.30 Uhr.
Maxim Gorki schrieb sein „Nachtasyl“ 1901. 1902 erlebte das Schauspiel in Moskau seine Uraufführung und 1903 in Berlin die deutsche Erstaufführung.
Man könne ein Schauspiel natürlich nicht „nur einfach vertanzen“, so Chefchoreograf Kajdanski. Wobei die Vorlage schon immer präsent sei. Ihm, der gesamten Companie, eingeschlossen die Anhaltische Philharmonie, komme es darauf an, dem Zuschauer eine Inszenierung vor allem „zum Nachdenken, auch zum Weiterdenken“ anzubieten.
Im Nachtasyl, bei Kajdanski räumlich ein großes Schwimmbecken, treffen Menschen mit ganz verschiedenen Biografien und Lebensauffassungen aufeinander. Sie sind dort gewissermaßen „gefangen“, obwohl sie, im Bühnenbild auch symbolisiert, den Ort verlassen könnten. Ihre Grundhaltung ist eher düster-pessimistisch. Die Bewohner bilden keine Gemeinschaft. Hoffnungslosigkeit, Elend, Rücksichtslosigkeit, Gewalt, manchmal auch Träume, sind einende Lebensfaktoren.
Erst als plötzlich Luka auftaucht, keimen Hoffnungen. „Luka ist ein seltsames Wesen, ein Pilgerer, mit anderer Emotionalität als die Übrigen. Er bietet eine Art Hilfe oder Rettung an. Er wirkt irgendwie erfrischend, oft auch mit möglicherweise zynischem Beigeschmack“, charakterisiert Joe Monaghan (25) die Figur, die er tanzt und die für ihn eine besondere Herausforderung sei. Als Luka bringt Joe Monaghan „Bewegung“ in das an sich schon aktionsreiche Nachtasyl.
Der im englischen Leeds geborene Tänzer hatte sich mit 16 zwischen Tanz und Schauspiel zu entscheiden. „Etwas anderes hätte ich mir gar nicht vorstellen können“, erzählt er in perfektem Deutsch. Joe Monaghan hat drei Jahre in London Ballett studiert. „Weil es in Deutschland mehr Companien gibt, ging ich nach Deutschland. Von dem Land kannte ich nur die üblichen Klischees, die Sprache überhaupt nicht“, erzählt er lachend. Sein erstes Engagement hatte er in Eisenach.
„Ich lernte einen sympathischen, wohlerzogenen, jungen Mann aus England kennen, der dazu auch noch hervorragend tanzen konnte“, erinnert sich Tomasz Kajdanski, damals Chefchoreograf in Eisenach, an die erste Begegnung. Joe Monaghans erste „richtige“ Rolle war dort der „Moritz“ in „Max und Moritz“. „Eine verdammt schwere Rolle“, so der Tänzer. „Die er fantastisch gemacht hat“, kommt vom Choreografen. Inzwischen tanzte der junge Engländer verschiedene Rollen, stellte ganz unterschiedliche Charaktere dar.
In Dessau, wo „der Weg vom Bahnhof zum Theater wahrlich keine spannende Strecke ist“, spürt er im Theater selbst umso mehr „eine große Energie, einen mitreißenden Enthusiasmus“.
„Schafft es der Mensch, oder schaffen es zumindest einige, ihr Leben in die eigenen Hände zu nehmen? Kann er seine Persönlichkeit entwickeln, so dass er Fortschritte macht? Bleibt der Mensch passiv stehen oder wird er selbst aktiv?“ Das Ballett „Nachtasyl“ möchte dazu Ansätze zu möglichen Antworten geben.
„Das sind für mich ungemein aktuelle Fragen. Daraus ergeben sich Anforderungen an jeden, mehr oder weniger“, begründet Tomasz Kajdanski gerade diese Machart seiner Inszenierung. Zu der auch in allen drei Teilen, die ohne Pause aufgeführt werden, die Musik gehört. Die Anhaltische Philharmonie spielt unter Kapellmeister Wolfgang Kluge.
Tomasz Kajdanski und Wolfgang Kluge haben sehr intensiv die Musik ausgesucht – einem frühen romantischen Arnold Schönberg und zwei Stücke vom zeitgenössischen Komponisten Detlev Granert. „Die drei Stücke sind ideal für das Erzählen der Geschichte“, so der Dirigent. „Mit einer enormen Bildsprache“, fügt der Choreograf hinzu.
25.05.2010, 19:06 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
449
Pressemitteilung vom 25.5.2010
„Nachtasyl – Szenen aus der Tiefe“
Uraufführung und Premiere hat die Ballettinszenierung „Nachtasyl - Szenen aus der Tiefe“ am 29. Mai um 19.30 Uhr im Großen Haus des Anhaltischen Theaters.
„Nachtasyl“, sich orientierend am gleichnamigen Drama von Maxim Gorki, ist ein Abend über zerbrochene und verzagte Existenzen, die sich an einem Ort des Verfalls zusammenfinden, sich zerstören, sich ermüden, sich aneinander festhalten, trösten und dabei immer wieder das Licht suchen, das Morgen. Thematisiert werden dabei nicht nur sinnlich und hochenergetisch die Zustände der Ausweglosigkeit und des Verlorenseins bei sozialem Abstieg, sondern auch die Schönheit und Kraft des Aufbruchs sowie die Hoffnung nach Momenten der stillen oder aggressiven Verzweiflung.
Choreograf Tomasz Kajdanski und Dorin Gal, der Bühne und Kostüme gestaltet, sehen die Handlung nicht in einem Elendsviertel. Daher gestaltet Dorin Gal eine Schwimmbadruine als einen Ort, der selbst schon bessere Tage gesehen hat, und damals ein Ort der Erholung, der Flucht aus dem Alltag gewesen ist.
Den Rahmen zu dem dreiteiligen Abend bilden zwei Werke des 1960 in Hamburg geborenen Komponisten Detlev Glanert, der zur Premiere anwesend sein wird. Seine Klangsprache ist melodisch-gestisch und kombiniert raffiniert Tradition und Moderne. Den Mittelteil bildet Arnold Schönbergs „Verklärte Nacht“. Sie besitzt einen äußerst lyrischen Charakter und ist auf Grund ihrer starken Chromatik, besonders in der hier gespielten Orchesterfassung, sehr farbenreich.
Es spielt die Anhaltische Philharmonie unter der Leitung von Wolfgang Kluge
Choreografie: Tomasz Kajdanski | Bühne und Kostüm: Dorin Gal | Video: Angela Zumpe | Animation: Christian Weiß | Dramaturgie: Sophie Walz
Tänzer: Laura Costa Chaud, Yun-Ju Chen, Denise Evrard, Yulija Gerbyna/Denise Evrard, Nadja Réthey-Prikkel/Gabriella Gilardi, Anna Maria Tasarz, | Jonathan Augereau, Ion Beitia, Rai-Hilmar Kirchner, Juan Pablo Lastras-Sanchez, Joe Monaghan, Gorden Wannhoff
Weitere Termine: 5. Juni 16 Uhr | 11. Juni 19:30 Uhr | 17. Juni 16 Uhr | 4. Juli 17 Uhr im Großen Haus
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de und auch an der Abendkasse.
11.05.2010, 18:42 | tags:
Ballett
435
Pressemitteilung vom 11.05.2010
Tomasz Kajdanski stellt neue Ballettinszenierung „Nachtasyl“ vor
Ballettdirektor und Chefchoreograf Tomasz Kajdanski stellt am Mittwoch, 19. Mai um 19.30 Uhr die Ballettinszenierung „Nachtasyl – Szenen aus der Tiefe“ vor. Nachdem er im April erste Gedanken zur tänzerischen Umsetzung des Gorki Stücks bei der letzten Veranstaltung „Treffpunkt Ballett“ erläuterte, zeigt das Ensemble nun den Probenfortschritt auf der Großen Bühne im Bühnenbild von Dorin Gal.
„Nachtasyl“, sich orientierend am gleichnamigen Drama von Maxim Gorki, ist ein Abend über zerbrochene und verzagte Existenzen, die sich an einem Ort des Verfalls zusammenfinden, sich zerstören, sich ermüden, sich aneinander festhalten, trösten und dabei immer wieder das Licht suchen, das Morgen. Thematisiert werden dabei nicht nur sinnlich und hochenergetisch die Zustände der Ausweglosigkeit und des Verlorenseins bei sozialem Abstieg, sondern auch die Schönheit und Kraft des Aufbruchs sowie die Hoffnung nach Momenten der stillen oder aggressiven Verzweiflung. 13 Tänzer sind gefangen in einem verlassenen Schwimmbecken und sitzen beim Abendmahl ohne Mahl, sie gewinnen ihre Individualität im Schmerz und in der Hoffnung und tanzen im wahrsten Sinne des Wortes um ihr Leben.
Am 29. Mai hat die Uraufführung „Nachtasyl - Szenen aus der Tiefe“ um 19.30 Uhr im Großen Haus Premiere. Es spielt die Anhaltische Philharmonie unter der Leitung von. Kapellmeister Wolfgang Kluge.
Tickets für 3,- EURO für die Veranstaltung „Treffpunkt Ballett“ sowie Tickets für die Premiere erhalten Sie an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de und auch an der Abendkasse.
07.05.2010, 16:32 | tags:
Ballett
, Musiktheater
427
Pressemitteilung vom 07.05.2010
Elbmusikfest vom 13. bis 16. Mai in Dessau-Roßlau
Das Elbmusikfest findet zum zweiten Mal vom 13. bis 16. Mai 2010 in Dessau-Roßlau statt. Im 19. Jahrhundert hatten die Elbmusikfeste eine große Bedeutung für die regionale Entwicklung des Chorwesens. Diese Tradition, Sänger und Chöre zusammenzuführen, soll nach einer Unterbrechung von 175 Jahren mit dem Elbmusikfest wiederbelebt und gestärkt werden. Neben dem „Scratch-Konzert“ werden an vier aufeinander folgenden Tagen zwei Inszenierungen des Musiktheaters und eine Inszenierung des Balletts gezeigt.
Den Auftakt macht am Donnerstag, 13. Mai 2010 um 18 Uhr Andrea Moses politisch umstrittene Inszenierung „Lohengrin“. Sie versetzt Wagners Stück in das Parlament einer heutigen Hauptstadt, dessen Volk sich nach einem Führer ins Glück sehnt. Lohengrin gelingt es durch seine Ausstrahlungskraft und mediale Präsenz das Volk für sich zu begeistern und für den Krieg, gegen wen auch immer. Es wirken mit, neben Andrew Sritheran als Lohngrin, Bettine Kampp, Iordanka Derilova, Pavel Shmulevich, Ulf Paulsen und Wiard Witholt.
Wann hat man eine so kluge, lebendige Wagner-Aufführung zuletzt in Berlin erlebt? Dem Theater Dessau ist mit "Lohengrin" ein großer Wurf gelungen.... Auf nach Dessau! (Jörg Königsdorf, Tagesspiegel, 6.10.2009)
Am Freitag, 14. Mai 2010 um 19.00 Uhr präsentiert das Ballettensemble Tomasz Kajdanskis Uraufführung „Lulu“. Frank Wedekinds Tragödie ist die Grundlage für die Auseinandersetzung mit diesem sinnlichen Sujet. Yulia Gerbyna tanzt die Lulu. Die Anhaltische Philharmonie spielt unter Leitung von Daniel Carlberg.
Ein besonderer Höhepunkt ist das „Scratch-Konzert“ am Sonnabend, 15. Mai. Über 300 begeisterte Sänger und Sängerinnen und ein stattlicher Kinderchor aus Dessau-Roßlau und Umgebung werden am Morgen mit den Proben zu Carl Orffs „Carmina Burana“ beginnen und das Stück bereits am Abend um 19 Uhr zur Aufführung bringen. Der Generalmusikdirektor Antony Hermus dirigiert den Scratch-Chor und die Anhaltische Philharmonie. Als Solisten sind am Abend Angelina Ruzzafante, Sopran
15.04.2010, 21:42 | tags:
Ballett
, Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
397
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 16.04.2010
Am 15. Mai in Dessau
Carmina Burana für ganz Eilige passt ins Fest-Quartett
"Wir haben noch Platz für viel mehr Leute." Ja, die Dessauer Theaterbühne ist groß und Antony Hermus weiß das. 500 Menschen, so der Generalmusikdirektor, würde man unter bekommen. Viele fehlen dafür nicht mehr. Mit Stand von Donnerstagmittag haben sich bislang 327 Sängerinnen und Sänger für das Scratch-Konzert am 15. Mai im Anhaltischen Theater angemeldet.
Mitten in das erste Elbmusikfest der Neuzeit ist dieses Scratch-Konzert eingebettet. Das Prinzip ist schnell erklärt. "80 Prozent des Ergebnisses erreichen wir in 20 Prozent der Zeit", lacht Hermus, und tatsächlich ist die Zeit knapp. Nur einen Tag Probe gesteht man den Sängern zu. Denn die Idee des Scratch-Konzertes besteht darin, mit einem Chor aus Hobby-Sängern innerhalb von 24 Stunden Carl Orffs Chorwerk "Carmina Burana" einzustudieren und das Ergebnis in einer öffentlichen Aufführung zu präsentieren.
Dass so etwas geht und dabei auch noch gut klingt, vor allem aber jede Menge Spaß macht, Mitwirkenden wie Zuhörern gleichermaßen, hat Antony Hermus schon andernorts erlebt. Drei Mal leitete er solche Scratch-Konzerte bereits in Hagen. Bis zu 450 Hagener konnte man mobilisieren, mitzumachen.
Dass dies auch in Dessau zu schaffen ist, ist Hermus zuversichtlich. Schon jetzt ist das Konzert eine Sache der gesamten Region, aus Städten ringsum sind Anmeldungen eingegangen, von Kinderchören bis zu singenden Senioren. "Man muss sich einfach rantrauen und muss gar keine ausgebildete Stimme haben", erklärt Hermus, der sich einen "Tag der genussvollen Musik" erhofft.
Er zieht auch den Hut vor den Musikern der Anhaltischen Philharmonie, denn normalerweise hätten die stets den Anspruch, ein perfektes Konzert zu spielen. Diesmal aber seien die Wagnisse weitaus größer. "Alle wissen, dass wir nur einen Tag Zeit haben, das ist ein ganz anderes Arbeiten", sagt der Dirigent, der sich auf die Energie freut, die von so vielen Sängern und dem Orchester ausgehen wird. "Wir werden erleben, was Musik ausmacht: das selbst Mitmachen."
Ohnehin ist das Elbmusikfest, das es als Fest regionaler Chöre schon einmal im 19. Jahrhundert in Dessau gab, ein Fest des Gesangs. So sind es die Wagner-Chöre des "Lohengrin" mit denen das Fest am 13. Mai beginnt. "Ich bin stolz und froh, dass das Elbmusikfest mit dieser Oper eröffnet wird", so Regisseurin Andrea Moses, die deutschlandweit für ihre politische Lesart des Stoffes von der Kritik gelobt wurde. "Wir brauchen sehr viel mehr politisches Theater, um die Leute zum Mitdenken zu ermutigen", findet Dessaus Chefregisseurin, die sich mit ihren Arbeiten auch in der Tradition von Walter Felsenstein sieht.
So wie das Elbmusikfest mit großen Chören beginnt, endet es auch am 16. Mai, allerdings mit großer französischer Choroper: "Die Stumme von Portici". Noch kennt niemand diese Aufführung, mit der sich Generalintendant André Bücker auch als Opernregisseur dem Publikum vorstellt. Die Premiere der Oper von Daniel F. E. Auber ist am 24. April. Ein "dankbares Stück für unser Sängerensemble" nennt André Bücker das Werk und freut sich über seine erste Zusammenarbeit mit Antony Hermus im Musiktheater. Mit Diego Torre habe man zudem einen hervorragenden jungen Tenor verpflichten können, der während der Probenzeit sein Debüt an der Metropolitan Opera New York in "Aida" gab.
Ohne einen Chor, dafür aber mit den Ausdrucksmitteln des Tanzes, kommt die vierte Aufführung des Elbmusikfestes aus, die das Quartett komplettiert. Am 14. Mai wird im Anhaltischen Theater das Ballett "Lulu" gezeigt, das Tomasz Kajdanski choreographierte. "Ich habe mir vorgenommen, dass unser Ballettensemble ein Gesicht bekommt", so Kajdanski. Mit "Lulu" sei dies gelungen. Die Musik für "Lulu" kommt von der Anhaltischen Philharmonie, die tatsächlich keinen Abend des Elbmusikfestes auslässt und sich ein paar aufführungsfreie Tage nach diesem verlängerten musikalischen Wochenende vor Pfingsten verdient haben dürfte.
Karten für das Elbmusikfest 2010 mit "Lohengrin" (13. Mai, 18 Uhr), "Lulu" (14. Mai, 19 Uhr), Scratch-Konzert "Carmina Burana" (15. Mai, 19 Uhr) und "Die Stumme von Portici" (16. Mai, 17 Uhr) gibt es an der Theaterkasse im Rathaus-Center, Telefon 0340 / 2 40 02 58.
09.04.2010, 08:43 | tags:
Ballett
387
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 06.04.2010
Beim Heizungsbau fällt der Groschen
Autor erzählt im Publikumsgespräch, wie „Hermes in der Stadt“ entstand.
Wie ein Zuschauer habe er sich fühlen können, sagt Lothar Trolle am Freitagabend auf der Bauhausbühne. Tatsächlich war der Mann jedoch weitaus mehr. Erfahren konnten dies die wenigen Besucher, die nach der Vorstellung das Tanzabends „Hermes in der Stadt“ am Karfreitag geblieben waren, um bei einem Publikumsgespräch jenen Mann kennen zu lernen, dessen gleichnamiges Buch jungen Choreographen des Anhaltischen Theaters Anregung war, acht kurze Szenen für die Bauhausbühne zu entwickeln. „Die jungen Leute haben den Geist des Stückes erfasst. Alles wirkt spielerisch und nicht zu sentimental“, sagte der Autor, der 1944 in Brücken nahe Sangerhausen geboren wurde.
Den Zuschauern erzählte er, wie im Sommer 1983 „Hermes in der Stadt“ entstand. Bei Trolles in Berlin wurde damals eine neue Heizung eingebaut, und weil es für den Schriftsteller nicht viel dabei zu tun gab, vertiefte er sich in die Gerichtsreportagen der „Wochenpost“. „Ich habe mich dabei gefragt, wie entsteht das Böse im Menschen“, so Trolle. Und während der Heizungsbau voran schritt, habe er in Montagetechnik mehrere authentische Fälle zusammengebracht. Mord, Vergewaltigung, Kindesentführung und Raub sind vier Szenen dieser Beschreibung von Gewalt in einem Großstadtmilieu.
Aufgeführt wurde das Stück mehrfach, unter anderem von Frank Castorf am Deutschen Theater Berlin 1992, was Trolle als Dramatiker den Durchbruch brachte. Wie sich nun junge Tänzer des Anhaltischen Theaters, die aus vielen Nationen stammen und ganz unterschiedliche Assoziationen zum Thema Stadt und Gewalt haben, dem Thema näherten, war für Trolle ein faszinierendes Erlebnis. „Ich will, dass die Leute sich das Ding nehmen und für sich was daraus machen“, sagte er und scheint überhaupt ein Autor zu sein, der, nachdem der letzte Punkt gesetzt ist, loslassen kann, denn „ob man gespielt wird, bringt mich am Ende nicht weiter“.
„Das Schreiben ist das Erlebnis.“ Derzeit falle ihm das Schreiben sehr leicht und er suche nach neuen Formen. Welche er findet, wird man im nächsten Trolle-Werk lesen können.
08.04.2010, 15:30 | tags:
Ballett
386
Pressemitteilung vom 08.04.2010
Tanz hautnah
Im Ballettsaal des Anhaltischen Theaters kann am Mittwoch, 14. April um 19.30 Uhr eine Probe zu „Nachtasyl – Szenen aus der Tiefe“ miterlebt werden. Der Ballettdirektor und Chefchoreograf Tomasz Kajdanski erläutert seine Gedanken zu Maxim Gorkis berühmten Schauspiel und der tänzerischen Umsetzung. Das gesamte Ballettensemble zeigt Höhepunkte der Choreografie, die hier beim „Treffpunkt Ballett“ hautnah erfahrbar sind. Am 29. Mai hat „Nachtasyl-Szenen aus der Tiefe“ um 19.30 Uhr in Begleitung der Anhaltischen Philharmonie Premiere. Es dirigiert Kapellmeister Wolfgang Kluge.
Tickets für 3,- EURO sind ab sofort an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr |
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de und auch an der Abendkasse erhältlich.
01.04.2010, 06:56 | tags:
Ballett
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Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 01.04.2010
Lothar Trolle
Faust ackert auf dem Felde
Mit «Greikemeier» hat der aus Sangerhausen stammende Autor ein Stück über die DDR-Geschichte geschrieben. Nun liegt das unaufgeführte Werk vor.
Die Geschichte, die Lothar Trolle über die Entstehung seines Stückes "Greikemeier" zu erzählen weiß, klingt eher athletisch als poetisch. 1972 sei es irgendwann morgens um drei in der Anderthalbzimmerwohnung von Thomas Brasch zu einer Verabredung gekommen. Nachdem sie beide festgestellt hatten, dass es der DDR-Dramatik an brauchbaren Stücken über den Aufstand vom 17. Juni 1953 mangele, waren die jungen Dichter übereingekommen, die Arbeit zu teilen: Trolle sollte über die Ereignisse auf dem Land schreiben, Brasch wollte das Geschehen in der Hauptstadt in den Blick nehmen. Und damit es nicht zu einfach würde, wollte man beiläufig noch Goethes "Faust" parodieren. "Wetten", habe der Gastgeber zum Schluss gesagt, "dass ich als erster fertig bin?"
Wer den Wettkampf gewonnen hat, erzählt der 1944 in Brücken bei Sangerhausen geborene Trolle nicht - wohl aber, wie es seinem "Greikemeier" nach dessen Vollendung ergangen ist. 1977 habe sich Matthias Langhoff darum bemüht, den Text bei einem der legendären Volksbühnen-Spektakel aufzuführen - vergeblich. Danach wollte Freya Klier damit ihr Regie-Diplom erwerben - erfolglos. Und nachdem er mit zwei Regisseuren über eine Uraufführung am Berliner Ensemble verhandelt hatte, meldete sich schließlich die Defa zwecks Verfilmung. Als das Treatment dafür fertig war, fiel die Mauer ...
Nun liegt das Stück, ergänzt um ein kurzes "Marionettenspiel", endlich in der Reihe "Pamphlete" beim Berliner Verlag Basisdruck vor (Lothar Trolle: Zwei Komödien, 186 Seiten, 15,80 Euro). Zu besichtigen ist einerseits eine Miniatur, in der die Verquickung von Politischem und Privatem auf ihre absurde Spitze getrieben wird, wenn sich ein Genossen-Ehepaar die Reden zur Abdankung Walter Ulbrichts und der Inthronisierung Erich Honeckers im Wortlaut am Abendbrots-Tisch vorliest, um danach gemeinsam Grußadressen an den alten und den neuen Herrn zu verfassen - und schließlich auch das Bild des großen Vorsitzenden auszutauschen. Schon hier kann man Trolles Montage-Technik studieren, mit der er die Welt nahezu ungefiltert in seinen Text holt. In dem ungleich größeren Entwurf "Greikemeier" aber treibt er diese Methode auf die Spitze.
Dass man mit einem Stück, das die Folgen der Bodenreform in den Blick nehmen will, immer an Heiner Müllers "Umsiedlerin" gemessen wird, ist dem Autor natürlich bewusst. Und deswegen schlägt er den Meister mit dessen eigenen Mitteln, über die dieser in seinem relativ frühen Entwurf noch nicht gebot. Lothar Trolles "Greikemeier" hingegen strotzt von allegorischen Überhöhungen der tatsächlichen Ereignisse, schon zu Beginn wendet sich Stalins Geist an die Zuschauer, später treten Richard Wagner und Till Eulenspiegel ebenso auf wie die Sorge oder die sieben Todsünden des Sozialismus. Es spukt auf den Äckern und in den Ställen, der Geist der alten Zeit ist noch nicht ausgetrieben - und die frohe Zukunft sieht man höchstens vom Hochsitz der Ernte-Kombine.
Dabei zitiert sich der ebenso belesene wie originelle Dichter munter durch die Literatur-Geschichte: Neben Anspielungen auf das verabredete Vorbild "Faust" finden sich Brechts "Sieben Todsünden" ebenso wie Schillers "Wilhelm Tell" oder Wagners "Walküre".
In kurzen Sentenzen entlarvt Trolle das dialektische Modell der offiziellen Sprache ("Nieder mit der Weiterbildung! Es lebe die Gedankenfreiheit!") und zeigt, wie leicht sich die zynischen Sprüche über den Eingangstoren der nationalsozialistischen Konzentrationslager ("Arbeit macht frei!", "Jedem das Seine") dem DDR-Vokabular anverwandeln und einverleiben lassen.
Ein eigenwilliges, sperriges Projekt ist hier zu besichtigen, das bereits auf Trolles Erfolgs-Stück "Hermes in der Stadt" vorausweist. Ob es eine Bühne findet, bleibt abzuwarten: In drei Jahren gäbe es - 50 Jahre nach 1953 - einen Anlass.
Morgen ist Lothar Trolle im Bauhaus Dessau zu Gast. Nach dem Tanztheater-Stück "Hermes in der Stadt" (19.30 Uhr) gibt es ein Podiumsgespräch mit dem Autor.
26.03.2010, 15:11 | tags:
Ballett
369
Pressemitteilung vom 26.03.2010
Trolle in der Stadt
Am Karfreitag, Ostersamstag und –sonntag zeigen die Tänzer und Tänzerinnen des Anhaltischen Theaters jeweils um 19:30 Uhr mit „Hermes in der Stadt“, einer Koproduktion des Anhaltischen Theaters mit der Stiftung Bauhaus Dessau, acht eigene Choreographien auf der Bauhausbühne. Im Anschluss an die Vorstellung am Karfreitag gibt es ein Publikumsgespräch mit dem Autor Lothar Trolle, moderiert von Andreas Hillger, Kulturredakteur der Mitteldeutschen Zeitung.
Für die jungen Choreographen war Trolles Text „Hermes in der Stadt“ vor allem eine Inspirationsquelle. Sie näherten sich diesem Stück, das keine stringente Geschichte erzählt, sondern vielmehr Episoden zu einem Stadt-Tableau verbindet, mit den Mitteln des Tanzes.
Trolle, in Sachsen-Anhalt geboren, arbeit als Dramatiker, Lyriker, Hörspielautor, Erzähler und Übersetzer. Von 1983 bis 1987 war er Mitherausgeber der ersten inoffiziellen literarischen Untergrundzeitung MIKADO. Anfang der 80er Jahre gehörte Lothar Trolle wie Heiner Müller, Hein, Braun und Kerndl zu den Dramatikern, die in der DDR wenig oder gar nicht gespielt wurden. Erst Ende der 80er Jahre begann eine Inszenierungswelle von seinen Stücken auf größeren Bühnen in Chemnitz, Frankfurt / Oder und Berlin, so dass seine Werke von einer größeren Öffentlichkeit wahrgenommen wurden. 1991 wurde Trolle Hausautor am Schauspiel Frankfurt, 1992 inszenierte Frank Castorf sein zwei Jahre zuvor entstandenes Stück „Hermes in der Stadt“ am Deutschen Theater Berlin. Von 1994 bis 1999 war Lothar Trolle Hausautor am Berliner Ensemble. 1978 und 1991 wurde ihm der Hörspielpreis von Terre des Hommes, 1998 der Hörerpreis der Akademie der Künste verliehen und 2007 wurde er der 26. Stadtschreiber zu Rheinsberg.
Tickets zum Oster-Spezial Preis von acht Euro und Informationen erhalten Sie an der Abendkasse und an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
23.03.2010, 14:34 | tags:
Ballett
, Schauspiel
, Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
361
Pressemitteilung vom 23.03.2010
Zum Osterspezialpreis ins Theater
Das Anhaltische Theater bietet zu Ostern drei Stücke zum Spezial Preis von jeweils 8,- Euro an.
Am Dienstag und Mittwoch, den 30. und 31. März, um 19.30 Uhr wird im Alten Theater das Schauspiel von Einar Schleef „Abschlussfeier“ in der Regie von Armin Petras aufgeführt. Das Stück nimmt die Zuschauer mit in eine DDR-Jugendherberge am Ende der 70er Jahre. Die Inszenierung entstand als Koproduktion mit dem Maxim Gorki Theater Berlin.
Ballett gibt es auf der Bauhausbühne zu sehen am Karfreitag, Ostersamstag und -sonntag. Tänzer und Tänzerinnen des Anhaltischen Theaters präsentieren mit „Hermes in der Stadt“ erstmals eigene Choreographien, acht kurze und kraftvolle Szenen in einer Koproduktion mit der Stiftung Bauhaus Dessau. Inspiration hierfür waren die Texte von Lothar Trolle, der am 2. April für Gespräche mit dem Publikum anwesend sein wird. Moderiert wird das Gespräch von Andreas Hillger, Kulturredakteur der Mitteldeutschen Zeitung.
Mit „Candide“, Regie Cordula Däuper, wird am Ostermontag im Großen Haus Leonard Bernsteins kühnste Schöpfung für die Musiktheaterbühne gezeigt, eine Mischung aus Musical, klassischer Operette und komischer Oper. Die Vorstellung beginnt um 17 Uhr.
Tickets zu 8,- Euro erhalten Sie ab sofort über:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr | Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
22.03.2010, 15:12 | tags:
Ballett
, Schauspiel
, Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
358
Pressemitteilung vom 22.03.2010
Theaterwelten - Festliche Konzertgala zum Welttheatertag
Am 27. März 2010 findet im Anhaltischen Theater um 19.30 Uhr eine Festliche Konzertgala unter dem Motto „Theaterwelten“ statt. Seit 1961 ist dieser Tag vom Internationalen Theaterinstitut der UNESCO zum Welttag des Theaters ausgerufen.
Alle vier Sparten des Anhaltischen Theaters (Musiktheater, Ballett, Schauspiel und die Philharmonie) nehmen ihr Publikum mit auf eine unterhaltsame Reise durch verschiedene Länder dieser Erde und zeigen die große Vielfalt ihres künstlerischen Spektrums. Unterwegs erklingt unter anderem Musik von Wagner, Dvorák, Elgar, Offenbach, Strauß, Abraham, Weill. Der musikalische Reiseleiter heißt Generalmusikdirektor Antony Hermus, der Moderator Thorsten Köhler.
Als Solisten wirken mit: Angelina Ruzzafante, Ulf Paulsen, Andrew Sritheran, Angus Wood Jan Kersjes, Matthieu Svetchine und Karl Thiele.
Die Initiative „Land braucht Stadt“ hat zu einer großen Demonstration gegen die Sparpläne der Stadt Dessau aufgerufen. Diese beginnt am Welttheatertag um 15 Uhr am Tierpark und endet vor dem Anhaltischen Theater, wo weitere sportliche und kulturelle Aktionen geplant sind.
17.03.2010, 15:28 | tags:
Ballett
347
Pressemitteilung vom 17.03.2010
Tänzer des Anhaltischen Theaters nahmen erfolgreich an den 3. Braunschweiger Tanztagen unter dem Moto "Tanzwelten 2010" teil
Tänzer des Anhaltischen Theaters unter der Leitung von Tomasz Kajdanski zeigten erfolgreich Ausschnitte der Inszenierung „LULU“ zu den 3. Braunschweiger Tanztagen unter dem Moto "Tanzwelten 2010". In der »Langen Nacht der Deutschen Compagnien« offerierte Eva-Maria Lerchenberg-Thöny die Highlights der heimischen Staats-, Stadt- und Landestheater. Das Festival präsentierte nicht nur die Vielseitigkeit des Tanzes aus aller Welt, sondern auch den Facetten- und Ideenreichtum der deutschen Compagnien. Das Staatstheater Braunschweig dankte im Anschluss allen teilnehmenden Compagnien und war nicht nur begeistert von den jeweiligen Beiträgen, sondern auch von der choreografischen und tänzerischen Vielfalt. Standing ovations am Ende der Vorstellung, fliegende Rosen und die Begeisterung des Publikums sprechen für sich.
Das nächste Mal ist der 90 minütige Tanzthriller „LULU“ von Tomasz Kajdanski nach Frank Wedekind, live begleitet von der Anhaltischen Philharmonie unter der Leitung von Daniel Carlberg, am 21. März um 17 Uhr im Großen Haus zu sehen. Die Rolle der „Lulu“ wird diesmal von Laura Costa Chaud getanzt.
Tickets erhalten Sie unter:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Freitag 9:30 bis 20 Uhr
Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
19.01.2010, 09:54 | tags:
Ballett
, Pressestimmen
232
Helmut Rohm, Volksstimme Magdeburg, 19.01.2010
Tanztheater-Kooperation Hermes in der Stadt
Ideenreiche Inszenierung auf der Bauhausbühne
Einer Apokalypse gleich ist alles zerstört. Die Menschen liegen vernichtet am Boden. Nur der zarte Gesang des Schlafliedes „Morgen früh, wenn Gott will, wirst du wieder geweckt“ lässt einen Hauch Optimismus für Kommendes erahnen.... So endet die Tanztheater-Inszenierung
Hermes in der Stadt, die am Sonntagabend ihre gefeierte Premiere erlebte.
In dieser Kooperation des Anhaltischen Theaters und der Stiftung Bauhaus Dessau wurden acht Choreografien nach dem gleichnamigen Stück von Lothar Trolle vorgestellt. Trolle verband den Hermes-Mythos mit dem Mythos der Stadt als Glücksversprechen wie ebenso als Raum für Brutalität und Gewalt, die scheinbar aus der Normalität entsteht. Der Autor bezog sich dabei auch auf real geschehene Verbrechen in Berlin- Marzahn.
Inspiriert von diesen Texten schufen junge Choreografen, Tänzerinnen und Tänzer der Dessauer Ballettcompagnie von Tomasz Kajdanski eine beeindruckende, auch selbstgetanzte Ballettperformance. Sie stellten damit ihre individuelle Sicht auf diese aktuellen Probleme dar. Da setzte sich Yuliya Gerbyna in der Szene „Küche“ in brutaler Eindeutigkeit mit dem Thema „häusliche Gewalt“ auseinander.
Oder vier Männer drangsalieren eine Frau in „Libamentum“ (Chorografie Nadja Réthey-Prikkel). Das Folterende in einem Plastekäfig erinnert erschreckend an Wasserboarding.
Die als Ort der Theatermoderne bedeutsame Bauhausbühne als spezieller Aufführungsort, einbezogen die Mensa und die sich anschließende Küche, erwies sich als kongeniale Basis dieser ideenreichen Inszenierung. Körper und Raum mit allen Facetten der gegenseitigen Durchdringung waren prägende Hauptelemente. Die faszinierend ideenreiche und gezielt effektvolle, auf inhaltliche Präsenz ausgerichtete Verwendung von Formen, Farbe, Licht, Bewegung, Sprache, der Einsatz moderner Medien wie Live-Video-Einblendungen sowie das Einspiel elektronischer Musik (musikalische Leitung: Shintaro Imai) schufen eindrucksvolle Komplexität.
Das junge Tanzensemble, erst mit dieser Spielzeit gegründet, begeisterte mit großem Engagement und bis ins kleinste Detail ausgeprägten Darstellungen. Das oft so schnell dahingesagte „Wir geben alles“ traf für dieses Ensemble an diesem Dessauer Premierenabend in jeder Hinsicht uneingeschränkt zu.
Die nächsten Aufführungen finden am 20. Januar sowie 6. und 7. Februar statt.
18.01.2010, 23:11 | tags:
Ballett
, Pressestimmen
231
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 19.01.2010
Ballett
Todesengel mit Boxhandschuhen
Mit «Hermes in der Stadt» haben die Tänzer des Anhaltischen Theaters einen Abend für die Bühne des Bauhauses entwickelt
Was wäre, wenn sich ein antiker Gott in eine Großstadt der Gegenwart verirren würde? Könnte er mit überirdischen Kräften den Moloch sprengen - oder würde er sich in der Allgegenwart von menschlicher Gewalt und Hybris verlieren? Solche Spekulationen mögen den in Sachsen-Anhalt geborenen Dramatiker Lothar Trolle zu seinem 1992 am Deutschen Theater Berlin uraufgeführten Stück "Hermes in der Stadt" bewogen haben - und stehen nun auch Pate bei einer ungewöhnlichen Ballett-Collage auf der Bühne des Bauhauses Dessau.
Bezug zum Geist des Ortes
Acht kurze Choreografien von Tänzerinnen und Tänzern des Anhaltischen Theaters sind es, die mit Macht und Eleganz die Deutungshoheit auf den historischen Bühnenbrettern behaupten. Dass man sich hier in der Tradition von Oskar Schlemmers Raumfigur-Experimenten, aber auch in den Spuren von berühmten Gästen wie Gret Palucca bewegt, ist dem neuen Ensemble unter Leitung von Tomasz Kajdanski bewusst: Bereits der erste Beitrag, Matthew Bindleys auf eine Abfolge aus Sprechtext und tiefem Streicherton getanztes Sextett "Mushrooms", nimmt im Gestus und in der Kostümierung Bezug zur Klassischen Moderne. Die energischen Bewegungen aber weisen die Richtung, in die der Abend gehen wird - und die Denise Evrards "Silent Aggression" dann unmissverständlich einschlägt.
Wenn sich hier ein Tänzerpaar aus jenen Säulen schält, die der Bauhausbühne als szenische Herausforderung seit jeher eingebaut sind, dann wird die Inkarnation des Steins - und die umgekehrte Versteinerung des Leibs - zur Metapher für Urbanität, während sich in der Bühnenmitte ein Dritter sein Gewand aus blutroter Farbe aufschminkt. Den umgekehrten Weg geht Gorden Wannhoff mit "Götzen", die in ihrer Bildstärke zu den Höhepunkten des Projekts zählen.
Hier wischen sich drei Tänzer die Sicht in einem weiß getünchten Kubus frei - und geben so fragmentarisch den Blick auf ihre Körper und Bewegungen preis. Das Spiel mit Innen- und Außenräumen, der Blick in den toten Winkel und das Verhältnis des menschlichen Körpers zu seiner geometrisch abgezirkelten Umwelt bewähren sich auch in der Folge als Leitmotive, die den Geist von "Hermes in der Stadt" aufnehmen.
Da wird eine junge Frau hinter der Essensausgabe der Mensa von ihrem Partner bedrängt, wobei man das Geschehen zugleich durch das Fenster und auf zwei Video-Projektionen aus verschiedenen Perspektiven wahrnimmt ("Küche" von Yuliya Gerbyna). Da erinnern sich Körper über große Distanz an fremde Begegnungen im Becken der Dessauer Schwimmhalle ("Hinter dem Vorhang" von Juan Pablo Lastras Sanchez). Und da kippt die erotisch gefärbte Konfrontation einer Frau mit vier Männern in Aggression und endet schließlich in einem Wasserbecken, in dem die Verführerin zum gedemütigten Opfer wird ("Libamentum" von Nadja Réthey-Prickel).
Dass die Bauhaus-Bühne dabei nie den Charakter eines Laboratoriums verliert, dass aus der Not der fehlenden Auftritts- und Verwandlungsmöglichkeiten eine Tugend gemacht wird, kommt dem offenen Charakter des Experiments entgegen. Mit Bodenstrahlern und Absperrbändern ähnelt der von Torsten Blume gestaltete Raum einer Baustelle - und verweist wohl nicht von ungefähr auch auf die Internationale Bauausstellung zum "Stadtumbau", die in diesem Jahr von Dessau aus ins Land strahlen soll.
Bedingungsloser Einsatz
Auch in Joe Monaghans "Reflektz" - einem Spiel mit dem Echo und den Resonanzen, die Körper in ihrem Gegenüber auslösen können - zeigt sich schließlich, wie selbst- und bedingungslos sich die Tänzer wechselseitig für die Arbeit ihrer Kollegen einsetzen. Und wenn auch nicht jede Szene das Versprechen einlöst, das durch den Titel des Abends gegeben worden ist, so sorgt doch Hannah Sieh mit Zitaten aus Trolles Stücktext für die nötige dramaturgische Klammer - und für die "Verse der Zukunft", die Menschen "einsam eingehüllt in unsere Leiber" finden.
Mit "Bar Hand" bittet Juan Pablo Lastras Sanchez dann zum großen Finale: Zum Text des "Vaterunser" in vielen Sprachen treffen Menschen auf Todesengel mit Boxhandschuhen - und nachdem alle diese athletischen und grazilen Leiber von ihrem Dasein erlöst sind, hört man eine taiwanesische Melodie, die seltsam vertraut klingt. "Morgen früh, wenn Gott will, wirst du wieder geweckt!" ...
Nächste Vorstellungen: Dienstag und Mittwoch sowie 6. und 7. Februar, 19.30 Uhr
13.01.2010, 16:11 | tags:
Ballett
228
Pressemitteilung vom 13. Januar 2010
Premiere Tanztheater „Hermes in der Stadt“ -
Junge Choreografen stellen sich vor
Das Anhaltische Theater Dessau lädt am 17. Januar, um 19:30 Uhr zu einer weiteren Tanztheaterpremiere auf die Bauhausbühne ein.
Tänzer und Tänzerinnen des Dessauer Ballett-Ensembles entwickeln mit der Sprache des Tanzes als Choreographen eine eigene Interpretation von »Hermes in der Stadt«, dem Großstadtmilieustück des in Sachsen- Anhalt geborenen Autors Lothar Trolle und setzen sich dabei auch mit ihrem neuen Arbeits- und Lebensmittelpunkt Dessau auseinander. Ballettdirektor Tomasz Kajdanski bietet mit „Hermes in der Stadt“ Ensemblemitgliedern des Dessauer Balletts ein Forum für eigene choreografische Werke. Aufführungsort ist die historische Aula der „Ikone der Moderne“. Die Bauhausbühne war vor allem unter der Leitung von Oskar Schlemmer zwischen 1921 und 1929 [in Dessau 1926 - 1929] ein legendäres Projekt der Theatermoderne, ein Ort für revolutionäre Experimente mit Körper und Raum. Die Produktion „Hermes in der Stadt“ entstand in Koproduktion mit der Stiftung Bauhaus Dessau.
CHOREOGRAPHIE Matt Bindley, Denise Evrard, Yulia Gerbyna, Joe Monaghan,
Juan Pablo Lastras Sanchez, Nadja Rèthey-Prikkel und Gorden Wannhoff
Mit Anna-Maria Tasarz, Laura Costa Chaud, Yun-Ju Chen, Denise Evrard, Yulia Gerbyna, Gabriella Gilardi, Nadja Rèthey-Prikkel; Ion Beitia, Rai-Hilmar Kirchner, Juan Pablo Lastras Sanchez, Joe Monaghan, Johan Plaitano, Gorden Wannhoff, Kengo Yamazaki
Weitere Vorstellungen: 19./20.01.2010 | 06./07.02. | 02./03.04. | 18./19.06. – jeweils um 19:30 Uhr auf der Bauhausbühne
Tickets und Informationen erhalten Sie unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr | Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
11.01.2010, 14:27 | tags:
Ballett
, Diverses
224
Helmut Rohm, Zerbster Volksstimme, 07.01.2010
Anhaltisches Theater Dessau
Tänzerin baut ein Kinderballett auf
„Solange ich mich erinnern kann, wollte ich immer zum Ballett“, erzählt Gabriella Gilardi (32). Diesen Wunsch haben jetzt sicher auch die gegenwärtig 22 Mädchen aus Dessau und Umgebung, die die Übungsstunden des im Herbst 2009 gegründeten Kinderballetts des Anhaltischen Theaters Dessau besuchen. Gabriella Gilardi übernahm die Betreuung des Kinderballetts neben ihrer Tätigkeit als Companiemitglied des Dessauer Balletts, zu dem sie seit Beginn der laufenden Spielzeit gehört.
Etwa so alt wie die jüngsten Mitglieder ihrer zwei Kinderballettgruppen war die in Italien geborene Tänzerin, als ihre Mutter sie eine private Ballettschule besuchen ließ Daneben hatte sie jedoch auch andere Hobbys: Klavier, Chor und Volleyball. Ihre Ballettlehrerin stellte bei
ihr tänzerisches Talent fest und riet: „Gehe deinen Weg.“ Was tun? „Meine Eltern waren vom
Tanzwunsch nicht gerade hocherfreut“, lacht sie heute. Gabriella Gilardi schrieb sich etwas später an der Uni für Ökonomie ein. Ein Jahr, dann hat sie gemerkt: „Ne, ne, ne und ganz schnell weg“.
Sie konnte ihre Mutter überreden, mit ihr zum Vortanzen an der bekannten Scuola di Ballo del Teatro alla Scala di Milano zu gehen. Zur Überraschung der Mutter wurde Gabriella Gilardi angenommen. Acht Jahre bis 1996 hat sie sich dort zur Tänzerin ausbilden lassen und mit dem
Diplom abgeschlossen.
„Fast jeden Tag vorgetanzt“
An einer kleinen Mailänder Companie hat sie bis zu deren Auflösung nach einem Jahr
tanzen können. Unter anderem hat sie mit den inzwischen bekannten englischen Choreografen
Wayne Mc Gregor und Gillian Wittingham gearbeitet.
Da es in Italien zwar viele Tänzerinnen und Tänzer, doch nur wenige Ballettcompanien gibt und die meist nur streng klassisch, kaum modern -, versuchen viele, im „übrigen“ Europa Arbeit zu bekommen.
Gabriella Gilardi hat es in Deutschland versucht. „Ich bin in den Zug gestiegen und habe
fast jeden Tag irgendwo vorgetanzt“, erinnert sie sich des schweren Anfangs. Als sie mehr
durch Zufall erfahren hat, dass in Halberstadt eine Tänzerin gesucht wird, ist sie gleich hingefahren, hat vorgetanzt und wurde vom damaligen Ballettchef Tarek Assam genommen.
„Bereits eine Woche später war Premiere“, erzählt Gabriella Gilardi von ihrem furiosen
deutschen Ballettstart.
Sie blieb dort drei Jahre, ging dann ebenfalls für drei Jahre an das Volkstheater Rostock. Ballettchef war dort Tomasz Kajdanski. Dass man sich im Leben sprichwörtlich
mindestens zweimal sieht, hat sich nun bewahrheitet. In Dessau ist Tomasz Kajdanski
Ballettdirektor und Chefchoreograf.
Zwischen Rostock und Dessau war Gabriella Gilardi für sechs Jahre Solistin und Assistentin
des Ballettdirektors Jaroslaw Jurasz, wieder am Nordharzer Städtebundtheater Halberstadt. In den letzten Jahren hat sie auch eigene Choreografien für Schauspiele und Operettenproduktionen erarbeitet.
„Spaß darf nicht zu kurz kommen“
Ihren ganz reichen Erfahrungsschatz gibt sie nun „Stück für Stück“ an die jungen Dessauer
Tanzelevinnen weiter. Jungen hätten sich bisher leider noch nicht gemeldet, seien
aber herzlich willkommen.
Gabriella Gilardi betreut zwei Gruppen, „eingeteilt nach Tanzerfahrungen“. Das habe
sich günstiger erwiesen als die altersmäßige Differenzierung.
Die „Anfängerinnen“ kommen einmal wöchentlich in den Ballettprobensaal des Anhaltischen
Theaters. Gabriella Gilardi fängt da „ganz von vorn an“, möchte sichere Grundlagen legen. Kondition entwickeln, Körperdehnungen, Gymnastik, erste Schritte an der Stange, Schritte zu Musik, kleine Kombinationen...
Die zweite, „erfahrenere“ Gruppe, deren Mitglieder teils auch noch andere Tanzschulen
besuchen, trifft sich 14-tägig. Hier stehen kleine Choreografien und Schrittkombinationen
auf dem Programm, wie ebenfalls Raumkoordination, das Tanzen im Kreis und in Linien...
Gabriella Gilardi ist eine konsequente Lehrerin, die es an Lob und Aufmunterung nicht fehlen lässt. Denn, bei aller Konsequenz und notwendigem Training: „Spaß darf nicht zu kurz kommen.“
21.12.2009, 15:35 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
, Diverses
212
Pressemitteilung ´vom 21.12.2009
Vorstellungsänderung
Die Vorstellung »Lulu« am 22.12.2009 um 19:30 Uhr fällt krankheitsbedingt aus, stattdessen wird das Weihnachtliche Konzert von der Anhaltischen Philharmonie unter der Leitung von Wolfgang Kluge gespielt.
Bereits gekaufte Karten behalten ihre Gültigkeit für das Konzert oder können nach Umtausch der Karte für eine künftige »Lulu«-Vorstellung verwendet werden. Letztgenannter Umtausch sollte bis Ende diesen Jahres erfolgen und kann auch per Post geschehen.
Aus Anlass des 250. Todestages von Georg Friedrich Händel in diesem Jahr ist der erste Teil des Konzertes ganz dem Schaffen dieses Barockmeisters gewidmet. Zwischen den Sätzen eines von Händel selbst aus Oratorienchören zusammengestellten doppelchörigen Orchesterkonzertes singt die Sopranistin Cornelia Marschall Arien aus den Oratorien „Der Messias“ und „Salomo“. Im zweiten Teil dominiert in Werken von Franz Liszt und Otto Nicolai hingegen der romantische Orchesterklang. Die berühmten Weihnachtslieder von Peter Cornelius erklingen in der Orchesterbearbeitung des ehemaligen Dessauer Hofkapellmeisters Franz Mikorey, gesungen von Cornelia Marschall. Schauspielerin Christel Ortmann liest weihnachtliche Texte.
16.12.2009, 21:55 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
, Pressestimmen
210
Volkmar Draeger, ballettanz / Seite 36 / Januar 2010
Tomasz Kajdanski: «Lulu»
Dessau
Einen «Regenbogen der Gefühle» verspricht Tomasz Kajdanski mit seinem Debüt am Anhaltischen Theater. In Eisenach von Erfolg verwöhnt, hat er sich hier nun «Lulu» nach Frank Wedekind ausgesucht. Der Neoklassik Gonzalo Galgueras und den spektakulären Inszenierungen von Gregor Seyffert, seinen Vorgängern, lässt er düster dramatisches Tanztheater folgen.
Mit Sinn und Sinnlichkeit überschreibt er seine erste Saison. Und sinnlicher als Lulu geht’s kaum. Dorin Gal hat Dessaus Bühnenweite nach hinten durch ein transparentes arenaartiges Halbrund mit Etagen und Türen begrenzt. Auf hellem Horizont fangen Projektionen die Tiefe des Raums auf. In zwölf Bilder zerlegt Kajdanski Lulu, ihren triebhaft ins Verderben stürzenden Sexus.
Tobender Tanz und starke Bildhaftigkeit kennzeichnen seine Handschrift, mit dramatischer Präzision reißt Daniel Carlberg die Anhaltische Philharmonie hin, die szenisch erstaunlich passfähig meist sinfonische Musik der Wiener Schule und von Schostakowitsch, Korngold, Antheil bis Boulez und Rihm zu bewältigen hat.
Als fünf Meter hohes Lustsymbol in liebesrotem Samt überragt dazu Lulu barbusig jene, die unten nach ihr hangeln, sie anbeten, auf die Knie fallen, unter ihren Rock schlüpfen. Und sie umkreist der Reigen derer, die sie in den Untergang treiben: der dämonische Schigolch als ihr Erzeuger und Lenker; Dr. Schön, dessen Geliebte sie ist, und der sie freigebig an andere verleiht, an seinen Sohn Alwa und den Künstler Schwarz, die beide ihren Ansprüchen nicht genügen; da gibt’s den zupackenden Rodrigo, die lesbische Gräfin Geschwitz als Retterin in der Not und Jack the Ripper, dem sie sich todwund ausliefert.
Lulu empfängt sie eingesperrt im Gerüsttempel, räkelt, spreizt sich lasziv, erleidet in fliegenden Duos Zudringlichkeiten, sie sieht sich in Trios zwischen Verehrer geworfen, verfällt der Erotik des windig wendigen Dr. Schön, verliert schließlich Selbstachtung und Halt. Dass bei so viel emotionalem Aufruhr, dem auch mehrere Männer zum Opfer fallen und der Lulu in Notwehr zur Mörderin ihrer eigentlichen Liebe macht, die choreografische Flamme dauerzüngelt, atemlos sprunggewaltiger Tanz bisweilen die Figurenzeichnung überwuchert, ist nicht zu übersehen. Den kraftzehrenden Tanzexplosionen stehen eindringliche Bilder gegenüber: Lulus ins Leere gehender Wutausbruch, weil die Gesellschaft sie missachtet; ihre Hingabe in der Anstalt, wo wie eine entzündete Vulva zwischen weißem Stoff ein rotes Oval schwebt; ihr Solo beim Herrenabend auf einem Roulettetisch, als sei sie der Hauptgewinn.
Laura Costa Chaud im Titelpart, als Wesen nicht von dieser Welt und zumeist auf Spitze gestellt, Yun-Ju Chen als Gräfin, Juan Pablo Lastras als Dr. Schön, Joe Monaghan als Schigolch, Ion Beitias als schüchterner Alwa leisten 90 Minuten lang tänzerdarstellerische Schwerstarbeit, die sich gelohnt hat.
Wieder 30. Jan., 5. Feb., 21. März,10. April, 15. Mai
anhaltisches-theater.de
15.12.2009, 14:20 | tags:
Ballett
, Neue Formate
209
Pressemitteilung vom 15.12.2009
Treffpunkt Ballett – Junge Choreographen stellen sich vor
Zu einer weiteren Veranstaltung von „Treffpunkt Ballett“ lädt das Anhaltische Theater am 16. Dezember um 19:30 Uhr in den Ballettsaal ein.
Diesmal werden Ensemble Mitglieder des Balletts, die für „Hermes in der Stadt“ selber als Choreographen tätig sind, Einblicke in den Entstehungsprozess dieser Tanztheater Produktion geben. Ballettdirektor Tomasz Kajdanki und sein Ensemble ermöglichen einen Blick hinter die Kulissen und öffnen die Probe für die Inszenierung „Hermes in der Stadt“ bereits jetzt für das Publikum.
»Hermes in der Stadt«, ein Stück des in Sachsen-Anhalt geborenen Autors Lothar Trolle, liest sich wie eine schonungslose Großstadtsinfonie. Trolle verschränkt in seinem Stück den Mythos von Hermes, dem »Gott der Diebe und Händler«, mit dem Mythos von Stadt als Glücksversprechen und Projektionsfläche einerseits, Moloch und Utopiebrache andererseits. Eine nüchterne Innenansicht des urbanen Raums, eine Anordnung von Brutalität und Gewalttaten, die scheinbar ohne Anlass aus der Normalität geboren sind.
Junge, internationale Künstler, alle neu im Dessauer Ballett-Ensemble, entwickeln als Choreographen ihre eigene Interpretation von Trolles Text.
»Hermes in der Stadt« ist eine Koproduktion zwischen dem Anhaltischen Theater und dem Bauhaus Dessau.
Tickets für 3,- EURO sind ab sofort über die Kasse erhältlich.
Theaterkasse Rathaus-Center
Tel: 0340 2400 258 Montag bis Freitag 9:30 bis 20 Uhr
Theaterkasse
Nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
10.12.2009, 17:05 | tags:
Spielzeit
, Ballett
, Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
198
Pressemitteilung vom 10.12.2009
Geschenkideen rund ums Theater
24.11.2009, 12:12 | tags:
Ballett
, Schauspiel
, Neue Formate
, Pressestimmen
177
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 23.11.2009
Bauhaus
Komik der Geometrie
Experimente in der Tradition der Klassischen Moderne werden präsentiert und erinner an Abschied von Oskar Schlemmer vor 80 Jahren
Es ist ein Wesenszug jeder Avantgarde, dass sie sich erst von der Nachhut einholen lassen muss, ehe sie ihre Wirkung voll entfalten kann. Denn wer seiner Zeit voraus sein will, muss zwangsläufig deren Möglichkeiten sprengen - was dazu führt, dass seine Ideen auf einen späteren Fortschritt in Bewusstsein und Technik angewiesen sind. Ein beredtes Beispiel für dieses Dilemma liefert die Geschichte der Bühne am Bauhaus Dessau, die vor 80 Jahren mit dem Abschied von Oskar Schlemmer endete und nun durch ein Festival unter dem Titel "Figurenräume - Raumfiguren" wieder belebt werden soll. Viele ästhetische Experimente aus den 20er Jahren sind bestenfalls durch Fotos und Filme dokumentiert, etliche Ansätze wurden lediglich als Konzept überliefert - ein weites Feld, auf dem man leicht in die Irre gehen kann.
Als positives Beispiel für die Rekonstruktion von Bauhaus-Ideen darf vor allem eine Inszenierung gelten, die inzwischen selbst den Status eines Klassikers beansprucht: Jörg U. Lensings Rückgriff auf "Das mechanische Ballett" von Kurt Schmidt und Georg Teltscher hat auch 21 Jahre nach dem ersten Gastspiel auf der Dessauer Bühne nichts von seiner Frische und seinem Humor eingebüßt. Noch immer ist es anrührend und komisch, wenn sich die geometrisch konturierten Figurinen der "Windmühle" und des "Maschinenwesens" begegnen und ihre Farbflächen abgleichen.
Dass man am Samstag im Anhaltischen Theater nur zwei der fünf Akte sehen durfte, wirkte wie ein Appetizer auf das kommende Wochenende. Dann nämlich ist die komplette Inszenierung noch einmal im Bauhaus zu sehen. Fehlen wird das Video von Sascha Hardt, mit dem Lensings Theater der Klänge 1988 seine Auseinandersetzung mit László Moholy-Nagy grundierte - eine Collage im Geiste von Walter Ruttmann, die 60 Jahre nach dessen "Sinfonie der Großstadt" sehr anachronistisch wirkt. Der überraschendste Teil des Triptychons aber, den der Düsseldorfer Professor für Ton- und Klanggestaltung für das Dessauer Festival zusammengestellt hatte, war eine Arbeitsprobe: Erstmals wurden Teile der "Suite intermediale" gezeigt, die direkt auf Oskar Schlemmers Klang- und Figurenkonzept zurückgreift und dabei die technischen Möglichkeiten der Gegenwart auf die Klassische Moderne anwendet. Wie spannend es sein kann, wenn man den Körper des Tänzers als ton- und bildgebendes Medium verwendet, wenn man die Schatten und die Bewegungsunschärfe auf einer Leinwand einfängt und die kinetischen in akustische Impulse umsetzt, wurde hier ausführlich demonstriert. Und wenn sich bis zur Uraufführung auch noch das Quintett der Tänzer als Hardware zu jenem Niveau aufschwingt, auf dem die Software sich bereits befindet, dürfte sich das Theater der Klänge für ein neuerliches Gastspiel empfehlen.
Als Work in Progress musste man wohl auch jene Inszenierung verstehen, mit der die Stiftung Bauhaus und das Anhaltische Theater das Festival am Freitag eröffnet hatten. Die Funkoper "Supremalevich" rekurriert auf den Besuch des Suprematismus-Erfinders Kasimir Malevich, der 1927 in Dessau Station machte. Dass der Meister des schwarzen Quadrats auf weißem Grund von Gropius und Co. allerdings weit weniger euphorisch empfangen wurde, als es die euphorische Parole "Wir loben seine Ankunft" suggerierte, hing als Menetekel über dem Abend.
Denn obwohl sich das Ballett des Anhaltischen Theaters, die Schauspieler Christel Ortmann und Hans-Jürgen Müller-Hohensee sowie die Sängerin Mika Kaiyama sichtlich mühten, dem kosmischen Pathos der Abstraktion und dem sinnstiftenden Spiel mit der reinen Form Gestalt zu geben, wurde zumindest die Premiere dieser Performance von mangelndem Rhythmus-Gefühl gestört. Ausgerechnet dem Regisseur Martin Neuhaus, der dem Abend Form und Halt geben sollte, mangelte es an Geduld und an Gespür für die nötige Dauer.
So konnten sich die choreografischen Ansätze nicht entfalten, erst gegen Ende lud sich das Geschehen mit Spannung auf - und im Ergebnis musste man das Experiment eher als "Suboptimalevich" verbuchen. Aber dass Scheitern zur Avantgarde dazugehört, weiß man ja nirgends besser als im Bauhaus.
Nächste Veranstaltungen: Lesung aus "Palucca. Die Biografie" (Montag, 19 Uhr, Bauhaus); Vortrag über Gerhard Bohner (Dienstag, 19 Uhr, Muche-Schlemmer-Haus); "Im goldenen Schnitt" (Mittwoch, 19 Uhr, Marienkirche), "Die Stunde da wir nichts voneinander wussten" (Mittwoch, 21 Uhr, Bauhaus-Bühne)
17.11.2009, 21:41 | tags:
Ballett
, Diverses
169
Pressemitteilung vom 17.11.2009
Ballettensemble des Anhaltischen Theaters und Schüler des Gymnasiums Philantropinum
begegnen sich im gemeinsamen Training
Am Dienstag, den 24.11.2009 findet für die Schüler der Tanzgruppen des Gymnasiums
Philantropinum eine besondere Tanzprobe statt. Unter der Leitung von Ballettchef Tomasz
Kajdanski bekommen die Schüler im gemeinsamen Training mit dem Tanzensemble des
Anhaltischen Theaters einen Einblick in die „Sprache des Tanzes“: Welche Aussagen und
Hintergründe haben bestimmte Bewegungen, welcher Symbolgehalt steckt in einer
Choreografie? Um diese und viele andere Fragen zum großen Thema Tanz geht es an diesem
Nachmittag im Ballettsaal des Philantropinums – und um die Inszenierung „Lulu“, aus der das
Ensemble den Schülern Ausschnitte zeigt und sie somit auch auf die nächste Begegnung mit
dem Ballett vorbereitet: Dem Vorstellungsbesuch dieser Inszenierung im Theater.
Mit LULU - Tanztheater Uraufführung nach Frank Wedekind, einem 90 minütigen Tanzthriller,
gaben Kajdanski und sein Ensemble ihr bejubeltes Debüt in Dessau.
Das gemeinsame Training wird in zwei Gruppen stattfinden: von 15.30 Uhr - 16.30 Uhr für die
SchülerInnen der Klassenstufen 5-7 und von 16.30 Uhr - 17.30 Uhr für die SchülerInnen der
Klassenstufen 8-11.
Nur dreimal wird in diesem Jahr die Inszenierung noch auf der Bühne im Großen Haus zu
erleben sein:
13.12.09, 19:30 Uhr | 28.11.09, 19:30 Uhr | 22.12.09, 19:30 Uhr
Karten unter:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Freitag 9:30 – 20 Uhr
Theaterkasse - Nur Telefonisch 0340 2511 – 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
02.11.2009, 19:45 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
, Pressestimmen
144
Joachim Lange, Thüringer Allgemeine, 30.10.2009
Auf der Blutspur
Eisenachs Ex-Ballettchef Tomasz Kajdanski gelingt mit „Lulu“ ein starker Einstand in Dessau
Thüringen hat viel verloren, als der Eisenacher Ballettchef Tomasz Kajdanski zu Spielzeitbeginn nach Sachsen-Anhalt wechselte. Dem Anhaltischen Theater Dessau gelingt mit neuem Spitzenpersonal ein furioser Auftakt. Tomasz Kajdanski steuert dazu eine atemberaubende Version der „Lulu“ bei.
Natürlich profitiert die vertanzte „Lulu“ vom Schauspiel Frank Wedekinds und wohl noch mehr von Alban Bergs Oper. Auch wenn dessen Musik nur mit dem Ostinato aus der Lulu-Suite erklingt.
Doch die erste Produktion des neuen Ballettchefs Tomasz Kajdanski steht ganz für sich selbst. Kapellmeister Daniel Carlberg − auch neu − hat dafür nicht nur eine zwingende musikalische Tonspur aus passgenauen
Stücken von Rihm, Korngold, Antheil, Schönberg, Schostakowitsch und Boulez zusammengestellt, sondern interpretiert sie auch mit zwingender Präzision live mit der Anhaltischen Philharmonie.
Der 80-minütige Abend beginnt mit einem metaphorischen Coup: Eine barbusige Lulu thront in einem meterhohen roten Kleid vor einer gerahmten Videoleinwand. Am Ende liegt sie von Jack the Ripper ermordet zwischen den unzähligen Papieren, die im vorletzten Bild „Im freien Fall“ aus dem Schnürboden gefallen waren. Bis dahin wurde die charismatische Laura Costa Chaud als Lulu zum Fixpunkt der Begehrlichkeiten, ob nun von Dr. Schön (Juan Paolo Lastras-Sanchez), der Geschwitz (Yun-Ju Chen) oder dem Zuhälter Schigolch (Joe Monaghan). Und zum Opfer. Mit kraftvoller Virtuosität entfesselt Kajdanski nicht nur die Obsessionen und hält ein erstaunliches Tempo. Weder in den Soli noch in den expressiven Ensembleauftritten verfallen die 13 Tänzer auch nur einen Moment in Verlegenheitsaktionismus.
Die Bühne hat Dorin Gal zuerst durch eine halbrunde transparente Wand voller Türen und Fenster begrenzt. Als sich Lulu von Dr. Schön nicht zum Selbstmord zwingen lässt, sondern ihn erschießt, fällt ein weißer Vorhang mit einer hintersinnigen Blutspur. Nicht nur in der intelligent assoziativen und kraftvollen Virtuosität des Tanzes, sondern auch in ihrer kargen und gleichzeitig opulenten Ästhetik ist diese „Lulu“ ein Wurf!
Tomasz Kajdanski musste in Dessau gegen die Erinnerung an den hier äußerst beliebten und mit seiner DeSade-Kreation im Kraftwerk Vockerode tatsächlich Maßstäbe setzenden Gregor Seyffert antreten. Er hat die Herausforderung auf seine Weise angenommen und haushoch gewonnen.
Nächste Vorstellung: 7. 11.
29.10.2009, 16:55 | tags:
Ballett
, Anhaltische Philharmonie
137
Pressemitteilung vom 29.10.2009
Premiere für die zweite LULU
Tanztheater Uraufführung von Tomasz Kajdanski nach Frank Wedekind
Nachdem die erste Premiere „Lulu“ vom Publikum stürmisch gefeiert wurde, lädt das Anhaltische Theater zu einer weiteren „Lulu“ Vorstellung, die gleichzeitig den Charakter einer Premiere trägt, am 7. November, um 19:30 Uhr im Großen Haus ein. Die Rolle der „Lulu“ wird diesmal von Yuliya Gerbyna getanzt. Mit „Lulu“ gaben der neue Ballettdirektor Tomasz Kajdanski und sein Ensemble ihr Debut in Dessau. Zu erleben ist ein Tanzthriller, live begleitet von der Anhaltischen Philharmonie unter Daniel Carlberg, die Musik von Alban Berg, Arnold Schönberg, Erich Wolfgang Korngold, Wolfgang Rihm, George Antheil, Pierre Boulez und Dmitri Schostakowitsch erklingen lässt.
Die Besonderheit dieser Inszenierung besteht in den zwei Besetzungen der Titelrolle der Lulu, bei denen es sich nicht um eine klassische Doppelbesetzung handelt. Kajdanski legt besonderen Wert darauf, dass beide Tänzerinnen in ihren jeweiligen Lulu-Vorstellungen den Zuschauern eine völlig andere tänzerische Darstellung der Titelrolle bieten werden, so dass man die Vorstellung unbedingt zweimal besuchen sollte. Jede der beiden Tänzerinnen verkörpert eine ganz andere Lulu. Beide bringen ihre eigenen expressiven Emotionen und Sichtweisen in die Darstellung ein und haben – auch wegen ihrer kulturellen Hintergründe, die sie aus ihren Heimatländern Brasilien und der Ukraine einbringen – eine unterschiedliche Körperlichkeit auf der Bühne. Kajdanski: „Man verliebt sich ja auch in verschiedene Frauentypen. Ich bin sicher, die Zuschauer werden mir recht geben, wenn sie beide Vorstellungen besucht haben und die zwei verschiedenen Tänzerinnen der Lulu gesehen haben.“
Joachim Lange schrieb in seiner Frühkritik für die online Seite kultiversum, die „Lulu“ sei ein Wurf, nicht nur in der intelligent assoziativen und kraftvollen Virtuosität des Tanzes, sondern auch in ihrer kargen und gleichzeitig opulenten Ästhetik.
28.10.2009, 11:10 | tags:
Spielzeit
, Ballett
, Anhaltische Philharmonie
, Pressestimmen
134
Helmut Rohm, Zerbster Volkstimme, 27.10.2009
Gefeierte Ballettpremiere am Theater Dessau
„Lulu“ – gescheiterte „Urgestalt des Weibes“
Barbusig und im überdimensionierten roten Kleid, einem (fragwürdigen) Denkmal gleich, wird Lulu als „Urgestalt des Weibes“ präsentiert. Videosequenzen vermitteln mehr schemenhaft Einblicke in ihr bisheriges, von Sex und Prostitution geprägtes Leben.
Am Anhaltischen Theater Dessau hatte das Ballett „Lulu“ seine vom Premierenpublikum gefeierte Uraufführung. Die Choreografie schuf der neue Dessauer Ballettchef Tomasz Kajdanski nach Frank Wedekinds Lulu-Tragödie. In zwölf expressiven Bildern zeichnet
Kajdanski das dramatische Leben und den Untergang der wunderschönen und lebenshungrigen Lulu nach. Nur scheinbar lebt sie ihre eigenen Wünsche, Begehrlichkeiten und Fantasien aus. Vielmehr ist sie gefangen, wird ständig getrieben, ist Spielball männlicher
Dominanz, den Verstrickungen und Intrigen ausgesetzt, emotional korrumpiert. Kajdanski ist eine spannungsgeladene Balance zwischen konsequenter Symbolträchtigkeit und einer bis ins feinste Detail wirkenden Körpersprache der handelnden Personen in ihrer sehr differenzierten bewegenden Persönlichkeitsstruktur gelungen.
Die harmonische Verknüpfung von ausgeprägtem klassischen Ballett und modernen Ausdrucksformen kommt völlig ungezwungen daher, setzt auch spannende Kontraste.
Und die Dessauer Ensemblemitglieder beherrschen diese Symbiose ausgezeichnet. Laura
Costa Chaud, die gesamten pausenlosen gut 80 Minuten fast durchtanzend, gestaltet die Lulu als einen wahren Gefühlsvulkan, der alle Facetten ihres rasanten Lebens offenlegt, den Zuschauer mitfühlen lässt. Schigolch, ihr mutmaßlicher Vater, erhält von Joe Monaghan eine geheimnisumwitterte Machtausstrahlung. Hervorzuheben auch Juan Pablo Lastras-Sanchez als Dr. Schön und Yun-Ju Chen als lesbische Gräfin Geschwitz.
Bravourös interpretiert die Anhaltische Philharmonie unter Daniel Carlberg die ausgewählten Kompositionen unter anderen von Rihm, Antheil, Alban Berg, Korngold, Schönberg und Schostakowitsch. Ein Halbrund mit vielen Türen ist optisches Zentrum des unaufdringlich aussagekräftigen Bühnenbildes von Ausstatter Dorin Gal. Kajdanski bezeichnete es als Destillat aus Bordell, Peep Show Location und Zirkus. Für Lulu ist es, trotz Strebens nach Freiheit und Unabhängigkeit, ein lebenslanges Gefängnis. Und das Rot der (gekauften) Liebe ertrinkt im Blutrot des Todes.
26.10.2009, 07:28 | tags:
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Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 26.10.2009
Tanztheater
Der dunkle Spiegel der Lust
Tomas Kajdanski gelingt mit «Lulu» nach Wedekind ein beeindruckender Einstand in Dessau
Ihre Seele ist längst tot, ihr Körper aber will einfach nicht sterben: Obwohl Lulu diesen einzigen, von ungezählten Berührungen längst abgenutzten Besitz am Ende sogar Jack the Ripper vor die Füße geworfen hat, findet sie auch unter seinen mörderischen Händen keine Erlösung. Die öffentliche Frau, die auf dem schmalen Grat zwischen Lust und Schmerz tausend kleine Tode gestorben ist, bäumt sich immer wieder auf, bis Muskeln und Nerven endlich Ruhe geben. Und die Welt wird schwarz - so, wie sie war, bevor Lulu kam.
Tomasz Kajdanskis Entscheidung, seine Dessauer Ballett-Direktion mit einer Adaption von Frank Wedekinds "Lulu"-Dramen zu eröffnen, schien im Vorfeld so originell wie gewagt. Denn einerseits ist die Geschichte der jungen Frau, die jedermann als Objekt seiner persönlichen Begierde erscheint, ein ideales Sujet für die erotischste unter den darstellenden Künsten.
Schwarz-Weiß im Rotlicht
Andererseits muss man sich vor Ort am "Marquis de Sade" messen lassen, der in den vergangenen Sommern eine schwarze Messe der Lust gefeiert hat. Kajdanski aber richtet seine Arbeit an anderen Skalen aus: Seine "Lulu" ist kein multimediales Spektakel, sondern ein furioser Tanzabend - und eine Hommage an die Klassische Moderne, der in der Stadt des Bauhauses und des Weill-Festes wie eine ästhetische Punktlandung wirkt.
Dafür sorgt zunächst das musikalische Tableau: Mit Werken von Arnold Schönberg, Alban Berg, Erich Wolfgang Korngold und George Antheil, aber auch von Dmitri Schostakowitsch, Pierre Boulez und Wolfgang Rihm gibt der neue Kapellmeister Daniel Carlberg einen beeindruckenden Einstand. Die Anhaltische Philharmonie, die in ihrer Geschichte eher auf die erste als auf die zweite Wiener Schule verweist, musiziert mit messerscharfem Intellekt und kontrollierter, nicht nachlassender Energie. So wird dem Tanz ein fester und federnder Boden bereitet, wie ihn keine Ton-Konserve zu bieten hat.
Das erste Bild ist Programm: Wie eine überlebensgroße Bienenkönigin steht Lulu mit entblößtem Oberkörper in dem halbrunden Peep-Show-Theater, dem Ausstatter Dorin Gal mit gläsernen Türen jede Intimität verweigert. Unter dem roten Rock verschwinden und erscheinen all die Männer und Frauen, denen Lulu auf ihrem Weg in die Katastrophe begegnen wird - ein Akt des Gebärens und des Verschlingens, eine metaphorische Überhöhung der schwarz-weißen Videos aus dem Rotlicht-Milieu. Dass es Kajdanski fortan gelingt, selbst in der Nacktheit jede Peinlichkeit zu meiden und den Tanz als künstlerisches Äquivalent zur Sexualität zu behaupten, ist die bezwingendste Qualität des Abends. Denn hier wie dort gibt es ein breites Spektrum von Spielarten, das sich in den einzelnen Charakteren der ausnahmslos doppelt besetzten Solo-Rollen spiegelt. Da ist zunächst der Zuhälter Schigolch (Joe Managhan), der das Mädchen mit animalischer Kraft und dämonischer Dominanz zu Markte trägt. Da ist Lulus Geliebter Schön (Juan Pablo Lastras-Sanchez), der sein Selbstbewusstsein aus Erfahrung und Eleganz schöpft.
Auf Knien und Zehenspitzen
Da sind der platonische Schwärmer Schwarz (Gorden Wannhoff) und der liebeshungrige Alwa (Ion Beitia), der zupackende Kraft-Kerl Rodrigo (Rai Kirchner) und der nur noch als Schatten erinnerte Goll (Kengo Yamazaki). Und da ist die lesbische Gräfin Geschwitz (Yun-Ju Chen), die sich zunächst vor ihren eigenen Wünschen fürchtet und Lulu dennoch nach ganz unten folgt. Laura Costa Chaud aber spiegelt ihre Titelheldin in all diesen Figuren: Sie kann naiv und lasziv sein, sie bewegt sich auf Knien so selbstverständlich wie auf Zehenspitzen, sie ist rasend verführerisch und wahnsinnig erschöpft. Um dieses lodernde, in jedem Windzug flackernde Licht gruppiert Kajdanski seine schnell wechselnden Gestalten, die er aus dem klassischen Gleichmaß in individuellen Gestus, in ein atemraubendes Tempo und in beeindruckende Bilder bis hin zur Travestie treibt. In Dessau, das darf man nach der umjubelten Premiere vermelden, wird wieder getanzt. Und wie!
Nächste Vorstellungen: 7., 13. und 28. November, jeweils 19.30 Uhr
22.10.2009, 20:23 | tags:
Spielzeit
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Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 22.10.2009
Ballett
Mit der Sprache des Tanzes Geschichten erzählen
Am Freitagabend hat im Theater der Tanzabend «Lulu» Premiere
"Wir haben keine Worte, wir singen nicht, wir können nur tanzen." Das aber können sie meisterhaft. Es ist eine Probe, auf der Dessaus Ballettchef Tomasz Kajdanski das sagt. Eineinhalb Wochen vor der Premiere für sein erstes Ballett in Dessau - "Lulu" nach dem Roman von Frank Wedekind - hat Kajdanski das Publikum eingeladen, sich einen so genannten Durchlauf auf der großen Bühne anzuschauen. Zu diesem Zeitpunkt ist die Choreographie längst abgeschlossen, jetzt lässt der Pole seine Tänzerinnen und Tänzer durchtanzen. Kraft und Kondition wird das geben für den Tanzabend. Fast 100 Zuschauer genießen auf der öffentlichen Probe einen ersten Blick auf die Produktion und die so ungewöhnliche Atmosphäre im Zuschauerraum.
Reihe 5 im Parkett ist reserviert. Dort ist das Regiepult aufgebaut, dahinter wird später Tomasz Kajdanski sitzen, aber auch immer mal wieder aufspringen, um auf die Bühne zu sprinten. Dort begrüßt er auch zu Beginn die Besucher. "Wir brauchen die Nähe des Publikums", sagt er und ist gespannt auf erste Reaktionen auf seine Arbeit. Er entschuldigt das, was beim Proben Alltag ist. Es gib keine Kostüme, die Kulissen sind noch in den Werkstätten, was jetzt auf der Bühne steht, deutet das Bühnenbild nur an, es herrscht ein kühles Arbeitslicht und die Musik kommt als rauschende Konserve vom Band.
Getanzt aber wird an diesem Abend ohne jegliche Einschränkung. Laura Costa Chauds Lulu steht minutenlang still auf der Bühne, umschwärmt vom Personal des Stückes. Und dann tanzt auch sie, und Kajdanski erzählt die Geschichte einer extremen Frau in einer männerdominierten Welt. "Im Ballett müssen die Bewegungen die Emotionen tragen, nur damit können wir den inneren Zustand beschreiben", gibt Tomasz Kajdanksi den Zuschauern mit auf den Weg, dann schaut auch er zu.
Unterbrechungen gibt es an diesem Abend kaum, und wenn, dann greift der Choreograph ganz nebenbei auf der Bühne ein, während das Ensemble weitertanzt. Als das große runde Sofa nicht so leicht über die Bühne rollt, wie es rollen soll, rennt Kajdanski hinauf, mal steht ein Stuhl nicht dort wo er stehen soll und er bringt ihn schnell aus den Kulissen herbei. "Wir haben auch beim Umbau noch nicht alles unter Kontrolle. Aber sagen sie es nicht weiter." Das Publikum lacht und ist ganz zuversichtlich. Über zehn Tage sind schließlich noch Zeit bis zur Premiere, als es diese Probe erlebt.
Inzwischen freilich steht "Lulu" direkt vor der Tür. Am Freitag erlebt man die Ballettinszenierung erstmals im Großen Haus, am Donnerstag gab es die Generalprobe, nun auch längst mit Bühnenbild, Kostümen, dem perfekten Licht und natürlich dem Orchester unter der Leitung von Daniel Carlberg. Der aber saß auch schon bei den anderen Proben mit Kajdanski hinter dem Regiepult, machte sich eifrig Notizen in die Partitur.
Alban Berg, Arnold Schönberg, Erich Wolfgang Korngold, Wolfgang Rihm, George Antheil, Pierre Boulez und Dmitri Schostakowitsch - das sind die Komponisten, von denen Musik am Premierenabend erklingen wird. Es sind keine gefälligen Kompositionen, die man da hört, eine Grundnervosität liegt ihnen allen inne, die perfekt mit dem Geschehen auf der Bühne verschmilzt.
Zwei Lulus hat Tomasz Kajdanski für seine Dessauer Antrittsinszenierung auserkoren, neben Laura Costa Chaud hat auch Yuliya Gerbyna die Rolle einstudiert. Zwei sehr verschiedene Frauentypen verkörpern eine Lulu, die je nach Besetzung ganz andere Ausdrucksformen haben soll. "Man verliebt sich ja auch in verschiedene Frauentypen. Ich bin sicher, die Zuschauer werden mir Recht geben, wenn sie beide Vorstellungen besucht haben und die zwei verschiedenen Tänzerinnen der Lulu gesehen haben", meint Choreograph Kajdanski, der erst ganz kurzfristig entscheiden will, wer nun am Freitagabend tanzen wird.
Wer indes noch gar nicht weiß, ob er die eine oder andere Lulu tanzen sehen will, dem kann die Entscheidungsfindung leichter gemacht werden. Auch jene, die keine Probe sahen, können sich einen kleinen Eindruck von der Inszenierung machen. Auf der Internetseite des Anhaltischen Theaters gibt es einen Videoclip mit Tanzszenen.
Karten für die Premiere und die zweite Vorstellung an diesem Sonntag um 17 Uhr gibt es an der Theaterkasse und an der Abendkasse. Nach der freitäglichen Premiere wird zur öffentlichen Premierenfeier eingeladen, am Sonntag ist nach der Vorstellung um 18.30 Uhr im Theaterrestaurant ein "Nachgefragt" vorgesehen .
15.10.2009, 18:48 | tags:
Spielzeit
, Ballett
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Pressemitteilung vom 15.10.2009
Matinee zur Premiere „Lulu“
Tomasz Kajdanski, neuer Ballettdirektor und Chefchoreograf am Anhaltischen Theater Dessau und sein Ensemble werden mit „Lulu“, diesem höchst sinnlichen Sujet ihr Début in Dessau geben. Vor der Premiere am 23. Oktober lädt das künstlerische Team am 18. Oktober um 10:30 Uhr zu einer Matinee auf die Probebühne 1 ein.
Tomasz Kajdanski, Daniel Carlberg/ 1. Kapellmeister und Stellvertreter des GMD und Heribert Germeshausen/ Leitender Dramaturg Musiktheater/ Operndirektion freuen sich auf Ihr Kommen und werden Ein- und Ausblicke auf die Produktion geben, die kurz vor der Premiere steht.
15.10.2009, 16:43 | tags:
Spielzeit
, Ballett
, Anhaltische Philharmonie
113
Pressemitteilung vom 15.10.2009
Premiere Ballett
„Lulu“
Tanztheater Uraufführung von Tomasz Kajdanski nach Frank Wedekind
Lulu – mit diesem höchst sinnlichen Sujet geben der neue Ballettdirektor Tomasz Kajdanski und sein Ensemble ihr Début in Dessau. Erleben Sie einem Tanzthriller, live begleitet von der Anhaltischen Philharmonie unter Daniel Carlberg.
Mit Musik von Alban Berg, Arnold Schönberg, Erich Wolfgang Korngold, Wolfgang Rihm, George Antheil, Pierre Boulez und Dmitri Schostakowitsch
Choreografie: Tomasz Kajdanski | Musikalische Leitung: Daniel Carlberg |
Bühne und Kostüme: Dorin Gal | Video: Jan Müller
„Mir geht es bei Lulu nicht darum, Wedekind eins zu eins umzusetzen. Sie ist, wie das Libretto zu Alban Bergs gleichnamiger Oper, vielmehr die Grundlage für meine Auseinandersetzung mit diesem Sujet, mit extremen Frauenbildern. Was müssen junge Leute heute beispielsweise nicht alles tun, um für ihren Betrieb oder sogar für ihr Studium Geld zu erhalten. Wie Geld korrumpiert, wie Liebe tragisch endet, das alles kann man hier zeigen. Am Ende trifft Lulu auf ihren Engel und wird erlöst. Ist das nicht ein Wunsch, wenn man ein soziales Thema zu Ende bringen möchte?“
Eine Besonderheit sind die zwei Besetzungen der Titelrolle Lulu, bei denen es sich nicht um eine klassische Doppelbesetzung handelt. Ballettdirektor Tomasz Kajdanski legt besonderen Wert darauf, dass beide Tänzerinnen in ihren jeweiligen Lulu-Vorstellungen den Zuschauern eine völlig andere tänzerische Darstellung der Titelrolle bieten werden, so dass man die Vorstellung unbedingt zweimal besuchen sollte.
Kajdanski sagt weiter dazu: „Wenn ich zwei so erstklassige Tänzerinnen wie Laura Costa Chaud und Yuliya Gerbyna im Ensemble habe, muss ich das auch in der Besetzung nutzen. Wir werden zwei verschiedene Premieren haben, da jede der beiden eine andere Lulu verkörpert. Beide bringen ihre eigenen expressiven Emotionen und Sichtweisen in die Darstellung ein und haben – auch wegen ihrer kulturellen Hintergründe, die sie aus ihren Heimatländern Brasilien und der Ukraine einbringen – eine unterschiedliche Körperlichkeit auf der Bühne. Man verliebt sich ja auch in verschiedene Frauentypen. Ich bin sicher, die Zuschauer werden mir recht geben, wenn sie beide Vorstellungen besucht haben und die zwei verschiedenen Tänzerinnen der Lulu gesehen haben.“
Bei der Premiere am Freitag, den 23. Oktober um 19:30 Uhr im Großen Haus sind die Hauptrollen folgendermaßen besetzt:
Laura Costa Chaud / Yulia Gerbyna (Lulu), Yun-Ju Chen (Geschwitz), Juan Pablo Lastras-Sanchez (Dr. Schön), Joe Monaghan (Schigolch), Ion Beitia (Alwa).
Für die Premiere und die nächsten Vorstellungen gibt es noch Restkarten.
Nächste Vorstellungen: 25.10.09, 17 Uhr | 7.11.09, 19:30 Uhr | 13.11.09, 19:30 Uhr
13.10.2009, 10:44 | tags:
Ballett
, Neue Formate
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Pressemitteilung vom 12.10.2009
Treffpunkt Ballett – Zweite Veranstaltung der neuen Veranstaltungsreihe am Anhaltischen Theater Dessau
Nachdem die erste Veranstaltung „Treffpunkt Ballett“ großen Zuschauerzuspruch hatte, lädt das Anhaltische Theater Dessau zur zweiten Veranstaltung am 14. Oktober, um 19:30 Uhr auf die Bühne im Großen Haus ein.
„Treffpunkt Ballett“ bietet die Möglichkeit, den Entstehungsprozess einer Inszenierung hautnah mitzuerleben. Der neue Ballettdirektor Tomasz Kajdanski und sein Ensemble ermöglichen einen Blick hinter die Kulissen und öffnen die Probe für die Inszenierung „LULU“ bereits jetzt für das Publikum. Am kommenden Mittwoch haben Sie die Gelegenheit, beide Tänzerinnen der Titelrolle zu erleben. Laura Costa Chaud tanzt die Premiere am 23.10.09, Yuliya Gerbyna am 25.10.09. Eine wunderbare Gelegenheit, den neuen Ballettdirektor und sein Ensemble kennen zu lernen. Tomasz Kajdanksi und Heribert Germeshausen (Leitender Dramaturg für Musiktheater/ Operndirektion) werden den Abend moderieren.
Tickets für 3,- EURO sind ab sofort über die Kasse erhältlich.
Theaterkasse Rathaus-Center
Tel: 0340 2400 258 Montag bis Freitag 9:30 – 20 Uhr
Theaterkasse
Nur Telefonisch 0340 2511 – 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
12.10.2009, 20:36 | tags:
Spielzeit
, Ballett
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Mitteldeutsche Zeitung, 11.10.2009
Dessau/DPA
Premiere für neuen Ballettchef
Anhaltisches Theater: Tragödie «Lulu» von Choreograph Tomasz Kajdanski ab 23. Oktober
Der bekannte Choreograph Tomasz Kajdanski feiert am 23. Oktober mit der Tragödie «Lulu» seine Premiere als neuer Ballettdirektor des Anhaltischen Theater Dessau. Sein neu arrangiertes Ballettensemble interpretiert das Werk von Frank Wedekind unter anderem mit Musik von Arnold Schönberg und Dmitri Schostakowitsch. «Lulu» handelt von dem gesellschaftlichen Auf- und Abstieg einer außergewöhnlich schönen, männermordenden Frau in einer repressiven patriarchalen Gesellschaft. Der in Warschau geborene Kajdanski hält das extreme Frauenbild für ideal im Ballett umzusetzen. Seine erste Dessauer Arbeit wird in zehn weiteren Veranstaltungen bis Mitte Mai zu sehen sein.
Die 215. Spielzeit des Balletts im Anhaltischen Theaters Dessau steht unter dem Motto «Sinn und Sinnlichkeit». Der Ballettdirektor wird in seiner ersten Spielzeit noch weitere Choreographien nach Schauspielvorlagen zur Uraufführung bringen. Ein Klassiker dafür wird «Nachtasyl» nach Maxim Gorki sein, dass von Ende Mai 2010 an zu erleben sein wird.
Tomasz Kajdanski wurde überregional bekannt als langjähriger Eisenacher Ballettchef. Er war seit 2004 am thüringischen Landestheater engagiert. Dort feierte er seine bisher größten Erfolge mit «Abraxas», einer Faust-Adaption von Werner Egk, und seiner Arbeit über den russischen Komponisten «Tschaikowski». Für letztere wurde er 2006 als einer der drei besten Choreographen Deutschlands gewürdigt. Mit ihm wechselten zur neuen Spielzeit 2009/2010 auch einige Tänzer seines Eisenacher Ballettensembles nach Dessau.
30.09.2009, 08:11 | tags:
Spielzeit
, Ballett
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Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung / Dessau, 30.09.2009
Zwei Lulus und ihre Sicht auf extreme Frauenbilder
Schauspieler, Sänger und Musiker stimmten sich Ende August gerade wieder auf die Arbeit ein, da waren die Tänzer und Tänzerinnen schon mittendrin. Sie waren die ersten, die zu Beginn der neuen Spielzeit ganz intensiv mit den Proben im Ballettsaal begannen. Inzwischen ist die Choreographie für "Lulu", den ersten Tanztheaterabend, mit dem sich Tomasz Kajdanski als neuer Ballettchef dem Publikum vorstellt, weit fortgeschritten. Am 23. Oktober wird die Premiere im Großen Haus sein.
Die literarische Vorlage zum Tanzabend bildet Frank Wedekinds "Lulu"-Tragödie. "Lulu" handelt vom Auf- und Abstieg einer aufgrund ihrer außerordentlichen Schönheit im wahrsten Sinne des Wortes männermordenden jungen Frau. "Mir geht es nicht darum, Wedekind eins zu eins umzusetzen. Lulu ist, wie das Libretto zu Alban Bergs gleichnamiger Oper, vielmehr die Grundlage für meine Auseinandersetzung mit diesem Sujet, mit extremen Frauenbildern", sagt Tomasz Kajdanski.
Eine Besonderheit in dieser Inszenierung sind die zwei Besetzungen der Titelrolle Lulu, bei denen es sich nicht um eine klassische Doppelbesetzung handelt. Der Ballettdirektor legt besonderen Wert darauf, dass beide Tänzerinnen in ihren jeweiligen Lulu-Vorstellungen den Zuschauern eine völlig andere tänzerische Darstellung der Titelrolle bieten werden, so dass man die Vorstellung unbedingt zweimal besuchen sollte. "Wenn ich zwei so erstklassige Tänzerinnen wie Laura Costa Chaud und Yuliya Gerbyna im Ensemble habe, muss ich das auch in der Besetzung nutzen", sagt der Choreograph. "Wir werden zwei verschiedene Premieren haben, da jede der beiden eine andere Lulu verkörpert. Beide bringen ihre eigenen expressiven Emotionen und Sichtweisen in die Darstellung ein und haben - auch wegen ihrer kulturellen Hintergründe, die sie aus ihren Heimatländern Brasilien und der Ukraine einbringen - eine unterschiedliche Körperlichkeit auf der Bühne. Man verliebt sich ja auch in verschiedene Frauentypen. Ich bin sicher, die Zuschauer werden mir Recht geben, wenn sie beide Vorstellungen besucht haben und die zwei verschiedenen Tänzerinnen der Lulu gesehen haben."
Einen Ort, der lange nicht vom Anhaltischen Theater bespielt wurde, bringt Kajdanski mit seinem zweiten Projekt dieser Spielzeit wieder ins Bewusstsein. Auf der Bauhausbühne hat im Januar "Hermes in der Stadt" Premiere. In dem Großstadtmilieu-Stück des Autors Lothar Trolle entwickeln junge, internationale Künstler, die seit Beginn der Spielzeit neu in Dessau leben und arbeiten, mit der Sprache des Tanzes eine überraschende Sicht auf ihre Stadt und setzen sich so mit dem Begriff Heimat auseinander. "Hermes in der Stadt" bietet Ensemblemitgliedern des Dessauer Balletts ein Forum für eigene choreografische Werke.
Kajdanskis dritte Arbeit dieser Saison ist mit "Nachtasyl - Szenen aus der Tiefe" nach Maxim Gorki Ende Mai auf der großen Bühne zu erleben. Gorkis gleichnamiges Schauspiel, das nicht nur in Russland sondern auch in Deutschland bis heute meistgespielte Stück des Autors ist, bildet die literarische Basis für den Tanztheater-Abend. Darüber hinaus wird das Ballett künftig auch in den Operetten- und Musical-Produktionen des Dessauer Theaters zu erleben sein.
01.09.2009, 17:28 | tags:
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, Neue Formate
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01.09.2009, 17:28 | tags:
Spielzeit
, Ballett
, Neue Formate
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Pressemitteilung vom 1. September 2009
Treffpunkt Ballett – Eine neue Veranstaltungsreihe am Anhaltischen Theater Dessau
Atemberaubend, zauberhaft leicht und spielend sind die Bewegungen der Tänzer und Tänzerinnen so bald eine Ballettproduktion Premiere hatte. Mindestens genau so interessant ist es, den Entstehungsprozess einer Inszenierung zu erleben. Diese Lücke wird mit Spielzeitbeginn vom neuen Ballettdirektor und Chefchoreographen Tomasz Kajdanski geschlossen.
Treffpunkt Ballett heißt die neue Veranstaltungsreihe, die die Zuschauer einlädt, einmal monatlich einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und die Proben hautnah im Ballettsaal oder auf der Bühne mitzuerleben. Gleichzeitig haben die Zuschauer die Gelegenheit das neue Ballettensemble kennen zu lernen. Heribert Germeshausen, neuer Leitender Dramaturg für Musiktheater und Operndirektion wird die Abende moderieren.
Tickets für 3,- EURO sind für die erste Veranstaltung
am 9. September, um 19:30 Uhr
ab sofort über die Kasse erhältlich.
Achtung: die Teilnehmerzahl ist auf Grund der Platzkapazität beschränkt.
Theaterkasse / Kartenvorbestellung:
Telefon: 0340 2511 – 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
20.08.2009, 07:35 | tags:
Spielzeit
, Ballett
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Pressemitteilung 19. August 2009
Anhaltisches Theater Dessau gründet Kinderballett
Erstes Treffen für alle interessierten Kinder am 27. August, 16 Uhr
Das Anhaltische Theater Dessau gründet unter der Intendanz von André Bücker erstmals ein Kinderballett und lädt am Donnerstag, dem 27. August um 16 Uhr in das Theaterrestaurant interessierte Kinder ab 6 Jahren und deren Eltern zu einem ersten Treffen ein.
Gabriella Gilardi, seit 1. August Tänzerin am Anhaltischen Theater Dessau wird das Kinderballett leiten. Die gebürtige Italienerin absolvierte ihre Ausbildung zur Tänzerin mit Diplom von 1988 bis 1996 in der Scuola di Ballo del Teatro alla Scala di Milano. Von 2001 bis 2003 war Gilardi Mitglied des Tanztheaters am Volkstheater Rostock unter der Leitung Tomasz Kajdanski, Dessaus neuem Ballettdirektor und Chefchoreograf. Anschließend arbeitete sie als Solistin und Assistentin im Ensemble des Nordharzer Städtebundtheaters Halberstadt/Quedlinburg und leitete bereits dort erfolgreich ein Kinderballett. Ihre über sechs Jahre gesammelten Erfahrungen wird sie in die Arbeit am Anhaltischen Theater Dessau einbringen.
Durch das Training im Kinderballett werden Kinder und Jugendliche in ihrer Beweglichkeit, Kreativität, Musikalität, differenzierten Motorik und ihrem Körperbewußtsein geschult. An erster Stelle möchte Gilardi den Kindern jedoch Freude am Tanzen und an der Bewegung vermitteln.
Nach fortgeschrittenem Training haben die Kinder die Möglichkeit, an Ballettproduktionen des Theaters mitzuwirken.
Mehr Informationen zum Kinderballett erhalten Sie beim ersten Treffen am 27. August.
02.06.2009, 09:16 | tags:
Ballett
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Tomasz Kajdanski:
Vor dem Wechsel nach Dessau umjubelte Abschiedspremiere in Eisenach
Die Premiere am 23.5.09 wurde mit Standing Ovations gefeiert: Mit "Mendelssohn Skizzen", einer „großartig - leichten, tänzerisch anspruchsvollen, gleichwohl an spielerischen Elementen und Witz nicht sparenden“ Arbeit, die als Seelenportrait des Komponisten zu dessen 200. Geburtstag zu verstehen ist, verabschiedete sich Chefchoreograph Tomasz Kajdanski von seinem Eisenacher Publikum.
Tomasz Kajdanski wird - ebenso wie einige Tänzer des Ballettensembles - mit Beginn der Spielzeit an das Anhaltischen Theater Dessau wechseln. Seine Einstandspremiere in Dessau ist „LULU“. (23.10.09).
Kajdanski war seit 2004 am Landestheater Eisenach engagiert. Seine größten Erfolge feierte er hier mit seinen choreographischen Arbeiten "ABRAXAS", einer Adaption des FAUST-Stoffes von Werner Egk, und "TSCHAIKOWSKI" über das Leben des russischen Komponisten, für welche er als einer der drei besten Choreographen Deutschlands im Jahre 2006 für den ersten deutschen Theaterpreis "DER FAUST" nominiert wurde. Weitere Höhepunkte waren seine Choreographien von Orffs "CARMINA BURANA", sowie seine Tanztheater-Inszenierung "ELISABETH.IKONE", die in der vergangenen Spielzeit triumphale Erfolge am Landestheater Eisenach und am Südthüringischen Staatstheater Meiningen feierte und die in der renommierten Zeitschrift "ballettanz" im Rahmen einer
internationalen Kritikerumfrage als eine der zehn weltweit wichtigsten Tanztheater-Produktionen eingestuft wurde.
24.04.2009, 11:00 | tags:
Ballett
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GIBT ES EINEN BESSEREN ORT ALS DESSAU?
Tomasz Kajdanski Dessaus neuer Ballettdirektor und Chefchoreograph, war zuvor in gleicher Funktion in Eisenach tätig, wo er in den vergangenen fünf Jahren immer wieder höchst erfolgreich überregionale Aufmerksamkeit erregte. So wurde er für sein dort kreiertes Handlungsballett „Tschaikowsky“ für den ersten deutschen Theaterpreis „Der Faust“ als einer der drei besten Cho-reografen Deutschlands nominiert.
Tomasz Kajdanski begann seine tänzerische Karriere als Solist am Nationaltheater Warschau. Von dort wechselte er nach Heidelberg zu Johann Kresnik und an das Bayerische Staatsballett, wo er eine der prägenden Tänzerpersönlichkeiten zwischen 1981 und 1989 war. Danach war er Ballettdirektor in Rostock, Coburg, Kiel und Eisenach. In Eisenach sprach er mit Heribert Germeshausen über seine Pläne für Dessau.
In Besprechungen Deiner Choreographien wird immer wieder die sehr spezielle, eigentümlich harmonische Verbindung von modernem Tanztheater und klassischem Ballett hervorgehoben. Hängt das mit den Erfahrungen zusammen, die Du als Tänzer mit so unterschiedlichen Cho-reographen wie Johann Kresnik, Mats Ek, Jiří Kylián und Hans von Manen gemacht hast? Wie würdest Du Tanzinteressierten, denen die erste Begegnung mit Deinen Stücken noch bevorsteht, Deine choreographische Form beschreiben?
Als in Heidelberg und beim Bayerischen Staatsballett plötzlich Choreographen begannen, Stücke für mich zu machen, wurde von mir verlangt, dass ich als Tänzer meine Biographie in die Rollengestaltung einbringe. Ich habe gerade bei John Cranko [weltberühmter Choreograph, 1927 - 1973] gelernt, dass der Tänzer als Träger seiner Biographie neue Dimensionen künstlerischer Wahrheit eröffnet und eine Rolle reifer macht. Was für mich zählt, ist ausschließlich die künstlerische Wahrheit. Ich erarbeite mit Tänzern, die mich faszinieren, zeitgenössische und geschichtliche Stoffe, die mich und hoffentlich auch die Zuschauer interessieren. Dafür suche ich dann sujetabhängig zunächst die passende Musik und auf ihr aufbauend das passende Bewegungsvokabular. Deshalb benutze ich beides, sowohl die klassische Balletttechnik und Form, als auch die zeitgenössische Geste, so dass der Darsteller als Mensch glaubwürdig ist für den Zuschauer und für die Musik. Dabei ist die klassische Technik die Basis, von der ich dann ausgehend verschiedene Stile verfolge.
Ich lege auch viel Wert darauf, dass sich jeder Tänzer individuell entwickelt, dass er eine unver-wechselbare Farbe in meinem Ensemble wird. Ich vergöttere meine Tänzer sehr. Jeder von ihnen hat etwas Wunderbares; und da meine Choreographien nie hermetisch sind, lasse ich stets psychische Freiräume, in die sie selbst ihre eigenen, aus ihrer persönlichen Biographie resultierenden Interpretationen einbauen können. Ich betrachte mich als der Glasmaler der Seele meiner Tänzer, und wenn gegenseitiges Vertrauen besteht, dann kann man alles machen.
Deine erste Choreographie für Dessau wird LULU sein.
Ein Ballett zu machen, das den Titel von Wedekinds Tragödie der verdrängten Sinnlichkeit trägt, ist natürlich eine Herausforderung, denn Ballett und Tanz sind ja per se eine Feier geradezu exzessiver sinnlicher Körperlichkeit durch dynamisch junge Menschen. Warum „Lulu“ als Ballett? Ich empfinde es gerade für dieses Sujet als einen Vorteil, dass wir keine Worte haben. Worte sind manipulierbar, das wissen wir aus der Geschichte. Die Körpersprache kann dagegen nicht lügen. Das Faszinierende am Tanz ist doch gerade, dass Körper sowohl die situationsspezifische Wahrheit als auch die mit ihr verbundenen Emotionen erzählen können. Deshalb bin ich überzeugt, dass Lulu ein richtiges Thema für uns heute ist.
Ich freue mich aber auch sehr darauf, dass meine Tänzer in einem eigenen choreographischen Projekt ein Thema wie „Hermes in der Stadt“ im Bauhaus realisieren können. Ich habe mich natürlich mittlerweile auch mit der Geschichte von Dessau auseinandergesetzt. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gingen von Dessau wichtige Impulse für die Aufklärung in Deutschland aus, ab 1925 für eine kurze Zeit vom Bauhaus.
Gibt es einen besseren Ort, sich mit der Klassik, der Moderne, der klassischen Moderne ausein- anderzusetzen als Dessau?
HERIBERT GERMESHAUSEN [Leitender Dramaturg Musiktheater/Operndirektion]
arbeitete zuvor als Dramaturg am Theater Koblenz, Theater Bonn sowie bei den Salzburger Festspielen unter der Intendanz von Peter Ruzicka.