10.03.2010, 12:57 | tags: Schauspiel, Theaterpädagogik | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 10.03.2010
Anhaltisches Theater kooperiert mit dem Anhaltischen Berufsschulzentrum Dessau „Hugo Junkers“
Einen großen Deckenventilator übergaben heute die Schüler des Anhaltischen Berufsschulzentrums Dessau „Hugo Junkers“ im Beisein ihrer Ausbilder und Lehrer dem Bühnenbildner Toto, der das Bühnenbild und die Kostüme zur Schauspielinszenierung „Des Teufels General“ entworfen hat.
Bühnenbildner Toto und Imme Heiligendorff / Theaterpädagogin dankten den Schülern für ihre geleistete Arbeit und luden diese herzlich in weitere Proben sowie in die Premiere am 26. März, um 19:30 Uhr im Großen Haus des Anhaltischen Theater ein. Obwohl viele der Schüler sicher nicht regelmäßig ins Theater gehen, waren sie stolz auf ihre Mitarbeit und schauten sich mit neugierigen Blicken im Theater um.
Bühnenbildner Toto berichtete über den historischen Hintergrund zum Stück, für ihn sei es spannend, ein Fliegerstück in Dessau direkt vor den Toren der ehemaligen „Hugo Junkers“ Werke auf die Bühne zu bringen.
Die Lehrer des Berufsschulzentrum dankten dem Beruflichen Aus- und Vorbereitungswerk gGmbH Dessau (BAVW), welche das Berufsschulzentrum bei der Anfertigung des Ventilators unterstützte sowie dem Technikmuseum „Hugo Junkers“, das Flugzeugmodelle, eine Beratung und das Archiv den Schülern zur Verfügung stellte.
Neben dem Ventilator arbeiteten die Schüler aber auch am Bodentuch für die Inszenierung mit und betonten, so eine große Fläche zu bemalen, sei für sie besonders schön gewesen. Sie konnten erfahren, welche speziellen Anforderungen es für den Dekorationsbau am Theater gibt, gewannen einen Einblick in die Arbeit des Theatermalers und erlebten, wie sich ihr Produkt in das Bühnenbild des Theaters und schließlich in die Inszenierung einfügt.
09.03.2010, 21:03 | tags: Finanzen | Autor: Franziska Blech
Andreas Kilb, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.03.2010
Soll der Bund die föderale Kultur retten?
Fonds ohne Hüter
- März 2010 Jetzt sparen sie auch in Ludwigshafen. In der Stadt am Rhein werden die Eintrittspreise der Theater und Museen erhöht, in Duisburg verteuern sich auch die Konzertkarten, in Marktredwitz die Gebühren für Musikschule und Bibliotheken. Nürnberg kürzt die Zuschüsse für Vereine, Hannover stellt Kassenautomaten in seine Büchereien, Dessau senkt die Theaterzuschüsse unter das Existenzminimum. Wuppertal schließlich hat die Schließung des Schauspielhauses gegen den Protest der Kulturszene bereits beschlossen.
Mit solchen Hiobsbotschaften macht der Deutsche Kulturrat, eine Dachorganisation der hiesigen Kulturwirtschaft, seit dem vergangenen Herbst Stimmung für einen „Nothilfefonds“, mit dem die Bundesregierung bedrohte städtische Kultureinrichtungen vor der Schließung bewahren soll. Als Verwalterin der Notgroschen stellt sich der Kulturrat die Bundeskulturstiftung vor, aus deren Etat bereits nationale „Leuchttürme“ wie die Documenta, das Berliner Theatertreffen, das Frankfurter Ensemble Modern und die Donaueschinger Musiktage finanziert werden.
Der Bund als Wächter?
Die Aufgabe des Fonds wäre paradox. Einerseits böte er ein Instrument, um den Zerfall jenes großflächigen Mosaiks von Kulturinstitutionen, ohne das es weder die Erfolgsgeschichte der Bundesrepublik noch die des wiedervereinigten Deutschland gegeben hätte, mindestens zu verlangsamen. Andererseits würde er den von vielen befürchteten, von manchen ersehnten Zugriff der Berliner Zentrale auf die kommunale und regionale Kulturlandschaft spürbar verstärken. Der Nothilfefonds würde ausgerechnet den Bund zum Wächter der Föderalkultur machen.
Insofern müsste der Vorschlag des Kulturrats eigentlich nach dem Geschmack von Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) sein, der sich als Sachwalter sowohl des Kulturföderalismus als auch der Bundeskulturpolitik profiliert. Aber Neumann hat das Fonds-Projekt gleich auf Anhieb verworfen, nicht nur, weil es verfassungswidrig sei, sondern auch, weil es die Kommunen geradezu einlade, bei ihren Kulturausgaben zu sparen. Erstens also geht es nicht; zweitens würde es, wenn es ginge, vielleicht nichts nützen. So hält man eine Idee in der Schwebe.
Zuschüsse an Kulturträger sind nicht vorgesehen
Ebenso uneinheitlich sind die Reaktionen der verschiedenen Fraktionen im Kulturausschuss des Bundestages. Grüne und Linke haben ihre Unterstützung für den Nothilfefonds signalisiert, die SPD prüft ihn wohlwollend, obwohl sie lieber einen „Rettungsschirm für die Kommunen insgesamt“ (so ihr Sprecher Wolfgang Thierse) aufspannen würde, die Vertreter der Regierungsparteien halten sich bedeckt. Monika Grütters, die christdemokratischeVorsitzende des Kulturausschusses, hält allerdings „Kulturkredite“ für havarierte Kommunen für verfassungsrechtlich unbedenklich, wie sie jüngst in einem Interview erklärte. Vom Kredit zum Fonds ist es dann nur noch ein weiterer Schritt.
Verfassungsrechtlich scheint die Angelegenheit klar. Artikel 30 des Grundgesetzes legt die staatlichen Kultur- und Bildungsaufgaben in die Hand der Länder. Die beiden Föderalismusreformen der vergangenen fünf Jahre haben die Restkompetenzen des Bundes in beiden Feldern noch weiter beschnitten. Zwar legt Artikel 104b fest, dass die Bundesregierung bei „außergewöhnlichen Notsituationen“, die „die staatliche Finanzlage erheblich beeinträchtigen“, auch per Sondergesetz „Finanzhilfen für besonders bedeutsame Investitionen der Länder und Gemeinden“ gewähren kann. Aber diese Klausel öffnet nur den Spielraum für die Projektmittel aus dem Konjunkturprogramm II, nicht für Zuschüsse an Kulturträger, wie sie der Nothilfefonds vorsähe.
Wie wär's mit Verfassungsbruch?
Dennoch gibt es Stimmen, die dem Bund die brachial zentralistische Variante schmackhaft machen wollen. Bei einer Anhörung im Kulturausschuss schlug der Berliner Staatsrechtler Hans Meyer dem Kulturstaatsminister jetzt den „schlitzohrigen Ausweg“ des offenen Verfassungsbruchs vor. Denn die klammen Länder und Kommunen hätten sicher gegen den zusätzlichen Geldsegen aus Berlin nichts einzuwenden: „Wo kein Kläger, da kein Richter.“ Könnte denn nicht eine der nicht geförderten, wiewohl notleidenden Städte vor das Bundesverfassungsgericht ziehen? Ein grundgesetzwidriges Notprogramm würde die Kulturpolitik des Bundes insgesamt unglaubwürdig machen.
Zudem bleibt mehr als zweifelhaft, ob die Bühnen des überschuldeten Ruhrgebiets oder die gefährdeten Bibliotheken von Hannover oder Marktredwitz selbst bei großzügiger Kriterienauslegung ins „Leuchttürme“-Profil der Bundeskulturstiftung passen würden. Bundeskulturpolitik bezieht sich per definitionem auf nationale wie Kommunalpolitik auf kommunale Einrichtungen. Ein Stadttheater, das sich die Stadt nicht mehr leisten kann, fällt nicht in die Kompetenz des Bundes, sondern der Bundesländer. Die Nothilfe für Wuppertal müsste aus Düsseldorf kommen, nicht aus Berlin. Erst wenn auch die Länder ihre finanziellen Möglichkeiten erschöpft haben, kann der Bund in die Pflicht treten. Das zuständige föderale Gremium, das ihn um Unterstützung bitten könnte, ist die Kultusministerkonferenz (KMK) in Bonn. Falls Bernd Neumann jedoch auf einen Hilferuf vom Rhein warten sollte, bevor seine Behörde ein Notprogramm aus der Schublade holt, kann er womöglich lange warten. Denn die Länder wissen sehr gut, dass sie den einmal an die Hauptstadt verlorenen kulturpolitischen Boden kaum je wieder zurückgewinnen können.
Die Erbschleicher stehen bereit
Trotzdem sind die Bundesländer der Schlüssel zur Lösung des Kulturfinanzierungsproblems. Ohne sie wird es nichts geben, was einem Nothilfefonds auch nur entfernt ähnlich sieht. Mit ihnen zusammen aber könnte der Bund ein Programm zur Neuverteilung der Kulturzuständigkeiten entwickeln, das die Kommunen auf Kosten der Länder und diese wiederum auf Kosten der Zentrale entlastet. Denkbar wäre eine Aufnahme von länderfinanzierten Kulturinstitutionen unter die „Leuchttürme“ der Bundeskulturstiftung. Im Gegenzug müssten sich die Bundesländer verpflichten, kommunale Einrichtungen wie Theater und Museen unter Landeshoheit zu stellen. Die Rechnung für diese Krisenhilfe zahlte am Ende der Bund. Dazu müsste der Etat des Bundeskulturministers deutlich aufgestockt werden. Angesichts der Haushaltslage ist das unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich. Es kommt ganz darauf an, für wie groß man die Gefahr hält, dass das kulturelle Leben in einigen Städten und Regionen ganz zusammenbrechen könnte - und wie viel man dagegen zu tun bereit ist.
Am Ende der Weimarer Republik, als die heillos verschuldeten Städte gleichzeitig den Zusammenbruch des öffentlichen Kreditsystems und das katastrophische Wachstum der Arbeitslosenheere verkraften mussten, stand die kommunale Kultur schon einmal am Abgrund. Damals übernahmen in den Klein- und Mittelstädten die braunen, roten und stahlbehelmten Massenorganisationen der Parteien jene Freizeitgestaltung, die zuvor eine Aufgabe der öffentlichen Hand gewesen war. So weit wird es heute nicht kommen. Aber es gibt beunruhigende Signale aus dem föderalen Hinterland. Im vorpommerschen Anklam etwa, dessen Stadtbibliothek notorisch von Schließung bedroht ist, wollen NPD-nahe Kreise eine nationalistische „Volksbücherei“ aufbauen. Die Erbschleicher der Kommunalkultur stehen bereit. Noch hat die Politik Zeit, ihnen das Erbe zu verweigern.
09.03.2010, 20:38 | tags: Theaterpädagogik | Autor: Franziska Blech
Sylke Kaufhold, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 10.03.2010
Projekt
Wo der Feuerwehralltag die Gäste zu Lachtränen rührt
Kita Rasselbande kooperiert für eigenes Bühnenstück mit dem Theater
Diesen Nachmittag werden die kleinen Theaterkünstler der Kindertagesstätte Rasselbande 2 so schnell nicht vergessen: Mit stehenden Ovationen wurden sie nach dem Stück im Alten Theater vom Publikum bedacht.
Mit einer herzerfrischenden Leichtigkeit und beachtlichen schauspielerischen Leistungen erzählten die Knirpse von der Feuerwehr, bei der der Kaffee kalt wird. Vorlage für das Stück war das bekannte und beliebte Kinderbuch. Die Texte aber dachten sich die Mädchen und Jungen selbst aus. Einfach köstlich, wie sie den Dialogen die erwachsene Note gaben. Und irgendwie hatte jeder der 19 kleinen Darsteller genau die Rolle bekommen, die ihm auf den Leib geschnitten schien. Es passte einfach, dass Felix den gestrengen Papa mimte, Marleen die Oma Eierschecke spielte, Oma Erna von Leonie und Opa Erwin von Philipp dargestellt wurde. Nicht zu vergessen Wachtmeister Meier alias Laurin. Der kleinste im Feuerwehrtrupp war der mit dem größten Hunger. Wie er immer wieder zu neuen Vorräten kam, war es allein schon wert, das Stück anzuschauen.
Es war eine Glanzleistung, zu der Erzieherin Ines Weinelt mit Unterstützung der Theaterpädagogin Imme Heiligendorff, den Mitarbeitern des Puppentheaters und nicht zuletzt des Brandamtmannes Bernd Hänsch der Berufsfeuerwehr ihre Schützlinge brachte. Denn sie waren nicht nur Darsteller, sondern auch Kulissenbauer und Bühnenbildner.
Seit Januar drehte sich der Kindergartenalltag um die Theateraufführung. Da wurden Texte entworfen und gelernt, die passende Musik gesucht und eingespielt, Kulissen und Requisiten gebastelt und gebaut, ein Programmheft erstellt. Geprobt wurde übrigens professionell mit den Künstlern des Puppentheaters und der Theaterpädagogin im Alten Theater. Und auch das große Theater lernten die Nachwuchskünstler bei dieser Gelegenheit kennen. Ob Ballettsaal oder Malsaal, überall erhielten sie Hilfe. Und der "echte" Brandamtmann weihte sie in die Arbeit der Feuerwehr ein - schließlich sollten ihre Einsätze auf der Bühne ja lebensecht wirken.
Einen Patenschaftsvertrag zwischen der Kita Rasselbande 2 und dem Puppentheater gibt es schon seit vielen Jahren. Lebendiger kann eine Patenschaft kaum sein. Zur Freude der Dessauer sollten die Kinder aber unbedingt noch einmal in ihre Rollen schlüpfen.
09.03.2010, 20:21 | tags: Musiktheater, Kurt-Weill-Fest | Autor: Franziska Blech
Helmut Rohm, Volksstimme, 09.03.2010
Kurt-Weill-Musical begeistert am Anhaltischen Theater Dessau
Ein Hauch von Venus und mehr als nur ein Hauch von Broadway
Dessau-Roßlau. Weit mehr als nur einen Hauch von Broadway bringt " One Touch of Venus " ( Ein Hauch von Venus ) auf die Bühne des Anhaltischen Theaters Dessau. Die Inszenierung des lange nicht in Deutschland aufgeführten erfolgreichsten Broadway-Musicals von Kurt Weill ( Buch Sidney Joseph Perelman und Ogden Nash, Uraufführung 1943 ) war wohl der Höhepunkt des 18. Kurt-Weill-Festivals. Wie die Premiere am Freitag war auch die zweite Aufführung am Sonnabend ausverkauft.
Eine mehr unbedachte Handlung des Friseurs Rodney Hatch löst eine turbulente Geschichte aus. Er steckt den Verlobungsring, der eigentlich seiner Gloria gebührt, einer Statue auf den Finger. Donner, Lichteffekte, Zauber : Die Statue erwacht zum Leben. Es ist die über 3000 Jahre alte, aus Anatolien stammende Figur der Venus. Göttliche Verhaltensauffassungen von vor Jahrtausenden treffen auf die facettenreichen der Heutezeit ...
Die Dessauer Aufführung in Kooperation des Anhaltischen Theaters und des Kurt-Weill-Festes, gefördert von der Kurt Weill Foundation for Music New York, wurde von Klaus Seiffert inszeniert.
Kurzweilig und unterhaltend
Gewiss ist " One Touch of Venus " zeitkritisch, geißelt mit satirisch-humorvollen Blicken kleinbürgerliche Lebensweisen ebenso wie überhebliche Großspurigkeit. Das Musical ist aber vor allem ungemein kurzweilig und unterhaltend. Ein tragendes Moment ist Weills Musik in ihrer verblüffenden Vielfalt. Das Publikum war vom ersten Ton des Vorspiels an fasziniert in deren Bann gezogen.
Die Anhaltische Philharmonie unter der Leitung von James Holmes präsentiert die motivreichen und auf Tanzrhythmen der 1920 er Jahre basierenden Melodien mit scheinbar spielerischer Leichtigkeit und vielen effektvollen Nuancen.
Songtexte und Kompositionen wie Swing, Tango, Rumba, Boogie, auch Walzer verschmolzen ausdrucksstark miteinander. Überhaupt ist ein stimmiges Miteinander im Ensemble insgesamt wohl das Geheimnis des Dessauer Erfolges. Die Anhaltische Philharmonie, die Gesangssolisten, der Dessauer Opernchor, teils auch mit solistischen Partien und die Dessauer Ballettcompagnie gestalten dieses Musical in begeisternder Broadway-Manier. Unterstützt werden sie von Gastsolisten sowie Studenten der Universität der Künste Berlin. Die ideenreich genutzte, vielfältige Bühnentechnik ( Bühne und Kostüme Imme Kachel ) ermöglicht wahre Showacts.
Angus Wood ( Hatch ) in seiner liebevollen Unbedarftheit und Ute Gfrerer ( Venus ) mit göttlicher Bestimmtheit, beide mit letztendlich trennenden Liebesauffassungen, sind fantastisch in Spiel und Gesang. Nicht minder souverän, als Figur zwischen geckenhaft und machtverliebt, brilliert Ulf Paulsen als Kunstsammler und Millionär Whitelaw Savory. Ihm zur Seite, mehr mit souveränem Durchblick, agiert Ulrike Mayer als Savorys Sekretärin.
Überhaupt treten viele verschiedene, trefflich gezeichnete Charaktere auf. Die knapp 20 einfühlsamen Songs lassen die Gäste am Gefühlsleben der Akteure Anteil nehmen. Darunter das dem Kurt-Weill-Fest 2010 das Motto gebende " New Art is True Art " sowie das zum Hit gewordene " Speak Low ".
" One Touch of Venus " wird im Spielplan des Anhaltischen Theaters bleiben. Die Rolle der Venus übernimmt Ulrike Mayer. Am Pult der Anhaltischen Philharmonie Dessau wird deren stellvertretender GMD Daniel Carlberg stehen.
Die nächsten Aufführungen sind am dem 13. März um 17 Uhr und am 19. März um 19. 30 Uhr.
09.03.2010, 20:16 | tags: Kurt-Weill-Fest | Autor: Franziska Blech
Antje Rohm, Volksstimme, 08.03.2010
9222 Besucher im 18. Jahrgang
Kurt-Weill-Fest wird ab 2011 zwei Wochen lang
Dessau-Roßlau. Das 18. Kurt-Weill-Fest in Dessau-Roßlau ist gestern Abend mit dem ausverkauften Konzert von Helen Schneider zu Ende gegangen. 9222 Besucher, das entspricht einer Auslastung von 88 Prozent, haben die 44 Veranstaltungen seit dem 26. Februar besucht, ähnlich viele wie im vergangenen Jahr. " Wichtiger ist jedoch, dass das Publikum unser doch sehr ambitioniertes Programm angenommen hat ", sagte gestern Thomas Markworth, Präsident der Kurt-Weill-Gesellschaft.
Mit den Uraufführungen der beiden Auftragskompositionen " Die WUNDE Heine " von Helmut Oehring und " Bordellballade. Ein Dreigoscherlnstück " von Moritz Eggert und Franzobel schlug das Festival den Bogen in die Gegenwart.
Weiterer Höhepunkt war die Premiere von Weills Broadway-Musical " One Touch of Venus " am Anhaltischen Theater Dessau. Für Michael Kaufmann, Intendant des Kurt-Weill-Festes, ist diese " sensationelle Produktion " auch eine " hervorragende Grundlage " für den zukünftigen Kontakt mit der Kurt Weill Foundation for Music, New York.
Im ersten Jahr seiner Intendanz begleitete Michael Kaufmann ein Programm seines Vorgängers Clemens Birnbaum. Kaufmann selbst möchte in den kommenden drei Jahren mit dem Festival eine Exkursion zu den drei Lebens- und Arbeitsstationen des Komponisten Weill, Berlin, Paris und New York, unternehmen.
Das Kurt-Weill-Fest 2011, dann erstmals zwei Wochen lang, steht unter dem Thema " Berlin im Licht ". Eröffnet wird das Festival mit einem Doppelabend mit Weills Oper " Der Protagonist " und Leoncavallos " Bajazzo ". Artist-in-Residence wird das Ensemble Modern.
08.03.2010, 21:28 | tags: Kurt-Weill-Fest | Autor: Franziska Blech
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 09.03.2010
Weill-Fest
Starke Frau singt Lieder ihres Lebens
Helen Schneider wird zum Finale gefeiert
Die größte Überraschung hatte sich das Dessauer Kurt-Weill-Fest in diesem Jahr zum Finale aufgespart - obwohl man die Interpretin des Abschlusskonzertes vor Ort nicht nur als Festival-Gast, sondern auch als Kuratoriums-Mitglied der Kurt-Weill-Gesellschaft seit langem kennt. Was aber würde Helen Schneider bei ihrem dritten Auftritt nach 2003 ("A Walk on the Weill Side") und 2006 ("Die sieben Todsünden") singen? Die Antwort war ebenso überraschend wie beglückend: Mit ihren wunderbar flexiblen Musikern Jo Ambros (Gitarre), Mini Schulz (Bass) und Marcel Gustke (Drums) nahm sie das Publikum im ausverkauften Anhaltischen Theater auf eine Lebensreise mit, die Weill eher atmosphärisch als konkret huldigte - wenngleich mit "My Ship" und dem "Mackie-Messer-Song" sowie mit "Lonely House" doch drei eigenwillige Interpretationen erklangen. Die "Seeräuber-Jenny" schließlich hatte in ihrer anarchischen Attitüde so viel Dampf, dass das Schiff auch ohne seine acht Segel in den Hafen gekommen wäre.
In den Mittelpunkt aber stellte die starke Frau mit dem schwarzen Pagenkopf Lieder, die sie mit Geschichten aus ihrer Kindheit und Jugend verknüpfte - mal innig zurückgenommen wie in "Only You", mal weit offen und verletzlich wie in "If loving you is wrong". Wie grandios sie sich solche fremden Originale anzuverwandeln weiß, zeigte sich nicht nur in dem perkussiv gehackten "Mad about you" von Sting oder in Bob Dylans "Just like a Woman", das sie ganz im Geiste des Meisters dekonstruierte. Auch der kritische Zugriff auf Cole Porters "My Heart belongs to Daddy" - dem man ja durchaus sexuelle Doppelbödigkeit unterstellen kann - und der anrührende Friedens-Appell mit "Bang the Drums" von Emmylou Harris zeigten Helen Schneider als Künstlerin, die eine Botschaft hat - und auch über alle Mittel verfügt, um sie zu verkünden.
Am Ende, nach ihren eigenen Karriere-Kickern "I want to be a Child again" und "Rock'n'Roll Gypsy", wurde es dann noch einmal sehr sentimental, als die große Stimme ein kleines Lied anstimmte: "Dream a little Dream of me". Wird gemacht!
08.03.2010, 21:22 | tags: Kurt-Weill-Fest | Autor: Franziska Blech
Stefan Amzoll, Neues Deutschland/ Feuilleton
Heine heute
Oehring beim Kurt-Weill-Fest Dessau
Welch ein Novum: Die seit 1993 bestehenden Weill-Festspiele erteilen Aufträge. Viel früher hätte das passieren müssen. Zumal bei einem Namensgeber, dem die künstlerische Innovation geradezu eingeboren schien. Kurt Weill setzte sich vornehmlich in den Jahren der Weimarer Republik für Produktionen der neuen Musik ein und begleitete sie auch als Musikkritiker. Er selber erhielt und realisierte diverse Aufträge und gehörte seinerzeit zu den Protagonisten der Bewegung.
Michael Kaufmann, neuer Intendant des Weill-Fests, vergab Aufträge an die Komponisten Helmut Oehring und Moritz Eggert. Für die Eröffnung im Anhaltinischen Theater Dessau konnte außerdem das renommierte Ensemble Modern gewonnen werden. Mit sechs Choristen realisierte es Oehrings »Die Wunde Heine« in Verbindung mit Brecht/Weills »Songspiel Mahagonny«.
Oehring schuf mit der Dramaturgin und Regisseurin Stefanie Wördemann einen Gesamtabend. Szenisches, gedankliche Beziehungen, Spannungsbögen, wechselseitige Beleuchtungen setzten sich um, obwohl beide Werke getrennt liefen. Bildmaterial wurde fast durchgängig eingestreut, gelegentlich Geräusche/Klänge zugespielt. Der Abend hatte es in sich.
Weills »Mahagonny-Songspiel« kam als eine ins Dunkel getauchte kleine Inszenierung. Weit entfernt vom Aufwand der Oper, adressiert sie gezielt Posen und Haltungen. Sechs Sänger, zwei Damen, vier Herren, übersetzen gestisch, mimisch, was die Brecht-Verse erzählen: wie die Stadt Mahagonny entsteht und fällt. Und wodurch sie fällt. Weswegen sie so viel Geld und Dreck aufhäuft und so viel Elend schafft. Die Projektionen von Hagen Klennert geben der Szenerie zusätzliches Gewicht: Zeichnungen, Radierungen aus der Schattenwelt, Abbilder der Langeweile, des Abstiegs, der Hoffnungslosigkeit.
»Andere Zeiten, andere Vögel. Andere Vögel, andere Lieder.« Dieser projizierte Heine-Text trennt die zwei Werke und verbindet sie. Oehring knüpft an Mahagonny in eigener Sprache an. Auch »Die Wunde Heine« entrollt Lieder, Chöre, Ensembles, Losungen, schneidende Orchesterpartien. Periodisch tritt ein Rocker auf den Plan, reflektiert, zitiert, singt, schreit, opponiert zur E-Gitarre. Bezauberndes, Schlichtes ist Heines »Buch der Lieder« nachempfunden. Aber die Poesie entlädt sich, explodiert bisweilen. Das Werk reißt buchstäblich Wunden auf, nicht nur die Heinrich Heines, dessen schlimme Geschichte über Verse des Dichters des »Wintermärchens« erzählt wird.
Geschichte selbst kommt zum Sprechen. Zustände des Verreckens, Tötens, Vegetierens derer, welche die Gesellschaft aus ihrer Heiligkeit ausschließt. In Klänge, Töne gesetzt, Heine schreibend, in seiner Matratzengruft. Verse wie »Denk ich an Deutschland in der Nacht« ragen, besetzt mit neuem Sinn, in unsere Gegenwart hinein. Der Abend gibt ein Sittenbild. Eins, worin die Widersprüche bersten. »Die Wunde Heine« lässt aus sich heraus, was die Menschen heute tangiert oder tangieren müsste.
Oehring komponiert seit längerem Antwortmusiken auf vorhandene Stücke, die sich, wie er sagt, »in den Konzertbetrieb oder in die Herzen eingegraben haben«. Im Falle Heines verhalte er sich zum Thema Exil, deutsche Sprache und zum Thema, was macht Kunst, welche Verpflichtungen haben Künstler, welche Haltung. Vorrangig ist für ihn die »Verschmelzung von Poesie und Politik«. Was Weill etwa mit dem Jazz versucht hat, versuche er mit Rockmusik.
Ein großes Problem war die Vertonung der Heine-Gedichte. In welcher Besetzung und Diktion, wie begleitet. Das Chorsextett, das Oehring reich bedenkt, hat teils theatralische Funktion. Es übt sich in Gebärden, spricht am Boden liegend. In Reih und Glied aufgestellt, fungiert es als kommentierendes Organ. Der sophokleische Tragödienchor steht hier Modell. Wenn nötig befeuert mit aller Härte ein segmentierter, skandierter Sprechgesang die Szenerie. Oehring zitiert Songs aus der Hausbesetzerszene der 80er Jahre und streut sie so in die »Wunde Heine«, dass es schmerzt. Alte Hüte? Rio Reisers »Macht kaputt was euch kaputt macht« ist brennend aktuell. Auch hat der Komponist keine Scheu, einfach nur ein Lied zu komponieren. Eins, das man versteht.
Der Abend stellte klar: »Die Wunde Heine« ist nicht bloß eine Liedersammlung. Sie ist ein Requiem, eine Tragödie, die alle angeht. Blumen und viel Beifall in Dessau, einer ramponierten, langsam verlöschenden Stadt.
08.03.2010, 16:18 | tags: Theaterpädagogik | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 08.03.2010
Berufsschüler des Anhaltischen Berufsschulzentrums „Hugo Junkers“ bauen Teile des Bühnenbilds für die Schauspielinszenierung „Des Teufels General“
Das Anhaltische Theater Dessau hat eine weitere Kooperation mit dem Berufsschulzentrum „Hugo Junkers“ Dessau-Roßlau geschlossen. In einem ersten Projekt bauten Schüler der Berufbildenden Schule II Teile für das Bühnenbild der Schauspielinszenierung „Des Teufels General“, die am 26. März auf der Großen Bühne des Anhaltischen Theaters Premiere hat.
Schüler der Klassen Farb- und Holztechnik, betreut durch ihre Fachlehrer Herr Thiem und Herr Grätz, bauten nach den Entwürfen des Bühnenbildners Toto einen Deckenventilator und gestalteten unter Anleitung der Theatermaler im Malsaal des Anhaltischen Theaters das Bodentuch für die Inszenierung.
Die Schüler konnten erfahren, welche speziellen Anforderungen es für den Dekorationsbau am Theater gibt, gewannen einen Einblick in die Arbeit des Theatermalers und erlebten, wie sich ihr Produkt in das Bühnenbild des Theaters und schließlich in die Inszenierung einfügt. Die Koordination des Projekts lag in den Händen von Herrn Richter (Leiter der Außenstelle Chaponstraße, Anhaltisches Berufsschulzentrum Dessau „Hugo Junkers“ und Imme Heiligendorff, Theaterpädagogin des Anhaltischen Theaters.
Im Vorfeld der Premiere werden die Schüler eine Probe besuchen und sich schließlich mit ihren Fachlehrern auch die Premiere anschauen.
Am Mittwoch, d. 10. März um 10 Uhr präsentieren die Berufsschüler im Malsaal des Anhaltischen Theaters u.a. den angefertigten Deckenventilator im Beisein ihrer Fachlehrer, dem Bühnenbildner Toto, der Theaterpädagogin Imme Heiligendorff und dem Produktionsleiter Matthias Taska.
08.03.2010, 14:48 | tags: Schauspiel, Kurt-Weill-Fest | Autor: Franziska Blech
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 03.03.2010
Ein leichtsinniger wie schwermütiger Abend
Theater bringt „Mein wildes Herz in deiner Ruh“ zum Weill-Fest.
Vom seltsamen Spiel der Liebe könnten sie mehr als nur ein Lied singen, die Claire und der George - wenn nur Joe zu finden wäre, ihr leicht derangierter und schwer desillusionierter Pianist. Als sie den Musiker schließlich hinter seiner Zeitung hervorgelockt haben, beginnen auch die Stimulanzien zu wirken: der Duft der Rose und der Geschmack des Champagners, die für einen Abend unter dem Motto „Mein wildes Herz in deiner Ruh“ so unerlässlich scheinen wie die Songs von Kurt Weill und Paul Dessau, Kurt Schwaen und Hanns Eisler.
Es war ein wunderbares Geschenk des Anhaltischen Theaters zum Kurt-Weill-Fest, das da am Sonntagabend erstmals über die Bauhaus-Bühne ging - ein ebenso leichtsinniger wie schwermütiger Abend, der vom Erreichen wie vom Verfehlen des zweisamen Glücks erzählte und dabei wie selbstverständlich die neue Allianz der Dessauer Kultur-Leuchttürme bekräftigte. In Matthieu Svetchine und Antje Weber hat der Dramaturg Holger Kuhla Protagonisten gefunden, denen die doppelte Travestie bestens zu Gesicht steht.
Da ist einerseits der sentimentale, nah am Wasser gebaute Kerl im Abendkleid, der die „Erinnerung an die Marie A.“ so hemmungslos zu schmachten weiß wie den „Surabaya-Johnny“. Und da steht andererseits eine scharf gescheitelte Dame mit Zylinder und Schnauzbart, die „Baals Lied“ und das „Wie man sich bettet“ als energische Widerrede gegen falsche Illusionen begreift. Daniel Carlberg steht den beiden Schauspielern, die ihre Masken im Laufe des Abends fallen lassen, mit den Liedern von der großen Kapitulation und von der belebenden Wirkung des Geldes treu zur Seite - und trägt sie als Pianist auf Händen durch ihre Songs.
Die Weisheit dieses Abends, der schon dank des bürgerlichen Teppichs auf dem Bauhaus-Boden wie ein kalkuliertes Sakrileg wirkt, liegt in dem rasanten Wechsel zwischen dem Rohen und dem Zarten: Dass dem Dichter Bertolt Brecht pornografische Texte wie „Sauna und Beischlaf“ ebenso selbstverständlich von der Hand gingen wie das wunderbare Gleichnis von den Kranichen, kann man beim Fest zu Ehren seines Komponisten-Kollegen Weill nicht oft genug betonen - schließlich war auch im Werk dieses Künstlers das Fleisch so wichtig wie der Geist.
Dass am Ende dieser klugen Revue über die trügerischen Emotionen ein Mond über der Stadt hing, wie er auch in Bilbao und Alabama nicht schöner zu haben ist, wirkte wie ein himmlischer Gruß an die irrenden Irdischen - „Es war das Schönste auf der Welt!“.
08.03.2010, 11:26 | tags: Musiktheater | Autor: Franziska Blech
Dr. Kevin Clarke, http://magazin.klassik.com/konzerte/reviews.cfm?TASK=review, 06.03.2010
Dessau > Anhaltisches Theater - 05.03.2010
Amerikanischer Weill wird neu präsentiert > Ute Gfrerer als Titelheldin
'Speak Low When You Speak Love'
Soviel gleich vorweg: Kurt Weills Broadwaymusical 'One Touch of Venus', 1943 uraufgeführt mit Superstar Mary Martin als sexy Titelheldin (in einer Produktion von Hollywood-Legende Elia Kazan) war ein Riesenhit. Mehr noch, es war das erfolgreichste Musical Weills überhaupt, das es auf 567 En suite-Vorstellungen in New York brachte, anschließend mit Ava Gardner verfilmt wurde und einige der wunderbarsten Weill-Nummern überhaupt enthält: das verführerische 'Speak Low (When You Speak Love)', den rauschenden Walzer 'Foolish Heart', das freche 'I'm a Stranger Here Myself', die Comedy Nummern 'The Trouble with Women' und 'Way Out West (in Jersey)' und natürlich den bewegenden 'West Wind'. Ganz zu schweigen von zwei grandiosen Ballettsequenzen, die ursprünglich von Agnes de Mille choreographiert wurden, 'Forty Minutes for Lunch' über das betriebsame Chaos in Manhattan zur Mittagspausenzeit, in das Venus unverhofft stürzt, und 'Venus in Ozone Hights', wo der Titelheldin die Freuden des Unteren-Mittelklasse-Lebens nahe gebracht werden sollen – woraufhin sie sich verständlicherweise entschließt, doch lieber eine göttliche Statue zu bleiben.
Das Werk – mit einem Textbuch von S. J. Perelman und Ogden Nash, der auch die witzigen Liedtexte schrieb – spielt geschickt mit der bekannten Story der Statue, die zu neuem Leben erweckt wird (à la 'Schöne Galathée' bzw. 'Pygmalion') und mischt sie mit modernen Elementen à la ‚Sex and the City’. Während 'Venus' im anglo-amerikanischen Raum ein etablierter Klassiker ist, der regelmäßig gespielt wird (zuletzt u.a. bei Opera North in England), ist das Stück in Deutschland fast unbekannt, weil ja – laut herkömmlicher Meinung einiger angeblicher Fachleute – Weill sich nach dem Weggang aus Deutschland 1933 an den amerikanischen Kommerz verkauft habe und Musicals sowieso nichts taugten. Nun, die anglo-amerikanische Theaterwelt und Theater- bzw. Musikwissenschaft denkt da anders drüber (Gott sei Dank). Und erfreulicherweise die Intendanz des Anhaltischen Theaters Dessau auch, die 'One Touch of Venus' nun in Koproduktion mit dem Kurt-Weill-Fest der Stadt auf den Spielplan setzte. Soweit, so wunderbar.
Denn das Haus hat ein ausreichend großes Orchester, das man für Weills geniale Instrumentation braucht, es hat ein Ballett, was man für 'Venus' ebenfalls braucht. Und Dank der Unterstützung des Weill-Fests und der Weill Foundation konnten auch Gäste eingekauft werden für die Produktion, die ‚Erfahrung’ mit Musical und dem Stück haben. Darauf hatte, nebenbei bemerkt, die Weill Foundation in New York auch bestanden bei Vergabe der Aufführungsrechte. Es wurde sogar eine Repräsentantin nach Dessau geschickt, um die ‚Werktreue’ zu überprüfen.
High School Aufführung
Extrem unglücklicherweise sind durch die vielen Einschränkungen und Kontroll-Momente der Foundation in New York scheinbar alle innovativen Kräfte, die das Theater in Dessau sonst so schätzenswert machen, erlahmt. Und statt der famosen Hausregisseurin Andrea Moses, die kürzlich mit einem funkensprühenden 'Lohengrin' so beeindruckte, übergab man die Regie an Klaus Seiffert. Der ist zwar privat ein äußerst sympathischer Zeitgenosse, hat auch viel persönliche Erfahrung mit Musicals als Darsteller, aber seine Herangehensweise an die Kunstform ist – wirklich sehr zurückhaltend formuliert – derart bieder, dass diese kesse Geschlechterkomödie mit den vielen immer noch aktuellen Themen älter wirkt, als die 3000 Jahre alte ‚Anatolische Venus’, um die es geht. Das Bühnenbild wirkt, als wäre es Originalentwürfen von 1943 nachempfunden, ebenso die Kostüme. Nur: Was 1943 bei Mary Martin & Co. gut und schick aussah, das sieht hier einfallslos kopiert bei Ute Gfrerer als Venus und Angus Wood als Friseur Rodney Hatch aus. Von Glamour keine Spur. Kein Vergleich etwa mit Jerry Zaks’ Broadway-Neufassung von 'Guys and Dolls', die ebenfalls in einem 40er Jahre Ambiente spielen, aber das Vorbild auf viel brillantere Weise ins Heute übersetzen. So eine Übersetzung findet in Dessau nicht statt (Kostüme und Bühne: Imme Kachel), so dass die Produktion größtenteils aussieht wie eine High School Aufführung in Ozone Hights (um im Bezugsrahmen des Stücks zu bleiben). Das ist tragisch, weil dadurch viele der tollen Stellen des Stücks einfach im Leeren verpuffen: die Szenen, in denen es um Moderne Kunst geht, die Verbindung der antiken Welt der Götter (lächerlich banal umherhüpfend: das Ballettensemble des Anhaltischen Theaters in der Choreographie von Mario Mariano) mit den Gegenwart usw. usf. Nur einmal findet die Inszenierung zu wirklich packenden Bildern und Gesten, nämlich für die 'Ozone Hights'-Nummer, die ganz stilisiert getanzt wird – von den Studenten des Studiengangs Musical der Universität der Künste. Wenn die nicht gerade dazu verdonnert sind, dumm in der Gegend herum zu stehen (wie in der Eröffnungsszene), dann sind sie die eigentlichen Stars dieser Produktion, denn sie tanzen und singen so, wie ich das bei einem klassischen Broadwaymusical erwarte: mit Klasse und Leidenschaft und Witz und Sexappeal.
Schach matt
Wieso das Haus diese Studenten – von denen einige kürzlich den Bundeswettbewerb Gesang gewonnen haben – nicht für die Hauptrollen genommen hat, wo sie doch sowieso schon engagiert sind, ist mir ein Rätsel (Johanna Spantzel, Jörn Felix Alt, Maximilian Mann z.B. wären ein fabelhaftes Trio für 'Venus' gewesen). Immerhin: Haus-Heldenbariton Ulf Paulsen als Kunstsammler Whitelaw Savory schlägt sich wacker und mit Spaß an der Rolle, ist aber als Charakter nicht wirklich glaubhaft. Das gilt auch für den lyrischen Tenor Angus Wood aus Australien. Zwar produziert der etliche schöne Töne (besonders in 'Speak Low'), aber das Musicalidiom liegt ihm grundsätzlich nicht in der Stimme, stilistisch gesprochen. Ute Gfrerer als Venus trifft den Weill-Tonfall zwar in den musikalischen Nummern hervorragend (teils so, als sei sie eine 1:1 Kopie von Mary Martin), aber sie sieht in ihrer Kostümierung viel zu alt(backen) aus für einen antiken Vamp, dem die Männer reihenweise und seit Jahrtausenden zu Füßen liegen. Und sie ist viel zu steif. Das Verblüffende: Als ich Gfrerer nach der Vorstellung privat erlebte, erschrak ich, weil sie in Echt so viel besser aussieht und wie eine so viel quirligere Persönlichkeit hat als auf der Bühne in dieser Inszenierung. Wie konnte die Regie diese übersprudelnde Künstlerin nur derart Schach-matt setzen?
Immerhin war Gfrerer genauso wie der Dirigent der ausdrückliche Wunsch der Weill Foundation, die sonst die Aufführungsrechte nicht nach Dessau vergeben hätten. James Holmes ist der Mann, der 'Venus' bereits bei der (erfolgreichen) Opera North Produktion geleitet hat; insofern ist es verständlich, dass die Foundation ‚auf Nummer Sicher’ gehen und das Stück in erfahrene Hände legen wollte, wo Musicals in Deutschland gern unter Leitung von Dritten Kapellmeistern die schlimmsten aller Martertode erleiden. Aber: Holmes ist ganz sicher kein begnadeter Weill-Interpret. Man hört aus dem Orchestergaben fast nur Partykeller-artiges Schlagzeug, was auch schon bei den Opera North-Aufführungen der Fall war, also nichts mit dem Können des Orchesters in Dessau zu tun hat. Die brillanten Instrumentationsdetails, die wunderbar eingesetzten opulenten Streicher (hier auf ausdrücklichen Wunsch Holmes’ reduziert auf ein Minimum!), all das klingt in Dessau einfach billig. Jedenfalls weit entfernt vom polierten Weill Sound, den man beispielsweise auf der CD mit dem Original Broadway Cast hören kann, wo übrigens das Schlagwerk niemals (!) in den Vordergrund tritt.
Mehr Vertrauen
Dennoch großer Applaus vom Publikum, vermutlich auch, weil viele in Deutschland sich Musical als Kunstform genauso altbacken vorstellen, wie hier dargeboten, als Pendant zu André Rieu sozusagen. Dagegen ist nichts einzuwenden, und meine Begleitung an dem Abend in Dessau fand die Aufführung auch ‚sehr ansprechend’ (‚nur manchmal ein bisschen zäh’). Für mich war es eine vergeudete Chance, den ‚Amerikanischen Weill’ in Deutschland mit einem Splash neu zur Diskussion zu stellen und damit vielleicht auch fürs hiesige Repertoire neu zu gewinnen. Stattdessen wurden in Dessau nur alle Vorbehalte, die viele ohnehin schon gegen Broadwaymusicals haben, aufs schlimmste (und unnötigste) bestätigt. Leider.
Vielleicht lohnt es, die Produktion nach Ablauf des Weill-Fests nochmals zu sehen, wenn Ulrike Mayer die Venus übernimmt, statt wie bei der Premiere eine schauspielerisch und stimmlich sehr präsente Privatsekretärin Molly Grant zu sein? Ab der dritten Vorstellung dirigiert auch Kapellmeister Daniel Carlberg, der schon 'Candide' schmissig präsentierte und somit Hoffnungen weckt, dass sein Weill besser klingen könnte, als der des Gastes aus England. Unbedingt erwähnt werden muss noch, dass es eine Darstellerin gab, die allen anderen die Show stahl und schlichtweg umwerfend war: Kristina Baran als Verlobte-des-Friseurs, Gloria Kramer. Wie sie diese blonde Zicke spielte, war es zum Schreien komisch, sie sang toll und war für mich die Entdeckung des Abends. Neben den Musicalstudenten D.h., in Dessau wäre durchaus das Potenzial vorhanden, um eine famose ‚Venus’ auf die Bühne zu stellen. Man hätte sich nur trauen müssen. Und die Kurt Weill Foundation hätte etwas mehr Vertrauen in die kreativen Eigenkräfte des Hauses haben sollen. Andrea Moses, bitte übernehmen Sie das nächste Mal!
07.03.2010, 21:12 | tags: Theaterpädagogik | Autor: Franziska Blech
Heidi Thiemann, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 08.03.2010
Von Prinz Owi bis zur Schnitzeljagd im Theater
15. Tag der Schulmusik findet in Dessau statt - «Das alles zu organisieren, hat großen Spaß gemacht»
Die Musik kommt von der CD, aus dem MP-3-Player, säuselt via Radio, DVD oder Fernsehen. Aber wie es ist, wenn Musik auf der Bühne gemacht wird - der Theaterbühne? Oper, Operette, Musical? "Die Schüler wissen gar nicht, was Leistung bedeutet", sagt Kerstin Lebeda. Und für die Lehrerin, die am Liboriusgymnasium Musik unterrichtet, steht fest: "Das müssen die Schüler erst wieder lernen." Und einen Partner, den gibt es vor Ort mit dem Anhaltischen Theater. Lehrerin Lebeda weiß das zu schätzen.
Lust auf Theater hat aber nicht nur der Sonnabend bei ihr gemacht, als sich 25 Lehrer und auch Studenten aus (fast) allen Teilen Sachsen-Anhalts in Dessau zum 15. Tag der Schulmusik trafen. Der starke Schneefall über Nacht habe leider verhindert, dass auch Kollegen aus dem Burgenlandkreis oder Halberstadt anreisen konnten, bedauert Hans-Peter Wolf. Der Musiklehrer, der am Ludwigsgymnasium Köthen unterrichtet, ist Landesvorsitzender des Verbandes deutscher Schulmusiker. Der Landesverband bietet "den Kollegen regelmäßig Fortbildungen an". Aller zwei Jahre finden die in der Landesmusikakademie in Michaelstein (Blankenburg) statt, in den Jahren dazwischen an verschiedenen Orten im Land.
Beim diesjährigen Thema "Musiktheater und Schule", sagt Wolf, habe es nahe gelegen, das Anhaltische Theater als Partner zu gewinnen. Er selbst kenne das Haus auch, komme gelegentlich mit Schülern aus Köthen hierher oder mit seiner Frau. Dass der Veranstaltungsort aufgrund der aktuellen politischen Diskussion an Brisanz gewonnen hat - die Stadt Dessau-Roßlau erwägt eine Kürzung ihres Zuschusses um 3,5 Millionen Euro ab 2013 - war im Vorfeld nicht abzusehen. "Nun hoffen wir, dass wir dem Theater den Rücken stärken können. Ich denke schon, dass die Kollegen aus den anderen Kreisen angeregt werden, mit ihren Schülern Vorstellungen in Dessau zu besuchen", sagt Wolf, der die Organisation des Tages durch das Liboriusgymnasium und das Theater ausdrücklich lobt.
Im Liboriusgymnasium hat der Fortbildungstag begonnen. Eingestimmt werden die Musiklehrer und Studenten am Vormittag mit "Prinz Owi lernt König", einer Gemeinschaftsproduktion der Chöre des Gymnasiums mit der Regenbogenschule Dessau. Anschließend heißt es "Mr. Händel lässt bitten". Dabei wird ein Musiktheaterprojekt für die Grundschule vorgestellt. Die "West Side Story im Unterricht" ist Thema eines weiteren Seminars.
Normalerweise hätten die Seminare nebeneinander stattgefunden, sagt Wolf, da aber fast die Hälfte der Teilnehmer schneefallbedingt am Morgen abgesagt hat, finden sie nacheinander statt. "Das hat schulformübergreifend sehr gut funktioniert", stellt er am Nachmittag fest, denn mit dem Tag der Schulmusik werden sowohl Lehrer von Grund- und Sekundarschulen als auch Gymnasien und Sonderschulen angesprochen.
Auch nach dem Mittag geht das gemeinsame Konzept auf. Begeistert sind die Teilnehmer vor allem, als sie aufgefordert von Kontrabassist Ingo Burghausen einmal selbst auf dem Instrument spielen können. Burghausen und Theaterpädagogin Imme Heiligendorff haben Angebote zum Musik-Theater für Vor- und Grundschüler zum Schauen und Mitmachen unterbreitet. "Vom Schaf zur Schnitzeljagd" stellen sie Angebote des Anhaltischen Theaters vor. Einen Einblick, wie viel Arbeit eine Theaterproduktion bereitet, was überhaupt alles hinter den Kulissen dazugehört, bis sich für ein Stück der Premierenvorhang heben kann, erfahren die Lehrer von Heribert Germeshausen, Operndirektor und Leitender Dramaturg am Musiktheater.
Germeshausen stellt sich anschließend mit Theaterintendant André Bücker den Fragen von Georg Maas, Professor für Musikdidaktik an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Denn es geht - wie am ganzen Tag schon - um die Frage, wie können Schüler fürs Musiktheater begeistert werden.
"Das alles zu organisieren, hat großen Spaß gemacht", sagt Theaterpädagogin Heiligendorff, die die Lehrer zum Abschluss zu einer Führung hinter die Kulissen einlädt. Und sich wünscht: "Kommen Sie wieder mit ihren Klassen."
07.03.2010, 21:03 | tags: Kurt-Weill-Fest | Autor: Franziska Blech
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 06.03.2010
Angebot und Nachfrage in Sachen Fleischeslust
«Die Bordellballade» wird beim Kurt-Weill-Fest uraufgeführt
Was tun, wenn sich nichts mehr tut? Wenn die Kunden im "Menschenhaus" ausbleiben, weil ihnen das Geld für den Sex fehlt - und wenn gleichzeitig der Schutzgeld-Erpresser seinen Obolus fordert? Die "Bordellballade", mit der sich der Komponist Moritz Eggert und sein Librettist Franzobel jetzt an der auftragsgemäßen Songspiel-Erneuerung des Dessauer Kurt-Weill-Festes beteiligten, spielt in einer postkapitalistischen Situation "jenseits aller Grenzen" und übersetzt den Traum von der Abschaffung des Geldes in eine pornografisch getönte Satire.
Es ist ein echter Kraftakt, den das Festival da geleistet hat - gefördert von der Kunststiftung Sachsen-Anhalt und der Kulturstiftung des Bundes, koproduziert mit dem Theater Koblenz und der Neuköllner Oper Berlin. Warum sich das Uraufführungs-Team bei der Premiere im Bauhaus neben viel Applaus aber auch kräftige Buh-Rufe abholen musste, lag auf der Hand: Die drastischen sexuellen Vokabeln, die Bertolt Brecht seinerzeit wohl dosiert einsetzte, werden von Franzobel in einer Art Überbietungs-Dramaturgie bis zur Abstumpfung benutzt. Dass dabei auch die lebensklugen und dezenteren unter den 21 Songs Kollateralschaden erleiden, ist bedauerlich - wird aber in Robert Lehmeiers Regie mit Szenen der Gewalt und Demütigung noch verstärkt.
Märsche fahren in die Parade
Nun könnte man einwenden, dass man in einem Bordell-Ambiente nichts anderes erwarten darf - wenn denn der Abend irgendeinen realen Bezug zu diesem Milieu herstellen würde. Aber da Dirk Steffen Göpferts Bühnenbild eher an einen Aufenthaltsraum mit Hochregal und verhängter Fensterfront erinnert, in dem nur ein Mikrofon von der letzten Karaoke-Show einen armseligen Rest Unterhaltung verspricht, bleibt auch das Metier der drei Damen Rosl, Ferkel und Zuckergoscherl bloße Behauptung. Hier war noch nie was zu holen, weshalb selbst der jovial-brutale Erpresser Kirschgarten und sein Handlanger Bussibär offenbar ihren Beruf verfehlt haben. Einzig die Liebe des Fleischers Alfred, die einerseits unbeantwortet und andererseits ungefragt daherkommt, stiftet ein glaubhaftes Motiv.
Und auf musikalischer Ebene gelingt auch die Verführung: Unter der Leitung des Pianisten Arno Waschk präsentiert die kleine Kapelle Eggerts feine, auch der heiklen Akustik bestens angemessene Partitur. Da gibt es kammermusikalische Finessen, da fahren Märsche in die Parade - und immer wieder fühlt man sich tatsächlich an das große Vorbild erinnert, das viel kleiner daherkam. Gesungen wird zudem auf erfreulichem Niveau, wobei Claudia Felke mit ihrem kunstvoll patinierten Opern-Timbre und Adrian Becker mit seiner austrainierten Musical-Stimme die Bandbreite markieren, in die sich Marcel Hoffmann, Dorothee Lochner, Isabel Mascarenhas und Matthias Schaletzky einreihen.
Nimm die Pfeife aus dem Maul
Und wenn man genau hinhört, dann entdeckt man auch zwischen Franzobels Kraftmeiereien immer wieder Verweise auf Brechts unerreichten Ton: Da wird aus dem "Nimm doch die Pfeife aus dem Maul, du Hund" des Surabaya-Johnny das "Na, steck' die Zigarette wieder ein" der Rosl. Da singen die Verbrecher ein Duett vom "Goldenen Handwerk", durch dessen Zeilen ihr berühmter Vorgänger Mackie Messer flaniert. Und auch die Erkenntnis von den sich drehenden Zeiten hätte dem Dialektiker wohl gut gefallen - ebenso wie die finale Verbeugung vor seinem "Denn wovon lebt der Mensch?". Eine Antwort auf diese Frage blieb "Die Bordellballade" schuldig.
07.03.2010, 20:54 | tags: Musiktheater, Kurt-Weill-Fest | Autor: Franziska Blech
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 08.03.2010
Liebesgrüße aus dem Olymp
Anhaltisches Theater in Dessau-Roßlau bietet mit «One Touch of Venus» eine glanzvolle Musical-Inszenierung
Es ist ein Museum, in dem man lauter gute Bekannte trifft - und darunter sogar ein paar alte Dessauer: Neben Picasso und Miró nämlich dienen auch die Bauhäusler Klee und Kandinsky dem Kunstsammler Whitelaw Savory zum Beweis seiner These "New Art is True Art", die er der Jugend mit agitatorischer Ungeduld eintrichtern will. Dass er in das Zentrum seiner Sammlung dann aber doch eine 3 000 Jahre alte Statue stellt, dient weniger der Wahrheitsfindung als der Nostalgie: Sie erinnert ihn an eine verlorene Liebe, der ein Hauch von Venus anhaftete.
Überfällige Punktlandung
Es war eine längst überfällige Punktlandung, die das Anhaltische Theater dem Kurt-Weill-Fest in diesem Jahr bescherte: Mit dem 1943 uraufgeführten Broadway-Musical "One Touch of Venus" kam Weills erfolgreichstes amerikanisches Stück endlich in seiner Geburtsstadt an - und wurde mit jener konservatorischen Sorgfalt behandelt, die sich die New Yorker Weill-Foundation für das Erbe des Meisters wünscht. Dass ausgerechnet dieses Stück über weite Strecken in einer Galerie der klassischen Moderne spielt und auch den respektlosen Umgang mit unersetzlichem Kunstgut zeigt - wer wollte das nicht als versteckten Kommentar auf Diskussionen verstehen, die vor Ort lange geführt wurden? Nun aber stecken Regisseur Klaus Seiffert und Dirigent James Holmes der Weill-Statue den Ring auf den Finger - und sie erwacht zum Leben!
Genau so weckt der Friseur Rodney Hatch die Göttin der Liebe aus ihrem Marmor-Schlaf - und holt sich damit einen Plagegeist von olympischer Hartnäckigkeit auf den Hals. Nicht nur seine Verlobte Gloria, für die das Schmuckstück eigentlich bestimmt war, wird durch die Begegnung mit dieser Extremistin des Begehrens zeitweise außer Gefecht gesetzt. Auch dem Sammler Savory und Hatch selbst drohen von einer anatolischen Untergrundorganisation tödliche Konsequenzen .
Natürlich ist diese "Pygmalion"-Adaption in ihren Dialogen gelegentlich von rührender Harmlosigkeit, der Gipfel des Frivolen bleibt der Vergleich zwischen einer schluchzenden Geige und einer quietschenden Bettfeder. Und so tut Ausstatterin Imme Kachel gut daran, den Zeitgeist zu beschwören: Im New-Style-Dekor des Greyhound-Busbahnhofs und des Bloomingdale's-Kaufhauses begegnen sich Eisverkäufer und Ladenmädchen, Geschäftsmänner und Gattinnen - und gelegentlich mischen sich einige schräge Village People unter das Volk.
Schwungvolle Straßenszenen
Choreograf Mario Mariano führt das um Berliner Musical-Studenten verstärkte Ballett des Dessauer Theaters zu schwungvollen Straßenszenen und in das genormte Glück von "Ozone Heights" - und steuert Intermezzi bei, in der sich all die antiken Alphatierchen begegnen und begehren: Amor und Artemis, Ares und Athene. Aus ihrer Mitte stammt die schaumgeborene Aphrodite, die für ihr irdisches Intermezzo das römische Pseudonym Venus gewählt hat. Ute Gferer gibt der Figur die statuarische Würde der Göttin und die biegsame Hingabe der Liebenden, das weise "Speak Low" ist bei ihr so gut aufgehoben wie das schmachtende "Foolish Heart" oder das übermütige "That's Him".
Angus Wood präsentiert seinen Hatch mit treuherziger Naivität und einem eher glänzenden als stechenden Tenor, der auch im Kontrast zu Ulf Paulsens - bei "West Wind" schier unerschöpflicher - Stimmkraft als Savory überzeugt. Ein Star aber ist Ulrike Mayers Molly Grant - ein glamouröses Material Girl in "Very, very, very" und eine intelligente Spielmacherin mit ironischer Distanz. Dass man auch kleinere Rollen wie den Privatdetektiv Taxi Black (David Ameln) und seinen Assistenten Stanley (Jan-Pieter Fuhr), vor allem aber die quietschblonde Gloria (Kristina Baran) mit hauseigenen Kräften adäquat besetzen konnte, dürfte die Gäste aus New York von der Dessauer Eignung für das Broadway-Fach überzeugt haben - ebenso wie die individuell geführte Leistung des Chores (Leitung: Helmut Sonne) und die scharfe Geschmeidigkeit der sparsam besetzten Anhaltischen Philharmonie.
Dass die Verjüngung durch die Universität der Künste selbst einer "Venus" ein paar Falten glätten kann, steht außer Frage. Und wenn es jetzt im Programm oder über der Bühne noch eine Handreichung zu den englischen Songs gäbe - dann wäre das Glück wohl auch für den Nicht-Weillianer perfekt.
Nächste Vorstellungen: 13. März, 17 Uhr; 19. März, 19.30 Uhr
07.03.2010, 17:44 | tags: Kurt-Weill-Fest | Autor: Franziska Blech
DPA, Mitteldeutsche Zeitung, 08.03.2010
Kurt-Weill-Fest soll behutsam verändert werden
In einem ersten Schritt wird das Festival im kommenden Jahr um eine Woche verlängert
Der neue Intendant des Kurt-Weill-Fests in Dessau-Roßlau, Michael Kaufmann, will das Festival nur behutsam verändern. «Es wäre, glaube ich, geradezu töricht, eine über viele Jahre gewachsene Publikumsstruktur zu riskieren, indem man einfach sagt, ich mache ab morgen alles anders», sagte Kaufmann am Sonntag in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. In einem ersten Schritt werde das Festival im kommenden Jahr um eine Woche verlängert, so dass es mit drei Wochenenden attraktiver für auswärtige Gäste werde. Das zu rund 90 Prozent ausgelastete 18. Weill-Fest sollte am Sonntag nach zehn Tagen enden. Der Komponist Weill (1900-1950) war in Dessau geboren worden.
Der bisherige Musik-Manager Kaufmann will dem Festival auch zu mehr Internationalität verhelfen. Bei der Umsetzung auf der Bühne wolle er dem Fest eine noch klarere Kontur geben und das mit spezielleren Programmen verdichten. «Es ist ja schon so, dass wir uns - wenn auch in einer ganz fantastischen und programmatisch wunderbaren - aber doch Nische befinden.»
«In den kommenden drei Jahren werden wir die Lebens-Arbeits- Stationen von Kurt Weill nachzeichnen, auch um Zeitporträts zu machen», kündigte Kaufmann an. 2011 sei das Festival gedanklich in der Weill-Zeit in Berlin, 2012 in Paris und 2013 dann in New York. Es werde dabei nicht nur auf den Komponisten Weill abgezielt, sondern auf das selbstverständliche Nebeneinander von U- und E-Musik. Es werde auch um die Lebensumstände in der Weimarer Republik gehen. Im kommenden Jahr werde sich erstmals auch die Anhaltische Philharmonie beim Weill-Fest präsentieren.
Kaufmann will auch weiter Auftragsproduktionen auslösen, allerdings nicht wie beim diesjährigen Festival gleich zwei: «Wenn man erwarten würde, dass jährlich in dem Umfang neue Werke beauftragt würden, das würden wir einfach nicht schaffen.» Die beiden Uraufführungen waren «Die Wunde Heine» des Komponisten Helmut Oehring (48) und die «Bordellballade - Ein Dreigroscherlnstück» von Moritz Eggert (44). Das Motto des Festivals, das sich seiner Musik widmet, lautete in diesem Jahr «New art is true art» (Neue Kunst ist wahre Kunst). Es ist der Titel eines Liedes aus Weills erfolgreichstem Broadway-Musical «One Touch of Venus» (Eine Berührung von Venus).
07.03.2010, 17:25 | tags: Musiktheater | Autor: Franziska Blech
Axel Göritz, http://www.opernnetz.de/seiten/rezensionen/dess_venus.htm, 06.03.2010
Alles hat (wieder) seine Ordnung
Am Broadway feierte der Dessauer Emigrant einen Erfolg nach dem anderen. Doch hierzulande ist und bleibt Kurt Weill mit seiner Dreigroschenoper und allenfalls Mahagonny verbunden. Seine Musicals, die er nach der Flucht vor den Nazis in London und vor allem in New York schuf, fristen in seinem Heimatland ein kümmerliches Schattendasein. So kam One Touch of Venus nach der Uraufführung 1943 auf über 500 Vorstellungen, die deutsche Erstaufführung gab es erst 1994 in Meiningen. Anlässlich des Kurt Weill Musikfestes feierte seine Heimatstadt den Komponisten nun mit einer Neu-Inszenierung von One Touch of Venus im Opernhaus. Mit großem Erfolg, wenn auch zwiespältigem Ergebnis.
Das Grundgerüst der Handlung ist schnell erzählt: Der Millionär und Kunstsammler Savory begeistert sich gerade an einer frisch erworbenen antiken Venus-Statue. Als sein Friseur Rodney in einem unbeachteten Augenblick der steinernen Schönheit den für seine Verlobte Gloria gedachten Ring an den Finger steckt, erwacht diese zum Leben und verliebt sich sofort in den Barbier. Es folgt ein buntes Intrigen-, Kriminal- und Liebesspiel, in dessen Verlauf auf der Suche nach der verschwundenen Statue Detektive angeheuert werden, der Friseur erst an seiner Verlobten festhält, sie schließlich fallen lässt, mit Venus, die ihn immer mehr anhimmelt, im Gefängnis landet, wieder freikommt, sich schließlich doch in Venus verliebt - bis dieser dann dämmert, dass eine spießbürgerliche eheliche Zweisamkeit mit dem durch und durch geradlinig treu tumben Friseur doch nicht das ist, was sie sich unter menschlichem Liebes-Leben vorstellt. Also wird sie wieder Göttin, verwandelt sich zurück in die steinerne Venus auf dem Podest beim Kunstsammler, alles hat wieder seine Ordnung und dem Friseur läuft just eine Kunststudentin über den Weg, die aufs Haar seiner verschwundenen Venus gleicht.... Happy End.
Dazu hat Weill einen typischen Broadway-Musical-Sound der vierziger Jahre des vorigen Jahrhunderts in Big Band-Besetzung mit opulentem Streicherklang, über zwei Dutzend Songs und mehreren Ballett-Stücken komponiert. Das ist spritzig, fetzig, auch mal elegisch verhalten, die Musik jedenfalls überzeugt immer noch und mehr als die manch einer eher seichten und eindimensionalen vermeintlich modernen Musical-Komposition. Es ist Gebrauchsmusik, aber auf hohem Niveau, von einem großen Musikdramatiker geschaffen. Musikalisch war also alles bestens bestellt, auch dank der energischen und gleichwohl straffen und punktgenauen Leitung der Anhaltischen Philharmonie durch den Kurt Weill-Spezialisten James Holmes.
Zum Problem wurde nicht die scheinbar an die Zeit gebundene Musik, sondern die neue Inszenierung. Musical will auch Glitzer, Glamour, Show - die Regie von Klaus Seiffert lässt aber genau das vermissen, sie ist allzu bieder, brav und zahm. Es wird eigentlich nichts falsch gemacht, die Geschichte wird nachvollziehbar auf der Bühne erzählt, aber das ist zu wenig. Und wenn dann mal auf den Putz gehauen wird, kommen ein paar Knall-, Keif- und Schrei-Chargen rüber, wie die Verlobte Gloria (Kristina Baran) und ihre Mutter (Ulrike Hoffmann) oder der Privatdetektiv Taxi (David Ameln). Für die großen Songs wiederum ist der Regie nicht mehr eingefallen als Auftritt im Punkt-Scheinwerfer an der Rampe vor abgedunkeltem Hintergrund. Regie-Theater mag es ja manches mal etwas übertreiben mit der Interpretation, aber nur Eins-zu-Eins das Stück bebildern und abliefern ist denn doch zu wenig. Das wirkt hausbacken und platt. Schon der Wortwitz, obwohl in neuer Übersetzung, will nicht so richtig zünden (gesungen wird auf englisch), die Drehbühne mit ihrer Bauhaus-Fassade ist praktikabel, aber die Kostüme in ihrer Alltagskleidung (Imme Kachel) machen jegliches Hineinträumen in die große Show zunichte. Nur in wenigen Szenen kommt der Show-Charakter zur Geltung. So im großen Song von Molly, der Sekretärin des Kunstsammlers, wenn diese vor dem Glitzer-Vorhang von den Lover-Boys des Balletts umschwärmt wird und in der wunderschön treffenden und entlarvenden Ballett-Choreograhie (Mario Mariano) über die Hausfrauen-Zukunft der Venus mit Putztuch und Besen.
Die tragenden Rollen waren gut besetzt, gesungen und gesprochen wurde musical-üblich mit Microports. Ute Gfrerer, die sich bereits als Weill-Interpretin einen Namen gemacht hat, gab eine stimmlich und darstellerisch überzeugende Venus, ebenso wie Angus Wood als Friseur Rodney gefiel. Ulf Paulsen, ansonsten als Wagner-Bariton im Einsatz, verkörperte den Kunstsammler Savory und als dessen handfeste Sekretärin Molly glänzte Ulrike Mayer.
Das Publikum zeigte sich schon nach den einzelnen Songs und Ballett-Einlagen angetan und feierte zum Schluss alle Beteiligten, einschließlich des Regie-Teams, mit großem Beifall, Trampeln und anerkennenden Pfiffen.
05.03.2010, 10:55 | tags: Finanzen | Autor: Franziska Blech
Eckhard Fuhr, Die Welt, 05.03.2010
Welterbe in der Kulturwüste
Dessau ist finanziell am Ende. Es droht ein kultureller Kahlschlag. Darüber gibt es jetzt Streit
Dessau, Stadt des Bauhauses, ein kultureller Leuchtturm, Weltkulturerbe. Dessau, die Stadt der Junkers-Flugzeugwerke, des Erfindergeistes, der technischen Avantgarde in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts - das Bauhaus zog nicht zufällig 1925 von Weimar dorthin.
Dessau liegt in den Auen der Mulde, die in das Dessau-Wörlitzer Gartenreich im Elbetal übergehen, englische Gartenarchitektur in Mitteldeutschland, wo die Stätten des Kulturerbes so dicht beieinander liegen wie in der Toskana. Auch das Gartenreich ist Weltkulturerbe. Die Artenvielfalt in der Flusslandschaft nimmt zu. Bei den Bibern boomt das Baugewerbe.
Sonst weniger. Dessau ist eine schrumpfende Stadt. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass Dessau seit der Fusion mit der Nachbarstadt am 1. Juli 2007 Dessau-Roßlau heißt. 88 000 Einwohner hat die Stadt heute noch. 1990 waren es 120 000. Der Trend zeigt nach unten wie in ganz Sachsen-Anhalt, das im Laufe einer Generation zwei Fünftel seiner 2,6 Millionen Einwohner verlieren wird. Dessau ist pleite.
Oberbürgermeister Klemens Koschig ist parteilos. Er kommt aus dem Neuen Forum, ein Mann der Bürgerbewegung, dem das Mobilisieren zivilen Widerstandes nicht fremd ist. Andererseits hat er sich inzwischen zu einem alten Verwaltungshasen gemausert, der weiß, dass Öffentlichkeit nicht immer hilfreich ist. Und nun agiert er angesichts der Frage, wie in Dessau der finanzielle Kollaps abzuwenden sei, mal als Volkstribun und mal als Kabinettspolitiker.
Im Februar ließ er die Katze aus dem Sack und gab per Pressemitteilung die Existenz einer 83 Punkte umfassenden Prüfliste für die Verwaltung bekannt, mit der untersucht werden soll, wie aus dem Haushalt in den Jahren bis 2018 jährlich weitere 13,5 Millionen Euro heraus gespart werden könnten. Natürlich veröffentlichte er nicht die gesamte Liste, denn dann, so weiß er, würde sie ja sofort zerpflückt. Aber an einigen Punkten zeigte er eben doch schon die Folterinstrumente, den unausweichlichen Bürgerprotest wohlwollend in Kauf nehmend: Schließung des Naturkundemuseums, drastische Reduzierung bei den Angeboten der Anhaltischen Landesbücherei, vor allem aber: Kürzung der städtischen Zuschüsse an das Anhaltische Theater um 3,5 Millionen Euro. Seitdem diese Hausnummer in der Welt ist, kommt Dessau nicht mehr zur Ruhe.
Am Mittwochabend hatte die Bauhausstiftung zur Podiums- und Bürgerdiskussion ins Heiligtum von Walter Gropius geladen. Die Diskutanten saßen in der Aula in den Kulissen der "Bordellballade" von Moritz Eggert und Franzobel, eines Stückes, das gestern im Rahmen des Kurt-Weill-Festes uraufgeführt wurde. Es geht in dem dreigroschenopermäßigen Singspiel um die Frage, wie in einem Puff die Geldwirtschaft überwunden werden könnte und was dann aus der Liebe wird. Die Stadt Dessau müsste eigentlich auch das Geld abschaffen, um die Kultur zu retten, nicht die Bauhaus-Stätten, die sind Bundeskultur. Aber alles sonst. Die Lage ist aussichtslos.
Der Oberbürgermeister und der Vorsitzende des Kulturausschusses rechnen das vor, ohne dabei im mindesten depressiv zu wirken. Das geringste Problem sind noch die eigenen Steuereinnahmen. Die sanken nur unerheblich. Die fiskalische Verwüstung kommt von oben, vom Bund und vom Land. Das neue Finanzausgleichsgesetz von Sachsen-Anhalt beschert der Stadt jährliche Mindereinnahmen von zehn Millionen. Das Berliner Wachstumsbeschleunigungsgesetz schlägt bis 2018 voraussichtlich mit Steuermindereinnahmen von sieben Millionen zu Buche. Gleichzeitig explodieren die Sozialhilfekosten. Bis 2018, dem Ende des Finanzplanungszeitraums, hat die Stadt jährliche Einsparungen von mehr als 13 Millionen beschlossen, unter anderem die Streichung von mehr als 500 Stellen. Trotzdem wäre die Stadt 2018 mit 140 Millionen, fast einem Jahresetat, überschuldet, wenn nicht jene weiteren 13, 5 Millionen jährlich eingespart werden.
Man könnte das, wenn man alle freiwilligen kommunalen Leistungen - dazu gehört vor allem die Kultur - sofort einstellt, also das Theater schließt, die Zootiere schlachtet, die Sportstätten der Wildnis überlässt, das Museum einmottet. Dann blieben sogar noch 260 000 Euro im Jahr übrig. Ohne diese Einsparungen gibt es ab 2018 keinen genehmigungsfähigen Haushalt mehr. Mit diesen Einsparungen gibt es Dessau nicht mehr. Das haben die Bürger gemerkt. Und nun wird in erregten Diskussionen darüber beraten, wie der fiskalischen Knochenmühle Einhalt geboten werden könnte.
Demonstrationen gab es schon. Man will in die Landeshauptstadt Magdeburg und nach Berlin ziehen, den Sarg der kommunalen Selbstverwaltung im Gepäck. Das ist nicht sonderlich originell, aber durchaus treffend. Es stirbt nämlich tatsächlich etwas ab im Wurzelgrund der Demokratie, im Urgrund der bürgerlichen Daseinsbewältigung. Karl-Heinz Bentele, früher einmal Finanzstaatssekretär unter Johannes Rau in Nordrhein-Westfalen, ist zu Gast in Dessau, weil er ein Kurt-Weill-Fan und ein Freund des früheren Essener Kulturdezernenten Michael Kaufmann ist, der heute das Kurt-Weill-Fest leitet. Der Verwaltungswissenschaftler sagt, das Verhältnis zwischen Bund, Ländern und Gemeinden sei zu Lasten der Gemeinden dramatisch aus der Balance geraten. Dagegen müsse politischer Widerstand auf allen Ebenen organisiert werden. Und als Sofortmaßnahme sollten sich die Stadtkämmerer von den Wirten und Hoteliers als Kulturabgabe holen, was ihnen vom Bund durch die Mehrwertsteuersenkung geschenkt worden sei. Kein Hotel in Dessau kann ohne die Dessauer Kultur existieren.
Und was haben die Städte und Gemeinden selbst zu ihrer Misere beigetragen? Es fehlte, sagt Oberbürgermeister Koschig, an strategischem Denken. Das Schrumpfen sei politisch-intellektuell noch nicht bewältigt. Kann man das, ohne Unvorstellbares zu denken? Braucht Dessau ein Vier-Sparten-Theater mit tausend Plätzen?
Ja, natürlich, sagen in Dessau nicht nur die Theaterleute. Wer sich mit der Materie beschäftigt weiß, dass Operationen am Theater Operationen am offenen Herzen sind. Der kulturelle Kreislauf der Stadt und der Region hängt daran. Abschalten geht nicht. Nicht nur in Dessau.
04.03.2010, 15:46 | tags: Finanzen | Autor: Franziska Blech
Brief von Ulrich Khuon / Intendant Deutsches Theater Berlin vom 25.02.2010
Schumannstraße 13a, 10117 Berlin
Solidarität mit dem Anhaltischen Theater Dessau
Sehr geehrter Herr Bücker,
mit großer Bestürzung haben wir die Pläne der Stadt Dessau zur Kenntnis genommen, die Zuschüsse für das Anhaltische Theater um 3,5 Mio € zu kürzen, was eine Zerstörung der Arbeit dieses Hauses bedeutet. Käme es dazu, wäre der Flurschaden für das öffentliche Leben Dessaus verheerend, die künstlerischen und sozialen Einbußen enorm. Darüber hinaus dürfen auch kurzfristig erzielte und für den Gesamthaushalt nicht entscheidende Sparerfolge nicht hinweg täuschen.
Mit aller Schärfe protestieren wir deshalb gegen die Pläne der politisch Verantwortlichen, das Anhaltische Theater Dessau zu schließen und möchten die Kommune dazu auffordern, sich mit dem Land und dem Bund an einen Tisch zu setzen, mit dem Ziel, das Anhaltische Theater zu erhalten, um so die Verödung der Stadt zu verhindern.
Mit herzlichen Grüßen
Ulrich Khuon
04.03.2010, 15:41 | tags: Finanzen | Autor: Franziska Blech
Brief von Sewan Latchinian / Intendant, Neue Bühne Senftenberg vom 24.02.2010
Theaterpassage 1, 01968 Senftenberg
Lieber André, liebe Kollegen,
leider können wir so kurzfristig nicht an eurer wichtigen und richtigen Protestaktion vor dem Festakt teilnehmen, aber mit dem Herzen sind wir alle bei euch.
Es ist wirklich empörend und unfassbar, dass Ihr -gerade nach eurem so fulminanten und vielversprechenden Start als sich neu erfindendes Theater Dessau - mit einer solchen existentiellen Bedrohung konfrontiert seid.
Bei allem Verständnis für die finanziellen Sorgen der Kommunen - welches wir Theaterleute seit Jahren haben und täglich unter Beweis stellen - wäre eine Stadt ohne Theater gar keine wirkliche Stadt mehr.
Es ist noch nirgends und nie gelungen, den Etat einer Kommune durch die Schließung des Theaters zu sanieren. Im Gegenteil - Kultur kostet, aber Unkultur kostet mehr. Viel, viel mehr. Was Dessau im Kulturetat streichen würde, müsste fast im Sozialetat aufgestockt werden. Das wäre doch absurd.
Ich weiß aus eigenem Erleben, dass in euer Theater investiertes Geld gut angelegtes Geld ist - eine Investition eben und keine Subvention. Theater sind genauso systemrelevant wie Banken und Autos. Auch wir sichern Demokratie und Freiheit und Glück.
Meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hoffen mit mir gemeinsam, dass am traditionsreichen Kulturstandort Dessau letztendlich Vernunft triumphiert und nicht Kleingeist.
In diesem Sinne versichere ich euch unserer großen Sympathie und Solidarität!
Lasst Euch nicht unterkriegen!
Sewan Latchinian
04.03.2010, 15:39 | tags: Finanzen | Autor: Franziska Blech
Grußwort von Undine Kurth, Mitglied des Deutschen Bundestages vom 26.02.2010
Grußwort zum 18. Kurt-Weill-Fest Dessau 2010
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kulturbürger Dessaus,
dem 18. Kurt-Weill-Fest 2010 unter dem Motto "New art ist true art" wünsche ich einen er- folgreichen Verlauf. Ich hoffe, dass viele Besucherinnen und Besucher die Chance nutzen werden, sich mit dem Werk des Dessauer Komponisten Kurt Weill vertraut zu machen oder es sich auf neue Art zu erschließen.
Dass es auch wieder Uraufführungen zeitgenössischer Komponisten geben wird, ist eine gute Nachricht für die heutigen Komponistinnen und Komponisten. Ich bin sicher, dass auch dieses 18. Kurt-Weill-Fest weit über Sachsen-Anhalt hinaus für Aufmerksamkeit sorgen wird.
Das 18. Kurt-Weill-Fest fällt in eine Zeit heftiger Auseinandersetzungen über die Zukunft unserer Kultureinrichtungen. Die Kommunen steuern derzeit auf ein Rekorddefizit zu. Die Kluft zwischen zu wenigen Einnahmen und steigenden Ausgaben wird dramatisch größer. Wir wissen um die Nöte des Landes und der Kommunen. Wir wissen um die Nöte der Stadt Dessau-Roßlau.
Aber wenn diese Stadt eines ganz gewiss nicht braucht, dann eine Streichliste, "die alle Tabus bricht'. Eines kann ich aus langjähriger kulturpolitischer Erfahrung sagen: Was einmal geschlossen wurde, wird vermutlich nie wieder eröffnet. Die Leidtragenden sind die Bürgerinnen und Bürger, sind die Kulturschaffenden und Künstler, sind unsere Kinder und Jugendlichen, sind unser Wirtschaftsstandort und unser Gemeinwesen.
Der dramatische Zustand unserer Kultureinrichtungen kann nicht allein mit kulturpolitischen Instrumentarien behoben werden. Denn wir haben es nicht mit einer Krise der Kultur zu tun, sondern mit einer Krise der Finanzen. Gebraucht wird schnelle finanzielle Hilfe. Deshalb unterstütze ich die Idee des vom Deutschen Kulturrat geforderten Nothilfefonds für Kommunen.
Aber um die Kulturfinanzen der Länder und Kommunen langfristig zu sichern, sind auch grundsätzliche Veränderungen in der Finanzarchitektur der Bundesrepublik nötig. Wir brauchen ein funktionierendes Modell der Zusammenarbeit von Bund, Ländern und Kommunen. Leider hat die Föderalismusreform gegen allen guten Rat hier viele Steine in den Weg gelegt, die es nun wegzuräumen gilt.
Dessau-Roßlau darf keine "Stadt ohne Zukunft und Perspektive werden" -und das Kurt- Weill-Fest wollen wir noch viele Jahrzehnte genießen können. Denn Kultur ist kein Ornament. Sie ist das Fundament, auf dem unsere Gesellschaft steht und auf das sie baut.
Ich grüße Sie herzlich,
Ihre Undine Kurth
04.03.2010, 15:36 | tags: Finanzen | Autor: Franziska Blech
Matthias Oldag/Generalintendant, Bühnen der Stadt Gera, Brief vom 24.02.2010
Sehr geehrter Herr Bücker,
mit großer Sorge verfolgen wir hier in Gera und Altenburg die Entwicklung in Dessau.
Es scheint, als würde hier exemplarisch vorweggenommen, was vielen anderen Städten in Deutschland, und zwar nicht nur im Osten, droht. Angesichts der Gefahr, die der kulturellen Infrastruktur der Kommunen droht, gilt es, möglichst sachlich, aber doch nicht minder laut, die Stimme zu erheben.
Wir müssen gemeinsam, Theatermacher, Kuratoren, Bibliotheksleiter, Kunstvereine und selbstverständlich insbesondere deren Zuschauer und Nutzer, verhindern, dass es mit der Stadt Dessau ein Beispiel gibt, dem dann andere Kommunen umso leichter folgen werden.
Kultur ist unverzichtbar, Kultur ist ein Wirtschaftsfaktor, Kultur ist das Leben.
Ich wünsche Ihnen und Ihren Mitstreitern Erfolg bei der Verhinderung des drohenden Desasters.
Matthias Oldag
Generalintendant
04.03.2010, 15:34 | tags: Finanzen | Autor: Franziska Blech
Stefan Märki/Generalintendant, Thomas Schmidt/Geschäftsführer, Deutsches Nationaltheater und Staatskapelle Weimar, Brief vom 25.02.2010
Solidarität mit dem Anhaltischen Theater Dessau
DAS DEUTSCHE NATIONALTHEATER UND STAATSKAPELLE WEIMAR GmbH. STAATSTHEATER THÜHRINGEN; ERKLÄRT SICH SOLIDARISCH MIT DEM ANHALTISCHEN THEATER DESSAU ALS ALS VIER-SPARTEN-HAUS MIT EINZIGARTIGER TRADITION IN SACHSEN-ANHALT .
Als benachbartes und befreundetes Haus des Anhaltischen Theaters Dessau sind wir auf der Seite aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in ihrem Protest gegen die Kürzung der Landeszuschüsse.
Nach den Kämpfen um den Erhalt des Deutschen Nationaltheaters Weimar als künstlerisch und wjrtschaftlich eigenständigen Betrieb unterstützen wir jedes Mühen künstlerischer Institutionen im Kampf gegen Fusionspläne, Finanzzwänge und Einschnitte in die Ermöglichungsgrundlagen künstlerischer Theaterarbeit.
Theater sind nicht nur ein Ort der gesellschaftlichen Auseinandersetzung. Sie sind auch Institutionen kultureller Errungenschaften, an denen Musikschulen und andere Ausbildungsstätten angegliedert sind, die mit dem Theater verloren gingen. Wenn nun im Osten wie im Westen diese öffentlichen Räume von Schließungen bedroht werden, werden nicht nur die bestehenden kulturellen Landschaften weiter veröden, sie verbauen damit auch Zukunft.
Njcht nur gibt ein Land, das sein Theater aufgibt, sich selbst auf; auch ein Theater, das ein anderes nicht unterstützt, glaubt nicht an sich.
In diesem Sinne gelte unsere Unterstützung für das Vier-Sparten-Haus des Anhaltischen Theaters Dessau.
Stefan Märki/Generalintendant, Thomas Schmidt/Geschäftsführer
04.03.2010, 15:31 | tags: | Autor: Franziska Blech
Undine Kurth Mitglied des Deutschen Bundestages, Grußwort zum 18. Kurt-Weill-Fest Dessau 2010
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kulturbürger Dessaus,
dem 18. Kurt-Weill-Fest 2010 unter dem Motto "New art ist true art" wünsche ich einen er- folgreichen Verlauf. Ich hoffe, dass viele Besucherinnen und Besucher die Chance nutzen werden, sich mit dem Werk des Dessauer Komponisten Kurt Weill vertraut zu machen oder es sich auf neue Art zu erschließen.
Dass es auch wieder Uraufführungen zeitgenössischer Komponisten geben wird, ist eine gute Nachricht für die heutigen Komponistinnen und Komponisten. Ich bin sicher, dass auch dieses 18. Kurt-Weill-Fest weit über Sachsen-Anhalt hinaus für Aufmerksamkeit sorgen wird.
Das 18. Kurt-Weill-Fest fällt in eine Zeit heftiger Auseinandersetzungen über die Zukunft unserer Kultureinrichtungen. Die Kommunen steuern derzeit auf ein Rekorddefizit zu. Die Kluft zwischen zu wenigen Einnahmen und steigenden Ausgaben wird dramatisch größer. Wir wissen um die Nöte des Landes und der Kommunen. Wir wissen um die Nöte der Stadt Dessau-Roßlau.
Aber wenn diese Stadt eines ganz gewiss nicht braucht, dann eine Streichliste, "die alle Tabus bricht'. Eines kann ich aus langjähriger kulturpolitischer Erfahrung sagen: Was einmal geschlossen wurde, wird vermutlich nie wieder eröffnet. Die Leidtragenden sind die Bürgerinnen und Bürger, sind die Kulturschaffenden und Künstler, sind unsere Kinder und Jugendlichen, sind unser Wirtschaftsstandort und unser Gemeinwesen.
Der dramatische Zustand unserer Kultureinrichtungen kann nicht allein mit kulturpolitischen Instrumentarien behoben werden. Denn wir haben es nicht mit einer Krise der Kultur zu tun, sondern mit einer Krise der Finanzen. Gebraucht wird schnelle finanzielle Hilfe. Deshalb unterstütze ich die Idee des vom Deutschen Kulturrat geforderten Nothilfefonds für Kommunen.
Aber um die Kulturfinanzen der Länder und Kommunen langfristig zu sichern, sind auch grundsätzliche Veränderungen in der Finanzarchitektur der Bundesrepublik nötig. Wir brauchen ein funktionierendes Modell der Zusammenarbeit von Bund, Ländern und Kommunen. Leider hat die Föderalismusreform gegen allen guten Rat hier viele Steine in den Weg gelegt, die es nun wegzuräumen gilt.
Dessau-Roßlau darf keine "Stadt ohne Zukunft und Perspektive werden" -und das Kurt- Weill-Fest wollen wir noch viele Jahrzehnte genießen können. Denn Kultur ist kein Ornament. Sie ist das Fundament, auf dem unsere Gesellschaft steht und auf das sie baut.
Ich grüße Sie herzlich,
Ihre Undine Kurth
26.02.2010
04.03.2010, 15:28 | tags: Finanzen | Autor: Franziska Blech
Brief des Freundeskreises des Dessauer Theaters e.V.vom 26.02.2010
c/o Anhaltisches Theater Dessau, Friedensplatz 1a, 06844 Dessau-Roßlau
Statement zur Protestaktion am 26.02.2010
Der Freundeskreis des Dessauer Theaters e.V. hat die Presseinformation der Stadt Dessau-Roßlau vom 11.02.2010 mit großer Sorge zur Kenntnis genommen. Ohne zu bestreiten, dass sich die Stadt in einer dramatischen finanziellen Situation befindet, lehnen wir Teile der zu prüfenden Konsolidierungsvorschläge entschieden ab.
In einer der in dieser Erklärung formulierten Prämissen zu den Einsparvorschlägen heißt es: "oberzentrale Aufgaben sollen weitgehend erhalten bleiben". Die vorgeschlagenen Prüfaufträge widersprechen dieser Aussage deutlich.
Eine Stadt ohne Theater, und die geforderte Einsparsumme würde nichts anderes bedeuten, ohne oder nur reduzierten Möglichkeiten des Bibliotheks- und Museumsbesuches aber auch ohne Schwimmhalle, ist nicht mehr als Oberzentrum zu klassifizieren. Die nachfolgenden Auswirkungen auf weitere Angebote, beispielhaft seien nur Musikschule, Kurt-Weil-Fest, Kammermusik, musische oder sportliche Bildung in den Schulen zu nennen, sind kaum absehbar. Wohl aber die entstehende Geisterstadt, die ihren demographischen Wandel beschleunigt, statt mit Visionen und Ideen dagegen zu wirken.
Ich frage Sie, welcher Industriebetrieb, welche hochspezialisierten Institution, welche Menschen wollen in einer Stadt leben oder gar zuziehen, in der es keine Weihnachtsmärchen oder klingenden Musikunterricht für die Kinder, keine Opern- und Sinfonien für die Werktätigen und Ruheständler mehr geben wird, selbst Schwimmunterricht oder Lesestunden in der Bibliothek wären nicht mehr zu gewährleisten. Auch noch so schnelle neue Umgehungstraßen oder ausgebaute Wasserwege werden dann zu neuen Ansiedlungen und Zuzug in unsere Stadt führen.
Die Politik ist dazu aufgefordert auf allen Ebenen, Bund, Land und Kommunen, Lösungen zu entwickeln. Dem Bürger und Steuerzahler sind Verteilungsschlüssel, Zuweisungen oder Umlagen schlussendlich egal, er bezahlt das gesamte System mit seinen Geldern und hat das Recht auf ein funktionierendes Gemeinwesen und eine Lebensqualität, die nicht nur aus Arbeit und Konsum bestehen darf.
Kultur, und ich beziehe auch den Sport als Teil von Lebenskultur ausdrücklich mit ein, müssen als wesentliche Pflichtaufgabe und nicht als ungeliebtes, teures und freiwilliges Anhängsel verstanden werden.
Ich fordere alle Bürger dazu auf, sich an der Debatte über diese Prüfliste zu beteiligen, um den Niedergang der Stadt Dessau-Roßlau zu verhindern. Der Freundeskreis des Dessauer Theaters e.V. führt zu diesem Thema am 21.3.2010 um 14:00 Uhr im Theaterrestaurant eine öffentliche außerordentliche Mitgliederversammlung durch. Alle Interessierten sind dazu herzlich eingeladen.
Oliver Thust Vorsitzender des Freundeskreises des Dessauer Theaters e.V.
04.03.2010, 15:24 | tags: Finanzen | Autor: Franziska Blech
Brief der Sekundarschule Kreuzberge vom 25.02.2010
Werner-Seelenbinder-Ring 59, 06849 Dessau-Roßlau
Sehr geehrte Damen und Herren,
wir sind sehr bestürzt über die Ankündigung möglicher Kürzungspläne im Finanzhaushalt der Stadt Dessau-Roßlau, die unter anderem das Anhaltische Theater betreffen sollen.
Durch den Abschluss eines Kooperationsvertrages im Juni 2009 zwischen dem Theater und unserer Schule konnten wir die Zusammenarbeit intensivieren und auf eine qualitativ höhere Stufe stellen.
Vielfältige Aktivitäten kamen bisher unseren Schülern zugute und ermöglichten ihnen einen besonderen persönlichen Zugang zu Musik und Kunst. Auch in Zukunft möchten wir diese Chancen zur Persönlichkeitsentwicklung anbieten können.
Wir hoffen sehr, dass die kulturellen Traditionen der Stadt Dessau-Roßlau weiterhin lebendig bleiben und die Außenwahrnehmung unserer Stadt positiv prägen.
Die Lehrerinnen und Lehrer der Sekundarschule "Kreuzberge"
04.03.2010, 15:22 | tags: Finanzen | Autor: Franziska Blech
Brief des Gymnasium PHILANTHROPINUM vom 26.02.2010
Fr.-Neumann-Str. 2, 06844 Dessau-Roßlau
"Die Kunst ist die Tochter der Freyheit, und von der Nothwendigkeit der Geister, nicht von der Nothdurft der Materie will die ihre Vorschrift empfangen."
Fr. Schiller (1793, 2. Brief)
"Alle Verbesserung im Politischen soll von der Veredlung des Charakters ausgehen".
Fr. Schiller (1793, 9. Brief)
Protestnote
Wir, die Angehörigen des Philanthropinums, sind entsetzt über die Sparpläne, zu denen die Kommunen gezwungen sind und die vor allem die Kultureinrichtungen treffen werden. Die Bedeutung unseres Anhaltischen Theaters für die ästhetische Bildung und Erziehung der Dessauer Kinder und Jugendlichen heißt für uns Pädagoginnen und Pädagogen, Eulen nach Athen zu tragen. Wir verstehen unser Theater als wesentliche Ergänzung unserer Bemühungen um "Veredlung des Charakters" ganz im Schillerschen Sinne. Deshalb muss das Anhaltische Theater in der vollen Breite seines Angebotes erhalten bleiben. Wer profitiert mehr davon als unsere Jugendlichen!
Wir schätzen die Aktivitäten des Anhaltischen Theaters auf der Bühne und das Wirken in der Öffentlichkeit. Für kein gesellschaftliches Problem fühlen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeit zu schade, ihre Stimme zu erheben, sei es für Demokratie, für Verständigung der Kulturen und für ein friedliches Miteinander in dieser Stadt und Region oder gegen Gewalt, Ausländerfeindlichkeit und Rechtsextremismus. Die Schulen Dessaus brauchen diesen kulturellen Leuchtturm zum Wohle der Menschen dieser Stadt.
Nicht zuletzt möchten wir die gute Zusammenarbeit zwischen dem Gymnasium Philanthropinum und dem Anhaltischen Theater hervorheben. Es gab und gibt vielfältige Projekte im Bereich der musischen Erziehung und Bildung sowie der darstellenden Kunst. So sind Auftritte unserer Schulchöre und unserer Theatergruppen im Theater keine Seltenheit.
Im Namen aller Angehörigen des Philanthropinums Dr.E.Zjlm Oberstudiendirektor
04.03.2010, 15:20 | tags: Finanzen | Autor: Franziska Blech
Brief der Schule an der Muldaue vom 24.02.2010
Kreuzbergstraße 200, 06849 Dessau-Roßlau
Die enge Zusammenarbeit unserer Schule mit dem Anhaltischen Theater ist seit Jahren für die Bildungs- und Erziehungsarbeit unserer körperbehinderten Schüler ein wichtiger Bestandteil. Im muttersprachlichen Unterricht hat das Angebot des Theaters in der Erfüllung der Rahmenrichtlinien festen Bestand. So ist der jährliche Theatertag für Schüler, Eltern und Personal der Schule ein festlicher Höhepunkt und schon eine lieb gewonnene Tradition.
Theaterveranstaltungen werden oft und gern angenommen und genutzt in den Fächern Deutsch, Geschichte und Sozialkunde u. a. Positiv zu erwähnen ist auch die gute Zusammenarbeit des Theaters mit der Theatergruppe unserer Schule, die eine positive Persönlichkeitsentwicklung unserer körperbehinderten Schüler fördert.
Als Schule ist der Bestand des Theaters für die Unterrichtsgestaltung und die Möglichkeit, den Schülern eine sinnvolle Freizeitgestaltung zu geben, erzieherisch wertvoll.
Im Namen der Schülerschaft und des Personals
gez. M. Matschke Schulleiterin
04.03.2010, 14:58 | tags: Puppentheater | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 04.03.2010
„Bei der Feuerwehr wird der Kaffee kalt“ - Magdeburger Puppentheaterproduktion feiert Premiere in Dessau
Die Magdeburger Puppentheaterproduktion „Bei der Feuerwehr wird der Kaffee kalt“ nach dem Kinderbuch von Hannes Hüttner in der Regie von Pierre Schäfer feiert seine Dessau Premiere am 9. März um 10 Uhr im Alten Theater.
„Bei der Feuerwehr wird der Kaffee kalt“, ist nicht nur verzweifelter Ausruf der Protagonisten, sondern vor allem ein Kinderbuchklassiker.
Ungezählt die Wünsche der Kinder, nach der Lektüre des Buches eben diesen Beruf ergreifen zu wollen. Dabei ist es wohl vor allem der Gedanke, anderen hilfreich zu sein oder gar Leben und Gut zu retten, der sie davon überzeugt, dass der Beruf es Feuerwehrmanns ein sinnvoller ist.
Ebenso denken Löschmeister Wasserhose und Wachtmeister Meier. Gemeinsam mit ihren Kollegen haben sie bereits Wasser aus Keller gepumpt, Feuer im Kuhstall gelöscht und einem Pferd auf die Beine geholfen. Kaffeepause ist angesagt, doch wieder wird der Kaffee kalt, denn Oma Eierschecke ist in Not, Emil Zahnlücke geht Baden und die Elefanten im Zoo revoltieren, weil sich gerade heute eine morsche Linde entschlossen hat, umzufallen und sich vor das Futterhaus zu legen. Nun denn, es gibt viel zu tun und der Kaffee bleibt kalt!
Die Inszenierung richtet sich an Kinder ab 3 Jahren.
Nächste Vorstellungen: 10.03.2010, 9:00 und 10:30 Uhr | 11.03., 9:30 Uhr | 12.03., 9:00 und 10:30 Uhr | 14.03., 15:00 Uhr
Inszenierung: Pierre Schäfer | Ausstattung: Ingo Mewes
Spiel: Inga Schmidt, Nis Søgaard, Ulli Voland
Die Vorstellungen sind bis auf den 14.03. ausverkauft. Für die Vorstellung am 14.03. gibt es noch Restkarten unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr | Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
04.03.2010, 11:47 | tags: Theaterpädagogik | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 04.03.2010
Der "Tag der Schulmusik 2010" findet am 06.03.2010 in Dessau-Roßlau statt.
Workshops für Lehrer an Grund-, Sonder- und Sekundarschulen sowie Gymnasien
Der jährliche Tag der Schulmusik bringt Mitglieder des Verbands deutscher Schulmusiker (vds), Schulmusiker und Referenten an wechselnden Orten zusammen, um im Plenum und in Workshops aktuelle Themen und Tendenzen der (Musik)Pädagogik einem möglichst großen Kreis von Interessenten zugänglich zu machen. Auch der Erfahrungsaustausch kommt dabei nicht zu kurz. In diesem Jahr findet der Tag der Schulmusik in Zusammenarbeit des vds Landesverbandes Sachsen-Anhalt e.V. mit dem Anhaltischen Theater Dessau statt.
Das Thema der diesjährigen Tagung lautet: „Musiktheater und Schule”.
Für die Tagungsteilnehmer wird ein abwechslungsreiches Programm geboten. Die Seminare am Vormittag finden ab 9 Uhr im Liborius-Gymnasium statt und befassen sich vornehmlich mit Projekten im Schulunterricht, wie z.B. dem Musiktheaterprojekt für Grundschulen "Mr. Händel lässt bitten", das den Teilnehmer/Innen der Tagung vorgestellt wird. Die Seminare am Nachmittag finden ab 14:30 Uhr im Anhaltischen Theater statt. Hier erfahren die Teilnehmer/Innen, welche Möglichkeiten die Zusammenarbeit zwischen Schule und Theater für den Unterricht bieten kann.
Zum Tagungsabschluss gibt es im Foyer des Anhaltischen Theaters eine Diskussionsrunde zum Thema "Musiktheater und Schule", zu der auch Prof. Dr. Georg Maas, Professor für Musikdidaktik an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und André Bücker, Generalintendant des Anhaltischen Theaters Dessau eingeladen sind.
03.03.2010, 21:41 | tags: Kurt-Weill-Fest | Autor: Franziska Blech
Andreas Hauff, http://www.nmz.de/online/ehrlich-gescheitert-helmut-oehrings-die-wunde-heine-kurt-weill-fest-in-dessau, 03.03.2010
„New Art is true Art.“ Eigentlich gehört der Ausspruch eines exzentrischen Kunstsammlers aus Kurt Weills Musical One Touch of Venus in einen durchaus ironischen Kontext. Doch die Kurt-Weill-Gesellschaft in Dessau hat den Satz beim Wort und zum Motto des Kurt-Weill-Festes 2010 genommen. Sie vergab zwei Kompositionsaufträge für ein „Songspiel“ – also jene Miniaturform von Musiktheater, die Weill 1927 mit dem „Mahagonnny-Songspiel“ für das Neue-Musik-Festival in Baden-Baden erfand, aber danach nicht mehr weiter entwickelte – nicht zuletzt, weil er 1933 aus Deutschland fliehen musste.
Gleich zwei Komponisten nahmen die Herausforderung an: Moritz Eggert mit einer „Bordellballade“ für die Dessauer Bauhausbühne (Uraufführung am Donnerstag, den 4. März), und Helmut Oehring mit einem „Kleinen epischen Songspiel mit Interludien“ unter dem Titel „Die Wunde Heine“, das am Eröffnungstag des Festivals seine Uraufführung im Anhaltischen Theater erlebte – im Anschluss an das „Mahagonny-Songspiel“.
Oehring, der diesjährige Artist-in-Residence des Weill-Festes, ist eine faszinierende Persönlichkeit. Das Dessauer Publikum erlebte den Sohn taubstummer Eltern, der es vom Hobbygitarristen ohne Notenkenntnisse zum Meisterschüler Georg Katzers brachte, in einer lebendigen Festivalcafè-Veranstaltung. Oehring sieht sich bei allem Respekt vor dem Komponisten und dem Menschen Weill selbst in einer anderen Tradition. Seine kompositorische Entwicklung ist einerseits geprägt durch die jugendlichen Erfahrungen mit Rockmusik, andererseits durch eine Traditionslinie der Neuen Musik, die von Arnold Schönberg über Hanns Eisler zu Georg Katzer, Friedrich Goldmann und Friedrich Schenker führt.
Diese beiden Linien zeigen sich auch in „Die Wunde Heine“. Oehring hat verschiedene Gedichte von Heinrich Heine in einem Stil komponiert, der zwischen expressionistischen Linienführungen, punktuellen oder choralartig geballten Haltetönen, pulsierenden Jazzrhythmen und differenziert behandelten Sprechchören wechselt. Eindrucksvoll ist dabei vor allem das ausdrucksreiche Duett zwischen Sopranstimme (Salome Kammer) und Kontrabassklarinette geraten. Auf der anderen Seite hat Oehring, wohl auch als Antwort auf Weill, in seiner Partitur „Rocksong-Inseln“ ausgespart. An diesen Stellen singt der Rocksänger und -gitarrist Jörg Wilkendorf Lieder des 1996 verstorbenen Rocksängers Rio Reiser. Vor allem mit dem alten Ton-Steine-Scherben-Lied „Macht kaputt, was euch kaputt macht“ ließen sie den rebellischen Geist der 1970er Jahre wieder aufleben, der inzwischen ebenfalls Geschichte geworden ist. Dass sich vor der Fest-Eröffnung zahlreiche Dessauer Bürger und Kulturschaffende zu einer Demonstration gegen einen drohenden kulturellen Kahlschlag versammelten, der seinesgleichen sucht, gab dem Eröffnungsabend eine bittere Note von unerwarteter Aktualität.
Inhaltlich strotzt „Die Wunde Heine“ von Verweisen. Der Titel spielt einerseits an auf die deutschen Schwierigkeiten im Umgang mit dem 1856 im Pariser Exil verstorbenen deutsch-jüdischen Dichter und seinem Werk, andererseits auf das langsame Dahinsiechen Heines in seinen letzten Lebensjahren. Mit dem Obertitel „Offene Wunden“ für den Eröffnungsabend des Weill-Festes wird eine Parallele zur lange Zeit problematischen Weill-Rezeption gezogen. Darüber hinaus halten Oehring, der selbst als Regisseur zeichnet, und seine Textautorin und Co-Regisseurin Stefanie Wördemann den Dichter Heine nach wie vor für aktuell. Rio Reisers Songs mögen hier als Querverweise gedacht sein, textlich sind sie allerdings deutlich gröber gestrickt. Von Heines Ironie, einer wichtigen Facette seiner Dichtungen, bleibt in „Die Wunde Heine“ kaum etwas.
Sänger Wilkendorf trägt im Stück den Rollennamen Harry – in Anspielung auf Heinrich Heines ursprünglichen Vornamen. Ihm beigesellt ist die Vokalsolistin und -artistin Salome Kammer; sie steht einerseits für Heines Ehefrau Mathilde, andererseits sehen die Autoren sie als „Schwester“ des französischen Nationalsymbols Marianne. Ein Vokalquintett, verkörpert durch die Sopranistin Sylvia Nopper und die vier Herren des Atrium Ensembles, wird mit den Buchstaben H,E,I,N und E, bezeichnet. Sie stehen als „Geister“, so die Idee, „für die vielen Stimmen seines komplexen patriotischen Ichs“, agieren allerdings fast immer im Kollektiv. Die szenische Umsetzung fügt weitere Facetten hinzu. Oehring hat an etlichen Stellen parallel zum Vokalpart Gebärdensprache vorgeschrieben, der er gegenüber der Wortsprache eine tiefer gehende Unmittelbarkeit zuschreibt. Auf der Bühne fällt sie allerdings kaum ins Auge - außer an den Stellen, wo sie schemen- bis fratzenhaft verfremdet hinter einer halbtransparenten Glasplatte zu sehen ist.
Analog zu Weill und Brecht, deren Songspiel 1927 durch Projektionen des Malers und Bühnenbauers Caspar Neher kommentiert wurde, setzen auch Oehring und Wördemann auf Video-Bebilderung. Doch wo Neher mit wenigen statischen Bildern klare Akzente setzte, bringt der Maler und Graphiker Hagen Klennert zahlreiche Illustrationen, die er zum Teil verschiebt, verkleinert und vergrößert. Während er zum „Mahagonny-Songspiel“ relativ klar das Milieu einer heruntergekommen Barackenstadt zeichnet, orientiert er sich bei Oehrings Songspiel an der Biographie Heines und dem morbid-pessimistischen Unterton der ausgewählten Gedichte, verfährt dabei aber oft plakativ und überschreitet des öfteren die Kitschgrenze.
Aus all dem resultiert ein Konglomerat von Eindrücken und Assoziationen, die sich gegenseitig eher lähmen als befruchten. So gesehen, ist „Die Wunde Heine“ der ehrliche Spiegel eines dramaturgischen Scheiterns. Oehrings Heine-Vertonungen sind indessen eine Wiederbegegnung wert. Sie waren beim von Frank Ollu dirigierten Ensemble Modern in guten Händen. Nicht zu Unrecht gab es Premierenjubel für eine ausdrucksgeladene und präzise Aufführung.
Die Aufführung wird am 4. Mai von der Musik Triennale Köln und am 27. Juni von der Oper Frankfurt übernommen.
03.03.2010, 21:37 | tags: Finanzen | Autor: Franziska Blech
Heidi Thiemann, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 04.03.2010
Proteste in Magdeburg und Berlin geplant
Stadt sucht Wege aus Finanzproblemen - Stiftung Bauhaus: «Das Verhältnis ist aus der Balance geraten»
Die Stadt Dessau-Roßlau will um ihren kulturellen Reichtum kämpfen. Der ist gefährdet, weil zusätzlich zum Konsolidierungsprogramm ab 2013 weitere 13,5 Millionen Euro eingespart werden müssen. Diese gehen auf Mindereinnahmen nach der Reform des Finanzausgleichsgesetzes des Landes Sachsen-Anhalts zurück. Die Stadt will deshalb die Zuschüsse an das Anhaltische Theater um 3,5 Millionen Euro reduzieren. Auch die Schließung des Naturkundemuseums, von Sport- und anderen Einrichtungen steht zur Debatte.
Das soll nicht hingenommen werden, war Tenor einer Diskussionsrunde mit Vertretern der Stadtverwaltung, von Kultureinrichtungen, Initiativen und Bürgern am Mittwoch im Dessauer Bauhaus. Deshalb soll vor dem Magdeburger Landtag und dem Bundestag in Berlin demonstriert werden. "Wir sehen, dass das Verhältnis zwischen Bund, Ländern und Kommunen aus der Balance geraten ist. Dessau ist beileibe kein Einzelfall", sagte Philipp Oswalt, Direktor der Stiftung Bauhaus. Die Stiftung, einer der größten Kulturträger der Stadt mit internationaler Ausstrahlung, hatte gemeinsam mit der Kurt-Weill-Gesellschaft zur Podiumsdiskussion eingeladen.
Dessau-Roßlau erhält pro Einwohner geringere Finanzzuweisungen als Halle und Magdeburg. Eine Gleichbehandlung der drei Oberzentren würde sechs Millionen Euro Mehreinnahmen bringen, erklärte Oberbürgermeister Klemens Koschig (parteilos). Eine Diskussion um das Theater gäbe es dann nicht. Koschig hofft auf eine Änderung des Finanzausgleichgesetzes, erwägt ansonsten eine Klage - schließlich nehme Dessau-Roßlau die gleichen Aufgaben wie die anderen Oberzentren wahr. Der Oberbürgermeister forderte auch Korrekturen an der Kunst- und Kulturförderung im Land.
03.03.2010, 21:31 | tags: Kurt-Weill-Fest | Autor: Franziska Blech
Ute van der Sanden, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 04.03.2010
Klanglandschaften sind Balsam für die Seele
Kurt-Weill-Fest: Die Niederländerin Iris Romen und ihre Band verwöhnen die Zuhörer
An diesen Abend werden sich die Festivalflaneure gern erinnern. Über zwei Stunden zog die Stimme der jungen Sängerin etwa 80 Zuhörer im ausverkauften Raum der Villa Krötenhof in ihren Bann. Und ließ sie auch danach nicht gleich wieder los. Iris Romen, seit einigen Jahren in Berlin lebende Niederländerin, hatte für Dessau ein durch und durch stimmiges Liedprogramm formiert. Vor der Pause sang sie Kurt Weill, konterkariert nur von Stings "An den kleinen Radioapparat" - charmante Idee. Der Text von "Nannas Lied", das erst von Hanns Eisler und dann von Kurt Weill vertont worden war, öffnete am Dienstag den melancholischen Rahmen für alles Nachfolgende: "Wo sind die Tränen von gestern Abend? Wo ist der Schnee vom vergangenen Jahr?"
Liebeslieder von persönlicher, oft schwermütiger, meist langsamer Art also, die in der Darbietung durch eine weniger bühnenerfahrene Persönlichkeit auch schnell mal langweilen könnten. Nicht so Iris Romen: Mit stets geschlossenen Augen, mit ruhiger, klarer Stimme und verletzlicher Aura breitete sie ein seelisches Verwöhnprogramm vor ihrem Publikum aus wie Geschenke auf dem Gabentisch - eines schöner als das andere. Iris Romen singt Swing und Schlager, Chanson und Jazz sowie Eigenkompositionen in einer unvergleichlich entschleunigten Weise, mit atmosphärisch dichter Ausstrahlung und schlankem, in der Höhe anmutig verhauchtem Timbre. Der niederländische Akzent der Maastrichterin tut ein Übriges. Sie ist intensiv, konzentriert, sehr bei sich, und der Applaus dauerte von Titel zu Titel länger. Ein Abend in süßem Moll, aufgelockert von Cole Porters "Begin the Beguine", Michael Jarys "Haben Sie schon mal im Dunkeln geküsst" und Caterina Valentes "Ganz Paris träumt von der Liebe", verpackt in durchweg delikate Arrangements.
Auch "Barbara Song" und "Denn wie man sich bettet", die "Ballade vom ertrunkenen Mädchen" und "Surabaya Johnny" wurden von zwei gestandenen Instrumentalisten aufregend neu eingekleidet. Wolfgang Zechlin und Thomas Büschel unterlegten Weills Musik an Klavier und E-Gitarre mit Klanglandschaften, die man so noch nicht gehört hat: vom Modern Jazz inspirierte, harmonisch ungemein interessante Improvisationen, die niemals zur Selbstdarstellung geraten und die Songs gleichwohl mit sicherer Hand den musikalischen Stilmitteln des 21. Jahrhunderts anvertrauen.
Wundern musste man sich nur, warum der hochklassige Konzertabend mit einer Sängerin, die sich als Chefin der Ballhausband von Clärchens Ballhauscafé etablierte und auch schon vor Tausenden in der Waldbühne Berlin auftrat, hier der Klubatmosphäre einer Wohnzimmerbühne anheim gestellt wurde. Wie auch immer: die Nähe zum Podium hatte durchaus ihren Reiz, die Tonanlage war exzellent eingerichtet. Sollte Iris Romen nochmals zum Kurt Weill Fest kommen, würde sie den Dessauern gewiss einen Gefallen tun - und einen größeren Raum als diesen spielend füllen.
03.03.2010, 21:28 | tags: Finanzen | Autor: Franziska Blech
Heidi Thiemann, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 04.03.2010
Alles dicht gemacht - und dann?
Bauhaus: Erste Diskussion über die angekündigten Einsparungen im Kulturhaushalt
Joachim Landgraf, Verwaltungsdirektor des Anhaltischen Theaters, hatte am Ende nur eine Frage: "Wann fahren wir nach Magdeburg zum Landtag?"
Die Diskussion um die so genannte Blut- und Tränenliste der Stadtverwaltung ist in vollem Gange. 13,5 Millionen ab 2013 zusätzlich zu sparen, ist die Verwaltung angehalten, um einen genehmigungsfähigen Haushalt vorzulegen, machte Oberbürgermeister Klemens Koschig Mittwochabend im Bauhaus klar. Dorthin hatten die Stiftung Bauhaus und die Kurt-Weill-Gesellschaft eingeladen, um zu diskutieren, wie viel Kultur Dessau-Roßlau braucht.
"Dessau ist beileibe kein Einzelfall", sagte Bauhaus-Chef Philipp Oswalt. Die Aufgabenverteilung und Finanzausstattung stimme nicht, das "Verhältnis zwischen Bund, Ländern und Kommunen ist aus der Balance geraten." Und die fehlende Balance löst in Dessau-Roßlau eine Lawine aus. Wenn die Stadt alle freiwilligen Aufgaben streiche, hatte Stadtrat Holger Schmidt, der Vorsitzende des städtischen Kulturausschusses, überschlagen, blieben unterm Strich etwa 200 000 Euro übrig. "Was wollen wir damit machen?" - Eine Höhle bauen, Holz kaufen und Neandertaler spielen, wie Michael Kaufmann, Intendant des Kurt-Weill-Festes, sarkastisch sagte? Mit seinem Festival, das gegenwärtig sehr erfolgreich zum 18. Mal laufe, erklärte er auf Nachfrage der Moderatoren Walter Prigge und Ingolf Kern, hoffe er ein Teil der Zukunft in Dessau-Roßlau zu sein, "aber mit Festivals allein kann man keine kulturelle Grundversorgung sichern. Das eine geht ohne das andere nicht", hob er beispielsweise die Bedeutung des Theaters hervor. Mit dem angedrohten Streichkonzert würden die Grundfeste der Gesellschaft aufs Spiel gesetzt.
Theater dicht, Tierpark geschlossen, Bibliotheken leer, Schwimmhalle ohne Wasser, Museen zu - witzige Ideen müssten her, um den Menschen begreifbar zu machen und sie aufzurütteln, was alles fehlen würde in Dessau, fand Holger Schmidt, der mit der Flugplatzsubventionierung und der geplanten Ostrandstraße auch zwei Gegen-Konsolidierungsvorschläge unterbreitete, die im Stadtrat aber bislang keine Mehrheit finden.
Über eine symbolische Schließung der bedrohten Einrichtungen nachzudenken, sinnierte Philipp Oswalt und kritisierte, dass die Handlungsfähigkeit der Kommune durch ihre missliche Finanzausstattung gegen Null tendiere. Die Kommunikation der Stadtverwaltung bezeichnete er als "misslich". Es sei nicht klar, was alles auf der Prüfliste sich befinde und wie die Stadt selbst dazu stehe.
"Wenn man einen Mantel oben falsch einknöpft, geht es unten mit den Knöpfen nicht auf." Karl-Heinz Bentele, früherer Staatssekretär für Finanzen in Nordrhein-Westfalen zu Regierungszeiten von Johannes Rau, kennt die Probleme, die nicht nur Dessau-Roßlau hat, ganz genau. Für die Zuhörer in der gut, aber nicht voll besetzten Bauhausaula hatte er mehrere Ratschläge parat: "Sie müssen demonstrieren." Vor allem müsste die kommunale Gemeinschaft zusammenhalten. "Gehen Sie ins Theater, gehen Sie in Konzerte", warb er. Volle Häuser seien ein schlechtes Argument für Schließungen. Und über Sponsoring sollte nachgedacht werden. In Köln könnten Theatergänger Stühle kaufen. Von Köln auch hielt er andere Beispiele parat: Den Bürgerhaushalt, um Bürger mit ihren Ideen zu beteiligen. Oder die Abgabe von Hotels pro Übernachtungsgast für kulturelle Zwecke. Die Bundesregierung habe der Hotellerie schließlich ein Milliarden-Steuer-Geschenk gemacht, den Kommunen aber nicht. Auch Koschig sagt, darüber schon nachgedacht zu haben.
Doch es ist auch ein Nachdenken wichtig, wo die Stadt in zehn oder zwanzig Jahren stehen will und kann. Vor dem Hintergrund, dass Dessau-Roßlau schrumpft. "Wenn die Sachen weniger werden, müssen sie anders werden", forderte Bauhaus-Chef Oswalt nicht nur ein Nachdenken sondern vor allem auch ein miteinander Sprechen.
Einen Schulterschluss in Dessau-Roßlau, aber auch in der Region sei wichtig, um die anstehenden Probleme zu lösen. Darüber war man sich letztlich nicht nur im Podium einig, auch im Publikum, als die Diskussion geöffnet wurde. Von über 1 600 gesammelten Unterschriften berichtete die Initiative "Land braucht Stadt", die im Dialog und gemeinsam mit Verwaltung, Bürgern und Institutionen kreative Lösungen finden will und helfen, den Druck auf die Regierungen in Magdeburg und Berlin zu erhöhen. - Auch mit Demonstrationen. Aber wann wird, wie Ingolf Kern ankündigte, auswärts "gedessauert"? Die Frage von Joachim Landgraf steht im Raum.
02.03.2010, 22:35 | tags: Puppentheater | Autor: Franziska Blech
Thomas Altmann, Mitteldeutsche Zeitung / Dessau-Roßlau, 03.03.2010
Gar kein Unglück: Ein Huhn überlebt die eigene Suppe
Im Puppentheater fliegt Hans Falladas «Unglückshuhn» gegen die menschliche Hackordnung an
Gallus gallus domesticus - Chicken run im Puppenhaus: Wie sie gackern kann, aus vollem Kropf, in allen Gefühlslagen, Uta Krieg, Herr der Hühner, quer gestreifter Zauberer. Und wie er, Helmut Parthier, groß karierter Geselle, majestätisch kleinwüchsig wird, großartig. Gut, er ist ein bisschen tollpatschig, reißt dem armen Zaubersuppen-Huhn Keule und Kopf vom Leib. Aber daran sind Gisela und Erika schuld.
"Das Unglückshuhn" aus dem Stall von Hans Fallada ("Geschichten aus der Murkelei") hatte am Sonntag Premiere im Puppentheater. Eva Kaufmann inszeniert den Geflügelblick auf die menschliche Hackordnung licht und flott, bedachtsam emotional und maßvoll clownesk. Kein Stroh im Stall, keine Kröte in der Hexenküche: Ausstatter Matthias Hänsel spielt zauberhaft unangestrengt mit Grundformen, Grundfarben und einigen grundsätzlichen Raffinessen.
Giselas Gold- und Erikas Silberei werden nicht schlicht zu Boden gelegt, sondern rollen zur Bewunderung über eine Apparatur. Wenn nun das Unglückshuhn sich donnerbalkengleich müht, läuft kein Ei durch den Dotter-Flipper. Grund genug für Erika und Gisela, ihr Mithuhn zu vertreiben. In den miesen Schlachten der Missgunst und durch tollpatschige Kollateralschäden verliert das Unglückshuhn im märchenhaften Dreierschritt Keule, Gefieder und Kopf. Zauberei im Suppentopf ergänzt die Verluste, mittels Gold, Silber und Edelstein, was vollends die Missgunst der Mithühner weckt. Und die Begierde des Hahns bleibt bleiern, bis der Kamm knickt.
Zum Glück ist die Prinzessin im anmutigen Schattenriss sterbenskrank. Nun leiht Parthier köstlich einem leeren königlichen Wams mit Füßen auf Bauchhöhe Kopf und Mund für die märchenhafte Ausschreibung: "Wer die Prinzessin heilen wird, der" usw. Das misslingt, obgleich Parthier so schön durch alle Heilmethoden tanzt, bis Adrian ein Süppchen kocht. Das Huhn überlebt die eigene Suppe und die Prinzessin gesundet daran. Die Mithühner würden gern bei Hofe bleiben, dürfen es auch, müssen aber - so geht es aufgebrachten Geringpickern, die in die falsche Richtung hacken - pro Tag zwei Edelmetall-Eier für ihr täglich Korn legen. Das Unglückshuhn ist glücklicher, geht zurück, vom Königs- in den Hühnerhof. Zauberei muss es also richten, auch wenn im Vorspiel der Bau der Tarnkappe so mitreißend misslingt, dass nicht einmal die Mitleids-Lüge unsichtbar bleibt.
Dieses Unglückshuhn ist up to date, weil es in die Hackordnung pickt. Diese besagt bekanntlich, dass im Hühnerhaus ganz oben sitzt, mindestens Vizehuhn wird, wer die schärfsten Schnabelhiebe austeilt, solange kein Bauer die Schlafstangen auf gleicher Höhe anbringt und das Futter breitflächig streut. Aber das hier ist ein Märchen mit edelmetallenen Eiern. Es behauptet gegen die Wirklichkeit so licht, so schlicht und schön, dass man es beinah glaubt: Auch wenn du nicht leisten kannst, was alle leisten wollen, bist du vielleicht ein tolles Huhn.
02.03.2010, 17:48 | tags: Anhaltische Philharmonie | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 02.03.2010
„ECHO Klassik“ – Preisträger zu Gast im 5. Sinfoniekonzert der Anhaltischen Philharmonie
Gast im 5. Sinfoniekonzert der Anhaltischen Philharmonie am 11. und 12. März ist der Bratschist Nils Mönkemeyer, den das Klassik-Magazin „Rondo“ unlängst als „erstes deutsches Bratschenwunder“ bezeichnete. Für seine Debüt-CD erhielt der 32-Jährige den „Echo Klassik 2009“ als Nachwuchskünstler des Jahres.
Der inzwischen international gefragte Mönkemeyer spielt in Dessau das Bratschenkonzert „Der Schwanendreher“ nach alten Volksliedern, das sich Paul Hindemith, der ein hervorragender Bratschist war, 1935 für den eigenen Gebrauch auf den Leib geschrieben hat.
Den Konzertabend eröffnet Beethovens „Coriolan“-Ouvertüre, und nach der Pause steht als Hauptwerk die Tondichtung „Ein Heldenleben“ von Richard Strauss auf dem Programm. Strauss beschreibt darin keinen Helden aus Literatur, Mythologie oder Geschichte, sondern einen Künstler – sich selbst im Alter von 34 Jahren! Der Vorwurf einer „Privat-Eroica“ und eines „Kolosses auf tönernen Füßen“ blieb dem Werk denn auch nicht erspart. Und trotzdem: Ein fulminantes, opulentes Stück Musik – ein Fest für jedes Orchester und ein Genuss für jeden Zuhörer! GMD Antony Hermus dirigiert die Anhaltische Philharmonie.
Konzerteinführung am 11. und 12. März jeweils um 18:30 Uhr im Foyer
Tickets und Informationen erhalten Sie unter: Theaterkasse Rathaus-Center
Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr |
Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr |
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
01.03.2010, 20:40 | tags: Kurt-Weill-Fest | Autor: Franziska Blech
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 02.03.2010
Stadtpläne der klassischen Moderne
Das MDR-Sinfonieorchester sorgt für einen Höhepunkt beim Weill-Fest
Zu einem perfekten Festival gehört immer auch jenes Gefühl leichter Überforderung, das man am Sonntag wieder in Dessau zu spüren bekam. Nachdem die Besucher des Weill-Festes im Georgium eine hinreißende Matinee mit Anne Simmering und Ulrich Pakusch erlebt hatten, die den Sternsingern prompt eine erneute Einladung für das kommende Jahr eintrug, traf man sich am Nachmittag in größerem Rahmen beim Konzert des MDR-Sinfonieorchesters im Anhaltischen Theater.
Spätestens am Abend aber hatte man die Qual der Wahl - zwischen dem umjubelten Auftritt von Annamateur und der Premiere des bezaubernden Schauspieler-Liederabends "Dein wildes Herz in meine Ruh". Dreh- und Angelpunkt des Festival-Geschehens aber war an diesem Tag dann doch die erneute Begegnung mit einem Klangkörper, der zu den Stammgästen beim Weill-Fest zählt.
Es war ein ausgesprochen klug programmiertes Konzert, mit dem die MDR-Musiker unter dem federnd eleganten Dirigat von Sian Edwards den musikalischen Stadtplan der klassischen Moderne imaginierten. Da war zunächst der Paris-Gesang von Frederick Delius, der den Puls der Metropole in ein fortwährendes Beginnen und Verklingen übersetzt. Dass dieses perkussiv gebrochene und von Bläserlichtern aufgehellte Klanggemälde mit seinem romantisch angerauten Violin-Solo freilich die gleiche Kommune meinte, die danach auch in George Gershwins "Ein Amerikaner in Paris" durchwandert wurde, wollte man kaum glauben.
Man mag den Blick der Neuen auf die Alte Welt oberflächlicher finden, unbekümmerter und sportiver kommt die mit dem Treibstoff des Jazz beschleunigte Klangmaschine allemal auf Touren. Es war nicht nur ein akustisches Vergnügen, dieser Tour de Force beizuwohnen, der massive körperliche Einsatz etwa bei den tiefen Streichern riss auch optisch mit. Dass dieses Passagenwerk, in dem sich die Champs-Élysées zum Broadway öffnet, perfekt für eine Überleitung zu Kurt Weills "Neuem Orpheus" eignete, war selbstverständlich.
Denn auch in dieser Kantate beschwört der Dichter Yvan Goll den Steckbrief des antiken Sängers ja vor dem Hintergrund des Eiffelturms, was Marisol Montalvo mit ihrem schlanken, klaren Sopran im perfekten Kontrast zu Waltraud Wächters Violin-Part rekapitulierte. Über Paukengrollen und Harfenglanz marschierte das Urbild des Künstlers dabei in jene großen Städte, die hernach auch für die von Wilhelm Brückner-Rüggeberg arrangierten "Mahagonny-Suite" Pate standen - allerdings in der bewussten Pervertierung eines falschen Paradieses, die vom MDR kulinarisch serviert wurde.
01.03.2010, 14:27 | tags: Schauspiel | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 01.03.2010
Neue Folge des Kultstücks von Gerald Fiedler
Der letzte Einruf!!! [Folge 2] Des Teufels General
Am 3. März um 19 Uhr im Foyer des Alten Theaters wartet Gerald Fiedler mit einer neuen Folge von „Der letzte Einruf!!! auf. In dieser geht es um die Schauspielinszenierung "Des Teufels General" von Carl Zuckmayer, die am 26. März auf der Großen Bühne Premiere haben wird. Fiedler, als aktueller Amtsinhaber Leo Polte VIII. wird strikt aus der Sicht der Poltes das Stück beschreiben und in einer musikalischen Zusammenfassung vorstellen.
Darüber hinaus wird er ein weiteres Kapitel seiner Familienchronik aufgeschlagen, denn die Verhältnisse der Familie zu Carl Zuckmayer waren äußerst vielfältig. Mit der nächsten Folge führt Leo Polte VIII. auch eine Neuerung ein: seine prominenten Gäste wird er bereits im Vorfeld bekannt geben. Damit hat das Publikum die Chance, vor der Vorstellung eigene Fragen an den Gast zu notieren, die Leo Polte VIII. in der Show an den Gast richtet.
Am 3. März wird der Schauspieler Jan Kersjes erwartet, der seit Beginn der neuen Spielzeit fest zum Schauspielensemble des Anhaltischen Theaters gehört.
Erleben Sie einen garantiert heiter, komischen Abend mit Gerald Fiedler, Jan Kersjes als Gast und viel Musik. Am Klavier: Stefan Neubert
Nächste Vorstellungen: 03., 21. und 25. März 2010, jeweils um 19:30 Uhr im Alten Theater/ Foyer
Tickets und Informationen erhalten Sie unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr | Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
01.03.2010, 11:26 | tags: Kurt-Weill-Fest | Autor: Franziska Blech
Ute van der Sanden, Mitteldeutsche Zeitung, 01.03.2010
Kurt-Weill-Festival
Liederabend bezaubert Anhalt
Angelika Kirchschlager aus Österreich präsentiert ein Soloprogramm mit Schubert und Weill
Sie kam, sang und eroberte Dessau: nicht im Sturm, aber mit Weill. Für den Anfang ihres Rezitals im zu drei Vierteln ausverkauften Anhaltischen Theater hatte Angelika Kirchschlager einen Rückblick in die Frühromantik programmiert. Aus dem Fundus der rund 600 Schubert-Lieder, in dem sich die österreichische Mezzosopranistin bestens auskennen dürfte, wählte sie keineswegs die bekanntesten. "Bertas Lied in der Nacht" oder "Geheimes" zählen zum eher entlegenen Nachlass Schubert und dürften auf die Gäste als scheuer Gruß aus der Heimat der Interpretin gewirkt haben.
Auch musste man am berühmten roten Faden schon kräftig ziehen, um ihn aus dem inneren Rückzug Franz Schuberts bis ins tatsächliche Exil von Erich Korngold und Kurt Weill zu manövrieren. Nachdem die Solistin vom lyrischen ins dramatische Fach gewechselt war und mit fünf Liedern von Korngold die starken Seiten ihrer stets kunstvoll beherrschten Stimme ausbreiten konnte, brach der Bann endgültig. Nicht, dass man jede Silbe verstanden hätte - Botschaften vermittelt die Kirchschlager viel eher übers Herz als über das Wort. Als Femme fatale begeisterte sie Dessau in Titeln von Kurt Weill: "Stay well" und "One life to live" aus der Musicalsparte, zwei französische Chansons, darunter "Je ne t´aime pas", zeigten die Solistin als hinreißende Bühnendarstellerin mit großem stilistischen Feingefühl.
Zu all dem brachte Kirchschlager, die normalerweise an der Scala, der Met und der Wiener Staatsoper auftritt, ihren Lieblingspianisten mit: Helmut Deutsch ist einer der besten und angesehensten Liedbegleiter. Er ruht im Vortrag wie ein Fels in der Brandung und spürt genau, was die Sängerin braucht - ob Atemzug, rhythmische Stütze oder Spannungspause. Mit dem alten Wienerlied "Es war in Petersdorf" entzückten beide ihr Publikum am Ende eines wundervollen Abends: große Kunst, mit Schlagobers gekrönt.
01.03.2010, 10:07 | tags: Kurt-Weill-Fest | Autor: Franziska Blech
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 01.03.2010
Ganz in politischer Tradition
Beginn mit einer Verbeugung vor dem Komponisten und einem Auftragswerk von Helmut Oehring
Im Normalfall spiegelt die Kunst das Leben, im Idealfall aber geht es auch umgekehrt: Als sich am Freitag Hunderte Dessauer und Roßlauer vor dem Anhaltischen Theater versammelten, um gegen den kulturellen Kahlschlag in ihrer Stadt zu protestieren, bescherten sie kundigen Gästen der Kurt-Weill-Festeröffnung ein Déjà-vu. So ähnlich hatte es nämlich auch 1927 in Baden-Baden ausgesehen, als das Mahagonny-Songspiel uraufgeführt wurde - wenngleich die Schauspieler ihre Plakate damals eher aus spektakulärem Kalkül denn aus realer Not schwenkten.
Pfeifen von der Bühne
Lotte Lenya erinnerte sich später an den Tumult: "Brecht hatte uns vorsorglich Pfeifen mitgegeben, kleine Trillerpfeifen, und so standen wir auf der Bühne und pfiffen trotzig zurück." Dass der Dichter und sein Komponist an der demokratischen Ouvertüre Gefallen gefunden hätten, darf man also getrost annehmen, zumal sich die größere Provokation dann doch im Haus ereignete. Die Idee, das 18. Kurt-Weill-Fest unter dem Motto "New Art is True Art" zum Anlass für neue Songspiel-Aufträge zu nehmen, lässt sich kaum aus einem gattungsgeschichtlichen Notstand herleiten. Schließlich haben selbst die Erfinder diese Form nicht konsequent weiter verfolgt, was wohl auch der Einsicht in deren dramaturgische Grenzen geschuldet war. Die konzeptionellen Probleme des Mahagonny-Songspiels konnte auch die Inszenierung von Stefanie Wördemann und Helmut Oehring nicht lösen: Das Sixpack der Lieder ist eben keineswegs, wie das Programmheft behauptet, theatralisch zwingend. Es wirkt vielmehr selbst bei so prominenten Interpreten wie dem Ensemble Modern eher wie ein Flickenteppich, dem auch die Bild-Assoziationen von Hagen Klennert keinen zusätzlichen Halt geben.
Insgesamt fühlte man sich so vor allem durch das wunderbare Wiedersehen mit Salome Kammer an jene konzertante Aufführung des gleichen Werkes aus dem Jahr 2006 erinnert, die stärker auf die Phantasie des Publikums vertraute und letztlich größeren Gewinn stiftete. Dass der Komponist Oehring und seine Librettistin Wördemann ihre Lesart freilich auch als Fundament für ihr eigenes Songspiel "Die Wunde Heine" begriffen, wurde spätestens beim bruchlosen Übergang in den zweiten Teil deutlich.
Die Uraufführung war nicht nur durch die um einen Gitarristen und Live-Elektronik ergänzte Besetzung mit dem Weill-Songspiel verzahnt, sie behauptete durch die Verwendung von Heinrich Heines und Rio Reisers Texten auch eine Traditionslinie politischer Poesie.
Gutmenschen gegen Zyniker
Dass die Schmerzensmänner HH und RR dem Zynismus des Herrn BB freilich energisch widersprechen, bleibt ein ungelöstes Dilemma: Der Glaube an das Himmelreich auf Erden und an das "Wann, wenn nicht jetzt?" ist mit der Negativ-Utopie von Mahagonny nicht vereinbar. In sich aber ist Oehrings Werk absolut stimmig und korrespondiert perfekt mit Klennerts Bildsprache. Der Komponist macht das Entstehen und Vergehen von Sprache und Musik hörbar, er lässt hohle Töne und einzelne Laute tropfen und türmt schroffe Klanggebirge über weiten Flächen. Deutschland ist hier ein Hochstand im Kornfeld und wird als Zauberland von beiden Dichtern verloren gegeben. Mit Jörg Wilkendorf und Salome Kammer hat diese Collage zwei grandiose Protagonisten, denen das Männer-Quartett und die Sopranistin Sylvia Nopper kongenial zur Seite stehen.
Die eigentliche Überraschung aber ist, dass sich auch dieses Stück wie ein spontaner Kommentar zur Wirklichkeit verhält: Was hier mit Gebärdensprache akzentuiert und mit Verzerrungen überzeichnet wird, ist eine knallharte kulturpolitische Ansage. Das "Macht kaputt, was euch kaputtmacht!" hätte auch auf den Transparenten vor dem Theater stehen können. Weills Erbe ist also aktueller denn je - das gilt es in den nächsten Tagen zu feiern!
Am Mittwoch um 17 Uhr laden die Stiftung Bauhaus Dessau und die Kurt-Weill-Gesellschaft zu einer Podiumsdiskussion über die Finanzkrise der Stadt ein. Ort der Veranstaltung ist die Bauhaus-Aula.
28.02.2010, 16:06 | tags: Finanzen | Autor: Franziska Blech
Carla Hanus, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 26.02.2010
Protest gegen Kahlschlag bei Kultur und Sport
Aktion vor dem Anhaltischen Theater - Initiative Land braucht, Stadt fordert Dialog
Lieder von Kurt Weill werden am Freitag schon vor der offiziellen Eröffnung des 18. internationalen Musikfestes, das an den in Dessau am 2. März 1900 geborenen Kurt Weill erinnert, vor dem Anhaltischen Theater erklingen. Lieder von Weill, Georg Kreisler und Hanns Eisler sind angekündigt, wenn es auf dem Friedensplatz von 16 bis 17 Uhr heißt "Protestakt vorm Festakt".
Dessauer Vereine, Institutionen und Einrichtungen sind aufgefordert, am Freitag vor dem Theater darauf aufmerksam zu machen, welche verheerenden Folgen drastische Kürzungen der so genannten freiwilligen Leistungen in der Stadt haben können. "Was wäre Desau-Roßlau ohne Bauhaus und Theater? Was wäre Dessau-Roßlau, wenn Sportvereine aufgeben müssten und Jugendeinrichtungen schlössen, Bibliotheken noch weniger Bücher kaufen könnten? Wenn innerhalb weniger Jahre die Kultur- und Freizeitlandschaft ausgelichtet würde?", fragt deshalb eine Initiative "Land braucht Stadt", die sich am Freitag vorstellen wird. In ihr haben sich bisher Vertreter aus verschiedenen Vereinen, aus der Wirtschaft, der Kultur und der Kirche sowie der Bildung zusammengefunden, die einen Dialog fordern zur Perspektive der Stadt. Denn ihre Antwort auf die Fragen lautet angesichts der in Auftrag gegebenen Prüfungen zu Streichungen: "Dessau-Roßlau wäre eine Stadt, die kaum mehr eine Chance hätte, Menschen zu binden, Menschen, die sie ebenso braucht wie das Land."
Die Initiative fordert deshalb, die aktuelle Haushaltssituation dafür zu nutzen, "kreative Lösungen zu suchen statt mit einem Kahlschlag wüstes, unfruchtbares Land zu hinterlassen, dass Kommunen, Land und Bund sich darüber verständigen, nicht nur Banken als systemrelevant anzusehen". Die Erstunterzeichner wollen, "dass die Politik einen Dialog mit den Bürgern führt. Und wir erwarten, dass Sachsen-Anhalt sich auch künftig zu Dessau-Roßlau bekennt - und dies nicht allein mit Worten. Dann sind wir als Bürger bereit, mitzutun, statt nur zu kritisieren". Entsprechend werden ab Freitag Unterschriften gesammelt, die diese Aussagen bekräftigen, und soll auch der Protest laut werden.
Ihre Teilnahme am Protestakt haben indessen die Anhaltische Landesbücherei, der Freundeskreis des Anhaltischen Theaters Dessau, die Evangelische Landeskirche, das Naturkundemuseum, das Leo-Stadtmagazin, der Behindertenverband, der Polizeisportverein, das Jugend-, Kultur- und Seniorenzentrum "Krötenhof", das Reisewerk, die Junkers Paddelgesellschaft und der Jugendclub des Anhaltischen Theaters zugesagt. Mitwirkende an der Veranstaltung, die von der Schauspielerin Silke Wallstein und vom Intendanten des Anhaltischen Theaters André Bücker moderiert wird, sind das Philharmonic Swing Quartett, zu dem Musiker der Anhaltischen Philharmonie gehören, der Chor des Anhaltischen Theaters, der Chor vom Krötenhof, Boris Malré als Alter Dessauer, Skater und Jonglierkünstler.
28.02.2010, 15:52 | tags: Puppentheater | Autor: Franziska Blech
Helmut Rohm, Volksstimme/ Anhalt-Zerbster Nachrichten, 26.02.2010
Fallada-Geschichte hat am Sonntag Premiere am Dessauer Puppentheater
Am Sonntag um 15 Uhr hat auf der Puppenbühne des Anhaltischen Theaters Dessau im Alten Theater das Stück „Das Unglückshuhn“ seine Premiere. Die aus Österreich stammende und in Berlin lebende Puppenspielerin / Regisseurin Eva Kaufmann inszeniert diese von ihr geschaffene Fassung der Geschichte aus dem bekannten Hans-Fallada-Buch „Geschichten aus der Murkelei“.
Es ist eine nicht so bekannte Geschichte aus dieser Sammlung. Eva Kaufmann reizte dieser Stoff jedoch, weil er „keine Verniedlichung“, sondern mehr „die wahren Seiten des Lebens“ darstellt. Um die Handlung transparenter zu präsentieren und klarer zu fokussieren, straffte sie, ohne die inhaltlichen Aussagen zu verändern.
Worum geht es? Adrian und Baldrian sind zwei Zauberer. Einmal jährlich treffen sie sich, um den „Tag des Unglückshuhns“ zu begehen. Dabei erfahren die Zuschauer ab fünf Jahren die spannende Geschichte eben dieses Unglückshuhns. Es lebte unter anderem mit einem stolzen Hahn, mehr schon einem eingebildeten Gockel, im Hühnerstall des königlichen Hofes. Dort sind auch die beiden Hennen Erika und Gisela, nicht minder arrogant als ihr männlicher „Chef“. Das Problem: Während Gisela und Erika goldene beziehungsweise silberne Eier legen können, kann das Unglückshuhn nicht einmal, so sehr es sich auch anstrengt, normale Eier legen.
Wenn es Menschen wären, würde man sagen, das Unglückshuhn ist nun eine Ausgestoßene. Es erlebt brutalstes Mobbing. Es leidet unter permanentem Leistungsdruck. Selbst der Hahn möchte nichts von ihm wissen …
Erst als Adrian dem total verzweifelten Huhn, schon fast als Notlüge, eine ihm innewohnende, noch nicht entdeckte besondere Eigenschaft eröffnet, blüht es auf, wird es selbstsicher und weiß den anderen mutig entgegenzutreten.
Da also stecken eine ganze Reihe auf den Menschen übertragbare Befindlichkeiten drin.
Eva Kaufmann sowie die beiden Dessauer Puppenspieler Uta Krieg (Adrian) und Helmut Parthier (Baldrian) machen jedoch kein moralisierendes Erziehungsstück daraus. Kein erhobener Zeigefinger wird hochgestreckt“. Die Geschichte wird flott erzählt, da wird gezaubert, da steckt Humor, manchmal auch ganz schwarzer, drin und es ist unterhaltend. Aber zum Nachdenken über Treue und Vertrauen, über den Umgang miteinander, sollte es schon anregen, auch wenn es im Stück nur Hühner sind.
Ob das Unglückshuhn diese „besondere Eigenschaft“, die individuelle Begabung tatsächlich hat und ob es damit eventuell etwas Gutes erreichen kann, wird hier nicht verraten.
Nach der Premiere folgen Aufführungen am 2., 3. und 4. März, jeweils um 9 Uhr und 10.30 Uhr, sowie am 5. März um 9.30 Uhr. Im Sommer, vom 28. Juni bis zum 2. Juli, wird „Das Unglückshuhn“ täglich um 10 Uhr gespielt.
26.02.2010, 20:20 | tags: Finanzen | Autor: Franziska Blech
Heidi Thiemann, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 27.02.2010
Menschentraube gegen Kahlschlag
Beim «Protest vor dem Fest» vorm Anhaltischen Theater wenden sich Hunderte gegen Sparpläne der Stadt
"Geisterstadt Dessau", "Unkultur ist teuer - Die Landestheater Sachsen-Anhalt", "Kulturlos - mutlos - hilflos", "Südschwimmhalle", "Tierpark", "Weltkulturerbe", "Bürgerbüros", "Kultur macht reich - Fritz Hesse 1925, Meisterhausverein" - wohin das Auge am Freitagnachmittag vorm Anhaltischen Theater blickte: Es sah eine Menschentraube und dutzende Transparente. Etwa 500 Menschen protestierten gegen die Sparpläne der Stadt. "Es geht nicht nur um das Theater", sagte Intendant André Bücker bei der "inoffiziellen Eröffnung" des Kurt-Weill-Festes, "sondern um mehr: Was die Stadt lebenswert macht und Grundlage für das Gemeinwesen ist."
"Was wäre Sachsen-Anhalt ohne Dessau-Roßlau? Ein Land ohne Bauhaus. Ein Land mit halbem Gartenreich. Ein Land ohne Weill und Junkers. Ein Land, dem seine größte Bühne fehlen würde. Sachsen-Anhalt braucht Dessau-Roßlau", erklärte Schauspielerin Silke Wallstein. Sie gehört zu den Unterstützern von "Land braucht Stadt - Ja zu Dessau-Roßlau". Die Initiative fordert die Politik auf, einen Dialog mit den Bürgern zu führen. "Wir erwarten, dass Sachsen-Anhalt sich auch künftig zu Dessau-Roßlau bekennt. Nicht allein mit Worten. Dann sind wir Bürger bereit mitzutun." Gegen den angedrohten Kahlschlag hat die Initiative innerhalb von 24 Stunden bereits an die 850 Unterschriften gesammelt.
Wie groß die Sorge um die städtischen Kürzungspläne und deren Auswirkungen sind, machten die vielen Protestnoten deutlich, die verlesen worden sind. Ob Liborius-Gymnasium, Philanthropinum, Sekundarschule Kreuzberge oder die Schule an der Muldaue, in der körperbehinderte Kinder lernen, sie alle befürchten einen Verlust, denn die Zusammenarbeit mit dem Theater ist mittlerweile eine lieb gewordene Tradition.
Solidarisch mit der Dessauer Bühne zeigen sich Theater aus allen Teilen Deutschlands. Ob Deutsches Nationaltheater Weimar und Weimarer Staatskapelle, Theater Magdeburg, Altmark / Stendal, Neue Bühne Senftenberg, die Bühne der Stadt Gera und das Landestheater Altenberg, das Deutsche Theater und das Maxim-Gorki-Theater Berlin: Sie warnen vor einem Verlust an Lebensqualität und einem verheerenden Flurschaden für das öffentliche Leben. Vor allem besteht die Befürchtung, dass Dessau-Roßlau exemplarisch dafür steht, was in vielen anderen Städten noch droht. Weshalb den Demonstranten Mut zugesprochen wird. "Last euch nicht verarschen", heißt es aus Berlin.
Die Sorge um eine künftige Geisterstadt und einen großen Verlust verbindet auch die Fördervereine des Theaters und des Naturkundenmuseums. Ausgelöst nicht "durch eine Krise der Kultur, sondern der Finanzen", wie die Bundestagsabgeordnete Undine Kurth feststellt und deshalb einen Nothilfefonds für Kommunen fordert.
Scheinbar unbeeindruckt vom Protest bahnte sich Oberbürgermeister Klemens Koschig den Weg zur Eröffnung des 18. Kurt-Weill-Festes. Die Mitarbeiter der Verwaltung hatte er im Vorfeld wissen lassen, dass er weder den Ort noch den Zeitpunkt für eine solche Protestaktion als besonders glücklich gewählt hält. "Welchen Eindruck wollen wir denn der Weltöffentlichkeit präsentieren?" Finanzielle Sorgen, machte er dann in seiner Eröffnungsrede des Kurt-Weill-Festes deutlich, hätte es auch zu Weills Zeiten gegeben. Weill aber hätte nach neuen Möglichkeiten und Formen gesucht, um Zuschauer für die Häuser zu gewinnen. Doch auch das Kurt-Weill-Fest werbe um Unterstützung, die Kunst brauche.
26.02.2010, 20:14 | tags: Kurt-Weill-Fest | Autor: Franziska Blech
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 27.02.2010
Kooperationen tragen Fest-Gedanken weiter
Weill-Gesellschaft: 85 Prozent der Karten sind verkauft - 45 Veranstaltungen in zehn Tagen
Gerade noch war Helmut Oehring in der Generalprobe und nun sagt er vor den versammelten Journalisten, "es ist so, dass wir sagen können, wahrscheinlich in einer Woche eine tolle Premiere haben zu können". Weil der Vorhang sich im Anhaltischen Theater aber schon früher - genauer gesagt nur ein paar Stunden später - hebt, werde man sich entsprechend darauf einstellen und den tollen Abend eher zeigen.
Oehring, Komponist und Artist-in-Residence des 18. Kurt-Weill-Festes in Dessau, steht zwar unter Uraufführungsstress, ist aber doch zu Scherzen aufgelegt, als er am Freitag zur Eröffnungspressekonferenz des Festes verspätet eintrifft. Von ihm war am Abend zum Auftakt des zehn Tage dauernden Festes die Komposition "Die Wunde Heine" zu hören. Im Eröffnungskonzert "Offene Wunden" erklang zudem Kurt Weills "Mahagonny Songspiel", beides musiziert vom Ensemble Modern.
Vier Veranstaltungen insgesamt widmen sich dem Künstler Oehring. Schon am Samstag beim Festivalcafé wird man ihn als Mensch näher kennen lernen. Im noch folgenden Porträtkonzert und bei einer Filmaufführung zeigt sich an den kommenden Tagen die Bandbreite des kompositorischen Schaffens Oehrings. "Ich bin glücklich, so viele Seiten meiner Arbeit vorstellen zu können", so der Künstler. Für seine Uraufführung am Freitag habe er Bedingungen vorgefunden, die "nahezu paradiesisch" seien. Musiker, Solisten und Produktionsbedingungen lobte er als optimal, wenngleich wie immer die Zeit zum Einstudieren knapp gewesen sei.
Rund 45 Veranstaltungen sind es in diesem Jahr, die den Besuchern beim Weill-Fest angeboten werden. Schon im Vorfeld, so teilte am Freitag Thomas Markworth, Präsident der Weill-Gesellschaft, mit, seien 85 Prozent der Karten verkauft. "Wir sind zuversichtlich, am Ende des Festes bei 90 Prozent zu liegen", sagte er und sprach von dem "Luxusproblem", dass viele denken würden, es gäbe ohnehin keine Karten mehr. "Zwar sind 80 Prozent der Veranstaltungen, vor allem an den kleinen Orten, ausverkauft, aber es gibt noch Karten."
Festivalintendant Michael Kaufmann lobte ausdrücklich die Arbeit seines Vorgängers Clemens Birnbaum, der den aktuellen Festivaljahrgang vor seinem Wechsel zum Händelfest nach Halle noch konzipierte und plante. "Ich bin fasziniert von der Entscheidung, zwei Kompositionen in Auftrag zu geben", so Kaufmann. "Ich bin froh, dass wir bis heute all das gut umsetzen konnten, was sich Clemens Birnbaum ausgedacht hat."
Markworth und Kaufmann stellten vor allem die Vielzahl der Kooperationen in den Mittelpunkt. So sei die Eröffnungsproduktion im Sommer in Frankfurt / Main und Köln zu hören. Die zweite Uraufführung, Moritz Eggerts "Bordellballade. Ein Dreigroscherlnstück", wird mit dem Theater Koblenz und der Neuköllner Oper koproduziert. "Der Name Kurt Weill und der unserer Gesellschaft wird dadurch in die Republik getragen. So etwas kann man nur mit Partnerschaften und Kooperationen erzielen", so Kaufmann.
Mit dem Anhaltischen Theater, das in einer Woche das Musical "One Touch of Venus" zur Premiere bringt, und der Stiftung Bauhaus Dessau habe man zudem verlässliche Kooperationspartner vor Ort. "Die Zusammenarbeit mit der neuen Theaterleitung hat sich fantastisch entwickelt", so Thomas Markworth, der der Dessauer Bühne bescheinigte, das Label "Klassische Moderne" bestens zu bedienen. Der Slogan, der Theater, Bauhaus, Junkers und Weill umfasse, sei das Thema im Jahr 2013, wenn sich alle Partner darum bemühen, eine Landesausstellung zum Thema in Dessau-Roßlau auszurichten, kündigte Thomas Markworth an.
26.02.2010, 06:33 | tags: Finanzen | Autor: Franziska Blech
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 26.02.2010
Bund soll Rettungspaket für Stadtkultur prüfen
Der Geschäftsführer des Deutschen Bühnenvereins Rolf Bolwin zu den Folgen der Finanzkrise der kommunalen Haushalte
Die Krise der kommunalen Kulturfinanzierung ist nach Ansicht des Deutschen Bühnenvereins vor allem einer falschen Verteilung der öffentlichen Mittel zwischen Bund, Ländern und Städten geschuldet. Geschäftsführer Rolf Bolwin sagte nach einer Anhörung des Bundestags-Ausschusses für Kultur und Medien, dass den Städten und Gemeinden zu wenig Geld für ihre soziale und kulturelle Infrastruktur zur Verfügung steht.
Immer größere Teile ihres Haushaltes würden durch gesetzliche Verpflichtungen gebunden. Zugleich gingen Einnahmen wie jetzt durch das Wachstumsbeschleunigungs-Gesetz verloren. Dies sei umso fataler, weil sich das unverwechselbare Profil einer Kommune gerade in jenen Einrichtungen und Aktivitäten zeige, die als freiwillige Ausgaben verbucht würden. Laut Bolwin nehmen die Bedrohungsszenarien im Bereich der Theater und Orchester zu: Nach der Diskussion um die Schließung des Wuppertaler Schauspielhauses sowie der angedrohten Halbierung des städtischen Etats für das Anhaltische Theater Dessau stünden derzeit auch die Theater in Bonn sowie die Landesbühne Schleswig-Holstein vor existenzbedrohenden Einschnitten.
Lohnkürzungen nicht vermittelbar
Dabei könne man der Branche nicht den Vorwurf machen, dass sie sich den Zeichen der Zeit verschlossen habe: Bundesweit seien in den letzten 15 Jahren rund 7 000 von insgesamt 45 000 Stellen abgebaut worden, die Ensembles hätten - beispielsweise durch Haustarifverträge - erheblich zur Zukunftsfähigkeit ihrer Häuser beigetragen. Den Theater- und Orchestermitarbeitern seien angesichts ihrer eher geringen Vergütungen eine weitere Lohnkürzung nicht mehr vermittelbar.
Eine Diskussion über die Festschreibung der Kultur als Verfassungsziel hält Bolwin in der akuten Krise für ziemlich luxuriös. Weil eine Umverteilung der Gelder zugunsten der Kommunen nur in einem langfristigen und komplizierten Prozess vorstellbar sei, fordert er stattdessen zunächst die neue Auflage eines Hilfsprogramms, wie es nach der Wende für die Kultur in den neuen Bundesländern eingeführt worden war.
Das damals vom Bundesfinanzministerium verwaltete und von einem Anfangsniveau von 900 Millionen Mark kontinuierlich abgesenkte Paket habe wesentlich zur Bestandssicherung und Entwicklung der Kulturlandschaft beigetragen. In einer Zeit, in der Milliarden für die Rettung von Banken und anderen Branchen ausgegeben würden, müsse ein solches Programm auch für die Kultur bundesweit aufgelegt werden - zumal der gesamte Bereich mit acht Milliarden Euro jährlich nur 0,8 Prozent aller öffentlichen Haushalte ausmache.
Prüfen auf allen Ebenen
Das Prinzip der kommunalen Finanzaufsicht, bei einem unausgeglichenen Haushalt zunächst die Kürzung der freiwilligen Ausgaben zu fordern, ist nach Ansicht des Bühnenvereins fragwürdig: Eine Prüfung der Gesetzeslage in Nordrhein-Westfalen habe ergeben, dass bei einem Defizit die Pflichtaufgaben genauso zur Disposition zu stellen seien wie die Mittel für die Kultur. Da es im Kulturbereich mit einer verhältnismäßig geringen Summe möglich sei, der Fragmentierung der Gesellschaft entgegenzutreten, müssten die Möglichkeiten für ein Rettungspaket auf allen Ebenen bis hin zur Bundesregierung diskutiert und ausgeschöpft werden, forderte Bolwin.
24.02.2010, 22:05 | tags: Kurt-Weill-Fest | Autor: Franziska Blech
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 25.02.2010
Wahrhaft kurzweiliges Wochenende
Am Freitagabend wird im Anhaltischen Theater das Kurt Weill Fest eröffnet
"Neue Kunst ist wahre Kunst" oder auch im Englischen "New Art is True Art", so lautet das Motto des Kurt Weill Festes, das am Freitagabend im Anhaltischen Theater eröffnet wird. Mit "Offene Wunden" folgt der Auftakt der 18. Festival-Auflage zu Ehren des in Dessau geborenen Komponisten Kurt Weill (1900-1950) inhaltlich ganz dem Slogan der kommenden zehn Tage mit gut 45 Veranstaltungen. Die Eröffnung beinhaltet gleichermaßen eine Uraufführung mit Helmut Oehrings Werk "Die WUNDE Heine" wie auch Kurt Weills "Mahagonny Songspiel".
Oehring greift Idee auf
Helmut Oehring, in diesem Jahr der Artist-in-Residence des Festes, greift mit seiner Neukomposition eine Idee auf, die schon Kurt Weill und Bertolt Brecht hatten, als sie ihr Songspiel schrieben, die Verschmelzung von Jazz mit Kabarettchansons und lyrischen Elementen unter Bezugnahme auf soziale und politische Tendenzen. Oehring orientierte sich an dem Vorbild aus den 1920er Jahren, indem er die Ästhetik des Weillschen Werkes mit seiner eigenen von Klassik, Jazz und Moderne beeinflussten Musiksprache verwob, er greift in seiner Arbeit die originale Vokal- und Instrumentalbesetzung von Weills Werk auf und ergänzt sie zeitgenössisch unter Hinzunahme einer Solo E-Gitarre und elektronischen Soundeffekten. Ähnlich wie bei Weill werden die Heine-Songs mit den Rocksong-Inseln verzahnt. Das Textbuch von Stefanie Wördemann basiert auf sechs "Gesängen" Heinrich Heines, die aus allen Schaffensphasen des Dichters stammen und oft von beklemmender Aktualität sind.
Mit dem Ensemble Modern, das bereits mehrfach beim Kurt Weill Fest gastierte, wird eines der weltweit führenden Ensembles für Neue Musik das Festival unter Leitung von Franck Ollu eröffnen. Mit dabei ist auch die Solistin Salome Kammer, die das Dessauer Publikum vor vier Jahren als Artist-in-Residence erleben konnte.
Das szenische Eröffnungskonzert ist dem kürzlich verstorbenen britischen Musikwissenschaftler und Weill-Experten David Drew gewidmet. Ihm ist es zu verdanken, dass sich das "Mahagonny Songspiel", das in der Baden-Badener Originalfassung nur ein weiteres Mal (1932) aufgeführt wurde und lange unveröffentlicht blieb, 1963 schließlich herausgegeben wurde und sich seitdem mit stetig wachsendem Erfolg auf den internationalen Bühnen durchsetzt.
Fischer fordert zum Tanz
Dem traditionellen Feuerwerk zur Festeröffnung um 20.30 Uhr auf dem Theatervorplatz schließen sich am ersten Abend gleich zwei Konzerte an. Jazzfans können im Theater bleiben und dort im Foyer den Auftritt des Thilo Wolf Quartetts erleben. Während dort das Publikum swingender Jazz erwartet, dürften die Töne, die im Beatclub angeschlagen werden, um einiges härter werden. In der Reihe "New Sounds" stellen sich dort beim Weill Fest "Freddy Fischer
24.02.2010, 16:04 | tags: Musiktheater | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung Anhaltisches Theater Dessau
Matinee Premiere „One Touch of Venus“
Kurz vor der Premiere des Musicals von Kurt Weill „One Touch of Venus“ lädt das Anhaltische Theater Dessau zu einer Matinee am Sonntag, d. 28. Februar um 10:30 Uhr ins Foyer des Großen Hauses ein. Mit der Premiere wird gleichzeitig die 5000. Premiere seit 1794 am Anhaltischen Theater gefeiert.
Neben dem Inszenierungsteam (Klaus Seiffert/Regie, James Holmes/Musikalische Leitung), das einen Einblick in den Entstehungsprozess der Inszenierung geben wird, werden die Solisten Ute Gfrerer, Angus Wood und Ulf Paulsen kleine Kostproben der wunderbaren Songs darbieten. Hintergründiges und Wissenswertes zum Werk wird ebenso geliefert wie Details zur Umsetzung und Interpretation durch die Inszenierung.
Moderiert wird die Matinee von Ronald Müller (Musikdramaturg). Boris Cepeda wird die Solisten am Klavier begleiten.
Für den Eintritt wird ein Obulus von 3,- € erhoben, der beim Besuch der entsprechenden Veranstaltung auf den Kartenpreis angerechnet wird.
Tickets und Informationen erhalten Sie unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr | Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
24.02.2010, 11:13 | tags: Schauspiel | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 24.02.2010
Premiere „Mein wildes Herz in Deine Ruh“
Eine besungene Herzzerreißung mit Songs von Kurt Weill, Paul Dessau, Rudolf Wagner-Régeny, Hanns Eisler, und Texten Bertolt Brechts.
Am 28. Februar um 19:30 Uhr lädt das Anhaltische Theater ins Bauhaus zur Premiere
„Mein wildes Herz in Deine Ruh“ ein.
...furchtbar schmutzig ist die Liebe und so schön ist sie, wir hassen sie und brauchen sie so sehr...und fürchten sie und lieben sie noch viel mehr...
Claire und George aus Chicago haben es satt. Dieses ewig gleiche Auf und Ab durch alle Betten dieser Welt, stets himmelhoch rauschend, zu Tode betrübt. Denn die Lust und der Liebesfrust hat sie ausgelaugt! Wie gnadenlos gefährlich die Liebe in Wirklichkeit ist, haben sie am eigenen Leib erleiden müssen.
Doch jetzt ist Schluss und Claire und George wissen nach all den schmerzlichen Jahren: Die Liebe ist ein Dreck, eine böse Krankheit die man bekämpfen muss und vor der es lauthals zu warnen gilt!
Also sind sie losgezogen, zwei Aufklärer aus dem fernen Chicago, einen stets betrunkenen Barpianisten im Schlepptau, um uns die Augen und Ohren über die wahren Folgen körperlich-herzlicher Liebe zu öffnen.
In George und Claires Herzzerreißung wird gewarnt, aufgeklärt, atemberaubend gesungen, geklagt und weltberühmte Songs wie die „Zuhälterballade“; den „Barbara-Song“; das „Lied von Surabaya-Johnny“; die „Ballade von der sexuellen Hörigkeit“ zu hören sein.
Musikalische Leitung und Klavier: Daniel Carlberg
Inszenierung: Holger Kuhla
Es singen & spielen: Antje Weber, Matthieu Svetchine und Daniel Carlberg
Premiere: 28.02.2010, um 19:30 Uhr im Bauhaus
Weitere Vorstellungen: 3.3., 19:30 Uhr Wittenberg/ Best Western Hotel - Tickets über: Informations- u. Kartenservice des Kurt Weill Festes: 01805 564564 |
7.3., 1.4., 14.4, jeweils um 19:30 Uhr im Alten Theater/ Foyer
Tickets und Informationen erhalten Sie unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr | Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
23.02.2010, 16:56 | tags: Puppentheater | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 23.02.2010
Premiere „Das Unglückshuhn“ – eine Geschichte aus der Murkelei
Von Eva Kaufmann frei nach Hans Fallada für Menschen ab 5 Jahren
Das Anhaltische Theater Dessau lädt am 28. Februar um 15 Uhr zur Premiere „Das Unglückshuhn“ im Alten Theater/ Puppenbühne ein.
Wie selbstverständlich legen die Hühner in der Geschichte silberne und goldene Eier. Nur eines, das Unglückshuhn, legt gar keine Eier. Nicht mal ein weißes!
Nicht verwunderlich, dass dieser Nichtsnutz auf dem Hühnerhof von den fleißigen Eierlegerinnen verachtet wird. Auch der Hahn bringt kein Mitgefühl auf. So ist dieses Huhn ein rechtes Unglückshuhn und zu allem Übel, glaubt es auch daran. Nichts kann gelingen. Auch der Herr der Hühner, der Zauberer Adrian, kann das Unglückshuhn nicht trösten, selbst wenn er ihm erzählt, dass es einmal ganz berühmt werden würde. Doch als die Prinzessin des Reiches sterbenskrank wird, zögert es keinen Moment und rettet sie unter Einsatz seines Lebens vor dem sicheren Tod.
Jetzt könnte das Leben schön sein, als preisgekröntes Huhn des königlichen Hofes. Doch das Unglückshuhn schlägt allen Glanz und alle Ehren aus, um zufrieden zu seinem Herren zurück zu kehren und von Stund an ein Glückshuhn zu sein.
In einem clownesken Spiel zweier Möchtegernzauberer mit König, Prinzessin, vielen Hühnern, dem Hahn und viel Zauberei geht es um die Erkenntnis, auf individuelle Begabungen zu vertrauen. Auch wenn sie Zeit brauchen, um zur Entfaltung zu gelangen!
Stückfassung/Regie: Eva Kaufmann | Ausstattung: Matthias Hänsel
Dramaturgie: Frank Bernhardt
Spiel: Uta Krieg, Helmut Parthier
Premiere: 28.02.2010, um 15:00 Uhr im Alten Theater/ Puppenbühne
Weitere Vorstellungen: 2. , 3., 4. März jeweils 9.00 und 10.30 Uhr, 5. März 2010, 9.30 Uhr
28. Juni bis 2. Juli 2010, jeweils 10.00 Uhr
Tickets und Informationen erhalten Sie unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr | Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
22.02.2010, 20:29 | tags: Finanzen | Autor: Franziska Blech
Steffen Brachert, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 23.02.2010
Anhalt
Sprachlosigkeit folgt dem Unvorstellbaren
Dessau-Roßlaus Stadtverwaltung arbeitet die 83 Punkte zählende Prüfliste zur Haushaltskonsolidierung ab
Der Text ist zum ständigen Begleiter geworden. Es gibt fast keine offizielle Rede mehr, ohne dass Jens Bisky nicht erwähnt wird. "Wie man dessauert - Die Stadt des Bauhauses setzt auf Kultur - was sonst?" hatte der Journalist Mitte November vorigen Jahres getitelt - und die Stadtoberen stolz gemacht. Die! große! Süddeutsche! Zeitung! hat! über! Dessau! geschrieben!. Positiv!!
Dessau-Roßlaus Finanzdezernentin Sabrina Nußbeck hat den Mut machenden Artikel natürlich auch gelesen und gut gefunden. In Erinnerung aber sind ihr vor allem zwei Zahlen geblieben. 20 Millionen Euro gibt Dessau-Roßlau jedes Jahr für Kultur aus. Das ist mehr als die jährlichen Gewerbesteuereinnahmen, von denen es 2009 17,3 Millionen Euro gab. Das sind etwa 12,5 Prozent des Haushalts. Das ist weit mehr als die im Bundesdurchschnitt üblichen drei bis acht Prozent an Kulturausgaben.
Hilferuf vor eineinhalb Wochen
Eineinhalb Wochen ist es her, dass die Stadt Dessau-Roßlau, eines von drei kreisfreien Oberzentren in Sachsen-Anhalt, auf ihre dramatische finanzielle Lage aufmerksam gemacht hat. Seit Jahren sich von Einsparprogramm zu Einsparprogramm hangelnd, muss die Stadt ab 2013 13,5 Millionen Euro zusätzlich sparen. Bibliotheken, Museen, Sportstätten, das Anhaltische Theater: Es gibt keinerlei Tabus mehr im verzweifelten Bemühen, einen ausgeglichenen und damit genehmigungsfähigen Haushalt vorzulegen. Im Ergebnis hat die Stadt 83 Prüfaufträge erteilt, die verwaltungsintern abgearbeitet werden. Allein 3,5 Millionen Euro will die Stadt beim Theater sparen. Es wäre, das ist sicher, das Ende für das Vier-Sparten-Haus.
Die Reaktionen sind überschaubar geblieben. "Durch lautes Jammern fließe auch kein neues Geld in die Kassen", erklärte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer. "Es gibt Gemeinden im Land, die es deutlich härter trifft", sagte Rüdiger Erben, Staatssekretär im Innenministerium. Erbens Chef, Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Hövelmann, hat Dessau-Roßlaus Oberbürgermeister Klemens Koschig einen Brief geschrieben. Das neue Finanzausgleichsgesetz sei nicht Schuld an den finanziellen Problemen der Stadt. Ohne die Reform hätte Dessau-Roßlau noch fünf Millionen Euro weniger bekommen. Es ist ein schwacher Trost. Noch nie hat die Stadt weniger Mittel aus dem Finanzausgleich bekommen. Allein im Vergleich zum Jahr 2009 summiert sich das Minus nach Angaben aus dem Rathaus auf 10,3 Millionen Euro. So etwas ist nicht kompensierbar.
In der Stadt selbst hat sich eine seltsame Sprachlosigkeit breit gemacht, die selbst sonst so verlässliche Lobbyisten erfasst hat. "Die Schließung des Dessauer Theaters nach über 200 Jahren wäre ein Offenbarungseid für die heute Verantwortlichen in diesem Land", erklärte André Bücker, der neue Intendant des Anhaltischen Theaters, als die Pläne öffentlich wurden. "Aber hier geht es um viel mehr. Sollte diese Liste Wirklichkeit werden, wäre Dessau eine Stadt ohne Zukunft und Perspektive." Doch Bücker steht bislang jedenfalls allein da. Sonstige Proteste? Fehlanzeige.
Diskussion musste ausfallen
Dies musste auch die Stiftung Bauhaus erkennen. Die wollte am Sonntag zum "Dessau-Tag" die desaströse Situation und die Einsparungen im Kulturbereich diskutieren. "Doch viele Beteiligte wollen sich erst äußern, wenn sich die erste Aufregung gelegt hat", sagte Regina Bittner, die Vize-Direktorin der Stiftung. "Das müssen wir im Moment schlicht respektieren."
Ähnlich zurückhaltend sind Dessau-Roßlaus Politiker. Vorigen Mittwoch war im Stadtrat Gelegenheit genug, Position zu beziehen. Nichts passierte. Im Gegenteil. Öffentlich wurde, dass offenbar kein Stadtrat weiß, was genau auf der internen Prüfliste der Stadtverwaltung steht. Von den 83 Punkten haben Oberbürgermeister Klemens Koschig und Finanzdezernentin Sabrina Nußbeck bislang nur zwölf "wesentliche" öffentlich gemacht. Im Stadtrat verteidigte Koschig die interne Abarbeitung der Prüfaufträge "als Vorarbeit und als reines Verwaltungshandeln". Bis Anfang März werde die Machbarkeit und die zeitliche Umsetzbarkeit der einzelnen Vorschläge in den Fachämtern untersucht - und dann in einen Haushaltsentwurf einfließen.
"Immer nach dem Land zu rufen, das ist schwierig. Die Decke ist zu kurz, egal wo man zieht", sagt Jens Kolze. Der Stadtrat und Landtagsabgeordnete der CDU hat im Magdeburger Landtag das neue Finanzausgleichsgesetz mitbeschlossen und ist gerade dabei, die vielen Zahlen zu vergleichen, die im Umlauf sind. "Einem Gesetz, mit dem Dessau-Roßlau über zehn Millionen Euro weniger bekommt, hätte ich nicht zugestimmt", hat Kolze Zweifel an der Richtigkeit der Zahlen.
Kolzes Hoffnungen liegen auf einer schon für das Jahr 2012 angekündigten Novellierung des Finanzausgleichsgesetzes, die auch notwendig wird, weil das Landesverfassungsgericht vorige Woche einen Teil davon als verfassungswidrig kritisiert hat. "Die ungleiche Gewichtung der drei Oberzentren darf es dann nicht mehr geben." Allein durch die Schlechterstellung gegenüber Halle und Magdeburg fehlen Dessau-Roßlau jährlich sechs Millionen Euro.
Die geplante Novellierung aber hilft der Stadt Dessau-Roßlau in der jetzigen Situation kaum. Im Stadtrat war es Ralf Schönemann, Fraktionschef der Linken, der darum bat, "dass die Liste mit allen 83 Vorschlägen endlich in allen Fraktionen ankommt". Die Diskussionen dürften turbulent werden.
Vor allem das Infragestellen des Anhaltischen Theaters war und ist umstritten. Schönemann nannte es im Stadtrat "in Form und Methode" gefährlich. Für Kolze ist es "selbstmörderisch". Damit stelle sich das Oberzentrum selbst in Frage. Dessau-Roßlaus Finanzdezernentin Sabrina Nußbeck weiß um diese Gefahr. Alternative Vorschläge, 3,5 Millionen Euro zu sparen, sind von ihr gern gesehen.
22.02.2010, 12:19 | tags: Diverses, neuer Tag, Finanzen | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 22.2.2010
Protestakt vor dem Festakt
Die Stadt Dessau-Roßlau hat vor zwei Wochen auf seine Finanzmisere hingewiesen und eine 13,5 Millionen Euro umfassende Streichliste präsentiert, auf der Bibliotheken, Museen, Freibäder, kommunale Sporteinrichtungen, Sportvereine aber auch das Anhaltische Theater u.a. genannt werden.
Sollten diese Kürzungspläne realisiert werden, wäre der Niedergang der Stadt Dessau-Roßlau nicht mehr aufzuhalten.
In Anbetracht der drohenden Gefahr für die Lebensqualität in der Stadt und aus Sorge um eine Zukunftsperspektive sind alle Institutionen und Vereine der Stadt Dessau-Roßlau eingeladen, um mit einem „Protestakt vor dem Festakt“ auf kreative und lautstarke Weise ihre Haltung zu den Plänen der Stadt und zur Untätigkeit der Landes- und Bundespolitik zu artikulieren.
Das internationale Kurt Weill Fest wird am 26. Februar 2010 um 17 Uhr im Großen Haus des Anhaltischen Theaters eröffnet. Zum Festakt werden zahlreiche Vertreter der Landesregierung u.a. Ministerpräsident Wolfgang Böhmer, Botschafter sowie internationale Gäste aus Politik und Kultur erwartet. Um 16 Uhr werden Institutionen und Vereine der Stadt Dessau-Roßlau und die Mitarbeiter des Anhaltischen Theaters den „Protestakt vor dem Festakt“ auf dem Vorplatz des Theaters feiern.
Künstlerische Beiträge, aber auch Statements, die das Theater per Brief erreichen, sind herzlich willkommen. Diese werden ebenfalls auf einem dafür eingerichteten „Speakers` Corner“ öffentlich gemacht.
Alle Bürger der Stadt sind herzlich eingeladen und aufgefordert, sich zu beteiligen und ihre Haltung zu den Plänen der Stadt zu äußern.
19.02.2010, 14:14 | tags: Schauspiel, Neue Formate | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 19.02.2010
Neue Folge von „Die Nacht, die Lichter“
Bei der ersten Folge des neuen Clubformats „Die Nacht, die Lichter“ wurde bis drei Uhr morgens mit Begeisterung getanzt. So soll es weitergehen! Bei der neuen Veranstaltungsreihe trifft Literatur auf Musik und Tanz, ein zwangloses Club-Format mit Bar-Atmosphäre, bei dem das Foyer des Alten Theaters ein Anziehungspunkt für Nachtschwärmer wird.
In der nächsten Folge, am 20. Februar, um 21 Uhr, im Foyer des Alten Theaters lesen zu Beginn des Abends die Schauspielerinnen Susanne Hessel, Ines Schiller und Antje Weber Ausschnitte aus Stücken von Kultautor René Pollesch, einem der bedeutendsten Dramatiker der Gegenwart, über den TV-Star und Theaterfan Harald Schmidt sagt:
„Großartig, wie er philosophische Theorien ins Schauspiel einbringt – und das nicht akademisch trocken, sondern mit absolut theatralischen Mitteln, mit Slapstick, Boulevard und Melodram.“
Die Musik mixt ein Überraschungs-DJ, Tanzen ist ausdrücklich erwünscht.
Tickets zu 3,- EURO erhalten Sie unter:Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 UhrTheaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 UhrMail: kasse@anhaltisches-theater.de
19.02.2010, 11:25 | tags: Schauspiel | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung Anhaltisches Theater Dessau, 19.02.2010
„Kaspar Häuser Meer“ - Drei Sozialarbeiterinnen kommen ins Schleudern
Am 23. und 24. Februar, jeweils um 19:30 Uhr wird das Erfolgsstück von Felicia Zeller „Kaspar Häuser Meer“ wieder im Studio des Alten Theaters gezeigt.
Die 35-jährige Autorin sollte für das Theater Freiburg ein Stück über Kindsvernachlässigung schreiben und näherte sich dem Thema sehr klug und raffiniert aus der Perspektive dreier Sozialarbeiterinnen. Diese drei Sozialarbeiterinnen vom Jugendamt kommen ins Schleudern.
Ihr Mitarbeiter Björn ließ sie im Stich. Er ist ausgebrannt, fällt wegen eines Burn-Out-Syndroms für unbestimmte Zeit aus und hinterlässt ihnen einen regelrechten Haufen ungelöster „Fälle“ und unerledigter Arbeit.
In einer rasanten, sprachmächtigen und sprachohnmächtigen Auflehnung gegen die Umstände und Überforderungen ihrer Arbeitswelt reden sich die drei Frauen ihre Nöte vom Leib und versuchen sich aus dem Gefängnis ihrer alltäglichen Zwänge zu befreien.
Der erst 24-jährige Regisseur David Ortmann gab mit dieser beeindruckenden Produktion sein Regie-Debüt am Anhaltischen Theater.
Mit: Eva Marianne Berger, Susanne Hessel und Regula Steiner-Tomič
Bühnenmusik: Hans Rotman (Intendant IMPULS Festival für Neue Musik)
Tickets und Informationen erhalten Sie unter:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr
Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
18.02.2010, 21:19 | tags: Finanzen | Autor: Franziska Blech
Mitteldeutsche Zeitung/ Magdeburg/Dessau-Roßlau, 17.02.2010
Finanzprobleme
«Hilferufe im Land sind bittere Realität»
Dessau-Roßlau erhält Unterstützung - 13,5 Millionen Euro umfassende Streichliste präsentiert
Das Präsidium des Städte- und Gemeindebundes Sachsen-Anhalt (SGSA) hat den Schulterschluss mit Dessau-Roßlaus Oberbürgermeister Klemens Koschig vollzogen und unterstützt dessen Ruf nach finanziellen Hilfen. "Was sich in Dessau-Roßlau abzeichnet, mag die Spitze des Eisbergs sein," sagte SGSA-Präsident Haldenslebens Bürgermeister Norbert Eichler in Magdeburg. "Es ist aber Tatsache, dass die Städte und Gemeinden insgesamt im Finanzausgleich unterkapitalisiert sind. Aufgaben und Ausgaben stehen in vielen Fällen nicht in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander."
Streichliste präsentiert
Dessau-Roßlau hatte Ende voriger Woche auf seine Finanzmisere hingewiesen und eine 13,5 Millionen Euro umfassende Streichliste präsentiert, auf der Bibliotheken, Museen, Freibäder, aber auch das Anhaltische Theater steht. "Natürlich ist Dessau-Roßlau besonders betroffen", bekräftigte SGSA-Landesgeschäftsführer Bernd Kregel. Die Stadt habe sich mit der Fusionsentscheidung zukunftsfähig aufgestellt, sei aber mit dem weit über die Region hinaus wirkenden kulturellen Erbe finanziell überfordert. "Wer praktisch drei Welterbestätten - das Bauhaus, das Gartenreich und das Biosphärenreservat - in seinen Mauern beherbergt, braucht eine solide Finanzbasis für derartige Aufgaben", sagte Eichler.
Schon seit 15 Jahren sei bekannt, dass Dessau kaum mehr in der Lage sei, ein so großes Theater zu finanzieren, aber dauerhaft tragfähige Konzeptionen habe das Land weder ausgearbeitet noch mitgetragen. "Es nutzt auch nichts, die Gelder zwischen den Kommunen zu verschieben", betonte Kregel. "Es fehlen auf der Ebene der Städte und Gemeinden rund 300 Millionen Euro."
Kassenstürze stehen noch aus
Vor dem Hintergrund der laufenden Gebietsreform warnte SGSALandesgeschäftsführer Kregel davor, zu glauben, alle Gemeinden hätten schon einen umfassenden Überblick über ihre Finanzlage. Manche stünden noch vor dem Kassensturz. "Das neue FAG muss einer permanenten Kontrolle unterzogen werden, um sicherzustellen, dass nicht einzelne Städte und Gemeinden zahlungsunfähig werden", betonte Norbert Eichler. "Der Politik muss klar sein, dass die Hilferufe kein allgemeines Gejammere sind, sondern die bittere Realität abbilden."
18.02.2010, 15:07 | tags: Funk, Neue Formate | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 18.02.2010
haus[funk] 07: Bauhaus bei Nacht
Siebter haus[funk]abend am 24. Februar 2010 im nächtlichen Bauhausgebäude
Der letzte Monatsmittwoch rückt näher und es wird wieder ge[funk]t: Das Anhaltische Theater und die
Stiftung Bauhaus Dessau laden ein zum siebten haus[funk]abend. Ungeahnte Perspektiven auf und in
das Bauhaus eröffnet die bauhaus[funk]führung am 24. Februar 2010 um 21 Uhr. Thorsten Köhler,
Schauspieler am Anhaltischen Theater, führt seine Gäste gemeinsam mit dem [funk]team durch das nächtliche Bauhaus, leuchtet in dunkle Ecken und späht hinter die Kulissen. Kaum bekannte Details
und die letzten Geheimnisse der Bauhäusler werden schonungslos offengelegt.
Die Führung findet im Anschluss an das Konzert des niederländischen Jazzquintetts FIDAN im Bauhaus
statt und startet im Klub. Hier wird die Führung etwa eine Stunde später auch wieder enden – mit Musik im Klub, aufgelegt von DJ mlphilippsen.
Die Reihe der haus[funk]abende findet regelmäßig statt – immer am letzten Mittwoch des Monats.
Den Ort dafür stellen die Bauhausbauten der Stadt – sie werden neu belebt und bieten Werkstatt und Partylocation, Klanglabor und Podium, Bühne und Bildschirm zugleich. [funk] bearbeitet dafür jeden Monat ein Thema, meist abgeleitet aus den aktuellen Produktionen und Projekten des Anhaltischen Theaters und des Bauhausbühnenstudios.
[funk] entsteht in Zusammenarbeit von Anhaltischem Theater Dessau, der Stiftung Bauhaus Dessau
und Dessauer Bürgern. [funk] wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes.
Treffpunkt: Klub im Bauhaus, Gropiusallee 38, 06846 Dessau-Roßlau
Eintritt: 4,– € / ermäßigt 3,– €
Kontakt: Maria Linke studio@interfunk.net | 0340-2511230
www.interfunk.net | www.twitter.com/interfunk
funk wird gefördert im Fonds Heimspiel der Kulturstiftung des Bundes.
18.02.2010, 07:25 | tags: Anhaltische Philharmonie, Diverses | Autor: Franziska Blech
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 18.02.2010
Musik für Kaffee im Salon
Salonorchester Papillon gibt Samstag im Theaterrestaurant 100. Konzert
Es wird sein wie immer. Das Theaterrestaurant füllt sich eine Stunde vor der Vorstellung. Kaffee und Kuchen werden bestellt und es wird geplaudert. Dazu erklingt Musik, vorgetragen von sieben Musikern: dem Salonorchester Papillon. Etwas Besonderes hat der Nachmittag am Sonnabend dieser Woche dann aber doch: Für das Orchester ist es der 100. Auftritt bei "Kaffee im Salon" um 15.45 Uhr. Mag sein, dass dies der einen oder anderen Dame, die zu den Stammzuhörern gehört, einen kleinen Gruß wert ist. Stammpublikum hat das kleine Ensemble, das sich aus Musikern der Anhaltischen Philharmonie zusammensetzt, reichlich. Gewachsen ist es in sechs Jahren, seit sich das Orchester 2003 gründete.
Die Anfänge für Musik in der klassischen Pariser Besetzung liegen jedoch schon sehr viel weiter zurück, erinnert sich Reinhard Gutte, der Klarinette und Saxophon spielt. Schon seit 1985 habe solch ein Orchester in wechselnden Besetzungen gespielt. 2002 gab es dann ein überaus erfolgreiches Faschingskonzert und daraus resultierend den Wunsch, fortan regelmäßig aufzutreten, eben als Salonorchester Papillon. 35 Titel hatte man zu Beginn im Repertoire, inzwischen ist dieses auf über 700 angewachsen. So griff Martin Schulze (Violine) auf Noten des Großvaters zurück, die er im Keller liegen hatte. "Der spielte schon in den 1920er Jahren in einem Caféhaus-Orchester", erzählt der Musiker. Und damals wie heute ist es eine ähnliche Bandbreite an Musik, die die Zuhörer erfreut. "Wir spielen eigentlich alles, außer bei Bebop würden wir vielleicht streiken", lacht Reinhard Gutte. Opern- und Operettenpotpourris erklingen, wenn Papillon auftritt, Märsche, Walzer, Schlager, Tangos bis hin zu Arrangements von Wagner-Stücken hat man im Programm.
Bei der Reihe "Kaffee im Salon" stimme man das Programm direkt auf die sich anschließende Vorstellung auf der Bühne ab. Dass sich bei diesen Auftritten das Publikum unterhält, die Musik bei Kaffee und Kuchen praktisch nebenbei konsumiert, stört die Papillon-Musiker wenig. "Das ist so gewollt. Wenn das Restaurant voll ist, muss man allerdings schon etwas an dynamischer Stärke dazu geben", sagt Martin Schulze.
Der Geiger und der Klarinettist wie auch die anderen Musiker lieben an ihrer Besetzung im Salonorchester eines ganz besonders: "Jeder ist hier Solist", sagt Gutte. "Es ist ein selbstbestimmtes Musizieren mit Kollegen mit denen man sich gut versteht", ergänzt Martin Schulze. Bis zu 15 Konzerte geben sie pro Spielzeit im Theaterrestaurant, dazu kommen außerhalb des Dessauer Hauses seit der Gründung noch einmal 60 Konzerte in der Region bis hin zum Gastspielort Winterthur. "Wir sind sehr flexibel und können dort auftreten, wo ein großes Orchester nicht hinkommt", sagt Reinhard Gutte. Für den Auftritt am Sonnabend habe man sich Höhepunkte des Programms heraus gesucht. Derart beschwingt von Salonmusik können die Besucher dann nahtlos in die Vorstellung der Operette "La Périchole" um 17 Uhr wechseln.
17.02.2010, 17:53 | tags: Schauspiel, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Thomas Altmann, Mitteldeutsche Zeitung, 15.02.2010
Vom Souterrain im Bauhaus auf das Dach der Welt
Schauspieler Uwe Fischer erweckt „Milarepa“ von Eric-Emmanuel Schmitt im Bauhaus- Heizungskeller.
Er war Nagetier, Maus oder Ratte, Libellenspucke, Eiterpustel, mit Verlaub ein „arschgesichtiges Stück Scheiße“. Nun sitzt Simon im Heizungskeller des Weltkulturerbes und schmaucht den Qualm der Wiedergeburt, raucht wie die Frau im Café in Montmartre, die sich an seinen Tisch setzte, das angebissene Croissant aus seiner Hand nahm, es wie selbstverständlich aufaß und ihm dartat, dass er Swastika sei. Swastika kreiselt seit Jahrhunderten im Rad der Reinkarnation, rotierend um den Hass auf seinen Neffen. Erst wenn er dessen Geschichte, die Geschichte des großen Yogi Milarepa hunderttausend Mal erzählt habe, könne er frei sein.
Zum ersten Mal erzählte am Freitag Uwe Fischer die Geschichte des Bestseller-Autors Eric-Emmanuel Schmitt zur Schauspielpremiere des Anhaltischen Theaters im Bauhaus. „Milarepa“ gehört wie „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“ zum „Zyklus des Unsichtbaren“. Andrea Moses hat den Monolog inszeniert. Ein Bühnenbildner wurde nicht verpflichtet. Und siehe, der Keller gibt würdig alle Orte. Dass es so selbstverständlich vom Souterrain aufs Dach der Welt geht, ist vor allem Fischers Verdienst. Mit seinen rasend fauchenden, ironisch gebrochenen, elegisch einfühlsamen Seelenwanderungen häufelt er sich hier einen ganzen Batzen guten Schauspieler-Karmas an. Aber was ist eine Figur mehr als eine Geste, eine Stimmlage, ein Augenaufschlag, wenn das Ich nur „ein Gepäckstück mit Gewohnheiten und Reflexen“ vorstellt?
Simon, die französische Reinkarnation Swastikas, träumt jede Nacht einen unsäglichen Hass. Die Frau, die das angebissene Croissant aß, deutet den Traum. Der Traum vermengt sich mit der Realität, Simon mit Swastika, der, habgierig und gekränkt durch wohlhabendes Mitleid, den Neffen Milarepa als Vormund um sein Erbe prellte. Milarepa verschrieb sich der schwarzen Magie, rächte sich mit rossigen Stuten, nahm dem Onkel die Söhne und den Besitz, stürzte das Dorf ins Verderben. Der Onkel kam wieder zu einigem Wohlstand, behielt den Hass. Der Neffe wechselte den Kurs, bestieg das Diamantfahrzeug des tibetischen Buddhismus.
Marpa, der Übersetzer, ließ Milarepa hart, zynisch und väterlich büßen, bevor er ihn einweihte, einmauerte zur elfmonatigen Meditation. Auf den Weg gebracht, erreichte Milarepa das Ziel, als ihm, dem Einsiedler, das irdene Gefäß, in dem er seine Nesseln kochte, zersprang. Nun blieb ihm nichts mehr, also alles. Swastika, der in Angst vor dem Tod als Räuber allen Besitzes und im ewigen Hass auf den Neffen starb, musste sterbend erkennen, dass Milarepa „mit seinen unter wächserner Haut hervorstehenden Knochen, die Glückseligkeit gefunden hatte“. Schmitts Schrift ist ein beschleunigter Aufriss der im 15. Jahrhundert verfassten Lebensgeschichte des im 11. Jahrhundert in Tibet lebenden Lehrers Milarepa, versehen mit einem kleinen Rahmen, dem Croissant und der Reinkarnation. Bald märchenhafter Krimi, bald gleichnishafte Lehre bietet Schmitt Hochgeschwindigkeits-Buddhismus, der einem mit dem kurzweiligen Atem des Nichts die eilende Frage nach dem Menschsein und einige wahrlich weise Bonmots um die Ohren pustet.
Die elfmonatige Meditation dauert auch nur eine groß geschriebene kleine Seite des dünnen Buches, das man flott im Stehen lesen kann. Aber noch unterhaltsamer ist es, im Heizungskeller zu sitzen und Uwe Fischers gesammelten Seelenwanderungen beizuwohnen. Der kippelt sich standfest durch die Reinkarnationen, hasst, wie „schwarze brodelnde Milch“ überkocht, rächt, wie rossige Stuten verkehren, und verkauft ewige Meditationen nebst versöhnlichen Weltweisheiten buddhistischer Provenienz ganz ehrlich im Minutentakt. Das ist Buddhismus mit Biss, cross wie ein Croissant, das einem eine fremde Frau in einem Café in Montmartre wegisst.
Nächste Vorstellung am 5. April im Bauhaus-Heizungskeller.
17.02.2010, 17:45 | tags: Musiktheater, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 16.02.2010
Namenlos auf großer Tour
ALTES THEATER Musiktheater für Kinder stellt „Schaf“ in den Mittelpunkt. Dirk Schmeding inszeniert eine abenteuerliche Reise, die die Zuschauer begeistert
Alles beginnt mit einem Handschlag und ordentlich Spucke drauf. Was gemeinhin feucht eine Freundschaft besiegelt, stürzt Schaf in tiefste Ratlosigkeit. Bis zum folgenschweren Händedruck war das Leben für das Tier in Ordnung. Es war eben ein Schaf, eines unter vielen. So ist das, wenn man in Herden lebt. Nun aber hat Schaf einen Freund, Lorenzo heißt der, ist Prinz und schon des Thrones überdrüssig, obwohl er noch gar nicht darauf saß. Schaf hilft ihm, die Krone zu verstecken, und dies ist dem Königssohn die Freundschaftsanfrage wert. Weil Mensch aber nicht nur einfach Katze und Hund oder Junge und Mädchen zum Freund hat, weil alles einen Namen hat, meint Lorenzo, dass dies auch für Schaf gelten müsse. Also zieht Schaf in die Welt, um dazu zu gehören.
Die Suche startet auf der Studiobühne des Alten Theaters. Schaf zieht sich die Reiseschuhe über, wickelt den Schal um den Hals, schnürt den Rucksack, setzt den Helm auf - aus einem Strohballen wird ein Reisegefährt und am Horizont führt die Straße ins Unendliche und eine ungewisse Reise. Dirk Schmeding nimmt Kinder ab fünf Jahren auf dieser Schaf-Tour mit. Er hat „Schaf“, ein Musiktheaterstück für Kinder von Sophie Kassies, inszeniert, und das Publikum damit in Begeisterung versetzt.
Nicole Bergmanns Bühne atmet mit ihren rustikalen Brettern geradezu die Landluft, kann Tanzboden gleichermaßen wie später auch Friedhof sein. Darin agiert mit größter Spielfreude ein bunt gemischtes Ensemble mehrerer Sparten: zwei Schauspieler, zwei Sängerinnen und zwei Musiker. All diese braucht’s in Schaf, denn das Stück ist reich versehen mit barocker Musik von Händel, Purcell und Monteverdi. Autorin Kassies hat den Arien neue Texte gegeben, die die Handlung forcieren und kommentieren. Schmeding lässt die Sängerinnen Cornelia Marschall und Anne Weinkauf indes nicht nur singen, sondern bezieht sie auch wie die beiden Musiker Stefan Neubert und Timm Carnarius in das Spiel mit ein. Mal sind sie das Personal einer ausgelassenen Kostümparty mit Schaf im Mittelpunkt, mal applaudierendes Volk beim Aufritt des Prinzen. Dessen Darsteller Hajo Tuschy ist gleich in fünf Rollen zu erleben und darin verblüffend wandelbar. Er tanzt als Wolf mit dem Schaf, empört sich am Grab, wenn Schaf überlegt, dort den Namen eines Toten zu übernehmen und bringt letztlich dem Titelhelden des Stücks als Engel
eine gute Botschaft.
Da aber will Eva Marianne Bergers Schaf von all der Namenssuche schon nichts mehr wissen. Vom Mähen hat es zu einer eigenen Sprache gefunden, hat viel erlebt, wurde gejagt und missverstanden. Berger gibt ihr Schaf gleichermaßen entschlossen und verletzlich, lässt es ratlos und euphorisch sein, ausgelassen tanzen oder erschöpft ruhen. So viele Facetten, wie sie spielt, gehen kaum auf eine Schafhaut. Am Ende aber überwiegt nur eine Erkenntnis: „Man braucht keinen besonderen Namen, um ein besonderes Schaf zu sein“. Darauf gibt es noch mal einen Handschlag mit Lorenzo. Der Umschlag, in dem ein Engel schließlich den Namen von Schaf nach all seinen Mühen brachte, bleibt verschlossen. Es geht auch ohne Namen.
Besetzung:
Musiker, Sänger und Schauspieler
In der Inszenierung „Schaf“ von Regisseur Dirk Schmeding im Alten Theater spielen, musizieren und singen Eva Marianne Berger (Schaf), Hajo Tuschy (Lorenzo, Torwächter, Dolores, Gastgeber, Engel), Cornelia Marschall (Sopran), Anne Weinkauf (Mezzosopran), Stefan Neubert (Cembalo) und Timm Carnarius (Cello). Die Bühne entwarf Nicole Bergmann, die Kostüme stammen von Katja Schröpfer.
17.02.2010, 17:29 | tags: Musiktheater, Anhaltische Philharmonie, Diverses | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 17.02.2010
KLANG-KOSMOS DESSAU / Elbmusikfest 2010
Vier Aufführungen an vier aufeinander folgenden Tagen
Das Anhaltische Theater Dessau nimmt in seiner 215. Spielzeit die Tradition der Elbmusikfeste, einem Vorläufer der Anhaltischen Musikfeste, wieder auf und veranstaltet am Himmelfahrtswochenende 2010, vom 13. bis zum 16. Mai, nach einer Unterbrechung von 175 Jahren das nunmehr zweite in Dessau stattfindende Elbmusikfest. Für die regionale Entwicklung des Chorwesens im 19. Jahrhundert hatten die Elbmusikfeste eine große Bedeutung.
Diese Tradition, Sänger und Chöre zusammenzuführen, soll mit dem Elbmusikfest wiederbelebt und gestärkt werden.
An vier aufeinander folgenden Tagen werden zwei Inszenierungen des Musiktheaters und eine Inszenierung des Balletts gezeigt sowie ein SCRATCH-KONZERT aufgeführt.
„SCRATCH“ heißt diese Form deshalb, weil man „from scratch“, also bei Null anfängt und innerhalb eines Tages das Werk zur Aufführung bringt. Die Idee des SCRATCH-KONZERTES besteht darin, mit einem Chor aus Hobby-Sängern innerhalb von 24 Stunden Carl Orffs Chorwerk »Carmina Burana« einzustudieren und das Ergebnis in einer öffentlichen Aufführung zu präsentieren. Der Weg ist dabei das Ziel. Mitmachen kann jeder, der Spaß am Singen hat. Erfahrung im Chorgesang ist natürlich von Vorteil, eine individuelle Vorbereitung erwünscht.
Jeder Mitwirkende muss im Besitz einer Teilnehmerkarte sein, die an der Theaterkasse Rathaus-Center gegen eine Gebühr von 10,- Euro (Ermäßigungsberechtigte 5,- Euro) erworben werden kann. Die Theaterkasse nimmt gleichzeitig die ebenfalls notwendigen schriftlichen Anmeldungen entgegen.
Die Anmeldung für die Teilnahme an diesem Projekt läuft bereits – Anmeldeschluss ist der 22. April. In der Teilnahmegebühr enthalten ist eine Versorgung mit Speisen und Getränken während der Probenpausen am 15. Mai. Selbstverständlich können die Karten auch über das Internet bestellt werden.
Das benötigte Notenmaterial muss jeder Teilnehmer selbst besorgen. Chorpartituren [16,95 Euro] oder Klavierauszüge [39,95 Euro] sind im Fachgeschäft »Musik-Erber« in der Askanischen Straße 55, in 06842 Dessau-Roßlau erhältlich.
Am Freitag, d. 14. Mai finden von 19 - 21 Uhr separate Stimmproben [Teilnahme freiwillig] statt.
Die Gesamtchorprobe mit Klavier findet am Sonnabend, d. 15. Mai von 9:30 - 12:30 Uhr und eine Generalprobe mit Solisten und Orchester um 14 - 17 Uhr statt.
Am 15. Mai, um 19 Uhr lädt das Anhaltische Theater zum Konzert ins Große Haus.
Ausführliche Informationen zum Scratch-Konzert unter www.anhaltisches-theater.de/scratch, mehr Informationen zum Elbmusikfest 2010 unter www.anhaltisches-theater.de/elbmusikfest
- Mai – 16. Mai 2010
KLANG-KOSMOS DESSAU / Elbmusikfest 2010
Vier Aufführungen an vier aufeinander folgenden Tagen
Eröffnung: Donnerstag, 13. Mai 2010, 18 Uhr RICHARD WAGNER LOHENGRIN
Anhaltisches Theater, Großes Haus
Freitag, 14. Mai 2010, 19 Uhr LULU BALLETT VON TOMASZ KAJDANSKI (MIT ORCHESTER), Anhaltisches Theater, Großes Haus
Samstag, 15. Mai 2010, 19 Uhr CARMINA BURANA SCRATCH-KONZERT, Anhaltisches Theater, Großes Haus
Sonntag, 16. Mai 2010, 17 Uhr DANIEL-FRANÇOIS-ESPRIT AUBER
DIE STUMME VON PORTICI / LA MUETTE DE PORTICI, Anhaltisches Theater, Großes Haus
Tickets und Informationen erhalten Sie unter:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr
Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
17.02.2010, 16:43 | tags: Diverses | Autor: Franziska Blech
Einladung der Stiftung Bauhaus Dessau zur Podiumsdiskussion am 21.02.2010 um 14 uhr im Bauhausgebäude
Sehr geehrte Damen und Herren,
vor einigen Tagen hat die Stiftung Bauhaus Dessau zum "open bauhaus" am 21.
Februar in die Gropiusallee 38 eingeladen. Wir hatten uns auf einen großen
"Dessau-Tag" in unserer Ausstellung "bauhausstadt" gefreut, einen Tag, an
dem wir die Bürger dieser Stadt ins Gespräch über Dessau-Roßlau, über das
Erbe und die Perspektiven bringen wollten. Dieses Gespräch hat durch die
Nachrichten der letzten Tage unerwartete Brisanz erhalten: Die Stadt hat
drastische Haushaltskürzungen angekündigt, die insbesondere das
Kulturangebot in Dessau-Roßlau empfindlich treffen werden.
Wir halten diese Entwicklungen für dramatisch; und ein "Dessau-Tag", der sie
ignoriert, wäre in unseren Augen weder angemessen, noch ehrlich. Deshalb
haben wir uns entschlossen, die Idee des Stadtgesprächs ernst zu nehmen und
die Aula des Bauhausgebäudes am Sonntag, den 21. Februar 2010 gegen 14 Uhr
zu öffnen: für ein offenes Gespräch zwischen Bürgern, Protagonisten und
Nutznießern der Kultur in Dessau-Roßlau.
Dazu möchten wir Sie gerne einladen ¬ wir würden uns freuen, mit Ihnen über
die kulturelle Zukunft der Stadt zu sprechen. Diskutieren Sie gemeinsam mit
Vertretern der Stadt, verschiedener Institutionen, den Bürgern und uns über
finanzielle Notwendigkeiten und den Stellenwert der Kultur in einer
schrumpfenden Stadt.
Mit freundlichen Grüßen
Regina Bittner, Vizedirektorin der Stiftung Bauhaus Dessau
Gropiusallee 38
06846 Dessau-Roßlau
Tel.0049-340-6508337
Stiftung Bauhaus Dessau ( Stiftung öffentlichen Rechts) Gropiusallee 38 D
06846 Dessau-Roßlau
vertreten durch den Direktor und Vorstand Professor Philipp Oswalt
Tel.: 49 340 6508-250
Fax: 49 340 6508-226
E-Mail: service@bauhaus-dessau.de
16.02.2010, 18:29 | tags: Finanzen | Autor: Franziska Blech
Berlin/DPA, Mitteldeutsche Zeitung, 15.02.2010
Kulturpolitik
Ex-Kulturstaatsminister liest den Politikern die Leviten
Naumann: «Deutschlands Freiheit wird nicht am Hindukusch verteidigt, sondern in den Theatern»
Der frühere Kulturstaatsminister Michael Naumann (SPD) hat vor weiteren Kürzungen der Kulturausgaben gewarnt. Die Politik müsse auch das Glück und die Freiheit der Menschen sichern, sagte Naumann der Deutschen Presse-Agentur dpa und kritisierte: «Politiker sehen sich in diesem Land als Mäzene, die sich herabneigen und der Kultur etwas spenden aus dem Steuersäckel - niemals würden wir das vom Verteidigungsminister sagen», meinte der 68-Jährige. «Deutschlands Freiheit wird in Wahrheit nicht am Hindukusch verteidigt, sondern in den Theatern, Konzertsälen, Opernhäusern, Museen und Buchläden und natürlich in den Schulen - dort wird unsere Freiheit in Wirklichkeit konstituiert und verteidigt.»
Die Kulturausgaben seien keine Subventionen, betonte Naumann und argumentiert damit wie der jetzige Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU). «Kein Mensch sagt, die Bundeswehr wird subventioniert, aber die Kultur wird angeblich subventioniert. Das ist lächerlich. Das Volk der Dichter und Denker ist in Wirklichkeit noch immer befangen in einer Vorstellung von Politik als etwas Kulturfernem.»
Drohende drastische Kürzungen in manchen Kulturetats der Länder und Kommunen stellen nach Naumanns Auffassung die Grundsatzfrage in einer Gesellschaft: «Für welchen Zweck macht man eigentlich Politik? Einzig und allein dafür, dass die Menschen in Sicherheit leben, nicht verhungern, oder macht man Politik dafür, dass die Menschen glücklich in Sicherheit leben, frei sind und nicht verhungern. Diese Definition, was Glück und frei sein heißt, findet in letzter Instanz auch nicht an den Universitäten, sondern in den Künsten statt.»
Das bedeute auch, «wenn Politik ausgerechnet an diesem sowieso schon schwachen Feld kürzt, kürzt sie an ihrem eigenen inneren Sinn. Das müssen auch die jetzt in Not geratenen Kommunalpolitiker verstehen. Und jeder Kommunalpolitiker, der sich entscheidet, Bilder eines Museums zu verkaufen, weil sie ihn nicht interessieren, macht weitreichende Kulturpolitik, und zwar schlechte», sagte der Publizist und frühere Verleger, der seit Anfang Februar in Berlin die Redaktion des Magazins «Cicero» leitet.
Naumann verwies auf Wuppertal, wo überlegt werde, ein Theater zu schließen, und damit einen Ort, an dem Pina Bausch Tanztheater- Weltgeschichte geschrieben habe. Wenn man ernsthaft daran denke, diesem wahrhaft historischen Ort den Finanzhahn zuzudrehen, dann sei das einfach «eine Schande, und ein völlig falsches Signal sowieso».
Naumann räumte allerdings ein, dass Krisenzeiten auch Gelegenheit gäben, manche «liebgewordenen und eingefahrenen» Zuschüsse in der Kulturszene zu überdenken. Ähnliches hatte kürzlich auch der Präsident der Berliner Akademie der Künste, Klaus Staeck, zur Diskussion gestellt («Es muss nicht alles immer so bleiben wie es ist»).
«Das stimmt», meinte Naumann. «Ich kann mich zum Beispiel lebhaft an die Widerstände erinnern, als ich als Staatsminister die Zuwendungen für die Kulturarbeit der Vertriebenen gekürzt habe. Darunter waren viele unsinnige Ausgaben, die auch bei objektiver Betrachtung durch Gutachter als skandalös bezeichnet wurden, zum Beispiel für Kreuzstickkurse nach ostpreußischem Muster oder für ein Heimatmuseum mit nicht mehr als 1500 Besuchern im Jahr. Also, man kann sich durchaus immer wieder fragen, ob manche staatlichen Kulturfinanzierungen noch sinnvoll und zeitgemäß sind. Aber die Grundhaltung der Kulturpolitik muss stimmen, die den Stellenwert der Kultur in Ländern und Kommunen mindestens als ebenbürtig und gleichwertig mit anderen Politikfeldern ansehen muss.»
16.02.2010, 14:49 | tags: Diverses | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 16.02.2010
Kaffee im Salon zum 100. Mal!
„Kaffe im Salon“ feiert am 20. Februar ein Jubiläum. Zum 100. Mal lädt das Anhaltische Theater ab 15:45 Uhr ins Theaterrestaurant zu dieser beliebten Veranstaltungsreihe ein. Neben Kaffee und Kuchen wird das Salonorchester „Papillon“ die Zeit der Wiener Kaffeehäuser lebendig werden lassen.
Im Anschluss, um 17 Uhr gibt es eine weitere Vorstellung der Operette „La Périchole“, eines der Hauptwerke Jacques Offenbachs voller Witz und überquellendem Melodienreichtum. Gespielt wird eine neue deutsche Textfassung von Stefan A. Trossbach mit Dialogen von Peter Ensikat. Ulrike Mayer, die schon zur Premiere umjubelte Interpretin der Titelrolle, wird wieder als Périchole zu erleben sein, um deren Gunst David Almen alias Piquillo und Kostadin Arguirov als Don Andrès werben.
Musikalische Leitung: Wolfgang Kluge | Inszenierung: Ana Christine Haffter | Bühne und Kostüme: Roland Wehner
Tickets und Informationen erhalten Sie unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr |
Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr |
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
16.02.2010, 09:39 | tags: Finanzen | Autor: Franziska Blech
Birgit Walter, Berliner Zeitung/ Feuilleton, 15.02.2010
VERTEILUNG
Undankbar, diese Theater
Bis ins Jahr 2008, werden wir unseren Enkeln erzählen, funktionierte das aus den Fugen fliegende Gemeinwesen irgendwie noch. Die Schwimmhallen hatten zwar schon einen Ruhetag eingelegt, blieben aber noch sechs Tage die Woche geöffnet. Die Bibliotheken verzichteten auf den Ankauf neuer Bücher, verliehen aber immerhin die alten. Die Theater ächzten unter sinkenden Budgets, hatten aber noch volle Spielpläne. Goldene Zeiten werden das im Rückblick gewesen sein, wenn man die Prognosen betrachtet.
In Dessau etwa will der Oberbürgermeister jetzt 13,8 Millionen Euro weniger ausgeben. Bibliotheken, Freibäder, Museen, Sportplätze, Theater - alles steht auf der Prüfliste: "Die Liste bricht alle Tabus", sagt er. Das Hauen und Stechen hat letzte Woche begonnen.
2008 hat Dessau noch zerknirscht über eine Streichung von 300 000 Euro für sein Theater lamentiert - die Politiker versprachen, keinesfalls müsse eine der vier Sparten geschlossen werden. Jetzt will Dessau 3,5 Millionen Euro aus dem Theater abziehen, die Hälfte des städtischen Zuschusses. Die bis 2013 laufenden Verträge verhindern, dass es schon morgen passiert. Warum streicht Dessau nicht gleich alles? Dann wären klare Verhältnisse und keiner würde vorschlagen, für das halbe Geld Theater zu spielen. Dann müsste Sachsen-Anhalt nicht knobeln, ob es seinen 7-Millionen-Anteil auch halbiert. Weg damit. Und man erspart sich die Debatte, ob Schwimmhallen entbehrlicher sind als Theater. Intendant André Bücker geht ohnehin von einer Theaterschließung aus, spricht von einer Stadt ohne Perspektive, von einem Offenbarungseid und einem flächendeckenden Sterben der Kultureinrichtungen, wenn der Staat die Kommunen nicht entschulde.
Wie undankbar von dem Herrn Intendanten. Gerade hat der Staat Autokonzerne und Banken gerettet - für uns alle, auch für ihn - und nun kommen alle mit ihren Kleckerbeträgen. Theater sind ja nicht Sache des Bundes; und der Kulturstaatsminister hat immer an die Kommunen appelliert, nicht in der Kultur zu sparen. Wo dann? fragt Dessaus Bürgermeister. Für 2010 hatte er ein Minus von 13 Millionen Euro eingeplant; als es sich verdoppelte - einfach durch weniger Steuern, höhere Sozialleistungen, weniger Finanzausgleich - zog er die Notbremse.
Diese Dessauer haben offenbar gar kein Vertrauen in die schwarz-gelbe Regierungspolitik, die doch mit Steuersenkungen die Wirtschaft ankurbeln will. 2013 werden die Staatsfinanzen gesundet sein, und die Hotels mit ihrer halben Mehrwertsteuer können schon mal anfangen mit dem Prosperieren. Blöd nur, dass die Besucher des Theaters, des Museums und des Bauhauses ausbleiben werden.
15.02.2010, 17:41 | tags: Kurt-Weill-Fest | Autor: Franziska Blech
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 11.02.2010
Ein Podium für die Verwandlungen
Weill-Gesellschaft stellt das Fest-Programm in der Landesvertretung in Berlin vor
Das Kurt-Weill-Fest rührt die Werbetrommel in Berlin. Wenige Tage bevor das 18. Musikfest, das den Dessauer Komponisten in seiner Geburtsstadt ehrt, am 26. Februar eröffnet wird, luden die Veranstalter in dieser Woche traditionell in die sachsen-anhaltische Landesvertretung in der Hauptstadt ein, um dort das Programm vorzustellen. Mit Festintendant Michael Kaufmann, Theaterintendant André Bücker und Philipp Oswalt, dem Direktor der Stiftung Bauhaus Dessau, lernten die zahlreichen Besucher im Dessau-Saal gleich drei neue Akteure der Stadt kennen, die die Geschicke der drei großen Kultur-Leuchttürme leiten. Man sei freilich "weit davon entfernt, nur ein Podiumtrio zu sein", formulierte es André Bücker. Das gemeinsame Arbeiten an Programmen und Aktionen habe sich von den Köpfen der Institutionen längst bis in die Arbeitsebenen verfestigt.
Deutlich macht sich dies auch im Programm des Weill-Festes, das dessen Intendant Michael Kaufmann angesichts der Fülle von über 40 Veranstaltungen an zehn Tagen vom 26. Februar bis zum 7. März nur in Ausschnitten näher vorstellen konnte. "Mein Vorgänger Clemens Birnbaum hat dieses Fest erfunden und geplant. An mir ist es, alle Kraft darin zu setzen, es zu einem Erfolg werden zu lassen und die Weichen für die Zukunft zu stellen", sagte Kaufmann. "New Art is True Art", der Titel der 18. Fest-Auflage, inkludiert gleich zwei Uraufführungen. "Zwei Kompositionsaufträge zu vergeben, ist für ein so kleines Festival wie das unsrige sehr bedeutend und zeugt von Mut zum Risiko", so Kaufmann.
Die bereits ausverkaufte Uraufführung von Moritz Eggerts "Bordellballade. Ein Dreigroscherlnstück" im Bauhaus und die gut gebuchte Fest-Eröffnung mit Helmut Oehrings "Die WUNDE Heine" gespielt vom Ensemble Modern seien indes Beweis, dafür, dass die "fantastische Entscheidung bei der Programmplanung richtig getroffen wurde". Da sich beide Komponisten auf Weills "Mahagony Songspiel" beziehen, würden sich spannenden Lesarten ergeben. Den szenischen Höhepunkt des Weill-Festes verortete Michael Kaufmann im zweiten Fest-Wochenende mit der Premiere von "One Touch of Venus" am Anhaltischen Theater.
Das Konzert des MDR-Sinfonieorchesters sei zudem von Clemens Birnbaum als inoffizielle Ouvertüre zur Internationalen Bauausstellung 2010 gedacht, die ab April in Dessau beginnt. Damit kamen auch die Kooperationspartner des Festes ins Boot, die zur Podiumsrunde gehörten. "Diese Zusammenarbeit ist für uns schiere Notwendigkeit", erklärte Michael Kaufmann. Kooperation hätte das Fest gewissermaßen im Geburtsgen verankert. Die Aktion "Jetzt wird gedessauert!" kam zur Sprache und der langwierige Prozess, auch die Bevölkerung vom Sinn derartiger Zusammenschlüsse zu überzeugen. Außerhalb Dessaus wird auf solche Initiativen freilich mit großem Wohlwollen geblickt. "Was hier passiert, war lange überfällig", sagte in Berlin Patricia Werner, die als stellvertretende Geschäftsführerin der Ostdeutschen Sparkassenstiftung die weibliche Seite und gleichermaßen die der Förderer vertrat. "Verwandlungen sind ein Thema, das uns interessiert, und genau dies passiert gerade in Dessau. Unser Geld kann für sich nichts bewirken, erst wenn es auf Partner trifft, die es verwandeln, passiert etwas", so Werner. Sie ließ - ohne konkret zu werden - verlauten, dass bereits Gespräche über künftige Projekte laufen, die die Sparkassenstiftung unterstützen will.
15.02.2010, 16:50 | tags: Musiktheater, Diverses, Neue Formate | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 15.02.2010
Oper Verstehen – Die Geschichte der Oper in 24 Teilen
[Teil 1] Die Florentiner Camerata und Claudio Monteverdi
Wie ist die Kunstform Oper entstanden? Wieso wird in der Oper manchmal gesprochen? Was ist ein Secco-Rezitativ? Wenn Sie sich für Oper interessieren, aber die eine oder andere unbeantwortete Frage haben, sind Sie bei Oper-Verstehen genau richtig.
Heribert Germeshausen [Leitender Musikdramaturg/ Operndirektion] wird einmal monatlich in dieser musikhistorisch chronologisch angelegten Reihe über die Entstehung des Musiktheaters sprechen. Zahlreiche Musikbeispiele, teils vom Tonband, teils live von Ensemblemitgliedern dargeboten, dienen der plastischen Veranschaulichung des Vortrags.
Die Reihe ist auf 24 Sitzungen und drei Spielzeiten konzipiert, beginnt bei der Florentiner Camerata
14.02.2010, 23:02 | tags: Spielzeit, Diverses | Autor: Franziska Blech
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 15.02.2010
Mit Wagners Ring ein Zeichen setzen
Freundeskreis Anhaltisches Theater schaut auf 2009 und auf drohende Sparmaßnahmen
"Eine Stadt macht sich nicht nur an ihrer Verwaltung fest, sondern auch an ihren kulturellen Einrichtungen. Die vorgestellte Prüfliste aber würde das Ende der Stadt Dessau-Roßlau bedeuten." Nachdenklich stimmende Worte fand Oliver Thust am Samstagnachmittag, als er im Anhaltischen Theater die Mitgliederversammlung des Freundeskreises des Dessauer Theaters eröffnete. Gut 50 Mitglieder des Vereins waren dorthin gekommen, mehr als sonst, was wohl auch der aktuellen Situation geschuldet war, denn die Prüfliste der Verwaltung zu möglichen Einsparungen (die MZ berichtete) bewegt auch die Theaterfreunde.
Vorschnelle Aktionen wollte Thust, der Vorsitzende des Freundeskreises, in dieser Versammlung jedoch nicht präsentieren. "Ich rufe den Freundeskreis und das Publikum auf, in einer breiten öffentlichen Debatte gegen die Sparmaßnahmen anzutreten", sagte er. Der Vorstand werde in den kommenden Wochen über das weitere Vorgehen beraten.
Die folgende Stunde im Theaterrangfoyer gehörte den Rechenschafts- und Kassenberichten des Vereins mit 287 Mitgliedern. Thust berichtete den Zuhörern von den Veranstaltungen des vergangenen Jahres, zu denen traditionell die Luisium-Konzerte gehörten. Man habe zudem mit einer Broschüre und einer Ausstellung das Wirken Johannes Felsensteins gewürdigt, ein Improvisationsprojekt für Kinder der evangelischen Grundschule unterstützt und die Werbemaßnahmen zum Eröffnungswochenende der neuen Spielzeit bezuschusst. Theaterstammtische und Kornhausdialoge hat der Freundeskreis ausgerichtet und in fünf Theaterbriefen über die Vereinsaktivitäten informiert.
Schatzmeisterin Ingeborg Arnold berichtete von der finanziellen Situation des Vereins und von einzelnen Ausgabe- und Einnahmeposten, zu denen auch Spenden über mehr als 1 000 Euro gehören. Im laufenden Jahr wird der Freundeskreis mit 500 Euro einen Kompositionsauftrag unterstützen und damit beginnen, für ein großes Vorhaben des Dessauer Theaters Rücklagen zu bilden. Dafür geworben hatte Generalintendant André Bücker.
Bücker, selbst Freundeskreis-Mitglied, berichtete davon, dass die Bühne in den Spielzeiten 2011 / 12 und 2012 / 13 plant, Richard Wagners "Ring des Nibelungen" mit den Opern "Das Rheingold", "Die Walküre", "Siegfried" und "Götterdämmerung" aufzuführen. "Kein anderes Theater in Mitteldeutschland ist dafür so prädestiniert, wie das Dessauer Haus. Unser Ring soll gerade in diesen finanziell schwierigen Zeiten ein Zeichen setzen", sagte er. "In Dessau muss es ein Wiedersehen mit dem Ring geben", so Bücker, der den Zyklus ein Projekt nennt, das "die Bürger der Stadt um ihr Theater scharen kann". Die Vereinsmitglieder entschieden sich mehrheitlich dafür, jährlich 1 700 Euro an Rücklagen zu bilden, um dieses große Vorhaben umzusetzen.
Vielen Theaterfreunden zu kurz geriet der sich anschließende Tagesordnungspunkt, der Diskussionsmöglichkeiten anbot. Nicht zufrieden mit dem Spielplan zeigte sich da beispielsweise Karl-Heinz Koppitz. "Die Mischung ist mir zu einseitig, es fehlen Spieloper und Musical", bemerkte er. Der Generalintendant hielt dem entgegen, dass er sich gemeinsam mit der neuen Leitung um einen ausgewogenen Spielplan bemüht habe. Allein zwei Musical-Produktionen gäbe es in dieser Spielzeit. Zwar fehle tatsächlich die Position einer Spieloper, aber mit dem "Maskenball" und großer französischer Oper stünden Premieren bevor, die der Bedeutung des Theaters als große Musiktheaterbühne gerecht würden. "Uns ist es niemals darum gegangen, das Dessauer Publikum auszutauschen. Wir haben versucht, einen Spielplan zu entwerfen, der eine Logik - auch aus den Traditionslinien des Hauses heraus - enthält", sagte Bücker.
Ein leidenschaftliches Plädoyer für das Theater schloss sich von dessen Verwaltungsdirektor Joachim Landgraf an. "Wir müssen alle zu unserem Theater stehen", mahnte er die Theaterfreunde, die ihren Verein schließlich mit eben diesem Ziel 1994 gründeten. Landgraf machte noch einmal deutlich, dass der neue Intendant Generalmusikdirektor Antony Hermus ebenso in die Stadt holte wie neue Sänger und Darsteller oder auch den Ballettchef. Bücker habe die Gastspielorte Schweinfurt und Winterthur besucht, sein Vorgänger habe dies nie getan. Wenn in wenigen Wochen Opernstar Leo Nucci in Dessau auftrete, dann sei dies auch der jetzigen Intendanz zu danken. Mit Auslastungszahlen der vier Lohengrin-Aufführungen von 728 Besuchern im Durchschnitt belegte Landgraf zudem die hohe Akzeptanz durch das Publikum. "In meiner Amtszeit wurde das nur durch die Zauberflöte übertroffen."
Die Runde war sich einig, in einem nächsten Kornhausdialog André Bücker einzuladen. Der sicherte dem Freundeskreises zu, gemeinsam zu überlegen, mit welchen Aktionen man die Dessauer Bühne unterstützen kann, um die drohenden Finanzkürzungen abzuwenden. "Es geht dabei jedoch nicht nur um das Theater, sondern auch um die Lebensqualität in dieser Stadt. Ich würde mir einen Schulterschluss zwischen allen kulturellen Einrichtungen und deren Freundeskreisen wünschen", sagte Bücker.
14.02.2010, 10:58 | tags: Musiktheater, Diverses, neuer Tag | Autor: Franziska Blech
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 11.02.2010
Ein Podium für die Verwandlungen
Weill-Gesellschaft stellt das Fest-Programm in der Landesvertretung in Berlin vor
Das Kurt-Weill-Fest rührt die Werbetrommel in Berlin. Wenige Tage bevor das 18. Musikfest, das den Dessauer Komponisten in seiner Geburtsstadt ehrt, am 26. Februar eröffnet wird, luden die Veranstalter in dieser Woche traditionell in die sachsen-anhaltische Landesvertretung in der Hauptstadt ein, um dort das Programm vorzustellen.
Mit Festintendant Michael Kaufmann, Theaterintendant André Bücker und Philipp Oswalt, dem Direktor der Stiftung Bauhaus Dessau, lernten die zahlreichen Besucher im Dessau-Saal gleich drei neue Akteure der Stadt kennen, die die Geschicke der drei großen Kultur-Leuchttürme leiten. Man sei freilich "weit davon entfernt, nur ein Podiumtrio zu sein", formulierte es André Bücker. Das gemeinsame Arbeiten an Programmen und Aktionen habe sich von den Köpfen der Institutionen längst bis in die Arbeitsebenen verfestigt.
Deutlich macht sich dies auch im Programm des Weill-Festes, das dessen Intendant Michael Kaufmann angesichts der Fülle von über 40 Veranstaltungen an zehn Tagen vom 26. Februar bis zum 7. März nur in Ausschnitten näher vorstellen konnte. "Mein Vorgänger Clemens Birnbaum hat dieses Fest erfunden und geplant. An mir ist es, alle Kraft darin zu setzen, es zu einem Erfolg werden zu lassen und die Weichen für die Zukunft zu stellen", sagte Kaufmann. "New Art is True Art", der Titel der 18. Fest-Auflage, inkludiert gleich zwei Uraufführungen. "Zwei Kompositionsaufträge zu vergeben, ist für ein so kleines Festival wie das unsrige sehr bedeutend und zeugt von Mut zum Risiko", so Kaufmann.
Die bereits ausverkaufte Uraufführung von Moritz Eggerts "Bordellballade. Ein Dreigroscherlnstück" im Bauhaus und die gut gebuchte Fest-Eröffnung mit Helmut Oehrings "Die WUNDE Heine" gespielt vom Ensemble Modern seien indes Beweis, dafür, dass die "fantastische Entscheidung bei der Programmplanung richtig getroffen wurde". Da sich beide Komponisten auf Weills "Mahagony Songspiel" beziehen, würden sich spannenden Lesarten ergeben.
Den szenischen Höhepunkt des Weill-Festes verortete Michael Kaufmann im zweiten Fest-Wochenende mit der Premiere von "One Touch of Venus" am Anhaltischen Theater. Das Konzert des MDR-Sinfonieorchesters sei zudem von Clemens Birnbaum als inoffizielle Ouvertüre zur Internationalen Bauausstellung 2010 gedacht, die ab April in Dessau beginnt. Damit kamen auch die Kooperationspartner des Festes ins Boot, die zur Podiumsrunde gehörten. "Diese Zusammenarbeit ist für uns schiere Notwendigkeit", erklärte Michael Kaufmann. Kooperation hätte das Fest gewissermaßen im Geburtsgen verankert.
Die Aktion "Jetzt wird gedessauert!" kam zur Sprache und der langwierige Prozess, auch die Bevölkerung vom Sinn derartiger Zusammenschlüsse zu überzeugen. Außerhalb Dessaus wird auf solche Initiativen freilich mit großem Wohlwollen geblickt. "Was hier passiert, war lange überfällig", sagte in Berlin Patricia Werner, die als stellvertretende Geschäftsführerin der Ostdeutschen Sparkassenstiftung die weibliche Seite und gleichermaßen die der Förderer vertrat. "Verwandlungen sind ein Thema, das uns interessiert, und genau dies passiert gerade in Dessau. Unser Geld kann für sich nichts bewirken, erst wenn es auf Partner trifft, die es verwandeln, passiert etwas", so Werner. Sie ließ - ohne konkret zu werden - verlauten, dass bereits Gespräche über künftige Projekte laufen, die die Sparkassenstiftung unterstützen will.
12.02.2010, 13:26 | tags: Finanzen | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 12.02.2010
Anhaltisches Theater Dessau von Schließung bedroht
Am Donnerstag, den 11. Februar 2010, hat der Oberbürgermeister der Stadt Dessau-Roßlau, Klemens Koschig, eine Prüfliste zur Konsolidierung des städtischen Haushalts vorgestellt. Die wegen ihrer drastischen Einschnitte auch „Blut- und Tränenliste“ genannte Aufstellung hat einen Gesamtumfang von 13,8 Mio. Euro und dient dem Ziel, für die Kommune einen genehmigungsfähigen Haushalt vorzulegen. Neben der radikalen Kürzung der Mittel für Museen, Bibliotheken, Sport, der Schließung von Schwimmbädern und Bürgerbüros beinhaltet der Plan auch und vor allem eine Reduzierung der Zuwendungen für das Anhaltische Theater um 3,5 Mio. Euro ab 2013. Bei der momentanen analogen Förderpraxis durch das Land Sachsen-Anhalt würde dies bedeuten, dass weitere 3,5 Mio. Euro von dieser Seite ausbleiben. Die dann nicht mehr haltbaren Haustarifverträge brächten für das Anhaltische Theater zusätzliche Belastungen von ca. 2 Mio. Euro, so dass bei dem Etat von derzeit insgesamt ca. 15 Mio. Euro Zuwendungen ein Fehlbetrag von rund 9 Mio. Euro entstehen würde. Mit den restlichen 6 Mio. Euro pro Jahr wäre das Ensemble- und Repertoiretheater in vier Sparten nicht länger haltbar, die Schließung des Dessauer Theaters und der Anhaltischen Philharmonie ließe sich nicht abwenden.
Generalintendant André Bücker: „Die Schließung des Dessauer Theaters nach über 200 Jahren wäre ein Offenbarungseid für die heute Verantwortlichen in diesem Land. Aber hier geht es um viel mehr als die Schließung eines Theaters, die im übrigen auch für das international angesehene Kurt-Weill-Fest und für die Vergegenwärtigung des Unesco-Weltkulturerbes in der Region existenzielle Folgen hätte. Hier geht es generell um den Niedergang eines Gemeinwesens. Sollte diese Liste Wirklichkeit werden, wäre Dessau eine Stadt ohne Zukunft und Perspektive. Warum sollten sich beispielsweise Firmen hier ansiedeln, wenn in Dessau-Roßlau mit der kulturellen Infrastruktur auch die Lebensqualität abhanden kommt? Bund und Länder sind aufgefordert, die Kommunen nicht länger finanziell zu strangulieren, sondern sie zu entschulden und damit in die Lage zu versetzen, ihren Aufgaben, auch den sogenannten freiwilligen, nachzukommen. Sollte das nicht unverzüglich passieren, droht der Bundesrepublik ein flächendeckendes Sterben der Kultureinrichtungen nie gekannten Ausmaßes. Nicht nur Banken und Automobilkonzerne sind „systemrelevant“. Theater, Museen, Bibliotheken und Sportvereine sind es auch. Wir brauchen einen Solidarpakt für die Kultur in all ihren erhaltenswerten Strukturen.“
12.02.2010, 11:49 | tags: Finanzen | Autor: Franziska Blech
Geisterstadt statt Bauhausstadt?
Dessau-Roßlau muss drastisch sparen und bangt um die eigene Zukunft
Mitteldeutsche Zeitung, 11.02.10
VON STEFFEN BRACHERT
DESSAU-ROSSLAU/MZ. Es ist der Tag danach, der keine Ruhe lässt. Im Minutentakt gibt Oberbürgermeister Klemens Koschig Interviews und erklärt, was schwer zu erklären ist: Die Dessau-Roßlauer Finanzlage, die so dramatisch ist, dass die Zukunft der Stadt auf dem Spiel steht. 83 Prüfaufträge hat die Verwaltung erarbeitet, um 13,5 Millionen Euro zusätzlich einzusparen. 83 Prüfaufträge haben die Fraktionschefs des Stadtrates am Dienstag abgenickt.
Es geht um das Anhaltische Theater und das Waldbad, die Südschwimmhalle, das Naturkundemuseum und den Tierpark. Es geht um Zuschüsse für Sportvereine und Veranstaltungen. Es geht um die Schließung von Sportstätten und Bürgerbüros. "Es geht", warnt André Bücker, Generalintendant des Anhaltisches Theaters, "um die Würde der Stadt und um die Frage, wie wir in dieser Stadt künftig leben wollen." Wird aus der Bauhausstadt eine Geisterstadt?
Finanzielle Schwierigkeiten sind in Dessau-Roßlau eigentlich nichts Neues. "Seit 2000 sind wir ständig in der Konsolidierung", muss selbst Oberbürgermeister Klemens Koschig zugeben. Und doch ist 2010 alles anderes. Land und Bund haben die finanziellen Rahmenbedingungen so verändert, dass Dessau-Roßlau ab 2013 jedes Jahr zusätzlich 13,5 Millionen Euro einsparen muss, um zu einem genehmigungsfähigen Haushalt zu kommen, in das Entschuldungsprogramm des Landes aufgenommen zu werden und halbwegs handlungsfähig zu bleiben. "Es geht", macht Finanzdezernentin Sabrina Nußbeck klar, "nicht mehr darum, ob wir 13,5 Millionen Euro einsparen, sondern nur noch um das wie." Ergebnis ist das, was Nußbeck eine "Blut- und Tränenliste" nennt, die seit Dienstag in der Stadt für heftige Aufregung sorgt.
Im Rathaus soll bis 2018 die Zahl der Mitarbeiter der Stadtverwaltung von jetzt 1 400 auf 840 sinken. Der Wegfall von 521 Stellen war schon im bisherigen Konsolidierungskonzept festgeschrieben. Wobei 222 Stellen wegfallen, weil die Kita-Erzieherinnen zum 1. Juli in einen Eigenbetrieb wechseln. Eine Einsparung ist damit nicht verbunden. Allerdings werden aus den Personalkosten Sachkosten, verbessert sich die Beschäftigungsquote der Stadtverwaltung. Nun aber sollen bis 2018 noch einmal 100 Stellen gestrichen werden. Erstmalig werden betriebsbedingte Kündigungen für die Stadtverwaltung nicht ausgeschlossen, wenn im Herbst dieses Jahres der Tarifvertrag ausläuft, der diese Kündigungen ausschließt.
Die Prüfliste ist voller kleiner und großer Grausamkeiten. Wie von Koschig angekündigt, gibt es tatsächlich keine Tabus mehr. Die Prüfliste ist aber auch ein Hilferuf an Land und Bund. "Es wird im ganzen Land einen Tsunami von solchen Ankündigungen geben", ahnt Theater-Intendant Bücker. "Die Kommunen werden stranguliert." Es gehe nicht mehr ohne Hilfe. Vor allem nicht beim Theater, das die Stadt finanziell überfordert. Bei den jetzt geplanten Einsparungen droht dem Theater das Aus.
Vor einer Hilfe aber stehen notwendige Hausaufgaben. Stadtverwaltung und Politik haben sich dafür auf ein paar Prämissen festgelegt. Die oberzentralen Funktionen Dessau-Roßlaus sollen weitgehend erhalten werden. Die Stadt will sich ihren eigenen Status nicht wegsparen. Einigkeit besteht zudem darin, auf den Verkauf von kommunalen Unternehmen oder Unternehmensanteilen zu verzichten. "In der Krise ist das keine Option", sagt Koschig, der vor allem auf die Entwicklung der Wirtschaft hofft. Die Stadt will sich aus allem zurückziehen, was freie Träger oder Dritte auch erledigen können. "Wir müssen schärfer an der eigenen Aufgabenkritik arbeiten." Die Stadt setzt aber auch auf das Ehrenamt. "Die Bürger dürfen sich nicht mehr nur verwalten lassen." Soll eine Bibliothek oder eine Sportstätte erhalten bleiben, dann seien auch die Bürger gefordert.
All das erfordert ein Umdenken. In der Stadt. In der Stadtverwaltung. In der Politik. Dass ein Teil der Probleme auch hausgemacht ist, gibt Koschig zu. "Die Stadt hat in den vergangenen Jahren zu viele Dinge an Fördermitteln ausgerichtet", kritisiert der Oberbürgermeister. Im Ergebnis hat Dessau-Roßlau teure Prestigebauten wie die Stadtschwimmhalle und das Technologie- und Gründerzentrum. Es sei aber schwierig, die Prioritäten im Haus zu verändern. Koschig bedauert zudem Nachlässigkeiten in der Haushaltskonsolidierung. "Jeder Vorschlag, der in der Vergangenheit nicht umgesetzt wurde, schmerzt jetzt doppelt", sagt der Oberbürgermeister und nennt ein Beispiel. "Der Verzicht auf die Erhöhung der Hundesteuer kostet uns jetzt das Waldbad." Dass so etwas noch einmal passiert, ist allerdings unwahrscheinlich. "Armut", sagt Koschig, "ist der beste Zuchtmeister."
12.02.2010, 11:47 | tags: Finanzen | Autor: Franziska Blech
Streichliste löst Debatte aus
Staatssekretär Rüdiger Erben reagiert auf Sparpläne des Landkreises
Mitteldeutsche Zeitung, 11.02.10
DESSAU-ROSSLAU/MZ/CH/SB. Die Ankündigung der Stadtverwaltung von Dessau-Roßlau, auf die große Finanznot mit einer umfangreichen Streichliste zu reagieren, hat in der Landespolitik für Aufregung gesorgt. Innenstaatssekretär Rüdiger Erben wies am Donnerstag auf Anfrage Vorwürfe aus Dessau-Roßlau als unbegründet zurück, die Stadt werde im Vergleich zu den beiden anderen kreisfreien Städte Halle und Magdeburg finanziell benachteiligt. Die unterschiedlich hohen Zuweisungen hingen mit der unterschiedlichen Größe der Städte und deren jeweils anders gelagerten Aufgaben zusammen, so Erben. So müssten Halle und Magdeburg deutlich mehr Leistungen für ihr Umland erbringen.
Erben räumte aber ein, dass sich Dessau-Roßlau in einer schwierigen finanziellen Lage befinde. "Gleichwohl gibt es Gemeinden in Sachsen-Anhalt, die es deutlich härter trifft, insbesondere im kreisangehörigen Raum."
Unterdessen haben Dessau-Roßlaus Stadträte die Vorgehensweise der Stadtverwaltung gebilligt. In einer interfraktionellen Runde wurden die 83 vorgeschlagenen Prüfaufträge bestätigt. Würden sie alle umgesetzt, könnten ab 2013 jährlich zusätzliche Einsparungen von 13,5 Millionen Euro erzielt werden. Die geplanten Einschnitte betreffen auch das Personal: Zusätzlich zum beschlossenen Abbau von 521 Stellen bis 2018 sollen weitere 100 Stellen gestrichen werden.
Die angekündigten Einsparungen - betroffen sind Schwimmbäder, Museen und Büchereien - haben in Dessau-Roßlau für heftige Diskussionen gesorgt. Vor allem am Anhaltischen Theater, wo die Stadt ab 2013 allein 3,5 Millionen Euro jährlich streichen will. "Das ist eine Nachricht, die verdaut werden muss", sagte André Bücker, seit einem halben Jahr erst Intendant des Theaters. Die Zukunft der Stadt stehe auf dem Spiel, wenn alle Einsparungen beschlossen werden. "Dann geht es nicht mehr um die Umbenennung in Bauhausstadt. Dann wird Dessau-Roßlau zur Geisterstadt."
12.02.2010, 11:44 | tags: Finanzen | Autor: Franziska Blech
Ziele und Ideen
Mitteldeutsche Zeitung,
11.02.10
HALLE/MZ. Prämissen
Oberste Priorität hat die Stärkung des Wirtschaftsstandortes Dessau. Oberzentrale Aufgaben sollen weitgehend erhalten werden. Veräußerungen von Unternehmen oder Anteilen sind keine Option. Die Erledigung von Aufgaben durch freie Träger und Dritte hat Priorität - ebenso die Anpassung der Einrichtung der Stadt an die demografische Entwicklung. Betriebsbedingte Kündigungen werden dabei nicht mehr ausgeschlossen.
Prüfaufträge
- Reduzierung der Zuschüsse an das Anhaltische Theater nach Auslaufen des Zuwendungsbetrages um 3,5 Millionen Euro
-zusätzliche Einsparung weiterer 100 Stellen in der Verwaltung und in nachgeordneten Einrichtungen
- Reduzierung der Aufwendungen für die Ortschaftsräte, der Außenstellen und der Bürgerbüros
- Schließung des Museums für Naturkunde und Vorgeschichte
- Reduzierung der Angebote im Tierpark (zum Beispiel Schließung des Schlangenhauses)
- Reduzierung der Leistungen der Anhaltischen Landesbücherei durch die Schließung der Wissenschaftlichen Bibliothek, die Schließung von Außenstellen und die Reduzierung von Öffnungszeiten
- Reduzierung der Zuschüsse für Veranstaltungen auf die Hälfte
- Halbierung der Vereinszuschüsse für verpachtete Sportstätten
- Schließung von kommunalen Sporteinrichtungen wie das Ringerzentrum und die Sportplätze "Einheit" und "Schaftrift"
- Öffnung des Waldbades für freien Badebetrieb
- Schließung Südschwimmhalle
- Verringerung der Zuschüsse an Freibad Rodleben
12.02.2010, 11:42 | tags: Finanzen | Autor: Franziska Blech
Stürmt Museen, Theater und Sportstätten
http://www.leo-magazin.com/news/142.html
Das Theater ohne Ensemble? Die Südschwimmhalle ohne Wasser? Die Stadt ohne Feste? Das Naturkundemuseum geschlossen, die wissenschaftliche Bibliothek gleichfalls? Dessau-Roßlau steht vor dem finanziellen Ruin, Verwaltung und Politik sind – zu spät – entschlossen, die Notbremse zu ziehen. Und die Bürger? Sollen sie auf die Straße gehen? Resignieren? Oder, wie Oberbürgermeister Klemens Koschig mahnt, es als Ehrenamtliche richten? Nichts davon wird etwas an der Situation ändern. Statt dessen sollten wir unsere Steuern zurückfordern. Sofort.
Es klingt abgedroschen, sei dennoch wiederholt: Dessau-Roßlau hat seit Jahren über die Verhältnisse gelebt. Ob Technologie- und Gründerzentrum oder Stadtschwimmhalle – wann immer Fördermittel lockten, schnappte die Stadt zu, ohne über die Folgekosten nachzudenken. Die Einnahmen aus der Gewerbesteuer liegen kaum höher als die Kosten des Theaters (auch wenn dies zur Hälfte vom Land finanziert wird). Die Privatisierung der Kindergärten wurde systematisch boykottiert. Und wenn es im Vergleich auch nur um Peanuts geht: Der durchaus richtige Verweis Koschigs auf Land und Bund als Mitschuldige an der Misere – die Klage klingt hohl, wenn man sich erinnert, dass er im vorigen Jahr noch dem Schifferfest in Roßlau 30.000 Euro zukommen lassen wollte.
Nun gibt es eine Prüfliste. 83 Punkte umfasst diese, vom beschleunigten Personalabbau in der Verwaltung bis zum radikalen Verzicht auf kulturelle und soziale Angebote findet sich alles darin. Und man darf gewiss sein, dass in den kommenden Wochen und Monaten ein Hauen und Stechen einsetzen wird, wem wie viel zusteht, wessen Angebot als unverzichtbar gilt. Es droht die Wiederholung eines nicht nur in Dessau-Roßlau erprobten Prinzips: Gegeben wird, wer am lautesten schreit oder die fähigsten Einflüsterer besitzt. Am Ende würde ein Mal mehr die Bürger zahlen.
Die indes sollten sich endlich wehren, sich zurück holen, was sie längst bezahlt haben in Form von Steuern. Ob Theater, Schwimmhalle, Bibliothek oder Percussionkurs im Freizeitzentrum – viele kulturelle und soziale Angebote sind hochgradig subventioniert. Wer sie nutzt, bekommt einen Gegenwert für von ihm gezahlte Steuern, auf den er sonst zu Gunsten anderer verzichtet.
Jammern wir also nicht. Stürmen wir Museen und Theater und Bibliothek und Schwimmhalle und Tierpark, Freunde, Bekannte und Verwandte im Schlepptau. Holen wir uns Steuern zurück auf eine angenehmere Art als durch das Ausfüllen der Steuererklärung.
Unmöglich? Vielleicht. Aber den Versuch wert, als darauf zu warten, dass Dessau-Roßlau, wie Theaterintendant André Bücker befürchtet, tatsächlich umbenannt werden muss – in Geisterstadt.
12.02.2010, 11:37 | tags: Kurt-Weill-Fest | Autor: Franziska Blech
Junge Künstler
Mitteldeutsche Zeitung Dessau 10.02.10
HALLE/MZ. Mit der Unterstützung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung bietet das Weill-Fest auch dem künstlerischen Nachwuchs wieder eine Bühne setzt die Kooperation mit der Universität der Künste (UdK). Absolventen des Studiengangs Musical / Show der UdK zeigen am zweiten Festivalwochenende den Liederzyklus des Broadway-Erfolgskomponisten Jason Robert Brown "Songs for a New World" in Dessau. Im Atelier des Feininger Hauses werden zwei Absolventen der Hamburger Stage School einen satirisch-humoristischen Abend gestalten.
12.02.2010, 11:35 | tags: Kurt-Weill-Fest | Autor: Franziska Blech
Man singt, um etwas zu sagen
Die Österreicherin Angelika Kirchschlager ist weltweit eine der gefragtesten Opernsängerinnen - Jetzt kommt sie nach Dessau
VON ANDREAS HILLGER, 10.02.10
DESSAU-ROSSLAU/MZ. Eigentlich, sagt Angelika Kirchschlager, sei sie ja eine verkappte Schauspielerin - mit der kleinen Besonderheit, dass sie eben auch noch singen könne. Diese Selbstbeschreibung ist in ihrem Understatement natürlich kaum zu überbieten, aber sie erklärt im Kern dann doch das Geheimnis des Erfolgs. Denn die gebürtige Salzburgerin gilt ja eben darum als eine der weltweit gefragtesten Mezzosopranistinnen, weil sie ihre Partien nicht nur singt, sondern sie mit ihrer ganzen Persönlichkeit lebt und beseelt. Und deshalb darf man auch einen besonderen Höhepunkt erwarten, wenn sie am 27. Februar einen Liederabend beim Kurt-Weill-Fest im Anhaltischen Theater gestaltet.
Bei der Zusammenstellung ihrer Recital-Programme setze sie gern auf "unorthodoxe Gruppen", erklärt die Sängerin am Rande einer Masterclass in ihrer Geburtsstadt, die sie zwischen Konzerten im New Yorker Lincoln Center und in der Londoner Wigmore Hall leitet. Gerade hat sie an der Metropolitan Opera den Hänsel in Humperdincks Märchenoper gesungen, demnächst steht sie als Graf Orlofsky in der "Fledermaus" auf der Bühne der Bayerischen Staatsoper - und dann folgt Dessau, wo sie Weill in Kontrast zu Erich Wolfgang Korngold und von Franz Schubert setzen will. "Ich sortiere nicht nach Jahreszahlen", sagt Angelika Kirchschlager, "und ich singe nichts, was mir nicht gefällt".
Im konkreten Fall heißt das, dass sie Linien der Tradition und der Atmosphäre nachzeichnet - die Wiener Prägung bei Korngold und Schubert auf der einen, das New Yorker Exil bei Weill und Korngold auf der anderen Seite. "Wie ein Fisch im Wasser" fühle sie sich in diesen Liedern, die ja immer auch Mini-Dramen seien - also die optimale Aufgabe für eine singende Darstellerin, die stets "so nahe am Text wie möglich" operiert.
Mit dieser Einstellung hat sie sich ein Repertoire erarbeitet, das vom Sesto in Händels "Giulio Cesare" über Debussys Melisande, Bizets Carmen und den "Rosenkavalier"-Octavian bis zur Titelpartie in der Uraufführung von Nicolas Maws Oper "Sophie's Choice" reicht. Eine besondere Rolle im Katalog der charmanten Allround-Spezialistin nimmt - wie könnte es anders sein? - ihr Landsmann Mozart ein, dem sie Parade-Partien wie die Dorabella in "Cosi fan tutte" und den Idamante im "Idomeneo" verdankt. Als Cherubino in seiner "Le Nozze di Figaro" debütierte die junge Absolventin 1993 in der Wiener Staatsoper. Es war ihr erstes Engagement - und seither ging es permanent bergauf, was sich für die 2007 zur Kammersängerin ernannte Künstlerin nicht zuletzt in drei Echo Klassik Awards und einem Grammy zeigt.
Auch Kurt Weill hat sich Angelika Kirchschlager im übrigen schon mehrfach genähert: als Spelunkenjenny in einer konzertanten Aufführung der "Dreigroschenoper" ebenso wie als Anna in den "Sieben Todsünden", die sie demnächst auch auf einer Tournee durch Portugal und Spanien singen wird. Gearbeitet hat sie dabei mit so renommierten Dirigenten wie HK Gruber und Simon Rattle, deren analytische Lesart ihrem eigenen Interpretations-Ansatz entgegenkam. Dass es freilich Sänger braucht, um solchen Partien gerecht zu werden, steht für sie außer Zweifel: Immerhin sei ein Stück wie die "Sieben Todsünden" doch zu groß instrumentiert, um es einer Schauspieler-Stimme anzuvertrauen.
Auf der anderen Seite - also im Orchester - hat auch Angelika Kirchschlagers Karriere einst begonnen. Sie studierte zunächst Schlagzeug und Klavier, ehe sie bei Walter Berry in Wien ihre Stimme schulen ließ. Dass sie an ihrer einstigen Ausbildungsstätte - dem Salzburger Mozarteum - inzwischen selbst als Professorin unterrichtet, schließt einen Kreis - und reicht ihr künstlerisches Credo an die nächste Generation weiter: "Man singt, um etwas zu sagen".
Ein anderer Kreis hat sich gerade erst geöffnet, weil der Dessauer Festival-Direktor Clemens Birnbaum inzwischen Intendant der Händel-Festspiele in Halle geworden ist. Wäre es denkbar, dass Angelika Kirchschlager angesichts ihrer hoch gelobten CD mit Arien des Barockmeisters noch einmal nach Sachsen-Anhalt zurückkehrt? "Ich habe mir vorgenommen, keine Partie mehr zu singen, die länger als drei Stunden dauert", sagt sie. Aber generell auszuschließen wäre ein Konzert nicht: "Der Swing bei Händel", sagt Angelika Kirchschlager, "kommt mir sehr entgegen."
Konzert in Dessau am 27. Februar, 19.30 Uhr, Anhaltisches Theater.
Die MZ verlost drei mal zwei Freikarten, Interessenten schreiben bis 12. Februar an: Mitteldeutsche Zeitung, 06075 Halle / Saale, Ressort Kultur, Stichwort: Angelika Kirchschlager
11.02.2010, 16:28 | tags: Finanzen | Autor: Franziska Blech
Städtischer Haushalt nimmt dramatische Entwicklung an
Stadtverwaltung erarbeitete Prüfliste zur Haushaltskonsolidierung
In einer Gesprächsrunde mit den Fraktionsvorsitzenden des Dessau-Roßlauer Stadtrates stellten Oberbürgermeister Klemens Koschig und die Beigeordnete für Finanzen, Sabrina Nußbeck, gestern Abend die Prüfliste der Stadtverwaltung vor, in der all diejenigen Einsparvorschläge aufgeführt sind, durch die der dramatischen Haushaltssituation entgegengewirkt werden soll. Im Folgenden werden die dafür verantwortlichen äußeren Einflüsse ausführlich dargestellt, um dann die unvermeidbaren Einschnitte aufzuzeigen.
Um es gleich auf den Punkt zu bringen: nicht der Einbruch eigener Steuer-einnahmen ist das Hauptproblem der Stadt Dessau-Roßlau, sondern das reformierte Finanzausgleichsgesetz (FAG) in Sachsen-Anhalt. In dessen Folge sind 10,3 Millionen Euro weniger Einnahmen im Vergleich zu 2009 zu verzeichnen (4,7 Millionen Euro weniger im Verwaltungshaushalt, und 5,6 Millionen Euro weniger im Vermögenshaushalt). Hinzu kommt die Rückzahlung so genannter „überzahlter“ Zuweisungen aus dem Jahr 2009 in Höhe von 1,3 Millionen Euro (verteilt auf 2010, 2011 und 2012).
Das von Anfang an bestehende Problem der Unterfinanzierung der Stadt Dessau-Roßlau im Vergleich zu Halle und Magdeburg wurde nicht gelöst. Seit Bestehen des kommunalen Finanzausgleichs in Sachsen-Anhalt erhalten die beiden Oberzentren eine Einwohnerveredelung von 12 Prozent, obwohl doch alle drei kreisfreien Städte und Oberzentren dieselben Aufgaben zu erledigen haben und in Dessau-Roßlau die Pro-Kopf-Belastung vielfach am Höchsten ist (das bedeutet unter dem Strich: 6 Millionen Euro weniger gegenüber Halle und Magdeburg nur durch die Ungleichbehandlung).
Stattdessen wurde die einzige Regelung im alten FAG, die der geringen Einwohnerdichte einerseits und der großen Fläche andererseits Rechnung getragen hatte – nämlich der Flächenfaktor bei der Investitionshilfe – abgeschafft und letztere ebenfalls an die Steuerkraft gebunden (das bedeutet unter dem Strich 2,8 Millionen Euro weniger gegenüber der alten Regelung).
Die Kosten für Sozialhilfe sind in den letzten Jahren per Saldo (Ausgaben minus Einnahmen) um 24,2 Prozent gestiegen (das sind fast 2 Millionen Euro pro Jahr im Vergleich 2006 zu 2009) gestiegen.
Die letzte Tariferhöhung 2008/2009 sowie die Anpassung der Beamten-besoldung kostet die Stadt insgesamt rd. 4 Mio. EUR pro Jahr. Jedes weitere Prozent Tarifsteigerung entspricht einer Personalkostenerhöhung um 600.000 Euro.
Die eigenen Steuermindereinnahmen betragen voraussichtlich rd. 2,7 Millionen Euro gegenüber der Schätzung im Finanzplan. Dadurch können die geplanten Konsolidierungsmaßnahmen – nämlich tilgungsbezogene Einnahmen im Verwaltungshaushalt einzusetzen – nicht eingehalten werden, weil diese Mittel im Vermögenshaushalt zur Darstellung der Eigenmittel für die zusätzlichen Maßnahmen aus dem Konjunkturpaket II benötigt werden.
Weitere Steuermindernahmen von voraussichtlich 7 Millionen Euro bis zum Jahr 2018 resultieren aus dem Wachstumsbeschleunigungsgesetz.
Dies alles führt dazu, dass am Ende des Finanzplanzeitraumes 2018 ein kumuliertes Defizit in Höhe von 140,7 Millionen Euro bestehen wird. Das entspricht fast 90 Prozent der gesamten Einnahmen eines Haushaltsjahres!
Zurzeit sind Konsolidierungsmaßnahmen im Umfang von 13,8 Millionen Euro Beschlusslage des Stadtrates sowie im Entwurf des Finanzplanes 2010 enthalten:
1,705 Millionen Euro aus Sachkosteneinsparungen oder Einnahme-erhöhungen (darunter 959.000 Euro Zinsersparnis durch das Entschuldungsprogramm des Landes STARK II)
11,117 Millionen Euro aus Personaleinsparungen (= 298,8 Stellen)
Weitere 222,4 Stellen werden eingespart durch die Überleitung des Personals in den Eigenbetrieb KITA (Umwandlung von Personalkosten in Sachkosten – also keine echte Kostenersparnis)
Dies entspricht in der Summe einer Stelleneinsparung von insgesamt rd. 521 Stellen bis 2018.
Das Entschuldungsprogramm STARK II legt als Indikator ebenfalls das Personalentwicklungskonzept zugrunde
Die Effekte aus der Inanspruchnahme des Entschuldungsprogramms STARK II in Höhe von 959.000 Euro sind bereits berücksichtigt.
All diese Einsparungen sind in der Finanzplanung 2010 bereits berück-sichtigt. Dennoch führen die neuen finanziellen Rahmenbedingungen zu besagter Überschuldung in Höhe von 140,7 Millionen Euro bis zum Jahr 2018.
Damit sind weitere Einsparungen bzw. Einnahmeerhöhungen notwendig. Vorausgesetzt die zusätzlichen Maßnahmen greifen ab 2013 – ergibt sich hieraus eine jährliche Einsparsumme von 13,5 Mio. EUR. Jedes Jahr in dem die Maßnahme zeitiger umgesetzt werden – verringert diesen Betrag!
Aus dieser Notwendigkeit wurden neue Einsparvorschläge erarbeitet unter folgenden Prämissen:
weitere Personalkürzungen sind notwendig
die Erledigung von Aufgaben durch freie Träger bzw. Dritte geht der Erledigung mit eigenen Kräften vor
Ehrenamtliches Engagement ist zu fördern, um Aufgaben im freiwilligen Bereich auch weiterhin abzusichern
eine Anpassung der Einrichtungen in der Stadt an die demografische Entwicklung ist unumgänglich, das betrifft nicht nur weitere Schulen und Kindertagesstätten, sondern auch Sport-, Kultur- und Freizeiteinrich-tungen
oberzentrale Aufgaben sollen weitgehend erhalten bleiben
oberste Priorität bei den freiwilligen Leistungen hat die Stärkung des Wirtschaftsstandortes Dessau-Roßlau, weil nur das die Vorausset-zungen dafür schaffen kann, dass die Stadt dem Abwärtstrend entgegenwirkt
die Schaffung der Voraussetzungen für die Teilnahme am Entschuldungsprogramm ist unabdingbar, das heißt: ein genehmigungsfähiger Haushalt inkl. Haushaltskonsolidierungskonzept
Veräußerungen von Unternehmen bzw. Unternehmensanteilen sind keine Option zur Konsolidierung in der Krise
der weitere Personalabbau soll möglichst sozialverträglich erfolgen, aber betriebsbedingte Kündigungen werden nicht mehr ausgeschlossen
Schwerpunkte der zusätzlichen Konsolidierungsvorschläge, die durch die Verwaltung erst zu prüfen sind:
zusätzliche Einsparung weiterer 100 Stellen in der Verwaltung einschl. nachgeordneter Einrichtungen, aber ohne Eigenbetriebe (voraussicht-liche Einsparung 4,7 Millionen Euro, das entspricht 35 Prozent der Gesamteinspar-summe)
Reduzierung der Aufwendungen für die Betreuung der Ortschaftsräte, Außenstellen, Bürgerbüros etc.
Schließung Naturkundemuseum
Reduzierung der Angebote im Tierpark (z. B. Schließung Schlangen-haus o. a. kostenintensiver Tiere)
Reduzierung der Leistungen der Anhaltischen Landesbücherei (z. B. Schließung Außenstellen und der Wissenschaftlichen Bibliothek, Reduzierung Öffnungszeiten etc.)
Reduzierung der Zuschüsse für Veranstaltungen auf die Hälfte
Halbierung der Zuschüsse an Vereine für verpachtete Sportstätten
Schließung von kommunalen Sporteinrichtungen (z. B. Ringerzentrum, Sportplatz „Einheit“, Schaftrift)
Öffnung des Waldbades für freien Badebetrieb
Schließung Südschwimmhalle
Verringerung der Zuschüsse an Freibad Rodleben (Vergleich Roßlau)
Reduzierung der Zuschüsse an das Anhaltische Theater nach Auslaufen des bestehenden Zuwendungsbetrages um 3,5 Millionen Euro
um nur die wesentlichen Prüfaufträge zu nennen.
Klar ist angesichts der dramatischen Gesamtsituation auch, dass es nicht nur bei den genannten Einschränkungen im freiwilligen Bereich bleiben kann, sondern dass auch Einschnitte bei Pflichtaufgaben anstehen.
11.02.2010, 16:26 | tags: Finanzen | Autor: Franziska Blech
Zwei Städte, ein Problem
Dessau-Roßlau und Bitterfeld-Wolfen fehlen Millionen - aus verschiedenen Gründen
VON ANDREAS HILLGER UND CHRISTIAN SCHAFMEISTER
DESSAU/MZ. Im Internet ist derzeit eine Stellenausschreibung zu lesen, in der die Stadt Dessau-Roßlau "zum nächstmöglichen Zeitpunkt" einen Amtsleiter für Kultur sucht. Falls jene Streichliste in Kraft treten sollte, die jetzt in der Verwaltung geprüft wird, wird man sich diese Stelle wohl sparen können. Denn von den freiwilligen Aufgaben, zu denen die städtischen Kultureinrichtungen zählen, dürfte danach nicht mehr viel übrig bleiben.
Dabei, so sagen Insider, ist dort eigentlich nicht mehr viel zu holen: Die Museen haben ihren Etat weitgehend auf die Personal- und Betriebskosten reduziert, an der Stiftung Bauhaus ist die Stadt nur mit fünf Prozent beteiligt. Unter den Unesco-Welterbestätten ist nur der Betrieb der Meisterhäuser stark von kommunalen Zuschüssen abhängig. Als größter Posten aber schlägt das Anhaltische Theater zu Buche, das derzeit 15 Millionen Euro von Stadt und Land erhält.
Auf der "Blut-und-Tränen-Liste", wie das Papier intern heißt, macht dieses Haus nun auch den größten Posten aus: 3,5 Millionen Euro will die Stadt nach Auslaufen des Theater- und Orchestervertrages 2012 kürzen. Und da das Land seine Zuwendungen prozentual an den kommunalen Anteil koppelt, würde sich diese Summe verdoppeln, nach Auslaufen der Haustarif-Verträge kämen potenziell zwei Millionen Euro Mehrkosten auf die Arbeitgeber zu - und mit dem verbleibenden Rumpf-Etat ließen sich die nötigen Eigeneinnahmen nicht mehr erzielen. Am Ende, sagt Generalintendant André Bücker, blieben vielleicht sechs Millionen übrig. "Das wäre das Ende eines Ensemble- und Repertoire-Theaters, das derzeit seine 215. Spielzeit feiert - und ein Armutszeugnis für die gegenwärtige Gesellschaft, die das Erbe von Generationen aufgibt."
Thomas Markworth befürchtet zudem einen gefährlichen Domino-Effekt. "Das Weill-Fest in seiner derzeitigen Form", sagt der Präsident der Kurt-Weill-Gesellschaft, "ist ohne das Anhaltische Theater undenkbar". In einer Stadt, für die ihr kulturelles Erbe einer der wichtigsten Standort-Faktoren sei, müsse man daher vor allem nach anderen Kürzungs-Möglichkeiten suchen - etwa in der Verwaltung selbst, die für die Stadtgröße noch immer überdimensioniert sei.
Auch in der Nachbarstadt Bitterfeld-Wolfen sollen die Personalkosten von 23 Millionen Euro pro Jahr weiter sinken. Denn auch dort drohen harte Zeiten - dabei stand die Kommune bis vor kurzem gut da. Insbesondere wegen kräftig sprudelnder Steuereinnahmen wurde 2008 ein Überschuss von 8,7 Millionen Euro erwirtschaftet. Bereits Ende 2009 zeichnete sich aber ein dramatischer Einbruch der Gewerbesteuereinnahmen von 30 Millionen Euro ab. "Das hat uns das Genick gebrochen", sagt Oberbürgermeisterin Petra Wust (parteilos). Letztlich stand ein Defizit von 22 Millionen Euro. Und die Prognose von Kämmerer Rolf Hülßner ist düster. "Wir steuern bald auf ein Defizit von 100 Millionen Euro zu."
Vor zwei Jahren indes sah die Situation völlig anders aus. Mehr als 40 Millionen Euro Gewerbesteuer zahlten Unternehmen wie Q-Cells vor Ausbruch der Wirtschaftskrise an die Kommune. Paradoxerweise fallen der Stadt die hohen Steuereinnahmen in der Vergangenheit jetzt richtig auf die Füße, weil sie immer zwei Jahre später als Berechnungsgrundlage herangezogen werden. Was der Kämmerer schlicht als "Schattenwirkung" bezeichnet, kostet Bitterfeld-Wolfen Millionen. So gibt es 2010 einerseits deutlich weniger Landeszuschüsse, andererseits muss eine Millionen-Umlage an den Kreis überwiesen werden. "Wir gehen bislang von 27,5 Millionen Kreisumlage aus, das wäre doppelt so viel wie 2008", sagte der Kämmerer. Dass die Stadt diese Summe schon einkalkuliert hat, führt zu einem kuriosen Ergebnis. "Uns fehlten bereits am 1. Januar 225 000 Euro, ohne dass wir zuvor eine einzige Aufgabe erledigt hätten", sagt Petra Wust. Ein Umstand, der bei der Oberbürgermeisterin für Ärger sorgt. "Uns hängt die Zunge an der Schuhsohle, wir sind pleite, gelten aber noch immer als steuerstarke Kommune, da stimmt doch etwas nicht." Dies könne zudem den Bürgern nicht vermittelt werden.
Auch der Kämmerer spricht von einer "unverschuldeten Finanzmisere". Denn schließlich habe man "nicht jahrelang in Saus und Braus gelebt". Spielraum, um eigene Akzente zu setzen, habe die Kommune aber nicht mehr. "Gestalten fällt aus, es geht nur darum, jeden Tag wieder zu schauen, ob noch etwas im Topf ist." Beispielsweise, um nach dem Winter die Schlaglöcher zu beseitigen. Mehr gehe keinesfalls. "Ich sehe mich nur noch als Verwalter einer Stadt im extremen Notstand." So sei der Etat schon deshalb rechtswidrig, weil er bis 2018 nicht, wie vorgeschrieben, ausgeglichen werden könne.
Oberbürgermeisterin Wust gibt sich dennoch kämpferisch. "Wir müssen mit der Situation fertig werden." Gleichwohl ärgert sie das Bild vom "Nörgelverein und Anhängsel", das von den Städten oft gezeichnet werde. "Wir sind gerade für den Bürger das wichtigste Element im Staatsgefüge", betont sie. "Aber obwohl wir 80 Millionen Leute vertreten, haben wir einfach keine Lobby."
11.02.2010, 16:24 | tags: Finanzen | Autor: Franziska Blech
Klagen hilft nicht
Mitteldeutsche Zeitung, 10.02.10, 20:29
VON ANDREAS MONTAG
HALLE/MZ. Ohne Moos nichts los, hat der Schlagerbarde Gunter Gabriel bündig formuliert. Eine Weisheit, die jedermann sofort einleuchtet, wenn es den eigenen Geldbeutel betrifft. Schwerer tut man sich als Bürger mit der Einsicht in die Endlichkeit, klagen die Hüter der öffentlichen Kassen über Defizite. Und wird gar ein kommunaler Katalog der Grausamkeiten besprochen, wie es jetzt in der kulturträchtigen Doppelstadt Dessau-Roßlau geschieht, muss man kein Prophet sein, um anschwellendes Klagegeschrei des Steuerzahlers vorherzusagen: Wo ist es hin, das schöne Geld, und weshalb regnet es eigentlich nicht Scheine vom Himmel?
Nur ist es eben wirklich eine höchst prekäre Lage, in der sich viele Gemeinden der Republik befinden: Am Ende der Verteilungskette, die vom verschuldeten Bund über die finanzbedürftigen Länder bis vor die Haustür reicht, nimmt die Not konkrete Gestalt an. Und da sich die Leistungen einer Kommune per Gesetz in Pflicht und Vergnügen teilen, liegt nahe, wo man zu sparen versuchen wird: bei den freiwilligen Aufgaben, zu denen auch die Kultur gehört.
Dieser gilt, wie es schon zu Zeiten des spitzbärtigen SED-Chefs Walter Ulbricht hieß, zwar jeder zweite Herzschlag unseres Lebens, aber er kostet eben auch verdammt viel Geld - zumal das Theater. Man dürfte deshalb unschwer Unterstützer finden, die einen solch üppigen Posten ohne mit der Wimper zu zucken komplett von der Ausgabenliste streichen würden. Dass dies im Hinblick auf die Bildung der Bürger, für die sich der Staat zuständig erklärt, hoffentlich keine politischen Mehrheiten finden wird, ist zwar eine beruhigende Annahme - eine Lösung der Finanzprobleme ist es nicht. Im Gegenteil: Viele Städte in Ost wie West drohen absehbar in eine immer weiter klaffende Schere zu geraten. Steigenden Lohn- wie Sozialausgaben und schrumpfenden Einwohnerzahlen stehen sinkende Steuereinnahmen gegenüber.
Deshalb ist das Finanzsystem der Kommunen generell reparaturbedürftig. Dass den Letzten die Hunde beißen, ist keine befriedigende Ansage für ein Gemeinwesen. Das hieße, die Bürgergesellschaft kapituliert. Ein Gedanke, der den politischen Sonntagsrednern in Berlin nicht angenehm sein dürfte.
Allerdings wird für das Nachdenken über eine tragfähige Kommunalfinanzierung nicht nur der Sachverstand der gewählten Vertretungen, sondern idealerweise die Mitsprache und die Fantasie der Bürger vor Ort gebraucht. Weder die Hoffnung, dass es schon irgendwie gut gehen wird, noch die Verdrossenheit über die vielgescholtene Obrigkeit, von der man nichts erwarten könne, helfen weiter.
Wenn man nun in Dessau-Roßlau die Notglocke läutet, ist dies mehr als nur Alarmismus. Eine Stadt, die mit Gartenreich, Bauhaus und Meisterhäusern ein Erbe von Weltrang besitzt, Schätze wie die Anhaltische Gemäldegalerie, ein ambitioniertes Theater und das renommierte Kurt-Weill-Fest dazu, hat eben auch das Potenzial, das Ausmaß drohender Einschnitte deutlich zu machen. Die Fallhöhe ist erheblich. Und keiner wird sagen können, er hätte es nicht gewusst.
11.02.2010, 16:23 | tags: Finanzen | Autor: Franziska Blech
Dessau-Roßlau droht mit Kahlschlag
Umfangreiche Streichliste sieht Kürzungen bei Theater, Museen und Sportstätten der Stadt vor
VON STEFFEN BRACHERT, Mitteldeutsche Zeitung Dessau, 10.02.10
DESSAU-ROSSLAU/MZ. Die akute Finanznot zwingt Dessau-Roßlau zu drastischen Einschnitten: Oberbürgermeister Klemens Koschig hat eine 83 Punkte zählende Prüfliste in Auftrag gegeben, in deren Ergebnis knapp 13 Millionen Euro eingespart werden sollen. Bibliotheken, Freibädern, Sportplätzen und Museen droht die Schließung. Kürzen will Dessau-Roßlau offenbar auch die städtischen Beteiligung für die Stiftung Bauhaus und die Stiftung Meisterhäuser. Umstrittenster und größter Einzelposten auf der Liste: Die Stadt will nach Auslaufen des drei Jahre laufenden Zuwendungsvertrages für das Anhaltische Theater ab 2013 den Zuschuss um 3,5 Millionen Euro halbieren. Das Vier-Sparten-Haus wäre damit nicht mehr zu halten.
"Es ist eine Liste, die alle Tabus bricht", bestätigte Koschig die Pläne, "die für uns eine Art Notwehr sind". Dessau-Roßlau fühle sich vom Land und vom Bund im Stich gelassen. Im Finanzplan für 2010 hatte Dessau-Roßlau ein Minus von 13,2 Millionen Euro kalkuliert. Tatsächlich liegt es nunmehr bei 25,9Millionen. "Die Gewerbesteuereinnahmen sind bei uns auch in der Krise fast konstant geblieben", sagte Koschig. Das wachsende Defizit sei allein auf äußere Einflüsse zurückzuführen.
Dessau-Roßlau steht damit beispielhaft für viele Kommunen im Land - und ist als kreisfreies Oberzentrum doch ein Sonderfall. "Wir bekommen 2010 über 10,3 Millionen Euro weniger aus dem Finanzausgleichsgesetz. Wir haben zusätzliche Steuermindereinnahmen in Höhe von 2,7 Millionen Euro. Und wir haben Sozialleistungen, die deutlich steigen. Im Vergleich zu 2006 zahlen wir 2009 schon zwei Millionen Euro mehr", rechnete Dessau-Roßlaus Finanzdezernentin Sabrina Nußbeck vor. Das Finanzausgleichsgesetz in Sachsen-Anhalt wurde zwar überarbeitet. Geblieben aber sei die Ungleichbehandlung im Vergleich zu Halle und Magdeburg. "Obwohl wir gleiche Aufgaben erledigen, bekommen wir weiterhin sechs Millionen weniger", beklagte Nußbeck. Im März will sie einen genehmigungsfähigen Haushaltsentwurf für 2010 vorlegen. Bis dahin sollen die Prüfaufträge abgearbeitet sein. Das letzte Wort hat der Stadtrat.
Sachsen-Anhalts Städte- und Gemeindebund warnte unterdessen vor Streichungen auch in anderen Kommunen. "Wir rechnen damit, dass auch andernorts Dienstleistungen im freiwilligen Bereich, etwa Büchereien oder Bäder, eingeschränkt werden müssen", sagte der Erste Beigeordnete Jürgen Leindecker der MZ. Viele Kommunen hätten überhaupt keinen Spielraum mehr.
05.02.2010, 16:53 | tags: Musiktheater, Theaterpädagogik | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 05.02.2010
SCHAF feiert Premiere im Alten Theater
„Schaf“ ist eine Musiktheaterproduktion von Sophie Kassies für Kinder ab 5 Jahren aber auch für Erwachsene absolut empfehlenswert. Im Studio des Alten Theaters feiert die Inszenierung in der Regie von Dirk Schmeding am 14. Februar um 10:30 Uhr Premiere. Eine Schauspielerin, ein Schauspieler, zwei Sängerinnen und zwei Musiker spielen und besingen die abenteuerliche Reise von Schaf.
Eingebettet wird sie in Musik von Henry Purcell, Georg Friedrich Händel und Claudio Monteverdi. Erleben Sie diese humorvolle, phantastische, leicht melancholische, freche und liebevolle Geschichte!
Wie der Titel schon vermuten lässt -geht es um ein Schaf. Schaf lebt auf einer Wiese zusammen mit anderen Schafen und ist glücklich. Lorenzo ist ein Prinz. Weil er König werden soll, ist er unglücklich. Deshalb flüchtet er sich in die Schafherde, um seine Krone dort zu verstecken. Schaf hilft ihm dabei und so werden die beiden Freunde. Lorenzo ist der Meinung: „Wenn man einen Freund hat, ist man ein spezieller Jemand. Anders als die anderen. Dann braucht man einen Namen!“ Nur hat Schaf den nicht, es ist einfach Schaf. Also macht es sich auf die Suche nach einem Namen und eine Reise voller Abenteuer beginnt!
Im Anschluss an die Premiere bieten die Theaterpädagogin Imme Heiligendorff und die Bühnenbildnerin Nicole Bergmann einen Premieren-Workshop „Schaf“ an, eine spielerische Nachbereitung des Vorstellungsbesuchs. Natürlich kann jedes Kind seine Bastelarbeit mit nach Hause nehmen!
Musikalische Leitung: Stefan Neubert |
Regie: Dirk Schmeding
Bühne: Nicole Bergmann |
Kostüme: Katja Schröpfer
Mit: Eva-Marianne Berger, Cornelia Marschall, Anne Weinkauf; Timm Carnarius/Gerald Manske, Stefan Neubert/Boris Cepeda, Hajo Tuschy
Weitere Vorstellungen: 18.02. 10.00 Uhr; 21.02. 10.30 Uhr; 21.03. 14.30 Uhr; 29.03.;10.00 Uhr [Karten zum Kinderpreis von 4,50 €, Erwachsene zahlen 6,- €!]
Aufführungsdauer: ca. 1 h |
Premieren-Workshop „Schaf“ max. 1 h
Tickets und Informationen erhalten Sie unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr | Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
05.02.2010, 14:51 | tags: Schauspiel | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 05.02.2010
DAS SCHAUSPIEL GEHT AN UNGEWÖHNLICHE ORTE
Premiere „Milarepa“ – Stück von Eric-Emmanuel Schmitt
Das Anhaltische Theater lädt am 12. Februar 2010 um 19:30 Uhr zu einer weiteren Premiere im Schauspiel ein.
Andrea Moses inszeniert einen Monolog des französischen Kult-Autors Eric-Emmanuel Schmitt im ehemaligen Heizungskeller des Bauhaus Dessau MILAREPA - Erster Teil des „Cycle de l'invisible“.
Simon träumt jede Nacht denselben Traum. Zu diesem Traum liefert ihm eine geheimnisvolle Frau den Schlüssel: Er, Simon, sei die Reinkarnation des Onkels von Milarepa.
Milarepa war ein berühmter tibetanischer Einsiedler. Der Onkel hatte seinem Neffen einen abgrundtiefen Hass entgegengebracht. Um aus dem Zyklus der Wiedergeburten ausbrechen zu können, muss Simon die Geschichte der beiden Männer erzählen. Dabei identifiziert er sich mit den beiden derart, dass ihre Identität sich mit der seinen vermischt. Aber wo beginnt der Traum, wo endet die Realität?
Die komplexe Erzählung des Franzosen Eric-Emmanuel Schmitt in einem einstündigen Monolog nicht nur zu erzählen, sondern darzustellen, macht die besondere Qualität der Inszenierung der Regisseurin Andrea Moses aus. Der Schauspieler Uwe Fischer wird sein Publikum im ehemaligen Heizungskeller des Dessauer Bauhauses witzig und klug auf eine faszinierende Reise durch Zeit und Raum und in für europäische Augen ungewöhnliche Bilderwelten entführen.
In seiner Trilogie des Unsichtbaren, welcher der Text über Milarepa entstammt, sucht der Autor nach dem humanen und also gemeinsamen Kern in Buddhismus, Judentum, Islam und Christentum. „Jede Religion“, sagt Schmitt, „setzt sich mit dem Wesentlichen auseinander: der Schwierigkeit, ein Mensch zu sein.“ Diese Schwierigkeit zu meistern, bedarf es immer wieder eines Nirgendortes in unserer Phantasie, eines Vor-Bildes!
Regie: Andrea Moses | Dramaturgie: Holger Kuhla | Spiel: Uwe Fischer
Nächste Aufführungstermine: 14.2., 18:00 Uhr | 5.4.,18:00 Uhr
Aufführungsdauer: ca. 1 h
Tickets und Informationen erhalten Sie unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr | Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
05.02.2010, 14:47 | tags: | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 05.02.2010
DAS SCHAUSPIEL GEHT AN UNGEWÖHNLICHE ORTE
Premiere „Milarepa“ – Stück von Eric-Emmanuel Schmitt
Das Anhaltische Theater lädt am 12. Februar 2010 um 19:30 Uhr zu einer weiteren Premiere im Schauspiel ein.
Andrea Moses inszeniert einen Monolog des französischen Kult-Autors Eric-Emmanuel Schmitt im ehemaligen Heizungskeller des Bauhaus Dessau MILAREPA - Erster Teil des „Cycle de l'invisible“.
Simon träumt jede Nacht denselben Traum. Zu diesem Traum liefert ihm eine geheimnisvolle Frau den Schlüssel: Er, Simon, sei die Reinkarnation des Onkels von Milarepa.
Milarepa war ein berühmter tibetanischer Einsiedler. Der Onkel hatte seinem Neffen einen abgrundtiefen Hass entgegengebracht. Um aus dem Zyklus der Wiedergeburten ausbrechen zu können, muss Simon die Geschichte der beiden Männer erzählen. Dabei identifiziert er sich mit den beiden derart, dass ihre Identität sich mit der seinen vermischt. Aber wo beginnt der Traum, wo endet die Realität?
Die komplexe Erzählung des Franzosen Eric-Emmanuel Schmitt in einem einstündigen Monolog nicht nur zu erzählen, sondern darzustellen, macht die besondere Qualität der Inszenierung der Regisseurin Andrea Moses aus. Der Schauspieler Uwe Fischer wird sein Publikum im ehemaligen Heizungskeller des Dessauer Bauhauses witzig und klug auf eine faszinierende Reise durch Zeit und Raum und in für europäische Augen ungewöhnliche Bilderwelten entführen.
In seiner Trilogie des Unsichtbaren, welcher der Text über Milarepa entstammt, sucht der Autor nach dem humanen und also gemeinsamen Kern in Buddhismus, Judentum, Islam und Christentum. „Jede Religion“, sagt Schmitt, „setzt sich mit dem Wesentlichen auseinander: der Schwierigkeit, ein Mensch zu sein.“ Diese Schwierigkeit zu meistern, bedarf es immer wieder eines Nirgendortes in unserer Phantasie, eines Vor-Bildes!
Regie: Andrea Moses | Dramaturgie: Holger Kuhla | Spiel: Uwe Fischer
Nächste Aufführungstermine: 14.2., 18:00 Uhr | 5.4.,18:00 Uhr
Aufführungsdauer: ca. 1 h
Tickets und Informationen erhalten Sie unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr | Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
05.02.2010, 10:46 | tags: Anhaltische Philharmonie, Diverses | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 05.02.2010
Wunschkonzert im Anhaltischen Theater
Erstmals lädt das Anhaltische Theater am Sonntag, d. 25. April, um 17 Uhr zu einem Wunschkonzert mit dem Titel „Frühling in Wien“ im Großen Haus ein.
Unter der Leitung von Daniel Carlberg bringt die Anhaltische Philharmonie gemeinsam mit Gesangssolisten bekannte Werke Wiener Komponisten zu Gehör. Mozart und Schubert dürfen ebenso wenig fehlen wie die Mitglieder der Strauß-Dynastie mit Stücken wie dem „Frühlingsstimmen“-Walzer oder der „Krapfenwaldl“-Polka. Eine Besonderheit dieses Konzertes besteht darin, dass die Besucher einige Programmpunkte im Vorfeld selbst auswählen können.
Nähere Informationen finden Sie in unserem Flyer „Frühling in Wien“ sowie auf der website des Theaters unter http://www.anhaltisches-theater.de/fruehling_in_wien.
Einsendeschluss für alle Musikwünsche ist der 12. April 2010. Unter den Einsendern werden 3 Gutscheine für je 2 Personen für eine Vorstellung freier Wahl verlost.
Dirigent: Daniel Carlberg | Solistin: Cornelia Marschall, Sopran | Moderation: Ronald Müller
Karten zu den üblichen Konzertpreisen unter:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr
Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
05.02.2010, 10:36 | tags: Musiktheater, Anhaltische Philharmonie, Diverses | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 05.02.2010
Weltstar Leo Nucci in Dessau
Erster Auftritt in Deutschland seit über 20 Jahren und einziger Deutschlandauftritt 2010
Seit seinem Debüt an der Mailänder Scala 1977 zählt er zu den größten seines Faches. Leo Nucci kann auf eine einzigartige, über 30 Jahre währende Weltkarriere zurückblicken, die ihn an die Zentren des internationalen Opernbetriebes führte: Salzburger Festspiele (mit Herbert von Karajan), Metropolitan Opera New York (mit James Levine), Mailänder Scala (mit Claudio Abbado, Riccardo Muti), Wiener Staatsoper, Opernhaus Zürich, Teatro Regio di Parma.
Erstmals seit Ende der 1980er Jahre tritt Leo Nucci wieder in Deutschland auf: Am Anhaltischen Theater Dessau, das sich 2010 Nucci mit Mailand, Wien, Parma und Zürich teilt. Begleitet von der Anhaltischen Philharmonie Dessau unter der Leitung von GMD Antony Hermus singt Leo Nucci Höhepunkte aus seinem Repertoire.
In der Großen Operngala am 10. Mai, um 20 Uhr im Großen Haus werden Ausschnitte u.a. aus „La Traviata“, „Un Ballo in Maschera“, „Rigoletto“, „Macbeth“, „Nabucco“, „Don Carlo“, „Andrea Chenier“ erklingen. Das Konzert ist als Benefizkonzert zugunsten der Theaterstiftung ausgewiesen. Mit jedem Kauf eines Tickets unterstützen Sie also maßgeblich künftige künstlerische Vorhaben des Theaters, die durch die Stiftung finanziell unterstützt werden.
Der Auftritt Leo Nuccis in Dessau wird ermöglicht durch die Associazione „Viva Verdi“, insbesondere durch deren Präsidentin Ursula Riccio aus Nürnberg.
Tickets und Informationen unter:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr
Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
05.02.2010, 09:32 | tags: Anhaltische Philharmonie | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 05.02.2010
Anhaltische Philharmonie lädt ein zur „Unsterblichen Liebe Teil II“
„Unsterbliche Liebe II“ lautet der Untertitel der Sinfoniekonzerte der Anhaltischen Philharmonie im Februar. Am 11. und 12. Februar jeweils um19.30 Uhr prägen gleich zwei Liebespaare das Konzertprogramm – allerdings zwei, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
Das komische Paar Béatrice und Bénédict aus Shakespeares Komödie „Viel Lärm um nichts“ machte Hector Berlioz zu Titelhelden einer komischen Oper (1862), aus der die quirlige Ouvertüre erklingt.
Im Gegensatz dazu schildert Arnold Schönberg in einer großen Sinfonischen Dichtung das Schicksal von Pelléas und Mélisande: Mélisande liebt Pelléas, ist jedoch mit dessen älterem Bruder Golaud verheiratet. Die Tragödie ist vorprogrammiert. Schönbergs frühes Orchesterwerk (1903) wurde von Richard Strauss angeregt und steht noch ganz in der Tradition der Spätromantik.
Zwischen diesen beiden Liebesgeschichten, der komischen und der tragischen, steht Webers 1. Klarinettenkonzert mit Daniel Ottensamer, dem jungen Soloklarinettisten der Wiener Philharmoniker.
Das 4. Sinfoniekonzert wird von einem Gast dirigiert. Der Italiener Marzio Conti ist derzeit Chefdirigent des Nationalorchesters von Andorra und künstlerischer Leiter des Orchestra Sinfonica di Sanremo.
Für beide der fantastischen Sinfoniekonzerte gibt es noch Tickets.
Tickets und Informationen erhalten Sie unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr | Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
05.02.2010, 08:40 | tags: Diverses | Autor: Franziska Blech
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 05.02.2010
Luftfahrt
Dessau erhält Stiftung für Hugo Junkers
Enkel zieht Institution aus München ab
Bernd Junkers, Enkel des Luftfahrt-Pioniers und Industriellen Hugo Junkers (1859-1935), hat die von ihm gegründete Stiftung aus München nach Dessau verlegt. Wie er bei den Feierlichkeiten zum 75. Todestag seines Großvaters mitteilte, soll die mit einem sechsstelligen Grundkapital ausgestattete Stiftung die Forschung zu Leben und Werk von Hugo Junkers unterstützen und das Andenken an seine technischen Innovationen wach halten.
Ergänzt wird die Stiftung um eine ebenfalls von Bernd Junkers stammende Großspende, die bislang bei der Stadt Dessau-Roßlau hinterlegt war. Der Stifter begründete seine Entscheidung damit, dass das Deutsche Museum München als bisheriger Stiftungssitz den 150. Geburtstag seines Großvaters im vergangenen Jahr ignoriert habe, während in Dessau aus diesem Anlass ein umfangreiches Programm stattfand. Zudem habe ihn die positive Entwicklung im Dessauer Technikmuseum sowie generell in der Stadt überzeugt - auch in der Stiftung Bauhaus, im Anhaltischen Theater sowie beim Kurt-Weill-Fest. Dieser Aufbruchstimmung wolle er nun mit dem Umzug seiner 1990 ins Leben gerufenen Stiftung einen zusätzlichen Impuls verleihen.
Bernd Junkers, dessen Stiftung gemeinsam mit dem Luftfahrt-Presse-Club alljährlich auch den Hugo-Junkers-Preis vergibt, präsentierte auf der "Langen Nacht" am Mittwochabend Ausschnitte aus den teilweise noch unveröffentlichten Notizen seines Großvaters.
Dieses Konvolut, dessen Transkription für die Jahre 1911 bis 1935 rund 7 000 Schreibmaschinenseiten umfasst, wird derzeit für eine Computer-Recherche vorbereitet und soll dann zu Forschungszwecken zur Verfügung stehen. Laut Bernd Junkers werden diese Notizen auch neue Erkenntnisse über die Persönlichkeit von Hugo Junkers zu Tage fördern, die in eine Biografie des Flugzeugbauers einfließen sollen.
Internetseite von Bernd Junkers:
www.junkers.de
04.02.2010, 17:11 | tags: Schauspiel, Diverses | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 04.02.2010
Das Anhaltische Theater sucht spielfreudige Dessauer über 65 für eine außergewöhnliche Schauspielinszenierung im Alten Theater
Carmen Kittel oder Ich wünsch mir Sonnenstrand
Im Rahmen des Projekts „Wanderlust und Reisefreiheit“ wird das Schauspielensemble zusammen mit fünf Dessauer Rentnern und Regisseur Niklas Ritter das Kultstück „Carmen Kittel“ des in dieser Stadt geborenen Schriftstellers Georg Seidel am 7. Mai, im Alten Theater zur Aufführung bringen.
Erzählt wird die Geschichte einer jungen Frau, die nach einer Heimkindheit in den Arbeitsalltag der beginnenden 80er Jahre der DDR entlassen wird. Sie arbeitet, sie lernt einen Mann kennen, sie verliebt sich. Als sie unverhofft schwanger wird, geraten ihr Leben und ihre Träume aus den Fugen. Carmen ist unfähig sich anzupassen und verstrickt sie sich mehr und mehr in ihr Unglück... .
Dessauer Bürger und junge Darsteller werden gemeinsam auf der Bühne stehen und sich anhand des Schicksals Carmen Kittel erinnern: An eigene schöne und traurige Geschichten und an die Zeiten, als wir von Sonnenstrand träumten...
Probenzeitraum: 29.03. bis 07.05. 2010
Wer Lust hat in dieser Inszenierung mitzuwirken wendet sich bis zum 28. Februar 2010 per Post an:
Anhaltisches Theater Dessau
Dramaturgie - Schauspiel
Friedensplatz 1 a
Dessau-Roßlau
06844
02.02.2010, 18:11 | tags: Anhaltische Philharmonie, Diverses | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 02.02.2010
Außergewöhnliche musikalische Talente stellen sich vor
Nachdem am 10. Januar eine Patenschaftsvereinbarung zwischen der Musikschule Dessau-Roßlau und der Anhaltischen Philharmonie unterzeichnet wurde, mit der die bereits bestehende vielfältige Zusammenarbeit auf eine dauerhafte vertragliche Basis gestellt worden ist, gibt es am 6. Februar um 18 Uhr im Theater ein gemeinsames Konzert der Philharmonie mit dem Orchester und Preisträgern der Musikschule. Das Motto lautet „FESTE FEIERN“. Eine Reihe ausgesuchter junger Talente, alle Schüler der Musikschule Dessau-Roßlau, erhalten die Möglichkeit, ihr musikalisches Können auf höchstem Niveau und ihre Begeisterung für ihre Instrumente zu zeigen.
Zu hören sind Kompositionen von Tschaikowski, Kabalewski, Weber, Fauré, Sarasate, Schostakowitsch, Haydn und Rossini/Respighi. Als Solisten wirken mit: Tabea Korsowsky (Violine), Florian Marcy (Klarinette), Anh Quan Dao (Violine), Cornelius Tamm (Klavier) und Philipp Jekal (Bariton).
Das Konzert steht unter der Leitung der Dirigenten Daniel Carlberg und Friedemann Neef. Es moderiert Ronald Müller.
Tickets und Informationen erhalten Sie unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr | Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
02.02.2010, 10:54 | tags: Diverses, Pressestimmen, neuer Tag | Autor: Franziska Blech
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 02.02.2010
Tanzgeschichten machen die Runde
Ballettmitglieder der vergangenen Jahrzehnte treffen sich in großer Runde und erinnern sich
Es gibt Küsse und Umarmungen, Erstaunen und manchmal auch eine Freudenträne zum Wiedersehen. Vor allem aber gibt es jede Menge Gesprächsstoff, als sich am Sonnabend im Anhaltischen Theater Tänzerinnen und Tänzer wiedersehen, die in den vergangenen Jahrzehnten im Ballettensemble getanzt haben.
Kaum ist an diesem Tag der Schlussapplaus für die Ballettaufführung von "Lulu" verklungen, da sammeln sich Männer und Frauen im Bühnenbild. Die jungen Tänzerinnen und Tänzer dürfen diesmal noch nicht in die Garderoben zum Umziehen und Abschminken. Eine große Menge formiert sich für ein Gruppenfoto.
Ines Becker dirigiert die Frauen und Männer, Margit Kraska steht mitten in der großen Gruppe. Die beiden ehemaligen Tänzerinnen sind die Organisatorinnen dieses großen Treffens und haben auch währenddessen alle Hände voll zu tun. Namenszettel werden verteilt, auf einer Liste wird abgestrichen, erst nach der Vorstellung im Theaterrestaurant kommen sie ein wenig zur Ruhe und können sich über Blumen freuen, die es von Tanzkolleginnen als Dankeschön gibt.
"Es sind um die 80 Teilnehmer", sagt Ines Becker, die im Künstlerischen Betriebsbüro des Theaters arbeitet. Sie blickt zufrieden in die Runde. Schnell waren an diesem Abend im Restaurant die Tische zusammengeschoben - und nun sitzt man - nahezu nach Jahrzehnten getrennt - und tauscht sich aus. "Das mischt sich später noch", ist Margit Kraska sicher. Vorerst aber gibt es eine Runde mit Tänzern, die in den 1960er Jahren in Dessau engagiert waren, die 70er bilden eine Gruppe und auch die aus den 80er Jahren.
Nur für Erika Müller gibt es keinen Extratisch. Müller ist mit 82 Jahren die älteste Teilnehmerin. Als Erika Brandes tanzte sie gleich nach Kriegsende auf der Dessauer Bühne, heiratete den Regisseur Werner Müller und lebt noch heute in der Stadt. Wann immer es geht, besucht sie auch heute noch Vorstellungen im Anhaltischen Theater. "Das Ballett war ganz fantastisch choreografiert", lobt Brandes die "Lulu" .
Nur ein paar Meter entfernt, sitzt ein junger Mann, der selbst über Jahre hinweg das DessauBallett leitete: aus Magdeburg, seiner derzeitigen Wirkungsstätte, ist Gonzalo Galguera angereist. "Dieses Treffen ist eine Super-Idee", findet er. "Ich staune, wie viele Generationen hier zusammen gekommen sind." In der "Lulu" sah er "sehr gute Tänzer, alles war sehr stimmig, man erkennt eine Handschrift".
Ingeborg Rothe ist derweil damit beschäftigt, Fotos von Inszenierungen herumzureichen. Programmzettel aus den späten 1960er Jahren liegen in ihrer Runde auf dem Tisch. Es wird viel gelacht. Und immer wieder hört man den einen Satz: "Weißt Du noch...?" Im Theater blieb am Sonnabend viel Zeit, um darauf eine Antwort zu finden.
02.02.2010, 10:29 | tags: Anhaltische Philharmonie, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau, 02.02.2010
Eigenleben der Plüschtiere
Kuscheltierkonzert in der Marienkirche begeisterte Sonntag kleine und große Besucher
Man hat es immer geahnt. Kaum schließt man hinter sich die Tür zum Kinderzimmer, dann erwachen dessen Bewohner und führen ein Eigenleben. Gerät man da hinein, dann kann es einem wie dem Erzähler des Kuscheltierkonzertes ergehen. Im Dessauer Fall heißt dieser Maximilian Schumann. Der Zehnjährige hat am Sonntag ein großes Programm absolviert. Zwei Mal lud das Anhaltische Theater an diesem Tag in die Marienkirche Kinder, Eltern und Großeltern ein. Zwei Mal erzählte Maximilian gemeinsam mit einer kleinen Besetzung der Anhaltischen Philharmonie von seinen Abenteuern mit den Kuscheltieren.
Das Kuscheltierkonzert schrieb Klaus Wüsthoff. 1997 wurde es in Berlin uraufgeführt, in einer CD-Einspielung fungiert Otto Sander als Sprecher. In Dessau sollte es freilich kein Erwachsener sein, der die Kinder mit auf eine musikalische Reise nimmt. Mit Maximilian Schumann fand man einen jungen Erzähler, der über alle Maßen souverän sein Headset trug, mit Kuscheltieren jonglierte und tanzte und dabei noch stets ein Auge auf Dirigent Daniel Carlberg hatte, der ihm den Einsatz gab.
Das Publikum in der Marienkirche war zu beiden Vorstellungen reichlich gekommen und rechnete man all die Hasen, Bären, Küken, Pferde, Pinguine und das ganze Getier noch hinzu, das Kinder in den Händen hielten und auf dem Schoß hatten, dann war diese neue Form eines Konzertes für die Jüngsten beide Male mehr als ausverkauft.
Wüsthoffs Stück ist ein Karneval der Tiere in der Gegenwart. Die Musik lässt das Pferd gleichermaßen galoppieren und wiehern, den Elefanten behäbig tapsen und Affen und Eichhörnchen quicklebendig springen. Carlberg und seine Musiker gaben nicht weniger als bei einem Konzert für erwachsenes Publikum, hatten sich jedoch dem Anlass entsprechend ausgerüstet: Am Kontrabass baumelte eine Robe und zu Füßen der Notenständer lauschte manch anderes Getier.
Was im Kuscheltierkonzert passiert, ist eine kleine Geschichte, die freilich nur Anlass ist, die plüschige Kinderzimmerbesatzung in musikalischen Farben vorzustellen. Das macht Maximilian Schumann zur Musik ganz exzellent und wie ein Profi. Er gibt dem Papagei ein keifendes Krächzen und dem Bär ein gemütliches Brummen. Lässt die wilde Jagd von Affe und Eichhörnchen ins Publikum hinüberschwappen und kürt den Elefanten im Finale als Sieger des Schönheitswettbewerbes der Kuscheltiere. Nur eines hätte bei diesem sonntäglichen Musikspaß für die ganze Familie vielleicht noch besser gelingen können: All die zuschauenden Kuscheltiere wären gerne in irgendeiner Form, die über bloßes Klatschen hinaus geht, an diesem Konzert beteiligt gewesen.
01.02.2010, 17:43 | tags: Musiktheater, Anhaltische Philharmonie, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Udo Badelt, Opernwelt/ Februar 2010
Antwerpen/Dessau
Bernstein: Candide
Die beste aller Welten
Um herauszufinden, ob dies tatsächlich die beste aller möglichen Welten ist, kommen die Protagonisten in Leonard Bernsteins „Candide“ ganz schön rum: Westfalen, Bulgarien, Lissabon, Paris, Südamerika, Eldorado. Das Stück selbst reist nicht annähernd so viel: Es gilt, auch wegen der vielen Ortswechsel, als schwierig zu inszenieren und steht - zu Unrecht - im Schatten der „West Side Story“. Insofern ist es nicht ohne Reiz, dass „Candide“ jetzt in zwei Städten gleichzeitig auf die Bühne kommt (in beiden Fällen unter neuer Intendanz) und damit Anlass bietet, zwei verschiedene mögliche Theaterwelten und ihre Bedingungen kennenzulernen.
Antwerpen: Weltstadt der Renaissance, Hafenstadt, 470 000 Einwohner. Seit Januar 2009 ist der 35-jährige Schweizer Aviel Cahn Intendant der Vlaamse Opera. Sein Hauptanliegen ist es, Oper als Kunstform stärker zur Diskussion zu stellen und in die Stadt zu tragen. Zu dieser Strategie gehört ein Zusatzprogramm aus Filmen, Lesungen und Diskussionen. Es scheint zu funktionieren: Als Cahn vergangenes Jahr Saint-Saëns' „Samson und Dalila“ von einem israelisch-palästinensischen Regieduo inszenieren ließ, wurde heiß diskutiert in einer Kommune, in der so viele orthodoxe Juden leben wie nirgends sonst in Europa. „Candide“ soll diejenigen anlocken, die sonst eher ins Musical gehen. „Oper darf nicht nur für die Happy Few sein“, sagt Cahn, der dabei auf manche belgische Gefühligkeit Rücksicht nehmen muss. So gehen die Wallonen nicht nach Flandern in die Oper, sondern nach Brüssel. Die selbstbewussten Besucher aus Lilie dagegen müssen sich ihrer französischen Identität nicht versichern und fahren gern nach Antwerpen.
In Dessau wäre man wahrscheinlich froh, wenn man diese Probleme hätte. Deindustrialisierung, das Verschwinden der Junkers-Werke, ein Bevölkerungsrückgang von 130 000 (1940) auf zur Zeit rund 70 000 Einwohner und in der Folge mehrere Eingemeindungen haben dazu geführt, dass die Stadt inzwischen offiziell unter der Bindestrich-Scheußlichkeit „Dessau-Roßlau“ fungiert. Dennoch spürt André Bücker, seit dieser Spielzeit Intendant des Anhaltischen Theaters (als Nachfolger von Johannes Felsenstein), einen tief verwurzelten Stolz auf die reiche kulturelle Vergangenheit des mitteldeutschen Kernraums. An seinem Haus wird seit 1794 ununterbrochen Theater gespielt. Anders als Aviel Cahn in Antwerpen hat Bücker einen inhaltlichen Grund, „Candide“ auf den Spielplan zu setzen: Das nach einer Vorlage von Voltaire entstandene Stück soll die aufklärerische Tradition von Dessau als Geburtsstadt von Moses Mendelssohn zitieren. Deshalb ist auch Lessings „Nathan der Weise“ im Programm, und - als Kehrseite der Aufklärung - „Lohengrin“.
Musikalisch sind beide „Candide“-Abende auf ähnlich hohem Niveau. Daniel Carlberg in Dessau ist ein Dirigent mit äußerst präziser Zeichengebung; das Tempo legt er breiter und langsamer an - aber nicht langweiliger - als Yannis Pouspourikas in Antwerpen. Dort trifft das Orchester ziemlich genau den Geist jenes britischen Humors, mit dem Regisseur Nigel Lowery das Stück angegangen ist. In der kindlichen Idylle des Beginns laufen Candide und seine Liebe Kunigunde hinter einer Wand, davor baumeln Beinchen, die sie sich umgehängt haben, so dass sie aussehen wie Puppen. Erzähler ist hier ein Sendemast mit der Anmutung des Computers HAL in Stanley Kubricks Film „2001“. In Dessau nimmt Regisseurin Cordula Däuper die Figuren ernster, und nicht zuletzt deshalb ist ihre Inszenierung die ruhigere und menschlichere. Der Erzähler ist hier aus Fleisch und Blut, allerdings wechselt die Rolle mehrmals zwischen den Figuren, was eine Schwäche der Inszenierung ist. In bei den Häusern wird Dr. Pangloss, der die Lehre von Gottfried Wilhelm Leibniz vertritt - dass wir in der besten aller möglichen Welten leben würden - von Schauspielern verkörpert (Graham Valentine in Antwerpen, Stephan Lohse in Dessau), die zwar charakteristische Würze einbringen, als Sänger aber schwache Leistungen bieten.
Was man von der übrigen Besetzung nicht sagen kann. Herausragend: Jane Archibald (Antwerpen) und Angelina Ruzzafante(Dessau), die beide als Kunigunde nicht nur die Bravour-Nummer „Glitter And Be Gay“ souverän meistern, sowie Renate Dasch als Alte Frau in Dessau, die sich nach den internationalen Erfolgen ihrer Tochter Annette jetzt im Alter von 64 Jahren mit Noblesse noch einmal ein ganz neues Berufsfeld eröffnet hat. Früher war sie Ärztin - was für sie eindeutig nicht die beste aller möglichen Welten war.
Bernstein: Candide
Antwerpen
Premiere am 15., besuchte Vorstellung am 29. Dezember 2009.
Musikalische Leitung: Yannis Pouspourikas, Inszenierung und Ausstattung: Nigel Lowery. Solisten: Michael Spyres (Candide), Jane Archibald (Kunigunde), Karan Armstrong (Alte Frau), Graham Valentine (Pangloss/Martin) u. a.
Dessau
Premiere am 4. Dezember 2009, besuchte Vorstellung am 9. Januar 2010.
Musikalische Leitung: Daniel Carlberg, Inszenierung: Cordula Däuper, Bühne: Jochen Schmitt, Kostüme: Mareile Krettek. Solisten: David Ameln (Candide), Angelina Ruzzafante (Kunigunde), Renate Dasch (Alte Frau), Stephan Lohse (Erzähler/Pangloss/ Martin) u.a.
01.02.2010, 11:37 | tags: Spielzeit, Diverses | Autor: Franziska Blech
Ute Otto, Mitteldeutsche Zeitung/Wittenberg, 22.01.2010
KURT-WEILL-FEST Künstler des Anhaltischen Theaters stellen ihren Beitrag für den Spielort Wittenberg vor. Programm dreht sich um Liebe und andere Leidenschaften.
Proben in der zweiten Schicht
"In einigen Jahren wird man sagen, in Wittenberg stand die Wiege dafür, dass sich das Weill-Fest aus Dessau herausbewegt", sagt Michael Kaufmann. Der neue Intendant des Festivals will fortsetzen und forcieren, was sein Vorgänger Clemens Birnbaum begonnen hat: Zum zweiten Mal ist das Best-Western Stadtpalais Wittenberg eine von 20 vornehmlich in Kurt Weills (1900 bis 1950) Geburtsstadt Dessau angesiedelten Spielstätten. 44 Veranstaltungen -Konzerte verschiedener Musikgenres, Lesungen und Museumsführungen - warten vom 26. Februar bis 7. März auf ihr Publikum.
Unter "Musikalische Comedy" firmiert, was am 3. März im Best-Western von drei Künstlern des Anhaltischen Theaters Dessau geboten wird. "Mein wildes Herz in deine Ruh" ist die mit Brecht-Songs zu Kompositionen von Weill und Zeitgenossen wie Hanns Eisler und Paul Dessau erzählte Geschichte über Claire (Matthieu Svetchine), George (Antje Weber) und dem trunksüchtigen Barpianisten "Joe aus Soho" (Daniel Carlberg, 1. Kapellmeister am Anhaltischen Theater) über die Macht entfesselter Leidenschaft. Dass die Rollen von Claire und George mit Schauspielern des jeweils anderen Geschlechts besetzt sind, hat damit zu tun, dass sie einst ein Mann war und er eine Frau. Das zunächst etwas Undurchschaubare "passt auch gut zu unserer Küche", kündigt Hotelchef Michael van der Sanden eine kulinarische Beilage des Abends an, "die über Auge und Gaumen die Synapsen in Gehirn ebenso anregt".
"Mit wildem Herzen", so Regisseur Holger Kuhla, proben die Mitglieder des Theaterensembles sozusagen in der zweiten Schicht für ihren Weill-Fest-Beitrag. "Das kommt ja erschwerend hinzu, wir sind keine Sänger, sondern Schauspieler", bittet Antje Weber um Nachsicht, wenn es "kein Festival der schönen Stimmen" werde. Dafür sei aber der schauspielerische Part des Kapellmeisters auch eine kleine Weltpremiere. Während der aus Frankreich stammende Svetchine gesteht, dass ihm der Name Weill bislang nichts sagte, erzählt Weber, wie lang der Weg war, bis sie Zugang zu Brecht und Weill fand. Noch zu DDR-Zeiten hat sie an der Schauspielschule "Ernst Busch" studiert. Das "Heroische", das seinerzeit in Brecht gelegt wurde und auf sie "verblendend" wirkte, habe sie abgeschreckt. Doch ihr erstes Engagement nach dem Studium brachte ihr ausgerechnet eine Rolle in Brechts "Der gute Mensch von Sezuan" und ein Jahr später spielte sie in der "Dreigroschenoper". "Das war die Versöhnung", so Weber. Nicht nur in dem hier vorgestellten Programm, sondern in den vielen Beiträgen zum Weill-Fest spiegelt sich laut Kaufmann wider, "dass es bei Brecht und Weill immer noch etwas Neues zu entdecken gibt".
"New Art ist True Art" - ein Song aus Weills erfolgreichstem Broadway-Musical "One Touch of Venus" gab dem Festival 2010 sein Motto. "Neue Kunst ist wahre Kunst" - Darüber zu diskutieren, soll es reichlich Anlass geben.
Das Festival-Programm ist im Internet unter www.kurt-weill-fest.de zu finden. Ticket Hotline: 0180/5 56 45 64 .
01.02.2010, 10:12 | tags: Diverses | Autor: Franziska Blech
Mathias Wiedemann, Schweinfurter Tagblatt, Kulturbeilage 2/10, 29.01.2010
„AUS DEM GEIST DES WERKES ARBEITEN“
Interview: André Bücker, neuer Intendant des Anhaltischen Theaters Dessau
André Bücker ist seit der Spielzeit 2009/2010 Nachfolger von Johannes Felsenstein als Generalintendant des Anhaltischen Theaters Dessau, das seit fünf Jahren regelmäßig in Schweinfurt gastiert. Der Regisseur der Händel-Oper „Serse“, die in Januar viermal hier zu sehen war, im Gespräch über die Lage der städtischen Theater in Zeiten der Krise, die Neuausrichtung in Dessau und das Glück, Opern zu inszenieren.
Das Gespräch führte Mathias Wiedemann.
Frage: 2010 ist angekündigt als großes Jahr der Schmerzen für Theater und Museen. Längst kursieren Listen von Schließung bedrohter Häuser – was bemerken Sie davon in Dessau?
André Bücker: Der Druck ist natürlich immer da. Aber den kenne ich schon seit Jahren. Ich habe 1998 in Wilhelmshaven als stellvertretender Intendant angefangen, das war eine Landesbühne, und da gab es auch schon finanziellen Druck. In Halberstadt, wo ich dreieinhalb Jahre Intendant war, habe ich ständig damit zu tun gehabt. Und in Dessau ist es auch so.
Wie äußert sich das im Alltag?
Bücker: Wir arbeiten unter Haustarifvertrag-Bedingungen, das heißt, die Leute müssen in weniger Arbeitszeit für weniger Geld genauso viel, oder möglichst noch mehr, leisten wie vorher. Die finanzielle Situation ist insgesamt dramatisch. Aber es gehört natürlich zum Theatermachen dazu, gerade wenn man ein Stadttheater leitet, sich mit der Finanzierungslage auseinanderzusetzen.
Welche Möglichkeiten hat ein Intendant denn, außer für möglichst volle Häuser zu sorgen? Spielen denn Sponsoren eine Rolle?
Bücker: Ach, das hält sich in Grenzen. Dessau ist nun keine Region mit großer Industrie, das sind eher mittelständische Unternehmen. Dass man Partner findet, die in größerem Umfang Beiträge leisten, ist sowieso eher selten. Ich bin auch überzeugter Verfechter des deutschen Stadttheater-Systems, das von der öffentlichen Hand finanziert wird. Nicht, weil es bequem ist, sondern, weil es Möglichkeiten eröffnet. Und natürlich auch, weil man dadurch günstige Eintrittskarten für Alle anbieten kann. Es wird ja bei den Diskussionen gerne vergessen, dass das ja ein Hauptanliegen dieses Systems ist.
Was bedeutet das aber für den Intendanten?
Bücker: Ich glaube, man muss das Ganze künstlerisch lösen. Man muss sich mit dem legitimieren, was man tut. Man muss die Leute ins Theater bringen und begeistern. Man muss das Theater kommunizieren in eine Stadt, man muss sich aber auch als Teil dieses Ortes begreifen. Wir dürfen uns Experimente leisten, wir müssen aber die Leute erreichen. Und wenn man das überzeugend tut, muss einem um die Zukunft nicht unbedingt bange sein.
A propos Kommunikation: Zu Ihrem Amtsantritt 2009 steht auf der Internet-Seite des Theaters eher lakonisch, Sie hätten das Haus künstlerisch neu ausgerichtet, vor allem mit personellen Neubesetzungen. Es wäre jetzt nicht so spannend, die obligatorische Frage nach Ihrem Vorgänger Johannes Felsenstein zu stellen. Aber was bedeutet „Neuausrichtung“ denn konkret?
Bücker: Das ist ein personeller Neuanfang, wie er bei einem Intendanten-Wechsel durchaus üblich ist. Besonders, wenn ein Vorgänger sehr, sehr lang im Amt war – Felsenstein war 18 Jahre da. Da haben sich dann einfach Strukturen gebildet, die nicht mehr zeitgemäß sind. Aber dass mit dem neuen Chef auch neues Personal kommt, das gibt es ja auch in der Politik oder der Wirtschaft. Und mit dem neuen Personal kommen dann eben auch andere Schwerpunkte. Stichwort Kommunikation: Wir gehen anders auf die Leute vor Ort zu, wir machen viele Projekte um das eigentliche Bühnengeschehen herum, um die Dessauer auf allen Ebenen anzusprechen. Das gab es vorher so nicht.
In Dessau wurde immer alles auf Deutsch gesungen. Wird sich das ändern?
Bücker: Das ändert sich! Wir werden etwa italienische Oper in Originalsprache machen. Das erklärt sich eigentlich von selbst, das ist musikalisch notwendig, das hat eine ganz andere Kraft.
Dessau hatte seit einigen Jahren ein Kooperationsmodell mit der Ballett-Compagnie von Gregor Seyffert – die war auch in Schweinfurt zu sehen. Gibt es diese Kooperation noch?
Bücker: Nein, diese Kooperation besteht nicht mehr. Das hängt auch mit dem Intendanten-Wechsel zusammen. Es gibt jetzt einen neuen Chef-Choreografen, Tomasz Kajdanski, der zuletzt in Eisenach große Erfolge gefeiert hat. Er macht unglaublich sinnliches und hochenergetisches Ballett mit klassischer Formensprache aber auch modernen Ansätzen. Und er ist ein großer Geschichtenerzähler. Seine erste Premiere mit „Lulu“ war ein fulminanter Erfolg. Dessau ist ein Theater mit großer Tanz-Tradition, und an die knüpft der neue Ballett-Direktor an.
Seit einigen Jahren gastiert Dessau immer wieder in Schweinfurt – bedeutet Ihr Besuch hier, dass diese Kooperation fortgesetzt wird?
Bücker: Wir wollen, dass diese erfolgreiche Kooperation, die jetzt ins fünfte Jahr geht, weitergeht. Das wäre schön.
Welche Bedeutung haben Abstecher für Sie – müssen oder wollen Sie die machen?
Bücker: Wir sind ja eigentlich kein Abstecher-Theater, sondern ein klassisches Stadttheater. Das heißt natürlich, dass wir einen Großteil unserer Vorstellungen zu Hause spielen. Aber es ist natürlich immer schön für Künstler, wenn sie mal rauskommen, und auch mal erleben, wie das Publikum woanders reagiert. Und dann ist das natürlich auch finanziell interessant.
Bringen denn solche Ausflüge finanziell etwas?
Bücker: Na ja, es muss sich insofern lohnen, als man nicht draufzahlt, das ist klar. Das große Geld verdient man damit nicht, aber es ist für beide Seiten gut. Es bleibt was fürs Theater über, und es ist schön für die Künstler. Wir machen allerdings nur wenige, ausgesuchte Gastspiele, weil es allein von der Dimension der Dessauer Bühne her schwierig ist, woanders aufzubauen.
Die Bühne in Dessau ist riesig.
Bücker: Ja, Dessau ist ein riesiges Theater, da schließen sich viele Projekte außerhalb von vorneherein aus. Aber für Bühnen, mit denen wir eine längere Zusammenarbeit haben, finden wir immer eine Lösung und passen schon mal ein Bühnenbild an.
Welche Rolle spielen die neuen Medien? Im Internet-Forum des Theaters wird ja ziemlich rege diskutiert.
Bücker: Das schaue ich mir natürlich an. Ich will ja wissen, was die Leute denken. Es ist überhaupt das Schönste, wenn die Menschen teilnehmen an dem, was in ihrem Theater passiert. Das Dessauer Theater ist in seiner 215. Spielzeit, die Menschen hier sind mit ihrem Theater verbunden, und das spürt man natürlich auch. Das ist wunderbar. Aber natürlich gibt es kontroverse Meinungen. Das Ding, das alle toll finden, ist noch nicht erfunden. Das schlechteste Theater ist das, das allen egal ist.
Sie stammen aus Niedersachsen – wie sind Sie in Dessau aufgenommen worden? Gibt es noch eine Ost-West-Problematik?
Bücker: Das habe ich nicht so empfunden. Viele wissen auch gar nicht mehr, dass ich aus dem Westen komme. Ich bin schon sehr lange im Osten unterwegs. Ich habe fürs Kunstfest Weimar gearbeitet in den 90ern. Ich war seit 1999 ständig als Regisseur in Theatern im Osten. Ich war dreieinhalb Jahre im selben Bundesland schon Intendant. Ich kenne die Mentalität der Leute und bin sehr gerne hier. Mich interessiert diese Kulturlandschaft, und ich glaube, es ist wichtig, dass die Leute das spüren.
Wir haben gerade ausgiebig 20 Jahre Mauerfall gefeiert. Ist die deutsche Teilung noch ein Thema? Begreifen sich die Leute noch als Ossis oder eben Wessis?
Bücker: Es ist schon noch ein Thema, weil man den Unterschied eben immer noch deutlich merkt. Die Brüche in den Biografien der Menschen und in den Geschichten der Städte manifestieren sich sehr deutlich. Die Sozialisation in der DDR war einfach eine deutlich andere, und das spürt man nach wie vor.
Ist das noch ein Thema fürs Theater?
Bücker: Wir haben das mit einem großen Projekt in der Stadt thematisiert, wo wir die Bürger befragt haben – wie war das, was waren die Vorgänge in Dessau zu Wendezeiten? Und wir haben vor allem gefragt, wie ist es heute? Was wissen die Nachgeborenen von der DDR? Und damit verbunden die Frage, wofür würden heute 18-Jährige auf die Straße gehen? Was bedeutet Freiheit, die Möglichkeit, seine Meinung sagen zu dürfen?
In Schweinfurt war Ihre „Xerxes“-Inszenierung zu sehen. Welche Rolle spielt für Sie als Regisseur die Musik?
Bücker: Eine gewaltige natürlich. Ich bin ein großer Händel-Fan. Ich habe drei Opern von ihm inszeniert. Diese barocke Form ist ja sehr speziell. Die ganzen Wiederholungen – da muss einem ja auch was dazu einfallen. Das sind ja nicht durchgängige psychologische Vorgänge. Sondern die Rezitative bringen die Handlung voran, und die Arien erklären die Affekte, also die Emotionen. Aber genau diese Form reizt mich sehr.
Wie knacken Sie diese Statik?
Bücker: Ich erfinde Vorgänge.
Sie erfinden Vorgänge?
Bücker: Ja. Die Geschichte ist ja vorhanden, und man muss die Vorgänge, die in den Rezitativen stattfinden, mit Leben füllen und dann für die Arien auch noch eine Form finden. Ich mache dann eine durchgängig erzählte Geschichte daraus.
Also die Zeit bleibt nicht einfach während der Arien stehen?
Bücker: Genau das eben nicht. Vielleicht könnte man „psychologisieren“ dazu sagen. Mich interessiert einfach, was die Figuren antreibt. Ich will sie in ihren Nöten begreifen – die leiden ja alle.
Sonst wäre es ja auch keine Oper.
Bücker: Eben. Man kann sich natürlich hinstellen und in der Arie diesen einen Satz in 40 wunderschönen Variationen singen. Und ich will dem Sänger einen Grund geben, warum der das eben 40 mal singt. Er singt das ja nicht nur, weil es schön ist.
Ihr „Xerxes“ ist eine komplett durchgestylte Inszenierung. Wie sehr nimmt der Regisseur Einfluss auf den Look einer Aufführung?
Bücker: Sehr stark natürlich. Man sucht sich als Regisseur einen Bühnenbildner zu dem Gedanken, den man für das Stück hat. Man arbeitet dann gemeinsam daran, und wie es dann letztlich aussieht, ist Ergebnis einer Entwicklung. Die Ästhetik spielt eine große Rolle. Und in einer Barockoper ist natürlich der Style sehr wichtig, auch wenn die Kostüme modern sind.
Machen Sie lieber Musik- oder lieber Sprechtheater?
Bücker: Ich mag beides wahnsinnig gern. Ich bin ja erst später zum Musiktheater gekommen. Das ist eine völlig andere Arbeitsweise als beim Sprechtheater. Im Musiktheater ist sehr viel vorgegeben. Der größte Unterschied ist: Im Sprechtheater muss man sich die Zeit erfinden. In der Musik ist sie da. In der Musik liegen auch schon die Stimmungen.
Da kann man nicht einfach gegen an inszenieren.
Bücker: Das geht in den meisten Fällen extrem schief. Im Schauspiel muss man das alles erfinden. Da kann man Figuren auch mal gegen die Strich bürsten oder anders besetzen, als sie im Textbuch stehen. Man ist wesentlich freier. Aber es ist auch anstrengender als Oper, wo man dieses wunderbare Gerüst der Musik hat. Aber ich glaube, ich bin jemand, der sehr aus dem Geist des Werkes arbeitet und sich sowieso auf die Musik einlässt. Das gilt aber auch für das Schauspiel: Ich arbeite sehr aus den Texten heraus.
31.01.2010, 17:53 | tags: Schauspiel, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/Dessau, 31.01.2010
Anhaltisches Theater
Vor den Vätern sterben die Söhne
Christian Weise inszeniert in Dessau Kleists «Die Familie Schroffenstein»
Das ist ein starkes Stück: Weil die Familie Rositz ihre Nachbarn und Verwandten - die Warwands - im Verdacht hat, ihren jüngsten Spross erschlagen zu haben, rüstet sie zur Ausrottung der ganzen Sippe. Am Sarg des Sohnes schwört Vater Rupert Rache und zwingt auch seinem verbliebenen Erben Ottokar das Versprechen ab, im "Mörderhaus Sylvesters" einen Blutzoll zu fordern. Am Ende erst werden die Oberhäupter erkennen, dass am Anfang kein Verbrechen, sondern ein Unfall stand. Doch da werden die letzten Kinder beider Häuser schon tot sein - ermordet von ihren eigenen Vätern.
Heinrich von Kleists "Die Familie Schroffenstein" ist seit jeher eine Zumutung für jeden Theaterbesucher und eine Herausforderung für jeden Regisseur. Wie soll man diese Vendetta aus dem Zeitalter der Ritter und Grafen in die Gegenwart übersetzen, ohne sie der Lächerlichkeit preiszugeben? Wie soll man aus diesem Mystery-Thriller mit abgeschnittenen Fingern und vertauschten Kleidern, mit gemeuchelten Herolden und willfährigen Henkern retten, was zu retten lohnt - nämlich die Geschichte einer jungen Liebe, die à la Romeo und Julia von der zerstörerischen Kraft des Misstrauens in die Katastrophe getrieben wird?
Christian Weise hat am Anhaltischen Theater Dessau einen plausiblen Weg gefunden. Die Burgen derer von Rositz und von Warwand sind hier zwei Plattenbau-Wohnungen, die nur ein schmales Treppenhaus trennt. Man könnte das Missverständnis von Balkon zu Balkon klären, wenn dort nicht bevorzugt gemordet würde, um die Auslegware zu schonen. Denn blutig, sehr blutig geht es zu bei diesen Hinrichtungen - so, wie man es aus den brutalen Fernsehfilmen kennt.
Der Bildschirm ersetzt hier die Schule der Gefühle, er überbrückt das Schweigen und kommentiert das Leben. Und immer läuft "Twin Peaks", die legendäre Serie von David Lynch, deren Dialoge sich zu Kleists hohem Ton wie eine lakonische Übersetzung verhalten. Mit diesem Gegenschnitt hat Weise, der auch für den Bühnenraum mit dem mohndurchwirkten Kornfeld vor der genormten Tristesse verantwortlich zeichnet, tatsächlich eine zeitgemäße Entsprechung für den monströsen Erstling des Dichters gefunden: Solche Formate liefern heute den Horror, der sich einst der schwarzen Romantik verdankte. Und so wie diese sind auch jene nichts für schwache Nerven. Mit psychologischem Kammerspiel allein ist der Pulp Fiction nun mal nicht beizukommen.
Aber neben die schwer erträglichen Momenten, in denen Baseball-Schläger, Äxte und Pistolen zum Einsatz kommen oder der schnelle, harte Sex die fehlenden Worte ersetzt, setzt die Regie immer wieder Passagen, in denen ein Rest von Menschlichkeit aufblitzt. Wenn Stephan Korves etwa seine Gemahlin Gertrude (Verena Unbehaun) beschwört, keinen falschen Verdacht gegen ihre Stiefschwester zu schüren. Wenn diese Eustache (Antje Weber) ihrem Rupert (Uwe Fischer) von der Liebe der Kinder erzählt, um sein Herz zu erweichen. Oder wenn der in seiner Treue zerrissene Jeronimus (Gerald Fiedler) zwischen den Fronten zu vermitteln sucht - bis er selbst in die Hände der Schlächter fällt.
Es gibt an diesem Abend, der fast das ganze Ensemble in Höchstform zusammenführt, keine kleinen Rollen - aber zwei ganz große. Ines Schiller und Jan Kersjes zeigen, eifersüchtig beobachtet von Johann (Matthieu Svetchine), eine junge Liebe zwischen ungelenker Körperlichkeit und ernstem Gefühl, sie sind - mit Bierflasche vor dem Fernseher - zwei Menschenkinder von heute. Was aus dieser Verbindung der an übergroßen Ohren und Nasen erkennbaren Stämme hätte werden können, bleibt offen. Denn wenn vor den Vätern die Söhne sterben, erlöschen die Familien.
30.01.2010, 12:53 | tags: Schauspiel, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Ute Grundmann, www.nachtkritik.de, 30.01.2010
Familie Schroffenstein – Kleists Schauererstling im Soapformat am Anhaltischen Theater Dessau
Verbotene Liebe
Dessau, 29. Januar 2010. Zwei Wohnzimmer, in denen der Fernseher läuft. Nach den Wortfetzen zu schließen, ist es eine Krimireihe ("Twin Peaks"), die in beiden Räumen geschaut wird. Doch im linken der parallel gebauten Zimmer steht ein Sarg, trauert eine Familie eher mäßig beim Konsum von Fernsehen und Torte.
So beginnt im Anhaltischen Theater Dessau Heinrich von Kleists frühes Drama "Die Familie Schroffenstein". Ein windungs- und verwirrungsreiches Stück um zwei Stränge einer Familie, die sich bekriegen, weil das sohn- und erbenlose Verlöschen der einen Sippe zum Vorteil der anderen wäre. Doch gibt es, à la Romeo und Julia, ein junges Paar, das sich der Dauerfehde der Älteren entgegenzustellen versucht.
Fehde im Plattenbau
Dieses frühe, selten gespielte Trauerspiel von 1803, Kleists Erstling, ist eigentlich im Mittelalter und unter deutschen Rittern angesiedelt. Doch das Regieteam um Christian Weise, der auch das Bühnenbild entwarf, hat dem Drama alles, was Burg, Fahnen, Schwerter, Rüstungen bedeuten könnte, radikal ausgetrieben. Nur zweimal dürfen die Männer den Kriegspfad auf hölzernen Steckenpferdchen entlangtraben, was – wie das Stück selbst in manchen Phasen – eine gewisse Komik hat. Im übrigen ist dem Trauerspiel – mit der ganzen Wucht der Kleistschen Sprache – wenig vom unverständlichen, aber unaufhaltsamen Weg ins Verderben beider Familien abhanden gekommen. Nur dass diese in der Kleinbürgerlichkeit angekommen sind.
Wie ein herausgeschnittener Riegel aus einem Plattenbau sind die beiden Wohnzimmer auf die Hinterbühne gebaut, die "Kriegsparteien" leben fast Wand an Wand, nur durch ein enges Treppenhaus getrennt. Links, bei denen aus dem Haus Rossnitz, wird der kleine Sohn betrauert, der angeblich von denen drüben, dem Haus Warwand, ermordet wurde. Zwischen TV-Gucken und Trauermusik sinnen die Herren der Familie auf Rache, doch zum Rauchen geht man auf den Balkon. Die Zivilisiertheit allerdings findet bald ihre Grenzen: Da wird der Bote der einen Familie auf dem Balkon der anderen blutspritzend erschlagen, was natürlich dem Denken der kleinbürgerlichen Ritter zufolge nicht ungesühnt bleiben darf. Und so klatscht bald weiteres Blut, diesmal an die Flurtür.
Ein Fernseher im Kornfeld
Christian Weise setzt solche Drastik nur sehr knapp, sehr gezielt ein. Genauso wie er Anklänge und Ähnlichkeiten des Kleist-Dramas mit einer heutigen Fernseh-Soap immer wieder nur anspielt, sie aber nie dominieren oder gar das Stück karikieren lässt. Auch haben die Fernseher in den beiden feindlichen Wohnzimmern noch einen anderen Zweck: Per Fernbedienung kann man für Ruhe sorgen oder aber einem unliebsamen Gespräch ausweichen, in dem man sich in den Fernseh-Krimi zurückzappt.
Es gibt auch noch einen dritten Fernseher. Der steht vor dem Haus der verfeindeten Sippen, in einem Getreidefeld, samt Bank und Bierkasten. Hier haben sich Agnes (Ines Schiller) und Ottokar (Jan Kersjes), sie eine Warwand, er ein Rossitz, ihren Rückzugsort geschaffen. Bei Fernsehgucken, Biertrinken und Schmusen möchten sie am liebsten die Familienfehde in ihrem Rücken vergessen.
Die beiden jungen Mimen spielen das sehr anrührend, klar und frisch und, trotz Bierflaschengestemme, ganz und gar nicht cool. Doch weil sie nicht ewig im Kornfeld bleiben können, verkleidet der junge Mann seine Angebetete als Ottokar, während er selbst in ihre Kleider schlüpft. So wollen sie vor denen, die sie jagen, im jeweils "gegnerischen" Wohnzimmer unterschlüpfen, um dort aber bald schon als blutüberströmte Leichen zu enden.
Am Ende eine zaghaft, mit abgewendetem Gesicht ausgestreckte Hand der Väter. Und langer Beifall nach gut zwei pausenlosen Stunden.
Die Familie Schroffenstein
von Heinrich von Kleist
Regie und Bühne: Christian Weise, Kostüme: Ulrike Gutbrod, Musik: Jens Dohle, Dramaturgie: Maria Viktoria Linke.
Mit: Uwe Fischer, Antje Weber, Jan Kersjes, Matthieu Svetchine, Stephan Korves, Verena Unbehaun, Ines Schiller.
www.anhaltisches-theater.de
28.01.2010, 12:42 | tags: Schauspiel | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 28.01.2010
Achtung: Tolles Ferienangebot für die ganze Familie
Am Sonntag, d. 7. Februar um 15 Uhr im Großen Haus des Anhaltischen Theaters treten „Sechse“ zum letzten Mal gegen den König an. In der erfolgreichen Märchenproduktion können Große und Kleine erleben, wie sich die „Sechse“ mit außergewöhnlichen Eigenschaften um den Soldaten sammeln und mit ihm gemeinsam gegen den König vorgehen. Da die letzte Vorstellung des Familienstücks in die Schulferien fällt, gibt es ein besonderes Ferienangebot. Tickets werden einmalig zum
Sonderpreis [Erwachsene: 6,- Euro (statt 17,50 Euro) und Kinder 4,- EURO (statt 7,50 Euro]
angeboten.
Außerdem haben die Kinder die Möglichkeit, sich an einem kleinen Gewinnspiel zu beteiligen. Nach der Vorstellung können die Kinder entscheiden, mit wem der „Sechse“ sie durch die Welt ziehen würden. Nach Einsenden der Antworten bis zum 10. Februar findet die Verlosung statt.
Zu gewinnen gibt es ein spannende Theaterführung mit ihrem Lieblingsheld.
Erleben Sie das mit viel Witz und Komik erzählte Märchen über Freundschaft, Gerechtigkeit und die Macht des eigenen Tuns (Regie Robert Klatt) und finden Sie heraus, warum am Ende immer jemand von Sieben redet!
Tickets und Informationen erhalten Sie unter:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr
Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
28.01.2010, 10:25 | tags: Schauspiel | Autor: Franziska Blech
Helmut Rohm, Zerbster Volksstimme, 28.01.2010
Christian Weise inszeniert Kleist in Dessau / Morgen ist Premiere
Die alte Geschichte und heutige Verhältnisse
Geschichten erzählen ist eigentlich das Urding, warum und wozu überhaupt Theater gemacht wird. Eine wohl fundamentale Aussage, die Christian Weise formuliert.
Und: „Wir versuchen unsere Geschichte so spannend wie möglich zu erzählen!“ Christian Weise ist Regisseur (37), zu Hause in Berlin, und inszeniert am Anhaltischen Theater Dessau das Schauspiel „Die Familie Schroffenstein“ von Heinrich von Kleist. Die Premiere findet am Freitag, dem 29. Januar, um 19.30 Uhr im Großen Haus statt.
Der Regisseur bringt den Inhalt auf den Punkt: Zwei Familien, die eigentlich eine sind, machen sich gegenseitig fertig. Die tragisch endende „Romeo-Julia- Geschichte“ und die Rachegeschichte mit Neid und Eifersucht, eigentlich aus einem Missverständnis heraus, sind tragende Säulen des Stückes.
Während Kleist dieses Stück als Ritterstück im Mittelalter angesiedelt hat, überträgt es Christian Weise in die Heutezeit, „auf unsere Dessauer Verhältnisse“. Damit „bedient“
diese Inszenierung im Kontext mit dem Dessauer Gesamttheatermotto der Spielzeit 2009/2010, „Offenes Land“, das Schauspielthema „radikal deutsch“ recht trefflich.
Aktuell bekannt gewordene Vorgänge wie die von einem ein ganzes Dorf beherrschenden
Familienclan oder von einem Rentner, der die Nachbarfamilie terrorisiert, schließlich Vater und Sohn totschlägt oder viele „scheinbar kleine tägliche Verhaltensweisen waren und sind gedankliche Anregungen für Christian Weise.
Er schöpft natürlich auch aus seinem gut 20-jährigen vielgestaltigen Leben im und mit dem Theater und aus dem sich ebenso entwickelten gesunden Selbstvertrauen.
Keine Gedanken gemacht, ob es klappen wird
„Das alles ist allmählich gewachsen“ erzählte er. In Eisleben als Pfarrerssohn geboren, schloss er die 10. Klasse ab, machte in Erfurt 1991 auch sein Abitur. Bereits mit 17 Jahren hat sich Christian Weise erfolgreich an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin beworben. Im Fach Puppenspiel, „weil in Erfurt 1986 das Puppenspieltheater eröffnet wurde und ich diese Sache ganz toll fand“. Er
hätte sich auch eine Tischler- oder Schneiderlehre - an der Oper vorstellen können.
Bereits im zweiten Studienjahr habe sich an der Hochschule „eine Truppe zusammengefunden“ mit vielen eigenen Ideen, die offensichtlich so gut war, dass sie Peter Eschberg komplett an das TAT (Theater am Turm Frankfurt/ Main d. A.) engagiert hat.
Zwischenzeitlich hat Christian Weise zahlreiche Rollen als Puppenspieler und Schauspieler an verschiedenen Häusern erfolgreich gespielt.
2002 war in Frankfurt dann Schluss: Kein Geld mehr von der Stadt. Trotz oder gerade wegen des Erfolges haben sich bei den Einzelnen „die künstlerischen Wege extrem verselbstständigt“. Christian Weise wagte einen „Neuanfang“. Da er eigentlich auch keine Lust hatte, sich bei neuen Ensembles zu bewerben, wurde er selbstständiger Regisseur.
„Eine Befreiung gewissermaßen“, wie er rückblickend resümiert.
Und fast wie zufällig waren da auch gleich zwei Inszenierungsangebote in Halle („Der Sturm“) und am Nationaltheater Mannheim („Iphigenie in Aulis“). „Doch ob es auch weiterhin immer so klappen würde, darüber habe ich mir damals eigentlich keine Gedanken gemacht“, erzählt Christian Weise. Und er hat sich bis jetzt auch keine machen müssen. Ein auszugsweiser Blick in die Inszenierungsliste und in Rezessionsauszüge bestätigt Vielfalt und Qualität „Maria Stuart“ (Stuttgart, 2003), „Arsen und Spitzenhäubchen“ (Halle, 2005), „Biedermann und die Brandstifter“ (Salzburger Festspiele und Zürich,
2007), „Volpone / Ben Jonson / Soeren Voima“, (Köln 2007), „Alice Under Ground“ (Ballhaus Ost Berlin , 2009)
Es wird zu 100 Prozent Kleist sein
Und nun in Dessau eine Kleist-Inszenierung. In einer Stadt, „in der ich vorher noch nie war und von deren monumentalem Theater ich auch nichts wusste“. In einer Stadt, die ihm den ersten Eindruck vermittelte: Hier ist eigentlich gar keine richtige Stadt. Aber es wohnen Menschen hier, deren Lebensumstände er mehr und mehr kennenlernte, „die für meine Arbeit interessant sind“.
Sein künstlerischer „Gang nach Dessau“, den Christian Weise keinesfalls bereut, wurde durch die Dramaturgin Maria Linke, mit der er schon seit Jahren zusammenarbeitet, bereitet. Das Stück „Schroffenstein“ wurde nach Studium mehrerer Werke von Christian Weise vorgeschlagen und in das Programm aufgenommen. Diese Entscheidung wurde etwa Weihnachten 2008 getroffen. Geprobt wird seit Mitte November 2009. „Mit einer Truppe in guter Mischung vom Alter her, die alle sehr viel Lust haben“, freut sich Christian Weise über die gut vorangehende gemeinsame Arbeit.
„Und es wird 100 Prozent Kleist sein, auch wenn es heute spielt, weil zeitlos aktuell“, Christian Weise nimmt den Zuschauern Ängste vor eventuell vermuteter, „aus Prinzip aufgezwungener Aktualisierung“.
Die nächsten Aufführungen nach der Premiere sind am 31. Januar und 13. Februar, jeweils um 17 Uhr.
27.01.2010, 21:36 | tags: Diverses | Autor: Franziska Blech
Illka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 28.01.2010
Ehemalige Tänzer treffen sich bei «Lulu» im Theater
Wiedersehen: Margit Kraska und Ines Becker haben nach Dessau geladen - Gut 90 Gäste werden erwartet
Wenn am Sonnabend im Anhaltischen Theater nach der Ballettaufführung von "Lulu" der Applaus endet, werden einige Besucher auf die Bühne gehen: Tänzer treffen dann Tänzer. Ehemalige des Dessauer Balletts stehen dem aktuellen Ensemble gegenüber.
"Darauf freuen wir uns ganz besonders", sagt Margit Kraska. Die Dessauerin, von 1976 bis 1984 als Tänzerin engagiert, hat in den vergangenen Monaten gemeinsam mit ihrer früheren Kollegin Ines Becker ein ganz besonderes Treffen organisiert, das nun an diesem Sonnabend mit der Lulu-Vorstellung beginnt und mit einer großen Runde im Theaterrestaurant ausklingen soll. Eingeladen sind alle Tänzer, die einmal am Anhaltischen Theater oder früheren Landestheater getanzt haben.
Kleineres Treffen im Jahr 2004
"Ein ähnliches Treffen, nun sehr viel kleiner, gab es schon mal 2004. Das wurde jedoch eher durch Zufall zu einer größeren Runde von Tänzern", erzählt Ines Becker. Anlässlich einer Schwanensee-Aufführung, so beschreibt sie die damalige Eigendynamik, hätte sich nach einigen Telefonaten eine Zahl von Tänzern versammelt, die vor allen in den 70er und 80er Jahren auf der Dessauer Bühne tanzten. Beim letzten Open Air waren sich Margit Kraska und Ines Becker dann sicher, dass es eine Wiederholung geben soll.
Listen wurden aufgestellt, es wurde telefoniert, Mails geschrieben. So kurz vor dem Treffen rechnen die beiden Frauen mit etwa 90 Gästen. "Jeder sagt es jedem", beschreibt Ines Becker das Prinzip des Vorgehens. Sie tanzte von 1978 bis 1990 im Dessauer Ballett, arbeitet heute im Künstlerischen Betriebsbüro des Anhaltischen Theaters. Das machte es den beiden Frauen vor allem leichter, wenn es darum ging, Adressen oder Telefonnummern ausfindig zu machen.
Immerhin sind es etwas über 20 Männer und Frauen des Balletts, die Dessau treu geblieben sind und nach ihrem Ausscheiden in der Stadt blieben, neue Berufe ergriffen, oft am Theater, aber auch anderswo. "Viele sind aber schlicht nicht auffindbar. Das bringt unser Beruf durch kurze Engagements mit sich", weiß Margit Kraska. Stolz ist sie, schon verkünden zu können, dass die älteste Teilnehmerin 82 Jahre zählt. Und hoffen werden die beiden Organisatorinnen natürlich auch auf Choreographen. Arila Siegert wie auch Gonzalo Galguera wurden eingeladen und wollen alles möglich machen, um auch zu kommen.
Langer Abend wird erwartet
"Wir haben uns auf jeden Fall viel zu erzählen. Das ist bei Tänzern immer so, und natürlich ist es auch für uns spannend, mit den jungen Tänzern des Theaters ins Gespräch zu kommen. Der Abend dürfte lang werden", ist sich Margit Kraska sicher. Das Tänzertreffen versammelt am Sonnabend zudem nicht die einzigen Tanzbegeisterten im Theater. Als Margit Kraska und Ines Becker dieser Tage an der Theaterkasse den aktuellen Kartenbedarf abstimmen wollten, stellte sich heraus, dass es noch einen weiteren "Großbesteller" für diese Vorstellung gibt.
Im Herbst 2009 gab es ein tänzerisches Großprojekt "Dancing to Connect", das vom US-Generalkonsulat in Leipzig initiiert, in die Region geholt und mit Unterstützung der Battery Dance Company aus New York City ermöglicht wurde. Bei diesem Projekt wirkten mehr als 100 tanzbegeisterte Schülerinnen und Schüler aus Dessau-Roßlau und Bitterfeld-Wolfen mit. Nun wollen die damals beteiligten Schüler und Lehrer nochmals zu einem gemeinsamen Wiedersehen zusammenkommen und ebenfalls die Inszenierung "Lulu" am Sonnabend besuchen. Auch die Generalkonsulin der USA in Leipzig, Katherine Brucker, wird anlässlich dieser Vorstellung erwartet, da sie nochmals den Schülern und allen Mitwirkenden am Projekt "Dancing to Connect" für ihr Engagement danken möchte.
25.01.2010, 21:32 | tags: Diverses | Autor: Franziska Blech
Thomas Altmann, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 26.01.2010
Schnee liegt auf den Rosen
Konzert: Gitte Haenning und ihre Band waren im Anhaltischen Theater zu Gast
Die kleinbürgerliche Alternative zum küssenden Kuhjungen, der gehänselte Favorit der Frau Mama fürs Fräulein Tochter soll einst, im Jahr 1963, den Protest einer bayrischen Bahnbeamten-Vereinigung erregt haben. Sonst hielt sich der soziale Aufruhr, den Gittes erster großer Hit lostrat, in den Grenzen der Schlager-Begeisterung.
"Ich will 'nen Cowboy als Mann" sang Gitte, die längst als Gitte Haenning auftritt, auch am Freitag im Anhaltischen Theater, aber deutlich gekürzt und augenzwinkernd, mit einem fingerschnalzenden Vorspiel, als gelte es eine Jugendsünde lächelnd anzuzapfen. Ihr aktueller Cowgirl-Look tut dem kaum einen Abbruch. Das Ballonkleid scheint geerdet.
"Jetzt leb ich jeden Tag aus, jetzt trink ich jedes Glas leer": "Ich will alles" heißt ihre aktuelle Tour. 2002 war Gitte Haenning, die sich auch als Jazz-Interpretin einen Namen gemacht hat, schon einmal in Dessau, damals zum Kurt-Weill-Fest. "I'm a stranger here myself" hießen ihre "Songs für starke Frauen" in der Marienkirche. "Risse in der Seele, Make-up im Gesicht". Vielleicht. "Ich bin stark" singt sie im Theater mit einer in den Höhen athletischen, leicht brennenden und in den tieferen Lagen erdig warmen, maßvoll anhänglichen Stimme.
Dass die Lieder, deren Textdichte und -schwere nicht immer von grübelnder Tiefe künden, plötzlich doch wie aus leichter Hand illustrierte Geschichten aufblättern, ist auch den neuen Arrangements und der neuen Band zu danken. Bläser, Geige, Bass, Gitarre, Drums, Percussion und Klavier, so richtig aus Holz und Guss: 13 Musiker gehören zur Band, die mit dem lustvollen Herzblut einer rockig, poppigen Big-Band so spielfreudig wie routiniert musiziert. Der Saxophonist und Arrangeur Friedemann Matzeit spielt Klavier und dirigiert zuweilen. Er hat die Lieder lust- und kunstvoll arrangiert. Und Gitte lässt den Musikern Platz für viele schön skizzierte Soli.
"Ich hab' die Liebe verspielt in Monte Carlo": Die alten Ohrwürmer gibt es entstaubt und herrlich gegen den Strich gebürstet en gros und in Kürze als Medley. So hält sie sich die Treue und kann getrost eine andere sein. So wird auch die Erinnerungslust des Publikums bedient und angenehm, mit leicht ironischer Distanz in die Gegenwart getragen. Das ist wirklich recht pfiffig gemacht. Ausgespielt und ausgesungen werden meist die Stücke, die man nach dem ersten Karriere-Knick, als Gitte fortan Gitte Haenning auf ihre Alben drucken ließ, ansiedeln kann. Da sind die Webber-Songs für das One-Woman-Musical "Tell me on a sunday". Kennen Sie nicht? Kennen Sie doch. "Freu dich bloß nicht zu früh" gehört in die Geschichte der Frau, die sich betrogen wähnen darf, oder eben "Bleib noch bis zum Sonntag".
So lange bleibt Gitte Haenning nicht auf der Bühne des Anhaltischen Theaters. Aber in toto singt sie gute zwei Stunden für das zahlreiche Publikum. Manchmal ein wenig kokett auf Diva und immer mit einem Schuss Ironie, aber auch mit routinierter Leidenschaft und ziemlich viel Kraft. Sie ist stark und singt es am Ende auch: "Ich stieg zu den Sternen, bis die Leiter brach". Mag die Himmelsstiege knicken, mögen Seifenblasen fliehen, Gitte sitzt fest auf dem Hocker auf der Bühne. Der Titelsong beteuert: "Ich fang den Augenblick ein, denn ich bin frei und will alles". Und was will man mehr?
25.01.2010, 09:12 | tags: Schauspiel | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 22.01.2010
Schauspiel Premiere „Die Familie Schroffenstein“
Das Anhaltische Theater lädt am 29. Januar 2010 zu einer weiteren Premiere im Schauspiel ein. Gezeigt wird das Kleistsche Trauerspiel DIE FAMILIE SCHROFFENSTEIN um 19:30 Uhr im Grossen Haus.
Regie führt Christian Weise, der zuvor u.a. mit Arbeiten bei den Salzburger Festspielen, am Staatstheater Stuttgart und am Schauspielhaus Zürich auf sich aufmerksam machte.
Weise verlegt das Kleistsche Ritterspiel um die blutige Erbfehde zwischen zwei verfeindeten Zweigen des Adelsgeschlechts der Schroffensteine in ein Wohnhaus der Gegenwart. Die im Zwist befindlichen Familien leben Wand an Wand, Wohnzimmer an Wohnzimmer, lediglich getrennt vom gemeinsamen Hausflur. Simultan kann der Zuschauer den Kleistschen Krimi um die unaufhaltsame Zuspitzung der aus Misstrauen gespeisten kriegerischen Rache auf beiden Seiten der feindlichen Parteien verfolgen.
Das Modellhafte dieser Bühnensituation korrespondiert mit dem Modell-Charakter des Stückes, seinem streng symmetrischen Aufbau - jede Handlung und Szene auf der einen Seite hat eine Entsprechung auf der anderen. Dabei sind die Charaktere der Figuren und deren Handlungsmotivationen höchst individuell gezeichnet, was die Spannung des Stückes nur verstärkt.
Regie und Bühne: Christian Weise | Kostüme: Ulrike Gutbrod | Musik: Jens Dohle | Dramaturgie: Maria Viktoria Linke
Mit: Christel Ortmann, Lisa Kudoke, Ines Schiller, Verena Unbehaun, Antje Weber | Gerald Fiedler, Uwe Fischer, Mario Janisch, Jan Kersjes, Thorsten Köhler, Stephan Korves, Boris Malré, Hans-Jürgen Müller-Hohensee, Sebastian Müller-Stahl, Matthieu Svetchine, Karl Thiele
Nächste Aufführungstermine: 31.1., 17 Uhr, 13.2., 17 Uhr, 19.2., 19:30 Uhr, 14.3., 17 Uhr, 18.3., 16 Uhr, 17.4., 17 Uhr, 23.4., 19:30 Uhr, 21.5., 19:30 Uhr
Aufführungsdauer: ca. 120 min, keine Pause
Tickets und Informationen erhalten Sie unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr | Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
22.01.2010, 15:15 | tags: Funk, Diverses | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 22.01.2010
haus[funk] 06: Frauenglück
Sechster haus[funk]abend am 27. Januar 2010 auf der Bauhausbühne
Der letzte Monatsmittwoch rückt näher und es wird wieder ge[funk]t: Das Anhaltische Theater und die
Stiftung Bauhaus Dessau laden ein zum haus[funk]abend am 27. Januar 2010 ab 21 Uhr. Schauspieler
und Schauspielerinnen des Anhaltischen Theaters führen in den optimierten Alltag der Moderne.
Die Besucher werden Teil der Neu-Interpretation des Bauhaus-Films „Neues Wohnen“ von 1928.
Zwischen 1926 und 1928 entstand in der Filmreihe „Wie wohnen wir gesund und wirtschaftlich?“
von Ernst Jahn auch der Film „neues wohnen“ – zuletzt zu sehen in der erfolgreichen Filmausstellung
„Bauhaus in Aktion“, die die Stiftung Bauhaus Dessau im vergangenen Herbst zeigte. Der Film präsentiert
– nicht ganz ohne Selbstironie – das Dessauer Wohnhaus von Walter Gropius und die optimierten
Arbeitsabläufe darin.
In der Reihe der haus[funk]abende werden Schauspieler des Anhaltischen Theaters den Film nun auf
der Bühne des Bauhauses neu vertonen und interpretieren. Susanne Hessel, Eva-Marianne Berger,
Thorsten Köhler und Sebastian Müller-Stahl wohnen unter der Regie von Axel Sichrovsky und dem
[funk]team gesund und wirtschaftlich. Für Live-Vertonung sorgt Medienkünstler und [funk]er Marold
Langer-Philippsen.
Die Reihe der haus[funk]abende findet regelmäßig statt – immer am letzten Mittwoch des Monats.
Den Ort dafür stellen die Bauhausbauten der Stadt – sie werden neu belebt und bieten Werkstatt
und Partylocation, Klanglabor und Podium, Bühne und Bildschirm zugleich. [funk] bearbeitet dafür
jeden Monat ein Thema, meist abgeleitet aus den aktuellen Produktionen und Projekten des Anhaltischen
Theaters und des Bauhausbühnenstudios.
[funk] entsteht in Zusammenarbeit von Anhaltischem Theater Dessau, der Stiftung Bauhaus Dessau
und Dessauer Bürgern. [funk] wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes.
Ort: Bauhausbühne, Gropiusallee 38, 06846 Dessau-Roßlau
Eintritt: 5 € / ermäßigt: 3 €
Kontakt: Maria Linke studio@interfunk.net | 0340-2511230
www.interfunk.net | www.twitter.com/interfunk
22.01.2010, 09:49 | tags: Musiktheater | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 21.01.2010
Winterreise – Liederzyklus von Franz Schubert
Passend zur Jahreszeit erklingt am 2. Februar um 19.30 Uhr im Anhaltischen Theater Franz Schuberts großartiger Liederzyklus „Die Winterreise“ auf Texte des in Dessau geborenen Dichters Wilhelm Müller. Ulf Paulsen, das langjährige Ensemblemitglied zeigt sich an diesem Abend von einer anderen Seite. Nach den großen Erfolgen als Telramund (Lohengrin) und Pizarro (Fidelio) stellt er sich im Großen Haus als Liedinterpret vor. Begleitet wir er von Kapellmeister und Studienleiter Wolfgang Kluge am Flügel.
Tickets und Informationen erhalten Sie unter:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr
Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
21.01.2010, 21:47 | tags: Schauspiel | Autor: Franziska Blech
Ute Otto, Mitteldeutsche Zeitung/Wittenberg, 22.01.2010
Proben in der zweiten Schicht
Kurt-Weill-Fest: Künstler des Anhaltischen Theaters stellen ihren Beitrag vor
"In einigen Jahren wird man sagen, in Wittenberg stand die Wiege dafür, dass sich das Weill-Fest aus Dessau herausbewegt", sagt Michael Kaufmann. Der neue Intendant des Festivals will fortsetzen und forcieren, was sein Vorgänger Clemens Birnbaum begonnen hat: Zum zweiten Mal ist das Best-Western Stadtpalais Wittenberg eine von 20 vornehmlich in Kurt Weills (1900 bis 1950) Geburtsstadt Dessau angesiedelten Spielstätten. 44 Veranstaltungen - Konzerte verschiedener Musikgenres, Lesungen und Museumsführungen - warten vom 26. Februar bis 7. März auf ihr Publikum.
Unter "Musikalische Comedy" firmiert, was am 3. März im Best-Western von drei Künstlern des Anhaltischen Theaters Dessau geboten wird. "Mein wildes Herz in deine Ruh" ist die mit Brecht-Songs zu Kompositionen von Weill und Zeitgenossen wie Hanns Eisler und Paul Dessau erzählte Geschichte über Claire (Matthieu Svetchine), George (Antje Weber) und dem trunksüchtigen Barpianisten "Joe aus Soho" (Daniel Carlberg, 1. Kapellmeister am Anhaltischen Theater) über die Macht entfesselter Leidenschaft. Dass die Rollen von Claire und George mit Schauspielern des jeweils anderen Geschlechts besetzt sind, hat damit zu tun, dass sie einst ein Mann war und er eine Frau. Das zunächst etwas Undurchschaubare "passt auch gut zu unserer Küche", kündigt Hotelchef Michael van der Sanden eine kulinarische Beilage des Abends an, "die über Auge und Gaumen die Synapsen in Gehirn ebenso anregt".
"Mit wildem Herzen", so Regisseur Holger Kuhla, proben die Mitglieder des Theaterensembles sozusagen in der zweiten Schicht für ihren Weill-Fest-Beitrag. "Das kommt ja erschwerend hinzu, wir sind keine Sänger, sondern Schauspieler", bittet Antje Weber um Nachsicht, wenn es "kein Festival der schönen Stimmen" werde. Dafür sei aber der schauspielerische Part des Kapellmeisters auch eine kleine Weltpremiere. Während der aus Frankreich stammende Svetchine gesteht, dass ihm der Name Weill bislang nichts sagte, erzählt Weber, wie lang der Weg war, bis sie Zugang zu Brecht und Weill fand. Noch zu DDR-Zeiten hat sie an der Schauspielschule "Ernst Busch" studiert. Das "Heroische", das seinerzeit in Brecht gelegt wurde und auf sie "verblendend" wirkte, habe sie abgeschreckt. Doch ihr erstes Engagement nach dem Studium brachte ihr ausgerechnet eine Rolle in Brechts "Der gute Mensch von Sezuan" und ein Jahr später spielte sie in der "Dreigroschenoper". "Das war die Versöhnung", so Weber. Nicht nur in dem hier vorgestellten Programm, sondern in den vielen Beiträgen zum Weill-Fest spiegelt sich laut Kaufmann wider, "dass es bei Brecht und Weill immer noch etwas Neues zu entdecken gibt".
"New Art ist True Art" - ein Song aus Weills erfolgreichstem Broadway-Musical "One Touch of Venus" gab dem Festival 2010 sein Motto. "Neue Kunst ist wahre Kunst" - Darüber zu diskutieren, soll es reichlich Anlass geben.
20.01.2010, 17:39 | tags: Theaterpädagogik, Anhaltische Philharmonie | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 20. Januar 2010
Ein Kuscheltierkonzert für Kinder!
Junge Konzertbesucher (ab 4 Jahren) sind am 31. Januar sehr herzlich in die Dessauer Marienkirche eingeladen. Um 11 und um 15 Uhr wird dort das von Klaus Wüsthoff für Orchester und Erzähler geschriebene „Kuscheltierkonzert“ aufgeführt. Dirigent ist Daniel Carlberg, Erzähler der 10-jährige Dessauer Schüler Maximilian Schumann.
Worum es geht? Natürlich um Kuscheltiere! Gemeinsam mit dem Orchester erzählt Maximilian von seinen Abenteuern mit Pferd, Eichhörnchen, Fuchs, Bär, Schildkröte, Elefant, Pinguin, Robbe, Papagei und Hase. Wer eines dieser Kuscheltiere daheim hat, bringt es am besten mit ins Konzert! Alle sind gefragt, denn sie alle spielen mit im „Kuscheltierkonzert“.
Tickets [4,50 EURO für Kinder; 6,- Euro für Erwachsene] erhalten Sie unter:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr
Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
Das Anhaltische Theater bietet speziell für Kinder ein Wa(h)l-Abo an, mit dem drei Vorstellungen freier Wahl, in denen ein Tier der Titelheld ist, für nur 7,50 EURO besucht werden können.
Mit dem Wa(h)l-Abo können junge Zuschauer z.B. die Vorstellungen « Schaf » - eine Kinderoper, « Kuscheltierkonzert » und « Das Unglückshuhn » - eine Puppentheaterproduktion besuchen.
20.01.2010, 11:02 | tags: Anhaltische Philharmonie | Autor: Franziska Blech
Ute van der Sanden, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau, 19.01.2010
Ein Abend mit Ballett im Kopf und im Herzen
Mit Dirigent Dirk Kaftan bezeugt die Anhaltische Philharmonie beim Sinfoniekonzert ihre "Unsterbliche Liebe" - zur Musik.
Wildfremde Menschen treffen sich im Proberaum, arbeiten ein paar Tage zusammen, gehen auseinander. Zuvor aber führen sie das Ergebnis ihrer Anstrengung öffentlich auf, und im besten Fall ist darin nicht die Spur von Fremdheit, sondern "Unsterbliche Liebe".
Einigkeit im Ausdruck
So hieß das dritte Sinfoniekonzert der Anhaltischen Philharmonie, an dessen genial komponiertes Programm der etwas weniger genial gedachte Titel nur dann heranreichte, wenn man ihn äußerst wohlwollend mit Igor Strawinskys "Pulcinella"-Suite und Wolfgang Amadeus Mozarts berühmtem A-Dur-Klavierkonzert assoziierte.
Am Ende jedoch war das egal, zumal nach Sergej Prokofjews Ballettmusik zu "Romeo und Julia". Denn die Einigkeit im Ausdruck, das beredte Miteinander und die gemeinsame Bereitschaft zur Emotion, wie sie die Dessauer Musiker unter Leitung von Dirk Kaftan am Ende voriger Woche hören ließen, sind auch unter Profis mitnichten selbstverständlich und deswegen ein Glücksfall - zumal die Philharmonie mitsamt aller ihrer Orchestersolisten auf einem technischen und klanglichen Niveau agierte, von dem sie nie wieder abrücken möge.
Das war eine Eintracht, die nur Musik schaffen kann. Und das Beste: Das Publikum ist Teil des Wunders und ebenso angerührt wie die Mitwirkenden, wenn´s gelingt. Viele Umstände tragen dazu bei, nicht alle lassen sich in Worten fassen.
Exzellente, ehrgeizige Gäste des Hauses aber bestimmt. Dirk Kaftan, neuerdings Generalmusikdirektor in Augsburg, stand als personifizierte Herausforderung vor dem Orchester, dessen Zusammenspiel er ausgezeichnet zu organisieren wusste. Gastdirigent Kaftan gab präzise, detaillierte Anweisungen und zeigte sich als erstklassiger Begleiter, was besonders Finghin Collins am Klavier gefreut haben dürfte.
Der irische Pianist hinterließ mit Mozarts A-Dur-Konzert einen grandiosen Eindruck. Leicht, frei und beseelt nahm sich Collins seines Parts an, mit sprühender Virtuosität und ausgeprägter Vorliebe für gedankliche Bögen, unter denen er auch die Stimme des Orchesters versammelte. Er flutete das zauberhafte Werk mit dem Licht seines unbeschwerten Tons und fand doch für jeden Einfall eine Entsprechung: Ein Staccato war hier ein Lachen und da ein Hüpfen, jeder Lauf hatte ein Ziel. Und wen die ausladenden Gesten und die expressive Mimik des Spielers irritierten, die mitunter tatsächlich ans Parodistische grenzten, der konnte ja die Augen schließen.
Die Seligkeit war vollkommen, als Collins das erste von drei "Wiegenlieder meiner Schmerzen" genannten Intermezzi aus Johannes Brahms´ Opus 117 zugab: sehr langsam, sehr zart, mit perfekt phrasierter Melodiestimme in der Mittelhand - ein Traum in Es-Dur, wie Mondlicht schimmernd und auch ohne jedwede Kenntnis des Titels den melancholischen Nachtgesang suggerierend.
Forsche Einwürfe
Dass die Präsenz des Konzertflügels zuvor die optische Geschlossenheit einer kleinen Besetzung gestört hatte, war der "Pulcinella"-Suite einziger Nachteil. Was klang, war famos: Schon die Sinfonia überraschte durch ihren Schwung und ihren charmanten, ja liebevollen Tonfall. Dazu gesellten sich forsche Einwürfe und hingebungsvolle Kantilenen, rhythmische Finesse und pittoresker Witz.
So meisterlich die Partitur auf die Einfälle barocker Meister konstruiert wurde, so unmittelbar, fröhlich und beherzt war nun ihre Ausstrahlung. Die Orchestersolisten hätten nach jedem Satz einen Sonderapplaus verdient gehabt: Die Konzertmeisterin für den zweiten, Posaune und Kontrabass für den siebten Satz, die Trompete fürs Finale; Oboen, Fagotte und Flöten sowieso, und ach, die Hörner erst!
Begeisterte Zuhörer
Nicht anders die Ausschnitte aus Prokofjews "Romeo und Julia". Um den zweiten Konzertteil mit der berühmtesten Liebestragödie aller Zeiten haben sich vor allem die Bläser verdient gemacht. In der wirbelnden Choreografie aus Orchesterfarben in herrlichen Nuancen, Stimmungen und Bildern drehten die Emotionen Pirouetten. Vom stampfenden "Tanz der Ritter" über den leidenschaftlichen Abschied der Liebenden bis zu "Julias Tod" herrschten größte Sorgfalt und Konzentration. Man scheute nicht die Schärfen des Klangs, hielt aber die Fortissimo-Passagen elastisch trotz aller Wucht.
So ging der Abend beim 3. Sinfoniekonzert im Anhaltischen Theater, nachdem er im Pianissimo verhallt war, im andauernden Beifall einer begeisterten Hörerschaft auf. Ein Abend, der keine realen Bilder brauchte, weil die Musik Vorstellung genug war: Ballett im Kopf und im Herzen.
19.01.2010, 09:54 | tags: Ballett, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Helmut Rohm, Volksstimme Magdeburg, 19.01.2010
Tanztheater-Kooperation Hermes in der Stadt
Ideenreiche Inszenierung auf der Bauhausbühne
Einer Apokalypse gleich ist alles zerstört. Die Menschen liegen vernichtet am Boden. Nur der zarte Gesang des Schlafliedes „Morgen früh, wenn Gott will, wirst du wieder geweckt“ lässt einen Hauch Optimismus für Kommendes erahnen.... So endet die Tanztheater-Inszenierung
Hermes in der Stadt, die am Sonntagabend ihre gefeierte Premiere erlebte.
In dieser Kooperation des Anhaltischen Theaters und der Stiftung Bauhaus Dessau wurden acht Choreografien nach dem gleichnamigen Stück von Lothar Trolle vorgestellt. Trolle verband den Hermes-Mythos mit dem Mythos der Stadt als Glücksversprechen wie ebenso als Raum für Brutalität und Gewalt, die scheinbar aus der Normalität entsteht. Der Autor bezog sich dabei auch auf real geschehene Verbrechen in Berlin- Marzahn.
Inspiriert von diesen Texten schufen junge Choreografen, Tänzerinnen und Tänzer der Dessauer Ballettcompagnie von Tomasz Kajdanski eine beeindruckende, auch selbstgetanzte Ballettperformance. Sie stellten damit ihre individuelle Sicht auf diese aktuellen Probleme dar. Da setzte sich Yuliya Gerbyna in der Szene „Küche“ in brutaler Eindeutigkeit mit dem Thema „häusliche Gewalt“ auseinander.
Oder vier Männer drangsalieren eine Frau in „Libamentum“ (Chorografie Nadja Réthey-Prikkel). Das Folterende in einem Plastekäfig erinnert erschreckend an Wasserboarding.
Die als Ort der Theatermoderne bedeutsame Bauhausbühne als spezieller Aufführungsort, einbezogen die Mensa und die sich anschließende Küche, erwies sich als kongeniale Basis dieser ideenreichen Inszenierung. Körper und Raum mit allen Facetten der gegenseitigen Durchdringung waren prägende Hauptelemente. Die faszinierend ideenreiche und gezielt effektvolle, auf inhaltliche Präsenz ausgerichtete Verwendung von Formen, Farbe, Licht, Bewegung, Sprache, der Einsatz moderner Medien wie Live-Video-Einblendungen sowie das Einspiel elektronischer Musik (musikalische Leitung: Shintaro Imai) schufen eindrucksvolle Komplexität.
Das junge Tanzensemble, erst mit dieser Spielzeit gegründet, begeisterte mit großem Engagement und bis ins kleinste Detail ausgeprägten Darstellungen. Das oft so schnell dahingesagte „Wir geben alles“ traf für dieses Ensemble an diesem Dessauer Premierenabend in jeder Hinsicht uneingeschränkt zu.
Die nächsten Aufführungen finden am 20. Januar sowie 6. und 7. Februar statt.
18.01.2010, 23:11 | tags: Ballett, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 19.01.2010
Ballett
Todesengel mit Boxhandschuhen
Mit «Hermes in der Stadt» haben die Tänzer des Anhaltischen Theaters einen Abend für die Bühne des Bauhauses entwickelt
Was wäre, wenn sich ein antiker Gott in eine Großstadt der Gegenwart verirren würde? Könnte er mit überirdischen Kräften den Moloch sprengen - oder würde er sich in der Allgegenwart von menschlicher Gewalt und Hybris verlieren? Solche Spekulationen mögen den in Sachsen-Anhalt geborenen Dramatiker Lothar Trolle zu seinem 1992 am Deutschen Theater Berlin uraufgeführten Stück "Hermes in der Stadt" bewogen haben - und stehen nun auch Pate bei einer ungewöhnlichen Ballett-Collage auf der Bühne des Bauhauses Dessau.
Bezug zum Geist des Ortes
Acht kurze Choreografien von Tänzerinnen und Tänzern des Anhaltischen Theaters sind es, die mit Macht und Eleganz die Deutungshoheit auf den historischen Bühnenbrettern behaupten. Dass man sich hier in der Tradition von Oskar Schlemmers Raumfigur-Experimenten, aber auch in den Spuren von berühmten Gästen wie Gret Palucca bewegt, ist dem neuen Ensemble unter Leitung von Tomasz Kajdanski bewusst: Bereits der erste Beitrag, Matthew Bindleys auf eine Abfolge aus Sprechtext und tiefem Streicherton getanztes Sextett "Mushrooms", nimmt im Gestus und in der Kostümierung Bezug zur Klassischen Moderne. Die energischen Bewegungen aber weisen die Richtung, in die der Abend gehen wird - und die Denise Evrards "Silent Aggression" dann unmissverständlich einschlägt.
Wenn sich hier ein Tänzerpaar aus jenen Säulen schält, die der Bauhausbühne als szenische Herausforderung seit jeher eingebaut sind, dann wird die Inkarnation des Steins - und die umgekehrte Versteinerung des Leibs - zur Metapher für Urbanität, während sich in der Bühnenmitte ein Dritter sein Gewand aus blutroter Farbe aufschminkt. Den umgekehrten Weg geht Gorden Wannhoff mit "Götzen", die in ihrer Bildstärke zu den Höhepunkten des Projekts zählen.
Hier wischen sich drei Tänzer die Sicht in einem weiß getünchten Kubus frei - und geben so fragmentarisch den Blick auf ihre Körper und Bewegungen preis. Das Spiel mit Innen- und Außenräumen, der Blick in den toten Winkel und das Verhältnis des menschlichen Körpers zu seiner geometrisch abgezirkelten Umwelt bewähren sich auch in der Folge als Leitmotive, die den Geist von "Hermes in der Stadt" aufnehmen.
Da wird eine junge Frau hinter der Essensausgabe der Mensa von ihrem Partner bedrängt, wobei man das Geschehen zugleich durch das Fenster und auf zwei Video-Projektionen aus verschiedenen Perspektiven wahrnimmt ("Küche" von Yuliya Gerbyna). Da erinnern sich Körper über große Distanz an fremde Begegnungen im Becken der Dessauer Schwimmhalle ("Hinter dem Vorhang" von Juan Pablo Lastras Sanchez). Und da kippt die erotisch gefärbte Konfrontation einer Frau mit vier Männern in Aggression und endet schließlich in einem Wasserbecken, in dem die Verführerin zum gedemütigten Opfer wird ("Libamentum" von Nadja Réthey-Prickel).
Dass die Bauhaus-Bühne dabei nie den Charakter eines Laboratoriums verliert, dass aus der Not der fehlenden Auftritts- und Verwandlungsmöglichkeiten eine Tugend gemacht wird, kommt dem offenen Charakter des Experiments entgegen. Mit Bodenstrahlern und Absperrbändern ähnelt der von Torsten Blume gestaltete Raum einer Baustelle - und verweist wohl nicht von ungefähr auch auf die Internationale Bauausstellung zum "Stadtumbau", die in diesem Jahr von Dessau aus ins Land strahlen soll.
Bedingungsloser Einsatz
Auch in Joe Monaghans "Reflektz" - einem Spiel mit dem Echo und den Resonanzen, die Körper in ihrem Gegenüber auslösen können - zeigt sich schließlich, wie selbst- und bedingungslos sich die Tänzer wechselseitig für die Arbeit ihrer Kollegen einsetzen. Und wenn auch nicht jede Szene das Versprechen einlöst, das durch den Titel des Abends gegeben worden ist, so sorgt doch Hannah Sieh mit Zitaten aus Trolles Stücktext für die nötige dramaturgische Klammer - und für die "Verse der Zukunft", die Menschen "einsam eingehüllt in unsere Leiber" finden.
Mit "Bar Hand" bittet Juan Pablo Lastras Sanchez dann zum großen Finale: Zum Text des "Vaterunser" in vielen Sprachen treffen Menschen auf Todesengel mit Boxhandschuhen - und nachdem alle diese athletischen und grazilen Leiber von ihrem Dasein erlöst sind, hört man eine taiwanesische Melodie, die seltsam vertraut klingt. "Morgen früh, wenn Gott will, wirst du wieder geweckt!" ...
Nächste Vorstellungen: Dienstag und Mittwoch sowie 6. und 7. Februar, 19.30 Uhr
18.01.2010, 13:10 | tags: Theaterpädagogik | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 18. Januar 2010
VON - VORN!
Jugendliche stellen ihre Theaterarbeiten vor.
Ort: Foyer des Alten Theaters
Das Alte Theater wird zum Forum für junge Leute aus Dessau-Roßlau, die Theater spielen. Theater ist zum Zeigen da! Und wir öffnen die Türen zum Foyer, damit jugendliche Theatermacher dieser Stadt ihre Theaterprojekte vorstellen können. Ob kurze Szenen oder ein ganzes Theaterstück, ob Liederabend oder Lesung, ob Film oder Mini-Performance: Alle Formate sind erwünscht und willkommen und können im Alten Theater eine professionelle Bühne und ein neugieriges Publikum finden.
Der Startschuss zu dieser neuen Reihe erfolgt am 25. Januar 2010 um 17.00 Uhr.
Dann zeigt die Jugendtheatergruppe des Kiez e.V. ihr Stück „Ach wäre ich ein Pflasterstein, ich könnte längst im Westen sein“, das im Rahmen des Stadtprojekts „89jetzt!“ entstanden ist. Mit dabei ist außerdem der Theaterjugendclub des Anhaltischen Theaters mit seiner Projektarbeit „Aus Dessau: 2009“, und die Dessauerin Johanna Diestelkamp stellt Teile ihres musikalisches Programms vor, dass sie für die Aufnahmeprüfung an der Hochschule vorbereitet hat!
Kommen, schauen, sich überraschen lassen, was VON-VORN kommt!
Dazu laden wir Sie herzlich ein.
Der Eintritt ist frei!
Interessenten für dieses neue Veranstaltungsformat melden sich bitte bei der Theaterpädagogin Imme Heiligendorff (0340-2511216)
14.01.2010, 22:39 | tags: Diverses | Autor: Franziska Blech
Nada Weigelt, Mitteldeutsche Zeitung, 15.01.2010
Max Raabe
Lieder und Schlager führen «Übers Meer»
Bariton bringt erstes Soloalbum heraus - "Ich habe das ausgesucht, was ich auch für mich privat gern hören würde"
Seit Jahren feiert Max Raabe mit seinem Palast Orchester Erfolge auf den großen Bühnen der Welt. Mehr als zwei Dutzend Platten hat die beliebte Berliner Retro-Formation im Stil der Comedian Harmonists schon aufgenommen. Jetzt bringt der Ausnahme-Bariton mit «Übers Meer» sein erstes Solo-Album auf den Markt - nur begleitet von seinem langjährigen Pianisten.
«Das ist eine sehr private Art des Singens», sagt der 47-jährige Raabe. «Ich habe das ausgesucht, was ich auch für mich privat gern hören würde - so, wie wenn man seine Lieblingskassette zusammen schneidet.»
In dem Album präsentiert der Sänger einen Zyklus von fünfzehn Liedern, Schlagern und Couplets aus dem Ende der Weimarer Zeit - von legendären Komponisten wie Fritz Rotter, Robert Gilbert, Walter Jurmann, Hans May und Werner Richard Heymann. Die meisten von ihnen mussten 1933 als Juden vor dem Terror der Nazis fliehen, häufig in die Vereinigten Staaten.
Der Titel «Übers Meer» soll an ihr Schicksal erinnern. «Ähnlich wie der Wind über das Meer hin- und herweht, so mussten auch diese Künstler über das Meer flüchten», sagt Raabe. Und auch ein Lied von Hans Albers greift das Thema wie in Vorahnung auf. «Ganz dahinten, wo der Leuchtturm steht, wo das weite Meer zu Ende geht, dort blieb ein Stück von meinem Glück zurück.»
Raabe singt diese Lieder von Liebe und Sehnsucht, Abschied und Erinnerung sehr intensiv wie in einem Kammerstück. Seine außergewöhnlichen Stimme, die es aus den Tiefen des Baritons mit verblüffender Sicherheit in silberhelle Höhen schafft, beweist erneut ihre Wandlungsfähigkeit zwischen heiterer und tieftrauriger Stimmung.
Fans seines Palast Orchesters werden freilich die sarkastischen Untertöne und ironischen Seitenhiebe vermissen, die die Bühnenauftritte des schmalzgestriegelten Conferenciers so vergnüglich machen. «Mit dem Orchester macht das Spaß, aber jetzt bei diesem Soloalbum wollte ich das nicht haben», sagt Raabe.
Mit Liedern im Stil der «Golden Twenties» hat sich der Sänger längst auch im Ausland einen Namen gemacht. Vor gut zwei Jahren eröffnete er mit seinem 1986 gegründeten Orchester das Berlin- Festival in New York, ein Jahr zuvor war die Truppe erstmals in Japan und China auf Tournee. Der Durchbruch war dem staatlich geprüften Opernsänger 1992 mit dem Song «Kein Schwein ruft mich an» gelungen.
Für sein Solo-Debüt arbeitete er erneut mit seinem alten Schulfreund und Klavier-Kumpel Christoph Israel zusammen. Aufgenommen wurde das Album in Oslo im Studio des Produzenten Jan Erik Kongshaug, das laut Raabe für einen besonders warmen Raumklang sorgte. «Für mich sind diese Lieder die Klassik der Popmusik», sagt Raabe. «Man müsste sie viel öfter hören. So wie man Bach und Brahms hört, gehört das mit dazu.»
13.01.2010, 16:11 | tags: Ballett | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 13. Januar 2010
Premiere Tanztheater „Hermes in der Stadt“ -
Junge Choreografen stellen sich vor
Das Anhaltische Theater Dessau lädt am 17. Januar, um 19:30 Uhr zu einer weiteren Tanztheaterpremiere auf die Bauhausbühne ein.
Tänzer und Tänzerinnen des Dessauer Ballett-Ensembles entwickeln mit der Sprache des Tanzes als Choreographen eine eigene Interpretation von »Hermes in der Stadt«, dem Großstadtmilieustück des in Sachsen- Anhalt geborenen Autors Lothar Trolle und setzen sich dabei auch mit ihrem neuen Arbeits- und Lebensmittelpunkt Dessau auseinander. Ballettdirektor Tomasz Kajdanski bietet mit „Hermes in der Stadt“ Ensemblemitgliedern des Dessauer Balletts ein Forum für eigene choreografische Werke. Aufführungsort ist die historische Aula der „Ikone der Moderne“. Die Bauhausbühne war vor allem unter der Leitung von Oskar Schlemmer zwischen 1921 und 1929 [in Dessau 1926 - 1929] ein legendäres Projekt der Theatermoderne, ein Ort für revolutionäre Experimente mit Körper und Raum. Die Produktion „Hermes in der Stadt“ entstand in Koproduktion mit der Stiftung Bauhaus Dessau.
CHOREOGRAPHIE Matt Bindley, Denise Evrard, Yulia Gerbyna, Joe Monaghan,
Juan Pablo Lastras Sanchez, Nadja Rèthey-Prikkel und Gorden Wannhoff
Mit Anna-Maria Tasarz, Laura Costa Chaud, Yun-Ju Chen, Denise Evrard, Yulia Gerbyna, Gabriella Gilardi, Nadja Rèthey-Prikkel; Ion Beitia, Rai-Hilmar Kirchner, Juan Pablo Lastras Sanchez, Joe Monaghan, Johan Plaitano, Gorden Wannhoff, Kengo Yamazaki
SZENOGRAPHIE Torsten Blume | DRAMATURGIE Torsten Blume, Maria Linke
Weitere Vorstellungen: 19./20.01.2010 | 06./07.02. | 02./03.04. | 18./19.06. – jeweils um 19:30 Uhr auf der Bauhausbühne
Tickets und Informationen erhalten Sie unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr | Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
13.01.2010, 10:55 | tags: Musiktheater | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 13. Januar 2010
Künstler-Porträt
Heribert Germeshausen stellt Sängerinnen und Sänger des Anhaltischen Theaters vor
In der Reihe Künstler-Porträt wird Heribert Germeshausen, leitender Dramaturg Musiktheater / Operndirektion am Samstag, den 16. Januar um 20 Uhr den holländischen Bariton Wiard Witholt vorstellen. Das Anhaltische Theater Dessau lädt hierzu ins Foyer des Großen Hauses ein.
Neben zahlreichen Informationen zum Künstler erwartet das Publikum ein umfangreiches Liedprogramm aus dem romantischen Liedrepertoire u.a. Franz Schubert „Der Erlkönig“, Robert Schumann „Die beiden Grenadiere“ sowie die Arie „Rivolgete a lui lo sguardo“ aus Wolfgang Amadeus Mozart "Così fan tutte". Boris Cepeda wird den Sänger am Klavier begleiten.
Tickets zu 3,- Euro erhalten Sie unter:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr
Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
11.01.2010, 22:52 | tags: Diverses | Autor: Franziska Blech
Ute van der Sanden, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Rosslau, 12.01.2010
Alles ist auf der Bühne nur Theater
Katja Ebstein kam, kämpfte und siegte - Mit ihrer Show sorgte sie für einen wechselvollen Abend
Die Musiker schauten besorgt. "Ihr hattet Recht", gestand die Sängerin, bevor sie, neuerlich von einem Hustenanfall geschüttelt, den lila Teepott griff wie eine Ertrinkende nach dem Strohhalm. Es stimmte, Katja Ebstein hätte nicht auftreten sollen, ihre Augen glänzten fiebrig, unter der Schminke schwitzte sie. "Tut mir leid", sagte sie und stand einige Sekunden sehr ehrlich, einsam und verletzlich da, bis Stefan Kling am Klavier einen ihrer großen Hits anstimmte: "Stark sein".
Diese dramatische, wiewohl ungeplante Wendung erlebten die Besucher des Anhaltischen Theaters am Donnerstagabend, als Katja Ebstein "Meine Lieder" sang. Justament verwandelte sich die hilflose Person, die mit dem "Evita"-Song "Wein nicht um mich, Argentinien" noch soeben kaum mehr als Mitleid ernten konnte, in eine Kämpferin. Ungeschützt begegnete sie ihrer Schwäche - und siegte. Von diesem Moment an war der Saal auf ihrer Seite.
Dabei hatte es nicht gut angefangen. Die kleine Verspätung nahm das Publikum übel, und als die Musiker auf die Bühne kamen, klatschte niemand. So starteten sie mit einem Schulterzucken in den Abend, der beinahe in einem Fiasko geendet hätte. Ja, Katja Ebstein plagte ein veritabler Infekt; doch nein, allein daran lag es nicht, dass ihre Show neben künstlerischen Höhenflügen auch bedauerliche Tiefpunkte enthielt.
Zum Dritte-Welt-Song in reinster Oktoberklub-Anmutung präsentierte sie deutsche Schlager mit schauderhaft gereimten Texten, ihre Berlin-Hymne nach "My way" ist alles andere als geeignet, die Hauptstadt-Liebe der Republik zu stärken. Und Ebsteins Moderation - "Heine ist als Geist aktuell wie eh und je" - sowie allerhand pseudopolitische Erklärungen zur Wiedervereinigung, zur Sprache als Mittel der Demokratie und zum Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr bleiben bestenfalls, wo sie hoffentlich sogleich vergessen wurden: zwischen den mächtigen Wänden des Anhaltischen Theaters.
Nicht vergessen seien Ebsteins sängerische und darstellerische Kunst. Ihre Bühnenpräsenz. Jene bekannten Lieder, die ihr noch immer Sympathien zutragen - "Abschied ist ein bisschen wie Sterben" und "Wunder gibt es immer wieder" hätten im Programm nicht fehlen dürfen. Auch schon ein Jahrzehnt alt, aber längst nicht so berühmt sind "Die schlesischen Weber" nach Heine, ein Song, den sie mit Autorität und wütendem Ausdruck auf den Punkt brachte.
Ihre nicht mehr junge Stimme hat die Ebstein, Erkältung hin oder her, technisch gut im Griff. Die langen Haare flossen ihr schimmernd über die Schultern, und in der fünfköpfigen Band, sie bezeichnete sie als "meine kleine Familie", saß gottlob Stefan Kling, der Pianist von "L'art de passage" und Gerhard Schöne. Seit Jahren tritt er mit Katja Ebstein auf. Die klavierbegleiteten Soloballaden und -songs, darunter Pete Seegers Antikriegslied "Sag mir, wo die Blumen sind" und die frechen Texte aus dem Zille-Milieu, entschädigten für alles weniger Gelungene.
Ihre stärksten Augenblicke zeigten die Ebstein als Schauspielerin und Diseuse mit Erfahrung, Ausstrahlung, enormer Vitalität und unbändiger Lust, sich auf der Bühne zu reproduzieren. Zugabe um Zugabe schloss sie an, weil der Abend schließlich doch im Miteinander aufging. Dass die Umjubelte sich nach zweieinhalb Stunden in einer ihrer besten Rollen verabschiedete, war kein Zufall: als Berliner Göre mit Schmollmund und wild rollenden Augen.
Als nächstes Gastspiel im Anhaltischen Theater steht am 22. Januar um 20 Uhr ein Konzert mit der Sängerin Gitte Haenning auf dem Programm.
11.01.2010, 15:28 | tags: Musiktheater, Theaterpädagogik | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 5. Januar 2010
Senioren werden Paten der Inszenierung „Die Stumme von Portici“
Für die Mitglieder des Seniorenclubs am Anhaltischen Theater Dessau beginnt im Januar 2010 ein besonderes Projekt: Sie begleiten den Entstehungsprozess der Opern-Inszenierung „Die Stumme von Portici“ [Musikalische Leitung: Antony Hermus, Regie: André Bücker] von der Konzeption bis zur Premiere. Dabei verfolgen sie gemeinsam mit Theaterpädagogin Imme Heiligendorff, wie die technischen und künstlerischen Fäden der Produktion zusammenlaufen, besuchen die Werkstätten, nehmen an Proben teil und setzen sich in Gesprächen mit den Künstlern, dem Werk und der Umsetzung auf der Bühne auseinander. Alle interessierten Senioren [60 plus], die sich dazu anmelden möchten, sind herzlich zum Informationstreffen am 13. Januar 2010, um 15.00 Uhr ins Alte Theater eingeladen.
Kontakt: Imme Heiligendorff | Telefon 0340-2511216|
theaterpaedagogik@anhaltisches-theater.de
11.01.2010, 14:27 | tags: Ballett, Diverses | Autor: Franziska Blech
Helmut Rohm, Zerbster Volksstimme, 07.01.2010
Anhaltisches Theater Dessau
Tänzerin baut ein Kinderballett auf
„Solange ich mich erinnern kann, wollte ich immer zum Ballett“, erzählt Gabriella Gilardi (32). Diesen Wunsch haben jetzt sicher auch die gegenwärtig 22 Mädchen aus Dessau und Umgebung, die die Übungsstunden des im Herbst 2009 gegründeten Kinderballetts des Anhaltischen Theaters Dessau besuchen. Gabriella Gilardi übernahm die Betreuung des Kinderballetts neben ihrer Tätigkeit als Companiemitglied des Dessauer Balletts, zu dem sie seit Beginn der laufenden Spielzeit gehört.
Etwa so alt wie die jüngsten Mitglieder ihrer zwei Kinderballettgruppen war die in Italien geborene Tänzerin, als ihre Mutter sie eine private Ballettschule besuchen ließ Daneben hatte sie jedoch auch andere Hobbys: Klavier, Chor und Volleyball. Ihre Ballettlehrerin stellte bei
ihr tänzerisches Talent fest und riet: „Gehe deinen Weg.“ Was tun? „Meine Eltern waren vom
Tanzwunsch nicht gerade hocherfreut“, lacht sie heute. Gabriella Gilardi schrieb sich etwas später an der Uni für Ökonomie ein. Ein Jahr, dann hat sie gemerkt: „Ne, ne, ne und ganz schnell weg“.
Sie konnte ihre Mutter überreden, mit ihr zum Vortanzen an der bekannten Scuola di Ballo del Teatro alla Scala di Milano zu gehen. Zur Überraschung der Mutter wurde Gabriella Gilardi angenommen. Acht Jahre bis 1996 hat sie sich dort zur Tänzerin ausbilden lassen und mit dem
Diplom abgeschlossen.
„Fast jeden Tag vorgetanzt“
An einer kleinen Mailänder Companie hat sie bis zu deren Auflösung nach einem Jahr
tanzen können. Unter anderem hat sie mit den inzwischen bekannten englischen Choreografen
Wayne Mc Gregor und Gillian Wittingham gearbeitet.
Da es in Italien zwar viele Tänzerinnen und Tänzer, doch nur wenige Ballettcompanien gibt und die meist nur streng klassisch, kaum modern -, versuchen viele, im „übrigen“ Europa Arbeit zu bekommen.
Gabriella Gilardi hat es in Deutschland versucht. „Ich bin in den Zug gestiegen und habe
fast jeden Tag irgendwo vorgetanzt“, erinnert sie sich des schweren Anfangs. Als sie mehr
durch Zufall erfahren hat, dass in Halberstadt eine Tänzerin gesucht wird, ist sie gleich hingefahren, hat vorgetanzt und wurde vom damaligen Ballettchef Tarek Assam genommen.
„Bereits eine Woche später war Premiere“, erzählt Gabriella Gilardi von ihrem furiosen
deutschen Ballettstart.
Sie blieb dort drei Jahre, ging dann ebenfalls für drei Jahre an das Volkstheater Rostock. Ballettchef war dort Tomasz Kajdanski. Dass man sich im Leben sprichwörtlich
mindestens zweimal sieht, hat sich nun bewahrheitet. In Dessau ist Tomasz Kajdanski
Ballettdirektor und Chefchoreograf.
Zwischen Rostock und Dessau war Gabriella Gilardi für sechs Jahre Solistin und Assistentin
des Ballettdirektors Jaroslaw Jurasz, wieder am Nordharzer Städtebundtheater Halberstadt. In den letzten Jahren hat sie auch eigene Choreografien für Schauspiele und Operettenproduktionen erarbeitet.
„Spaß darf nicht zu kurz kommen“
Ihren ganz reichen Erfahrungsschatz gibt sie nun „Stück für Stück“ an die jungen Dessauer
Tanzelevinnen weiter. Jungen hätten sich bisher leider noch nicht gemeldet, seien
aber herzlich willkommen.
Gabriella Gilardi betreut zwei Gruppen, „eingeteilt nach Tanzerfahrungen“. Das habe
sich günstiger erwiesen als die altersmäßige Differenzierung.
Die „Anfängerinnen“ kommen einmal wöchentlich in den Ballettprobensaal des Anhaltischen
Theaters. Gabriella Gilardi fängt da „ganz von vorn an“, möchte sichere Grundlagen legen. Kondition entwickeln, Körperdehnungen, Gymnastik, erste Schritte an der Stange, Schritte zu Musik, kleine Kombinationen...
Die zweite, „erfahrenere“ Gruppe, deren Mitglieder teils auch noch andere Tanzschulen
besuchen, trifft sich 14-tägig. Hier stehen kleine Choreografien und Schrittkombinationen
auf dem Programm, wie ebenfalls Raumkoordination, das Tanzen im Kreis und in Linien...
Gabriella Gilardi ist eine konsequente Lehrerin, die es an Lob und Aufmunterung nicht fehlen lässt. Denn, bei aller Konsequenz und notwendigem Training: „Spaß darf nicht zu kurz kommen.“
11.01.2010, 13:54 | tags: Anhaltische Philharmonie | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 5. Januar 2010
Patenschaftsvereinbarung zwischen Musikschule Dessau-Rosslau und Anhaltischer Philharmonie unterzeichnet
Die Anhaltische Philharmonie und die Musikschule Dessau- Rosslau vereinbarten dauerhaft eine Patenschaft. Generalmusikdirektor Antony Hermus und Orchestervorstand Ekkehard Neumann unterzeichneten am 10. Januar mit der Leiterin der Musikschule, Ute Mahlo und dem Leiter des Musikschulorchesters, Friedemann Neef einen Patenschaftsvertrag. Zukünftig werden beide Institutionen eng und auf vielfältige Weise zusammenarbeiten und sich gegenseitig unterstützen.
Die Patenschaftsvereinbarung beinhaltet u.a. ein gemeinsames öffentliches Musizieren pro Saison. Zudem ermöglicht die Anhaltische Philharmonie den Musikschülern nach vorheriger Absprache Probenbesuche. Insbesondere sollen die Hauptproben der Sinfoniekonzerte für diejenigen Musikschüler geöffnet werden, deren Instrument als Soloinstrument im Programm vertreten ist. Mindestens einmal pro Saison stehen Konzertsolisten der Anhaltischen Philharmonie für Workshops mit Musikschülern zur Verfügung.
Einzelne Mitglieder der Anhaltischen Philharmonie übernehmen Mentorenaufgaben beim Musikschulorchester und beraten auf Wunsch dessen Mitglieder z.B. bei Fragen der Musikausbildung, vor Wettbewerben oder beim Instrumentenkauf. Bei den Donnerstags-Sinfoniekonzerten erhalten Musikschüler und Lehrer/Innen der Musikschule ermäßigte Eintrittskarten. Die Anhaltische Philharmonie hilft dem Orchester der Musikschule bei Besetzungsproblemen. Die Musikschule wird die Anhaltische Philharmonie bei der Werbung für ihre Sinfonie- und Sonderkonzerte unterstützen.
11.01.2010, 12:35 | tags: Schauspiel, Diverses | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 5. Januar 2010
Neue Veranstaltungsreihe für Nachtschwärmer im Alten Theater
Das Anhaltische Theater Dessau startet unter dem Titel „Die Nacht, die Lichter“ eine neue Reihe, bei der Literatur auf Musik und Tanz trifft, ein zwangloses Club-Format mit Bar-Atmosphäre, bei dem das Foyer des Alten Theaters ein Anziehungspunkt für Nachtschwärmer wird.
In der ersten Folge am 15. Januar 2010, um 21 Uhr lesen die Ensemblemitglieder Uwe Fischer, Gerald Fiedler und Thorsten Köhler Storys von Clemens Meyer. Diese Geschichten erzählen von verpassten Lieben und der Hoffnung auf den großen Gewinn. Die Helden sind Menschen, die mit dem Leben kämpfen, strauchelnde Glückssucher und ruhelose Nachtgestalten. Dazu gibt es Musik u. a. von Johnny Cash, Tony Joe White, Tom Waits, Billy Don Burns u. a.
Tanzen ist ausdrücklich erwünscht.
Vom 4. bis 8. Januar gestalteten Andreas Dymke und Stefan Lange (Künstlerzusammenschluss DAS KOMBINAT) das Treppenhaus des Alten Theaters. Mit der Veranstaltung "Die Nacht, die Lichter" wird die Neugestaltung erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.
Tickets zu 3,- EURO erhalten Sie unter:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr
Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
11.01.2010, 10:49 | tags: Anhaltische Philharmonie, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Ute van der Sanden, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Rosslau, 05.01.2010
Ode auf die Geschwindigkeit
KONZERT Antony Hermus zündet mit der Anhaltischen Philharmonie, tollen Solisten und großem Chor zum Jahreswechsel dreimal Beethovens neunte Sinfonie.
Viele Sachen sind schneller geworden in dieser ersten Dekade des neuen Jahrtausends, das Internet, die Mikrowellen und die Waschmaschinen, sogar die Bildungsabschlüsse. Beethovens Neunter ist das nicht passiert, zumindest in Dessau. Eine Stunde und sechs Minuten hat die erste von insgesamt vier Aufführungen am Anhaltischen Theater gedauert, inklusive Chorauftritt, Nachstimmen und Zwischenapplaus zur Begrüßung der Sängerschar. Das haben Karajan und Toscanini auch schon geschafft, fast jedenfalls. Warum erschien, was in diesen sechsundsechzig Minuten passierte, trotzdem wie eine Ode an die Geschwindigkeit?
Es war, wie meistens in solchen Fällen, eher eine Frage der Haltung als des tatsächlichen Tempos. Generalmusikdirektor Antony Hermus, der vorab das neue Dezennium willkommen geheißen, ein küchenpoetisches Neujahrsrezept von Goethes Mutter Katharina Elisabeth zum Besten gegeben und dem Publikum seine persönlichen Wünsche entboten hatte, war ehrgeizig genug, die - seine Worte -"monumentale neunte Sinfonie" auswendig zu dirigieren. Zur selben Minute blätterte übrigens in Leipzig Gewandhauskapellmeister Riccardo Chailly Partiturseiten um, wie im Fernsehen live zu verfolgen war.
Gipfel im zweiten Satz
Die stets unterhaltsame, bisweilen rasante Dessauer Darbietung gipfelte im tänzerischen zweiten Satz. Und mit ihm begann sie auch. Spätestens im Trioteil wusste man die Musiker und ihren Dirigenten gedanklich in jenem Werk versammelt, das auf den Pulten lag. Hermus ließ in der Scherzo-Mitte ein tatsächliches Presto spielen. Danach klang dieser Satz wie Ballett: leicht, voller Schwung, im Bunde mit der bukolischen Idylle der sechsten Sinfonie, aller Wuchtigkeit enthoben und ebenso rhythmisch prononciert, wie alle Rhythmen, besonders die punktierten, mit großer Exaktheit und Entschlossenheit zelebriert wurden.
Nicht das krachende Finale, das, einmal entzündet, wie eine Silvesterrakete abbrannte - nein, dieser zweite Satz war der essentielle Höhepunkt des Abends. Der erste hatte sich zuvor angehört, als stamme er aus einem anderen Stück oder müsse konzeptionell noch reifen. Der dritte wurde als Klangteppich entrollt, ein Vorgeschmack auf das noch nicht erfundene Nocturne; er enthüllte Phrasierungsübungen für Streicher wie für Holzbläser, und das wunderliche Solo im vierten Horn - man schwamm drüber. Nun aber kam endlich Ulf Paulsens Basspartie. Mit raumgreifender Stimme und der rhetorischen Wucht des musiktheatralisch Erfahrenen gebot er "angenehmere" Töne, "freudenvollere".
So geschah es. Das Vokalensemble, bestehend aus Damen und Herren des Opern- und des Extra- sowie des Coruso-Chores, wuchtete das Finale samt Schillers Ode übers Orchester hinweg in den Zuschauersaal, was die Profisänger in diesem Tempo eher mäßig angestrengt haben dürfte. Legato war nicht vorgesehen, aber jedes einzelne Wort verständlich - auch in den Beiträgen Angelina Ruzzafantes, Carola Günthers und Angus Woods in den weiteren Solopartien, deren klangliche Präsenz keine Wünsche offen ließ.
Zwar galoppierte der Cherub eher vor Gott, als dass er daselbst gestanden hätte, aber wie gesagt: Langweilig wurde das nicht. Nun zeichnet die Abwesenheit von Langeweile allein noch keine Interpretation aus, die Anwesenheit von gestalterischem Ernst, Gelassenheit und Eleganz hingegen wohl. Das Credo dieser Neunten war Hymne und Tanz, Sound und Effekt. Das kam an beim Publikum, es applaudierte begeistert. Überwältigte Zuschauer reagieren stärker, sogar in Dessau.
Frohe Botschaft
Gleichwohl war nicht nur die Tatsache, dass mit der Neunten das Neue Jahr am Anhaltischen Theater genau so begann, wie das alte geendet hatte, frohe Botschaft. Auch die Aufführung selbst war eine. Denn die wirklich guten Dinge bleiben, mögen sie auch inzwischen ein bisschen schnittiger wirken, als sie vorher aufgetreten waren: Schillers Wort und Mutters Sprüche, die Anhaltische Philharmonie und Beethovens Musik.
Nächste Aufführung des Konzertes an diesem Sonntag, 18.30 Uhr. Karten gibt es an den Theaterkassen.
05.01.2010, 14:05 | tags: Schauspiel, Schauspiel/Musiktheater, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Helmut Rohm, Zerbster Volksstimme, 05.01.2010
Der junge Dessauer David Ortmann hat mit „Kaspar Häuser Meer“ seine erste Regiearbeit am Anhaltischen Theater mit Erfolg vorgelegt
Schultheater, Elternneugier und auch mancher Zufall
„Kaspar Häuser Meer“ ist seine erste eigene Regiearbeit. Seit dieser Spielzeit ist der junge Dessauer David Ortmann als Regieassistent mit Regieverpflichtung am Anhaltischen Theater Dessau tätig.
„Der sehr lange Applaus war eine wirklich echte Überraschung. Da fällt schon viel von einem ab“, freut sich David Ortmann immer noch. Er hat sein „richtiges großes Regiedebüt“ am 11. Dezember (Volksstimme berichtete) im Studio des Anhaltischen Theaters Dessau mit Bravour absolviert. Dabei ist „Kaspar Häuser Meer“ von Felicia Zeller eine schwierige und anspruchsvolle Inszenierungsaufgabe.
„Sieben Wochen hatte ich Zeit, mich mit dem Stück, den Schauspielerinnen, der Bühne völlig eigenverantwortlich zu beschäftigen“, erzählt der junge Regisseur. Davor war er bei mehreren Stücken als Regieassistent tätig, unter anderem bei Armin Petras in dessen Dessauer Inszenierung „Abschlussfeier“.
In der Funktion Regieassistent mit Regieverpflichtung ist der aus Dessau stammende David Ortmann (23) seit Beginn der laufenden Spielzeit am Anhaltischen Theater in festem Engagement. Die Dessauer Theaterbesucher werden beim Namen stutzen. Ortmann, da war doch was? Und sie haben recht. Er ist der Sohn des am Anhaltischen Theater langjährig tätigen Schauspielerehepaares Christel Ortmann und Hans-Jürgen Müller-Hohensee. Ein elterlicher Protegé ist er aber dennoch nicht. „Sie begegnen meinen Vorhaben mit gespannter Neugier“, formuliert er fast philosophisch. Ist sich wohl aber sicher, dass beide, wie die anderen Mitwirkenden bei seiner jüngsten Arbeit, hinter ihm stehen.
Auch wenn es möglicherweise „zukunftssicherere Tätigkeiten“ gibt. Sein Entwicklungsweg hätte solche wohl auch durchaus angeboten. Den Beruf Übersetzer hätte sich der sprachtalentierte David Ortmann als Alternative zum Beispiel auch vorstellen können.
Bis zur achten Klasse ging er auf das Dessauer Liborius-Gymnasium und konnte dann aufgrund sehr guter Leistungen das traditionsreiche Internatsgymnasium Landesschule Pforta besuchen. Und wie es der Zufall wollte, gab es neben dem anspruchsvollen Unterricht die Möglichkeit, in der dortigen Theatergruppe mitzumachen. Erst zu schauspielern, dann auch gemeinsam mit anderen kleinere Stücke zu inszenieren.
Künstlerisches Aufsehen erregte die Theatergruppe mit der Aufführung des Stückes „Und tot bist du“. Dieses Schauspiel zum Thema Amoklauf an Schulen schrieb 1999 der amerikanische Autor William Mastrosimone (geb. 1947). David Ortmann hat das Stück gemeinsam mit Schulfreund Franz Werfel übersetzt. In der Regie von David Ortmann hat „Und tot bist du“ auch außerhalb von Schulpforta insgesamt fast unglaubliche 20 Aufführungen erlebt.
Dann wieder Zufälle, die den jungen Ortmann in die Regierichtung gehen lassen. „Richtig reingerutscht“ nennt er das selbst. André Bücker, sein jetziger Dessauer Generalintendant, inszenierte in Sangerhausen den „Schleef Block 1“ und brauchte einen Assistenten. Davon erfuhr David Ortmann, sprach vor und wurde genommen: „Zum ersten Mal richtiger Regieassistent in meinem Leben“, so seine bleibende Erinnerung an 2006.
Neben dem Abi-Abschluss im Blick, hat er auch André Bückers Weg verfolgt. Und als dieser Intendant am Nordharzer Städtebundtheater wurde, hat er sich für ein Regieassistentenpraktikum beworben. Und dann gleich bei „Faust I“ mitgewirkt. Aus dem Praktikantenjob, so David Ortmann, sind dann zweieinhalb Jahre geworden. Eines davon als „freiwilliges soziales Jahr“. 2007/2008 bekam er dort eine „reguläre“ Assistentenstelle. Und nach der Berufung André Bückers ans Anhaltische Theater erfuhr David Ortmann Silvester 2008, dass er mit nach Dessau kommen kann. Wieder zu Hause. Zunächst sicher. Mehr wohl eine Zwischenstation auf dem künstlerischen Weg der Bühnen-Eroberung!?
Ob er „große Ziele“ habe betreffs Stücken oder berühmter Regisseure? Eigentlich nicht. Die Arbeit mit den Menschen an sich sehe er im Vordergrund. Die Konzeptionsideen der Regisseure engagiert umsetzen, eigene Ideen einbringen. Regieassistententätigkeit ist wohl doch ein bisschen mehr als, wie oft vereinfacht formuliert, „alles das machen, was der Regisseur nicht machen will“. Ja – und natürlich eigene Inszenierungen möchte David Ortmann weiter auf die Bühnen bringen, Geschichten erzählen.
Erfahrungen, schöpferische Arbeit und wohl auch Talent bilden die Basis für die derzeitige Tätigkeit des Jungregisseurs David Ortmann. Ein Studium? Ad hoc nicht. Nach 2010/2011: „Mal sehen“. Er könnte sich aber schon vorstellen, an der Berliner Hochschule „Ernst Busch“ ein Studium zu absolvieren.
Zunächst gilt es, in Dessau weitere Erfahrungen zu sammeln. Auch in Halle, wo David Ortmann gegenwärtig die „Familienkonzerte“ mit „Regieminiatüren“ inszeniert.
„Kaspar Häuser Meer“ ist am 14. Januar um 19.30 Uhr wieder im Studio im Kulturzentrum Altes Theater zu sehen
02.01.2010, 11:03 | tags: Diverses | Autor: Franziska Blech
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 2.1.2010
Neujahrsspaziergang
Handlungsreisender in Sachen Musik
Michael Kaufmann spricht über sein neues Amt als Intendant des Dessauer Kurt-Weill-Festes
An das Leben auf der Durchreise hat sich Michael Kaufmann längst gewöhnt, sein Wohnzimmer ist bis auf weiteres die Hotellobby und sein Kleiderschrank der Koffer. Auch an diesem Dezembermorgen steigt er schwer bepackt aus dem Zug, um beim letzten Dessauer Ortstermin im alten Jahr weit in die Zukunft zu planen: Zwar wird er seinen ersten Jahrgang als Intendant des Dessauer Kurt-Weill-Festes erst 2011 präsentieren, die Verträge mit den Künstlern aber müssen schon jetzt geschlossen werden. Und jenes Programm, das er von seinem Vorgänger Clemens Birnbaum für 2010 übernommen hat, soll traditionsgemäß bereits Ende Februar über die Bühne gehen.
Mit dem Einsatz für fremde Ideen hat der neue Festival-Intendant kein Problem: "Wer in unserem Beruf nicht bereit ist, ein Programm zu adoptieren, hat seine Aufgabe nicht verstanden." Schließlich, so sagt er, müsse auch sein Nachfolger in der Essener Philharmonie mit den Vorarbeiten leben, die er ihm hinterlassen hat. Und selbst wenn er beim aktuellen Weill-Fest "vieles ganz anders gemacht" hätte, lobt er doch das Programm unter dem Motto "New Art is true Art" - vor allem für die Kompositions-Aufträge, mit denen sich Dessau im neuen Jahr in die Annalen der zeitgenössischen Musik einschreiben wird.
Mit solchen Anstiftungen zur Kreativität hat Kaufmann in früheren Ämtern selbst gute Erfahrungen gemacht, rund 50 Werke hat er in seinen Essener Jahren aus der Taufe gehoben. Nun aber muss er sich vor allem in die Klassische Moderne vertiefen, wobei er begeistert feststellt, "welche Faszination Kurt Weill auf viele Künstler ausübt". Dieses Interesse lässt ihn hoffen, dass sich Dessau künftig endlich als "Außenstelle der Währungshüter in New York" - sprich der Kurt-Weill-Foundation for Music - etablieren kann - ein längst überfälliger Schulterschluss, der auch dank des Neuanfangs im Anhaltischen Theater möglich geworden ist.
Überhaupt ist Michael Kaufmann froh, dass sich die Dessauer Kultur mit Protagonisten wie Generalintendant André Bücker und Bauhaus-Direktor Philipp Oswalt neu erfindet - und dass er selbst Teil dieses Aufbruchs ist. Einen wichtigen Impuls will er dieser Entwicklung durch ein Konzept geben, in dem er die Übergabe der Meisterhaus-Verwaltung in die Hände der Kurt-Weill-Gesellschaft vorschlägt. "Ich reiße mich nicht um den Job als Meisterhaus-Hausmeister - aber wir sind als die Hauptnutzer schließlich vor Ort." Wenn eine solche Zusatz-Aufgabe auch die öffentliche Wahrnehmung der Weill-Gesellschaft jenseits der jährlichen Feste stärken würde, wäre dies ein durchaus beabsichtigter Effekt.
Schließlich träumt Kaufmann von einer Ausweitung der künstlerischen Aktivitäten "übers Jahr und übers Land", was mit dem aktuellen Etat freilich kaum finanzierbar ist. Daher wird die Erschließung neuer Finanzquellen eine seiner Hauptaufgaben sein - wobei ihm seine Erfahrungen als Intendant der Essener Philharmonie gute Dienste leisten dürften.
Dass er dank solcher Verwurzelung im Ruhrgebiet mit Spannung und Wohlwollen auf das Kulturhauptstadt-Jahr blickt, liegt auf der Hand. Zugleich aber warnt er vor übersteigerten Erwartungen: In der einstigen Bergbau-Region sei zwar ein einzigartiger kultureller Reichtum entstanden, der in der Vergangenheit aber auch zu einem "Kirchturmdenken" bis an die Grenzen der Kannibalisierung geführt habe. Der Versuch, diese Schar von regionalen Akteuren in einem neuen Netzwerk zu versammeln, habe sich bereits in den Vorbereitungen auf 2010 als schwierig erwiesen. Es bleibe abzuwarten, ob sich die Region ihren Gästen nun tatsächlich als geschlossene Einheit darstellen könne, in der "Kultur durch Wandel" nicht nur ein gemeinsames Etikett für unterschiedliche Initiativen sei. Schließlich seien im Vorfeld einige ehrgeizige Projekte weggebrochen, nun müsse man vermeiden, dass das Programm schlechtgeredet werde.
Auch Kaufmanns Selbstverständnis scheint auch von den Erfahrungen in Essen geprägt: Als Kulturmanager, sagt er, müsse man mit Steuermitteln "Unmittelbarkeit produzieren". Schließlich sei die subventionierte Kultur kein Selbstzweck, sondern immer auch Wirtschaftsförderung und Standortmarketing. Deshalb will er - neben den Vorbereitungen für sein erstes eigenes Fest unter dem Motto "Dessau - Berlin" - demnächst auch den Internet-Auftritt der Weill-Gesellschaft zum Online-Magazin ausbauen und neue Kooperationspartner wie die Akademie der Wissenschaften gewinnen ... Spricht Michael Kaufmann - und greift zum Koffer. Immer auf dem Sprung - als Handlungsreisender in Sachen Musik.
31.12.2009, 13:47 | tags: Diverses | Autor: Franziska Blech
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 31.12.2009
Aschenbrödel tanzt und singt nun auch
Im Januar steht das Anhaltische Theater für verschiedene Show-Produktionen zur Verfügung
Das Theater hat sich eine Atempause verdient. Nach einem ersten Vierteljahr mit hoher Premierendichte bietet die erste Januarwoche Künstlern und Mitarbeitern der Dessauer Bühne Gelegenheit für einen Kurzurlaub, denn das Haus wurde - wie auch schon in den vergangenen Jahren - an eine Agentur vermietet, die es mit etlichen Show-Veranstaltungen und Konzerten füllt.
Den Auftakt macht an diesem Sonnabend (20 Uhr) die schon mehrfach in Dessau gezeigte Show "Abba-fever". Sie nimmt das Publikum mit zurück in die Zeit der Plateauschuhe, der Glitzeroutfits und der großen Gefühle. Solisten, eine Band und Tänzer wollen die Atmosphäre der 70er Jahre mit Songs wie "Waterloo", "Chiquitita", "Dancing Queen" und "Mamma Mia" wieder aufleben lassen. Ein Moderator erzählt zwischen den Liedern die Lebens- und Erfolgsgeschichte von Abba, einer der legendärsten Gruppen der Pop-Geschichte. Mit über 350 Millionen verkauften Tonträgern ist Abba die erfolgreichste Gruppe der Moderne. Wie aktuell und populär die Musik von Abba wieder ist, zeigt nicht zuletzt der große Erfolg des Musicals "Mamma Mia", das auch Hollywood verfilmte.
Nicht minder erfolgreich ist ein Märchenfilm, dem man gerade in den letzten Tagen kaum im Fernsehen entgehen konnte. "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" sind Kult, der Film läuft wieder in den Kinos und eine Ausstellung auf Schloss Moritzburg hat man gleich um mehrere Wochen wegen des großen Besucherandrangs verlängert. Ganze Fangemeinden pilgern jedes Jahr zum Schloss bei Dresden zu Aschenbrödel-Conventions, um rauschende Feste zu feiern und dem 1973 von den DEFA-Studios und den Filmstudios Barandov, Prag, hergestelltem Film nachzueifern. In Dessau gibt es das Märchen am Sonntag bei zwei Vorstellungen (11 und 14 Uhr) nun auch im Theater zu sehen. Der Musical-Macher Christian Berg hat, gemeinsam mit seinem Autorenkollegen Mirko Bott vom Hamburger Schmidt Theater, eine Musical-Version des weltberühmten Märchenklassikers auf die Bühne gebracht, die im Dezember 2008 Premiere im Berliner Schillertheater hatte. Basierend auf dem Original-Märchen der tschechischen Autorin Bozena Nemcová erzählt das musikalische Bühnenstück die bekannte Geschichte aus Sicht des Stalljungen Valentin, der in Diensten der Stiefmutter Aschenbrödels steht.
Märchenhaft und fantastisch geht das Gastspiel-Programm im Dessauer Theater am kommenden Mittwoch (6. Januar) weiter, wenn um 20 Uhr das Tolkien Ensemble
30.12.2009, 11:57 | tags: Anhaltische Philharmonie, Diverses | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 30.12.2009
„Frühling in Wien“ im Anhaltischen Theater
Am 25. April 2010, um 17 Uhr, lädt das Anhaltische Theater zu einem Konzert „Frühling in Wien“ ein. Unter der Leitung von Daniel Carlberg bringt die Anhaltische Philharmonie gemeinsam mit Gesangssolisten bekannte Werke Wiener Komponisten zu Gehör.
Mozart und Schubert dürfen ebenso wenig fehlen wie die Mitglieder der Strauß-Dynastie mit Stücken wie dem „Frühlingsstimmen“-Walzer oder der „Krapfenwaldl“-Polka. Eine Besonderheit dieses Konzertes besteht darin, dass die Besucher einige Programmpunkte im Vorfeld selbst auswählen können.
Karten zu den üblichen Konzertpreisen unter:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Freitag 9:30 bis 20 Uhr
Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
28.12.2009, 12:50 | tags: Musiktheater, Anhaltische Philharmonie, Diverses | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 28.12.2009
„Fidelio“ – Zum letzten Mal in Dessau
Ludwig van Beethovens „Fidelio“ wird am Samstag, dem 16. Januar, um 17 Uhr zum letzten Mal im Großen Haus des Anhaltischen Theaters zu sehen sein. Anschließend gastiert das Anhaltische Theater mit „Fidelio“ am 23. und 24. Januar am Theater in Winterthur / Schweiz.
In veränderter Besetzung wurde die von Johannes Felsenstein inszenierte Oper in dieser Spielzeit wieder aufgenommen. Beethoven zeichnete in seiner einzigen, mehrfach überarbeiteten Oper schonungslose Bilder vom deformierenden Umgang mit Macht.
Marzelline, das einzige Kind des Kerkermeisters Rocco, weist die Heiratsanträge des Gefängnispförtners Jaquino zurück, weil sie sich in Fidelio verliebt hat. Niemand ahnt, dass dieser Fidelio, der zu aller Zufriedenheit Hilfsdienste im Staatsgefängnis versieht, in Wirklichkeit Leonore ist. Sie ist – als Mann verkleidet – auf der Suche nach ihrem Gatten Don Florestan, den der verfeindete Gouverneur Pizarro im Gefängnis verschwinden ließ. Leonore gelingt es, in die geheimsten Kerker vorzudringen und dort Pizarros Mord an Florestan zu verhindern.
Es spielt die Anhaltische Philharmonie unter der Leitung von Daniel Carlberg. Als Solisten hören Sie KS Iordanka Derilova (Leonore), Cornelia Marschall (Marzeline), Kostadin Arguirov (Don Fernando), Andrew Sritheran (Florestan) Ulf Paulsen (Don Pizarro), Daniel Golossov (Rocco), David Ameln (Jaquino).
Für diese Vorstellung bietet das Anhaltische Theater Tickets zum Sonderpreis für 8,- EURO.
Dieses Angebot gilt vom 04. bis 16. Januar 2010.
Tickets erhalten Sie unter:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Freitag 9:30 bis 20 Uhr
Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
28.12.2009, 12:48 | tags: Anhaltische Philharmonie, Diverses | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 28.12.2009
Konzerte im Januar
Das neue Jahr beginnt im Anhaltischen Theater am 1. Januar um 17 Uhr mit einer Aufführung der IX. Sinfonie von Ludwig van Beethoven. Unter der Leitung von GMD Antony Hermus spielt die Anhaltische Philharmonie. Es singen die Damen und Herren des Opern- und des Extrachores sowie Mitglieder des Coruso-Chores. Als Solisten wirken mit: Angelina Ruzzafante (Sopran), Carola Günther (Mezzosopran), Andrew Sritheran / Angus Wood (Tenor) und Ulf Paulsen (Bariton). Noch einmal wird Beethovens letzte Sinfonie am 10. Januar 2010 ab 18.30 Uhr zum Neujahrsempfang des Oberbürgermeisters erklingen.
Wenige Tage später, am 14. und 15. Januar 2010, 19.30 Uhr, tritt beim 3. Sinfoniekonzert mit dem Titel „Unsterbliche Liebe“ ein Gastdirigent ans Pult der Anhaltischen Philharmonie. Dirk Kaftan ist seit Beginn dieser Spielzeit Generalmusikdirektor der Stadt Augsburg. In Dessau dirigiert er „Romeo und Julia“, die wohl berühmteste Liebesgeschichte aller Zeiten, in der musikalischen Version Sergej Prokofjews. Die Musik dieses 1935/36 komponierten Balletts erklingt in einer Konzertversion, die weitgehend dem Gang der Handlung folgend die schönsten Abschnitte der Partitur präsentiert. Außerdem auf dem Programm: Mozarts berühmtes A-Dur-Klavierkonzert KV 488, gespielt von Finghin Collins, einem jungen irischen Pianisten, der seit seinem 1. Preis beim renommierten Clara-Haskil Klavierwettbewerb 1999 eine vielversprechende Karriere eingeschlagen hat und mittlerweile bei den besten Orchestern der Welt gastiert. Eröffnet wird der Konzertabend mit Musik des italienischen Barock-Komponisten Giovanni Battista Pergolesi (1710 – 1736), allerdings in jenem neoklassizistischen Klanggewand, das ihr Igor Strawinsky 1919/20 in seinem „Pulcinella“-Ballett verordnet hat.
Im 3. Kammerkonzert des Anhaltischen Theaters im Schloss Georgium, das am 23. Januar, um 15:30 Uhr stattfindet, erklingt ein gegenüber dem Konzertplan geändertes Programm. Weronika Ambrosio und Johannes Schmidt (Violinen), Michiaki Manda (Viola) und Boris Cepeda (Klavier) spielen Duo- und Trio-Kompositionen von Wolfgang Amadeus Mozart, Robert Fuchs, Karol Szymanowski und Antonín Dvorák.
Die jüngsten Konzertbesucher (ab 4 Jahren) sind am 31. Januar sehr herzlich in die Dessauer Marienkirche eingeladen. Um 11 und um 15 Uhr wird dort das von Klaus Wüsthoff für Orchester und Erzähler geschriebene „Kuscheltierkonzert“ aufgeführt. Dirigent ist Daniel Carlberg, Erzähler der 10-jährige Dessauer Schüler Maximilian Schumann.
Worum es geht? Natürlich um Kuscheltiere! Gemeinsam mit dem Orchester erzählt Maximilian von seinen Abenteuern mit Pferd, Eichhörnchen, Fuchs, Bär, Schildkröte, Elefant, Pinguin, Robbe, Papagei und Hase. Wer eines dieser Kuscheltiere daheim hat, bringt es am besten mit ins Konzert! Alle sind gefragt, denn sie alle spielen mit im „Kuscheltierkonzert“.
Tickets erhalten Sie unter:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Freitag 9:30 bis 20 Uhr
Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
28.12.2009, 09:49 | tags: Schauspiel, Diverses | Autor: Franziska Blech
Carla Hanus, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Rosslau, 28.12.2009
Sechse bereiten Freude schon vor der Bescherung
Publikum liebt märchenhafte Einstimmung auf Weihnachten - Vorstellung im Theater ist Heiligabend ausverkauft
Für Chantal stand in der Pause schon fest. Die Prinzessin ist ihre Lieblingsschauspielerin im diesjährigen Weihnachtsmärchen. Da konnten sich der Horcher, Keule, der Läufer, der Frostmann, der Bläser und der Soldat in dem Märchen "Sechse kommen durch die ganze Welt" noch so abmühen, das Herz der jungen Zuschauerin schlägt für die Prinzessin.
Als diese dann im weiteren Geschehen sogar noch ihren Hochmut verlor und gern als Siebte mit den sechs Freunden durch die Welt wandern wollte, konnte Prinzessin Victoria die Sympathie noch weiterer Theatergänger gewinnen. Doch einig waren sich die junge Zuschauerschar keineswegs. Auf die Frage der Theaterleute "Mit wem willst Du durch die ganze Welt gehen" erklärte die sechsjährige Amelie überzeugt: "Mit Keule."
Während diese Frage also noch nicht entschieden ist und auch noch bis zum 10. Februar per Brief an das Theater beantwortet werden kann, stimmte das Publikum am 24. Dezember in einem Punkt offenbar überein: Die Aufführung des Weihnachtsmärchens im Anhaltischen Theater gehört am Heiligabend zum Tagesablauf unbedingt dazu. Denn die Vorstellung, die um 10.30 Uhr begann, war ausverkauft.
Am Heiligabend komme im Theater immer eine besondere Stimmung auf, meinte Holger Hauck. Deshalb gehört für ihn - auch ohne Kinder - das Weihnachtsmärchen zum Fest dazu.
Kerstin und Hans-Jürgen Börner können sich gar nicht mehr erinnern, wann sie das erste Mal mit ihren Mädchen im Weihnachtsmärchen waren. "Die Kinder sind damit groß geworden", sagt der Wolfener, dessen Töchter schon Mitte 20 sind. Inzwischen gehören deren Freund beziehungsweise Mann zum Zuschauerkreis.
Auch bei Familie Sporbert aus Lingenau sind die Kinder mit dem Weihnachtsmärchen groß geworden. Seit sieben oder acht Jahren würden sie mit den Leipziger Schwiegereltern Heiligabend ins Theater gehen, überlegt Jana Sporbert und hat auch eine ganz einfache Begründung dafür: "Es stimmt uns immer schon so schön auf Weihnachten ein." An dieser Tradition würde der 13-jährige Björn auch nichts ändern wollen, meint er. Und der elfjährige Niels hat das Märchen der gesamten Familie empfohlen. Er hat die Aufführung schon mit der Schulklasse gesehen und freut sich riesig, dass er nun mit seiner Familie noch einmal in die Vorstellung gehen kann.
Ebenfalls ein zweites Mal verfolgt der sechsjährige Philip die Abenteuer der sechs Freunde auf der Bühne. Nachdem der Junge aus Brück ebenfalls mit der Schule das Dessauer Theater besucht hat, freut sich seine Mutter Anke Habelmann, dass es mit dem Weihnachtsmärchen in der Familie am Heiligabend auch noch geklappt hat. Zumal sich die Brücker hier mit der Zerbster Oma treffen.
Seine Familie im Zuschauerraum hatte einen Tag später auch Jan Kersjes. Indes saß er nicht neben seinen Eltern und seiner Schwester. Jan Kersjes gehörte zu denen, die auf der Bühne standen und der dort schnell lief. Denn sowohl am 24. als auch am 25. unterhielt Kersjes in dem Grimmschen Märchen das Publikum als Läufer. Dennoch feierte er auch im Familienkreis. Nach der Vorstellung am 24. war er samt Weihnachtsbaum in seine Wohnung nach Berlin gereist, um dort seine Eltern aus Holland und seine Schwester aus Frankfurt zu begrüßen und mit ihnen zu feiern. Wobei bei der Bescherung üblicherweise gewürfelt werde und der Sieger das nächste Geschenk austeilen dürfe. Es ist eine Zeremonie, die sich über Stunden hinziehen könne, wie Jan Kersjes erzählte. Zur Tradition in der Familie des Schauspielers gehört außerdem, dass sie am zweiten Weihnachtsfeiertag alle gemeinsam den Zoo besuchen und anschließend gemeinsam chinesisch essen gehen.
Gleichsam seine Weihnachtsgäste wusste Matthieu Svetchine bei "Sechse kommen durch die ganze Welt" am ersten Feiertag im Publikum. Nach der Vorstellung am Heiligabend trafen die beiden Freunde des Darstellers des starken "Keule" in Dessau ein, wo sie abends gemeinsam nach der Bescherung unter dem Tannenbaum ein mehrgängiges Essen genossen. Da sie alle drei große Freunde des Spielens seien, würden sie in seiner Freizeit so manche Stunde damit verbringen, verriet Matthieu Svetchine. Er hatte neben den beiden Märchenvorstellungen auch den "dritten" Feiertag beruflich zu tun. Am Sonntag standen für ihn "Gesänge aus 1001 deutschen Nacht" auf dem Spielplan.
Auf "faule" Tage freute sich Lisa Kudoke, die als Prinzessin im Märchen auftrat. Sie verbrachte den Heiligabend und die Feiertage in Dessau. Gemeinsam mit ihrer Schwester, die aus Münster zu Besuch anreiste, plante sie neben den Auftritten am Heiligabend und am Nachmittag des ersten Feiertages "ein paar erholsame Tage". Die Schwestern hatten sich vorgenommen, gemeinsam zu kochen und es sich gemütlich zu machen. Wie es zu Weihnachten eben sein sollte.
25.12.2009, 14:04 | tags: Schauspiel, Diverses, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung,23.12.2009
Übermut weicht ernsteren Tönen
Gastspiel: Internationale Theaterproduktion beendet Deutschland-Tournee mit Vorstellungen im Alten Theater
Der Auftakt ist noch immer pure Provokation. Wieder tritt Niels Bormann vor das Publikum und entschuldigt sich vorauseilend wie rückwirkend - für die unvollendete Arbeit und den seltsamen Humor, aber auch für den Holocaust und die brennenden Asylbewerber-Heime. Dass das Marginale und das Monströse nicht zusammenpassen wollen, aber sich doch aufeinander beziehen, ist an diesem Abend Programm: Denn die "Dritte Generation", die zum Abschluss ihrer von der Kulturstiftung des Bundes initiierten Deutschland-Tour an zwei Abenden im Alten Theater Dessau zu Gast ist, laboriert an den Schnittstellen zwischen eigener Gegenwart und ererbter Geschichte.
Aufbruch und Ankunft
Das war schon beim Festival "Theater der Welt" im Jahr 2008 in Halle so, als sich die deutschen, israelischen und palästinensischen Schauspieler unter der Leitung der Regisseurin Yael Ronen erstmals zusammenfanden - und das ist jetzt, anderthalb Jahre später, ganz anders. Wer noch den Übermut vor Augen hat, mit dem sich das zehnköpfige Ensemble damals auf all die Tabus der unentrinnbaren historischen Verstrickungen stürzte, sieht sich heute mit ernsteren Tönen konfrontiert. Denn zwischen dem Aufbruch und der Ankunft liegt ein Krieg, der vor einem Jahr - am 27. Dezember 2008 - begann und der von den israelischen Streitkräften in zynischer Anlehnung an ein Chanukka-Kinderlied den Namen "Operation Gegossenes Blei" bekam.
Das eigentliche Wunder der "Dritten Generation" ist es, dass sie an dieser Konfrontation der Juden mit den Palästinensern nicht zerbrochen ist, nachdem sie zuvor bereits die Belastungsproben zwischen den deutschen und den israelischen Enkeln der Holocaust-Generation ausgehalten hat. Die Mitwirkenden sind vielmehr aus ihren fiktiven Rollen herausgetreten und haben die Masken fallen gelassen, um mit ihrer Person und mit ihrem Gesicht kenntlich zu werden. Dass sie dennoch radikale Haltungen einnehmen, die nicht unbedingt die eigenen sind, versteht sich in einer theatralen Situation von selbst. Der schärfere Ton aber hat auch mit jener Selbsterkenntnis zu tun, die Ayelet Robinson stellvertretend für alle formuliert - mit der privilegierten Situation eines Künstlers, der sich im deutschen Stadttheater vor den aktuellen Konflikten des Gaza-Streifens geschützt weiß und sie sich dennoch anverwandelt, um den Stummen eine Stimme zu geben.
Dafür geht die "Dritte Generation" dorthin, wo es weh tut - im allabendlichen Spiel wie in der Tournee-Planung, die auch im kommenden Jahr wieder nach Israel führen soll. Die Geschichte jener Jugendlichen, die in einer Art Gedächtnis-Tourismus durch ehemalige deutsche Konzentrationslager geschickt werden, ist in ihrer Mischung aus verordneter Betroffenheit und naivem Selbstschutz so erschütternd wie der Bericht jener palästinensischen Frau, die ihren Sohn über den Tod des Onkels hinwegtrösten will - und statt des zoologischen Gartens nur noch ein Trümmerfeld nach einem Bombenangriff vorfindet.
Notwendiges Gespräch
Man braucht danach das Gespräch, das die Inszenierung aufarbeitet - auch wenn es sich nur um die äußeren Koordinaten des ungewöhnlichen Projekts dreht. Die innere Bewegung nimmt jeder Zuschauer mit nach Hause - so wie die wunderbaren Darsteller, die auch ihre Gemeinschaft als "Work in Progress" in die Zukunft tragen.
21.12.2009, 15:35 | tags: Ballett, Anhaltische Philharmonie, Diverses | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung ´vom 21.12.2009
Vorstellungsänderung
Die Vorstellung »Lulu« am 22.12.2009 um 19:30 Uhr fällt krankheitsbedingt aus, stattdessen wird das Weihnachtliche Konzert von der Anhaltischen Philharmonie unter der Leitung von Wolfgang Kluge gespielt.
Bereits gekaufte Karten behalten ihre Gültigkeit für das Konzert oder können nach Umtausch der Karte für eine künftige »Lulu«-Vorstellung verwendet werden. Letztgenannter Umtausch sollte bis Ende diesen Jahres erfolgen und kann auch per Post geschehen.
Aus Anlass des 250. Todestages von Georg Friedrich Händel in diesem Jahr ist der erste Teil des Konzertes ganz dem Schaffen dieses Barockmeisters gewidmet. Zwischen den Sätzen eines von Händel selbst aus Oratorienchören zusammengestellten doppelchörigen Orchesterkonzertes singt die Sopranistin Cornelia Marschall Arien aus den Oratorien „Der Messias“ und „Salomo“. Im zweiten Teil dominiert in Werken von Franz Liszt und Otto Nicolai hingegen der romantische Orchesterklang. Die berühmten Weihnachtslieder von Peter Cornelius erklingen in der Orchesterbearbeitung des ehemaligen Dessauer Hofkapellmeisters Franz Mikorey, gesungen von Cornelia Marschall. Schauspielerin Christel Ortmann liest weihnachtliche Texte.
17.12.2009, 13:36 | tags: Diverses, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Christoph Funke, Neues Deutschland/ Feuilleton, 17.12.2009
3 G
Schaubühne Berlin
Ist das ernst gemeint? Ein Schauspieler kommt auf die leere, nur mit Stühlen besetzte Bühne, und entschuldigt sich. Für alles, was bald zu sehen sein wird und seiner Meinung nach nicht immer gelungen ist. Für Berichte, Erlebnisse, Gerüchte, Beschuldigungen, die in den nächsten neunzig Minuten zur Sprache kommen. Der hochgewachsene Mime spricht deutsch, holt sich dann aber, nach seinem lässig dahingeplauderten selbstironischen Monolog, eine kleine Schar Verbündeter – israelische, palästinensische und deutsche Spieler, gekleidet in schwarze Hosen und rote T-Shirts mit dem Aufdruck »3 G«. Nun purzeln die Sprachen durcheinander. Die Akteure behaupten ihre nationale Identität, reden, streiten auf englisch, hebräisch, arabisch, deutsch. Geschichte wird hochgeholt, wie sie von Vätern und Großvätern gemacht und erlitten wurde. Und der Umgang mit dieser Geschichte in der Gegenwart.
Die Enkel, Vertreter der »Dritten Generation«, stellen sich den furchtbaren Belastungen im Verhältnis der drei Nationen Deutschland, Israel, Palästina, selbstsicher, wütend, anklagend – und heiter. Der Streit, nicht selten auf die Spitze getrieben, in Prügelei und Slapstick mündend, kippt vom Tragischen ins Alberne, und auch pornografische Blödeleien haben ihren Platz. Es ist ein Spiel – aber auch dieses Spiel stellt sich selbst immer wieder in Frage. Pathos geht nicht durch, jeder Bericht über die Auslöschung der europäischen Juden durch die Nazis, über die Grausamkeit der Kriege zwischen Israelis und Palästinensern, alles Nachdenken über Schuld der Täter und Verhalten der Opfer steht eben auch nahe beim überlegenen Witz, bei einem Humor, der das Furchtbare deutlich macht.
Die zehn Spieler verlebendigen, schlicht und anschaulich, was sich an geistigen, ideologischen Barrieren zwischen Völkern aufbaut. Harmonie stellen sie nicht her. Das Niederreißen der Mauern, wo auch immer sie stehen mögen, gelingt nicht. Alle haben recht, ob Mann, ob Frau, ob noch sehr jung oder etwas älter, woher sie auch kommen, auf welche Weise sie sich zusammengefunden haben mögen. Und – keiner hat recht. Es gibt nicht die Wahrheit, die für alle gilt. Fragen können nicht aus der Welt geschafft werden, sie vervielfachen sich. Auch durch die entschiedene Abwehr von Vergleichen: »Palästinenser sind Palästinenser. Deutschland ist Deutschland und der Holocaust ist der Holocaust. Der Holocaust ist ein einmaliges Ereignis in der Geschichte der Menschheit.« Daran gibt es nichts zu rütteln. Und doch wollen sich die Spieler einen ihnen gemäßen Umgang mit Kernwahrheiten erstreiten, wollen ihr Verhalten messen an dem, was geschehen ist und noch immer, schon Brecht hat es formuliert, fruchtbar ist.
Sie improvisieren sind frisch und frech – die Stühle, eine Puppe, ein paar Requisiten genügen für den atemverschlagenden Gang durch Zeiten und Kontinente. Die israelische Autorin und Regisseurin Yael Ronen vom Habimah National Theatre of Israel hat das Stück gemeinsam mit einem großen Team und vielen Partnern entwickelt. Den Auftrag dazu gab das Festival »Theater der Welt« in Halle 2008, dort fanden auch die ersten umjubelten Aufführungen statt. Weitere Arbeitsphasen folgten, jetzt ist die »Dritte Generation« an die Berliner Schaubühne als Koproduzent des Unternehmens zurückgekehrt. Aufführungen noch am 19. und 20. Dezember – man sollte sie sich nicht entgehen lassen.
16.12.2009, 21:55 | tags: Ballett, Anhaltische Philharmonie, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Volkmar Draeger, ballettanz / Seite 36 / Januar 2010
Tomasz Kajdanski: «Lulu»
Dessau
Einen «Regenbogen der Gefühle» verspricht Tomasz Kajdanski mit seinem Debüt am Anhaltischen Theater. In Eisenach von Erfolg verwöhnt, hat er sich hier nun «Lulu» nach Frank Wedekind ausgesucht. Der Neoklassik Gonzalo Galgueras und den spektakulären Inszenierungen von Gregor Seyffert, seinen Vorgängern, lässt er düster dramatisches Tanztheater folgen.
Mit Sinn und Sinnlichkeit überschreibt er seine erste Saison. Und sinnlicher als Lulu geht’s kaum. Dorin Gal hat Dessaus Bühnenweite nach hinten durch ein transparentes arenaartiges Halbrund mit Etagen und Türen begrenzt. Auf hellem Horizont fangen Projektionen die Tiefe des Raums auf. In zwölf Bilder zerlegt Kajdanski Lulu, ihren triebhaft ins Verderben stürzenden Sexus.
Tobender Tanz und starke Bildhaftigkeit kennzeichnen seine Handschrift, mit dramatischer Präzision reißt Daniel Carlberg die Anhaltische Philharmonie hin, die szenisch erstaunlich passfähig meist sinfonische Musik der Wiener Schule und von Schostakowitsch, Korngold, Antheil bis Boulez und Rihm zu bewältigen hat.
Als fünf Meter hohes Lustsymbol in liebesrotem Samt überragt dazu Lulu barbusig jene, die unten nach ihr hangeln, sie anbeten, auf die Knie fallen, unter ihren Rock schlüpfen. Und sie umkreist der Reigen derer, die sie in den Untergang treiben: der dämonische Schigolch als ihr Erzeuger und Lenker; Dr. Schön, dessen Geliebte sie ist, und der sie freigebig an andere verleiht, an seinen Sohn Alwa und den Künstler Schwarz, die beide ihren Ansprüchen nicht genügen; da gibt’s den zupackenden Rodrigo, die lesbische Gräfin Geschwitz als Retterin in der Not und Jack the Ripper, dem sie sich todwund ausliefert.
Lulu empfängt sie eingesperrt im Gerüsttempel, räkelt, spreizt sich lasziv, erleidet in fliegenden Duos Zudringlichkeiten, sie sieht sich in Trios zwischen Verehrer geworfen, verfällt der Erotik des windig wendigen Dr. Schön, verliert schließlich Selbstachtung und Halt. Dass bei so viel emotionalem Aufruhr, dem auch mehrere Männer zum Opfer fallen und der Lulu in Notwehr zur Mörderin ihrer eigentlichen Liebe macht, die choreografische Flamme dauerzüngelt, atemlos sprunggewaltiger Tanz bisweilen die Figurenzeichnung überwuchert, ist nicht zu übersehen. Den kraftzehrenden Tanzexplosionen stehen eindringliche Bilder gegenüber: Lulus ins Leere gehender Wutausbruch, weil die Gesellschaft sie missachtet; ihre Hingabe in der Anstalt, wo wie eine entzündete Vulva zwischen weißem Stoff ein rotes Oval schwebt; ihr Solo beim Herrenabend auf einem Roulettetisch, als sei sie der Hauptgewinn.
Laura Costa Chaud im Titelpart, als Wesen nicht von dieser Welt und zumeist auf Spitze gestellt, Yun-Ju Chen als Gräfin, Juan Pablo Lastras als Dr. Schön, Joe Monaghan als Schigolch, Ion Beitias als schüchterner Alwa leisten 90 Minuten lang tänzerdarstellerische Schwerstarbeit, die sich gelohnt hat.
Wieder 30. Jan., 5. Feb., 21. März,10. April, 15. Mai
anhaltisches-theater.de
15.12.2009, 14:20 | tags: Ballett, Neue Formate | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 15.12.2009
Treffpunkt Ballett – Junge Choreographen stellen sich vor
Zu einer weiteren Veranstaltung von „Treffpunkt Ballett“ lädt das Anhaltische Theater am 16. Dezember um 19:30 Uhr in den Ballettsaal ein.
Diesmal werden Ensemble Mitglieder des Balletts, die für „Hermes in der Stadt“ selber als Choreographen tätig sind, Einblicke in den Entstehungsprozess dieser Tanztheater Produktion geben. Ballettdirektor Tomasz Kajdanki und sein Ensemble ermöglichen einen Blick hinter die Kulissen und öffnen die Probe für die Inszenierung „Hermes in der Stadt“ bereits jetzt für das Publikum.
»Hermes in der Stadt«, ein Stück des in Sachsen-Anhalt geborenen Autors Lothar Trolle, liest sich wie eine schonungslose Großstadtsinfonie. Trolle verschränkt in seinem Stück den Mythos von Hermes, dem »Gott der Diebe und Händler«, mit dem Mythos von Stadt als Glücksversprechen und Projektionsfläche einerseits, Moloch und Utopiebrache andererseits. Eine nüchterne Innenansicht des urbanen Raums, eine Anordnung von Brutalität und Gewalttaten, die scheinbar ohne Anlass aus der Normalität geboren sind.
Junge, internationale Künstler, alle neu im Dessauer Ballett-Ensemble, entwickeln als Choreographen ihre eigene Interpretation von Trolles Text.
»Hermes in der Stadt« ist eine Koproduktion zwischen dem Anhaltischen Theater und dem Bauhaus Dessau.
Tickets für 3,- EURO sind ab sofort über die Kasse erhältlich.
Theaterkasse Rathaus-Center
Tel: 0340 2400 258 Montag bis Freitag 9:30 bis 20 Uhr
Theaterkasse
Nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
15.12.2009, 10:45 | tags: Diverses | Autor: Franziska Blech
Thomas Altmann, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 14.12.2009
Der Bühnenbaum im Sternenschatten
Weihnachtliches Konzert im Theater zeigt in Vorfreude die virtuosen Lichter des Schulalltags
"Last uns hinübergehen nach Bethlehem". Während beschaulich in die Krippe geblickt wird, tanzen die Stimmen mit den Flöten in die Himmel: "Gloria in excelsis Deo". Als das Vokal- und das Blockflötenensemble das schlesische Weihnachtslied in Weihnachtsrot, Weihnachtsweiß und festlicher Eintracht anstimmten, da hatte das 44. "Weihnachtliche Konzert" der Musikschule Dessau-Roßlau im Anhaltischen Theater schon mit einer sicher musizierten Canzone von Giulio Mussi begonnen. Gemäß der Dramaturgie des Konzertes bekommen sogleich kleine Stühle kurze Beine und auch die Instrumente sind längst nicht ausgewachsen. "Guten Abend, schön' Abend" sagen die Jüngsten. Die Bögen marschieren entzückend im Gleichschritt. Geige, Gitarre, Gesang, Bläser und Akkordeon markieren den großen Bogen am rührseligen, spielerisch arbeitsreichen Beginnen.
Dann zeigt, beinah routiniert swingend, die Nachwuchs-Big Band, dass der Jugend-Big Band würdige Nachkommen erwachsen sind. Schon greift das Nachwuchsorchester unter Leitung von Dagmar Fichtner ins große Welttheater mit einer Bearbeitung von Edvard Griegs Konzertschlagern zum nordischen Faust Peer Gynt. Die Farbpalette scheint angerichtet, in knappen Zügen wird stringent begonnen, Charakteristisches zu fassen. Während des Umbaus moderiert Musikdramaturg Ronald Müller. Diesmal kündigt er zwei 15-jährige Solistinnen an. Johanna Kopf (Klarinette) und Urte Alvermann (Klavier) spielen ganz vertraut, erzählend durchatmend Allegretto grazioso aus der Sonate f-moll von Johannes Brahms.
"Puer natus est" - das Vokalensemble greift sicher in die gehobene Weihnachtsliteratur und die Weihnachtslieder des Fagott-Trios (Josephine Häcker, Tom Lucas Kranhold und Johannes Pein) klingen duftend nach warmem Kerzenschein. "Count Bubba" von Gordon Goodwin: Da öffnet sich der Vorhang. Die Big Band unter Leitung von Detlef Metzner spielt vor himmelblauer Wand, im Vorhimmel gewissermaßen, so konzertant wie hemdsärmlig, so geschliffen wie dynamisch.
Dann stellen die Stars der Schule die Sternchen des weihnachtlichen Bühnenbäumchens in den Schatten. Johanna Distelkamp (Sopran) singt begnadet aus dem Oratorium von Felix Mendelssohn Bartholdy. Mannbar, erstaunlich reif, kraftvoll und rund singt Philipp Jekal (Bariton) Peter Cornelius. Begleiter Bastian Matthei saß schon vorher am Klavier, Prélude c-moll von Rachmaninow, so geläufig wie brillant, mehr als technokratische Kühle.
Mit den Zigeunerweisen von Pablo de Sarasate hat sich Anh Quan Dao (Violine) ein Bravourstückchen auserwählt. Aber er glänzt nicht nur als Virtuose, sondern flüstert auch ohne zu munkeln, so leise, so zart, fiebrig, klar. Lehrer Thomas Benke begleitet auch den nächsten Schüler. Johannes Wagner spielt atemberaubend Rondo. Allegro aus dem Fagottkonzert F-dur von Carl Maria von Weber. Da wird nichts verschwiegen, sondern alles ausgesprochen. Komödiantisch und musikalisch geht es weiter: Alexander Neumann, Ann-Kristin Lamprecht, Kristin Ullmann und Carsten Schaub lassen augenzwinkernd "Bill Bailey" durch die Saxophone wehen.
Am Ende und am Anfang des zweiten Konzertteiles spielt das Orchester unter Friedemann Neef. Zuerst Träume aus Händels Oper "Ariodante". Besonders schön gelingen, wenn man so sagen darf, die Alpträume. "Galopp" und "Marktplatz" aus der Filmmusik "Die Bremse" von Dimitri Schostakowitsch gibt es zum Finale. Die amerikanische Romanvorlage über einen heldenhaften italienischen Freiheitskämpfer war Pflichtlektüre in der Sowjetunion. Das hört man der Musik gar nicht mehr an, schmissige, musikantisch musizierte Dinger. Endlich wird noch "O du fröhliche" vor der Zeit gesungen. Aber einige singen nicht mit, als gelte es, die eine Träne der Rührung aufzusparen für die Christnacht. Die gibt's gewöhnlich am 24. Dezember. Dann beginnt, "o du selige", auch Weihnachten.
15.12.2009, 10:39 | tags: Schauspiel, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Helmut Rohm, Magdeburger Volksstimme, 15.12.2009
Regiedebüt für David Ortmann in Dessau
Problem-Chaos im „Kaspar Häuser Meer“
Am Schluss: Rotbemützt, gemütlich auf dem Boden sitzend, eine leise Weihnachtsmelodie auf dem Lippen – ein trautes Miteinander!? Mitnichten. Anika (Eva Marianne Berger), Silvia (Susanne Hessel) und Barbara (Regula Steiner-Tomic) sind ewig gestresst, auch nicht gut zueinander. Die drei sind die handelnden Personen im Schauspiel „Kaspar Häuser Meer“ von Felicia Zeller, das im Studio des Anhaltischen Theaters Dessau Premiere als Regiedebüt des 23-jährigen David Ortmann Premiere hatte.
Anika, Silvia und Barbara sind Sozialarbeiterinnen in einem Jugendamt. Ihre Aufgabe: Sich kümmern um vernachlässigte, verwahrloste und misshandelte Kinder. Und – Mitkollege Björn fällt gerade wegen Burnout-Syndroms aus. 104 zusätzliche Fälle. Da wird alles noch prekärer, als es schon von Haus aus ist. David Ortmann verpasst zu Beginn zweien eine Ritterrüstung. Zeichen für das Amt als eine Institution, ein Bollwerk (Ausstattung Silvia Maradea)?
Der Zuschauer erlebt eher tragische, ja angstmachende Situationen der totalen Überforderung. Dabei sind die drei andauernd in körperlicher, oft logisch nicht nachvollziehbarer Bewegung. Und sie reden ständig. Mit eigentlich faszinierendem Tempo – für sich eine bewundernswerte schauspielerische Leistung. Aber sie reden mehr aneinander vorbei, oft über andere, ohne Lösungsansätze. Die Gedanken springen. Der Redefluss bekommt Brüche, Halbsätze bleiben stehen. Die drei sind von den Problemen übermannt. Die dienstlichen vermischen sich mit den privaten. Erzählt wird trotz oder gerade wegen des bitterbösen Themas mit viel hintergründigem Humor. Letztlich bleibt es aber dennoch ein Spiegelbild der sozialen Realität. Die Premiere dieses sozialkritischen, höchst aktuellen Stückes wurde mit viel Beifall aufgenommen.
13.12.2009, 21:44 | tags: Spielzeit, Schauspiel, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 14.12.2009
Schauspiel
Frische Ware beweist ihre Haltbarkeit
Bühnen in Dessau und Magdeburg bieten gelungene Premieren
Für das deutsche Stadttheater ist der Mülheimer Marktplatz eine Frischetheke: Die neuen Texte der Saison sind hier - meist in ihrer Uraufführungs-Inszenierung - zu besichtigen, über das Verfallsdatum wird oft erst später entschieden. Zwei Züchtungen des Jahrgangs 2008 wurden am Wochenende auch in Sachsen-Anhalt präsentiert - und haben den Haltbarkeits-Test mit Bravour bestanden.
Verbale Wundertüte
Zunächst ist Felicia Zellers "Kaspar Häuser Meer" zu bestaunen, mit dem David Ortmann sein Regie-Debüt im Alten Theater Dessau gibt. Die Geschichte der Jugendamts-Mitarbeiterinnen, denen nach dem "Björn-Out" eines Kollegen ihr ohnehin fragiles Karteikartenhaus über den Köpfen zusammenbricht, ist eine verbale Wundertüte: Die Sätze umstrudeln und unterspülen ihren Sinn, die permanente Überforderung fällt sich selbst ins Wort und trotzt jeder Beschreibung.
Für diese Monologe, die nur selten und eher zufällig in wirkliche Gespräche ausfransen, muss man Bilder und Haltungen finden, ohne den Alltag der Frauen zwischen Selbstbehauptung und -verleugnung platt zu illustrieren. Und dies gelingt dem Ensemble in Silvia Maradeas Bühnenraum ausgesprochen gut. In dem steil ansteigenden Archivgebirge, dessen Kästen sich zur Babyklappe und zum Müllschlucker, zum Bürostuhl und zur Kletterwand umfunktionieren lassen, wird die Routine als Scheitern im Ansatz gezeigt: Da werden die Noppen der Luftpolsterfolie zerdrückt und Voodoo-Puppen aus dem Lametta des Aktenvernichters geflochten, da werden Seifenblasen produziert und Menschenketten aus Papier gespannt. Und am Horizont rotieren die Reihen der Registratur als Zauberwürfel oder fallen als Tetris-Steine aus dem Paragrafen-Himmel.
Es ist ein Mikrokosmos, der zwischen Kaffeemaschine und Raucherinsel eigenen Gesetzen folgt, während sich draußen vor der Tür die Schicksale von Kindern und Eltern in Vorgänge und Vermerke verwandeln. Wer hier mitleidet, hat schon verloren. Und wer sich abhärtet, gewinnt nichts.
Im Stakkato bekommen die Frauen Kontur: Da ist die junge Anika (Eva Marianne Berger), die im Kampf gegen fremdes Elend die eigene Tochter aus den Augen zu verlieren droht. Da ist die frappierend geschwind zwischen Einzelkämpfer-Euphorie und Dauer-Depression wechselnde Silvia (Susanne Hessel) - und die abgebrühte Barbara (Regula Steiner-Tomic), die ihre Position mit Selbstgewissheit und Terror gegen die Jüngeren verteidigt. Vor den fragilen Klängen der Bühnenmusik von Hans Rotman zeichnet die Regie diese Figuren mit kräftigen Strichen, steckt sie in strahlende Rüstungen und gedeckte Alltags-Farben.
Durch die physische Anstrengung des Sprechens und Spielens aber, durch die Freiübungen im Käfig vermeidet sie falsche Gesten der Betroffenheit und Einfühlung, die den bösen Witz in Felicia Zellers Text übertünchen würden. Ein umjubelter Abend!
Kapitalismus spielt mit
Während Zeller im Untertitel von einer "wirklichen Komödie" spricht, wählt Philipp Löhle für sein Stück "Genannt Gospodin" das Attribut "antikapitalistisch". Und auf der Studiobühne des Magdeburger Schauspielhauses verstärkt Matthias Huhn diese Tendenz: Sein Erzähler schneidet sich noch vor dem ersten Wort scheinbar die Zunge aus dem Mund, als wolle er dem Zuschauer die folgende Geschichte verweigern - und gibt sich unmittelbar danach als jener Kapitalismus zu erkennen, dem sich deren Held Gospodin entzieht.
Was folgt, ist eine Tour de Force in Zeitlupe: Der Aussteiger, der mit seinem Lama in der Fußgängerzone eine perfekte Quelle für Lebensunterhalt ohne Arbeit gefunden zu haben glaubt, wird von Greenpeace seiner Existenzgrundlage beraubt. Nach und nach holen sich gute falsche Freunde auch noch Kühlschrank, Fernseher und Mikrowelle aus der Wohnung. Und als schließlich ein Kneipen-Kumpel die Beute seines Raubzuges bei ihm deponiert, findet Gospodin den Ort seiner Freiheit - im Gefängnis.
Huhn liefert mit seinem perfekten Darsteller-Quartett das Satyrspiel zu "Schuld und Sühne", die Hausherr Jan Jochymski am gleichen Ort inszeniert hat: Auf schiefen Ebenen (Bühne: Markus Karner) rutschen und stolpern Babette Slezak und Andreas Gugliemetti in wechselnden Rollen auf das selbst gewählte Nullniveau des Verweigerers Gospodin (Sebastian Reck). Silvio Hildebrandt kämpft als Spielmacher und trauriger Clown in manischer Vergeblichkeit um das Interesse des Aussteigers, der ihn in seiner Existenz bedroht.
Das alles wird mit übermütigem Witz erzählt und ironisch gebrochen. Auch hier ein Treffer, zwei Stücke über das gesellschaftliche Soll auf der Haben-Seite der Theater - was kann man mehr wollen?
Nächste Vorstellungen: "Kaspar Häuser Meer" 14. und 18. Dezember; "Genannt Gospodin" 18. und 20. Dezember, jeweils 19.30 Uhr
13.12.2009, 14:42 | tags: Anhaltische Philharmonie, Diverses | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 11.12.2009
Kulturstiftung des Bundes fördert „Himmel auf Erden“
Der Stiftungsrat der Kulturstiftung des Bundes hat auf seiner Sitzung
am 10. Dezember 2009 den Antrag des Wittenberg Kultur e. V. für das
internationale Musik-Festival „Himmel auf Erden – Die Religionen der
Welt zu Gast in Luthers Wittenberg“ bewilligt. Damit unterstützt und
ermöglicht die Kulturstiftung des Bundes den Auftakt für dieses
Festival des geistlichen Gesangs in den Jahren 2011 und 2012 mit
jeweils 200 000 Euro.
Die Veranstaltungsreihe, die in Zusammenarbeit mit dem Anhaltischen Theater Dessau und unter der künstlerischen Leitung von dessen Generalintendant André Bücker sowie dessen Generalmusikdirektor Antony Hermus veranstaltet wird, soll im Rahmen
der Luther-Dekade jährlich zunächst bis 2013 stattfinden und das Theaterprojekt „Weltzeit Wittenberg“ flankieren. Sie widmet sich den sakralen Vokalwerken aller Religionen und Kulturen und will im Vorfeld des Reformations-Jubiläums so den Gesang als Ausdruck der Spiritualität betonen. Neben zentralen Werken der christlichen
Tradition soll dabei auch die Musik aus buddhistischen und
islamischen, jüdischen und anderen Kulturkreisen erklingen – ein
Zeichen religiöser Akzeptanz und kultureller Offenheit an der
Geburtsstätte des Protestantismus.
Wittenberg Kultur e. V. und das
Anhaltische Theater Dessau haben sich für „Himmel auf Erden“ mit
Kooperationspartnern wie den Händel-Festspielen in Halle, dem
Kammerorchester Basel und der Lautten-Compagney Berlin
zusammengefunden, mit denen bereits erste Projekte fest verabredet sind. Neben konzertanten Aufführungen wird es im Rahmen des Festivals auch szenische Versionen von großen religiösen Werken geben. Das konkrete Programm des ersten Jahrgangs soll im Sommer 2010 vorgestellt werden, wenn in Wittenberg André Bückers Inszenierung von „Ein neues
Lied wir heben an“ als erster Teil der „Weltzeit“-Trilogie Premiere
hat.
12.12.2009, 09:03 | tags: Spielzeit, Schauspiel | Autor: Franziska Blech
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 10.12.2009
Szenen aus dem Alltag im Büro
David Ortmann bringt im Alten Theater «Kaspar Häuser Meer» zur Premiere
Man muss nicht in einem Amt arbeiten, um gewisse Tage zu erleben. Der Papierstapel wächst, das Telefon nervt und der Chef auch. Das Fernsehen bildet dieses Büroalltag-Klischee bestens in der "Stromberg"-Reihe ab, aber auch im Theater hat das Thema längst Einzug gehalten. So in "Kaspar Häuser Meer", einem Stück der Autorin Felicia Zeller, die darin einfach einen Mitarbeiter erkranken lässt - natürlich hat er Burnout - und daraufhin seine drei Kolleginnen (Eva Marianne Berger, Regula Steiner-Tomic und Susanne Hessel) aus dem Jugendamt nah an den Wahnsinn und den Abgrund treibt.
Am Freitagabend hat "Kaspar Häuser Meer" im Studio des Alten Theaters Premiere. Regieassistent David Ortmann liefert mit der Inszenierung sein Regie-Debüt am Anhaltischen Theater ab, dort, wo für den jungen Mann, Jahrgang 1986, als Kind alles begann. Denn mit sechs Jahren stand er schon einmal auf der Bühne des Großen Hauses, als Statist im Märchen "Dornröschen". Ihm zur Seite spielten die Eltern, beide damals wie heute Schauspieler im Ensemble der Dessauer Bühne. Dass David Ortmann vom Theatervirus infiziert wurde, zeichnete sich früh ab. Als Schüler des Landesgymnasiums Schulpforta erlebte er in der dortigen Theatergruppe eine prägende Zeit. "Bei sechs Stücken habe ich dort Regie geführt", erzählt er. Besonders am Herzen liegt ihm davon ". und tot bist du", für das er den Publikumspreis des Landes Sachsen-Anhalt erhielt und sein Bundesland beim Schultheater der Länder in Pirmasens vertrat. Noch als Gymnasiast war er Praktikant der Produktion "kein.schöner.land" von André Bücker beim Schleef-Block I in Sangerhausen und folgte nach dem Abitur dem Regisseur an das Nordharzer Städtebund Theater, erst als Praktikant, dann innerhalb eines Freiwilligen Sozialen Jahres und später als Regieassistent. Mit Bückers Wechsel als Generalintendant ans Anhaltische Theater kehrte David Ortmann nun in die Heimat zurück.
"Wieder hier zu sein, ist witzig. Ich kenne ja das Haus. Aber wie eine Heimkehr ist es dann doch nicht, dafür war ich einfach zu lange weg", findet er. Anfängliche Befürchtungen, mit den Eltern zusammen zu arbeiten, haben sich längst gelegt. "Das läuft alles ganz entspannt und professionell." Genauso wie die Proben für "Kaspar Häuser Meer", für die er - anders als bei bisherigen Arbeiten - komfortable sechs Wochen Zeit hatte. In diesen hat er eine Komödie heraus gearbeitet, die freilich einen Alltag thematisiert, der betroffen macht. "Die drei Frauen arbeiten sich aneinander ab bis zum Exzess." Ortmann lässt dies schnell geschehen, mit hohem Tempo, was auch Felicia Zellers Text entgegen kommt. "Dies geschieht in einem sehr schrägen Büroraum, der seltsame Blüten treibt", erklärt Ortmann. Nur wenn die Szenen wechseln, wird er Ruhe hinein bringen. Dafür sorgen die Bühnenmusik von Hans Rotmann und Videos von Ronny Traufeller. Der Intendant des Impuls-Festivals setzte gerne die Noten für David Ortmann, der ihn in diesem Jahr in der Festival-Crew unterstützte, und besucht natürlich ebenso die Premiere wie etliche einstige Pfortenser.
12.12.2009, 09:01 | tags: Schauspiel, Schauspiel/Musiktheater, Diverses | Autor: Franziska Blech
Mitteldeutsche Zeitung, 10.12.2009
Gastspiel
Tabus werden gebrochen
Die gefeierte Produktion «Dritte Generation» kommt nach Dessau
Im Juni des vergangenen Jahres blieb dem Publikum in der Werft des neuen theaters Halle das Lachen im Halse stecken. Beim Festival "Theater der Welt" gastierte die junge israelische Regisseurin Yael Ronen mit der Inszenierung "Dritte Generation" in der Saalestadt und begeisterte das Publikum an mehreren Abenden mit ihrem besonderen Projekt. Mehr als ein Jahr später, nachdem die Ronen weiter mit ihrem Team an der Inszenierung gearbeitet hat und es Vorstellungen an der Schaubühne Berlin, im Habima National Theatre of Israel (Tel Aviv) und bei der RuhrTriennale 2009 gab, kommt "Dritte Generation" nun nach Dessau. Am 21. und 22. Dezember wird das Stück um 19.30 Uhr im Studio des Alten Theaters zu sehen sein.
In ihrer international gefeierten Inszenierung, vor immer ausverkauften Häusern, analysiert die Autorin und Regisseurin gemeinsam mit ihrem Team und einer Gruppe von jungen Schauspielern klug und provozierend alle Klischees, von denen das Verhältnis zwischen Juden, Palästinensern, Arabern und Deutschen durchsetzt ist. Die Beteiligten haben sehr unterschiedliche familiäre Hintergründe: Sie sind auf beiden Seiten des ehemals geteilten Deutschlands geboren, sind muslimische und christliche Palästinenser, die mit israelischem Pass in Haifa leben oder sie stammen aus jüdischen Familien unterschiedlicher Herkunft. Neben den gegenwärtigen Konflikten konzentriert sich die Auseinandersetzung auf die Jahre, in denen die Ursprünge für heutiges Selbstverständnis liegen. Begriffe wie Erinnerung, Schuld, Täter und Opfer und ihre Bedeutung werden hinterfragt. Alle Tabus werden so rasant zu Kleinholz verarbeitet, dass der Zuschauer gleichermaßen zwischen befreiendem Lachen und großer Erschütterung schwankt. Entstanden ist ein einzigartiger Theaterabend, der mutig Grenzen überschreitet, so intelligent wie unterhaltsam ist und wohl keinen Zuschauer unberührt lassen wird.
Dank der Kulturstiftung des Bundes, die dem Ensemble eine Tournee durch neun Städte ermöglichte, ist diese wichtige Inszenierung nun auch in Dessau zu sehen, wo die Rundreise ihr Finale erlebt. Die Produktion wird in deutscher, arabischer, hebräischer und englischer Sprache mit deutschen Übertiteln gezeigt.
Im Anschluss an beide Vorstellungen wird es ein Zuschauergespräch mit dem Ensemble geben. Moderiert wird das Gespräch von den Redakteuren Andreas Montag und Andreas Hillger der Mitteldeutschen Zeitung, welche die Stückentwicklung unterstützte.
Das Anhaltische Theater bietet außerdem in Zusammenarbeit mit der Schaubühne Berlin am 22. Dezember, von 10.30 bis 15 Uhr einen Workshop zum Gastspiel "Dritte Generation" an. Auf der Grundlage von Interviews, die Teilnehmer vorab mit ihren Eltern und Großeltern führen, soll untersucht werden, in wie weit die eigene Familiengeschichte mit historischen Ereignissen verknüpft ist und unter welchen Gesichtspunkten diese dann interpretiert werden. Außerdem wird in erbarmungslosen Selbstversuchen nach alltäglichen Rassismen im eigenen Denken und Sprachgebrauch geforscht. Der Workshop wird geleitet von Uta Plate, Theaterpädagogin der Schaubühne Berlin.
Die Teilnehmer sollten zwischen 15 und 25 Jahre alt sein und in Vorbereitung des Workshops ein Interview mit ihren Eltern bzw. Großeltern führen. Am Abend besuchen die Teilnehmer gemeinsam das Gastspiel "Dritte Generation" und das sich anschließende Zuschauergespräch im Alten Theater. Interessenten für den Workshop können sich noch bei Theaterpädagogin Imme Heiligendorff (Telefon 0340 / 2 51 12 16 oder theaterpaedagogik@anhaltisches-theater.de) anmelden.
Karten für das Gastspiel für "Dritte Generation" gibt in der Theaterkasse Rathaus-Center und unter der Nummer 0340 / 2 40 02 58.
12.12.2009, 08:56 | tags: Spielzeit, Musiktheater, Diverses | Autor: Franziska Blech
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 12.12.2009
Auch Sinatra-Songs im Repertoire
Operndirektor plaudert am Freitagabend mit dem Sänger Pavel Shmulevich
"Noble Wucht" hat ihm die Kritik attestiert. Von einem "russischen Bass mit unendlicher Tiefe" war die Rede. "Der kraftvolle König Heinrich war bei Pavel Shmulevich in guten Händen", heißt es an anderer Stelle. Shmulevichs Auftritt in der ersten Operninszenierung des Anhaltischen Theaters dieser Spielzeit - Wagners Oper "Lohengrin", inszeniert von Andrea Moses - sorgte für Aufmerksamkeit.
Sarastro in der Zauberflöte
Wie perfekt er sein Fach beherrscht, stellt Pavel Shmulevich als Gastsänger nun bald wieder im Dessauer Theater unter Beweis. In der kommenden Woche singt er in der Mozart-Oper "Die Zauberflöte" den Sarastro. Zuvor jedoch, schon am Freitagabend, wird der junge Russe die ganze Breite seiner stimmlichen Möglichkeiten den Dessauern vorstellen. Im Foyer des Anhaltischen Theaters wird das Spektrum um 20 Uhr "Von Wagner bis Sinatra" reichen, wenn Shmulevich Gast beim Sängerporträt ist und die Fragen von Operndirektor Heribert Germeshausen beantwortet.
Dort wird es wohl erst einmal um St. Petersburg gehen, der Heimat des 1982 geborenen Sängers. Der Gesang, so erzählt er, habe ihn schon sein Leben lang begleitet. In der Musikschule fing seine Profession mit fünf Jahren im Chor an. Seit er 13 ist nimmt Pavel Shmulevich Gesangsunterricht. Schon zu Beginn seines Studiums am St. Petersburger Rimsky-Korsakov-Konservatorium wurde Shmulevich in die Young Singers Academy des Mariinski Theaters aufgenommen. Seit einem Auftritt 2001 als Antonio in "Il viaggio a Reims" sang der Bass Titelrollen in verschiedenen Produktionen am Mariinski Theater und wirkte dort bislang in rund 60 Inszenierungen mit. Mit seinem Haus gastierte er unter Leitung von Valery Gergiev in Frankreich, Japan, den USA, Finnland und London. Neben seiner Arbeit in St. Petersburg gastiert Shmulevich sowohl an Opernhäusern als auch bei Konzerten.
Bis zu seinem Gast-Engagement in Dessau kannte der Sänger Deutschland vor allem von Gesangswettbewerben. Beim Wettbewerb "Neue Stimmen" 2007 kam er in die Endauswahl. Bei einem Meisterkurs im Jahr darauf wurde die Dessauer Bühne auf ihn aufmerksam. Inzwischen pendelt der junge Russe zwischen seiner Heimatstadt und Dessau, am Donnerstag kam er gerade von einem Auftritt in Frankreich wieder zurück in die Muldestadt, wo am Montag die Wiederaufnahmeproben für "Die Zauberflöte" beginnen.
Wunsch sind Wagner-Rollen
Im kommenden Sommer wird Pavel Shmulevich mit seiner Familie Dessau als festen Wohnsitz nehmen, denn ab der kommenden Spielzeit gehört er fest zum Sängerensemble des Anhaltischen Theaters. Nachdem er im "Lohengrin" erstmals Wagner auf der Bühne sang, hofft der Bassist nun auf weitere Rollen in Opern des Komponisten. "Ich würde gern alle Wagner-Rollen meines Faches singen", sagt er. In Dessau werde es künftig so viel Wagner geben, um diesem Traum sehr nahe zu kommen. "Mit den Kollegen hier am Haus herrscht eine tolle Atmosphäre", freut sich Shmulevich schon auf die weitere Zusammenarbeit. Dann wird man den Sänger wohl öfter von einer musikalischen Seite hören, die er gleichermaßen wie das klassische Repertoire schätzt. "Ich liebe den Jazz und die Musik aus Hollywood." So singt er am Freitagabend denn auch Frank Sinatra, zuvor aber gibt er Kostproben seines Könnens mit Arien und Liedern von Mozart, Schubert, Tschaikowski und Bruckner.
Sängerporträt mit Pavel Shmulevich, heute, 20 Uhr, im Foyer des Anhaltischen Theaters
10.12.2009, 17:14 | tags: Spielzeit, Schauspiel | Autor: Franziska Blech
Pressemittelung vom 30.11.2009
Premiere „Kaspar Häuser Meer“ – Schauspiel von Felicia Zeller
Zu einer weiteren Premiere im Schauspiel lädt das Anhaltische Theater Dessau am 11. Dezember um 19:30 Uhr in das Studio des Alten Theaters ein.
Mit „Kaspar Häuser Meer“ debütiert der junge Regisseur David Ortmann am Anhaltischen Theater. Das Stück von Felicia Zeller wurde 2008 in Freiburg uraufgeführt und ist eines der am meisten gespielten Werke der Gegenwartsdramatik. Die Autorin Felicia Zeller hat für ihr preisgekröntes Stück (Publikumspreis bei den Mülheimer Theatertagen 2008) intensiv recherchiert; weniger in Sozialämtern und sozialen Brennpunkten als in Zeitungen, Paragraphen, Internetforen und ein Szenarium allgemeiner Überforderung entworfen. Zeller zeigt das Nichthandeln und das Handeln im (nach einem krankgeschriebenen Kollegen bezeichneten) sogenannten "Björnout"-Zustand.
Björn, Jugendsozialarbeiter ist zusammengebrochen und hinterlässt ganze 104 Fälle, die nun für seine drei Kolleginnen vom Amt, Barbara, Silvia und Anika, zum tragikomischen Schicksal werden. Diese drei Sozialfrontkämpferinnen müssen also noch schneller sein und werden dennoch zu spät kommen. Ertrinkend im bürokratischen Sumpf machen die glorreichen Drei trotzdem weiter, denn sie lieben ihren Job. Bei all ihrem Tun sind sie zum Lachen komisch und zum Weinen rührend – drei wundervoll schräge Schiffe auf dem endlosen Meer der Jugendsozialarbeit.
Inszenierung: David Ortmann | Bühne und Kostüme: Silvia Maradea
Dramaturgie: Holger Kuhla, Maria Viktoria Linke
Mit Eva Marianne Berger (Anika), Regula Steiner-Tomič (Barbara), Susanne Hessel (Silvia)
Musik und Video sind auf das Stück abgestimmte Auftragskompositionen (Musik: Hans Rotman/ Intendant IMPULS Festival für Neue Musik | Video: Ronny Traufeller)
Nächste Aufführungen: 12., 14. und 18.12.09 - jeweils um 19:30 Uhr | 20.12.09, 18 Uhr
im Studio des Alten Theaters
10.12.2009, 17:11 | tags: Anhaltische Philharmonie, Diverses | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 09.12.2009
18. Dessauer Bassgeigenweihnacht – „Bärenstark“
Am Dienstag, dem 15.12.2009, um 18.00 Uhr, findet in der Marienkirche die 18. Dessauer Bassgeigenweihnacht statt. Diese Veranstaltung der Musikschule Dessau – Roßlau gestalten ca. 15 Kontrabassisten aus Dessau und weitere Mitwirkende u.a. mit Violoncello und Flöte.
Unter dem Motto „Bärenstark“ wird die diesjährige Weihnachtsgeschichte zu erleben sein. Musikalisch erzählt wird sie von Schülern der Grundschule am Akazienwäldchen.
Es erklingen Werke von Georg – Friedrich Händel, Johann Matthias Sperger, Giovanni Bottesini und anderen Komponisten aus 5 Jahrhunderten. Mit Mazurka und ungarischem Tanz, als Tierorchester sowie im Ragtime stellen sich die nicht nur bassspielenden Mitwirkenden vor.
Bastian Matthai und Cornelius Tamm als Teilnehmer bei „Jugend musiziert“ 2010 spielen erstmalig einen Ausschnitt ihres Wettbewerbsprogramms.
Natürlich erklingen auch wieder bekannte weihnachtliche Melodien im Bassgeigenorchestersound.
Nach dem Konzert besteht die Möglichkeit zum „Schnupperbass“, anfassen und probieren ausdrücklich erlaubt.
Es wirken mit: Schüler der Musikschule Dessau-Roßlau, Mitglieder der Anhaltischen Philharmonie Dessau, die Schüler der AG Kontrabass der Grundschule am Akazienwäldchen (ein Projekt des Landesverbandes der Musikschulen Sachsen-Anhalt) sowie Gäste aus der Region.
Natürlich werden auch wieder die kleinsten Kontrabassisten unseres Landes zu erleben sein.
Das Konzert beginnt um 18.00 Uhr, der Eintritt ist frei.
Am Flügel: Wolfgang Kind
Gesamtleitung: Ingo Burghausen
Die 18. Dessauer Bassgeigenweihnacht ist eine Veranstaltung der Musikschule Dessau – Roßlau mit freundlicher Unterstützung der Stadt Dessau und des Anhaltischen Theaters Dessau.
Weitere Informationen zur Bassgeigengala unter: www.bassgeigengala.de
10.12.2009, 17:07 | tags: Spielzeit, Theaterpädagogik | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 10.12.2009
Theaterpädagogik des Anhaltischen Theaters bietet zwei interessante WORKSHOPS im Dezember an
„Theaterwerkstatt: Die Zauberflöte“
Workshop für Kinder ab 10 Jahren und erwachsene Begleitpersonen
„Die Zauberflöte“ ist wieder da! Anlässlich der Wiederaufnahme der Oper von Wolfgang Amadeus Mozart bietet das Anhaltische Theater Dessau am 19. Dezember, von 14 bis 16 Uhr, auf der Probebühne einen Workshop „Theaterwerkstatt: Die Zauberflöte“ an.
Mit Unterstützung der Theaterpädagogin Imme Heiligendorff heißt es: Probebühne frei! In nur zwei Stunden erspielen sich die Teilnehmer ihre eigene Version der „Zauberflöte“, schlüpfen dabei in die unterschiedlichen Rollen und erproben Sprech- und Gehhaltungen, damit zum Abschluss des Nachmittags ein „Schnelldurchlauf“ der Oper gespielt werden kann– natürlich im Kostüm! Der Workshop richtet sich an Kinder ab 10 Jahren und erwachsene Begleitpersonen. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Kinder erwachsene Verwandte oder Freunde zu dem Workshop mitbringen, wichtigste Voraussetzung ist die Lust zum Theater-Spielen! Anschließend können die Teilnehmer Johannes Felsensteins Inszenierung „Die Zauberflöte“ im Großen Haus erleben.
Die Kosten liegen bei 3,- € pro Teilnehmer, die bei Kauf einer Eintrittskarte für die Vorstellung „Die Zauberflöte“ verrechnet werden.
WORKSHOP zum Gastspiel „Dritte Generation“
Workshop für Junge Erwachsene zwischen15 und 25 Jahren
Einen weiteren Workshop bietet die Theaterpädagogin des Anhaltischen Theaters in Zusammenarbeit mit der Schaubühne Berlin am 22. Dezember, von 10:30 bis 15 Uhr anlässlich des Gastspiels „Dritte Generation“ an. Auf der Grundlage von Interviews, die die Teilnehmer vorab mit ihren Eltern und Großeltern führen, soll untersucht werden, in wie weit die eigene Familiengeschichte mit historischen Ereignissen verknüpft ist und unter welchen Gesichtspunkten diese dann interpretiert werden. Außerdem wird in erbarmungslosen Selbstversuchen nach alltäglichem Rassismus im eigenen Denken und Sprachgebrauch geforscht. Der Workshop wird geleitet von Uta Plate, Theaterpädagogin der Schaubühne Berlin.
Am Abend besuchen die Teilnehmer gemeinsam das Gastspiel „Dritte Generation“ und das sich anschließende Zuschauergespräch im Alten Theater.
Die Teilnahme am Workshop ist kostenlos, die Karte für die Vorstellung kostet 7,- €.
Interessenten können sich bis zum 15.12.2009 bei der Theaterpädagogin Imme Heiligendorff für diese Workshops anmelden. (Telefon 0340-2511216 oder theaterpaedagogik@anhaltisches-theater.de)
10.12.2009, 17:05 | tags: Spielzeit, Ballett, Musiktheater, Anhaltische Philharmonie | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 10.12.2009
Geschenkideen rund ums Theater
10.12.2009, 17:04 | tags: Spielzeit, Musiktheater, Anhaltische Philharmonie | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 10.12.2009
Weihnachten und Jahreswechsel im Anhaltischen Theater
Für die gesamte Familie bietet das Anhaltische Theater am 1. Weihnachtsfeiertag, dem 25. Dezember um 16 Uhr das Grimmsche Märchen „Sechse kommen durch die Welt“. Dieses Stück über die Freundschaft wird mit viel Witz und Komik erzählt, so dass bei großen und kleinen Besuchern wohl kein Auge trocken bleibt.
„La Périchole“ eines der Hauptwerke Jacques Offenbachs voller Witz und überquellendem Melodienreichtum steht am 2. Weihnachtsfeiertag, dem 26. Dezember um 17 Uhr auf dem Spielplan. Gespielt wird eine neue deutsche Textfassung von Stefan A. Trossbach mit Dialogen von Peter Ensikat. Eine reisende Theatertruppe gastiert in der Stadt und präsentiert die lustige, aber auch zu Herzen gehende Geschichte der Straßensängerin Périchole und ihres Geliebten Piquillo.
Am 27. Dezember, um 16 Uhr lädt das Theater zu einem Besuch der Inszenierung „Lohengrin“ – Romantische Oper von Richard Wagner ein. Mit Wagners vermutlich populärster Oper wurde im Musiktheater die 215. Spielzeit fulminant eröffnet und zieht seit dem Gäste aus ganz Deutschland nach Dessau. Der zwischen Juni 1846 und März 1848 komponierte „Lohengrin“ nimmt in Wagners Oeuvre in mehrer Hinsicht eine Schlüsselstellung ein: Zum einen verwirklichte Wagner, der „vollkommenste Revolutionär“ nach eigenem Zeugnis, in ihm erstmals weitgehend sein Konzept eines durchkomponierten Musikdramas, zum anderen wollte er am avisierten Uraufführungsort Dresden mit der Oper 1849 auch die Gesellschaft revolutionieren. Freuen Sie sich darauf, neben etablierten Publikumslieblingen wie Iordanka Derilova und Ulf Paulsen unsere neuen stimmgewaltigen Ensemblemitglieder kennenzulernen.
Nach fünf Jahren Abstinenz erklingt im Anhaltischen Theater zum Jahreswechsel 2009/2010 wieder Beethovens IX. Sinfonie. Am Silvestertag finden die beiden Aufführungen um 17 und um 20 Uhr statt. Unter der Leitung von GMD Antony Hermus spielt die Anhaltische Philharmonie. Es singen die Damen und Herren des Opern- und des Extrachores sowie Mitglieder des Coruso-Chores. Als Solisten wirken mit: Angelina Ruzzafante (Sopran), Carola Günther (Mezzosopran), Andrew Sritheran / Angus Wood (Tenor) und Ulf Paulsen (Bariton).
Tickets und Informationen erhalten Sie unter:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Freitag 9:30 bis 20 Uhr
Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
10.12.2009, 09:53 | tags: Musiktheater, Anhaltische Philharmonie, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Alessandro Anghinoni, www.operamagazine.nl, 07.12.2009
Nederlanders vallen op in ‘gewone’ Candide
Dessau 7 december 2009 Geen reacties
Na een bejubelde Lohengrin waren de verwachtingen rond de volgende première van het Anhaltisches Theater uit Dessau hooggespannen. De productie van Candide viel echter tegen. Niettemin waren de solisten, waaronder de Nederlandse bariton Wiard Witholt, goed.
Van mijn niet-Duitse vrienden heeft iedereen wel een idee wat Bauhaus is, maar slechts een paar weten waar Dessau ligt. Vaak halen ze de naam van de hoofdstad van het Bauhaus door de war met de naam van een concentratiekamp in Zuid-Duitsland.
Maar de stad heeft niet direct zulke gruwelijke herinneringen. Er is slechts één goed zichtbaar spoor van de Nazi-tijd: het enorme, buitensporige theater dat door Adolf Hitler in 1938 geopend werd en uitgerust is met Duitslands grootste roterende toneel.
Vandaag heet dit 1100 plaatsen tellende huis het Anhaltisches Theater en de nieuwe muzikale directeur is de Nederlandse workaholic Antony Hermus, die het seizoen op 4 oktober opende met een alom geprezen Lohengrin.
Zulke creatieve persoonlijkheden zijn welkom. Niet alleen bij culturele instituties, maar in de hele stad. Dessau probeert namelijk haar status als ‘kreisfreie Stadt’ (een onafhankelijke stad, die zo’n 100.000 inwoners moet hebben) te behouden en wil daarvoor de populatieafname die sinds de hereniging van Duitsland aan de gang is in bedwang houden.
In zo’n moeizame situatie kun je het programma van het operahuis zien als een oproep tot een revolutie: Lohengrin, Candide, Un ballo in Maschera, One touch of Venus en La muette de Portici zijn de grootste premières die gepland staan in het Antony Hermus-tijdperk. Alle opera’s gaan in meer of mindere mate over rebellie.
Lohengrin was een groot succes, op een paar wrijvingen met halsstarrige aanhangers van het traditionalisme na.
De tweede première, Candide van Leonard Bernstein, is slechts ten dele een voortzetting van het gladde pad van de roem. We zagen de laatste versie van het stuk, gebaseerd op een tekst van Hugh Weeler, in een Duitse vertaling, met dialogen die herzien waren door de jonge regisseur Cordula Däuper.
Hoewel ik een supporter ben van de jonge mensen die in het theater in Dessau werken, moet ik jammer genoeg zeggen dat Däuper niet aan mijn verwachtingen kon voldoen. Niet dat de voorstelling het zien niet waard was, maar ik kon me gemakkelijk een veel verrassender, onderhoudender vertolking voorstellen. Dessau heeft meer nodig dan ‘gewone’ producties om uit haar depressieve situatie te klimmen.
Maar net als Candide geef ik mijn optimisme niet zo makkelijk op en probeer ik de goede punten eruit te halen. Allereerst de vurige en nauwgezette directie van Daniel Carlberg, onder wiens leiding het orkest momenten van zo’n meeslepende intensiteit bereikte, dat het me moeite kostte om mijn zelfbeheersing te bewaren en niet op te staan en rond te gaan dansen. Al direct bij de ouverture!
Van de hoofdrollen wil ik David Ameln noemen, een knappe en ervaren buffo-tenor, die een zachte en lyrische Candide neerzette. Hij verpersoonlijkte de onschuld.
De briljante Nederlands-Italiaanse Angelina Ruzzafante – een mooie coloratuursopraan met prachtig lyrisch potentieel – zong Cunegonde zonder zichtbare moeite met de hoge e’s in de showaria ‘Glitter and be gay’. Helaas werd die aria geregisseerd als een magere en niet-originele kopie van ‘Diamonds are a girl’s best friends’.
De spelbreker Maximilian was de veelbelovende Nederlandse bariton Wiard Witholt, die zijn kleine rol uitstekend zong, met een preciesie in zijn uitspraak en gemak in zijn zang waarmee hij alle anderen overtrof.
Voor mij blijft het onbegrijpelijk waarom de operazangers uitgerust werden met microfoons. De onnatuurlijke klank stond in onaangenaam contrast met de rijkheid van de muziek uit de orkestbak. Een microfoon was misschien nodig voor de grotendeels gesproken rollen van Voltaire en dr. Pangloss, maar moest de rest van de cast daar dan door verpest worden?
Zoals ik al zei, heeft Dessau het grootste roterende toneel in Duitsland. Dus verwijt het me niet als ik zeg dat ik verwachtte dat er iets zou gaan gebeuren tijdens het laatste lied met koor, ‘Make our Garden Grow’. De klank was geweldig, maar het ijzeren gordijn was neergelaten en alles werd overgelaten aan de verbeelding van de toeschouwer. Een nogal minimalistische, koude, geenszins entertainende enscenering voor het slot van een show.
Niettemin, ik ben vol vertrouwen dat er meer over Dessau en zijn opera’s te vertellen zal zijn op basis van de volgende premières.
Alessandro Anghinoni doet regelmatig verslag van interessante producties in Berlijn. Hij is Italiaans maar woont sinds 2000 in Berlijn. Hij is vertaler van beroep en schrijft regelmatig over opera. Voorheen voor bladen als Opernwelt, tegenwoordig op zijn blog Operello
10.12.2009, 09:24 | tags: Musiktheater, Anhaltische Philharmonie, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Helmut Rohm, Zerbster Volksstimme, 08.12.2009
Cordula Däuper bringt Bernsteins „Candide“ auf die Bühne des Anhaltischen Theaters Dessau
Wenn die „beste aller Welten“ auf die Wirklichkeit trifft
Trist und grau verwehrt der sogenannte Eiserne Vorhang den Blick auf die Bühne. Aus
dem Orchestergraben dagegen schallt temporeiche Musik, mit viel Blech, auch fließend schönen Passagen. Diese Ouvertüre von „Candide“, dem Musical von Leonhard Bernstein, ist sehr bekannt. Das Musical selbst dagegen ist recht selten auf der Bühne zu erleben. Jetzt hatte es in der Inszenierung von Cordula Däuper am Anhaltischen Theater Dessau Premiere.
Nach dem furiosen Auftakt durch die mitreißend aufspielende Anhaltische Philharmonie unter Leitung des 1. Kapellmeisters Daniel Carlberg tut sich eine weit in die Tiefe reichende Bühne
mit oft nur skizzenhaft angedeuteten Requisiten auf. Eine ganz in Weiß gekleidete große Menschengruppe (Chor unter der Leitung von Helmut Sonne) vermittelt ein „Schön-Gut-
Sauber“-Gefühl. Idylle „von früher“ steuert ein großes Mosaikbild bei (Bühne: Jochen
Schmitt, Kostüme: Mareile Krettek). Gerade eben um und über diese „beste aller möglichen
Welten“ geht es. Literarische Grundlage ist der Voltaire-Roman „Candide oder der Optimismus“, in dem sich der Autor mit der Leibniz- These von „der besten aller
möglichen Welten“ auseinandersetzt.
Die Geschichte: Auf einem westfälischen Schloss Thunderten- Tronck werden die halbwüchsigen Kinder des Barons, Maximilian und Cunegunde, sowie Candide, ein unehelich geborener Neffe der beiden, und das Dienstmädchen Paquette vom Lehrer Pangloss erzogen. Abgeschirmt von der Realität, in der „besten aller Welten“. Wegen eines innerfamiliären Vorfalls wird der „Bastard“ Candide aus dem Schloss gejagt – und muss die reale schonungslose Vielfalt schrecklicher Erfahrungen durchleben.
Cordula Däuper hat sich dem schwierigen Unterfangen erfolgreich gestellt, den Zuschauer auf die handlungs-, handlungsort- und personalreiche Irrfahrt des Candide durch ganz Europa, hin bis in die „Neue Welt“, mitzunehmen. Ihr Angebot: Eine Spielanordnung als Experiment, spannend und flott unterhaltend gestaltet. Zentrale Frage: Wie lange wird der
Candide‘sche Optimismus Bestand haben? Eine von der Regisseurin geschaffene „allwissende Figur“ (ungemein variabel Stephan Lohse) wandelt zwischen Personen und Zeiten, ist Voltaire, Lehrer Pangloss, Mulatte Cacambo, auch Martin.
Mitdenken und Nachdenken
Dem Zuschauer, von dem viel Konzentration, Mit- und am besten auch Nachdenken abverlangt wird, hilft er, dem Geschehen, oft auch nur in ganz kurz erwähnten Episoden, stringent folgen zu können. Ein wenig Toleranz beim Publikum natürlich vorausgesetzt. Die Erzählweise von Cordula Däuper reflektiert die menschliche Gefühlspalette trefflich: dubios verwirrend, persiflierend, derb direkt, verletzend zynisch, satirisch, auch hintergründig humorvoll, ebenso emotional nahegehend. Auffallend, ohne vordergründig hervorgehoben
zu werden, sind die vielen Parallelen im menschlichen Handlungsmuster von „früher und heute“. All diese Wahrheiten und Andeutungen, das aktionsreiche Spiel, die tolle Musik, verdankt das Publikum dem rundum engagierten Ensemble.
Herausragend sind die Protagonisten.
Faszinierend mit Stimme, Spiel und einem wahren „Koloraturen-Gewitter“ Angelina Ruzzafante als Cunegunde. David Ameln war der immer gescholtene, doch liebenswerte,
ewig suchende Candide. Renate Dasch überzeugte als souverän mondäne Old Lady.
Ob das abschließende Sich- Wiederfinden aller Figuren, das Haus bauen und warten, „bis unser Garten blüht“, die nun „beste aller Welten“ ist, bleibt offen. Diese Frage kann sich
wohl nur jeder Zuschauer selbst beantworten.
Die nächsten Aufführungen sind am 10. Dezember um 16 Uhr und 20. Dezember um 17.30 Uhr zu erleben.
09.12.2009, 12:51 | tags: Schauspiel, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 01.12.2009
Strippenzieher tritt ins Licht
Gerald Fiedler erregt mit seinem Solo „Der letzte Einruf!!!“ Kult-Verdacht.
Gegen Dynastien kann man nichts ausrichten - vor allem dann, wenn sie seit Generationen im Untergrund wirken und ihre öffentlichen Interessen von Strohmännern wahrnehmen lassen. Die Poltes zum Beispiel: Seit acht Generationen ziehen sie hinter den Kulissen des Dessauer Theaters buchstäblich die Fäden, ihr mehr oder minder segensreiches Wirken aber fällt auf andere zurück. Dabei ist es jenen Inspizienten, die seit 1794 auf den Vornamen Leo hören, natürlich keinesfalls egal, wer unter ihnen Intendant ist. Schon Gründervater Bossahn war ein Prinzipal von Poltes Gnaden. Und seither ...
Gerald Fiedlers neues Solo-Projekt „Der letzte Einruf!!!“ basiert auf einer verführerischen Idee. Denn tatsächlich ist das Inspizientenpult ja eine Schnittstelle, an dem über Wohl und Wehe eines Theaterabends entschieden wird. Eine falsche Lichtstimmung oder ein vorzeitig gezogener Vorhang, der nach einer vergessenen Ansage verpatzte Auftritt oder die falsche
Ton-Einspielung - es gibt zahllose Möglichkeiten, mit denen ein Inspizient das fragile Bühnenkunstwerk zerstören kann. Dass ihm dennoch nie der verdiente Applaus zuteil wird, ist Teil der Verabredung - und sorgt nun dafür, dass Leo Polte VIII. endlich in das Licht der Scheinwerfer tritt. Schließlich haben sich alle seine Vorfahren das Leben genommen - oft aus Protest!
Fiedler präsentiert einen Abend, der ihm auf den Leib geschneidert ist - mit dem gehörigen Pathos des Würdenträgers, der das goldgeprägte Samtalbum mit der Familiengeschichte
im geheimen Pultfach verwahrt und den ganzen Apparat mit zwei Hebeln zum Laufen bringt. Und mit dem Übermut des Komödianten, der sich seiner Wirkung wohl bewusst ist und deshalb auch schräge Gesangstöne souverän hält oder das Grinsen über eigene Pointen riskiert. Zu Höchstform läuft er auf, wenn er Kleists „Familie Schroffenstein“ als Programmvorschau auf dem Inhaltsan-Gabentisch zur Schlumpf-Moritat verwandelt oder wenn er dem eigenen Stand ein Ständchen bringt.
Dass die von Dirk Heidicke geschriebenen Texte aus dem Inspizientenleben freilich keinen vollen Abend tragen würden, weil das Format von vornherein auf Fortsetzung angelegt ist, war abzusehen. Ob es daher freilich der Rubrik „Neben den Kulissen“ bedarf, die denn doch sehr ins kabarettistisch Beliebige ausfranst, sei dahingestellt. Schließlich ist der abschließende Teil des Abends, zu dem als Überraschungsgast diesmal die Schauspielerin
Eva-Marianne Berger geladen war, durchaus noch ausbaufähig. Und dann muss Leo Polte
VIII. vielleicht auch nicht mehr so oft aus jener Rolle fallen, die nur er allein auszufüllen vermag. Als Kenner des Hauses und seines Repertoires nämlich dürfte dieser traditionsbewusste Inspizient zur Kultfigur werden. Sein Debüt jedenfalls drohte das Alte Theater zu sprengen - was wohl kaum im Sinne der Ahnen sein kann!
08.12.2009, 18:32 | tags: Musiktheater, Anhaltische Philharmonie, Lohengrin, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Alexander Hauer, http://www.deropernfreund.de/pageID_7953294.html,
http://www.musenblaetter.de/liste.php?bid=28, Dezember 2009
Anhaltisches Theater Dessau
Lohengrin
Der von vielen herbeigesehnte, von vielen befürchtete, Führungswechsel in Dessau blieb ohne große Folgen. Ja, es weht ein neuer Wind, aber die Qualität der Inszenierungen und die musikalische Leistung blieben auf dem gleichen, hohen Niveau. Dies ist mein Eindruck nach Andrea Moses’ klug durchdachten, und von Antony Hermus außergewöhnlich transparent geführten, Lohengrin am 22. November.
Zusammen mit Andrea Moses befreite er den Lohengrin von seiner romantischen Last, Wagner, ohne seine Schwere, bekam Swing.
Andrea Moses betrachtete den Text genau, mit chirurgischer Präzision sezierte sie die Textinhalte, setzte sich auf das genaueste mit dem musikalischen Subtext auseinander und schuf so zusammen mit ihrem Team einen höchst aktuellen, politischen Opernabend: Der heilige Gral als Heilsversprechen um einen Krieg im Osten zu führen ( ganz aktuell, seit einiger Zeit wird Deutschland auch am Hindukusch verteidigt, Danke, Herr Struck!). Nachdem die Brabanter Heinrich zunächst die Gefolgschaft für seinen Krieg gegen Ungarn verweigern, zaubert er eine weitere politische Marionette herbei.
Lohengrin erscheint aus der Unterbühne, Videoeinspielungen (Chris Kondek und Jens Crull) im Stil deutscher und amerikanischer Wahlspots, unterstreichen seinen Auftritt. Andrew Sritheran ist ein stimmlich sicherer, seine Kräfte klug einteilender, baritonal gefärbter Lohengrin. Er gestaltet seine Rolle als eiskalter Machtpolitiker, durchaus bereit seine Gegner zu töten, ist sich aber seiner Rolle als Marionette von Heinrich durchaus bewusst. Dieser Lohengrin weiß schon zu Beginn an, dass er Elsa verlassen muss und wird.
Bettine Kampp ist eine psychisch labile Elsa, durch jahrelange Gefangenschaft tablettenabhängig. Sie erkennt, wenn sie sich retten will, muss sie diesen Lohengrin heiraten, egal unter welchen Bedingungen. Spätestens aber, seit der Fragestellung im Brautgemach, beginnt aber ihre Emanzipation, und am Ende der Oper sieht sie als einzige das Unheil mit klaren Augen. Frau Kampps warmes Timbre und die klare Textverständlichkeit lassen diese Elsa auch musikalisch zu einem Hochgenuss werden.
Die Gegenspieler, Ortrud und Telramund (hinter jedem erfolgreichen Mann steht ein ehrgeizige Frau), Iordanka Derilova und Ulf Paulsen, sind, wie erwartet, einfach sensationell. Die schauspielerische Leistung der beiden steht der Gesanglichen in nichts nach. Ulf Paulsen eher lyrischer Bariton hat Möglichkeit zu schon fast brutalen Ausbrüchen, Derilovas glockenklarer Sopran, der Rolle angepasst, eiskalt und wunderbar verständlich (zum ersten Mal, nach vielen, vielen Lohengrinen habe ich verstanden, was Ortrud bei der Anrufung der alten Götter singt).
Pavel Shmulevich als Heinrich, steht in Moses’ Deutung im Mittelpunkt der Inszenierung. Seine Erscheinung ist fast zu sympathisch und seinem sonoren Bass fehlt das letzte Quäntchen an teuflischer Bösartigkeit.
Wiard Withold überzeugt als Heerrufer. Im Erscheinungsbild eines Priesters, ist er ein Einpeitscher, der es schafft, die Volksmassen auf Kriegskurs zu trimmen.
Der, durch den Coruso Chor und Extrachor verstärkte, Chor des Stadttheaters unter Helmut Sonne brilliert, wie man es sich nicht besser wünschen könnte.
Andrea Moses gelingt in der Ausstattung von Christian Wiehle ein zeitloses hochpolitisches Werk. Die Verführung des Volkes, die Abhängigkeit durch Lobbyisten und politische Willkür, waren und sind immer tagesaktuell.
Boshaft könnte man auch sagen: Nach der Wahl ist vor der Wahl.
In ihrem Schlussbild erscheint auf Heinrichs Befehl eine weitere Marionette, Gottfried, schnell zu recht geschustert mit Kindermaske. Während das Volk nun wie paralysiert gen Osten marschiert steht eine geistig nun völlig klare Elsa am Rand, die alle Avancen von Heinrich und dem Heerrufer ablehnt.
Der Abend endete unter einhelligen Jubel für Sänger und Orchester in einer klug durchleuchteten, romantikfreien Inszenierung.
Das Stadttheater lud im Anschluss an die Aufführung zu einer Diskussion ein. Rege Beteiligung des Publikums führte zu einer Auseinandersetzung mit dem Abend für beide Seiten. Regie, Dirigent und Sänger stellten sich den Fragen der Zuschauer. Kontroverse Auffassungen prallten aufeinander, blieben aber an diesem Abend von Seiten der Wagnerianer (noch) sachlich.
08.12.2009, 18:27 | tags: Musiktheater, Lohengrin, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Oliver Hohlbach, http://www.operapoint.com, 07.12.2009
Anhaltisches Theater Dessau
Lohengrin
von Richard Wagner (1813-1883); Romantische Oper in drei Aufzügen; Dichtung vom Komponisten; Uraufführung: 28. August 1850 in Weimar.
Regie: Andrea Moses, Bühne: Christian Wiehle, Video: Chris Kondek
Dirigent: Antony Hermus, Anhaltische Philharmonie, Opernchor, Kinderchor und Extrachor des Anhaltischen Theaters Dessau
Solisten: Pavel Shmulevich (König Heinrich), Andrew Sritheran (Lohengrin), Bettine Kampp (Elsa), Ulf Paulsen (Telramund), Iordanka Derilova (Ortrud), Wiard Witholt (Heerrufer).
Besuchte Aufführung: 22.November 2009 (Premiere)
Kurzinhalt
König Heinrich ruft die Brabanter zum Feldzug. Graf Telramund, von seiner Gattin Ortrud angestachelt, beschuldigt Elsa von Brabant des Mordes an ihrem Bruder Gottfried. Ein Gottesgericht in Form eines Zweikampfs soll über Elsas Schuld entscheiden. Da erscheint ein Fremder im Boot, gezogen von einem Schwan, und besiegt Telramund. Dieser Fremde will Elsa heiraten unter der Bedingung, daß sie nie nach seinem Namen und seiner Herkunft fragen würde. Elsa willigt ein. Am Hochzeitstag bezichtigen Ortrud und Telramund vor dem Münster den Fremden der Zauberei und des Betruges. Doch Elsa vertraut ihrem Bräutigam. Später, als sie allein sind, bricht Elsa ihr Versprechen und stellt die Fragen. Im gleichen Moment dringt Telramund in das Brautgemach ein, im Zweikampf stirbt er. Danach offenbart Lohengrin Namen und Herkunft. Ortrud triumphiert, aber durch sein Gebet bewirkt Lohengrin die Rückkehr Gottfrieds, des rechtmäßigen Thronfolgers.
Aufführung
Die Regisseurin Andrea Moses verlegt die Handlung in das Parlament einer heutigen Hauptstadt. Die Abgeordneten versammeln sich um König Heinrich zu begrüßen. Die Fraktionsführerin Elsa reagiert auf die Angriffe des Oppositionsführers Telramund, ihren Bruder Gottfried ermordet zu haben, kindlich naiv linkisch. Das taucht der Führer der Schwanen-Bewegung auf, der mit modernem Marketing die Massen hinter sich bringt: Dynamisches Auftreten, Schwanen-Logo und seine Info-Broschüre wird von adretten Damen verteilt: Ihn ernennt König Heinrich gerne zum Anführer. Die Hochzeit zwischen Elsa und Lohengrin versuchen Telramund und Ortrud zu verhindern, indem sie aufdecken, daß Lohengrin Bestechungsgelder angenommen hat. Aber Lohengrin beantwortet alle Fragen (auch zu seiner Identität) nicht. Im Brautgemach will sich Elsa endlich Klarheit über die Mediengestalt Lohengrin verschaffen. Nachdem er Telramund das Genick gebrochen hat, erzählt Lohengrin seine wahre Geschichte, verschwindet in der politischen Versenkung. Sein Nachfolger als Führer ist ein Statist mit Gottfried-Maske. Selbst Elsa will nicht wissen wer er ist, die politische Elite aber feiert den Neubeginn – so als wäre nichts gewesen.
Sänger und Orchester
Das Haus in Dessau hat 1.200 Plätze, aber der umbaute Raum ist mit anderen Staatsopern vergleichbar, somit muß man ähnliche Maßstäbe wie an eine Staatsoper anlegen: Die KS Iordanka Derilova ist der hochdramatische Sopran, der die Hexe Ortrud wortverständlich singt und ohne zu Fokussieren erreicht sie eine phänomenale Durchschlagskraft - besonders in den hohen Registern. Andrew Sritheran wird in den Olymp der Wagner-Tenöre aufsteigen: baritonal-samtig fundiert kann er in den Höhen mit scheinbarer Leichtigkeit glänzen. Außerdem ist jeder Lohengrin, der beide Teile der Gralserzählung voll aussingen kann, über jede Kritik erhaben. Pavel Shmulevich ist ein russischer Baß mit unendlicher Tiefe. Nach diesem Rollendebüt als König Heinrich wird er seinen Weg zu den großen Bässen sicherlich finden. Ulf Paulsen ist der Hausbariton, der die schwierige Rolle des Telramund ohne jede Anstrengung meistert und den schleimigen Demagogen nicht nur stimmlich überwältigend verkörpert. Bettine Kampp ist ein lyrischer Sopran mit kindlich leuchtender Stimme, sie benötigt nur etwas Zeit um sich frei zu singen. Antony Hermus ist der neue, fast blutjunge GMD des Hauses, der die Anhaltische Philharmonie ohne Probleme durch die Untiefen der Partitur steuert. Besonders, da das Tempo durchwegs flott ist und dies die technischen Ansprüche in die Höhe treibt. Trotzdem können die Streicher mit viel Schmelz viel Herzschmerz ausdrücken: Ein Meisterstück der frühen Romantik!
Fazit
Auf der ersten Produktion einer neuen Theaterführung liegt immer besonderes Augenmerk. Besonders da ein junges Team Johannes Felsenstein abgelöst hat, der mit seinen konservativen Produktionen durchaus eine Fangemeinde hatte. Und dennoch wurde diese moderne Produktion mit einhelligem stürmischen Applaus bejubelt. Zum einen weil das Stück mit vielen Details und viel Pfiff handwerklich ausgefeilt auf die Bühne gestellt wurde – und doch die Handlung, wie sie der Komponist wollte, erkennbar war. Zum anderen weil die politischen Fragen, die um die Auswahl der Politiker für ein Amt und die Verantwortung der Medien in der Politik kreisen, sehr im Interesse der Zuschauer liegen: Der Revoluzzer Richard Wagner hätte seine Freude gehabt.
08.12.2009, 16:24 | tags: Spielzeit, Puppentheater, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Thomas Altmann, Mitteldeutsche Zeitung, 7.12.2009
Weihnachten bei Müllers mit Bauch und Geweih
Puppentheater: «Hirsch Heinrich» feiert mit dem Charme der kleinen Leute Premiere
Martha Müller hängt Wäsche in die gute Stube, auf dass sie trockne. Paul Müller repariert das alte Grammophon. Die dreiarmige Stehlampe greift mit ihren schrägen Kegeln, den Kunststoff-Lampenschirmen, in den schrägen Charme der kleinbürgerlichen Heimstätte und in die frühen 1960er Jahre. Es ist laut Kalender der 23. Dezember, aber nur, weil Martha sich einfach weigert, ein Blatt abzureißen.
Das Stück "Hirsch Heinrich" hat an St. Nikolaus Premiere im Dessauer Puppentheater gefeiert. Die diesjährige Vorweihnachtsgeschichte wurde dem großen Fundus der DDR-Literatur entnommen. Autor Fred Rodrian war ab 1975 bis zu seinem Tod 1985 Cheflektor beim Kinderbuchverlag Berlin. Illustriert wurde seine 1960 erschienene Geschichte von Werner Klemke.
In Dessau ähnelt die Puppe Paul dem Paul des Kinderbuches, hebt Ausstatterin Claudia Sill den verwohnten Charme der Entstehungszeit der Geschichte zielsicher auf die Bühne. Regisseurin Stephanie Rinke zeichnet das Leid des aus China stammenden Tierpark-Hirsches Heinrich und das Schuldgefühl von Martha Müller voller vorweihnachtlicher Empfindsamkeit.
Heinrich, seines Schicksals wegen ohnehin traurig gesinnt, wird mit Anbruch des Winters immer einsamer. Als am Heiligen Abend nicht einmal Klein-Martha oder Klein-Paul in den Tierpark kommen, springt er aus dem Gehege. Da begegnen ihm Jäger und tierliebe Kinder. Bis nach China ist es weit und der Hunger groß. So geht Heinrich zurück in den Tierpark, wo er bereits erwartet wird.
In der Rahmenhandlung, in der guten Stube des Ehepaars Müller, ist der Hirsch wieder verschwunden und mit ihm die Lust Marthas, Weihnachten zu feiern. Schließlich geschah es an einem Heiligen Abend in ihrer Kindheit, dass Heinrich allein gelassen wurde.
Uta Krieg und Helmut Parthier sind für ihre vorweihnachtlichen Rollen glaubhaft gealtert und bezaubernd altersgerecht üppig geworden, so dass die Strickjacke an der tief liegenden Plauze schön beschränkt spannt. Aber auch mit Bauch verführt Herr Müller ganz schmucklos seine Frau, sich einzulassen auf die Erinnerung an Kindertage und schließlich auf das hohe Fest. Gefeiert wird der köstlich blank gescheuerte Charme der kleinen Leute.
Schlicht wie die Verhältnisse sind die spielerischen Mittel. Aus den Bettlaken auf der Wäscheleine werden Engelflügel, der Stubentisch wird zum Gehege, zum Winterwald, zum Dorf, der Nussknacker zum Tierpfleger. Natürlich beginnt es, am Ende zu schneien. Und als das Kalenderblatt fällt, öffnen sich die bescheidenen engen Wände. Das kinderlose Paar hat sich auf empfindsame Weise den Kinderblick zurück erobert. Ein Lichterbaum glänzt. Ein Hirschlein dreht sich auf dem Plattenteller. Müllers gehen geradewegs rührend in den Wald, Hand in Hand in den weich verweltlichten, nachchristlichen Gefühlskanon des kirchlichen Hochfestes.
Weitere Vorstellungen von "Hirsch Heinrich" gibt es bis Heiligabend fast täglich vormittags und nachmittags.
07.12.2009, 16:12 | tags: Schauspiel/Musiktheater, Musiktheater, Anhaltische Philharmonie, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Dr. Kevin Clarke, http://magazin.klassik.com/konzerte/reviews.cfm?task=review
07.12.2009, 12:32 | tags: Schauspiel/Musiktheater, Musiktheater, Anhaltische Philharmonie, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Franz R. Stuke, http://www.opernnetz.de/seiten/rezensionen/dess_cand.htm, 7.12.2009
Zeitlose Gültigkeit
Es ist das Stück zur verlogenen Gegenwart – Voltaires philosophische Satire über „die Beste aller Welten“! Mit Bernsteins anspielungsreicher Musik entwickelt sich „Aufklärung mit den Mitteln der Unterhaltung“ (Brecht).
Ganz in diesem verkappten Lehrstück-Verständnis inszeniert Cordula Däuber – trifft den ironischen Duktus Voltaires mit seinem apokryphen Humor punktgenau, setzt auf die „system-persiflierende“ Musik Bernsteins als handlungsstrukturierendes Element. Die Geschichte der Reise Candides durch die Unbilden der Welt mit Krieg, gewalttätigen Ideologien, gnadenlosem Reichtum und schnöselhafter Unmoral bis zu seinem „Garten“, den er pflegen will – sie gerät zur tour d’horizon durch die Globalisierungs-Katastrophen, kommentiert vom Voltaire-Pangloss, mit personen-bezogenem Bühnenhandeln, realisiert durch ideenreiche Konstellationen der agierenden Personen - solo, in Ensembles und als „Masse“. Und dies permanent sowohl der Botschaft Voltaires als auch der hinreißenden musikalischen Piècen Bernsteins szenisch-subtil gerecht werdend!
Das alles geschieht auf einer Bühne mit grauen Wänden, die sich zerlegen lassen, zu Stufen aufbauend, mit sparsamen Requisiten arbeitend – Jochen Schmitts Bühnen-Elemente schaffen die kommunikativen Räume der Ausweglosigkeit für die Personen, die immer wieder durch Versenkungen stimuliert werden. Mareile Kretteks phantasievolle Kostüme korrespondieren mit dem ironisierenden Duktus des überzeugenden Inszenierungskonzepts.
Daniel Carlberg stürzt sich mit der brillanten Anhaltischen Philharmonie fulminant in die „spritzige“ Ouvertüre, interpretiert die so faszinierend wechselnden Stil-Anleihen Bernsteins mit bewundernswerter Flexibilität, gibt den Solo-Instrumenten Raum für virtuose Passagen – und nutzt die Chance zu etwas Einmaligem: die „hinterlistige“ Umsetzung ironisch-klingender Musik!
Für die Solisten ein prima Angebot für inspirierendes Spiel und distanziert-interpretierenden Gesang, mit Chancen zum Demonstrieren stimmlicher Virtuosität. Stephan Lohse gibt dem Voltaire/Pangloss ambivalenten Charakter, agiert reaktionssicher, spricht enorm ausdrucksstark und singt mit beeindruckender Intensität. David Ameln gelingt ein naiv-leidender Candide, ein ästhimierender Archetyp gläubigen Vertrauens, stimmlich hellwach, variabel im Ausdruck. Renate Dasch ist die lustvoll-stimulierende Alte Dame, darstellerisch flexibel, mit chansonhafter stimmlicher Attitüde! Angelina Ruzzafante kostet die Rolle der Kunigunde ironisch-lustvoll aus, brilliert mit perlenden Koloraturen, fasziniert mit stimmlicher Variabilität. Das Dessauer Ensemble überzeugt mit attraktivem Spiel, gesanglich perfekt positioniert - so wie der Opernchor, geleitet von Helmut Sonne: individualisiert im kollektiven Spiel, famos im differenzierenden Gesang der von Bernstein geforderten Stil-Mixtur!
Der nicht nur intellektuelle Spaß an der aufklärerischen Geschichte fand zur Premiere kein volles Haus in Dessau mit seinem riesigen Auditorium - doch die Zustimmung wächst von Szene zu Szene, endet mit nachhaltiger Zustimmung.
Prognose: Der Dessauer Candide wird zur Attraktion der Besucher aus Berlin, Leipzig, Magdeburg!
06.12.2009, 19:09 | tags: Schauspiel/Musiktheater, Musiktheater, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 7.12.2009
Anhaltisches Theater
Witze am Scheiterhaufen
Cordula Däuper betont die Unzulänglichkeiten des Librettos von Bernsteins Musical «Candide»
Die beste aller möglichen Welten ist ein fauler Kompromiss: Wir müssen unseren Garten pflegen, erkennt Candide am Ende seiner Grand Tour durch Gottes Schöpfung. Damit scheint er die höchste Stufe im Dreisatz der menschlichen Bildung erreicht zu haben: Narren hasten, Kluge warten, Weise gehen in den Garten. Doch ob der reine Tor aus dem westfälischen Schloss Thunder-ten-Tronck tatsächlich weise geworden ist, darf bezweifelt werden. Schließlich entscheidet er sich ausgerechnet jetzt, seine Geliebte Kunigunde zu heiraten.
Was Leonard Bernstein bewogen hat, Voltaires Roman "Candide" um die Mitte des 20. Jahrhunderts zur Basis für ein Musical zu wählen, vermag auch die Inszenierung am Anhaltischen Theater Dessau nicht abschließend zu beantworten. Zwar lässt das musikalische Material keinen Zweifel am Wert des Werks, das Libretto aber bleibt auch hier eine Zumutung für die Darsteller wie für das Publikum.
Hastige Nachrichtensendung
Daran kann Cordula Däupers Lesart nichts ändern: Die Kurzatmigkeit der Geschichte verhindert jede Empathie für ihre Akteure, Candides Klagen rühren ebenso wenig wie die Opfer des Krieges und des Erdbebens, durch die der Philosoph seine Probanden hetzt. Das Ganze wirkt eher wie eine Nachrichtensendung, in der ferne Katastrophen zur hastig durchgewunkenen Mitteilung verkommen. Dieser Eindruck wird durch Regie und Ausstattung sogar noch verstärkt.
Denn anstatt die historische Entfernung als plausible Perspektive zu akzeptieren, aus der sich die unglaublichen Abenteuer betrachten ließen, sucht man in Dessau die Nähe einer unmittelbaren Gegenwart. Und die bekommt der Geschichte schon deshalb nicht, weil dabei grundsätzliche Verabredungen aufgegeben werden: Wo ließe sich heute noch das Eldorado finden, das Voltaire als utopischen Ort in einer Neuen Welt behaupten konnte? Und wie lässt sich ein Autodafé als Besänftigung göttlichen Zorns übersetzen? Nachdem die Regisseurin mit dem Bühnenbildner Jochen Schmitt und der Kostümdesignerin Mareile Krettek eine Optik etabliert hat, die mit seitlich aufragenden Hochhausfassaden sowie mit der Tennis-Mode der Tanglewood-Bohème eine westliche Warenwelt beschwört, muss sie die ganze Geschichte auf diese Ästhetik herunterbrechen - und verlegt etwa die Opferung von Candides Lehrer Pangloss in eine Stadion-Fankurve, die zudem mit der sozial tolerierten Selbstschädigung durch Tabakgenuss kurzgeschlossen wird. Raucherwitze am Scheiterhaufen - O sancta Simplicitas!
Auch sonst hat man gelegentlich den Eindruck, dass die Regie der Ironie der Vorlage misstraut und sie durch schale Scherze ins Unmissverständliche überzeichnen will. Dabei findet sich alles, was man für das Verständnis von "Candide" braucht, im Graben: Die in doppelbödiger Harmonie schwelgenden Streicher, die mutwillig stampfenden Blech- und die arrogant näselnden Holzbläser agieren unter Daniel Carlbergs raumgreifendem und forderndem Dirigat so wunderbar geschlossen, dass jeder Einsatz der Anhaltischen Philharmonie die Ansetzung des Stückes rechtfertigt. Und auch die Sängerbesetzung lässt kaum Wünsche offen: David Ameln hat den naiven Ton des Titelhelden verinnerlicht, Angelina Ruzzafante ist mit dem hoch dramatischen Gestus ihrer Kunigunde bestens vertraut, Renate Dasch zeigt als Old Lady so viel augenzwinkernde Selbstironie wie Wiard Witholt als Maximilian - und in den kleineren Rollen bewähren sich neben Kostadin Arguirov und David Schroeder die Solisten jenes Chores, den Helmut Sonne generell ausgezeichnet präpariert hat.
Narrensprüche und Werbeslogans
Doch dass man von keinem dieser Darsteller wesentlich mehr zu sagen weiß, ist symptomatisch für die mangelnde Tiefenschärfe: Lediglich Stephan Lohse, der als Voltaire und Pangloss, als Cacambo und Martin durch die Geschichte führt, entwickelt dank seiner tänzerischen Eleganz und seiner darstellerischen Kraft ein Identifikations-Angebot. Allerdings beneidet man ihn schon bald um die 3D-Brille, mit der er dem Geschehen offenbar eine Dimension abgewinnen kann, die man vom Parkett aus vergeblich sucht. Dass diverse Narrensprüche und Werbeslogans zudem gelegentlich wie eine unfreiwillige Parodie auf jenen "Lohengrin" wirken, den Andrea Moses jüngst so ungleich plausibler und konsequenter auf die selbe Bühne gebracht hat, ist ein fataler Nebeneffekt. Denn nun kann man in Dessau neben der subversiven Kraft auch die affirmative Belanglosigkeit von verschriftlichten Regie-Einfällen studieren. Im Finale aber, als alle Figuren vor dem Eisernen Vorhang zur Ruhe kommen, wird man plötzlich überwältigt - und ahnt, was man drei Stunden lang verpasst hat.
Nächste Vorstellungen: 10. Dezember, 16 Uhr; 20. Dezember, 17 Uhr
03.12.2009, 11:52 | tags: Spielzeit, Musiktheater, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Helmut Rohm, Zerbster Volksstimme, 03.12.2009
Musical „Candide“ von Leonard Bernstein hat in der Regie von Cordula Däuper Premiere am Anhaltischen Theater Dessau
Trugschlüsse um die „beste aller Welten
Der Roman ist mehr unbekannt, obwohl der Buchautor dagegen umso mehr bekannt ist. Auch das darauf beruhende Musical wird recht selten gespielt, trotz des berühmten Komponisten. Am Anhaltischen Theater Dessau hat am Freitag, dem 4. Dezember, um 19.30 Uhr das Musical
„Candide“ von Leonard Bernstein seine Premiere. Es basiert auf dem satirischen Roman „Candide oder der Optimismus“ des französischen Philosophen Voltaire.
Ein Musical in der bekannt klassischen Art sei es eigentlich nicht, mehr schon „ein Musiktheater“, erklärt Cordula Däuper (32), die als Gastregisseurin „Candide“ in Dessau in der von ihr geschaffenen Fassung inszeniert. Die absolute Zuordnung zu einem bestimmten Genre passe nicht so richtig, weil es eine große Bandbreite im Wechsel von Spiel- und Musikszenen gibt, mal Operette, mal komische Oper, auch mal Musical, aber kein Ballett, mal Schauspiel.
Selbst der Inhalt, so Cordula Däuper, erscheint auf den ersten Blick zumindest irreführend. Auf dem westfälischen Schloss Thunder-ten-Tronck wachsen Candide, seine heimliche Liebe Cunegunde, deren Bruder Maximilian und Paquette in der optimistischen Lebensphilosophie ihres Lehrers Pangloss von der „besten aller Welten“ auf.
Die Idylle wird zerstört, als Candide vom Grafen Thunderten- Tronck beim Liebesspiel mit Cunegunde ertappt und aus dem Schloss verbannt wird. Auf seiner Reise durch die Welt muss Candide am eigenen Leib erfahren, dass die „beste aller Welten“ nur in der Philosophie und ohne Bezug zur Realität existiert.
„Ich mache es immer für heute“
„Der Zuschauer wird auf der Bühne eine interessante und humorvolle, ebenso satirische, zynische und überzeichnete Auseinandersetzung mit unserem Planeten erleben können“, bringt die Regisseurin ihre Arbeit auf den Punkt, macht aber damit auch neugierig.
Cordula Däuper wählt für ihre Inszenierung eine „heutige Spielanordnung“ – und macht wiederum neugierig. Doch sie begründet auch. „Ich mache es immer für heute“, das sei spannend und nicht „museal“. Original gehe eigentlich ja auch nicht, weil man nicht genau wisse, wie die Leute
vor 200 Jahren gedacht haben. Und – gerade auf „Candide“ bezogen: „Die Welt ist seither (leider) nicht besser geworden. Für alles, was im Buch beschrieben ist, lässt sich heute mehr als ein Pendant
finden.“
Cordula Däuper, geboren in Wiesbaden, lebt in Stuttgart. Von klein auf ist sie mit dem Theater verbunden, hat im Theaterchor Wiesbaden mitgesungen und viele Aufführungen miterlebt. „Es hätte auch ein Geigenstudium werden können“, erinnert sie sich. Doch die Entscheidung fiel fürs Theater: Studium der Theater- und Kulturwissenschaften in Berlin, 2004 Regiediplom, von 2003 bis 2005 Stipendiatin an der „Akademie Musiktheater heute“.
„Am liebsten Musiktheater“
Musiktheater mache sie am liebsten, weil „sich Musik und Inhalt zusammenfügen“, aber auch, bei allem Respekt vor der Arbeit anderer Kollegen, sollen ihre Inszenierungen „interessanter und spannender sein“ als manche von ihr gesehene. Auf ihrem erfolgreichen künstlerischen „Habenkonto“
stehen unter anderem das Musikmärchen „Die Prinzessin auf der Erbse“ und „Der Vetter aus Dingsda“ (beide an der Komischen Oper Berlin), die Telemann-Oper „Flavius Bertaridus“ in Magdeburg, das
Open-Air-Spektakel „Eichbaumoper“ in der Essener U-Bahn und „Wiener Blut“ in Berlin.
„Die Welt ist nicht
besser geworden“
Sie mache sich schon Gedanken, wie man auch andere, jüngere Zuschauerschichten ansprechen könne, „wie sie sich angesprochen fühlen“, sagt die Regisseurin. Deshalb ist Cordula Däuper auch froh, in Dessau an einem Haus arbeiten zu können, an dem ein neues Ensemble startet, wo Aufbruchstimmung herrscht.
Und noch einmal zum Stück. Ihre „Candide“-Aufführung sieht sie als eine Art „Lehrstück“ oder „Emanzipationsgeschichte“, jedoch ganz ohne moralisieren zu wollen. Von „glauben“ zum „Sich-selbstein- Bild-machen“, hin zur Entwicklung einer „Selbstverantwortlichkeit für das eigene
Leben“.
Zu ihrem Team gehören Jochen Schmitt (Bühne) und Mareile Krettek (Kostüme). Die Titelrolle in der Premiere singt David Ameln, festes Ensemblemitglied am Anhaltischen Theater. Die musikalische Leitung hat Daniel Carlberg.
Die zweite Vorstellung ist am kommenden Sonntag, dem 6. Dezember, um 17 Uhr zu sehen.
01.12.2009, 11:12 | tags: Theaterpädagogik, Diverses | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung 1.12.2009
WORKSHOP zum Gastspiel „Dritte Generation“
Das Anhaltische Theater bietet in Zusammenarbeit mit der Schaubühne Berlin am 22. Dezember, von 10:30 bis 15 Uhr einen Workshop zum Gastspiel „Dritte Generation“ an. Auf der Grundlage von Interviews, die Teilnehmer vorab mit ihren Eltern und Großeltern führen, soll untersucht werden, in wie weit die eigene Familiengeschichte mit historischen Ereignissen verknüpft ist und unter welchen Gesichtspunkten diese dann interpretiert werden.
Außerdem wird in erbarmungslosen Selbstversuchen nach alltäglichen Rassismen im eigenen Denken und Sprachgebrauch geforscht. Der Workshop wird geleitet von Uta Plate, Theaterpädagogin der Schaubühne Berlin.
Die Teilnehmer sollten zwischen 15 und 25 Jahre alt sein und in Vorbereitung des Workshops ein Interview mit ihren Eltern bzw. Großeltern führen.
Am Abend besuchen die Teilnehmer gemeinsam das Gastspiel „Dritte Generation“ und das sich anschließende Zuschauergespräch im Alten Theater.
Interessenten melden sich bitte bis zum 04.12.2009 bei der Theaterpädagogin Imme Heiligendorff für diesen Workshop an. (Telefon 0340-2511216 oder theaterpaedagogik@anhaltisches-theater.de)
Die Teilnahme am Workshop ist kostenlos, die Karte für die Vorstellung kostet 7,- €.
01.12.2009, 10:46 | tags: Spielzeit, Schauspiel, Diverses | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 1.12.2009
Außergewöhnliche Theaterarbeit zu Gast am Anhaltischen Theater Dessau
Am 21. und 22. Dezember wird um 19:30 Uhr im Studio des Alten Theaters die Inszenierung „Dritte Generation“ der jungen israelischen Regisseurin Yael Ronen gezeigt, die im vergangen Jahr beim Festival „Theater der Welt“ in Halle bejubelt wurde.
In ihrer international gefeierten Inszenierung, vor immer ausverkauften Häusern, analysiert die Autorin und Regisseurin gemeinsam mit ihrem Team und einer Gruppe von jungen Schauspielern klug und provozierend alle Klischees, von denen das Verhältnis zwischen Juden, Palästinensern, Arabern und Deutschen durchsetzt ist. Alle Tabus werden so rasant zu Kleinholz verarbeitet, dass dem Zuschauer das Lachen im Halse stecken bleibt. Entstanden ist ein einzigartiger Theaterabend, der mutig Grenzen überschreitet, so intelligent wie unterhaltsam ist und wohl keinen Zuschauer unberührt lassen wird.
Dank der Kulturstiftung des Bundes, die dem Ensemble eine Tournee durch neun Städte ermöglichte, ist diese wichtige Inszenierung nun auch in Dessau zu sehen. Die Produktion wird in deutscher, arabischer, hebräischer und englischer Sprache mit deutschen Übertiteln gezeigt.
Im Anschluss an beide Vorstellungen wird es ein Zuschauergespräch mit dem Ensemble geben. Moderiert wird das Gespräch von den Redakteuren Andreas Montag und Andreas Hillger der Mitteldeutschen Zeitung, welche die Stückentwicklung unterstützte.
Eine Koproduktion der Schaubühne mit dem Habima National Theatre of Israel [Tel Aviv] und der RuhrTriennale 2009, im Auftrag von Theater der Welt 2008 in Halle, mit Unterstützung der Kulturstiftung des Bundes und des Goethe-Instituts.
Karten unter:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Freitag 9:30 – 20 Uhr
Theaterkasse - Nur Telefonisch 0340 2511 – 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
30.11.2009, 15:20 | tags: Spielzeit, Puppentheater | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 30.11.2009
Premiere „Hirsch Heinrich“
Eine kleine Vorweihnachtsgeschichte mit Puppen und Objekten über die Sehnsucht und die Weihnacht
Das Puppentheater des Anhaltischen Theaters Dessau bringt die Geschichte vom „Hirsch Heinrich“ am 6. Dezember, um 15 Uhr auf der Puppenbühne des Alten Theaters zur Premiere.
Die Produktion unter der Regie von Stephanie Rinke (Ausstattung: Claudia Sill) wurde nach dem Kinderbuch von Fred Rodrian entwickelt und ist für Menschen ab 4 Jahren gemacht.
Da sitzen sie, Herr und Frau Müller, in ihrem Wohnzimmer, ganz allein und traurig am Weihnachtsabend. Als jedoch der Herr Müller der Frau Müller ein Geschenk macht, einen kleinen selbst gebastelten Hirsch, wird plötzlich alles anders. Die Beiden denken zurück an eine wunderschöne Zeit, als sie selbst noch Kinder waren und ein kleiner Hirsch aus dem fernen China in ihren Zoo kam. Anfangs fühlte sich der Hirsch sehr einsam, aber wenn Kinder ihn besuchten, war er glücklich. Doch dann wurde es Winter, immer weniger Kinder kamen und das Heimweh von Hirsch Heinrich wurde immer größer. Als das Heimweh unerträglich wird, nimmt er einen gewaltigen Anlauf und springt über sein Gehege und ein Abenteuer beginnt, denn der Weg nach China ist weit.
Herr und Frau Müller (Helmut Parthier und Uta Krieg) spielen diese Geschichte aus ihrer Kindheit mit allem, was sie in ihrer Küche finden können. Eine kleine, doch ganz große Geschichte über Einsamkeit und Sehnsucht wird gespielt und die Stehlampe wird zum Käfig, der Salzstreuer zur Schulklasse, die Küche zum Wald, zur Stadt, zum Zoo. Allein die Phantasie macht es möglich!
Die Premiere und auch die nachfolgenden Vorstellungen sind bereits ausverkauft.
Restkarten gibt es noch an folgenden Tagen: 13., 16. und 20.12.09
Weitere Termine unter: www.anhaltisches-theater.de
Nähere Informationen unter: Telefon: [0340] 212-401
Karten unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Freitag 9:30 – 20 Uhr
Theaterkasse - Nur Telefonisch 0340 2511 – 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
27.11.2009, 14:55 | tags: Spielzeit, Theaterpädagogik | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 27.11.2009
„Theaterwerkstatt: Die Zauberflöte“
Workshop für Kinder ab 10 Jahren und erwachsene Begleitpersonen
„Die Zauberflöte“ ist wieder da! Anlässlich der Wiederaufnahme der Oper von Wolfgang Amadeus Mozart bietet das Anhaltische Theater Dessau am 19. Dezember, von 14 bis 16 Uhr, auf der Probebühne einen Workshop „Theaterwerkstatt: Die Zauberflöte“ an.
Mit Unterstützung der Theaterpädagogin Imme Heiligendorff heißt es: Probebühne frei!
In nur zwei Stunden erspielen sich die Teilnehmer ihre eigene Version der „Zauberflöte“, schlüpfen dabei in die unterschiedlichen Rollen und erproben Sprech- und Gehhaltungen, damit zum Abschluss des Nachmittags ein „Schnelldurchlauf“ der Oper gespielt werden kann– natürlich im Kostüm! Der Workshop richtet sich an Kinder ab 10 Jahren und erwachsene Begleitpersonen. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Kinder erwachsene Verwandte oder Freunde zu dem Workshop mitbringen, wichtigste Voraussetzung ist, die Lust zum Theater-Spielen! Anschließend können die Teilnehmer Johannes Felsensteins Inszenierung „Die Zauberflöte“ im Großen Haus erleben.
Anmeldungen bitte bei der Theaterpädagogin Imme Heiligendorff unter (0340) 2511 216. Die maximale Teilnehmerzahl liegt bei 25 Personen, Anmeldungen werden nach Eingang berücksichtigt. Eine Teilnahme ohne Voranmeldung ist leider nicht möglich. Die Kosten liegen bei 3,- € pro Teilnehmer, die bei Kauf einer Eintrittskarte für die Vorstellung „Die Zauberflöte“ verrechnet werden.
27.11.2009, 14:17 | tags: Spielzeit, Musiktheater, Anhaltische Philharmonie | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 27.11.2009
Wiederaufnahme von „Die Zauberflöte“
Die wohl beliebteste Oper der Musikgeschichte, „Die Zauberflöte“ von Wolfgang Amadeus Mozart, steht ab dem 19. Dezember wieder auf dem Spielplan des Anhaltischen Theaters.
Unter der Leitung von Daniel Carlberg werden in fast allen Hauptrollen neue Sänger zu hören sein, so dass der Opernbesuch auch jedem empfohlen werden kann, der die Inszenierung von Johannes Felsenstein bereits gesehen hat.
Der junge russische Bassist Pavel Shmulevich, sowohl als Heinrich in „Lohengrin“ als auch bei der „Serata di Gala“ gleichermaßen umjubelt, wird die Partie des Sarastro übernehmen, die er bereits in einer Neuinszenierung am traditionsreichen Marinskii Theater gesungen hat. Eine Paraderolle ist der Papageno für Wiard Witholt, der im „Lohengrin“ der Partie des Heerrufers nicht nur ungewöhnliche stimmliche Brillanz, sondern auch ungewöhnliches darstellerisches Profil verliehen hatte. Angus Wood erwies sich bereits Ende der letzten Spielzeit als Piquillo in der Premiere von „La Périchole“ als absoluter Publikumsliebling.
Er wird ab dem 19.12. den Prinzen Tamino verkörpern. David Ameln singt den Monostatos. Und als Königin der Nacht kommt mit Diana Tomsche vom Staatstheater Karlsruhe eine profilierte Koloratursopranistin als Gast nach Dessau. Die Pamina wird in bewährter Weise von Cornelia Marschall verkörpert, der Sprecher ist Kostadin Arguirov.
Weitere Termine: 17.01.10, 17 Uhr | 11.04.10, 17 Uhr | 23.05.10, 17 Uhr
Karten unter:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Freitag 9:30 – 20 Uhr
Theaterkasse - Nur Telefonisch 0340 2511 – 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
26.11.2009, 21:46 | tags: Spielzeit, Schauspiel, Funk, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 27.11.2009
Dessau
Verlockung des leeren Platzes im hellen Licht
Festival «Figurenräume - Raumfiguren» - Peter-Handke-Stück auf der Bauhausbühne
Nach dem Willen des Dichters sollte man seine Bilder nur sehen, beim Festival "Figurenräume - Raumfiguren" aber konnte man Peter Handkes "Die Stunde da wir nichts voneinander wussten" nun auch hören. Mit dem Schauspielensemble des Anhaltischen Theaters nahm Andrea Moses das Stück von 1992- eine einzige gigantische Regie-Anweisung - zum Anlass für einen überraschenden Gegenentwurf zur bisherigen Rezeptionsgeschichte. Und damit brachte sie einen Text zum Klingen, dessen Sinn eigentlich in seinem Verschweigen liegt.
Von Leere und Licht
Der "leere Platz im hellen Licht", den Handke zum Schauplatz seines Welttheaters gewählt hat, war dabei die Bühne des Bauhauses Dessau - ein Ort, an dem man den Horror Vacui in der jüngsten Vergangenheit besonders schmerzlich zu spüren bekam. Der konzeptuelle Mangel aber prädestinierte den Raum nun für das gigantische Versprechen, das mit Handkes Schöpfung verbunden ist: die Vermessung eines Kosmos im Schnelldurchlauf, die pointierte Andeutung aller Möglichkeiten im Theater-Universum. Der Trick der Inszenierung war es, dass sie die bildgebende Kraft des Wortes ernst nahm - und die Figuren damit immer wieder in Bedrängnis brachte, weil sie sich allzu voreilig auf die Behauptungen eingelassen hatten.
Komik der Verwandlung
So entsteht Komik: Wenn einem der zahllosen Passanten zunächst eine generelle Haltung aufgegeben wird, die er im nächsten Moment im Detail korrigieren soll. Wenn zwei der 18 Darsteller zum gleichen Gang aufbrechen und sich dann um dessen Vollendung streiten. Wenn eine stumme Figur dem Vorleser soufflieren muss, weil der sich ins Geschehen gemischt und dabei den Faden verloren hat. Oder wenn der Wechsel der Identitäten so schnell erfolgt, dass die einzelnen Konturen verschwimmen.
Es war zugleich der bislang aufwendigste Abend im Rahmen des "Funk"-Projekts, das eine Brücke zwischen Bauhaus und Theater schlägt - und der sinnstiftendste. Man kann diesen gewaltigen Entwurf also auch so umsetzen - als knappe Skizze, die sich ihren Raum im Moment der Entstehung erobert. Das wäre, nebenbei gesagt, auch ein Ansatz für die Internationale Bauausstellung 2010. Leere Plätze gibt es schließlich genug.
25.11.2009, 17:35 | tags: Funk, Neue Formate | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 25.11.2009
[funk]kalender öffnet das 1. Türchen mit einer Lesung der schönsten Vorweihnachtsgeschichten
Vierundzwanzig mal öffnet sich in der Adventszeit ein Türchen des [funk]kalenders. Anders als üblich startet die [funk]kalender- Zählung am 1. Adventssonntag und endet am 22. Dezember mit einem großen Adventssingen auf dem Theatervorplatz. Zu diesem Höhepunkt am 22. Dezember, um 15 Uhr lädt das Anhaltische Theater Dessau alle sangesfreudigen Dessauer zum gemeinsamen Musizieren und Glühweintrinken auf den Theatervorplatz ein.
Täglich gestalten verschiedene Akteure aus Theater, Bauhaus und Stadt „ihr“ Advents-Fenster. Es wird musiziert, erzählt, getanzt, gelesen, gebacken, geturnt.
Das erste Türchen öffnet [funk] am 29. November um 11 Uhr im Foyer des Alten Theaters. Mit 3 märchenhaften und vielleicht schönsten Vorweihnachtsgeschichten aus aller Welt, verzaubern erzählende und lesende Schauspieler ihr großes und kleines Publikum. Die ersten Geschichten lesen Antje Weber und Uwe Fischer.
Am 6. Dezember, um 11 Uhr werden Susanne Hessel und Stephan Korves weitere Geschichten im Foyer des Alten Theaters lesen.
Alle weiteren Türchen werden täglich um 15 Uhr am [funk]container auf dem Theatervorplatz geöffnet und halten jede Menge Überraschungen für das Publikum bereit.
Kommen Sie zahlreich und feiern Sie mit uns den Advent! Natürlich können auch SIE Teil des [funk]kalenders werden und Ihr eigenes Türchen gestalten. Melden SIE sich mit Ihren Ideen einfach beim [funk]team unter studio@interfunk.net. oder 0340-2519431.
Der Eintritt ist frei.
Das [funk]projekt wird im Fonds Heimspiel der Kulturstiftung des Bundes gefördert.
25.11.2009, 16:45 | tags: Schauspiel/Musiktheater, Musiktheater, Anhaltische Philharmonie | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 25.11.2009
Premiere Musiktheater
Candide - Musical von Leonard Bernstein
Mit „Candide“ schuf der Komponist und Dirigent Leonard Bernstein 1956, nur ein Jahr vor „West Side Story“ einen der ungewöhnlichsten Beiträge zum modernen Musiktheater. Das Anhaltische Theater Dessau lädt am 4. Dezember, um 19:30 Uhr ins Große Haus zur Premiere „Candide“.
Auf dem westfälischen Schloss Thunder-ten-Tronck wachsen Candide, seine heimliche Liebe Cunegunde, deren Bruder Maximilian und Paquette in der optimistischen Lebensphilosophie ihres Lehrers Pangloss von der „besten aller Welten“ auf. Die Idylle wird zerstört, als Candide vom Grafen Thunder-ten-Tronck beim Liebesspiel mit Cunegunde ertappt und aus dem Schloss verbannt wird. Auf seiner Reise durch die Welt muss Candide am eigenen Leib erfahren, dass die „beste aller Welten“ nur in der Philosophie und ohne Bezug zur Realität existiert. Mit Witz, beißendem Spott und Ironie werden der überhebliche Adel, die kirchliche Inquisition, Krieg, Sklaverei und die naive Utopie des einfachen Manns von einem sorglosen Leben angeprangert. Doch im Unterschied zu Voltaires Erzählung, die bei allem Humor ein bitterböses negatives Märchen ist, findet Bernsteins Werk einen versöhnlichen Abschluss, in einem Hymnus auf das bescheidene private Glück, den eigenen Garten zu bestellen.
Wenn „West Side Story“ auch die größere Bekanntheit erlangte, so ist „Candide“ doch das komplexere, genialere Werk, Bernsteins kühnste Schöpfung für die Musiktheaterbühne überhaupt, eine Mischung aus Musical, klassischer Operette und komischer Oper. Das Libretto ist eine geschickte Dramatisierung von Voltaires berühmtem Roman „Candide ou l’Optimisme“ [Candide oder der Optimismus]. Die musikalische Leitung liegt beim 1. Kapellmeister des Anhaltischen Theaters Daniel Carlberg, der einen bravourösen Einstand mit dem Ballett LULU feiern konnte. Als Regisseurin konnte Cordula Däuper gewonnen werden, die zuletzt mit großem Erfolg an der Komischen Oper in Berlin gearbeitet hat.
Inszenierung: Cordula Däuper I Musikalische Leitung: Daniel Carlberg I Bühne: Jochen Schmitt I Kostüme: Mareile Krettek I Chor: Helmut Sonne
Solisten: Angelina Ruzzafante (Cunegunde), Kristina Baran (Paquette), Renate Dasch (Alte Lady), David Ameln/ Angus Wood (Candide), Stephan Lohse (Voltaire/ Pangloss/ Martin), Wiard Witholt (Maximilian), Kostadin Arguirov (Captain), David Schroeder (Vardendendour/ Ragotski/ Governor)
Nächste Termine: 6.12.09, 17 Uhr I 10.12.09, 16 Uhr I 20.12.09, 17 Uhr | 09.01.10, 17 Uhr | 28.01.10, 19:30 Uhr
Am 28.1. im Anschluss an die Vorstellung „Nachgefragt“ mit Regisseurin Cordula Däuper und Ensemble-Mitgliedern
25.11.2009, 16:21 | tags: Schauspiel | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 25.11.2009
Premiere Schauspiel
„Der letzte Einruf!!!
Gerald Fiedler, seit 2005 festes Mitglied im Schauspielensemble des Anhaltischen Theaters wird in dieser Spielzeit mit einer eigenen Regiearbeit aufwarten. Das Anhaltische Theater Dessau lädt am 29. November, um 19:30 Uhr zur Premiere ins Foyer des Alten Theaters ein.
Seit 1794 wird das Dessauer Theater von Männern geleitet, deren Berufsbezeichnung mit I beginnt – und das sind nicht die jeweiligen Intendanten, sondern die Vertreter einer legendären Inspizientendynastie. Beginnend mit Leo Polte I., dem Gründungsvater des Theaters, der bis in das Jahr 1852 amtierte, wurden die Schalthebel der Macht, die sich, wie jeder Kenner weiß, am Inspizientenpult befinden, immer in die Hände des ältesten Sohnes übergeben.
Der aktuelle Amtsinhaber Leo Polte VIII. hält die Zeit für gekommen, die Familienchronik zu öffnen und damit endlich die „wahre“ Geschichte des Dessauer Theaters zu erzählen.
Er wird sich darüber hinaus aber auch die Zeit nehmen, aktuelle Produktionen einzuordnen, hinter, vor und neben die Kulissen zu blicken und zu erläutern „was die Welt im Innersten zusammenhält“.
Ein heiterer Abend mit Gerald Fiedler, einem Überraschungsgast und viel Musik. Am Klavier: Stefan Neubert
Nächste Termine: 26.12.09, 28.01.10 – jeweils um 19:30 Uhr im Foyer des Alten Theaters
Karten unter:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Freitag 9:30 – 20 Uhr
Theaterkasse - Nur Telefonisch 0340 2511 – 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
24.11.2009, 12:12 | tags: Ballett, Schauspiel, Neue Formate, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 23.11.2009
Bauhaus
Komik der Geometrie
Experimente in der Tradition der Klassischen Moderne werden präsentiert und erinner an Abschied von Oskar Schlemmer vor 80 Jahren
Es ist ein Wesenszug jeder Avantgarde, dass sie sich erst von der Nachhut einholen lassen muss, ehe sie ihre Wirkung voll entfalten kann. Denn wer seiner Zeit voraus sein will, muss zwangsläufig deren Möglichkeiten sprengen - was dazu führt, dass seine Ideen auf einen späteren Fortschritt in Bewusstsein und Technik angewiesen sind. Ein beredtes Beispiel für dieses Dilemma liefert die Geschichte der Bühne am Bauhaus Dessau, die vor 80 Jahren mit dem Abschied von Oskar Schlemmer endete und nun durch ein Festival unter dem Titel "Figurenräume - Raumfiguren" wieder belebt werden soll. Viele ästhetische Experimente aus den 20er Jahren sind bestenfalls durch Fotos und Filme dokumentiert, etliche Ansätze wurden lediglich als Konzept überliefert - ein weites Feld, auf dem man leicht in die Irre gehen kann.
Als positives Beispiel für die Rekonstruktion von Bauhaus-Ideen darf vor allem eine Inszenierung gelten, die inzwischen selbst den Status eines Klassikers beansprucht: Jörg U. Lensings Rückgriff auf "Das mechanische Ballett" von Kurt Schmidt und Georg Teltscher hat auch 21 Jahre nach dem ersten Gastspiel auf der Dessauer Bühne nichts von seiner Frische und seinem Humor eingebüßt. Noch immer ist es anrührend und komisch, wenn sich die geometrisch konturierten Figurinen der "Windmühle" und des "Maschinenwesens" begegnen und ihre Farbflächen abgleichen.
Dass man am Samstag im Anhaltischen Theater nur zwei der fünf Akte sehen durfte, wirkte wie ein Appetizer auf das kommende Wochenende. Dann nämlich ist die komplette Inszenierung noch einmal im Bauhaus zu sehen. Fehlen wird das Video von Sascha Hardt, mit dem Lensings Theater der Klänge 1988 seine Auseinandersetzung mit László Moholy-Nagy grundierte - eine Collage im Geiste von Walter Ruttmann, die 60 Jahre nach dessen "Sinfonie der Großstadt" sehr anachronistisch wirkt. Der überraschendste Teil des Triptychons aber, den der Düsseldorfer Professor für Ton- und Klanggestaltung für das Dessauer Festival zusammengestellt hatte, war eine Arbeitsprobe: Erstmals wurden Teile der "Suite intermediale" gezeigt, die direkt auf Oskar Schlemmers Klang- und Figurenkonzept zurückgreift und dabei die technischen Möglichkeiten der Gegenwart auf die Klassische Moderne anwendet. Wie spannend es sein kann, wenn man den Körper des Tänzers als ton- und bildgebendes Medium verwendet, wenn man die Schatten und die Bewegungsunschärfe auf einer Leinwand einfängt und die kinetischen in akustische Impulse umsetzt, wurde hier ausführlich demonstriert. Und wenn sich bis zur Uraufführung auch noch das Quintett der Tänzer als Hardware zu jenem Niveau aufschwingt, auf dem die Software sich bereits befindet, dürfte sich das Theater der Klänge für ein neuerliches Gastspiel empfehlen.
Als Work in Progress musste man wohl auch jene Inszenierung verstehen, mit der die Stiftung Bauhaus und das Anhaltische Theater das Festival am Freitag eröffnet hatten. Die Funkoper "Supremalevich" rekurriert auf den Besuch des Suprematismus-Erfinders Kasimir Malevich, der 1927 in Dessau Station machte. Dass der Meister des schwarzen Quadrats auf weißem Grund von Gropius und Co. allerdings weit weniger euphorisch empfangen wurde, als es die euphorische Parole "Wir loben seine Ankunft" suggerierte, hing als Menetekel über dem Abend.
Denn obwohl sich das Ballett des Anhaltischen Theaters, die Schauspieler Christel Ortmann und Hans-Jürgen Müller-Hohensee sowie die Sängerin Mika Kaiyama sichtlich mühten, dem kosmischen Pathos der Abstraktion und dem sinnstiftenden Spiel mit der reinen Form Gestalt zu geben, wurde zumindest die Premiere dieser Performance von mangelndem Rhythmus-Gefühl gestört. Ausgerechnet dem Regisseur Martin Neuhaus, der dem Abend Form und Halt geben sollte, mangelte es an Geduld und an Gespür für die nötige Dauer.
So konnten sich die choreografischen Ansätze nicht entfalten, erst gegen Ende lud sich das Geschehen mit Spannung auf - und im Ergebnis musste man das Experiment eher als "Suboptimalevich" verbuchen. Aber dass Scheitern zur Avantgarde dazugehört, weiß man ja nirgends besser als im Bauhaus.
Nächste Veranstaltungen: Lesung aus "Palucca. Die Biografie" (Montag, 19 Uhr, Bauhaus); Vortrag über Gerhard Bohner (Dienstag, 19 Uhr, Muche-Schlemmer-Haus); "Im goldenen Schnitt" (Mittwoch, 19 Uhr, Marienkirche), "Die Stunde da wir nichts voneinander wuss