05.02.2012, 23:36 | tags:
Schauspiel
1208
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 06.02.2012
In einem flügellahmen Land
Als endlich alles zu Bruch gegangen ist, kniet Christian zwischen den Scherben und versucht sich in Schadensbegrenzung: "Das ist doch nicht so schlimm", versichert er immer wieder, "das kann man doch wieder kleben." Aber was da einst so fest gefügt und unzerstörbar wirkte, passt nun nicht mehr zusammen. Das zerschlagene Porzellan bleibt ein Fall für die Archäologen der Zukunft ...
Mit seiner Inszenierung von Uwe Tellkamps "Der Turm" gräbt Lukas Langhoff am Anhaltischen Theater Dessau nun nach diesen Relikten einer untergegangenen Kultur. Die von Jens Groß und Armin Petras erarbeitete Fassung des gewaltigen Romans dient ihm dabei als Rohmaterial für eine eigene Lesart, die weniger an der Handlung als vielmehr an der Atmosphäre der Geschichte interessiert ist - und die wie jede ernstzunehmende Geschichtsschreibung auch nach den Folgen der Vergangenheit für die eigene Gegenwart fragt. So öffnen sich in der geschlossenen Dresdner Gesellschaft der 80er Jahre immer wieder Fenster auf das neue Jahrtausend - etwa wenn aus aufgesetzter Völkerfreundschaft plötzlich offener Fremdenhass wird oder wenn ein NVA-Offizier seinen Befehlssermon im Stil von Chaplins "Großem Diktator" bellt.
Im Kern aber geht es der Inszenierung um das Verhältnis von privater und politischer Existenz in einer Diktatur, die sehenden Auges auf ihr Ende zusteuert. Die zentralen Konflikte in der Familie des erfolgreichen Arztes Richard Hoffmann werden flankiert durch die Innenansichten eines korrupten Kulturbetriebs und eines maroden Militärapparats. Und Langhoff gelingt dabei das Kunststück, die Fragmente tatsächlich für das Ganze sprechen zu lassen. Hoffmanns Geburtstagsfeier beispielsweise ist ein Panoptikum der DDR-Elite zwischen sich selbst einschläfernden Festrednern und traurigen politischen Witzen, zwischen simulierter Opposition und realen opportunistischen Kniefällen.
Konzertflügel und Kampfflieger
Ausstatter Justus Saretz stellt für diesen ersten, umfangreichen Teil des Abends nicht mehr als einen Konzertflügel und eine Handvoll Schaukelstühle als Inbegriffe der Bürgerlichkeit zur Verfügung - um die folgenden, kürzeren Szenen dann vor einem ausgewachsenen Kampfflugzeug spielen zu lassen. Diese Umkehrung der Verhältnisse, in der sich das flügellahme Land doppelt spiegelt, entspricht dem Prinzip der Regie: Indem sie ihr Vergrößerungsglas auf das kleine Leben richtet und die großen Ereignisse aus der Distanz betrachtet, macht sie beides erkennbarer.
Und dabei gelingen ihr wunderbar sprechende Bilder, wenn etwa der Einzelne immer wieder geräuschvoll durch die Masse aufgesogen wird - oder wenn Richard in der Mitte seines Lebens und seiner Lügen auf einem Klavierhocker sitzt, auf dem ihn seine Ehefrau und seine Geliebte hautnah bedrängen, ohne einander wahrzunehmen. Auch die längst allgegenwärtigen Etüden bekommen in diesem Kontext tieferen Sinn: Wenn die Schauspieler aus ihren Rollen heraustreten, dann erinnert das nicht nur an den berühmten Appell des Schauspiels Dresden vom Herbst 1989 - es zeigt auch die Ambivalenz zwischen der verordneten Funktion in einem System und der Rebellion gegen diese Regeln.
Es ist großartig, wie sich das Dessauer Schauspielensemble dieser Aufgabe stellt: Gerald Fiedler als jovialer Karrierist Richard und Jan Kersjes als sein ziellos verunsicherter Sohn Christian markieren zwar das - auch musikalische - Zentrum des Abends, werden bei ihrem Duell der Generationen aber von allen Seiten sekundiert. Da ist Anne Lebinsky als übervorsichtige Ehefrau, die am Ende ihren goldenen Käfig zerstört. Da ist Katja Sieder als die heimliche Geliebte, die verzweifelt ihr Recht auf Glück einfordert. Da sind Susanne Hessel als literarische Rebellin und Stefan Corves als frustrierter Funktionär, Patrick Rupar und Sebastian Müller-Stahl als gefährlich gemütliche Stasi-Schergen. Und da ist Simon Brusis als kurios sächselnder Intellektueller, der sein Amt als Lektor permanent mit dem des Zensors verwechselt und dafür noch auf den Applaus der Anderen hofft.
Hoheitszeichen am Heckflügel
Ein Star des Abends aber ist jenes Monstrum, das vor bleiernem Horizont auftaucht und später vor bedrohlicher Geräuschkulisse um sich selber kreist. Die MiG 19 ist - wie so vieles an diesem klugen, knappen Abend - ein beredtes Bild für jenes Land, dessen Hoheitszeichen sie am Heckflügel trägt. Sie war gebaut, um zu fliegen - und kann nun nicht mal mehr aus eigener Kraft fahren. Aber als Museumsstück weckt sie bei ihren einstigen Piloten noch ostalgische Gefühle, während geschäftstüchtige Vietnamesen (Tran Din Chien / Anh Viet Trinh) sie schon als Werbeträger für Coca Cola nutzen.
Nächste Vorstellungen: 18. Februar, 17 Uhr, 16. März, 19.30 Uhr
02.02.2012, 12:23 | tags:
Schauspiel
1205
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 02.02.2012
Neues aus dem Turmviertel
Da braucht ein Bühnenbildner ja nicht mehr viel zu machen, wenn auf der Drehscheibe lediglich eine MIG 19 steht und es drumherum nicht mehr viel gibt. Justus Saretz lacht. Er hatte durchaus genug zu tun mit der Ausstattung für die große Schauspielproduktion "Der Turm", die an diesem Sonnabend um 19 Uhr im Anhaltischen Theater Premiere hat. Solch eine MIG steht schließlich nicht einfach nur da. "Sie muss bespielbar und gut ausgeleuchtet sein", sagt der junge Bühnenbildner, der mutmaßlich nie in den Genuss kam, solch ein Kampfflugzeug am Himmel zu sehen.
Saretz ist Jahrgang 1988, wurde in Wittenberg geboren und wuchs in Torgau auf. Als er groß wurde, war die DDR längst Geschichte und für einen Jugendlichen kaum ein Thema. Das hat sich in den letzten Wochen nun grundlegend geändert, denn "Der Turm" nach dem Roman von Uwe Tellkamp und in der Theaterfassung von Armin Petras erzählt mit Tragik und Humor das Auseinanderfallen einer Familie in den letzten Jahren der DDR. Im Dresdener "Turmviertel" redet man viel und bewirkt wenig, man schottet sich ab und reagiert mit "Kulturversunkenheit" auf die Irrwege der Diktatur des Proletariats. Ein faszinierendes Figurenkaleidoskop erzählt in diesem Stück auf lustvolle Weise den Niedergang einer Zeit, die noch immer nicht zu Ende scheint.
Dass Armin Petras den Klotz von einem Buch mit rund 100 Personen auf eine bühnentaugliche Fassung eindampfte, machte nicht nur Regisseur Lukas Langhoff sondern auch dessen Bühnenbildner Saretz froh. So musste er sich neben der MIG, die vom Luftfahrtmuseum Finowfurt entliehen ist, nur noch um gut 20 Kostüme kümmern. "Wir haben uns jedoch ein wenig von der DDR-Mode entfernt", erklärt Saretz. Auch wenn man eine Uniform auf der Bühne sehe, würden die Details nicht stimmen. "Da kann ich mich ja nur aufs Glatteis begeben", so der 22-Jährige, der indes bei der Recherche fürs Stück manches Interessante und Überraschende für sich entdeckte. "Ich war erstaunt, was manche trotz der Rohstoffknappheit für extravagante Moden entwarfen", sagt er. "Da wurde mit Windeln und Folie gearbeitet." Saretz ist es bei seiner Arbeit wichtiger, dass sich die Darsteller in ihren Kostümen wohlfühlen, als dass die Details stimmen.
Für den Berliner ist es in dieser Spielzeit bereits die zweite Arbeit am Anhaltischen Theater. Er übernahm zuvor bereits die Bühnenbildassistenz und die Kostüme der Inszenierung "Pension Schöller" in der Regie von Werner Eng. "Wir kannten uns von der Volksbühne", erzählt Saretz, der noch ein Jahr Studium an der Kunsthochschule Berlin Weißensee vor sich hat und dank großzügiger Studienbedingungen parallel als freiberuflicher Bühnenbildner arbeitet. Er absolvierte mehrere Bühnenbildassistenzen an der Volksbühne sowie am Maxim Gorki Theater Berlin und begleitet darüber hinaus das Ballhaus Naunynstraße seit seiner Wiedereröffnung 2008. "Aber nach dieser Premiere geht es mit dem Studium weiter", versichert er.
31.01.2012, 07:41 | tags:
Schauspiel
1199
Thomas Altmann, mitteldeutsche Zeitung, 31.01.2012
Rosa Sarg für kurze Ohren
Der kahle Kopf und die mittig platzierten Beißer erscheinen originalgetreu. Die Verlängerung der sichtbaren Extremitäten gerät recht extrem. An den Ohren wiederum hätte man noch ein klein wenig arbeiten können. Aber: Das ist der vorerst untote Graf Orlok, einst von Max Schreck gespielt, nun unsterblich von Thorsten Köhler erweckt; bis die Sonne aufgeht.
Am Sonnabend war wieder Wunschfilm-Zeit im Alten Theater. Diesmal standen drei Stummfilm-Klassiker, die genre- oder stilbildend wirkten, zur Wahl: "Das Cabinet des Dr. Caligari" von Robert Wiene oder Fritz Langs "Dr. Mabuse, der Spieler". The winner was: "Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens", 1922 von Friedrich Wilhelm Murnau in fünf Akten gedreht, ein Urahn der Vampir- und Horrorfilme. Nicht autorisiert, folgte der Streifen stumm dem Roman "Dracula" von Bram Stokers, sollte nach einem Urheberrechtstreit vernichtet werden und überlebte. Werner Herzog drehte eine Hommage mit Klaus Kinski in der Hauptrolle. Nun führt David Ortmann moderierend Regie über den aus dem Handgelenk gespielten Film.
Der lebende Fliegen verspeisende Makler Knock bekommt vom Grafen Orlok, ansässig in den Karpaten, den Auftrag, ein Haus in der Hafenstadt Wisborg zu kaufen. Knock schickt seinen Mitarbeiter Hutter zur Unterhandlung. Orlok segelt mit Särgen voller heimischer Erde ins neue Domizil. Mysteriös verstirbt die Besatzung auf der Reise.
Das Geisterschiff bringt Ratten und Pest. Retten kann nur eine Frau, die ihr Blut freiwillig dem Vampir überlässt. Den Part übernimmt Hutters frisch vermählte Frau Ellen und Orlok verpasst trunken den Hahnschrei…
Willkommen also in der Unheimlichkeit inmitten des gerade aufgespürten Unbewussten. Ellen scheint auch wirklich ein wenig zu wollen und dann das Blut und die Libidodefekte der saugenden Männer usw. Murnau flocht immer wieder Naturstudien in den Film, verband die Wirklichkeit stufenlos mit dem Übernatürlichen, nutzte etwa Bildmotive von Caspar David Friedrich.
Im Alten Theater gibt es keine Naturstudien, dafür das Bühnenbild der nächsten Premiere. Schließlich kostet der Eintritt nur 299 Cent. Helfen sollen nun Werbepausen, leicht grotesk. Wie gewohnt, darf das Publikum intervenieren. Doch Programm- und Genrewechsel per Fernbedienung werden diesmal vom Moderator definiert, à la gib mal den Kinski. Köhler gibt´s ihm. Und Kochshows sind bekanntlich sehr gesättigt. Hans Jürgen Müller-Hohensee spielt die Schrifttafeln, er spricht sie ohne Füßchen. Jan Kersjes frisst Fliegen, spielt Knock und andere, muss zudem die eigene Leiche finden, macht aber vor allem Musik, radikal filmisch und augenzwinkernd am Klavier. Bravo! Jungfamilie Hutter (Sebastian Müller-Stahl und Katja Sieder) biedermeiert genüsslich. Sie will schon ein wenig Biss. Und bei diesem Orlok denkt man an alles, an Travestie und Transsilvanien, an Blut mit Himbeersauce, an die Gier nach befleckter Lust und an lustiges Blut. Gut, es gibt einige Längen im Film, aber vor allem viel Schattenriss und Komödiantenlust. Vielleicht ist der Wehrwolf wirklich ein Plüschtier und der rosa Schuhkarton die Alternative zum Sarg. Der Kopf passt hinein. Deshalb also wurde auf die originale Ohrgröße verzichtet, vermutlich.
25.01.2012, 16:43 | tags:
Schauspiel
1191
Pressemitteilung vom 25.01.2012
Dessauer honorierten großzügig die Leistungen der Schauspieler!
Am Freitag, 20. Januar zeigte das Anhaltisches Theater zum letzten Mal die mitreißende Komödie „Tolles Geld“ vor sehr gut gefülltem Haus bei freiem Eintritt. Zur letzten Vorstellung hatte sich das Theater zu einer einmaligen und außergewöhnlichen Aktion entschlossen und schaffte für diese Vorstellung das Geld einfach ab. Nach der Vorstellung durfte jeder geben, was ihm die Vorstellung wert war. Die Schauspieler standen mit „Klingelbeuteln“ im Foyer und die Dessauer gaben großzügig! 623 Zuschauer spendeten 3.153 Euro. 34 Besucher wollten ihren Theaterabend nicht geschenkt bekommen und hatten darauf bestanden, ihr Ticket regulär zu bezahlen. Insgesamt sind 3.737 Euro zusammen gekommen. Das sind im Durchschnitt 5.69 Euro je Zuschauer. Außerdem wurden mit dieser Aktion Zuschauer erreicht, die noch nie im Theater waren. Auch in Zukunft plant das Theater ungewöhnliche Aktionen, um Zuschauer für das Theater zu begeistern und die Strahlkraft in die Region auszuweiten.
25.01.2012, 12:00 | tags:
Schauspiel
1190
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 24.01.2012
Die schönen Alliterationen
Wagners „Götterdämmerung“ gelesen.
Dass Richard Wagners Operntexte ohne die dazu gehörige, grandiose Musik gelinde gesagt speziell klingen, ist keine neue Erkenntnis. Namentlich der „Ring des Nibelungen“ hat mit seiner künstlichen Archaik und den grotesken Alliterationen schon häufig Anlass zu ironischen Adaptionen geboten. Dass man über die scheinbaren Schwächen dieses Werkes um so begründeter lachen kann, wenn man seine tatsächlichen Stärken ernst nimmt, zeigte nun eine Lesung der „Götterdämmerung“ im Alten Theater. Denn der Dessauer Generalintendant André Bücker näherte sich gemeinsam mit Schauspieler Gerald Fiedler hier ja einem Stoff, den er in wenigen Monaten mit größtmöglichem Aufwand und den vereinten Kräften seines Hauses auf die Bühne bringen will.
Vor diesem Hintergrund kam dieser skelettierten Fassung der Tragödie um Siegfried und Brünhilde, Gunther und Hagen eine besondere Bedeutung zu.
Bücker und Fiedler teilen die umfangreiche Personnage, zu der sich im letzten Teil des „Rings“ ja auch noch ein Chor gesellt, brüderlich durch zwei - und provozieren bereits durch diese simple Verabredung Gelächter im ausverkauften Haus. Denn wenn man mit heiligem Ernst einen Dialog mit sich selbst führen muss oder binnen kürzester Zeit die Rollen zu wechseln hat, dann ist das natürlich komisch - ganz gleich, wie tragisch sich die vorgetragenen Texte geben. Dass sich die beiden Sprecher zudem nicht auf die reine Lesung verlassen, sondern beiläufig Auf- und Abgänge sowie markante Gesten oder charakteristische Stimmfarben in die Handlung integrieren, steigert die Heiterkeit.
Den größten Effekt aber machen jene Regie-Anweisungen, die Richard Wagner in seiner ganzen Ambivalenz als versierten Theaterpraktiker und visionären Gesamtkunstwerket zeigen. Denn das, was hier so wortreich beschrieben wird, ist für das Verständnis des Geschehens zwar einerseits unverzichtbar, im buchstäblichen Sinn aber zugleich unumsetzbar. Am Ende kehrt der „Ring“ dorthin zurück, woher er im „Rheingold“ genommen wurde - doch das ist ein anderer Teil der Geschichte, der in Dessau erst 2015 erzählt werden soll.
24.01.2012, 18:51 | tags:
Schauspiel
1189
Pressemitteilung vom 24.01.2012
„Nathan der Weise“ vor dem Hintergrund der jüngsten Ereignisse
Am Donnerstag, 26. Januar um 18.30 Uhr zeigt das Anhaltische Theater die Schauspielinszenierung „Nathan der Weise“. Die erschreckenden Ereignisse der letzten Tage in Dessau erschüttern und schockieren auch die Mitarbeiter des Theaters und zeigen, dass die Thematik des Stückes in dieser Stadt aktueller denn je ist.
Lessings Ruf nach Menschlichkeit, Würde und Respekt scheint auch nach 230 Jahren in der Heimatstadt von Moses Mendelssohn eine ferne Utopie zu sein. Das Anhaltische Theater will diese Utopie von Versöhnung und friedvollem Miteinander der Kulturen wieder in den Fokus der Öffentlichkeit rücken und ein Podium zur Diskussion bieten. Gleich im Anschluss an die Vorstellung lädt das Team das Publikum zum Gespräch in das Theaterrestaurant ein.
Die Inszenierung erzählt eine verwickelte Geschichte um Liebe, Glaube und Verrat in Jerusalem, einem Ort, an dem Juden, Moslems und Christen seit Jahrhunderten miteinander leben und der Kampf um die Macht zum täglichen Geschäft gehört.
Nach Jahren kehrt Nathan von einer Geschäftsreise in sein Zuhause, nach Jerusalem zurück. Kaum angekommen erfährt Nathan, dass ein christlicher Tempelherr seine 18-jährige Pflegetochter Recha vor dem Flammentod rettete und sich in sie verliebte. Von den Christen gehasst und gejagt, von den Moslems in die Rolle des willigen Geldgebers gezwungen, wird Nathans Glaube an die Wunderkraft eines Ringes, der die Gemeinsamkeiten aller Weltreligionen beschwört, für einen kurzen Moment zur Wirklichkeit.
Tickets und Informationen unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
23.01.2012, 15:27 | tags:
Schauspiel
1187
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 23.01.2012
Lukas Langhoff
Die Schnittmenge der Kreise
Es gibt einen Satz im "Faust", den Lukas Langhoff über die Erinnerungen an seine Jugend schreiben könnte: "Weh Dir, dass Du ein Enkel bist", lässt Goethe seinen Mephisto dort sagen. Und so muss sich der Junge Lukas auch gefühlt haben, als ein Lehrer die vergessenen Hausaufgaben einst mit dem Satz kommentierte: "Dafür hat Dein Großvater nicht im Konzentrationslager gesessen." Der Großvater war Wolfgang Langhoff, Kommunist, Autor des Liedes "Die Moorsoldaten", ostdeutsche Theaterlegende und bis zum politisch motivierten Rücktritt 1963 Intendant des Deutschen Theaters Berlin. Lukas Langhoffs Vater Thomas leitete das gleiche Haus nach der Wende für zehn Jahre, sein Onkel Matthias ist ebenfalls ein gefeierter Regisseur, seine Cousine Anna Autorin, sein Bruder Tobias Schauspieler. Eine Dynastie, der man kaum entkommt ...
Dass Lukas Langhoff nun in der Kantine des Anhaltischen Theaters sitzt und über seine Inszenierung von Uwe Tellkamps "Der Turm" spricht, ist dennoch alles Andere als selbstverständlich. Lange hat er sich gegen die Erbfolge gewehrt, hat als Tischler gearbeitet und in Rockbands gespielt - und als der Drang zum Theater dann doch übermächtig wurde, ist er immer auf Distanz zu den Wirkungskreisen der Familie geblieben. Bei Frank Castorf, Christoph Schlingensief und Johann Kresnik hat er assistiert, für drei Jahre den "Prater" der Berliner Volksbühne geleitet und dann seine künstlerische Heimat für lange Zeit vor allem bei Tobias Wellemeyer gefunden - zunächst in Magdeburg, dann in Potsdam. Zuletzt arbeitete Lukas Langhoff in Bonn und Bremen, nun also stellt er sich dem "Turm" - und damit auch eigener Geschichte.
Denn natürlich hat das Panoramagemälde aus dem bildungsbürgerlichen Dresdner Milieu der späten DDR auch mit Lukas Langhoffs Biografie zu tun - so wie mit der von Armin Petras, der einst in die Parallelklasse von Langhoff ging und nun den Roman für die Bühne bearbeitet hat. Uraufgeführt wurde diese Fassung in Dresden übrigens von Wolfgang Engel, der ein künstlerischer Ziehvater von Tobias Wellemeyer war. Der wiederum hat Lukas Langhoff gefördert und den "Turm" inzwischen selbst in Potsdam inszeniert ... Weh Dir, dass Du ein Enkel bist? Davon hat sich Langhoff längst befreit. Einmal, vor Jahren, sei er mit seiner Leipziger Inszenierung der "Simple Stories" von Ingo Schulze in die Ostalgie-Falle getappt. Weil ihm das nicht wieder passieren soll, nähert er sich dem neuen Text nun "nicht wissend, sondern naiv fragend". Dass dies durchaus wörtlich gemeint ist, haben die Dessauer Schauspieler in den ersten Probenwochen erfahren: Lange saß man beisammen und sprach über Lebensläufe und Erfahrungen. "Bei mir", sagt Lukas Langhoff, "muss man sich sichtbar machen."
Um das Prinzip zu erklären, hat er im Regiebuch zwei Kreise gezeichnet, die sich überschneiden. Der eine steht für den Schauspieler, der andere für die Rolle - und die Schnittmenge für das, was am Ende auf der Bühne sichtbar ist. Es geht also weder um reine Identifikation noch um komplette Distanzierung. Die Wahrheit liegt in der Mitte - und bevor die nicht gefunden ist, fängt dieser Regisseur nicht an zu inszenieren. Das ist für ein Stadttheater-Ensemble ungewöhnlich und fordert hohes Maß an Vertrauen. Das aber, sagt Langhoff, habe er in Dessau gefunden.
Am "Turm" interessiert ihn zudem nicht nur die abgeschlossene Geschichte eines untergegangenen Landes - sondern dessen verborgene Wurzeln, die in der Gegenwart neue Triebe hervorbringen. Die Gästewohnung von Lukas Langhoff liegt direkt neben der Dessauer Mc-Donald’s-Filiale, an der vor einer Woche ein junger Mann niedergestochen wurde. Dass nun auch Rechtsextreme durch die Straßen marschieren, lässt Langhoff nach der Salonfähigkeit von Ausländerhass im bürgerlichen Lager fragen. "Wie viele von Tellkamps einstigen ,Turm’-Bewohnern würden heute die Thesen von Thilo Sarrazin unterschreiben?"
Auch diese Frage hat viel mit dem eigenen Dasein des Mannes zu tun, dessen Lebensmittelpunkt in Berlin-Kreuzberg liegt. Hier wohnt er mit seiner Tochter und seiner Frau, der in der Türkei geborenen Sermin Langhoff. Die Theatermacherin, die das Ballhaus Naunynstraße seit 2008 so erfolgreich leitet, dass sie unlängst zur Co-Direktorin der Wiener Festwochen berufen wurde, hat ihren Mann für die Situation von Migranten in Deutschland sensibilisiert. Dass ihre Inszenierung "Böses Blut" nun sogar zum Theatertreffen eingeladen ist, freut ihren Mann. "Ich bin unheimlich stolz auf sie", sagt er lächelnd. Und er wird wohl auch beim Dessauer Premierenapplaus wieder jene Geste in Richtung Parkett machen, die er sich bei jubelnden Fußballern abgeschaut hat und die seiner Frau gilt.
Seinen Platz in der Dynastie hat er also gefunden. Gerade hat Lukas Langhoff die neue Biografie gelesen, die Esther Slevogt über seinen Großvater veröffentlicht hat. Und bei seinen Eltern wird an jedem Wochenende gemeinsam gekocht. "Ich bin", hat der Sohn bei einem dieser rituellen Treffen zu seinem Vater gesagt, "nicht stolz auf unsere Vergangenheit. Aber ich bin stolz auf unsere Gegenwart."
Und wenn Ort und Zeit es erlauben, dann sehen sich die Langhoffs natürlich wechselseitig auch ihre Theaterarbeiten an. Einen "Turm" hat übrigens auch Thomas Langhoff schon einmal inszeniert - den von Hugo von Hofmannsthal vor zwei Jahrzehnten bei den Wiener Festwochen, die demnächst von seiner Schwiegertochter geleitet werden ... So schließen sich Kreise.
Premiere für "Der Turm" am 4. Februar, 19.30 Uhr, Großes Haus Dessau.
17.01.2012, 15:38 | tags:
Schauspiel
1184
Pressemitteilung vom 17.01.2012
„Wunschfilm 299“ in der Justizvollzugsanstalt Dessau
Am Dienstag, 28. Februar um 17 Uhr geht das Schauspielensemble des Anhaltischen Theaters mit der beliebten Reihe „Wunschfilm 299“ in die Justizvollzugsanstalt Dessau.
Immer wieder bespielte das Anhaltische Theater in der Vergangenheit den öffentlichen Stadtraum, zuletzt bei der theatralen Stadtbegehung „SchwarzWeiss“ und zeigte auch an ungewöhnlichen Orten der Stadt Theater. Nach Kooperationen mit verschiedenen Partnern, wie dem Gartenreich Wörlitz oder dem Bauhaus, arbeitet das Theater nun auch mit der Justizvollzugsanstalt Dessau zusammen, einer Institution, die wie das Theater in ihrer Existenz bedroht ist. „Ich hoffe, wir können mit dieser Zusammenarbeit ein Zeichen für die Stadt Dessau-Roßlau setzen. Wir als Theater wollen uns weiter in die gesellschaftlichen Diskurse einmischen und ungewöhnliche Wege gehen. Ich denke, dass es gerade auch für Strafgefangene wichtig ist, nicht von Kunst und Kultur abgeschnitten zu sein“, sagte Generalintendant André Bücker.
Auftakt dieser Zusammenarbeit ist am 28. Februar eine Folge des Formats „Wunschfilm 299“. Dabei wählen die Gefangenen in den nächsten Wochen einen Film aus, der dann mit großer Spiellust und Fantasie nachgespielt wird. Zur Auswahl stehen diesmal folgende Filme: „Spider-Man“ (2002), „Superman returns” (2006) und “Batman: The Dark Knight” (2008). Während der Vorstellung haben die Zuschauer die Möglichkeit, in den Ablauf der Handlung einzugreifen und zu verändern.
16.01.2012, 17:33 | tags:
Schauspiel
1183
Pressemitteilung vom 16.01.2012
Letzte Vorstellung „Die Weihnachtsgans Auguste“ und Preisverleihung Wettbewerb um die schönste Auguste
Das Anhaltische Theater Dessau zeigt am 22. Januar um 15 Uhr letztmalig die bei Klein und Groß gleichermaßen beliebte Geschichte von Friedrich Wolf „Die Weihnachtsgans Auguste“.
In dem von Regisseur Andreas Rehschuh neu für die Bühne bearbeiteten Märchen wird erzählt, wie Kammersänger Luitpold Löwenhaupt um jeden Preis seinen Traum von einer idealen Weihnacht Wirklichkeit werden lassen will und am Ende doch auf seinen „Braten“ verzichten muss, um das beste Fest seines Lebens begehen zu können.
Im Anschluss an die Vorstellung um ca. 16.45 Uhr gibt die Jury (bestehend aus der echten Auguste/Susanne Hessel, Anja Wolf/Künstlerin und Joachim Landgraf/als „Spezialist für alles“) die Gewinner des Wettbewerbs um die schönste Auguste bekannt. Die drei Gewinner, die auch noch mal zur Vorstellung eingeladen sind, dürfen sich über tolle Überraschungen freuen.
Anfang November hatte das Anhaltische Theater zu einem Wettbewerb aufgerufen, die schönste Auguste zu schaffen. Zahlreiche und sehr fantasievolle Zeichnungen und gebastelte Gänse wurden von Kindern eingereicht und sind bis zum 22. Januar im Foyer ausgestellt.
Für die letzte Vorstellung „Die Weihnachtsgans Auguste“ sind noch Restkarten erhältlich.
Karten und Informationen unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
16.01.2012, 15:08 | tags:
Schauspiel
1182
Pressemitteilung vom 16.01.2012
„Des Nachts sind alle Katzen blau!“
Dramaturg Holger Kuhla im Gespräch mit Regisseur Lukas Langhoff
Am Sonntag, 22. Januar um 19 Uhr heißt es wieder „Des Nachts sind alle Katzen blau!“.
Was liegt als Spross einer der größten Theaterfamilien Deutschlands näher, als selbst ein großer Theaterregisseur zu werden? Alles. Zumindest, wenn es nach Lukas Langhoff geht.
Langhoff, Sohn und Enkel der legendären Regisseure Thomas Langhoff und Wolfgang Langhoff, wollte zunächst nichts mit dem Theater zu tun haben, ließ sich zum Tischler und Tontechniker ausbilden und tourte mit Petra Zieger und anderen durch die Republik.
Wie Lukas Langhoff, dessen Inszenierung „Der Turm“ am 4. Februar Premiere hat, dann aber doch Theaterregisseur wurde, erfährt das Publikum am 22. Januar, wenn im Alten Theater wieder „alle Katzen blau“ sind. Im Talk mit Holger Kuhla geht es dabei ausnahmsweise weniger um das Theater als um das Leben dieses Regisseurs und bekennenden Mario-Barth-Fans, der lieber fernsieht als liest und lieber diskutiert als inszeniert.
„Nachts sind alle Katzen blau“ mit Lukas Langhoff ist ein redseliger Gesprächsabend, eine Zeitreise durch zwei Staaten und entlang eines immer wieder hakenschlagenden Lebenswegs. Um 19 Uhr beginnt die humorvolle Runde, bei der auch noch die eine oder andere Überraschung auf das geneigte Publikum wartet.
Eintritt: frei
Informationen unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de.
12.01.2012, 12:30 | tags:
Schauspiel
1180
Pressemitteilung vom 12.01.2012
Noch Platz in der „Pension Schöller“!
Am Samstag, 14. Januar um 19.30 Uhr steht mit „Pension Schöller“ wieder eine Komödie auf dem Spielplan des Anhaltischen Theaters.
Die atemberaubend, wahnwitzige Inszenierung von Werner Eng zeigt den Kleinbürger Klapproth, der um auch einmal etwas Besonderes zu erleben, in der Hauptstadt eine echte Irrenanstalt kennen lernen möchte. In Ermangelung einer echten, erklären sein Neffe Alfred und dessen Freund Kissling, kurzerhand die Familienpension Schöller zu einer „Anstalt“. Die recht illustren Pensionisten bei Schöllers wissen natürlich nichts von ihrem „Glück“ und Klapproth erlebt den außergewöhnlichsten Abend seines Lebens. Alle Beteiligten wären also sehr zufrieden, wenn … ja, wenn sich die Schar der hauptstädtischen „Irren“ nicht aufmachen würde, ihrem guten „Freund“ Klapproth daheim in der Provinz einen freundschaftlichen Gegenbesuch abzustatten.
Während die „Pension Schöller“ am Freitag bereits ausverkauft ist, sind für die Vorstellung am Samstag, 14. Januar noch Buchungen möglich.
Tickets und Informationen unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
11.01.2012, 16:52 | tags:
Schauspiel
1178
Pressemitteilung vom 11.01.2012
Sonntags im Anhaltischen Theater: Spannende Theaterführung und Büchners „Woyzeck“
Am Sonntag, 15. Januar um 10.30 Uhr (Start in der Kassenhalle) lädt das Anhaltische Theater zu einer spannenden Führung durch das Theater ein. An diesem Vormittag hat das Publikum die Gelegenheit, den Theaterbetrieb aus einem ganz anderen Blickwinkel zu erleben und auf den Pfaden, die sonst nur Sänger, Musiker, Tänzer und Schauspieler beschreiten zu wandeln. Das Publikum erlebt eine spannende Reise durch eines der größten Bühnenhäuser Europas, die Theatergeschichte und seine Geschichten und kann sich bei der Theaterführung hinter den Kulissen von der Faszination des Theaters anstecken lassen.
Um 17 Uhr zeigt das Anhaltische Theater zum vorletzten Mal die Schauspielinszenierung „Woyzeck“ im Großen Haus. Gleich einer Wanderzirkus-Truppe lässt Regisseur Christian Weise das Schauspielensemble auf der Bühne stranden.
Erzählt wird in dem Schauspiel von Georg Büchner die Geschichte des Soldaten Woyzeck, der seine Frau Marie liebt, aber ihr und dem gemeinsamen Sohn nicht viel zu bieten hat. Um zu überleben, arbeitet er Tag und Nacht, stets gehetzt schlägt er sich durch und liefert sich aus. Woyzeck tut bis zur Selbstauflösung alles und für jeden, wenn auch nur ein paar Groschen dabei herausspringen. Hauptmann und Arzt, für die Woyzeck u.a. auch arbeitet nutzen ihn nicht nur physisch und psychisch aus, sondern demütigen ihn obendrein in aller Öffentlichkeit. All dies nimmt er in Kauf, um das kleine Glück zu bewahren. Doch als der dünne Faden, an dem sein Leben hängt, durch Maries exzessiv gelebte Untreue reißt, ist es auch damit vorbei...
Jens Dohle und Christoph Reuter komponierten eigens für das Stück eine Bühnenmusik, die von Balkanklängen inspiriert ist und live von sechs Musikern der Anhaltischen Philharmonie unter der Leitung von Stefan Neubert gespielt wird.
Karten und Informationen unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
09.01.2012, 16:55 | tags:
Schauspiel
1172
Pressemitteilung vom 09.01.2012
Bücker und Meyer schaffen das Geld ab
Generalintendant André Bücker und Verwaltungsdirektor Friedrich Meyer haben sich zu einer ungewöhnlichen Aktion entschlossen: Am Montag, 16. Januar um 10 Uhr werben Sie in der Stadtsparkasse Dessau für die letzte Vorstellung der Inszenierung „Tolles Geld oder Armut ist keine Schande“ und verteilen dort kostenfreie Tickets an die Kunden.
In Zeiten finanzieller Krisen brachte das Anhaltische Theater folgerichtig eine Komödie über das „Glück“ des Sparens auf die Bühne. Zur letzten Vorstellung hat sich das Anhaltische Theater zu einer einmaligen, außergewöhnlichen und liebevollen Aktion entschlossen und schafft für diese Vorstellung am 20. Januar das Geld einfach ab. Da Armut, wenn auch nicht jeden, glücklich machen kann, hat jeder Besucher am 20. Januar FREIEN EINTRITT für diese Aufführung. Erst nach der Vorstellung kann das Publikum mit einer freiwilligen Spende selbst entscheiden, was ihm dieser Theaterabend wert war.
Sichern Sie sich Ihr Ticket in der Stadtsparkasse oder reservieren Sie sich rechtzeitig Ihr Ticket unter: Tel: 0340 2511 333 oder an den Theaterkassen.
09.01.2012, 11:00 | tags:
Schauspiel
1170
Pressemitteilung vom 09.01.2012
„Der Turm“ von Uwe Tellkamp
Für die Bühne bearbeitet von Armin Petras und Jens Groß
Am Samstag, 4. Februar lädt das Anhaltische Theater zur Schauspielpremiere „Der Turm“ in der Regie von Lukas Langhoff um 19.00 Uhr ins Große Haus ein.
Uwe Tellkamp beschreibt in seinem preisgekrönten Bestseller „Der Turm“ die Mechaniken des Lebens und Überlebens während der letzten Jahre der DDR. Eine Familie und ein Staat fallen auseinander und der real existierende Sozialismus liegt in den letzten Zügen. Die Protagonisten der Bühnenbearbeitung des Romans sind Bildungsbürger, Intellektuelle, Wissenschaftler und Vertreter der Nomenklatur. Man lebt weitestgehend privilegiert im Dresdner „Turmviertel“ und reagiert besser mit schweigsamer Kulturversunkenheit auf die eigenen, wie die Irrwege
der „Diktatur des Proletariats“. Die „Türmer“ versuchen sich abzuschotten, träumen sich in verkappte Hoffnungen und scheitern letztlich weniger an den Härten eines „Systems“, sondern
vielmehr am täglich gelebten Spagat zwischen Aufbegehren, Opportunismus und Anpassung.
Regisseur Lukas Langhoff, selbst im Osten aufgewachsen, inszeniert die Bühnenfassung des Tellkamp Stoffes weder als nostalgischen Abgesang, noch als zynische Abrechnung auf ein versunkenes Land. Mit viel Humor erzählt Langhoff eine Folge von Geschichten und Situationen „Wie man wird, was man ist“ in einem Leben zwischen dem „Glück“ kollektiven Gleichmaßes
und dem Traum von Individualität und Einzigartigkeit.
Bereits am Donnerstag, 26. Januar um 20 Uhr geben Lukas Langhoff und sein Produktionsteam zur „Trinkhalle“, der abendlichen Matinee zur Schauspielpremiere, im Restaurant & Bar „Altes Theater“ einen Einblick in die Inszenierung. Dort erfährt das Publikum nicht nur alles künstlerisch Wissenswerte rund um die Aufführung, sondern hat Gelegenheit bei einem Getränk und einem guten Essen, in bester Trinkhallentradition mit den jeweiligen Künstlern ins Gespräch zu kommen.
Lukas Langhoff, 1964 in Berlin geboren, wurde 1993 Regieassistent an der Berliner Volksbühne, wo er vorwiegend bei Frank Castorf, Johann Kresnik und Christoph Schlingensief assistierte. Von 1995 bis 1998 war er Künstlerischer Leiter des Praters, einer Spielstätte der Volksbühne Berlin. Seit 1996 führt er Regie, u.a. am Schauspiel Leipzig, Jungen Theater Göttingen, Bremer Theater, Schauspiel Hannover, Maxim Gorki Theater Berlin, Theater Magdeburg, Hans Otto Theater Potsdam, Hebbel am Ufer Berlin und am Ballhaus Naunynstraße Berlin. „Der Turm“ ist seine erste Arbeit am Anhaltischen Theater Dessau.
Regie: Lukas Langhoff | Bühne & Kostüme: Justus Saretz | Dramaturgie: Holger Kuhla
Mit: Susanne Hessel, Anne Lebinsky, Katja Sieder, Simon Brusis (als Gast), Gerald Fiedler, Jan Kersjes, Stephan Korves, Sebastian Müller-Stahl, Patrick Rupar
Karten und Informationen unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
28.12.2011, 17:35 | tags:
Schauspiel
1163
Pressemitteilung vom 28.12.2011
„Tolles Geld oder Armut ist keine Schande“ oder Ein kostenloser Theaterabend
Am 20. Januar um 19.30 Uhr zeigt das Anhaltische Theater letztmalig die Komödie „Tolles Geld oder Armut ist keine Schande“ von Aleksandr Nikolajewitsch Ostrowski im Großen Haus.
In Zeiten finanzieller Krisen gelangte folgerichtig ein Stück zum „Glück“ des Sparens auf die Bühne des Anhaltischen Theaters. Vasilow beherrscht wie kein zweiter die Kunst des Sparens. Doch er verliebt sich in eine Schönheit, die allein den grenzenlosen Luxus liebt. In der Inszenierung (Regie: Wolfgang Maria Bauer, vor allem bekannt durch seine Rolle als Kriminalhauptkommissar Viktor Siska in der gleichnamigen Serie für das ZDF), dreht sich alles mit Lust und Leid um die Topthemen unserer Tage: Das liebe Geld, menschliche Abgründe und die „Moral“ der Finanzwelt.
Entsprechend hat sich das Theater zu einer einmaligen und außergewöhnlichen Aktion entschlossen und schafft für diese letzte Vorstellung das Geld einfach ab. Da Armut, wie es schon im Volksmund heißt, keine Schande ist, hat jeder Besucher am 20. Januar FREIEN EINTRITT für diese Aufführung. Erst nach der Vorstellung kann das Publikum mit einer freiwilligen Spende selbst entscheiden, was ihm dieser Theaterabend wert war.
Reservieren Sie sich rechtzeitig Ihr Ticket unter: Tel: 0340 2511 333 oder an den Theaterkassen.
Im Anschluss an die Vorstellung findet im Theaterrestaurant ein Publikumsgespräch mit dem Regisseur Wolfgang Maria Bauer und Mitgliedern des Spielensembles statt.
21.12.2011, 10:12 | tags:
Schauspiel
1155
Oliver Schröter, Mitteldeutsche Zeitung, 21.12.2011
Großes Kino auch auf kleiner Bühne
Termine? Kaum zu finden. Thorsten Köhler hat gut zu tun. Auf der Bühne des Anhaltischen Theaters, an dem er seit der Spielzeit 2009 / 2010 als Schauspieler engagiert ist, hinter der Bühne, in Kneipen, Kinos, in der Stadt. Also trifft man sich in der Theaterkantine. Der zierliche Köhler schlingt einen Milchreis hinunter, lässt sich den Milchkaffee in einem Pappbecher reichen und hat jetzt eine Stunde Zeit auf der Fahrt zum Weihnachtsshopping in Leipzig.
"Erst habe ich mich ein wenig von der Stadt einlullen lassen, von ihrer Stimmung. Dann dachte ich, ich muss einfach etwas tun", überlegt der 33-jährige Schauspieler und wirkt dabei irgendwie getrieben, suchend. "Ich weiß nicht, ob ich meinen Beruf mag", überlegt er, "ich mag viele Schauspieler nicht besonders." Das ist keine persönliche Bewertung, sondern sein professionelles Verständnis: "An vielen Theatern sind die Leute oftmals eingeschliffen, liefern immer die gleichen Sachen ab. Ich lass mich einfach gern überraschen und bin beeindruckt, wenn ich bei einem Schauspieler immer wieder neue Seiten entdecke." Auch Köhler will mehr sein als Marionette, will sich nicht einfach führen lassen, runterspielen und nach Hause gehen. Da aber auch das zu seinem Job gehört, hat sich der gebürtige Coburger, dessen Theaterkarriere im Malsaal begann, nach Stationen im Harz, in Freiberg und in Bautzen, auch in Dessau ein paar saftige Spielwiesen geschaffen.
Spätestens seit der Reihe "Trash am Montag", bei der Köhler als Kinokritiker Serge Pocken Seite an Seite mit Jan Kersjes als Kritikerkollege Pit Rutten, Perlen des Trashkinos im Kiez präsentiert und kommentiert, ist er der Star einer Kleinkunstszene, deren Entstehung wohl eng mit seiner Ankunft in der Stadt zusammenhängt. Wenn Rutten und Pocken die schrägsten Werke der Filmgeschichte auf die Leinwand bringen und dabei eindrucksvoll und permanent trinkend improvisieren, gibt es im ausverkauften Kiez-Kino kein Halten mehr. Auch die Reihe "Hausfrauen fragen, Wissenschaftler antworten", Mittwochabend zum zweiten Mal im Alten Theater, hat das Zeug zum Bestseller des abseitigen Kulturbetriebes. Wenn Köhler moderiert, Wissenschaftler referieren und drei halbwegs ahnungslose Frauen Fragen stellen, ist das ein lustiges und durchaus anspruchsvolles Happening des Halbwissens.
Thorsten Köhler sieht seinen Weg von Zufällen geprägt. "Ich hab mich nie bewusst für den Job entschieden oder besonders bemüht. Irgendwie ist einfach immer etwas passiert." So ist er auf der Bühne gelandet, so ist er in Dessau gelandet. "Und wenn ich, wie vor kurzem, als Shirley Bassey verkleidet in der Stadt unterwegs bin und dann hier tatsächlich auf jemanden treffe, der die persönlich kennt, dann kann ich das kaum glauben." "Ein Abend mit Shirley Bassey" heißt Köhlers neuester Streich. Silvester und am 7. Januar schlüpft er im Alten Theater in die Rolle der britischen Diva, die dem breiten Publikum vor allem durch die von ihr gesungen Titelsongs zu den James Bond-Filmen "Goldfinger", "Diamonds are forever" ("Diamantenfieber") und "Moonraker" bekannt sein dürfte. "Die Lieder hab ich dann natürlich drauf, den Rest des Abends überlassen wir dem Zufall."
Doch Köhler verlässt sich nicht nur auf sein Improvisationstalent. Gerade hat er die ersten Folgen der ersten Dessauer Theatersoap fertiggeschrieben. Sein ganz persönlicher Beitrag zum Jubiläumsjahr "Anhalt 800". "Was ist den heut’ bei Anhalts los?" zeigt die großen und kleinen Dramen im Hause Anhalt, weit weg von Biwak und Fürst Leopold, im fernen Hollywood bei Zsa Zsa und ihrem Prinzen Frede-rick, der die Linie des Fürstenhauses gekonnt immer weiter ins Zwielicht führt.
"Es wäre schön, zukünftig von solchen Projekten leben zu können." Für "Trash am Montag" gab es bereits Anfragen aus anderen Städten, einen Film rund um Rutten und Pocken wollen die beiden Protagonisten im kommenden Jahr anschieben.
Film, wäre das nicht was für die Zukunft? Für die Zeit nach Dessau? Findet Köhler eigentlich ermüdend: Ewige Wartezeiten, kurzer Spannungsaufbau, wieder Umbauen. "Ich hab das mal versucht, das ist nichts für mich", überlegt er und schränkt doch ein, bevor er im Leipziger Vorweihnachtswahnsinn verschwindet: "Falls Thomalla und Wuttke nicht funktionieren, eine Rolle als Tatort-Ermittler könnte ich mir vorstellen."
16.12.2011, 14:55 | tags:
Schauspiel
1152
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 16.12.2011
BÜHNEN-GESCHWISTER
Serie „Die Weihnachtsmacher“
Katja Sieder und Patrick Rupar spielen in der „Weihnachtsgans Auguste“ mit.
Eine harte Woche geht für die Geschwister Carmen und Tamino zu Ende. An drei Tagen mussten sie zwei Mal eine Gans verfolgen, sekundenschnell Klamotten wechseln und sich gegenseitig anzicken. „Da kommt man ins Schwitzen und das steckt in den Knochen“, sagt Carmen, die eigentlich Katja Sieder heißt, und im Märchen Taminos - vielmehr Patrick Rupars - große Schwester ist. Rupar und Sieder sind Schauspieler des Anhaltischen Theaters und seit Ende November in der diesjährigen Märchenproduktion „Die Weihnachtsgans Auguste“ als Nachwuchs der Familie Löwenhaupt nahezu täglich – und manchmal eben auch zwei Mal – auf der Bühne zu erleben. Das Stück ist ein Hit, es gibt nur noch Restkarten, und als an diesem Dienstag mit der Abendvorstellung Bergfest für 24 Vorstellungen war, konnten sich auch die großen Zuschauer von der Qualität dieser Inszenierung von Andreas Rehschuh überzeugen.
„Ich gehe derzeit oft schon 23 Uhr ins Bett, das mache ich sonst nie“, beschreibt Patrick Rupar den für Schauspieler ungewohnten Tagesablauf, den das Märchen vorschreibt. Denn 9 oder 10 Uhr gibt es vor 1 000 Kindern die Vorstellungen, und die Darsteller müssen natürlich viel früher in der Maske sein, um sich dort in Carmen und Tamino zu verwandeln. Mit roten Lockenschöpfen treten sie dann vor den Vorhang, Katja Sieder die große Schwester, Patrick Rupar der kleine Bruder. Eine Konstellation, die beide Schauspieler amüsiert, denn im wahren Leben ist es umgekehrt. Sieder hat zwei große Brüder, Rupar Schwester und Bruder, beide jünger als er.
„Es macht totalen Spaß jetzt mal die andere Seite kennenzulernen“, findet Katja Sieder, die freimütig bekennt, ihr großen Brüder als Kind ordentlich genervt zu haben. „Ich wollte immer bei ihnen mitmachen und habe nie verstanden, warum die mich wegschickten.“ Und nun kann sie auf der Bühne selbst den kleinen Bruder Tamino abblitzen lassen, genervt mit den Augen rollen und die coole Große raushängen lassen, für die die Angelegenheiten des jüngsten Löwenhaupt- Sprosses nur Babykram sind.
Patrick Rupar genoss und genießt es, fern der Bühne der große Bruder zu sein. „Da fungiert man als Zwischenglied Eltern und jüngere Geschwister“, meint er. Freilich hätten seine jüngeren Geschwister auch schnell begriffen, dass der Große nicht wirklich viel Macht besitzt und dies gerne ausgenutzt. „Es gibt in dieser Inszenierung tatsächlich Szenen, die ich aus meiner Kindheit kenne“, sagt er. Und wenn die Reaktionen des Publikums auf die geschwisterlichen Zwistigkeiten hörbar sind, dann kommt es schon mal vor, dass sich die beiden mitten im Stück angrinsen und wissen, dass sie gerade alles richtig machen.
Dass Katja Sieder und Patrick Rupar das Geschwisterpaar so glaubwürdig gelingt, mag freilich auch an der ähnlichen Biografie liegen. Beide sind Jahrgang 1982, Sieder wurde in Geislingen geboren, Rupar in Freudenstadt. Bevor sie am Anhaltischen Theater aufeinandertrafen, kreuzte sich ihr Lebensweg schon einmal. „Wir kennen uns ziemlich gut, wir haben nämlich zusammen studiert“, erklärt die Schauspielerin. Beide wurden an der Universität der Künste Berlin ausgebildet.
Die Geschichte der „Weihnachtsgans Auguste“, die sie nun so verinnerlicht haben, kannten sie als Kinder des Westens freilich nicht, sind nun aber umso begeisterter. Und weil sie nun Tag für Tag eine Gans retten, haben sie auch keine Bedenken, eine solche zu essen. „Das Ensemble wurde schon zum Gänseessen eingeladen“, bekennen sie, und an den Weihnachtstagen kommt in der Familie natürlich auch der eine oder andere Braten Heute: 16 Schauspieler im Theater auf den Tisch. „Ein Tier, was man kennt, kann man natürlich nicht essen“, meint Katja Sieder. Und da ist man dann auch schon wieder bei Auguste – die übrigens Kollegin Susanne Hessel mit großer Hingabe spielt. „Für meinen Tamino ist Auguste wichtig, weil er sich um sie kümmern kann, er nicht mehr der Kleinste in der Familie ist“, sagt Patrick Rupar. In seiner Rolle käme er gar nicht auf die Idee, die Gans als Braten zu sehen, denn „sie ist ein tolles Haustier“. Das ließe sich freilich nicht sagen, wenn Friedrich Wolf über einen Weihnachtskarpfen geschrieben hätte.
13.12.2011, 13:47 | tags:
Schauspiel
1147
Pressemitteilung vom 13.12.2011
„Die Drei von der Tankstelle“
Musikalische Komödie von Sepp Tatzel nach einem UFA- Filmklassiker von Frank Schulz und Paul Frank
Viermal (Am 16. /18. /22. und am 23. Dezember jeweils um 19.30 Uhr) zeigt das Anhaltische Theater die Komödie „Die Drei von der Tankstelle“ im Studio des Alten Theaters.
Die vom Publikum begeistert aufgenommene Komödie der 30er Jahre mit einer großartigen Live-Band (Los Banditos, Jena), bringt die Geschichte einer Männerfreundschaft mit viel Tanz und Gesang auf die Bühne.
„Die Drei“- das sind Willy, Kurt und Hans, kehren von einer Reise zurück und stellen fest, dass sie pleite sind. Nachdem all ihre Möbel gepfändet wurden, verkaufen sie schließlich ihr letztes Hab und Gut, um eine Tankstelle zu eröffnen.
Eigentlich könnte nun alles gut werden- wäre da nicht die wohlhabende Lilly, die jedem der Drei Pechvögel den Kopf verdreht. Dabei wird die Freundschaft der drei Freunde auf eine harte Probe gestellt. Was nun folgt, sind neue Bekanntschaften, Missverständnisse, Irrungen und Wirrungen und vor allem jede Menge Humor. Die Original- Musik stammt von dem Komponisten Richard Heymann, der den drei Jungs von der Tankstelle mit Songs wie „Liebling, mein Herz lässt dich grüßen“ oder „Ein Freund, ein guter Freund“ zu Unsterblichkeit verhalf. Und was wäre eine Komödie ohne Happy End? Dieser Theaterabend bleibt nicht in der Krise stecken, sondern macht sich auf, zu beweisen, dass man mit Witz, ein wenig Liebe und viel guter Musik auch das tiefste Jammertal überleben kann!
Es spielen Susanne Hessel, Jan Kersjes, Thorsten Köhler, Matthieu Svetchine und Stephan Korves.
Die Vorstellung am 16. Dezember ist bereits ausverkauft. Tickets sind noch für folgende Vorstellungen erhältlich: 18.12.2011 um 19.30 Uhr | 22.12.2011 um 19.30 Uhr | 23.12.2011 um 19.30 Uhr.
Tickets und Informationen erhalten Sie unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
09.12.2011, 14:11 | tags:
Schauspiel
1146
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 08.12.2011
Schöner Sterben im Londoner Nebel
WUNSCHFILM Fünf Schauspieler zerlegen Wallace-Klassiker.
Umschalten ging an diesem Fernsehabend nicht, als man sich 20.15 Uhr bequem gesetzt hatte. Es gab sogar einen Ansager, der „tolle Figuren, feinen Humor und keine Textsicherheit“ versprach. „Erwarten sie nichts und sie werden auch nicht enttäuscht“, warnte David Ortmann, und der dritte „Wunschfilm 299" im Alten Theater konnte am Montag starten. Beim zur Wahl stehenden Edgar-Wallace-Trio setzte sich „Der Hexer“ durch, gedreht 1964 mit 20 Rollen, die beim Wunschfilm ein Viertel der Darsteller des Originals nachspielten.
Was an diesem Abend im nebligen London tatsächlich passierte, wusste man freilich nach nicht ganz zwei Stunden immer noch nicht. War der Hexer mit Cora Ann oder Elise Penton zusammen? Und wer ist dieser Mann, der die Hüte wie die Haltung wechselt und vom Inspektor bis zum Reverend sein Portfolio an Charakteren zieht?
Was „Der Hexer“ erzählt und wer hier wer ist und wen spielt, das ist beim Wunschfilm, erdacht und
auch beim Spiel unterstützt von David Ortmann und Sabeth Braun, die reinste Nebensache. Es geht allein um den Spaß, einen Filmklassiker aufs Schönste zu zerlegen. Nach der Star-Wars-Saga und „Frühstück bei Tiffany“ gelang dies auch mit dem Wallace-Schinken. Da wurde prächtig gemordet, UBoote explodierten im Konfetti-Regen, bemehlte Schwammtücher lieferten Revolverrauch. Was einen guten Wallace-Streifen ausmacht und noch viel mehr darüber hinaus, bediente das Schauspielquintett perfekt. Da spielte fein bis ins Detail Katja Sieder alle Frauenrollen und verführte ihre Kollegen. Patrick Rupar als Neuling in der Reihe bewies ebenso wie Neuzugang Boris Malré Improvisationstalent, Julian Mehne darf fortan als Meister des Grimassierens gelten und Thorsten Köhler bewies einmal mehr, wie er in einer theatralischen Sonderedition sein Können entfaltet.
Oft nutzte das bestens unterhaltene Publikum den Eingriff per goldener Fernbedienung, weidete sich an Irrungen und Wirrungen, die umso schöner gerieten, je ratloser die Darsteller waren und paralysiert auf den Teleprompter starrten. Davon sieht man gerne mehr: Nächste Folge 28. Dezember.
06.12.2011, 15:28 | tags:
Schauspiel
1140
Thomas Altmann, Mitteldeutsche Zeitung, 06.12.2011
Die Beschleunigung der Borniertheit
Kein Bild im Rahmen, kein Stuhl im Café, kein Tisch in der Pension, kein Halten, kaum Nuft! Nuft! Hier sind wahrscheinlich alle nachgetragenen Fniegen in alle, sprich anne, Hänse gefnogen: Vivacissimo immerzu! Und Muschi - hat er wahrhaftig "Muschi" gesagt? - Muschi hebt ihr Röcklein hoch, sehr hoch, so hoch, dass es keinen Spaß mehr macht, ihr unter den Rock zu äugen. Dafür ist Herr Köhler sehr begehrenswert, als Frau.
Figuren mit Defekten
Werner Eng probt in seiner Inszenierung der "Pension Schöller" von und nach Carl Laufs und Wilhelm Jacoby die unendliche Beschleunigung der Borniertheit. Am Freitag war Premiere im Alten Theater. Raserei, Irr- und Wahnsinn, Aberwitz allemal: Unaufhaltsam, rastlos fallen die Figuren auf die Bühne. Hysterie? Aber ja, heute spräche man vielleicht von nervösen Dissoziationen, von Defekten, das Integrationsvermögen betreffend. Entweder steckt der Defekt an oder man ist einfach nur genervt, was dann auch keinen Spaß macht.
Eng hat mehrere Rahmen gefunden, einen großen goldenen Bühnen-Bilderrahmen, einen kleinen, der immer wieder Bilder findet und den Rahmen der Geschichte. Hier verhakt sich vorerst die Karriereleiter, hier wird über die Wertigkeit von bildender und darstellender Kunst disputiert, bis der Kompromiss, das zu erstellende Bühnenbild, gefunden scheint und, ach Gottchen, gepinselt wird. Zwischendrin tanzt der Bühnen-Bilderrahmen und findet im dritten Aufzug Kontakt mit der Nase des Publikums, eine Eulenspiegelei. Wer sitzt wo? Und sowieso sind wir alle bekloppt und beknoppt.
"Bnüh im Gnanze dieses Nichtes"? Der Sprachfehler taugt zu einer außerordentlich politischen Wertung, und dann hitlert der verkappte Schauspieler auch noch. Aber mal ehrlich: Gold und Senf? Die Farben der Unterhose des Grobians Philipp Klapproth sind doch geklaut? Hätte Eng etwa gerne deutschen Volks-Kartoffel-Salat ins schenkelklopfende Schwankpublikum geworfen? Dann ließe Frank Castorf unter Benutzung Heiner Müllers grüßen, macht er aber nicht. Dennoch ist das auch eine "Schlacht", vielmehr Schnacht, die faustdick durchgedroschen wird, bis man um den Verschleiß der Spieler fürchten mag.
Philipp Klapproth (Uwe Fischer) muss permanent den Kotzklotz geben, den man bald und gerne nach Kyritz schicken würde. Sein Neffe Alfred (Sebastian Müller-Stahl) spielt, das ist selten, den Stillen, einen begossenen Pudel mit dem Charme einer Schildkröte, richtig knuffig das Kerlchen. Dessen Freund, der nun kellnernde Maler Kissling (Julian Mehne), liefert das agilere Gegenstück. Bernhardy (Stephan Korves) vermag mit bloßen Händen, Löwen zu jagen. Die Schriftstellerin Josephine Krüger (Thorsten Köhler) ist eine Diva, wahrlich göttlich und gar nicht überzogen. Als Schöllers Tochter schlägt Amalie (Eva Marianne Berger) alle Regungen mit lusttötender Kinder-Kampferotik nieder.
Nackig über die Bühne
Dann doch lieber wieder die Witwe: Ulrike Sprosser (Christel Ortmann) hat einiges in der Einkaufstüte. Der Anstalts- bzw. Pensionsleiter, der Herr Schöller (Karl Thiele), zeichnet einen Bilderbuch-Trottel von Musikdirektor. Und endlich legt Rümpel (Jan Kersjes) den dauererigierten Künstlerschal ab, hopst - das fehlte nun noch - richtig nackig über die Bühne. Klar, weil ihm ein Konsonant abhanden kam, darf er nun auch die Putte machen, die jedem Dichter auf den Lorbeerkranz geht.
Aber nein, sie werden nicht vergessen, Herr Major a.D. (Boris Malré). Wie auch, bei der Stimme? Die Ohren klingeln noch immer. Vielen Dank! Doch vielleicht ist gerade das Geschrei der verborgene Schlüssel zur überreizten, bestenfalls anders komischen Inszenierung: Eine Ruhestörung und weiter? Betreten wird der Mundwinkel ein wenig erhoben, als erzähle jemand einen Witz und lache selbst am lautesten: Nustig, wirknich!
Weitere Vorstellungen am 9., 26. und 29. Dezember, jeweils 19.30 Uhr.
03.12.2011, 10:10 | tags:
Schauspiel
1134
Helmut Rohm, Volksstimme, 03.12.2011
Im Anhaltischen Theater Dessau hatte "Die Weihnachtsgans Auguste" Premiere
Tierisches Treiben im Hause Löwenhaupt
Im Traum erscheint Kammersänger Luitpold Löwenhaupt (Gerald Fiedler) ein lecker duftender und übergroßer Weihnachtsgänsebraten mit Rotkohl und Klößen. So beginnt die neue Märcheninszenierung des Anhaltischen Theaters Dessau in der Regie von Andreas Rehschuh: "Die Weihnachtsgans Auguste" nach einem Märchen von Friedrich Wolf.
Damit der kulinarische Traum in Erfüllung geht, hat Vater Löwenhaupt schon im November eine Gans vom Lande gekauft. Eine sehr große und wunderschöne, aber noch lebendige. Die watschelt, ewig schnattert und die -wie sich später herausstellt - sogar sprechen und singen kann.
Und eben deshalb entwickelt sich ein ganz schwieriges Problem im Drei-Generationen-Haushalt Löwenhaupt. Mutter Clara (Nina Machalz), Tochter Carmen (Katja Sieder), Sohn Tamino (Patrick Rupar), auch Opa Theo (Hans-Jürgen Müller-Hohensee) gehen auf Konfrontation zum Maestro. Sie sind gegen das Töten und Essen der Weihnachtsgans. Susanne Hessel spielt Auguste in einem wunderschönen Federkostüm, später auch einem Gänsehautkostüm, mit sehr viel "tierischem" Einfühlungsvermögen (Kostüme Grit Walther).
Die Theatergäste erleben im Hause Löwenhaupt ein abwechslungsreiches Familienleben (Bühne Eva-Maria Declercq). Die reizvollen Dialoge drehen sich letztendlich um die Frage, ob denn eine Gans, die durch Tamino den Namen Auguste erhält, ein Haustier ist und besondere Liebe erfahren und das Leben behalten kann. Ideenreich inszenierte turbulente, von dramatischer Musik begleitete Szenen, bis dass die Federn wahrhaftig fliegen, halten die Handlung auf hohem Spannungspotenzial.
Schließlich fällt Auguste nach einem Schlaftablettenanschlag durch Luitpold Löwenhaupt (scheinbar) tot um. Und bekommt, weil schon gerupft, eine schöne grüne Jacke, dazu eine Kappe und einen Muff. Es gibt keinen Gänsebraten zu Weihnachten. Ende gut, alles gut. "Das Premierenpublikum im ausverkauften Theater spendete einen Riesenbeifall, der sich durch häufigen spontanen Szenenapplaus ankündigte. In diesem Jahr gibt es noch 21 Aufführungen.
Nächste Vorstellungen am 5 ., 6. und 7. Dezember
02.12.2011, 11:16 | tags:
Schauspiel
1130
Pressemitteilung vom 2.12.2011
„Wunschfilm 299“
Ihre Lieblingsfilme auf der Bühne
Am Montag, 5. Dezember um 20.15 Uhr darf sich das Publikum auf die nunmehr dritte Folge der Reihe „Wunschfilm 299“ freuen. Und wieder lüftet ein bestens aufgelegtes Schauspielteam ein neues Ergebnis der Abstimmung über den Wunschfilm. Mit großer Spielfreude bringt das Team den im Vorfeld vom Publikum gewählten Lieblingsfilm auf die Bühne. Zur Auswahl stehen diesmal folgende gruselige Edgar-Wallace-Filmklassiker: „Der Frosch mit der Maske“, „Der Hexer“ oder „Das Gasthaus an der Themse“. Katja Sieder, Thorsten Köhler, Boris Malré, Julian Mehne und Patrick Rupar bringen ein garantiert einmaliges Filmerlebnis live auf die Studiobühne des Alten Theaters.
Eintritt: 299 Cent
Tickets und Informationen erhalten Sie unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
01.12.2011, 09:34 | tags:
Schauspiel
, Leporello
1129
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 1.12.2011
Gans viel Trubel im Advent
Auguste freut sich über den Wechselpulli im weihnachtlichen Strickdesign, man singt den leise rieselenden Schnee herbei und es war auch ohne Gänsebraten ein schönes Fest - Friede im Hause Löwenhaupt. Ach! - so seufzt man, weil man das ja alles kennt. Die ewige Vorfreude, der Wunsch, alle glücklich zu machen, und dann doch wieder nur Enttäuschungen. Von wegen: Weihnachten das Fest der Liebe. So gut wie bei Löwenhaupts sollte es immer enden, auch wenn am Mittwoch nicht der Schnee rieselt sondern die Sonne strahlt, als man zur Mittagszeit aus dem Theater tritt, noch ganz benommen und weihnachtsduselig ob dieser schönen Geschichte von der "Weihnachtsgans Auguste" von Friedrich Wolf, die man ja schon als Hörspiel liebte und für die Regisseur Andreas Rehschuh nun die allerschönsten Bilder fand.
Die Löwenhaupts sind Vater, Mutter, Tochter, Sohn und Opa Theo noch dazu. Luitpolt (Gerald Fiedler), das Oberhaupt der Familie, ist Kammersänger, ein etwas tiefer gestimmter Wagnertenor, man sieht es an den Wänden, wo Siegfried und Lohengrin aus Bilderrahmen auf den Esstisch schauen. Überhaupt sind diese Löwenhaupts ganz liebenswert schrullig in ihrer Wunderwohnung, für die der Papa wohl seine Kontakte in die Requisite spielen ließ (Bühne: Eva-Maria Declercq). Seine Kontakte zum örtlichen Geflügelhändler hingegen bescheren im Advent eine Lieferung von "Gans frisch" und sorgen für den langen Leidensweg eines Familienvaters, der für sich doch nur das Beste will: Gänsebraten mit Rotkraut und Klößen.
Davor aber stellt sich peu à peu der Familienrest. Mit dem Jüngsten geht es los. Zwischen Tamino (Patrick Rupar) und der Gans ist schnell eine Freundschaft gewachsen. Und als Auguste dann so richtig loslegt, nimmt sie ihren kleinen Freund mit auf eine abenteuerliche Reise, für die Heißluftballons in die Szene und Piratenschiffe am Horizont schweben. Diese Gans ist ein Wundertier und Susanne Hessel im raumgreifenden Kostüm watschelt und schnattert aufs Feinste. So gewinnt sie nicht nur die Herzen von Tochter Carmen (Katja Sieder), Mutter Clara (Nina Machalz) und Opa (Hans-Jürgen Müller-Hoehensee): Der Vogel ist auch beim Publikum der Star.
Neben der träumerischen Reise von Auguste und Tamino gelingt der Inszenierung noch so manches Glanzstück: eine wilde nächtliche Jagd nach der Gans im Slapstick-Stil, die fast als Pyjamaparty endet, ein traumhaft schönes Zwischenspiel ganz ohne Worte, das die Löwenhaupts durch den besinnlichen Advent begleitet, wenn Opa die Eierlikörvorräte vernichtet, Hausmusik erklingt und Eierkuchen so hoch fliegen, dass sie an der Decke kleben bleiben.
Irgendwie weihnachtet hier alles, in diesen grünen, weinroten und karierten Kostümen von Grit Walther, in der Musik von Gundolf Nandico und nicht zuletzt im Spiel der bestens aufgelegten Darsteller. Die zickende große Schwester wird zur Kämpferin fürs Geflügel, Mama wagt kurz vorm Fest den Bruch mit dem Gatten und der bleibt lange ein Stiesel, der seine Prinzipien hat und Auguste wenigstens ein "Verzeih mir" gönnt, bevor er sie mit Schlaftabletten bratbereit macht, denn "Bestimmung ist Bestimmung". Weil eine Pille aber eine Gans längst nicht umhaut, schnattert es schließlich hinterm Sessel, wo Papa schon mal Federn rupfte. Eine kahle und frierende Auguste ist sauer und alle anderen glücklich, dass sie noch schnatternd ihren Senf dazu geben kann. Da gibt es bei Löwenhaupts dann diesmal doch nur Würstchen mit Kartoffelsalat und das schönste Geschenk des Jahres im modischen Strick und mit Pudelmütze sollte doch recht behalten: "Mein Schicksal ist nicht so", erklärte sie Tamino gleich zu Beginn, als es um die Sorge um ihre Zukunft als Braten ging.
22.11.2011, 11:17 | tags:
Schauspiel
1125
Pressemitteilung vom 22.11.2011
My Songs 1.0
Am Sonntag, 27. November um 20 Uhr lädt das Anhaltische Theater zum Auftakt der neuen Reihe „My Songs“ ins Foyer des Alten Theaters ein. Jeder Abend dieser Reihe wird einem Schauspieler gewidmet, der sich dem Publikum ganz persönlich vorstellt, indem er erzählt, liest und singt.
Den Anfang macht der sehr musikalische Schauspieler Jan Kersjes, seit 2009 fest zum Ensemble gehörend und in vielen Produktionen zu erleben, u.a. zuletzt in „Hamlet“ und immer wieder in der Kult-Reihe „Trash am Montag“ im KIEZ-Kino.
Das Publikum darf sich auf einen informativen aber ebenso sinnlichen Abend freuen.
Eintritt: 7,- Euro (erm. 5,-) inkl. 1 Getränk
Karten und Informationen unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
14.11.2011, 16:33 | tags:
Schauspiel
1114
Pressemitteilung vom 14.11.2011
Premiere „Pension Schöller“
Eine Komödie von Carl Laufs und Wilhelm Jacoby
In einer Neubearbeitung von Holger Kuhla
Das Anhaltische Theater Dessau lädt am Freitag, 2. Dezember um 19.30 Uhr zur Premiere „Pension Schöller“ in das Alte Theater ein. Dramaturg Holger Kuhla hat die Komödie von Carl Laufs und Wilhelm Jacoby neu für die Dessauer Bühne bearbeitet. Werner Eng gibt mit der „Pension Schöller“ sein Dessauer Regiedebüt. Als kongenialer „Herbert Fritsch-Schauspieler“, (z.Zt. in „Die (s)panische Fliege“ an der Volksbühne Berlin zu erleben), verwandelt er einen „verstaubten Schwank“ in eine atemberaubend, wahnwitzige Tempokömödie und zu einem wahren Fest für Akteure und Publikum.
Kleinbürger Klapproth möchte, um auch einmal etwas Besonderes zu erleben, in der Hauptstadt eine echte Irrenanstalt kennen lernen. In Ermangelung einer echten, erklären sein Neffe Alfred und dessen Freund Kissling, kurzerhand die Familienpension Schöller zu einer „Anstalt“. Die recht illustren Pensionisten bei Schöllers wissen natürlich nichts von ihrem „Glück“ und Klapproth erlebt den außergewöhnlichsten Abend seines Lebens. Alle Beteiligten wären also sehr zufrieden, wenn … ja, wenn sich die Schar der hauptstädtischen „Irren“ nicht aufmachen würde, ihrem guten „Freund“ Klapproth daheim in der Provinz einen freundschaftlichen Gegenbesuch abzustatten.
Der kroatische Donau Schwabe Werner Eng wurde in Brasilien geboren, studierte Schauspiel und Regie an der Novalis Schule für Sprachgestaltung und Dramatische Kunst Stuttgart. Engagements führten ihn an die Novalis Bühne Stuttgart (1987-95), das Theater St. Pölten (1995-97), das Junge Theater Göttingen (1998-2001). Seit 2001 ist Werner Eng freischaffend und u.a. an Bühnen in Basel, Wien, Graz, Zürich, den Kammerspielen Magdeburg, dem Hans Otto Theaters Potsdam, dem Maxim Gorki Theater und der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin tätig. Er arbeitete u. a. mit Regisseuren wie Sebastian Hartmann, Lukas Langhoff und Herbert Fritsch. Darüber hinaus war er in Filmproduktionen zu sehen u.a. „Elf Onkel“ (2010, Regie: Herbert Fritsch), „Vodopad – Vom Lauschen und Rauschen“ (2009, Dokumentarische Filmerzählung über Sarajewo, Regie: Evy Schubert).
Im Anschluss an die Premiere findet eine Premierenfeier im Alten Theater statt, zu der Publikum und Akteure das Tanzbein schwingen können.
Auf Vorbestellung bietet das neu eröffnete Restaurant & Bar „Altes Theater“ zur Inszenierung ein spezielles „Pension Schöller Menü“ an, dass das Publikum vor oder auch nach der Aufführung genießen kann.
Nähere Informationen unter: http://www.restaurant-altes-theater.de/
Mit: Uwe Fischer (Philipp Klapproth), Christel Ortmann (Ulrike Sprosser, Witwe, seine Schwester), Sebastian Müller- Stahl (Alfred Klapproth), Julian Mehne (Ernst Kissling, Maler, Alfreds Freund), Stephan Korves (Fritz Bernhardy), Thorsten Köhler (Josephine Krüger), Karl Thiele (Schöller, ehemaliger Musikdirektor), Eva Marianne Berger (Amalie), Jan Kersjes (Eugen Rümpel), Boris Malré (Gröber, Major a.D.)
Weitere Vorstellungen am: 04.12., 17 Uhr | 09.12., 19:30 Uhr | 26.12., 19:30 Uhr | 29.12., 19:30 Uhr | 30.12., 19:30 Uhr
Tickets und Informationen unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
14.11.2011, 16:08 | tags:
Schauspiel
1113
Pressemitteilung vom 14.11.2011
„Des Nachts sind alle Katzen blau!“
Herr Rehschuh trifft Herrn Eng und beide gehen ins Restaurant
Am Freitag, 18. November um 21 Uhr heißt es wieder „Des Nachts sind alle Katzen blau!“. Diesmal treffen kurz vor den Premieren der „Weihnachtsgans Auguste“ und der Kultkomödie „Pension Schöller“ gleich zwei Regisseure im Restaurant & Bar „Altes Theater“ aufeinander und nur eines darf zum Verlauf dieses Abends verraten werden: Der eine Regisseur ist auch noch ein ausgezeichneter Sänger und der andere ein grandioser Gitarrist...
Das Publikum kann auf äußerst unterhaltsame Weise die Inszenierungen und auch die Regisseure kennen lernen.
Eintritt: frei
Informationen unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de.
07.11.2011, 14:59 | tags:
Schauspiel
1100
Pressemitteilung vom 07.11.2011
„Lat mi in Ruh, ick will in mien Truh!“
Premiere „Die Weihnachtsgans Auguste“
Am Mittwoch, 30. November um 10.00 Uhr lädt das Anhaltische Theater zur Premiere “Die Weihnachtsgans Auguste” ein, eine Uraufführung der Bearbeitung von Andreas Rehschuh.
Jeder scheint sie zu kennen, die so berühmte, wie kurze Geschichte um eine Gans, die zur Weihnachtszeit nicht als Festtagsbraten in einer Pfanne endet, sondern als Auguste zum Mitglied einer außergewöhnlichen Familie wird. Doch wer kennt die Schwierigkeiten, die sich für Familie Löwenhaupt ergeben, als ein schnatternd aufmüpfiges Federvieh sehr lebendig in ihr Leben watschelt?
In einem Märchen für Jung und Alt, das der Regisseur Andreas Rehschuh neu für die Bühne bearbeitete, wird erzählt, wie Kammersänger Luitpold Löwenhaupt um jeden Preis seinen Traum von einer idealen Weihnacht Wirklichkeit werden lassen will und am Ende doch auf seinen „Braten“ verzichten muss, um das beste Fest seines Lebens begehen zu können. Friedrich Wolfs Geschichte spielt in Dessau im phantastisch überzeichneten Raum der Bühnenbildnerin Eva-Maria Deqlercq. Hier sind die Grenzen zwischen Realität und Phantasie fließend und geben Raum für das Spiel liebevoll gezeichneter Figuren in Kostümen voll märchenhafter Zeitlosigkeit von Grit Walther.
Andreas Rehschuh, 1969 in Magdeburg geboren, studierte Schauspiel an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig. Es folgte ein mehrjähriges Engagement am Schauspiel Leipzig. Dort arbeitete er mit Regisseuren wie Wolfgang Engel, Pierre Walter Politz, Matthias Brenner, Lukas Langhoff, Johanna Schall, Alexander Lang, Konstanze Lauterbach, Armin Petras, Enrico Lübbe u.a.
Seit 2001 ist Andreas Rehschuh freiberuflich als Regisseur und Schauspieler tätig.
Er inszenierte und spielte in dieser Zeit am Schauspiel Leipzig, am Theater Bremen, am Hans-Otto-Theater Potsdam, am Theater Magdeburg, am Staatsschauspiel Dresden, am Theater Gera/Altenburg, am Staatstheater Cottbus und in dieser Spielzeit auch am Anhaltischen Theater Dessau und am Neuen Theater Halle/Saale. Mit dem Open-Air-Theater „Titanick“ führten ihn Gastspiele zu verschiedenen Festivals in Länder wie Italien, Spanien, Frankreich und Mexiko. Im Jahr 2004 wurde er in „Theater heute“ als bester Nachwuchsregisseur genannt. Andreas Rehschuh lebt in Leipzig.
Inszenierung: Andreas Rehschuh | Bühne: Eva-Maria Declercq | Kostüme: Grit Walther | Musik: Gundolf Nandico | Dramaturgie: Holger Kuhla, Sabeth Braun
Mit: Susanne Hessel (Die Gans Auguste), Gerald Fiedler (Luitpolt Löwenhaupt), Nina Machalz (Clara Löwenhaupt), Patrick Rupar (Tamino Löwenhaupt, Sohn), Katja Sieder (Carmen Löwenhaupt, Tochter), Hans-Jürgen Müller-Hohensee (Opa Theo, Claras Vater)
Die Premiere ist bereits ausverkauft. Weitere Termine, Informationen und Tickets unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
01.11.2011, 12:09 | tags:
Schauspiel
1096
Pressemitteilung vom 01.11.2011
Wieder im Spielplan: „Das Leben der Anderen“
Am Samstag, 5. November um 19.30 Uhr zeigt das Anhaltische Theater „Das Leben der Anderen“- ein Schauspiel von Florian Henckel von Donnersmarck in einer Bühnenversion von Albert Ostermaier im Alten Theater. Ostermaier hat das filmische Spätzeit- DDR- Portrait, dass 2007 nicht nur OSCAR-Ehrungen einheimsen konnte, sondern auch eine lebendige Debatte auslöste, in seiner Bearbeitung auf vier Bühnenfiguren reduziert. Vier Monologe, die zwischen referierender Erzählung und dem Versuch der Selbstreflexion der Figuren changieren. In der Inszenierung von David Ortmann werden die Zweifel und Überzeugungen, Gefühle und Abgründe von vier Menschen hörbar. Liebe und Tod heißen die Klammern um die Geschichte von vier Menschen, die Opfer und Täter sind, Teil eines Systems und diesem zugleich gnadenlos ausgeliefert.
Es spielen: Eva Marianne Berger, Gerald Fiedler, Karl Thiele, Hans-Jürgen Müller-Hohensee
Nächster Termin: 09.11.2011 um 18 Uhr
Tickets und Informationen erhalten Sie unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
28.10.2011, 16:09 | tags:
Schauspiel
1091
Pressemitteilung vom 28.10.2011
Wiederaufnahme „alter ford escort dunkelblau“
Am Mittwoch, 2.November um 18.00 Uhr zeigt das Anhaltische Theater Dessau wieder das Schauspiel „alter ford escort dunkelblau“ und lädt dazu in das Studio des Alten Theaters ein. Dramatiker Dirk Laucke, der 2011 mit dem Georg- Kaiser- Förderpreis des Landes Sachsen- Anhalt geehrt wurde, erzählt eine tragische und zugleich komische Geschichte über drei Männer in einem vergessenen Landstrich, die sich ihre Träume trotz aller Ausweglosigkeiten und Unbillen des Alltags nicht nehmen lassen. Die Drei- Boxer, Paul und Schorse arbeiten in einem Getränkelager, bekommen ein Spottgeld und können jederzeit rausgeworfen werden. Schließlich haben sie die Schnauze voll von Zeitarbeitsfirmen, kaputten Familien und all dem Dreck im Mansfelder Land. Sie werden zu Kidnappern und treten die Flucht aus der Misere an. Ihr Ziel: LEGOLAND. In der Inszenierung von Christoph Sommerfeldt und Andrea Moses spielen Susanne Hessel, Jan Kersjes, Sebastian Müller-Stahl und Patrick Rupar.
Nächster Termin: 03.11.2011, 18 Uhr
Tickets und Informationen erhalten Sie unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
28.10.2011, 13:25 | tags:
Schauspiel
1090
Pressemitteilung vom 28.10.2011
„Wunschfilm 299“
Ihre Lieblingsfilme auf der Bühne
Am Samstag, 29. Oktober um 20.15 Uhr ist es endlich soweit: Ein spielwütiges Schauspielteam lüftet das Ergebnis der Abstimmung über den Wunschfilm. Im neuen kultverdächtigen Veranstaltungsformat des Schauspiels „Wunschfilm 299“ bringen Schauspieler live und in atemberaubendem Tempo und mit sehr viel Spaß jeweils einen gewählten Lieblingsfilm des Publikums auf die Bühne.
Zur Auswahl für den Samstagabend stehen folgende Filmklassiker: „Spiel mir das Lied vom Tod“, „Frühstück bei Tiffany“ oder „Psycho“.
Eintritt: 299 Cent
Tickets und Informationen erhalten Sie unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
26.10.2011, 18:17 | tags:
Schauspiel
1086
Pressemitteilung vom 26.10.2011
“Hamlet” Tragödie von William Shakespeare
Am Freitag, den 28.Oktober um 19.30 Uhr zeigt das Anhaltische Theater den Schauspielklassiker „Hamlet“, inszeniert von Niklas Ritter, im Großen Haus. Shakespeares Hamlet zählt zum Besten, was jemals für eine Bühne geschrieben wurde. Konflikte und Leidenschaften, vor hunderten von Jahren in Szene gesetzt, sind noch immer Gegenwart, denn die Hamlets begegnen uns auch im Heute und stellen die immer gleiche Frage: Was tun in einer Welt, die aus den Fugen geraten ist? Mitlaufen, sich verweigern, sich wehren? Das war, ist und wird wohl stets die entscheidende Frage bleiben.
„In diesem "Hamlet" wird so ziemlich alles geboten, wofür man das Theater lieben kann: Leidenschaft und Leichtigkeit, Ernst und Ironie, wunderbare Livemusik und packende Kampfszenen, texttreuer Shakespeare (in der lebhaften Übersetzung von Angela Schanelec und Jürgen Gosch) und humorvolle Ausbrüche daraus.“ – so nachtkritik vom 15.10.2011
Tickets und Informationen unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
24.10.2011, 08:47 | tags:
Schauspiel
1079
Helmut Rohm, Volksstimme, 21.10.2011
Neuer Schauspieldirektor inszeniert Shakespeares "Hamlet" am Anhaltischen Theater Dessau
Geschichte um Macht und Verrat, Lüge und Hoffnung
Nur Horatio ist übriggeblieben. Alle anderen sind tot. "Erzähle diese Geschichte", so die letzte Bitte des sterbenden Prinzen Hamlet (Julian Mehne). Im Großen Haus des Anhaltischen Theaters Dessau hatte Shakespeares Tragödie "Hamlet" Premiere.
Horatio könnte erzählen, dass diesem Ensemble in der Inszenierung des neuen Dessauer Schauspieldirektors Niklas Ritter eine in die Bühnentiefe und in den Zuschauerraum reichende gewaltige Spielfläche (Bühnenbild Bernd Schneider) für ein meist kurzweiliges Stück angeboten wurde. Mit Gräben, Gruben und Trampolin für schnelle Auf- und Abgänge, eingeschlossen semitransparente Papierflächen.
Aktion, meist mit folgendem Tod verbunden, und mit Überraschungen erlebte der Gast in Fülle: Einen Kugelschreibermord an Polonius. Einen effektvollen Kampf zwischen Prinz Hamlet und Laertes (Sebastian Müller-Stahl) mit vergifteten Klingen (Einstudierung Kampftrainer Klaus Figge). Ophelia ging ins Wasser. Durch ein Versehen trank die Königswitwe Gertrud vom Giftgetränk: Tot!
Horatio könnte auch erzählen, dass Niklas Ritter eigens komponierte Musik in die Inszenierung einflocht. Und, dass das von Jan Kersjes (Rosencrantz Guildenstern) gesungene Brechtlied "Vom ertrunkenen Mädchen", Ophelias Tod tangierend, ein bewegender emotionaler Höhepunkt wurde. Aber auch Humor ist im Stück. Vor allem jedoch kann und soll Horatio der Nachwelt diese vielfach tragisch endende Geschichte um Macht und Verrat, Lüge und Intrige, auch um Liebe, Hoffnung und Visionen erzählen. Vielleicht gedankenanregend, so wie "aus der Geschichte lernen?!"
Der Dessauer "Hamlet" ist ein richtiger Shakespeare, aufführungspraktisch jedoch handlungsverfolgbar eingekürzt. Mit heutigen Kostümen (Ines Burisch) macht Niklas Ritter auf die aktuelle Brisanz aufmerksam. "Es ist was faul im Staate Dänemark" - ist beliebig übertragbar.
Anschauen oder Nichtanschauen dieses Stückes, das sollte hier keine Frage sein. Anschauen!
Die nächste Aufführung ist am 28. Oktober um 19.30 Uhr.
19.10.2011, 23:38 | tags:
Schauspiel
1078
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 20.10.2011
Jetzt werden Lieblingsfilme wahr
Da stehen zwei Romantiker und machen einem das Leben schwer. Sie liebt den Film "Vergissmichnicht", er "Die Thomas Crown Affäre". Herbstfilme fürs Sofa mit Kuscheldecke. Und dann fordern die beiden eine Entscheidung: Soll es "Spiel mir das Lied vom Tod", "Frühstück bei Tiffany" oder "Psycho" sein. Sabeth Braun riskiert schon mal einen Blick in die goldene Glitzerbox, in der die ersten Stimmzettel den Boden bedecken. "Wer führt?" fragt David Ortmann. Dabei ist noch gar nichts entschieden für die erste Folge der neuen Theaterreihe "Wunschfilm 299", die am 29. Oktober startet.
Dramaturgin Sabeth Braun und Regieassistent und Regisseur David Ortmann haben sich das neue Format ausgedacht. Wobei, sie sind ehrlich: "Die Idee ist geklaut, das ist eine lange bewährte Form im Improtheater", gibt Braun zu. Gegen gut geklaut ist freilich nichts einzuwenden, zumal "Wunschfilm 299" noch weitere anerkannte Vorbilder hat. Beispielsweise den "Film ihrer Wahl" des DDR-Fernsehens, aus dem das ZDF dann später den Wunschfilm machte. In Dessau gibt es fortan indes nicht nur den schnöden Streifen auf der Leinwand: "Wunschfilm 299" bringt Kino auf die Bühne, bietet echte 3D-Effekte wenn Schauspieler des Anhaltischen Theaters Wunschfilme nachspielen.
Für den Auftakt haben Sabeth Braun und David Ortmann ihren ganz eigenen Favoriten, verraten aber lieber nichts, um die Abstimmung, die noch ein paar Tage läuft, nicht zu beeinflussen. Die Boxen stehen im Großen Haus und im Alten Theater, auf der Internetseite und bei Facebook kann man gleichfalls voten. "Ich glaube, die Leute werden ganz zerrissen sein, weil sie sich nicht entscheiden können", ist Ortmann sicher. Und die Qual der Wahl lassen die beiden schließlich weiter gehen. Ein mal im Monat soll der "Wunschfilm 299" laufen, stets unter einem Motto, Spezials gibt es zu besonderen Anlässen, beispielsweise in der Weihnachtszeit.
Wie aber soll das Filmespielen gehen? Werden Schauspieler im Western zum Pferd? Schweben sie unter Schirmen über Dächer und mixen Spezialeffekte auf dem Requisitentisch? "Es geht nicht um Wort für Wort oder Szene um Szene", schränkt Sabeth Braun ein, das Signifikante der Filme dürfe man aber erwarten. Nur eine Probe wird es für die Schauspieler geben, die vom Teleprompter ihren Text bekommen und sich ganz einer Kostüm- und Requisitenschlacht hingeben dürfen.
Die Besucher haben zudem die Möglichkeit, in das Geschehen einzugreifen. David Ortmann hat dafür eine Riesenfernbedienung gekauft, mit der man das Geschehen stoppen und wiederholen kann. Den Western mal als Peking-Oper spielen, Potter oder Darth Vader als Marionetten: warum nicht? Der Wunschfilm macht so ziemlich alles möglich, dürfte so manche Überraschung bereit halten, selbst wenn man glaubt, alles aus den Film-Klassikern zu kennen.
Der Eintritt für jeden Abend kostet nur 299 Cent. Abstimmung im Internet auf den nachstehenden Seiten.
19.10.2011, 11:08 | tags:
Schauspiel
1075
Pressemitteilung vom 19.10.2011
Wiederaufnahme „Die Drei von der Tankstelle“
Musikalische Komödie von Sepp Tatzel nach einem UFA- Filmklassiker von Frank Schulz und Paul Frank
Am Donnerstag, den 20. Oktober um 18 Uhr zeigt das Anhaltische Theater die musikalische Komödie „Die Drei von der Tankstelle“ im Studio des Alten Theaters. Die vom Publikum begeistert aufgenommene Komödie der 30er Jahre mit einer großartigen Live-Band (Los Banditos, Jena), bringt die Geschichte einer Männerfreundschaft mit viel Tanz und Gesang auf die Bühne.
„Die Drei“- das sind Willy, Kurt und Hans, kehren von einer Reise zurück und stellen fest, dass sie pleite sind. Nachdem all ihre Möbel gepfändet wurden, verkaufen sie schließlich ihr letztes Hab und Gut, um eine Tankstelle zu eröffnen.
Eigentlich könnte nun alles gut werden- wäre da nicht die wohlhabende Lilly, die jedem der Drei Pechvögel den Kopf verdreht. Dabei wird die Freundschaft der drei Freunde auf eine harte Probe gestellt. Was nun folgt, sind neue Bekanntschaften, Missverständnisse, Irrungen und Wirrungen und vor allem jede Menge Humor.
Die Original- Musik stammt von dem Komponisten Richard Heymann, der den drei Jungs von der Tankstelle mit Songs wie „Liebling, mein Herz lässt dich grüßen“ oder „Ein Freund, ein guter Freund“ zu Unsterblichkeit verhalf. Und was wäre eine Komödie ohne Happy End? Dieser Theaterabend bleibt nicht in der Krise stecken, sondern macht sich auf, zu beweisen, dass man mit Witz, ein wenig Liebe und viel guter Musik auch das tiefste Jammertal überleben kann!
In der Inszenierung von Maria Linke spielen Jan Kersjes, Thorsten Köhler, Matthieu Svetchine, Susanne Hessel und Stephan Korves.
Weitere Vorstellung am: 21.10.2011 um 19.30 Uhr
Tickets und Informationen erhalten Sie unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
18.10.2011, 11:02 | tags:
Schauspiel
1073
Pressemitteilung vom 18.10.2011
Wiederaufnahme „Der Kick“
Dokumentarisches Schauspiel von Andres Veiel und Gesine Schmidt
Am Dienstag, den 25.Oktober um 18 Uhr zeigt das Anhaltische Theater das Dokumentarische Schauspiel „Der Kick“ im Studio des Alten Theaters.
„Der Kick“ beschreibt einen authentischen Fall aus dem Jahr 2002, der landesweit Entsetzen
auslöste: In Potzlow, einem Dorf in der Uckermark erschlagen drei junge Männer aus dem
rechtsradikalen Milieu den befreundeten 17-jährigen Marinus Schöberl, nach dem Vorbild einer Szene aus dem US-Film American History X. Sechs Monate bleibt die Leiche verschwunden.
Ein ganzes Dorf schweigt, versucht die Tat zu verdrängen, zu beschönigen und zu vergessen.
„Der Kick“ versucht, die Ursachen des Gewaltexzesses zu erforschen und das Unglaubliche der
Vorgänge aus dem Jahr 2002 fassbar zu machen. Die Autoren Andres Veiel und Gesine Schmidt
lassen 18 real existierende Personen (Täter, Angehörige, Nachbarn und Beamte) zu Wort
kommen und montieren die Texte aus Protokollen, Interviews und Trauerreden zu einem der
beklemmendsten Entwürfe der Gegenwartsdramatik. Sie vermitteln einen erschreckenden
Einblick in den Tathergang, zeigen die Täter als Menschen und geben ihnen eine Biografie. Darin
liegt die eigentliche Provokation.
Im Anschluss an die Vorstellung findet ein Publikumsgespräch statt.
In der Inszenierung von Axel Sichrovsky spielen Susanne Hessel und Sebastian Müller-Stahl.
Tickets und Informationen erhalten Sie unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
18.10.2011, 10:21 | tags:
Schauspiel
1072
Pressemitteilung vom 18.10.2011
Wunschfilm 299 I. Wahl
Ihre Lieblingsfilme auf der Bühne
Am Samstag, 29. Oktober um 20.15 Uhr startet mit „Wunschfilm 299“ im Studio des Alten Theaters ein neues kultverdächtiges Veranstaltungsformat im Schauspiel. Schauspieler des Anhaltischen Theaters bringen live, in atemberaubendem Tempo und einzigartiger Qualität und natürlich mit sehr viel Spaß Ihre Lieblingsfilme auf die Bühne. Doch der Schrecken aller Spieler wird die Fernbedienung sein, und die liegt in den Händen des verehrten Publikums. Schon von Beginn an ist das Publikum am Verlauf des Abends beteiligt. Bereits im Vorfeld kann ein jeder aus drei Film-Vorschlägen seinen Favoriten wählen. Sowohl im Alten Theater als auch im Foyer des Großen Hauses sind goldene Kisten aufgestellt, in die die Wunschzettel eingeworfen werden können. Aber auch unter: http://www.anhaltisches-theater.de/wunschfilm können Sie bis zum 22. Oktober abstimmen. Für den Abend am 29. Oktober stehen folgende Klassiker zur Auswahl: „Spiel mir das Lied vom Tod“, „Frühstück bei Tiffany“ oder „Psycho“.
Eintritt: 299 Cent
Tickets und Informationen erhalten Sie unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
17.10.2011, 20:12 | tags:
Schauspiel
1071
Thomas Altmann, Mitteldeutsche Zeitung, 18.10.2011
Hüpfend in Dänemark
Stünde in jedem Grab ein Trampolin, sie hüpften doch nur ein kleines Stück aus der Erde und der Himmel bliebe fern. Der Fehlstart eines Engels; Gliederpüppchens verhinderte Himmelfahrt zählt zu den einprägsamsten Bildern im großen Bilderreigen: Ophelia schwebt ganz in Weiß in der Tiefe der sich gnädig verjüngenden Bühne aus der Grube, auf und nieder, auf und wieder.
Ironie im Trauerspiel
Niklas Ritter, neuer Schauspieldirektor des Anhaltischen Theaters, gab am Freitag sein Debüt: William Shakespeare, "Hamlet", ein Trauerspiel. Kein Trauerspiel? Kein Pathosnebel, Gräberdunst, kein Schleifen der Seele? Dafür röchelt die Ironie, taumelt irr die Heiterkeit, als sei das stammelnde Schicksal zerbröselt und hastend entschwunden. Nur dem Geist wächst noch ein Bart. Auch die Monologe sind zerrissen. Nicht einmal der Monolog schlechthin wird durchgängig zelebriert. Unverschämt beinah, wie viele Elemente des Lustspiels in dieser Tragödie agieren. Eine verrückte Korrosion des Schicksals als, wie Shakespeare sagte, "Abdruck der Zeit"?
Es sind vorerst die starken Bilder, die grotesken Gleichnisse, die murmelnden Metaphern, die diese Inszenierung tragen, bis sie sich in der Totengräberszene zur einer Karikatur und im flott gefochtenen Finale zu einem aufgefrischten Schlachtenschinken wölben. So ist der Rest nicht Schweigen, sondern Plappern und Klappern. Wie jetzt sterben und warum? Hauptsache tot? Ach, hätte alles vor der späten Pause einfach aufgehört, mit Bertold Brechts Versen "Vom ertrunkenen Mädchen" als Leichenlied auf Ophelia, zumal die Gräber, welch geniale Idee, von Anfang an ausgehoben waren. Wie auf Knopfdruck fahren sie zum Szenenwechsel in die Grube oder federn Marionetten gleich aus der Tiefe. Hingeworfen und weggewischt, stehen alle immer schon mit mehr als einem Bein im Grab.
So spielt die Bühne (Bernd Schneider) leutselig frisch Friedhof und der Königspalast ist aus Papier. Zwischen Zeitlosigkeit und aufgesetzter Märchenhaftigkeit kitzeln die Kostüme (Ines Burisch) das Klischee und besser noch, hantieren mit dem Gegenteil. "Leichenjubel und Hochzeitklage": die Sprache so bewegt wie die Figuren, spielt die ganze Crew in einer unbändigen Lust auf fesselloses Scheitern hin. Sie spielen vor allem mit dem Trauerspiel und mit dem Text in der Übersetzung von Angela Schanelec und Jürgen Gosch.
Klischee der Unschuld
Mag Ophelia (Katja Sieder) auch schwebend aus der Grube hüpfen, schwerelos ist diese Tochter nie und dennoch ausstaffiert wie das Klischee der Unschuld, welches sie immerfort bricht. Polonius (Stephan Korves) kann so flüssig ungelenk mit seinem Körper reden. Rosencrantz-Guildenstern (Jan Kersjes) spielt Klavier, Didgeridoo, singt: Er sollte zum Hofmusiker des Königs Claudius (Uwe Fischer) ernannt werden. Und wie stirbt Polonius? Hamlet (Julian Mehne) rammt dessen Kopf in einen Kugelschreiber: ein leicht lärmender Verweis auf Wittenberger Humanisten-Bildung. Als ein Intellektueller, der jede Tat im Kopf aufweicht, erscheint dieser Hamlet ohnehin nicht. Eher ist er ein Getriebener und einer, der ungemein treibt, als sei er aus der Zeit geraten, die so großartig schuldfähig war, oder doch nie gewesen ist.
Hamlet führt auch selbst Regie zum demaskierenden Spiel im Spiel. Keine Schauspieltruppe reist an. Hier gibt der Mörder den Mörder, köstlich grillenhaft und schlüssig, mehr als ein witziger Winkelzug. Und Ophelia tanzt, reinweiß und verrucht, wie wir die Unschuld lieben, auf dem Schoß des Prinzen. Auch der Lapdance geht in Ordnung. Hinzu kommen knappe konzentrierte Kammerspielchen, etwa das schöne Duett Mutter und Sohn, Gertrud (Anne Lebinsky) und Hamlet.
Mag mancher Gag ein Lacher werden, konsequent irr und getrieben gelingt Niklas Ritter eine Gratwanderung zwischen Nähe und Distanz, eine scheinbar heitere, doch verrückte Infragestellung des Tragischen, bis zur späten Pause. Oder haben der platte Scheinzynismus der Totengräber und der sportive Degenaktionismus doch Methode? Der Tod des Schicksals selbst? Das Sterben ohne Fügung? Aber nein, plötzlich und unerwartet, wie nebenbei draufgegangen, rauscht auch die Inszenierung in die Grube. Beileid, für den drögen Freitod am Ende: Schön gefochten, mies verreckt.
Die nächsten Vorstellungen von "Hamlet" am 28. Oktober und 11. November, jeweils 19.30 Uhr, und am 19. November um 17 Uhr.
15.10.2011, 13:21 | tags:
Schauspiel
1068
Matthias Schmidt, nachtkritik, 15.10.2011
Hamlet – Niklas Ritter probt in Dessau den Abstand zu Shakespeare
Singen und springen durch das zerbröselnde Dänemark
Die gute Nachricht: In diesem "Hamlet" wird so ziemlich alles geboten, wofür man das Theater lieben kann: Leidenschaft und Leichtigkeit, Ernst und Ironie, wunderbare Livemusik und packende Kampfszenen, texttreuer Shakespeare (in der lebhaften Übersetzung von Angela Schanelec und Jürgen Gosch) und humorvolle Ausbrüche daraus.
Zunächst ist es also eine Freude, diesem Ensemble zuzuschauen. Das nämlich hat wirklich Lust drauf, "Hamlet" zu spielen, und weil wir dieses Stück so gut wie keines sonst kennen, auch mit dem "Hamlet" zu spielen. Regisseur Niklas Ritter lässt seiner Liebe zu assoziativen Ausbrüchen freien Lauf, und so sehen wir Stummfilmszenen zu Klaviermusik von Jan Kersjes (als komische Doppelfigur Rosencrantz-Guildenstern ein echtes Highlight des Abends), erleben einen Gesangswettstreit am Königshof, den Horatio mit einem "O sole mio" gewinnt und vieles mehr.
Abgezocktes Girlie trifft scheiternden Hoffnungsträger
Ritter und sein Bühnenbildner Bernd Schneider schaffen es zudem, man mag das banal finden, die große Dessauer Bühne mit ihrer geradezu riesigen Bühnenöffnung auszufüllen. Bis weit auf die Hinterbühne wird gespielt, wobei die Schauspieler in raffiniert angelegten Gräben wahlweise verschwinden oder auftauchen oder aus diesen per Trampolin zurück nach oben katapultiert werden.
Sie springen und singen durch das zerbröselnde Dänemark, dass es nur so eine Art hat. Julian Mehne ist ein Hamlet, der genau weiß, dass er eine tragische Figur ist. Exakt spielt er auf diesem Grat, zwischen die Zeiten geworfen, und großartig inszeniert er sich als scheiternder Hoffnungsträger. Ebenso Katja Sieder als Ophelia: Sie ist mehr abgezocktes Girlie als Unschuld vom Lande. Ihr Kreischen ist vor allem Mittel zum Zweck, was ihren Selbstmord überraschender wirken lässt, als es das Stück vorgibt. Es ist der ganz normale Wahnsinn, den sie spielen, weil sie wissen, dass sie seltsame Gestalten in seltsam klischeehaften Konflikten spielen.
Pathos, Patina, Pause
Im Totenlied auf Ophelia, Brechts "Vom ertrunkenen Mädchen", erreicht der Abend seinen poetischsten Moment. Mit Didgeridoo und Klavier und seinem Gesang gibt Jans Kersjes dieser Inszenierung hier etwas, was ihr Charakter und ihre Qualität hätte sein können. Allein, Momente wie dieser sind zu kurz, ihr Umfeld ist zu unstet. Vor allem, weil immer wieder auch lang und breit "Shakespeare pur" gespielt wird, mit all dem schweren Pathos und der Patina, die kurz zuvor noch so spielerisch vergessen gemacht wurde.
Und so ist die gute Nachricht schließlich eine schlechte: Denn die Stilmittel der Inszenierung finden in den knapp zwei Stunden bis zur Pause nicht recht zueinander. Die Ansprechhaltungen wechseln atemberaubend oft. Man fühlt sich gelegentlich, als wäre man beim Zappen erwischt worden: Ophelia beim Lapdance für Hamlet. Comedy mit Hamlet Junior und Senior ("Du rauchst?"– "Jetzt kann ich's dir ja sagen!"). Comic-Sprechblasentexte à la "Platsch" neben "Sein oder Nichtsein"– RTL2 trifft arte.
Und dann sind plötzlich alle tot
Nach einer der stärksten Szenen des Abend, dem Totenlied auf Ophelia, ist Pause. In der knappen halben Stunde, die ihr dann noch folgt, trägt Niklas Ritter seine Inszenierung förmlich zu Grabe. Plötzlich wird gespielt, als wolle man diesen "Hamlet" auch als Weihnachtsmärchen für die Kindergärten der Region einsetzen. Die Leichenwäsche in anhaltischer Mundart sorgt für Privatradio-Heiterkeit mit einem Schuß Ödipuskomplex, denn Totengräber 2 (Sohn, leicht debil) bittet Nummer 1 (Mutter) darum, dass er auch mal "die Mitte" machen darf. "Wenn ich tot bin, darfst du meine Mitte machen", antwortet die Mutter. Das will er nicht, was haben wir gelacht!
Darauf fährt ein sächselnder Priester mit der toten Ophelia hinab ins Erdreich, und fortan wird gefochten, was das Zeug hält. Lange Kampfszenen, garniert mit weiterem Klamauk, und dann sind plötzlich alle tot. Das Ende – ein weiterer Lacher: Fortinbras entsteigt einer von Anfang an am Bühnenrand stehenden Rüstung. Ha, von wegen Schweigen!
Mal ganz im Ernst, was sollte diese wirre halbe Stunde? Die Pause legitimieren, die nicht ganz billigen, lauwarmen Schnitzel im SB-Restaurant?
12.10.2011, 21:14 | tags:
Schauspiel
1064
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 12.10.2011
Der wütende junge Mann aus Dänemark
Gegen Dänemarks Kühle hilft der gefütterte Ledermantel. Lange freilich wird der junge Mann den Pelz nicht tragen. Er ist hitzig, er hat Wut, er heißt Hamlet. Der Dänenprinz zürnt und zaudert, zagt und zetert ab Freitag auf der Bühne des Anhaltischen Theaters. Mit dem Klassiker von William Shakespeare stellt sich Niklas Ritter, seit dieser Spielzeit leitender Regisseur im Schauspiel, dem Publikum mit einer Produktion im Großen Haus vor. Seine Handschrift mag mancher indes schon von "Carmen Kittel" aus dem Alten Theater kennen.
"Als Hamlet neu an einem Haus zu starten, ist unglaublich", findet Julian Mehne. Das Publikum könne einen Schauspieler in dieser Rolle bestens kennen lernen, den Kollegen müsse er freilich noch beweisen, warum die Wahl auf ihn, den Neuen, fiel. Dass Mehne und Ritter sich sehr lange kennen, dürfte da wohl eine Rolle gespielt haben: beide besuchten schon gemeinsam eine Grundschule in Berlin. "Wir haben uns langsam aneinander rangearbeitet", beschreibt es Julian Mehne, der mit Ritter, als dieser noch in Leipzig studierte, einen Kurzfilm drehte und 2004 erstmals in der Konstellation Regisseur / Schauspieler bei einer freien Produktion mit ihm arbeitete. "Und nun fragte er mich, ob ich ihn in diese wunderbare Maschinerie Stadttheater begleiten möchte." Julian Mehne wollte und gibt am Freitag sein Hamlet-Rollendebüt, nachdem er viele Jahre frei arbeitete und u.a. am Staatstheater Mainz, Nationaltheater Mannheim, Bremer Theater, Schauspielhaus Bochum und Theater Bielefeld spielte. Von 2003 bis 2006 war Julian Mehne Ensemblemitglied am Maxim Gorki Theater Berlin.
"Mein Hamlet ist ein wütender junger Mann, wahrscheinlich auch ein verunsicherter, einer, der nach Haltung sucht und das mit Gewalt, der sich selbst und seine Umwelt nicht schont, der ehrliche Menschen sehen will, diese aber nicht findet", beschreibt Mehne seine Rolle in der Tragödie. Er erzählt von der sehr direkten Übersetzung des englischen Originals, die großen Monologe seien gestrichen, "Sein oder Nichtsein" freilich müsse niemand vermissen. "Aber alles andere Klugscheißen bremst einen ja auch aus, das ist ein einziges sprachliches Gewitter", so der Schauspieler. Vom Text verstehe man heute längst nicht mehr alles. Die Reduzierung, das Streichen des Ballasts, habe zu einer Konzentration geführt, die Mehne schätzt und die im finalen Kampf mit Laertes endet. "Ich hatte einen echten Ritzer, das sah toll aus", lacht Mehne. "Hamlet ohne blaue Flecken, dann hätte ich was falsch gemacht", findet er. Ganz ohne Blessuren wird er wohl in "Pension Schöller" auskommen, keine Tragödie sondern ein Lustspiel mit Premiere Anfang Dezember und viel Platz für Mehnes komische Seite.
12.10.2011, 10:46 | tags:
Schauspiel
1061
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 12.10.2011
Niklas Ritter ist neuer Schauspieldirektor
Zugegeben, besonders originell ist die Frage nicht. Stellen muss man sie trotzdem: Warum Hamlet? Was kann man dieser tausendmal erzählten, tausendfach gehörten Geschichte noch abgewinnen? Niklas Ritter ist um eine Antwort nicht verlegen: Für den neuen Schauspieldirektor des Anhaltischen Theaters Dessau ist Shakespeares Tragödie schlicht "das beste Stück, das ich kenne".
Die Mischung der politischen und privaten Aspekte, die Überzeichnung des Tragischen bis hin zur Komik haben es dem 1972 in Berlin geborenen Regisseur angetan. Und darum hat er sich das Stück für seine Antrittsinszenierung gewählt, die in dieser Woche Premiere hat - nachdem er sich bereits in der vergangenen Saison mit "Carmen Kittel" von Georg Seidel als Gast vorgestellt hatte. Auch bei Schleefs "Abschlussfeier" und der Oper "Chowanschtschina" war er bereits in Dessau präsent - durch Videos, mit denen er die Inszenierungen von Armin Petras und Andrea Moses nachhaltig prägte.
Dass Niklas Ritters Ästhetik stark von filmischen Vorbildern geprägt ist, spürt man auch im Gespräch über seinen "Hamlet". So vergleicht er das Finale, in dem vergifteter Degen und Kelch so lange vertauscht werden, bis am Ende alle auf der Strecke bleiben, mit dem absurden Showdown in Quentin Tarantinos "Reservoir Dog". Ständig, so sagt er, seien ihm während der Probenarbeit Filmsequenzen eingefallen, die sich mit Konstellationen der Shakespeare-Tragödie vergleichen ließen - ein weiterer Beleg dafür, wie zeitlos und aktuell zugleich dieses Werk sei. Dass Ritter den Geist des Vaters aber nicht als schemenhaftes Video über die Szene geistern lässt, sondern Hamlet mit einem echten Menschen konfrontiert, belegt die Ernsthaftigkeit seines Rollenwechsels.
Den hat er in der Vergangenheit u. a. schon am Maxim-Gorki-Theater Berlin und am Hans-Otto-Theater Potsdam vollzogen - mit Stücken wie "Westwärts" von Rolf Dieter Brinkmann oder "Enron" von Lucy Prebble, aber auch mit den Film-Bearbeitungen von Aki Kaurismäkis "Der Mann ohne Vergangenheit" oder demnächst mit Ingmar Bergmans "Das Schlangenei".
Studiert hat Ritter allerdings weder Schauspiel- noch Filmregie, seiner Profession nach ist er Autor. Das Studium am Literaturinstitut in Leipzig sei ihm später bei der einen wie der anderen Tätigkeit zugute gekommen, sagt er - bei der Suche nach Figuren und Bildern, der Analyse der Geschichten und Strukturen. Und nun hilft sein Renommee als Video-Künstler, interessante Kollegen nach Dessau zu holen. Wenn man sich die erste von ihm geplante Saison anschaut, kann man tatsächlich spannende Konstellationen und prominente Namen entdecken: Der selbst aus der Kultur-Nomenklatura stammende Lukas Langhoff wird sich in der Dramatisierung von Uwe Tellkamps Roman "Der Turm" mit der splendiden Isolation von DDR-Intellektuellen auseinander setzen.
Werner Eng, der in Dessau bereits als "Des Teufels General" überzeugte, soll seine Energie in die "Pension Schöller" einbringen. Und Ritter selbst will im Alten Theater Horvaths "Kasimir und Karoline" als großes Spektakel inszenieren - ein kraftvoller Auftritt, zu dem sich noch Dürrenmatts "Besuch der Alten Dame", das Weihnachtsmärchen sowie kleinere Formate wie die legendäre Reihe "Trash am Montag" und das neue Projekt "Wunschfilm" gesellen.
Womit überredet man Gäste wie Lukas Langhoff, der normalerweise in größeren Städten wie Bonn oder Potsdam arbeitet, zu einer Gastregie in Dessau? "Zunächst einmal mit dem Ensemble", sagt Niklas Ritter. Auch Werner Eng freue sich sehr auf das Schauspiel-Team des Anhaltischen Theaters, das viele interessante Typen vereine. Und dann müsse man natürlich auch mit dem eigenen "Mut zum Mut" punkten: Wenn man immer nur über die engen Grenzen der Provinz jammere, könne man schwerlich Andere begeistern. Dass sich dieses Selbstverständnis auch der langjährigen Zusammenarbeit mit Armin Petras verdankt, mit dem er für "Tristan (zu Heaven)" einst unweit von Dessau recherchierte, scheint ausgemacht. Ob es dieses Stück auch in Dessau geben wird? "Mal sehen", sagt Ritter.
Premiere von "Hamlet" am Anhaltischen Theater: Freitag, 19.30 Uhr
07.10.2011, 13:59 | tags:
Schauspiel
1057
Pressemitteilung vom 7.10.2011
Trinkhalle 1: Hamlet in Dessau
Abendmatinee zur Premiere des Schauspiels im Restaurant & Bar „Altes Theater“
Am Samstag, 8. Oktober um 20 Uhr lädt das Anhaltische Theater erstmals zur „Trinkhalle“ mit dem Titel „Hamlet in Dessau“ in das Restaurant & Bar „Altes Theater“ ein.
An der Mauerecke zur Kreuzung Sieben Säulen, direkt an der Dessauer Meisterhaussiedlung, wurde 1932 die Trinkhalle errichtet. Entwurf: Mies van der Rohe, Bauleitung: Eduard Ludwig. Über jenen weißen, aus der Mauer auskragenden Kiosk mit markantem Dach schrieb die "Anhalter Woche": „…Ein Bedürfnis für eine solche Halle ist natürlich nicht vorhanden ... Aber an dieser Erfrischungshalle (vis à vis zu den Sieben Säulen) ist weder Preis noch der Bauherr das interessanteste. Weit fesselnder ist vielmehr wieder einmal die sogenannte „künstlerische“ Seite der Angelegenheit.“
Diese Trinkhalle existiert nicht mehr und wer weiß, sie entsteht vielleicht an alter Stelle wieder und belebt das Areal um die „Sieben Säulen“ wie einst in den dreißiger Jahren. Bis dahin wollen wir jedoch an das Prinzip jener Trinkhalle an einem anderen Ort erinnern und kombinieren aufs Neue jene zwei Seiten, die die alte Trinkhalle wohl ausmachte, die künstlerische und das nicht minder wichtige Bedürfnis nach einem kühlenden Getränk.
Bislang gab es an einem Sonntagmorgentermin im Foyer des Großen Hauses eine morgendliche Einführung zur jeweils anstehenden Premiere im Schauspiel. Regisseure, Ausstatter, Dramaturgen berichteten über ihre Konzepte, erzählten Wissenswertes über Inhalte, Absichten, Spielweisen; Schauspieler gaben Textproben, sangen, musizierten und machten dem Publikum Appetit auf die folgende Aufführung. Das wird auch künftig so sein, doch in Zukunft möchten die Produktionsteams und ihre Ensembles dem Publikum, neben einer möglichst sinnlichen Präsentation, noch etwas mehr bieten. Von „Hamlet“, „Der Turm“ bis zum „Besuch der alten Dame“ lädt das Schauspiel in die neue Trinkhalle im jüngst eröffneten Restaurant „Altes Theater“ zur abendlichen Matinee. Dort wird man nicht mehr nur alles künstlerisch Wissenswerte rund um eine Aufführung erfahren, sondern bei Bier, Kaffee, Wein, Stillem Wasser oder einem guten Essen, in bester Trinkhallentradition mit den jeweiligen Künstlern ins Gespräch kommen.
Niklas Ritter, seit dieser Spielzeit Leitender Regisseur des Schauspiels, inszeniert diesen Shakespeare und wird gemeinsam mit dem Ausstatter Bernd Schneider, der Kostümbildnerin Ines Burisch und dem Hamlet-Ensemble, die am 14. Oktober zur Premiere kommende Aufführung vorstellen!
Mit: Niklas Ritter (Regisseur), Ines Burisch (Kostüme), Bernd Schneider (Bühne)
Am Klavier: Jan Kersjes | Moderation: Holger Kuhla
Eintritt ist frei.
05.10.2011, 11:49 | tags:
Ballett
, Schauspiel
, Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
1053
Wolf- Dieter Kröning, Bild Zeitung, 4.10.2011
"West Side Story" in Dessau
Weichgespültes Meisterwerk!
Ach, es ist so süß & bitter, so wild & traurig - und endet im Tod! West Side Story, ist - richtig inszeniert - nichts für kleine Kinder. Und Regisseur Christian von Götz macht es richtig!
Das berühmte Musical am Anhaltischen Theater Dessau: ein Meisterwerk - schon das Bühnenbild von Britta Bremer ist schlicht fantastisch.
Tony (David Ameln) und Maria (Cornelia Marschall) sind ein rührendes Liebespaar - wie sie durch ihren Alptraum irrt, ist furios. Die Sänger und Tänzer, die Kämpfe, die Einfälle - prima (auch wenn Latino-Girls nicht rothaarig sind). Der große Wurf somit? Ja, wenn die Anhaltische Philharmonie mitzöge! Alles klingt lieblich: Daniel Carlberg denkt, er dirigiere eine Art Operette - schwelgerisch zerdehnt er die genialen Bernstein-Songs, raubt ihnen die Schärfe, Ruppigkeit, Tempo: Der Weichspüler am Pult arbeitet gegen die Regie. Nur wenige haben`s gemerkt, Trampelapplaus! Fazit: die beste "West Side Story", die ich seit langem gesehen habe. Braucht nur mehr Druck auf der Pumpe.
Nächste Vorstellung: 7. Oktober, 19.30 Uhr, Karte ab 13,50 Euro
04.10.2011, 17:34 | tags:
Ballett
, Schauspiel
, Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
1051
Helmut Rohm, Volksstimme, 4.11.2011
"West Side Story" zum Spielzeitauftakt am Anhaltischen Theater
Bewegende Geschichte in faszinierender Symbiose
essau-Roßlau. "Irgendwo. Irgendwann. Irgendwie." - nur die Hoffnung bleibt. Hier endet Leonard Bernsteins Musical "West Side Story", das am Freitagabend im ausverkauften Anhaltischen Theater Dessau eine frenetisch gefeierte Premiere erlebte.
Im Grunde "sitzen" die bis aufs Blut verfeindeten New Yorker Straßengangs, die Jets und die Sharks "im gleichen Boot". Beide sind Abkömmlinge verschiedener Einwanderergruppen. Beide haben keine soziale Perspektive. Beide klammern sich an ihr vermeintliches Domizil, eine heruntergekommene Industriebrache. Gewalt ist das fast einzige Kommunikationsmittel - ein schier unlösbarer Konflikt.
Mit seinem bisher wohl weltweit erstmaligen Drehbühnen-Raum-Konzept (Bühne: Britta Bremer; Kostüme: Katja Schröpfer) symbolisiert Regisseur Christian von Götz die sich zuspitzende Gewaltspirale, die schließlich aus dem Rahmen läuft.
Beide Gruppen stehen gleichsam für die hoffnungslose Lage der Jugend schlechthin. Etwas von diesem New York der 1950er Jahre ist auch hier und heute. "Während wir in Dessau probten, brannten in London die Straßen, in Berlin die Autos, wurden auf Bahnsteigen unschuldige Menschen zu Tode geprügelt", zieht Christian von Götz erschütternde Parallelen.
Die bewegende Geschichte (Buch Arthur Laurents, Gesangstexte von Stephen Sondheim) inszeniert er als faszinierende Symbiose von Musik, Schauspiel und Tanz (Choreografien Carlos Matos). Das Orchester unter dem furios agierenden Daniel Carlberg spielt groß auf, trifft den Nerv der jeweiligen Situation eindrucksvoll.
Besonders hervorzuheben ist, dass bis auf Karen Helbing (Anita) dieses personalaufwändige Stück durchweg mit theatereigenen Künstlern realisiert wird. Christian von Götz hat dabei ein großartiges Musicalensemble geformt, in dem kaum noch unterscheidbar ist, ob Tänzer, Sänger oder Schauspieler in Aktion sind. Die Dessauer "West Side Story" ist so zu viel mehr als einem eindrucksvoll gelungenen Spielzeitauftakt geworden und setzt sicher hier und da auch über Dessau hinaus neue Maßstäbe.
Der Zuschauer wird förmlich mitgerissen von der unglaublichen temporeichen und ungemein realistisch-dramatisch-tragischen Auseinandersetzung, hin bis zu faszinierend dargestellten realistischen Kampfszenen (Choreografie Klaus Figge).
Er erlebt jedoch auch sehr kontrastreich die von lebensechter Emotionalität geprägten sentimental-lyrischen Szenen der jungen, zunächst scheinbar ungetrübten Liebe von Maria und Tony. Eine aufkeimende Beziehung, die von Cornelia Marschall und David Ameln gesanglich vorzüglich und spielerisch anrührend gelebt wird. Wie bei "Julia und Romeo" kann ihre Liebe nicht glücklich werden. Die Hoffnung bleibt - auf das "Irgendwo. Irgendwann. Irgendwie".
Die nächste Aufführung ist am Freitag, dem 7. Oktober, um 19.30 Uhr.
02.10.2011, 21:59 | tags:
Ballett
, Schauspiel
, Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
1049
Andreas Hillger, mz-web.de,2.10.2011
Anhaltisches Theater
Im Schmelztiegel der Kunst
Am Anfang geht eine Puppe zu Bruch, am Ende werden Menschen in ihrem Blut liegen - doch das kleine Mädchen wird dann noch immer versuchen, das zerstörte Spielzeug zu reparieren. Es ist ein schlichter, stimmiger Rahmen, den Christian von Götz seiner Inszenierung der "West Side Story" am Anhaltischen Theater gegeben hat. Und er passt perfekt zum tödlichen Spiel, das die Jets und die Sharks hier in den Straßen von New York treiben: ein Guerilla-Krieg der Benachteiligten, die ihren Kick in den Klischees vom fremden Gegenüber und in den adrenalinsatten Balzkämpfen vor den Augen ihrer Mädchen suchen. Bis sich zwei junge Menschen zwischen den Fronten begegnen und die Liebe den Hass entlarvt.
Von Verona nach Amerika
Dass diese Geschichte von zeitloser Gültigkeit sein würde, dürften der Komponist Leonard Bernstein sowie seine Librettisten Arthur Laurents (Buch) und Stephen Sondheim (Songs) schon bei der Uraufführung 1957 geahnt haben. Schließlich hatten sie damit das berühmteste Liebesdrama der Literaturgeschichte aus Verona nach Amerika versetzt und Romeo und Julia in Tony und Maria umbenannt. Wie gut sich dieses Werk aber auch für eine Produktion jenseits der Broadway-Traditionen eignet, kann man nun in Dessau sehen: Hier spielt ein deutsches Stadttheater seine Trümpfe aus und inszeniert ausgerechnet die Konfrontation von rivalisierenden Gruppen als Schulterschluss zwischen allen Sparten.
Denn dies ist das überraschende und überzeugende Konzept dieses Abends: Bis auf Cornelia Marschall (Maria) und David Ameln (Tony) sind sämtliche Rollen mit Chorsängern, Tänzern und Schauspielern des Hauses besetzt, lediglich Karen Helbing wurde für die Rolle der Anita als Gast engagiert. Und wo man sonst die Spezialisierung in den Defiziten erkennt, verschwimmen hier die Grenzen zum Besseren: Drei Dutzend Darsteller singen, tanzen und sprechen ihre Rollen überzeugend, sie beflügeln einander zu Höchstleistungen auf fremdem Terrain und treten am Ende ausgepumpt, aber glücklich in den Premierenjubel.
Da sind die Tänzer Matthew Bindley und Juan Pablo Lastraz-Sanchez, die sich als Riff und Bernardo an die Spitze ihrer Heere stellen und als Erste in den Tod gehen. Da sind die Schauspieler Patrick Rupar und Susanne Hessel, die als Action und Anybody's auf Seiten der Jets für gefährliche Energie sorgen. Und da sind die Choristen Alexander Dubnov und Anne Weinkauf, die bei den Sharks vom kleinen Glück träumen. Sie stehen als Erste unter Gleichen in dem Ensemble, das in den von Carlos Matos rasant choreografierten Nummern wie "I'd like to be in America" oder "Officer Krupke", auch und vor allem aber in den von Klaus Figge virtuos inszenierten Kampfszenen über sich hinauswächst.
Kein biederes Remake
Dabei hat Christian von Götz alles andere als ein biederes Remake des klassischen Vorbilds geliefert. Dank der gigantischen Dessauer Drehbühne konnte er sich von Britta Bremer ein Labyrinth bauen lassen, in dem zwischen Feuerleitern und Klimakästen genügend Raum für große Bilder bleibt. Wenn sich Tony und Maria im Brautkleidladen begegnen oder in einem Meer von Kerzen vor der feindlichen Welt verstecken, dann sind diese poetischen Momente einer latenten Angst abgetrotzt, die in erschreckenden Visionen von Schlachthäusern und Drogenrausch vor den Augen der Zuschauer kreist. So braucht es nur wenige Accessoires wie die Liebes-SMS oder die schönen, aktuellen Kostüme von Katja Schröpfer, um die Geschichte in die Gegenwart zu holen - und nur wenige drastische Augenblicke wie die Vergewaltigung von Anita, um ihre existenzielle Dimension deutlich werden zu lassen.
Für die musikalische Qualität und den permanenten Dialog zwischen Bühne und Orchestergraben aber sorgt Daniel Carlberg, der der Anhaltischen Philharmonie ihre zuletzt an Weills "One Touch of Venus" und Bernsteins "Candide" geschulten Amerikanismen entlockt. Und so, wie sich die Musiker in diesen Sound einfühlen, bringen auch die Künstler auf der Bühne ihre biografische Verwurzelung in ein Stück ein, das dafür ideal scheint.
Da kokettiert die Schweizerin mit einem puerto-ricanischen Akzent, da tanzt die Brasilianerin neben dem Briten und die Koreanerin neben dem Albaner. Das Theater als Schmelztiegel, als sozialer Raum mit kultureller Aufgabe. "Somewhere"? Genau hier!
Nächste Vorstellungen: 7. Oktober, 19.30 Uhr; 27. Oktober, 16 Uhr
19.09.2011, 12:31 | tags:
Schauspiel
1036
Pressemitteilung vom 19.09.2011
Premiere “Hamlet”
Tragödie von William Shakespeare
In seiner 217. Spielzeit startet das Anhaltische Theater mit dem Klassiker HAMLET, inszeniert von Niklas Ritter, der als neuer Leitender Regisseur mit dieser Premiere am 14. Oktober um 19.30 Uhr die Spielzeit im Schauspiel eröffnet.
Der junge Hamlet ist ein kluger, aufgeklärter Kopf der plötzlich zurück nach Hause, ins Gestern muss. Denn der königliche Vater stirbt unverhofft, die Mutter heiratet allzu schnell und des Vaters Geist geht um, blutige Rache fordernd. Was tun in solch einer Situation? Was tun, wenn man weder an Geister glaubt, noch an eine lauwarm- haltungslose Welt? Hamlet entscheidet sich für den Zorn, lässt ihn zu und nimmt einen aussichtslosen Kampf an.
Shakespeares Hamlet zählt zum Besten, was jemals für eine Bühne geschrieben wurde. Konflikte und Leidenschaften, vor hunderten von Jahren in Szene gesetzt, sind noch immer
Gegenwart, denn die Hamlets begegnen uns auch im Heute und stellen die immer gleiche Frage: Was tun in einer Welt, die aus den Fugen geraten ist? Mitlaufen, sich verweigern, sich wehren? Das war, ist und wird wohl stets die entscheidende Frage bleiben.
Niklas Ritter studierte am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig, arbeitete als freier Regisseur und Videokünstler u.a. am Hans Otto Theater Potsdam, am Staatstheater Dresden, am Thalia Theater Hamburg, am Deutschen Theater Berlin, am Schauspiel Köln, am Schauspiel Frankfurt und am Maxim Gorki Theater Berlin. Am Maxim Gorki Theater inszenierte er "Der Mann ohne Vergangenheit" von Aki Kaurismäki, "Westwärts" von Rolf Dieter Brinkmann und "Die Reise" nach Bernward Vesper, am Hans Otto Theater Potsdam im vergangenen Jahr "Enron", eine deutschsprachige Erstaufführung von Lucy Prebble. Als Videokünstler arbeitete er mehrfach für Inszenierungen von Armin Petras sowie mit Sebastian Baumgarten und Jorinde Dröse. Am Anhaltischen Theater inszenierte er in der vergangenen Spielzeit Georg Seidels „Carmen Kittel oder Ich wünsch mir Sonnenstrand".
Für die Degen gegen Degen Kampfszenen konnte Klaus Figge gewonnen werden, der Meister der Kampfchoreografie, der an den großen deutschsprachigen Theatern und Opernhäusern von Berlin bis Wien, mehrfach bei den Salzburger Festspielen, den Wiener Festwochen und der RUHRTRIENNALE sowie von 2002 bis 2009 regelmäßig bei den Nibelungen Festspielen Worms gearbeitet hat.
Mit: Anne Lebinsky (Gertrud), Katja Sieder (Ophelia), Karin Klose (1. Totengräber), Jan Kersjes (Rosencrantz Guildenstern), Stephan Korves (Polonius), Torsten Köhler (Horatio), Sebastian Müller-Stahl (Laertes), Julian Mehne (Hamlet), Uwe Fischer (Claudius), Hans-Jürgen Müller-Hohensee (Geist, Fortinbras)
Tickets und Informationen unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
19.09.2011, 09:52 | tags:
Schauspiel
1033
Pressemitteilung vom 19.09.2011
DER LETZTE EINRUF !!! [Folge 7] Hamlet
Zum nunmehr siebten Mal öffnet Kult-Inspizient Leo Polte VIII. am Montag, 3. Oktober um 19.30 Uhr die Chronik seiner großen Familie und berichtet, wie Leo II. im Jahre 1872 von Richard Wagner und Eduard Thiele in den Freitod getrieben wurde. Darüber hinaus erfährt man u.a., was auch heute noch faul ist im Staate Dänemark, warum der Hamlet in nächster Zeit vermutlich von Heath Ledger verkörpert werden wird und wieso auch Matthias Reim den Selbstmord von Ophelia nicht hätte verhindern können.
Ein “überaus ernster” Abend mit Gerald Fiedler, einem Überraschungsgast und viel Musik.
Am Klavier: Stefan Neubert
Karten und Informationen unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
16.09.2011, 14:39 | tags:
Schauspiel
1032
Pressemitteilung vom 16.9.2011
Wiederaufnahme „Tolles Geld oder Armut ist keine Schande“
Am Samstag, 17. September um 17.00 Uhr steht die Schauspielinszenierung „Tolles Geld oder Armut ist keine Schande“ wieder auf dem Spielplan des Anhaltischen Theaters. Mit Alexandr N. Ostrowskis Komödie ist in Zeiten finanzieller Krisen folgerichtig ein Stück zum „Glück“ des Sparens auf der Bühne des Anhaltischen Theaters zu sehen.
Vasilow beherrscht wie kein zweiter die Kunst des Sparens. Doch er verliebt sich in eine Schönheit, die allein den grenzenlosen Luxus liebt.
In der Inszenierung (Regie: Wolfgang Maria Bauer, vor allem bekannt durch seine Rolle als Kriminalhauptkommissar Viktor Siska in der gleichnamigen Serie für das ZDF), dreht sich alles mit Lust und Leid um die Topthemen unserer Tage: Das liebe Geld, menschliche Abgründe und die „Moral“ der Finanzwelt.
Nächste Termine:
Tickets und Informationen unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
29.06.2011, 16:27 | tags:
Schauspiel
1000
Pressemitteilung vom 29.06.2011
Antike-Projekt im und rund um das Alte Theater
METAMORPHOSEN [VERWANDLUNGEN]
Am Donnerstag, 30. Juni um 19 Uhr lädt das Anhaltische Theater zu einem besonderen Schauspielabend ein. In und rund um das Alte Theater werden dem Publikum mit dem Antike-Projekt METAMORPHOSEN [VERWANDLUNGEN] drei ganz unterschiedliche Stücke und Schicksale geboten, die alle einen außergewöhnlichen Blick in die Gegenwärtigkeit des scheinbar Vergangenen werfen. Denn die großen Konflikte des Menschen mit dem Menschen und mit sich selbst, sind seit tausenden von Jahren dieselben. Die Tragödien der Antike von Sophokles bis Euripides oder die Epen des Homer sprechen noch heute zu uns auf ungeheuer kluge und berührende Weise. Und so steht nach fast 3000 Jahren und inmitten einer lebendigen Stadt, Ödipus einem eigens für das Stück zusammen gekommenen VOLKS-CHOR aus Bürgern Dessaus gegenüber und geht als Politiker einen sehr selten gewordenen Schritt: Um den Preis des eigenen Untergangs sucht er nach der Wahrheit. Medea, die Fremde unter Fremden, rächt sich für ein gestohlenes Leben. Sie hat einen hohen Preis für ihre Liebe zu Jason gezahlt und wird dennoch verraten. Medeas Rache und der Mord an ihren Kindern ist legendär und bleibt bis ins heute so nachvollziehbar wie rätselhaft. Und wenn am Ende eines Theaterabends im Satyrspiel die Fahrt des Odysseus von Troja heim nach Ithaka zur Inspiration für eine gegenwärtige Single-Kreuzfahrt nach Griechenland wird, schließt sich der Kreis getreu dem Motto: Geschichte vollzieht sich stets zweimal, einmal als Tragödie, einmal als Farce. Für die kulinarische Begleitung dieses Abends ist gesorgt.
In Kooperation mit der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin
Tickets und Informationen unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
29.06.2011, 11:00 | tags:
Schauspiel
999
Thomas Altmann, Mitteldeutsche Zeitung, 28.06.2011
Zwischen Grillwurst und Freizeitzyklopen
Die Straßenbahn fuhrwerkt vorbei. Eine Passantin wirft ein Auge ins hölzerne Amphitheater. Die Pest, ach ja, und wer hat Schuld? Ödipus vertilgt eine Wurst vom Grill, während sich das Volk durchs orale Stadium der Triebe stottert. Luftballons platzen später, Knabenköpfe, Kinderherzen, rote Luftballons in leeren Fenstern. Medea hat teil am Mond und am Entsetzen. Odysseus, dann, fährt kreuz mit Freizeitzyklopen, bis die Korrepetitorin gegessen ist.
Drei Inszenierungen
Vater-, Bruder-, Kindermord, Inzest auch und Kannibalismus: Die Antike als Stanzform abendländischer Kultur wird an diesem Abend angerissen, durchlitten und ausgeweidet. "Metamorphosen" (Verwandlungen) heißt das Antike-Projekt vor und im Alten Theater, eine Kooperation des Anhaltischen Theaters mit der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" Berlin, eine Zusammenarbeit, die drei Inszenierungen in Serie liefert: Ödipus, Medea und Odysseus. Am Freitag war Premiere.
Die Hochschule stellte die Regieteams, eigentlich. Das erste Team sprang ab. Nun versuchte Uwe Fischer König Ödipus zu retten, was ohnehin schwer möglich ist. In Wort und Sprache zwischen Sein und Schein treibt Sophokles die Wahrheit ans Licht und Hölderlins Übertragung ist hoch artistisch dazu. Geschenkt seien die sichtbaren Bezüge auf moderne soziale Schichtungen. Soll etwas gefunden werden, dann vielleicht die Einsamkeit des Eloquenten, des unschuldig Schuldigen.
Zwischen einer verhaltenen Iokaste (Katja Sieder) und einem Co-König (Boris Malré) in verdienter Stellvertreterposition formt Ödipus (Stephan Korves) die fatalen Korrespondenzen leidensfähig aus und prallt umso schärfer auf einen spröden Ort, prallt auf einen Chor aus Laiendarstellern, die aus dem hochmelodiösen Text eine verschnittene Interruption desselben machen. Held gegen Masse? Der Seher Teiresias (Bernd Lücken) hat einen Sprachfehler, der wohl ein Hohelied auf die Authentizität singen soll, aber vielleicht doch verbraten wird zum Proleten-Barbecue mit Fensterblick auf Intimitätchen im Königshaus bei gezückter Schulter. Und ein Kinderstimmchen serviert ein Stückehen Gänsehaut zur Bratwurst: Ödipus ab.
Jedes Wort wird Fleisch
Am Ende der zweiten Tragödie sitzen Medea und Jason an der Rampe im Studio, rauchen eine Zigarette. Jason hat den zweiten Sohn getötet. Diese letzte gemeinsame Schuld verkettet in Tom Lanoyes "Mamma Medea" das Paar in letzter Konsequenz. Der aufgefrischte Text, der die archaische Kraft bewahrt und schon stilistisch den Zivilisationsbegriff hinterfragt, beginnt in Kolchis, der Heimat der Medea, mit dem Raub des Goldenen Vlieses. Die Inszenierung von Ulrike Müller beginnt mit dem zweiten Teil, dort wo auch Euripides' ansetzt, in Korinth. Da scheint der schauerliche Preis der Liebe schon gezahlt und nährt Erwartungen, die im Alltag nicht standhalten und den Preis in letzte Höhen treiben.
Schön ist er, großartig und beklemmend, der Dialog zwischen Medea (Katrin Nowak) und Kreusa (Susanne Hessel) auf schiefer Ebene über unsicherem Boden (Bühne: Jan Lehmann). Hier wird jedes Wort Fleisch, jede Geste Wort. Diese Medea ist auf vielen Kehrseiten heimisch, zwischen Nähe und Ferne, zwischen Sympathie und Abscheu. Jason (Sebastian Müller-Stahl) bindet Macht und Ohnmacht, ein schwächelnder Patriarch, Karrierist mit Gewissensscherben, zögernder Täter, und das ganze Team spielt berufen mit: Die Dienerin (Christel Ortmann) ein Staubtuch im Wind, der Sportlehrer (Gerald Fiedler) eine schleifende Prothese des Geschehens, Ägeus (Karl Thiele) ein unfreier Freier. Mögen, wenn Bälle rollen oder der Zweitgeborene wimmert, Horrorfilm-Effekte des Mitleids anklingen, die Geschichte wird hoch konzentriert erzählt, bis die Luftballons platzen.
Himbeerfarben bestrahlt später der Sonnenuntergang den fortgesetzt fröhlichen Beischlaf der Langeweile im Foyer. Diese Odyssee ist ein Panoramablick auf 12 000 Hexameter, eine unendliche Heimkehr des Banalen auf dem Oberdeck eines Kreuzfahrtschiffes, das die abgestandene Gischt der Mythen quert, eine "Schlagerette frei nach Homer": "Ich und du und ein Schiff dazu", in der Inszenierung von Elsa Vortisch. Sarah Davidovic, Katja Sieder, Jan Kersjes, Patrick Rupar und Thorsten Köhler liefern einen höhnisch hämischen Trip. Unablässig wird idiotisch animiert und köstlich tiriliert. Von der Arie bis zum Schlager schippert und scheppert die temporeiche Vorbeifahrt, die jede mythische Wurzel mit blutverschmiertem Mund durchbeißt. Pianistin Dorothee Dietz, die so schön würzte, gerät auch noch auf den Speisezettel. Lauter Stellvertreterschlachten? Keine Götter mehr, irgendwo? So wird der Mensch Pauschaltourist:
"Denn sie bereiteten selbst durch Missetat ihr Verderben".
Nächste Vorstellungen am Donnerstag und Sonntag, jeweils 19 Uhr.
25.06.2011, 10:24 | tags:
Schauspiel
991
Matthias Schmidt, nachtkritik, 25.06.2011
Metamorphosen. Ein Antike-Projekt – Dessau setzt ein Spektakel mit Sophokles, Euripides und Schlagern an
Mit Ödipus gegen die Ödnis
Dessau, 25.Juni 2011. Das neue "Alte Theater" von Dessau hat es nicht leicht. Ein Zweckbau, wie ihn Stadtplaner sich gerne für fröhliche Arbeitsämter aufschwatzen lassen, in die man als "Kunde" dann gerne gehen soll. Man kann das originell nennen, freundlich und farbenfroh, wie es ist, bauhauseckig und doch kein Würfel. Genau genommen aber kann man es auch als folgerichtige Rückseite des "Rathaus-Centers" verstehen, der benachbarten Shopping Mall.
Später Nachmittag vor dem "Alten Theater": Auf den riesigen Bänken sitzen ein paar Bewohner der daneben stehenden "Platte", nehmen Getränke ein und lamentieren weithin vernehmbar, früher sei der Zusammenhalt im Haus größer gewesen. Das Theater steht mitten in Klischees, das Flair ist nicht eben hochkulturell. Genau das wollen die Theaterleute ändern, aus dem "Alten Theater" einen Ort der Lebens- und der Hochkultur und – ja, auch das – der guten Gastronomie machen. Das Spektakel kann beginnen.
Es heißt "Ein Antike-Projekt", was ein bisschen an Christoph Schroths Schweriner "Antiken-Entdeckungen" von 1982 erinnert, nur dass es viel kleiner ist. Ein wenig zu klein eigentlich, um Spektakel genannt zu werden, doch sei's drum.
Bierchen bei Tiresias
Teil 1, Auftritt Ödipus und Kreon auf dem Platz vor dem Theater: zwei Herren im Anzug, Lokalpolitiker der eine, der andere mit seiner Sonnebrille – sagen wir – Berater. Aus dem Publikum, das auf grob getischlerten Holztraversen sitzt, erhebt sich ein Bürgerchor und spricht, mehr oder weniger frei – die Hölderlin'schen Verse. Im heimischen Dialekt. Es ist, als spielten wir alle mit. Als ginge es uns alle an. Alles geschieht lapidar, meint: echt. Das ist schön anzuschauen, sorgt für kleine Verunsicherungen und Heiterkeiten, aber leider ist es dann doch etwas zu kraftlos für die große Tragödie, um die es eigentlich geht.
Tiresias, der blinde Seher, ist ein Obdachloser, mit Schlafsack und Decke und seinem halben Leben im Einkauf-Rolli. Sein Darsteller, Bernd Lücken, ist ein schwer an Parkinson erkrankter Laie, der sich für die Rolle als Tiresias beworben hat. Er ist ein Highlight der Inszenierung, nicht, weil er diese Rolle trotz der Krankheit bewältigt, sondern wie er sie gerade dadurch prägt. Das ist echt und theatral zugleich und wirkt, im Gegensatz zu manchen der anderen Ideen, tatsächlich nach.
Als er sich nach seinem Auftritt auf dem kühlen Beton zur Ruhe legt, liegt dort keiner, der ein Schauspieler ist, sondern einer, der zu den traurigen Nachmittagstrinkern gehören könnte. Am Ende trinken alle ein Bierchen mit Tiresias; den Flaschenöffner hat er im Rollwagen dabei Dieser "Ödipus" bleibt vor allem deshalb am ehesten als Sozialdrama in Erinnerung.
Rosenkrieg im Kinderparadies
Teil 2, Tom Lanoyes flotte Fassung der "Medea". Die Studio-Bühne im "Alten Theater" ist voller kleiner Plastikbälle, und wie im Ikea-Kinderparadies spielen Medeas Kinder darin. Ihre Eltern liefern unterdessen einen Rosenkrieg vom Feinsten ab. Soll es geben, nicht nur in Korinth.
Auch diese Inszenierung ist weniger Antike als der Name sagt, aber ging es nicht um Verwandlungen? Tom Lanoye verwandelt den Euripides-Text in einen pointenreichen Geschlechterkampf, in dem Katrin Nowak als Medea und Sebastian Müller-Stahl als Jason großartig aufspielen. Was dem "Ödipus" etwas fehlte, eine in sich geschlossene Regie-Idee, hier wird es nachgereicht. Die Geschichte einer von ihrem Mann zugunsten einer Jüngeren verlassenen Frau namens Medea, die schließlich ihre Kinder umbringt – der Mythos als bedrückende Schablone auf die Nachrichten der Jetztzeit.
Homer in der Südsee
Im letzten Teil des Abends werden Schlager gesungen. Die Schauspieler toben sich in schrillen Kostümen nach Herzenslust aus, und das Publikum jubelt. "Monotonie in der Südsee", "Abenteuerland", und sogar Mozart kommt vor. Man kann das bunte Treiben mit viel gutem Willen als Anspielung auf Homers "Odyssee" verstehen, muss man aber nicht. Letztlich ist, was auf der MS "Calypso", einem Kreuzfahrtschiff für Singles, stattfindet, einer dieser Unterhaltungsabende, mit denen die Bühnen landauf landab um Zuschauer kämpfen. Knapp an der Belanglosigkeit vorbei, aber toll und leidenschaftlich gemacht. Eine Kinderspielecke für Schauspieler.
Als die zahlreichen Beteiligten des Abends im Anschluss auf die Bühne kommen, ist das "Antike-Projekt" für einen Moment ein richtiges Spektakel. Mehr davon, für mehr Menschen und mit mehr Bewirtung – da geht was, in und vor dem "Alten Theater" in Dessau!
22.06.2011, 11:28 | tags:
Schauspiel
990
Pressemitteilung vom 22.06.2011
Zum letzten Mal in dieser Spielzeit: „Woyzeck“ Schauspiel von Georg Büchner
Am Freitag, 1. Juli um 19.30 Uhr zeigt das Anhaltische Theater zum letzten Mal vor der Sommerpause die Schauspielinszenierung „Woyzeck“ im Großen Haus. Gleich einer Wanderzirkus-Truppe lässt Regisseur Christian Weise das Schauspielensemble auf der Bühne stranden.
Erzählt wird in dem Schauspiel von Georg Büchner die Geschichte des Soldaten Woyzeck, der seine Frau Marie liebt, aber ihr und dem gemeinsamen Sohn nicht viel zu bieten hat. Um zu überleben, arbeitet er Tag und Nacht, stets gehetzt schlägt er sich durch und liefert sich aus. Woyzeck tut bis zur Selbstauflösung alles und für jeden, wenn auch nur ein paar Groschen dabei herausspringen. Hauptmann und Arzt, für die Woyzeck u.a. auch arbeitet nutzen ihn nicht nur physisch und psychisch aus, sondern demütigen ihn obendrein in aller Öffentlichkeit. All dies nimmt er in Kauf, um das kleine Glück zu bewahren. Doch als der dünne Faden, an dem sein Leben hängt, durch Maries exzessiv gelebte Untreue reißt, ist es auch damit vorbei...
Jens Dohle und Christoph Reuter komponierten eigens für das Stück eine Bühnenmusik, die von Balkanklängen inspiriert ist und live von sechs Musikern der Anhaltischen Philharmonie unter der Leitung von Stefan Neubert gespielt wird.
Für die Vorstellung bietet das Theater Tickets zu einem Aktionspreis von 8,- Euro/ ermäßigt 5,- Euro an.
[....] „Minimalistisch und leicht in das historisierende Licht eines vorgestrigen Jahrmarkttreibens mit Schaustellern und Körpersensationen gerückt, zeigt er die Tragödie einer Welt, die gespenstisch, banal und blutig scheitert, die nicht sein kann ohne einen Untersten, der in seiner Not außer sich gerät und tötet..“ – Ralph Gambihler, nachtkritik, 16.4.2011
Karten und Informationen unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
21.06.2011, 14:09 | tags:
Schauspiel
988
Pressemitteilung vom 21.06.2011
Zum letzten Mal: Doktor Mabuse [Uraufführung]
Schauspiel frei nach Motiven von Norbert Jacques und Fritz Lang
Am kommenden Sonntag, 26. Juni um 17 Uhr zeigt das Anhaltische Theater letztmalig die bildgewaltige Inszenierung „Doktor Mabuse“.
Superverbrecher Mabuse spielt im Casino mit den kleinen Menschen und manipuliert im Großen die Wirtschaft, um seinen Idealstaat zu errichten. Kommissar von Eyck (Gerald Fiedler) kommt dicht an dessen Machenschaften heran – und droht, selbst in den Strudel des Verbrechens gezogen zu werden. Und Mabuse wiederum scheint über die Liebe zur unerreichbaren Gräfin (Katja Sieder) seinen Weltenbrand zu vergessen, der Inbegriff des Bösen muss als Liebender ganz menschlich stolpern.
André Bücker entfesselt auf der Drehbühne des Theaters einen gewaltigen Bildersturm, in dem die Texte großer Denker von Friedrich Nietzsche bis Sigmund Freud mit einem schrägen, fast psychedelischen Personal durcheinanderwirbeln. Im Auge des Sturms aber bleibt „Doktor Mabuse“ ganz bei sich: ein temporeicher, hakenschlagender Zwanziger-Jahre-Krimi.
Karten und Informationen unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
21.06.2011, 07:18 | tags:
Schauspiel
987
Anja Röhl, junge Welt, 21.06.2011
Dessau im Zeugenstand
Erheben Sie sich! Ein theatraler Rundgang zum Mord an Oury Jalloh
Ein kleines umzäuntes Areal im Stadtpark Dessau. Es ist der Abend des 10. Juni. Am Tag hat eine Trauerfeier für Alberto Adriano stattgefunden, der genau hier elf Jahre zuvor wegen seiner Hautfarbe von Neonazis ermordet wurde. Manche Theaterbesucher haben Blumen dabei. Am Eingang kann man sich im afrikanischen Stil einkleiden. Umhänge, Kleider, Röcke und Tücher, mit Worten bedruckt, die zur Uraufführung passen: »Respekt«, »Sierra Leone«, oder »Oury Jalloh – es war Mord«; dazu ein Foto des Mannes, um den es in dem Stück des Anhaltischen Theaters gehen wird: Oury Jalloh, der am 7. Januar 2005 in einer gefliesten Dessauer Polizeizelle verbrannte. Er war an Händen und Füßen gefesselt.
Das Publikum sitzt ungeordnet auf dem Rasen. Auf der Bühne, die kaum drei mal drei Meter mißt, liegen zwei größere Handpuppen, ein weißer Polizist in Uniform und ein schwarzer Mann in weißem Hemd. Es geht los. Eine schwarze Schauspielerin (Abak Safaei-Rad) führt die Polizistenpuppe, ein weißer Kollege (Jan Kersjes) den Mann. Das ist Mouctar Bah, eine stadtbekannte Persönlichkeit, Besitzer eines Internetcafés, für das er die Lizenz verlor, als er Jallohs Verbrennung im Gewahrsam als Mord anzeigte. Er schob eine Solidaritätsbewegung an, die nach Meinung der Boulevardpresse Dessau spaltete.
Der Polizist sagt: »Ich war mal im Urlaub in Südafrika. Dort muß ich mich ja auch benehmen wie die!« Er rechtfertigt sich überschäumend. Besorgt um den Ruf der Stadt, überprüft er die Korrektheit von Frisur und Uniform, zittert mit dem Kopf: »Da muß man auch mal genau sein!« Ein personifiziertes Heine-Wort: Als hätten sie den Stock geschluckt, mit dem man sie einst geprügelt.
»Wir sind schon geboren mit dieser Hautfarbe, wir schlafen mit ihr, essen mit ihr«, entgegnet Bah. »Ihr müßt nicht anders werden durch uns.« Nach einem eher zufälligen Handschlag wischt der Polizist seine scheinbar eben erst schwarz gewordene Hand an der Uniformhose ab. Bah blickt irritiert auf seinen weißen Arm. Die Szene ist der Auftakt einer »Stadtbegehung«. Das Publikum wird durchs abendlich ausgestorbene Dessau geführt. Vor einem ärmlichen Haus schimpft eine Frau im grünen Bademantel: »Alles immer voller Flaschen, Drogen, alles voll davon!« Die Theaterbesucher wollen erklären, zurückmeckern – leider verraten Mitbesucher, daß die Frau zum Stück gehört.
Im Keller eines halbleeren Hauses erzählt die schwarze Puppe vom Gerichtsprozeß: wer wo saß etc. Man sieht leere Tische, Akten. »Ist keiner da?« Der Prozeß ist nicht gewollt. Die Puppe zieht kurzerhand die Robe über: »Erheben Sie sich!« Und dann: »Bitte Dessau in den Zeugenstand!« Nun treten zögerlich Bürger-Darsteller auf. Ihr Text basiert auf realen Interviews. Vermittelt wird ein erschreckendes Bild der Stadt. Oury Jalloh ist nicht ihr einziges schwarzes Mordopfer. In Polizeigewahrsam sind auch Angehörige anderer Minderheiten unter ungeklärten Umständen ums Leben gekommen (ein Behinderter, ein Obdachloser). Für die braven Bürger »dumme Zufälle, die den Dessauern angehängt werden«. Schuld sind die Afrikaner, die die Polizei vor Gericht gezerrt haben. »Die haben da Drogen vertickt! Oury war kein Waisenknabe!« Häufigster Satz: »Solange der Prozeß läuft, können wir uns dazu nicht äußern.«
Nächste Station: Mosaiksäulen in einer Wohnung. Eine Moschee. Ein Mann in weißem Gewand stellt sich vor. Er ist seit acht Jahren hier. Ohne Aufenthaltserlaubnis. »In Syrien habe ich Gesellschaftswissenschaften studiert, hier bin ich der Imam.« Traurigschön singt er eine Sure. Man darf Fragen stellen. Warum der Islam so ungerecht zu Frauen ist, kann nicht ausdiskutiert werden. Weiter geht’s zum ehemaligen Internetcafé des Hauptanklägers Mouctar Bah. Der afrikanische Inhaber wird mit Witz von Jan Kersjes gespielt. »Thats my mother«, beginnt er, zeigt auf das Bild einer jungen Frau an der Wand, und erzählt in englisch, wobei er deutsche Worte einstreut, von der Arbeit der Frauen in Afrika, 14 Stunden putzen bei reichen Leuten für 40 Euro pro Monat: »All the same Wunsch: we want to get a small house, water, light power, work.«
Man sieht und hört einen Deutschen, der seinen Rassismus in einer Döner-Kneipe für Mitleid hält, und eine Weiße aus der gehobenen Mittelschicht im Senegal (Eva Marianne Berger), die sich ununterbrochen die Hände wischt wie eine Karikatur von Thomas Bernhard. Souverän interpretiert Abak Safaei-Rad, die Puppenspielerin vom Anfang, sieben Rollen, von der angepaßten Biochemikerin mit Ballett-Tochter (1987 in der DDR promoviert über Schadstoffbelastung in Kleingärten, Fragen der Kleingärtner: Wo hast du so gut deutsch gelernt? Wo kommst du her, wann gehst du zurück?) über die wütende Antifakämpferin zur steif-arroganten Beamtin.
Letzte Station ist eine Turnhalle mit grau überdeckten Eisenbetten. Flüchtlingsmöbel. Ein Weißer malt sich schwarz an, brabbelt fatalistisch: »Du zerlegst die ganze Zeit Rinder und immer: ›Der Neger hat gestunken!‹« Eine Schwarze ruft aus dem Publikum: »Was soll das hier, immer diese Weißen! Ich bin geboren in Benin, ich wäre da auch geblieben. Wir sind hier so eine Minderheit, warum könnt ihr uns nicht einfach in Ruhe lassen!«
Auf zu einer großen Freiluftbühne wird der Paß des Dessauer Polizeichefs symbolisch an einen Schwarzen ohne Aufenthaltserlaubnis verschenkt. Am Ende schallt es über die Straßen in zahllose Wohnhäuser: »Na, liebe Dessauer, wie gefällt euch das?«
17.06.2011, 17:34 | tags:
Schauspiel
983
Nina May, Leipziger Volkszeitung, 10.06.2011
„Wenn man so unter ist“
„Schwarzweiss“: Dessauer Theaterprojekt über den Gefängnistod des Asylbewerbers Oury Jalloh
Am 7. Januar 2005 kam der Asylbewerber Oury Jalloh unter ungeklärten Umständen bei einem Brand in einer Zelle des Polizeireviers Dessau ums Leben. „Schwarzweiß“, eine theatrale Stadtbegehung des Anhaltischen Theaters, zeigt, wie stark dieses Thema bis heute polarisiert. Auf wenigen hundert Metern lässt sich anhand der Stationen auch der Kosmos der afrikanischen Gemeinschaft in Dessau umreißen.
Regisseurin Nina Gühlstorff: „Theater muss raus in den öffentlichen Raum, um wieder Fleisch an den Körper zu kriegen.“
Dessau, Stadtpark. Im Schatten der Bäume verbirgt sich ein dunkles Kapitel der jüngsten Dessauer Geschichte: Im Jahr 2000 wurde hier Alberto Adriano, ein afrodeutscher Fleischer, von Neonazis erschlagen. Früher diente die Grünanlage zudem als Drogenumschlagplatz. Inzwischen hat die Stadt den Park umgestaltet, Gras über die Sache wachsen lassen. Nicht wenige würden ähnlich gerne mit dem Fall Oury Jalloh verfahren. Bei den Recherchen für „Schwarzweiß“ stieß Regisseurin Nina Gühlstorff (34) auf eine Mauer des Schweigens: „Viele Dessauer wollen sich nicht zum Thema positionieren und für ihre Meinung haftbar gemacht werden.“ Dazu komme das „beredsame Schweigen“ der Offiziellen, die mit vielen Worten wenig sagten. Mit einer Aussage wurden Gühlstorff und ihre Projektkollegin Dorothea Schröder immer wieder konfrontiert: „Während der Prozess läuft, sage ich nichts“.
Auf einer improvisierten Bühne im Stadtpark spricht diesen Satz jetzt eine schnauzbärtige Polizeipuppe. Sie wird von einer dunkelhäutigen Schauspielerin (Abak Safaei-Rad) geführt, eine zweite, schwarze, Puppe hingegen von einem Weißen (Jan Kersjes). Das Spiel mit den Hautfarben zieht sich durch die Inszenierung, vermeidet allzu offensichtliche Schwarz-Weiß-Malerei.
„Über die Puppen können wir Dinge sagen, die hart sind, aber die man uns so eher verzeiht“, sagt Gühlstorff. Zum Beispiel die Worte, die der schwarzen Puppe in den Mund gelegt werden: „Da ist ein
Misstrauen zwischen Ich und diese Staat. Wir gehn bei der Rathaus, aber wenn du so unter bist, kriegst du nicht alles mit.“ Die Sätze stammen aus einem von mehr als 50 Interviews, die die Künstler mit Dessauern geführt haben. Auch über schwarz-weißes Zusammenleben generell. Eine Afrikanerin, die zu DDR-Zeiten über den Schadstoffbefall deutscher Schrebergärten promovierte, bekam etwa
zu hören: „Im Sozialismus gibt es keinen Rassismus. Lassen Sie sich ein anderes Wort einfallen und wir können darüber reden.“ Im Theaterstück fließen diese Sätze in eine Straßenszene, in der Safaei-
Rad von den Blicken der Weißen erzählt, dabei aber vor Selbstbewusstsein sprüht.
Jeder Schauspieler repräsentiert bei „Schwarzweiß“ einen Interviewpartner, gibt die Aussagen Eins zu Eins wieder, mit jedem Ähm, jeder Pause. So entsteht Gühlstorff zufolge „eine Poesie, die man gar nicht künstlich nachahmen kann“. Anders als etwa die Dokumentarkünstler von „Rimini Protokoll“ sprechen hier aber nicht Laien, sondern Schauspieler. Die ahmen Akzente nicht nach,
sondern greifen lediglich die veränderte Satzstruktur auf. So entsteht eine merkwürdig beunruhigende Diskrepanz zwischen Sprecher und Gesagtem.
Gerichtssaal. In ihrem Büro an der Kavalierstraße 78 simulieren die Künstler eine Gerichtssituation. An den Wänden hängen noch Skizzen mit Sätzen aus Interviews, einer sticht hervor: „Die Zelle ist das Herz des Staates.“ Er stammt von einem Polizeipsychologen, der erklärt, weshalb es so unbegreiflich ist, dass ein Häftling in seiner Zelle ums Leben kommt, an einem gesicherten Ort.
Im Prozess werden die Dessauer in den Zeugenstand gerufen, ganz unterschiedliche Positionen dargelegt, von der linken Demo-Besucherin bis zu einem, der sich um das „Gewese über diesen
Afrikaner“ beschwert, „der schließlich mit Drogen dealte und auch kein Waisenknabe war.“
Gühlstorff: „Mit einer theatralen Diskursanalyse wollen wir versuchen, die Brisanz des Themas zu
ergründen und zu erklären, weshalb der Fall Oury Jalloh so stark emotionalisiert und polarisiert.“ Die Regisseurin trägt ein gelbes Gewand, auf das Stichwörter wie „Menschenwürde“ und „Fairness“ gedruckt sind. Propaganda- Botschaften auf der Kleidung am eigenen Körper zu tragen sei eine westafrikanische Tradition, so wolle man auch in Dessau das öffentliche Gespräch anfachen.
Safaei-Rad spricht die Worte einer Frau von der Ausländerbehörde, die sich hinter ihrem Beamtenvokabular versteckt. Man könne einen Asylbewerber eben nicht einfach mal einbürgern, weil er einem sympathisch sei, der müsse wenigstens acht Jahre „rechtmäßigen Inlandsaufenthalt“ nachweisen. Man könne aber auch ebenso lange in Deutschland leben und keinen einzigen Tag davon rechtmäßig. Das sei nun einmal so. So geht es dem Imam Amadi Indjai, der einzige Laie, der in diesem Stück sich selbst spielt.
Eine Hinterhof-Moschee. Am Eingang des schäbigen Plattenbaus müssen die Besucher ihre Schuhe ausziehen. In dem etwa 15 Quadratmeter großen, mit türkisen Mini-Minaretten verzierten Raum umreißt Indijai in wenigen Worten das Leben der Dessauer Asylbewerber. Die nicht arbeiten dürfen, keinen Deutschkurs besuchen. Jahrelang.
Telecafe. Im Schaufenster Beauty-Produkte für Dunkelhäutige und Getränkedosen, im Innern stickige Luft. Es ist das Reich von Monctar Bah, der die Diskussion über den Tod seines Freundes Oury Jalloh erst in Gang gebracht hat. Seine Position dazu ist eindeutig: „Es war Mord!“ steht auf seinem T-Shirt und auf einigen Plakaten von Demonstrationen, die neben einem Artikel über Barack Obama und zahlreichen Sporturkunden die Wand des Ladens tapezieren. In einem Nebenzimmer surfen jugendliche Afrikaner im Web. Das Telecafe ist eine Art Kommunikationszentrale für die afrikanische
Gemeinschaft Dessaus. Und „ein Symbol für die Debatte um Jalloh“, sagt Gühlstorff.
An diesem Ort gibt Kersjes wieder, was ein Interviewpartner aus dem Senegal sagte. Die Theaterleute reisten mit einem Stipendium des Goethe-Instituts dorthin, um auch die afrikanische Perspektive ins
Stück einfließen zu lassen. Der Geifer spritzt dem Darsteller aus dem Mund, als er vom Monatslohn einer Putzfrau erzählt:
40 Euro, 60, wenn die Familie großzügig ist. Eine Theaterszene, in die
sich Bah wie selbstverständlich einfügt. Kersjes steht hinter dem Tresen, der Herr des Ladens ein Stück hinter ihm: die Kontrolle über sein kleines Reich bewahrend.
Im benachbarten, nach seiner Kundschaft „Afrika Döner“ genannten Imbiss, denkt ein Teetrinker (Matthieu Svetchine) über seine „Angst vorm schwarzen Mann“ nach, draußen auf der Straße tratschen ein paar Afrikaner über das Treiben der Künstler. An der gegenüberliegenden Schule prangen mehrere Schilder: Video-Überwachung, unbefugtes Betreten und Verschmutzung verboten. Schwarzweißes Zusammenleben in Dessau.
HINTERGRUND
Oury Jalloh, gestorben am 7. Januar 2005 im Alter von 36 Jahren, stammte aus Sierra Leone. Er kam durch einen Brand in einer gekachelten Zelle mit einer feuerfesten Matratze des Polizeireviers Dessau ums Leben. Die Umstände sind bis heute umstritten. Der BGH hob 2010 den vom Landgericht Dessau verhängten Freispruch (Tatvorwurf: Körperverletzung
mit Todesfolge) für den Dienstgruppenleiter der Polizeiinspektion auf. Das Verfahren wird seit dem 12. Januar 2011 vor dem Landgericht Magdeburg neu verhandelt.
Premiere heute, 19.30 Uhr, Treffpunkt: Stadtpark Dessau, auch: morgen, 17., 18.6., 15.,
16., 21. und 24.9., Karten: 0340 2511333,
www.anhaltisches-theater.de/schwarzweiss
Das Projekt wird gefördert im Fonds Heimspiel der Kulturstiftung des Bundes, von der Lotto Toto GmbH Sachsen-Anhalt, der Stadt Dessau- Roßlau und der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt.
17.06.2011, 16:07 | tags:
Schauspiel
982
Nantke Garrelts, Der Tagesspiegel, 17.06.2011
Die Gefängniszelle ist das Herz des Staates
„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit!“, ruft der Afrikaner in Zweispitz und Frack aus gelbem Stoff über Beethovens Neunte hinweg. Jamal Kalif aus Mogadischu spielt den Franz, Abak Safaei-Rad die Luise aus Schillers „Kabale und Liebe“. Die beiden sind anscheinend einwandfrei europäisiert, haben die Aufklärung in sich aufgesogen. Was zum perfekten Europäer jetzt noch fehlt, ist ein Pass. Mag da nicht mal jemand aushelfen? Kein Problem, Passfee Franzi bringt den Kasten mit den zuvor eingesammelten Ausweisen der Besucher. Nun ist Franz Rechtsanwalt und glücklicher Deutscher.
Die Parodie auf die Multikulti-Gesellschaft spielt im Zentrum von Dessau, gegenüber von dem Park, in dem vor elf Jahren der Mosambikaner Alberto Adriano zu Tode geprügelt wurde.
Einen Kilometer Luftlinie entfernt, im Polizeirevier der Stadt, verbrannte am 7. Mai 2005 Oury Jalloh: 36 Jahre, aus Sierra Leone, ein Geduldeter, dessen Asylantrag abgelehnt worden war. Wenige Wochen vor seinem Tod hatte man ihn zu dreieinhalb Jahren Gefängnis wegen Drogenhandels verurteilt. „Dieser Oury Jalloh war ja auch kein Waisenknabe!“, ist ein Satz, den die Mitarbeiter von Regisseurin Nina Gühlstorff im Vorfeld zu ihrem Stück oft von Dessauern gehört haben. Die häufigste Aussage aber war: „Solange der Prozess läuft, kann ich keine Auskunft geben.“ Da das Ende des Gerichtsverfahrens am Magdeburger Landgericht nicht abzusehen ist, beruft eine Handpuppe kurzerhand ihre eigene Gerichtsverhandlung ein und ruft die Stadt Dessau in den Zeugenstand. Doch die erscheint nicht.
Wer also will in so einer Stadt eine Stadtführung machen? Genau das ist die Idee von „Schwarzweiß“, einer theatralen Stadtbegehung des Anhaltischen Theaters. Es nimmt den Fall Oury Jalloh zum Anlass, das Publikum an Orte zu bringen, die es sonst höchstwahrscheinlich nur selten oder gar nicht betritt. Das Bauhaus wird ignoriert, stattdessen wird Station in einer Moschee, einem afrikanischen Telecafé und einer Moschee gemacht. Dort sprechen Schauspieler die Interviews mit den Dessauern nach.
Ganz am Anfang warnt eine Polizistenpuppe: „Auch Sie könnten Zeuge vom Hörensagen werden!“ Doch sind es gerade die hier vorgeführten subjektiven Versionen der Dessauer, die mehr Aufschluss über die Geschichte des Oury Jalloh geben als offizielle Verlautbarungen. Hans-Jürgen Müller-Hohensee spielt einen altgedienten Polizisten, der leise schildert, wie institutionelle Mauern zustande kommen. Sein junger Kollege (Jan Kersjes) ruft dagegen: „Die Zelle ist das Herz des Staates!“ Gibt es also doch den „guten und den schlechten Bullen“? Solche eindeutigen Kategorien werden dem Zuschauer hier abgewöhnt. Der junge Polizist hat schon längst keine Gewissensbisse mehr, wenn er bei Demonstrationen den Schlagstock einsetzt. Er fordert Gerechtigkeit, hat aber den Glauben daran verloren. Einmal taucht eine Schweizerin auf, die von ihrem Luxusleben im Senegal berichtet. Sie fordert Integration, ist aber selbst nicht bereit dazu. Erkenntnisreich, wie hier der Diskurs über den Fall Jalloh hinaus geweitet wird. „Verantwortung, Dialog, Menschenwürde“ steht auf den Kaftanen und Mützen, die sich die Zuschauer anziehen müssen.
Geschickt thematisiert die Inszenierung auch die Performativität von Hautfarben. „Warum spielt das hier kein Schwarzer?“ schreit Abak Safaei-Rad den Schauspieler Mathieu Svetchine an, während er die Geschichte eines in Deutschland lebenden Afrikaners erzählt. Svetchine schmiert sich braune Schuhcreme ins weiße Gesicht und versucht vergeblich, die Farbe wieder abzuwaschen. Im „Afrika Döner“ schildert er die „Angst vorm schwarzen Mann“ beim Besuch in Johannesburg als einziger Weißer. „Das Gefühl wünsche ich jedem Deutschen.“ Erfahrenswert auch die Erzählung des Imams der Dessauer Moschee vom Freitagsgottesdienst und vom Totengebet für den Muslim Oury Jalloh. Der Leichnam sei zu verkohlt gewesen, sagt er, um an ihm die letzte Waschung vorzunehmen.
15.06.2011, 17:24 | tags:
Schauspiel
975
Pressemitteilung vom 15.06.2011
SCHWARZWEISS- Eine theatrale Stadtbegehung [UA]
Am Freitag, 17. Juni und am Samstag, 18. Juni jeweils um 19.30 Uhr lädt das Anhaltische Theater zur theatralen Stadtbegehung „SCHWARZWEISS” in den Stadtpark Dessau ein. Vergangene Woche feierte die ungewöhnliche Inszenierung (Regie: Nina Gühlstorff) Premiere und Uraufführung und wurde vom Publikum begeistert aufgenommen.
SCHWARZWEISS thematisiert nicht nur den Fall des Asylbewerbers Oury Jalloh, der 2005 in einer Zelle des Dessauer Polizeireviers verbrannte, sondern erzählt über Fremdheit und Alltag, Hoffnungen und Ressentiments, MTV gucken und das Bedürfnis zu Schweigen. Über fünfzig Interviews führten das Team und die Schauspieler mit Asylanten, Politikern, Polizei- und Justizbeamten, die Grundlage der Szenen und Dialoge wurden.
Schauspieler, Puppen und Bewohner Dessaus führen das Publikum vom Stadtpark über die Moschee, das Philantropinum, das Telecafé, den „Afrika Döner“ und andere überraschende Räume zum Alten Theater.
Petra Buch schreibt in der „Leipziger Volkszeitung“, 11.06.2011: „Die Schauspieler, darunter Jan Kersjes, Matthieu Svetchine und Abak Safaei-Rad, halten den Besuchern einen Spiegel der Meinungen von Menschen vor. Sie stellen ein Schwarzweiss-Denken bei Behörden dar, zeigen aber auch Schuldgefühle, Misstrauen und Grenzen der Arbeit von Polizei und Justiz auf.
Für die Uraufführung gab es von den rund 100 Besuchern viel Beifall. „Ich wünsche mir, dass sich noch mehr junge Leute, Schulklassen, das Stück ansehen“, sagte Razak Minhel, Chef des multikulturellen Zentrums in Dessau-Roßlau.“
Das Projekt wird gefördert im Fonds Heimspiel der Kulturstiftung des Bundes.
Weitere Förderer sind die Lotto Toto GmbH Sachsen-Anhalt, die Stadt Dessau-Roßlau und die Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt.
Weitere Termine: 15.09.2011 um 19:30 Uhr Wiederaufnahme
16., 21. und 24.09.2011 jeweils um 19.30 Uhr
Karten: 11,- Euro/ ermäßigt 7,50 Euro/Schüler 5,- Euro/ Menschen ohne Einkommen erhalten freien Eintritt
Tickets und Informationen unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
15.06.2011, 15:59 | tags:
Schauspiel
974
Helmut Rohm, Zerbster Volksstimme, 14.06.2011
Anhaltisches Theater Dessau thematisiert mit "Schwarzweiß" den Fall Oury Jalloh
Eine „theatralische Stadtbegehung" will die Sprachlosigkeit aufbrechen
„Fairness", „Menschenwürde", „Solidarität", „Verantwortung" „Respekt", „Chancengleichheit" ist auf den gelbfarbenen Gewändern zu lesen. Eine Anregung aus dem Afrikanischen, sich politisch zu äußern. Getragen werden sie von den Gästen der Premiere des Theaterprojektes „Schwarzweiß" des Anhaltischen Theaters Dessau am Freitagabend.
Auch „Jallohs Tod ist Mord", „Er war auch kein Waisenknabe" und ein Bild von Oury Jalloh ist den „politischen Stoffen" aufgedruckt. Denn Anlass für diese „theatrale Stadtbegehung" ist der Tod des Asylbewerbers Oury Jalloh aus Sierra Leone, der am 7. Januar 2005 in einer Zelle des Dessauer Polizeireviers verbrannte. Der Hergang seines Todes ist bis heute noch nicht restlos geklärt. Gegenwärtig läuft ein weiterer Prozess im Magdeburger Landgericht.
Den Theatermachern um Regisseurin Nina Gühlstorff geht es nicht um die juristische Aufarbeitung dieses Falles. Vielmehr sollen mit "Schwarzweiß" unterschiedliche Stimmen innerhalb der Dessauer Stadt-Gesellschaft, ein Panorama der verschiedensten Meinungen und Deutungen dargestellt werden. Das Stück will aufrütteln aus dem sich breitgemachten Schweigen, auch aus der Hilflosigkeit im Umgang miteinander. Dazu wurden in Dessau mit Einheimischen und Zugezogenen, auch Institutionen, sowie im Senegal zahlreiche Interviews geführt.
Meinungen, Haltungen in Spielszenen verpackt
Diese breitgefächerten Meinungen und Haltungen haben Nina Gühlstorff und Team in Spielszenen „verpackt". Sie führen die Besucher dazu an zehn Orte im Dessau-Roßlauer Zentrum, teils authentisch, weil sich dort Schwarzafrikaner häufig aufhalten, teils nachgestellt, weil Originalschauplätze, wie zum Beispiel das Gericht, nicht zur Verfügung standen. Fünf Schauspieler stellen jeweils mehrere Rollen dar. Außerdem wirken mehrere Dessauer Bürger mit.
Start ist im Stadtpark. Nicht von ungefähr. Wurde doch hier (zur Premiere taggenau) vor elf Jahren Alberto Adriano von Neonazis zu Tode geprügelt. Durch zwei Puppen, einen Schwarzafrikaner (geführt und gesprochen von Jan Kersjes) und einen Polizisten (Abak Safaei-Rad), werden gesellschaftliche Befindlichkeiten postuliert: gegenseitiges Misstrauen, Gerüchte, Vorverurteilungen, Konfrontation ...
Auf dem Weg zum „Gerichtssaal" hören die Zuschauer wie scheinbar ganz spontan „Volkes Stimme". Aus dem Parterrefenster eines Neubaublocks schimpft eine Frau: „Das haben wir doch lange genug gehört. Nun ist es mal gut!"
Beim symbolischen „Ich rufe Dessau in den Zeugenstand" prallen Meinungen aufeinander: Der Polizist (Hans-Jürgen Müller-Hohensee) ist prinzipienfest, die Ausländerbehörde (Abak Safaei-Rad) erschreckend korrekt. Eine Frau (Eva-Marianne Berger) schreit heraus: Es ist absurd, Schuld hat wohl nur der tote Schwarze, dass Polizisten vor Gericht stehen. Es wird ganz still im „Gerichtssaal".
Der logistisch gut organisierte Gang führt die Zuschauer, teils in zwei Gruppen geteilt, in eine in einer Wohnung eingerichteten Moschee, von deren Existenz die meisten Dessauer nichts wussten. Der Iman erzählt von Totenriten. Im Media-Imbiss thematisiert ein Weißer (Matthieu Svetchine) Vorurteile um die Angst vorm schwarzen Mann bei einem Südafrika-Besuch. Ein Asylbewerber (Jan Kersjes) berichtet im Telecafé sehr bildhaft und engagiert im gebrochenen Englisch über das Los von Asylbewerbern und wünscht sich "The Sonnenschein for Jedermann". Einer im Senegal mit einem reichen weißen Senegalesen verheirateten Schweizerin gehe es dort sehr gut, aber sie empfinde Rassismus gegenüber den Weißen!? Zwischenzeitliches Lachen bleibt den Zuschauern im Philanthropinum Halse stecken.
Nach drei Stunden Schluss mit Satireshow
Schluss nach fast drei Stunden vor dem Alten Theater. Mit einer mehr satirischen Show: „Hallo Dessau!!??" Zu Beethovens „Freude schöner Götterfunken" deklariert im gelben Gewand Fürst Franz über Aufklärung und Toleranz. Bei allem Spaß wohl auch ein ernsthafter Wunsch. An diesem Abend ist bestimmt die Mauer des Schweigens und der Sprachlosigkeit etwas gebröckelt.
Es gibt viel Beifall für die Akteure und – die Überleitung zu einem gemeinsamen Fest der Begegnung.
Die nächsten Vorstellungen in Dessau sind am 17. und 18. Juni vorgesehen. Beginn im Stadtpark ist jeweils um 19.30 Uhr.
12.06.2011, 15:38 | tags:
Schauspiel
966
dapd-lsa, 09.06.2011
Stadtbegehung gegen das Verdrängen
Zum Tod Oury Jallohs könne er sich nicht äußern, solange das am Magdeburger Landgericht anhängige Verfahren noch laufe, sagt der Polizist. Auf einer improvisierten Bühne im Dessauer Stadtpark beginnt das Stück 'Schwarzweiss' mit einem von einer Handpuppe dargestellten Polizisten und dem Satz, den Regisseurin Nina Gühlstorff in den vergangenen Wochen immer wieder zu hören bekam.
Noch immer wolle sich in Dessau kaum jemand zu Oury Jalloh äußern, sagt sie. So sei das Stück, das am Freitag Premiere haben wird, vor allem zu einem Exempel gegen das Verdrängen geworden, sagt Gühlstorff.
Der Asylbewerber war am 7. Januar 2005 bei einem Brand in seiner Zelle gestorben. Vor einem Jahr hatte der Bundesgerichtshof den Freispruch des Landgerichts Dessau-Roßlau vom Dezember 2008 gegen einen Polizisten aufgehoben, der am Todestag Dienstgruppenleiter im Polizeirevier gewesen war. Der Polizist muss sich derzeit erneut vor Gericht verantworten.
Jeder Zuschauer erhält bei Vorstellungsbeginn ein gelbes Gewand zum Überziehen. Da das vom Anhaltischen Theater inszenierte Stück als 'theatralische Stadtbegehung' ohne zentralen Spielort konzipiert sei, habe es einen übergreifenden Rahmen benötigt, sagt die Ausstatterin Annette Schemmel. Das mit Parolen und Bildern bedruckte Gewand reflektiere alle Elemente des Stücks: die Vorurteile und Phrasen, die in Dessau über Oury Jalloh kursieren, aber auch die Hoffnung auf Versöhnung der wegen des Falls gespaltenen Stadt.
'Ich rufe Dessau in den Zeugenstand', sagt ein Schauspieler und das Ensemble erscheint auf der Bühne, einem nachgestellten Gerichtssaal, der zweiten Station des Stadtrundgangs. Aber Dessau befindet sich nicht nur im Zeugenstand. Auch auf der Anklagebank und hinterm Richterpult ist die Stadt vertreten. Die auf der Bühne gesprochenen Dialoge beruhen auf Passagen aus Interviews, die das Team von Gühlstorff in den vergangenen Wochen in Dessau geführt hat.
Die Meinungen innerhalb der Stadtgemeinschaft gehen weit auseinander: 'Fakt ist, dass Oury Jalloh ja auch kein Waisenknabe gewesen ist', rezitiert eine Schauspielerin. Er sei ja schließlich Drogendealer gewesen und habe Frauen belästigt. Eine andere Frau ist sich dagegen sicher, dass die Polizei etwas vertuschen wolle. 'Hallo, da ist jemand verbrannt. In einer Polizeizelle', sagt sie.
Mit den folgenden Stationen des Rundgangs entfernt sich die Handlung immer weiter von der Diskussion um Oury Jalloh und taucht in das Alltagsleben der Migranten in Dessau ein. Die Zuschauer werden in Gruppen aufgeteilt und besuchen einen afrikanischen Callshop, einen Dönerladen und eine Moschee, wo Schauspieler immer wieder kleine Szenen aufführen.
Ergänzt werden die Szenen durch Auftritte von Laienschauspielern, die sich in der Regel selber spielen. So berichtet der Imam der örtlichen Moschee - ein Asylbewerber aus Guinea-Bissau - wie er aus Plastikrohren vom Baumarkt und goldenen Lackspray die Säulen in seinem Gebetsraum gebaut habe. Von einer Schilderung der muslimischen Bestattungsrituale kommt er dann wieder auf Oury Jalloh zu sprechen.
Er habe ihn entgegen des Rituals nicht Waschen können, sagt er. Der Leichnam sei zu verkohlt gewesen. Der Anblick sei nur schwer zu ertragen gewesen. Die Gemeinde habe für ihn gebetet und ihn dann nach Sierra Leone überführen lassen.
Aber auch die Perspektive der Polizei wird in einer Szene aufgezeigt. Zwei Polizisten unterhalten sich beim Dartspielen im Klubraum über ihren Umgang mit Situationen, in denen Kollegen zu Angeklagten werden. In so einem Falle könne man sich und seine Kollegen am besten durch 'institutionelles Mauern' schützen: 'nichts gesehen, nichts gehört', sagt der Ältere. In Polizeigewahrsam dürfte Verdächtigen niemals etwas geschehen, sagt dagegen der Jüngere. Die Polizeizelle sei schließlich das Herz des Staates.
12.06.2011, 15:28 | tags:
Schauspiel
965
Andreas Montag, Mitteldeutsche Zeitung, 11.06.2011
«Schwarzweiß»
Mauer des Schweigens
Es ist ein warmer, lichter Frühsommerabend, im Dessauer Stadtpark sammelt sich ein buntes Völkchen. Es könnte ein Fest werden, zu dem man sich hier trifft, eine heitere Geselligkeit. Tatsächlich aber bittet das Anhaltische Theater zu einer theatralen Stadtbegehung, wie die Regisseurin Nina Gühlstorff und Dorothea Schroeder, die das Konzept mitgestaltete, das Ergebnis ihre Recherche „Schwarzweiß“ im Untertitel etwas sperrig genannt haben.
Das Thema des Abends ist in Dessau, aber nicht nur dort, ein Politikum. Es geht um den Tod des Asylbewerbers Oury Jalloh aus Sierra Leone in Afrika, der am 7. Januar 2005 in einer Zelle des Dessauer Polizeireviers verbrannte und starb. Der Mann war festgenommen worden, weil er Frauen belästigt haben sollte, er war betrunken und stand unter Drogeneinfluss. Obgleich gefesselt, soll es ihm gelungen sein, mit einem Feuerzeug, das er bei sich trug, seine Kleidung oder die Matratze, auf der er lag, in Brand zu setzen. Wieso er das Feuerzeug noch bei sich trug, weshalb das Alarmsignalausgeschaltet war und die Beamten auf die Rauchmeldung erst so spät reagierten - all dies ist Gegenstand eines Gerichtsverfahrens gewesen, das mit Freisprüchen endete. Seit Januar wird am Magdeburger Landgericht erneut über den Fall verhandelt.
In die Kompetenz der Justiz will sich „Schwarzweiß“ ausdrücklich nicht einmischen. Vielmehr geht es um den Kontext des Falles, um die Lebensumstände von Asylbewerbern. Und auch um das Schweigen und die Hilflosigkeit in der Stadt, deren Bürger auch sechs Jahre nach Oury Jallohs Tod noch um eine Haltung ringen. Und nicht von ungefähr beginnt der Stadtgang in jenem Park, wo in der Nacht vom 10. auf den 11. Juni des Jahres 2000 der in Dessau lebende, aus Mosambik stammende Alberto Adriano von drei deutschen Angreifern derart brutal zusammengeschlagen wurde, dass er wenige Tage später im Krankenhaus starb.
Der ungewöhnliche Theaterabend, von der Polizei aufmerksam begleitet und geschützt, beginnt mit einer Verkleidung: Das Publikum ist eingeladen, einen Ausweis als Pfand zu hinterlegen, dafür afrikanisch anmutende Gewänder zu tragen und somit quasi zu einem Teil der Kulisse zu werden, die im Übrigen aus den realen Orten der Stadt besteht. Auf den Gewändern sind Thesen zum Stück festgehalten, in dem es um Unwissenheit, Ignoranz, Verschwiegen und Toleranz geht, aber auch um die polemisch zugespitzte Frage, ob es sich bei Jallohs Tod um Mord gehandelt haben könnte.
Was die Theaterleute bezwecken und auch erreichen, wenigstens bei den Offenen der „Mehrheitsbevölkerung“, ist, etwas gegen das Schweigen und die Verunsicherung zu tun. Lösen, wenn er denn juristisch zu lösen ist, wird den Fall Jalloh das Gericht. Was aber den Dessauern und uns allen überhaupt bleibt, ist die Frage, wie wir es mit dem Fremden halten und wieso die eigene Angst oft keinen Raum lässt für die Ängste der anderen.
Nina Gühlstorff bittet deshalb das Publikum, Ausländer wie Einheimische, in den Zeugenstand. Eingangs, im Stadtpark, wird im Spiel mit zwei Puppen, einen Afrikaner und einen Polizisten verkörpernd, die Szene geöffnet: Misstrauen und Angst auf der deutschen Seite, Trauer und Wut bei den Asylbewerbern markieren die Positionen des Spiels, das über insgesamt zehn Stationen führt. Im (nachgestellten) Gerichtssaal prallen diese Positionen aufeinander, ein Polizist sagt aus, er sei ordnungsliebend und prinzipienfest. Für ihn sei der Fall Jalloh ein tragischer Unglücksfall, im Übrigen sei zu lange geschwiegen worden. Eine Dame vom Ausländeramt erklärt das deutsche Ausländerrecht, sie ist so korrekt, dass es einen fröstelt trotz der Schwüle im Saal. Auch „Volkes Stimme“ kommt zu Gehör: Oury Jalloh war kein Waisenknabe, er hat Drogen vertickt, er war zu einer Haftstrafe verurteilt - und, so der Sprecher, „es sterben schließlich auch Deutsche im Gefängnis“. Eine junge Frau hält dagegen, wie absurd die Wahrnehmung der Situation bei vielen sei: Der tote Afrikaner ist nun schuld daran, dass deutsche Polizisten vor Gericht stehen.
Weiter führt der Parcours in eine winzige, von außen nicht erkennbare Moschee, von der auch viele Dessauer bislang nicht wussten, dass es sie überhaupt gibt. Der Imam, selbst Asylbewerber, spricht über die Totenrituale der Muslime - und über den verbrannten Oury Jalloh, für den sie nur beten konnten. „Alle in Dessau sagen, er war ein Dealer und Trinker, aber er ist verbrannt. Und das interessiert keinen“.
Später berichtet ein Deutscher über seine Angst vor dem schwarzen Mann, ein Afrikaner (den ein Deutscher spielt) über die Not in Afrika und das Recht auf Sonnenschein für jedermann. Eine Schweizerin, verheiratet mit einem reichen Senegalesen, fühlt sich in dessen Heimat ausgegrenzt und führt dabei eine entlarvende Komödie zum Thema postkolonialer Rassismus auf: „Ich habe auch immer Mitleid mit den armen Flüchtlingen gehabt, aber hier im Senegal leben die gut.“
Immer wieder kommen Polizisten zu Wort, auch über ihre schwierige Situation, notfalls mit Gewalt die Ordnung im Lande zu garantieren. Und das Schweigen über die Grenzbereiche, erst Recht im Fall Jalloh. Schließlich prallt vor dem Finale am Alten Theater in einer Turnhalle noch einmal die Angst eines Afrikaners (es könnte Alberto Adriano sein) auf die geballten Vorurteile der Deutschen. Die schwitzen auch bei der Arbeit im Schlachthof, sagt der Schwarze, „aber es ist immer der Neger, der stinkt“. Der Chor der Deutschen hält entgegen: „Es ist eben ein ganz einfacher Menschenschlag“.
Zum Schluss gibt es eine große, glitzernde, ironische Revue, „Freude schöner Götterfunken“, die „Ode an die Freude“ erklingt. „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeter Unmündigkeit“ ist der Leitspruch, an den Fürsten Franz, die Toleranz und die schönen Gärten wird Dessau erinnert. Dann gibt es die verpfändeten Pässe zurück, drei der bunten Gewänder werden unter den Teilnehmern des Abends verlost. Gut, dass er so friedlich und fair abgegangen ist. Schön, wie klug und nicht vordergründig belehrend die Künstler das Publikum verwickelt haben. Vielleicht ist die Mauer des Schweigens ein Stückchen kleiner geworden. Verschwinden wird sie nicht über Nacht. Aber das hat auch niemand erwartet.
Nächste Vorstellungen am 17. und 18. Juni, jeweils ab 19.30 Uhr, Beginn im Stadtpark
12.06.2011, 15:09 | tags:
Schauspiel
964
Petra Buch, Leipziger Volkszeitung, 11.06.2011
„Schwarzweiss“: Theaterstück zu Asylbewerber-Tod in Dessau uraufgeführt
Dessau-Roßlau. Der Asylbewerber Oury Jalloh wird von der Polizei in Dessau-Roßlau in Gewahrsam genommen. Wenige Stunden später ist er tot. Der 23-Jährige stirbt am 7. Januar 2005 bei einem Brand in einer Zelle des Polizeireviers. Die Umstände sind bis heute nicht geklärt. Sechs Jahre nach dem Tod des Afrikaners ist am Freitag in Dessau das Stück „Schwarzweiss“ uraufgeführt worden. Es zeigt das Leben aus Sicht von Migranten in Deutschland, greift gängige beiderseitige Vorurteile auf und macht Unsicherheiten im Umgang miteinander deutlich.
Die Besucher des Anhaltischen Theaters werden während der Inszenierung von Darstellern an zehn Orte in Dessau-Roßlau geführt, an denen sich Afrikaner häufig aufhalten - etwa eine Moschee, ein Imbiss oder ein Café. Erste Station der fast dreistündigen theatralen Stadtbegehung ist der Stadtpark. In der Grünanlage wird auch daran erinnert, dass dort vor elf Jahren der Familienvater Alberto Adriano aus Mosambik von jungen Neonazis zu Tode geprügelt wurde - weil er schwarz war. In Verruf geriet der Park in der Bevölkerung als Drogenumschlagsplatz.
Die Worte „Dialog, Fairness, Menschlichkeit und Menschenwürde“ sind auf die Gewänder gedruckt, die jeder Besucher zu Beginn des Theaterstücks leihweise bekommt. Auch ein großes Foto von Jalloh ist zu sehen und der Satz „Er war aber auch kein Waisenknabe“. Regisseurin Nina Gühlstorff sagte der dpa: „Unsere Grundidee ist, wir horchen hinein, wie die Stimmung in der Bevölkerung ist.“
Im Fokus des dokumentarischen Stücks stehe nicht das Geschehen in der Zelle. „Es geht uns um den Fall Oury Jalloh und um alles, was mit den großen Themen gesellschaftlichen Zusammenlebens wie Migration, Zusammenleben, Sich-Fremd-Fühlen zusammenhängt“, sagte der Generalintendant des Anhaltischen Theaters, André Bücker. Zudem solle über ein Thema gesprochen werden, das im öffentlichen Raum kaum mehr kommuniziert werde.
Grundlage der Aufführung sind rund 50 Interviews, die die Theaterleute um die Gastregisseurin mit Freunden des Afrikaners, Asylbewerbern und Polizisten geführt haben. Zudem wurden laut Gühlstorff zwölf Interviews mit Menschen im westafrikanischen Senegal aufgenommen.
Die Gespräche werden während der Aufführung in gekürzter Form von Darstellern vorgetragen. Puppen und spontan wirkende Auftritte von Akteuren auf der Straße prägen zudem das Stück. So schimpft eine Frau aus dem Fenster einer Plattenbauwohnung, während die Zuschauer zu einem fiktiven Gerichtssaal gehen: „Jalloh, das kann man nicht mehr hören“. Mit dem „Riesengewese“ in den Medien müsse „nun auch mal endlich Schluss sein“.
Die Schauspieler, darunter Jan Kersjes, Matthieu Svetchine und Abak Safaei-Rad, halten den Besuchern einen Spiegel der Meinungen von Menschen vor. Sie stellen ein Schwarzweiss-Denken bei Behörden dar, zeigen aber auch Schuldgefühle, Misstrauen und Grenzen der Arbeit von Polizei und Justiz auf.
Für die Uraufführung gab es von den rund 100 Besuchern viel Beifall. „Ich wünsche mir, dass sich noch mehr junge Leute, Schulklassen, das Stück ansehen“, sagte Razak Minhel, Chef des multikulturellen Zentrums in Dessau-Roßlau. Der Leitende Dessauer Oberstaatsanwalt Folker Bittmann hofft, dass mit der Inszenierung ein Dialog in Dessau-Roßlau in Gang kommt, die Menschen aufeinander zugehen.
Seit Januar muss sich am Magdeburger Landgericht ein Polizist wegen Körperverletzung mit Todesfolge verantworten. Dem damaligen Diensthabenden auf dem Dessauer Revier wird vorgeworfen, Jalloh bei dem Feuer in der Zelle nicht rechtzeitig geholfen zu haben. Obwohl an Händen und Füßen gefesselt, soll der Asylbewerber den Brand mit einem Feuerzeug selbst entfacht haben. Er starb laut Obduktion an einem Hitzeschock. Jalloh war in Gewahrsam genommen worden, weil er Frauen belästigt haben soll. Er war zuvor wegen Drogenhandels verurteilt worden.
08.06.2011, 16:18 | tags:
Schauspiel
961
Pressemitteilung vom 8.6.2011
Premiere METAMORPHOSEN [VERWANDLUNGEN]
Antike-Projekt im und rund um das Alte Theater
In Kooperation mit der Hochschule für Schauspielkunst “Ernst Busch“ Berlin
Am Freitag, 24. Juni um 19.00 Uhr lädt das Anhaltische Theater zur Schauspielpremiere “Metamorphosen [Verwandlungen]” in das Alte Theater ein.
3 Spielstätten - 3 Inszenierungen - 3 junge Regieteams – 1 Theaterspektakel
Ödipus-Medea-Odysseus. Drei der faszinierendsten Gestalten des antiken Mythos bringen an einem Abend das Alte Theater in außergewöhnliche Bewegung. Im Halbrund eines Amphitheaters nimmt auf dem Vorplatz alles seinen Anfang. Es geht um Politik, Macht und Wahrheit. Ödipus, der Machtmensch, der Politiker, der Vatermörder und Ehemann seiner eigenen Mutter, sucht um den Preis des eigenen Untergangs die Wahrheit. In der Studiobühne treffen wir auf die Barbarin aus Kolchis, Medea, die ihre Heimat verließ, den Vater betrog, den Bruder tötete, die half das „Goldene Fließ“ zu stehlen und alles aus Liebe zu Jason. Und nun steht sie fremd in der Fremde, von allen gehasst, von ihrem Mann betrogen und will noch immer nicht „vernünftig“ sein. Zum Abschluss lädt frei nach Homer eine wahre Odyssee ins Foyer und an Bord eines Kreuzfahrtschiffes nach Ithaka. METAMORPHOSEN [VERWANDLUNGEN] lädt das Publikum zu einem Fest, einem Spektakel ein. Antike begegnet unserer Gegenwart, wandelt sich und verwandelt das Gestern ins Heute, denn: „Das einzig Bleibende in unserer Welt ist die Veränderung!“
Weitere Vorstellungen: 25.06.11 / 30.06.11 / 02.07.11 / 03.07.11 / 26.08.11 / 27.08.11 / 28.08.11
Ödipus Tyrann
In der Übertragung von Hölderlin / Vorplatz Altes Theater
Regie: Fabian Alder/Nick Hartnagel // Ausstattung: Silvia Maradea
Mit: Uwe Fischer, Stephan Korves, Boris Malré
Mamma Medea
von Tom Lanoye / Studio Altes Theater
Regie: Ulrike Müller // Bühne: Jan Lehmann // Kostüme: Katja Schröpfer
Mit: Katrin Nowak, Susanne Hessel, Christel Ortmann, Sebastian Müller-Stahl, Gerald Fiedler, Karl Thiele, Marvin Klöpel, Anton Möckel, Lukas Hildebrand
Ich und Du und ein Schiff dazu!
Eine Schlagerette an Bord frei nach Homers ODYSSEE / Foyer Altes Theater
Regie: Elsa Vortisch // Ausstattung: Nicole Bergmann
Musikalische Leitung: Dorothee Dietz/Boris Cepeda
Mit: Sarah Davidovic, Katja Sieder, Jan Kersjes, Thorsten Köhler, Patrick Rupar
Dramaturgie: Sabeth Braun / Holger Kuhla / Holger Teschke
Tickets und Informationen unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
04.06.2011, 11:11 | tags:
Schauspiel
956
Helmut Rohm, Volksstimme, 4.6.2011
"Barocke Ergehung" im Park des Luisiums
Es ist Himmelfahrtstag, kurz vor fünf Uhr. Über 200 Frühaufsteher haben sich an den Eingängen zum Dessauer Luisium, dem klassizistischen Landsitz der Fürstin Louise von Anhalt, eingefunden. Ein Goodfellow, ein "lustiger Geselle" im Schelmenkostüm, lädt ein: "Von nun an bist Du frei./Folge Deinem Willen/.../Der Park kann Sehnsucht wecken oder stillen/.../ Tritt nur herein!/Und lausche uns’ren Klängen ... So erleben die Gäste bei aufgehender Sonne und erwachender Natur den Auftakt zur Premiere von "Landscape – Kritik der Liebe".
André Bücker, Generalintendant des Anhaltischen Theaters, inszenierte eine "barocke Shakespeare-Ergehung im Park Luisium". Den musikalischen Part übernehmen die Musiker der Lautten Compagney Berlin, eines der renommiertesten Ensembles für Barockmusik auf historischen Instrumenten, unter Leitung von Wolfgang Katschner. Die textliche Grundlage bilden Sonette von Shakespeare und Gedichte von Friedrich Matthisson.
Natur stellt Bühnenbild
Der Park beginnt zu leben, arkadische Landschaften tun sich auf. Wunderliche Figuren huschen vorbei. Täuschend echte "Mähs" sind zu hören. Das sind Faune, sonderbare gehörnte Mischwesen, die gerade der Mythologie entsprungen scheinen. Hin und wieder entdeckt der Besucher den flinken Amor mit Liebespfeil und Bogen. Der schwarze und der weiße Engel präsentieren sich. In diesem Bereich agiert die Ballettcompagnie des Anhaltischen Theaters (Choreografie Tomasz Kajdanski).
Es ist die Intimität des Parks mit seinen verschlungenen Wegen und reizvollen Sichtachsen, es sind die besonderen Architekturen und scheinbar natürlichen Gegebenheiten der Anlage, die den Gast unaufdringlich zu immer neuen reizenden Eindrücken geleiten. Kleine Instrumentalgruppen, sprichwörtlich vom Scheitel bis zur Sohle im barocken Weiß, intonieren anmutig und einfühlsam Musik, unter anderem von Purcell, Dowland. Mit dabei sind vier Gesangssolisten.
Der Gast verweilt, hört zu, spendet Beifall, bleibt oder geht weiter. Welchen Weg er einschlägt, ist egal, immer wird er bald auf neue Erlebnisse treffen. Alles ist ganz ohne Hektik, viel mehr Genuss und Erbauung. Das Bühnenbild "stellen" die Natur und der Park. Für die Beleuchtung sorgt die aufgehende Sonne. Einen akustischen Background steuern Vögel und Frösche, das leise Rauschen der Blätter im schwachen Wind bei.
Louise und Gefährten
Aus der Ferne vernimmt man Musik, Gesang oder das gesprochene Wort. Anlass, auch dort mal zu schauen. Die Sichtachsen des Parks sind zu Klangachsen geworden. Die handelnden Menschen und Figuren präsentieren sich in wunderschönen traumhaften Kostümen (Ausstattung Suse Tobisch).
In der Nähe des Schlosses trifft der Gast auf Fürstin Louise. Sie suchte wegen ihrer unglücklichen Liebe mit Fürst Franz oft Zuflucht in "i"hrem Luisium". An anderen Stellen sind es historische Personen aus dem Umfeld der Fürstin. Der Gärtner Johann Friedrich Eyserbeck, der Architekt Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorf, der Fürstinnenfreund Aloys Hirt, der Dichter und Vorleser Friedrich zu Matthisson agieren gewissermaßen als Zeitzeugen. Drei Goodfellows treiben miteinander oder mit Gästen manchen Schabernack. Diesen Part gestalten die Mitglieder des Schauspielensembles.
Nach etwa zwei Stunden rufen Fanfarensignale Ausführende und Gäste zu einem kurzen Finale vor die Orangerie. Es gibt sehr viel Beifall. Es folgt ein (beim Kartenkauf zu bestellender) kulinarischer Abschluss.
Weitere Aufführungen finden heute und morgen ab 21 Uhr, am 11. Juni ab 5 Uhr sowie am 12. Juni und 13. Juni ab 21 Uhr statt.
04.06.2011, 11:04 | tags:
Schauspiel
955
Andreas Montag, Mitteldeutsche Zeitung, 4.6.2011
Amors Pfeile fliegen durch das frühe Morgenlicht
Eine Theatervorstellung, die um fünf Uhr in der Früh beginnt. Oder abends um neun. Im Freien. Man kann das verrückt finden, aber kein Mensch ist gezwungen, sich darauf einzulassen. Wer sich indes frei dafür entscheidet, wird nach zwei morgen- oder abendkühlen, magischen Stunden mit erfrischter Seele aus dem Park des Schlosses Luisium in die alltägliche Welt zurückkehren und sie verändert sehen. Dabei werden im grünenden Garten ausdrücklich elegische, wenn auch heiter grundierte Dinge verhandelt. Gleichwohl, sie drücken nicht nieder, auch wenn sie schon ernst genommen werden wollen.
Diese Balance ist es, die lebensnahe Verschwisterung von Bitternis und Scherz, die das Experiment der Theaterleute gelingen lässt. André Bücker, Generalintendant des Anhaltischen Theaters, hat das intelligente, kurzweilige Spiel inszeniert, Wolfgang Katschner, Chef der Berliner Lautten Compagney, sorgt mit seinem Ensemble für den barocken Klang. Und das Wetter hätte schöner nicht sein können zur Premiere am Himmelfahrtstag.
Auch das war noch ein Antrieb für sich: Früher als die notorisch angesäuselten Vatertagstrupps im Freien unterwegs zu sein und dem Aufsteigen der Sonne beizuwohnen, während einen ein rührender, schießfreudiger Amor und beschwörend, doch diskret raunende Faune begleiten. Und einem von ihnen gelingt ein ums andere Mal ein großartiges, irritierendes Mäh.
Wozu aber wird man bei "Landscape - Kritik der Liebe" überhaupt gebeten, weshalb an diesem Ort und am liebsten in aller Herrgottsfrühe, auch wenn es die meisten der noch ausstehenden Aufführungen um neun Uhr abends geben wird? Eingebettet in Shakespeare-Sonette und Gedichte Friedrich von Matthissons geht es um die titelstiftende "Kritik der Liebe", das heißt, um Melancholie und Einsamkeit, wie Louise sie empfunden haben muss, die unglücklich ungeliebte Frau des Fürsten Franz von Anhalt-Dessau.
Mit dem hatte sie eine arrangierte Ehe geschlossen, er kümmerte sich neben Regierungsgeschäften und dem mit seinem Freund, dem Architekten Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff, betriebenen Ausbau des Wörlitzer Gartenreichs lieber um seine Geliebte als um seine Frau. Immerhin ließ er ihr eben das Schloss Luisium samt englischem Garten quasi als Entschädigung erbauen und einrichten - einen Ort, den Louise sehr geliebt hat.
Und nun, als seien nicht mehr als 200 Jahre seitdem vergangen, tummeln sich die historischen Gestalten am überlieferten Ort. Des Fürsten Freund Erdmannsdorff (Karl Thiele) am Schlangenhaus, der Dichter Matthisson (Gerald Fiedler), der Louise (Christel Ortmann) nahestand, an der Grotte des Schlossparks. Auf dem See fährt indessen Louisens Freund Aloys Hirt (Sebastian Müller-Stahl) deklamierend mit einem Bötchen hin und her. Und immer wieder grätscht Amor dazwischen, während der schwarze Engel des Todes bedrohlich und augenzwinkernd zugleich an die Endlichkeit unseres Tuns erinnert.
Überhaupt ist dies ein heutiges, nicht nur ein Historienspiel. Lieben und auf Liebe hoffen sind so beständige Themen wie zuverlässig die Sonne aufgeht. Und dass Konventionen einerseits, der fröhliche Gebrauch (oder Missbrauch) der Macht andererseits noch eine Rolle spielen, ist ebenso gewiss. Dies alles gewinnt im erst diffusen, dann allmählich heller werdenden Licht des beginnenden Tages allmählich Klarheit. Immer wieder zieht dabei der Garten selbst als Mitspieler die Aufmerksamkeit auf sich und fordert Respekt für seine Schönheit. So geht man durchaus erhoben in den Tag. Oder eben in die Nacht, wenn abends gespielt wird. Dafür haben Bücker, Katschner und Co. den begeisterten Schlussapplaus mehr als verdient.
Nächste Vorstellungen: Samstag und Sonntag jeweils 21 Uhr, 11. Juni, 5 Uhr.
03.06.2011, 07:18 | tags:
Schauspiel
952
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 3.6.2011
Spektakel «Landscape - Kritik der Liebe» wird bejubelt
Im Garten des Schlosses Luisium hat am Himmelfahrtsmorgen das Spektakel "Landscape - Kritik der Liebe" seine umjubelte Premiere gefeiert.
Die Koproduktion des Anhaltischen Theaters mit der Lautten-Compagney Berlin vereint Sonette von William Shakespeare und Texte des Dessauer Dichters Friedrich Matthisson sowie der anhaltischen Fürstin Luise zu einem barocken Vergnügen.
Die eigentliche Besonderheit liegt in der Anfangszeit des Stückes: Die Vorstellungen beginnen entweder morgens um fünf oder abends um 21 Uhr und nehmen so die Zeit des Sonnenauf- und -untergangs in den Blick. Verbunden ist jede Vorstellung mit einem kulinarischen Nachspiel in der Orangerie des Luisiums.
01.06.2011, 22:55 | tags:
Schauspiel
951
Danny Gitter, Mitteldeutsche Zeitung, 2.6.2011
Graues und Buntes in Schwarzweiss
Das Anhaltische Theater bekennt Farbe in seinem Projekt "Schwarzweiss". Bunte afrikanische Gewänder wird das fünfköpfige Schauspielensemble zur Uraufführung am Freitag tragen. Das Bauhaus, die Y-Häuser und das anhaltische Theater zieren die Gewänder. Es ist auch unschwer das Stadtwappen, Justizia, ein Feuerzeug, Handschellen und das Konterfei des verstorbenen Asylbewerbers Oury Jalloh darauf zu erkennen.
Die Aufmachung bietet genug Projektionsfläche für individuelle Interpretationen. Genauso wie auch der Titel "Schwarzweiss" dem Theaterstück rund um den Fall Oury Jalloh eigenen Spielraum zur Interpretation lässt. Er kann einen größtmöglichen Kontrast intendieren, eine Polarisierung und eine Denkweise, die nur in den seltensten Fällen der Komplexität eines Geschehens gerecht wird.
Fakt ist, dass am 7. Januar 2005 ein Mensch in einer Gewahrsamszelle des Polizeipräsidiums in der Wolfgangstraße verbrannte. Hinter Einzelheiten stehen bis jetzt große Fragezeichen, auf die derzeit in zweiter Instanz das Landgericht Magdeburg Antworten sucht. Warum muss also ausgerechnet jetzt ein Theaterstück auf die Bühne, wo die genauen Umstände noch nicht geklärt sind, vieles spekulativ ist? "Weil das Thema jetzt relevant ist", sagt Nina Gühlstorff, die Regisseurin, die das Stück konzipiert hat. "Es hätte sonst vielleicht die Hoffnung gegeben, dass in zwei Jahren der Deckel drauf gewesen wäre", so André Bücker, der Generalintendant des Anhaltischen Theaters. Dann wäre vielleicht im wahrsten Sinne des Wortes langsam Gras darüber gewachsen.
"Doch Schweigen erzählt mehr als tausend Worte", ergänzt Bücker. Und geschwiegen wird viel in der Stadt, wenn es um den Fall Oury Jalloh geht, beobachten die Theaterleute. Von "tiefen Verletzungen und schlechten Erfahrungen" spricht Gühlstorff, wenn sie nach Gründen für dieses Verhalten sucht. Das Theaterstück "Schwarzweiss" soll diese Mauer des Schweigens aufbrechen, Gedankenaustausch und Gespräche anregen. Deshalb wird es auch nicht ausschließlich im geschlossenen Raum, auf der Bühne des großen Hauses oder im Alten Theater inszeniert sondern an vielen öffentlichen Orten. Los geht jede Veranstaltung um 19.30 Uhr im Stadtpark. Von da aus geht es unter anderem weiter zum Büro "Schwarzweiss" an der Museumskreuzung, welches für jede Vorstellung zu einem Gerichtssaal umgewandelt wird. Weitere Stationen sind die Moschee in der Askanischen Straße, das Telecafe in der Friedrich-Naumann Straße bis zum Alten Theater.
Eine theatrale Stadtbegehung nennt sich dieses künstlerische Experiment. Regisseurin Gühlstorff ist erfahren in der Umsetzung solcher Projekte. So wurden auch schon das nordrhein-westfälische Mettmann und Jena Orte öffentlicher Inszenierungen. Insgesamt zweieinhalb Stunden dauert jede Vorstellung. Eineinhalb Stunden ist davon reine Spielzeit, so dass auf den Wegen von Ort zu Ort genug Zeit für Gespräche und Diskussionen untereinander bleibt. Für genug Gesprächsstoff ist durch die Inszenierung gesorgt. Ein Extrakt aus 50 Interviews mit Flüchtlingen, Polizisten, Bürgern und Würdenträgern aus Dessau sowie aus 12 Interviews in Afrika bildet den Stoff für die Inszenierung. In nachgespielten Alltagssituationen soll das Stimmungsbild zu diesem Thema auf die Bühne gebracht werden. Wo es natürlich auch immer um das große Ganze geht. Alltag, soziale Ängste und der Umgang mit Fremdheit spielt hier eine wichtige Rolle. Wobei Fremdheit manchmal auch überdimensioniert wird. Bei tatsächlichen 1,7 Prozent Ausländeranteil in der Stadt, sei bei Befragungen auch schon mal ein gefühlter Wert von 40 bis 60 Prozent rausgekommen, so Gühlstorff.
Bei der Inszenierung eines solch hochemotionalen Themas kann man verlieren. Die Regisseurin verspricht sich davon einen maximalen Gewinn an Kommunikation. "Wir wollen damit zum Dialog anregen und kein Dessau-Bashing betreiben", beschreibt Bücker die Rolle des Theaters.
01.06.2011, 07:42 | tags:
Schauspiel
949
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 1.6.2011
Lautten Compagney
Vom Luisium nach Lauchstädt
Kein Händel-Preisträger muss am Eröffnungstag der Festspiele früher aufstehen: 4 Uhr am Morgen des 2. Juni wird sich Wolfgang Katschner im Dessauer Park Luisium einfinden. Vielleicht noch eine späte Nachtigall, sicher singende Amseln und quakende Frösche werden den Chef der Lautten Compagney empfangen.
Und dann sind da noch seine elf Musiker und drei Sänger, denen von den Maskenbildnern die Müdigkeit aus dem Gesicht geschminkt wird, deren Haare unter Allongeperücken verschwinden und die mit Schönheitspflastern in die Morgensonne treten. Wenn Halle am ersten Tag der Händel-Festspiele noch schläft, rüstet man sich in Dessau zu einer Premiere in aller Frühe: "Landscape - Kritik der Liebe" bittet das Publikum bereits um 5 Uhr zur Uraufführung ins Grüne. Schauspieler, Tänzer, Sänger und eben die Musiker der Lautten Compagney wirken an dieser Produktion des Anhaltischen Theaters Dessau mit.
"So früh haben wir tatsächlich noch nichts gemacht", sagt Wolfgang Katschner und verflucht höchstens im Stillen die ausgefallene Idee von Regisseur André Bücker, mit dem er schon mehrfach zusammengearbeitet hat - auch in Halle und Bad Lauchstädt. Katschner weiß, dass er seinen Musikern ohne weiteres zumuten kann, im Morgentau die barocken Instrumente auszupacken: "Wir haben schon so viele unterschiedliche Projekte gehabt, da wird dies als neue Facette wahrgenommen."
Neue Facetten gibt es für die Lautten Compagney im Juni im Tagesrhythmus, die Aufführungsorte dafür könnten unterschiedlicher freilich nicht sein. An einem Tag die morgendliche Frische des Dessauer Parks, am nächsten der von der Sonne beheizte Saal des Goethe-Theaters in Bad Lauchstädt. Die Darsteller in den Inszenierungen, in denen die Lautten Compagney den Ton angibt, sind ebenso ungewöhnlich: im Luisium Faune, Elfen, Fürstin Louise und Figuren aus der Zeit von "Vater Franz" - und auf der historischen Bühne Puppen. Wenn sich im Lauchstädter Theater am Nachmittag des 4. Juni der Vorhang zur Premiere hebt, dann sieht man Kulissen, Holz, Stoff, Mechanik und Fäden. Rinaldo, Armida und Almirena sind Marionetten aus der Werkstatt der Mailänder Kompagnie Carlo Colla e Figli. Mit den italienischen Meistern dieser Kunst erlebt das Publikum Händels Oper "Rinaldo".
"Vor ein paar Tagen war ich in Mailand und habe mir die Puppen angesehen", erzählt Wolfgang Katschner. Schon im März nahm die Lautten Compagney den "Rinaldo" in der Form auf, wie er bei den Händel-Festspielen zu hören sein wird. Seitdem probt die italienische Theatergruppe das Stück. "Es ist eine komplette Neuinszenierung", so der Dirigent; ein immenser Aufwand für die Marionettenspieler und -bauer, die mit dieser Oper ein weiteres Werk zu ihrem beträchtlichen Repertoire hinzufügen können. Die Collas sind immerhin die älteste Marionettistenfamilie Europas, ihre Compagnia besteht mittlerweile in der fünften Generation. Mit dem Marionettenspiel begann die Familie 1805, zunächst im privaten Rahmen und seit 1865 professionell. Schon zu Verdis Zeiten spielten die Collas dessen Opern mit der Erlaubnis des Komponisten nach, wie auch alle großen Produktionen der Mailänder Scala.
Die Puppen kamen als fahrende Truppe zu ihrem Publikum, brachten die große Oper aufs Land. Mehr als 3 000 Figuren und die Kulissen für unzählige Inszenierungen bewahren die Mailänder in einem Lagerhaus an der Peripherie der Stadt auf. Dort befindet sich auch die Probebühne. "Es ist beeindruckend, das zu sehen", berichtet Wolfgang Katschner von seinem Besuch und erinnert den dominanten Geruch von Mottenpulver in den Lagerräumen und Werkstätten.
Das Marionetten-Ensemble erwartet er mit Spannung. "Ich bin selbst neugierig, welche Kommunikation sich da zwischen mir, den Musikern, den Sängern und den Puppen und ihren Spielern ergibt." Sicher ist er, dass sich ein ganz eigener Zauber entfalten werde, wenn in Bad Lauchstädt alte Musik und altes Handwerk aufeinander treffen und die Rittergeschichte um Rinaldo erzählt wird. "Einer macht das Bild, der andere die Musik, und von der Bühne hört man ab und zu das Holz klappern."
Dass die Collas und ihre Kunst im Goethe-Theater übrigens sehr gut aufgehoben sind, wird sich bei den Aufführungen bereits zum wiederholten Male beweisen. Schon vor drei Jahren konnten die Besucher des Festivals "Theater der Welt" die Marionetten am gleichen Ort bewundern, damals mit ihrem Gastspiel von "Excelsior", einer Fortschrittsrevue, die zur Weltausstellung 1881 uraufgeführt wurde. "Durch dieses Gastspiel kam auch der Kontakt zustande", so Katschner. Clemens Birnbaum, der Intendant der Händel-Festspiele, sei damals - wie alle Zuschauer - hellauf begeistert gewesen - umso mehr, als er erfuhr, dass auch Händel-Opern zum Repertoire der Marionettenspieler gehören.
Dass nun sogar eine Neuinszenierung bei den Händel-Festspielen zu sehen ist, macht die Aufführungen in Bad Lauchstädt zu einem Höhepunkt im Programm und stellt Wolfgang Katschner und fünf seiner Musiker vor weitere Herausforderungen: Wenn am am späten Nachmittag des 4. und 5. Juni die Marionetten ihre Fäden entspannen, dann geht es für die Lautten Compagney musikalisch wieder im Dessauer Luisium weiter, diesmal jedoch zur Abendstunde, denn "Landscape" gibt es für jene, die die Morgensonne scheuen, auch um 21 Uhr. Natürlich mit der Lautten Compagney, allerdings ohne Musik von Händel - dafür aber von Henry Purcell und John Dowland.
"Rinaldo" am 4. und 5. Juni, jeweils 14.30; 6. Juni, 19 Uhr
31.05.2011, 10:01 | tags:
Schauspiel
947
Pressemitteilung vom 31.05.2011
Premiere und Uraufführung SCHWARZWEISS
Eine theatrale Stadtbegehung
Projekt des Anhaltischen Theaters um den Fall Oury Jalloh
Am Freitag, 10. Juni um 19.30 Uhr lädt das Anhaltische Theater zur Schauspielpremiere und Uraufführung „SCHWARZWEISS” in den Stadtpark Dessau ein.
2005 verbrannte der Asylbewerber Oury Jalloh in einer Zelle des Dessauer Polizeireviers. Das Geschehene polarisiert, und wird zum Gesprächsanlass über die großen Themen gesellschaftlichen Zusammenlebens wie Heimat, Identität, Rassismus, Humanität, Integration und Gewalt.
Das Theaterprojekt SCHWARZWEISS sucht nach den unterschiedlichen Stimmen innerhalb der Dessauer Stadtgesellschaft, um ein Panorama der Meinungen und Deutungen zu entwerfen. Das Team um die Regisseurin Nina Gühlstorff interviewte in den vergangenen Monaten Flüchtlinge und Polizisten, Freunde des Toten und alteingesessene Dessauer, Zugezogene und Würdenträger. Auch wenn die Theatermacher ziemlich oft hörten: „solange der Prozess läuft, können wir uns dazu nicht äußern", haben sie eine Vielzahl interessanter Gespräche führen können. Die divergierenden Positionen setzen Gühlstorff & ihr Team zueinander in Bezug. Das Projekt SCHWARZWEISS thematisiert nicht nur den Fall Oury Jalloh, sondern erzählt über Fremdheit und Alltag, Hoffnungen und Ressentiments, MTV gucken und das Bedürfnis zu Schweigen.
Gemeinsam mit Schauspielern, Puppen und Bewohnern Dessaus inszeniert Gühlstorff eine theatrale Stadtbegehung. Diese führt das Publikum vom Stadtpark über die Moschee, das Philantropinum, das Telecafé, den „Afrika Döner“ und andere überraschende Räume zum Alten Theater.
Nina Gühlstorff, geb. 1977, arbeitet seit 2001 als freie Regisseurin u.a. in Dresden, Heidelberg, Osnabrück, Jena, Magdeburg, Mannheim und Basel. Seit 2004 engagiert sie sich intensiv für die Fortentwicklung des Dokumentar Theaters, zuletzt „They Call Me Jeckisch" im Rahmen einer israelisch-deutschen Theaterpartnerschaft. Gemeinsam mit Dorothea Schroeder, mit der sie u.a. „Zu Gast in Mettmann - eine Rundfahrt durch eine ziemlich normale Kleinstadt im Westen Deutschlands“ (2007) und „Der Dritte Weg. Eine theatrale Demonstration“ durch Jena (2009) inszenierte, leitete Nina Gühlstorff regelmäßig das Festival für zeitgenössische Dramatik „Spieltriebe“ am Theater Osnabrück.
Inszenierung: Nina Gühlstorff /// Ausstattung: Annette Schemmel, Paul Huf /// Puppen: Atif Hussein /// Dramaturgie: Maria Viktoria Linke /// Recherchen und Archiv: Jens-Uwe Fischer /// Produktionsleitung: Christoph Öhl /// Regieassistenz: Manuela Wießner /// Produktionsassistenz: Christian Öhl
Mit: Eva Marianne Berger, Abak Safaei-Rad, Jan Kersjes, Hans-Jürgen Müller-Hohensee, Matthieu Svetchine und Bewohnern der Stadt Dessau
Das Projekt wird gefördert im Fonds Heimspiel der Kulturstiftung des Bundes.
Weitere Förderer sind die Lotto Toto GmbH Sachsen-Anhalt, die Stadt Dessau-Roßlau und die Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt.
Vorstellungen: 11., 17. und 18. Juni 2011, jeweils 19:30 Uhr
Wiederaufnahme am 15. September 2011, 16., 21., 24. September, jeweils 19:30 Uhr
Karten zu 11,- Euro/ ermäßigt 7,50 Euro/Schüler 5,- Euro/ Menschen ohne Einkommen erhalten freien Eintritt und Informationen unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
29.05.2011, 22:26 | tags:
Schauspiel
945
dapd, Mitteldeutsche Zeitung, 30.05.2011
Fall Jalloh wird zum Theaterstück
Das Anhaltische Theater setzt sich künstlerisch mit dem Tod des Asylbewerbers Oury Jalloh in einer Dessauer Polizeizelle auseinander. Die Bühne plant unter dem Titel «Schwarzweiß» eine theatrale Stadtbegehung Dessaus zu dem Fall, wie eine Sprecherin sagte. Inszeniert wird das Projekt, das am 10. Juni Premiere haben wird, von Regisseurin Nina Gühlstorff.
In den vergangenen Monaten habe Gühlstorff mit ihren Mitarbeitern Flüchtlinge, Polizisten, Freunde des Toten und alteingesessene Bürger in Dessau interviewt. Ziel sei es gewesen, ein Panorama der in der Stadt verbreiteten Meinungen und Deutungen zu dem Fall zu entwerfen, sagte die Sprecherin. Die divergierenden Positionen will Gühlstorff in der Aufführung in Bezug zueinander setzen. Neben Schauspielern sollen auch Bewohner Dessaus auftreten.
Das Projekt solle nicht nur den Tod Jallohs thematisieren, sondern auch über Fremdheit und Alltag, Hoffnungen und Ressentiments sowie über das Bedürfnis zu schweigen erzählen, sagte die Sprecherin. Viele Dessauer wollten, dass das Thema lieber nicht mehr diskutiert wird und in ihrer Stadt endlich wieder Ruhe einkehrt. Ein Stadttheater müsse sich jedoch auch mit verdrängten und umstrittenen Themen beschäftigen, sagte sie.
Der aus Sierra Leone stammende Jalloh war am 7. Januar 2005 bei einem Brand in der Zelle an den Folgen eines Hitzeschocks gestorben. Er war zuvor in Gewahrsam genommen worden, weil er in betrunkenem Zustand mehrere Frauen belästigt haben soll. Jalloh soll die Matratze, auf der er an Händen und Füßen gefesselt war, selbst mit einem Feuerzeug angezündet haben. Derzeit wird der Prozess vor dem Landgericht Magdeburg wieder aufgerollt.
19.05.2011, 11:31 | tags:
Schauspiel
, Diverses
935
Pressemitteilung vom 19.05.2011
Landolf Scherzer liest zum Salon D´Afrique IV
Das Anhaltische Theater lädt am Sonntag, 29. Mai um 17 Uhr zum vierten und letzten Salon d´Afrique ins Projektbüro von SCHWARZWEISS in der Kavalierstraße 78/ Museumskreuzung ein. Anfang Mai startete diese Reihe als Begleitprogramm zum Projekt SCHWARZWEISS, einer theatralen Stadtbegehung um den Fall Oury Jalloh, in der Regie von Nina Gühlstorff.
Der thüringische Schriftsteller Landolf Scherzer, Meister der literarischen Reportage, der in diesem Jahr seinen 70. Geburtstag feierte, ist zu Gast in Dessau und liest aus seinem Buch „Die Fremden. Unerwünschte Begegnungen und verbotene Protokolle“, erschienen im Aufbau Verlag, 2002.
Scherzer erfuhr schon 1965, dass Authentizität eines literarischen Reporters und kritische Bestandsaufnahmen in der ehemaligen DDR nicht gefragt waren. 1965 wurde er von der Fakultät für Journalistik in Leipzig exmatrikuliert, nachdem er eine Arbeit über den Personenkult in der DDR geschrieben hatte.
„Seine Stärke ist der genaue Blick fürs Detail. Mit wenigen Strichen zeichnet er seine Figuren, ist empfänglich für die Eigenheiten ihrer Sprache“ - so Martin Straub vom Verband Deutscher Schriftsteller, Thüringen.
„Die Fremden" ist eine Analyse des Zusammenlebens mit den mosambiquanischen Vertragsarbeitern und des alltäglichen Rassismus in der DDR. 15.000 Mocambiquaner holte die DDR Anfang der achtziger Jahre ins Land. Sie erwarteten eine Ausbildung und wussten nicht, dass sie nur die Schulden ihres Landes am Fließband abarbeiten sollten. Man hatte ihnen von Solidarität und proletarischen Internationalismus erzählt, aber sie begegneten einer Kälte, die schlimmer war als die des Winters. Scherzer, der selbst in Mocambique gearbeitet hatte, wollte 1982 wissen, wie diese fremden Arbeiter in der „neuen Heimat“ behandelt wurden. Seine Gesprächsprotokolle konnte er zu DDR-Zeiten nicht veröffentlichen. Im Jahr 2002, nun ergänzt um Gespräche und Beobachtungen der ostdeutschen Entwicklung in den 1990er Jahren, erschienen seine Texte unter dem Titel „Die Fremden“.
„Landolf Scherzer ist ein Schriftsteller, der mehr dokumentiert als erfindet. Wenn er über Monate hinweg Menschen begleitet oder sich auf Reisen begibt, dann beobachtet er diszipliniert und gibt die erlebten Dinge in seinen Büchern wieder.“ (MDR Riverboat über Landolf Scherzer)
Der Eintritt ist frei.
Für weitere Informationen und Interviewanfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung: Franziska Blech (Anhaltisches Theater) und Jens-Uwe Fischer (SCHWARZWEISS-Team):
++49 (0)178-1977 078, juf@jensuwefischer.de
Weitere Informationen unter: www.anhaltisches-theater.de/schwarzweiss oder www.facebook.com/schwarzweiss.dessau
Das Projekt wird gefördert im Fonds Heimspiel der Kulturstiftung des Bundes. Außerdem wird es gefördert und unterstützt von Lotto Toto Sachsen-Anhalt, der Stadt Dessau-Roßlau und der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt.
17.05.2011, 14:44 | tags:
Puppentheater
, Ballett
, Schauspiel
, Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
933
Pressemitteilung vom 17.05.2011
Spielzeit 2011/2012 „GLÜHENDE LANDSCHAFTEN“
Voller Elan geht das Team um Generalintendant André Bücker in die nunmehr 217. Spielzeit. Unter dem Titel „GLÜHENDE LANDSCHAFTEN“ nehmen zahlreiche Inszenierungen die Themen der Stadt und der Region auf. Die kommende Spielzeit ist wieder voller Höhepunkte: das Schauspiel startet unter neuer Leitung von Niklas Ritter mit einem der bedeutendsten Stücke der Weltliteratur, „Hamlet“ von William Shakespeare. Mit „Pension Schöller“ inszeniert Werner Eng für das Publikum eine handfeste Komödie. Weiterhin stehen „Der Turm“ nach dem Roman von Uwe Tellkamp in der Regie von Lukas Langhoff, „Der Besuch der alten Dame“ - eine tragische Komödie von Friedrich Dürrenmatt, „Kasimir und Karoline“ - ein Volksstück von Ödön von Horváth, „Moby Dick“ - ein Abendteuer nach dem Roman von Hermann Melville und die zauberhafte Geschichte der „Weihnachtsgans Auguste“ auf dem Spielplan.
Das große Jubiläum „800 Jahre Anhalt“ zum Anlass nehmend, inszeniert Karl Thiele das Lustspiel „Der alte Dessauer“ nach Karl May als großes Spektakel im Georgengarten in Dessau.
Bereits im September startet ein Festival: die „9. Theatertage der Länder Sachsen- Anhalt und Brandenburg“. Dreizehn Theater zeigen Produktionen für Kinder und Jugendliche. Das Festival ist gleichzeitig Forum für Theaterschaffende und bietet zahlreiche Möglichkeiten der Auseinandersetzung und des Austauschs.
Das Musiktheater geht mit Felix Losert, dem neuen Leitenden Dramaturgen für Musiktheater/Operndirektion im September mit dem Musical-Klassiker „West Side Story“ von Leonard Bernstein, inszeniert von Christian von Götz an den Start. Im Mai 2012 beginnt mit der „Götterdämmerung“, inszeniert von André Bücker und unter der musikalischen Leitung von GMD Antony Hermus der erste Dessauer „Ring“ seit über fünfzig Jahren, der 2015 anlässlich des Internationalen Kongresses der Richard-Wagner-Gesellschaft als vollständiger Zyklus zu sehen sein wird. Außerdem werden bedeutende Werke wie Puccinis „La Bohème“, Gounods „Faust“ - inszeniert von Hinrich Horstkotte, Griegs „Peer Gynt“- in einer halbszenischen Produktion - und Mozarts „Bastien und Bastienne“ - eine Musiktheaterproduktion für Kinder auf dem Spielplan stehen. Die „Große Gala der heiteren Muse“ für die leichte Unterhaltung vereint Operette, Spieloper und Musical.
Zwei große Ballett Premieren, inszeniert und choreografiert von Tomasz Kajdanski werden in der kommenden Spielzeit den Spielplan bereichern. Mit der Uraufführung „Hotel Montparnasse“ eröffnet das Ballett das Kurt Weill Fest 2012 und setzt das Künstler- und Emigrantenleben in Paris, in den aufregenden 20er und 30er Jahren in Szene. Außerdem wartet auf das Publikum die abenteuerliche, märchenhafte wie fantastische Geschichte: „Alice im Wunderland“, für die Lewis Carolls Roman die Grundlage bildet.
Abwechslungsreiche, spannende und anregende Konzerte für Jung und Alt bietet die Anhaltische Philharmonie unter der Leitung von Generalmusikdirektor Antony Hermus: Sinfoniekonzerte, Jugendkonzerte, Konzerte zu Weihnachten und Neujahr, Scratch-Konzerte und Kammerkonzerte. Nachdem sich die Anhaltische Philharmonie 2010 mit dem erfolgreichen Planeten-Konzert am IMPULS-Festival für Neue Musik beteiligt hat, gibt es 2011 eine Fortsetzung der Zusammenarbeit. Im Rahmen des Kurt Weill Fest 2012 lässt die Anhaltische Philharmonie in einem Programm mit musikalischen Bezügen zu Paris auch das „Violinkonzert“ von Kurt Weill erklingen.
Hervorragende Solisten konnten für die Konzerte gewonnen werden: Ragna Schirmer, Nemanja Radulovic, Andrea Lieberknecht, Hardy Rittner, Marina Chiche, Sebastian Manz, Heidi Brunner und Julian Steckel – um nur einige zu nennen.
Beim Festival „Himmel auf Erden“, dass in Koproduktion mit dem WittenbergKultur e.V. in Wittenberg stattfindet und 2012 unter der künstlerischen Leitung von Generalintendant André Bücker ins zweite Jahr geht, ist die Anhaltische Philharmonie ebenfalls mit einem Sonderkonzert beteiligt.
Das Puppentheater bietet neben einem reichen Repertoire und einer neuen, bezaubernden Geschichte um eine „Matschgans“ für die Kleinsten, Theodor Storms „Schimmelreiter“ für Menschen ab 12 Jahren und zum Abschluss der Spielzeit einen Leckerbissen für all jene, die Bram Stokers Vampirstory „Dracula“ schätzen. Diese Inszenierung wird ihre Uraufführung und Premiere im Juni 2012 als Open Air Produktion haben.
Die Theaterpädagogik hat schier unerschöpfliche und abwechslungsreiche Angebote im Programm, neue Patenschaften zwischen Schulen und dem Anhaltischen Theater werden geknüpft – außerdem erwartet das Publikum eine Vielzahl an interessanten Projekten. Neben bereits etablierten Veranstaltungsformaten wie „Die Nacht, die Lichter“, „Trash am Montag“, dem „Philharmonie-Stammtisch“, „Treffpunkt Ballett“ und den Matineen vor den Premieren überraschen neue Formate u.a. die Theatersoap „Was ist denn heut` bei Anhalts los?“, „My Songs“, „Theaterclub“ und „Wunschfilm 299“.
Schließlich gibt es ab der kommenden Spielzeit einen Betreiberwechsel im Theaterrestaurant „Altes Theater“. Das Team um Jörg Folta wird mit hochwertiger Küche und angesagter Bar neben bizarrem Entertainment dem Ort Leben einhauchen.
Informationen zu den Inszenierungen, den Projekten und Aktionen unter www.anhaltisches-
theater.de/vorschau und im neuen Spielzeitheft.
17.05.2011, 11:41 | tags:
Schauspiel
932
Pressemitteilung vom 17.05.2011
Premiere und Uraufführung „Landscape – Kritik der Liebe“
Eine barocke Shakespeare Ergehung / Auftakt zum Elbmusikfest 2011
Das diesjährige Elbmusikfest startet am Donnerstag, 2. Juni um 5 Uhr morgens mit der besonderen Premiere und Uraufführung LANDSCAPE: Im Glanz der Morgensonne oder im Schein des Abendrots erklingen in der arkadischen Landschaft des Parks Luisium, Barockmusik und Shakespeare-Sonette. Die Lautten Compagney Berlin, 2010 mit dem Echo-Preis ausgezeichnet, verzaubert mit ihren virtuosen Klängen von Henry Purcell, Thomas Morley, John Dowland und Thomas Ravenscroft.
Schauspieler und Tänzer lassen die widerstreitenden Gefühle der Fürstin Louise lebendig werden. Hierfür bilden die Sonette von William Shakespeare die textliche Grundlage. Musik, Tanz, Gesang und Sprache sind über den Park verteilt und bilden Sicht- und Klangachsen. Das Publikum lustwandelt durch den Park, vorbei am Schloss, und genießt in dieser einzigartigen Atmosphäre ein einmaliges sinnliches Erlebnis. Zum Abschluss verwöhnt die Gartenreich Gastronomie an der Orangerie das Publikum mit kulinarischen Köstlichkeiten.
Das „Luisium“, der klassizistische Landsitz der Fürstin Louise von Anhalt-Dessau, ist der Schauplatz für das Theaterprojekt „Landscape – Kritik der Liebe“. Zwischen 1774 und 1778 legte Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff, gemäß dem Auftrag von Fürst Franz von Anhalt-Dessau, die Häuser und den englischen Landschaftsgarten an. Fürstin Louise liebte diesen Park, machte ihn zu ihrem Lieblingssitz und hielt sich hier aufgrund ihrer unglücklichen Ehe mit dem Fürsten häufig auf.
Inszenierung: André Bücker | Musikalische Leitung: Wolfgang Katschner | Choreografie: Tomasz Kajdanski | Ausstattung: Suse Tobisch | Dramaturgie Sophie Walz
Mit: Kristina Baran, Anne Weinkauf, Christoph Burmester | Christel Ortmann, Susanne Hessel, Katja Sieder, Jens Tramsen, Thorsten Köhler, Patrick Rupar, Boris Malré, Gerald Fiedler, Sebastian Müller-Stahl, Karl Thiele | Ballettensemble des Anhaltischen Theaters, Lautten Compagney Berlin
In Kooperation mit der Kulturstiftung DessauWörlitz
Gefördert von der Ostdeutschen Sparkassenstiftung gemeinsam mit der Stadtsparkasse Dessau
Weitere Termine: 3. Juni, 5 Uhr morgens | 4. Juni, 21 Uhr | 5. Juni, 21 Uhr | 11. Juni, 5 Uhr morgens | 12. Juni, 21 Uhr | 13. Juni, 21 Uhr
Treffpunkt: 4:45 Uhr bzw. 20:45 Uhr am Parkeingang an der Kleingartenanlage
Detaillierte Informationen zum Stück, zu Hotel- und Festivalangeboten erhalten Sie unter 0340 2511 333 oder www.kritik-der-liebe.de.
Karten und Informationen unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
12.05.2011, 13:18 | tags:
Schauspiel
927
Pressemitteilung vom 12.05.2011
Die Nacht, die Lichter [Folge 9]: Heinrich von Kleist „Das Erdbeben von Chili“ und „Tschernobyl - Chronik der Zukunft“ von Swetlana Alexijewitsch
Am Donnerstag, 19. Mai um 21.00 Uhr lädt das Anhaltische Theater Dessau zur neunten Folge der Reihe „Die Nacht, die Lichter“ in das Foyer im Alten Theater ein.
2011 feiern nicht allein die Theater ein „Kleist-Jahr“. Grund genug einen der größten Dichter „deutscher Zunge“ zu Gehör zu bringen. „Die Nacht, die Lichter“ widmet sich jedoch Kleist auch aus hoch aktuellem Anlass. Seine Erzählung „Das Erdbeben von Chili“ hat erstaunlich an Aktualität gewonnen im Angesicht der Bilder von zerstörten Reaktorblöcken und der verstrahlten Landschaft von Fukujima. Der Auslöser für diese Katastrophe war ein verheerendes Erdbeben. In Kleists Erzählung erscheint eine solche Katastrophe als ein Gottesurteil, als die Chance für einen Neuanfang, der jedoch ungenutzt bleibt.
In Swetlana Alexijewitsch Buch „Tschernobyl - Chronik der Zukunft“, geht es um die Folgen eines atomaren Supergaus. Eine Katastrophe wird hier zum zentralen Ereignis des Lebens von Menschen, die sich ihre Zukunft in einer Welt der Toten aufbauen müssen. Die Texte zeugen von einer ungeheuren Nähe zum Ereignis „Tschernobyl“ und sind eindringliche psychologische Porträts von höchster Sensibilität.
Mit: Stephan Korves, Thorsten Köhler
Leitung: Holger Kuhla
Karten und Informationen unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
11.05.2011, 11:39 | tags:
Schauspiel
925
Pressemitteilung vom 11.05.2011
Mabuse vollendet sein Werk
Am kommenden Samstag, 14. Mai bietet sich eine von nur noch zwei Gelegenheiten, die bildgewaltige Inszenierung „Doktor Mabuse“ am Anhaltischen Theater zu erleben.
Die Luft wird dünn für die Superverbrecher dieser Welt. Wie hoch man die Mauern auch baut, so sehr man sich auch versteckt: Die selbsternannten Weltpolizisten greifen zu, drücken ab, stellen kalt. Aus den Kriminaloligarchien von einst sind Terror Franchises geworden, das Böse wird zerteilt, in Schläfer individualisiert – wohin die Zeiten, als ein gestandener Mann noch die Katze graulen und mit dem roten Knopf den dritten Weltkrieg provozieren konnte?
So zieht auch „Doktor Mabuse“ in Dessau die Reißleine und flüchtet aus dem Spielplan des Anhaltischen Theaters gen Hindukusch. Zuvor aber werden seine beiden letzten Auftritte zum Fanal: Am Samstag, den 14. Mai, und am 26. Juni, immer schon um 17.00 Uhr, flimmert, dampft und pulst André Bückers Uraufführung noch einmal über die Große Bühne, ein aktuelles und aufwendiges Stück Theater mit Menschen unserer Zeit.
Der Inhalt in wenigen Atemzügen? Verbrecher-Urgestein Mabuse spielt im Casino mit den kleinen Menschen und manipuliert im Großen die Wirtschaft, um seinen Idealstaat zu errichten. Kommissar von Eyck (Gerald Fiedler) kommt dicht an dessen Machenschaften heran – und droht, selbst in den Strudel des Verbrechens gezogen zu werden. Und Mabuse wiederum scheint über die Liebe zur unerreichbaren Gräfin (Katja Sieder) seinen Weltenbrand zu vergessen, der Inbegriff des Bösen muss als Liebender ganz menschlich stolpern.
Letzte Chance also für alle Mabuse-Jünger und solche, die es werden wollen, diesen besonderen Abend zu sehen. Wer ihm nicht nachfolgt, der sei gewiss: Des Doktors Kinder sind schon unterwegs!
Karten und Informationen unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
10.05.2011, 18:21 | tags:
Schauspiel
924
Pressemitteilung vom 10.05.2011
„Woyzeck“ Schauspiel von Georg Büchner
Sowohl am Donnerstag, 12. Mai um 16.00 Uhr als auch am Freitag, 13. Mai um 19.30 Uhr ist die neue Schauspielinszenierung „Woyzeck“ im Anhaltischen Theater auf der großen Bühne zu erleben.
Erzählt wird in dem Schauspiel von Georg Büchner die Geschichte des Soldaten Woyzeck, der seine Frau Marie liebt, aber ihr und dem gemeinsamen Sohn nicht viel zu bieten hat. Um zu überleben, arbeitet er Tag und Nacht, stets gehetzt schlägt er sich durch und liefert sich aus. Woyzeck tut bis zur Selbstauflösung alles und für jeden, wenn auch nur ein paar Groschen dabei herausspringen. Hauptmann und Arzt, für die Woyzeck u.a. auch arbeitet nutzen ihn nicht nur physisch und psychisch aus, sondern demütigen ihn obendrein in aller Öffentlichkeit. Als jedoch ein schöner Tambourmajor seine Frau Marie begehrt, und sie sich ihm hingibt, wird es Woyzeck zu viel...
Gleich einer Wanderzirkus-Truppe lässt Regisseur Christian Weise das Schauspielensemble auf der Bühne stranden. Jens Dohle und Christoph Reuter komponierten eigens für das Stück eine Bühnenmusik, die von Balkanklängen inspiriert ist und live von sechs Musikern der Anhaltischen Philharmonie unter der Leitung von Stefan Neubert gespielt wird.
Für die Vorstellungen bietet das Theater Tickets zu einem Aktionspreis von 8,- Euro/ ermäßigt 5,- Euro an.
[....] „Minimalistisch und leicht in das historisierende Licht eines vorgestrigen Jahrmarkttreibens mit Schaustellern und Körpersensationen gerückt, zeigt er die Tragödie einer Welt, die gespenstisch, banal und blutig scheitert, die nicht sein kann ohne einen Untersten, der in seiner Not außer sich gerät und tötet..“ – Ralph Gambihler, nachtkritik, 16.4.2011
04.05.2011, 16:09 | tags:
Schauspiel
, Diverses
913
Pressemitteilung vom 04.05.2011
Matinee zur Premiere und Uraufführung „Landscape – Kritik der Liebe“
Eine barocke Shakespeare Ergehung im Park Luisium
Am Sonntag, 15. Mai um 10.30 Uhr lädt das Anhaltische Theater in den Park Luisium zur Matinee zur Premiere „Landscape – Kritik der Liebe“ ein. In der arkadischen Landschaft des Parks Luisiums, dem Park der Fürstin Louise, sind an der Orangerie erste Eindrücke der Inszenierung von André Bücker zu erleben. Schauspieler bringen Shakespeare-Sonette zu Gehör, Musiker der Lautten Compagney Berlin spielen Barockmusik. Außerdem besteht die Möglichkeit, einen ersten Blick auf die Kostüme zu werfen. Regisseur André Bücker und Musikalischer Leiter Wolfgang Katschner stellen ihr Konzept vor und stehen für Fragen des Publikums zur Verfügung.
Währenddessen werden Speisen und Getränke durch die Gartenreich Gastronomie gereicht.
Das Publikum darf sich auf eine informative und musikalisch genussvolle Stunde am Sonntagvormittag freuen, die bereits einen Vorgeschmack auf die Atmosphäre des erklingenden Parks während der Vorstellungen bei Sonnenaufgang oder im Abendrot geben wird.
Der Eintritt für die Matinee ist frei, die Kosten für Speisen und Getränke sind selbst zu übernehmen.
Am 2. Juni um 5 Uhr morgens lädt das Anhaltische Theater zur Premiere und Uraufführung „Landscape – Kritik der Liebe“ im Park Luisium ein. Detaillierte Informationen zur Inszenierung und den Terminen finden Sie unter www.kritik-der-liebe.de.
Karten und Informationen unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
02.05.2011, 16:48 | tags:
Schauspiel
912
Pressemitteilung vom 02.05.2011
„alter ford escort dunkelblau“
Schauspiel von Dirk Laucke
Am Mittwoch, 4. Mai um 19.30 Uhr und am Donnerstag, 5. Mai um 17.00 Uhr zeigt das Anhaltische Theater Dessau das Schauspiel „alter ford escort dunkelblau“ im Studio des Alten Theaters. Erzählt wird in dem Stück von Dirk Laucke eine tragische und zugleich komische Geschichte über drei Männer in einem vergessenen Landstrich, die sich ihre Träume trotz aller Ausweglosigkeiten und Unbillen des Alltags nicht nehmen lassen. Die Drei, Boxer, Paul und Schorse arbeiten in einem Getränkelager, bekommen ein Spottgeld und können jederzeit rausgeworfen werden. Schließlich haben sie die Schnauze voll von Zeitarbeitsfirmen, kaputten Familien und all dem Dreck im Mansfelder Land. Sie werden zu Kidnappern und treten die Flucht aus der Misere an. Ihr Ziel: LEGOLAND.
Karten und Informationen unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de, an der Abendkasse und an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen
27.04.2011, 10:04 | tags:
Schauspiel
907
Pressemitteilung vom 27.04.2011
Spielfreudige Dessauer für Schauspielproduktion „Ödipus Tyrann“ gesucht
Das Anhaltische Theater sucht für die Schauspielproduktion „Ödipus Tyrann“, die Teil des Antike-Projektes METAMORPHOSEN [VERWANDLUNGEN] ist, spielfreudige Dessauer jeden Alters, um nach dem Vorbild der Antike gemeinsam einen großen Sprechchor zu bilden.
Die Proben beginnen Ende April. Interessenten melden sich bitte bei der Personalleiterin, Frau Hickel unter 0340 2511 391.
Die Produktion METAMORPHOSEN [VERWANDLUNGEN] zeigt an drei Spielstätten in und um
das Alte Theater an einem Abend die drei Inszenierungen: „Ödipus Tyrann“, „Mamma Medea“ und „Ich und Du und ein Schiff dazu!“, inszeniert von drei jungen Regieteams.
Drei der faszinierendsten Gestalten des antiken Mythos bringen an einem Abend das Alte Theater in außergewöhnliche Bewegung. Im Halbrund eines Amphitheaters nimmt auf dem Vorplatz alles seinen Anfang. Es geht um Politik, Macht und Wahrheit. Ödipus, der Machtmensch, der Politiker, der Vatermörder und Ehemann seiner eigenen Mutter, sucht um den Preis des eigenen Untergangs die Wahrheit.
In der Studiobühne treffen wir auf die Barbarin aus Kolchis, Medea, die ihre Heimat verließ, den Vater betrog, den Bruder tötete, das „Goldene Fließ“ stahl und das alles aus Liebe zu Jason. Und nun steht sie fremd in der Fremde, von allen gehasst, von ihrem Mann betrogen und lässt sich noch immer nicht verbiegen.
Zum Abschluss lädt uns frei nach Homers Odyssee, die Schlagerette „Ich und Du und ein Schiff dazu!“ ins Foyer und an Bord eines Kreuzfahrtschiffes nach Griechenland. Bald schon ziehen Stürme auf, Sirenen locken, Ungeheuer lauern und doch ist auf dieser Fahrt „nichts ungeheurer als der Mensch“. Und das Meer singt zu allem seine bezaubernden Lieder.
METAMORPHOSEN [VERWANDLUNGEN] lädt das Publikum zu einem Fest ein. Antike begegnet unserer Gegenwart, wandelt sich und verwandelt jene großen und alten Stoffe, die seit mehr als 3000 Jahren von den Ängsten und Hoffnungen des Menschen handeln, in unsere Gegenwart, denn: „Das einzig Bleibende in unserer Welt ist die Veränderung!“
Die Produktion METAMORPHOSEN [VERWANDLUNGEN] entsteht in Kooperation mit der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin.
Geplant sind neben der Premiere 24. Juni um 19 Uhr zehn weitere Vorstellungen am 25.06. / 30.06.11 / 02.07. / 03.07.11 / 26.08. / 27.08.11 / 28.08.11 / 01.09.11 / 02.09.11 / 04.09.11.
26.04.2011, 23:30 | tags:
Schauspiel
906
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 26.04.2011
Kooperationen
Spurensuche in der Fremde
"Wanderlust" ist ein so schönes deutsches Wort, dass es seinen Weg sogar in den englischen Sprachschatz gefunden hat - und damit wie geschaffen scheint, um eine internationale Initiative der Bundes-Kulturstiftung zu etikettieren. Von dem Fonds, der die Zusammenarbeit zwischen deutschen und ausländischen Bühnen fördert, profitiert neben anderen seit einiger Zeit auch das hallesche Puppentheater. Was er dabei für einen Glücksgriff getan hat, bekam Intendant Christoph Werner kurz vor Ostern sogar schriftlich. Bei der Verleihung der "Molières" gewann Autor und Regisseur Joël Pommerat mit seiner Compagnie Louis Brouillard gleich zwei der begehrten Theaterpreise für das Stück "Ma chambre froide". Und dies ist in Workshops mit den Hallensern entstanden, wird in der Pariser Uraufführungs-Fassung hier gastieren und von Werner als Deutsche Erstaufführung inszeniert.
Mit Puppen und Menschen
Dass im wahrsten Sinne des Wortes "Wanderlust" zwischen Ost und West aufkam, verdankt sich dem Festival "Theater der Welt". Damals, 2008, hatte der französische Theaterstar Pommerat mit "Cet Enfant" in Halle gastiert, anderthalb Jahre später wurde die Zusammenarbeit verabredet. Und seither gab es Arbeitsphasen in Halle, in einem französischen Chateau sowie zu den Endproben im Pariser Odeon-Theater. Gestaunt und gelernt haben laut Werner dabei beide Seiten: Die französischen Schauspieler hätten sich von ihren deutschen Kollegen den Umgang mit den Puppen zeigen lassen, die Hallenser bewunderten hingegen die Mischung aus gemeinsamem Leben und respektvoller Arbeit innerhalb des Ensembles. Was da in gemeinsamer Improvisation entwickelt wurde, sei von Pommerat von Anfang als Komödie bezeichnet worden, während es den Besuchern eher düster und ernst erschien. In der Premiere aber hätten dann tatsächlich alle Zuschauer gelacht.
Dass er sich mit seiner eigenen Inszenierung - der ersten nach seiner Rückkehr in das Puppentheater - im Herbst also an einem großen Vorbild messen muss, ist Christoph Werner durchaus bewusst - zumal die Förderung der Kulturstiftung auch eine Tournee durch verschiedene französische Städte beinhaltet. Aber "Wanderlust" soll ja kein Spaziergang sein.
Von einer wesentlich existenzielleren Recherche ist gerade eine Gruppe des Anhaltischen Theaters Dessau zurückgekehrt. Für das Projekt "Schwarzweiß", das im Rahmen des Fonds "Heimspiel" ebenfalls von der Kulturstiftung des Bundes gefördert wird, haben die Künstler Interviews im Senegal geführt - obwohl Oury Jalloh, dessen ungeklärter Tod im Dessauer Polizeigewahrsam den Anlass der Inszenierung liefert, eigentlich aus Sierra Leone stammte. Der Grund für den Ortswechsel lag laut Regisseurin Nina Gühlstorff vor allem in der Unterstützung des Goethe-Instituts Dakar, das den Reisenden finanziell und organisatorisch half.
Gesucht haben Schauspieler, Ausstatterin, Dramaturgin und Regisseurin nach anderen Perspektiven auf jenen Weg der Verheißung, der für Oury Jalloh 2005 mit tödlichen Verbrennungen endete. Und gefunden haben sie tatsächlich eine überraschende Vielfalt von Stimmen - den Bootsflüchtling, der in Spanien kurz vor dem Ziel seiner Wünsche scheiterte. Den Rapper, der mit seiner Musik die jungen Männer seines Landes zum Bleiben ermuntern will. Die Ostdeutsche, die mit einem Senegalesen verheiratet ist und die Verklärung Europas aus afrikanischer Sicht mit ihren eigenen Erfahrungen hinter der einst undurchdringlichen Mauer vergleicht. Und die Mutter, die Gleichgesinnte um sich schart, um gemeinsam Verständnis für ihre emigrierten Söhne zu finden.
All diese Interviews liefern auch deshalb wichtiges Arbeitsmaterial, weil das Team in Deutschland immer wieder auf eine Mauer des Schweigens trifft - was Nina Gühlstorff angesichts des schwebenden Verfahrens durchaus versteht. Es sei weder Ziel noch Aufgabe der Inszenierung, dem Magdeburger Landgericht die Suche nach der Wahrheit im Fall Jalloh abzunehmen. Geredet werden soll vielmehr über biografische und politische Ursachen, die zum Migrantenstrom nach Europa und zu den Vorurteilen in den Zielländern führen. Dass dies freilich anhand des konkreten Schicksals verhandelt wird, ist den Theatermachern wichtig.
Erprobte Partner
Nina Gühlstorff hat mit Projekten im öffentlichen Raum bereits reiche Erfahrungen gesammelt, gerade war sie gemeinsam mit ihrer Regiepartnerin Dorothea Schroeder zum "Heimspiel"-Festival nach Köln eingeladen. Dort zeigte sie ihre Jenaer Inszenierung "Der Dritte Weg", die im Herbst 2009 an den 20. Jahrestag der Wende erinnerte - und traf dabei auch Dramaturgin Maria Linke, die das Dessauer "Funk"-Projekt vorstellte. Solche erprobten Partner wird es brauchen, damit auch das hochsensible "Schwarzweiß" zum Erfolg wird.
Die hallesche Inszenierung hat erst im Oktober Premiere, wenn auch das Gastspiel aus Frankreich gezeigt wird. Premiere in Dessau ist am 10. Juni.
20.04.2011, 15:21 | tags:
Schauspiel
903
Pressemitteilung vom 20.04.2011
„Woyzeck“ Schauspiel von Georg Büchner
Am Samstag, 30. April um 19.30 Uhr lädt das Anhaltische Theater zur Schauspielinszenierung „Woyzeck“, die am 15. April Premiere feierte, ins Große Haus ein.
In dem Schauspiel von Georg Büchner, das zu den meistgespielten Dramen der deutschen Literatur zählt, lässt Regisseur Christian Weise das Schauspielensemble des Anhaltischen Theaters gleich einer Wanderzirkus-Truppe auf der Bühne stranden.
Erzählt wird die Geschichte des einfachen Soldaten Woyzeck, der seine Frau Marie liebt, aber ihr und dem gemeinsamen Sohn nicht viel zu bieten hat. Um zu überleben, arbeitet er Tag und Nacht, stets gehetzt schlägt er sich durch und liefert sich aus. Woyzeck tut bis zur Selbstauflösung alles und für jeden, wenn auch nur ein paar Groschen dabei herausspringen.
Hauptmann und Arzt, für die Woyzeck u.a. auch arbeitet nutzen ihn nicht nur physisch und psychisch aus, sondern demütigen ihn obendrein in aller Öffentlichkeit. Als jedoch ein schöner Tambourmajor seine Frau Marie begehrt, und sie sich ihm hingibt, wird es Woyzeck zu viel...
Sechs Musiker der Anhaltischen Philharmonie schaffen mit der eigens für das Stück komponierten Musik (Jens Dohle, Chistoph Reuter) inspiriert von Balkanklängen, eine ans Herz gehende Atmosphäre.
[....] „Minimalistisch und leicht in das historisierende Licht eines vorgestrigen Jahrmarkttreibens mit Schaustellern und Körpersensationen gerückt, zeigt er die Tragödie einer Welt, die gespenstisch, banal und blutig scheitert, die nicht sein kann ohne einen Untersten, der in seiner Not außer sich gerät und tötet..“ – Ralph Gambihler, nachtkritik, 16.4.2011
Für die vier Vorstellungen ab Ostern bis zur Spielzeitpause hält das Theater Tickets zu einem Aktionspreis von 8,- Euro/ ermäßigt 5,- Euro bereit.
Karten und Informationen unter: Tel: 0340 2511 333 und www.anhaltisches-theater.de oder an unseren Theaterkassen sowie an allen ReserviX Vorverkaufsstellen.
19.04.2011, 12:33 | tags:
Schauspiel
900
Ute Grundmann, Leipziger Volkszeitung, 19.04.2011
Woyzeck im Zirkus
Christian Weise zeigt Büchners Theaterfigur im Anhaltischen Theater Dessau als Vorgeführten
Woyzeck macht den Affen. Stülpt sich das haarige Kostüm über, spreizt sich und springt, wie der Dompteur im blauen Frack es will. Vor dessen Peitsche bewahrt ihn Marie, die bis dahin mit ihrem Sohn zugeschaut hat, wie Woyzeck als tierischer Mensch vorgeführt wird. Zuschauer wird er bei fast allem haben, was er tut, denn Christian Weise (Regie und Bühne) hat am Anhaltischen Theater Dessau Büchners Drama in den Zirkus verlegt. In ein Monstrositäten-Kabinett, in dem Abweichungen von der Norm zur Schau gestellt werden.
Und so werden auf der Großen Bühne, die zu einem schmalen Steg verkleinert ist, zu Beginn geräuschvoll Bretter verlegt. Vor dem Schminktisch sitzt der "Idiot" Karl (Stephan Korves), mit rotgoldener Narrenkappe und schwarzem Frack, und isst noch schnell was. Die sechs Musiker spielen schon mal einen schrägen Marsch - die Vorstellung kann gleich beginnen, mit Woyzeck in der Hauptrolle.
Dieser Ansatz, Büchners Drama als Zirkus-im- Theater zu spielen, ergibt durchaus Sinn. Denn diese Elendsfigur Woyzeck (Matthieu Svetchine), der für ein paar Groschen fast alles tut, wird ja beständig vorgeführt: vom Hauptmann (Uwe Fischer), dem er in der Badewanne Rücken und Füße schrubbt, während der über den Mensch und die Tugend räsoniert. Vom Doktor, der ihn als erbsenessendes Versuchskaninchen missbraucht - leider wird die Figur des Arztes, von Verena Unbehaun gespielt, jedoch völlig überdreht und überzeichnet.
Bei manchen dieser Szenen sitzt Marie (Katja Sieder) mit ihrem kleinen Sohn als Zuschauerin am Rand, im rosa Röckchen und mit Spitzenschuhen, auf denen sie immer wieder tanzt. So wirkt sie wie eine Figur, die Woyzeck auf ein Podest gestellt hat. Und von dem muss sie stürzen, als sie sich von Woyzeck ab- und dem Tambourmajor (Sebastian Müller-Stahl) zuwendet. Der ist in diesem Zirkus der Kraftmensch mit ledernen Hosen, blankem Oberkörper und Vokuhila-Frisur. Und nachdem sie mit ihm hinter dem roten Vorhang verschwunden ist, tauscht Marie das rosa Röckchen gegen ein weißes Tutu - sie gehört nun zu dem Zirkus, in dessen Manege Woyzeck herumgeschubst wird. Doch am Ende wird sie mit blutigen Füßen auf dem Boden sitzen.
Vor diesem Ende gerät in Christian Weises 100 Minuten-Inszenierung manches allzu betont. Wenn Woyzeck wieder mal die Gedanken plagen, strahlt helles Gegenlicht vom Rang auf ihn. Und mit den Zirkusakteuren, die sich als Tausendfüßler schlängeln oder zur Menschenpyramide stapeln, wird zu deutlich auf die Rummel-Attraktivität gesetzt. Das hat die Inszenierung gar nicht nötig, so wie der von Matthieu Svetchine gespielte Woyzeck in ihrem Zentrum steht: Still und stoisch, verzweifelt und höhnisch, der trotz des Clownsgesichts nicht in diesen Zirkus gehört, den scheinbar nichts aus der Ruhe bringt außer seiner Liebe zu Marie. Ihre Ermordung passt zu diesem Woyzeck, der, wenn er sich mal wehrt, dies drastisch tut: Erst ein beiläufiger Stich, dann ein mechanisches Gemetzel in des Hauptmanns Badewanne. Viel Beifall und einige zaghafte Buhs für Regieteam.
18.04.2011, 07:06 | tags:
Schauspiel
898
Helmut Rohm, Volksstimme, 18.04.2011
Premiere für "Woyzeck" am Anhaltischen Theater Dessau
Was ein Mensch ist und sein kann
Auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten, was zählt da der Mensch? Nichts, wenn er ein "Woyzeck" ist. Georg Büchners 1913 uraufgeführtes gleichnamiges Drama hatte am Freitag im Anhaltischen Theater Dessau Premiere in der Regie von Christian Weise, von dem auch das Bühnenbild stammt.
Alles und alle sind im Grunde ständig präsent in diesen pausenlosen, schonungslosen etwa 100 Theaterminuten. Woyzeck ist Soldat, seinem Hauptmann zu Diensten. Christian Weises Dessauer "Feldlager" ist mehr ein Rummelplatz der Menschenverachtung.
Den Boden für die Handlung baut der Protagonist selbst. Woyzeck (ein das ganze Stück hindurch in der Rolle aufgehender, vor allem aber auch extrem körperlich geforderter Matthieu Svetchine) schleppt anfangs die schweren Bohlen zusammen. Die Wanne darauf bleibt nicht nur zur Hauptmann-Reinigung Handlungselement. Wie die Rüstung, auf deren oberen Etagen das von Stefan Neubert geleitete kleine Orchester die für die Dessauer Aufführung von Jens Dohle und Christoph Reuter geschriebene Musik spielt.
Woyzeck, der einfache, arme Soldat, müht sich, seine Freundin Marie und ihr gemeinsames Kind finanziell zu unterstützen. Das macht ihn zum Getriebenen. Er dient nicht nur dem Hauptmann (Uwe Fischer), der sich über ihn lustig macht. Er lässt sich auf den medizinischen Versuch einer zweifelhaften Erbsen-Diät ein, verhöhnt auch hier vom Doktor (Verena Unbehaun).
Ein Marktschreier führt Kuriositäten vor. Und wieder "dient" Woyzeck, lässt sich vorführen. Oben Affenkostüm, unten nackter Hintern. Größtmögliche Demütigung, den Zuschauern genauso demons- triert. Getrieben ist Woyzeck immer wieder auch von dem ihm eigenen Wahn. In diesen Minuten, in denen ihm die Bilder in den Kopf kommen und der Blick ein starrer wird.
Und Marie (intensiv Katja Sieder) – sie widersteht dem Tambourmajor (Sebastian Müller-Stahl) nicht – und am Ende auch nicht Woyzecks Wahn.
Geschehen am Rand des Erträglichen
Was ist der Mensch?, fragt der Handwerksbursche (Patrick Rupar). Büchners als Fragment hinterlassenes Drama berichtet von Ausbeutung, von Unterdrückung, vom Ausnutzen, auch von Sehnsüchten. Es ist immer noch sehr nah an der heutigen Welt.
Die schnellen Szenen und wie Christian Weise sie mit dem engagierten Ensemble umsetzt, machen den Betrachter atemlos und atemstockend. Der Regisseur nutzt die Talente seiner Darsteller, die singen, tanzen, Akrobaten sind. Bunten Bildern (Kostüme Silvia Maradea) steht schrilles Geschehen entgegen, das – besonders in dem von Woyzeck zu Erleidendem und seinem letztlichen Handeln im Blutrausch – an den Rand des Erträglichen geht.
Und es gibt auf der anderen Seite die stillen Momente, wie die Großmutter (Hans-Jürgen Müller-Hohensee), die den Kindern ein Märchen erzählt. Ein gutes Ende hat das hier aber auch nicht ...
Was ist der Mensch? Schockierend zeigt Büchners "Woyzeck", was er sein kann. Überdeutlich zeigt es Christian Weises Inszenierung. Wieder ein nicht einfacher Theaterabend, der sein Publikum finden muss. Das zur Premiere würdigte ihn mit reichlich Beifall.
17.04.2011, 22:24 | tags:
Schauspiel
897
Andreas Montag, Mitteldeutsche Zeitung, 18.04.2011
Tugend ist ein Luxus
Was treibt diesen Woyzeck um, dass er schließlich zum Mörder wird? Sind die sozialen Verhältnisse, die den Armen kein menschenwürdiges Leben ermöglichen, verantwortlich? Überwiegend wohl, Georg Büchners großer Text lässt keine andere Deutung zu, auch Christian Weises Dessauer Lesart eigentlich nicht - freilich unter ausführlicher Würdigung der psychischen Verfassung des Woyzeck. Büchner (1813-1837) kannte sich mit beiden Phänomenen aus, das Elend der Unterschicht schrie zum Himmel, der anatomische wie seelische Plan des Menschen war dem Arztsohn und Medizinstudenten zwangsläufig nahe.
Der Schlüssel zu allem ist aus Büchners scharfer Sicht (und in seiner wunderbaren Sprache) die Tugend, zu der die Kirche wie die weltliche Obrigkeit das einfache Volk anhalten wollen - ein gewaltiger Zynismus angesichts dessen unverschuldet bedrängter Lebensverhältnisse. "Wir gemeine Leut, das hat keine Tugend, es kommt nur so die Natur; aber wenn ich ein Herr wär und hätt' ein' Hut und eine Uhr und eine Anglaise und könnt' vornehm rede, ich wollt' schon tugendhaft sein", sagt Woyzeck zu seinem Hauptmann in der ersten Szene des Stückes.
Der gibt Christian Weises weitgehend texttreue Inszenierung gebührend Gewicht, der Hauptmann (Uwe Fischer) wird nicht nur rasiert, sondern sogar leibhaftig gebadet. Woyzeck, sehr gut gespielt von Matthieu Svetchine, öffnet mit seiner unterdrückten Wut und grenzenlosen Traurigkeit gleich das ganze Tableau des Dramas, bis hin zum unausweichlich blutigen Schluss. Dann wird der Gedemütigte seine Liebste Marie (Katja Sieder), die jedermanns Liebste geworden ist, töten und selber zu Tode unglücklich sein.
Was so sinnfällig wie überzeugend beginnt und tatsächlich in schlanken 90 Minuten erzählt werden kann, hat in der Folge allerdings ein Konzentrationsproblem. Weise lässt die Lebenswirklichkeit, an der Woyzeck wie Marie zerbrechen, als schillernde Zirkuswelt erscheinen. Das eröffnet wohl die charmante Möglichkeit, das Thema spielerisch in unsere von Shows dominierte Gegenwart zu verlängern, ohne Georg Büchners Text dabei Gewalt anzutun.
Und die Musik spielt ganz hervorragend dazu, platziert auf einem Baugerüst, das der Bühne (ebenfalls von Christian Weise verantwortet) einen standfesten Mittelpunkt gibt. Nur ziehen die bunten, animalischen Gestalten der Zirkus-Staffage zwangsläufig soviel Aufmerksamkeit auf sich, dass Woyzecks und Maries Tragödie phasenweise in den Hintergrund gedrängt wird.
Das ist vermutlich nicht gewollt, gleichwohl sehr bedauerlich. Natürlich darf man bei einem Klassiker wie diesem Stück voraussetzen, dass jeder im Saal weiß, was gehauen und gestochen ist. Aber auf einer solchen Verabredung kann das Bühnenspiel nicht gründen, es muss ja seine eigene Schlüssigkeit finden. Hier aber fragt man sich gegen Ende, warum um alles in der Welt dieser Woyzeck so fertig mit den Nerven ist?
Gewiss, er hat Erbsen bis zum Kotzen essen müssen. Marie, die Freundin und Mutter seines Kindes, bringt glitzernde Geschenke anderer Männer nach Hause. Und er wird immer noch mehr erniedrigt. Aber dies alles spült die Show-Welle auch gleich wieder fort, die Rummelplatz-Szenerie entlarvt nicht, sie lenkt vielmehr vom Eigentlichen ab.
Am Ende wird getötet. Woyzeck, wieder ganz bei sich in seinem Außer-sich-Sein, schlachtet Marie regelrecht ab. Wie tief verletzte Menschen es zu tun imstande sind, denen der Polizeibericht dann eine Beziehungstat zuschreibt. Man muss ein Übermaß an spritzendem Theaterblut nicht mögen, hier hat es seine Funktion. Weiter, immer weiter, sticht der Mann auf die längst Leblose ein. Es wirkt, als verrichte er eine Arbeit. Das wäre ein guter Schluss gewesen. Nochmals Kinder, Clowns und sonstiges Personal hingegen machen den Schrecken nicht größer. Oder sollen sie ihn etwa abschwächen? Das wäre allerdings ein anderes Stück.
Nächste Vorstellung am 30. Mai um 19.30 Uhr im Großen Haus
16.04.2011, 09:48 | tags:
Schauspiel
896
Ralph Gambihler, nachtkritik.de, 16.04.2011
Woyzeck – Christian Weise zeigt in Dessau einen rohen Büchner
Zum Körperdrama umgedachter Seelenkampf
Dessau, 15. April 2011. Dieser Woyzeck muss schwitzen. Er schwitzt und schwitzt, ohne Unterbrechung. Vom hastigen Bretteraufschlagen der ersten Minuten, das ihm bereits die Stirn mit Schweißperlen netzt, über die Jahrmarktszenen, in denen Woyzeck als billige Attraktion im Affenkostüm verspottet wird, bis zu dem Moment, in dem er Marie das Messer in den Bauch rammt, dumpf und mechanisch und viel zu oft, rinnt ihm das Wasser aus allen Poren. Der Schweiß ist sein Stigma und das Symbol seiner inneren Not. Bildhaft mischt er sich in der Tötungsszene mit dem Blut seiner Geliebten. Die Wahrheit ist konkret, besagt ein alter Satz. Hier ist sie körperlich. Konkreter geht es nicht.
Marie dagegen möchte Tanzen. Sie trägt Spitzenschuhe und ein Tutu, und es kommt vor, dass ihr beides zugleich in den Körper fährt, der Traum und die Wirklichkeit. Die Beine und die Füße tanzen dann auf Spitze, das Klischee-Bild der Primaballerina steht vor uns, während ab der Hüfte aufwärts der gemeine Lebenskampf stattfindet, mit Alltagsmimik im Gesicht und Armen, die sich gegen die Zumutungen der Welt zur Wehr setzen.
Pandämonium mit Schminkspiegeln, Leinwand und Baugerüst
Die Körperlichkeit der Dessauer Büchner-Inszenierung von Christian Weise hat etwas Bedrängendes, Drastisches. Sie ist die stärkste Waffe der Regie. Mit ihr wird man regelrecht malträtiert, was nicht angenehm ist und dem Abend von der ersten Minute an alle Repertoiregemütlichkeit austreibt.
Die Bühne (ebenfalls Christian Weise) ist halb leergefegt für dieses zum Körperdrama umgedachte Seelenstück. Links hält eine Andeutung von Garderobe mit Stühlen und Schminkspiegeln die Theatersituation im Bewusstsein der Zuschauer, mittig fällt der Blick auf ein teilweise verhängtes Baugerüst, das sich an die Bühnenrückwand zu lehnen scheint und auf dessen "Etagen" die rot befrackten Musiker eines Bläser-Quintetts Platz genommen haben. Das Gerüst dient als Klettergarten und, auf der verhängten Seite, als Leinwand für Diaprojektionen. Davor ist nichts außer Raum für das nackte Pandämonium dieses Abends.
Männliches Hetzen, weibliches Taumeln
Christian Weise hat die Hauptrolle des geschundenen Füsiliers Matthieu Svetchine anvertraut, einem gebürtigen Franzosen, der seinen massigen, molligen Körper mit solcher Wucht und Heftigkeit ins Spiel bringt, dass die Damen im Parkett bisweilen leise aufzischen. Svetchine zeigt ein kräftiges Bild von männlicher Ohnmacht, verhetzt bis zur Automatenhaftigkeit, alle Pein und Demütigung schrecklich duldsam ertragend, freilich mit Ingrimm im Gesicht und mit Zähnen, die immer wieder so arg zusammengebissen werden, dass es jeder Zahnarzt merken müsste. Diese drastische Darstellung eines kraftstrotzenden und doch zitternden Bündels Menschen geht nahe, hat aber auch etwas Plakatives, weil sie flux nach außen kehrt, was im Inneren der Figur vor sich geht.
Marie muss man sich daneben als schönes junges Ding vorstellen, verführerisch, kühl und fragil, Mädchenmarmor, der rissig geworden ist über der erlebten sozialen Realität und den taumelnden Gefühlen. Katja Sieder macht das sehr schön andeutungsvoll und halbtransparent. Sie überzeugt auf ganzer Linie, im Gegensatz zu Verena Unbehaun, die in der Hosenrolle des dünkelhaft dozierenden Doktors eine Charge bleibt. Der hübsch prollige Tambourmajor von Sebastian Müller-Stahl glänzt nicht mit seiner zackigen Uniform, sondern mit seinem gestählten, halbnackten Astralkörper, den er, zum Jahrmarkt-Artisten umgedeutet, wie eine Trophäe zur Schau trägt.
Auf Hackordnung gebaut
Christian Weise legt wenig hinein in das Stück; lieber holt er heraus. Er gibt den rohen Büchner, das radikale junge Genie, dem dieser Text "mit Dreiundzwanzig passiert ist", wie der ins Programmheft eingerückte Heiner Müller formulierte. Minimalistisch und leicht in das historisierende Licht eines vorgestrigen Jahrmarkttreibens mit Schaustellern und Körpersensationen gerückt, zeigt er die Tragödie einer Welt, die gespenstisch, banal und blutig scheitert, die nicht sein kann ohne einen Untertesten, der in seiner Not außer sich gerät und tötet.
Auf konkrete politische Aufladungen wie in Volker Löschs Dresdner Bürgerchor-"Woyzeck" von 2007 hat es die Regie nicht abgesehen. Und doch deutet sie etwas an. In großflächigen Diaprojektionen, die eine völlig entvölkerte Welt der Städte und der Waren zeigen, eine Geisterkultur ohne Leben, rätselhaft zum Artefakt geronnen, wird ein Bezug zur Gegenwart eröffnet. Irgendwo dazwischen, in den schwer auszumachenden Untiefen zwischen unserer Natur und Kultur, spielt dieser garstige, schroffe Büchner-Abend.
09.04.2011, 09:26 | tags:
Schauspiel
889
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 07.04.2011
Vom Oben und Unten
Der 27. August 1824 war ein besonderer Tag in Leipzig. Eine große Menschenmenge versammelte sich auf dem Marktplatz. Gut 30 Jahre gab es nicht mehr solch ein Ereignis: eine Hinrichtung. Zum Tod durch das Schwert verurteilt war J. C. Woyzeck. Der 41-jährige ehemalige Soldat und arbeitslose Perückenmacher Woyzeck erstach seine 46-jährige Geliebte im Hauseingang ihrer Wohnung. Sie hatte ihm ein Rendezvous versprochen, war aber mit einem anderen ausgegangen. Woyzeck, der um den Umgang der Witwe mit Soldaten wusste, hatte sich schon am Nachmittag das Mordinstrument, eine abgebrochene Degenklinge, besorgt und einen Griff daranmachen lassen. Nach der Tat ließ er sich widerstandslos festnehmen. "Kennzeichen von moralischer Verwilderung" attestieren ihm Gutachter. Im Elternhaus des späteren Dramatikers Georg Büchner las dieser, damals noch Medizinstudent, die Schriftsätze. Darauf basierend schreibt er seinen "Woyzeck", der nur als Fragment überliefert ist, 1937 stirbt Büchner,nur 28 Jahre alt, an Typhus. Sein "Woyzeck" auf der Theaterbühne stellt seitdem die Frage, ob sich Verbrechen aus der gesellschaftlichen Lage heraus erklären lässt.
Für die Dessauer Bühne unternimmt nun der Regisseur Christian Weise einen Deutungsversuch. Momentan befindet sich das Team in den Endproben; am Freitag der kommenden Woche hat Georg Büchners "Woyzeck" um 19.30 Uhr Premiere. Regisseur Christian Weise lässt das Schauspielensemble gleich einer Wanderzirkus-Truppe auf der Vorbühne des Großen Hauses stranden, um diesen "vielmal vom Theater geschundenen Text, der einem Dreiundzwanzigjährigen passiert ist" (Heiner Müller), als grotesk-böses Märchen vom Oben und Unten zu erzählen. Nach Heinrich von Kleists "Die Familie Schroffenstein" ist "Woyzeck" Weises zweite Inszenierung am Anhaltischen Theater.
Im Vorfeld der Premiere wird diesen Sonntag, 10.30 Uhr, zur Matinee ins Theaterfoyer geladen. Dramaturgin Maria Linke wird mit Schauspielern einen Einblick in das Schauspiel geben und stellt die Konzeption sowie das Bühnenbild der neuen Inszenierung vor.
07.04.2011, 11:49 | tags:
Schauspiel
, Theaterpaedagogik
, Diverses
887
Pressemitteilung vom 07.04.2011
Jugendliche Mitwirkende für Theaterprojekt „SCHWARZWEISS“ gesucht
Am 7. Januar 2005 starb der Asylbewerber Oury Jalloh in Polizeigewahrsam in Dessau.
Der Fall emotionalisiert die Dessauer Bevölkerung, aus dem anfänglichen Schock und der Trauer enstand ein heterogenes Meinungsbild: vom "Drogendealer-Ring der Farbigen", vor dem man "seine Kinder schützen muss" über „die eigentlichen Opfer sind die Dessauer“ bis zum "Staat als rassistischen Mörder“ reicht das Spektrum der Überzeugungen. Nicht alle Diskussionen haben direkt mit dem Fall zu tun - Oury Jalloh wird zum Symbol für die Ängste vieler Afrikaner, aber auch zum Seismographen für den Rassismus in unserer Gesellschaft.
Die komplexen Diskurse fasst das Team um die Regisseurinnen Nina Gühlstorff und Dorothea Schroeder zu einem Theaterabend zusammen. Basierend auf ca. 50 Interviews setzen sie Meinung und Gegenmeinung zueinander in Bezug, denn eines ist sicher: Ein Dialog ist selten und kostbar. Endergebnis ist ein Theaterstück mit unterschiedlichen Stationen im öffentlichen Raum, das im Stadtpark beginnt und im Alten Theater endet.
Für dieses Vorhaben suchen wir Jugendliche ab 16 Jahre, die sich für das Theater begeistern oder politisch interessiert sind, die Lust haben, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen und schließlich auf der Bühne oder hinter den Kulissen mitzuwirken.
Interessierte Jugendliche, die das Regieteam und das Projekt näher kennen lernen wollen, sind herzlich eingeladen, am Mittwoch, 27. April 2011 um 17.00 Uhr in das Projektbüro „SCHWARZWEISS“ in die Kavalierstraße 78 in Dessau-Roßlau zu kommen.
Kontakt: Imme Heiligendorff, Theaterpädagogin Tel. 0340-2511 216 oder theaterpaedagogik@anhaltisches-theater.de
06.04.2011, 13:14 | tags:
Schauspiel
883
Pressemitteilung vom 06.04.2011
Matinee und Theaterpredigt zur Premiere „Woyzeck“
Am Sonntag, 10. April um 10.30 Uhr lädt das Anhaltische Theater Dessau zur Matinee im Vorfeld der nächsten Premiere im Schauspiel „Woyzeck“ in das Foyer des Großen Hauses ein.
Dramaturgin Maria Viktoria Linke wird zusammen mit einigen Schauspielern einen Einblick in das Schauspiel von Georg Büchner geben und stellt die Konzeption sowie das Bühnenbild der neuen Schauspielinszenierung vor.
Anschließend hat das Publikum die Möglichkeit, sich im Originalkostüm des Woyzeck fotografieren zu lassen.
Für den Eintritt zur Matinee wird ein Obolus von 3,- Euro erhoben, der beim Besuch der entsprechenden Veranstaltung auf den Kartenpreis angerechnet wird.
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Abendkasse und unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr; Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr; Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
Theaterpredigt zur Inszenierung „Woyzeck“
Am Palmsonntag, 17. April um 14.30 Uhr laden die Evangelische Landeskirche Anhalts, das Anhaltische Theater Dessau und die Kirchengemeinde St. Johannis und St. Marien zur Theaterpredigt zu Georg Büchners Schauspiel „Woyzeck“ in die St.-Johannis-Kirche Dessau ein. Die Predigt hält Prof. Dr. Martin Hein, Bischof der Evangelischen Landeskirche von Kurhessen-Waldeck mit Sitz in Kassel. Für die musikalische Ausgestaltung sorgen LKMD Martin Herrmann (Orgel) und Musiker der Anhaltischen Philharmonie. Im Anschluss besteht die Möglichkeit zum Gespräch bei Kaffee und Kuchen.
Die Dessauer Theaterpredigten dienen dem lebendigen Dialog zwischen Kunst und Religion und stehen so in der aufgeklärten und kulturfreundlichen Tradition Anhalts. In Religion und Kunst suchen Menschen Bilder für die Welt, die ihnen begegnet, deuten Erfahrungen, drücken Emotionen und Visionen aus. Die siebente Theaterpredigt nimmt Bezug auf die Inszenierung von Büchners „Woyzeck“, die in der Regie von Christian Weise am 15. April, 19.30 Uhr, Premiere hat. Eine weitere Vorstellung findet im Anschluss an die Theaterpredigt, am 17. April um 17.00 Uhr im Anhaltischen Theater statt.
Martin Hein wurde in Wuppertal geboren und studierte zunächst Jura in Frankfurt am Main, dann Evangelische Theologie in Erlangen und Marburg. Von 1979 bis 1982 war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Erlangen, 1982 bis 1984 schloss er das Vikariat, also die kirchliche Ausbildung zum Pfarrer, in Kassel an. Bis 1989 war Hein Gemeindepfarrer in Grebenstein, danach bis 1994 Studienleiter am Evangelischen Predigerseminar in Hofgeismar. Von 1995 bis 2000 hatte er das Amt des Dekans im Kirchenkreis Kassel-Mitte inne und übernahm zugleich einen Lehrauftrag an der Universität Kassel. Im April 2000 folgte die Habilitation im Bereich Religionspädagogik. Am 1. September 2000 wurde Martin Hein zum Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck ernannt. Er ist Vorsitzender des Vorstandes der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft Heidelberg, Mitglied im Zentralausschuss des Ökumenischen Rates der Kirchen und seit 2005 Honorarprofessor an der Universität Kassel.
05.04.2011, 15:35 | tags:
Schauspiel
882
Pressemitteilung vom 05.04.2011
Im Bildersturm der Leidenschaften
Am kommenden Sonntag kehrt „Doktor Mabuse“ nach langer Dienstreise durch die arabische Welt ins Anhaltische Theater zurück – und wer sucht, der findet Karten zum Sonderpreis
Hier fallen Diktatoren, da brennen Landschaften, dort umklammern Diktatoren ihre Macht: Kaum ein Stück des Theaterspielplans ist momentan so aktuell wie André Bückers „Doktor Mabuse“, das am kommenden Sonntag, 10. April um 17 Uhr wieder im Anhaltischen Theater zu sehen ist. Denn wo politische Erdbeben kein Stein auf dem anderen belassen, kann der Vorläufer aller James-Bond-Gegenspieler nicht weit sein.
Superverbrecher Mabuse spielt im Casino mit den kleinen Menschen und manipuliert im Großen die Wirtschaft, um seinen Idealstaat zu errichten. Kommissar von Eyck (Gerald Fiedler) kommt dicht an dessen Machenschaften heran – und droht, selbst in den Strudel des Verbrechens gezogen zu werden. Und Mabuse wiederum scheint über die Liebe zur unerreichbaren Gräfin (Katja Sieder) seinen Weltenbrand zu vergessen, der Inbegriff des Bösen muss als Liebender ganz menschlich stolpern.
André Bücker entfesselt auf der Drehbühne des Theaters einen gewaltigen Bildersturm, in dem die Texte großer Denker von Friedrich Nietzsche bis Sigmund Freud mit einem schrägen, fast psychedelischen Personal durcheinanderwirbeln. Im Auge des Sturms aber bleibt „Doktor Mabuse“ ganz bei sich: ein temporeicher, hakenschlagender Zwanziger-Jahre-Krimi.
Seit dem Probenbeginn zum Stück im Sommer 2010 stellt das Mabuse-Ensemble unter www.wer-ist-mabuse.de die Frage nach der Identität des Bösen und ordnet das Tagesgeschehen in die Pläne des Doktors ein. Ab sofort entdecken findige Schnüffler auf der Website aber auch ein Stichwort, mit dem man am Sonntag um 17 Uhr ganz besonders günstig in „Doktor Mabuse“ kommt – zu Preisen, die ein Verbrechen sind.
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 / 2400-258 - Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr, an der Theaterkasse - nur telefonisch 0340 / 2511-333 - Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr, per Mail an kasse@anhaltisches-theater.de sowie an der Abendkasse.
04.04.2011, 12:56 | tags:
Schauspiel
876
Pressemitteilung vom 04.04.2011
„alter ford escort dunkelblau“
Am Freitag, 8. April um 19.30 Uhr lädt das Anhaltische Theater Dessau zum Schauspiel „alter ford escort dunkelblau“ in das Studio des Alten Theaters ein. Erzählt wird in dem Stück von Dirk Laucke eine tragische und zugleich komische Geschichte über drei Männer in einem vergessenen Landstrich, die sich ihre Träume trotz aller Ausweglosigkeiten und Unbillen des Alltags nicht nehmen lassen. Die Drei, Boxer, Paul und Schorse arbeiten in einem Getränkelager, bekommen ein Spottgeld und können jederzeit rausgeworfen werden. Schließlich haben sie die Schnauze voll von Zeitarbeitsfirmen, kaputten Familien und all dem Dreck im Mansfelder Land. Sie werden zu Kidnappern und treten die Flucht aus der Misere an. Ihr Ziel: LEGOLAND.
Weitere Termine:
04.05.11, 19.30 Uhr | 05.05.11, 17 Uhr
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 / 2400-258 - Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr, an der Theaterkasse nur telefonisch 0340 / 2511-333 - Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr, per Mail an kasse@anhaltisches-theater.de sowie an der Abendkasse.
30.03.2011, 17:32 | tags:
Schauspiel
873
Pressemitteilung vom 30.03.2011
Premiere „Woyzeck“
Schauspiel von Georg Büchner
Am Freitag, 15. April um 19.30 Uhr lädt das Anhaltische Theater zur Schauspielpremiere „Woyzeck“ ins Große Haus ein.
Der einfache Soldat Woyzeck liebt, hat aber seiner Frau Marie und seinem Kind ansonsten nicht viel zu bieten. Er arbeitet Tag und Nacht, stets gehetzt schlägt er sich durch und liefert sich aus. Woyzeck tut bis zur Selbstauflösung alles und für jeden, wenn auch nur ein paar Groschen dabei herausspringen. Er rasiert seinen Hauptmann, ist das Versuchskaninchen für die obskuren Experimente eines Doktors und wandelt am Rande des Wahnsinns. Als jedoch ein schöner Tambourmajor seine Frau Marie begehrt, und sie sich ihm hingibt, wird es Woyzeck zu viel...
Regisseur Christian Weise lässt das Schauspielensemble des Anhaltischen Theaters gleich einer Wanderzirkus-Truppe auf der Vorbühne des Großen Hauses stranden, um diesen „vielmal vom Theater geschundenen Text, der einem Dreiundzwanzigjährigen passiert ist“ (Heiner Müller), als grotesk-böses Märchen vom Oben und Unten zu erzählen. Nach Heinrich von Kleists „Die Familie Schroffenstein“ ist „Woyzeck“ Weises zweite Inszenierung am Anhaltischen Theater Dessau.
Christian Weise wurde 1973 in Lutherstadt Eisleben geboren. Nach dem Studium an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch war er als Schauspieler und Puppenspieler u.a. am Schauspiel Frankfurt und am TaT Frankfurt tätig. Seit 2001 arbeitet Weise als Regisseur, u.a. am Nationaltheater Mannheim, am Schauspiel Köln, am Neuen Theater Halle, am Deutschen Theater Berlin, am Schauspielhaus Zürich und bei den Salzburger Festspielen. Zuletzt hat Weise als Hausregisseur am Staatstheater Stuttgart mit „Die Nibelungen“, „Was ihr wollt“ und „Der Meister und Margarita“ drei äußerst erfolgreiche Produktionen herausgebracht.
Regie & Bühne: Christian Weise; Kostüme: Silvia Maradea; Musik: Jens Dohle & Christoph Reuter; Musikalische Leitung: Stefan Neubert; Video: Flaut Michael Rauch; Dramaturgie: Maria Viktoria Linke
Mit: Susanne Hessel, Katja Sieder, Verena Unbehaun; Uwe Fischer, Jan Kersjes, Thorsten Köhler, Stephan Korves, Hans-Jürgen Müller-Hohensee, Sebastian Müller-Stahl, Patrick Rupar, Matthieu Svetchine (Woyzeck), Karl Thiele
Weitere Termine: 17.4., 17 Uhr; 30.4., 19.30 Uhr; 12.5., 16 Uhr; 13.5., 19.30 Uhr: 1.7., 19.30 Uhr
Tickets und Informationen erhalten Sie unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr; Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr; Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
22.03.2011, 11:18 | tags:
Schauspiel
856
Helmut Rohm, Volksstimme, 22.03.2011
Anhaltisches Theater Dessau zeigt "Das Leben der Anderen"
Ostermaiers Bühnenfassung schreibt Filmgeschichte fort
Ist es ein Wagnis oder vielleicht ein Experiment, "Das Leben der Anderen", diese unter gleichem Titel erfolgreich verfilmte Stasi-Geschichte als Theaterstück aufzuführen? Der junge Regisseur David Ortmann hat die Schauspielfassung dieses Stoffes von Florian Henckel von Donnersmarck in der Bearbeitung von Albert Ostermaier auf die Studiobühne des Anhaltischen Theaters Dessau gebracht.
Zustande gekommen ist keine Filmnacherzählung, obwohl ausgewählte Protagonisten handelnde Personen sind. Ebenso wenig ist das Stück eine historische Stasi-Aufarbeitung, keine Typisierung im Sinne von: So waren die Stasi und die von ihr Gepeinigten. Mehr ein psychologisch geprägtes Hineinhören in die Köpfe von Personen, die mehr oder weniger, gewollt oder gezwungenermaßen, auf dieser oder jener Seite des Geschehens in dieses gesellschaftliche Beziehungsgeflecht eingebunden worden sind.
Das von der Ausstatterin Nicole Bergmann geschaffene Bühnenbild zwingt zur Konzentration auf die Inhalte. Handlungen im Sinne von Aktion sind kaum zu erleben. Nur hin und wieder werden Dialoge angedeutet.
In drei symbolhaft nebeneinander angeordneten gleichgroßen containerartigen Kabinen erlebt der Zuschauer den abhörenden Stasi-Hauptmann Gerd Wiesler (Gerald Fiedler), den abgehörten Theaterschriftsteller Georg Dreyman (Karl Thiele) und den liebestollen und gleichsam gefühlskalten machtausnutzenden Kulturminister der Republik, Bruno Hempf (Hans-Jürgen Müller-Hohensee). Diese drei so ganz unterschiedlichen Personen eint gewissermaßen, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen, die schicksalshafte Liebe zu einer Frau, der Schauspielerin Christa-Maria Sieland (Eva Marianne Berger). Sie ist Lebensgefährtin des Dichters.
Lebensgeschichten in Monologen
Wieder symbolisch agiert sie räumlich positioniert über den drei Männern, hat aber weder Macht oder Einfluss auf sie, ist mehr deren "Spielball". Dieses ungewollte Los, auch der erzwungene Verrat an ihrem Gefährten Dreyman, erfährt durch Eva Marianne Berger Glaubwürdigkeit.
Die drei Männer erzählen in oft abrupt wechselnden Monologen ihre Lebensgeschichte. So entwickelt sich keine in sich geschlossene Handlung. Dem Zuschauer bieten sich jedoch teils bruchstückhafte Einblicke in Beweggründe für Denken und Tun. Das Kennen des Filmes ist dabei unter Umständen vorteilhaft.
Selbstzweifel eines Stasi-Offiziers
Der linientreue, in Befehlsausführung und auch mit strammer Körperhaltung agierende Stasi-Offizier beginnt nachzudenken. Gerald Fiedler gestaltet diesen mit vielen Selbstzweifeln und Gewissensnöten gesäten Weg ebenso nachvollziehbar wie seine wohl mehr platonisch geprägte Liebe zur Schauspielerin. Sie hat er ebenfalls abgehört, zum Verrat eher getrieben als überzeugt. Er möchte wiedergutmachen, lässt die belastende Schreibmaschine aus Dreymans Wohnung verschwinden. Und – findet sich dann abgemahnt im Brieföffungskontrollkeller der Stasi wieder.
Dreyman weiß von dem Techtelmechtel seiner Frau mit dem Minister, leidet zwar darunter, nimmt es hin, wie auch den erzwungenen Selbstmord seines Verlegers. Karl Thiele lebt diese passive Toleranz in seiner Rollenführung stimmig aus. Hans-Jürgen Müller-Hohensee zeichnet einen Minister, über den der Zuschauer lachen kann, wenn er "meine Christa" im fiktiven Dialog anhimmelt, er mit dem Liebes-Hotelzimmer-Kopfkissen erotische Anwandlungen vollführt. Doch der Atem stockt: Von jetzt auf sofort befiehlt er mit einem kurzen Telefonanruf Verbrechen, hin bis zum Töten. Auch Christa-Maria Sieland wird in den Tod getrieben.
Autor Albert Ostermaier schreibt zum Abschluss seiner Fassung gewissermaßen den Film fort. Es ist 2009. Der Stasi-Hauptmann ist bei der Polizei, unauffällig, Dienst nach Vorschrift. Autor Dreyman wird erstaunlichwerweise sehr aktiv, weil er nicht mehr verlegt wird. Sein Ausweg ist der Suizid. Und der bislang zynische Minister? Er ist der Gewinner, ist obenauf. Er hat sich rechtzeitig gesundgestoßen. Und ein zweites Standbein ...
Alles in allem eine gelungene Inszenierung mit Anspruch an ein mitdenkendes Publikum.
Die nächste Aufführung ist am Sonnabend, dem 26. März, um 19.30 Uhr.
18.03.2011, 12:59 | tags:
Schauspiel
851
Pressemitteilung vom 18.03.2011
„Das Leben der Anderen“
Am Sonntag, 20. März um 19 Uhr zeigt das Anhaltische Theater „Das Leben der Anderen“ - Ein Schauspiel von Florian Henckel von Donnersmarck in einer Bühnenversion von Albert Ostermaier im Alten Theater. Ostermaier hat das filmische Spätzeit-DDR-Porträt, das 2007 nicht nur Oscar-Ehren einheimste, sondern auch eine lebendige Debatte auslöste, in seiner Bearbeitung auf vier Bühnenfiguren reduziert. Vier Monologe, die zwischen referierender Erzählung und dem Versuch der Selbstreflexion der Figuren changieren. In der Inszenierung von David Ortmann werden die Zweifel und Überzeugungen, Gefühle und Abgründe von vier Menschen hörbar. Liebe und Tod heißen die Klammern um die Geschichte von vier Menschen, die Opfer und Täter sind, Teil eines Systems und diesem zugleich gnadenlos ausgeliefert.
Mit: Eva Marianne Berger, Gerald Fiedler, Karl Thiele, Hans-Jürgen Müller-Hohensee
18.03.2011, 11:35 | tags:
Schauspiel
850
Pressemitteilung vom 18.03.2011
Schauspiel des Anhaltischen Theaters mit „Des Teufels General“ zu Gast in Ibbenbüren
Nachdem im Januar das Anhaltische Theater mit einem musikalischen Programm in Ibbenbüren gastierte ist am 31. März um 20 Uhr erstmals das Schauspiel im dortigen Bürgerhaus zu Gast. Gezeigt wird Carl Zuckmayers „Des Teufels General“, das Drama um den Fliegergeneral Harras. Dieser rast mitten in den braunen Jahren die deutsche Karriereleiter empor und genießt sein Leben in vollen Zügen. Bewusst stellt er sich in den Dienst der Nazis. Er wird zu des „Teufels General“ - verstrickt in das System, schuldlos und schuldig zugleich. In der Inszenierung von Wolf Bunge spielen: Werner Eng als Gast (Harras) sowie nahezu das gesamte Schauspielensemble des Anhaltischen Theaters.
13.03.2011, 22:43 | tags:
Schauspiel
845
Hans-Dieter Schütt, Neues Deutschland, 14.03.2011
Abhörer, Aufhörer
Theater Dessau: »Das Leben der Anderen«
Wer den Film »Das Leben der Anderen« nicht an sich heranlassen wollte, hatte leichtes Spiel: Er brauchte bloß die unrealistisch-brutale Sexualgier eines DDR-Kulturministers auf eine Schauspielerin als eindeutig unrealistisch zu geißeln.
Nur geht es hier so wenig um »Realismus«, wie es bei Shakespeare um Realismus ging, als er den beliebten Richard III. zum Mord-Monster machte. Es geht um die Metapher der Anmaßung, die »Ich« meint, aber »Idee« sagt, die von der »großen Sache« spricht, aber damit nur niederste Egozentrik umtüncht. Und mit Hilfe der Stasi tückisch ans Ziel kommt. »Zersetzungs«-Perfektion, ein Schandstück. Schlimm, wer ein Schicksal hat, schlimmer, wer Schicksal spielt. Todernst.
Große Kunst, wie Ulrich Mühe im Film den Verhörer Wiesler spielte, der zum Aufhörer wird. Das Drama von Florian Henckel von Donnersmarck erfuhr nun seine Bühnen-Uraufführung im Anhaltischen Theater Dessau, Regie: David Ortmann, Bühne: Nicole Bergmann. Die Fassung erarbeitete Albert Ostermaier, dieser starke Dichter eines sehnigen Bewusstseins für modern-archaische Tragik. Der Melville unter den Poten. Ein Schubert-Melodiker mit Digital-Gemüt. Hier verfügte, verfugte er Kleist und Brecht, versuchte, die DDR-Konkretheit aufzuheben im Allegorischen von Liebe und Tod, Abhängigkeit und Macht – es wurde ein sprunghaftes, elementarteilchenhaftes, Intensität nur mühsam aufbauendes Konstrukt sich ineinander hakender Monologfetzen, das wohl die Filmkenntnis voraussetzt. Darin eines nicht wirklich deutlich wird: wie die Abhör-Obsession des Stasi-Offiziers umgelenkt wird zur fiesen Privatarbeit für den liebeserpresserischen Minister. Jeder Idealismus endet im Schmerz solchen Missbrauchs; Katholizismus. Auch in der SED.
Die Bühne: drei Zellen. Wieslers Dachboden-Abhörkammer; die Wohnung des Schriftstelles Dreymann (Karl Thiele: einfühlsam die scheue Tapferkeit als Gejagter); dann das Liebes»lauben«-Hotel-zimmer des neurotisch in Kissen wühlenden Ministers (Hans-Jürgen Müller-Hohensee: derb, dumpf, laut). Über allen, oben, steht, duscht bibbernd, stürzt nieder: die Schauspielerin (Eva Marianne Berger: eine erstarrt Zerriebene).
Überzeugend Gerald Fiedler als Wiesler. Hände und Sinne an der Hosennaht. Er lenkt gefährliche Biederkeit unmerklich um ins Bemitleidenswerte. Ein Stasi-Schnüffler als tragische Gestalt, der über seine Ein-Dringlichkeit in fremdes Leben existenziell erzittert, der seinen unbarmherzigen Idealismus der Feindkontrolle noch eine Weile diszipliniert über erste Seelenrisse retten kann. Ehe er dann doch erschüttert zusammenbricht, wieder Mensch wird und als einstiger Herr über Andere in der Nichtigkeit endet, die ans Herz geht. Er hat die Gabe des »Gehörs«, vergisst nicht, was ihm zu Ohren kam. Am Anfang ist das stolzeste Talentpose, am Ende bittere Einflüsterung des plagenden Gewissens. Starker Moment, Botschaft einer Kreatur: Du wirst eingeholt werden von deiner Schuld.
13.03.2011, 22:21 | tags:
Schauspiel
843
Andreas Montag, Mitteldeutsche Zeitung, 14.03.2011
Historienspiel um Schuld und Sühne
Drei Dinge muss man hervorheben an diesem Theaterabend im Studio des Alten Theaters in Dessau-Roßlau: Die Idee, den Filmstoff des Kinoerfolgs von Florian von Henkel von Donnersmarck in der Bearbeitung Albert Ostermaiers auf die Bühne zu bringen. Der junge Regisseur David Ortmann hat es gewagt.
Eingesperrt in Obsessionen
Ferner verdient die Bühne (Ausstattung: Nicole Bergmann) selber Lob, die "Das Leben der Anderen" in drei aneinander grenzenden, zellenartigen Räume zeigt. Dort agieren die drei männlichen Protagonisten eingesperrt in ihre Obsessionen und Ängste, während die Frau, die sie alle drei begehren und nicht wirklich erreichen, ihre Bühne über den Köpfen der Männer hat. Und drittens ist die Konzentration, mit der das kleine Ensemble zu Werke geht, aller Ehren wert. Das tut dem DDR-Historienspiel um Schuld und Sühne gut, so sperrig sich die Puzzleteile, in die Autor Ostermaier und Regisseur Ortmann die Filmgeschichte zerlegt haben, zusammenfügen wollen.
Dabei ist die dramaturgische Klammer, die Handlung und Figuren verbindet, eigentlich schlüssig. Sowohl der Stasi-"Horchposten" Wiesler (Gerald Fiedler), der den Schriftsteller Dreyman (Karl Thiele) und dessen Gefährtin, die Schauspielerin Christa-Maria Sieland (Eva Marianne Berger), belauscht, als auch Dreyman selber und der Kulturminister Hempf (Hans-Jürgen Müller-Hohensee) sind fasziniert von der Frau, für deren seelische Not sich keiner von ihnen interessiert - und an der sie schließlich zugrunde geht.
Dreyman, der erfolgreiche, aber vom Staat wegen seiner kritischen Nachfragen misstrauisch beobachtete Autor, gibt sich tolerant, obwohl ihn die Eifersucht treibt. Wiesler, der Täter und zugleich Opfer seines unmoralischen Schnüffeljobs ist, sehnt sich nach zärtlicher Nähe - und begreift nicht einmal die Absurdität seiner Träume. Hempf schließlich, der erbärmliche Spitzengenosse und Oberschurke, macht die angstkranke, medikamentensüchtige Schauspielerin zu seiner Prostituierten. Und fabuliert sich ihre Liebe herbei.
Böser Befund
Auf diesen Konflikt um die verzweifelte Frau spitzt sich das Drama zu. Allein: Die Figuren agieren jede für sich, so will es die Konstruktion. Aber sie müssten dann eben auch noch schärfer als Teile einer Maschinerie kenntlich sein, noch präziser hervortreten. Dreysam zumal hat hier bis zum Tod seiner Gefährtin nahezu nichts zu sagen, ein Schwächling meint man, dessen wütende Verzweiflung 20 Jahre danach, also heute, deshalb kaum glaubhaft erscheint.
Am Ende wird der zynische Ex-Minister der Gewinner sein, das Leben der Anderen" ist zerstört. Man kann (und soll) das als bösen Befund über das Startkapital der Demokratie im Osten sehen. Wenn es nur mit ein bisschen mehr Schmackes vorgetragen worden wäre...
Nächste Vorstellung; Sonntag, 19 Uhr, Altes Theater.
11.03.2011, 11:55 | tags:
Schauspiel
840
Helmut Rohm, Volksstimme, 11.03.2011
Heute Premiere im Studio des Anhaltischen Theaters Dessau / David Ortmann hat das Schauspiel inszeniert
"Das Leben der Anderen" – eine Bühnenfassung
"Das Leben der Anderen" ist der weltweit viel beachtete, Oscar-gekrönte Film von Florian Henckel von Donnersmarck aus dem Jahr 2006. Eine Bühnenversion von Albert Ostermaier hat heute um 19.30 Uhr im Alten Theater, im Studio des Anhaltischen Theaters Dessau, ihre Premiere. Regisseur ist David Ortmann.
Dieses Stück ist nach "Kaspar Häuser Meer" in der vorigen Spielzeit die zweite Inszenierung des jungen Regisseurs in Dessau. Und es ist, wenn man so will, eine Art "Uraufführung". Gespielt wird eine szenische Fassung, erstmals in Ostdeutschland, mit nur ostdeutschen männlichen Schauspielern, an einem Stadttheater.
"Albert Ostermaiers Stück ist nicht die Verpflanzung des Films auf die Bühne", hebt David Ortmann hervor. Wenn auch sicher mancher Besucher schon den Vergleich zum oder mit dem Film ziehen werde. "Es ist schon die Grundgeschichte des Filmes, mit der wir allerdings offensiver und freier umgehen", so der Regisseur. Auf der Bühne agieren nur vier Hauptpersonen, gegenüber deutlich mehr Hauptrollen und einer ganzer Reihe weitere handelnder Personen im Film.
In Dessau spielen Eva-Marianne Berger die Schauspielerin Christa-Maria Sieland, Gerald Fiedler den Stasi-Hauptmann Gerd Wiesler, Karl Thiele den Schriftsteller Georg Dreyman und Hans-Jürgen Müller-Hohensee den Minister Bruno Rumpf.
"Natürlich erzählen wir die Geschichte ganz anders. So wie wir es im Theater gut können – in die Köpfe der handelnden Leute hineinhörend", macht David Ortmann auf die Spezifik der Dessauer Aufführung aufmerksam.
Das Stück will die Leute erzählen lassen, warum sie dies und jenes gemacht haben. Oder woran sie geglaubt haben. Es werde gezeigt, welche Möglichkeiten es gab, um in diesem Land DDR zu leben. "Auch für mich als Nachgeborenen des Jahrgangs 1986 ist diese Betrachtungsweise unglaublich spannend."
David Ortmann ging mit viel Neugier an die Regiearbeit, hat viel gesammelt, insbesondere auch viel gelesen. Obwohl es natürlich für einen Regisseur auch nicht ungewöhnlich sei, Themen aus einer nicht erlebten Zeit zu inszenieren.
Doch diese Zeit war eine durchaus besonders sensible. Sowohl für die Theaterleute wie genauso für die Zuschauer, die das Stück zum Teil auch aus der Sicht eigener Erfahrungen oder Erlebnisse anschauen werden.
David Ortmann als Regisseur habe einen großen und genutzten Vorteil. "Denn meine männlichen Schauspieler sind zugleich Zeitzeugen", die er fragen konnte und fragte, wie dies oder jenes war. Und die junge, aus der Schweiz stammende Schauspielerin Eva Marianne Berger (Jahrgang 1985) habe sich ungemein intensiv in diese Thematik eingearbeitet.
Die Ausstatterin Nicole Bergmann schuf ein Bühnenbild mit drei nebeneinander angeordneten Räumen, in und aus denen heraus der Offizier, der Schriftsteller und der Minister ihre jeweilige Geschichte erzählen. Auch und insbesondere über ihre Beziehung zu der einen Frau, die sie lieben. Und auf der Theaterbühne werde die Geschichte nach dem Film weiter erzählt.
"Albert Ostermaier hat eine Szene, die im Jahr 2009 handelt, in das Stück eingearbeitet. Eine Art Fortschreibung des Filmes", macht David Ortmann neugierig, verrät aber überhaupt nicht, was da zu erleben sein wird.
11.03.2011, 11:00 | tags:
Schauspiel
839
Pressemitteilung vom 11.03.2011
Spielfreudige Kinder gesucht
Das Anhaltische Theater sucht für die Produktion „Metamorphosen“, Probenbeginn ab dem 26. April, zwei spielfreudige Jungen im Alter von 6 bis 8 Jahren, die die Söhne der Medea spielen.
Bei den Rollen handelt es sich um Sprechrollen in der Inszenierung „Mamma Medea“ von Tom Lanoye, die am 24. Juni Premiere hat.
Bewerbungen schriftlich oder telefonisch bis zum 5. April bei Sophie Walz, Dramaturgie
Anschrift: Anhaltisches Theater Dessau, Friedensplatz 1a, 06844 Dessau-Roßlau, Tel: 0340 / 2511– 214, Mail: dramaturgie@anhaltisches-theater.de.
10.03.2011, 07:27 | tags:
Schauspiel
834
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 10.03.2011
Leben im Leben der Anderen
Drei Jahre war David Ortmann, als 1989 die Mauer fiel. Was er jetzt im Alten Theater inszeniert, das kennt er definitiv nur aus Erzählungen, Büchern, von Reportagen. "Ich kann völlig unbefangen an die Sache heran gehen und bin vorurteilsfrei", sagt der junge Regisseur. So ähnlich mag es wohl auch bei seinem Filmkollegen Florian Henckel von Donnersmarck gewesen sein, der als Westdeutscher gleichermaßen unbefangen 2006 seinen Erfolgsfilm drehte, der einen Oscar erhielt.
"Das Leben der Anderen" auf der Bühne ist freilich noch einmal ganz was anderes als der Film. Erleben wird man dies am Freitagabend auf der Bühne des Alten Theaters, wenn dort 19.30 Uhr die Bühnenfassung von Albert Ostermaier, inszeniert von David Ortmann, Premiere hat. Ostermaier schrumpfte fürs Theater das Filmpersonal auf vier Personen und lässt diese in Monologen sprechen. Ortmann nimmt diese auseinander, verschränkt und zersplittert sie und kündigt doch ein großes Ganzes an, das auch die Geschichte einer Liebe erzählt.
"Bühnenbildnerin Nicole Bergmann hat gewissermaßen drei Zellen für die Männer gebaut, über ihnen die Frau. Es sind drei einsame Männer", erzählt Ortmann. Karl Thiele, Hans-Jürgen Müller-Hohensee und Gerald Fiedler sind die Schauspieler, die dem Regisseur bei dieser Arbeit in doppelter Hinsicht zur Seite stehen. "Sie kennen - anders als ich und Schauspielerin Eva-Marianne Berger - die Stasi-Zeit in der DDR aus eigenem Erleben. Da kommt man ins Erzählen", berichtet Ortmann von den Proben.
Ortmann hatte sich viele Bücher zum Thema besorgt. "Die meisten liegen aber noch ungelesen neben dem Bett. Das wird wohl erst was nach der Premiere." In Erinnerung geblieben ist ihm jedoch eine Dokumentation, die Mitarbeiter der Staatssicherheit Jahre nach dem Mauerfall befragte. "Da gab es immer noch diese Liebe zum Beruf und das unbedingte Dahinterstehen." David Ortmann schüttelt den Kopf, findet es befremdlich, wie manchmal jetzt noch dieses System verteidigt wird. "Da fragt man sich natürlich selber, woran man glaubt. Vielleicht zweifele ich in 20 Jahren an mir und dem, was ich gemacht habe", überlegt Ortmann.
Ihm gehe es deshalb auch darum, nicht nur die Geschichte des Schriftstellers und der Schauspielerin zu erzählen, die vom Stasi-Hauptmann überwacht werden. "Das Stück soll zeigen, wie solche Biografien funktioniert haben. Jeder von diesen vier Leuten hat an einigen Stellen Recht und liegt an anderen total falsch", so der Regisseur, der kein abschließendes Urteil parat hat und haben will. Das darf sich jeder selber bilden, wenn er "Das Leben der Anderen" sieht und dabei auf sein eigenes in jenen Jahren stößt. Vielleicht gibt es Déjà-vus, wenn Silly den Soundtrack liefert und der Hauptmann die Kopfhörer aufsetzt.
09.03.2011, 12:52 | tags:
Schauspiel
831
Pressemitteilung vom 09.03.2011
„Die Drei von der Tankstelle“
Am Dienstag, 15. März und am Mittwoch, 16. März jeweils um 19.30 Uhr lädt das Anhaltische Theater zu Sepp Tatzels Komödie „Die Drei von der Tankstelle“ in das Studio des Alten Theaters ein. Die Komödie aus den 30er Jahren, inszeniert von Maria Viktoria Linke, bringt die Geschichte einer Männerfreundschaft mit viel Tanz und Gesang auf die Bühne.
Drei junge Männer werden von der Krise voll erwischt und sind über Nacht pleite. Überall hängt der Kuckuck und die Konten sind gepfändet. Aber ein Freund bleibt ein Freund, auch wenn die Welt zusammenfällt: Die Drei verkaufen ihr Auto und pachten sich eine Tankstelle. Nachdem das Geschäft anfangs jedoch kläglich anläuft, taucht die attraktive und vermögende Lilly auf, die schnell allen Dreien den Kopf verdreht. Das bedeutet Krach und die Männerfreundschaft gerät mächtig ins Wanken. Dieser Theaterabend bleibt nicht in der Krise stecken, sondern macht sich auf, zu beweisen, dass man mit Witz, ein wenig Liebe und viel guter Musik (Live-Band Los Banditos/ Jena) auch das tiefste Jammertal überleben kann!
Weitere Vorstellungen: 02.04., 19.30 Uhr; 03.04., 19.30 Uhr; 23.04., 19.30 Uhr; 25.04., 19.30 Uhr; 28.04., 19.30 Uhr
Tickets und Informationen erhalten Sie unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 / 2400-258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr; Theaterkasse - nur telefonisch 0340 / 2511-333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr; Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
03.03.2011, 13:35 | tags:
Schauspiel
822
Pressemitteilung vom 03.03.2011
DER LETZTE EINRUF !!! [Folge 6] Die Nibelungen
Zum nunmehr sechsten Mal öffnet Kult-Inspizient Leo Polte VIII. am Donnerstag, 17. März um 19.30 Uhr im Alten Theater die Chronik seiner großen Familie und berichtet, wie Leo Polte II. in die riesigen Fußstapfen seines legendären Vaters tritt.
Außerdem erfährt das Publikum u.a., warum Johnny Depp Hagens Mordanschlag überlebt hätte, warum die Ablösesummen für Wurfzwerge in den Keller gegangen sind und wieso der mächtigste Mann der Welt nicht Barack Obama oder Hu Jintao, sondern Alberich heißt.
Ein „überaus ernster“ Abend mit Gerald Fiedler, einem Überraschungsgast und viel Musik.
Am Klavier: Stefan Neubert
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr; Mail: kasse@anhaltisches-theater.de und auch an der Abendkasse.
02.03.2011, 17:21 | tags:
Schauspiel
818
Pressemitteilung vom 02.03.2011
Premiere „Das Leben der Anderen“
von Florian Henckel von Donnersmarck in einer Bühnenversion von Albert Ostermaier
Das Anhaltische Theater Dessau lädt am 11. März um 19.30 Uhr zur Premiere des Schauspiels „Das Leben der Anderen“ in das Studio des Alten Theaters ein.
Albert Ostermaiers Bühnenfassung inszeniert von David Ortmann ist nicht der Film, ist keine Verpflanzung des Kinos auf die Bühne. Es ist ein wortreiches Abhörspiel, in dem die Zweifel und Überzeugungen, Gefühle und Abgründe von vier Menschen hörbar werden. Und noch immer sind weder Erlösung noch Vergessen in Sicht. Tod und Liebe sind die Motive, die sich durch dieses Leben, das Denken, Handeln von anderen und uns so ähnlichen Menschen zog und zieht; Liebe und Tod heißen die Klammern um eine Geschichte von vier Menschen, die Opfer und Täter sind, Teil eines Systems und diesem zugleich gnadenlos ausgeliefert.
Hauptmann Gerd Wiesler überwachte einst auf einem leeren Dachboden den Schriftsteller Georg Dreyman und dessen Frau Christa-Maria Sieland, erste Schauspielerin der DDR. Doch was als Jagd auf die Feinde des Sozialismus begann, entpuppte sich für Wiesler als böses Spiel eines Ministers, der eine Schauspielerin begehrte. Wiesler geriet zwischen die Fronten seiner eigenen Gefühle. Des „Abhörers“ Liebe zum Kommunismus wurde von bisher ungekannten Gefühlen verdrängt. Die Schauspielerin entkam scheinbar dem System von Abhängigkeit, Verrat und Bespitzelung, doch zurückblieben drei betrogene Betrüger, drei sehr einsame Männer. - Alle kreisen, ob tot oder lebendig, noch immer umeinander!
Inszenierung: David Ortmann; Ausstattung: Nicole Bergmann; Dramaturgie: Holger Kuhla
Mit: Eva Marianne Berger (Christa-Maria Sieland, Schauspielerin), Gerald Fiedler (Gerd Wiesler, Stasi-Hauptmann), Karl Thiele (Georg Dreyman, Theaterschriftsteller), Hans-Jürgen Müller-Hohensee (Bruno Hempf, Kulturminister)
Weitere Termine: 20.03., 19 Uhr; 26.03., 19.30 Uhr; 27.03., 19.30 Uhr; 13.04., 19.30 Uhr; 29.04.11, 19.30 Uhr
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr; Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
22.02.2011, 12:13 | tags:
Schauspiel
, Diverses
799
Pressemitteilung vom 22.02.2011
Wege ins Glück! Teil: 3 SEX oder Was ist dran an einer schweißtreibenden Leidenschaft
Am Samstag, 5. März um 21.00 Uhr lädt das Anhaltische Theater zur dritten Ausgabe von „Wege ins Glück!“ unter dem Thema SEX oder Was ist dran an einer schweißtreibenden Leidenschaft ein.
Alle tun es, egal wie wir es nennen: beischlafen, auswuchten, bügeln, bürsten, einlochen, knattern, pudern, vögeln, und doch bleibt er ein Mysterium – Der Sex. Egal, wir machen es dennoch, Mysterium hin oder her, auch wenn wir es nur gut, mittelmäßig, gar schlecht zu tun vermögen und schon gar nicht wissen, was wir da eigentlich tun. Und selbst wenn einige von uns sexuell nurmehr eine lästige Pflicht erfüllen, scheint er dennoch gut zu tun! Wir brauchen ihn also, den Sex, wenn auch nicht mehrmals am Tag, gar nur noch monatlich, gehört er unfraglich zu unserem Glückshaushalt! Ob am Tage, ob in der Nacht, jagen wir dabei bis an körperliche Grenzen gehend unsere Körpermitten haltlos durch Lotterbetten und Sofas, rutschen über Teppiche, treiben es im Dunkeln und bei grellem Sonnenschein und pfeifen auf die Frage, was Mensch, neben der naturgegebenen Fortpflanzungspflicht, eigentlich dazu treibt, ob in jungen Jahren oder noch mit über achtzig, mit Seinesgleichen unablässig in sexuellen Vollkontakt zu treten! Und selbst wenn man diese Frage schlüssig zu beantworten versteht, bleibt ein weitaus größeres Mysterium noch unbeantwortet – Wie machen ER/SIE/ES eigentlich „richtig guten“ Sex.
Zu diesem Zweck hat das Team der „Wege ins Glück“ in altbewährter Manier keinen renommierten Sexualtherapeuten hinzugezogen, sondern sich einem weiteren und aufopferungsvollen Selbstversuch unterzogen. Und 3 Männer und 1 Hase werden Auskunft geben, über ihre Recherche in Sachen Sex & Glück und ihr Publikum in Theorie und Praxis hoffentlich auf die sexuellen Sprünge bringen.
Mit: Katja Sieder, Thorsten Köhler, Jan Kersjes, Patrick Rupar, Holger Kuhla
Leitung: Holger Kuhla
Teil 4: 01.05.2011, 20 Uhr Thema: POLITIK oder Utopia smells very strong!
Tickets zu 6 EURO / ermäßigt 4.50 EURO und Informationen erhalten Sie an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr; Mail: kasse@anhaltisches-theater.de und auch an der Abendkasse.
17.02.2011, 18:12 | tags:
Schauspiel
795
Pressemitteilung vom 17.02.2011
Zum letzten Mal!
„Carmen Kittel oder ich wünsch mir Sonnenstrand“
Am Dienstag, 22. Februar und Mittwoch, 23. Februar jeweils um 19.30 Uhr zeigt das Anhaltische Theater letztmalig das Schauspiel „Carmen Kittel oder ich wünsch mir Sonnenstrand“ von Georg Seidel im Studio des Alten Theaters. Anfang Februar widmete die Anhaltische Landesbücherei in ihrer Reihe „Lesenswert“ dem 1945 in Dessau geborenen Dramatiker und Dichter Georg Seidel einen Abend. Die schonungslose und harte Sprache seiner Texte begeisterte die Zuhörer ebenso wie seine Ironie.
In dem Schauspiel führt der junge Berliner Regisseur Niklas Ritter Schauspieler und
Laiendarsteller zusammen und verbindet somit die fiktive Geschichte der „Carmen“ mit sehr
realen, schönen und traurigen Erzählungen.
Ines Schiller spielt Carmen Kittel, eine junge Frau, die nach einer Kindheit im Heim in den
Arbeitsalltag der beginnenden 80er Jahre der DDR entlassen wird. Sie verliebt sich und wird
ungewollt schwanger. Sie versucht das kleine Glück festzuhalten, indem sie gegen ihren eigenen
Wunsch das Kind abtreiben lässt, um danach erkennen zu müssen, dass ihr Traum nun endgültig
ausgeträumt ist. Als sie beginnt sich gegen die kleinbürgerlich-ignorante Welt zu wehren um ein
letztes Mal ihren Traum zu leben, erfüllt sich ihr Schicksal auf außergewöhnliche Weise.
Gemeinsam mit Dessauer Bürgern, die als Spiegelbilder der Darsteller mit auf der Bühne sein
werden, wird der Zuschauer eingeladen sich anhand des Schicksals Carmen Kittels zu erinnern:
An eigene schöne und traurige Geschichten und an die Zeiten, als wir von Sonnenstrand
träumten...
Karten unter:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr; Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr;
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de und an der Abendkasse.
08.02.2011, 09:40 | tags:
Schauspiel
785
Dieter Beer, http://www.thueringen-kulturspiegel.de, 03.02.2011
„TOLLES GELD oder ARMUT IST KEINE SCHANDE“
Erfolgreich aufgeführt am Anhaltischen Theater Dessau: Eine Komödie von Aleksandr N. Ostrowski
Die Bühnenstücke des großen russischen Realisten Aleksandr N. Ostrowski (1823-1886) sind leider Seltenheiten auf unserem Theater geblieben. Wurden sie aber gespielt, sind sie meist als bloße Sittenbilder aus dem 19. Jahrhundert interpretiert worden. Ausnahmen gab es natürlich auch. Zum Beispiel die in jahrzehntelanger guter Erinnerung gebliebene Inszenierung der Komödie „Der Wald“ durch die Regisseure Manfred Karge und Matthias Langhoff an der Berliner Volksbühne, der eine überaus interessante Konzeption zugrunde lag, nämlich die Untersuchung des Verhältnisses von „Wirklichkeit und Künstler“.
Insofern brachte das Anhaltische Theater Dessau kürzlich mit „Tolles Geld“, 1870 in Petersburg uraufgeführt, eine ausgesprochene Rarität des russischen Dramatikers auf die Bühne. Vor fast vierzig Jahren sah ich diese Komödie zum letzten Mal. Und freute mich nun auf die Wiederbegegnung. Doch auf der Fahrt nach Dessau stellte ich mir immer wieder die bange Frage: Würde ich das Stück, zumal in der Zeit des modernen Regietheaters, dort wiedererkennen?
Meine Zweifel erwiesen sich zum Glück als gänzlich unbegründet, denn ich erlebte eine wunderbar kurzweilige Aufführung. Sowohl der unter anderem durch seine Fernsehrolle als Kriminalhauptkommissar Siska bekannt gewordene Regisseur Wolfgang Maria Bauer als auch sein Ausstatter Herbert Kapplmüller, der einen prägnanten, einfallsreichen Bühnenraum schuf, haben das vorzüglich dafür geeignete Stück im Hier und Heute angesiedelt. Dies geschah keinesfalls gewaltsam, eher unaufdringlich, jedenfalls so, dass sie eng an der Ostrowskischen Vorlage geblieben sind und man als Zuschauer obendrein Spaß an der Sache hat. In die Dramaturgie ist nur behutsam und werkdienlich eingegriffen worden. Ostrowski-Stücke sind immer auch tolle Schauspielerstücke. Lohnende Rollen halten sie bereit, und diese sind von den Dessauer Mimen famos ausgefüllt worden. Das war zuvörderst das Beglückende der Aufführung.
Der verarmte russische Adel mit seinem nicht durch Arbeit erworbenen „tollen Geld“ wird in einer Zeit gesellschaftlichen Umbruchs konfrontiert mit dem ehrlichen Vertreter eines neuen, aufstrebenden Standes, der den Reichtum selbst erwirtschaftet und auch die neuen Spielregeln diktiert. - Sebastian Vasilkow heißt dieser zurückhaltende, sehr einfach gekleidete Unternehmer aus der Provinz, der Bekanntschaft schließt mit Lydia, sich in sie verliebt und sie später heiratet. Die schöne junge Dame aber ist hochmütig und verschwenderisch, immerzu kauft sie die schönsten Sachen, ohne zu fragen, wo das Geld dazu herkommt. Ihre Mutter beklagt sich rechtens darüber. Aber Glanz und Luxus sind auch dieser von Christel Ortmann exzellent gespielten überspannten Nadia offenbar nicht gleichgültig, wenn man sie stolz vor dem imaginären Spiegel defilieren sieht. Doch die Schulden häufen sich. Also muss dringend einer gefunden werden, der die hohen Rechnungen bezahlt. Vasilkow wird schließlich das Opfer dieses nimmersatten Kaufrauschs der beiden anspruchsvollen Damen. Zweifellos ist der in der Metropole immer reicher werdende Provinzler eine gute Partie für Lydia, die ihn jedoch langweilig findet und Liebe nur vortäuscht. Gutherzig nimmt er’s für bare Münze, lässt sich einwickeln von ihr - bis er endlich sein Budget nicht überschreitende Maßnahmen einleitet....
Gerald Fiedler spielt den erfolgreichen Provinzler sehr überzeugend; dieser anfangs Schüchterne und Verachtete wandelt sich bald zu einem prinzipienfesten, selbstbewussten Geschäftsmann, der genau verstanden hat, dass man seinen Reichtum durch Fleiß und Tatkraft vermehren kann. Der Ausgang dieser unterhaltsamen Geschichte soll hier freilich nicht verraten werden. Immerhin ist es schon viel, wenn Lydia am Ende einsieht, dass ihr Ehemann „härter ist“ als sie. Wie Katja Sieder die verwöhnte, auftrumpfende Göre spielt, ist mit Vergnügen zu beobachten. Von den adligen Karrieristen und Lustgreisen, die Lydia umschwärmen, ist vor allem Kutschmow aufgewertet worden. Karl Thiele spielt ihn vorzugsweise als einen eleganten, gönnerhaften Gentleman, der es vor allem mit Lydias Mutter treibt und fortwährend von Geld prahlt, das er gar nicht besitzt. Treffliche Auftritte als rechtschaffener Assistent des aufsteigenden Unternehmers absolviert Hans-Jürgen Müller-Hohensee. In weiteren Rollen behaupten sich Uwe Fischer, Patrick Rupar und Konstantin Bühler. Für „Tolles Geld“ gab es zu Recht viel Beifall in Dessau.
Die nächsten Vorstellungen: 19. Februar, 17 Uhr, 24. Februar, 16 Uhr
Kartentelefon: 0340 2511333
07.02.2011, 16:32 | tags:
Schauspiel
, Neue Formate
783
Franz Werfel, Mitteldeutsche Zeitung, 02.02.2011
Traumwelt als Schutzraum
LESUNG Fünf "Träume" des großen Nachkriegsliteraten Günter Eich werden im Alten Theater gelesen.
Zu sechst sitzen sie da, in grauen Anzügen mit grauen Bogart-Hüten. Irgendwie passen die Lesenden - Eva-Marianne Berger, Katja Sieder, Thorsten Köhler, Hans-Jürgen Müller-Hohensee, Sebastian Müller-Stahl und Patrick Rupar - mit dieser Ausstattung (Silvia Maradea) zwar in die Nachkriegszeit der fünfziger Jahre, dennoch wirken sie auch zeitlos elegant. Und damit ist das Programm für den Leseabend in der Reihe "Die Nacht, die Lichter" des Anhaltischen Theaters vorgegeben.
Hörspiel aus dem Jahr 1951
Am Samstag erklang Günter Eichs Hörspiel "Träume" aus dem Jahr 1951 im Foyer des Alten Theaters. David Ortmann war, diese Lesung einrichtend, für den Abend verantwortlich und lud das Publikum ein, sich mit den Schauspielern auf Traumreise zu begeben.
Mit dem ersten der insgesamt fünf Hörspiel-Träume" schuf Günter Eich sein Höhlengleichnis. Beschrieben wird die abstrakte Situation einer drei Generationen umfassenden Familie, die sich in einem geschlossenen, abgedunkelten (Güter-)Waggon befindet. Monoton rattert der Zug über die Gleise (bei diesem Live-Hörspiel am Mischpult gefordert: Ian Ehrlich). Die kristallinen Streicherklänge György Ligetis, eines österreichischen Juden mit ungarischen Wurzeln, schaffen dazu eine zerbrechliche Atmosphäre.
Die Insassen kennen die äußere Welt nicht. Logik spielt für die Dramaturgie dieses Werkes keine Rolle, ummantelt Eich seine düster-depressiven Vorstellungen doch mit dem Schutzraum der Traumwelt. Es wird nicht gefragt, woher oder wie diese Menschen in den Zug gekommen sind. Es zählt nur das Jetzt und das Was. Dieses Fragen nimmt nun eine eigene Dynamik an. Die Großeltern erinnern als einzige ein Früher, denken an eine Zeit vor dem ratternden Waggon. Und natürlich erzählen sie immer wieder davon, klammern sich an ihre schattenhaften Erinnerungen.
Ihre Kinder und Enkel aber sind der Geschichten schon längst überdrüssig geworden, sie wollen die Welt nicht sehen, wie sie ist, da sie nie etwas anderes als ihren einzigen Raum kennen gelernt haben. Neugierde kann nicht gänzlich ohne Reibung und Konturen entstehen. Mit ihren Abwertungen der großelterlichen Geschichten und ihrem sophistischen Fragen treiben sie diese in tiefe Selbstzweifel.
Schließlich kommt die Welt durch ein Loch in der Wand doch noch zu ihnen. Vor lauter Schreck über die Schönheit der Felder und die Veränderung der Menschen darauf verschließen sie dieses. Eine Antwort auf die Frage, wie denn das Essen jeden Tag in den dunklen Waggon käme, wird nicht gewagt.
Für diesen Traum liegt die Assoziation "Juden" nahe, wird aber natürlich nicht ausgesprochen. Denke daran, so die Moral, dass nichts scheinen muss, wie es ist.
Günter Eich, Mitglied der Gruppe 47 und 1950 ihr erster Preisträger, schuf mit diesem Werk eines
der aufrüttelndsten und skandalösesten Hörspiele nach dem Zweiten Weltkrieg. Mit seinem typisch lakonisch-nüchternen Stil gelingt ihm ein Abdruck der Welt. Meisterlich beherrschte er die Kunst, in seiner Literatur die Menschen sprechen zu lassen, wie sie wirklich sind. Ganz nebenbei zeigt er noch, dass sie sich in ihren Träumen womöglich gar nicht so sehr unterscheiden. Jedes seiner fünf Nachtbilder spielt nämlich auf einem anderen Kontinent. Die Strukturen der unterschiedlichen Schlafvisionen ähneln sich dabei aber.
Die sechs lesenden Schauspieler entpuppten sich an diesem Abend als höchst professionelle und wandelbare Stimmkünstler. Übergangslos können sie dabei zwischen Kinderstimmen, jungen und alten Menschen, Arbeitern und Professoren, weißen Touristen und afrikanischen Buschmännern wechseln. Getragen von wunderbar ausgesteuerter Tontechnik und Akustik wurde dieser Abend zu einem echten Hörerlebnis.
Günter Eichs "Träume" sind - heute neu gelesen und gehört - weit mehr als ein literarisches Zeugnis
der Nachkriegszeit. Da Traumbilder in ihrer Abstraktheit zeitlos sind, sind auch die hier beschriebenen existenziellen Ängste, die paranoiden Situationen und die ausgeloteten menschlichen Abgründe zeitlos.
Starker Eindruck
Diesen starken Eindruck unmittelbar zu erzeugen, so dass Erschüttern sich auch sechzig Jahre nach der Uraufführung noch einstellt; das schaffte die Dessauer Lesung am vergangenen Samstag zweifelsohne. Bitte mehr davon!
02.02.2011, 18:21 | tags:
Schauspiel
782
Helmut Rohm, Volksstimme, 31.01.2011
"Alter Ford Escort Dunkelblau" hatte am Theater Dessau Premiere
Diese Autofahrt führt nicht in eine neue Zukunft
Gut 30 in der Breite und maximal 12 in der Höhe aufgestapelte Getränkekästen bilden eine Wand, füllen die ganze Bühne im Studio des Alten Theaters Dessau aus. Sie sind auch einziges Requisit für "Alter Ford Escort Dunkelblau". Das Stück des Hallenser Autors Dirk Laucke hatte am Freitagabend in der Regie von Christoph Sommerfeld seine mit viel Beifall aufgenommene Premiere.
Die Getränkekästen stehen für Reales und Imaginäres zugleich. Sie sind auch Bausteine für ein verwandelbares szenenspezifisches Bühnenbild (Ausstattung Sophie du Vinage). Schorse und Boxer arbeiten in einem Getränkemarkt. Sie wurden durch eine Zeitarbeitsfirma vermittelt. Der Dritte im Bunde ist Paul, der Sohn des Getränkemarktbesitzers. Gemeinsam fahren sie mit Schorses altem und auch maroden Ford Escort dunkelblau zur Arbeit.
Ganz unterschiedlich im Charakter, ganz verschieden in ihren persönlichen Geschichten eint sie die Unzufriedenheit mit dem gegenwärtigen unterbezahlten und stupiden Job. Die Inszenierung des aus Magdeburg stammenden Christoph Sommerfeld, zugleich seine Diplomarbeit, lässt den Zuschauer jedoch recht schnell erkennen, dass es mehr ist: Die drei Typen sind mit ihrem bisherigen Leben total unzufrieden.
Das Dramatische, im Stück im Mansfelder Land angesiedelt, ist eine fast greifbare Desillusion, die Ausweglosigkeit. Die gewaltige Getränkekästenwand könnte symbolhaft als ein Gefängnis, eine Grenze zu einem erfüllterem Leben gedeutet werden. Wie kann man da ausbrechen?
Die einzelnen Szenen lässt Christoph Sommerfeld durch in den Raum gerufene Stichworte wie "Auto", "Tanke", "Karins Wohnung" räumlich determinieren. Ein paar schnell umgestapelte Kisten werden Spielversatzstücke. Dabei lernt das Publikum in teils lautstarken, spielintensiven Monologen oder Dialogen Einblicke in die doch letztendlich prekären Lebensverhältnisse kennen, mit inhaltlich deutlicher ausdrucksstarker Sprache. Die Inszenierung entbehrt nicht des Humors einer emotional wirkenden Verknüpfung von Komischem und Tragischem.
Paul (mit sensiblem Spiel Jan Kersjes) würde gern Abitur machen, weiterkommen. Doch der Vater ist der Meinung, dass sein Sohn den Getränkemarkt später auch ohne Abitur führen kann.
Schorse (Sebastian Müller-Stahl), ein ausgemachter AC/DC-Fan, hat Ärger mit Ehefrau Karin (Susanne Hessel), darf seinen Sohn nicht mehr sehen. Der denkt, dass sein Vater arbeitslos ist.
Boxer (Matthieu Svetchine), obwohl er etwas angespartes Geld besitzt, ist von der Leere seines Lebens genervt. Fast nebenbei erfahren seine Mitstreiter, dass sich seine Mutter vor Jahren vom Balkon gestürzt hat.
Ob die drei, mit Karin vier, sich einander verstehen, bleibt eigentlich offen. Doch noch einmal keimt eine spontane Vision auf. Sie wollen aus der Tristheit ausbrechen, eine Fahrt mit dem Ford Escort nach Legoland unternehmen.
Für Boxer werden Kindheitserinnerungen wach. Schorse könnte seinem Sohn etwas Tolles bieten. Der wird quasi entführt, wird in den Kofferraum verfrachtet, kommt fast zu Tode. Paul muss von Boxer allerdings mit einer zerbrochenen Bierflasche zum Einsteigen "gebeten" werden.
Wenn die Fahrt klappen sollte, wenn sie dann vorbei ist - was wird dann anders sein? Offene Fragen, die auch am Schluss bleiben.
Mittendrin geht erst mal das Licht aus. Eine überraschende Regieidee zum Nachdenken, soll doch Ausweglosigkeit symbolisiert werden? "Kurzschluss, ungeplant!", so der Ruf vom Regiepult.
Das Spiel geht weiter, nicht die Abenteuerfahrt. Der "Alte Ford Escort Dunkelblau" gibt seinen (Auspuff)-Geist auf.
Alles ist wieder beim Alten. Mit einem bisschen Happy End: Karin und Schorse finden nochmals in Liebe zueinander.
Die nächsten Aufführungen sind am 1. und 2. Februar, jeweils um 19.30 Uhr.
30.01.2011, 22:13 | tags:
Schauspiel
776
Franz Werfel, Mitteldeutsche Zeitung, 31.01.2011
Verzweiflung pur und keine Revolution in Sicht
Sie stolpern mehr durchs Leben, als dass sie es führen. Wie soll man im Mansfelder Land zu Beginn des 21. Jahrhunderts auch seinen Weg finden, mit nur vier Mitbewohnern im gesamten Wohnblock? Wie seinen Kindern etwas bieten? Schorse (Sebastian Müller-Stahl) und Boxer (Matthieu Svetchine) sind Zeitarbeiter in einem Getränkelager und wollen eigentlich nur wegziehen. Zusammen mit dem Azubi Paul (Jan Kersjes) sind sie mangels Perspektiven allesamt abhängig von dessen Vaters Gnaden.
Bejubelte Premiere
Am Freitagabend feierte das Stück "Alter Ford Escort dunkelblau" des gebürtigen Schkeuditzers Dirk Laucke (Jahrgang 1982) im Alten Theater Dessau in der Regie von Christoph Sommerfeldt und Andrea Moses seine bejubelte Premiere. Mehr als 100 Bierkästen aller Sorten und Farben stapeln sich auf der Studiobühne. Ausstatterin Sophie du Vinage schafft damit einen Raum, den jeder aus seinem Konsumentenalltag kennt, aber den wohl die wenigsten schon einmal unter den Vorzeichen eines komplexen Gefühlsreaktors betrachtet haben.
Hier bringt jeder der drei Männer seine eigenen Probleme in die Figurenkonstellation ein, die Figuren prallen in verschieden heftig ausfallenden Ausbrüchen immer wieder aufeinander. Der zottelige Plüschtiger, der einst das kuschelige Familiensofa von Schorse, seiner Frau (Susanne Hessel) und ihrem gemeinsamen Sohn zierte, sitzt nun quasi über allen Dingen. Das Leben passiert diesen Menschen einfach - sie haben nie gelernt, es mit ihren Möglichkeiten zu gestalten. So müssen diese Haltlosen zwangsläufig zu Getriebenen werden. Sie haben sich eingerichtet in ihrer Welt - und wollen doch nichts lieber, als ihr zu entkommen. Vorläufiges Ziel: Legoland, das Kind hat Geburtstag. Weiter lässt sich erst mal nicht planen und selbst dafür reicht kaum das Geld.
Ein bisschen Klassenkampf
Die Stärke des Stückes liegt in seiner Unmittelbarkeit. Es bedient sich der Alltagssprache, bricht diese jedoch immer wieder mit Meta-Parolen des Klassenkampfes: "Zeitarbeit ist Scheiße und moderne Sklaverei!" Was soll man auch sonst zu Stundenlöhnen von weniger als fünf Euro sagen? Wäre es mal wieder Zeit für eine Revolution? Die (ökonomisch) Schwächsten einer jeden Gesellschaft haben natürlich keine Lobby - wer also kann und möchte ihre Interessen vertreten? Die Inszenierung spürt diesen Fragen nach, indem sie die Zuschauer ganz dicht an ihre Akteure heranlässt. Ohne technische Spielereien kommt sie aus, gestützt nur von wenigen Lichtwechseln und ein bisschen ACDC-Konserve aus dem Ghettoblaster. Ansonsten liegt die Konzentration ganz auf den Akteuren.
Und die wissen an diesem Abend genau was sie tun. So wird Glaubhaftigkeit erzeugt, die der Situation selbst innewohnt, die nicht erst künstlich geschaffen werden muss. Weil wir ihnen aber alles glauben, die hilflose Verzweiflung wie die Hoffnung auf das kurze Glück, müssen wir oft mit ihnen und über sie lachen.
Denn wenn alles schon schlimm genug ist, kommt es bei Laucke immer noch schlimmer. Am Ende des Trips in Richtung Dänemark schreit das Kind erstmalig nach seinem Vater. Doch zumindest diese kleine Familie ist wohl nicht mehr zu retten.
Die nächsten Vorstellungen: Dienstag und Mittwoch, jeweils um 19.30 Uhr, Altes Theater, Studio
27.01.2011, 18:14 | tags:
Schauspiel
, Diverses
775
Pressemitteilung vom 27.01.2011
Veranstaltungen anlässlich des 152. Geburtstages von Prof. Hugo Junkers
„...die wesentliche Rolle spielt der Mensch!“
Anlässlich des 152. Geburtstages von Prof. Hugo Junkers zeigt das Anhaltische Theater am Donnerstag, 3. Februar um 17 Uhr zwei Dokumentarfilme des Filmemachers und Junkersspezialisten Klaus D. Schwarz im Foyer/ Großes Haus. Ganz besonders darf sich das Publikum auf die Voraufführung des Films „Wir nannten sie Julie“ freuen, ein Film über die JU 52 in Frankreich, der wenige Tage später, am 16. Februar um 21.15 Uhr erstmals im MDR Fernsehen ausgestrahlt wird. Auch der zweite Film „Besuch einer alten Dame II“, der die Reise von München nach Dessau, der inzwischen verstorbenen Tochter von Junkers, Gudrun Junkers-Wenz dokumentiert, erinnert mit sehr emotionalen Bildern an das Wirken von Junkers in Dessau.
Im Anschluss laden der Filmemacher Klaus D. Schwarz, der u.a. als Filmfotograf für den DEFA-Spielfilm „Spur der Steine“ arbeitete und Dramaturg Holger Kuhla das Publikum zum Gespräch ein.
Ebenfalls den Geburtstag Junkers zum Anlass nehmend wird um 19.30 Uhr im Großen Haus das Schauspiel von Carl Zuckmayer „Des Teufels General“ gezeigt. Jener Film, der die Geschichte des Fliegers Harras erzählt. Harras, genialer Flieger und schillernde Figur, rast mitten in den braunen Jahren die deutsche Karriereleiter empor und genießt sein Leben in vollen Zügen. Bewusst stellt er sich in den Dienst der Nazis. Er mordet für sie, weil sie ihm seinen Sport, das ritterliche Abschießen von Feindflugzeugen mitsamt Piloten, auf hohem technischem Niveau finanzieren. Er wird zu des „Teufels General“ - verstrickt in das System, schuldlos und schuldig zugleich.
In der Inszenierung von Wolf Bunge spielen: Werner Eng als Gast (Harras) sowie nahezu das gesamte Schauspielensemble des Anhaltischen Theaters. Bereits um 19 Uhr findet eine Einführung zum Stück im Foyer statt.
Nach der Vorstellung um ca. 22.30 Uhr stellen sich Inszenierungsteam und Schauspieler den Fragen des Publikums zur Aufführung und freuen sich auf das Gespräch.
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Abendkasse und unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr; Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr; Mail: kasse@anhaltisches-theater.de.
26.01.2011, 22:36 | tags:
Schauspiel
773
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 27.01.2011
Karrierestart mit altem Ford
Plötzlich wird es alles ernst. Da ist das, was bisher Hobby und Freizeit war, plötzlich der Beruf. Da gibt es nicht mehr den Bonus des engagierten Laien. Es geht hier um ein Diplom und um einen Abschluss, dessen Ergebnis in aller Öffentlichkeit präsentiert wird. Am Freitagabend wird dazu in das Alte Theater eingeladen. Mit dem Stück "Alter Ford Escort Dunkelblau" hat dort die Diplominszenierung von Christoph Sommerfeldt Premiere.
Sommerfeldt, 1983 in Magdeburg geboren, kann man als theatererfahren beschreiben, denn er wirkte schon seit seiner Grundschulzeit immer wieder in Schultheaterproduktionen mit, bevor er 2001 dem Jugendclub der Freien Kammerspiele Magdeburg beitrat. "In Spitzenzeiten waren wir da 120 Leute", erzählt Sommerfeld vom Jugendclub der Magdeburger Bühnen, der sogar einen eigenen Spielplan und eine eigene Spielstätte hat und unter Katrin Richter (heute Leipzig) zum größten Theaterjugendclub Deutschlands wurde. "Sie hat mich gewissermaßen entdeckt und auch in größeren Rollen besetzt", so Sommerfeldt. "Konsum macht frei" hieß 2003 seine erstes eigenes Stück, für das es den Jugendvideopreis und den 2. Preis für Jugendkultur in Sachsen- Anhalt gab. "Vielleicht hast du ja was zu suchen im Theater" - dies habe er sich damals gedacht und mit dem Studium der Theaterwissenschaften in Leipzig begonnen, dann folgte das Regiestudium an der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" in Berlin, vor dessen Abschluss Christoph Sommerfeldt nun steht.
Durchaus zweifelnd blickt er auf das, was nach acht Semestern hinter ihm liegt. "Vor dem Studium habe ich intuitiv das Richtige gemacht. Wenn man jetzt aber darüber nachdenkt, dann ist das Leichte und Selbstverständliche weg", sagt er. Zur Phantasie von einst würde sich nun das erlernte Regiehandwerk gesellen und das mache es nicht immer leicht.
In Dessau geholfen hätten ihm dabei vor allem seine Mentorin Andrea Moses und die vier Schauspieler, die in Dirk Lauckes Stück mitwirken. "Sie waren sehr offen und ich konnte ihren Erfahrungsschatz nutzen. Man braucht in dem Stück Handwerk, das ich noch nicht in dem Maße habe", so der junge Regisseur. Ende März hofft er sein Diplom in den Händen zu halten, will sich dann bewerben. Bis dahin sahen auch seine Professoren den "Alten Ford Escort Dunkelblau" in Dessau starten.
25.01.2011, 14:33 | tags:
Schauspiel
772
Helmut Rohm, Volksstimme, 24.01.2011
Viel Beifall für Ostrowski-Schaupiel am Anhaltischen Theater Dessau
Von „tollem Geld“ oder warum „Armut keine Schande“ ist
Es ist ein langer, mit schmerzvollen Erfahrungen gepflasterter Weg, ehe der anfangs naive, grundehrliche Provinzler Sebastian Vasilkow und das einst extravagante Mädchen Lydia zusammenfinden. Das Schauspiel „Tolles Geld oder Armut ist keine Schande“ von Aleksandr Ostrowski hatte am Freitag im Anhaltischen Theater Dessau eine mit viel Beifall aufgenommene Premiere.
Regisseur Wolfgang Maria Bauer, der übrigens Uli Hoeneß ob dessen solider Sparpolitik beim FC Bayern bewundert, hat das 140 Jahre alte Stück Ostrowskis „in die Hand genommen und in das Heute gedreht“. Nicht um es zu modernisieren um des Modernisierens willen, weil so etwas an manchen Theatern bei manchen Regisseuren modern sei. Das Thema Geld, wie die Menschen damit umgehen, wie Geld die Lebenshaltung beeinflusst - so oder so, vom Gesamtgesellschaftlichen hin bis im ganz Individuellen - ist höchst aktuell.
Nicht von ungefähr wohl lässt also Regisseur Bauer den Sebastian Vasilkow aus dem Provinzstädtchen Dessau in die große schimmernde Metropole gehen. Als staunender, zunächst meist nicht das Denken und Tun der anderen, der Schönen und (scheinbar) Reichen Verstehender. Durch Gerald Fiedler bekommt Vasilkow eine faszinierende Ausstrahlung. Das Publikum „leidet“ mit der Naivität dieses Mannes, ist bedrückt von der Großkotzigkeit und Missachtung der anderen, selbst der Erniedrigungen durch die von ihm geliebte Lydia (Katja Sieder). Genauso freut es sich, wie sich Vasilkow von seinen Hemmungen befreit, seinen Weg der Solidität, Konsequenz und Ehrlichkeit, auch der unerschütterlichen Liebe zu Lydia geht. Vom scheinbaren Loser zum Winner: Das Gute siegt wohl doch. Hoffentlich. Denn in zu viel menschlich erschreckende Abgründe schaut der Zuschauer gemeinsam mit Vasilkow.
Ohne erhobenen Zeigefinger, doch mit trefflicher Zielsicherheit lässt Wolfgang Maria Bauer das Publikum in den be rühmten Spiegel blicken. Wer etwas schräg hineinschaut, erkennt sicher einige solcher Zeitgenossen wieder. Wer gerade blickt, vielleicht auch etwas von sich selbst.
Lydia, die Vasilkow beim ersten Bühnenblick wie auf einem hohen Olymp erscheint, entpuppt sich als eine verzogene Göre, die nur haben möchte, meist bekommt und sich nie ernsthaft die Frage stellt, woher das Geld dafür kommt. Nicht minder Lebedame ist ihre Mutter Nadia (Christel Ortmann). Doch auch so „geschäftstüchtig“, ihre Tochter zur Heirat anzubieten - auch an Vasilkow.
Den smarten äußeren Schein entlarvt das Stück als parasitäres Denken und Handeln. Bauer zeichnet glaubhafte Charaktere, wie Jean Teljatew (Uwe Fischer), lebensfroh und gleichsam bankrott - ein Verlierer. Heinz Kutschmov (Karl Thiele) ein vornehmer älterer Herr, der auf Kosten seiner reichen Gemahlin lebt - eigentlich auch ein Verlierer. Gerd Glumov (Patrick Rupar), ein gescheiterer Erbschleicher – erschießt sich. Ron Vasil (Hans-Jürgen Müller-Hohensee), treuer, fast treu-doofer Diener, bis zur makabren Selbsterniedrigung - wird immer nur zweiter Sieger sein.
Wolfgang Maria Bauer hat das Stück, zwar eine Komödie, aber mit durchaus sehr ernstem Hintergrund, flott und überaus humorvoll inszeniert. Er hat Über-Kreuz-Dialoge führen lassen, Gedanken durch Konstantin Bühler, unter anderem als „die Stimme“, hörbar gemacht. Das Bühnenbild (Herbert Kapplmüller) verweist auf innere Zwänge.
Am Schluss erkennt Lydia, dass Armut (unter bestimmten Umständen) eigentlich keine Schande ist. Sie wird als Haushälterin bei ihrem Mann redlich arbeiten.
Und der Regisseur selbst hat – mal als reicher, mal als armer Vater mit seiner mal aus reichem, mal aus armem Haushalt stammenden kleinen Tochter Lydia (dargestellt von seiner sechsjährigen Tochter Fanny) die Bühne gequert.
Die nächsten Aufführungen sind in Dessau am 29. Januar und am 19. Februar, jeweils um 17 Uhr.
24.01.2011, 20:21 | tags:
Schauspiel
771
Danny Gitter und Anette Gens, Mitteldeutsche Zeitung, 24.01.2011
Wo nicht nur die Hexe die Zuschauer begeisterte
Im Anhaltischen Theater sind an diesem Sonnabendnachmittag nur noch wenige freie Plätze zu finden. "Die feuerrote Blume", das Weihnachtsmärchen der Saison, steht ein letztes Mal auf dem Spielplan. Für die Schauspieler heißt es an diesem Nachmittag, Abschied zu nehmen von ihren Rollen als Töchter, Knecht, Vater, Waldschrat und Hexe.
"Nun wird es Zeit, dass ich aufbreche", beginnt Karl Thiele die erste Szene. Es soll in seiner Rolle als Vater und Kaufmann ein Aufbruch in stürmische See werden, durch den Zauberwald und schließlich zum Schloss, wo er die feuerrote Blume als Geschenk für seine Tochter Aljonuschka findet. Das alles wird begleitet von jeder Menge Pyrotechnik und Spezialeffekten, wie einem Esstisch, der wie von Zauberhand auf der Bühne erscheint und wieder verschwindet. Vor allem für die Kinder war die Aufführung ein Erlebnis und auch ein Wechselbad der Gefühle. Komödiantische Szenen, wie mit der Hexe Baba-Jaga und dem Waldschrat, lösten heiteres Gelächter aus. Während bei Knall und Rauch je nach Temperament die Nähe der Eltern gesucht oder mit offenem Mund gestaunt wurde.
25 Vorstellungen, davon 6 Doppelvorstellungen und rund 23 000 Zuschauer sind am Ende die stolze Märchen-Bilanz in dieser Spielzeit. Und doch findet Thiele, der erfahrene Schauspieler, nichts Außergewöhnliches daran. Vor rund 20 Jahren schätzt er, habe das Ensemble das Doppelte an Vorstellungen gehabt. "Damals lebten wesentlich mehr Kinder in der Stadt und Umgebung", erklärt sich der Hintergrund. "Wir hätten das Märchen in dieser Saison sogar noch öfter spielen können, wenn man uns mehr Sendeplätze zur Verfügung gestellt hätte" so der Schauspieler. Er meint damit, dass es schwierig sei, den laufenden Spielplan zu ändern.
Monika Stephan hatte am Sonnabend in den Zuschauerreihen Platz genommen. "Da es heute das letzte Mal gespielt wurde, wurde es Zeit, endlich mal reinzugehen" so die Dessauer Seniorin. Ihr gefielen vor allem die Bühnenbilder und die vielen Spezialeffekte. "Die viele Pyrotechnik ist einfach wunderbar", so ihr Fazit. Ein anderer Effekt hat dem achtjährigen Leon besonders gut gefallen. "Wie die Hexe Baba-Jaga mit Motorengeräusch runterkam, fand ich toll" so der Zweitklässler aus Coswig. Nach einem Besuch mit der Schulklasse sollten nun endlich auch die Eltern das Stück sehen. "Wir hatten vor Weihnachten keine Zeit. Da ist dieser Termin eine gute Gelegenheit" fand Vater Mike Hoppe. Die "berauschenden Effekte" zogen auch den Papa in den Bann. "Könnte gut sein, dass der Besuch des Weihnachtsmärchens eine Familientradition wird", wagte Hoppe schon einmal einen Blick voraus.
Auf der Bühne verwirrte manch jungen Gast auch die Stimme aus dem Off. "Wer spricht denn da?", fragte ein kleines Mädchen aus dem Publikum seine Mutter. Es war Patrick Rupar in seiner Doppelrolle als Knecht Anton und Schlossungeheuer, aus dem am Ende ein Prinz wird. "Die Kinder waren nach der Verwandlung in den Prinzen total begeistert. Da gab es ein paarmal Applaus", erzählt Rupar begeistert. "Es war schon anstrengend", blickt er auf seine erste Märchenzeit am Anhaltischen Theater zurück.
Trotz des "stressigen" Dezembers nehmen Thiele und seine Kollegen mit etwas Wehmut Abschied vom Märchen. Und für Patrick Rupar überwiegen sowieso die positiven Erfahrungen. "Ich habe oft das Gefühl gehabt, die Zuschauer sind total dran am Stück. Gespräche und Reaktionen des Publikums waren durchweg positiv."
Dieser Eindruck bestätigte sich auch am Sonnabend. Unter brandendem Applaus sang das Ensemble am Schluss zum definitiv letztem Mal von der feuerroten Blume, dem Bösen, der Liebe und einem Happy End.
23.01.2011, 19:12 | tags:
Schauspiel
769
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 24.01.2011
Liebe und Leben auf Pump
Die Kehrseite der öffentlichen Verlautbarung offenbart die Wirklichkeit: "Rasen verboten" teilt das Schild der Stadtverwaltung mit, das wenig später zu Füßen eines Bettlers um eine "Notspende" werben wird. Zwischendurch haben zwei windige Gesellen die Zielscheibe zum Schangeln benutzt - also für jenes Spiel, bei dem man mit kleinen Münzen nach großen Scheinen werfen kann. Von der Verteidigung bis zum Verfall der öffentlichen Ordnung kommt man also im Handumdrehen - und "Tolles Geld" ist immer im Spiel.
Mit einem Kurzauftritt zur Premiere von Aleksandr Ostrowskis Komödie am Anhaltischen Theater Dessau zeigte Regisseur Wolfgang Maria Bauer, wie seine Art von Humor funktioniert. Sehr lässig, sehr beiläufig kommandierte er da seine - echte - Tochter Fanny als genervter Vater herbei, dem Erpressung das passende Mittel zur Erziehung liefert. Die Auftakt-Etüde etabliert zugleich die anderen Figuren, die fortan ihre Rolle im Leben von Sebastian Vasilkov spielen sollen - und zieht das tragikomische Geschehen aus dem Russland des späten 19. Jahrhunderts unmittelbar in das Hier und Heute. Denn die Provinz, aus der sich dieser grundsolide junge Mann in die Metropole verirrt, heißt jetzt Dessau.
Eine solche Behauptung muss sich jenseits von Kalauern natürlich am Stoff überprüfen lassen - und besteht dies überraschend gut. Selbst wenn die originalen Namen das Personal auf Distanz halten, erkennt man in ihnen die Prototypen und die Konflikte einer überreifen Gesellschaft - den lüsternen Sugardaddy, der sich Liebe mit Geld erkaufen will. Den leichtsinnigen Lebenskünstler, der sich am Ende die Kugel gibt. Die ehrgeizige Mutter, die ihre Tochter als Investition begreift - und das Luxus-Girlie selbst, das seine Zuwendung als Gegenwert für Lebensstandard verkauft.
Von oben nach unten
Ausstatter Herbert Kapplmüller hat für die Geschichte einen Raum geschaffen, in dem enge Fahrstühle nach oben und steile Treppen nach unten führen. Die Teppiche, die anfangs auf dem Boden lagen, hängen später als schäbige Vorhänge vor zerbrochenen Fenstern, auf den vielflammigen Kronleuchter folgt die nackte Glühlampe. So tief muss Lydia fallen, bis sie ihre ganz persönliche Variante des Märchens vom König Drosselbart begriffen hat, das in seiner Entstehung bekanntlich auf eine Anekdote aus dem Leben des "Alten Dessauers" verweisen soll. Wie ihr Hochmut dabei gebrochen wird, zeigt Katja Sieder im Wechselbad zwischen gelangweilter Eitelkeit und hysterischem Ausbruch. Christel Ortmann hingegen lässt in ihrer panischen Angst vor Armut und Alter erkennen, von wem das Mädchen diese Eigenschaften geerbt haben muss. Und Karl Thiele gelingt es, hinter der Fassade des peinlichen Playboys echte, blanke Verzweiflung aufblitzen zu lassen.
Als Mit- und Gegenspieler zu Uwe Fischers quecksilbrig fidelem, eigentlich aber tieftraurigen Hasardeur Teljatew hat es Patrick Rupars Glumow schwer, mit Akzent und Talent behauptet er jedoch seinen Platz. Vom Rand der Bühne aber schiebt sich schnell eine Figur in den Mittelpunkt des Interesses, die im Stück eigentlich gar nichts zu suchen hat: Konstantin Bühler spielt jenen lautmalerisch "Clohschar" genannten Tausendsassa, auf den sich die vermeintlich bessere Gesellschaft nicht nur als Souffleur verlässt. Er kennt zudem die geheimsten Gedanken der Anderen, spricht ihre inneren Monologe aus Staubsaugern oder Kopfhörern - und ist der perfekte Zuhörer für den stillen Ron, den Hans-Jürgen Müller-Hohensee in einen Ordnungsfanatiker mit Hang zur Anarchie verwandelt. Auf Pump leben und lieben sie alle - und lassen das Regelwerk des Vasilkov so zur Ausnahme werden. Für eine kurze Zeit scheint Gerald Fiedler sich auf die doppelsinnige Moral "Armut ist keine Schande" einlassen zu wollen, dann aber läuft er Amok - offenbar mit Platzpatronen.
Eine Fülle von Verweisen
Bauer verschränkt die lineare Erzählweise der Vorlage zu synchronen Szenen, er spickt sie mit einer Fülle von literarischen und musikalischen Verweisen von Goethe bis Rilke, von Sinead O'Connor bis Celine Dion - und schafft es sogar, mit einem Zitat aus dem tragischen Abschieds-Interview des gescheiterten Hamburger Intendanten Friedrich Schirmer auf die aktuelle Theaterkrise anzuspielen: "Ich bin mit meinem Latein am Ende", sagt die bankrotte Nadia, "Das heißt aber nicht, dass es dieses Latein nicht gibt." Da scheint für einen Moment eine Wahrheit durch, die sich seit Ostrowskis Zeiten nicht geändert hat: Theater handelt im besten Falle vom Eigenen - auch wenn es von Fremdem erzählt.
Die nächsten Vorstellungen: 29. Januar und 19. Februar, jeweils 17 Uhr
20.01.2011, 17:32 | tags:
Schauspiel
766
Pressemitteilung vom 20.01.2011
Zum letzten Mal: „Die Feuerrote Blume“
Zum letzten Mal wird am Samstag, 22. Januar um 16 Uhr das Märchen „Die Feuerrote Blume“ zu sehen sein. In dem überaus bewegten und effektvollen Zaubermärchen für Groß und Klein geht es um die Kraft der Liebe und um den ewigen Kampf Gut gegen Böse geht. Die kleine Aljonuschka begibt sich auf eine aufregende Reise in ein verwunschenes Schloss, dessen Hausherr ihr die wahre Liebe unabhängig von Äußerlichkeiten zeigt. Währenddessen schmiedet in einem gespenstischen Zauberwald die Hexe Baba-Jaga mit ihren scheinbar furchteinflößenden Gesellen Schrati und Kiki einen eigenen Plan. Ein magisches Abenteuer für die ganze Familie!
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Abendkasse und unter: Theaterkasse Rathaus-
Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr; Theaterkasse - nur telefonisch
0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr; Mail: kasse@anhaltisches-theater.de.
12.01.2011, 10:41 | tags:
Schauspiel
759
Pressemitteilung vom 12.01.2011
Matinee zur Premiere „Tolles Geld oder Armut ist keine Schande“ von Alexandr N. Ostrowski
Das Spielensemble und das Regieteam der Ostrowski-Komödie „Tolles Geld oder Armut ist keine Schande“ laden am Sonntag, den 16. Januar um 10.30 Uhr zu einer Matinee anlässlich der Premiere ins Foyer im Großen Haus des Anhaltischen Theaters Dessau ein.
Und obgleich sich eine Komödie und der schnöde Mammon eigentlich nicht vertragen sollten, denn beim Thema Geld hört ja bekanntlich der Spaß auf, kommt es an diesem Sonntagmorgen dennoch zu einem interessanten Aufeinandertreffen. Schauspieler werden gemeinsam mit dem Regisseur Wolfgang Maria Bauer und dem Dramaturgen Holger Kuhla, einen kleinen Vorgeschmack auf die Premiere geben, es werden Geschichten über die Liebe, das Leben und das liebe Geld zu hören sein, es wird gar getanzt und mit Mirko Duscha aus dem Vermögensmanagement der Stadtsparkasse Dessau, wird ein echter Fachmann zum Thema Geld befragt.
Für einen kleinen „Frühschoppen“ ist an diesem Sonntagmorgen ebenfalls gesorgt.
Für den Eintritt wird ein Obolus von 3,- Euro erhoben, der beim Besuch der entsprechenden Veranstaltung auf den Kartenpreis angerechnet wird.
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Abendkasse und unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr; Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr; Mail: kasse@anhaltisches-theater.de.
11.01.2011, 20:10 | tags:
Schauspiel
758
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 12.01.2011
Wolfgang Maria Bauer
Mann mit vielen Talenten
An diesem Morgen trägt er ein extra weit geschnittenes Sport-Shirt mit einem Mannschafts-Maskottchen - wie immer, wenn er nach der Probe zu seiner sechsjährigen Tochter fährt. Doch auch ohne dieses Trikot würde der Gast in der Dessauer Kantine auffallen: Die scharfen Züge unter lässig weggestrichenen Locken, der Faltenwurf um die wachen Augen ... das ist ein Charakterkopf, der Blicke auf sich zieht. Und wenn man Wolfgang Maria Bauer einmal entdeckt hat, beginnt das Grübeln: Woher kennt man den nur?
Seitdem unlängst eine "Tatort"-Wiederholung im Fernsehen lief, wird der Regisseur von Aleksandr Ostrowskis Komödie "Tolles Geld" auch von Mitarbeitern des Anhaltischen Theaters gegrüßt, die in seiner Inszenierung keine Rolle spielen. Dabei war die Krimi-Episode eine eher beiläufige Station in der Karriere des Schauspielers Bauer. Den vorläufigen Zenit seiner Popularität hatte er 2008 erreicht, als er nach 34 Folgen den ZDF-Kommissar Viktor Siska beerdigte - eine Serien-Hauptfigur, wie sie irgendwann die öffentliche Wahrnehmung ihres Darstellers überlagert.
Dass Bauer die Trennung dennoch gut verkraftete, liegt an der Vielzahl seiner Talente: Er hat am Burgtheater Wien und am Münchner Gärtnerplatz ebenso gespielt wie am Schauspielhaus Zürich und bei den Salzburger Festspielen. Er hat mit Stücken wie "Der Zikadenzüchter" oder "In den Augen eines Fremden" diverse Autoren-Preise gewonnen. Und fünf Jahre war er als Oberspielleiter und Regisseur in Heidelberg zudem für Repertoire und Ensemble eines deutschen Stadttheaters verantwortlich.
In diese Institution ist er nun auf Zeit zurückgekehrt, um ein rund 140 Jahre altes Stück aus Russland zu inszenieren, das seiner Meinung nach gut zur ostdeutschen Gegenwart passt. In "Tolles Geld" - dessen Autor Ostrowski nicht mit dem gleichnamigen Verfasser des ideologieschweren Romans "Wie der Stahl gehärtet wurde" zu verwechseln ist - geht es um das schöne Leben auf Pump, um das Anspruchsdenken zwischen den Generationen und die Abgründe der Finanzwelt. "Den Reiz des Stückes", sagt Wolfgang Maria Bauer, "kann man nicht in Worte fassen." Denn obwohl die Story eher marginal sei, würde sie durch knallharten Dialoge "unfasslich modern". Und natürlich gerate dabei auch die Realität vor Ort in den Blick.
Die endet nicht vor den Türen des Theaters, sondern setzt sich dahinter in verschärfter Form fort. Wenn Bauer sagt, dass er es sich "leisten kann, die Gage entgegenzunehmen", dann spricht nicht die Arroganz des Stars - sondern das Wissen um die soziale Wirklichkeit des Schauspielerberufs.
Wenn er einen Gast aus Berlin nach Dessau hole, dann wäre das für diesen ein Nullsummenspiel: Nach Abzug seiner Fahrt-, Wohn- und Lebenskosten bliebe unter dem Strich nichts mehr übrig. Und darum macht der 47-Jährige angesichts der kulturpolitischen Debatten einen ungewöhnlichen Vorschlag: Die deutschen Intendanten müssten sich auf einen Katalog verständigen, der das Existenzminimum eines Hauses festschreibt. Wenn die Politik diese Forderungen unterschreite, dürfte sich niemand mehr finden, der zu solchen Konditionen arbeitet. Nur so könne man die Deutungshoheit zurückgewinnen, anstatt die Kräfte in Abwehrkämpfen gegen die Kürzungspläne zu verschleißen. Dass das eine Utopie ist, räumt Bauer ein.
Warum er sich dennoch für Dessau entschieden hat? Weil ihn die Herausforderung reizt. Wolfgang Maria Bauer, der vor seiner Schauspielausbildung Philosophie, Germanistik und Theaterwissenschaft studierte, sucht das Gegengift zur Routine. Als er zum zehnten Mal eine Beerdigungsszene inszenierte und in einer Art Reflex schwarze Schirme bei der Requisite bestellte, hat er sich eine Regie-Pause verordnet. Auch heute weigert er sich, "den 23. Hamlet am Stadttheater zu machen". Aber Operette, Revue, Zirkus? Gern!
Für die Ruhrtriennale schreibt er gerade ein Auftragswerk, für den Deutschen Fußballbund wird der einstige A-Jugend-Spieler von 1860 München demnächst in Lateinamerika arbeiten - und in der Autoren-Nationalmannschaft kickt er neben Kollegen wie Moritz Rinke und Albert Ostermaier. Am Theater Bonn steht er in Ibsens "Hedda Gabler" derzeit auch wieder auf der Bühne - als Teamspieler, nicht als einsamer Star.
Wie bringt man all diese Begabungen unter einen Hut? Weist der Regisseur gelegentlich den Autor Bauer in die Schranken des Möglichen? Nein: "Wenn ich als Autor einen weißen Elefanten schreibe, dann will ich den auch haben." Und im übrigen würde er nie einen seiner eigenen Texte inszenieren wollen, sondern immer den fremden Blick auf das Eigene bevorzugen.
Dass eine solche Wahrnehmung den Schauspieler leicht auf das Klischee reduzieren kann, hat Bauer übrigens am eigenen Leib erfahren. Als man ihn für die "Siska"-Hauptrolle vorschlug, wurde die bei einem deutschen Fernseh-Kommissar nötige Seriosität in der ZDF-Redaktion angezweifelt: "Neben dem kann ja keiner bügeln." Dass man diesen Satz auch als Kompliment lesen kann, war den Bedenkenträgern wohl nicht bewusst.
Die Premiere von "Tolles Geld" findet am 21. Januar um 19.30 Uhr statt.
05.01.2011, 17:58 | tags:
Schauspiel
752
Pressemitteilung vom 5.1.2011
Keine Chance der Wintermüdigkeit – stark und leidenschaftlich: Das Schauspiel im Januar
Der Januar im Anhaltischen Theater steht ganz im Zeichen des Schauspiels.
Der machthungrige Universalverbrecher Mabuse löst Nathans Ringparabel ab. Einen Angriff auf die Lachmuskeln garantiert die Komödie „Tolles Geld oder Armut ist keine Schande“. Auch auf der Fahrt nach Legoland kommt der Humor in der Tragikkomödie „alter ford escort dunkelblau“ nicht zu kurz. In die fantastische Märchenwelt der „Feuerroten Blume“ entführt Sie zu guter Letzt im Januar noch einmal das Schauspielensemble des Anhaltischen Theaters.
Ab Freitag, 7. Januar um 19 Uhr ist die Inszenierung „Nathan der Weise“ von Gotthold Ephraim Lessing in der Regie von André Bücker wieder im Spielplan. Lessing widmete mit der Figur des Nathan seinem Freund, dem in Dessau geborenen Moses Mendelssohn, ein literarisches Denkmal. In der Inszenierung geht es um die Macht und den „wahren“ Glauben, und für den Juden Nathan, trotz Weisheit und allen Reichtums, um nicht weniger als ums Überleben, um sein eigenes und das seiner Tochter Recha. Übrigens auch ein zweiter Besuch lohnt, denn mit
der Wiederaufnahme gibt es zwei Umbesetzungen: In der Rolle der Recha ist die seit dem Sommer zum Ensemble gehörende Schauspielerin Katja Sieder zu sehen, die Rolle der Sittah übernimmt Susanne Hessel.
Weiterhin auf dem Spielplan steht „Doktor Mabuse “ (14. Januar, 19.30 Uhr im Großen Haus). Norbert Jacques erschuf 1919 mit dieser Figur den Prototyp des modernen, gewissenlosen und schließlich in den Wahnsinn driftenden Universalverbrechers. Die Inszenierung von André Bücker widmet sich dem faszinierenden Spiel mit der Macht und Mabuses unerfüllt bleibender Liebe.
Das Schauspiel „Doktor Mabuse“ und Andrea Moses Operninszenierung „Turandot“ können auch mit einem Kombi-Ticket gebucht werden. Lassen Sie sich an zwei Abenden zu einem packenden Spiel mit Menschen unserer Zeit verführen - zusammen für nur 26,- Euro auf allen Plätzen. Die Termine können beliebig kombiniert werden.
Gleich zwei Premieren laden im Januar das Publikum ins Theater ein.
Am Freitag, 21. Januar um 19.30 Uhr ist im Großen Haus Alexandr N. Ostrowskis Komödie „Tolles Geld oder Armut ist keine Schande“ zu sehen. Als Regisseur konnte Wolfgang Maria Bauer gewonnen werden, vor allem bekannt durch seine Rolle als Kriminalhauptkommissar Viktor Siska in der gleichnamigen Serie für das ZDF. Hier dreht sich alles mit Lust und Leid um die Topthemen unserer Tage: Das liebe Geld, menschliche Abgründe und die »Moral« der Finanzwelt.
Nur eine Woche später, am Freitag, 28. Januar um 19.30 Uhr lädt das Theater zur Premiere in das Studio des Alten Theaters ein. Der aus Schkeuditz stammende Autor Dirk Laucke erzählt mit „alter ford escort dunkelblau“ eine tragische und zugleich komische Geschichte über drei Männer in einem vergessenen Landstrich, die sich ihre Träume trotz aller Ausweglosigkeiten und Unbillen
des Alltag nicht nehmen lassen. Für dieses Stück wurde Dirk Laucke 2006 mit dem Kleist-Förderpreis für junge Dramatiker ausgezeichnet und 2007 bei einer Kritikerumfrage der Zeitschrift „Theater heute“ zum Nachwuchsautor des Jahres gewählt. Mit Christoph Sommerfeld wurde ein junger Regisseur ausgewählt, der mit seinem Dessauer Inszenierungsdebüt sein Studium der Theaterregie an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin abschließt.
Zum letzten Mal wird am Samstag, 22. Januar um 16 Uhr das Märchen „Die Feuerrote Blume“ zu sehen sein. In dem überaus bewegten und effektvollen Zaubermärchen für Groß und Klein geht es um die Kraft der Liebe und um den ewigen Kampf Gut gegen Böse geht. Die kleine Aljonuschka begibt sich auf eine aufregende Reise in ein verwunschenes Schloss, dessen Hausherr ihr die wahre Liebe unabhängig von Äußerlichkeiten zeigt. Währenddessen schmiedet in einem gespenstischen Zauberwald die Hexe Baba-Jaga mit ihren scheinbar furchteinflößenden Gesellen Schrati und Kiki einen eigenen Plan. Ein magisches Abenteuer für die ganze Familie!
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Abendkasse und unter: Theaterkasse Rathaus-
Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr; Theaterkasse - nur telefonisch
0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr; Mail: kasse@anhaltisches-theater.de.
Weitere Termine unter www.anhaltisches-theater.de.
21.12.2010, 19:11 | tags:
Schauspiel
, Musiktheater
744
Pressemitteilung vom 21.12.2010
Wiederaufnahmen im Januar
Gleich drei große Inszenierungen der vergangenen Spielzeit werden zu Beginn des neuen Jahres wieder in den Spielplan des Anhaltischen Theaters aufgenommen: „Die Stumme von Portici [La Muette de Portici]“, „Nathan der Weise“ und „Lohengrin“.
Mit André Bückers Inszenierung von Daniel-François-Esprit Aubers Revolutionsoper „Die Stumme von Portici [La Muette de Portici]“ kehrt eine der erfolgreichsten Opern des 19. Jahrhunderts am Sonntag, 2. Januar um 17 Uhr auf die Dessauer Opernbühne zurück.
Neben dem von Masaniello geführten Aufstand der Bürger Neapels gegen die spanischen Besatzer, steht die Liebesgeschichte seiner stummen Schwester Fenella mit dem Sohn des Vizekönigs Alphonse im Mittelpunkt der Handlung.
„Für André Bücker wurde seine emotionsgeladene Inszenierung unter der musikalischen Leitung von Antony Hermus und Chordirektor Helmut Sonne zu einem nicht nur musikalischen Triumph mit einem erstklassigen Sängerensemble, das keinen Vergleich mit großen Opernhäusern zu scheuen braucht. Packendes Musiktheater, das ungemein fesselt" - so Orpheus, Juli/August 2010.
Auch die begeistert aufgenommene Inszenierung „Nathan der Weise“ von Gotthold Ephraim Lessing in der Regie von André Bücker steht am Freitag, 7. Januar um 19 Uhr wieder auf dem Programm. Es geht um die Macht und den „wahren“ Glauben, und für den Juden Nathan, trotz Weisheit und allen Reichtums, um nicht weniger als ums Überleben, um sein eigenes und das seiner Tochter Recha.
„André Bücker glückt es auf überraschende Weise, den Humor des Lessing-Textes als Geschmacksverstärker für die Bitterkeit freizulegen, er schlägt in der überwältigenden Körperlichkeit seines Ensembles einen gleichermaßen natürlichen wie hohen Ton an – und läuft am Ende in einhellige Begeisterung“. - so Die Deutsche Bühne 11/2009
Mit „Lohengrin“, Wagners vermutlich populärster Oper, wurde im Musiktheater die 215. Spielzeit fulminant eröffnet und zieht seither Gäste aus ganz Deutschland nach Dessau. Am Samstag, 8. Januar um 16 Uhr wird die für den Theaterpreis „FAUST“ nominierte Lesart Andreas Moses’ im Großen Haus gezeigt. „Lohengrin“ ist ein Studie über die Undurchschaubarkeit einer durchmanipulierten Gesellschaft und der verbreiteten Sehnsucht nach einem machtvollen Führer.
„Wann hat man eine so kluge, lebendige Wagner-Aufführung zuletzt in Berlin erlebt? Dem Theater Dessau ist mit „Lohengrin" ein großer Wurf gelungen.“ – so der Tagesspiegel im Oktober 2009
Weitere Termine:
„Die Stumme von Portici [La Muette de Portici]“ am 16.01.2011, 17.00 Uhr; 26.02.2011, 17.00 Uhr; 17.03.2011, 16.00 Uhr; 22.04.2011, 17.00 Uhr;
„Nathan der Weise“ am 26.01.2011, 10.00 Uhr und am 01.03.2011, 10.00 Uhr;
„Lohengrin“ am 19.03.2011, 16.00 Uhr
Tickets und Informationen erhalten Sie unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 / 2400-258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr; Theaterkasse - nur telefonisch 0340 / 2511-333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr; Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
21.12.2010, 16:58 | tags:
Schauspiel
742
Pressemitteilung vom 21.12.2010
Premiere „alter ford escort dunkelblau“
Schauspiel von Dirk Laucke
Am Freitag, 28. Januar um 19.30 Uhr lädt das Anhaltische Theater Dessau zur Premiere „alter ford escort dunkelblau“ in das Studio des Alten Theaters ein.
Bislang lebten Boxer, Paul und Schorse das übliche Leben, arbeiteten in einem Getränkelager, bekamen ein Spottgeld und konnten jederzeit rausgeworfen werden. Jetzt aber haben sie die Schnauze voll von Zeitarbeitsfirmen, kaputten Familien und all dem Dreck im Mansfelder Land. Sie werden zu Kidnappern und treten die Flucht aus der Misere an. Ihr Ziel: LEGOLAND.
Der 1982 in Schkeuditz geborene Autor Dirk Laucke erzählt mit »alter ford escort dunkelblau« eine tragische und zugleich komische Geschichte über drei Männer in einem vergessenen Landstrich, die sich ihre Träume trotz aller Ausweglosigkeiten und Unbillen des Alltag nicht nehmen lassen.
Mit Christoph Sommerfeld wurde für „alter ford escort dunkelblau“ ein junger Regisseur ausgewählt, der mit seinem Dessauer Inszenierungsdebüt sein Studium der Theaterregie an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin abschließt. Für dieses Stück wurde Dirk Laucke 2006 mit dem Kleist-Förderpreis für junge Dramatiker ausgezeichnet und 2007 bei einer Kritikerumfrage der Zeitschrift „Theater heute“ zum Nachwuchsautor des Jahres gewählt.
„Die Dialoge seiner Drehbücher wirken authentisch, er trifft den Tonfall der Wirklichkeit, lakonisch, spröde aber gleichzeitig auch poetisch“ – so Susanne Burghardt, Deutschlandradio 2007.
Inszenierung: Christoph Sommerfeld; Ausstattung: Sophie du Vinage; Dramaturgie: Maria Viktoria Linke
Es spielen: Susanne Hessel (Karin), Jan Kersjes (Paul), Sebastian Müller-Stahl (Schorse), Matthieu Svetchine (Boxer)
Eine Kooperation mit der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch« Berlin.
Weitere Termine:
01.02.2011, 19.30 Uhr; 02.02.2011, 19.30 Uhr; 15.02.2011, 19.30 Uhr; 16.02.2011, 17.00 Uhr
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Theaterkasse im Rathaus-Center; Tel: 0340 / 2400-258 - Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr, an der Theaterkasse - nur telefonisch 0340 / 2511-333 - Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr, per Mail an kasse@anhaltisches-theater.de sowie an der Abendkasse.
17.12.2010, 15:43 | tags:
Schauspiel
737
Pressemitteilung vom 17.12.2010
Premiere „Tolles Geld oder Armut ist keine Schande“
Komödie von Alexandr N. Ostrowski aus dem Russischen von Ulrike Zemme
Am Freitag, 21. Januar um 19.30 Uhr lädt das Anhaltische Theater Dessau zur Premiere „Tolles Geld oder Armut ist keine Schande“ ins Große Haus ein.
Mit Alexandr N. Ostrowskis Komödie kommt in Zeiten finanzieller Krisen folgerichtig ein Stück zum »Glück« des Sparens auf die Bühne des Anhaltischen Theaters. Zwar 140 Jahre alt, ist der Stoff des bedeutenden russischen Autors Ostrowski noch immer hoch aktuell. Denn alles dreht sich mit Lust und Leid um die Topthemen unserer Tage: Das liebe Geld, die Abgründe des Menschen und die »Moral« der Finanzwelt.
Vasilkow stammt aus einer kleinen Provinzstadt, beherrscht wie kein Zweiter die Kunst des Geldvermehrens, wie die Kunst des Sparens und hat nur einen Makel, er ist noch nicht verheiratet. Angekommen in einer großen Metropole sucht er eine Frau und verliebt sich unsterblich in die junge Lydia. Doch diese Schönheit liebt allein den grenzenlosen Luxus und hält wenig von bodenständig, arbeitsamen Existenzen. Also braucht der verzweifelt Liebende Hilfe und findet sie bei einem dubiosen Menschenschlag, der sich in vielen Metropolen dieser Welt finden lässt und perfekt die Kunst des schönen Scheins und der Verschwendung beherrscht. So kommt es, dass sich die schöne Lydia, da gänzlich mittellos, doch noch auf Vasilkow einlässt. Aber bereits die Flitterwochen fallen den hohen Ansprüchen und noch höheren Schulden Lydias zum Opfer. Die Rechnungen stapeln sich, der Gatte wütet und die junge Ehefrau will verzweifelt in die Arme eines neuen Sponsors fliehen, doch da entpuppen sich alle vermeintlich reichen Lebemänner der Stadt als vollkommen bankrott. Lydia bleibt und ahnt schmerzvoll, dass Armut vielleicht doch keine Schande ist, zumindest wenn sie nicht lange währt. Und der Provinzler Vasilkow erfährt, dass anspruchsvolle Frauen und ein ausgeglichenes Budget niemals zu vereinbaren sind.
Regie führt Wolfgang Maria Bauer. Der 1963 in München geborene Schauspieler, Regisseur und Autor ist vor allem bekannt durch seine Rolle als Kriminalhauptkommissar Viktor Siska in der gleichnamigen Serie für das ZDF. Bauer studierte Philosophie, Germanistik und Theaterwissenschaft in München und Schauspiel in Stuttgart. 1990 wird er an das Bayerische Staatsschauspiel in München engagiert. Des Weiteren spielte Bauer am Burgtheater Wien, bei den Salzburger Festspielen, im Schauspielhaus Zürich und sorgte als Mercutio in „Romeo und Julia" (Regie: Leander Haussmann), Kasimir in „Kasimir und Karoline", Lancelot in „Merlin oder Das wüste Land", St. Just in „Dantons Tod“ schnell für Aufsehen. Neben diversen schauspielerischen Arbeiten für Kino und Fernsehen, ist er ein erfolgreicher Bühnenautor und verfasste u.a. die Stücke „Kirsche in Not", „Nanou", „In den Augen eines Fremden", „Wir hätten gewinnen müssen“ und erhielt verschiedene Preise u.a. den Dramatikerpreis des Deutschen Goethe-Instituts und den Bayerischen Kunstförderpreis für Literatur. Von 2000 bis 2005 war Wolfgang Maria Bauer Oberspielleiter am Theater Heidelberg und lebt heute als freischaffender Regisseur, Autor und Schauspieler in Berlin und München.
Inszenierung: Wolfgang Maria Bauer;
Bühne und Kostüme: Herbert Kapplmüller
Musik: Konstantin Bühler; Dramaturgie: Holger Kuhla
Es spielen: Katja Sieder, Christel Ortmann; Konstantin Bühler, Gerald Fiedler, Uwe Fischer, Hans-Jürgen Müller-Hohensee, Patrick Rupar, Karl Thiele
Weitere Termine:
23.01.2011, 17 Uhr; 29.01.2011, 17 Uhr ; 19.02.2011, 17 Uhr; 24.02.2011, 16 Uhr; 18.03.2011, 19.30 Uhr; 08.05.2011, 17 Uhr ; 27.05.2011, 19.30; 13.06.2011, 17 Uhr
17.12.2010, 08:25 | tags:
Schauspiel
736
Pressemitteilung vom 16.12.2010
„Carmen Kittel oder ich wünsch mir Sonnenstrand“
Am Mittwoch, 22. Dezember um 19.30 Uhr zeigt das Anhaltische Theater mit „Carmen Kittel oder ich wünsch mir Sonnenstrand“ das am häufigsten gespielte Stück des Dessauers Georg Seidel im Studio des Alten Theaters.
Erzählt wird die Geschichte einer jungen Frau (Ines Schiller), die im Heim aufwächst, sich verliebt und nur wenig später ungewollt schwanger wird. Als sie versucht das kleine Glück festzuhalten, indem sie gegen ihren eigenen Wunsch das Kind abtreiben lässt, erkennt sie, dass ihre Welt nun endgültig aus den Fugen geraten ist. Ihr Schicksal zeigt die Widerstände einer eingerichteten, einengenden Gesellschaft auf, die das Leben ihrer Bürger bis ins kleinste Detail vorplant.
Gemeinsam mit Dessauer Bürgern, die als Spiegelbilder der Darsteller mit auf der Bühne stehen, ist der Besucher eingeladen, sich anhand des Schicksals Carmen Kittels zu erinnern: An eigene schöne und traurige Geschichten und an die Zeiten, als wir von Sonnenstrand träumten...
„Seidels karg-sinnliche Sprache blüht gerade zu auf in dieser phantasievollen Inszenierung – so Hartmut Krug, nachtkritik, Mai 2010
Tickets und Informationen erhalten Sie unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400-258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr; Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511-333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr; Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
13.12.2010, 15:25 | tags:
Schauspiel
731
Helmut Rohm, Volksstimme, 13.12.2010
"Die Drei von der Tankstelle" feierte Premiere am Anhaltischen Theater Dessau
Gute-Freunde-Geschichte voller Ideen, Tempo, Satire und Kurzweil
Eine bejubelte Premiere erlebte am Sonnabendabend die musikalische Komödie "Die Drei von der Tankstelle" nach dem gleichnamigen UFA-Filmklassiker der 1930er Jahre von Sepp Tatzel auf der Studiobühne des Anhaltischen Theaters Dessau.
"Hallo, hier sind wir. Was kostet die Welt?" Noch amüsieren sich Leander, Rocco und Paul köstlich, als der mit einer (symbolischen) Kuckucksmaske verkleidete Dr. Kalmus ihnen erzählt, dass der amerikanische Finanzmogul Bernard Madoff wegen Anlagenbetrugs für 150 Jahre ins Gefängnis muss.
Totale Ernüchterung und Handlungsstarre erst, als die Freunde erfahren, dass ihre Anlagen bei Madoff lagen – und auch sie dadurch total pleite sind. Was nun? Traurig-pessimistisch klingt ihr Lied "Ein Freund, ein guter Freund...". Dann die zündende Idee, eine Tankstelle zu eröffnen. Wiederaufstieg nach oben!? Sie werden: "Die Drei von der Tankstelle". Ihr Lied klingt nun schon wieder optimistischer.
Durchaus gelungen setzen Regisseurin Maria Viktoria Linke und ihr Team die landläufig bekannte Story auf der relativ kleinen Studiobühne um. Modern im Stil einer großen Show in einem einfallsreich gestalteten wandelbaren Bühnenbild (Ausstattung Jelena Nagori/Samuel Hof). Mit Livemusik einer Drei-Mann-Combo (Ulf Steinhauer, Steffen Gräf, Sven Klette), beim Finale mit Trompetensoli von Arne Lagemann.
Und insbesondere mit ideen- und temporeichem, mitunter lautem Spiel und Gesang der Mimen. Pfiffige Regieeinfälle befördern die Handlung, Überzeichnungen und Überhöhungen sind gewollt. Komik, Satire und Tanz (Choreografie Joe Monaghan) par exellence. Machmal allerdings auch nahe am Nervigen.
Jan Kersjes (Leander), Thorsten Köhler (Rocco) und Matthiew Svetchine (Paul) geben den drei ganz verschiedenen Typen faszinierende Ausstrahlung. Sie präsentieren deren Gefühle mit jeder Faser ihres Körpers und höchster Kondition auf einem weitgeöffneten Stimmungstablett. Es läuft doch nicht so gut mit der Tankstelle.
Lilly bringt Unruhe in die Männerfreundschaft
Erst Lilly, von Susanne Hessel als etwas affektierte, reiche, mit erotischer Ausstrahlung versehene junge Frau, aber gleichwohl berührend rein liebend dargestellt, bringt Abwechslung, Hoffnung und insbesondere höchste Unruhe in die Männerfreundschaft.
Ihr Papa Benz greift ein. Bei ihrer getrennt lebenden Mama holt sie Rat. Wie ist die scheinbar verfahrene Geschichte ins Reine zu bringen? Stephan Korves präsentiert begeisternd sowohl Papa und Mama, zu Beginn auch Dr. Kalmus.
Im symbolischen Gewirr der Modellstraßen vor der großen Zapfsäule, von der eine lebensgroße Rühmann-Pappfigur grüßt, nimmt alles einen guten Verlauf. Lilly entscheidet sich letztendlich für einen. Kuss. "Ein Freund, ein guter Freund..." – Happy End, auch für die beiden anderen.
Viel Beifall und Bravos gibt es für flotte eindreiviertel Stunden kurzweiliger Unterhaltung.
Die nächsten Aufführungen sind am Freitag und Sonnabend, dem 17. und 18. Dezember, jeweils um 19.30 Uhr.
13.12.2010, 12:37 | tags:
Schauspiel
, Pressestimmen
728
Wolf - D. Kröning, Bild, 13.12.2010
„Die Drei von der Tankstelle“
Dessaus Klamauk-Show
Da ist er ja wieder, der gute alte DDR-Geruch! Im Alten Theater, einem Neubau mit Kita- Feeling, hat man offenbar Wofasept ins Wischwasser gekippt, anders ist das Fluidum schwer hinzukriegen.
Klamauk in Dessau: „Die Drei von der Tankstelle" - nach dem Film-Klassiker von 1930 - als rasante Comedyshow: ein echter Brüller! Silvester kommste nich mehr rin.
Die Premiere ging schon mal gut los: Es wurden mehr Karten verkauft als Plätze vorhanden. Da hieß es: nix wie rein! Zig Zuschauer drängelten sich unerlaubt über den Personaleingang hinauf in den Saal – die Garderobiere wurde bleich vor Entsetzen.
Die Stimmung: prächtig! Ein großer Autovermieter (den Namen sag ich nicht) hatte 14 Mitarbeiter ins Theater geschickt; einige von ihnen hatten sich auf dem Weihnachtsmarkt heftigst Mut angetrunken. Man winkte sich zu („Huhu, hier sitz ich!") und versuchte, den Schauspielern mit dazwischengeblökten Tipps hilfreich zu sein - als wäre man in einer Mitmach-Show.
Was so ganz abwegig nicht ist. Regisseurin & Comedy-Fan Maria Linke machte aus der an sich rührenden Komödie eine rohe Klamaukveranstaltung - angeschickert ist die Gaudi um so größer. Die spucken sich sogar an, auf der Bühne, haha!
Susanne Hessel als Babydoll in Hotpants - der Knaller, auch wenn sie nicht singen kann! Stephan Korves als Riesen-Mutti mit ausgestopftem BH? Einfach supa! Und dass Jan Kersjes, Thorsten Köhler und Matthieu Svetchine sich wie besessen abrackern, das imponiert!
Die schönen Songs („Ein Freund, ein guter Freund", „Erst kommt ein großes Fragezeichen , „Liebling, mein Herz lässt Dich grüßen") werden so gefühllos heruntergeschmettert, wie's sich für Comedy gehört. Nichts greift hier ans Herz - soll's ja aber auch nicht. Spaß will man haben!
13.12.2010, 12:14 | tags:
Schauspiel
727
Pressemitteilung vom 13.12.2010
„Die Drei von der Tankstelle“
Am Freitag, 17. Dezember um 19.30 Uhr zeigt das Anhaltische Theater Dessau Sepp Tatzels Komödie „Die Drei von der Tankstelle“ nach einem Ufa-Filmklassiker. Die zur Premiere vom Publikum begeistert aufgenommene Komödie der 30er Jahre mit einer großartigen Live-Band (Los Banditos, Jena), bringt die Geschichte einer Männerfreundschaft mit viel Tanz und Gesang auf die Bühne.
Drei junge Männer werden von der Krise voll erwischt und sind über Nacht pleite. Überall hängt der Kuckuck und die Konten sind gepfändet. Aber ein Freund bleibt immer ein Freund, auch wenn die Welt zusammenfällt: Die Drei verkaufen ihr Auto und pachten sich eine Tankstelle. Nachdem das Geschäft anfangs jedoch kläglich anläuft, taucht die kecke, attraktive und vermögende Lilly auf, die schnell allen Dreien den Kopf verdreht. Das bedeutet Krach und die Männerfreundschaft gerät mächtig ins Wanken.
Dieser Theaterabend bleibt nicht in der Krise stecken, sondern macht sich auf, zu beweisen, dass man mit Witz, ein wenig Liebe und viel guter Musik auch das tiefste Jammertal überleben kann!
Mit: Susanne Hessel, Jan Kersjes, Thorsten Köhler, Matthieu Svetchine, Stephan Korves
Musiker: Ulf Steinhauer, Steffen Gräf, Sven Klette
Weitere Vorstellungen: 18.12.2010, 19.30 Uhr; 25.12.2010, 19.30 Uhr; 31.12.2010, 20.00 Uhr – bereits AUSVERKAUFT!; 17.02.2011, 19.30 Uhr; 18.02.2011, 19.30 Uhr
Tickets und Informationen erhalten Sie unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 / 2400 258 Montag bis Samstag 9.30 bis 20 Uhr; Theaterkasse - nur telefonisch 0340 / 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr; Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
12.12.2010, 20:27 | tags:
Schauspiel
726
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 13.12.2010
Heitere Herrenpartie
Was sagt es eigentlich über den Gang der Geschichte, wenn eine Ufa-Operette aus dem Jahr 1930 nach acht Jahrzehnten noch immer aktuell ist? Wenn man mit süßen Liedern wie "Erst kommt ein großes Fragezeichen" oder "Liebling, mein Herz lässt Dich grüßen" schon wieder die bittere Realität von Banken-Crash und Arbeitslosigkeit übertönen muss?
In Sepp Tatzels Bühnen-Bearbeitung des Film-Klassikers "Die Drei von der Tankstelle" sind jedenfalls nur wenige Stellschrauben zu justieren, um sie aus der Weltwirtschaftskrise in der Zeit der Weimarer Republik in die deutsche Gegenwart zu verlegen. Dass man das Gewinde im Alten Theater Dessau nun gelegentlich ein wenig überdreht, ändert nichts am vergnüglichen Ausgang des Premierenabends.
Die Herren Willy, Kurt und Hans, die im Nachkriegs-Remake auf die Namen Peter, Robert und Fritz umgetauft worden waren, heißen hier Leander, Rocco und Paul - aber pleite sind sie nach ihrer einjährigen Lustreise erneut. Der Gerichtsvollzieher zerschneidet mit ihren Kreditkarten den Lebensfaden, lediglich der Bentley ist ihnen noch geblieben und liefert das Startkapital für die Wir-AG an der Ausfallstraße. Aber ist es in diesen Zeiten wirklich eine gute Idee, noch eine weitere Tankstelle zu errichten? Von einer einzigen Stammkundin, die noch dazu ziemlich kapriziös zu sein scheint, können drei Männer auf Dauer jedenfalls nicht leben.
Jelena Nagorni und Samuel Hof haben der Regisseurin Maria Viktoria Linke ein Bühnenbild gebaut, das sich mit wenigen Handgriffen zur Carrera-Rennbahn aufklappen lässt. Links steigen die Literpreise, rechts steht die Sperrholz-Zapfsäule, in der Mitte spannt sich ein Looping zum Show-Fenster vor dem gemalten Großstadt-Panorama. Dass sich zwischen den Fahrspuren Abgründe auftun, hilft beim szenischen Zuschnitt der wechselnden Schauplätze, in der Südkurve wahrt die Combo mit Ulf Steinhauer, Steffen Gräf und Sven Klette den Überblick. Es ist ein Raum, der die Autonomie des Theaters behauptet - und damit ideale Bedingungen für das Triumvirat der Hauptdarsteller schafft. Namentlich Jan Kersjes und Thorsten Köhler haben sich in Dessau mit ihrer eigenen Kino-Reihe "Trash am Montag" längst einen Ruf als Cineasten erspielt und zugleich ihre Begabung zur Improvisation bewiesen. In zwei großen Monologen
dürfen sie nun das Stück an die Rampe und ins Heute ziehen - mit absurden Spekulationen über den Geschäftssinn oder über die Sozialromantik von Ein-Euro-Jobs. Dass man den Abend damit freilich auch angreifbar macht, wenn allzu glühweinselige Zuschauer die Aufforderung zur Interaktion wörtlich nehmen, war bei der Premiere nicht zu übersehen. Es spricht aber für die Souveränität des eingespielten Duos, dass sie selbst absurdeste Zwischenrufe auffangen und spontan in Spielmaterial umwandeln können.
Zwischen diesen beiden Irrlichtern ist Matthieu Svetchine der liebenswerte Verlierer, der zunächst die Nieten und am Ende doch den Hauptgewinn zieht - in Gestalt von Lilly, die mit hohem Rocksaum und tiefem Ausschnitt in sein Leben tritt. Susanne Hessel ist in ihrer verführerischen Frechheit die perfekte Herzensbrecherin, die auch ihren schlaksigen Eltern (Stephan Korves in zwei seiner fünf Rollen) mühelos über den Kopf wächst. Und dass alle Darsteller nicht nur die zartbittere Süße der Songs von Robert Gilbert und Werner Richard Heymann treffen, sondern in Joe Monaghan auch noch einen Choreografen mit großem Feingefühl für ihre tänzerischen Möglichkeiten gefunden haben, lässt die Revue-Elemente zu wirklichen Höhepunkten werden. Da braucht sich keiner hinter dem Pappkameraden mit dem Konterfei von Heinz Rühmann zu verstecken, der am Zapfhahn die Stellung hält - selbst wenn Kersjes den gut geölten Ton des Zelluloid-Zeitalters besonders treffend imitiert.
Dass es zwischendurch manchmal nach Mariachi und Spaghetti-Western klingt, mag man als Verweis auf den Fortschritt der Filmgeschichte und die Globalisierung des Petroleumhandels verstehen. Doch noch immer zieht sich durch die Geschichte, die nie mehr als Vorwand für eine heitere Herrenpartie war, das alte Leitmotiv: "Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Beste, was es gibt auf der Welt".
Nächste Vorstellungen: 17., 18. und 25. Dezember, jeweils 19.30 Uhr
10.12.2010, 12:52 | tags:
Schauspiel
725
Pressemitteilung vom 10.12.2010
„Milarepa“ zum letzten Mal im Bauhaus
Zum letzten Mal ist die Inszenierung „Milarepa“ am Donnerstag, 16. Dezember um 20.00 Uhr im Bauhaus zu sehen. Die Vorstellung wird auch als Bauhaus-Theater-Special in Kombination mit einer besonderen Führung durch das Bauhaus angeboten, die um 19.00 Uhr beginnt.
Das Stück des französischen Kult-Autors Eric-Emmanuel Schmitt, inszeniert von Andrea Moses, präsentiert der Schauspieler Uwe Fischer an einem sehr ungewöhnlichen Ort: im ehemaligen Heizungskeller des Bauhaus Dessau.
Fischer nimmt sein Publikum mit auf eine faszinierende Reise durch Zeit und Raum und entführt diese in für europäische Augen ungewöhnliche Bilderwelten.
In seiner Trilogie des Unsichtbaren, welcher der Text über Milarepa entstammt, sucht der Autor nach dem humanen und also gemeinsamen Kern in Buddhismus, Judentum, Islam und Christentum. „Jede Religion“, sagt Schmitt, „setzt sich mit dem Wesentlichen auseinander: der Schwierigkeit, ein Mensch zu sein.“ Diese Schwierigkeit zu meistern, bedarf es immer wieder eines Nirgendortes in unserer Phantasie, eines Vor-Bildes! Ein in diesem Sinne ermutigtes Publikum zu hinterlassen, Besseres möchte dieser Theaterabend nicht leisten.
Die Karten sind für 12 Euro / ermäßigt 10 Euro (statt: 18,50 Euro/ 14,50 Euro ermäßigt für Vorstellung und Führung!) an der Abendkasse im Bauhaus und über die Theaterkassen erhältlich.
Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über die Theaterkasse - nur telefonisch - 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr; Mail: kasse@anhaltisches-theater.de.
10.12.2010, 12:08 | tags:
Schauspiel
724
Pressemitteilung vom 10.12.2010
„Der letzte Einruf!!! [Folge 5] Die Fledermaus
Am Dienstag, 14. Dezember um 19.30 Uhr ist Kult-Inspizient Leo Polte VIII. ein weiteres Mal mit der Folge „Der letzte Einruf!!!“ im Foyer des Alten Theaters zu erleben. In seiner fünften Folge, widmet er sich unter anderem der Operette „Die Fledermaus“, schlägt ein neues Kapitel der Chronik seiner großen Familie auf und fördert damit überraschende Wahrheiten über die Geschichte des Dessauer Theaters zu Tage. So erfahren wir u.a., was Batman mit dem Theaterbrand 1922 zu tun hatte und warum Leo IV. trotz aller Umsicht „so nah am Feuer“ war.
Doch Leo Polte VIII. wäre nicht er selbst, wenn er es dabei belassen würde ... sein analytischer Blick geht natürlich über den Tellerrand des Theaters hinaus und beleuchtet auch Phänomene des Alltags von einer neuen Seite wie etwa das kräftige An-die-Wand-Werfen von grünen Amphibien.
Ein „überaus ernster“ Abend mit Gerald Fiedler, einem Überraschungsgast und viel Musik.
Am Klavier: Stefan Neubert
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de und auch an der Abendkasse.
09.12.2010, 11:59 | tags:
Schauspiel
722
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 9.12.2010
Grelle Fröhlichkeit übertönt die Mordlust
André Bücker inszenierte in Mannheim den Dürrenmatt-Klassiker "Der Besuch der alten Dame".
Sechs Buchstaben sind es, die Zeugnis über ihre Bewohner ablegen: "Güllen" steht in fetten Lettern am Bahnhof der Stadt, Worte wie "Gun" oder "Lügen" kann man mühelos daraus scrabbeln. Und weil Letztere in der Welt sind, braucht man Ersteres, wenn man den Aufschwung herbeiführen will. Eine Milliarde immerhin hat Claire Zachanassian ihrem einstigen Heimatort versprochen, wenn sich jemand findet, der ihren einstigen Geliebten Alfred Ill zum Tode befördert .
"Der Besuch der Alten Dame" ist bereits das zweite Stück von Friedrich Dürrenmatt, das Dessaus Generalintendant André Bücker als Gast am Nationaltheater Mannheim inszeniert hat. Und nachdem "Die Physiker" dort bereits in der dritten Saison laufen, dürfte auch dieser bitterbösen Komödie nun ein langes Leben beschieden sein. Schließlich holt der Regisseur mit seinem Ausstatter Jan Steigert - der am Anhaltischen Theater zuletzt das Bühnenbild für "Die Stumme von Portici" entwarf - das komische Lehrstück aus der papiernen Vergangenheit in eine höchst lebendige Gegenwart, ohne die Geschichte oder ihre Figuren dabei zu verraten.
Bücker verknappt einerseits das vielköpfige Personal, um andererseits mit Masse aufzutrumpfen: Nachdem er die Zahl der potenziell Verdächtigen auf Ills Familie, die Ärztin, den Pfarrer, den Polizisten, den Lehrer und den Bürgermeister reduziert hat, stellt er ihnen einen Kinderchor und einen Fanfarenzug zur Seite. So lässt sich eine grelle Fröhlichkeit begründen, die zum Übertönen von Todesangst wie von Mordlust taugt. Und auch dem Text bekommen einige Aktualisierungen gut, die den ersehnten Luxus an heutigen Maßstäben ausrichten.
Ansonsten aber wird die Geschichte erstaunlich werktreu erzählt - und erweist sich dank eines gut aufgestellten Ensembles als überraschend haltbar. Dass Bücker die Buchstaben des Stadtnamens dabei zu immer neuen Konstellationen formt, in denen die Jagd auf Claires schwarzen Panther so effektvoll in Szene gesetzt werden kann wie die aberwitzig komische Ansprache des Stadtoberhaupts oder der Waldspaziergang des einstigen Liebespaars, gibt der Inszenierung Rhythmus und Tempo.
Fast möchte man bedauern, dass sich der Regisseur nun bereits an diesem Stück abgearbeitet hat, das in der kommenden Saison auch auf dem Dessauer Spielplan im Anhaltischen Theater stehen wird.
09.12.2010, 11:50 | tags:
Schauspiel
721
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 9.12.2010
Ein Hoch auf die guten Kumpels
Der Liter Diesel kostet 53 Cent, Super gibt es für 2,85 Euro. Um diese Tankstelle macht man mit seinem Benziner lieber einen ganz großen Bogen. Wenn man aber weiblich, jung und hübsch ist und zudem nicht auf den Pfennig sehen muss, dann lohnt sich unter Umständen ein Stopp an der Zapfsäule. Gleich drei Herren sind hier Tankwart. Ganz Deutschland kennt sie als "Die Drei von der Tankstelle" und hat dabei wahlweise vor allem die Verfilmungen von 1930 und 1955 vor Augen. Heinz Rühmann, Willy Fritsch, Kurt Gerron und natürlich Lilian Harvey sah man, später dann noch einmal Fritsch und Walter Giller.
In Dessau heißt das Männer-Trio Jan Kersjes, Thorsten Köhler und Matthieu Svetchine. Die junge Dame mit Geld und flottem roten Flitzer, die allen den Kopf verwirrt, ist Susanne Hessel. Noch am Montag kommen die Schauspieler des Anhaltischen Theaters auf der Studiobühne im Alten Theater ins Schwitzen und außer Puste. Ein wahrer Trainingsmeister hat sich des kleinen Ensembles, das Stephan Korves gleich in mehreren Rollen komplettiert, angenommen. Auf der Probe für die musikalische Komödie kann sich Regisseurin Maria Linke ein wenig zurück lehnen und ihr Feld einem anderen überlassen. Tänzer Joe Monaghan ist an diesem Nachmittag mit dabei und fordert das Quintett in mancherlei Hinsicht. Er lässt die Schauspieler tanzen - paarweise, in der Gruppe, in Reihe oder durcheinander. Er macht aus den Fünfen eine Handclap-Band und singen müssen sie auch noch. Der Choreograph verlangt viel. Perfekt sein muss alles am Samstagabend, denn dann hat die Komödie "Die Drei von der Tankstelle" um 19.30 Uhr Premiere auf der Studiobühne. Diese Vorstellung wie auch jene an Silvester sind längst ausverkauft.
"Joe nimmt sie richtig an die Kandare", findet auch Regisseurin Maria Linke, die das Dessauer Publikum bislang eher aus der Dramaturgie des Theaters und von den Funk-Projekten kannte. Diese Komödie wird die erste Regiearbeit der jungen Frau sein. "Als Regisseur hat man nicht mehr die Außensicht, wie der Dramaturg", sagt Linke, die sich Hausregisseurin Andrea Moses als Mentorin versichern konnte. "Man staunt am Ende, wie viele Faktoren zusammen spielen, gewinnt einen völlig anderen Blick."
Mit der musikalischen Komödie, reichlich gespickt mit Evergreens, die jeder im Ohr hat, hat sich Linke nicht gerade das leichteste Genre vorgenommen. "Man muss das Stück und seinen Konflikt natürlich ernst nehmen", findet sie und wünscht, dass sich das Publikum im besten Fall intelligent unterhalten fühlt. Aufgeboten wird dafür eine ganze Menge. Allein fünf große Tanz- und Gesangsnummern, dazu das Finale bestimmen die Inszenierung. Für die Musik sorgen die Musiker von Los Banditos, einer Jenaer Band, die die Stücke für ihre Besetzung arrangierte und im Finale auch den eigenen südamerikanischen Sound durchklingen lässt, wenn das Hohelied auf die Männerfreundschaft gesungen wird.
"Ein Freund, ein guter Freund" - das Lied kennt man aus dem Film. "Auch für mich ist die Jungsfreundschaft zentral", erklärt Maria Linke. Uns so muss sich auch Susanne Hessels Lilly bei der Probe immer wieder zwischen die Kerle drängeln, um nicht vergessen zu werden. Der Kumpel ist eben doch "das Beste, was es gibt auf der Welt". Lilly hat immerhin noch ihren roten Flitzer, der ab Sonnabend seine Runden auf der Studiobühne des Alten Theaters drehen wird. Übrigens nicht mit Benzin oder Diesel sondern mit Batterien.
24.11.2010, 16:49 | tags:
Schauspiel
694
Pressemitteilung vom 24.11.2010
Premiere „Die Drei von der Tankstelle“
Komödie von Sepp Tatzel nach einem Ufa-Filmklassiker von Franz Schulz & Paul Frank
Musik: Werner Richard Heymann / Liedtexte: Robert Gilbert
Am Samstag, 11. Dezember um 19.30 Uhr lädt das Anhaltische Theater zur Premiere „Die Drei von der Tankstelle“ in das Studio des Alten Theaters ein.
Mit ihrer ersten Regie bringt Maria Viktoria Linke diese Komödie der 30er Jahre mit einer großartigen Live-Band (Los Banditos, Jena), Tanz und Gesang auf die Bühne.
Leander, Rocco und Paul werden von der Krise voll erwischt und sind über Nacht pleite. Überall hängt der Kuckuck und die Konten sind gepfändet. Aber ein Freund bleibt immer ein Freund, auch wenn die Welt zusammenfällt: Die Drei verkaufen ihr Auto und pachten sich eine Tankstelle. Nachdem das Geschäft anfangs jedoch kläglich anläuft, taucht die attraktive und vermögende Lilly auf, die schnell allen Dreien den Kopf verdreht. Das bedeutet Krach und die Männerfreundschaft gerät mächtig ins Wanken.
Dieser Theaterabend bleibt nicht in der Krise stecken, sondern macht sich auf, zu beweisen, dass man mit Witz, ein wenig Liebe und viel guter Musik auch das tiefste Jammertal überleben kann!
Inszenierung: Maria Viktoria Linke; Mentorin: Andrea Moses
Ausstattung: Jelena Nagorni/Samuel Hof
Musikalische Leitung: Ulf Steinhauer
Choreografie: Joe Monaghan; Dramaturgie: Holger Kuhla
Mit: Susanne Hessel, Jan Kersjes, Thorsten Köhler, Matthieu Svetchine, Stephan Korves
Musiker: Ulf Steinhauer, Steffen Gräf, Sven Klette
Die Premiere am 11. Dezember und die Vorstellung am 31.12.2010 sind bereits ausverkauft.
Weitere Vorstellungen: 17.12.2010, 19.30 Uhr; 18.12.2010, 19.30 Uhr; 25.12.2010, 19.30 Uhr; 31.12.2010, 20.00 Uhr; 17.02.2011, 19.30 Uhr; 18.02.2011, 19.30 Uhr
Tickets und Informationen erhalten Sie unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 / 2400 258 Montag bis Samstag 9.30 bis 20 Uhr; Theaterkasse - nur telefonisch 0340 / 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr; Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
Motiv: Claudia Heysel
0332: Jan Kersjes, Matthieu Svetchine, Thorsten Köhler, Susanne Hessel
0340: Jan Kersjes, Matthieu Svetchine, Thorsten Köhler, Susanne Hessel
23.11.2010, 11:54 | tags:
Schauspiel
, Diverses
689
Thomas Schaarschmidt, Mitteldeutsche Zeitung, 19.11.2010
Bühne frei für die Kleinkunst
KIEZ „Trash am Montag" und „Poetry Slam" beleben Ruf des Kiez in der Dessauer Bertolt -Brecht -Straße wieder neu. Dichterwettstreit geht Samstag in die dritte Runde.
Der Hilferuf wurde über Facebook gesandt. „Bitte, bitte", stand auf der Profilseite des Kiez-Kinos in dem Internet-Netzwerk geschrieben, „beim nächsten Trash am Montag dürfen maximal 49 Leute kommen - der Programmmacher will auch mal mitschauen."
Denn Thomas Steinberg musste am Montagabend draußen bleiben. Zu viele Interessenten hatte die zweite Auflage des Film- und Eventspektakels „Trash am Montag" angezogen. Erneut kommentierten die beiden "Kritiker" Pit Rutten und Serge Pocken mit Ed Woods "Plan 9 from Outer Space" einen Meilenstein des schlechten Filmgeschmacks und sorgten damit für ein ausverkauftes Haus. Und für Freude bei den Organisatoren. „Ich glaube, das Geheimnis ist,
dass wir in dieser Reihe Filme zeigen, deren Spaß potenzial sich erst erschließt, wenn man sie gemeinsam schaut", mutmaßt Steinberg, den vor allem eine Tatsache begeistert. „Die Liste mit weiteren potenziellen Trash-Filmen ist unfassbar lang."
Nächster „Trash" am 13. Dezember
Und so dürfte auch bei der nächsten Auflage der Reihe am 13. Dezember - gezeigt wird dann Rosa von Praunheims „Die Bettwurst" - großer Andrang im Kiez herrschen. Das Haus ist in den vergangenen Wochen wieder mehr in den Blickwinkel der Kleinkunst geraten.
Denn neben der Kinoreihe ist es den Machern im Hause auch gelungen, nach vielen Jahren der Abstinenz den „Poetry Slam" wieder neu zu etablieren. Die ersten beiden Veranstaltungen im September und Oktober verblüfften Organisatoren wie Teilnehmer gleichermaßen. „Man muss lange suchen, um einen Ort zu finden, an dem sich ein Poetry Slam so schnell in dieser Qualität etabliert hat", gibt Moderator Tom Schildhauer zu.
Und so fiel es dem früheren Dessauer auch nicht schwer, für die dritte Auflage an diesem Sonnabend (Beginn 21 Uhr) erneut ein erlesenes Feld von „Slammern" zusammenzustellen. Sechs Minuten haben die insgesamt acht Teilnehmer wieder Zeit, mit ihren Texten das Publikum zu begeistern.
Mit dabei sein wird auch Brian Borgwardt - der Sieger des September-Slams. Die Konkurrenz aber scheint übermächtig. Mit dem Detmolder Marc-Oliver Schuster präsentiert sich ein Dichter, der in der Szene längst nur noch „Katze“ genannt wird - in seiner bisherigen Karriere räumte er fast ausnahmslos mit Texten über dieses Tier Siege und Trophäen ab. Die Dortmunderin Laura Reichel moderiert in ihrer Heimat den „POTTery Slam“ und nahm in diesem Jahr an den deutschsprachigen Slam-Meisterschaften teil.
Dessauer gesucht
Besonderes Augenmerk aber legt Tom Schildhauer auch bei der dritten Auflage auf regionale Künstler. „Mit Bernadelli ist ja bereits ein Dessauer dabei, aber wir hoffen natürlich, dass sich auch dieses Mal wieder der eine oder andere Einheimische findet, der sich spontan am Abend entscheidet, mitzumachen." Erlaubt ist alles, was aus der eigenen Feder stammt. Das kann witzig, lustig, aber auch traurig oder nachdenklich sein. Vielleicht sogar etwas „trashig".
19.11.2010, 15:39 | tags:
Schauspiel
686
Pressemitteilung vom 19.11.2010
Zusätzliche Familienvorstellung „Die Feuerrote Blume“
Aufgrund der großen Nachfrage und dem Erfolg des Weihnachtsmärchens „Die Feuerrote Blume“ zeigt das Anhaltische Theater diese Inszenierung als Familienvorstellung am Freitag, 3. Dezember um 19.30 Uhr an Stelle der Inszenierung „Die Familie Schroffenstein“ im Großen Haus. Für diese Familienvorstellung am Abend hält das Anhaltische Theater ein besonderes Ticketangebot bereit: Dem ersten Kind wird freier Eintritt gewährt in Begleitung mindestens eines Erwachsenen. Alle weiteren Kinder, die nicht die eigenen sein müssen, erhalten ein Ticket für nur 5,- Euro, gültig in allen Preiskategorien.
Regisseur Jörg Steinberg bringt mit der Inszenierung für Groß und Klein ein überaus bewegtes und effektvolles Zaubermärchen auf die Bühne in dem es um die Kraft der Liebe und um den ewigen Kampf Gut gegen Böse geht. Die kleine Aljonuschka begibt sich auf eine aufregende Reise in ein verwunschenes Schloss, dessen Hausherr ihr die wahre Liebe unabhängig von Äußerlichkeiten zeigt. Währenddessen schmiedet in einem gespenstischen Zauberwald die Hexe Baba-Jaga mit ihren scheinbar furchteinflößenden Gesellen Schrati und Kiki einen eigenen Plan. Ein magisches Abenteuer für die ganze Familie!
Weitere Termine unter www.anhaltisches-theater.de.
17.11.2010, 11:06 | tags:
Schauspiel
682
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 17.11.2010
Im Zauberwald kracht und pufft es reichlich
"Mmh, das riecht nach Silvester", sagt ein Junge. Ein duftender Vorgeschmack auf die Böller und Kracher legt sich über den Zuschauerraum des Anhaltischen Theaters. Es kracht und pufft, qualmt und stinkt. Doch nicht der Jahreswechsel schickt da seine Zeichen voraus: Die Pyrotechniker leben im Zauberwald. Der ist eine wahre Fundgrube für Effekte und ebensolcher bedient sich die neue Märchenproduktion der Dessauer Bühne reichlich. Am Dienstag ließ dort Regisseur Jörg Steinberg "Die feuerrote Blume", ein russisches Märchen, erblühen.
Idyllisch beginnt die Szene am Haus des Kaufmanns (Karl Thiele). Da spielen und zanken die Schwestern Kapa (Silke Wallstein) und Fissa (Christel Ortmann). Und Aljonuschka (Eva-Marianne Berger), die Jüngste im Trio, hält sich als schwärmerisches Heimchen am Spinnrad aus allem raus. Kaum, dass sie ein Ohr hat für Knecht Anton (Patrick Rupar), den Möchtegerndraufgänger und Prahlhans. "Stilles Sternchen" nennt der Vater sein kleines Fräulein Sorge, das den Kaufmann nur ja gesund wieder daheim sehen möchte, wenn seine große Reise endet.
Dass diese nicht ohne Komplikationen verläuft, bietet Stoff für eine aktionsreiche Auslegung, für die Jörg Steinberg zuallererst den Zauberwald auserkoren hat. Dort hofft der Kaufmann jene feuerrote Blume zu finden, die sich Aljonuschka wünscht. Doch die Blume steht nicht allein im Wald. Da haust auch der hinkebeinige Waldschrat des Boris Malré und die schreckhafte Moorhexe von Hans-Jürgen Müller-Hohensee, die beide vor allem die Herrin des Waldes fürchten. Mit knatterndem Motorengeräusch kündigt sie sich an, saust im Kessel vom Himmel herab: Baba-Jaga. Aus ihrer Suppenkelle schießen Funken und ganz von selbst dreht sich das Küchenutensil im Topf. So viel Magie lässt die kleinen Zuschauer vor Lust und Freude kreischen und brüllen.
Im Schloss des Ungeheuers, dem Hüter der Blume, die Vater pflückt und den Aljonuschka auslöst, um seinen Tod abzuwenden, geht es nicht minder magisch zu. Tische rollen herein, Tischdecken entschweben, Türen öffnen und schließen sich von Zauberhand. Dass er die Mittel des Theaters nicht nutzt, kann man dem Regisseur fürwahr nicht vorwerfen. Mit den lautstarken Beifalls- oder Unmutsbekundungen des jungen Publikums müssen indes die Schauspieler umgehen und sie tun dies dank verstärkter Stimmen souverän, wenngleich nach der Pause Schreie auch auf der Bühne die Oberhand gewinnen.
Da fällt es dann schwer, wieder Konzentration für die leiseren Momente der Inszenierung zu gewinnen. Beispielsweise, wenn die in eine wunderschöne Taube verwandelte Pflegemutter Njanja (Inka Arlt) ihrem Schützling Aljonuschka im Schloss des Ungeheuers Gesellschaft leistet und gurrend durch den Saal läuft. Oder wenn das kurze Wiedersehen mit dem Vater im Streit der Schwestern untergeht. Zwar ist es eine Freude zu sehen, wie sich Kapa und Fissa prügeln und die Tontechniker dazu die Geräuschkulisse liefern. Zuweilen aber wäre etwas Ruhe gut gewesen, auch um die atmosphärische Musik wirken zu lassen, die Schauspieler Jan Kersjes für das Stück lieferte.
Den Kindern freilich gefällt die Action im Bühnenbild von Tilo Steffens. Der vermeidet jede Folklore, ohne jedoch den märchenhaften Charakter zu leugnen, er lässt Bäume laufen, Waldgeister schweben und das Kaufmanns-Boot im Sturm segeln. Kaum vorstellbar, dass Kinder ähnlich begeistert vor einer Kinoleinwand sitzen. Aber da riecht es ja auch - noch - nicht nach Silvester und das glückliche Paar - Aljonuschkas Ungeheuer (Patrick Rupar) verwandelt sich natürlich noch in einen jungen Mann und Baba-Jaga unterliegt im Kampf mit Njanja - winkt beim Applaus nicht zurück ins Publikum.
Weitere Vorstellungen ab dem 1. Dezember fast täglich. Vorstellungstermine im Internet unter www.anhaltisches-theater.de
17.11.2010, 10:50 | tags:
Schauspiel
681
Helmut Rohm, Volksstimme, 17.11.2010
Märchen "Die feuerrote Blume" hatte am Anhaltischen Theater Dessau Premiere
Stürmische Reise in einen geheimnisvollen Zauberwald
Mit dem Schlussgesang "Wenn die rote Blume blüht ..." setzen auch der stürmische Beifall, das Füßetrampeln, Bravo- und Zugaberufe ein. Gestern Vormittag hatte im ausverkauften Großen Haus des Anhaltischen Theaters Dessau das Märchen "Die feuerrote Blume" Premiere.
Diese spannende Dessauer Inszenierung von Jörg Steinberg erfüllt wahrhaft alle Prämissen, ein wunderbares Märchen genannt zu werden. Es spricht alle Sinne der vor allem jungen Premierengäste an – mit allem Drum und Dran, was Bühnentechnik, was Pyrotechnik, Licht, Ton und Musik leisten können (Ausstattung Tilo Steffens). Jan Kersjes schuf ein auf den Punkt genaues und stimmiges Musik-Geräusch-Szenario. Reales Leben verknüpft sich durch Wunder mit einer Traumwelt.
Die Zuschauer erleben Vaterliebe (Karl Thiele), die beiden streitsüchtigen Schwestern Kapa (Silke Wallstein) und Fissa (Christel Ortmann) sowie deren liebe kleine Schwester Aljonuschka (Eva-Marianne Berger), die gutmütige Amme Njana (Inka Arlt), später zur Taube verzaubert, sowie den fleißigen Knecht (Patrick Rupar). Vater und Knecht nehmen die Zuschauer mit auf eine stürmische Reise durch sehr effektvoll inszenierte Naturgewalten.
Später gelangen sie in einen dunkel-geheimnisvollen Zauberwald. Dort nämlich soll sich die feuerrote Blume befinden, die der Vater der jüngsten Tochter wunschgemäß mitbringen soll und möchte. Dort aber herrschen, in schaurig-schönen Kostümen und faszinierendem Spiel, die Hexe Babajaga (Antje Weber), der Waldschrat (Boris Malré) und der Geist Kikimora (Hans-Jürgen Müller-Hohensee).
Im Schloss bricht der Vater die Blume. Ein zunächst unsichtbares Ungeheurer verlangt als Strafe dessen Tod oder eine seiner Töchter für immer auf das geheimnisumwitterte Schloss. Aus reinem Herzen stimmt Aljonuschka zu. Ein weiterer "Beam"-Flug mit Krach, Nebel und Hexenengestank bringt sie ins Schloss. Sie verliebt sich nach und nach in das "hässliche Ungeheuer" – ohne Wenn und Aber. Da hat auch die böse Hexe ihre Macht verloren. Ein Kuss – wieder viel Aktion: Der einst verwunschene Prinz (Patrick Rupar) ist da.
Die Zuschauerschar tobt vor Freude. Ende gut, alles gut.
13.11.2010, 22:38 | tags:
Schauspiel
676
Helmut Rohm, Volksstimme, 13.11.2010
Jörg Steinberg inszeniert am Anhaltischen Theater Dessau "Die Feuerrote Blume" / Premiere ist am kommenden Dienstag, dem 16. November
Ein "wunderschönes Märchen" mit viel Zauberei
"Ein leuchtend roter Punkt in schwarzem Dunkel ist fast die einzige Erinnerung an meine erste erlebte Theateraufführung 1970 im damaligen Berliner Haus der DSF", erzählt Jörg Steinberg (47). Es war das Märchen "Die feuerrote Blume". Heute ist Jörg Steinberg Regisseur. Er inszeniert am Anhaltischen Theater Dessau das diesjährige Weihnachtsmärchen: "Die Feuerrote Blume". Premiere ist am Dienstag, dem 16. November, um 10 Uhr im Großen Haus.
Dessau-Roßlau. In Dessau ist Jörg Steinberg eigentlich kein Unbekannter. "Von 1987 bis 1990 hatte ich hier am Theater mein erstes und auch bisher einziges festes Engagement. Als Schauspieler", klärt er auf.
Sein Lebenslauf ist seitdem gefüllt mit vielen Rollen im Theater, bei Film und Fernsehen. Ebenso breit gefächert mit Stücken und Aufführungsorten stellt sich seine Regietätigkeit dar, die Mitte der 1990er-Jahre im "Theater unterm Dach" in Berlin begann.
Auch als Drehbuchautor hat sich Jörg Steinberg verdient gemacht. 2004 entstand zum Beispiel die Fußballkriminalkomödie "Blutgrätsche – oder Hansi Kreische lebt". Die Fußballszene ist ihm nämlich gut vertraut. Bis zu seinem Kreuzbandriss im November 1995 hatte er als Hobbyfußballer eine höherklassige Karriere betrieben.
Der Weg zum Theater war für den Berliner Jungen aus Köpenick schon recht früh klar. Noch in der Lehre hat er an der Hochschule der Künste Berlin die Aufnahmeprüfung bestanden. "Kommen Sie nach der Armee wieder", sagte man dem Lehrling für Nachrichtentechnik. Gehört, getan. Nach vier Jahren Studium war Steinberg 1987 Diplomschauspieler.
Schon im Frühjahr des letzten Studienjahres war Schauspieler und Regisseur Karl Thiele in der Hochschule auf der Suche nach jungen Schauspielern für Dessauer Aufführungen. Jörg Steinberg war einer von ihnen, seine erste Rolle Haimon in "Antigone" (Sophokles) in der Regie von Karl Thiele. 23 Jahre später ein Blick in die aktuelle Besetzungsliste des Weihnachtsmärchens: Kaufmann – Karl Thiele, Regie – Jörg Steinberg.
"Diese sicher seltene Konstellation ist für mich, für uns im Ensemble, überhaupt kein Problem. Ich sehe das Theaterspielen als einen kollektiven Prozess, bei dem alle am Ende ein gutes Gefühl haben, für das Erreichte gemeinsam einstehen", so seine Auffassung. Und: Die Stimmung hier ist gut, das Gefühl auch.
Jörg Steinberg verspricht den Zuschauern ein "wunderschönes, zauberhaftes, fantastisches, auch humorvolles Märchen". In dem Stück von Karnauchowa und Braussewitsch geht es um Liebe, Freundschaft, um Vertrauen und Treue – um Gut und Böse.
Ein Kaufmann hat drei Töchter: eine hässliche, eine gemeine und die jüngste. Allen möchte er von einer Reise etwas Schönes mitbringen. Die beiden älteren möchten Kleider und Schmuck. Aljonuschka, die jüngste, wünscht sich eine feuerrote Blume. Ersteres ist leicht zu beschaffen. Auf dem Rückweg verschlägt es den Kaufmann in einen Zauberwald, in dem die Hexe Baba Jaga und andere merkwürdige Gestalten ihr Unwesen treiben. Dort findet der Kaufmann in einem wunderschönen Schloss die feuerrote Blume. Er holt sie sich, muss aber einen hohen Preis dafür zahlen. "Du hast dein Leben verwirkt", verkündet mit gruseliger Stimme das Ungeheuer, "oder …"
Was geschieht noch in dieser spannenden Geschichte? Noch einmal der Regisseur: "Auf jeden Fall ist viel Zauberei dabei. Und wenn ich mich recht erinnere, hat sie ein gutes Ende, oder?"
12.11.2010, 16:12 | tags:
Schauspiel
675
Pressemitteilung vom 12.11.2010
Das Spiel mit der Macht
Das Anhaltische Theater Dessau zeigt am Donnerstag, 18. November um 16.00 Uhr das Schauspiel „Doktor Mabuse - Ein Spiel mit Menschen unserer Zeit“.
André Bückers Inszenierung der Romanfigur „Doktor Mabuse“, mit der Norbert Jacques 1919 den Prototyp des modernen, gewissenlosen und schließlich in den Wahnsinn driftenden Universalverbrechers schuf, widmet sich der unerfüllt bleibenden Liebe und dem Spiel mit der Macht.
Doktor Mabuse manipuliert durch Massensuggestion die Finanzmärkte, zwingt durch Hypnose seine Kontrahenten in den Ruin und versucht letztlich die Weltherrschaft zu übernehmen. Die unerwiderte Liebe zu einer Frau treibt ihn dabei zu immer monströseren Verbrechen. Schließlich will er in Brasilien eine Kolonie gründen, um seine Vorstellungen einer utopischen Gesellschaft zu verwirklichen. Doch die Befriedigung seiner unendlichen Gier lässt ihn nur noch unglücklicher werden. So ist Doktor Mabuse ein Gleichnis auf unsere moderne Gesellschaft, die in ihrem unaufhörlichen Streben nach immer mehr und immer größerem Gewinn dabei ist, sich selbst zu verlieren und letztlich zu vernichten.
Das Schauspiel „Doktor Mabuse“ und Andrea Moses Operninszenierung „Turandot“ können auch mit einem Kombi-Ticket gebucht werden. Lassen Sie sich an zwei Abenden zu einem packenden Spiel mit Menschen unserer Zeit verführen - zusammen für nur 26,- Euro auf allen Plätzen. Die Termine können beliebig kombiniert werden.
Nächste Vorstellungen „Doktor Mabuse“: 18.11.2010, 16 Uhr; 26.11.2010, 19.30 Uhr; 14.01.2011, 19.30 Uhr; 10.04.2011, 17 Uhr; 14.05.2011, 17 Uhr; 26.06.2011, 17 Uhr
Nächste Vorstellungen „Turandot“: 20.11.2010, 17 Uhr; 9.12.2010, 16 Uhr; 12.03.2011, 17 Uhr; 03.04.2011, 17 Uhr; 05.06.2011, 17 Uhr; 12.06.2011, 17 Uhr
Kombi-Tickets und Informationen erhalten Sie an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 / 2400-258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr, über die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 / 2511-333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr; Mail: kasse@anhaltisches-theater.de sowie an der Abendkasse.
12.11.2010, 14:51 | tags:
Schauspiel
674
Pressemitteilung vom 13.11.2010
„Der letzte Einruf!!! [Folge 5] Die Fledermaus
Am Dienstag, 23. November um 19.30 Uhr lädt das Anhaltische Theater zu einer weiteren Folge „Der letzte Einruf!!!“ ins Foyer des Alten Theaters ein.
Zum fünften Mal öffnet Kult-Inspizient Leo Polte VIII. die Chronik seiner großen Familie und fördert damit überraschende Wahrheiten über die Geschichte des Dessauer Theaters zu Tage. So erfahren wir u.a., was Batman mit dem Theaterbrand 1922 zu tun hatte und warum Leo IV. trotz aller Umsicht „so nah am Feuer“ war.
Doch Leo Polte VIII. wäre nicht er selbst, wenn er es dabei belassen würde ... sein analytischer Blick geht natürlich über den Tellerrand des Theaters hinaus und beleuchtet auch Phänomene des Alltags von einer neuen Seite wie etwa das kräftige An-die-Wand-Werfen von grünen Amphibien.
Ein „überaus ernster“ Abend mit Gerald Fiedler, einem Überraschungsgast und viel Musik.
Am Klavier: Stefan Neubert
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de und auch an der Abendkasse.
11.11.2010, 11:58 | tags:
Schauspiel
669
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 11.11.2010
Dessau-Roßlau
Ein märchenhaftes Heimspiel
"Ich war mal der Schwalbenkönig vom Schillerpark". Zwar war Jörg Steinberg nicht lange Spieler im Team von Motor Dessau, doch die Jahre im Kampf um den Aufstieg sind ihm in Erinnerung geblieben. "Am Ende hat es Traktor Quellendorf geschafft." Nun, 20 Jahre später, heißt die Mannschaft Dessau 05 und spielt in der Landesliga. Jörg Steinberg ist dann doch beim Schauspiel geblieben und arbeitet als Regisseur. Er platziert nicht mehr die Bälle auf dem Feld, sondern seine Kollegen in den Kulissen. Bei seiner aktuellen Inszenierung sind diese ausgesprochen märchenhaft. Steinberg ist der Regisseur von "Die feuerrote Blume", dem Märchen des Anhaltischen Theaters, das kommenden Dienstag um 10 Uhr Premiere hat.
Im Theater erinnerten sich Kollegen durchaus noch an den Mann, der inzwischen bärtiger und stattlicher in jene Stadt zurückgekommen ist, in der er seine Karriere begann. 1987 kam Steinberg im vierten Studienjahr von der Berliner Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" mit einigen Kommilitonen ans Dessauer Landestheater. Es war das erste feste Engagement. "Eine aufregende, sehr intensive Zeit", blickt er zurück. Der Sohn wurde geboren, es regte sich der erste Widerstand gegen das DDR-System. "Wir sind damals kaum rausgekommen und hatten unsere Kämpfe hier im Haus auszutragen", erzählt er vom damals schwierigen Umgang der jungen Theaterleute mit der Theaterleitung. Die Enttäuschungen von einst sind nicht vergessen, aber auch nicht die Erfolge. Steinbergs erste Rolle in Dessau war 1987 der Haimon in "Antigone" von Regisseur Karl Thiele. Aktuell spielt Thiele den Kaufmann in Steinbergs "Feuerroter Blume". Unvergessen sind die Arbeiten von Jo Fabian in Dessau. Im legendären "Parsifal" von 1990 spielte Jörg Steinberg die Titelrolle. Das war es dann aber schon, die jungen Darsteller kündigten und zogen in die neu gewonnene Freiheit des Landes. Steinberg hat dies nicht bereut.
Gerade jetzt, wo er erstmals nach 20 Jahren Dessau wiedergesehen hat, ist ihm dies Anlass für Bilanzen. "Ich hatte Herzklopfen, nachdem ich zusagte und das erste Mal wieder in die Stadt fuhr", gesteht er. "Da geht es nochmal ans Eingemachte - diese Stadt, diese Bühne. Aber ich wusste, dass es gut für mich sein würde." Verlaufen habe er sich im Theaterbau, traf auf Kollegen von früher. "Da fragt man sich, was hat man gemacht, was hat man eingepflanzt. Andere blieben 20 Jahre hier, ich war 20 Jahre weg."
Viel nachzuholen hatte der Regisseur, machte einen Abendspaziergang zum Fußballplatz im Schillerpark. "Da stand ich voller Wehmut, sah das Flutlicht und den wunderschönen Rasen." Ging vorbei in der Hans-Heinen-Straße in Nord, wo er wohnte und sich das Viertel so völlig geändert hat. Und auch das Theater hat sich verändert. "Ich habe ein tolles Gefühl, das ist ein sehr leistungsstarkes Haus, wo alle etwas wollen", sagt Steinberg. Weil er die Bühne gut kennt, wird er sie in der "Feuerroten Blume" gut nutzen. Man habe tolle Theatereffekte, verspricht Pyrotechnik und einen Ritt der Baba Jaga im Mörser durch die Luft. Ein Märchen also, mit allem, was dazugehört, zauberhaft, phantasie- und gleichermaßen humorvoll. Nahezu an jedem Tag im Dezember wird es gespielt. Da hat dann auch Steinberg Gelegenheit, noch mal vorbeizuschauen. "Irgendwann aber muss man abgeben. Das ist wie bei einem Trainer." Da kommen wieder der Regisseur und Fußballer zusammen, die sich eh nie so recht trennen lassen. Für die Frauen-Fußball-WM 2011 schreibt er im Auftrag des DFB das Fußballstück "Unhaltbar". Es ist nicht das erste aus seiner Feder zu diesem Thema. Wenn in Halle am Neuen Theater derartiges bald im Spielplan auftaucht, muss man sich nicht wundern, ab 2011 / 12 wird Jörg Steinberg dort Hausregisseur. Dann ist auch der Weg zu einem Spiel von Dessau 05 nicht mehr so weit.
10.11.2010, 17:06 | tags:
Schauspiel
668
Pressemitteilung vom 10.11.2010
Zum letzten Mal! - Die blutige Erbfehde „Die Familie Schroffenstein“
Das Anhaltische Theater zeigt am Samstag, 13. November und am Freitag, 3. Dezember jeweils um 19.30 Uhr das Trauerspiel von Heinrich von Kleist „Die Familie Schroffenstein“. Regisseur Christian Weise verlegt das Ritterspiel um die blutige Erbfehde zwischen zwei verfeindeten Zweigen des Adelsgeschlechts der Schroffensteins in ein Wohnhaus. Die im Zwist befindlichen Familien leben Wand an Wand, Wohnzimmer an Wohnzimmer, lediglich getrennt vom gemeinsamen Hausflur. Simultan kann der Zuschauer den Krimi um die unaufhaltsame Zuspitzung der aus Misstrauen gespeisten kriegerischen Rache auf beiden Seiten der feindlichen Parteien verfolgen.
Spannender und mörderischer als „Bella Block“ auf ZDF und „Der Anschlag“ auf Pro7 aber vor allem LIVE, dass einem der Atem stockt!
Für beide Vorstellungen werden Tickets zu einem Sonderpreis von 7,- Euro/ ermäßigt 5,- Euro angeboten.
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über
die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr |
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
04.11.2010, 16:20 | tags:
Schauspiel
, Musiktheater
651
Pressemitteilung, 4.11.2010
Turandot´s Riddle Club - 27. Live-Hinrichtung
Das Anhaltische Theater zeigt am Sonntag, 7. November um 17.00 Uhr Giacomo Puccinis Oper „Turandot“. Regisseurin Andrea Moses, die mit „Lohengrin“ für den Deutschen Theaterpreis FAUST nominiert ist, bringt mit „Turandot“ eine der populärsten Opern des 20. Jahrhunderts auf die Dessauer Theaterbühne: Prinzessin Turandot wird nur denjenigen Prinzen heiraten, der drei von ihr gestellte Rätsel lösen kann. Wer dies nicht vermag, verfällt dem Henker. In der packenden Inszenierung geht es um Macht und Machtdemonstration, den ewigen Kampf der Geschlechter und um die große Liebe. Mit viel Ironie und Spielfreude verbindet Andrea Moses die verschiedenen Charakteristika dieses Werkes zu einem Medienspektakel im Turandot´s Riddle Club. Die musikalische Leitung liegt in den Händen von GMD Antony Hermus. KS Iordanka Derilova ist als machtbesessene und hinreißende Turandot zu erleben. Sergey Drobyshevskiy gibt als Calaf sein Debüt als Ensemblemitglied des Anhaltischen Theaters. Angelina Ruzzafante singt ungemein anrührend in der Rolle der Liù und Pavel Shmulevich gibt mit scheinbar unergründlich tiefem Baß den Timur.
Wiard Witholt, Angus Wood und David Ameln sind in den herzerfrischenden Rollen Ping, Pang und Pong zu erleben.
„...auf Ensemblemitglieder wie Iordanka Derilova und Sergey Drobyshevskiy in den mörderischen Hauptpartien dürfte manch größeres Haus neidisch schauen.“ – so die FAZ, Oktober 2010
Für die Inszenierung „Turandot“ in Kombination mit dem Schauspiel „Doktor Mabuse“ gibt es ein Kombi-Ticket für zusammen 26,- Euro auf allen Plätzen! In beiden Inszenierungen, die Termine können beliebig kombiniert werden, erleben Sie monströse Spielernaturen, die die Menschen in ihren Bann ziehen. Sie produzieren Abhängige, Süchtige und machen blind vor Liebe und Verlangen. Die Oper von Giacomo Puccini, sowie Fritz Langs Verfilmung des gleichnamigen Romans von Norbert Jacques „Doktor Mabuse, der Spieler“ sind in den 1920er Jahren entstanden und weisen erstaunliche Parallelen auf. Andrea Moses und André Bücker haben zwei interessante Lesarten der Stoffe für das Anhaltische Theater Dessau entwickelt.
Nächste Vorstellungen „Doktor Mabuse“: 18.11.2010, 16 Uhr; 26.11.2010, 19.30 Uhr
Nächste Vorstellungen „Turandot“: 20.11.2010, 17 Uhr; 9.12.2010, 16 Uhr
Kombitickets, Tickets und Informationen erhalten Sie unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr; Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr; Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
29.10.2010, 17:50 | tags:
Schauspiel
634
Pressemitteilung vom 29.10.2010
Premiere „Die Feuerrote Blume“
Russisches Volksmärchen in der Bühnenfassung von I. Karnauchowa und L. Braussewitsch.
Das Anhaltische Theater Dessau lädt am Dienstag, 16. November um 10 Uhr zur Premiere „Die Feuerrote Blume“ ins Große Haus ein. Regisseur Jörg Steinberg kehrt mit seiner Inszenierung nach Dessau zurück. Vor 20 Jahren arbeitete er hier als Schauspieler und stellt nun als Regisseur ein überaus bewegtes und effektvolles Zaubermärchen auf die Bühne des Großen Hauses.
In diesem Weihnachtsmärchen geht es um die Kraft der Liebe und um den ewigen Kampf Gut gegen Böse. Der Ausstatter, Tilo Steffens, der im letzten Jahr in Bayreuth Wagners „Meistersinger von Nürnberg“ ausstattete, entführt uns mit seinem Bühnenbild in den phantastischen Zauberwald der Hexe Baba-Jaga, in ein verwunschenes Schloss und an einen Fluss, an dem ein Kaufmann mit seinen drei Töchtern lebt.
Denn es war einmal ein Kaufmann. Der hatte drei Töchter. Allen will er von einer großen Reise etwas Schönes mitbringen. Doch die kleine Aljonuschka, die Jüngste, wünscht sich nur eine Blume, eine feuerrote. Auf der Rückreise kommt der Kaufmann in einen Zauberwald. Hier herrscht die Hexe Baba-Jaga und merkwürdige Gestalten wachen über ein verwunschenes Schloss. Hier findet der Kaufmann, wonach sich Aljonuschka so sehr sehnt. Er stiehlt die Zauberblume und soll es mit dem Leben büßen, denn ein Ungeheuer wacht über sie. Es sei denn, eine seiner Töchter liebt ihn über alles und opfert sich für ihren Vater. Die kleine Aljonuschka tut es, verliebt sich in ein Ungeheuer und muss sich dem Kampf mit der Baba-Jaga stellen.
Das Anhaltische Theater dankt den Schülerinnen und Schülern im Berufsvorbereitungsjahr Holztechnik und Farbtechnik des Anhaltischen Berufsschulzentrums „Hugo Junkers" Dessau-Roßlau, Außenstelle Chaponstraße, und deren Fachlehrern für ihre Mitwirkung bei der Ausgestaltung des Foyers.
Mit: Karl Thiele (Kaufmann), Regula Steiner- Tomič/ Silke Wallstein (Kapa), Christel Ortmann (Fissa), Eva-Marianne Berger (Aljonuschka), Inka Arlt (Njanja), Patrick Rupar (Knecht und Ungeheuer), Antje Weber (Baba-Jaga), Boris Malré (Waltschrat), Hans-Jürgen Müller-Hohensee (Kikimora)
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr, über die Theaterkasse - nur telefonisch - 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de sowie an der Abendkasse.
26.10.2010, 17:24 | tags:
Schauspiel
626
Pressemitteilung vom 26.10.2010
Bauhaus-Theater-Special - Bauhausführung und Theaterinszenierung
Das Anhaltische Theater Dessau und die Stiftung Bauhaus Dessau laden am Freitag, 5. November und am Donnerstag, 16. Dezember zum Bauhaus-Theater-Special ein.
Ausgewählte Vorstellungen des Anhaltischen Theaters auf der Bauhausbühne werden zusammen mit Führungen durch das Bauhaus zum Sonderpreis angeboten.
Am 5. November beinhaltet dieses Angebot eine besondere Führung durch das Bauhaus, die um 20.00 Uhr beginnt sowie den anschließenden Besuch der Vorstellung „Milarepa“ ebenfalls im Bauhaus. Das Stück des französischen Kult-Autors Eric-Emmanuel Schmitt, inszeniert von Andrea Moses, präsentiert der Schauspieler Uwe Fischer an einem sehr ungewöhnlichen Ort: im ehemaligen Heizungskeller des Bauhaus Dessau.
Am 16. Dezember wird bereits um 19.00 Uhr eine Führung durch das Bauhaus angeboten und um 20.00 Uhr die Schauspielproduktion „Milarepa“ gezeigt.
Die Karten sind für 12 Euro / ermäßigt 10 Euro (statt: 18,50 Euro/ 14,50 Euro ermäßigt für Vorstellung und Führung!) an der Abendkasse im Bauhaus und über die Theaterkassen erhältlich.
Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über die Theaterkasse - nur telefonisch - 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr; Mail: kasse@anhaltisches-theater.de.
25.10.2010, 15:38 | tags:
Schauspiel
, Musiktheater
624
Pressemitteilung vom 25.10.2010
„Schaf“ - Musiktheater für Kinder
Das Anhaltische Theater Dessau zeigt am Sonnabend, 6. November um 14.30 Uhr und am Montag, 8. November um 10.00 Uhr „Schaf“, eine Musiktheaterinszenierung für Kinder auf der Studiobühne des Alten Theaters.
Dirk Schmeding inszeniert die Kinderoper von Sophie Kassies als eine aufregende und musikalische Suche nach einem Namen für Schaf mit Schauspielern, Sängern und Musikern.
Diese erzählen mit Leichtigkeit und Humor von der Suche nach der eigenen Identität, von der Sehnsucht, besonders sein zu wollen und doch dazuzugehören. Die musikalischen Weggefährten auf dieser Reise sind Georg Friedrich Händel, Claudio Monteverdi, Henry Purcell und Antonio Vivaldi.
Als Solisten wirken mit: Sharleen Joynt (Sopran) und Anne Weinkauf (Mezzosopran), die indes nicht nur singen, sondern wie auch die Musiker Stefan Neubert/Boris Cepeda und Timm Carnarius/Gerald Manske ins Spiel einbezogen sind. Die kanadische Sängerin Sharleen Joynt ist neues Ensemblemitglied des Anhaltischen Theaters und ist u.a. als Oscar in „Ein Maskenball“ und demnächst als Adele in „Die Fledermaus“ zu sehen. Eva Marianne Berger ist als Schaf zu erleben. Matthieu Svetchine übernimmt seit dieser Spielzeit die Rolle des Lorenzo, wirkt u.a. mit in: „Doktor Mabuse“, „Des Teufels General“ und ist demnächst auch in der Inszenierung „Die Drei von der Tankstelle“ zu sehen.
Die Vorstellung am 8. November ist bereits ausverkauft. Für die Vorstellung am 6. November gibt es noch Tickets an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr, über die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr; Mail: kasse@anhaltisches-theater.de sowie an der Abendkasse.
22.10.2010, 11:16 | tags:
Schauspiel
619
Pressemitteilung vom 22.10.2010
„Der Kick“ - ein analytisches Psychogramm eines grausamen Mordes
Am Mittwoch, 3. November um 18.00 Uhr zeigt das Anhaltische Theater die Schauspielinszenierung „Der Kick“ im Studio des Alten Theaters.
„Der Kick“ beschreibt einen authentischen Fall aus dem Jahr 2002, der landesweit Entsetzen auslöste: In Potzlow, einem Dorf in der Uckermark malträtierten drei junge Männer aus dem rechtsradikalen Milieu einen befreundeten 17-jährigen. Einer von ihnen tötete ihn nach dem Vorbild einer Szene aus dem US-Film American History X.
Sechs Monate bleibt die Leiche verschwunden. Ein ganzes Dorf schweigt, versucht die Tat zu verdrängen, zu beschönigen und zu vergessen.
„Der Kick“ versucht, die Ursachen des Gewaltexzesses zu erforschen und das Unglaubliche der Vorgänge aus dem Jahr 2002 fassbar zu machen. Die Autoren Andres Veiel und Gesine Schmidt lassen 18 real existierende Personen (Täter, Angehörige, Nachbarn und Beamte) zu Wort kommen und montieren die Texte aus Protokollen, Interviews und Trauerreden zu einem der beklemmendsten Entwürfe der Gegenwartsdramatik. Sie vermitteln einen erschreckenden Einblick in den Tathergang, zeigen die Täter als Menschen und geben ihnen eine Biografie. Darin liegt die eigentliche Provokation. Zu dieser Aufführung werden theaterpädagogische Begleitprogramme wie Einführungen und Nachgespräche angeboten.
In der Inszenierung von Axel Sichrovsky spielen Susanne Hessel und Sebastian Müller-Stahl.
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr, über die Theaterkasse - nur telefonisch - 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de sowie an der Abendkasse.
22.10.2010, 09:08 | tags:
Schauspiel
, Finanzen
616
Nina May, Die Zeit, 21.10.2010
Kein schöner Land als Dessau
Das Beispiel Anhaltinisches Theater zeigt, dass Protest gegen Kulturkürzung erfolgreich sein kann
»Kein schöner Land« – das Spielzeitmotto prangt auf einem riesigen Plakat am Eingang des Anhaltinischen Theaters Dessau. Es wirkt ein wenig selbstironisch, denn Kürzungsszenarios drohen diesen Ort zu einem hässlichen Fleck verkommen zu lassen. Im März hatte die Stadt Dessau-Roßlau angekündigt, die Zuschüsse für das Theater von 2013 an zu halbieren, sodass 3.5 Millionen Euro wegfielen, die weitere 3,5 Millionen an Landesmitteln abzögen. Ein Repertoiretheater wäre damit unmöglich, eine knapp 200-jährige Theatertradition würde ausgelöscht. Intendant Andre Bücker sagte damals: »Dann werden wir eine seelenlose Hülle für fahrende Theatertruppen.«
Die Bürgerinitiative »Land braucht Stadt« kämpft seitdem für das Haus, aber auch für Schwimmbäder, Bibliotheken und Sportvereine, die ebenfalls gefährdet sind. Da solle sich niemand über Abwanderung beschweren, kritisierte Bücker im März und warnte vor einem »Brachland, durch das wohlhabende Touristen fahren, um sich die Weltkulturerbestätten anzusehen.«
Davon hat Dessau gleich zwei: die Bauhaus-Meisterhäuser und das Gartenreich Wörlitz. Mit diesem Kulturreichtum sei die Stadt finanziell überfordert, sagt Bücker heute, man versuche jetzt einen Teil der Verantwortung an das Land abzugeben. Er sei zuversichtlich: »Niemand hier will das Theater schließen.«
Man könnte Dessau also vorsichtig als Beispiel dafür anführen, dass die zurzeit allerorten ausgetragenen Kämpfe nicht zwangsläufig böse enden müssen. Als Beispiel dafür, dass die Politik einlenkt, wenn die Bürger ihr kulturelles Erbe verteidigen. Damit schimmert in Dessau auch Hoffnung für die krisengebeutelten Häuser der Region: Gerade wurde ohne Debatte die Schließung des Thalia Theaters Halle beschlossen, das mit mutigen Inszenierungen die Probleme der Region (etwa rechtsradikale Tendenzen in der Fanbewegung »Ultras«) ansprach, und die Insolvenz des Theaters Altenburg-Gera wurde gerade noch abgewendet.
In Leipzig könnten durch eine Novelle des sächsischen Kulturraumgesetzes von 2011 an 2,5 Millionen Euro an Landesmitteln wegfallen, mit denen Sachsen die Landesbühnen Radebeul retten will. Das träfe in Leipzig vor allem Oper. Schauspiel und Gewandhaus, jeden Tag werden neue Horrorszenarios verhandelt – von reduzierten Spielplänen bis temporärer Schließung.
Doch in Dessau ein leises Aufatmen. Kein schöner Land – Bücker versteht das Motto schlicht als Liebeserklärung an das Theater als Ort der Arbeit und der Utopie. Und vielleicht ist es diese Leidenschaft, die dem Anhaltinischen Theater die Auszeichnung der Deutschen Bühne für ungewöhnlich überzeugende Theaterarbeit abseits großer Zentren einbrachte. Dabei kennt das Land schönere Orte als diesen schmucklosen Bau aus dem Jahr 1938, zu dessen Geschichte auch der erste Schauprozess der DDR unter Vorsitz von Hilde Benjamin gehört.
Jetzt wurde in Dessau die Uraufführung von Doktor Mabuse nach Motiven von Norbert Jacques und Fritz Lang gefeiert. Andre Bückers Inszenierung erreicht zwar nicht ganz den Wahnsinns-Sog von Langs Stummfilm (1922), beweist aber unaufdringlich, dass Doktor Mabuse und seine Opfer Menschen unserer Zeit sind, wie es im Untertitel heißt.
Mabuse, das Vorbild aller James-Bond-Schurken, manipuliert Börsenkurse und menschliche Sinne, um seinen Willen durchzusetzen. Das Theater erobert sich in Dessau sein ureigenstes Melier, das Spiel mit Masken und Wahrnehmung, zurück: In einer eindrücklichen Szene erscheint das Ensemble mit Monitoren vor den Gesichtern, und auf den Monitoren zucken menschliche Augenlider. Bückers Regieplan geht auf, und im dekadenten Spielermilieu der 1920er Jahre finden wir die Spaßgesellschaft von heute wieder. Nur als sehnsuchtsvoller Ruf nach »Eitopomar«, einer Inselgesellschaft, geformt nach dem Willen Mabuses, klingt die Utopie des Universalverbrechers an. Für Doktor Mabuse jedoch, dem sich ausgerechnet die begehrte Frau verweigert, kann es kein schönes Land geben.
21.10.2010, 17:06 | tags:
Schauspiel
615
Pressemitteilung vom 21.10.2010
Wiederaufnahme „Carmen Kittel oder ich wünsch mir Sonnenstrand“
Am Samstag, 30. Oktober um 19.30 Uhr zeigt das Anhaltische Theater das Schauspiel „Carmen Kittel oder ich wünsch mir Sonnenstrand“ des Dessauers Georg Seidel als Wiederaufnahme im Studio des Alten Theaters. Im September war die Dessauer Inszenierung im Deutschen Theater in Berlin zu sehen und wurde vom Publikum überaus erfolgreich angenommen.
Der junge Berliner Regisseur, Niklas Ritter führt in der Inszenierung Schauspieler und Laiendarsteller zusammen und verbindet somit die fiktive Geschichte der „Carmen“ mit sehr realen, schönen und traurigen Erzählungen aus Zeiten, „als wir noch von Sonnenstrand träumten“.
Ines Schiller spielt Carmen Kittel, eine junge Frau, die nach einer Kindheit im Heim in den 80er Jahre Alltag der DDR entlassen wird. Sie verliebt sich, wird ungewollt schwanger, treibt ab. Ihr vorgezeichnetes Leben gerät dadurch völlig aus den Fugen. Carmen zunächst unfähig sich anzupassen, versucht die verschiedenen Erwartungen an sie zu erfüllen. Als sie beginnt sich gegen die kleinbürgerlich-ignorante Welt zu wehren, um ein letztes Mal ihren Traum zu leben, erfüllt sich ihr Schicksal auf außergewöhnliche Weise.
Mit „Carmen Kittel“ kehrt der Autor Georg Seidel in seine Heimatstadt zurück. 1945 in Dessau geboren, ist er Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre Bühnenarbeiter am hiesigen Theater.
Niklas Ritter studierte am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig und arbeitete als Regisseur und Videokünstler an verschiedenen deutschen Schauspielhäusern u.a. am Maxim Gorki Theater Berlin.
Weitere Vorstellungen am: 17.11.2010, 19.30 Uhr; 20.11.2010, 19.30 Uhr, 21.12.2010, 19.30 Uhr; 22.12.2010, 19.30 Uhr
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel:
0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über
die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr |
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de und an der Abendkasse.
20.10.2010, 07:46 | tags:
Schauspiel
612
Helmut Rohm, Zerbster Volksstimme, 19.10.2010
Uraufführung von "Dr. Mabuse" im Anhaltischen Theater Dessau
Große Fragen der Menschheit
Norbert Jacques im Roman und Fritz Lang im Film vor allem haben sich bisher dem "Dr. Mabuse" genähert. André Bücker bringt die vielschichtige Persönlichkeit auf die Theaterbühne. Mit eigener Textfassung war die Premiere am Anhaltischen Theater zugleich eine Uraufführung. Kein einfacher Abend, dieses, so der Untertitel, "Spiel mit den Menschen unserer Zeit".
Ein Pistolenschuss beendet das unermüdliche "Sein oder Nichtsein" in dem Souffleurskasten. Ein Verbrechen. Ein Verbrechen? Was ist ein Verbrechen? Wer sind die Verbrecher?
In einer Mischung aus Prolog auf dem Theater und Stand-Up-Comedy wendet sich Thorsten Köhler (später Diener Hans-Georg Preiss) an das Publikum, "verführt" es zunehmend zum Dialog. Es geht um die große Politik, um Banker-Gebaren, um Rauchen oder Nichtrauchen …
Es geht auch um Manipulation. Auch das, so André Bücker, ist Mabuse und der ist somit ein Gleichnis auf unsere heutige Welt. Darum geht es dem Dessauer Generalintendanten, wenn er für seine Inszenierung das Mabuse-Bild der ab 1921 erschienenen Romane von Norbert Jacques mit der Gegenwart verknüpft.
Philosophische Texte, unter anderem von Friedrich Nietzsche, Rüdiger Safranski, Charles Baudelaire, Martin Heidegger und Thomas Morus hat er für seine Textfassung verwendet. Geblieben ist dennoch die Kriminalgeschichte, die auch ein Stück Liebesgeschichte ist – um Mabuse, den nicht wirklich greifbaren Universalverbrecher.
Jacques‘ Staatsanwalt von Wenk ist hier der Kommissar von Eyck (Gerald Fiedler). Illegalem Glücksspiel ist er auf der Spur und später auch einem Mord. Und wird selbst hineingezogen werden, zum Spielen verleitet ...
Eine dunkle Bar hat Jan Steigert in einem veränderbaren großräumigen Bühnenbild gestaltet. Zwielichtig sind die Spieler, denen André Bücker per Videokamera zusätzlich direkt in die Gesichter sehen lässt. Skurril auch äußerlich (Kostüme Katja Schöpfer/Jan Steigert). Masken, Verwandlung … Jede(r), so scheint es, so ist es, verkörpert mehrere Personen in einer. Wer sind die? Immer wieder eine Frage an diesem Abend.
Auch dem Publikum wird viel abverlangt
Und wer ist Mabuse? Im Stück am ehesten der unbeherrschte, machtgierige, maßlose Verbrecher, Spieler, Trinker und Utopist (Uwe Fischer als Cornelius von Link/Wolf Ponary), der dennoch immer Unzufriedene, der Tyrann, der sich nach dem Fanatasieland "Eitopomar" in der Südsee sehnt und vergeblich nach der Gräfin (Katja Fiedler). Der Manipulator, der Hypnotiseur. Faszinierend und erschreckend zugleich die Hypnoseszene, in der er versucht, Lolas (Susanne Hessels) Wissen zum Mord herauszubekommen.
Eine Aufklärung der Verbrechen gibt es nicht. In der Spielhölle geht es weiter. Die Erlösung, nach der sich (nicht nur) Mabuse sehnt, bleibt aus. Nicht der Vater und der Sohn (Jan Kersjes, auch als Spieler und Lolas Geliebter) bringen sie. Nicht die völlige Vernichtung alles Vorhandenen. Das Attentat scheitert an nicht funktionierenden Feuerzeugen.
André Bücker möchte mit seinem heutigen Mabuse auch dies hinterfragen. Ist die Katastrophe, die völlige Zerstörung der Systeme die einzige Chance auf einen Neuanfang für eine sich zunehmend selbst abschaffende Menschheit? Mit seiner fast zweieinhalbstündigen pausenlosen Inszenierung fordert er seine Darsteller, zu denen noch Stephan Korves, Matthieu Svetchine und Sebastian Müller-Stahl gehören, auch konditionell mit viel Auf und Ab auf einer großen Treppe.
Die Akteure werden gefordert, vor allem aber auch das Publikum vor dem philosophischen, auf die großen Fragen der Menschheit zielenden Ansatz, vom tiefsinnigen Text, der höchste Konzentration verlangt.
Beifall im keineswegs vollen Theater gab es für das Ensemble. Insgesamt fiel er eher verhalten aus.
19.10.2010, 19:36 | tags:
Schauspiel
611
Nina May, Leipziger Volkszeitung, 18. Oktober 2010
Menschen -Spieler
Uraufführung: „Doktor Mabuse“ kann in Dessau nicht ganz mit Fritz Langs Stummfilmklassiker mithalten
Doktor Mabuse ist ein Psychoanalytiker, der die Menschen durch Hypnose manipuliert - sein Schöpfer und Roman-Autor Norbert Jacques wurde offenkundig inspiriert von Sigmund Freud. Er ist zugleich „immer ein anderer“, wie es im Anhaltinischen Theater auf der Bühne heißt, verbirgt sich ständig hinter neuen Masken, er ist als „Spieler“, wie Fritz Lang ihn in seinem ersten Film über den Universalbrecher nannte, nicht nur der Herr über die Karten, sondern auch über die Sinne der Menschen.
Theater hat seine Wurzeln in genau diesem Spiel mit Masken und Wahrnehmung, und so bietet sich die Wahl des Stoffes für die Bühne an. Am Freitagabend wurde die Uraufführung von „Doktor Mabuse“ im Anhaltinischen Theater gefeiert. Intendant André Bücker gelingt es in seiner Inszenierung, die unheimliche kriminelle Zwischenwelt, in der sich auch der Zuschauer nicht auf seine Sinne verlassen kann, sinnlich erfahrbar zu machen: indem er seinem Ensemble Monitore vors Gesicht spannt, auf denen Augen zu sehen sind. Auch darunter sind nicht die wahren Gesichter, sondern mit UV-Licht gezeichnete Konturen - eine eindrucksvolle Doppelmaske. Das sich stetig wandelnde Bühnenbild mit Spiegeln und Videoprojektionen von Jan Steigert spielt zudem mit der Wahrnehmung der Zuschauer. Die eigens komponierte Musik von Daniel Dohmeier erinnert an die Stummfilm-Atmosphäre.
Allerdings wirkt der Abend - vor allem nach dem Genuss von Langs Film - in großen Teilen sehr krakelig. Uwe Fischer scheint in der Titelrolle mangelnden Esprit mit Hysterie ausgleichen zu wol-
len. Da war der Filmdarsteller Rudolf Klein-Rogge mit diesem irren Blick schon von anderem Kaliber. Auch die Gräfin, für die Mabuse erfolglos entbrennt, wird in der Besetzung mit Katja Sieder von der gelangweilten Grand Dame, die ein bisschen Nervenkitzel sucht, zur theatralischen Selbstdarstellerin. Nicht schlecht jedoch der Wandel von Mabuses weiblichem Werkzeug von der umjubelten Tänzerin zur Lyrik zitierenden Prostituierten, die ihrem Meister hoffnungslos verfallen ist (viel Applaus für Susanne Hessel).
Als eine Art Ouvertüre philosophiert Mabuses Diener im Dialog mit dem Publikum über das Wesen des Verbrechers und scheut dabei auch Stammtisch-Parolen nicht („Die da oben sind ...“). Eine bemerkenswerte Leistung von Thorsten Köhler. Der Prototyp des Verbrechers ist natürlich Doktor Mabuse selbst, der Börsenkurse wie Menschen zur Durchsetzung seines Willens manipuliert - in Dessau werden passenderweise Texte von Nietzsche montiert. Bücker muss keinen Holzhammer bemühen, um die Parallelen zur aktuellen Finanzkrise deutlich zu machen. Die Konsequenzen aus dem Glücksspiel Börse werden in den dekadenten Salons der 20er ebenso verdrängt wie in der Spaßgesellschaft vor dem Platzen der Spekulationsblase.
Bis dahin spielt man eben noch eine Runde - oder wird selbst zum Spielball eines Doktor Mabuse.
„Dr. Mabuse“ in Dessau, auch am 22.10., 19.30 Uhr; 23.10., 17 Uhr; 18.11., 16 Uhr; 26.11., 19.30 Uhr; Karten unter 0340 2511333 und 0340 2400258; www.anhaltisches-theater.de
19.10.2010, 10:38 | tags:
Schauspiel
608
Alexander Hauer, www.musenblätter.de, 19.10.2010
Anhaltisches Theater Doktor Mabuse 15.10.2010 Uraufführungspremiere
Gleich zu Beginn stellt André Bücker uns die Frage „Wer ist Mabuse“. Und bleibt uns die Antwort schuldig, oder auch nicht. Denn wir alle sind Mabuse, Opfer und Täter zugleich, Kläger, Beschuldigter und Richter im einem.
Der Abend beginnt mit einem Mord. „Sein oder Nichtsein“ tonlos gesprochen klingt aus dem Off, und ein sichtlich genervter Typ (Thorsten Köhler als Mabuses Killer, Diener und Zofe) in Anzugsjacke und Trainingshose vom Aldi (Kostüme Katja Schröpfer und Jan Steigert), richtet ihn mit coolem Schuss in den Souffleurkasten hin und beginnt dann eine Exkursion über das Verbrechen im Allgemeinen. So beginnt das Spiel um den genialen Verbrecher. Uwe Fischer gibt diesen Geistesmenschen, der am Ende dem Wahnsinn anheimfällt, aber die Gesellschaft mit in den Wahn reißt. Sein Doktor M bleibt sympathisch, faszinierend, trotz aller Abgründe.
Gerald Fiedler ist sein Gegenspieler Kommissar von Eyck. Beide versteigen sich in ihren Wahn und auf der Strecke bleiben viele. Das erste Opfer ist die Tänzerin Hannelore Prezzo. Susanne Hessel lebt dieses Punkgirlie in erschreckender Intensität. Die Abhängigkeit, der Verfall ihres Körpers und ihres Geistes, bedingt durch Koks einerseits und die Ergebenheit, die sexuelle Abhängigkeit von Mabuse gerät zu einer schauspielerischen Großtat. Jan Kersjes als Lolas Liebhaber, und dann später als sein eigener Vater wird ebenso zum Opfer, genau wie Sebastian Müller Stahls Paul, Mabuses dienstfertiger Untergebener, von Bücker als Gummisklave angelegt. Die einzige, die am Ende Mabuse widersteht ist Katja Siedler als Gräfin Fabienne. Scheinbar schwach und verletzlich ist sie diejenige, an der Mabuse letztendlich scheitert.
André Bücker schrieb auf der Folie von Norbert Jacques und Fritz Langs Filmen eine Bühnenadaption des surrealen Stoffes. Angereichert mit Zitaten von Nietzsche, Heidegger und Baudelaire, wirft ein Wortgebirge auf, das kaum zu bewältigen ist. Texte, die kaum zu sprechen sind, verlangen sowohl bei Schauspielern und Publikum höchste Konzentration. Das Bühnenbild, eine von Jan Steigert entworfene, stets wandelnde kalt- anonyme Großstadtlandschaft, überlagert mit Projektionen bietet auch keine Rückzugsmöglichkeit zum Entspannen. Aber soll man sich entspannen? Der 20er Jahre Stoff über den genialen Verbrecher bekommt in unserer Zeit plötzliche Aktualität. Die modernen Verführer, die stets coolen Bankmanager, die sich auch fürs Versagen noch saftige Bonis auszahlen, sind sie soweit von Jacques‘ Mabuse entfernt? In Zeiten der Relativität, und wir leben in einer solchen, sind eben auch Verbrechen, wie in allen anderen Zeiten auch, relativ. Einerseits schwimmen die einen Dagobert Duck gleich im Geld, auf der anderen Seite wissen Hartz IV Empfänger, gegen Monatsende oft nicht, wovon sie leben sollen. Einerseits bekommen Pleitebanken eine Staatsgarantie zum Übertünchen des Versagens nach der anderen, andererseits werden im geringsten Haushaltsposten unserer Republik, der Kultur, hemmungslos die Gelder gestrichen. Aber wie gesagt, Verbrechen ist relativ. Es kommt immer auf den Standpunkt an.
Nach fast zweieinhalb pausenlosen Stunden scheitert Mabuses Zerstörung der Welt an einem kaputten Feuerzeug. Der Selbstmordattentäter steht bereit, der Molli liegt schon wurfbereit in der Hand, und das Zippo funktioniert nicht. Vorerst!
Bücker und sein Team erlösen ein verstörtes Publikum. Ein Gesamtkunstwerk , ein Konglomerat von Text, Bildern und der kongenialen Musik von Daniel Dohmeier, wurde von einem durchaus erschöpften Publikum mit mehr als freundlichem Applaus bedacht. Dieser Mabuse hat nichts mit den 60er Jahren Filmchen zu tun, es ist kein Abend, den man nach der Vorstellung abhakt. Großartiges Theater, das zum Diskutieren und zum Nachdenken zwingt. Auch über uns und unsere Situation.
17.10.2010, 22:10 | tags:
Schauspiel
603
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 18.10.2010
Uraufführung
Menschen im Wechselrahmen
Zum Schluss ist es nur ein banaler Zufall, der den Weltuntergang verhindert: Der Selbstmordattentäter hat den Sprengstoffgürtel schon umgeschnallt, der Molotov-Cocktail ist gemixt - doch dann will das Feuerzeug nicht zünden. Und nach all den Bildern und Klängen, mit denen das Publikum zuvor pausenlos bombardiert wurde, ist es dunkel und still. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben ...
So endet eine Zumutung, ein "Spiel mit Menschen unserer Zeit", das André Bücker jetzt am Anhaltischen Theater in Szene gesetzt hat. Sein "Doktor Mabuse", der die Romane von Norbert Jacques und die Filme von Fritz Lang zusammendenkt und um Texte u. a. von Elias Canetti und Charles Baudelaire, Martin Heidegger und Friedrich Nietzsche erweitert, funktioniert nach dem Prinzip Überforderung.
Prinzip der Überforderung
In der kühlen, expressionistisch gerahmten Stadtlandschaft von Jan Steigert werden Worte auf Videos auf Musik gestapelt, Nervosität und Konzentrationsverlust sind Programm. Schließlich ist dies ja auch die Methode des großen Manipulators Mabuse, die Verwirrung der Wahrnehmung schafft ihm den Raum, in dem er die Vernichtung der dekadenten westlichen Zivilisation vorbereitet. Dass das erste Opfer dieses Feldzugs auf dem Theater der Souffleur sein muss, ist von einer bezwingenden Logik.
Schließlich bietet er den Schauspielern Halt - und wird deshalb von Mabuses Diener Hans-Georg erschossen, noch ehe sich der Vorhang hebt. Nachdem er so das geraunte "Sein oder Nichtsein" zum Schweigen gebracht hat, verwickelt Thorsten Köhler das Publikum in eine aberwitzige Debatte über das Zeitalter des Relativismus, in dem eben auch das Verbrechen eine Frage der Definition ist. Und schon dieser Hinweis lockt auf eine falsche Fährte - denn Mabuse ist ja eben in allen Handlungen und in seinen Ansprüchen absolut.
Mit solchen Stolperfallen ist der ganze Abend gespickt: Immer wieder mäandert die eigentlich lineare Geschichte in abseitige Regionen - und an jeder dieser Kurven besteht die Gefahr, dass der Zuschauer aus der Bahn getragen wird. Manche der Texte kann man nur als jenes weiße Rauschen verstehen, das sich wie Schneegestöber gelegentlich auch optisch über die Szene legt - als Träger von Informationen, die nicht zu entschlüsseln sind. Dass in der lasterhaften Welt der Casinos und Boudoirs auch Identitäten und Geschlechtergrenzen verschwimmen, dass jeder ein Anderer sein kann, erschwert die Wahrnehmung zusätzlich. Nur Mabuse bleibt sich in all seinen Verkleidungen gleich. Uwe Fischer zeigt ihn als überwach tänzelnden und hypnotisch begabten Verführer, der sich schließlich an der scheinbar schwächsten Beute die Zähne ausbeißt - an Katja Sieders hinreißend fragiler und doch mit eisernem Willen begabten Gräfin. Mag ja sein, dass der König der Verbrecher die Welt erobern kann - diese Frau bekommt er nicht.
Voll von der Rolle
Die andere, Lola, hingegen hat er längst besessen - und sie geht für ihn ins Gefängnis und schließlich sogar in den Tod. Susanne Hessel spielt dieses somnambule Wesen traumverloren lyrisch, aber auch trotzig aggressiv - eine Gratwanderung, die im befohlenen Suizid einen der schönsten Augenblicke des Stückes provoziert. Ein anderer Höhepunkt ist die gezielte Irreführung des Kommissars (Gerald Fiedler), der vom Verfolger unmerklich zum überforderten Opfer wird - und dem Mabuses Handlanger Harald (Matthieu Svetchine) eine wunderlich skurrile Räuberpistole auftischt. Ist der Croupier in diesem Moment aber wirklich ein Inspektor - und ist Paul (Sebastian Müller-Stahl) nun Henker und Arzt in einer Person? Wie kann es sein, dass Viktor (Jan Kersjes) nach seinem Tod als apokalyptischer Heiliger aufersteht? Und was stürzt den kunstsinnigen Grafen (Stephan Korves) plötzlich in so existenzielle Verzweiflung? Jede dieser Figuren trägt Optionen in sich - und wird von fremder Hand geführt.
"Doktor Mabuse" funktioniert im Idealfall als pausenloser Trip, als multimediale Druckbetankung der Sinne. Dafür muss man in Kauf nehmen, dass dieses nach dem Motto "Spiel ist Krieg" geführte Gefecht keine Psychologie kennt, sondern die Figuren archetypisch behauptet. Wer das Theater als moralische Anstalt begreift, wird es hier nur in der Negation erleben - als Ort, der an Ängste rührt und am Ende keine Entwarnung gibt. Das treffendste Bild für die permanente Ungewissheit aber liefern jene digitalen Bildschirme, die den Figuren wie Bretter vor den Kopf gebunden sind ... Menschen im Wechselrahmen. Dafür gibt es am Ende Applaus - und viele ratlose Gesichter.
Nächste Vorstellungen: 22. Oktober, 19.30 Uhr; 23. Oktober, 18 Uhr
13.10.2010, 17:25 | tags:
Schauspiel
597
Nina May, Leipziger Volkszeitung, 13.10.2010
Dessau jagt „Doktor Mabuse“
Uraufführung nach dem Stummfilm von Fritz Lang über den Prototyp des börsenmanipulierenden Verbrechers
„Wer ist Doktor Mabuse?“, heißt es derzeit auf der Homepage des Anhaltischen
Theaters Dessau-Roßlau. Hinter unheimlichen Symbolen (Hexenhand und Überwacher-Auge) verbirgt sich ein Memory-Spiel: Wenn man ein Paar der sonnenbebrillten Menschen zusammen führt, erscheinen Sätze wie: „Du willst mich töten mit deinem Zauber“ oder „Schlafen will ich, mehr denn leben“. Das klingt sehr geheimnisvoll – und stimmt so auf die Uraufführung von „Doktor Mabuse“ am Freitag an.
Nach dem Roman von Norbert Jacques und dem Stummfilm-Klassiker von Fritz
Lang („Der Spieler“, 1921/22) inszeniert Intendant André Bücker das Stück über diesen Prototyp des Verbrechers, der als Vorbild etwa für James-Bond-Filme diente.
Seine Faszination für den Stoff erklärt Bücker so: „Im Zentrum stehen das Böse, die Abgründe der menschlichen Seele, aber zugleich geht es um einen verzweifelt
Liebenden, der bei einer Frau Erlösung sucht, doch sie verweigert sich ihm. Es ist zudem eine hochspannende Kriminalgeschichte, um einen Mann, der die Börsen manipuliert, da sind wir ganz nah bei heute.“ Das Zitat im Stück „Es gibt keine Werte mehr, nur noch Gier“ ließe sich gut auf die inzwischen geplatzte Spekulationsblase beziehen.
Es drehe sich außerdem um kollektives Unterbewusstsein, Mabuse beherrscht die Menschen über Hypnose. Auch mit der Wahrnehmung der Zuschauer werde gespielt: „Das Bühnenbild ist ständig in Bewegung, wir arbeiten mit Spiegeln,
auf die Videosequenzen projiziert werden und greifen so das filmische Mittel der Überblendung auf.“ Eine eigens für den Abend komponierte Musik erzeuge Spannung – „Damit sind wir dann wieder beim Stummfilm, der ja nie eigentlich stumm, sondern immer ein Musikfilm war.“
Das Anhaltische Theater, das in der Kritikerumfrage der Fachzeitschrift Deutsche Bühne dieses Jahr in der Kategorie „Ungewöhnlich überzeugende Theaterarbeit abseits großer Theaterzentren“ am häufigsten genannt wurde, gibt unterdessen teilweise Entwarnung: Die finanziell stark angeschlagene Stadt hatte im März angekündigt, die Zuschüsse ab 2013 zu halbieren. Die Kürzung um 3,5 Millionen Euro würde einen Wegfall von weiteren 3,5 Millionen Euro an Landeszuschüssen nach sich ziehen. Bücker sagte damals: „Das wäre das Ende vom Repertoiretheater.“ Es gründete sich die Bürgerinitiative „Land braucht Stadt“, die für den Erhalt des Theaters kämpft. Heute sagt Bücker: „Wir sind guter Hoffnung, dass wir die Kürzungen abwenden können. Niemand hier will das Theater abschaffen und eine 244-jährige Tradition beenden.“ Die Kommune sei durch all die Kulturschätze wie Gartenreich und Bauhaus-Meisterhäuser finanziell überfordert, nun versuche man, das Land zu gewinnen, einen Teil der Verantwortung zu übernehmen.
Premiere: „Dr. Mabuse“, Freitag, 19.30 Uhr, auch 22.10., 19.30 Uhr; 23.10., 17 Uhr;
18.11., 16 Uhr; 26.11., 19.30 Uhr; Kartenunter 0340 2511333 und 0340 2400258;
www.anhaltisches-theater.de
11.10.2010, 19:30 | tags:
Schauspiel
595
Pressemitteilung vom 11.10.2010
Spielerdoppel
Prinzessin Turandot und Doktor Mabuse sind zwei monströse Spielernaturen, die die Menschen in ihren Bann ziehen. Sie produzieren Abhängige, Süchtige und machen blind vor Liebe und Verlangen. Die Oper von Giacomo Puccini, sowie Fritz Langs Verfilmung des gleichnamigen Romans von Norbert Jacques “Doktor Mabuse, der Spieler“ sind in den 1920er Jahren entstanden und weisen erstaunliche Parallelen auf.
Andrea Moses und André Bücker haben zwei interessante Lesarten der Stoffe für das Anhaltische Theater Dessau entwickelt. Beide Inszenierungen können ab sofort mit einem Kombi-Ticket gebucht werden.
Lassen Sie sich an zwei Abenden zu einem packenden Spiel mit Menschen unserer Zeit verführen. Zusammen nur 26,- Euro auf allen Plätzen!
Die Termine können beliebig kombiniert werden. Das Kombi-Ticket gibt es auch schon für die Premiere „Doktor Mabuse“.
Nächste Vorstellungen „Doktor Mabuse“: 15.10.2010, 19.30 Uhr / 22.10.2010, 19.30 Uhr / 23.10.2010, 17 Uhr / 18.11.2010, 16 Uhr / 26.11.2010, 19.30 Uhr
Nächste Vorstellungen „Turandot“: 24.10.2010, 17 Uhr / 7.11.2010, 17 Uhr / 20.11.2010, 17 Uhr / 9.12.2010, 16 Uhr
Kombi-Tickets und Informationen erhalten Sie an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de und auch an der Abendkasse.
06.10.2010, 11:42 | tags:
Schauspiel
585
Pressemitteilung vom 6.10.2010
„Mein wildes Herz in Deine Ruh“
Mit Songs von Kurt Weill, Paul Dessau, Rudolf Wagner-Régeny, Hanns Eisler und Texten Bertolt Brechts
Zu einer besungenen Herzzerreißung lädt das Anhaltische Theater am Samstag, 16. Oktober um 19.30 Uhr ins Foyer des Alten Theaters ein.
Antje Weber und Matthieu Svetchine spielen Claire und George aus Chicago, zwei Aufklärer in Liebesdingen, die das ewige Auf und Ab durch alle Betten dieser Welt satt haben. Denn die Lust und der Liebesfrust haben sie ausgelaugt. Wie gnadenlos gefährlich die Liebe in Wirklichkeit ist, haben sie am eigenen Leib erleiden müssen. Doch jetzt ist Schluss und Claire und George wissen nach all den schmerzlichen Jahren: Die Liebe ist ein Dreck, eine böse Krankheit die man bekämpfen muss und vor der es lauthals zu warnen gilt! Also sind sie losgezogen, einen stets betrunkenen Barpianisten im Schlepptau (Daniel Carlberg), um uns die Augen und Ohren über die wahren Folgen körperlich-herzlicher Liebe zu öffnen.
In George und Claires Herzzerreißung wird gewarnt, aufgeklärt, atemberaubend gesungen, geklagt. Weltberühmte Songs wie die „Zuhälterballade“; den „Barbara-Song“; das „Lied von Surabaya-Johnny“ und die „Ballade von der sexuellen Hörigkeit“ erklingen an diesem Abend.
Tickets und Informationen erhalten Sie unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr | Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
04.10.2010, 22:54 | tags:
Schauspiel
584
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 5.10.2010
Die Faszination eines weltbekannten Bösewichts
Es fing ganz harmlos an. So wie bei vielen Kindern in den 70ern, als bei schlechtem Sonntagswetter Miss Marple, der Mönch mit der Peitsche, der Frosch mit der Maske oder eben auch Dr. Mabuse eine willkommene Abwechslung auf dem Fernsehbildschirm waren. Viele haben die Erinnerung an solche wohlig-gruseligen Fernsehabende in Schwarzweiß beiseite geschoben, lächeln noch ob der kindlichen Faszination für dieses Genre. Andere aber sind den ewigen Bösewichtern auf der Spur geblieben und nach wie vor von ihnen gefesselt. André Bücker hat sich nicht als Generalintendant des Anhaltischen Theaters, sondern als Regisseur an die Sohlen eines ganz besonderen Missetäters geheftet: Dr. Mabuse.
Schon seit Wochen sucht man diesen Doktor im Netz bei Facebook oder auf der eigenen Internetpräsenz wer-ist-mabuse.de. Wer der Meisterverbrecher tatsächlich ist, wird man jedoch erst am 15. Oktober erfahren, wenn das Schauspiel in Bückers Regie auf der großen Bühne des Anhaltischen Theaters Premiere hat. Erste Tipps zum Verbleib des Titelhelden gibt es schon am Sonntag, wenn 10.30 Uhr zur Matinee eingeladen wird.
Dann wird André Bücker auch erzählen, was ihn dazu bewog, den Mabuse-Stoff erstmals überhaupt für eine Theaterbühne zu bearbeiten. Lange genug trug er die Idee schließlich schon mit sich herum. "Nach den Filmen aus den 60er Jahren, die ich als Kind sah, stieß ich während des Studiums wieder auf Mabuse", so der Regisseur. Fasziniert von den Stummfilmen der Fritz-Lang-Zeit ist Bücker auch heute noch. "Die haben ein riesiges Repertoire an Mimik und Gestik, unterstützt von viel Musik." Mabuse sei eine der größten Figuren jener Zeit. Erschaffen 1919 vom Schriftsteller Norbert Jacques erlangte Mabuse mit der Verfilmung durch Fritz Lang in den 20er Jahren Kultstatus.
"Mabuse ist Spieler, Verbrecher, aber auch ein Liebender. Vor allem aber hat er eine Utopie", sagt Bücker. Für deren Erlangung setzt er freilich alle Mittel eines Verbrechers ein: Verwandlung, Maskierung, Suggestion. "Eigentlich arbeitet er mit allen Mitteln des Theaters", findet der Regisseur, der sich für seine Bühnenfassung nicht nur bei den literarischen und filmischen Mabuse-Vorlagen bediente. "Wir erzählen nicht das Buch oder den Film nach", macht Bücker klar, vielmehr wolle man ein Sittengemälde der Zeit zeichnen. Der Abend habe komische und absurde Momente, lasse aber auch die Einflüsse von Nietzsche, Freud und Baudelaire erkennen.
Bei all dem spiele der Theaterabend aber auch mit der Wahrnehmung des Publikums. "Das Bühnenbild ist sehr wandelbar", so Bücker, Spiegelungen und Reflexionen gebe es, drehende Türen und Projektionen. "Wir wollen versuchen, die Leute in unseren Bann zu ziehen." Ausstatter Jan Steigert wird dies bereits am Sonntag bei der Matinee erklären. Zur vormittäglichen Stunde will man dann auch mit dem Publikum pokern und selbigem eine Live-Hypnose vorführen. Ganz im Sinne von Mabuse, dem die Frauen zu Füßen lagen und der sich über alle Schranken hinweg setzte.
30.09.2010, 15:29 | tags:
Schauspiel
581
Pressemitteilung vom 30.09.2010
Matinee zur Premiere „Doktor Mabuse“
Am Sonntag, 10. Oktober um 10.30 Uhr lädt das Anhaltische Theater Dessau anlässlich der Matinee zur Premiere von Doktor Mabuse zu einer Live-Hypnose mit dem gesamten Mabuse-Ensemble ins Foyer des Großen Hauses ein.
Regisseur André Bücker beantwortet die Frage: „Wer ist Mabuse?“ und stellt Konzeption und Bühnenbild der neuen Schauspielinszenierung vor. Schauspieler lesen und spielen Texte aus dem Stück und stellen Musikbeispiele, sowie Filmsequenzen vor. Anschließend bitten Regisseur und Ensemble zu einer exklusiven Pokerrunde an den Spieltisch.
Für den Eintritt wird ein Obolus von 3,- Euro erhoben, der beim Besuch der entsprechenden Veranstaltung auf den Kartenpreis angerechnet wird.
Theaterpredigt zum Schauspiel „Doktor Mabuse“
Am Sonntag, 17. Oktober um 14.30 Uhr laden die Evangelische Landeskirche Anhalts, das Anhaltische Theater und die Kirchengemeinde St. Johannis und St. Marien zur Theaterpredigt zum Schauspiel „Doktor Mabuse“ in die St.-Johannis-Kirche Dessau-Roßlau ein.
Die Dessauer Theaterpredigten dienen dem lebendigen Dialog zwischen Kunst und Religion und stehen so in der aufgeklärten und kulturfreundlichen Tradition Anhalts. In Religion und Kunst suchen Menschen Bilder für die Welt, die ihnen begegnet, deuten Erfahrungen, drücken Emotionen und Visionen aus.
Dr. Dirk Pilz, Theologe , Autor und Theaterkritiker hält die Theaterpredigt mit dem Thema „Der tolle Mensch“. Pilz 1972 im Vogtland geboren, studierte Germanistik, Philosophie und Psychologie. 2005 promovierte er an der Universität Potsdam. Pilz ist Autor der Berliner Zeitung, schreibt außerdem vor allem für die NZZ und war Redakteur bei Theater der Zeit.
Er hat Lehraufträge an verschiedenen Universitäten und ist Mitbegründer und Redakteur von nachtkritik.de.
Für die musikalische Ausgestaltung sorgen KMD Martina Apitz (Orgel) und Musiker der Anhaltischen Philharmonie. Im Anschluss besteht die Möglichkeit zum Gespräch bei Kaffe und Kuchen.
28.09.2010, 15:10 | tags:
Schauspiel
577
Pressemitteilung vom 28.09.2010
Uraufführung und Premiere „Doktor Mabuse - Ein Spiel mit Menschen unserer Zeit.“
Schauspiel frei nach Motiven von Norbert Jacques und Fritz Lang, mit Texten von Friedrich Nietzsche, Charles Baudelaire, René Girard u.a.
Am 15. Oktober um 19.30 Uhr lädt das Anhaltische Theater zur Uraufführung und Premiere des Schauspiels „Doktor Mabuse“ ins Große Haus ein.
Regisseur André Bücker bringt mit „Doktor Mabuse“ eine Kultfigur auf die Theaterbühne. Krimi, Liebesgeschichte, ein Versuch über das Böse – Die Dessauer Uraufführung ist ein suggestiver Theaterabend, der auf verschiedensten Ebenen mit den Wahrnehmungen der Zuschauer spielt.
Mit der Romanfigur des Doktor Mabuse schuf Norbert Jacques 1919 den Prototyp des modernen, gewissenlosen und schließlich in den Wahnsinn driftenden Universalverbrechers, der besonders durch die Verfilmungen von Fritz Lang in den zwanziger Jahren Kultstatus erlangen sollte. Doktor Mabuse gilt auch als Vorbild für alle späteren Schurken der James-Bond-Filme. Doktor Mabuse manipuliert durch Massensuggestion die Finanzmärkte, zwingt durch Hypnose seine Kontrahenten beim Kartenspiel in den Ruin und versucht letztlich die Weltherrschaft zu übernehmen. Die unerfüllte Liebe zu einer Frau treibt ihn dabei zu immer monströseren Verbrechen. Schließlich will er in Brasilien eine Kolonie gründen, um seine Vorstellungen einer utopischen Gesellschaft zu verwirklichen. Doch die Befriedigung seiner unendlichen Gier lässt ihn nur noch unglücklicher werden. So ist Doktor Mabuse ein Gleichnis auf unsere moderne Gesellschaft, die in ihrem unaufhörlichen Streben nach immer mehr und immer größerem Gewinn dabei ist, sich selbst zu verlieren und letztlich zu vernichten.
Weitere Termine: 22.10.2010, 19.30 Uhr; 23.10.2010, 17 Uhr; 18.11.2010, 16 Uhr; 26.11.2010, 19.30 Uhr und 14.01.2011, 19.30 Uhr; 10.04.2011, 17 Uhr; 14.05.2011, 17 Uhr; 26.06.2011, 17 Uhr
Mehr Informationen, Probenbilder, Trailer, Spiele unter www.wer-ist-mabuse.de/ und auf Facebook.
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de und auch an der Abendkasse.
28.09.2010, 14:47 | tags:
Schauspiel
, Neue Formate
576
Pressemitteilung vom 28.09.2010
Wege ins Glück [Teil1] SAUFEN
Mit „Wege ins Glück“ startet das Anhaltische Theater eine neue Veranstaltungsreihe im Alten Theater. Angeführt von Schauspielern werden hier die wirklich entscheidenden Probleme des Lebens und der Welt literarisch besprochen, besungen, vertanzt und anderweitig zum Thema gemacht. Die ersten vier Wege ins Glück sind: SAUFEN /// SICH VERWEIGERN /// SEX und POLITIK.
Am Samstag, 9. Oktober um 21.00 Uhr findet die erste Ausgabe unter dem Thema SAUFEN statt. Dem Kabarettisten Gerhard Polt folgend, der zum Verhältnis Mensch & Alkohol formuliert: „Kann man einem Menschen trauen, der keinen Alkohol trinkt? Ich hab da meine Bedenken.“, beschäftigen sich 4 Schauspieler im 1. Teil der „Wege ins Glück“ mit den Gefahren und den Glücksverheißungen der feinen, wie brutalen Arten des „Saufens“. Jeder siebente Bundesbürger ist statistisch gesehen ein Alkoholiker, doch bei jedem zweiten Menschen zeigt sich bereits nach dem Genuss von einem Glas Wein eine beträchtliche Aufhellung des Gemüts. Der Deutsche steht selbst, oder gerade, in massiven Krisenzeiten in Sachen „Saufen“ von diversen Alkoholika, noch immer an der Weltspitze und gleichsam gehen die Gesundheitssysteme ob dieses Phänomens in die Knie.
Es gilt im 1. Teil der „Wege ins Glück“ literarisch, musikalisch und in einem extremen Selbstversuch dem deutschen Volkslaster in seinen hellen, wie dunklen Ausprägungen auf die Spur zu kommen. Das ist zum Hören, Sehen und Mitmachen.
Weitere Termine: 15.11.2010, 21 Uhr Thema: SICH VERWEIGERN oder Bartleby im Fernsehland und andere Möglichkeiten des Widerstands | 05.03.2011, 21 Uhr Thema: SEX oder Was ist dran an einer schweißtreibenden Leidenschaft | 01.05.2011, 20 Uhr Thema: POLITIK oder Utopia smells very strong!
Tickets zu 6 EURO / ermäßigt 4.50 EURO und Informationen erhalten Sie an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de und auch an der Abendkasse.
16.09.2010, 15:34 | tags:
Schauspiel
563
Pressemitteilung vom 16.09.2010
„Der letzte Einruf!!! [Folge 4] Doktor Mabuse
Am Samstag, 25. September um 19.30 Uhr lädt das Anhaltische Theater zu einer weiteren Folge „Der letzte Einruf!!!“ ins Foyer des Alten Theaters ein.
Zum vierten Mal öffnet Kultinspizient Leo Polte VIII. seine Familienchronik und konfrontiert das Publikum mit überraschenden Fakten aus der Theatergeschichte Dessaus und erläutert, „was die Welt im Innersten zusammenhält“.
So erfahren wir u.a. was Doktor Mabuse mit Dieter Bohlen und dem Tod von Lily Herking zu tun hat, wieso das Filmgeschäft eine erotische Schlammpfütze ist und warum 10 berühmte Belgier in Zukunft nur noch zu neunt sein werden.
Ein „sehr lehrreicher“ Abend mit viel Humor, Musik und Gerald Fiedler, begleitet am Piano von Stefan Neubert.
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de und auch an der Abendkasse.
16.09.2010, 13:58 | tags:
Schauspiel
562
Pressemitteilung vom 16.09.2010
Wiederaufnahme „Des Teufels General“
Nur zwei Mal im Herbst, am 24. September um 19.30 Uhr und am 10. Oktober um 17.00 Uhr zeigt das Anhaltische Theater Carl Zuckmayers Schauspiel „Des Teufels General“. Jeweils eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn findet eine Werkeinführung im Foyer statt. Für beide Vorstellungen werden Tickets zum Sonderpreis von 7,- EURO/ ermäßigt 5,- EURO angeboten.
Harras, genialer Flieger und schillernde Figur, rast mitten in den braunen Jahren die deutsche Karriereleiter empor und genießt sein Leben in vollen Zügen. Er wird zu des „Teufels General“ - verstrickt in das System, schuldlos und schuldig zugleich.
Die Verfilmung des Stoffs hatte 1955 einen politischen Schock zur Folge. Heute sind wir von solch schwerer Wirkung zwar weit entfernt, doch Zuckmayers Grundthemen, die Risse in deutschen Lebenswegen, die Verstrickung in Schuld und die Frage der Ohnmacht des Einzelnen gegenüber der Macht, zeigen noch immer Wirkung. Und dies in einer Stadt, in der Hugo Junkers erfolgreich für die zivile Luftfahrt arbeitete und von den Nazis als „politisch unzuverlässig“ aus seinen Betrieben und seiner Stadt gejagt wurde.
In der Inszenierung von Wolf Bunge spielen in der Hauptrolle des Harras Werner Eng als Gast sowie das gesamte Schauspielensemble des Anhaltischen Theaters.
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Abendkasse und unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr | Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
14.09.2010, 15:48 | tags:
Schauspiel
557
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 14.09.2010
AUSTAUSCH
Fräulein Kittel überzeugt auch die Berliner
Dessauer Produktion im Deutschen Theater.
Dessaus Schauspieler erobern die Bühnen der Hauptstadt. Los ging es in der vergangenen Spielzeit mit der ersten Koproduktion des Anhaltischen Theaters mit einer Berliner Bühne. Entstanden ist damals zur Spielzeiteröffnung „Abschlussfeier" von Einar Schleef als Koproduktion mit dem Maxim Gorki Theater Berlin, dessen Intendant Armin Petras - ein bekennender Schleef-Fan - die Regie übernahm und die Hauptrolle mit Ursula Werner besetzte. In der Folge war das Stück, in dem Dessauer und Berliner Schauspieler gleichermaßen mitwirkten, im Alten Theater und in Berlin zu sehen.
Nun ist gleich eine komplette Produktion nach Berlin gereist. Am Sonntag war im Deutschen Theater die Dessauer Inszenierung „Carmen Kittel oder Ich wünsch mir Sonnenstrand" als Gastspiel zu sehen. Niklas Ritter inszenierte das Stück von Georg Seidel im Mai für das Alte Theater. Den Austausch von Inszenierungen vereinbarten in der vergangenen Spielzeit die Intendanten bei der Bühnen, André Bücker für Dessau und Ulrich Khuon für das Deutsche Theater Berlin. Hintergrund dafür war ein Besuch der Intendantengruppe des Deutschen Bühnenvereins in der Stadt, mit dem die Theaterleiter ihre Solidarität gegenüber der von Kürzungen bedrohten Dessauer Bühne ausdrückten.
Am Sonntag nun empfing Ulrich Khuon die Darsteller aus Dessau nach der überaus erfolgreich angenommenen Vorstellung in den nahezu ausverkauften Kammerspielen der Deutschen Bühne mit Sekt und einem Büfett. „Khuon umarmte alle und sagte, wie wichtig, gelungen und packend er die Produktion finde", sagte gestern André Bücker, der das Ensemble zum Gastspiel begleitete. "Ich bin glücklich, dass unsere Arbeit auch in Berlin bestehen konnte", so der Generalintendant. Das Publikum der Hauptstadt habe lange und herzlich applaudiert.
Noch in diesem Monat wird in Dessau der Gegenbesuch des Deutschen Theaters erwartet. Am 26. September um 18 Uhr ist Star-Schauspieler Ulrich Matthes mit der Produktion "Geschichte einer Seele" zu Gast im Großen Haus des Anhaltischen Theaters. Ulrich Matthes, seit Jahren einer der gefragtesten Bühnen- und Filmschauspieler und Ensemblemitglied am Deutschen Theater Berlin, skizziert in der szenischen Lesung aus Briefen von Heinrich von Kleist das Leben eines Menschen in seiner Komplexität, Zerrissenheit und seinen Extremen.
Zu den Zusammenarbeiten mit dem Maxim Gorki Theater und dem Deutschen Theater gesellen sich in dieser Spielzeit noch neue Kooperationen. Laut André Bücker arbeitet man mit dem Nationaltheater Weimar und der Hochschule für Schauspielkunst Berlin "Ernst Busch" zusammen.
10.09.2010, 14:50 | tags:
Schauspiel
550
Pressemitteilung vom 10.09.2010
Wiederaufnahme „Der Kick“
Am Mittwoch, 15. September um 18.00 Uhr zeigt das Anhaltische Theater die Wiederaufnahme „Der Kick“ im Studio des Alten Theaters.
„Der Kick“ beschreibt einen authentischen Fall aus dem Jahr 2002: Nach stundenlanger Folter erschlagen Marcel Schönfeld, 17, sein Bruder Marco, 23, und ein weiterer Jugendlicher im brandenburgischen Dorf Potzlow den 17-jährigen Marinus Schöberl auf bestialische Weise. Sechs Monate bleibt die Leiche verschwunden. Ein Dorf schweigt, versucht die Tat zu verdrängen und zu vergessen.
„Der Kick“ versucht, die Ursachen des Gewaltexzesses zu erforschen und das Unglaubliche der Vorgänge aus dem Jahr 2002 fassbar zu machen. Die Autoren Andres Veiel und Gesine Schmidt lassen 18 real existierende Personen (Täter, Angehörige, Nachbarn und Beamte) zu Wort kommen und montieren die Texte aus Protokollen, Interviews und Trauerreden zu einem der beklemmendsten Entwürfe der Gegenwartsdramatik. Sie vermitteln einen erschreckenden Einblick in den Tathergang und darüber hinaus in die sozialen Verhältnisse der Beteiligten.
Zu dieser Aufführung werden theaterpädagogische Begleitprogramme wie Einführungen und Nachgespräche angeboten.
In der Inszenierung von Axel Sichrovsky spielen Susanne Hessel und Sebastian Müller-Stahl.
07.09.2010, 16:53 | tags:
Schauspiel
547
Pressemitteilung vom 7.9.2010
Bauhaus-Theater-Special – Bauhausführung und Theaterinszenierung
Das Anhaltische Theater Dessau und die Stiftung Bauhaus Dessau laden am 11. September 2010 und am 8. Oktober 2010 zum neuen Bauhaus-Theater-Special ein.
Ausgewählte Vorstellungen des Anhaltischen Theaters auf der Bauhausbühne werden zusammen mit Führungen durch das Bauhaus zum Sonderpreis angeboten.
Am 11. September beinhaltet dieses Angebot eine besondere Führung durch das Bauhaus, die um 19.00 Uhr beginnt und den anschließenden Besuch der Vorstellung Milarepa ebenfalls im Bauhaus. Das Stück des französischen Kult-Autors Eric-Emmanuel Schmitt, inszeniert von Andrea Moses, präsentiert der Schauspieler Uwe Fischer an einem ungewöhnlichen Ort, im ehemaligen Heizungskeller des Bauhaus Dessau.
Am 8. Oktober wird bereits um 20 Uhr eine Führung durch das Bauhaus angeboten und um 21 Uhr die Schauspielproduktion „Milarepa“ gezeigt.
Die Karten sind für 12 Euro/ ermäßigt 10 Euro (statt: 18,50 Euro/ 14,50 Euro ermäßigt für Vorstellung und Führung!) an der Abendkasse im Bauhaus und über die Theaterkassen erhältlich.
Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de.
20.07.2010, 22:11 | tags:
Schauspiel
, Pressestimmen
522
Joachim Lange, Dresdner Neueste Nachrichten, 16.07.2010
Wenn es im Stadtpark spukt
Andrea Moses inszeniert im Dessauer Stadtpark mit „Sommer Nacht Traum“ ein lustvoll hintersinnig Nachspiel zu einer erfolgreichen Saison des Neustarts
Es ist ein Spuk, von dem man am Ende nicht so genau weiß, wie er ausgegangen ist. Dass er aber nicht im Theater selbst, sondern im Dessauer Stadtpark stattfand, muss man, trotz der bedrängten Lage des Anhaltischen Theaters, nicht gleich als böses Omen deuten. Noch spielen sie freiwilligaußer Haus. „Sommer Nacht Traum“ heißt das Freiluft- Spektakel im Park. Und so dicht wie der collagierte Titel, unter den Regisseurin Andrea Moses und Dramaturg Holger Kuhla ihre Melange aus Botho Strauß’ Shakespeare-Adaption „Der Park“ und Andreas Gryphius’ „Herr Peter Squenz“ stellen, beim populären Vorbild bleibt, so dicht bleibt auch die letzte Premiere des Anhaltischen Theater dem berühmten mittsommernächtlichem Täuschungs- und Selbsterkenntnistrip des großen Briten auf den Fersen.
Die finsteren Geister allerdings, die die sagenhafte, metaphorische Sommernacht ja auch weckt, hatten in diesem Park vor zehn Jahren zu einem ganz realen Mord am Mosambikaner Alberto Adriano geführt und die Stadt im Mark erschüttert. Jetzt ist ein smarter „schwarzer Junge“ (Derek Nowak) das Objekt der Begierde des schmierigen Showmasters Cyprian (Matthieu Svetchine), der wie ein später Nachfahre des Spielmachers Puck daherkommt, aber nicht mit Zauberkräutern, sondern mit seiner Show und modernen Voodoo-Püppchen Beziehungs- und Begierde-Verwirrung stiftet. Dass er von dem Schwarzen erschlagen wird, als er sein Begehren nach dessen Körper mit
einem Bündel Geldscheinen bekräftigt, gehört zu den finsteren Pointen genau dieses Spielortes. Der Schwarze Junge ist zugleich die Projektionsfläche eines diffusen rassistischen Ressentiments jener Helen, die beim Endausscheid des von Cyprian im Baumarkt oder Billig-TV-Stil veranstalteten Sänger-Castings „Goldener Mund 2010“ gegen ihn verloren hatte, mit der das Spiel beginnt.
Christan Wiehle hat seine Kussmund-Bühne mit Zungenlaufsteg mit einem Wohnwagen und einem Kiosk eingerahmt. Mit wankenden Biertrinkern und lungernden Jugendlichen gibt das eine perfekte Campingplatztristesse. Hier geistern die Feengötter Oberon (Stephan Corves) und Titania (Antje Weber) wie Außerirdische herum. Wenn auch auf ziemlich verlorenem Posten. Im göttlichen Pelz, mit nichts drunter und voller Verzweiflung über ihre abnehmende Fähigkeit, die Menschen zu irritieren und zur Sinnlichkeit zu verführen. Wobei vor allem Titania die Kontrolle über ihre Triebe verliert und mit der Frage nach der Uhrzeit so gut wie jeden Mann in ihrer Reichweite verführen will.
In dem, was sonst noch passiert an Beziehungskrisen, an Handwerker-Theaterjux im Spiel um Pyramus und Thisbe, an Verführung und entfesselter Gier, greift das Personal des Paarspezialisten Botho Strauß ebenso auf die Beziehungskrisen-Gegenwart durch, wie die schauspielernden Handwerker auf die Casting-Show-meets-HartzIV-Wirklichkeit mit ihren Du-hast-keine-Chance-
darum-nutze-sie-Angeboten. Im Hin- und Her zwischen Helen (Katja Sieder) und Georg (Thorsten Köhler) und Helma (Susanne Hessel) und Wolf (Sebastian Müller-Stahl). Und bei den Okkupations- versuche der Bühne durch die schauspielernde HartzIV-Truppe, mit denen Uwe Fischer, Jan Kersjes, Hans-Jürgen Müller-Hohensee, Boris Malré, Gerald Fiedler, Harald Thiemann, Christel Ortmann natürlich nach Kräften abräumen.
Sicher ist bei diesem Spiel die Kenntnis von Shakespeares Sommernachtstraum hilfreich. Aber eine Unterforderung der Zuschauer gehört in der neuen Dessauer Dramaturgie ohnehin nicht zum Programm. Zumal sich die Schauspieler allesamt mit Komödiantenlust ins hochsommerliche Theatervergnügen werfen und selbst dann einen sinnlich packenden Theaterabend behaupten,
wenn sie die Einzelszene genauer im Auge haben, als den großen Bogen.
Nächste Vorstellungen: 16. bis 18. Juli, 19.30 Uhr
15.07.2010, 00:22 | tags:
Schauspiel
521
Reinhardt Wengierek, http://www.kultiversum.de, 15.07.2010
Kolumne 41
Wengierek, was guckst du?
Ich gucke Peter Squenz. Und muss es endlich in alle Welt trompeten: Das naiv-erfinderische, selbstherrlich verspielte Schulmeisterlein Peter Squenz aus Gryphius-Rumpelskirchen oder Shakespeare-Athen ist meine ganz, ganz große Liebe; beinahe lebenslang. Durch nichts ist die Seligkeit zu erschüttern, wenn Peter kommt. Wenn der irrwitzige Schlaumeier antritt mit seinem Handwerkertrupp, alles Deppen wie wir, um das Tränenstück „Pyramus und Thisbe“ aufs Brettl zu hieven.
O ja, da ist das Peterle total herzig, und der Herr Squenz total herzzerreißend. Zum Knuddeln und zum Niederknien. Schönstes, reinstes Theaterglück! Immer wieder wisch‘ ich beim Zugucken mindestens eine Träne weg, wenn da aus grober Menschenklamotte feine Menschheitskomödie wird – und umgekehrt. Diesmal gelang Uwe Fischer das Kunststück. Im Stadtpark zu Dessau, auf knallbunter Bühne, in Affenhitze und unter Mücken-Bestechung ‑ korrekt bei Sonnenuntergang ab 21.20 Uhr. Also: Kratzen, Fecheln, Trinken und Staunen über einen scharfen Sommernachts-Cocktail aus Botho Strauß („Im Park“), Andreas Gryphius („Herr Peter Squenz“) sowie Parodien aktuellen TV-Entertainments, keck zusammen gequirlt und aufgeschäumt von Regisseurin Andrea Moses.
Immer wieder erstaunlich, was das Anhaltische Theater drauf hat. Trotzdem: Es kommt nicht runter von der Liste abwicklungsbedrohter Betriebe. Peter-Uwe Squenz-Fischer, du solltest dir, statt immer nur Handwerker, mal Kommunalpolitiker zur Brust nehmen.
14.07.2010, 21:23 | tags:
Schauspiel
, Musiktheater
520
Frankfurter Rundschau, Joachim Lange, 14.07.2010
Anhaltisches Theater Dessau
Sein oder Nichtsein
Es ist ein Spuk, von dem man nicht so genau weiß, wann er vorbei ist. Dass er nicht im Theater selbst, sondern im Dessauer Stadtpark stattfand, muss man aber nicht gleich als böses Omen sehen. Das "SommerNachtTraum" Spektakel, mit dem Chefregisseurin Andrea Moses jetzt eine so interessante wie erfolgreiche Saison des künstlerischen Neustarts abschloss, passt in seinem Changieren zwischen dem Übermut Shakespeares und der Hintersinnigkeit von Botho Strauß ganz gut in diesen Park. Die finsteren Geister, die die sagenhafte Sommernacht auch weckt, hatten hier vor zehn Jahren zum Mord am Mosambikaner Alberto Adriano geführt und die Stadt im Mark erschüttert.
Dessau geht es wie vielen Städten in Ostdeutschland. Dem unübersehbaren Gewinn im Stadtbild stehen Deindustrialisierung und Abwanderung (in Dessau seit 1989 mehr als ein Viertel der Einwohner) gegenüber. Die Internationale Bauausstellung, für die das Bauhaus Dessau ein quasi natürliches Zentrum ist, illustriert die Dimension dieses Umbruchs gerade eindrucksvoll.
Das Theater der Stadt ist eine wuchtige architektonische Behauptung. Man wollte hier in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts ein Bayreuth des Nordens schaffen. Und so sieht der Bau auch aus. Zwanzig Jahre nach dem Zusammenbruch der DDR gehört dieses mit seinen über 1000 Plätzen überdimensionierte, in der Region aber gut vernetzte Haus, neben Bauhaus und Wörlitzer Park, zu den wenigen guten Gründen, die A9 in Richtung Dessau zu verlassen.
Einfach war die Finanzierung nie. Doch die strukturelle Schieflage der Theater-Finanzierung und die bislang ziemlich fantasielosen Reaktionen auf den drohenden Kollaps der Kommunalfinanzen bedrohen das Theater jetzt existenziell. Die aktuelle "Blut und Tränen"-Streichliste sieht allein für das Vierspartenhaus (Musik, Schauspiel, Ballett, Puppentheater) eine Kürzung von 3,5 Millionen Euro vor. Bei der bisherigen Kopplung der Landeszuschüsse an den kommunalen Finanzierungsanteil würde die Umsetzung 2013 das Aus für das Theater bedeuten. Mit all den verheerenden Konsequenzen, die das für die Bewohnbarkeit dieser Stadt hätte.
Weil hier ein zweites Wuppertal droht, waren denn auch für ein Krisengespräch des Intendanten André Bücker beim parteilosen Dessauer OB Klemens Koschig prominente Unterstützer angereist. Neben dem Vorsitzenden der Intendantengruppe des Deutschen Bühnenvereins, Holk Freytag, waren die Amtskollegen aus Potsdam (Tobias Wellemeyer), Senftenberg (Sewan Latchinian) und aus Berlin vom Deutschen Theater (Ulrich Khuon) angereist. Zumindest das Bekenntnis, nach einer Lösung für das Haus suchen zu wollen, schien (anders, so Holk Freytag, als bei der Schließung des Schauspielhauses in Wuppertal) auch bei der arg gebeutelten, drittgrößten Kommune Sachsen-Anhalts offenkundig.
Ob freilich die anvisierte Umwandlung in ein Staatstheater eine belastbare Lösung ist, scheint nicht nur wegen der dann zu erwartenden Begehrlichkeiten in Halle oder Magdeburg fraglich. Bis die Finanzierungsproblematik im Kontext einer überfälligen, aber sich bislang nicht abzeichnenden Reform der finanziellen Sicherung der Kommunen gelöst werden kann, kann es nur um die Suche nach Überlebensstrategien und den vehementen künstlerischen Einsatz gehen.
So ist die Kopplung der Landeszuschüsse an die der Kommunen natürlich kein Naturgesetz. Wenn das Land zeitweise wegbrechende Beiträge der Kommune ausgleichen würde, wäre das ja keineswegs ein Angriff auf die Kulturhoheit der Länder, sondern eher ein Beispiel ihrer Wahrnehmung. Zumal, gesamtwirtschaftlich gesehen, jeder eingesetzte Euro eine Investition mit Ertrag und kein verlorener Verbrauch von Mitteln ist. Immerhin hat das Theater der 88000 Einwohner zählenden Stadt Dessau in jedem Jahr mehr als 200000 Zuschauer. Auch deshalb scheint man hier den Argumenten der Intendanten immerhin zuzuhören. Entmutigt wirkten sie jedenfalls nicht.
Auf ihrem Feld haben die, alles in allem, 300 Mitarbeiter des Theaters imponierend Flagge gezeigt. Und das gleich im ersten Jahr. Der Wechsel vom Langzeitintendanten Johannes Felsenstein zu André Bücker und seinem neuen Leitungs-Team ist hier nämlich nicht nur ausgesprochen erfolgreich, sondern auch mit einer erkennbar neuen Ästhetik in allen Sparten gelungen.
Ob nun im Schauspiel, gleich zu Beginn, mit eine Schleef-Bearbeitung von Armin Petras oder im Tanztheater. Da überzeugten Tomasz Kajdanksi und seine Truppe erst mit seiner Version von "Lulu" und dann mit "Nachtasyl" nach Maxim Gorki. Ambitioniert in der Choreografie und virtuos in der Umsetzung; in beiden Fällen mit Musik von Schönberg bis Glanert, und das aus dem Graben und nicht aus der Konserve.
Nicht nur beim Tanz hat sich Dessau damit an die Spitze der Theater in Sachsen-Anhalt gesetzt. Vor allem in der Oper war der "Lohengrin" von Andrea Moses eine szenische Offenbarung. Dass es ihr, dem Intendanten und dem neuen GMD Antony Hermus aber auch um den musikalischen Standard des Hauses geht, bewiesen sie mit dem ausgegrabenen französischen Fünfakter "Die Stumme von Portici" von Daniel-François-Esprit Auber. Und das lag nicht nur an einem hier zu entdeckenden mexikanischen Tenor mit Weltstar-Potenzial namens Diego Torre, sondern am gesamten Ensemble. Das spielt, als ginge es um sein Überleben. Eine Redewendung, die mittlerweile den Beigeschmack von Wahrheit hat.
13.07.2010, 15:09 | tags:
Schauspiel
519
Pressemitteilung vom 13.07.2010
Sommertheater im Stadtpark Dessau
Nur noch fünf Mal zeigt das Anhaltische Theater die Sommertheaterproduktion „Sommer Nacht Traum“, in der Regie von Andrea Moses auf der Bühne im Stadtpark.
In dem Stück verwebt die Regisseurin zwei Stoffe miteinander: „Der Park“ von Botho Strauß und „Herr Peter Squenz“ von Andreas Gryphius und inszeniert diese als sommerliches Roadmovie mit dem gesamten Schauspielensemble.
Auf einer poppig bunten Bühne, lädt Showmaster Cyprian zunächst zum Finale des Song-Contest "Goldener Mund Dessau 2010" ein, um dann in die verschiedenen Handlungsebenen einzusteigen, in denen es um zwischenmenschliche Beziehungen, verlorengegangene Liebe, Liebeswirren und um Lust geht. Unterbrochen werden die Geschichten durch eine nach dem Konzert zum Säubern in den Park geschickte Hartz-IV-Truppe arbeitsloser Dessauer Handwerker, die sich dazu entschließen, Kunst auf die Bühne zu bringen. Und dann ist da noch das Feengötterpaar, Oberon und Titania, wartend, streitend und ratlos ob dieser Parkmenschenwelt. Vergeblich suchen sie nach Menschen, die sich noch von erotisch-kluger Lust, Sinnlichkeit und Poesie verzaubern lassen.
Termine: 14./ 15./ 16./ 17./ 18.7. jeweils um 19:30 Uhr
Informationen und Tickets erhalten Sie an der Abendkasse und unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr | Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
12.07.2010, 10:50 | tags:
Schauspiel
, Pressestimmen
515
Helmut Rohm, Volksstimme, 12.07.2010
Anhaltisches Theater Dessau zeigt "Sommer Nacht Traum" im Stadtpark
Vielfältige Geschichten in der Parkmenschenwelt
Eine herausgestreckte Zunge - man denke nur an das weltbekannte Einstein-Porträt - hat Symbolcharakter für Frechheit, Dreistigkeit, auch Spott und Komik. So wie in der Sommer-Theaterinszenierung des Anhaltischen Theaters Dessau. Im Dessauer Stadtpark hatte "Sommer Nacht Traum" eine gefeierte Premiere.
Ein weit geöffneter Mund mit eben der langen herausgestreckten knallroten Zunge ist eine Showbühne (Ausstattung Christian Wiehle). "Hallo Dessau! ", schallt es in das Stadtparkareal. Der smarte Showmaster Cyprian (Matthieu Svetchine) ruft zum Finale Song-Contest "Goldener Mund Dessau 2010". Einen tollen Gesangsvortrag gestalten Helen (Katja Sieder) und Norman (Deren Nowak) und Band mit Harald Thiemann, Jan Kerjes und Gerald Fiedler. Sonderbar dann nur, dass statt Publikumsfavoritin Helen der dunkelhäutige Norman gewinnt.
Aus dem Gesangswettbewerb heraus entwickelt Regisseurin Andrea Moses verschiedene eigenständige, nur andeutungsweise locker miteinander verbundene Spielebenen. Für "Sommer Nacht Traum" verwebt sie "Der Park" von Botho Strauß und "Herr Peter Squenz" von Andreas Gryphius.
Die nach dem Konzert zum Säubern in den Park geschickte Hartz-IV-Truppe arbeitsloser Dessauer Handwerker um deren Koordinator Peter Squenz (Uwe Fischer) hat die Idee, auf eben der Showbühne ein Theaterstück zu "tragieren", nämlich "Piramus und Thisbe". Es gehe ihnen um öffentliche Anerkennung, denn "Kunst ist auch Arbeit". Köstlich und durchaus einfallsreich ist ihr fast mittelloses, letztlich aber erfolgreiches Bemühen. Die total enttäuschte Helen trifft derweil auf das mit Wohnwagen und Pkw angereiste Paar Helma und Wolf sowie dessen Freund Georg. Der Zuschauer erlebt lebensnah zwischenmenschliche Beziehungen - teils "über Kreuz" - die von Liebe und Freundschaft, derb-wildem Sex, jedoch auch von Eifersucht, Hass und handfestem Streit mit deftiger Fäkalsprache geprägt sind. Norman indes gewann den "Goldenen Mund", weil Cyprian, ein verkappter Götterbote, von ihm noch viel mehr haben wollte. Er wird später sein hocherotisches Verlangen mit dem Tod zu bezahlen haben. Aber erst später.
Denn einen weiteren, sehr surreal anmutenden Handlungsstrang hat Andrea Moses in ihre Inszenierung "eingezogen". Oberon (Stephan Korves) und Titania (Antje Weber) sind in Dessau "heruntergekommene" Götter. Sie finden jedoch nicht den "Draht" zu den Parkmenschen. Die Oberon und Titania an- und zugedachte Liebesmission für die irdische Menschheit artet aus in eigenem Streit, in wörtlich zu nehmender Entblößung. Antje Weber lässt den Zuschauer eine durch und durch laszive Göttin erleben, mit viel Frivolität - hart an der erträglichen Grenze, ohne bei der Betrachtung penibel sein zu wollen. Natürlich gibt es im Park auch eine Jugendszene. Ein "aufmerksamer Inspizient" versucht jedoch, sie vom Geschehen wegzudrängen.
In zweieinhalb Stunden Sommertheater folgt der Zuschauer den abwechselnd dominierenden Geschichten. Das durchweg vergnügliche und unterhaltsame Stück, für Dessauer Befindlichkeiten vom Dramaturgen Holger Kuhla geschrieben, trägt auch einen bitteren Beigeschmack. Wenn der schwarze Junge im Stück durch den Park gejagt wird, erinnert das sehr an Alberto Adriano, der in diesem Stadtpark getötet wurde. Andrea Moses inszenierte auf klassischer Grundlage ein Stück "aus, für und in Dessau". Und das gesamte Dessauer Schauspielensemble war bravourös zu Gange. Bleibt nur zu hoffen, dass manch Gesehenes nur "schlechte Träume" in heißen Sommernächten sind und bleiben. Die kommenden Aufführungen finden vom Mittwoch, dem 14. Juli, bis einschließlich Sonntag, dem 18. Juli, jeweils um 19.30 Uhr statt.
10.07.2010, 20:09 | tags:
Schauspiel
514
Pressemitteilung vom 10.07.2010
Open Air Theater „Sommer Nacht Traum“ entfällt am Sonntag
Die für Sonntag, 11. Juli um 17 Uhr geplante Vorstellung „Sommer Nacht Traum“ des Anhaltischen Theaters auf der Bühne im Stadtpark muss aufgrund der zu erwartenden hohen Temperaturen entfallen. Bereits gekaufte Tickets behalten ihre Gültigkeit und können für eine der nächsten Vorstellungen genutzt bzw. umgetauscht werden.
Das Sommerstück, in der Regie von Andrea Moses, ist täglich vom 14. Juli bis zum 18. Juli jeweils um 19:30 Uhr im Stadtpark zu erleben.
Andrea Moses verwebt in ihrem Stück zwei Stoffe miteinander: „Der Park“ von Botho Strauß und „Herr Peter Squenz“ von Andreas Gryphius und inszeniert diese als sommerliches Roadmovie mit dem gesamten Schauspielensemble.
Informationen und Tickets erhalten Sie an der Abendkasse und unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr | Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
10.07.2010, 12:59 | tags:
Schauspiel
513
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 10.07.2010
Anhaltisches Theater
«Die Liebe hat verloren!»
Da können selbst die Elfen nicht mehr helfen: Das Wettsingen um den "Goldenen Mund 2010" hat Finalistin Helen längst verloren, weil Moderator Cyprian in ihren schönen Gegenspieler mit der dunklen Haut vernarrt ist - und weil er ohnehin das letzte Wort hat. Noch ein "Thank you for the Music" und ein Abschiedswinken - dann war's das! Aber war's das wirklich?
Jagd auf schwarzen Jungen
Mit der Collage "Sommer Nacht Traum" haben Regisseurin Andrea Moses und Dramaturg Holger Kuhla ein Open-Air-Spektakel für den Dessauer Stadtpark entwickelt, das eine poppig bunte Oberfläche über dunklen Abgründen ausbreitet. Die Collage aus den Stücken "Der Park" von Botho Strauß und "Herr Peter Squenz" von Andreas Gryphius schlägt nicht nur eine Brücke zwischen dem 20. und dem 17. Jahrhundert - sie verweist zudem in die Zeitgeschichte des Ortes, an dem vor zehn Jahren der Mosambikaner Alberto Adriano ermordet wurde. Denn auch in der "Sommernachtstraum"-Paraphrase von Strauß geht es - wie schon bei Shakespeare - um einen Menschen, dessen exotische Erscheinung Aggressionen und Begehrlichkeiten weckt. Hier aber wird der Gejagte zum Jäger ...
Christian Wiehles Ausstattung beschwört einen wandernden Pop-Zirkus: Links von der großen Show-Bühne steht ein Wohnmobil, rechts findet ein Imbiss mit dem sinnigen Namen "Durstlöscher" Platz - und dazwischen klafft ein großer Mund, der seine Zunge als Laufsteg herausstreckt. Den darüber gespannten Schriftzug "Heart's Fear" kann man mit "Herzensangst" übersetzen, man kann ihn aber auch als lautmalerische Umschreibung der sozialen Endstufe Hartz IV lesen.
Aus dieser Sphäre stammen die Zaungäste der Casting-Show, die später die Bühne als Arbeitsplatz entdecken und dort ihre schaurig schöne Version von "Pyramus und Thisbe" in Szene setzen. Dem Camper-Paar Helen und Wolf geht es zwar finanziell besser, ihr emotionales Guthaben aber ist ebenfalls längst aufgebraucht - was sich auch von ihrem Freund Georg sagen lässt, der sich die enttäuschte Helen von der Bühne gepflückt hat. Von hoher Warte beobachten die Feenfürsten Oberon und Titania - nur mit kostbaren Pelzen bekleidet - das menschliche Treiben. Und dann ist da noch eine Bande von Jugendlichen, die den Park als ihr Revier beansprucht.
Andrea Moses skizziert eine Fülle von Charakteren und Konflikten, die sich gegenseitig verstärken oder behindern. Dabei versagt der Zauber, den die Naturgeister einst auf die Menschen ausüben konnten, zusehends: Titania (Antje Weber) wird von ihrer obszön animalischen Lust förmlich zerrissen, während ihr Gatte (Stephan Corves) mit einer Mischung aus Ekel und Mitleid feststellt: "Die Liebe hat verloren!". Sein einstiger Diener Cyprian (Matthieu Svetchine) dealt als schmieriger Entertainer mit Voodoo-Püppchen und lehnt ansonsten jede Verantwortung ab - schließlich bleibt seine eigene Gier auf den schwarzen Jungen (Derek Nowak) auch unbefriedigt.
Wie die Geister, so die Menschen: Helen (Katja Sieder) trägt in ihrem schönen Leib eine häßliche Seele spazieren, Helma (Susanne Hessel) drückt mangels eines Mannes Blumen an ihren Busen und Georg (Thorsten Köhler) misst seinen Selbstwert an der Rivalität mit Wolf (Sebastian Müller-Stahl). Die Handwerker (Uwe Fischer, Jan Kersjes, Hans-Jürgen Müller-Hohensee, Boris Malré, Gerald Fiedler, Harald Thiemann, Christel Ortmann) schließlich spielen sich um Kopf und Kragen, wobei die Proben komischer als das Resultat sind.
Mit und auf vielen Ebenen
Mit diesem Befund scheint auch das Problem der Inszenierung beschrieben zu sein: "Sommer Nacht Traum" spielt mit und auf vielen Ebenen und verliert sich zwischen all den Ansätzen immer wieder selbst aus dem Blick. Obwohl die Perspektiven pausenlos wechseln, werden die Figuren dadurch nicht plastischer. Das komplizierte Verhältnis der Paare etwa wird aus dem Nichts behauptet und später nach eben dort zurückverwiesen.
Das ist natürlich auch der bewussten Entzauberung geschuldet, die Strauß dem Shakespeare-Stoff verordnet hat. Daneben aber steht der Gryphius-Text, der stärker auf das Original verweist - und so auch auf Binnenbezüge, die diesem Stück in Stücken fehlen. Dass fast alle Akteure ihr Bestes geben, wobei sich besonders Jan Kersjes und Hans-Jürgen Müller-Hohensee, Thorsten Köhler und Matthieu Svetchine in die Herzen des Publikums spielen, betont die Vereinzelung der Figuren eher. Ein trauriger Befund für eine Komödie.
Nächste Vorstellungen: Samstag und Sonntag 17 Uhr, 14. bis 18. Juli 19.30 Uhr
06.07.2010, 14:50 | tags:
Schauspiel
, Musiktheater
, Funk
, Diverses
, Pressestimmen
509
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 02.07.10
Giftspritzen in den Geisterhäusern
Drei Meistergattinnen empfangen Besucher beim letzten Haus-Funk-Abend und führen sie vergnüglich von Meisterhaus zu Meisterhaus, wo Darbietungen warten.
Die Geister sind erwacht und haben erst einmal die Wiese unter den Kiefern verschönt. Blaue und rote Blümchen wachsen streng ausgerichtet in der Meisterhaussiedlung. Da spürt man doch gleich den Grünen Daumen der Meistergattinnen. Kunst beginnt mit Kunstblumen schon vor der Haustür. So nett, wie sie die Vorwiese gestaltet haben, haben sich Ise Gropius, Nina Kandinsky und Tut Schlemmer auch selbst hergerichtet. Frisch gelegte Haare, rot gezogene Lippen und Kleider für eine Gartenparty - so empfangen sie die zahlreichen Besucher am Mittwochabend an den Meisterhäusern.
Zum achten Mal in dieser Spielzeit des Anhaltischen Theaters wurde der Haus-Funk veranstaltet, ein von der Kulturstiftung des Bundes gefördertes Projekt, das seit dem Herbst an jedem letzten Mittwoch im Monat die Dessauer an die verschiedenen Bauhausorte einlud, wo es die unterschiedlichsten Aktionen gab. Der Haus-Funk in dieser Woche war der letzte im Reigen des auf eine Spielzeit begrenzten Projektes, das Dramaturgin Maria Viktoria Linke in Zusammenarbeit mit Torsten Blume von der Stiftung Bauhaus betreute. Für den Abschied gab es deshalb noch einmal richtig viel Programm, präsentiert von Schauspielern und Tänzern des Theaters, mit Sänger Ulf Paulsen und der slowakischen Band PoŽon Sentimental.
So richtig wohl an ihrem früheren Wohnort fühlten sich die Frauen Ise, Nina und Tut - Thorsten Köhler, Matthieu Svetchine und Jan Kersjes waren in die Kleider der Ehefrauen von Walter Gropius, Wassily Kandinsky und Oskar Schlemmer geschlüpft -, und sie erwiesen sich den ganzen Abend über als perfekte und aufmerksame Gastgeberinnen in den Geisterhäusern. Viel hatten sie zu erzählen und taten dies zuerst am Haus Emmer, das heute über den Resten des Direktoren-Hauses von Gropius steht. Die Gartenterrasse bot den drei Damen ein angemessenes Podium, um mit Hilfe von Grundriss-Zeichnungen durch das Haus zu führen und dabei recht viel vom Leben seiner Bewohner und der Nachbarn zu erzählen. „Wir sind so richtige Giftspritzen", erklärte Thorsten Köhlers Ise, und so teilten die Gattinnen untereinander ebenso ordentlich aus wie sie Abwesende mit Spitzen bedachten. Die Feiningers und Moholy-Nagys würden immer den Müll im Gropius-Garten abladen und wurden deshalb nicht eingeladen, erfuhr man ebenso wie manch andere Indiskretion. Die Zuschauer amüsierte das sichtlich.
"Komm zur Vernunft und komm da runter."
Ise, Tut und Nina zu Hannes Meyer
Von Haus zu Haus zog die Besuchergruppe, verschmerzte die verschlossene Tür bei Feininger, denn auf der Terrasse bei Muches und Schlemmers wartete schon Ulf Paulsen mit einem ausgewählten Liedprogramm von Hanns Eisler bis zu Gassenhauern der 1920er Jahre. Das Saxophon von Jörg Naumann lockte darauf in das Meisterhaus Muche/Schlemmer. Tänzer des Anhaltischen Theaters erkundeten performativ die Räume, ließen sich gleichermaßen auf die Musikimprovisation wie die Klarheit der Architektur ein, und als das Saxophon schwieg, da rief Stephan Korves als Hannes Meyer mit dem Megaphon vom Dach des letzten Meisterhauses in der Reihe schon die Gäste herbei. Er las seinen Abschiedsbrief, den er dem Oberbürgermeister nach seinem Hinauswurf aus dem Bauhaus schrieb. Immer und immer wieder setzte er an, brach ab, las erneut. Ise, Tut und Nina kommentierten. „Der ist ein wenig sauer. Das hat der nie verwunden. Komm zur Vernunft und komm da runter", meinten die drei, doch Meyer wollte noch erzählen, „warum ich geschlossen wurde".
Bei Kandinsky und Klee waren es Susanne Hessel, Regula Steiner und Eva-Marianne Berger, die mit Schnäuzer, Hut und Anzug die Kunsttheorie unters Volk brachten. Anspruchsvolles wechselte an diesem Abend mit leichtem, PoŽon Sentimental spielte zum Finale Klassik gleichermaßen wie Filmmusik. Nach zwei Stunden Programm gab es reichlich Applaus für die große Gruppe der Akteure. Ise, Nina und Tut wollten da nur noch ihre Kleider gegen lange Hosen tauschen, denn auch die Mücken hatten am letzten Haus-Funk-Abend ihre helle Freude.
Großes Finale bis zum Sonntag
Sein großes Finale erlebt das Dessauer Funk-Projekt von heute bis Sonntag vor dem Alten Theater. Dorthin ist bereits gestern der rote Funk-Container umgezogen, der seit Spielzeitbeginn auf dem Vorplatz des Theaters stand. Gestartet ist bereits am Mittwoch mit Dessau-Funk eine viertägige Radiostation für Dessau: Auf lokaler Frequenz in der Umgebung des Theaters und über www.dessaufunk.de oder über www.interfunk.net sendet die Radiostation bis in die Nacht des 4. Juli kontinuierlich.
Vor dem Alten Theater beginnt heute um 21 Uhr „Tanz den Dessau - besuch die Funks!". 24 Stunden lang empfängt das Funk-Team in einer Bühnenwohnung vor dem Alten Theater Dessauerinnen und Dessauer, Vereine, Initiativen und Clubs - vom Briefmarkensammler bis zur Theaterjugend, vom Dichter über Imker und Musiker bis zum Modellflieger. DokuTV Wettin und Funk zeichnen auf und übertragen live über www.interfunk.net, ein paar Tage später wird die Funk-Schau im Offenen Kanal Dessau laufen. Live-Musik und ein DJ laden zum Abschluss der 24-stündigen Funk-Aktion und einer großen Party auf dem Vorplatz des Alten Theaters am Sonnabend um 21 Uhr ein.
Der letzte große Auftritt von Funk ist ein öffentlicher Brunch am Sonntag ab 11 Uhr. Funk sendet an diesem Julitag noch bis Mitternacht - dann ist die Sendezeit zu Ende.
06.07.2010, 14:23 | tags:
Schauspiel
, Pressestimmen
507
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 05.07.10
Vorgeschmack auf das seltsame Treiben im Park
Rot und riesig hängt die Zunge in der Sommerhitze aus dem knallroten Mund. So groß ist sie, dass sie als Bühne und als Laufsteg taugt für den Gesangswettbewerb "Goldener Mund". Am Donnerstag dieser Woche startet er im Dessauer Stadtpark. Einen Vorgeschmack auf die Sternchen, die das Publikum dann erwartet, gab es am Sonntag bereits. Da wurde gesungen, rezitiert, gespielt. Wenn im Anhaltischen Theater eine Premiere ins Haus steht, dann wird zuvor zu einer Matinee eingeladen. Weil die nächste Premiere nun aber im Stadtpark läuft, war die dortige Open-Air-Bühne auch die Adresse für all jene, die sich mitten im Stadtfest-Trubel über "Sommer Nacht Traum" informieren wollten.
Chefregisseurin Andrea Moses verwebt in ihrem Sommerstück zwei Stoffe miteinander: "Der Park" von Botho Strauß und "Herr Peter Squenz" von Andreas Gryphius. Sie inszeniert diese als sommerliches Roadmovie mit dem gesamten Schauspielensemble. Zunächst sei der Abend Komödie, vor allem wegen der Handwerkerszene. Arbeitswillige, doch arbeitslose Handwerker nehmen die Bierflasche aus und das Schicksal in ihre starken Hände und lassen sich von allen Theatermusen küssen. Angeführt von Peter Squenz "tragieren" sie höchst selbst das erschütternde Spiel um "Piramus und Thisbe". Aber auch ernste Aspekte fänden sich in der Inszenierung wieder. "Wir widmen uns auf künstlerische Weise auch dem Tod Alberto Adrianos hier im Dessauer Stadtpark", so die Regisseurin. Der Gewinner des "Goldenen Mundes", ein schwarzer Junge, wird nicht allein vom liebestollen Cyprian gejagt.
Zwei Paare gibt es noch, drei Jungen und ein Mädchen, die Spaß haben und weder sich, noch einen Sinn des Lebens finden. Auf Beobachtungsposten sitzt das ratlose Feengötterpaar Oberon und Titania. Ob sie in dieser Parkmenschenwelt noch etwas richten können? Eines können sie jedoch keinesfalls: Mücken wegzaubern. Dem Sommertheater-Publikum sei deshalb empfohlen, für Schutz zu sorgen, damit der Abend nicht zum juckenden Alptraum gerät.
Premiere "Sommer Nacht Traum" am Donnerstag, 19.30 Uhr, Vorstellungen am 9. und vom 14. bis 18. Juli, jeweils 19.30 Uhr, am 10. / 11. Juli jeweils 17 Uhr. Karten an der Abendkasse und an der Theaterkasse im Rathaus-Center, Telefon 0340 / 2 40 02 58.
03.07.2010, 13:55 | tags:
Schauspiel
506
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 01.07.2010
Stimuliert ein Urlaub im Stadtpark die Ehe?
Die Beiden haben sich wirklich gerne. Sie können so schön miteinander schweigen. Und wenn sie sich doch etwas zu sagen haben, dann sind es meistens keine Nettigkeiten. So sitzen sie also in ihren Liegestühlen vor dem Camper und schlagen die Urlaubszeit tot. Fast möchte man den eigenen Urlaub verschieben, damit er nicht so endet wie bei Helma und Wolf. Oder gibt es für die Beiden doch noch Überraschungen, die den Ehealltag auffrischen?
Susanne Hessel und Sebastian Müller-Stahl versprechen zumindest ein Abenteuer. Sie spielen Helma und Wolf in der Inszenierung "Sommer Nacht Traum", für die Regisseurin Andrea Moses gerade mit dem gesamten Schauspielensemble auf der "Heart's Fear"-Bühne im Stadtpark probt. Moses verwebt in dem Sommerstück zwei Stoffe miteinander: "Der Park" von Botho Strauß und "Herr Peter Squenz" von Andreas Gryphius. Und weil vor allem im Gryphius-Stück auch Shakespeare anklingt, haben die Figuren eine Entsprechung zum Klassiker: Helma erinnert an Helena, Wolf an Demetrius.
Sie wäre eigentlich gerne in die Toskana gefahren, er entschied sich für die Einladung von Kumpel Georg, "obwohl der sowieso schon jeden Tag bei uns zu Hause rumhängt", wie Helma meint. Nun sind sie im Osten gelandet, genauer gesagt im Dessauer Stadtpark, wo Cyprian (auch als Puck bekannt), ein weit gereister Showmaster, mit dem "Goldenen Mund" Dessau 2010 einen unerhörten Gesangswettbewerb veranstaltet.
Mehr darüber, über einen schwarzen Jungen und ein ratloses Feenpaar erfährt man übrigens an diesem Sonntag bei einer Picknick-Matinee zum Stück im Park. Dann kann man auch schon mal Susanne Hessel und Sebastian Müller-Stahl als Pärchen erleben. Eine Konstellation, die den beiden beruflich vertraut ist. Bevor sie mit Beginn dieser Spielzeit nach Dessau kamen, waren sie am Nordharzer Städtebundtheater engagiert. Dort entstand auch die Produktion "Der Kick", die sie mit an das Alte Theater brachten. "Im Kick haben wir schon alle Szenen einer Ehe gespielt", sagt Sebastian Müller-Stahl. Gleich mehrere Paare haben beide in dem Stück gegeben. "Wir sind also gut eingespielt", finden sie denn auch und werfen sich verbal die Bälle zu. Fernab der Rolle geht es freilich friedlich zu. Da teilt man sich kühles Wasser als auch den Mücken- und den Sonnenschutz, den das Theater seinen Schauspielern stellt. Trotzdem werden beide wohl zerstochen und leicht verbrannt in den Urlaub gehen, wenn am 18. Juli die letzte von neun Vorstellungen gelaufen ist. Susanne Hessel will nach Spanien, Sebastian Müller-Stahl hat noch keinen Plan. Mit dem Camper - so wie ihre Figuren Helma und Wolf - werden sie aber nicht unterwegs sein, dann doch lieber Ferien im Zelt.
30.06.2010, 13:53 | tags:
Schauspiel
500
Pressemitteilung vom 30.06.2010
Sommerliches Roadmovie im Stadtpark - Premiere „Sommer Nacht Traum“
Am Donnerstag, 8. Juli um 19:30 Uhr hat das Schauspiel „Sommer Nacht Traum“ des Anhaltischen Theaters auf der eigens dafür geschaffenen Bühne im Stadtpark Premiere.
Nur vom 8. bis 18. Juli 2010 ist das Sommerstück, in der Regie von Andrea Moses im Stadtpark zu erleben. Andrea Moses verwebt in ihrem Stück zwei Stoffe miteinander: „Der Park“ von Botho Strauß und „Herr Peter Squenz“ von Andreas Gryphius und inszeniert diese als sommerliches Roadmovie mit dem gesamten Schauspielensemble.
Der Stadtpark Dessau im Sommer 2010. Was hier Abend für Abend geschieht, hat ein städtischer Park wohl noch nicht erlebt. Cyprian, ein weitgereister Showmaster, veranstaltet mit dem „Goldenen Mund“ Dessau 2010 einen unerhörten Gesangswettbewerb. Arbeitswillige, doch arbeitslose Handwerker nehmen die Bierflasche aus und das Schicksal in ihre starken Hände und lassen sich von allen Theatermusen küssen. Angeführt von Peter Squenz „tragieren“ sie höchst selbst das erschütternde Spiel um „Piramus und Thisbe“. Der Gewinner des „Goldenen Mundes“, ein schwarzer Junge, wird nicht allein vom liebestollen Cyprian gejagt. Georg trifft mit Helen die Frau seines Lebens und will dennoch Wolf, seinen besten Freund, nicht verlieren. Helma, Wolfs Frau, streift einsam durch den Park immer auf der Suche nach ihrem Mann. Drei Jungen und ein Mädchen haben Spaß und finden weder sich, noch einen Sinn des Lebens. Alles scheint hier auf der Suche, doch ohne Ziel, die Liebe ist verlorengegangen und sämtliche Restgefühle sind höchst verwirrt. Das Feengötterpaar, Oberon und Titania, ist ratlos ob dieser Parkmenschenwelt. Sie warten vergebens auf Menschen, die sich noch von erotisch-kluger Lust, Sinnlichkeit und Poesie verzaubern lassen. So besingen sie die hohe Kunst der wahren Lust, doch keiner will sie hören. Gegen diese Ignoranz kann nur ein kräftiges Mittel Wirkung zeigen, der uralte Zauber der Kunst soll mit betörender Klarheit die Ödnis aus diesem Menschenpark vertreiben.
Regie: Andrea Moses / Ausstattung: Christian Wiehle / Dramaturgie: Holger Kuhla /
Musikalische Leitung: Harald Thiemann
Informationen und Tickets erhalten Sie an der Abendkasse und unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr | Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
30.06.2010, 12:17 | tags:
Schauspiel
, Diverses
499
Pressemitteilung vom 30.06.2010
Publikumshit „Halpern und Johnson“ zu Gast im Anhaltischen Theater
Am Sonntag, 19. September, um 18 Uhr zeigt das Anhaltische Theater Dessau das Gastspiel „Halpern und Johnson“, eine Produktion des Schlosspark Theaters Berlin im Großen Haus. Die Komödie von Lionel Goldstein über eine folgenreiche Begegnung zweier Männer auf einem Friedhof wurde von Bettina Rehm inszeniert, feierte am 1. April 2010 Premiere am Schlosspark Theater Berlin und wurde vom Publikum begeistert aufgenommen.
Nach dreißig Jahren Ehe nimmt Joseph Halpern am Grab Abschied von seiner geliebten Frau Flo. Als sich ein unbekannter Mann dem Grab mit einem Blumenstrauß nähert, ist er zunächst irritiert. Doch mit Erscheinen dieses Mannes weitet sich der Blick in die Vergangenheit seiner Frau. Der Unbekannte ist Dennis Johnson, der ebenfalls Abschied von Florence, wie er die Verstorbene nennt, nehmen möchte. Die beiden Männer kommen ins Gespräch und reden über eine Frau, die beide zu kennen glaubten. Heftige Gefühlsstürme überkommen die betagten Männer über das Gehörte. Eine Enthüllung jagt die nächste. Unweigerlich kommt es zum Streit, bis die beiden grundverschiedenen Männer merken, wie viel sie letztlich gemeinsam haben. Was bleibt ist die Erkenntnis, dass nicht die Zeit das Maß des Lebens ist, sondern die Gefühle und Erinnerungen, von denen es eine Menge gibt.
In den Rollen Joseph Halpern und Dennis Johnson sind die bekannten Schauspieler Hans Peter Korff und Michael Schanze zu erleben.
„[...] Eine wirklich gelungene Inszenierung. [...] Es ist wirklich sehenswert, wie sich die beiden Herren im vorgerückten Alter die Bälle zuspielen.“ Berliner Morgenpost, 02.04.2010
Informationen und Tickets erhalten Sie an der Abendkasse und unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr | Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
26.06.2010, 10:26 | tags:
Schauspiel
495
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 24.06.2010
Abschied von einem Theatermann alten Schlags
So wird er im Gedächtnis bleiben: Die Brille hoch in die Stirn geschoben, auf den Lippen ein freundliches Lächeln und das Hemd über dem mächtigen Leib weit aufgeknöpft. So sah er sich selbst am liebsten, so sah man ihn nach der Wende mehr als ein Jahrzehnt in den Straßen seiner Heimatstadt. Sein eigentliches Reich aber war der dunkle Zuschauerraum und die helle Bühne des Anhaltischen Theaters. Dort hat er inszeniert und gespielt, dort hat er dem Schauspiel und bei besonderen Gelegenheiten auch dem Musiktheater seinen Stempel aufgeprägt - und dort wurde er vor zehn Jahren zum Ehrenmitglied jenes Hauses ernannt, in dem einst alles begonnen hatte.
Helmut Straßburger, der in der Nacht zum vergangenen Sonntag 80-jährig gestorben ist, war ein Theatermann vom alten Schlag - kein mutwilliger Zerstörer, sondern ein dem Text wie dem Publikum freundlich zugewandter Darsteller und Regisseur. Gelernt hatte der 1930 geborene Künstler sein Metier in Dessau und Dresden, vor allem aber - ab 1963 - in der legendären Berliner Volksbühnen-Ära unter dem Intendanten Benno Besson. Und dessen ästhetisches Konzept, das sich in seiner Sinnlichkeit auch als Gegenentwurf zu den eher kopfgesteuerten Entwürfen der benachbarten Brecht-Bühne verstand, hat er nach der Wende nach Dessau hinübergerettet - während seine langjährige künstlerische Heimat unter Frank Castorf eine ganz andere Richtung nahm.
Dass Straßburger dies schmerzte, war verständlich: Immerhin hatte er dort mit Rosenows "Kater Lampe" nicht nur sein Regie-Debüt gegeben, seine Inszenierung von "Rameaus Neffe" zählte mit ihren 296 Vorstellungen sogar zu den erfolgreichsten Volksbühnen-Produktionen aller Zeiten. Einen Hauch jener Glorie versuchte er auch in Dessau zu etablieren, wohin er mit Dürrenmatts "Besuch der Alten Dame" 1992 zunächst als Gast und schon bald als Schauspieldirektor zurückkehrte. Ursula Karusseit, Alfred Müller, Hildegard Alex - die Stars des DDR-Theaters gaben den ersten Jahren seiner Leitung ihren Glanz.
Dabei war Straßburger keineswegs auf große Namen fixiert, sein Augenmerk galt vielmehr dem Erhalt und der Entwicklung eines verlässlichen Ensembles. Dafür kreierte er einen Spielplan, der vor allem den Klassikern wie Shakespeare, Lessing, Schiller und Goethe breiten Raum gab. Die Dramatik der unmittelbaren Gegenwart freilich war seine Sache nicht, die große Bühne überließ er lieber dem großen, erprobten Werk. Schließlich hatte der Sohn eines Kapitäns die Ehrfurcht vor der Kunst von der Pike auf gelernt, als er 1948 als Bühnentechniker in Dessau begann - und schon bald darauf für einen erkrankten Schauspieler im Weihnachtsmärchen einsprang.
Was bleibt in Erinnerung von jenen Dessauer Jahren, die Helmut Straßburger mit seinem Dramaturgen und Ko-Regisseur Ernstgeorg Hering geprägt hat? Große Abende wie "Maria Stuart" und "Der Hauptmann von Köpenick", Publikumserfolge wie der unverwüstlich robuste "Faust" - und bemerkenswerte Ausflüge in das Musiktheater, zu denen Mozarts "Titus" ebenso wie Weills "Silbersee" zu rechnen sind. Den Schmieren-Prinzipal Striese und Dürrenmatts geopferten Täter Ill hat er selbst auf die Bühne gebracht, zuletzt sah man ihn als Pozzo in Becketts "Warten auf Godot".
Als er zum Ende der Saison 2004 verabschiedet wurde, war er bereits von Krankheit gezeichnet - aber noch immer zuversichtlich, eines Tages als Gast auf die Bühne zurückkehren zu können. Das ist ihm nicht vergönnt gewesen. Das Dessauer Publikum aber sollte Helmut Straßburger so im Gedächtnis behalten, wie ihn sein Bühnenbildner Carlheinz O. Städter gewürdigt hat: "Er hat fürs Theater gelebt - menschlich, kollegial, integer".
24.06.2010, 19:07 | tags:
Schauspiel
490
Pressemitteilung vom 24.06.2010
Leo Polte bittet zum Tanz in den Sommer!
Kultinspizient Leo Polte VIII. schlägt am Samstag, 26. Juni um 19:30 Uhr ein letztes Mal vor der Sommerpause seine Familienchronik auf und erzählt die „wahre Geschichte“ des Anhaltischen Theaters. In der dritten Folge geht es um die Oper EIN MASKENBALL und Verdi, aber auch um Indianer, Humortrainer und Fußball. So wird am Tag vor dem Achtelfinalspiel der deutschen Mannschaft gerade noch rechtzeitig der neue Text unserer Hymne vorgestellt, den dann wirklich alle mitsingen können. Zum wirklich LETZTEN EINRUF!!! vor der Sommerpause hat sich Leo Polte etwas Besonderes für seine Fans überlegt: die eng mit ihm befreundete Dessauer Band HARD MOODS wird nicht nur der Stargast seiner heiteren Show sein, sondern im Anschluss auch noch zum Tanz in den Sommer aufspielen.
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Abendkasse und unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr | Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
24.06.2010, 18:34 | tags:
Schauspiel
489
Pressemitteilung vom 24.06.2010
Picknick im Park – Matinee zur Premiere „Sommer Nacht Traum“
Am Sonntag, 4. Juli 2010, um 11 Uhr lädt das Anhaltische Theater Dessau zu einem Picknick im Stadtpark ein. Bei dieser Matinee im Grünen stellt das Team um Regisseurin Andrea Moses bereits im Bühnenbild die neue Schauspielinszenierung „Sommer Nacht Traum“ vor.
Zwei Stoffe, „Der Park“ von Botho Strauß und „Herr Peter Squenz“ von Andreas Gryphius werden von Andrea Moses miteinander verwoben und als sommerliches Roadmovie mit dem gesamten Schauspielensemble inszeniert.
Während des Picknicks wird gesungen, musiziert, diskutiert und geprobt. Das notwendige Zubehör, wie Decken, Picknickkorb sollte von den Gästen selbst mitgebracht werden.
Getränke bietet der Gastronomieservice des Anhaltischen Theaters zum Erwerb an.
Tickets für das Sommerstück werden an diesem Morgen ebenfalls verkauft.
Premiere ist am 8. Juli, um 19:30 Uhr im Stadtpark. Nur acht weitere Male ist die Inszenierung zu sehen.
Auch im Vorfeld sind die Zuschauer herzlich eingeladen, die Bühne zu betrachten und einen ersten Einblick in die Proben zu gewinnen.
21.06.2010, 16:27 | tags:
Schauspiel
482
Pressemitteilung vom 21.06.2010
Anhaltisches Theater trauert
Das Anhaltische Theater trauert um seinen ehemaligen Schauspieldirektor Helmut Straßburger, der in der Nacht zum 20. Juni verstarb.
Der 1930 in Dessau geborene Helmut Straßburger begann seine Theaterlaufbahn 1948 nach seinem Abitur zunächst hinter der Bühne als Bühnentechniker. Für einen erkrankten Schauspieler sprang Straßburger kurzer Hand ein und rettete damit eine Vorstellung des damaligen Weihnachtsmärchens.
Anschließend erhielt er einen Vertrag als Schauspiel-Eleve und entwickelte sich zu einem Protagonisten des Hauses.
1957 wurde er an das Staatstheater Dresden gerufen, 1963 an die Volksbühne Berlin. Sein erstes Stück, „Kater Lampe“ inszenierte er unter Benno Besson.
„Rameaus Neffe“ von Denis Diderot, schon damals zusammen mit Ernstgeorg Hering in Szene gesetzt, wurde mit 296 ausverkauften Vorstellungen sein großer Erfolg in Berlin.
1992 kehrte er mit dem „Hauptmann von Köpenick“ nach Dessau zurück und wurde hier nach der Gastinszenierung Schauspieldirektor am Anhaltischen Theater. Mit kräftigen, sinnlichen Inszenierungen wie: „Der Besuch der alten Dame“, „Der Silbersee“, „Maria Stuart“, „Faust I“ und „Faust II“, „Hamlet“, „Der widerspenstigen Zähmung“ gab er dem Schauspiel nach der Wende ein Gesicht und führte die Volksbühnentradition in Dessau fort.
In der Inszenierung „Der Besuch der alten Dame“, die deutschlandweit erfolgreich zu Gastspielen eingeladen war, spielte er neben Ursula Karusseit die Rolle des Bürgermeisters Ill. Viele Freunde erinnern sich an seine hinreißende Darstellung des Theaterdirektors Strieße in der Komödie „Der Raub der Sabinerinnen“ an der Seite der Berliner Schauspielerin Hildegard Alex.
Zuletzt stand der Schauspieldirektor in Samuel Becketts „Warten auf Godot“ als Pozzo auf der Bühne.
Über 20 Jahre war er als Dozent an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin tätig.
16.06.2010, 12:38 | tags:
Schauspiel
478
Pressemitteilung vom 16.06.2010
„Des Teufels General“ letztmalig in dieser Spielzeit
Das Anhaltische Theater Dessau zeigt am Sonntag, 20. Juni um 17 Uhr Carl Zuckmayers Schauspiel „Des Teufels General“ zum letzten Mal in dieser Spielzeit. Vor der Aufführung findet um 16.30 Uhr eine Werkeinführung im Foyer statt.
Harras, genialer Flieger und schillernde Figur, rast mitten in den braunen Jahren die deutsche Karriereleiter empor und genießt sein Leben in vollen Zügen. Er wird zu des „Teufels General“ - verstrickt in das System, schuldlos und schuldig zugleich.
Die Verfilmung des Stoffs hatte 1955 einen politischen Schock zur Folge. Heute sind wir von solch schwerer Wirkung zwar weit entfernt, doch Zuckmayers Grundthemen, die Risse in deutschen Lebenswegen, die Verstrickung in Schuld und die Frage der Ohnmacht des Einzelnen gegenüber der Macht, zeigen noch immer Wirkung. Und dies in einer Stadt, in der Hugo Junkers erfolgreich für die zivile Luftfahrt arbeitete und von den Nazis als „politisch unzuverlässig“ aus seinen Betrieben und seiner Stadt gejagt wurde.
In der Inszenierung von Wolf Bunge spielen in der Hauptrolle des Harras Werner Eng als Gast sowie das gesamte Schauspielensemble des Anhaltischen Theaters.
08.06.2010, 16:07 | tags:
Schauspiel
471
Pressemitteilung vom 08.06.2010
Der letzte Einruf!!! [Folge 3] Ein Maskenball
Am 10. Juni um 19:30 Uhr ist Gerald Fiedler mit seinem Kultstück „Der letzte Einruf!!!“ im Foyer des Alten Theaters zu erleben. In der dritten Folge der neuen Theaterserie stellt Kultinspizient Leo Polte VIII. die Oper „Ein Maskenball“ vor. Wie in jeder Vorstellung öffnet er auf humorvolle Weise seine Familienchronik. In lockerer Atmosphäre erfahren die Zuschauer bei einem Getränk die „wahre Geschichte“ des Anhaltischen Theaters. Stargast an diesem Abend ist die Sängerin Angelina Ruzzafante, begleitet von Stefan Neubert am Klavier. Auch an der Fußball Weltmeisterschaft kommt Leo Polte nicht vorbei und präsentiert seine Version der Nationalhymne zum Mitsingen.
Weitere Vorstellung: 17. Juni 2010, jeweils um 19:30 Uhr im Alten Theater/ Foyer
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Abendkasse und unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr | Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
31.05.2010, 14:08 | tags:
Schauspiel
, Funk
459
Pressemitteilung vom 31.05.2010
Schiller als Live-Hörspiel in Wörlitz
Vor dem Italienischen Bauernhaus in Wörlitz bietet das Anhaltische Theater im Rahmen des [funk] Projektes eine sommerliche Einmaligkeit. Das Schauspielensemble präsentiert Schillers „Wilhelm Tell“ als Live-Hörspiel „TELL [me]“ am Freitag, 4. Juni um 19.30 Uhr.
Auf Gondeln, die 18 Uhr von der Gondelstation ablegen, fahren die Besucher über die Seen und Kanäle zum italienischen Bauernhaus.
Dort bringen die 16 Schauspieler in der faszinierenden Landschaft zusammen mit einem Geräuschemacher und zwei [funk]-Kommentatoren die Ereignisse rund um den legendären Rütli-Schwur zu Gehör.
Schillers „Wilhelm Tell“ zählt zu den erfolgreichsten Stücken der deutschen Dramenliteratur und ist 206 Jahre nach seiner Uraufführung erstmalig als Live-Hörspiel zu erleben.
Teil dieses einmaligen Erlebnisses ist ein Picknick, das wie zur Zeit des Fürsten Franz, während des Hörspiels vor der Kulisse des Parks besonderen Genuss verspricht.
Die abendliche Gondelfahrt zurück rundet dieses Fest der Sinne ab, das Teil des diesjährigen Gartenreichsommers ist.
Das Live-Erlebnis wird ebenfalls via Internet auf www.interfunk.net empfangbar sein.
Preis (inklusive Picknickkorb pro Besucher): 42 Euro mit Gondelfahrt, 29 Euro ohne Gondelfahrt
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de und auch an der Abendkasse.
28.05.2010, 20:04 | tags:
Schauspiel
455
Pressemitteilung vom 28.05.2010
Theater an ungewöhnlichem Ort
Das Anhaltische Theater zeigt letztmalig in dieser Spielzeit am Donnerstag, 3. Juni um 19.30 Uhr das Schauspiel „Milarepa“ im ehemaligen Heizungskeller des Bauhauses Dessau.
Der Schauspieler Uwe Fischer spielt die Rolle des Simon in der Regie von Andrea Moses. Simon träumt jede Nacht von Milarepa und seinem Onkel. Er erzählt die Geschichte der beiden Männer, um aus dem Kreislauf des ewig gleichen Traums auszubrechen. Dabei scheinen sich Fantasie und Wirklichkeit immer mehr zu vermischen. Der Monolog „Milarepa“ vom Eric-Emmanuel Schmitt ist der erste Teil seiner Trilogie des Unsichtbaren und behandelt den gemeinsamen Kern der vier großen Religionen unserer Zeit.
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de und auch an der Abendkasse.
21.05.2010, 10:51 | tags:
Schauspiel
, Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
443
Pressemitteilung vom 21.05.2010
Pfingsten im Anhaltischen Theater
Am Samstag, 22. Mai um 17 Uhr zeigt das Anhaltische Theater Dessau André Bückers gefeierte Operninszenierung „Die Stumme von Portici“. In der Rolle des Masaniello gibt der mexikanische Tenor Diego Torre sein Operndebüt in Europa. Unter Leitung des Generalmusikdirektors Antony Hermus singen und spielen außerdem Angelina Ruzzafante, Yulia Gerbyna, Oscar de la Torre, Kostadin Arguirov, Ulf Paulsen, Wiard Witholt, Angus Wood und die Anhaltische Philharmonie. Bereits um 15:45 Uhr ist das Theaterrestaurant geöffnet und lädt ein zum „Kaffee im Salon“. Für musikalische Untermalung sorgt das „Salonorchester Papillon“.
Zum letzten Mal wird um 19:30 Uhr die unterhaltsame Schauspielinszenierung „Gesänge aus 1001 Deutschen Nacht“ im Alten Theater zu sehen sein. Nach der Vorstellung können die Besucher des Alten Theaters den Abend im neu gestalteten Biergarten ausklingen lassen.
Am Sonntag, 23. Mai um 10:30 Uhr auf der Probebühne 1 (Eingang über Bühnenpforte) geben das Leitungsteam (Ballettdirektor Tomasz Kajdanski, Bühnenbildner Dorin Gal, Kapellmeister Wolfgang Kluge, Sophie Walz - Dramaturgie) und die Tänzer bei einer Matinee Einblick in die Ballettinszenierung „Nachtasyl – Szenen aus der Tiefe“, die am 29. Mai Premiere und Uraufführung hat. Die Zuschauer erwartet spannendes Gespräch über die Hintergründe der Inszenierung und die Wahl der Musik. Ensemblemitglieder der Ballettkompanie werden Ausschnitte der Choreografie zeigen.
Ebenfalls am Pfingstsonntag findet in den Wörlitzer Anlagen ein Nachmittag mit Musik und Poesie unter dem Titel „Klingender Park – Lustwandeln und doppelter Genuss...“ statt. Den Pfingstspaziergang zwischen 14 und 17 Uhr können die Besucher im Vorübergehen mit dem Anhören eines Gedichts oder eines Musikstückes verbinden, dargeboten von Künstlern des Anhaltischen Theaters an den schönsten Stellen des Parks. Es wirken u.a. mit: Ensembles und Solisten der Anhaltischen Philharmonie, Dessauer Blechbläser (am Monument), Anhaltisches Streichquartett (am Gotischen Haus), Harfe (am Floratempel) und Schauspieler des Anhaltischen Theaters. Der Eintritt ist frei.
Im Großen Haus wird um 17 Uhr zum letzten Mal in dieser Spielzeit Mozarts „Die Zauberflöte“ mit gewohnt großartiger Sängerbesetzung gezeigt.
Im Alten Theater/ Foyer wird an diesem Abend um 19:30 Uhr die charmante Inszenierung „Mein wildes Herz in Deine Ruh“ zu erleben sein.
Pfingstmontag, 24. Mai lädt das Anhaltische Theater um 17:00 Uhr im Großen Haus zur italienischen Opern-Gala „Serata di Gala“ ein. Es wirken mit: KS Iordanka Derilova, Cornelia Marschall, Angelina Ruzzafante, Kostadin Arguirov, Ulf Paulsen, Pavel Shmulevich, Wiard Witholt, Angus Wood. Moderiert wird der Abend von Heribert Germeshausen/ Leitender Dramaturg Musiktheater/ Operndirektion.
Im Alten Theater ist um 19:30 Uhr Gerald Fiedler, alias Leo Polte der VIII,
mit einer neuen Folge von „Der letzte Einruf!!! zu erleben. Diesmal geht es um Verdi und seine Oper EIN MASKENBALL und natürlich um Fürst Leopold III., Richard Wagner, das Intendantenkarussell, Pferde auf der Bühne und noch so manche Überraschung. Ulf Paulsen wird Gast in der Show sein, am Klavier: Stefan Neubert.
Für alle Vorstellungen gibt es noch Karten an der Abendkasse und unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr.
09.05.2010, 19:16 | tags:
Schauspiel
431
Andreas Montag, Mitteldeutsche Zeitung, 10.05.2010
Anhaltisches Theater
Endstation Sehnsucht
Die offizielle DDR mochte seine Stücke nicht. Und den Autor selber auch nicht. Das beruhte durchaus auf Gegenseitigkeit. Nur saßen die Chefs die Bier- und Bockwurstrepublik am längeren Hebel. Zwar hat der am 28. September 1945 in Dessau geborene Georg Seidel das Land, in dem er nicht berühmt werden durfte, nicht überlebt, er starb am 3. Juni 1990 in Berlin an Krebs. Aber die Mauer hat er wenigstens noch fallen sehen, gewichtige Ehrungen kamen freilich zu spät für ihn. Sowohl der Literaturpreis des Kulturkreises im Bundesverband der Deutschen Industrie als auch der Mülheimer Dramatikerpreis wurden Seidel posthum verliehen.
Nun hat ihm das Theater seiner Geburtsstadt eine Inszenierung gewidmet, die viel mehr als nur eine fällige Verbeugung ist: "Carmen Kittel oder Ich wünsch mir Sonnenstrand", inszeniert von Niklas Ritter, Jahrgang 1972, ist eine Entdeckung. Der regieerprobte Mitstreiter von Armin Petras am Maxim-Gorki-Theater Berlin nimmt den Text Seidels beim Wort. Und wortmächtig war dieser Autor, man kapiert es nach wenigen Sätzen. Dazu bringt Ritter die DDR der kleinen Leute auf die Bühne (fein gebaut von Michael Graessner): Endstation Sehnsucht, könnte der Ort heißen. Dorthin führt die Hauptdarstellerin Ines Schiller ihre Kolleginnen und Kollegen, das Spiel beginnt wie ein Spiel, melancholische Musik scheppert leise dazu.
Verordnetes Glück
Carmen Kittel ist natürlich ein sprechender Name: Carmen steht für Sehnsucht wie Leidenschaft, der Kittel erklärt sich von selbst: Die 18-Jährige, die im Kinderheim aufgewachsen ist, wird den Kittelträgerinnen zugeordnet. In einem Kartoffelschäler-Kollektiv soll sie Fuß fassen, eine kleine Wohnung hat man der jungen Frau auch gegeben. Nun muss sie gefälligst glücklich werden im Arbeiterparadies.
Carmen indes ist eine Träumerin, eine Frau, die sich ihr Glück selber bauen will. Und die darauf vertraut, dass ihr nichts Böses geschehen wird, weil sie selber ja nicht böse ist. Neugierig schon und mit einem großen Appetit auf das Leben, das sich doch nicht in der Brigade und zu Hause, in den eigenen vier Wänden, erfüllen kann. Hübsch ist sie auch, die Männer haben Gefallen an ihr. Und sie an ihnen. Nur will der eine, der gutes Geld verdient und stark zu sein scheint, das Kind, das sie von ihm erwartet, nicht haben. Sie soll es "wegmachen" lassen, nicht viel mehr als eine Blinddarmoperation, harmlos, kaum zu spüren würde das sein. Überhaupt: Für ein Baby sei sie viel zu jung.
Carmen will das Kind und entscheidet sich doch dagegen, sie hasst den Kerl und will ihn doch behalten. Am Ende wird sie den Mann töten lassen von einem anderen, der sie dann zur Hure, nicht zu seiner Frau nehmen will. Da tötet sie sich selbst. Eine Tragödie in neunzig Minuten wird hier auf der Studiobühne des Alten Theaters Dessau erzählt, schnell und konsequent und derartig unaufhaltsam in ihrer tödlichen Logik, dass man einen Kloß im Hals spürt. Die Welt der kleinen DDR-Leute, erzählen der Autor Georg Seidel und Niklas Ritter, sein Regisseur, ist grundsätzlich aus den Fugen, das Glück im Plattenbau ist eine fromme Legende, auch wenn es manchem heute anders scheinen mag. Auch dieses Thema schlägt die Inszenierung an - mit einem kühnen Purzelbaum in die Gegenwart, in der sich die einstmals und vorgeblich herrschende Klasse versammelt, um über das Vergangene zu reden: Schlangestehen nach Südfrüchten, der Traum vom Sonnenstrand.
Traurigkeit grundiert das Bild
Hier wird nichts denunziert, auch wenn es manchmal zum Kichern verleitet, was die Damen und Herren über die Zeiten gebracht haben. Hört man genauer hin, ist es Traurigkeit, die alles grundiert: Eine Arbeiterin, deren Mann auch ein fleißiger Arbeiter war, durfte ihn nach Bulgarien begleiten. An den Sonnenstrand. Aber es war im März, Schnee ist gefallen. Und schön sei es trotzdem gewesen.
Ines Schiller und das gesamte Ensemble aus Profis und Laien überzeugen in einem Stück, das mehr über die DDR erzählt, als viele ihrer Bürger heute noch erinnern wollen. Ganz zu Recht gab es langen Applaus zur Premiere am Freitag. Bravo, auch für den Mut!
Nächste Vorstellungen: am Donnerstag und am 28. Mai, jeweils 19.30 Uhr.
09.05.2010, 12:36 | tags:
Schauspiel
430
Hartmut Krug, nachtkritik.de, 08.05.2010
Carmen Kittel oder "Ich wünsch mir Sonnenstrand" - Das Theater Dessau entdeckt Georg Seidel wieder
Vom Heim ins eigene Heim, doch Entfremdung bleibt
Dessau, 7. Mai 2010. Sie scheinen vergessen, die in den Achtziger Jahren entstandenen Stücke des 1990 verstorbenen "DDR-Autors" Georg Seidel. Der poetische Realist Seidel entwickelte Gesellschaftsparabeln von sprachlich sperriger Schönheit, die in den Erfahrungen des realen Sozialismus wurzelten, aber in ihrer schmerzvoll wütenden Auseinandersetzung mit ihm hinauswuchsen in eine Durchleuchtung allgemeiner gesellschaftlicher Verhaltensweisen.
Seidel schaut auf die, die "über den Rand hinaus schreiben", die sich nicht einfügen, die sich in entfremdeten gesellschaftlichen Situationen diesen entfremden - entfremdet werden. Seidel schrieb "DDR-Gegenwartsstücke", die zugleich unsere Zeit treffen. Nach seinem "Jochen Schanotta" in Magdeburg kam jetzt auch seine "Carmen Kittel" wieder auf die Bühne, in Seidels Geburtsstadt Dessau.
Kartoffelschälerin in der Tanzbar
Im kleinen Studio des neuen "Alten Theaters" richtet sich die Hauptfigur ihre Welt selbst ein. Während ein Trio das Publikum schwungvoll unterhält, führt Carmen ihre Mitspieler nacheinander an der Hand auf die offene, ebenerdige Bühne, weist ihnen ihren Platz und ihre Haltung zu. Carmen ist im Heim aufgewachsen und kämpft um ihren Platz in der Gesellschaft. Sie arbeitet als Karoffelschälerin und sucht Vergnügen in einer Tanzbar. Ein Journalist reflektiert über den Sinn von Welt und Gesellschaft, ein Mann schießt ihr mit einem Bolzenschußgerät Bolzen in die Betonwände ihres Zimmers, damit sie der trüben unveränderlichen Umwelt mit Bildern ihre Farben aufzwingen kann.
In Dessau werden Seidels knappe, sprachlich spröd pointierte Szenen mit spielerischen Effekten aufgeladen und zu Beginn zu einer Art Zitaten-Potpourri verdichtet. Dann singt das Ensemble einen Chor aus Bizets „Carmen", Carmen Kittel träumt ihren Liebestraum mit Harald, dem Macher und Macho ("Stetiger Aufwind! Guckt euch meinen Lohnstreifen an! Das sind Zahlen! Ich bin oben!"), der sie mit Zaubereien verblüfft, worauf beide in einem fulminant skurrilen Video-Trickfilm als königliches Liebespaar agieren.
Ines Schiller spielt ihre Carmen Kittel nicht als hilfloses Opfer, sondern als eine geheimnisvoll von innen leuchtende Frau mit großer Willenskraft. Die Schauspielerin macht aus Seidels Scheiternder eine Hoffnungsfigur. Weil sie bei sich bleibt in einer Welt, in der mitfühlende Arbeitskolleginnen und aggressiv dominante Männer längst festgelegt haben, wo ihr Platz und wie ihr Verhalten zu sein haben.
Ein Ende mit Bolzenschussgerät
Wenn sie schwanger wird und, gegen ihren eigenen Willen, Haralds Forderung nach einer Abtreibung nachgegeben hat, wehrt sie sich noch immer dagegen, das Scheitern ihres Traumes von einem selbstbestimmten Leben zu akzeptieren. In die Enge getrieben von den fürsorglichen Kolleginnen, spielt sie weiter die Schwangere und stiehlt und erstickt (bei Seidel) schließlich ein fremdes Baby.
Doch in der Dessauer Inszenierung endet sie konsequenterweise nicht als Kindermörderin und in Hilflosigkeit. Hier führt sie dem Mann mit dem Bolzenschussgerät, der sich bei ihr als "Bestimmer" einnisten will, die Hand zum tödlichen Schuss, mitten in ihr Herz.
Regisseur Niklas Ritter und das spielfrohe Ensemble grundieren das traurig zwangsläufige Geschehen mit spielerischer Heiterkeit. Sie zeichnen keine historische (DDR-)Zeit, sie geben den Figuren keine klaren sozialen und beruflichen Konturen, sondern zeigen Menschen in einer eingerichteten, einengenden Welt, die wissen, das Paradies soll stattfinden auf Erden, „und dann sind es doch immer nur bessere Kühlschränke und Autos".
Überzeugend in Schmerz und Wut
Seidels karg-sinnliche Sprache blüht gerade zu auf in dieser phantasievollen Inszenierung, bei der oft nur kurz erzählt, statt immer genau vorgespielt wird. Nicht überzeugt allerdings die Einfügung von drei realen Dessauer Bürgern ins poetische Spiel, worauf die Erweiterung von Seidels Titels mit "Ich wünsch mir einen Sonnenstrand" hinweist. Die älteren Herrschaften sollen, gewissermaßen als Spiegelbilder der jungen Darsteller, die Wünsche und Erfahrungen von Experten des DDR- und Nachwende-Alltags einbringen. Doch wenn alle an gemeinsamer Kaffeetafel zusammen sitzen, werden nur schlichte, klischeehafte Allgemeinplätze verkündet, immerhin mit Witz und Ironie.
Die Inszenierung spielt auf drei übereinander gebauten blauen Blocksegmenten, mit einer Tür, einer Heizung und einer riesigen Eule (für eine der in Seidels Stück eingebetteten Bedeutungsparabeln). Sie überrascht mit einer Fülle bunter Einfälle und überzeugt durch ihre verspielte Heiterkeit, die Seidels Schmerz und Wut deutlich durchscheinen lassen. Dem homogenen Ensemble gelingt es, den Text aus dem Jahr 1986 so erscheinen zu lassen, als sei er ganz von heute. Dieser Georg Seidel, das beweist die nur 75-minütige Inszenierung, ist zu Unrecht vergessen.
06.05.2010, 09:44 | tags:
Schauspiel
, Pressestimmen
426
Helmut Rohm, Zerbster Volksstimme, 05.05.2010
Eine lustvolle, unendlich tragische Geschichte
Niklas Ritter inszeniert auf der Studiobühne des Anhaltischen Theaters Dessau „Carmen Kittel oder Ich wünsch mir Sonnenstrand“ / Premiere am Freitag
„Sie können unmittelbar – nicht vor der Glotze, wie in einer Vorabendserie – eine große lustvolle, unendlich tragische Geschichte erleben und sehen“, machen Niklas Ritter, Regisseur, und Holger Kuhla, Dramaturg, auf „Carmen Kittel oder Ich wünsch mir Sonnenstrand“ neugierig. Das Schauspiel des Dessauer Autors Georg Seidel (1945-1989) hat am kommenden Freitag, dem 7. Mai, um 19.30 Uhr auf der Studiobühne
des Alten Theaters Dessau Premiere.
„Carmen Kittel“, sagen die beiden Theaterleute auch, habe allerdings bedeutend mehr inhaltlichen Tiefgang als jede der schier nicht enden wollenden Fernseh- Soaps.
Die Auswahl gerade dieses Stückes „bedient“ das diesjährige Motto des Dessauer Schauspiels „radikal deutsch“ sehr trefflich. Und die Inszenierung bekommt mit der Wahl des Stücks vom viel zu früh verstorbenen Dessauer Georg Seidel einen vom Anhaltischen Theater gepflegten regionalen Bezug. Der Autor wird wieder verdientermaßen ins Gedächtnis zurückgeholt.
Georg Seidel, so Holger Kuhla, gilt neben Heiner Müller und Volker Braun als einer der wichtigsten Dramatiker der Endphase der DDR. Die Carmen-Geschichte hätte sich so in Dessau oder der Region abspielen können.
In „Carmen“ wird die Geschichte einer jungen Frau erzählt, die nach einer Heimkindheit mit 18 Jahren in den Arbeitsalltag der beginnenden 80er Jahre der DDR entlassen wird. Sie arbeitet, sie lernt Männer kennen, sie verliebt sich. Sie ist aber auch unfähig, sich anzupassen und träumt sich in ein eigenes Leben. Alles geht seinen „realsozialistischen Gang“ – oder eben nicht, ist doch hoffnungslos. Ohne dem Schluss vorgreifen zu wollen: „... erfüllt sich ihr Schicksal auf außergewöhnliche Weise“ (Programmflyer).
Letztendlich, erklärt Regisseur Niklas Ritter, war das Stück, kurz vor der Wende geschrieben, scheinbar überholt, aber eben nur scheinbar. Es behandelt „deutsche Grundprobleme“ wie Liebe, Verrat, Isolation, Widerstand, Glück ... Sie durchziehen sowohl 60 Jahre BRD als auch 40 Jahre DDR. Mehr noch: Sie sind Phänomene des menschlichen Daseins.
Niklas Ritter spannt den gedanklichen Bogen sogar bis zur Novelle „Carmen“ von Prosper Mérimée aus dem Jahre 1847, die die Grundlage für die gleichnamige Bizet-Oper bildete. Es geht um das Schicksal junger Frauen, dort Zigarettenarbeiterinnen, hier Kartoffelschälerinnen. Auch um das jeweilige gesellschaftliche Umfeld.
Niklas Ritter ist Absolvent des Leipziger Literaturinstitutes. Er wäre gern auch Fußballer geworden, doch „zur großen Karriere reichte es nicht“, erzählt der Berliner lächelnd. Das Reisen durch die Welt ist seine zweite Leidenschaft, ein Jahr Ethnologiestudium war ein Einstiegsversuch in eine mögliche Berufsentscheidung. Nach Theater-Hospitanz habe er jedoch gespürt, dass das „Schreiben und Arbeiten mit Menschen bedeutend mehr Spaß macht, mir mehr bringt als ohne“. Und selbst wenn man eine Vorlage habe, erzähle man mehr oder weniger seine Geschichte, lasse zumindest eigene Erfahrungen einfließen.
Das ist auch bei der aktuellen Inszenierung so, bei der Niklas Ritter eigene Lebenserfahrungen, die seiner Schauspieler und insbesondere die der beiden mitwirkenden Dessauer Laiendarsteller verwendet.
An seine eigene erste große Inszenierung erinnert er sich noch gut, sicher auch gern: Meiningen 2004, Weihnachtsmärchen „Lilly auf der Erbse“. Eine moderne Uraufführung und – 50 ausverkaufte Vorstellungen. Seit Meiningen kennt er ebenfalls die damals dort tätige Andrea Moses, die jetzt leitende Regisseurin Musiktheater/ Schauspiel in Dessau ist. Ihr war klar, später auch in der gesamten neuen Dessauer Intendanz: „Mit Niklas Ritter machen wir etwas“.
Er ist sowohl Regisseur wie erfolgreicher Videokünstler. Niklas Ritter war und ist teilweise auch noch unter anderem in Leipzig, Köln, Frankfurt, Dresden und Hamburg tätig. Das Maxim-Gorki-Theater Berlin ist eine seiner wohl beliebtesten Wirkungsstätten mit eigenen Inszenierungen, als Videokünstler in der Zusammenarbeit mit Armin Petras und Sebastian Baumgarten.
Die Proben zu „Carmen Kittel“ laufen seit Ende März. „Und – wir schaffen es“, ganz optimistisch ist der Regisseur Niklas Ritter.
In der Hauptrolle der Carmen ist Ines Schiller zu erleben. Mit dabei sind Susanne Hessel, Regula Steiner-Tomic, Eva-Marianne Berger, Sebastian Müller-Stahl, Thorsten Köhler, Jan Kersjes sowie die beiden Dessauer Laiendarsteller Karin Klose und Helmut Szulczyn.
05.05.2010, 23:25 | tags:
Schauspiel
425
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 06.05.2010
Geschichten zum Kuchen
Kaffeepause. Es gibt "Kalte Schnauze" von Karin, und die schmeckt so gut, dass mancher den Mund nicht voll genug bekommt und man kein Wort mehr versteht. Karin Klose reicht den Kuchen rum, während sie auf der Bühne im Studio des Alten Theaters sitzt. Es wird geprobt für "Carmen Kittel oder Ich wünsch mir Sonnenstrand", der neuen Produktion des Schauspielensembles, die am Freitag, 19.30 Uhr, Premiere hat.
Den Kuchen und noch so manch andere Speise reicht Karin Klose auch sonst sehr oft aus. Sie arbeitet eigentlich in der Kantine des Anhaltischen Theaters. Da gibt es keinen, der Karin nicht kennt. Dass die resolute Dame mit der prägnanten Stimme weit mehr kann, als hinterm Tresen zu stehen, bewies sie bereits zu Anfang dieser Spielzeit in der Produktion "Gesänge aus 1001 deutschen Nacht". "Da hat sie wohl Blut geleckt", weiß Regisseur Niklas Ritter (Foto) - und so meldete sich Frau Klose auch, als der junge Mann für sein aktuelles Projekt ältere Laiendarsteller suchte. Neben Karin Klose ist es Helmut Szulczynski, der am Freitag gemeinsam mit den Profis auf der Bühne steht.
"Es war nicht leicht, Laien zu finden", erzählt Ritter. Allzu viele hatten sich nicht gemeldet. Die jetzige Besetzung aber macht ihn glücklich. "Die beiden können tolle Geschichten erzählen", sagt der Regisseur. Und um eben diese Geschichten aus der DDR der 80er Jahre geht es auch in "Carmen Kittel", einem Stück des aus Dessau stammenden Dramatikers Georg Seidel (1945-1990).
"Ich wollte etwas inszenieren, was mit der Gegend, der Stadt und den Leuten zu tun hat", sagt Niklas Ritter, der als Videokünstler und Regisseur vor allem am Berliner Maxim-Gorki-Theater arbeitet. Seidels Stück nennt er "sehr poetisch". Mit den Themen Liebe, Leben, Sterben und Verrat behandle es Dinge, die immer aktuell sind, auch wenn "Carmen Kittel" von einer jungen unangepassten Frau erzählt, die als Kartoffelsortiererin in den 80er Jahren der DDR lebt.
Die beiden Laiendarsteller werden es in den Vorstellungen auch immer wieder sein, die in ausgewählten Szenen von jener Zeit berichten. "Das geschieht als Improvisation, wir suchen uns vor der Aufführung nur das Thema aus", erklärt Ritter, der als weitere wichtige Komponente seiner Inszenierung die Musik nennt. Einen Teil der lyrischen Texte Seidels habe man vertont - und angesichts der musikalischen Schauspieler, allen voran Jan Kersjes am Klavier, habe es auf der Hand gelegen, viel mit Musik - bis hin zur Oper "Carmen" - zu arbeiten. So entstehen Bilder und Sound zur DDR der 80er.
03.05.2010, 22:12 | tags:
Schauspiel
422
Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 04.05.2010
Seidel kehrt mit «Carmen Kittel» in die Heimat zurück
Im Studio des Alten Theaters steht am Freitag dieser Woche die nächste Schauspielpremiere an. "Carmen Kittel oder ich wünsch mir Sonnenstrand" heißt Georg Seidels Stück, das um 19.30 Uhr erstmals auf einer Dessauer Bühne zu sehen sein wird.
Die Inszenierung des Regisseurs Niklas Ritter führt Schauspieler und Laiendarsteller zusammen und verbindet die fiktive Geschichte der "Carmen" mit sehr realen, schönen und traurigen Erzählungen aus Zeiten, "als wir noch von Sonnenstrand träumten".
Mit "Carmen Kittel" kehrt der Autor Georg Seidel in seine Heimatstadt zurück. 1945 in Dessau geboren, war er Bühnenarbeiter am hiesigen Theater. Ab 1973 war Seidel in Berlin bei der DEFA und ab 1975 am Deutschen Theater als Beleuchter und dort von 1982 bis 1987 als dramaturgischer Mitarbeiter beschäftigt. Seit 1987 arbeitete er als freier Schriftsteller. Georg Seidel gilt als der neben Heiner Müller und Volker Braun wichtigste Dramatiker der Endphase der DDR. 1990 starb er im Alter von 44 Jahren an Krebs.
"Das Stück spielt in einem Kartoffelschälbunker, ein überspitzter realsozialistischer Arbeitsplatz der 80er Jahre. Dort findet sich die junge Carmen nach ihrer Kindheit im Heim wieder. Sie verliebt sich, wird unverhofft schwanger, treibt ab. Dadurch gerät ihr vorgezeichnetes Leben völlig aus den Fugen. Sie versucht die verschiedenen Erwartungen zu bedienen und verstrickt sich immer mehr in ihr Unglück", beschreibt Niklas Ritter das Stück. Er studierte am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig, arbeitete als Regisseur und Videokünstler u. a. am Schauspiel Leipzig, am Schauspiel Köln sowie am Schauspiel Frankfurt, am Staatsschauspiel Dresden und am Thalia Theater Hamburg. Am Maxim Gorki Theater Berlin inszenierte er von Aki Kaurismäki "Der Mann ohne Vergangenheit", "Westwärts" von Rolf Dieter Brinkmann und "Die Reise" von Bernward Vesper. Als Videokünstler arbeitete Ritter bereits mehrfach für Inszenierungen von Armin Petras sowie mit Sebastian Baumgarten.
Auf der Bühne erlebt das Publikum die Schauspieler Ines Schiller (Carmen), Susanne Hessel, Regula Steiner-Tomic, Eva-Marianne Berger, Sebastian Müller-Stahl, Thorsten Köhler, Jan Kersjes, Helmut Szulczynski, Karin Klose und Marlies Krätsch.
22.04.2010, 12:22 | tags:
Schauspiel
405
Pressemitteilung vom 22.04.2010
Tom Wolfe „The Electric Kool-Aid Acid Test“
„Die Nacht, die Lichter“ findet am 30. April um 21 Uhr bereits zum vierten Mal im Alten Theater statt. An diesem Abend kreißt alles um das Amerika der 60er Jahre.
Die Schauspieler Lisa Kudoke, Antje Weber, Mario Janisch und Matthiew Svetchine lassen mit Tom Wolfes Bericht über die bewusstseinserweiternde Reise der Merry Pranksters die Zeit der LSD-Trips wieder lebendig werden. Getanzt wird zu Hippie-Hymnen und Klassikern des Psychedelic Rock.
Tickets zu drei Euro erhalten Sie an der Abendkasse sowie an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr und über
die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr |
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de.
16.04.2010, 13:47 | tags:
Schauspiel
400
Pressemitteilung vom 16.04.2010
Abschlussfeier – zum letzten Mal
Einar Schleefs Schauspiel „Abschlussfeier“ wird am 24. und 25. April um 19.30 Uhr zum letzten Mal im Alten Theater gezeigt. In der Inszenierung von Armin Petras, die als Koproduktion mit dem Gorki Theater Berlin entstand, ist noch einmal Ursula Werner als Leiterin einer Jugendherberge zu erleben. Anlässlich der Abschlussfeier der Gesellschaft für Deutsch-Französische Freundschaft denkt sie über das Leben und über richtige und falsche Entscheidungen nach. Das tun auch ihre Mitarbeiterinnen, die Jungen, die noch Träume und Hoffnungen in sich tragen und die Alten, die der DDR-Alltag erstarren ließ.
Tickets und Informationen erhalten Sie an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über
die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr |
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
16.04.2010, 12:16 | tags:
Schauspiel
399
16.04.2010, 12:15 | tags:
Schauspiel
398
Ralph Gambihler,Kunststoff das Kulturmagazin für Mitteldeutschland, April/Mai/Juni 2010
Hass mit Pause
Die Kunst handelt vom Menschen. Der Mensch aber braucht Dinge - und genau darum geht es in der Rubrik „Unser liebstes Requisit“: um das Fundstück aus der Dingwelt des Theaters, um das materielle Detail von menschlichen Verhältnissen, um die wundersame und wunderbare Zutat einer Geschichte. Diesmal beschäftigen wir uns mit zwei Fernsehapparaten, die in Christian Weises Inszenierung von Kleists Rachedrama „Familie Schroffenstein“ am Anhaltischen Theater Dessau auf der Bühne stehen.
Natürlich! Die Regie lässt uns nicht mitschauen. Von den Apparaten bekommen wir nur die Hinterteile zu sehen: dunkelgraue, bucklige Plastikverblendungen, hässlich wie das Industriedesign sie schuf. Was wir aber sehen, sind die Gesichter der Kleinbürger, die in diese - ihre - Apparate schauen oder eigentlich eher starren, und das wiederkehrende Bild des Abends: zwei deutsche Familien vor der Glotze, bläuliches Licht über reglosen Mienen.
In Heinrich von Kleists Bühnenerstling aus dem Jahr 1803 sind die Sippen Rositz und Warwand nicht nur verwandt, sie sind auch im Hass miteinander verbunden. In Christian Weises Dessauer Version wohnen sie Tür an Tür und schauen fern. Sie hassen sich deshalb nicht weniger, aber irgendwie hängen sie dann doch immer wieder vor den Geräten herum, tasten nach der Fernbedienung, stellen den Ton laut und machen es sich in der Sitzgruppe bequem. Der Fernseher als Tragödienbremse. Wer reinschaut, mordet nicht.
An der Geschichte ändert das allerdings nichts. Gnadenlos drängt die Handlung dem schrecklich vorhersehbaren Verhängnis entgegen. Am Schluss sind Kleists Liebende tot: Agnes und Ottokar, von Ines Schiller und Jan Kersjes anrührend dargestellt. Und der Romeo-und-Julia-Tod, den die bei den auf der Hinterbühne des Dessauer Theaters sterben, ist ein splatterhaftes Schauspiel an Grausamkeit. Beide werden regelrecht hingerichtet und mit Kugeln durchsiebt, bis sie völlig blutüberströmt in Sessel sinken und klar wird, dass jeder Vaters sein eigenes Kind getötet hat. Dieser finale Rache-Exzess ist zudem hyperreal überzeichnet. Die Regie lässt ihn in Zeitlupe spielen. Ziemlich drastisch, so eine Slow-Motion-Erschießung nach Kleist.
Aber ist diese Tragödie eigentlich real? Manchmal hat man den Eindruck, dass wir, die Zuschauer, wie Platons Höhlenmenschen mit dem Rücken zum Feuer sitzen und nur die tanzenden Schatten einer tieferen Wirklichkeit sehen. Und dass all die Frauen und Männer auf der Bühne ziemlich verpeilt wirken. Warum gehen sie nicht einfach über den Flur, klopfen an Nachbars Tür und machen reinen Tisch? Weil das in deutschen Nachbarschaftskriegen nicht vorkommt? Weil sie im Hass gefangen sind? Weil es nicht bei Kleist steht?
Dass es in diesem kleinbürgerlichen Rache-Terrarium einen diffusen, vielleicht auch dialektischen Zusammenhang von Wirklichkeit und Fiktion gibt, ist offensichtlich. Die beiden Fernsehapparate sind gewissermaßen die Membranen, über die zwei Geschichten miteinander kommunizieren. Die eine, „Familie Schroffenstein“, steht im Programmheft und endet mit dem beschriebenen Blutbad. Die andere, „Twin Peaks“, kommt via Mattscheibe in beide Wohnzimmer herein und prägt die Atmosphäre. Die Dialoge von David Lynch und Mark Frost und noch mehr das Gänsehaut-Thema des Soundtracks mit seinen dunklen Syntheziser-Klängen gehen den Kleist-Figuren genauso unter die Haut wie uns. Und während das Parfum des Unheimlichen und Abgründigen, dass die Kultserie aus den 90er Jahren verströmt, wie Reizgas in der Luft liegt, scheinen die verfeindeten Familien aus dem kleinbürgerlichen Rahmen zu fallen. Zwielichtige Gestalten tauchen auf, hinter der Kulisse finden erste Bluttaten statt, unter Bodendielen werden, als sei es das Normalste von der Welt, allerlei Schusswaffen hervorgeholt. Eigentlich geht es bald zu wie in einem Krimi über eine Vendetta unter Deutschen. Das Leben scheint das Filmgeschehen mit Riesenschritten zu überholen.
Die Regie lässt dies alles in der Schwebe. Als schlichte Warnung wider die Gefahren massenkultureller Gewaltfiktionalisierung in Genres wie Mystery und Horror kann man den Abend kaum missverstehen. Eigentlich werden nur Zeiten, Sprachen und Empfindungswelten ineinander geschoben. Die zwei Fernseher machen es möglich.
14.04.2010, 16:57 | tags:
Schauspiel
394
Pressemitteilung vom 14.04.2010
Drei Sozialarbeiterinnen kommen ins Schleudern
Am 15. und 18. April, jeweils um 19:30 Uhr wird das Erfolgsstück von Felicia Zeller „Kaspar Häuser Meer“ wieder im Studio des Alten Theaters gezeigt.
Die 35-jährige Autorin sollte für das Theater Freiburg ein Stück über Kindsvernachlässigung schreiben und näherte sich dem Thema sehr klug und raffiniert aus der Perspektive dreier Sozialarbeiterinnen. Diese drei Sozialarbeiterinnen vom Jugendamt kommen ins Schleudern. Ihr Mitarbeiter Björn ließ sie im Stich. Er ist ausgebrannt, fällt wegen eines Burn-Out-Syndroms für unbestimmte Zeit aus und hinterlässt ihnen einen regelrechten Haufen ungelöster „Fälle“ und unerledigter Arbeit. In einer rasanten, sprachmächtigen und sprachohnmächtigen Auflehnung gegen die Umstände und Überforderungen ihrer Arbeitswelt reden sich die drei Frauen ihre Nöte vom Leib und versuchen sich aus dem Gefängnis ihrer alltäglichen Zwänge zu befreien.
Mit: Eva Marianne Berger, Susanne Hessel und Regula Steiner-Tomič
Bühnenmusik: Hans Rotman (Intendant IMPULS Festival für Neue Musik)
Tickets und Informationen erhalten Sie unter:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr
Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
29.03.2010, 20:51 | tags:
Schauspiel
378
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 30.03.2010
Studie eines rasanten Absturzes
Wie ein Absturz aus großer Höhe aussieht, hat Harras schon oft gesehen: ein Treffer, ein Taumeln, dann reißt die Strömung ab und die Maschine fällt vom Himmel. Diesmal aber ist er nicht der siegreiche Beobachter, sondern der getroffene Verlierer: Er ist den falschen Feinden einmal zu oft auf die Füße getreten, hat den richtigen Freunden einmal zu oft geholfen - und nun wird er zum Opfer eines Spiels, das er nicht durchschaut.
Carl Zuckmayers Stück "Des Teufels General" hatte lange in den Schubladen gelegen, ehe es Frank Castorf an der Berliner Volksbühne wieder entdeckte - mit Corinna Harfouch in der Titelrolle. Tatsächlich braucht man wohl eine solche Ausnahme-Besetzung, um das Stück einem heutigen Publikum schmackhaft machen zu können. Ob sie am Anhaltischen Theater gefunden ist, konnte man am Ende der langen Premiere nur vermuten, weil Werner Eng nach einem furiosen Start gegen Ende dann doch die Kräfte verließen - krankheitsbedingt, wie der Ausfall der zweiten Vorstellung bestätigte. Dass der Gast mit seiner nervösen Körpersprache und seiner virtuosen Sprachbehandlung im Idealzustand freilich in der Lage sein dürfte, mehr als nur einen Hauch von Volksbühne nach Dessau zu bringen, scheint gewiss.
Zumal er hier auf ein Ensemble trifft, das sich mit großer Verve in seine Rollen stürzt. Dabei sind es zunächst die langjährigen Ensemble-Mitglieder, deren spielerische Disziplin und Genauigkeit überzeugt: Hans-Jürgen Müller-Hohensee als traurig-treuer Chauffeur Korrianke, der seinen Herrn wie ein Hund um Zuneigung bettelt und in diesem ausgebrannten Kerl tatsächlich noch ein Fünkchen Wärme findet. Karl Thiele gibt den Industriellen Mohrungen aalglatt und opportunistisch, Gerald Fiedler seinen Verschwörer Oderbruch zugleich verschlossen und integer - und Christel Ortmann als alternde Diva sowie Regula Steiner-Tomic als dienstbeflissene Spionin füllen ihre Figuren plausibel aus.
Die Jungen hat Regisseur Wolf Bunge in der Ausstattung seines langjährigen Mitstreiters Toto greller, grotesker gezeichnet - mit Ausnahme des Adjutanten Lüttjohann, den Matthieu Svetchine als Diener seines Herrn zwischen öffentlichem Gehorsam und privater Vertrautheit changieren lässt. Ganz anders Thorsten Köhlers obszöner Emporkömmling Pfundtmayer, Mario Janischs überforderter Held Eilers oder der sensible Hartmann des Jan Kersjes - lauter Leichen auf Abruf, denen im friedlichen Hinterland die Kriegsgewinnler wie der aalglatte Schmidt-Lausitz (Uwe Fischer) und der diplomatisch temperierte Pflungk (Sebastian Müller-Stahl) gegenübertreten.
Unter den Frauen fällt vor allem Susanne Hessel als Diddo auf, die Harras mit ihrer ebenso selbstbewussten wie bedingungslosen Hingabe noch einmal die Hoffnung auf Zukunft schenkt, ehe er in den Abgrund stürzt. Die beiden Schwestern Anne (Eva-Marianne Berger) und Pützchen (Ines Schiller) sind hingegen zwei Seiten einer BDM-Medaille: die Eine die fanatische Gläubige, die ihren Mann für sein tödliches Geschäft bewundert. Und die Andere die kühle Karriere-Kalkulatorin, die unter ihrer Uniform eine dünne Haut verbirgt. Antje Webers lebensklug-resignierte Olivia und Lisa Kudokes tapfere Bonnie liefern hier den Gegenbeweis der menschlichen Möglichkeit in unmenschlicher Zeit. Insgesamt eine Ensemble-Leistung, die darauf hoffen lässt, dass der Abend im Laufe der Zeit noch dichter wird.
29.03.2010, 10:22 | tags:
Schauspiel
375
Helmut Rohm, Volksstimme Magdeburg, 29.03.2010
Des Teufels General: Fragen nach Treue, Verrat und Zivilcourage
Die Fliegerei, Fragen von persönlicher Schuld und Unschuld, von Verantwortungsbewusstsein in der Zeit des Nationalsozialismus stehen im Focus von Carl Zuckmayers Schauspiel „Des Teufels General“. Das Stück hatte jetzt in der Stadt von Hugo Junkers am Anhaltischen Theater Dessau-Roßlau Premiere. Regie führte Wolf Bunge.
Im Mittelpunkt der Geschichte im Kriegsjahr 1941 steht General Harras, der für die technische Abteilung der deutschen Luftwaffe verantwortlich ist. Die Dessauer Inszenierung hält sich ganz konsequent, mit notwendigen, die Handlungslinie nicht verändernden Streichungen an Zuckmayers Vorlage. Ein Verdienst ist es, die in sich total widersprüchliche, sicher mit sich auch unzufriedene Persönlichkeit des Harras facettenreich zu zeichnen. Dennoch gestalten sich einige Passagen des Abends zählebig, spannungshemmend, wurden aus zwei Stunden Aufführungsdauer fast ganze drei.
Werner Eng, als Gast bejubelter Star des Abends, verleiht dieser Harras-Figur, die Zuckmayer auf die wahre Geschichte des Fliegergenerals Ernst Udet bezieht, pulsierendes Leben in faszinierender Bandbreite. Harras ist von der Fliegerei gefesselt, die bei ihm „über alles“ steht. Er ist selbst kein Mitglied der Nazipartei, für sie jedoch ein unverzichtbarer Fachmann. Er kann sich so einige scheinbare „Narrheiten“ erlauben.
Die Gäste erleben ihn bei einer Feier mit einer Fliegerstaffel. Alkohol fließt in Strömen. Er liebt Frauen, ist ständig in Aktion, ein im Mittelpunkt stehender Strahlemann. Und er riskiert gern eine „freche Lippe“ gegen die Nationalsozialisten. Auch oder gerade weil er weiß, dass Zuträger anwesend sind und abgehört wird. Auch Erinnerung an jüngste Geschichte.
Dennoch ist es ein Leben nach dem Motto: Mir kann keiner. Hier wird im Stück die Tragik des Harras und von „Mitläufern“ an sich deutlich. Auch hier unausgesprochene Aktualität. Ob Harras will oder nicht, das Regime vereinnahmt ihn, letztendlich von ihm gebilligt. Daran ändert nicht, dass er seinen Kraftfahrer einst aus dem KZ herausgeholte oder einer konkreten Familie zur Flucht verhelfen will.
Um Harras herum lässt Zuckmayer Figuren agieren, die Regisseur Wolf Bunge mit deren ganz unterschiedlichen individuellen Befindlichkeiten im Kontext zur gesellschaftlichen Wirklichkeit meist trefflich charakterisiert, vom Dessauer Schauspielensemble engagiert dargestellt.
Da werden Gefühle, Zweifel und auch Ängste emotional deutlich – hinter der Maske des Lauten, der Männlichkeit, der gelobten „sauberen“ Wehrmacht“, für die das Töten eben „zum Handwerk“ gehört ... Der Zuschauer wird vordergründig unaufdringlich, doch gewollt zur Auseinandersetzung mit Fragen von Verantwortung, Schuld und/ oder Unschuld, Treue, Verrat und Zivilcourage, Held sein oder einen anderen Ausweg suchen, Verbrechensrechtfertigung angeregt. Kritisch wird es für Harras, als er, auch mit gewalttätigem Nachdruck, auftretende Sabotageakte an den Flugzeugen aufklären muss.
Harras selbst kann sich nicht eindeutig entscheiden. Er sucht mit einem offensichtlich sabotierten Flugzeug den Freitod – und wird mit allen militärischen Ehren „als Held“ beigesetzt. In Dessau gestaltete Wolf Bunge dieses Ende mit Originalfilmen. Ansonsten lässt der Regisseur auf der übergroßen Bühne (Ausstattung: Toto), die hin und wieder das Textverständnis behinderte, Symbolik wirken. Über dem ausgelassenen triebhaften Feiern kreisen drohend und gefahrverheißend große Hakenkreuzfahnen, während das Büro des Fliegergenerals mehr einer einengenden Gefängniszelle ähnelt – beides stimmig situationskennzeichnend.
Die Premiere wurde mit viel Beifall aufgenommen. Die nächste Aufführungen am Anhaltischen Theater steht in Dessau- Roßlau am Freitag, dem 9. April, auf dem Spielplan.
28.03.2010, 21:44 | tags:
Schauspiel
373
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 29.03.2010
Halle und Dessau
Das Grauen und das Lachen
Anhaltisches Theater zeigt «Des Teufels General» - «Sein oder Nichtsein» am Neuen Theater in Halle
Man trägt wieder Uniform auf Sachsen-Anhalts Bühnen - und zeigt zum Zwecke der Aufklärung Hakenkreuz-Flagge. Selbst wenn es ein bloßer Zufall war, dass am Freitag Carl Zuckmayers "Des Teufels General" am Anhaltischen Theater Dessau und am Samstag Nick Whitbys "Sein oder Nichtsein" am Neuen Theater Halle Premiere feierte, scheint das gleichzeitige dramaturgische Interesse an der Geschichte des Nationalsozialismus doch bemerkenswert - zumal es sich an beiden Orten aus lokalen Traditionen begründen lässt.
Überfälliger Exorzismus
Denn während das Drama des Fliegergenerals Harras in der einstigen Junkers-Stadt und in dem 1938 durch Hitler eingeweihten Bühnenhaus wie ein längst überfälliger Exorzismus erscheint, wirkt die Komödie auf der Kulturinsel wie ein Gegenentwurf zu den Dokumentarstücken der Ära Sodann.
Beide Inszenierungen sind sich dieser Verantwortung bewusst, kommen aber zu sehr unterschiedlichen Schlüssen. Da ist zunächst in Dessau-Roßlau der unaufhaltsame Fall des Karriere-Soldaten, den Wolf Bunge mit seinem Ausstatter Toto aus gigantischer Leere allmählich in die Enge und an die Rampe treibt. Der Protagonist ist hier kein Zyniker, sondern ein greller Clown, der die Würde seines Amtes vorsätzlich von sich schleudert. Werner Eng, der die Hauptrolle kurzfristig übernommen und trotz hörbarer Erkrankung als gewaltigen Kraftakt durchgestanden hat - was zur Absage der gestrigen, zweiten Vorstellung führte - tänzelt und schlittert über das spiegelglatte Parkett der Macht.
Er ätzt offen gegen seine Feinde und schützt heimlich seine Freunde - und er geht schließlich an einem Gewissen zugrunde, das er allzu lange in Alkohol ertränkt hat. Wenn ihn dabei am Ende mit der Hoffnung auch die Energie verlässt, während er sich durch das didaktische Finale dieses einst zum Zwecke der Umerziehung geschriebenen Stückes quält, hat dies fatale innere Logik.
Um den schlechten Kerl mit dem guten Kern gruppiert sich ein Panorama der Nazi-Elite - die bis zur Selbstverleugnung abgehärteten Piloten und die intriganten Funktionäre, die fanatischen und die verzweifelten Frauen, die Antreiber und die Mitläufer. Die trotz aller Etüden zielbewusste Inszenierung zeigt die hysterische Heiterkeit in der Nacht vor dem Fronteinsatz, die solidarische Treue und den eiskalten Verrat - und sie findet ihre Höhepunkte in zwei musikalischen Momenten.
Dafür sorgt einerseits Jan Kersjes, der als junger Soldat am Flügel sitzt und einer Führerbüste sein "Back in the USSR" ins Gesicht schreit - und andererseits Eng selbst, der zu den Bildern eines Staatsbegräbnisses die deutsche Hymne mit der E-Gitarre zersägt wie weiland Jimmi Hendrix das "Star Spangled Banner". Dass diese Augenblicke auch akustisch das leisten, was der lange Abend nicht immer halten kann, ist bezeichnend: Die Dessauer Bühne hat eigene Gesetze, ihr überdimensionierter Raum ist ohne eingrenzende Kulissen kaum anders als frontal zu bewältigen. Aber "Des Teufels General" ist ja auch ein Stück, das man nicht beiseite sprechen darf.
Mit solchen Problemen hat man in Halle kaum zu kämpfen, obwohl Christoph Werner den Spielraum von Angela Baumgart permanent dreht und wendet. Im abgewetzt plüschigen Interieur des polnischen Theaters begegnet dem Zuschauer jene eifersüchtig eitle und unbedingt liebenswerte Schauspieler-Schar um das Ehepaar Tura, die seit den Filmen von Ernst Lubitsch und Mel Brooks ein Millionenpublikum kennt. Auf der Bühne aber wird das Ensemble-Spiel zum selbstreferenziellen Spaß: Natürlich sprechen sie alle auch von sich selbst, wenn sie in ihren Rollen über ihre Rollen reden. Und natürlich ist es ein großes Vergnügen, guten Schauspielern dabei zuzusehen, wie sie schlechte Schauspieler spielen - und mit ihrer Rasierseifenoper am Ende einem grausam effizienten System entkommen.
Todernster Hintergrund
Der todernste Hintergrund, vor dem sich dieser übermütige Spaß ereignet, wird dabei nie vergessen: Wenn Hilmar Eichhorn als Gestapo-Oberst in täglicher Routine die Listen mit den Gesuchten unterzeichnet, dann ist die Gefahr so greifbar wie in dem Vabanque-Spiel von Wolf Gerlach und Lena Zipp. Doch immer wieder darf man den Kloß im Hals durch befreiendes Lachen lösen, weil alle Darsteller mit großer Spiellust und -kunst bei der Sache sind. Es ist eine Hommage auf das flüchtige Glück des Theaters, auf all die Komödianten, die sich um Kopf und Kragen spielen, um ihren Hals aus der Schlinge zu ziehen - eine Verneigung der Künstler vor ihrem Schminkspiegel, der hier auch als Fenster für ein Liebespaar taugt.
So ist an beiden Häusern das gelungen, was wohl auch intendiert war: In Dessau die schwere, gelegentlich quälende Durcharbeitung einer real grundierten Geschichte, die leichter nicht zu erzählen ist. Und in Halle die heitere Utopie, die den Schrecken mit Humor austreibt. Man sollte sich beide Arbeiten ansehen und die eigene Wahrheit in der Mitte suchen.
Nächste Vorstellungen: 3. und 9. April, jeweils 19.30 Uhr (Halle); 9. April, 19.30 Uhr, 29. April, 16 Uhr (Dessau)
24.03.2010, 09:27 | tags:
Schauspiel
362
Pressemitteilung vom 24.03.2010
Menschen-Bilder
Szenische Zeitreise ins 18. Jahrhundert
Im Palais Dietrich wird mit dem Stück "Menschen-Bilder" am 26. März um 15 Uhr das Themenjahr "Sachsen-Anhalt und das 18. Jahrhundert" eröffnet. In einer Kooperation zwischen dem Gleimhaus Halberstadt und dem Anhaltischen Theater Dessau wird die Erinnerung an dieses Jahrhundert des Aufbruchs mit dieser Auftaktveranstaltung wachgerufen. Boris Malré und Thorsten Köhler, zwei Schauspieler des Anhaltischen Theaters, schlüpfen in Jürgen Westphals Stück in die Rollen verschiedener Zeitgenossen Goethes. Raum und Zeit verschwinden beim Blick durch das magische Fernrohr und es zeigt sich, das schon immer Kunst von Können kommt. Musikalisch begleitet wird das von David Ortmann eingerichtete szenische Spiel vom Hallenser Ensemble "Uni-Baroque" unter Leitung von Matthias Erben.
Der Eintritt ist frei.
23.03.2010, 14:34 | tags:
Ballett
, Schauspiel
, Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
361
Pressemitteilung vom 23.03.2010
Zum Osterspezialpreis ins Theater
Das Anhaltische Theater bietet zu Ostern drei Stücke zum Spezial Preis von jeweils 8,- Euro an.
Am Dienstag und Mittwoch, den 30. und 31. März, um 19.30 Uhr wird im Alten Theater das Schauspiel von Einar Schleef „Abschlussfeier“ in der Regie von Armin Petras aufgeführt. Das Stück nimmt die Zuschauer mit in eine DDR-Jugendherberge am Ende der 70er Jahre. Die Inszenierung entstand als Koproduktion mit dem Maxim Gorki Theater Berlin.
Ballett gibt es auf der Bauhausbühne zu sehen am Karfreitag, Ostersamstag und -sonntag. Tänzer und Tänzerinnen des Anhaltischen Theaters präsentieren mit „Hermes in der Stadt“ erstmals eigene Choreographien, acht kurze und kraftvolle Szenen in einer Koproduktion mit der Stiftung Bauhaus Dessau. Inspiration hierfür waren die Texte von Lothar Trolle, der am 2. April für Gespräche mit dem Publikum anwesend sein wird. Moderiert wird das Gespräch von Andreas Hillger, Kulturredakteur der Mitteldeutschen Zeitung.
Mit „Candide“, Regie Cordula Däuper, wird am Ostermontag im Großen Haus Leonard Bernsteins kühnste Schöpfung für die Musiktheaterbühne gezeigt, eine Mischung aus Musical, klassischer Operette und komischer Oper. Die Vorstellung beginnt um 17 Uhr.
Tickets zu 8,- Euro erhalten Sie ab sofort über:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr | Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
23.03.2010, 11:29 | tags:
Schauspiel
360
Ilka Hilger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 06.03.2010
Letzter Einruf begeistert das zweite Mal
REIHE Unterhaltsamer Rückblick in die Theatergeschichte und Ausblick auf die Inszenierung „Des Teufels General“.
Die Poltes sind allgegenwärtig in der Stadt. Stolz hält Leo Polte VIII. das Dessauer Stadtmagazin in der Hand. Ein Bild seines Vorfahren prangt auf dem Titel, die Geschichte dazu widmet sich ganz dem Inspizienten-Clan, der in achter Generation am Anhaltischen Theater maßgeblich dafür sorgt, dass sich am Abend der Vorhang hebt.
Was ist ein Inspizient, was macht er, was denkt er, wie lebt er, wie blickt er auf die Stadt, auf das Theater. Zum zweiten Mal in dieser Spielzeit gab es darauf in dieser Woche Antworten im Foyer des Alten Theaters, wo der Schauspieler Gerald Fiedler seine Reihe „Der letzte Einruf!!!“ fortsetzte. Nachdem in der ersten Folge thematisch die Inszenierung „Die Familie Schroffenstein“ den Schwerpunkt setzte, widmete sich Polte dieses Mal der anstehenden Premiere von „Des Teufels General“, ein Schauspiel von Carl Zuckmayer, das am 26. März in der Regie von Wolf Bunge auf der großen Bühne gezeigt wird.
„Zum Spielen zu wenig und zum Schließen zu viel.“
Gerald Fiedler zur fürstlichen Bezahlung
Zuckmayer und sein General mussten sich freilich noch gedulden. Traditionell standen zunächst die Poltes und deren Familienchronik im dreigeteilten Abend im Mittelpunkt. Bedächtig nähert sich Leo Polte VIII. seiner eigenen Wirkungszeit und das ist gut so, gibt es doch für Gerald Fiedler viel zu erzählen aus 215 Jahren Theatergeschichte in Dessau. Knapp fasst er zusammen, was sein Urahn Leo Polte I. erlebte und geht in der Historie weiter zur Bossanschen Theatertruppe, deren Namensgeber von Leo Polte I. „zur Erheiterung aller Umstehenden“ zum Prinzipal der Dessauer Bühne ernannt wurde. Gut ging es mit Bossan damals freilich nicht, denn „er griff respektlos in aufgeführte Werke ein“, ein Unding für einen Inspizienten und einen Polte erst recht.
Parallelen aus der Geschichte
Fiedler plaudert kenntnisreich durch die Geschichte, wenn von 375 Talern im Monat die Rede ist, die der Fürst den Theaterleuten gibt, und es heißt „zum Spielen zu wenig und zum Schließen zu viel“, dann tun sich ganz von allein Parallelen auf und im Publikum gibt es bittere Lacher. Eben dies ist das Schöne an der Einruf-Reihe, sie gibt ihrem Schöpfer und Darsteller jedes Mal aufs Neue Gelegenheit, ganz aktuell zu reagieren. Den Seitenhieben auf Stadtpolitik, den liebevollen Sticheleien gegen die Kollegen – diesmal waren Souffleure Mode, denn, sie neigen dazu, sich hemmungslos zu überschulden“ - setzt Fiedler jedoch immer wieder genaueste Recherche entgegen. „Der letzte Einruf!!!“ kann so auch immer als höchst unterhaltsame und zugleich unaufdringliche Einführung in eine neue Inszenierung begriffen werden.
Ebenso hinreißend wie bei der ersten Auflage erzählte Polte auch diesmal wieder in Strophen gepackt die Handlung von „Des Teufels General“. Zum bekannten Schlumpf-Ensemble gesellte sich diesmal ein Playmobil-Held, eine selbst gebaute Junkers-Flughallenkulisse mal wieder war der Schnelldurchlauf pointiert gerafft, umso detaillierter erfuhren die Zuschauer von der Zuckmayer-Rezeptionsgeschichte am Dessauer Theater, die freilich nur ein paar Seiten umfasst, denn Werke des Sohns eines Weinkapselfabrikanten (auch das konnte man von Polte erfahren) wurden wenig gespielt. Nach „Der Hauptmann von Köpenick“1931, war „erst mal 61 Jahre Schluss mit Zuckmayer in Dessau“. Erst 1992 gab es wieder einen Hauptmann, 2007 „Katharina Knie“. Das Zirkusstück ließ Polte zur Quetschkommode greifen und ebenso hinreißend melancholisch wie Gerald Fiedler Sondheims „Send in the Clowns“ schon damals sang, tat er dies auch als Polte, denn „was der Fiedler kann, kann ich schon lange“.
Applaus für Gast
Singen konnte an diesem Abend jedoch nicht nur Fiedler, sein Gast, Schauspieler Jan Kersjes – vom Heimweh nach Köln gebeutelt durfte sich vom herzlichen Applaus für seine Lieder, seine Antworten auf Zuschauerfragen und seine kleine Lesung in den Arm genommen fühlen. Das hätte man allerdings auch Pianist Stefan Neubert gewünscht. Er und Polte sind ein köstliches Paar. Auf den letzten „Letzten Einruf“ dieser Spielzeit, wenn es erstmals um eine Oper, Verdis „Maskenball“ geht, darf man gespannt sein. Dann sollte es auch endlich ein Bier für den Mann am Klavier geben. Er hat es sich verdient.
22.03.2010, 15:39 | tags:
Schauspiel
359
Pressemitteilung vom 22.03.2010
Anhaltisches Theater fährt mit einem Beitrag zum Welttheatertag nach Wuppertal
Anlässlich des Welttheatertages am 27. März finden im und am Opernhaus Wuppertal gemeinsame Aktionen der deutschsprachigen Theater statt. Eingeladen sind: das Publikum, alle Wuppertaler Bürger, Kulturpolitiker, Kommunalpolitiker sowie die Intendanten, Künstler und Mitarbeiter aller Theater. Die Wuppertaler Bühnen möchten in einer großen Aktion die Aussage THEATER MACHT REICH – ZUKUNFT BRAUCHT KULTUR unterstreichen.
Mit der Performance "Milarepa oder Zorn und Vergessen"
Sätze zur Lage, beteiligen sich Andrea Moses/ Chefregisseurin für Musiktheater und Schauspiel und Uwe Fischer/ Schauspieler für das Anhaltische Theater an dieser Aktion.
Die Performance kombiniert Ausschnitte aus dem Schauspielmonolog "Milarepa"
von Eric-Emmanuel Schmitt und eine kommentierende Rede von Andrea Moses "zur Lage". Zwischen kommunalem und staatlichem Sparzwang-wahn und deren erwartbaren Folgen, scheint immer auch ein Weg zum Ende des düsteren Tunnels. Wenn ein erwartbarer kultureller Kahlschlag in Städten und Gemeinden auch nicht aufhaltbar ist, zeigt ein Stück Theater auf, wie man mit dem scheinbar Unvermeidlichen aktiv und gelassen umgehen sollte!
22.03.2010, 15:12 | tags:
Ballett
, Schauspiel
, Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
358
Pressemitteilung vom 22.03.2010
Theaterwelten - Festliche Konzertgala zum Welttheatertag
Am 27. März 2010 findet im Anhaltischen Theater um 19.30 Uhr eine Festliche Konzertgala unter dem Motto „Theaterwelten“ statt. Seit 1961 ist dieser Tag vom Internationalen Theaterinstitut der UNESCO zum Welttag des Theaters ausgerufen.
Alle vier Sparten des Anhaltischen Theaters (Musiktheater, Ballett, Schauspiel und die Philharmonie) nehmen ihr Publikum mit auf eine unterhaltsame Reise durch verschiedene Länder dieser Erde und zeigen die große Vielfalt ihres künstlerischen Spektrums. Unterwegs erklingt unter anderem Musik von Wagner, Dvorák, Elgar, Offenbach, Strauß, Abraham, Weill. Der musikalische Reiseleiter heißt Generalmusikdirektor Antony Hermus, der Moderator Thorsten Köhler.
Als Solisten wirken mit: Angelina Ruzzafante, Ulf Paulsen, Andrew Sritheran, Angus Wood Jan Kersjes, Matthieu Svetchine und Karl Thiele.
Die Initiative „Land braucht Stadt“ hat zu einer großen Demonstration gegen die Sparpläne der Stadt Dessau aufgerufen. Diese beginnt am Welttheatertag um 15 Uhr am Tierpark und endet vor dem Anhaltischen Theater, wo weitere sportliche und kulturelle Aktionen geplant sind.
22.03.2010, 15:00 | tags:
Schauspiel
357
Pressemitteilung vom 22.03.2010
Hommage an Adolf Endler - "Die Nacht, die Lichter" im Alten Theater
Das Anhaltische Theater lädt am 27. März um 21 Uhr zur dritten Veranstaltung "Die Nacht, die Lichter" ins Foyer des Alten Theaters ein.
Der Abend bietet neben scharfen Polemiken von Adolf Endler tanzbaren (Ost)-Rock vom Plattenteller. Adolf Endler, der im vergangenem Jahr verstarb, siedelte 1955 aus dem Westen in die DDR über. Hier wurde er treibende Kraft der literarischen Untergrundbewegung und 1979 aus dem Schriftstellerverband ausgeschlossen.
Die Schauspieler Jan Kersjes, Stephan Korves und Matthieu Svetchine tragen heiter-sarkastische Texte des Tarzan vom Prenzlauer Berg in Baratmosphäre vor.
Tickets zu 3,- Euro und Informationen erhalten Sie an der Abendkasse und an der Theaterkasse im Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr sowie über die Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
19.03.2010, 14:11 | tags:
Schauspiel
354
Pressemitteilung vom 19.03.2010
Premiere „Des Teufels General“– Schauspiel von Carl Zuckmayer
das Anhaltische Theater lädt am Freitag, 26. März 2010, um 19:30 Uhr zur Premiere „Des Teufels General“ Schauspiel von Carl Zuckmayer, in der Regie von Wolf Bunge ein. Bereits um 19 Uhr gibt Dramaturg Holger Kuhla eine Werkeinführung im Foyer.
Harras, genialer Flieger und schillernde Figur, rast mitten in den braunen Jahren die deutsche Karriereleiter hoch. Er wird zu des »Teufels General« und langweilt sich schnell auf dem nationalsozialistischen Amtsschimmel. Also lebt sich Harras aus, feiert Orgien mit Operettendiven, lässt sich treiben und schwebt mitten im Krieg recht losgelöst auf Wolke 7 oder 8.
Politik und Gestapo scheinen kein Thema, Hauptsache, die schönsten Frauen begehren ihn und der Champagner schmeckt. Legt sich Harras mit Nazibonzen an, können die nichts tun, denn er ist unverzichtbar für die deutsche Luftwaffe. Als er jedoch versucht einen jüdischen Arzt vor der Gaskammer zu bewahren und sich Sabotageakte in seinen Flugzeugwerken häufen, schlägt das System zurück. Das Fest ist aus und für Harras die gute alte Zeit endgültig vorbei, der Geheimdienst hört ihn ab und nimmt ihn schließlich fest.
Zu wertvoll für die Ostfront kommt er jedoch wieder frei. Als ein guter Freund mit einer manipulierten Maschine abstürzt, wird Harras herausfinden wer wirklich für die Sabotage verantwortlich ist. Er muss sich entscheiden und gerät an seine Grenzen. Harras liefert die Saboteure nicht ans braune Messer, steigt noch ein letztes Mal in einen Kampfflieger und bekommt vom Generalfeldmarschall ein heldenhaftes Staatsbegräbnis.
Mit: Werner Eng als Gast (Harras) und dem gesamten Schauspielensemble des Anhaltischen Theaters
Weitere Aufführungen: 28.3., 17 Uhr | 9.4., 19:30 Uhr | 29.4., 16 Uhr | 8.5., 19:30 |
12.6., 17 Uhr | 20.6., 17 Uhr
Tickets und Informationen:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr | Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr |
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
18.03.2010, 19:05 | tags:
Schauspiel
352
Pressemitteilung vom 18.03.2010
Matinee zur Premiere „Des Teufels General
Kurz vor der Premiere des Schauspiels „Des Teufels General“ lädt das Anhaltische Theater Dessau zu einer Matinee am Sonntag, d. 21. März um 10:30 Uhr ins Foyer des Großen Hauses ein. Neben dem Inszenierungsteam (Wolf Bunge/Regie, Holger Kuhla/Dramaturgie) werden die Schauspieler Antje Weber, Werner Eng, Uwe Fischer, und Jan Kersjes einen Einblick in den Entstehungsprozess der Inszenierung geben und laden zum Gespräch über das Stück ein.
Jan Kersjes, der für die Musikalische Einrichtung des Stücks sorgt, wird musikalisch die Matinee am Sonntagmorgen begleiten.
Als der Film »Des Teufels General« 1955 mit Curd Jürgens in der Rolle des Harras in die bundesdeutschen Kinos kam, hatte dies einen politischen Schock zur Folge. Heute sind wir bei einer Aufführung dieses Stoffes zwar weit entfernt von Schockzuständen, doch Zuckmayers Grundthemen, die Risse in deutschen Lebenswegen, die Verstrickung in Schuld und die Frage nach der Ohnmacht des Einzelnen gegenüber der Macht, zeigen noch immer Wirkung. Und dies in einer Stadt, in der Hugo Junkers erfolgreich für die zivile Luftfahrt arbeitete und von den Nazis als »politisch unzuverlässig« aus seinen Betrieben und seiner Stadt gejagt wurde.
Erfahren Sie Hintergründiges und Wissenswertes zum Werk und Details zur Umsetzung und Interpretation durch die Inszenierung.
Moderiert wird die Matinee von Holger Kuhla (Dramaturg).
Für den Eintritt wird ein Obulus von 3,- € erhoben, der beim Besuch der entsprechenden Veranstaltung auf den Kartenpreis angerechnet wird.
Tickets und Informationen:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr | Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
10.03.2010, 12:57 | tags:
Schauspiel
, Theaterpaedagogik
338
Pressemitteilung vom 10.03.2010
Anhaltisches Theater kooperiert mit dem Anhaltischen Berufsschulzentrum Dessau „Hugo Junkers“
Einen großen Deckenventilator übergaben heute die Schüler des Anhaltischen Berufsschulzentrums Dessau „Hugo Junkers“ im Beisein ihrer Ausbilder und Lehrer dem Bühnenbildner Toto, der das Bühnenbild und die Kostüme zur Schauspielinszenierung „Des Teufels General“ entworfen hat.
Bühnenbildner Toto und Imme Heiligendorff / Theaterpädagogin dankten den Schülern für ihre geleistete Arbeit und luden diese herzlich in weitere Proben sowie in die Premiere am 26. März, um 19:30 Uhr im Großen Haus des Anhaltischen Theater ein. Obwohl viele der Schüler sicher nicht regelmäßig ins Theater gehen, waren sie stolz auf ihre Mitarbeit und schauten sich mit neugierigen Blicken im Theater um.
Bühnenbildner Toto berichtete über den historischen Hintergrund zum Stück, für ihn sei es spannend, ein Fliegerstück in Dessau direkt vor den Toren der ehemaligen „Hugo Junkers“ Werke auf die Bühne zu bringen.
Die Lehrer des Berufsschulzentrum dankten dem Beruflichen Aus- und Vorbereitungswerk gGmbH Dessau (BAVW), welche das Berufsschulzentrum bei der Anfertigung des Ventilators unterstützte sowie dem Technikmuseum „Hugo Junkers“, das Flugzeugmodelle, eine Beratung und das Archiv den Schülern zur Verfügung stellte.
Neben dem Ventilator arbeiteten die Schüler aber auch am Bodentuch für die Inszenierung mit und betonten, so eine große Fläche zu bemalen, sei für sie besonders schön gewesen. Sie konnten erfahren, welche speziellen Anforderungen es für den Dekorationsbau am Theater gibt, gewannen einen Einblick in die Arbeit des Theatermalers und erlebten, wie sich ihr Produkt in das Bühnenbild des Theaters und schließlich in die Inszenierung einfügt.
08.03.2010, 14:48 | tags:
Schauspiel
, Kurt-Weill-Fest
330
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 03.03.2010
Ein leichtsinniger wie schwermütiger Abend
Theater bringt „Mein wildes Herz in deiner Ruh“ zum Weill-Fest.
Vom seltsamen Spiel der Liebe könnten sie mehr als nur ein Lied singen, die Claire und der George - wenn nur Joe zu finden wäre, ihr leicht derangierter und schwer desillusionierter Pianist. Als sie den Musiker schließlich hinter seiner Zeitung hervorgelockt haben, beginnen auch die Stimulanzien zu wirken: der Duft der Rose und der Geschmack des Champagners, die für einen Abend unter dem Motto „Mein wildes Herz in deiner Ruh“ so unerlässlich scheinen wie die Songs von Kurt Weill und Paul Dessau, Kurt Schwaen und Hanns Eisler.
Es war ein wunderbares Geschenk des Anhaltischen Theaters zum Kurt-Weill-Fest, das da am Sonntagabend erstmals über die Bauhaus-Bühne ging - ein ebenso leichtsinniger wie schwermütiger Abend, der vom Erreichen wie vom Verfehlen des zweisamen Glücks erzählte und dabei wie selbstverständlich die neue Allianz der Dessauer Kultur-Leuchttürme bekräftigte. In Matthieu Svetchine und Antje Weber hat der Dramaturg Holger Kuhla Protagonisten gefunden, denen die doppelte Travestie bestens zu Gesicht steht.
Da ist einerseits der sentimentale, nah am Wasser gebaute Kerl im Abendkleid, der die „Erinnerung an die Marie A.“ so hemmungslos zu schmachten weiß wie den „Surabaya-Johnny“. Und da steht andererseits eine scharf gescheitelte Dame mit Zylinder und Schnauzbart, die „Baals Lied“ und das „Wie man sich bettet“ als energische Widerrede gegen falsche Illusionen begreift. Daniel Carlberg steht den beiden Schauspielern, die ihre Masken im Laufe des Abends fallen lassen, mit den Liedern von der großen Kapitulation und von der belebenden Wirkung des Geldes treu zur Seite - und trägt sie als Pianist auf Händen durch ihre Songs.
Die Weisheit dieses Abends, der schon dank des bürgerlichen Teppichs auf dem Bauhaus-Boden wie ein kalkuliertes Sakrileg wirkt, liegt in dem rasanten Wechsel zwischen dem Rohen und dem Zarten: Dass dem Dichter Bertolt Brecht pornografische Texte wie „Sauna und Beischlaf“ ebenso selbstverständlich von der Hand gingen wie das wunderbare Gleichnis von den Kranichen, kann man beim Fest zu Ehren seines Komponisten-Kollegen Weill nicht oft genug betonen - schließlich war auch im Werk dieses Künstlers das Fleisch so wichtig wie der Geist.
Dass am Ende dieser klugen Revue über die trügerischen Emotionen ein Mond über der Stadt hing, wie er auch in Bilbao und Alabama nicht schöner zu haben ist, wirkte wie ein himmlischer Gruß an die irrenden Irdischen - „Es war das Schönste auf der Welt!“.
01.03.2010, 14:27 | tags:
Schauspiel
302
Pressemitteilung vom 01.03.2010
Neue Folge des Kultstücks von Gerald Fiedler
Der letzte Einruf!!! [Folge 2] Des Teufels General
Am 3. März um 19 Uhr im Foyer des Alten Theaters wartet Gerald Fiedler mit einer neuen Folge von „Der letzte Einruf!!! auf. In dieser geht es um die Schauspielinszenierung "Des Teufels General" von Carl Zuckmayer, die am 26. März auf der Großen Bühne Premiere haben wird. Fiedler, als aktueller Amtsinhaber Leo Polte VIII. wird strikt aus der Sicht der Poltes das Stück beschreiben und in einer musikalischen Zusammenfassung vorstellen.
Darüber hinaus wird er ein weiteres Kapitel seiner Familienchronik aufgeschlagen, denn die Verhältnisse der Familie zu Carl Zuckmayer waren äußerst vielfältig. Mit der nächsten Folge führt Leo Polte VIII. auch eine Neuerung ein: seine prominenten Gäste wird er bereits im Vorfeld bekannt geben. Damit hat das Publikum die Chance, vor der Vorstellung eigene Fragen an den Gast zu notieren, die Leo Polte VIII. in der Show an den Gast richtet.
Am 3. März wird der Schauspieler Jan Kersjes erwartet, der seit Beginn der neuen Spielzeit fest zum Schauspielensemble des Anhaltischen Theaters gehört.
Erleben Sie einen garantiert heiter, komischen Abend mit Gerald Fiedler, Jan Kersjes als Gast und viel Musik. Am Klavier: Stefan Neubert
Nächste Vorstellungen: 03., 21. und 25. März 2010, jeweils um 19:30 Uhr im Alten Theater/ Foyer
24.02.2010, 11:13 | tags:
Schauspiel
292
Pressemitteilung vom 24.02.2010
Premiere „Mein wildes Herz in Deine Ruh“
Eine besungene Herzzerreißung mit Songs von Kurt Weill, Paul Dessau, Rudolf Wagner-Régeny, Hanns Eisler, und Texten Bertolt Brechts.
Am 28. Februar um 19:30 Uhr lädt das Anhaltische Theater ins Bauhaus zur Premiere
„Mein wildes Herz in Deine Ruh“ ein.
...furchtbar schmutzig ist die Liebe und so schön ist sie, wir hassen sie und brauchen sie so sehr...und fürchten sie und lieben sie noch viel mehr...
Claire und George aus Chicago haben es satt. Dieses ewig gleiche Auf und Ab durch alle Betten dieser Welt, stets himmelhoch rauschend, zu Tode betrübt. Denn die Lust und der Liebesfrust hat sie ausgelaugt! Wie gnadenlos gefährlich die Liebe in Wirklichkeit ist, haben sie am eigenen Leib erleiden müssen.
Doch jetzt ist Schluss und Claire und George wissen nach all den schmerzlichen Jahren: Die Liebe ist ein Dreck, eine böse Krankheit die man bekämpfen muss und vor der es lauthals zu warnen gilt!
Also sind sie losgezogen, zwei Aufklärer aus dem fernen Chicago, einen stets betrunkenen Barpianisten im Schlepptau, um uns die Augen und Ohren über die wahren Folgen körperlich-herzlicher Liebe zu öffnen.
In George und Claires Herzzerreißung wird gewarnt, aufgeklärt, atemberaubend gesungen, geklagt und weltberühmte Songs wie die „Zuhälterballade“; den „Barbara-Song“; das „Lied von Surabaya-Johnny“; die „Ballade von der sexuellen Hörigkeit“ zu hören sein.
Musikalische Leitung und Klavier: Daniel Carlberg
Inszenierung: Holger Kuhla
Es singen & spielen: Antje Weber, Matthieu Svetchine und Daniel Carlberg
Premiere: 28.02.2010, um 19:30 Uhr im Bauhaus
Weitere Vorstellungen: 3.3., 19:30 Uhr Wittenberg/ Best Western Hotel - Tickets über: Informations- u. Kartenservice des Kurt Weill Festes: 01805 564564 |
7.3., 1.4., 14.4, jeweils um 19:30 Uhr im Alten Theater/ Foyer
19.02.2010, 14:14 | tags:
Schauspiel
, Neue Formate
288
Pressemitteilung vom 19.02.2010
Neue Folge von „Die Nacht, die Lichter“
Bei der ersten Folge des neuen Clubformats „Die Nacht, die Lichter“ wurde bis drei Uhr morgens mit Begeisterung getanzt. So soll es weitergehen! Bei der neuen Veranstaltungsreihe trifft Literatur auf Musik und Tanz, ein zwangloses Club-Format mit Bar-Atmosphäre, bei dem das Foyer des Alten Theaters ein Anziehungspunkt für Nachtschwärmer wird.
In der nächsten Folge, am 20. Februar, um 21 Uhr, im Foyer des Alten Theaters lesen zu Beginn des Abends die Schauspielerinnen Susanne Hessel, Ines Schiller und Antje Weber Ausschnitte aus Stücken von Kultautor René Pollesch, einem der bedeutendsten Dramatiker der Gegenwart, über den TV-Star und Theaterfan Harald Schmidt sagt:
„Großartig, wie er philosophische Theorien ins Schauspiel einbringt – und das nicht akademisch trocken, sondern mit absolut theatralischen Mitteln, mit Slapstick, Boulevard und Melodram.“
Die Musik mixt ein Überraschungs-DJ, Tanzen ist ausdrücklich erwünscht.
Tickets zu 3,- EURO erhalten Sie unter:Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 UhrTheaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 UhrMail: kasse@anhaltisches-theater.de
19.02.2010, 11:25 | tags:
Schauspiel
287
Pressemitteilung Anhaltisches Theater Dessau, 19.02.2010
„Kaspar Häuser Meer“ - Drei Sozialarbeiterinnen kommen ins Schleudern
Am 23. und 24. Februar, jeweils um 19:30 Uhr wird das Erfolgsstück von Felicia Zeller „Kaspar Häuser Meer“ wieder im Studio des Alten Theaters gezeigt.
Die 35-jährige Autorin sollte für das Theater Freiburg ein Stück über Kindsvernachlässigung schreiben und näherte sich dem Thema sehr klug und raffiniert aus der Perspektive dreier Sozialarbeiterinnen. Diese drei Sozialarbeiterinnen vom Jugendamt kommen ins Schleudern.
Ihr Mitarbeiter Björn ließ sie im Stich. Er ist ausgebrannt, fällt wegen eines Burn-Out-Syndroms für unbestimmte Zeit aus und hinterlässt ihnen einen regelrechten Haufen ungelöster „Fälle“ und unerledigter Arbeit.
In einer rasanten, sprachmächtigen und sprachohnmächtigen Auflehnung gegen die Umstände und Überforderungen ihrer Arbeitswelt reden sich die drei Frauen ihre Nöte vom Leib und versuchen sich aus dem Gefängnis ihrer alltäglichen Zwänge zu befreien.
Der erst 24-jährige Regisseur David Ortmann gab mit dieser beeindruckenden Produktion sein Regie-Debüt am Anhaltischen Theater.
Mit: Eva Marianne Berger, Susanne Hessel und Regula Steiner-Tomič
Bühnenmusik: Hans Rotman (Intendant IMPULS Festival für Neue Musik)
Tickets und Informationen erhalten Sie unter:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr
Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
17.02.2010, 17:53 | tags:
Schauspiel
, Pressestimmen
283
Thomas Altmann, Mitteldeutsche Zeitung, 15.02.2010
Vom Souterrain im Bauhaus auf das Dach der Welt
Schauspieler Uwe Fischer erweckt „Milarepa“ von Eric-Emmanuel Schmitt im Bauhaus- Heizungskeller.
Er war Nagetier, Maus oder Ratte, Libellenspucke, Eiterpustel, mit Verlaub ein „arschgesichtiges Stück Scheiße“. Nun sitzt Simon im Heizungskeller des Weltkulturerbes und schmaucht den Qualm der Wiedergeburt, raucht wie die Frau im Café in Montmartre, die sich an seinen Tisch setzte, das angebissene Croissant aus seiner Hand nahm, es wie selbstverständlich aufaß und ihm dartat, dass er Swastika sei. Swastika kreiselt seit Jahrhunderten im Rad der Reinkarnation, rotierend um den Hass auf seinen Neffen. Erst wenn er dessen Geschichte, die Geschichte des großen Yogi Milarepa hunderttausend Mal erzählt habe, könne er frei sein.
Zum ersten Mal erzählte am Freitag Uwe Fischer die Geschichte des Bestseller-Autors Eric-Emmanuel Schmitt zur Schauspielpremiere des Anhaltischen Theaters im Bauhaus. „Milarepa“ gehört wie „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“ zum „Zyklus des Unsichtbaren“. Andrea Moses hat den Monolog inszeniert. Ein Bühnenbildner wurde nicht verpflichtet. Und siehe, der Keller gibt würdig alle Orte. Dass es so selbstverständlich vom Souterrain aufs Dach der Welt geht, ist vor allem Fischers Verdienst. Mit seinen rasend fauchenden, ironisch gebrochenen, elegisch einfühlsamen Seelenwanderungen häufelt er sich hier einen ganzen Batzen guten Schauspieler-Karmas an. Aber was ist eine Figur mehr als eine Geste, eine Stimmlage, ein Augenaufschlag, wenn das Ich nur „ein Gepäckstück mit Gewohnheiten und Reflexen“ vorstellt?
Simon, die französische Reinkarnation Swastikas, träumt jede Nacht einen unsäglichen Hass. Die Frau, die das angebissene Croissant aß, deutet den Traum. Der Traum vermengt sich mit der Realität, Simon mit Swastika, der, habgierig und gekränkt durch wohlhabendes Mitleid, den Neffen Milarepa als Vormund um sein Erbe prellte. Milarepa verschrieb sich der schwarzen Magie, rächte sich mit rossigen Stuten, nahm dem Onkel die Söhne und den Besitz, stürzte das Dorf ins Verderben. Der Onkel kam wieder zu einigem Wohlstand, behielt den Hass. Der Neffe wechselte den Kurs, bestieg das Diamantfahrzeug des tibetischen Buddhismus.
Marpa, der Übersetzer, ließ Milarepa hart, zynisch und väterlich büßen, bevor er ihn einweihte, einmauerte zur elfmonatigen Meditation. Auf den Weg gebracht, erreichte Milarepa das Ziel, als ihm, dem Einsiedler, das irdene Gefäß, in dem er seine Nesseln kochte, zersprang. Nun blieb ihm nichts mehr, also alles. Swastika, der in Angst vor dem Tod als Räuber allen Besitzes und im ewigen Hass auf den Neffen starb, musste sterbend erkennen, dass Milarepa „mit seinen unter wächserner Haut hervorstehenden Knochen, die Glückseligkeit gefunden hatte“. Schmitts Schrift ist ein beschleunigter Aufriss der im 15. Jahrhundert verfassten Lebensgeschichte des im 11. Jahrhundert in Tibet lebenden Lehrers Milarepa, versehen mit einem kleinen Rahmen, dem Croissant und der Reinkarnation. Bald märchenhafter Krimi, bald gleichnishafte Lehre bietet Schmitt Hochgeschwindigkeits-Buddhismus, der einem mit dem kurzweiligen Atem des Nichts die eilende Frage nach dem Menschsein und einige wahrlich weise Bonmots um die Ohren pustet.
Die elfmonatige Meditation dauert auch nur eine groß geschriebene kleine Seite des dünnen Buches, das man flott im Stehen lesen kann. Aber noch unterhaltsamer ist es, im Heizungskeller zu sitzen und Uwe Fischers gesammelten Seelenwanderungen beizuwohnen. Der kippelt sich standfest durch die Reinkarnationen, hasst, wie „schwarze brodelnde Milch“ überkocht, rächt, wie rossige Stuten verkehren, und verkauft ewige Meditationen nebst versöhnlichen Weltweisheiten buddhistischer Provenienz ganz ehrlich im Minutentakt. Das ist Buddhismus mit Biss, cross wie ein Croissant, das einem eine fremde Frau in einem Café in Montmartre wegisst.
Nächste Vorstellung am 5. April im Bauhaus-Heizungskeller.
05.02.2010, 14:51 | tags:
Schauspiel
258
Pressemitteilung vom 05.02.2010
DAS SCHAUSPIEL GEHT AN UNGEWÖHNLICHE ORTE
Premiere „Milarepa“ – Stück von Eric-Emmanuel Schmitt
Das Anhaltische Theater lädt am 12. Februar 2010 um 19:30 Uhr zu einer weiteren Premiere im Schauspiel ein.
Andrea Moses inszeniert einen Monolog des französischen Kult-Autors Eric-Emmanuel Schmitt im ehemaligen Heizungskeller des Bauhaus Dessau MILAREPA - Erster Teil des „Cycle de l'invisible“.
Simon träumt jede Nacht denselben Traum. Zu diesem Traum liefert ihm eine geheimnisvolle Frau den Schlüssel: Er, Simon, sei die Reinkarnation des Onkels von Milarepa.
Milarepa war ein berühmter tibetanischer Einsiedler. Der Onkel hatte seinem Neffen einen abgrundtiefen Hass entgegengebracht. Um aus dem Zyklus der Wiedergeburten ausbrechen zu können, muss Simon die Geschichte der beiden Männer erzählen. Dabei identifiziert er sich mit den beiden derart, dass ihre Identität sich mit der seinen vermischt. Aber wo beginnt der Traum, wo endet die Realität?
Die komplexe Erzählung des Franzosen Eric-Emmanuel Schmitt in einem einstündigen Monolog nicht nur zu erzählen, sondern darzustellen, macht die besondere Qualität der Inszenierung der Regisseurin Andrea Moses aus. Der Schauspieler Uwe Fischer wird sein Publikum im ehemaligen Heizungskeller des Dessauer Bauhauses witzig und klug auf eine faszinierende Reise durch Zeit und Raum und in für europäische Augen ungewöhnliche Bilderwelten entführen.
In seiner Trilogie des Unsichtbaren, welcher der Text über Milarepa entstammt, sucht der Autor nach dem humanen und also gemeinsamen Kern in Buddhismus, Judentum, Islam und Christentum. „Jede Religion“, sagt Schmitt, „setzt sich mit dem Wesentlichen auseinander: der Schwierigkeit, ein Mensch zu sein.“ Diese Schwierigkeit zu meistern, bedarf es immer wieder eines Nirgendortes in unserer Phantasie, eines Vor-Bildes!
Nächste Aufführungstermine: 14.2., 18:00 Uhr | 5.4.,18:00 Uhr
Aufführungsdauer: ca. 1 h
04.02.2010, 17:11 | tags:
Schauspiel
, Diverses
252
Pressemitteilung vom 04.02.2010
Das Anhaltische Theater sucht spielfreudige Dessauer über 65 für eine außergewöhnliche Schauspielinszenierung im Alten Theater
Carmen Kittel oder Ich wünsch mir Sonnenstrand
Im Rahmen des Projekts „Wanderlust und Reisefreiheit“ wird das Schauspielensemble zusammen mit fünf Dessauer Rentnern und Regisseur Niklas Ritter das Kultstück „Carmen Kittel“ des in dieser Stadt geborenen Schriftstellers Georg Seidel am 7. Mai, im Alten Theater zur Aufführung bringen.
Erzählt wird die Geschichte einer jungen Frau, die nach einer Heimkindheit in den Arbeitsalltag der beginnenden 80er Jahre der DDR entlassen wird. Sie arbeitet, sie lernt einen Mann kennen, sie verliebt sich. Als sie unverhofft schwanger wird, geraten ihr Leben und ihre Träume aus den Fugen. Carmen ist unfähig sich anzupassen und verstrickt sie sich mehr und mehr in ihr Unglück... .
Dessauer Bürger und junge Darsteller werden gemeinsam auf der Bühne stehen und sich anhand des Schicksals Carmen Kittel erinnern: An eigene schöne und traurige Geschichten und an die Zeiten, als wir von Sonnenstrand träumten...
Probenzeitraum: 29.03. bis 07.05. 2010
Wer Lust hat in dieser Inszenierung mitzuwirken wendet sich bis zum 28. Februar 2010 per Post an:
Anhaltisches Theater Dessau
Dramaturgie - Schauspiel
Friedensplatz 1 a
Dessau-Roßlau
06844
31.01.2010, 17:53 | tags:
Schauspiel
, Pressestimmen
245
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/Dessau, 31.01.2010
Anhaltisches Theater
Vor den Vätern sterben die Söhne
Christian Weise inszeniert in Dessau Kleists «Die Familie Schroffenstein»
Das ist ein starkes Stück: Weil die Familie Rositz ihre Nachbarn und Verwandten - die Warwands - im Verdacht hat, ihren jüngsten Spross erschlagen zu haben, rüstet sie zur Ausrottung der ganzen Sippe. Am Sarg des Sohnes schwört Vater Rupert Rache und zwingt auch seinem verbliebenen Erben Ottokar das Versprechen ab, im "Mörderhaus Sylvesters" einen Blutzoll zu fordern. Am Ende erst werden die Oberhäupter erkennen, dass am Anfang kein Verbrechen, sondern ein Unfall stand. Doch da werden die letzten Kinder beider Häuser schon tot sein - ermordet von ihren eigenen Vätern.
Heinrich von Kleists "Die Familie Schroffenstein" ist seit jeher eine Zumutung für jeden Theaterbesucher und eine Herausforderung für jeden Regisseur. Wie soll man diese Vendetta aus dem Zeitalter der Ritter und Grafen in die Gegenwart übersetzen, ohne sie der Lächerlichkeit preiszugeben? Wie soll man aus diesem Mystery-Thriller mit abgeschnittenen Fingern und vertauschten Kleidern, mit gemeuchelten Herolden und willfährigen Henkern retten, was zu retten lohnt - nämlich die Geschichte einer jungen Liebe, die à la Romeo und Julia von der zerstörerischen Kraft des Misstrauens in die Katastrophe getrieben wird?
Christian Weise hat am Anhaltischen Theater Dessau einen plausiblen Weg gefunden. Die Burgen derer von Rositz und von Warwand sind hier zwei Plattenbau-Wohnungen, die nur ein schmales Treppenhaus trennt. Man könnte das Missverständnis von Balkon zu Balkon klären, wenn dort nicht bevorzugt gemordet würde, um die Auslegware zu schonen. Denn blutig, sehr blutig geht es zu bei diesen Hinrichtungen - so, wie man es aus den brutalen Fernsehfilmen kennt.
Der Bildschirm ersetzt hier die Schule der Gefühle, er überbrückt das Schweigen und kommentiert das Leben. Und immer läuft "Twin Peaks", die legendäre Serie von David Lynch, deren Dialoge sich zu Kleists hohem Ton wie eine lakonische Übersetzung verhalten. Mit diesem Gegenschnitt hat Weise, der auch für den Bühnenraum mit dem mohndurchwirkten Kornfeld vor der genormten Tristesse verantwortlich zeichnet, tatsächlich eine zeitgemäße Entsprechung für den monströsen Erstling des Dichters gefunden: Solche Formate liefern heute den Horror, der sich einst der schwarzen Romantik verdankte. Und so wie diese sind auch jene nichts für schwache Nerven. Mit psychologischem Kammerspiel allein ist der Pulp Fiction nun mal nicht beizukommen.
Aber neben die schwer erträglichen Momenten, in denen Baseball-Schläger, Äxte und Pistolen zum Einsatz kommen oder der schnelle, harte Sex die fehlenden Worte ersetzt, setzt die Regie immer wieder Passagen, in denen ein Rest von Menschlichkeit aufblitzt. Wenn Stephan Korves etwa seine Gemahlin Gertrude (Verena Unbehaun) beschwört, keinen falschen Verdacht gegen ihre Stiefschwester zu schüren. Wenn diese Eustache (Antje Weber) ihrem Rupert (Uwe Fischer) von der Liebe der Kinder erzählt, um sein Herz zu erweichen. Oder wenn der in seiner Treue zerrissene Jeronimus (Gerald Fiedler) zwischen den Fronten zu vermitteln sucht - bis er selbst in die Hände der Schlächter fällt.
Es gibt an diesem Abend, der fast das ganze Ensemble in Höchstform zusammenführt, keine kleinen Rollen - aber zwei ganz große. Ines Schiller und Jan Kersjes zeigen, eifersüchtig beobachtet von Johann (Matthieu Svetchine), eine junge Liebe zwischen ungelenker Körperlichkeit und ernstem Gefühl, sie sind - mit Bierflasche vor dem Fernseher - zwei Menschenkinder von heute. Was aus dieser Verbindung der an übergroßen Ohren und Nasen erkennbaren Stämme hätte werden können, bleibt offen. Denn wenn vor den Vätern die Söhne sterben, erlöschen die Familien.
30.01.2010, 12:53 | tags:
Schauspiel
, Pressestimmen
244
Ute Grundmann, www.nachtkritik.de, 30.01.2010
Familie Schroffenstein – Kleists Schauererstling im Soapformat am Anhaltischen Theater Dessau
Verbotene Liebe
Dessau, 29. Januar 2010. Zwei Wohnzimmer, in denen der Fernseher läuft. Nach den Wortfetzen zu schließen, ist es eine Krimireihe ("Twin Peaks"), die in beiden Räumen geschaut wird. Doch im linken der parallel gebauten Zimmer steht ein Sarg, trauert eine Familie eher mäßig beim Konsum von Fernsehen und Torte.
So beginnt im Anhaltischen Theater Dessau Heinrich von Kleists frühes Drama "Die Familie Schroffenstein". Ein windungs- und verwirrungsreiches Stück um zwei Stränge einer Familie, die sich bekriegen, weil das sohn- und erbenlose Verlöschen der einen Sippe zum Vorteil der anderen wäre. Doch gibt es, à la Romeo und Julia, ein junges Paar, das sich der Dauerfehde der Älteren entgegenzustellen versucht.
Fehde im Plattenbau
Dieses frühe, selten gespielte Trauerspiel von 1803, Kleists Erstling, ist eigentlich im Mittelalter und unter deutschen Rittern angesiedelt. Doch das Regieteam um Christian Weise, der auch das Bühnenbild entwarf, hat dem Drama alles, was Burg, Fahnen, Schwerter, Rüstungen bedeuten könnte, radikal ausgetrieben. Nur zweimal dürfen die Männer den Kriegspfad auf hölzernen Steckenpferdchen entlangtraben, was – wie das Stück selbst in manchen Phasen – eine gewisse Komik hat. Im übrigen ist dem Trauerspiel – mit der ganzen Wucht der Kleistschen Sprache – wenig vom unverständlichen, aber unaufhaltsamen Weg ins Verderben beider Familien abhanden gekommen. Nur dass diese in der Kleinbürgerlichkeit angekommen sind.
Wie ein herausgeschnittener Riegel aus einem Plattenbau sind die beiden Wohnzimmer auf die Hinterbühne gebaut, die "Kriegsparteien" leben fast Wand an Wand, nur durch ein enges Treppenhaus getrennt. Links, bei denen aus dem Haus Rossnitz, wird der kleine Sohn betrauert, der angeblich von denen drüben, dem Haus Warwand, ermordet wurde. Zwischen TV-Gucken und Trauermusik sinnen die Herren der Familie auf Rache, doch zum Rauchen geht man auf den Balkon. Die Zivilisiertheit allerdings findet bald ihre Grenzen: Da wird der Bote der einen Familie auf dem Balkon der anderen blutspritzend erschlagen, was natürlich dem Denken der kleinbürgerlichen Ritter zufolge nicht ungesühnt bleiben darf. Und so klatscht bald weiteres Blut, diesmal an die Flurtür.
Ein Fernseher im Kornfeld
Christian Weise setzt solche Drastik nur sehr knapp, sehr gezielt ein. Genauso wie er Anklänge und Ähnlichkeiten des Kleist-Dramas mit einer heutigen Fernseh-Soap immer wieder nur anspielt, sie aber nie dominieren oder gar das Stück karikieren lässt. Auch haben die Fernseher in den beiden feindlichen Wohnzimmern noch einen anderen Zweck: Per Fernbedienung kann man für Ruhe sorgen oder aber einem unliebsamen Gespräch ausweichen, in dem man sich in den Fernseh-Krimi zurückzappt.
Es gibt auch noch einen dritten Fernseher. Der steht vor dem Haus der verfeindeten Sippen, in einem Getreidefeld, samt Bank und Bierkasten. Hier haben sich Agnes (Ines Schiller) und Ottokar (Jan Kersjes), sie eine Warwand, er ein Rossitz, ihren Rückzugsort geschaffen. Bei Fernsehgucken, Biertrinken und Schmusen möchten sie am liebsten die Familienfehde in ihrem Rücken vergessen.
Die beiden jungen Mimen spielen das sehr anrührend, klar und frisch und, trotz Bierflaschengestemme, ganz und gar nicht cool. Doch weil sie nicht ewig im Kornfeld bleiben können, verkleidet der junge Mann seine Angebetete als Ottokar, während er selbst in ihre Kleider schlüpft. So wollen sie vor denen, die sie jagen, im jeweils "gegnerischen" Wohnzimmer unterschlüpfen, um dort aber bald schon als blutüberströmte Leichen zu enden.
Am Ende eine zaghaft, mit abgewendetem Gesicht ausgestreckte Hand der Väter. Und langer Beifall nach gut zwei pausenlosen Stunden.
Die Familie Schroffenstein
von Heinrich von Kleist
Regie und Bühne: Christian Weise, Kostüme: Ulrike Gutbrod, Musik: Jens Dohle, Dramaturgie: Maria Viktoria Linke.
Mit: Uwe Fischer, Antje Weber, Jan Kersjes, Matthieu Svetchine, Stephan Korves, Verena Unbehaun, Ines Schiller.
www.anhaltisches-theater.de
28.01.2010, 12:42 | tags:
Schauspiel
243
Pressemitteilung vom 28.01.2010
Achtung: Tolles Ferienangebot für die ganze Familie
Am Sonntag, d. 7. Februar um 15 Uhr im Großen Haus des Anhaltischen Theaters treten „Sechse“ zum letzten Mal gegen den König an. In der erfolgreichen Märchenproduktion können Große und Kleine erleben, wie sich die „Sechse“ mit außergewöhnlichen Eigenschaften um den Soldaten sammeln und mit ihm gemeinsam gegen den König vorgehen. Da die letzte Vorstellung des Familienstücks in die Schulferien fällt, gibt es ein besonderes Ferienangebot. Tickets werden einmalig zum
Sonderpreis [Erwachsene: 6,- Euro (statt 17,50 Euro) und Kinder 4,- EURO (statt 7,50 Euro]
angeboten.
Außerdem haben die Kinder die Möglichkeit, sich an einem kleinen Gewinnspiel zu beteiligen. Nach der Vorstellung können die Kinder entscheiden, mit wem der „Sechse“ sie durch die Welt ziehen würden. Nach Einsenden der Antworten bis zum 10. Februar findet die Verlosung statt.
Zu gewinnen gibt es ein spannende Theaterführung mit ihrem Lieblingsheld.
Erleben Sie das mit viel Witz und Komik erzählte Märchen über Freundschaft, Gerechtigkeit und die Macht des eigenen Tuns (Regie Robert Klatt) und finden Sie heraus, warum am Ende immer jemand von Sieben redet!
Tickets und Informationen erhalten Sie unter:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr
Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
28.01.2010, 10:25 | tags:
Schauspiel
242
Helmut Rohm, Zerbster Volksstimme, 28.01.2010
Christian Weise inszeniert Kleist in Dessau / Morgen ist Premiere
Die alte Geschichte und heutige Verhältnisse
Geschichten erzählen ist eigentlich das Urding, warum und wozu überhaupt Theater gemacht wird. Eine wohl fundamentale Aussage, die Christian Weise formuliert.
Und: „Wir versuchen unsere Geschichte so spannend wie möglich zu erzählen!“ Christian Weise ist Regisseur (37), zu Hause in Berlin, und inszeniert am Anhaltischen Theater Dessau das Schauspiel „Die Familie Schroffenstein“ von Heinrich von Kleist. Die Premiere findet am Freitag, dem 29. Januar, um 19.30 Uhr im Großen Haus statt.
Der Regisseur bringt den Inhalt auf den Punkt: Zwei Familien, die eigentlich eine sind, machen sich gegenseitig fertig. Die tragisch endende „Romeo-Julia- Geschichte“ und die Rachegeschichte mit Neid und Eifersucht, eigentlich aus einem Missverständnis heraus, sind tragende Säulen des Stückes.
Während Kleist dieses Stück als Ritterstück im Mittelalter angesiedelt hat, überträgt es Christian Weise in die Heutezeit, „auf unsere Dessauer Verhältnisse“. Damit „bedient“
diese Inszenierung im Kontext mit dem Dessauer Gesamttheatermotto der Spielzeit 2009/2010, „Offenes Land“, das Schauspielthema „radikal deutsch“ recht trefflich.
Aktuell bekannt gewordene Vorgänge wie die von einem ein ganzes Dorf beherrschenden
Familienclan oder von einem Rentner, der die Nachbarfamilie terrorisiert, schließlich Vater und Sohn totschlägt oder viele „scheinbar kleine tägliche Verhaltensweisen waren und sind gedankliche Anregungen für Christian Weise.
Er schöpft natürlich auch aus seinem gut 20-jährigen vielgestaltigen Leben im und mit dem Theater und aus dem sich ebenso entwickelten gesunden Selbstvertrauen.
Keine Gedanken gemacht, ob es klappen wird
„Das alles ist allmählich gewachsen“ erzählte er. In Eisleben als Pfarrerssohn geboren, schloss er die 10. Klasse ab, machte in Erfurt 1991 auch sein Abitur. Bereits mit 17 Jahren hat sich Christian Weise erfolgreich an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin beworben. Im Fach Puppenspiel, „weil in Erfurt 1986 das Puppenspieltheater eröffnet wurde und ich diese Sache ganz toll fand“. Er
hätte sich auch eine Tischler- oder Schneiderlehre - an der Oper vorstellen können.
Bereits im zweiten Studienjahr habe sich an der Hochschule „eine Truppe zusammengefunden“ mit vielen eigenen Ideen, die offensichtlich so gut war, dass sie Peter Eschberg komplett an das TAT (Theater am Turm Frankfurt/ Main d. A.) engagiert hat.
Zwischenzeitlich hat Christian Weise zahlreiche Rollen als Puppenspieler und Schauspieler an verschiedenen Häusern erfolgreich gespielt.
2002 war in Frankfurt dann Schluss: Kein Geld mehr von der Stadt. Trotz oder gerade wegen des Erfolges haben sich bei den Einzelnen „die künstlerischen Wege extrem verselbstständigt“. Christian Weise wagte einen „Neuanfang“. Da er eigentlich auch keine Lust hatte, sich bei neuen Ensembles zu bewerben, wurde er selbstständiger Regisseur.
„Eine Befreiung gewissermaßen“, wie er rückblickend resümiert.
Und fast wie zufällig waren da auch gleich zwei Inszenierungsangebote in Halle („Der Sturm“) und am Nationaltheater Mannheim („Iphigenie in Aulis“). „Doch ob es auch weiterhin immer so klappen würde, darüber habe ich mir damals eigentlich keine Gedanken gemacht“, erzählt Christian Weise. Und er hat sich bis jetzt auch keine machen müssen. Ein auszugsweiser Blick in die Inszenierungsliste und in Rezessionsauszüge bestätigt Vielfalt und Qualität „Maria Stuart“ (Stuttgart, 2003), „Arsen und Spitzenhäubchen“ (Halle, 2005), „Biedermann und die Brandstifter“ (Salzburger Festspiele und Zürich,
2007), „Volpone / Ben Jonson / Soeren Voima“, (Köln 2007), „Alice Under Ground“ (Ballhaus Ost Berlin , 2009)
Es wird zu 100 Prozent Kleist sein
Und nun in Dessau eine Kleist-Inszenierung. In einer Stadt, „in der ich vorher noch nie war und von deren monumentalem Theater ich auch nichts wusste“. In einer Stadt, die ihm den ersten Eindruck vermittelte: Hier ist eigentlich gar keine richtige Stadt. Aber es wohnen Menschen hier, deren Lebensumstände er mehr und mehr kennenlernte, „die für meine Arbeit interessant sind“.
Sein künstlerischer „Gang nach Dessau“, den Christian Weise keinesfalls bereut, wurde durch die Dramaturgin Maria Linke, mit der er schon seit Jahren zusammenarbeitet, bereitet. Das Stück „Schroffenstein“ wurde nach Studium mehrerer Werke von Christian Weise vorgeschlagen und in das Programm aufgenommen. Diese Entscheidung wurde etwa Weihnachten 2008 getroffen. Geprobt wird seit Mitte November 2009. „Mit einer Truppe in guter Mischung vom Alter her, die alle sehr viel Lust haben“, freut sich Christian Weise über die gut vorangehende gemeinsame Arbeit.
„Und es wird 100 Prozent Kleist sein, auch wenn es heute spielt, weil zeitlos aktuell“, Christian Weise nimmt den Zuschauern Ängste vor eventuell vermuteter, „aus Prinzip aufgezwungener Aktualisierung“.
Die nächsten Aufführungen nach der Premiere sind am 31. Januar und 13. Februar, jeweils um 17 Uhr.
25.01.2010, 09:12 | tags:
Schauspiel
238
Pressemitteilung vom 22.01.2010
Schauspiel Premiere „Die Familie Schroffenstein“
Das Anhaltische Theater lädt am 29. Januar 2010 zu einer weiteren Premiere im Schauspiel ein. Gezeigt wird das Kleistsche Trauerspiel DIE FAMILIE SCHROFFENSTEIN um 19:30 Uhr im Grossen Haus.
Regie führt Christian Weise, der zuvor u.a. mit Arbeiten bei den Salzburger Festspielen, am Staatstheater Stuttgart und am Schauspielhaus Zürich auf sich aufmerksam machte.
Weise verlegt das Kleistsche Ritterspiel um die blutige Erbfehde zwischen zwei verfeindeten Zweigen des Adelsgeschlechts der Schroffensteine in ein Wohnhaus der Gegenwart. Die im Zwist befindlichen Familien leben Wand an Wand, Wohnzimmer an Wohnzimmer, lediglich getrennt vom gemeinsamen Hausflur. Simultan kann der Zuschauer den Kleistschen Krimi um die unaufhaltsame Zuspitzung der aus Misstrauen gespeisten kriegerischen Rache auf beiden Seiten der feindlichen Parteien verfolgen.
Das Modellhafte dieser Bühnensituation korrespondiert mit dem Modell-Charakter des Stückes, seinem streng symmetrischen Aufbau - jede Handlung und Szene auf der einen Seite hat eine Entsprechung auf der anderen. Dabei sind die Charaktere der Figuren und deren Handlungsmotivationen höchst individuell gezeichnet, was die Spannung des Stückes nur verstärkt.
Nächste Aufführungstermine: 31.1., 17 Uhr, 13.2., 17 Uhr, 19.2., 19:30 Uhr, 14.3., 17 Uhr, 18.3., 16 Uhr, 17.4., 17 Uhr, 23.4., 19:30 Uhr, 21.5., 19:30 Uhr
Aufführungsdauer: ca. 120 min, keine Pause
Tickets und Informationen erhalten Sie unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr | Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr | Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
21.01.2010, 21:47 | tags:
Schauspiel
235
Ute Otto, Mitteldeutsche Zeitung/Wittenberg, 22.01.2010
Proben in der zweiten Schicht
Kurt-Weill-Fest: Künstler des Anhaltischen Theaters stellen ihren Beitrag vor
"In einigen Jahren wird man sagen, in Wittenberg stand die Wiege dafür, dass sich das Weill-Fest aus Dessau herausbewegt", sagt Michael Kaufmann. Der neue Intendant des Festivals will fortsetzen und forcieren, was sein Vorgänger Clemens Birnbaum begonnen hat: Zum zweiten Mal ist das Best-Western Stadtpalais Wittenberg eine von 20 vornehmlich in Kurt Weills (1900 bis 1950) Geburtsstadt Dessau angesiedelten Spielstätten. 44 Veranstaltungen - Konzerte verschiedener Musikgenres, Lesungen und Museumsführungen - warten vom 26. Februar bis 7. März auf ihr Publikum.
Unter "Musikalische Comedy" firmiert, was am 3. März im Best-Western von drei Künstlern des Anhaltischen Theaters Dessau geboten wird. "Mein wildes Herz in deine Ruh" ist die mit Brecht-Songs zu Kompositionen von Weill und Zeitgenossen wie Hanns Eisler und Paul Dessau erzählte Geschichte über Claire (Matthieu Svetchine), George (Antje Weber) und dem trunksüchtigen Barpianisten "Joe aus Soho" (Daniel Carlberg, 1. Kapellmeister am Anhaltischen Theater) über die Macht entfesselter Leidenschaft. Dass die Rollen von Claire und George mit Schauspielern des jeweils anderen Geschlechts besetzt sind, hat damit zu tun, dass sie einst ein Mann war und er eine Frau. Das zunächst etwas Undurchschaubare "passt auch gut zu unserer Küche", kündigt Hotelchef Michael van der Sanden eine kulinarische Beilage des Abends an, "die über Auge und Gaumen die Synapsen in Gehirn ebenso anregt".
"Mit wildem Herzen", so Regisseur Holger Kuhla, proben die Mitglieder des Theaterensembles sozusagen in der zweiten Schicht für ihren Weill-Fest-Beitrag. "Das kommt ja erschwerend hinzu, wir sind keine Sänger, sondern Schauspieler", bittet Antje Weber um Nachsicht, wenn es "kein Festival der schönen Stimmen" werde. Dafür sei aber der schauspielerische Part des Kapellmeisters auch eine kleine Weltpremiere. Während der aus Frankreich stammende Svetchine gesteht, dass ihm der Name Weill bislang nichts sagte, erzählt Weber, wie lang der Weg war, bis sie Zugang zu Brecht und Weill fand. Noch zu DDR-Zeiten hat sie an der Schauspielschule "Ernst Busch" studiert. Das "Heroische", das seinerzeit in Brecht gelegt wurde und auf sie "verblendend" wirkte, habe sie abgeschreckt. Doch ihr erstes Engagement nach dem Studium brachte ihr ausgerechnet eine Rolle in Brechts "Der gute Mensch von Sezuan" und ein Jahr später spielte sie in der "Dreigroschenoper". "Das war die Versöhnung", so Weber. Nicht nur in dem hier vorgestellten Programm, sondern in den vielen Beiträgen zum Weill-Fest spiegelt sich laut Kaufmann wider, "dass es bei Brecht und Weill immer noch etwas Neues zu entdecken gibt".
"New Art ist True Art" - ein Song aus Weills erfolgreichstem Broadway-Musical "One Touch of Venus" gab dem Festival 2010 sein Motto. "Neue Kunst ist wahre Kunst" - Darüber zu diskutieren, soll es reichlich Anlass geben.
11.01.2010, 12:35 | tags:
Schauspiel
, Diverses
222
Pressemitteilung vom 5. Januar 2010
Neue Veranstaltungsreihe für Nachtschwärmer im Alten Theater
Das Anhaltische Theater Dessau startet unter dem Titel „Die Nacht, die Lichter“ eine neue Reihe, bei der Literatur auf Musik und Tanz trifft, ein zwangloses Club-Format mit Bar-Atmosphäre, bei dem das Foyer des Alten Theaters ein Anziehungspunkt für Nachtschwärmer wird.
In der ersten Folge am 15. Januar 2010, um 21 Uhr lesen die Ensemblemitglieder Uwe Fischer, Gerald Fiedler und Thorsten Köhler Storys von Clemens Meyer. Diese Geschichten erzählen von verpassten Lieben und der Hoffnung auf den großen Gewinn. Die Helden sind Menschen, die mit dem Leben kämpfen, strauchelnde Glückssucher und ruhelose Nachtgestalten. Dazu gibt es Musik u. a. von Johnny Cash, Tony Joe White, Tom Waits, Billy Don Burns u. a.
Tanzen ist ausdrücklich erwünscht.
Vom 4. bis 8. Januar gestalteten Andreas Dymke und Stefan Lange (Künstlerzusammenschluss DAS KOMBINAT) das Treppenhaus des Alten Theaters. Mit der Veranstaltung "Die Nacht, die Lichter" wird die Neugestaltung erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.
Tickets zu 3,- EURO erhalten Sie unter:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Samstag 9:30 bis 20 Uhr
Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
05.01.2010, 14:05 | tags:
Schauspiel
, Schauspiel/Musiktheater
, Pressestimmen
220
Helmut Rohm, Zerbster Volksstimme, 05.01.2010
Der junge Dessauer David Ortmann hat mit „Kaspar Häuser Meer“ seine erste Regiearbeit am Anhaltischen Theater mit Erfolg vorgelegt
Schultheater, Elternneugier und auch mancher Zufall
„Kaspar Häuser Meer“ ist seine erste eigene Regiearbeit. Seit dieser Spielzeit ist der junge Dessauer David Ortmann als Regieassistent mit Regieverpflichtung am Anhaltischen Theater Dessau tätig.
„Der sehr lange Applaus war eine wirklich echte Überraschung. Da fällt schon viel von einem ab“, freut sich David Ortmann immer noch. Er hat sein „richtiges großes Regiedebüt“ am 11. Dezember (Volksstimme berichtete) im Studio des Anhaltischen Theaters Dessau mit Bravour absolviert. Dabei ist „Kaspar Häuser Meer“ von Felicia Zeller eine schwierige und anspruchsvolle Inszenierungsaufgabe.
„Sieben Wochen hatte ich Zeit, mich mit dem Stück, den Schauspielerinnen, der Bühne völlig eigenverantwortlich zu beschäftigen“, erzählt der junge Regisseur. Davor war er bei mehreren Stücken als Regieassistent tätig, unter anderem bei Armin Petras in dessen Dessauer Inszenierung „Abschlussfeier“.
In der Funktion Regieassistent mit Regieverpflichtung ist der aus Dessau stammende David Ortmann (23) seit Beginn der laufenden Spielzeit am Anhaltischen Theater in festem Engagement. Die Dessauer Theaterbesucher werden beim Namen stutzen. Ortmann, da war doch was? Und sie haben recht. Er ist der Sohn des am Anhaltischen Theater langjährig tätigen Schauspielerehepaares Christel Ortmann und Hans-Jürgen Müller-Hohensee. Ein elterlicher Protegé ist er aber dennoch nicht. „Sie begegnen meinen Vorhaben mit gespannter Neugier“, formuliert er fast philosophisch. Ist sich wohl aber sicher, dass beide, wie die anderen Mitwirkenden bei seiner jüngsten Arbeit, hinter ihm stehen.
Auch wenn es möglicherweise „zukunftssicherere Tätigkeiten“ gibt. Sein Entwicklungsweg hätte solche wohl auch durchaus angeboten. Den Beruf Übersetzer hätte sich der sprachtalentierte David Ortmann als Alternative zum Beispiel auch vorstellen können.
Bis zur achten Klasse ging er auf das Dessauer Liborius-Gymnasium und konnte dann aufgrund sehr guter Leistungen das traditionsreiche Internatsgymnasium Landesschule Pforta besuchen. Und wie es der Zufall wollte, gab es neben dem anspruchsvollen Unterricht die Möglichkeit, in der dortigen Theatergruppe mitzumachen. Erst zu schauspielern, dann auch gemeinsam mit anderen kleinere Stücke zu inszenieren.
Künstlerisches Aufsehen erregte die Theatergruppe mit der Aufführung des Stückes „Und tot bist du“. Dieses Schauspiel zum Thema Amoklauf an Schulen schrieb 1999 der amerikanische Autor William Mastrosimone (geb. 1947). David Ortmann hat das Stück gemeinsam mit Schulfreund Franz Werfel übersetzt. In der Regie von David Ortmann hat „Und tot bist du“ auch außerhalb von Schulpforta insgesamt fast unglaubliche 20 Aufführungen erlebt.
Dann wieder Zufälle, die den jungen Ortmann in die Regierichtung gehen lassen. „Richtig reingerutscht“ nennt er das selbst. André Bücker, sein jetziger Dessauer Generalintendant, inszenierte in Sangerhausen den „Schleef Block 1“ und brauchte einen Assistenten. Davon erfuhr David Ortmann, sprach vor und wurde genommen: „Zum ersten Mal richtiger Regieassistent in meinem Leben“, so seine bleibende Erinnerung an 2006.
Neben dem Abi-Abschluss im Blick, hat er auch André Bückers Weg verfolgt. Und als dieser Intendant am Nordharzer Städtebundtheater wurde, hat er sich für ein Regieassistentenpraktikum beworben. Und dann gleich bei „Faust I“ mitgewirkt. Aus dem Praktikantenjob, so David Ortmann, sind dann zweieinhalb Jahre geworden. Eines davon als „freiwilliges soziales Jahr“. 2007/2008 bekam er dort eine „reguläre“ Assistentenstelle. Und nach der Berufung André Bückers ans Anhaltische Theater erfuhr David Ortmann Silvester 2008, dass er mit nach Dessau kommen kann. Wieder zu Hause. Zunächst sicher. Mehr wohl eine Zwischenstation auf dem künstlerischen Weg der Bühnen-Eroberung!?
Ob er „große Ziele“ habe betreffs Stücken oder berühmter Regisseure? Eigentlich nicht. Die Arbeit mit den Menschen an sich sehe er im Vordergrund. Die Konzeptionsideen der Regisseure engagiert umsetzen, eigene Ideen einbringen. Regieassistententätigkeit ist wohl doch ein bisschen mehr als, wie oft vereinfacht formuliert, „alles das machen, was der Regisseur nicht machen will“. Ja – und natürlich eigene Inszenierungen möchte David Ortmann weiter auf die Bühnen bringen, Geschichten erzählen.
Erfahrungen, schöpferische Arbeit und wohl auch Talent bilden die Basis für die derzeitige Tätigkeit des Jungregisseurs David Ortmann. Ein Studium? Ad hoc nicht. Nach 2010/2011: „Mal sehen“. Er könnte sich aber schon vorstellen, an der Berliner Hochschule „Ernst Busch“ ein Studium zu absolvieren.
Zunächst gilt es, in Dessau weitere Erfahrungen zu sammeln. Auch in Halle, wo David Ortmann gegenwärtig die „Familienkonzerte“ mit „Regieminiatüren“ inszeniert.
„Kaspar Häuser Meer“ ist am 14. Januar um 19.30 Uhr wieder im Studio im Kulturzentrum Altes Theater zu sehen
28.12.2009, 09:49 | tags:
Schauspiel
, Diverses
214
Carla Hanus, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Rosslau, 28.12.2009
Sechse bereiten Freude schon vor der Bescherung
Publikum liebt märchenhafte Einstimmung auf Weihnachten - Vorstellung im Theater ist Heiligabend ausverkauft
Für Chantal stand in der Pause schon fest. Die Prinzessin ist ihre Lieblingsschauspielerin im diesjährigen Weihnachtsmärchen. Da konnten sich der Horcher, Keule, der Läufer, der Frostmann, der Bläser und der Soldat in dem Märchen "Sechse kommen durch die ganze Welt" noch so abmühen, das Herz der jungen Zuschauerin schlägt für die Prinzessin.
Als diese dann im weiteren Geschehen sogar noch ihren Hochmut verlor und gern als Siebte mit den sechs Freunden durch die Welt wandern wollte, konnte Prinzessin Victoria die Sympathie noch weiterer Theatergänger gewinnen. Doch einig waren sich die junge Zuschauerschar keineswegs. Auf die Frage der Theaterleute "Mit wem willst Du durch die ganze Welt gehen" erklärte die sechsjährige Amelie überzeugt: "Mit Keule."
Während diese Frage also noch nicht entschieden ist und auch noch bis zum 10. Februar per Brief an das Theater beantwortet werden kann, stimmte das Publikum am 24. Dezember in einem Punkt offenbar überein: Die Aufführung des Weihnachtsmärchens im Anhaltischen Theater gehört am Heiligabend zum Tagesablauf unbedingt dazu. Denn die Vorstellung, die um 10.30 Uhr begann, war ausverkauft.
Am Heiligabend komme im Theater immer eine besondere Stimmung auf, meinte Holger Hauck. Deshalb gehört für ihn - auch ohne Kinder - das Weihnachtsmärchen zum Fest dazu.
Kerstin und Hans-Jürgen Börner können sich gar nicht mehr erinnern, wann sie das erste Mal mit ihren Mädchen im Weihnachtsmärchen waren. "Die Kinder sind damit groß geworden", sagt der Wolfener, dessen Töchter schon Mitte 20 sind. Inzwischen gehören deren Freund beziehungsweise Mann zum Zuschauerkreis.
Auch bei Familie Sporbert aus Lingenau sind die Kinder mit dem Weihnachtsmärchen groß geworden. Seit sieben oder acht Jahren würden sie mit den Leipziger Schwiegereltern Heiligabend ins Theater gehen, überlegt Jana Sporbert und hat auch eine ganz einfache Begründung dafür: "Es stimmt uns immer schon so schön auf Weihnachten ein." An dieser Tradition würde der 13-jährige Björn auch nichts ändern wollen, meint er. Und der elfjährige Niels hat das Märchen der gesamten Familie empfohlen. Er hat die Aufführung schon mit der Schulklasse gesehen und freut sich riesig, dass er nun mit seiner Familie noch einmal in die Vorstellung gehen kann.
Ebenfalls ein zweites Mal verfolgt der sechsjährige Philip die Abenteuer der sechs Freunde auf der Bühne. Nachdem der Junge aus Brück ebenfalls mit der Schule das Dessauer Theater besucht hat, freut sich seine Mutter Anke Habelmann, dass es mit dem Weihnachtsmärchen in der Familie am Heiligabend auch noch geklappt hat. Zumal sich die Brücker hier mit der Zerbster Oma treffen.
Seine Familie im Zuschauerraum hatte einen Tag später auch Jan Kersjes. Indes saß er nicht neben seinen Eltern und seiner Schwester. Jan Kersjes gehörte zu denen, die auf der Bühne standen und der dort schnell lief. Denn sowohl am 24. als auch am 25. unterhielt Kersjes in dem Grimmschen Märchen das Publikum als Läufer. Dennoch feierte er auch im Familienkreis. Nach der Vorstellung am 24. war er samt Weihnachtsbaum in seine Wohnung nach Berlin gereist, um dort seine Eltern aus Holland und seine Schwester aus Frankfurt zu begrüßen und mit ihnen zu feiern. Wobei bei der Bescherung üblicherweise gewürfelt werde und der Sieger das nächste Geschenk austeilen dürfe. Es ist eine Zeremonie, die sich über Stunden hinziehen könne, wie Jan Kersjes erzählte. Zur Tradition in der Familie des Schauspielers gehört außerdem, dass sie am zweiten Weihnachtsfeiertag alle gemeinsam den Zoo besuchen und anschließend gemeinsam chinesisch essen gehen.
Gleichsam seine Weihnachtsgäste wusste Matthieu Svetchine bei "Sechse kommen durch die ganze Welt" am ersten Feiertag im Publikum. Nach der Vorstellung am Heiligabend trafen die beiden Freunde des Darstellers des starken "Keule" in Dessau ein, wo sie abends gemeinsam nach der Bescherung unter dem Tannenbaum ein mehrgängiges Essen genossen. Da sie alle drei große Freunde des Spielens seien, würden sie in seiner Freizeit so manche Stunde damit verbringen, verriet Matthieu Svetchine. Er hatte neben den beiden Märchenvorstellungen auch den "dritten" Feiertag beruflich zu tun. Am Sonntag standen für ihn "Gesänge aus 1001 deutschen Nacht" auf dem Spielplan.
Auf "faule" Tage freute sich Lisa Kudoke, die als Prinzessin im Märchen auftrat. Sie verbrachte den Heiligabend und die Feiertage in Dessau. Gemeinsam mit ihrer Schwester, die aus Münster zu Besuch anreiste, plante sie neben den Auftritten am Heiligabend und am Nachmittag des ersten Feiertages "ein paar erholsame Tage". Die Schwestern hatten sich vorgenommen, gemeinsam zu kochen und es sich gemütlich zu machen. Wie es zu Weihnachten eben sein sollte.
25.12.2009, 14:04 | tags:
Schauspiel
, Diverses
, Pressestimmen
213
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung,23.12.2009
Übermut weicht ernsteren Tönen
Gastspiel: Internationale Theaterproduktion beendet Deutschland-Tournee mit Vorstellungen im Alten Theater
Der Auftakt ist noch immer pure Provokation. Wieder tritt Niels Bormann vor das Publikum und entschuldigt sich vorauseilend wie rückwirkend - für die unvollendete Arbeit und den seltsamen Humor, aber auch für den Holocaust und die brennenden Asylbewerber-Heime. Dass das Marginale und das Monströse nicht zusammenpassen wollen, aber sich doch aufeinander beziehen, ist an diesem Abend Programm: Denn die "Dritte Generation", die zum Abschluss ihrer von der Kulturstiftung des Bundes initiierten Deutschland-Tour an zwei Abenden im Alten Theater Dessau zu Gast ist, laboriert an den Schnittstellen zwischen eigener Gegenwart und ererbter Geschichte.
Aufbruch und Ankunft
Das war schon beim Festival "Theater der Welt" im Jahr 2008 in Halle so, als sich die deutschen, israelischen und palästinensischen Schauspieler unter der Leitung der Regisseurin Yael Ronen erstmals zusammenfanden - und das ist jetzt, anderthalb Jahre später, ganz anders. Wer noch den Übermut vor Augen hat, mit dem sich das zehnköpfige Ensemble damals auf all die Tabus der unentrinnbaren historischen Verstrickungen stürzte, sieht sich heute mit ernsteren Tönen konfrontiert. Denn zwischen dem Aufbruch und der Ankunft liegt ein Krieg, der vor einem Jahr - am 27. Dezember 2008 - begann und der von den israelischen Streitkräften in zynischer Anlehnung an ein Chanukka-Kinderlied den Namen "Operation Gegossenes Blei" bekam.
Das eigentliche Wunder der "Dritten Generation" ist es, dass sie an dieser Konfrontation der Juden mit den Palästinensern nicht zerbrochen ist, nachdem sie zuvor bereits die Belastungsproben zwischen den deutschen und den israelischen Enkeln der Holocaust-Generation ausgehalten hat. Die Mitwirkenden sind vielmehr aus ihren fiktiven Rollen herausgetreten und haben die Masken fallen gelassen, um mit ihrer Person und mit ihrem Gesicht kenntlich zu werden. Dass sie dennoch radikale Haltungen einnehmen, die nicht unbedingt die eigenen sind, versteht sich in einer theatralen Situation von selbst. Der schärfere Ton aber hat auch mit jener Selbsterkenntnis zu tun, die Ayelet Robinson stellvertretend für alle formuliert - mit der privilegierten Situation eines Künstlers, der sich im deutschen Stadttheater vor den aktuellen Konflikten des Gaza-Streifens geschützt weiß und sie sich dennoch anverwandelt, um den Stummen eine Stimme zu geben.
Dafür geht die "Dritte Generation" dorthin, wo es weh tut - im allabendlichen Spiel wie in der Tournee-Planung, die auch im kommenden Jahr wieder nach Israel führen soll. Die Geschichte jener Jugendlichen, die in einer Art Gedächtnis-Tourismus durch ehemalige deutsche Konzentrationslager geschickt werden, ist in ihrer Mischung aus verordneter Betroffenheit und naivem Selbstschutz so erschütternd wie der Bericht jener palästinensischen Frau, die ihren Sohn über den Tod des Onkels hinwegtrösten will - und statt des zoologischen Gartens nur noch ein Trümmerfeld nach einem Bombenangriff vorfindet.
Notwendiges Gespräch
Man braucht danach das Gespräch, das die Inszenierung aufarbeitet - auch wenn es sich nur um die äußeren Koordinaten des ungewöhnlichen Projekts dreht. Die innere Bewegung nimmt jeder Zuschauer mit nach Hause - so wie die wunderbaren Darsteller, die auch ihre Gemeinschaft als "Work in Progress" in die Zukunft tragen.
15.12.2009, 10:39 | tags:
Schauspiel
, Pressestimmen
207
Helmut Rohm, Magdeburger Volksstimme, 15.12.2009
Regiedebüt für David Ortmann in Dessau
Problem-Chaos im „Kaspar Häuser Meer“
Am Schluss: Rotbemützt, gemütlich auf dem Boden sitzend, eine leise Weihnachtsmelodie auf dem Lippen – ein trautes Miteinander!? Mitnichten. Anika (Eva Marianne Berger), Silvia (Susanne Hessel) und Barbara (Regula Steiner-Tomic) sind ewig gestresst, auch nicht gut zueinander. Die drei sind die handelnden Personen im Schauspiel „Kaspar Häuser Meer“ von Felicia Zeller, das im Studio des Anhaltischen Theaters Dessau Premiere als Regiedebüt des 23-jährigen David Ortmann Premiere hatte.
Anika, Silvia und Barbara sind Sozialarbeiterinnen in einem Jugendamt. Ihre Aufgabe: Sich kümmern um vernachlässigte, verwahrloste und misshandelte Kinder. Und – Mitkollege Björn fällt gerade wegen Burnout-Syndroms aus. 104 zusätzliche Fälle. Da wird alles noch prekärer, als es schon von Haus aus ist. David Ortmann verpasst zu Beginn zweien eine Ritterrüstung. Zeichen für das Amt als eine Institution, ein Bollwerk (Ausstattung Silvia Maradea)?
Der Zuschauer erlebt eher tragische, ja angstmachende Situationen der totalen Überforderung. Dabei sind die drei andauernd in körperlicher, oft logisch nicht nachvollziehbarer Bewegung. Und sie reden ständig. Mit eigentlich faszinierendem Tempo – für sich eine bewundernswerte schauspielerische Leistung. Aber sie reden mehr aneinander vorbei, oft über andere, ohne Lösungsansätze. Die Gedanken springen. Der Redefluss bekommt Brüche, Halbsätze bleiben stehen. Die drei sind von den Problemen übermannt. Die dienstlichen vermischen sich mit den privaten. Erzählt wird trotz oder gerade wegen des bitterbösen Themas mit viel hintergründigem Humor. Letztlich bleibt es aber dennoch ein Spiegelbild der sozialen Realität. Die Premiere dieses sozialkritischen, höchst aktuellen Stückes wurde mit viel Beifall aufgenommen.
13.12.2009, 21:44 | tags:
Spielzeit
, Schauspiel
, Pressestimmen
206
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 14.12.2009
Schauspiel
Frische Ware beweist ihre Haltbarkeit
Bühnen in Dessau und Magdeburg bieten gelungene Premieren
Für das deutsche Stadttheater ist der Mülheimer Marktplatz eine Frischetheke: Die neuen Texte der Saison sind hier - meist in ihrer Uraufführungs-Inszenierung - zu besichtigen, über das Verfallsdatum wird oft erst später entschieden. Zwei Züchtungen des Jahrgangs 2008 wurden am Wochenende auch in Sachsen-Anhalt präsentiert - und haben den Haltbarkeits-Test mit Bravour bestanden.
Verbale Wundertüte
Zunächst ist Felicia Zellers "Kaspar Häuser Meer" zu bestaunen, mit dem David Ortmann sein Regie-Debüt im Alten Theater Dessau gibt. Die Geschichte der Jugendamts-Mitarbeiterinnen, denen nach dem "Björn-Out" eines Kollegen ihr ohnehin fragiles Karteikartenhaus über den Köpfen zusammenbricht, ist eine verbale Wundertüte: Die Sätze umstrudeln und unterspülen ihren Sinn, die permanente Überforderung fällt sich selbst ins Wort und trotzt jeder Beschreibung.
Für diese Monologe, die nur selten und eher zufällig in wirkliche Gespräche ausfransen, muss man Bilder und Haltungen finden, ohne den Alltag der Frauen zwischen Selbstbehauptung und -verleugnung platt zu illustrieren. Und dies gelingt dem Ensemble in Silvia Maradeas Bühnenraum ausgesprochen gut. In dem steil ansteigenden Archivgebirge, dessen Kästen sich zur Babyklappe und zum Müllschlucker, zum Bürostuhl und zur Kletterwand umfunktionieren lassen, wird die Routine als Scheitern im Ansatz gezeigt: Da werden die Noppen der Luftpolsterfolie zerdrückt und Voodoo-Puppen aus dem Lametta des Aktenvernichters geflochten, da werden Seifenblasen produziert und Menschenketten aus Papier gespannt. Und am Horizont rotieren die Reihen der Registratur als Zauberwürfel oder fallen als Tetris-Steine aus dem Paragrafen-Himmel.
Es ist ein Mikrokosmos, der zwischen Kaffeemaschine und Raucherinsel eigenen Gesetzen folgt, während sich draußen vor der Tür die Schicksale von Kindern und Eltern in Vorgänge und Vermerke verwandeln. Wer hier mitleidet, hat schon verloren. Und wer sich abhärtet, gewinnt nichts.
Im Stakkato bekommen die Frauen Kontur: Da ist die junge Anika (Eva Marianne Berger), die im Kampf gegen fremdes Elend die eigene Tochter aus den Augen zu verlieren droht. Da ist die frappierend geschwind zwischen Einzelkämpfer-Euphorie und Dauer-Depression wechselnde Silvia (Susanne Hessel) - und die abgebrühte Barbara (Regula Steiner-Tomic), die ihre Position mit Selbstgewissheit und Terror gegen die Jüngeren verteidigt. Vor den fragilen Klängen der Bühnenmusik von Hans Rotman zeichnet die Regie diese Figuren mit kräftigen Strichen, steckt sie in strahlende Rüstungen und gedeckte Alltags-Farben.
Durch die physische Anstrengung des Sprechens und Spielens aber, durch die Freiübungen im Käfig vermeidet sie falsche Gesten der Betroffenheit und Einfühlung, die den bösen Witz in Felicia Zellers Text übertünchen würden. Ein umjubelter Abend!
Kapitalismus spielt mit
Während Zeller im Untertitel von einer "wirklichen Komödie" spricht, wählt Philipp Löhle für sein Stück "Genannt Gospodin" das Attribut "antikapitalistisch". Und auf der Studiobühne des Magdeburger Schauspielhauses verstärkt Matthias Huhn diese Tendenz: Sein Erzähler schneidet sich noch vor dem ersten Wort scheinbar die Zunge aus dem Mund, als wolle er dem Zuschauer die folgende Geschichte verweigern - und gibt sich unmittelbar danach als jener Kapitalismus zu erkennen, dem sich deren Held Gospodin entzieht.
Was folgt, ist eine Tour de Force in Zeitlupe: Der Aussteiger, der mit seinem Lama in der Fußgängerzone eine perfekte Quelle für Lebensunterhalt ohne Arbeit gefunden zu haben glaubt, wird von Greenpeace seiner Existenzgrundlage beraubt. Nach und nach holen sich gute falsche Freunde auch noch Kühlschrank, Fernseher und Mikrowelle aus der Wohnung. Und als schließlich ein Kneipen-Kumpel die Beute seines Raubzuges bei ihm deponiert, findet Gospodin den Ort seiner Freiheit - im Gefängnis.
Huhn liefert mit seinem perfekten Darsteller-Quartett das Satyrspiel zu "Schuld und Sühne", die Hausherr Jan Jochymski am gleichen Ort inszeniert hat: Auf schiefen Ebenen (Bühne: Markus Karner) rutschen und stolpern Babette Slezak und Andreas Gugliemetti in wechselnden Rollen auf das selbst gewählte Nullniveau des Verweigerers Gospodin (Sebastian Reck). Silvio Hildebrandt kämpft als Spielmacher und trauriger Clown in manischer Vergeblichkeit um das Interesse des Aussteigers, der ihn in seiner Existenz bedroht.
Das alles wird mit übermütigem Witz erzählt und ironisch gebrochen. Auch hier ein Treffer, zwei Stücke über das gesellschaftliche Soll auf der Haben-Seite der Theater - was kann man mehr wollen?
Nächste Vorstellungen: "Kaspar Häuser Meer" 14. und 18. Dezember; "Genannt Gospodin" 18. und 20. Dezember, jeweils 19.30 Uhr
12.12.2009, 09:03 | tags:
Spielzeit
, Schauspiel
204
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 10.12.2009
Szenen aus dem Alltag im Büro
David Ortmann bringt im Alten Theater «Kaspar Häuser Meer» zur Premiere
Man muss nicht in einem Amt arbeiten, um gewisse Tage zu erleben. Der Papierstapel wächst, das Telefon nervt und der Chef auch. Das Fernsehen bildet dieses Büroalltag-Klischee bestens in der "Stromberg"-Reihe ab, aber auch im Theater hat das Thema längst Einzug gehalten. So in "Kaspar Häuser Meer", einem Stück der Autorin Felicia Zeller, die darin einfach einen Mitarbeiter erkranken lässt - natürlich hat er Burnout - und daraufhin seine drei Kolleginnen (Eva Marianne Berger, Regula Steiner-Tomic und Susanne Hessel) aus dem Jugendamt nah an den Wahnsinn und den Abgrund treibt.
Am Freitagabend hat "Kaspar Häuser Meer" im Studio des Alten Theaters Premiere. Regieassistent David Ortmann liefert mit der Inszenierung sein Regie-Debüt am Anhaltischen Theater ab, dort, wo für den jungen Mann, Jahrgang 1986, als Kind alles begann. Denn mit sechs Jahren stand er schon einmal auf der Bühne des Großen Hauses, als Statist im Märchen "Dornröschen". Ihm zur Seite spielten die Eltern, beide damals wie heute Schauspieler im Ensemble der Dessauer Bühne. Dass David Ortmann vom Theatervirus infiziert wurde, zeichnete sich früh ab. Als Schüler des Landesgymnasiums Schulpforta erlebte er in der dortigen Theatergruppe eine prägende Zeit. "Bei sechs Stücken habe ich dort Regie geführt", erzählt er. Besonders am Herzen liegt ihm davon ". und tot bist du", für das er den Publikumspreis des Landes Sachsen-Anhalt erhielt und sein Bundesland beim Schultheater der Länder in Pirmasens vertrat. Noch als Gymnasiast war er Praktikant der Produktion "kein.schöner.land" von André Bücker beim Schleef-Block I in Sangerhausen und folgte nach dem Abitur dem Regisseur an das Nordharzer Städtebund Theater, erst als Praktikant, dann innerhalb eines Freiwilligen Sozialen Jahres und später als Regieassistent. Mit Bückers Wechsel als Generalintendant ans Anhaltische Theater kehrte David Ortmann nun in die Heimat zurück.
"Wieder hier zu sein, ist witzig. Ich kenne ja das Haus. Aber wie eine Heimkehr ist es dann doch nicht, dafür war ich einfach zu lange weg", findet er. Anfängliche Befürchtungen, mit den Eltern zusammen zu arbeiten, haben sich längst gelegt. "Das läuft alles ganz entspannt und professionell." Genauso wie die Proben für "Kaspar Häuser Meer", für die er - anders als bei bisherigen Arbeiten - komfortable sechs Wochen Zeit hatte. In diesen hat er eine Komödie heraus gearbeitet, die freilich einen Alltag thematisiert, der betroffen macht. "Die drei Frauen arbeiten sich aneinander ab bis zum Exzess." Ortmann lässt dies schnell geschehen, mit hohem Tempo, was auch Felicia Zellers Text entgegen kommt. "Dies geschieht in einem sehr schrägen Büroraum, der seltsame Blüten treibt", erklärt Ortmann. Nur wenn die Szenen wechseln, wird er Ruhe hinein bringen. Dafür sorgen die Bühnenmusik von Hans Rotmann und Videos von Ronny Traufeller. Der Intendant des Impuls-Festivals setzte gerne die Noten für David Ortmann, der ihn in diesem Jahr in der Festival-Crew unterstützte, und besucht natürlich ebenso die Premiere wie etliche einstige Pfortenser.
12.12.2009, 09:01 | tags:
Schauspiel
, Schauspiel/Musiktheater
, Diverses
203
Mitteldeutsche Zeitung, 10.12.2009
Gastspiel
Tabus werden gebrochen
Die gefeierte Produktion «Dritte Generation» kommt nach Dessau
Im Juni des vergangenen Jahres blieb dem Publikum in der Werft des neuen theaters Halle das Lachen im Halse stecken. Beim Festival "Theater der Welt" gastierte die junge israelische Regisseurin Yael Ronen mit der Inszenierung "Dritte Generation" in der Saalestadt und begeisterte das Publikum an mehreren Abenden mit ihrem besonderen Projekt. Mehr als ein Jahr später, nachdem die Ronen weiter mit ihrem Team an der Inszenierung gearbeitet hat und es Vorstellungen an der Schaubühne Berlin, im Habima National Theatre of Israel (Tel Aviv) und bei der RuhrTriennale 2009 gab, kommt "Dritte Generation" nun nach Dessau. Am 21. und 22. Dezember wird das Stück um 19.30 Uhr im Studio des Alten Theaters zu sehen sein.
In ihrer international gefeierten Inszenierung, vor immer ausverkauften Häusern, analysiert die Autorin und Regisseurin gemeinsam mit ihrem Team und einer Gruppe von jungen Schauspielern klug und provozierend alle Klischees, von denen das Verhältnis zwischen Juden, Palästinensern, Arabern und Deutschen durchsetzt ist. Die Beteiligten haben sehr unterschiedliche familiäre Hintergründe: Sie sind auf beiden Seiten des ehemals geteilten Deutschlands geboren, sind muslimische und christliche Palästinenser, die mit israelischem Pass in Haifa leben oder sie stammen aus jüdischen Familien unterschiedlicher Herkunft. Neben den gegenwärtigen Konflikten konzentriert sich die Auseinandersetzung auf die Jahre, in denen die Ursprünge für heutiges Selbstverständnis liegen. Begriffe wie Erinnerung, Schuld, Täter und Opfer und ihre Bedeutung werden hinterfragt. Alle Tabus werden so rasant zu Kleinholz verarbeitet, dass der Zuschauer gleichermaßen zwischen befreiendem Lachen und großer Erschütterung schwankt. Entstanden ist ein einzigartiger Theaterabend, der mutig Grenzen überschreitet, so intelligent wie unterhaltsam ist und wohl keinen Zuschauer unberührt lassen wird.
Dank der Kulturstiftung des Bundes, die dem Ensemble eine Tournee durch neun Städte ermöglichte, ist diese wichtige Inszenierung nun auch in Dessau zu sehen, wo die Rundreise ihr Finale erlebt. Die Produktion wird in deutscher, arabischer, hebräischer und englischer Sprache mit deutschen Übertiteln gezeigt.
Im Anschluss an beide Vorstellungen wird es ein Zuschauergespräch mit dem Ensemble geben. Moderiert wird das Gespräch von den Redakteuren Andreas Montag und Andreas Hillger der Mitteldeutschen Zeitung, welche die Stückentwicklung unterstützte.
Das Anhaltische Theater bietet außerdem in Zusammenarbeit mit der Schaubühne Berlin am 22. Dezember, von 10.30 bis 15 Uhr einen Workshop zum Gastspiel "Dritte Generation" an. Auf der Grundlage von Interviews, die Teilnehmer vorab mit ihren Eltern und Großeltern führen, soll untersucht werden, in wie weit die eigene Familiengeschichte mit historischen Ereignissen verknüpft ist und unter welchen Gesichtspunkten diese dann interpretiert werden. Außerdem wird in erbarmungslosen Selbstversuchen nach alltäglichen Rassismen im eigenen Denken und Sprachgebrauch geforscht. Der Workshop wird geleitet von Uta Plate, Theaterpädagogin der Schaubühne Berlin.
Die Teilnehmer sollten zwischen 15 und 25 Jahre alt sein und in Vorbereitung des Workshops ein Interview mit ihren Eltern bzw. Großeltern führen. Am Abend besuchen die Teilnehmer gemeinsam das Gastspiel "Dritte Generation" und das sich anschließende Zuschauergespräch im Alten Theater. Interessenten für den Workshop können sich noch bei Theaterpädagogin Imme Heiligendorff (Telefon 0340 / 2 51 12 16 oder theaterpaedagogik@anhaltisches-theater.de) anmelden.
Karten für das Gastspiel für "Dritte Generation" gibt in der Theaterkasse Rathaus-Center und unter der Nummer 0340 / 2 40 02 58.
10.12.2009, 17:14 | tags:
Spielzeit
, Schauspiel
201
Pressemittelung vom 30.11.2009
Premiere „Kaspar Häuser Meer“ – Schauspiel von Felicia Zeller
Zu einer weiteren Premiere im Schauspiel lädt das Anhaltische Theater Dessau am 11. Dezember um 19:30 Uhr in das Studio des Alten Theaters ein.
Mit „Kaspar Häuser Meer“ debütiert der junge Regisseur David Ortmann am Anhaltischen Theater. Das Stück von Felicia Zeller wurde 2008 in Freiburg uraufgeführt und ist eines der am meisten gespielten Werke der Gegenwartsdramatik. Die Autorin Felicia Zeller hat für ihr preisgekröntes Stück (Publikumspreis bei den Mülheimer Theatertagen 2008) intensiv recherchiert; weniger in Sozialämtern und sozialen Brennpunkten als in Zeitungen, Paragraphen, Internetforen und ein Szenarium allgemeiner Überforderung entworfen. Zeller zeigt das Nichthandeln und das Handeln im (nach einem krankgeschriebenen Kollegen bezeichneten) sogenannten "Björnout"-Zustand.
Björn, Jugendsozialarbeiter ist zusammengebrochen und hinterlässt ganze 104 Fälle, die nun für seine drei Kolleginnen vom Amt, Barbara, Silvia und Anika, zum tragikomischen Schicksal werden. Diese drei Sozialfrontkämpferinnen müssen also noch schneller sein und werden dennoch zu spät kommen. Ertrinkend im bürokratischen Sumpf machen die glorreichen Drei trotzdem weiter, denn sie lieben ihren Job. Bei all ihrem Tun sind sie zum Lachen komisch und zum Weinen rührend – drei wundervoll schräge Schiffe auf dem endlosen Meer der Jugendsozialarbeit.
Inszenierung: David Ortmann | Bühne und Kostüme: Silvia Maradea
Dramaturgie: Holger Kuhla, Maria Viktoria Linke
Mit Eva Marianne Berger (Anika), Regula Steiner-Tomič (Barbara), Susanne Hessel (Silvia)
Musik und Video sind auf das Stück abgestimmte Auftragskompositionen (Musik: Hans Rotman/ Intendant IMPULS Festival für Neue Musik | Video: Ronny Traufeller)
Nächste Aufführungen: 12., 14. und 18.12.09 - jeweils um 19:30 Uhr | 20.12.09, 18 Uhr
im Studio des Alten Theaters
09.12.2009, 12:51 | tags:
Schauspiel
, Pressestimmen
194
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 01.12.2009
Strippenzieher tritt ins Licht
Gerald Fiedler erregt mit seinem Solo „Der letzte Einruf!!!“ Kult-Verdacht.
Gegen Dynastien kann man nichts ausrichten - vor allem dann, wenn sie seit Generationen im Untergrund wirken und ihre öffentlichen Interessen von Strohmännern wahrnehmen lassen. Die Poltes zum Beispiel: Seit acht Generationen ziehen sie hinter den Kulissen des Dessauer Theaters buchstäblich die Fäden, ihr mehr oder minder segensreiches Wirken aber fällt auf andere zurück. Dabei ist es jenen Inspizienten, die seit 1794 auf den Vornamen Leo hören, natürlich keinesfalls egal, wer unter ihnen Intendant ist. Schon Gründervater Bossahn war ein Prinzipal von Poltes Gnaden. Und seither ...
Gerald Fiedlers neues Solo-Projekt „Der letzte Einruf!!!“ basiert auf einer verführerischen Idee. Denn tatsächlich ist das Inspizientenpult ja eine Schnittstelle, an dem über Wohl und Wehe eines Theaterabends entschieden wird. Eine falsche Lichtstimmung oder ein vorzeitig gezogener Vorhang, der nach einer vergessenen Ansage verpatzte Auftritt oder die falsche
Ton-Einspielung - es gibt zahllose Möglichkeiten, mit denen ein Inspizient das fragile Bühnenkunstwerk zerstören kann. Dass ihm dennoch nie der verdiente Applaus zuteil wird, ist Teil der Verabredung - und sorgt nun dafür, dass Leo Polte VIII. endlich in das Licht der Scheinwerfer tritt. Schließlich haben sich alle seine Vorfahren das Leben genommen - oft aus Protest!
Fiedler präsentiert einen Abend, der ihm auf den Leib geschneidert ist - mit dem gehörigen Pathos des Würdenträgers, der das goldgeprägte Samtalbum mit der Familiengeschichte
im geheimen Pultfach verwahrt und den ganzen Apparat mit zwei Hebeln zum Laufen bringt. Und mit dem Übermut des Komödianten, der sich seiner Wirkung wohl bewusst ist und deshalb auch schräge Gesangstöne souverän hält oder das Grinsen über eigene Pointen riskiert. Zu Höchstform läuft er auf, wenn er Kleists „Familie Schroffenstein“ als Programmvorschau auf dem Inhaltsan-Gabentisch zur Schlumpf-Moritat verwandelt oder wenn er dem eigenen Stand ein Ständchen bringt.
Dass die von Dirk Heidicke geschriebenen Texte aus dem Inspizientenleben freilich keinen vollen Abend tragen würden, weil das Format von vornherein auf Fortsetzung angelegt ist, war abzusehen. Ob es daher freilich der Rubrik „Neben den Kulissen“ bedarf, die denn doch sehr ins kabarettistisch Beliebige ausfranst, sei dahingestellt. Schließlich ist der abschließende Teil des Abends, zu dem als Überraschungsgast diesmal die Schauspielerin
Eva-Marianne Berger geladen war, durchaus noch ausbaufähig. Und dann muss Leo Polte
VIII. vielleicht auch nicht mehr so oft aus jener Rolle fallen, die nur er allein auszufüllen vermag. Als Kenner des Hauses und seines Repertoires nämlich dürfte dieser traditionsbewusste Inspizient zur Kultfigur werden. Sein Debüt jedenfalls drohte das Alte Theater zu sprengen - was wohl kaum im Sinne der Ahnen sein kann!
01.12.2009, 10:46 | tags:
Spielzeit
, Schauspiel
, Diverses
185
Pressemitteilung vom 1.12.2009
Außergewöhnliche Theaterarbeit zu Gast am Anhaltischen Theater Dessau
Am 21. und 22. Dezember wird um 19:30 Uhr im Studio des Alten Theaters die Inszenierung „Dritte Generation“ der jungen israelischen Regisseurin Yael Ronen gezeigt, die im vergangen Jahr beim Festival „Theater der Welt“ in Halle bejubelt wurde.
In ihrer international gefeierten Inszenierung, vor immer ausverkauften Häusern, analysiert die Autorin und Regisseurin gemeinsam mit ihrem Team und einer Gruppe von jungen Schauspielern klug und provozierend alle Klischees, von denen das Verhältnis zwischen Juden, Palästinensern, Arabern und Deutschen durchsetzt ist. Alle Tabus werden so rasant zu Kleinholz verarbeitet, dass dem Zuschauer das Lachen im Halse stecken bleibt. Entstanden ist ein einzigartiger Theaterabend, der mutig Grenzen überschreitet, so intelligent wie unterhaltsam ist und wohl keinen Zuschauer unberührt lassen wird.
Dank der Kulturstiftung des Bundes, die dem Ensemble eine Tournee durch neun Städte ermöglichte, ist diese wichtige Inszenierung nun auch in Dessau zu sehen. Die Produktion wird in deutscher, arabischer, hebräischer und englischer Sprache mit deutschen Übertiteln gezeigt.
Im Anschluss an beide Vorstellungen wird es ein Zuschauergespräch mit dem Ensemble geben. Moderiert wird das Gespräch von den Redakteuren Andreas Montag und Andreas Hillger der Mitteldeutschen Zeitung, welche die Stückentwicklung unterstützte.
Eine Koproduktion der Schaubühne mit dem Habima National Theatre of Israel [Tel Aviv] und der RuhrTriennale 2009, im Auftrag von Theater der Welt 2008 in Halle, mit Unterstützung der Kulturstiftung des Bundes und des Goethe-Instituts.
Karten unter:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Freitag 9:30 – 20 Uhr
Theaterkasse - Nur Telefonisch 0340 2511 – 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
26.11.2009, 21:46 | tags:
Spielzeit
, Schauspiel
, Funk
, Pressestimmen
181
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 27.11.2009
Dessau
Verlockung des leeren Platzes im hellen Licht
Festival «Figurenräume - Raumfiguren» - Peter-Handke-Stück auf der Bauhausbühne
Nach dem Willen des Dichters sollte man seine Bilder nur sehen, beim Festival "Figurenräume - Raumfiguren" aber konnte man Peter Handkes "Die Stunde da wir nichts voneinander wussten" nun auch hören. Mit dem Schauspielensemble des Anhaltischen Theaters nahm Andrea Moses das Stück von 1992- eine einzige gigantische Regie-Anweisung - zum Anlass für einen überraschenden Gegenentwurf zur bisherigen Rezeptionsgeschichte. Und damit brachte sie einen Text zum Klingen, dessen Sinn eigentlich in seinem Verschweigen liegt.
Von Leere und Licht
Der "leere Platz im hellen Licht", den Handke zum Schauplatz seines Welttheaters gewählt hat, war dabei die Bühne des Bauhauses Dessau - ein Ort, an dem man den Horror Vacui in der jüngsten Vergangenheit besonders schmerzlich zu spüren bekam. Der konzeptuelle Mangel aber prädestinierte den Raum nun für das gigantische Versprechen, das mit Handkes Schöpfung verbunden ist: die Vermessung eines Kosmos im Schnelldurchlauf, die pointierte Andeutung aller Möglichkeiten im Theater-Universum. Der Trick der Inszenierung war es, dass sie die bildgebende Kraft des Wortes ernst nahm - und die Figuren damit immer wieder in Bedrängnis brachte, weil sie sich allzu voreilig auf die Behauptungen eingelassen hatten.
Komik der Verwandlung
So entsteht Komik: Wenn einem der zahllosen Passanten zunächst eine generelle Haltung aufgegeben wird, die er im nächsten Moment im Detail korrigieren soll. Wenn zwei der 18 Darsteller zum gleichen Gang aufbrechen und sich dann um dessen Vollendung streiten. Wenn eine stumme Figur dem Vorleser soufflieren muss, weil der sich ins Geschehen gemischt und dabei den Faden verloren hat. Oder wenn der Wechsel der Identitäten so schnell erfolgt, dass die einzelnen Konturen verschwimmen.
Es war zugleich der bislang aufwendigste Abend im Rahmen des "Funk"-Projekts, das eine Brücke zwischen Bauhaus und Theater schlägt - und der sinnstiftendste. Man kann diesen gewaltigen Entwurf also auch so umsetzen - als knappe Skizze, die sich ihren Raum im Moment der Entstehung erobert. Das wäre, nebenbei gesagt, auch ein Ansatz für die Internationale Bauausstellung 2010. Leere Plätze gibt es schließlich genug.
25.11.2009, 16:21 | tags:
Schauspiel
178
Pressemitteilung vom 25.11.2009
Premiere Schauspiel
„Der letzte Einruf!!!
Gerald Fiedler, seit 2005 festes Mitglied im Schauspielensemble des Anhaltischen Theaters wird in dieser Spielzeit mit einer eigenen Regiearbeit aufwarten. Das Anhaltische Theater Dessau lädt am 29. November, um 19:30 Uhr zur Premiere ins Foyer des Alten Theaters ein.
Seit 1794 wird das Dessauer Theater von Männern geleitet, deren Berufsbezeichnung mit I beginnt – und das sind nicht die jeweiligen Intendanten, sondern die Vertreter einer legendären Inspizientendynastie. Beginnend mit Leo Polte I., dem Gründungsvater des Theaters, der bis in das Jahr 1852 amtierte, wurden die Schalthebel der Macht, die sich, wie jeder Kenner weiß, am Inspizientenpult befinden, immer in die Hände des ältesten Sohnes übergeben.
Der aktuelle Amtsinhaber Leo Polte VIII. hält die Zeit für gekommen, die Familienchronik zu öffnen und damit endlich die „wahre“ Geschichte des Dessauer Theaters zu erzählen.
Er wird sich darüber hinaus aber auch die Zeit nehmen, aktuelle Produktionen einzuordnen, hinter, vor und neben die Kulissen zu blicken und zu erläutern „was die Welt im Innersten zusammenhält“.
Ein heiterer Abend mit Gerald Fiedler, einem Überraschungsgast und viel Musik. Am Klavier: Stefan Neubert
Nächste Termine: 26.12.09, 28.01.10 – jeweils um 19:30 Uhr im Foyer des Alten Theaters
Karten unter:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Freitag 9:30 – 20 Uhr
Theaterkasse - Nur Telefonisch 0340 2511 – 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
24.11.2009, 12:12 | tags:
Ballett
, Schauspiel
, Neue Formate
, Pressestimmen
177
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 23.11.2009
Bauhaus
Komik der Geometrie
Experimente in der Tradition der Klassischen Moderne werden präsentiert und erinner an Abschied von Oskar Schlemmer vor 80 Jahren
Es ist ein Wesenszug jeder Avantgarde, dass sie sich erst von der Nachhut einholen lassen muss, ehe sie ihre Wirkung voll entfalten kann. Denn wer seiner Zeit voraus sein will, muss zwangsläufig deren Möglichkeiten sprengen - was dazu führt, dass seine Ideen auf einen späteren Fortschritt in Bewusstsein und Technik angewiesen sind. Ein beredtes Beispiel für dieses Dilemma liefert die Geschichte der Bühne am Bauhaus Dessau, die vor 80 Jahren mit dem Abschied von Oskar Schlemmer endete und nun durch ein Festival unter dem Titel "Figurenräume - Raumfiguren" wieder belebt werden soll. Viele ästhetische Experimente aus den 20er Jahren sind bestenfalls durch Fotos und Filme dokumentiert, etliche Ansätze wurden lediglich als Konzept überliefert - ein weites Feld, auf dem man leicht in die Irre gehen kann.
Als positives Beispiel für die Rekonstruktion von Bauhaus-Ideen darf vor allem eine Inszenierung gelten, die inzwischen selbst den Status eines Klassikers beansprucht: Jörg U. Lensings Rückgriff auf "Das mechanische Ballett" von Kurt Schmidt und Georg Teltscher hat auch 21 Jahre nach dem ersten Gastspiel auf der Dessauer Bühne nichts von seiner Frische und seinem Humor eingebüßt. Noch immer ist es anrührend und komisch, wenn sich die geometrisch konturierten Figurinen der "Windmühle" und des "Maschinenwesens" begegnen und ihre Farbflächen abgleichen.
Dass man am Samstag im Anhaltischen Theater nur zwei der fünf Akte sehen durfte, wirkte wie ein Appetizer auf das kommende Wochenende. Dann nämlich ist die komplette Inszenierung noch einmal im Bauhaus zu sehen. Fehlen wird das Video von Sascha Hardt, mit dem Lensings Theater der Klänge 1988 seine Auseinandersetzung mit László Moholy-Nagy grundierte - eine Collage im Geiste von Walter Ruttmann, die 60 Jahre nach dessen "Sinfonie der Großstadt" sehr anachronistisch wirkt. Der überraschendste Teil des Triptychons aber, den der Düsseldorfer Professor für Ton- und Klanggestaltung für das Dessauer Festival zusammengestellt hatte, war eine Arbeitsprobe: Erstmals wurden Teile der "Suite intermediale" gezeigt, die direkt auf Oskar Schlemmers Klang- und Figurenkonzept zurückgreift und dabei die technischen Möglichkeiten der Gegenwart auf die Klassische Moderne anwendet. Wie spannend es sein kann, wenn man den Körper des Tänzers als ton- und bildgebendes Medium verwendet, wenn man die Schatten und die Bewegungsunschärfe auf einer Leinwand einfängt und die kinetischen in akustische Impulse umsetzt, wurde hier ausführlich demonstriert. Und wenn sich bis zur Uraufführung auch noch das Quintett der Tänzer als Hardware zu jenem Niveau aufschwingt, auf dem die Software sich bereits befindet, dürfte sich das Theater der Klänge für ein neuerliches Gastspiel empfehlen.
Als Work in Progress musste man wohl auch jene Inszenierung verstehen, mit der die Stiftung Bauhaus und das Anhaltische Theater das Festival am Freitag eröffnet hatten. Die Funkoper "Supremalevich" rekurriert auf den Besuch des Suprematismus-Erfinders Kasimir Malevich, der 1927 in Dessau Station machte. Dass der Meister des schwarzen Quadrats auf weißem Grund von Gropius und Co. allerdings weit weniger euphorisch empfangen wurde, als es die euphorische Parole "Wir loben seine Ankunft" suggerierte, hing als Menetekel über dem Abend.
Denn obwohl sich das Ballett des Anhaltischen Theaters, die Schauspieler Christel Ortmann und Hans-Jürgen Müller-Hohensee sowie die Sängerin Mika Kaiyama sichtlich mühten, dem kosmischen Pathos der Abstraktion und dem sinnstiftenden Spiel mit der reinen Form Gestalt zu geben, wurde zumindest die Premiere dieser Performance von mangelndem Rhythmus-Gefühl gestört. Ausgerechnet dem Regisseur Martin Neuhaus, der dem Abend Form und Halt geben sollte, mangelte es an Geduld und an Gespür für die nötige Dauer.
So konnten sich die choreografischen Ansätze nicht entfalten, erst gegen Ende lud sich das Geschehen mit Spannung auf - und im Ergebnis musste man das Experiment eher als "Suboptimalevich" verbuchen. Aber dass Scheitern zur Avantgarde dazugehört, weiß man ja nirgends besser als im Bauhaus.
Nächste Veranstaltungen: Lesung aus "Palucca. Die Biografie" (Montag, 19 Uhr, Bauhaus); Vortrag über Gerhard Bohner (Dienstag, 19 Uhr, Muche-Schlemmer-Haus); "Im goldenen Schnitt" (Mittwoch, 19 Uhr, Marienkirche), "Die Stunde da wir nichts voneinander wussten" (Mittwoch, 21 Uhr, Bauhaus-Bühne)
24.11.2009, 12:04 | tags:
Spielzeit
, Schauspiel
, Diverses
, Pressestimmen
176
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 24.11.2009
Alle Schauspieler begegnen sich
Andrea Moses zeigt am Mittwoch im Bauhaus Peter Handtkes berühmtes Stück ganz ohne Worte
Die Gattung Performance hat es in Dessau schwer, kommt sie dann noch im Kontext mit dem Bauhaus daher, bewegt sich die Zuschauerzahl selten über dem zweistelligen Bereich. Das musste auch das Tanz- und Performance-Festival "Figurenräume - Raumfiguren" erfahren, nachdem am Wochenende die ersten Programmpunkte gezeigt wurden. Unbeirrt von erschreckend niedrigen Besucherzahlen geht es diese Woche jedoch weiter. Schließlich kann die Resonanz nur besser werden.
Gut vorbereitet lässt sich am Mittwoch das Gastspiel von "Im (Goldenen) Schnitt I. Durch den Raum, durch den Körper" um 19 Uhr in der Marienkirche erleben, denn schon am Dienstag um 19 Uhr wird Dirk Scheper im Meisterhaus Muche / Schlemmer über die Inszenierung sprechen. Dirk Scheper, Sohn des Bauhausmeisters Hinnerk Scheper, ist ein ausgewiesener Kenner des Werks von Oskar Schlemmer. Er übernahm die Produktionsleitung für Gerhard Bohners (1936-1992) Choreographien - darunter die Rekonstruktion des "Triadischen Balletts" oder den Solotanz "Im (Goldenen) Schnitt I", der am Mittwoch in der Marienkirche gezeigt wird.
Cesc Gelabert wird dieses Solo von Gerhard Bohner tanzen. In Zusammenarbeit mit der Gelabert-Azzopardi Companyia de Dansa aus Barcelona unternahm die Berliner Akademie der Künste die erste Rekonstruktion eines Solotanzes von Bohner. Cesc Gelabert, seit seinem Debüt beim Akademie-Festival 1985 regelmäßig in Berlin arbeitend, hat "Im (Goldenen) Schnitt I" nach dem Material der Berliner Videofilmerin Cosima Santoro rekonstruiert. Ansatz für die 1989 entstandenen drei Versionen von "Im (Goldenen) Schnitt" war Bohners Interesse an der Zusammenarbeit mit Bildenden Künstlern, das zu Bühneninstallationen von drei Künstlern führte. In der ersten im Mai 1989 im Studio der Akademie der Künste uraufgeführten Version reagiert der Tänzer auf einen von der Darmstädter Bildhauerin Vera Röhm gestalteten Raum aus begehbaren Konstellationen von Holz-Plexiglas-Pfeilern. Bei dem Solo erklingt Johann Sebastian Bachs "Das Wohltemperierte Klavier", Präludium und Fuge 1-12 in einer Einspielung von Keith Jarrett.
Cesc Gelabert ist gegenwärtig einer der wichtigsten Choreografen und Tänzer des modernen Tanzes in Spanien. Er lässt sich nicht einfach einer Richtung zuordnen, stattdessen hat er einen eigenen Stil geschaffen. Seine Choreografien nehmen historische Symbole zum Ausgangspunkt. 1986 gründete er seine eigene Tanz-Compagnie.
Direkt von Cesc Gelaberts Tanzsolo kann das Publikum am Mittwochabend in das Bauhaus wechseln, wo es um 21 Uhr in seiner gesamten Masse dem Schauspielensemble des Anhaltischen Theaters begegnet. Innerhalb des Haus[funk]abends "Figur-Raum-Bewegung"
wird Dessaus Chefregisseurin Andrea Moses Peter Handkes Schauspiel "Die Stunde, da wir nichts voneinander wussten" als Performance inszenieren. "Eine einmalige Gelegenheit, alle unsere Schauspieler kennen zu lernen", warb Moses bereits bei der Eröffnung des Festivals für diesen außergewöhnlichen Abend.
Peter Handke schuf mit "Die Stunde, da wir nichts voneinander wussten" ein ganz besonderes Theaterstück, denn es kommt völlig ohne Text aus. Das Stück besteht einzig aus einer 60-seitigen Regieanweisung, die die Begegnungen und Begebenheiten beschreibt. Handke webt aus vielen kleinen Szenen eine Stunde, die einen Querschnitt durch die Gesellschaft und das Leben zeigt. Er beschreibt den Weg des Theaters in die Sprache, das Spiel steht im Vordergrund. Auch das Bühnenbild ist im Original des Dichters ein völlig freier Platz. Am Mittwochabend im Bauhaus wird dieser nun auf der Bühne entstehen. Mehr als ein Dutzend Akteure spielen Alltägliches, begegnen einander, helfen sich gegenseitig, behindern sich, verlieben sich, schließen sich zu Gruppen zusammen und lösen sie wieder auf.
Die Möglichkeit, Teil einer multimedialen Performance zu werden, bietet den Festivalgästen dann am Donnerstag der Workshop (14 bis 17 Uhr) "Interaktive intermediale Performance", gehalten von Jörg U. Lensing und Thomas Neuhaus. Lensing ist gemeinsam mit Sylvia Wanke am Abend um 19 Uhr auch Gast des Festivalcafés, zu dem in den Bauhausklub eingeladen wird. Beide widmen sich der Bauhausbühne in einer Spurensuche und werden davon berichten.
23.11.2009, 15:16 | tags:
Schauspiel
, Pressestimmen
175
Helmut Rohm, Zerbster Volksstimme, 20.11.2009
„Sechse kommen durch die ganze Welt“ im Anhaltischen Theater Dessau
Warum sechs sieben werden und Freundschaft sich auszahlt
Sechse kommen durch die Welt“ heißt das diesjährige Märchen zur Weihnachtszeit
am Anhaltischen Theater. Basis für diese Inszenierung von Robert Klatt ist das gleichnamige Märchen der Gebrüder Grimm. Genau genommen helfen fünf einem, zu seinem Recht zu kommen. Am Ende wird es sogar heißen: „Sieben kommen durch die Welt“. Sehr reich sind sie zudem auch noch geworden. Mehr als ihnen eigentlich zusteht?
Der aus dem Krieg zurückgekommene, verletzte Soldat (Thorsten Köhler) wird vom Alkohol liebenden König (Hans-Jürgen Müller-Hohensee) und dessen hinterlistigem Minister (Sebastian Müller-Stahl) um den versprochenen Lohn betrogen. Sogar in den Knast geworfen. Zudem wird der Soldat von der arrogant kratzbürstigen Prinzessin Victoria
(Lisa Kudoke) verachtet und gedemütigt.
Was tun? Um sein Recht kämpfen. Mehr noch:
Rache! Der Weg: Verbündete suchen. „Rein zufällig“, auf einem zunächst langatmigen
Weg durch die spärliche Dekoration (Bühne und Kostüme: Heiko Mönnich) der großen, sich oft drehenden Bühne, trifft der Soldat auf andere Männer. Die jedoch haben aber mit dem König (fast nichts „abzurechnen“ als vielleicht allgemeine Unzufriedenheit. Aber sie verfügen
über besondere Eigenschaften und Fähigkeiten.
Hier wird das Stück dann auch märchenhaft. Gefunden und zum Team vereint: der das Gras wachsen hörende Horcher (Karl Tiehle), der supermannstarke Keule (Matthieu Svetchine), der blitzschnelle Läufer (Jan Kersjes), der lungenstarke Bläser (Boris Malré) und der temperaturempfindungsgeschädigte Frostige (Mario Janisch). Die Beweise ihres einzigartigen Könnens sind faszinierend für sich und auch ebenso von den Darstellern auf der Bühne präsentiert. Der mitdenkende Zuschauer wird so neugierig gemacht, wann und wie wohl der Einzelne gebraucht wird. Warum einer „9Live“ guckt und ein anderer den Plastinator von Hagens „bemühen“ muss, bleibt aus junger Zuschauersicht allerdings kaum zu verstehen. Gags der Gags willen? Nach dem Motto „Alle für einen!“ oder „Gemeinsam sind wir stark!“ kommen sie in vielfach ideenreich und durchaus spannend arrangierten Szenen wechselnd „zum Einsatz“.
Eingerahmt im fast wörtlichen Sinne ist das große Bühnengeschehen von zwei alten geschwätzigen, auch alkoholverliebten (warum eigentlich?) Nachbarinnen (Ellen-
Jutta Poller und Hildegard Wiconke). Wieder ein bisschen Gag oder ein wenig „Märchenerzählerin-Ersatz“? Der junge, schon längst nicht mehr verletzte Soldat wird trotz „unsportlichen Verhaltens“ der anderen Seite einen Wettlauf gegen die Königstochter gewinnen. Natürlich mit Hilfe seiner Freunde. Die Zuschauer fiebern mit. Gegen die Hinterlist der herrschenden Kaste beim Aufgabenlösen um die Hand der Tochter besteht das Team auch überzeugend.
Ist aber ein solch garstiges „höheres Mädchen“ überhaupt begehrenswert? Das könnten
sich auch die Zuschauer fragen. Doch der Soldat ist auch ganz schön pfiffig und clever. Erst
mal die Tochter haben, dann kann man weitersehen.
„End-Ziel“ ist ja inzwischen, den König um all seinen Reichtum zu bringen. Das gelingt ganz gründlich, auch sehr zur Freude der vielen kleinen Premierengäste. Der Sack ist voller Gold. Der König ist bestraft, der Minister letztendlich auch.
Und die Königstochter? Darauf kann der künftige Märchenbesucher gespannt sein. Treue, Freundschaft, Mut, Zueinanderhalten zahlen sich auf jeden Fall aus – im Märchen wie wohl auch im realen Leben.
Die nächsten Aufführungen finden am Freitag, dem 27. November, um 10 Uhr und am Donnerstag, dem 3. Dezember, um 10 Uhr und 15 Uhr statt.
23.11.2009, 13:27 | tags:
Schauspiel
174
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 03.10.2009
Durch Dessau flattert die kleine weiße Friedenstaube
Mit "Gesängen aus Tausend und Einer deutschen Nacht" startete das Anhaltische Theater in seine neue Spielzeit.
Zwölf Uhr mittags in Dessau, High Noon vor dem Anhaltischen Theater. Auf der einen Seite stehen die glorreichen Sieben, fünf Schauspieler und zwei Musiker, gegenüber fröstelt ein Häuflein Publikum. So beginnt sie also, die 215. Spielzeit unter dem großen Transparent "Offenes Land" - mit "Gesängen aus Tausend und Einer deutschen Nacht", die sich an diesem Freitag wie ein vielfaches Echo über die Stadt ausbreiten sollen. Inszeniert hat der junge polnische Regisseur Krzystof Minkowski, ab 8. Oktober wird das Stück dann auch regulär im Spielplan des Alten Theaters stehen. Vorerst aber kämpft die "Kleine weiße Friedenstaube" unter dem freien Himmel gegen den Lärm der Autos an, während das "Funk"-Team die Gäste vor seinem Container mit Kamera und Mikrofon einfängt. Es ist - wie könnte es anders sein - ein politisches Programm, das dem Zuhörer da so freundlich entgegenkommt.
Der einstige deutsche Grand-Prix-Beitrag "Lass die Sonne in dein Herz"
schiebt in einer flotten Reggae-Fassung zwar zuverlässig die dunklen Wolken beiseite, zugleich aber dräut es düster aus den Liedern: "Warum lieben wir Deutschen Sissi so sehr?", fragt man mit Funny van Dannen, "Warum mögen wir keine Juden?". Bei Georg Danzer reimt sich "Gute Nacht" auf "überwacht" - und Georg Kreisler steuert eine schwarze demokratische Dialektik bei: "Meine Freiheit muss noch lang nicht deine Freiheit sein." Es wird den Zuhörern warm ums Herz, obwohl diese Lieder eher die alte Weisheit "Es ist deutsch in Kaltland"
beglaubigen. Aber die furchtlose Freude, mit der Susanne Hessel und Lisa Kudoke, Mario Janisch, Jan Kersjes und Mattieu Svetchine gegen die Leere und die Lethargie ansingen, Überträgt sich als positive Energie auf das Publikum. Später, am Roßlauer Luchplatz, müssen Mütter ihre Kinder von der bunten Truppe wegzerren, wenn sie sich von der Kunst nicht an ihrem Feiertagseinkauf hindern lassen wollen. Vor dem Dessauer Hauptbahnhof wird exakt eine Straßenbahn zwischen die Bänkelsänger und die Punks passen. Und am Bauhaus schließlich wird die Gebäude-Brüke zwar vor dem Regen schützen, aber zugleich den kalten Wind verstärken.
Sei´s drum: Es ist eine Landnahme, die von Station zu Station besser funktioniert und auch die Dessauer Museumskreuzung, das Rathaus-Center und schließlich das Alte Theater erreicht. Dort endet dieser ersten Tag der neuen Ãra mit einem Stück nach Einar Schleef, dessen Titel "Abschlussfeier" wie ein Paradoxon wirkt. Denn eigentlich steht in diesen Tagen in Dessau alles auf Anfang: Heute abend wird die neue Hausregisseurin Andrea Moses ihre Lesart von Richard Wagners "Lohengrin" präsentieren, morgen steuert der Generalintendant André Bücker seine Sicht auf Gotthold Ephraim Lessings "Nathan der Weise"
bei.
Das Theater ist also schon da -jetzt muss nur noch die Stadt kommen.
17.11.2009, 21:46 | tags:
Schauspiel
170
Pressemitteilung vom 17.11.2009
Eine Anstalt und ihre Patienten erobern im Sturm die Herzen der Zuschauer
Zu einer weiteren Aufführung der Schauspielinszenierung „Gesänge aus 1001 deutschen Nacht“ lädt am 20. November um 19:30 Uhr das Anhaltische Theater Dessau in das
Foyer des Alten Theaters ein. In der Inszenierung von Krzystof Minkowski heißen die Patienten der Station 1 das Publikum herzlich willkommen und besingen hoch
komödiantisch, poetisch und skurril einen Tag aus ihrem Leben im „Tollhaus Deutschland“. Fünf Patienten, sangeswütige Spieler, schräge Typen, begleitet von einer
Combo (Musikalische Leitung: Benjamin Schultz) erobern sich im Sturm die Herzen des Publikums. Neben viel Spaß und exzellenter Unterhaltung bietet die Vorstellung auch eine gute Gelegenheit die neuen Mitglieder des Schauspielensembles kennenzulernen.
Karten unter:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Freitag 9:30 – 20 Uhr
Theaterkasse - Nur Telefonisch 0340 2511 – 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
Weitere Termine: 21.11.09, 19:30 Uhr | 5.12.09, 20 Uhr | 27.12.09, 19:30 Uhr
16.11.2009, 20:24 | tags:
Schauspiel
, Pressestimmen
166
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 17.11.2009
Männer und ihre Eigenheiten
Robert Klatt inszeniert mit Witz und Komik ein Stück über Freundschaft
Die Brüder Grimm konnten nicht ahnen, wie gut ihre Märchen auch heute noch in die Zeit passen. Nicht alle, aber manches doch. Wo weltweit immer mehr Spezialisten arbeiten, Einzelbegabungen gefragt sind, da kommen die sechs Burschen der deutschen Märchenerzähler gerade recht. Doch keine Angst, in der neuen Märcheninszenierung des Anhaltischen Theaters wird nicht globalisiert. Regisseur Robert Klatt belässt "Sechse kommen durch die ganze Welt" in einer unbestimmten Zeit, in der es Könige, Prinzessinnen in Rosa und ganz skurrile Typen gibt. Und er lässt seinen Protagonisten jene unerhörten Begabungen, von denen man heute trotz allen Fortschritts nur träumen kann.
Die Welt, durch die es bei der Premiere am vergangenen Freitag geht, ist dabei gar nicht so groß, die Drehbühne reicht aus, um Weite zu simulieren, und weil sie ständig - wie auch das Personal auf ihr - in Bewegung ist, wird sie doch ganz groß. Am Anfang aber ist da nur einer: der Soldat, aus dem Krieg heimgekehrt, um den Sold betrogen, ein Enttäuschter. Dieser trotz allem unermüdliche Stehaufmann Thorsten Köhlers bleibt nicht lange allein und stolpert über ein Quintett ebensolcher Einzelgänger. Da ist zunächst der hinreißende Keule, dem ewig die Lederhose rutscht, der Magen in den Kniekehlen hängt und der mit seinen Kräften so gar nicht Haus halten kann. Matthieu Svetchine gibt ihm eine beiläufige Kraft, die das Zwerchfell erschüttert. Jan Kersjes ist als Läufer sein quicklebendiges Gegenstück, das ständig mit dem Fuße scharrt und eitel selbigen präsentiert. Karl Thieles besonnenen Horcher gibt es noch, Mario Janischs zitternden Frostigen und den sächselnden Bläser von Boris Malré.
Robert Klatt lässt seinem Sextett Zeit, zueinander zu finden, Raum für jeden, seine Eigenheit heraus zu stellen und oft genug herrlich komisch zu präsentieren. Das geschieht ungemein witzig und mit viel Ironie, ganz beiläufigen Anspielungen ins heute, die jedoch nie deplatziert wirken, selbst dann nicht, wenn Plastinator Gunter von Hagen als Läufer-Bein-Schöpfer ins Spiel kommt. Da werden auch die großen Zuschauer ihren Spaß haben. Aberwitzige Vorgeschichten eines jeden werden erzählt, zuweilen etwas zu ausufernd in der Kennlernphase. Im schlichten Bühnenbild Heiko Mönnichs, das mit Sandsäcken und ganz offensichtlichen Kulissen aus Leinwand und Latten vollkommen auskommt, lenkt nichts vom frischen Spiel dieser Sechsergruppe ab, die ihren Gegenpart am Hofe findet.
Dort gibt längst der intrigante Minister (Sebastian Müller-Stahl) die Richtung vor. Denn Hans-Jürgen Müller-Hohensees trottliger und ewig abgelenkter König macht es dem Emporkömmling nur allzu leicht. Und Lisa Kudokes Prinzessin Viktoria - ein rosarotes Klischee mit keck schief sitzendem Krönchen und Lolli - opponiert auch nur, wenn ihr etwas nicht passt. Dass in diesem Staate nicht alles stimmt, unken schon die Nachbarinnen, kommentieren scharf, süffeln Likörchen und kündigen gleich auch Bettszene und Sackszene an. Das ist dann auch schon das letzte Bild und das Finale, nachdem es für die Sechse noch einmal so richtig heiß wurde. Warum am Ende, nachdem schon so manches Lied von Freundschaft gesungen wurde, immer jemand von Sieben redet, das kann man sich selbst ansehen.
Nächste Vorstellungen des Märchens "Sechse kommen durch die ganze Welt" am Mittwoch, am 27. November und 3. Dezember (jeweils 10 Uhr) und am 5. Dezember, 15 Uhr.
16.11.2009, 11:41 | tags:
Schauspiel
, Pressestimmen
164
Dirk Pilz, Berliner Zeitung, 16.11.09
Unsere nicht mehr schöne DDR
Armin Petras hat im und vor dem Maxim-Gorki-Theater Einar Schleefs "Abschlussfeier" uraufgeführt
Diese Inszenierung kommt genau zur rechten Zeit. 20 Jahre Mauerfall! - und auf fast allen Kanälen wurden die Jubiläumsfeierlichkeiten mit einem pathosdurchtränkten Parteitongetöse begleitet, als hätte es in den letzten 20 Jahren keinerlei Debatten über Wende, Freiheit und Befreiung gegeben. Noch immer wird gern so getan, als sei die DDR entweder nichts als ein dunkles Gefängnis oder aber eine heile Kuschelwelt gewesen, noch immer wird die DDR mit dem SED-Staat gleichgesetzt oder als Wonnereich für alle erinnert. Genau solche stumpfen Vergröberungen helfen vermutlich kräftig mit, Ostalgie auf der einen und Arroganz auf der anderen Seite zu schüren. Die DDR war doof, poltert's hier, es war nicht alles blöd, grummelt's dort. Wir haben noch nicht angefangen, uns in genauerer Erinnerung zu üben. Solches Erinnern würde auf Unvereinbarkeiten stoßen: Das Leben ist nie auf einen Nenner zu bringen, auch das DDR-Leben nicht.
Man lese Einar Schleef, um davon eine Ahnung zu bekommen. Man lese zum Beispiel seine Erzählung "Abschlussfeier", entstanden Ende der Siebzigerjahre, kurz nachdem Schleef die DDR verlassen hatte. Sie führt uns in die Internationale Jugendherberge "Käthe Niederkirchner" im Ostseebad Kühlungsborn. Eine namenlose Chefin versucht, ihre Herberge mit allerlei Tricks zu führen, ihre Stellvertreterin schaut ihr im Stasi-Auftrag dabei auf die Finger, die Angestellten Gisela und Gerda suchen nach Aus- und Umwegen in einem Sozialismus, der an seinen Bürgern vorbeiregiert. Und jeder beäugt jeden.
Aufruf zum ehrlichen Erinnern
Es gibt dabei keine Figur, die auf eine Hintergrundwahrheit festzulegen wäre: Die Stellvertreterin wurde mehr in die Stasi hineingezwungen, als dass sie Spitzel aus Überzeugung geworden wäre, die Chefin ist staatshöriger als ihre Worte glauben machen, die Angestellten sind widerborstiger als sie selbst vorgeben. Auf dem Abschlussfest des "jährlichen Kurses für deutsche Sprache, veranstaltet von der Gesellschaft für Deutsch-Französische Freundschaft" entladen sich diese Widersprüche in Anarchie, Verzweiflung und besinnungslosem Feiern mit den französischen Gästen. "Es ist außenpolitische Werbung, zu zeigen, wie schön das Leben in der DDR ist", sagt die Chefin. Diese kurze Erzählung hat so viel Wirklichkeit aufgesogen, dass es für ein ganzes DDR-Panorama reicht.
Genau so hat sie Armin Petras für seine Uraufführung - die bereits Anfang Oktober am koproduzierenden Anhaltinischen Theater Dessau herauskam und jetzt ans Maxim-Gorki-Theater gewandert ist - auch genommen. Er lässt sein aufgewecktes Ensemble mit uns Zuschauern durch verschiedene Räume des Theaters wandern, vom Brinkmann-Zimmer ins Studio und hinaus auf den Hof. Ursula Werner balanciert ihre Figur überall zwischen urkomischen Mutterwitztiraden und Trauereinbrüchen, Hilke Altefrohne nimmt die Stellvertreterin von der rabiaten Seite, Julischka Eichel und Sabine Waibel schenken Gisela und Gerda sprudelnde Verzweiflungswut über die DDR-Enge ein. Alles wirkt hier satirisch überzeichnet und beißend realistisch zugleich.
Am Ende, wenn das um eine Jugendschar erweiterte Ensemble mit "Y.M.C.A" von den Village People über den Rasen hüpft, die französischen Fremden im Barkas davonfahren, das Lagerfeuer knistert und die Chefin ihr Abschlussfeierresümee zieht, hat sich die Inszenierung zur grellen Farce gesteigert: Hinter ein komisches, trauriges, wahres, böses und doch zutiefst menschenfreundliches DDR-Panorama setzt dieser Abend ein lautes Ausrufezeichen - es ist der Aufruf zum ehrlichen Erinnern.
Armin Petras' verschwitztes Latzhosen-Theater, das seine Stoffe gern im Ärmel-Hochkrempel-Status bewirtschaftet, ist nicht immer für historische Probebohrungen geeignet; mitunter sprudeln hier nichts als Possen und Petitessen, wird Geschichte zum Bauchladen der Absonderlichkeiten. Diesmal aber zündet es, diesmal nämlich werden die historischen Begebenheiten nicht wie lustige Bauklötzchen nebeneinander gewürfelt, sondern als einander gleichzeitig ergänzende und widersprechende Ebenen ineinander verschränkt.
Abschlussfeier, nächste Termine im Januar, Maxim-Gorki-Theater/Studio, Infos: 20 22 11 15.
16.11.2009, 11:34 | tags:
Schauspiel
, Pressestimmen
163
Christine Wahl, Tagesspiegel, 16.11.2009
Theater
Zorn in Kühlungsborn
Armin Petras dramatisiert Schleefs „Abschlussfeier“ – und jagt seine Darsteller durchs Gorki-Theater.
In der „Internationalen Jugendherberge „Käthe Niederkirchner“ herrscht Katerstimmung. Allerdings weniger bei denen, die diese unzähligen Bierflaschen, Cocktailgläser und Käsehäppchenteller geleert haben, mit denen Bühnenbildnerin Annette Riedel das Studio des Maxim Gorki Theaters übersät hat. Die Post- Party-Depression betrifft vielmehr die beiden jungen Putzfrauen, die sich jetzt an die Reste-Beseitigung machen müssen: Der ersten – der Abendschülerin Gisela (Julischka Eichel) – wurde von ihrer Chefin gerade eine Beurteilung angedroht, mit der sich jegliche Chance auf einen Studienplatz ein- für allemal erledigt haben dürfte.
Dort, wo Einar Schleefs Erzählung „Abschlussfeier“ spielt – nämlich in den 1970er Jahren im Ostseebad Kühlungsborn – hatte solch eine Beurteilung in all ihrer Lächerlichkeit gute Chancen, für den Beurteilten zum lebenslänglichen Problem zu werden. Wer wüsste das besser als der Regisseur Armin Petras, der früher selbst alles andere als angepasst in der DDR gelebt hat?
Es irritiert daher umso nachhaltiger, dass in seiner Bühnenadaption der Schleef-Erzählung die DDR über weite Strecken wie ein Partykeller mit Kindergeburtstagscharme aussieht. Zumal diese Koproduktion des Maxim Gorki Theaters mit dem Anhaltischen Theater Dessau, die jetzt Berlin-Premiere hatte, nicht die erste Petras-Inszenierung ist, in der er sich mit dem untergegangenen Staat auseinandersetzt.
Bei Schleef kommen zehn Frauen zu Wort, die bei der „Gesellschaft für deutsch-französische Freundschaft“ arbeiten; von der Leiterin über die Dolmetscherin bis zur Köchin. Ihre Monologe – gehalten bei einem Abschlussfest für französische Jugendliche in einer Edelherberge, zu der Ostler, sofern sie nicht dort arbeiten, keinen Zutritt haben - erzählen ungeheuer viel über DDR. Zum Beispiel von der Ambivalenz, sich durch den Berufskontakt zu Westeuropäern einerseits privilegiert zu fühlen und andererseits – da die Tätigkeit im Wesentlichen aus Handlangerdiensten für 15-Jährige besteht – umso gedemütigter. Jede Kollegin misstraut jeder an diesem seltsamen Arbeitsplatz. Zwangstreffen mit der Staatssicherheit sind an der Tagesordnung; Verdrängungsenergie und Pragmatismus die wichtigsten Alltagsressourcen.
All diese beklemmenden Nuancen sind allein im Spiel von Ursula Werner zu sehen, die sich – ein Stockwerk über der Studiobühne im Brinkmannzimmer – mit Marx-Devotionalie und Exquisit-Sonntagskleid als Leiterin der Gesellschaft vorstellt. Anschließend kotzt Hilke Altefrohne als ihre von der Stasi installierte Stellvertreterin wenigstens noch konsequent den angestauten Lebensüberdruss aus sich heraus.
Aber schon nach einer halben Stunde, wenn der Ort gewechselt und das Publikum zu Teil zwei in die Studiobühne gebeten wird, geht es nicht nur räumlich bergab. Denn dort erwarten uns die besagten Putzkräfte Gisela und Gerda (Sabine Waibel). Es mangelt ihnen mitnichten an schauspielerischen Qualitäten, das Problem ist nur, was sie spielen müssen: Launische Teenager mit aufdringlichem Energie-Überschuss, der sich in wilden Diskotänzchen und gemeinsamem Sissi-Gucken entlädt. Fiele nicht ab und zu eine DDR-typische Vokabel wie „Stasi“, könnte man diese Kittelschürzen-Mädels nicht verorten: Seltsam geschichtslose Gestalten, die einem genauso gut in einer Shakespeare- oder Dürrenmatt-Inszenierung von Armin Petras begegnen könnten.
Wenn schließlich im dritten Teil auf dem Hof neben der Kantine „YMCA“ aus den Lautsprechern schallt und dazu in einer Mischung aus Polonaise und Pop- Gymnastik eine Art ostdeutsch-französische Vereinigungsparty gefeiert wird, ist Schleef endgültig erledigt.
15.11.2009, 22:42 | tags:
Schauspiel
, Pressestimmen
162
Peter Hans Göpfert, Berliner Morgenpost, 15.11.2009
Theater
Von der Stasi zu Spitzeldiensten erpresst
Für einen kurzen Abend liegt das Gorki Theater in Kühlungsborn an der Ostsee. Dort, in einer Internationalen Jugendherberge, handelt Einar Schleefs Erzählung "Abschlussfeier". Der Text erschien 1978 in der Suhrkamp-Anthologie "Ausgeträumt", nachdem Schleef von Theaterproben in Wien nicht in die DDR zurückgekehrt war.
Der Autor warf mit dieser Arbeit einen Blick zurück. Er zeichnete die Atmosphäre, die er in der DDR als quälend und erstickend empfunden hatte.
Armin Petras hat aus den Monologen, mit denen sich verschiedene Menschen in ihren beruflichen Aufgaben und privaten Bedingtheiten präsentieren, keinen wirklich dramatischen Text hergestellt. Er montiert sie aber so, dass die einzelnen Figuren in spannungsvolle Beziehung zueinander gerückt werden. Alle diese Menschen stehen unter Beobachtung der Staatssicherheit. Hauptfiguren sind die Heimleiterin und ihre Stellvertreterin. Ursula Werner verkörpert die Herbergsmutter in schöner Balance aus Komik und Ernsthaftigkeit - eine zugleich gefährdete und selbstbewusste Chefin, die weiß, dass die Jüngere eine Bedrohung darstellt. Diese wird von Hilke Altefrohne als demonstrativ taffe wie frustrierte Frau gespielt, die von der Stasi zu Spitzeldiensten erpresst wurde.
Die Reinemachefrauen bessern als Rentnerinnen ihr schmales Portemonnaie auf und machen sich ihre eigenen Gedanken. Zwei junge Frauen stehen mit ihren Ansprüchen an Sexualität und Weiterbildung in Konkurrenz. Die Geschenke der jungen Französinnen haben für sie Kult- und Prestigewert. Aus den Getränkeresten der Abschlussparty brauen sich die beiden eine fürchterliche Bowle zusammen.
Armin Petras inszeniert eine Art Prozessionstheater. Erst schickt er das Publikum die Treppe hinauf in das "Brinkmann-Zimmer", das hier als Büro der Heimleiterin in seiner spießigen zusammengewürfelten Einrichtung einen Ort der Unsicherheit markiert. Wieder unten im Studio, hat der Zuschauer den Partyraum vor sich, ein ungemütliches Chaos mit Pullen und Ballons, darüber die Losung "Es lebe die deutsch-französische Freundschaft". Schließlich geht es hinaus in den Garten des Theaters, den man vielleicht als Strand verstehen soll. Dieses jetzt ganz unsommerlich mit nassem Laub bedeckte Terrain dient Petras als Bildfläche für ein geradezu surreales Tableau mit vielen Jugendlichen. Unter den Bäumen gibt es ein Liebeszelt. Ein Feuer brennt. Jungen prügeln sich. Ein Mädchen schlägt Tennisbälle ins Publikum. Wildes Getanze. Ein Jüngling kräht seinen Frust über vergebliches Verlangen nach einem französischen Mädchen. Dann fahren die Gäste kreischend in einem Barkas-Kleinbus davon. Zurück bleiben der typische Auspuff-Gestank und die Worte der Heimleiterin. Ihre Aufgabe sei es, "zu zeigen, wie schön das Leben in der DDR ist".
Die Inszenierung fand am Anhaltischen Theater Dessau (Koproduktion!) starke Aufmerksamkeit. Am Gorki-Theater wirkt sie eher als respektables Nebenwerk etwa zu Petras' Theatralisierung von Werner Bräunigs "Rummelplatz" auf der großen Bühne.
12.11.2009, 07:40 | tags:
Schauspiel
, Pressestimmen
157
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 12.11.2009
Sechs Kumpel ziehen gegen den König
Schauspiel: Freitag hat das Märchen «Sechse kommen durch die ganze Welt» Premiere
Das ist wahrlich eine Bande, wie sie um die ganze Welt kommen kann. Einer läuft schnell wie der Wind, der andere ist stark, wie sonst kein Mann, der nächste hat die scharfen Augen eines Adlers und einer kann mit seinem Nasenlochpuster einen Sturm entfachen. Ein armer Soldat, gerade aus dem Krieg gekommen, sammelt alle ein und dann geht's gegen den König, der ihn schlecht entlohnte. Erzählt haben die Geschichte dieser sagenhaften Männertruppe die Brüder Grimm. "Sechse kommen durch die ganze Welt" heißt ihr Märchen aus der berühmten Sammlung. Am Freitag nun kommen die Sechs auch nach Dessau, als Theaterstück. Um 10 Uhr hat die Märcheninszenierung dieser Spielzeit Premiere.
Die Sechse, die dann über die große Bühne ziehen, heißen Thorsten Köhler, Karl Thiele, Matthieu Svetchine, Jan Kersjes, Boris Malré und Mario Janisch. Welchen Weg diese Schauspieler beim Wandern nehmen sollen, gibt ihnen Robert Klatt vor. Er ist der Regisseur der Produktion und ein erfahrener Theatermann, wenn es um Kinderstücke geht. Klatt, Jahrgang 1966, arbeitet als Gast am Anhaltischen Theater, ebenso wie sein Ausstatter Heiko Mönnich, mit dem ihn seit mehreren Jahren eine enge Zusammenarbeit verbindet. Mit "Seche kommen durch die ganze Welt" bringen die beiden Männer ein Stück auf die Bühne, das vor 20 Jahren schon einmal in Dessau zu sehen war. Damals freilich unter ganz anderen Vorzeichen. Was ließ sich doch in dieses Märchen alles hinein interpretieren. Nicht umsonst hieß schon 1972 der Defa-Film nur noch "Sechse kommen durch die Welt" - die ganze war es nicht mehr. "Heute kann man dieses Politische natürlich nicht mehr machen", findet Robert Klatt. Aber man könne immer noch erzählen, wie sich ein betrogener Soldat Kumpels holt und mit diesen erstreitet, was Recht ist. "Wenn man in der Gruppe alle Fähigkeiten nutzt, da ist man mehr, als einer alleine", beschreibt Klatt die Grundaussage des Märchens. "Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Einzelteile", fällt dem Regisseur das bekannte Zitat ein.
Ausstatter Heiko Mönnich hat sich die große Drehbühne ausgewählt, um darauf die Welt, die durchwandert werden will, entstehen zu lassen. Freilich mit ganz wenigen Mitteln. Große Ausstattungsschlachten sind nicht die Sache des Regieteams. "Ich möchte mich nicht in die Konkurrenz zum Kino begeben. Es ist uns wichtig, zu zeigen, dass auf der Bühne ein schöpferischer Akt stattfindet", erklärt Robert Klatt, und Heiko Mönnich ergänzt: "Die Zuschauer und vor allem Kinder können viel besser abstrahieren, als man vermutet. Es muss nicht immer alles realistisch sein, wenn denn eine schlüssige Welt entsteht."
Für die Märcheninszenierung besteht die Welt aus Latten und Stoffen, einem Wall - mehr braucht es nicht, um ein Dorf zu bauen. Das indes wird wenig märchenhaft sein. "Man darf nicht vergessen, dass das Märchen nach einem Krieg spielt", sagt Klatt. Düster indes wird die Inszenierung keineswegs, dafür sind dann die Abenteuer und die Wettbewerbe, die die Männer bestehen müssen, doch zu spannend und bieten vor allem dem kleinen Publikum Gelegenheit, nach allen Regeln der Zuschauerkunst mitzufiebern. Und letztlich gibt es ja auch noch eine Prinzessin, die sich am Ende für ihr langweiliges altes Leben oder einen neuen Freundeskreis entscheiden muss.
03.11.2009, 13:36 | tags:
Spielzeit
, Schauspiel
, Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
, Pressestimmen
148
Raus aus der Vergangenheit
André Bücker vollbringt am Anhaltischen Theater in Dessau einen auf ganzer Linie überzeugenden Neustart als Nachfolger von Johannes Felsenstein
Eine Putzfrau, ausgerechnet eine Putzfrau ist es, die zur Augenzeugin der Verschwörung wird: Im verwüsteten Plenarsaal, wo Luftballons zwischen umgeworfenen Stühlen liegen, blickt sie schweigend auf den abgesetzten Herrscher und seine First Lady herab. Und während sich die Anhänger des Gewesenen spätestens in diesem Augenblick auf radikale Ablehnung einigen, sehen all jene, die auf das Kommende gehofft haben: Hier findet tatsächlich ein Akt der Reinigung statt, ein Kehraus jener Tradition, die auf dem Anhaltischen Theater zuletzt bleischwer lastete.
Nichts weniger hatte André Bücker für seine erste Dessauer Spielzeit angekündigt, nichts weniger hat sein Team mit dem ersten Premierenwochenende gehalten: Der Premieren-Hattrick aus Einar Schleefs „Abschlussfeier“, Richard Wagners „Lohengrin“ und Gotthold Ephraim Lessings „Nathan der Weise“ war eine politische und poetische Ansage, die in ihrer programmatischen Geschlossenheit wie in ihren ästhetischen Differenzen zu schönsten Hoffnungen für die Zukunft berechtigte. Dass sich der neue Generalintendant dabei in nobler Zurückhaltung übte und seine eigene Inszenierung an den Schluss des großen Theater-Festes stellte, durfte nach den Tagen des Patriarchen Johannes Felsenstein als Bekenntnis zum demokratischen Miteinander verstanden werden.
Die Fallhöhe seines „Nathan“ aber ist gleichwohl himmlisch: Rechas Vision, die einen Engel statt des Tempelherrn für ihre Rettung aus dem Feuer verantwortlich macht, wird als Prolog auf der großen Showtreppe zwischen Erde und Wasser, Feuer und Luft sichtbar beglaubigt. Im elementaren Bühnenbild von Suse Tobisch, die auch für die sakrale Haute Couture der Kostüme verantwortlich zeichnet, liest das neue Ensemble fortan einen alten Text, als wäre er ein Stück von heute. Uwe Fischers Nathan ist kein statuarischer Weiser, sondern ein von Kleinmut und Zweifeln getriebener Mensch, der sich seine Güte mühsam erarbeiten muss – und eigentlich lieber sein Gärtchen bestellen würde. Doch seitdem der selbstbewusste, kraftstrotzende Tempelherr (Sebastian Müller-Stahl) seine traumverlorene Adoptivtochter Recha (Ines Schiller) aus den Flammen getragen hat, bleibt ihm weder Zeit für seinen skurrilen Derwisch-Freund (Thorsten Köhler) noch für die Glaubensnöte seiner Dienerin Daja (Eva-Marianne Berger), die unter der Last ihrer Kruzifixe zusammenzubrechen droht und vom vielen Beten schon Pflaster an den Knien hat. Zwischen dem bigotten Patriarchen (Gerald Fiedler) und dem leichtsinnig toleranten Kampfsportler Saladin (Stephan Korves) muss der Jude sein höchstes Gut verteidigen – und gleichzeitig die Begehrlichkeiten von Sittah (Antje Weber) abwehren. Wie gut, dass wenigstens der Klosterbruder (Henning Kober) als Deus ex machina hält, was sein mit Heiligenbildchen bestickter Kittel verspricht …
André Bücker glückt es auf überraschende Weise, den Humor des Lessing-Textes als Geschmacksverstärker für die Bitterkeit freizulegen, er schlägt in der überwältigenden Körperlichkeit seines Ensembles einen gleichermaßen natürlichen wie hohen Ton an – und läuft am Ende in einhellige Begeisterung, nachdem sich am Vorabend ein Sturm aus Buh- und Bravo-Rufen über seine neue Chefregisseurin ergossen hatte. Dabei war auch Andrea Moses mit ihrem „Lohengrin“ ein großer Wurf gelungen: Sie hatte nicht nur den schimmernden Helden als Demagogen entzaubert, der mit seinem Frageverbot einen esoterischen Faschismus etabliert. Sie hatte zugleich den Hochbunker aus dem Jahr 1938 in all seinen gigantischen Möglichkeiten ausgeschöpft – und mit dem Haus auch die Menschen bewegt.
Denn dies war die frappierendste Neuerung ihres Abends, der in Christian Wiehles Ausstattung Schnürboden und Versenkung, Hinter- und Seitenbühne beansprucht: Ihre individuelle und präzise Figurenführung löste endlich jene musiktheatralische Qualität ein, die in den letzten Jahren vor Ort meist zur bloßen Behauptung verkommen war. Der Chor, verstärkt um Mitglieder des Extrachores und des freien Coruso-Ensembles, zeigte sich unter der Leitung von Helmut Sonne sängerisch wie darstellerisch in der Form seines Lebens, die Anhaltische Philharmonie spielte unter Antony Hermus gar weit über ihren bisherigen Möglichkeiten. Wie hier die Szene aus dem Klang geschöpft und in den Ton zurückgeführt wurde – das hatte Charme und Kraft, das war eine Verführung zum Denken und ein Bekenntnis zum „Bayreuth des Nordens“.
Dass sich neben den verlässlichen Konstanten Ulf Paulsen (Telramund) und Iordanka Derilova (Ortrud) ein neues Sängerensemble behauptete, von dem man sich künftig viel erwarten darf, rundete den positiven Eindruck: Pavel Shmulevich ist ein viriler König Heinrich, neben dem auch sein Heerrufer Wiard Witholt glänzende Figur macht. Und während Bettine Kampp als zunächst narkotisiertes Opfer Elsa allmählich zur selbstbewussten Frau reift, die als Einzige dem militanten Sog der New-Age-Gemeinde entrinnt, muss Andrew Sritheran in seinem Rollendebüt als Lohengrin zwar Lehrgeld zahlen. Er rettet sich – von Antony Hermus treulich geführt – aber mit Bravour über den Abend und wird an dieser Rolle gewiss weiter wachsen. Dass das gesamte Ensemble am Ende zudem wie ein Mann applaudierend hinter seiner Regisseurin stand, die drei Tage nach ihrem Dessauer Einstand mit der Berufung an die Staatsoper Stuttgart bereits die nächste Karriere-Stufe nahm, war ein Beweis für den neuen Geist, der auf dieser großen Bühne weht – und der Andrea Moses auch darin bestärkt, ihren Dessauer Vertrag bis 2011 zu erfüllen.
Dass Armin Petras schließlich ein besonderes Geschenk zum Einstand mitbringen würde, hatte man angesichts seiner Affinität zum Werk von Einar Schleef vermuten dürfen. Und tatsächlich geriet die „Abschlussfeier“, die vom Clash der Kulturen in einer DDR-Jugendherberge erzählt, zu einem Schauspielerfest voll überdrehter, traurig grundierter Heiterkeit: Ursula Werner und Hilke Altefrohne, Julischka Eichel und Sabine Weibel gaben als Gorki-Gäste hier das Niveau vor, zu dem sich auch die Ensemblemitglieder Regula Steiner-Tomic und Christel Ortmann sowie der Jugendklub des Anhaltischen Theaters streckten. Aus der kleinen Spielstätte wuchs und öffnete sich dieser so kluge wie sentimentale Abend in die Stadt hinein. Und am Ende der großen Party in einem kleinen Land konnte man wissen, dass dort vielleicht nicht alles schlecht – aber ganz gewiss gar nichts gut war.
Dass bereits in der ersten „Lohengrin“-Pause das neue Gästebuch mit dem Eintrag „André Bücker absetzen“ eröffnet worden war, erzählte viel über die Aufnahmebereitschaft der Alten für das Neue. Das letzte Wort aber hatte der Hausherr selbst: Nachdem ein Kinderchor die drakonische Strafe für Menschlichkeit zunächst noch mit „Hallelujah“ bejubelt hatte, schwebte am Ende eine bunte Leuchtschrift über der Szene: Ein roter Halbmond bildete das „C“, ein Davidsstern das „X“ und ein Kreuz das „T“ in dieser Aufforderung, die sich insgesamt als „Coexist“ lesen ließ. Und Nathan, dieser Mensch von Hier und Heute, pflanzte endlich seinen Baum. Was für ein Bild, welch ein Versprechen!
29.10.2009, 16:57 | tags:
Schauspiel
138
Pressemitteilung vom 29.10.2009
Anhaltisches Theater zeigt deutschen Schauspielklassiker „Nathan der Weise“
Am 31. Oktober zeigt das Anhaltische Theater „Nathan der Weise“ – Schauspiel von Gotthold Ephraim Lessing, inszeniert von Generalintendant André Bücker bereits um 17 Uhr im Großen Haus. Erzählt wird eine große Geschichte um Liebe, Macht, Glaube, Geld und den „wahren“ Glauben. Obschon 230 Jahre alt, hat der Text nicht an Aktualität und Brisanz verloren. Die Inszenierung wurde zur Premiere vom Publikum mit viel Applaus gefeiert.
Im Anschluss an die Vorstellung haben die Zuschauer die Möglichkeit, in der Veranstaltung NACHGEFRAGT mit dem Regisseur und den Ensemble-Mitgliedern ins Gespräch zu kommen.
27.10.2009, 11:55 | tags:
Spielzeit
, Schauspiel
, Pressestimmen
132
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 27.10.2009
Menschen erklären, was die Puppen sagen wollten
Der Regisseur Nino Sandow bringt auf der Puppenbühne «Der zerbrochne Krug» zur Premiere
Das ist so ein Tag, an dem man am liebsten im Bett bliebe: Verschrammt und verkatert quält sich der klumpfüßige Dorfrichter aus den Federn, nur langsam gewinnt die Erinnerung an seine nächtliche Niederlage Gestalt. Dass der Schreiber Licht ausgerechnet heute so verdächtig fröhlich ist, obwohl - oder gerade weil? - er eine spontane Visite des Gerichtsrats Walter anzukündigen hat, verschlimmbessert Adams Laune zusätzlich. Und vor der Tür sammeln sich schon Kläger und Beklagte, die seinen Richterspruch über einen zerbrochenen Krug erwarten .
Heinrich von Kleists Geschichte eines Sündenfalls lebt als Lustspiel ganz in und aus der Sprache: Wie sich hier alle Beteiligten um Kopf und Kragen reden, wie Lügen wuchern und Missverständnisse ins Kraut schießen - das ist Weltliteratur. Wenn man sich diesem funkelnden Text nun aber nicht allein mit Darstellern aus Fleisch und Blut, sondern auch mit Puppen nähert, dann muss man dafür gute Gründe haben - zumal der Dichter mit seinem Aufsatz "Über das Marionettentheater" einen der grundlegenden Essays über die Kunst-Figuren hinterlassen hat. Dass Nino Sandow diesen Text vor seiner Inszenierung "Der zerbrochne Krug" am Dessauer Puppentheater kannte, ahnt man am Schluss des Abends. Denn dort will er seinem Publikum den braven Ruprecht als Bären aufbinden - also als jenes Tier, das den Fechter Kleist durch seine instinktiven Paraden zum Wahnsinn treibt.
Aber dies bleibt dem unvorbereiteten Besucher so rätselhaft wie viele der Einfälle, mit denen der Regisseur seine ästhetisch ambitionierte Arbeit garniert. Zwar ist der Bühnenraum nach Entwürfen von Eberhard Keienburg mit seiner optischen Verzerrung und seinem Fensterkreuz-Schatten ein Geniestreich, weil er die Figuren zu Überlebensgröße steigert. Zwar wirkt der Tiger-Lillies-Look der Darsteller als geglückter Verweis auf große Vorbilder - die Geschichte aber wird bestenfalls in Ansätzen erzählt. Und daran ist nicht allein die knappe Spieldauer von 80 Minuten Schuld, die zudem noch mit stummen Momenten von fragwürdiger Bedeutsamkeit gestreckt wird.
Dass sich die Mägde Liese und Marthe in einen obszönen Knecht namens Hanfried verwandelt haben, dient der Wahrheitsfindung so wenig wie der überdrehte Auftritt des Gerichtsrats, auch der seltsame Beobachter hinter dem Fenster oder der Aufmarsch eines gackernden Federviehs stiftet keine Erkenntnis. Dass diese Regie-Attitüden zudem jene Passagen überstrahlen, in denen sich Adam seine Notlügen zurechtlegt und den Prozess mit Drohungen und Schmeicheleien beeinflusst, bleibt ein Problem. Man muss sich schon sehr konzentrieren, um dem Kriminalfall folgen zu können. Und das scheint auch dem Ensemble so zu gehen.
Helmut Parthier ist hinter der Puppe des Dorfrichters sichtlich sicherer als in seiner demaskierten Erscheinung als Gerichtsrat, den er paradoxerweise von Ivana Sajevic übernehmen muss, weil diese zum Finale in ihre Zweitrolle als Eve schlüpft. Pascal Martinoli macht als Licht wie als Ruprecht eine gute, wenngleich ein wenig harmlose Figur, während er als Bärenhäuter mit der Tücke des Kostüms zu kämpfen hat.
Und nachdem Uta Krieg als Marthe Rull zu Höchstform aufgelaufen ist, als sie die absurde Geschichte des Kruges in aller Ausführlichkeit dargeboten hat, wird Susanne Hessel als Frau Brigitte zur Überraschung des Abends: Denn dass der Deus ex Machina im Reich der Puppen von Christian Werdin als ein Mensch erscheint, der wiederum auf kuriose Weise verpuppt ist, scheint die klügste Pointe der Inszenierung. Am Ende aber müssen die Menschen erklären, was die Figuren eigentlich sagen wollten. So war das von Kleist gewiss nicht gedacht.
24.10.2009, 11:00 | tags:
Spielzeit
, Schauspiel
, Pressestimmen
126
Thomas Altmann, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 24.10.2009
Hass, Ohnmacht und eine beklemmende Normalität
Im Alten Theater hat am Mittwoch das Stück «Der Kick» Premiere
Marinus Schöberl, 16 Jahre, kennt seine Mörder und trinkt Bier mit ihnen, bevor er gedemütigt und geschlagen wird, bevor ihm Sebastian Fink, 17 Jahre, ins Gesicht uriniert. "Ich bin ein Jude", soll Marinus sagen, sagt es, wird zum Schweinestall getrieben, muss in den Futtertrog beißen. Marcel Schönfeld, 17 Jahre, kennt den Film "American History X", kennt den "Bordsteinkick", springt Marinus ins Genick. Weil das Opfer noch röchelt, schlägt Marcel, getrieben durch den Bruder Marco, 23 Jahre, mit einem Stein zu. Es dauert, bis man Marinus findet, verscharrt in einer Jauchengrube.
Übernahme aus dem Harz
Zwei Jahre nach dem Mord ging der Dokumentarfilmer Andres Veiel nach Potzlow, um die Menschen hinter den Schlagzeilen zu sprechen. Ein Buch, ein Film und ein mit der Dramaturgin Gesine Schmidt erarbeitetes Theaterstück liegen mittlerweile vor. "Der Kick" hatte am Mittwoch Premiere im Alten Theater. Gezeigt wird eine Übernahme der Inszenierung von Axel Sichrovsky für das Nordharzer Städtebundtheater. Dort wurde das Stück nach dem rechtsextremistischen Überfall auf Mitglieder des Ensembles angesetzt.
Halberstadt liegt am Rand des Harzes, Potzlow in der Uckermark, die Gewalt eskaliert mitten in der Gesellschaft. Das sagt die Bühne (Norgard Kröger) schon in der Gruppierung der Stühle. Mittendrin werden sie vernetzt, die hilflosen Notizen über ein verarmtes Leben, einen Berg Alltag, über verlorene Söhne, enttäuschte Hoffnungen und die Protokolle der Verdrängung, der Brutalität. Wie ungefragt antworten in traurig rudimentärer Sprache die Mütter des Opfers und der Täter, Freunde und Bekannte. Wenn ein Bürgermeister vom Taubenzüchterverein redet, muss man sich daran erinnern, dass hier kein zynischer Autor provinzielle Verdrängungsmechanismen karikiert, sondern Originalton aufgezeichnet wurde.
Die Verhöre berichten im Dunkeln von der Tat. Der Täter läuft in das projizierte Vorbild des Films. "Ebenso hätte einer von unseren Jungs das Opfer sein können", sagt die Mutter der Täter.
Zwei Darsteller spielen die vielen Rollen. Was steht hinter diesem, vom Autor vorgezeichneten Minimalismus? Die Absicht einer Entpersonalisierung, die Scheu, Typen vorzuführen, die Vernetzung aller Beteiligten? Sichrovskys Inszenierung aber verzichtet auf eine streng protokollarische Form, auf die Distanz der Abstraktion und ordnet das Textgeflecht zu Milieustudien und Charakterskizzen, die sich in Mimik, Stimmlage, Kleider- und Perückentausch äußern. Gasbetonsteine markieren Positionen, lauter Sockel ohne Helden, lauter schweigende Kläger, lauter Tatwaffen.
Platz für eigene Ängste
Susanne Hessel und Sebastian Müller-Stahl unterbrechen den Text, berichten von eigenen Erfahrungen und Ängsten, zeichnen beeindruckende Skizzen. Nur wenige Figuren, etwa die des Bürgermeisters, werden zur vorgeführten Karikatur. Gerade die Eltern der Täter, die auf dem Sofa zur Diaschau das verstrichene Familienglück beschwören, liefern die beklemmende Normalität hinter der Brutalität.
Ob die Gewalt zugenommen habe oder deren Grenzenlosigkeit, welcher Druck auf den Jugendlichen laste, ob man hinter den Mördern auch die Menschen sehen solle, wenn sich Opfer- und Täter-Biografien so nahe seien, wurde im Gespräch danach gefragt. "Der Kick" liefert keine Urteile, sondern eine Chronik, die das Urteil des Zuschauers fordert, auch wenn die erste Antwort Schweigen ist.
22.10.2009, 07:33 | tags:
Schauspiel
, Schauspiel/Musiktheater
, Musiktheater
, Pressestimmen
119
Joachim Lange, Dresdner Neueste Nachrichten, 20.10.2009
Lohengrin, übernehmen Sie!
Das Anhaltische Theater wagt mit einer Schleef Uraufführung und einem Wagner Klassiker den Neustart.
Das Anhaltische Theater in Dessau gehört zu jenen Häusern, für die aktuelle Spielzeitauftakt zugleich ein Neustart ist. André Bücker ist der neue Intendant, Andrea Moses die neue Chefregisseurin, Antony Hermus der neue GMD der Anhaltischen Philharmonie. Johannes Felsenstein hat dieses Haus als Intendant fast zwei Jahrzehnte durch alle Nachwendegefährdungen sicher geführt und als Regisseur bewusst neben dem Mainstream der ästhetischen Aufbrüche geprägt. Er gehört wohl zu den letzten Opern-Patriarchen dieser Art. Dass man in Dessau tatsächlich die Kraft zu einem ästhetischen Neuanfang hat, der auf dem Ererbten aufbaut, belegte jetzt vor allem der neue „Lohengrin“, der am Samstag in einem mit Buhs gewürzten Publikumsjubel endete.
Als Auftakt gab es am Tag zuvor die Uraufführung eines Textes von Einar Schleef. Armin Petras, der Intendant des Maxim Gorki Theaters in Berlin, der nebenbei als Regisseur und (Pseudonym-)Autor Fritz Kater längst ein ausgewiesener Bühnenverarbeiter der jüngsten deutsch-deutschen Geschichte ist, hat in einer Koproduktion mit seinem Haus, jetzt die dramatisierte Version von Schleefs „Abschlussfeier“ ins frisch hergerichtete neue Alte Theater inszeniert. Da wird 1978 in Kühlungsborn das Ende eines Aufenthalts von französischen Jugendlichen in der DDR gefeiert.
Eigentlich geht es aber um den ernüchternden Blick auf sich selbst, den die Besucher bei den (nicht so ganz freiwillig) Daheimbleibenden provozieren. Da monologisieren die Heimleiterin, ihre viel jüngere Stellvertreterin und zwei Küchenkräfte über das Leben. Mit seiner Wärme, die beim notgedrungenen Zusammenrücken oder beim pragmatischen Umgang mit dem Unvollkommenen entstand. Und mit der Kälte, die aus dem Misstrauen erwuchs. Auch wenn das in der Rückschau vielleicht ein paar Mal zu oft und direkt beim seinem Stasi-Namen genannt wird, das Prinzip stimmt schon, nach dem was man heute so weiß.
Den Heimleiterinnen- und Stellvertreterinnen monolog und das Küchenfrauengeplänkel gibt es in der intimen Studio Bühne. Den unbeaufsichtig, enthüllenden Nach-Fete-Kater, inklusive heimlichem Westfernsehgucken im auf Jugendclub der Endziebziger getrimmten Foyer.
Und eine Abschiedsgaudi vor dem Theater mit etwas Ostseesand und einem Barkas draußen, mitten in der Dessauer Abendwirklichkeit von heute. Das ist nun auch durch Petras‘ raumgreifende und aufmotzende Inszenierung noch keine Tiefenanalyse der DDR, aber doch ein Blick auf einen Alltagsausschnitt, der vor allem durch die wunderbare Ursula Werner als Heimleiterin für sich einnimmt. Wie sie ihr Selbstbild vom zufriedenen Leben in der Andeutung von Gesten bricht, den Zweifel nicht zulässt, sich fügt, ohne sich aufzugeben, die Sympathie auf sich zieht – das ist ein Kabinettstück großer Schauspielkunst, das allein diesen Abend lohnt. Und doch spielt sie als Chefin weder ihre beiden herrlich weggedrückten Küchenhilfen (Christel Ortmann und Regual Steiner-Tomic), noch ihre nölig ehrgeizige Stellvertreterin Hilke Altefrohne oder die beiden Mädels Gisela (Julischka Eichel) und Gerda (Sabine Waibel) an die Wand. Da wird die Reise in die Internationale Jugendherberge zu einem herzerwärmenden Besuch einer hinreißend, jungen alten Dame.
Mit dem Lohengrin dann knüpfte das große Haus an die Dessauer Wagnertradition an (wovon Gottfried Wagners Vorgänger-Lohengrin, kurz nach der Wende, eher eine seitliche Eventarabeske war). Überm Bühnenportal prangt jetzt mit „Menschen gestalten – Zukunft bewegen“ eine „human coaching“ Losung, die einem im Laufe des Abends immer klarer und unheimlicher wird.
Andrea Moses und ihr Ausstatter Christian Wiehle haben Wagners Schwanenritteroper zwar das historisch Märchenhafte verweigert, aber nicht das geheimnisvoll Spannende eines Kampfes um die Macht und auch die Frage, ob die Freiheit Brabants an der ungarischen Grenze verteidigt werden muss. Am Ende marschieren denn auch alle im Gleichschritt unter wehenden Fahnen im wahrsten Wortsinn rückwärts in den Krieg und nur Elsa entkommt dem triumphierenden Wahnsinn über den Zuschauerraum.
Hatten Katharina Wagner in Budapest in ihrem Wende – Lohengrin den 89er Bruch verarbeitet und Florian Lutz, in Gera-Altenburg, die Nachwende-Zeit im Osten Deutschlands thematisiert, so verlängert Moses dieses Lohengrin-Potential sozusagen in die drohende Zukunft einer durchmanipulierten, von nicht legitimierten Mächten gelenkten Gesellschaft. Ohne auf eine allzu direkte politische Metaphorik auszuweichen. „Du bist Brabant“ überm Traualtar und ein eher ironisches „Vertrauen in Deutschland“ über dem Brautgemach-Bungalow auf der ebenso ironischen Wolke Sieben reichen.
Es beginnt in einem Auditorium mit modernen, noch ziemlich individuellen, Zeitung lesenden, strickenden oder miteinander redenden Brabantern. Bei denen verlassen sich der König und sein Heerrufer nicht auf bedingungslose Gefolgschaft oder strategische Argumente. Sie haben einen Plan und der heißt Lohengrin. Der Superheld, der Strahlemann mit Charisma, der hochgepuschte Messias. Er wird installiert mit einem medialen Brimborium von Obamascher Perfektion, mit Schwanen-Auftritts-Video, Schaukampf und einer ganzen Truppe von ideologischen Hostessen, samt neuer Bibel mit aggressivem Schwanenlogo in der Geschenktüte.
Der Heerrufer ist hier dafür verantwortlich, dass Elsa, die sich diesmal tatsächlich so seltsam bewegt, wie sie redet, nicht aus der Rolle fällt. Als Telramund sie in aller Öffentlichkeit auffordert, das Frageverbot zu brechen, reicht ihr der Heerrufer schon mal sein Minidisplay mit dem Text zu. Bis eben auch sie im Brautgemacht nicht mehr „funktioniert“. Hier lässt Telramund schließlich auch Lohengrin auffliegen. Er hat einen Mitschnitt, auf dem man sieht, wie dieser Charismatiker für seinen „Auftrag Brabant“ abkassiert. Zusammen mit der ausgefeilten Personenführung ist das eine Enthüllungsstory mit Thriller-Qualitäten.
Schließlich ist es der gescheiterte Lohengrin, der den Strippenziehern eine Telefonnummer zusteckt, über die sie den Ersatz-Jungen (noch ziemlich „unfertig“ und mit Maske) aus dem Schnürboden einschweben lassen können. Da für diese Pointe das Wissen Lohengrins über Gottfrieds Verbleib Voraussetzung ist, gibt es auch die selten zu hörende zweite Strophe der Gralserzählung. Für die hat der junge neuseeländische Tenor Andrew Sritheran genügend Kraft. Die kleinen Angestrengtheiten lagen zum Glück vor dem „In fernem Land…“
Auch sonst bietet Dessau ein Ensemble von Sängerdarstellern auf, das sich hören und sehen lassen kann. So sind Iordanka Derilova und Ulf Paulsen, als Ortrud und Telramund, fulminant; Bettine Kampp eine so wunderbar klare wie neben sich stehende Elsa; Pavel Shmulevich als Heinrich ein stimmnobler, moderner Manager der Macht und der junge Heerrufer Wiard Witholt ein seiner Rolle als Coach Elsas in jeder Hinsicht gewachsener Strippenzieher! Die Spielfreude des aufgestockten Chores war allenthalben spürbar.
Nicht zuletzt überzeugte auch die Anhaltische Philharmonie. Obwohl das beim Vorspiel noch nicht so klar war, etliche Patzer dazwischenfunkten und Antony Hermus aus dem Hochzeits- einen Geschwindmarsch machte, der (vielleicht ja bewusst) mehr einer Parodie dieses Ohrwurms glich. Doch im Ganzen fand das Orchester überzeugend zu seinen Qualitäten, lieferte im dramatischen Auftrumpfen der Massenszenen das martialisch Enthüllende ebenso mit, wie dann doch noch die betörenden Gralsklänge. Damit ist Dessau ein spannender und lohnender Neustart gelungen.
Übrigens liegt das Anhaltische Theater zum Glück ja nicht in fernem Land…..
Nächste Vorstellungen: 22.11.; 27.12. 2009
www.anhaltisches-theater.de
19.10.2009, 10:57 | tags:
Spielzeit
, Schauspiel
117
Pressemitteilung vom 19.10.2009
Premiere Schauspiel
„Der Kick“
Dokumentarisches Schauspiel von Andres Veiel und Gesine Schmidt
Eine weitere Premiere im Schauspiel findet am 21. Oktober um 19:00 Uhr im Studio des Alten Theaters statt. „Der Kick“ beschreibt einen authentischen Fall aus dem Jahr 2002: Nach stundenlanger Folter erschlagen Marcel Schönfeld, 17, sein Bruder Marco, 23, und ein weiterer Jugendlicher im brandenburgischen Dorf Potzlow den 17-jährigen Marinus Schöberl auf bestialische Weise. Sechs Monate bleibt die Leiche verschwunden. Ein Dorf schweigt, versucht die Tat zu verdrängen und zu vergessen.
„Der Kick“ versucht, die Ursachen des Gewaltexzesses zu erforschen und das Unglaubliche der Vorgänge aus dem Jahr 2002 fassbar zu machen. Die Autoren Andres Veiel und Gesine Schmidt lassen 18 real existierende Personen (Täter, Angehörige, Nachbarn und Beamte) zu Wort kommen und montieren die Texte aus Protokollen, Interviews und Trauerreden zu einem der beklemmendsten Entwürfe der Gegenwartsdramatik. Sie vermitteln einen erschreckenden Einblick in den Tathergang und darüber hinaus in die sozialen Verhältnisse der Beteiligten.
Zu dieser Aufführung werden theaterpädagogische Begleitprogramme wie Einführungen und Nachgespräche angeboten.
In der Inszenierung von Axel Sichrovsky spielen Susanne Hessel und Sebastian Müller-Stahl.
Für die Premiere und die nächsten Vorstellungen gibt es noch Restkarten.
16.10.2009, 07:48 | tags:
Spielzeit
, Schauspiel
116
Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Rosslau, 15.10.2009
Männlichkeit reißt die Mauer ein
Premiere: «Helden wie wir» nach dem Roman von Thomas Brussig
Im Schauspiel des Anhaltischen Theaters steht die nächste Premiere an: Im Alten Theater wird am Freitagabend um 19.30 Uhr erstmals "Helden wie wir" nach dem Roman von Thomas Brussig gezeigt.
Sebastian Müller-Stahl, der erst vor wenigen Tagen im Nathan als junger Tempelherr sein bejubeltes Dessau-Debüt gab, spielt in Helden wie wir Klaus Uhltzscht. Der ist ein junger durchschnittlicher DDR-Bürger, doch ein echtes Vollblut im Kampf gegen den Klassenfeind. Nur zu seinem wahren Glück fehlt ihm ein kleines Stück. Sein vermeintlich wichtigstes Körperteil scheint zu klein geraten. Doch kurz vor dem Ende der DDR lässt ein Unfall, was bislang für zu klein gehalten in gigantische Dimensionen wachsen. Und Klaus Uhltzscht wird endlich etwas wirklich Großes gelingen. Denn was ganz zu Unrecht dem Volk der DDR zugerechnet, ist einzig sein Verdienst. Klaus allein wird den Antikapitalistischen Schutzwall im Jahre 89 zum Einsturz bringen. Und dies einzig durch die Pracht und Kraft seiner monströsen Männlichkeit.
Thomas Brussigs Roman wurde schnell ein Bestseller, von der Kritik als "heiß ersehnter Wenderoman" begrüßt und bietet in der Bühnenfassung einen unterhaltsamen Abend. Neben Müller-Stahl spielen in der Inszenierung von Axel Sichrovsky Nils Fichtner und Benjamin Schultz.
Restkarten für die Premiere und weitere Vorstellungen gibt es an der Theaterkasse unter 0340 / 2 40 02 58.
15.10.2009, 14:32 | tags:
Spielzeit
, Schauspiel
112
Pressemitteilung vom 15.10.2009
Nathan der Weise
Schauspiel von Gotthold Ephraim Lessing
Die zur Premiere vom Publikum begeistert aufgenommene Inszenierung „Nathan der Weise“ von Gotthold Ephraim Lessing, in der Regie von André Bücker, steht am 24. Oktober, um 19:30 Uhr wieder auf dem Spielplan des Anhaltischen Theaters Dessau.
Es geht um die Macht und den „wahren“ Glauben, und für den Juden Nathan, trotz Reichtum und Weisheit, um nicht weniger als ums Überleben, um sein eigenes und das seiner Tochter Recha. Sultan Saladin will Nathans Geld, ein christlicher Tempelherr liebt verzweifelt seine Tochter, der Patriarch will seinen Kopf und der weise Jude glaubt weiterhin daran, dass alle miteinander leben können, so unterschiedlich sie auch sind. Das ist der Stoff, aus dem eine große Geschichte um Liebe, Macht, Glaube und Geld gemacht ist und der Lessings Stoff so spannend und gegenwärtig macht.
Den Zuschauer erwarten spannende dreieinhalb Theater-Stunden mit spielfreudigen Schauspielern in einem großartigen Bühnenbild (Bühne und Kostüme: Suse Tobisch).
Nächste Vorstellungen: 24.10.09, 19:30 Uhr | 31.10.09, 17 Uhr | 19.11.09, 16 Uhr
14.10.2009, 12:19 | tags:
Spielzeit
, Schauspiel
109
Pressemitteilung vom 14.10.2009
Premiere Schauspiel
„Helden wie wir“
Nach dem Roman von Thomas Brussig in einer Fassung von Axel Sichrovsky
Klaus ist jung, ein durchschnittlicher DDR-Bürger, doch ein echtes Vollblut im Kampf gegen den Klassenfeind. Nur zu seinem wahren Glück, fehlt ihm ein kleines Stück. Sein vermeintlich wichtigstes Körperteil scheint zu klein geraten. Doch kurz vor dem Ende der DDR lässt ein Unfall, was bislang für zu klein gehalten in gigantische Dimensionen wachsen. Und Klaus Uhltzscht wird endlich etwas wirklich Großes gelingen. Denn was ganz zu Unrecht dem Volk der DDR zugerechnet, ist einzig sein Verdienst. Klaus allein wird den Antikapitalistischen Schutzwall [sprich: Mauer] im Jahre 89 zum Einsturz bringen. Und dies einzig durch die Pracht und Kraft seiner monströsen Männlichkeit.
Thomas Brussigs Roman wurde schnell ein Bestseller, von der Kritik als „heiß ersehnter Wenderoman“ begrüßt und bietet in der Bühnenfassung einen höchst unterhaltsamen Abend.
Bei der Premiere am Freitag, den 16. Oktober um 19:30 Uhr auf der Studiobühne im Alten Theater spielen Nils Fichtner, Sebastian Müller-Stahl und Benjamin Schultz in einer Inszenierung von Axel Sichrovsky. Für die Premiere und die nächsten Vorstellungen gibt es noch Restkarten.
Nächste Vorstellungen: 17.10.09, 19:30 Uhr | 5.11.09, 19:30 Uhr | 8.11.09, 18 Uhr
Karten:
Theaterkasse Rathaus-Center
Tel: 0340 2400 258 Montag bis Freitag 9:30 – 20 Uhr
Theaterkasse
Nur Telefonisch 0340 2511 – 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
07.10.2009, 09:23 | tags:
Spielzeit
, Schauspiel
, Schauspiel/Musiktheater
, Musiktheater
, das neue Team
102
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 07.10.2009
Wechsel nach Stuttgart und Treue zu Dessau
Regisseurin zählt ab 2011 zu Jossi Wielers Team
Am vergangenen Wochenende hat die Dessauer Chefregisseurin Andrea Moses mit ihrer Inszenierung von Richard Wagners "Lohengrin" noch für einen ebenso umstrittenen wie umjubelten Einstand am Anhaltischen Theater gesorgt, am Dienstag nun wurde sie bereits vom designierten Stuttgarter Opern-Intendanten Jossi Wieler als seine neue Hausregisseurin ab der Spielzeit 2011/12 vorgestellt. Der international renommierte Regisseur Wieler lobte Andrea Moses nicht zuletzt für ihr Dessauer Debüt als "Persönlichkeit, die unsere Vorstellungen von Musiktheater teilt und uns dabei helfen wird, sie umzusetzen."
Für die 1972 in Dresden geborene Moses, die nach großen Erfolgen im Schauspiel erst vor drei Jahren mit "Salome" im Musiktheater debütierte und schon zwei Jahre später für den deutschen Theaterpreis "Faust" nominiert wurde, ist der Wechsel nach Stuttgart der Schritt auf internationales Parkett. Immerhin war die Staatsoper bereits sechsmal "Opernhaus des Jahres", das Erfolgskonzept des früheren Intendanten Klaus Zehelein will Jossi Wieler nun in die Zukunft verlängern. Mit einer handverlesenen Schar von Künstlern soll hier wieder ein Ensemble-Theater aufgebaut werden, das seine Urform in der Komischen Oper von Walter Felsenstein hatte.
Ihren Zwei-Jahres-Vertrag mit dem Anhaltischen Theater will Andrea Moses aber nicht nur erfüllen, sie versprach am Dienstag auch, dem Haus über diese Zeit hinaus verbunden zu bleiben. "Ich liebe die Arbeit und die Menschen an diesem Theater", sagte sie. "Und ich werde vollenden, was wir gerade begonnen haben." Für die kommende Saison habe sie daher alle Gastverpflichtungen abgesagt, in der aktuellen Spielzeit hingegen werde sie noch den "Don Giovanni" in Bremen und die Uraufführung von Marton Illes‘ "Die weiße Fürstin" bei der Münchner Musik-Biennale inszenieren. In Dessau will Andrea Moses ihre erste Saison mit einem Schauspielprojekt im Stadtpark beschließen, das die Stücke "Der Park" von Botho Strauss sowie "Peter Squenz" von Andreas Gryphius verbindet und für den 8. Juli 2010 angekündigt ist.
07.10.2009, 08:59 | tags:
Spielzeit
, Schauspiel
101
Hans-Dieter Schütt, Neues Deutschland, 05.10.2009
Sand, Tand
Einar Schleefs Erzählung »Abschlussfeier« von 1978 besteht aus Monologen; Armin Petras, Intendant am Maxim Gorki Theater Berlin, bearbeitete sie für die Bühne, Uraufführung nun am »Alten Theater«, dem kleinen Haus des Anhaltischen Theaters Dessau.
An der Ostsee, in einer internationalen Jugendherberge, findet eine Abschlussfeier statt: Jedes Jahr kommen junge Franzosen in die DDR. Chefin, Stellvertreterin, Küchenfrau, Reinemachfrau sowie Gerda und Gisela, zwei Helferinnen: ein Kaleidoskop der Alltagstechniken zwischen Versorgungsproblemen, Berichten an FDJ und Stasi, Anpassung und bescheidenen Frechheiten. Petras weiß, dass aus der Erzählung keine wirkliche Dramatik werden kann. Er treibt die beinahe dokumentarische Tonlage der Schleef-Monologe über Strecken ins Schrille. Er tut es im Verbund mit starken Schauspielerinnen. Drei Spielorte (Bühne: Annette Riedel), drei Szenen.
Ganz oben im 3. Stock das winzige Büro der Chefin, van Goghs Sonnenblumen an der Wand, Marx-Spieluhr auf dem Tisch, französische Marianne-Plastik auf dem Regal, das erhobene Gewehr der Revolutionärin ist ein prima Brieföffner. Ursula Werner: bestechend als verhemmte, aber mehr und mehr ins aufgedrehte Selbstreferat hochfahrende Herbergsmutter. Mit allen politischen Wassern gewaschen. Ihr Monolog: Trompetenstöße der Staatstreue, umlegt gleichsam mit Trommelwirbeln, die Mut machen für den Slalom zwischen fleckfreier Repräsentation nach außen und ermüdender Übermalung innerer Konflikte. Eine zähe sozialistische Fassadenmalerin, die sich im Berufsoptimismus aufreibt, um Reibungen nicht zu offenbaren – die Werner zeigt geradezu rührend, wie diese Reibungen das Gemüt zerledern.
Hilke Altefrohne als gelockte, hosenstraffe Stellvertreterin: missmutig jung, die Zähne zermalmen den Kaugummi, meinen aber dies Leben als Funktionärin, mit Zuträgerdiensten, Postkontrolle überm Wasserdampf und motorischer Gleichgültigkeit. Christel Ortmann und Regula Steiner-Tomic als Küchenfrau und Reinemachefrau hocken in der stieren Unfreude ihres kleinen Daseins, als seien sie nur eine andere Existenzform jener zwei riesigen Topfpflanzen, die sie hereinschleppen.
Im Erdgeschoss dann der Party-Raum, hier fand sie statt, die Tanz- und Saufschlacht der Jugendlichen. Aber quer durch den Raum das sture Losungsband: »Es lebe die deutsch-französische Freundschaft!« Die Regie wagt in dieser Szene nach der Abschlussfeier – und zwar bis zur Strapaze – die Stimmungsschau, eine um sich selbst kreisende Besoffenheit am Grenzübergang zum Kater. Julischka Eichel und Sabine Waibel als Gisela und Gerda: Tanz im Scherbenhaufen, zwischen Luftballons, Büffetresten, Holger-Biege-Sound, Westfernsehen (Sissy und ein schwedischer Pornofilm) sowie einem letzten Bewusstlosigkeitsversuch: dem Cocktail aus allen zusammengekippten Fuselflaschen. Das hat gehörige Abstoßkraft, stößt uns freilich zugleich ins Kreatürliche, Unmittelbare von Lebensinteressen, die mit schlichten Erfüllungsständen, nicht mit hehren Ideen zu tun haben.
Dann wandern wir hinaus, die Franzosen zu verabschieden. Vorm Theater gleichsam der Strand mit einem kleinen Zelt. Dessauer Jugendliche füllen den Ort. Am Ende steht Ursula Werners Chefin allein in diesem Geviert, eine verzweifelt tapfere Patriotin der Tristesse, die immer sein wird. Wie sagte diese lohende, geradezu lüstern lenkende, leitende Frau? »Es ist außenpolitische Werbung, dieser Aufgabe bin ich mir voll bewusst, zu zeigen, wie schön das Leben in der DDR ist.« Diese Schönheit ist: sie sich einreden inmitten von Enge, Züchtigung, unerfüllter Sehnsucht.
Schleefs erzählerische Stärke: die Klaglosigkeit und Aushaltezähigkeit der Porträtierten, sich das lebenslange Grau für Momente eines wie immer gearteten Rausches wegzusaufen, wegzuknutschen, wegzufantasieren. Diese Menschen da nehmen sich das Leben, wie es nie kommt – außer wenn Westbesucher eintreffen. »In Zeiten des Verrats sind die Landschaften schön« (Heiner Müller): der Einbruch der Franzosen als Gleichnis, die andere Welt ist möglich, es reichen Chanel No. 5, ein paar Klamotten – ein bisschenTand: Frieden im Klassenkampf gegen unterdrückte Wünsche. »Was unterscheidet uns von Franzosen«, fragt eines der Mädchen ermattet, »wieso bin ich nichts.« Totenklage ins eigene Leben hinein.
Die Franzosen stieben jetzt davon, wie Jugend allgemein: eine kleine bunte Flucht zwischen den Neubauten hier. Die Szene hat etwas Unwirkliches, als schwirrten Traumfetzen durch die anbrechende Nacht. Ein Mädchen in Weiß trägt ein Honecker-Foto, eine andere haut Tennisbälle in Richtung Zuschauer, ein Buch landet in einer Wasserlache, ein Mädchen in Grün spielt den sehr verfrühten Vamp, ein Videofilmer wirft die szenischen Partikel auf die gegenüberliegende Hauswand, eine Frau schiebt ihr Fahrrad hinten vorbei, das aber ist nicht Theater, das ist ein magischer Punkt Realität, und es liegt die Vermutung nahe, diese Frau ist Besuch aus jener grauen Zone, wie sie blieb trotz bunter gewordenem Deutschland.
Eine Theaterstück-Skizze. Plädoyer für den sogenannten einfachen Lebensentwurf, der sich durch komplizierte Verhältnisse beißen muss. Im Verschleiß das Dasein bejahen – du gehst leutefreundlicher nach Hause.
Nächste Vorstellung: 23.11. Premiere am Gorki-Theater: 14.11.
07.10.2009, 07:28 | tags:
Spielzeit
, Schauspiel
, Schauspiel/Musiktheater
, Musiktheater
100
Pressemitteilung vom 06.10.2009
Andrea Moses wechselt ab 2011/ 2012 als Hausregisseurin an die Staatsoper Stuttgart
Andrea Moses, Chefregisseurin für Musiktheater und Schauspiel am Anhaltischen Theater in Dessau, wird im Herbst 2011 an die mehrfach als Opernhaus des Jahres ausgezeichnete Staatsoper Stuttgart als Hausregisseurin wechseln.
Andrea Moses bleibt über ihren bis 2011 andauernden Vertrag auch weiterhin dem Anhaltischen Theater Dessau als Gast verbunden. Letzten Samstag feierte ihre Inszenierung „Lohengrin“ (Musikalische Leitung GMD Antony Hermus) erfolgreich Premiere und erhielt deutschlandweit starke Presseresonanz.
07.10.2009, 07:27 | tags:
Spielzeit
, Schauspiel
, Anhaltische Philharmonie
99
Pressemitteilung vom 06.10.2009
„Gesänge aus 1001 deutschen Nacht“ im Alten Theater
Das Anhaltische Theater Dessau lädt zur Premiere II der „Gesänge aus 1001 deutschen Nacht“ am 8. Oktober, um 19:30 Uhr ins Alte Theater ein. Hier heißt es: Willkommen in der Anstalt! Der Bus ist angekommen und die illustren Fahrgäste erwarten jetzt ihr Publikum im Foyer des Alten Theaters, um einen Tag aus ihrem Leben im „Tollhaus Deutschland“ zu besingen.
Das Ensemble „Gesänge aus Tausend und Einer deutschen Nacht“ startete seine musikalische Odyssee unter Dessaus „freien Himmeln“. In einem alten B 1000 Bus wurden seit dem 2. Oktober in Dessau und Umgebung bekannte, wie außergewöhnliche Orte angesteuert und gesungen, was die deutsche Seele hergibt.
Jetzt präsentiert eine Inszenierung aus dem Tollhaus fünf sangeswütige Spieler, eine kleine Combo und ein atemberaubendes Stück Deutschland.
Regie: Krzystof Minkowski | Musikalische Leitung: Benjamin Schultz | Ausstattung: Konrad Schaller
Karten gibt es an der Theaterkasse und unter den Telefonnummern: 0340 2511 – 333 oder 0340 2400 – 258.
06.10.2009, 09:01 | tags:
Spielzeit
, Schauspiel
, Schauspiel/Musiktheater
97
Andreas Montag, Mitteldeutsche Zeitung, 06.10.2009
In Lessings großem Märchen besiegt Toleranz den Hass
Der neue Generalintendant André Bücker inszeniert den deutschen Schauspiel-Klassiker «Nathan der Weise»
An diesem Stück kommt keiner vorbei: Ist Johann Wolfgang von Goethes "Faust" das Herz- und Denkstück der Deutschen, so besetzt Gotthold Ephraim Lessings dramatisches Gedicht "Nathan der Weise" die Position der moralischen Instanz. Der große Aufruf zur Toleranz ist ein Solitär. Aus diesem Grunde hat man das Werk gleich nach dem letzten großen Krieg als erste Premiere im zerstörten Berlin und an vielen anderen Häusern gezeigt.
Viel Applaus und Bravo-Rufe
Nun hat André Bücker, der neue Generalintendant des Anhaltischen Theaters Dessau, sein erfolgreiches Eröffnungswochenende just mit dem "Nathan" abgeschlossen. Reichlich dreieinhalb Stunden dauert das Spiel, bei einer Pause. Viel Holz in Zeiten, da der Schauspiel-Trend eher in Richtung knackiger Kürze zu weisen scheint.
Doch Bücker, der diese Inszenierung selbst besorgt hat, wollte wohl dem großen Text die Ehre erweisen und zugleich seinem grundlegend erneuerten Ensemble und den Abonnementen die Gelegenheit geben, sich gegenseitig kennenzulernen. Das Ergebnis fiel mehr als zufriedenstellend aus, für beide Seiten: Im Saal wurde begeistert applaudiert, am Ende schallten sogar Bravo-Rufe. Und die Künstler waren froh, für ihre Arbeit derart freundlich belohnt zu werden.
So soll es, idealerweise, sein an einem Stadttheater, das seinen Bürgern verpflichtet ist - Anregung und Provokation selbstverständlich inklusive. "Wie es euch gefällt" wäre als übergreifendes Motto zu wenig, um sich dem Publikum als unverzichtbar zu empfehlen.
Von etwaiger Beliebigkeit kann bei Bückers "Nathan" auch gar nicht die Rede sein. Behutsame Bezüge zur Gegenwart im Nahen Osten werden durch Videoeinspielungen hergestellt, Aktualisierung um jeden Preis hingegen findet nicht statt. Lessings Ton ist das Maß, das den Akteuren ihre Rollen auf der symbolträchtigen Baustelle (Ausstattung; Suse Tobisch) zuweist, ohne sie von ihrer Verantwortung des Gestaltens zu entbinden. Unübersehbar das Bemühen der Regie, Pathos und historisierende Bilder in Grenzen zu halten, ganz kann dies angesichts des Stoffes und seiner Wirkungsgeschichte freilich nicht gelingen - es sei denn, man wollte Lessing komplett gegen den edelmütigen Strich bürsten.
Das wollte Bücker nicht, seinem Publikum wäre es mutmaßlich auch nicht recht gewesen. So gibt es in Jerusalem, wo die Handlung ja angesiedelt ist, einen herzensgebildeten reichen Juden namens Nathan (Uwe Fischer) zu sehen, der seiner angenommenen Tochter Recha (betont mädchenhaft: Ines Schiller) ein rührend besorgter, gütiger Vater ist. Sultan Saladin (Stephan Korves) zeigt den machtbewussten, auch unberechenbaren und eitlen, im Grunde aber gütigen
muslimischen Herrscher.
Gleichwertigkeit des Glaubens
Vielleicht lenkt er ein bisschen zu schnell ein, nachdem Nathan ihm die berühmte Ringparabel erzählt hat - die zentrale Geschichte von den drei ununterscheidbaren Kleinoden, die für die Gleichwertigkeit des christlichen, islamischen und jüdischen Glaubens stehen.
Beste, indes auch etwas selbstgewisse Figur macht Sebastian Müller-Stahl als junger Tempelherr, der Recha aus dem Feuer gerettet hat und sich schließlich als ihr Bruder und Neffe Saladins entpuppen wird. Müller-Stahl zeigt jugendliche Kraft und Trotz, auch Ironie blitzt auf. Lob gilt dem übrigen Ensemble; schön der Regieeinfall, den pompösen christlichen Patriarchen (Gerald Fiedler) als bösen, kleinen Mann aus einem Kleiderpanzer steigen zu lassen.
Auch die glitzernde Showtreppe im Bühnenhintergrund, auf der die Machtfrage im Sinne der Aufklärung entschieden wird und der Kinderchor (Leitung: Dorislava Kuntscheva) einmal Platz nehmen darf, passt gut in dieses große Märchen vom Sieg der Vernunft.
Allein, weshalb das eingangs brennende Haus des Juden Nathan noch über dieser Treppe stehen muss und dort auch bleiben soll, ist so ungewiss wie die schrille Travestie des Derwischs (Thorsten Köhler), der Nathans Freund und Saladins Geldbeschaffer ist. Gleichwohl hat der Dessauer Abend die Kraft, seine Botschaft über die Zeit zu tragen. Und darum ist es ja gegangen.
Nächste Vorstellung: Sonntag, 17 Uhr, Großes Haus
05.10.2009, 15:41 | tags:
Spielzeit
, Schauspiel
, Schauspiel/Musiktheater
, Musiktheater
, Anhaltische Philharmonie
91
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau, 04.10.2009
Publikum fiebert mit und ist begeistert
Spielzeit-Auftakt am Anhaltischen Theater kommt gut an - Prominente Besucher loben neues Team
Nur ein paar Takte reichten aus und Klemens Koschigs Ängste waren am Samstagabend verflogen. Noch am Abend zuvor war der Oberbürgermeister unsicher ob des Ausgangs der Opernpremiere von "Lohengrin". "Ich habe Angst", gestand er da. 24 Stunden später, nach viereinhalb Stunden Wagner am Anhaltischen Theater, war Koschig jedoch überzeugt: "Genau für solch ein Theater haben wir André Bücker nach Dessau geholt. Es gibt so viele jüngere Leute im Publikum, das haben wir uns gewünscht".
Beginn mit Abschlussfeier
Erstmals bestätigt sah sich das Stadtoberhaupt schon am Freitagabend im Alten Theater. Dort begann das Eröffnungswochenende unter der neuen Intendanz von André Bücker mit der Premiere von "Abschlussfeier" in der Regie von Armin Petras. Petras, Intendant des Berliner Maxim-Gorki-Theaters, schickte sein Publikum durch das ganze Haus und schließlich vor die Tür. Nach einer bejubelten Premiere blieben viele gern, denn das bislang so kühl wirkende Foyer des Alten Theaters hatte sich durch das Bühnenbild in einen Partykeller verwandelt, der sich perfekt für eine Premierenfeier mit Live-Musik und Tanz eignete.
Im Restaurant sprach derweil die lokale Prominenz über das Gesehene. Mit der "Abschlussfeier" habe er ein Stück erlebt, dass nicht besser zum Tag der Deutschen Einheit hätte passen können, sagte Klemens Koschig. Er wertete die Inszenierung vor allem angesichts der Verklärung von Erinnerungen als besonders wichtig. "Es ist gut, dass es solche Stücke gibt, die uns immer wieder vorführen, wie es in der DDR war." Autor Einar Schleef, der mit seiner Erzählung die Vorlage für die Theaterfassung der Dessauer Uraufführung lieferte, war ein Meister im Schildern des ostdeutschen Alltags. Dass sich dies adäquat auf der Bühne widerspiegelte, fanden auch Gäste aus Sangerhausen. Mit zehn Leuten war der Schleef-Arbeitskreis aus der Geburtsstadt des Autors angereist. "Die Fahrt hat sich gelohnt. Es war ein toller Abend", freute sich Dieter Wrobbel vom Arbeitskreis, der zugleich auch einen Bekannten in Dessau wiedertraf: André Bücker inszenierte beim "Schleef-Block I" 2004 in Sangerhausen den Schleef-Abend "Kein schöner Land", und auch Petras kam damals mit einer Produktion in die Rosenstadt. "Eigentlich schließt sich hier heute in Dessau ein Kreis", befand Wrobbel
Eine Zuschauerin der "Abschlussfeier" konnte am Freitag nicht ganz so gelassen in die Premierenfeier gehen, denn ihre eigene fand erst am Abend darauf statt. Andrea Moses, Regisseurin des "Lohengrin", verabschiedete sich bald und sammelte Kraft für ihr Dessau-Debüt.
18 Uhr sah man sie am Sonnabend ganz außen in Reihe 5 im Parkett sitzen. Angespannt, mitfiebernd, lachend und begeistert von Solisten, Chören und Orchester, blieb für die Regisseurin nun nicht mehr viel zu tun. Zwei Pausen gab es während der Oper, danach eine bis in die Morgenstunden dauernde Premierenfeier, Zeit also für Diskussionen über die Lesart der Regisseurin, Zeit für erste negative und positive Einträge in das neue Gästebuch des Hauses. Bevor gefeiert wurde, galt das Wort des Generalintendanten jedoch allen Mitwirkenden. André Bücker dankte im Rangfoyer nicht nur den Solisten und Chören, er hob auch alle Gewerke und die Technik des Hauses hervor. "Aus einem Stab kommt kein Klang." Mehr musste Dirigent Antony Hermus als Wertschätzung für Orchester und Ensemble nicht sagen.
Auffallend viele auswärtige Besucher waren am Sonnabend nach Dessau gekommen. Theaterleute, die den Dessauer Neustart miterleben wollten. So auch Ulrich Katzer, Betriebsdirektor der halleschen Oper und Orchester GmbH, der alle drei Eröffnungspremieren sah. "Ich bin neidisch", war sein Kommentar nach der Opern-Premiere. "Dessau kann stolz sein auf seine neue Mannschaft."
Christoph Werner, Intendant des "Neuen Theaters" in Halle und gebürtiger Dessauer, hat neben den Besuchen bei seinen Eltern nun noch einen weiteren Grund ausgemacht, wieder öfter nach Dessau zu kommen. "Das war ein Großstadttheaterabend, wie man ihn auch in Dresden erleben kann. Als Dessauer bin ich stolz, dass man solches Theater jetzt auch in meiner Heimatstadt sehen kann", sagte er. Werner, der in Halle die Nachfolge von Peter Sodann antrat, weiß um die Probleme und Ängste, die mit einem Wechsel der Intendanz verbunden sind. "In Gesprächen und beim Publikum habe ich gemerkt, wie verfelsensteint noch manches ist. Die jetzigen Premieren sind eine klare Ansage. Ich wünsche dem neuen Team viel Kraft und komme jetzt öfter."
Zurück an den früheren Wirkungsort kehrte auch Clemens Birnbaum. Der ehemalige Weill-Fest-Intendant verantwortet nun in Halle die Händel-Festspiele. "Lohengrin war ein großartiger Saisonauftakt und eine phantastische musikalische Leistung", lobte er vor allem die Arbeit von Generalmusikdirektor Antony Hermus. Und in der Inszenierung von Andreas Moses habe er sich "keine Minute gelangweilt".
Gäste kommen wieder
Ein besonders kritisches Auge auf den Opernabend warfen mehr als 40 Besucher aus Bremen, die nach Dessau gereist waren. Nicht zum ersten Mal kamen Mitglieder des Bremer Richard-Wagner-Verbandes in die Muldestadt. "Der erste Eindruck war gewöhnungsbedürftig, aber wenn man sich erst einmal gewöhnt hatte, dann war es toll", resümierte Hannelore Pöpper. Die Bremer werden Dessaus Theater weiter besuchen, versicherte sie.
"Wir kommen wieder", befand auch ein anderer prominenter Premierengast: Bernd Junkers, der nur Stunden zuvor eine Ju 52 auf den Namen "Dessau" getauft hatte, will fortan öfter die Strecke München-Dessau fahren, um hier ins Theater zu gehen.
04.10.2009, 10:21 | tags:
Spielzeit
, Schauspiel
88
Hartmut Krug, nachtkritik, 02.10.2009
Abschlußfeier – Armin Petras entfaltet eine Erzählung Einar Schleefs in Dessau zum DDR-Panorama
Eine Art Ost-Botho-Strauß
Das Büro ist winzig: nur Tisch und Stuhl, davor eine Batterie von Lautsprechern. Von der Wand strahlen van Goghs Sonnenblumen und auf einem Wandbrett lässt eine revolutionäre Tischfigur die französische Fahne leuchten. Die Chefin der internationalen Jugendherberge in Kühlungsborn klemmt sich hinter ihren Schreibtisch, nutzt das jubelnd hochgereckte Gewehr der Figur als Brieföffner und resümiert über ihr Leben und ihre Arbeit. Dabei befreit sich Ursula Werner aus verdruckster Verlegenheit in scheinbar fröhliche Zufriedenheit.
Wie die Schauspielerin den nüchtern-lakonischen Text dieser Frau durchspielt und durchdenkt, wie sie dessen Untergründe und Brüche ausstellt, wie sie aufblüht ins leuchtende Lächeln, das besitzt gleichermassen Unterhaltungswert wie Wahrhaftigkeit. Kontrolle und Staatssicherheit sind Alltag – diese Frau weiß, dass sie kontrolliert wird und kontrolliert selbst. "Ich weiß doch, was los ist."
Menschen, die ausgeträumt haben
Und so redet sie über Versorgungsprobleme und Kommissionen aus Berlin, über eine ehrgeizige junge Stellvertreterin, über die Küche als Schmuckstück und ideologische Waffe und über die anstehende Abschlussfeier für die französischen Gäste, die hier einen, von der Gesellschaft für Deutsch-Französische Freundschaft veranstalteten Deutschkurs besucht haben.
Einar Schleefs kleine, nur 25 Taschenbuchseiten umfassende Erzählung "Abschlussfeier" ist eine Folge von Monologen einer Chefin und ihrer Mitarbeiterinnen, die in Erinnerungen, Reflexionen und Beschreibungen einen Alltag lebendig werden lassen, der von allgemeiner Kontrolle, von Illusionslosigkeit und Pragmatismus, aber auch von kleinen Sehnsüchten bestimmt ist. Wie Schleef ein kleines Gesellschaftspanorama entwirft, von Menschen, die ausgeträumt haben, die sich eingerichtet haben und doch weiter träumen, das besitzt bestürzende Präzision.
"Abschlussfeier" ist mindestens die dritte Erzählung Schleefs, die Armin Petras (nach "Zigarren" und "Die Bande") auf die Bühne bringt. Während bei Schleef die Erzählungen der Chefin und ihrer Mitarbeiterinnen (die Dolmetscherinnen fehlen bei Petras) beiläufig und still daher kommen, beläßt Petras das Monologische zwar weitgehend, doch treibt er die Berichte in bunt ausschweifende Theatralik und überbetonte Komik. Es wird anspielungsreiche englische und ostdeutsche Rockmusik gespielt, es werden Briefe überm Wasserkocher geöffnet, die kittelbeschürzten Küchenfrauen ergänzen sich in ihren Berichten, als seien sie eine Person, und zur Abschlussfeier wird das Büro vollgestellt mit Grünpflanzen und Tischbannern, während von einer Spieluhr die Internationale erklingt.
Kader und Passanten
Vor allem aber muss das Publikum wandern. Zunächst vom kleinen Studio unterm Dach des neu eröffneten und renovierten "Alten Theater" ins Parterre, wo in einem wilden Partykeller (Bühne: Annette Riedel) die Reste der von Saufen und Ficken bestimmten Abschlussfeier weggeräumt werden müssen. Hier motzt Petras Schleefs Figuren-Charakterisierungen mit vielen bunten Einfällen auf. Julischka Eichel und Sabine Waibel als junge Putzfrauen versuchen, statt der Olsenbande im DDR-Fernsehen das schwedische Programm und mit dem Westprogramm einen Sissi-Film herein zu bekommen und nachzuspielen, und sie dürfen sich nach massivem Bowle-Brüderschaftstrinken sexuell-existentiell miteinander austauschen.
Das sind Szenen mit den von Petras-Inszenierungen gewohnten Spielereien, teils einfallsreich und schauspielerisch herrlich, teils albern langatmig. Schauspielerisch überzeugt der Abend völlig. Hilke Altefrohne spielt die Stellvertreterin als Gegenmodell zur muttihaften Chefin Ursula Werners: im Hosenanzug und mit mißmutiger Fleppe, Kaugummi kauend und so selbstverständlich wie unzufrieden über ihre Staatssicherheits-Kontakte sprechend. Nach Alkoholgenuss, während ein Ostsong "Gib nicht auf" tönt, bricht sie sogar ins tobende "ich halt's nicht mehr aus."
Christel Ortmann und Regula Steiner-Tomic spielen ihre Küchen- und Reinmachefrauen mit wunderbar redseliger Maulfaulheit hinein in eine totale Erschöpfungshaltung. Der Abend endet vor dem Theater auf offener Sandfläche rund um ein kleines Zelt, umrahmt von besetzten Parkbänken, und junge Komparsen arrangieren sich zu einem bunten Gesellschaftspanorama, als sei es eine Art Ost-Botho-Strauß.
Unaufdringlich bestürzende Schilderung
Ein Mädchen mit Krone läuft umher, ein anderes spielt Tennis, ein lesender Junge tritt in ein Wasserloch, und ein Kameramann filmt und wirft seine Bilder auf eine Hauswand. Wenn allerdings eine "wirkliche" alte Frau ihr Fahrrad durch die Bedeutung spielende Menge schiebt, treffen sich Theater und Realität, – und die sinnliche Realität der neugierigen, "echten" Passantin gewinnt. Schliesslich stellen sich zwei Jungen ans Mikro, erzählen von ihren Erlebnissen bei der Abschlussfeier, und die Chefin hat das letzte Wort. Nachdem alle jungen Leute in einen Barkas gestiegen und erst abgefahren und bald darauf wieder zurück gekommen sind, ziehen sie die Herbergs-Mitarbeiter in einer langen Polonaise mit – nur die Chefin bleibt verwirrt und unentschieden sehnsüchtig zurück.
Schleefs unaufdringlich bestürzende Schilderung einer illusionslos träumenden Gesellschaft peppt Petras mit seinen wunderbaren Schauspielern und mit vielen schönen, aber auch mit einigen allzu äußerlich wirkungssüchtigen Einfällen zu einem unterhaltsam-bunten Abend auf: eben zum schnellen Petras-Theater. Das, weil es eine Koproduktion mit dem Berliner Maxim Gorki Theater ist, bald auch in Berlin zu sehen sein wird.
Die Abschlussfeier (UA)
nach einer Erzählung von Einar Schleef
für die Bühne bearbeitet von Armin Petras
Regie: Armin Petras, Bühne: Annette Riedel, Kostüme: Karoline Bierner, Video: Niklas Ritter, Dramaturgie: Carmen Wolfram. Mit: Ursula Werner, Christel Ortmann, Regula Steiner-Tomic, Hilke Altefrohne, Julischka Eichel, Sabine Waibel, Dirk Meinhardt, Max Georg Nowak
www.anhaltisches-theater.de
03.10.2009, 08:45 | tags:
Spielzeit
, Schauspiel
86
Helmut Rohm, Zerbster Volksstimme, 01.10.2009
Armin Petras inszeniert Einar Schleefs „Abschlussfeier“ am Anhaltischen Theater Dessau
Das vielgestaltige Kämpfen in und mit der Gesellschaft „Einar Schleefs Werke sind riesig, urgewaltig, von großer Tiefe und Genauigkeit“, schwärmt Armin Petras. Der Intendant des Berliner Maxim- Gorki-Theaters inszeniert als Gast am Anhaltischen Theater Dessau die Uraufführung des Schauspiels „Abschlussfeier“ von Einar Schleef (1944-2001). Morgen ist Premiere. Von Helmut RohmDessau-Roßlau.
Ja klar, es sei schon kein alltäglicher Vorgang, dass ein Intendant eines großen Berliner Theaters in einem „Provinztheater“ inszeniere, hebt Armin Petras (Jahrgang 1964) bei aller Bescheidenheit dennoch hervor. Er sehe dies auch als eine Art „Ostsolidarität“, wobei aber das gemeinsame Wirken im Vordergrund stehe. Dass er gerade in Dessau arbeitet, „ist eine durchaus lustige Geschichte“. Vor vier oder fünf Jahren war Armin Petras zu einer Diskussionsrunde mit Intendanten nach Dresden eingeladen – ohne selbst schon Intendant zu sein. Dort traf er aber André Bücker. „Er war Intendant des Nordharzer Städtebundtheaters. Und ich hatte vorher schon als Spielleiter am Südharzer Städtebundtheater gearbeitet“, erinnert sich Petras. Das gab Stoff für ein „flottes erstes Gespräch“. Dabei stellte sich ebenfalls heraus, dass „wir beide Schleef mögen, geradezu Schleef-Fans sind“.
Als André Bücker Generalintendant in Dessau wurde, habe er natürlich gratuliert. Und wurde gleich gefragt, ob er in Dessau nicht mal was machen möchte. „Da konnte und wollte ich natürlich nicht nein sagen“, erklärt Armin Petras seine nunmehrige Regietätigkeit.
Für ihn selbst sei die Arbeit in Dessau ebenfalls eine gute Erfahrung.
Schleefs 1978 erschienene Erzählung „Abschlussfeier“, für die Petras bei dieser Koproduktion von Berliner und Dessauer Bühne eine Theaterfassung erarbeitet hat, spielt Ende der 70er Jahre im Ostseebad Kühlungsborn. Es geht um die Abschlussfeier eines Kurses für deutsche Sprache der „Gesellschaft für Deutsch-Französische Freundschaft“ in der Internationalen Jugendherberge „Katja Niederkirchner“. Zur Sprache und zum Handeln kommen die unterschiedlichen Befindlichkeiten der dortigen Mitarbeiter in einer Atmosphäre von Misstrauen, Neid und Hoffnungslosigkeit.
Eine DDR-Thematik 20 Jahren nach der friedlichen Revolution?
„Ohne Verständnis der Vergangenheit können wir gar nicht leben, können wir uns
selbst nicht verstehen“, erklärt Armin Petras die Grundüberlegung. „Die Geschichte hat uns geprägt, egal, ob wir das selbst erlebt haben oder unsere Eltern.“ Armin Petras sieht sein Theaterverständnis in solchen Fragen wie: Wo steht der Mensch? Was will er? Wie verhalten sich Menschen? Einar Schleef hat sich in seinem Stück mit solchen Fragen auseinandergesetzt. „Er beschreibt niemals Gefühle, eigentlich immer nur die vielgestaltigen Kämpfe der handelnden Personen in und mit der Gesellschaft“, charakterisiert Armin Petras. Dieses „Kämpfen“ sei ungemein dramatisch. Das reize ihn als Regisseur sehr.
Dass Gefühle, Gedanken, Empfindungen, größtmögliche Emotionen bei den Zuschauern entstehen, sei sein und der Wunsch des Ensembles. Armin Petras hofft, dass das Stück einfach sehr viele Zuschauer berührt, im besten Fall begeistert. Auch gut, wenn es einige abstößt oder verstört. Wenn sich allerdings ein Zuschauer langweilt, wäre alle Arbeit umsonst
gewesen.
In drei verschiedenen Bühnenräumen werden die Zuschauer im und vor dem Kulturzentrum Altes Theater das Geschehen verfolgen. Ungewöhnlich in dieser Form, meint der Regisseur. Sie ermögliche aber eine allmähliche Vergrößerung
der Darstellung, Entwicklung vom Kleinen zum Großen und vor allem den Schritt vom Privaten ins Öffentliche. Das Stück werde so zu einem „öffentlichen Vorgang“. Auch das gehört zu Armin Petras‘ Auffassung von Theater.
02.10.2009, 07:16 | tags:
Spielzeit
, Schauspiel
85
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau, 02.10.2009
Eskalation in der Jugendherberge
Freitag hat im Alten Theater das Stück «Abschlussfeier» von Schleef Premiere
Sand vor dem Alten Theater, junge Leute toben darin und ein Mann mit Kamera filmt. Das Theater kommt auf die Straße. Ganz unmittelbar konnten die Dessauer dieser Tage erleben, wie eine Probe abläuft: Für die Inszenierung "Abschlussfeier", die mit der Premiere die erste neue Produktion des Anhaltischen Theaters in dieser Spielzeit ist, hat sich Regisseur Armin Petras nicht nur mit der Bühne zufrieden gegeben. In seiner Theaterfassung einer Erzählung von Einar Schleef bespielt er das ganze Haus und auch den Platz davor.
Was dort der Sand zu suchen hat, liegt auf der Hand: "Abschlussfeier" spielt in den 70er Jahren im Ostseebad Kühlungsborn. Hier, in der Internationalen Jugendherberge "Käthe Niederkirchner", findet die Abschlussfeier des alljährlich stattfindenden Kurses für deutsche Sprache der "Gesellschaft für Deutsch-Französische Freundschaft" statt. Im Heim herrscht eine Atmosphäre von Misstrauen, Neid und Hoffnungslosigkeit. Sie entlädt sich alljährlich in den Ausschweifungen und Entgrenzungen der Abschlussfeier.
"Das ewige Lügen, das So-tun-als-ob ... Überall werden uns nur Viertelwahrheiten gesagt ... Wir sollen so viel wissen, um einen Beruf ausüben zu können, um uns ausbeuten zu lassen", so beschrieb der 18-jährige Schüler Einar Schleef in seinem Tagebuch, was ihn am tiefsten verletzte in einem Staat, der sich auf Karl Marx berief. In der Erzählung "Abschlussfeier" hat er seiner Verzweiflung literarisch Ausdruck verliehen.
Die Inszenierung von "Abschlussfeier" am Anhaltischen Theater ist eine Koproduktion mit dem Maxim Gorki Theater Berlin. Mit dessen Intendant Armin Petras kommt ein Regisseur nach Dessau, der sich wie kein anderer mit den Stücken und Erzählungen von Einar Schleef auseinander gesetzt hat und der sich in all seinen Inszenierungen an Leben und Wirklichkeit im Leben im Osten Deutschlands abarbeitet.
Auf Seiten des Dessauer Ensembles erlebt man in "Abschlussfeier" Christel Ortmann und Regula Steiner-Tomic. Sie spielen neben prominenten Kolleginnen wie Ursula Werner (2009 Deutscher Filmpreis), Hilke Altefrohne (2004 Nachwuchsschauspielerin des Jahres) und Julischka Eichel (2007 Alfred-Kerr-Darstellerpreis und Nachwuchsschauspielerin des Jahres).
Für die zweite Vorstellung am Sonnabend, 19.30 Uhr, im Alten Theater gibt es noch Restkarten.
27.09.2009, 15:18 | tags:
Spielzeit
, Schauspiel
79
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung / Dessau, 23.09.2009
Ein junger und agiler Weiser
Uwe Fischer spielt die Titelrolle in «Nathan der Weise»
Eigentlich ist Uwe Fischer ein Spätzünder, was die Bühnenbretter betrifft. Erst mit 26 Jahren will er Schauspieler werden und mit 30 ist er es dann. "Das ist alles etwas spät", findet er selbst. Derzeit aber, zehn Jahre nach seiner ersten Rolle, fühlt sich Fischer (40) fast wieder zu jung. "Ihr spinnt doch" - das dachte er sich zunächst, als ihm gesagt wurde, er solle die Titelrolle in Lessings "Nathan der Weise" am Anhaltischen Theater spielen. "Denn für den Nathan bin ich wirklich relativ jung." Nun, da die Hauptprobe schon gelaufen ist und die Produktion, mit der André Bücker seinen Einstand als Regisseur am Anhaltischen Theater gibt, und kurz vor der Premiere (4. Oktober) steht, hat sich Fischer längst daran gewöhnt, ein junger Weiser zu sein und gewinnt dieser Tatsache sogar Vorteile ab. "Ich bin auf jeden Fall ein sehr agiler Nathan."
Uwe Fischer gehört zu den Neulingen im Dessauer Schauspielensemble und er genießt den Aufbruch sichtlich. "Bisher war ich immer an Theatern engagiert, an denen sich Intendanten in der Endphase und kurz vor dem Wechsel befanden", erklärt er und nennt das Berliner Ensemble, seine Zeit bei Christoph Schroth oder die letzte Spielzeit bei Tobias Wellemeyer in Magdeburg. "Dass ich jetzt hier in Dessau mal einen Neuanfang mitmachen kann, ist toll. Und dann noch dieses grandiose Haus. Ein Großstadttheater in einer Kleinstadt", sagt der Darsteller, der sich nach einer Ausbildung zum Erzieher sein Rüstzeug für die Bühne an der Berliner Schauspielschule "Ernst Busch" holte.
In Berlin hat Uwe Fischer auch seinen festen Wohnsitz, lebt dort mit seiner Frau, dem 16-jährigen Sohn und der neunjährigen Tochter. In Dessau hat er sich ein Zimmer genommen. Wenn die Züge günstig fahren, dann nutzt er die Zeit in der Bahn auch zum Textlernen. Lessings "Nathan der Weise" hat ihn überrascht. "Es ist ein verzwickter Text, da gibt es Zeilensprünge, es ist, als ob eine Bremse im Text wäre", so Fischer. "Die erste Phase des Textlernens war ganz schön schwierig. Beim lauten Lesen dachte ich immer, da stimmt etwas nicht." Der Schauspieler fühlte sich ein wenig an Einar Schleef erinnert, war sich ganz sicher, das Lessing ein Stotterer gewesen sein muss. War er aber nicht, das Vorbild für den Nathan war es jedoch, so erfuhr er: der in Dessau geborenen Moses Mendelssohn. So schließt sich für Uwe Fischer ein Kreis zwischen Nathan, Lessing, Mendelssohn und Dessau.
Und ganz neu ist die Stadt für ihn auch nicht. Noch als Student stand er hier schon einmal vor Publikum. Allerdings auf kleiner Bühne: in der Marienkirche in Angelica Domröses Inszenierung "Happy End" beim Weill-Fest 1998.
24.09.2009, 19:40 | tags:
Spielzeit
, Schauspiel
78
Pressemitteilung 24.09.2009
Matinee zur Premiere „Nathan der Weise“
Das Regieteam und die Darsteller der Inszenierung „Nathan der Weise“ laden am 27.
September um 10:30 Uhr ein zu einer Matinee ins Foyer des Großen Hauses.
Mit Lessings Schauspiel „Nathan der Weise“, Premiere am 4. Oktober, wird sich
Generalintendant André Bücker erstmals als Regisseur am Anhaltischen Theater
vorstellen. Bücker erzählt eine geradezu märchenhafte Geschichte aus längst
vergangener Zeit und setzt in seiner Inszenierung ganz auf die Kraft der Sprache
Lessings. Eine große Geschichte um Liebe, Macht, Glaube und Geld, die Lessings Stoff
so spannend und gegenwärtig macht.
Zur Matinee werden Einblicke und Ausblicke auf die Produktion gegeben, die kurz vor
der Premiere steht.
Regisseur André Bücker, Dramaturg Holger Kuhla, der „Nathan" Darsteller Uwe Fischer,
die Darstellerin der „Recha“ Ines Schiller und der Darsteller des „Tempelherren“
Sebastian Müller-Stahl freuen sich auf Ihr Kommen!
Informationen / Karten unter 0340 - 2400 333 und 0340 2400 258 sowie
www.anhaltisches-theater.de
24.09.2009, 19:34 | tags:
Spielzeit
, Schauspiel
77
Pressemitteilung 24.09.2009
PROGNOSE 2013
Die etwas andere Wahlparty
Sie hatten die Wahl!... und werden mit dieser Wahl nicht allein gelassen.
Das Schauspiel Ensemble des Anhaltischen Theater Dessau lädt am 27. September um
17 Uhr ins Foyer des Alten Theaters zur etwas anderen Wahlparty ein.
Dazu wurden natürlich die politischen Köpfe unsrer Republik geladen, die Einblicke in die
Programmatik ihrer Parteien geben.
Dr. Angela Merkel für die CDU/ CSU, Dr. Guido Westerwelle für die FDP, Dr. Frank-
Walter Steinmeier für die SPD, Dr. Gregor Gysi für Die Linke, Claudia Roth für Bündnis/
Die Grünen, Ein Vertreter der „Anderen“und als special guest, André Bücker,
Generalintendant des Anhaltischen Theaters Dessau.
Diese Damen und Herren geben zu Protokoll und werden befragt, was sie denn
vorhaben, in und mit der Zukunft der Bundesrepublik. Um 18.00 Uhr wird live in die
Wahlstudios von ARD und ZDF geschalten, um Prognosen und Ergebnisse, die bunte
Zukunft unseres Landes zu sehen und zu diskutieren.
Während und im Anschluss der PROGNOSE 2013 gibt es Musik, die nicht allein die
Republik, sondern auch Ihre Beine in Bewegung bringen wird!
Maria Victoria Linke und Holger Kuhla werden den Abend moderieren.
Der Eintritt ist frei.
23.09.2009, 09:33 | tags:
Spielzeit
, Schauspiel
76
Mitteldeutsche Zeitung / Dessau, 23.09.09
Gesänge der Stadt und Nächte im Park
Deutsche Autoren und deutsche Themen bestimmen die Saison
VON ILKA HILLGER
Der Titel ist eine Ansage und der Spielplan hält sie ein: "radikal deutsch" ist die aktuelle Spielzeit des Anhaltischen Theaters in der Schauspielsparte überschrieben. Deutsche Autoren und deutsche Themen aus Vergangenheit und Gegenwart bestimmen die Saison 2009 / 2010. Wie weit dabei der Rahmen reicht, macht bereits das Premierenwochenende vom 2. bis 4. Oktober deutlich, mit dem das Dessauer Theater die Spielzeit unter neuer Leitung eröffnet.
Eine Odyssee mit dem Bus
Beim Open Air Anfang dieses Monats gab es eine erste Kostprobe jenes Stückes, mit dem die Schauspielsparte beginnt. Vier Schauspieler standen singend auf dem roten Funk-Container und ließen bitterböses von Georg Kreisler hören. Mehr davon gibt es am 2. Oktober im Dessauer Stadtgebiet an bekannten und ungewöhnlichen Orten bei der Premiere von "Gesänge aus Tausend und Einer deutschen Nacht". Regisseur Krzystof Minkowski schickt die Schauspieler an diesem Tag von 12 bis 19 Uhr als singende, musizierende und spielende "Combo" auf eine Odyssee durch die Geschichte Deutschlands und hinein in klingende Geschichten aus Dessau. Sechs Tage später ist der Bus dann angekommen und die "Gesänge" finden fortan als Vorstellung im Alten Theater statt.
Dorthin führt auch die zweite Premiere des 2. Oktobers. Mit der "Abschlussfeier" von Einar Schleef erlebt das Anhaltische Theater in der Regie von Armin Petras eine Uraufführung. Schleef hat in "Die Abschlussfeier" seiner Verzweiflung an gesellschaftlichen Zuständen der DDR Ausdruck verliehen. Die Handlung führt nach Kühlungsborn wo in der Jugendherberge "Käthe Niederkirchner" die Abschlussfeier des Kurses für deutsche Sprache der "Gesellschaft für Deutsch-Französische Freundschaft" geplant ist. Mit Armin Petras, Intendant des Berliner Maxim-Gorki-Theaters, das als Koproduzent fungiert, konnte für die Inszenierung ein Regisseur gewonnen werden, der wie kein anderer ein Gespür dafür hat, deutsche Themen der jüngeren Vergangenheit auf die Bühne zu bringen.
Mit Lessings "Nathan der Weise" am 4. Oktober im Großen Haus endet der Premieren-Eröffnungsreigen der kommenden Woche. Dem Klassiker der Aufklärung hat sich Generalintendant André Bücker angenommen und stellt sich damit erstmals mit einer eigenen großen Inszenierung dem Dessauer Publikum vor.
Brussigs Kult-Buch als Theater
Zurück ins Alte Theater geht es mit der Schauspielsparte am 16. Oktober, wenn Axel Sichrovsky die verrückt-absurde Geschichte "Helden wie wir" nach dem Roman von Thomas Brussig in einem Monolog von Schauspieler Sebastian Müller-Stahl erzählen lässt. Der gibt mit Klaus Uhltzscht jenen Mann, der die Mauer im Jahre 1989 zum Einsturz brachte. Und dies allein durch die Pracht und Kraft seiner monströsen Männlichkeit.
Fünf Tage später, wieder im Alten Theater, inszeniert von Axel Sichrovsky, hat am 21. Oktober "Der Kick", ein Zwei-Personen-Stück Premiere. "Der Kick" geht auf einen Fall 2002 in Brandenburg zurück, als drei Jugendliche einen Kumpel erschlagen. 18 real existierende Personen kommen im Stück zu Wort und montieren die Texte aus Protokollen, Interviews und Trauerreden zu einem der beklemmendsten Entwürfe der Gegenwartsdramatik.
Zum Märchen der Saison wird am 13. November eingeladen: "Sechse kommen durch die Welt" setzte Robert Klatt in Szene. "Kasper Häuser Meer" heißt eine wirkliche Komödie von Felicia Zeller, die David Ortmann am 11. Dezember im Alten Theater zur Premiere bringt.
In das neue Jahr startet die Schauspielsparte am 29. Januar mit einem Trauerspiel. Christian Weise nimmt sich Heinrich von Kleists "Die Familie Schroffenstein" an. Mit Carl Zuckmayer und dessen "Teufels General" gehen die Schauspielpremieren am 26. März weiter. Wolf Bunge inszeniert das Stück, in dem sich die Kernfrage nach der Verstrickung in Schuld, der Macht und Ohnmacht gegenüber einem politischen System noch immer als aktuelle Frage stellt.
Niklas Ritter betreut im Frühjahr ein Projekt, das Schauspieler und Dessauer Bürger über 60 vereint.
"Wanderlust und Reisefreiheit" geht mit seiner Premiere am 7. Mai im Alten Theater dem Phänomen "Wanderlust" auf den Grund. Am Ende soll ein Theaterabend stehen, der die in Interviews und Begegnungen gemachten Erfahrungen mit Texten der literarischen Tradition verknüpft, ein Abend über das Wandern durch Zeiten, Landschaften und Biografien.
Mit "Sommer-Nacht-Traum", einer nächtlichen Reise durch den Stadtpark, findet am 8. Juli die letzte Premiere dieser Spielzeit im Schauspiel statt. Chefregisseurin Andrea Moses verschneidet Botho Strauss' "Der Park" und Andreas Gryphius "Herr Peter Squenz". "Der uralte Zauber der Kunst soll mit betörender Klarheit die Ödnis aus diesem Menschenpark vertreiben." Das ist das Ziel, doch der Sommernachtsrausch entzündet nicht die Herzen wie gedacht.
30.06.2009, 14:16 | tags:
Schauspiel
, Schauspiel/Musiktheater
, Musiktheater
, das neue Team
56
Anhaltisches Theater Dessau:
André Bücker stellt mit Andrea Moses Leitende Regisseurin vor
ANDREA MOSES wird mit der Spielzeit 2009/2010 Leitende Regisseurin für Musiktheater und Schauspiel am Anhaltischen Theater Dessau. Mit ihren Inszenierungen wird die Absolventin der renommierten Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ zum neuen künstlerischen Profil des Schauspiels und des Musiktheaters maßgeblich beitragen.
André Bücker: „Ich bin sehr glücklich darüber, dass ANDREA MOSES der Einladung, dem Anhaltischen Theater Dessau als Chefregisseurin verbunden zu sein, gefolgt ist. Mit inhaltlich genauen Regiearbeiten und ihrer konzeptionellen Mitarbeit in der Theaterleitung wird sie in den kommenden Jahren dem Theater Dessau ein eindeutiges Profil verleihen.“ „ANDREA MOSES“, so André Bücker, „gehört zu den interessantesten jungen Regisseurinnen des deutschsprachigen Raumes. Mit ihren verbindlich-politischen Deutungen, insbesondere den beiden Richard-Strauss-Einaktern Salome und Elektra in Meiningen sowie Giacomo Puccinis Turandot in Weimar, hat sie in bemerkenswerter Weise den historischen Stoff mit den Konflikten der Gegenwart in Bezug setzen können“.
In der Spielzeit 2009/2010 wird MOSES am Anhaltischen Theater die Eröffnungsinszenierung in der Sparte Musiktheater, Richard Wagners „Lohengrin“ sowie die Schauspielproduktion „Sommer-Nacht-Traum“, eine Kombination aus „Der Park“ von Botho Strauß sowie „Herr Peter Squentz“ von Andreas Gryphius inszenieren.
ANDREA MOSES wurde 1972 in Dresden geboren. Sie studierte Germanistik, Geschichte und Theaterwissenschaft an der Karl-Marx-Universität Leipzig und der Humboldt-Universität in Berlin. Von 1993 bis 1996 folgte das Studium der Schauspielregie an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin und ein Gaststudium an der GITIS in Moskau.
Seit 1996 inszenierte sie an den Staatstheatern in Dresden, Cottbus, Stuttgart, Schwerin, den Bühnen in Kiel, Rostock, Altenburg-Gera, Erlangen, beim Kunstprojekt Superumbau in Hoyerswerda und am Maxim-Gorki-Theater Berlin. Mit den Schauspielproduktionen „Demetrius“ nach Puschkin/Schiller/Hebbel mit dem Faust-Ensemble von Peter Stein am Schauspiel Hannover/ Expo 2000 und „Clavigo“ von Goethe am Linnatheater in Tallinn (Estland) gastierte sie auch in Berlin und Stuttgart. Die Deutsche Erstaufführung „Schwarze Milch“ von Wassilij Sigarew am Maxim Gorki Theater Berlin gastierte in Nowosibirsk und Omsk (Russland).
Seit 2004 unterrichtet ANDREA MOSES als Dozentin für Schauspielregie an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin.
Nach der Operette „Der Graf von Luxemburg“ (Franz Lehár) 2005 am Südthüringischen Staatstheater Meiningen debütierte ANDREA MOSES ebenda erfolgreich mit „Salome“ von Richard Strauss im Musiktheater. Opern an der Semperoper Dresden (u.a. „Gadzo - eine Zigeuneroper“ von Johannes Wulff-Woesten) und am Staatstheater Braunschweig („Die Schönheitsfalle“ von Karen Rehnqvist) folgten. Nach Strauss’ „Elektra“ in Meiningen inszenierte sie die Deutsche Erstaufführung von „Zaide-Adama“ (Wolfgang Amadeus Mozart / Chaya Czernowin) am Theater Bremen und gastierte mit dieser Arbeit beim Mozart-Sommer in Mannheim. In der Spielzeit 2008/2009 inszenierte sie Brechts „Mutter“ in Oberhausen, „Turandot“ (Giacomo Puccini) am Nationaltheater Weimar und „The good soldier Schwejk“ (Robert Kurka) an der Oper Halle. Kommende Produktionen führen ANDREA MOSES nach Bremen und zur Biennale nach München.
ANDREA MOSES war für den Faust-Preis des Deutschen Bühnenvereins in der Kategorie „Beste Regie im Musiktheater 2008“ für ihre Inszenierung „Elektra“ von Richard Strauss am Südthüringischen Staatstheater Meiningen nominiert. Weiterhin erhielt MOSES mehrere Nominierungen zur Regisseurin des Jahres im Jahrbuch 2008 der Zeitschrift „Opernwelt“.
30.06.2009, 14:14 | tags:
Schauspiel
55
Lesung aus dem Briefwechsel zwischen Einar und Gertrud Schleef
Mit Gabriele Gerecke und Martin Wuttke
In Koproduktion mit der Akademie der Künste, Berlin
Aus Anlass der Dessauer Uraufführung von Einar Schleefs »Abschlussfeier« im Jahr
seines 65. Geburtstages und dem 100. seiner Mutter Gertrud, lesen die langjährige
Lebensgefährtin Schleefs, Gabriele Gerecke und der Schauspieler Martin Wuttke
aus dem gerade erschienenen Briefwechsel zwischen Einar und Gertrud Schleef
aus den Jahren 1963-1976.
»So nun etwas Andres, wir bitten dich von ganzem Herzen, gehe zur Wahl, vergiss
das ja nicht. Man würde Dir das ganz ungeheuerlich ankreiden. Du weißt doch,
dass Du einmal dumm warst? Was hat es Dir eingebracht?«
Gertrud Schleef an Einar Schleef
04.10.2009 im Foyer [Grosses Haus ]
24.04.2009, 11:00 | tags:
Schauspiel
, Musiktheater
25
ANDREA MOSES IM GESPRÄCH MIT HOLGER KUHLA
ANDREA MOSES, Dessaus neue Leitende Regisseurin für Musiktheater und Schauspiel inszeniert seit 1996 in den Sparten Musiktheater und Schauspiel an deutschen und internationalen Theatern. Zudem unterrichtet sie als Dozentin für Schauspielregie an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin. Im Jahr 2008 war Andrea Moses für den Faust-Preis des Deutschen Bühnenvereins in der Kategorie „Beste Regie im Musiktheater“ nominiert.
Du bist seit Jahren erfolgreich als freischaffende Regisseurin für Oper und Schauspiel im deutschsprachigen Raum wie Ausland unterwegs. Ebenso arbeitest Du als Dozentin für Regie an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin. Du kommst auf angenehme Weise viel herum. Was bewegt Dich, nun eine feste Bindung mit einem Theater einzugehen?
Es reizt mich, für eine bestimmte, längere Zeit mit einem bewusst zusammengesetzten Team, mit Mit-streitern an einem Ort gemeinsam und kontinuierlich zu arbeiten, Entwicklungen konzentriert zu verfolgen. Eine Weile mal innehalten und sich prüfen. Natürlich ist auch die Aussicht verlockend, langfristig denken zu dürfen, ganz konkret für eine Region, für eine Stadt zu arbeiten. Hier habe ich die Chance, nicht nur die Menschen mit denen ich arbeiten werde, kennenzulernen, sondern auch die Menschen, für die wir diese Arbeit tun. Doch heißt, einen Punkt zu fokussieren, nicht die Bewegung einzuschränken oder einzustellen. Es gilt, den eigenen Kosmos in Dessau nicht zu verkleinern, sondern ihn mit hineinzubringen in diese Stadt, nicht nur sich selbst sondern auch sie als Quelle für die Kunst zu begreifen.
Warum Dessau?
Auf die Frage kann man nur antworten: Darum! Ich habe eine ostdeutsche Biografie, deshalb berührt mich besonders, was mit dieser Region geschieht. Ostdeutsche Städte wie Dessau wirken wie aus dem Fokus gefallen, hier interessiert keine Metropolendebatte, hier muss man anarbeiten gegen die Zeichen der Versteppung. Es wird keine einfache Aufgabe, hier Theater zu machen. Andererseits ist Theater nie eine einfache Aufgabe. Und: Gerade hier, gerade in dieser Landschaft, in diesem historischen Konfliktfeld, in diesem aktuell politischen Druckraum muss Theater gemacht werden. Wo, wenn nicht hier? Was an Dessau einzigartig ist, das liegt in seiner Geschichte. In kaum einer anderen Stadt liegen die Schichten der deutschen Vergangenheit so schmerzhaft offen wie in Dessau. Wobei Vergangenheit immer auch Gegenwart ist und die Zukunft beeinflusst. Hier lagert ein großes Archiv von politisch-sozialen Konflikten, aber auch ein poetisches Potential. Dessaus Geschichte erzählt die Krisengeschichte des Kapitalismus, die deutsche Misere, es erzählt vom Überleben, von Avantgarden der Kunst, der Moderne. Ein engagiertes Theater als Ort der Kommunikation kann den Faden von damals wiederaufnehmen ... wer weiß, was aus diesem Synergieeffekt alles entsteht!
Die Spielzeit 2009/2010 bedeutet einen Neustart. Was kommt auf Dessau zu? Alles anders?
Konzepte sind schnell Makulatur. Zuerst einmal heißt es, sich kennenlernen, wir das Publikum, das Publikum uns. Das ist wie bei einem Flirt mit tieferen Absichten – Hauptsache, wir sind und bleiben gespannt aufeinander. Theater ist, wenn es gut ist, immer konkret. „Alles anders“ ist ein rein formales Kriterium, das mich nicht interessiert. Das Dessauer Theater soll zu einem Ort werden, an dem sich möglichst viele Menschen vertreten und ernst genommen fühlen. Ich würde mich freuen, wenn es uns gelänge, aus diesem Theater eine Bühne zu machen, die politisch Brisantes und Drängendes anpackt, zur Diskussion freigibt. Dazu gehört im Theater inhaltlich immer der lebendige Austausch von Tradition und Innovation. Wir leben von der reichen Tradition an Texten, an Musik. Diese Tradition kann nur dann für junge Menschen interessant bleiben und werden, wenn sie immer wieder neu interpretiert wird. Das Theater muss sich ständig neu erfinden. Ich freue mich besonders, dass es uns gelungen ist, junge Regisseure und Autoren an das Haus zu binden, die mit uns versuchen werden, eine Theatersprache für Dessau zu entwickeln.
Glaubst Du an die Chance des Theaters, in den Herzen und Köpfen der Zuschauer heute etwas be- wirken zu können?
Na klar! Ich finde es schon toll, wenn sich freiwillig wildfremde Menschen in einem Saal versammeln und an etwas teilnehmen möchten, von dem sie nicht wissen, was es bringen wird. Anders gesagt: Solange Theater auf neugierige Menschen trifft, funktioniert es – vorausgesetzt, das Theater erweckt die Neu-Gier.
Wir wissen, Du bist eine politisch denkende Regisseurin, was bedeutet „politisch“ in Deinen Arbeiten, Deinem Leben?
„Politisch“ bedeutet den Versuch in die öffentlichen Vorgänge und Prozesse, in die Gestaltung einer Gesellschaft einzugreifen, indem man darum ringt, Mehrheiten für seine Absichten zu gewinnen, Wider-stände zu überwinden. Meine Arbeit besteht darin, das Funktionieren von Politik deutlich zu machen. Theater sollte letztlich eine Lust am Verändern machen, am Mitreden, an der Korrektur. Das heißt in Bezug auf das Politische: es ist privat und das Private ist politisch.
HOLGER KUHLA [LEITENDER DRAMATURG FÜR SCHAUSPIEL UND PUPPENTHEATER]
arbeitete von 1996 bis 2003 als Schauspieldramaturg am Staatstheater Cottbus. Seit 2006 ist er als freischaffender Regisseur und Dramaturg für das Theater sowie als Autor und Regisseur für den Hörfunk tätig und lehrt an der Berliner Humboldt-Universität, der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin und an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ in Leipzig.