14.02.2010, 23:02 | tags: Spielzeit, Diverses | Autor: Franziska Blech
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 15.02.2010
Mit Wagners Ring ein Zeichen setzen
Freundeskreis Anhaltisches Theater schaut auf 2009 und auf drohende Sparmaßnahmen
"Eine Stadt macht sich nicht nur an ihrer Verwaltung fest, sondern auch an ihren kulturellen Einrichtungen. Die vorgestellte Prüfliste aber würde das Ende der Stadt Dessau-Roßlau bedeuten." Nachdenklich stimmende Worte fand Oliver Thust am Samstagnachmittag, als er im Anhaltischen Theater die Mitgliederversammlung des Freundeskreises des Dessauer Theaters eröffnete. Gut 50 Mitglieder des Vereins waren dorthin gekommen, mehr als sonst, was wohl auch der aktuellen Situation geschuldet war, denn die Prüfliste der Verwaltung zu möglichen Einsparungen (die MZ berichtete) bewegt auch die Theaterfreunde.
Vorschnelle Aktionen wollte Thust, der Vorsitzende des Freundeskreises, in dieser Versammlung jedoch nicht präsentieren. "Ich rufe den Freundeskreis und das Publikum auf, in einer breiten öffentlichen Debatte gegen die Sparmaßnahmen anzutreten", sagte er. Der Vorstand werde in den kommenden Wochen über das weitere Vorgehen beraten.
Die folgende Stunde im Theaterrangfoyer gehörte den Rechenschafts- und Kassenberichten des Vereins mit 287 Mitgliedern. Thust berichtete den Zuhörern von den Veranstaltungen des vergangenen Jahres, zu denen traditionell die Luisium-Konzerte gehörten. Man habe zudem mit einer Broschüre und einer Ausstellung das Wirken Johannes Felsensteins gewürdigt, ein Improvisationsprojekt für Kinder der evangelischen Grundschule unterstützt und die Werbemaßnahmen zum Eröffnungswochenende der neuen Spielzeit bezuschusst. Theaterstammtische und Kornhausdialoge hat der Freundeskreis ausgerichtet und in fünf Theaterbriefen über die Vereinsaktivitäten informiert.
Schatzmeisterin Ingeborg Arnold berichtete von der finanziellen Situation des Vereins und von einzelnen Ausgabe- und Einnahmeposten, zu denen auch Spenden über mehr als 1 000 Euro gehören. Im laufenden Jahr wird der Freundeskreis mit 500 Euro einen Kompositionsauftrag unterstützen und damit beginnen, für ein großes Vorhaben des Dessauer Theaters Rücklagen zu bilden. Dafür geworben hatte Generalintendant André Bücker.
Bücker, selbst Freundeskreis-Mitglied, berichtete davon, dass die Bühne in den Spielzeiten 2011 / 12 und 2012 / 13 plant, Richard Wagners "Ring des Nibelungen" mit den Opern "Das Rheingold", "Die Walküre", "Siegfried" und "Götterdämmerung" aufzuführen. "Kein anderes Theater in Mitteldeutschland ist dafür so prädestiniert, wie das Dessauer Haus. Unser Ring soll gerade in diesen finanziell schwierigen Zeiten ein Zeichen setzen", sagte er. "In Dessau muss es ein Wiedersehen mit dem Ring geben", so Bücker, der den Zyklus ein Projekt nennt, das "die Bürger der Stadt um ihr Theater scharen kann". Die Vereinsmitglieder entschieden sich mehrheitlich dafür, jährlich 1 700 Euro an Rücklagen zu bilden, um dieses große Vorhaben umzusetzen.
Vielen Theaterfreunden zu kurz geriet der sich anschließende Tagesordnungspunkt, der Diskussionsmöglichkeiten anbot. Nicht zufrieden mit dem Spielplan zeigte sich da beispielsweise Karl-Heinz Koppitz. "Die Mischung ist mir zu einseitig, es fehlen Spieloper und Musical", bemerkte er. Der Generalintendant hielt dem entgegen, dass er sich gemeinsam mit der neuen Leitung um einen ausgewogenen Spielplan bemüht habe. Allein zwei Musical-Produktionen gäbe es in dieser Spielzeit. Zwar fehle tatsächlich die Position einer Spieloper, aber mit dem "Maskenball" und großer französischer Oper stünden Premieren bevor, die der Bedeutung des Theaters als große Musiktheaterbühne gerecht würden. "Uns ist es niemals darum gegangen, das Dessauer Publikum auszutauschen. Wir haben versucht, einen Spielplan zu entwerfen, der eine Logik - auch aus den Traditionslinien des Hauses heraus - enthält", sagte Bücker.
Ein leidenschaftliches Plädoyer für das Theater schloss sich von dessen Verwaltungsdirektor Joachim Landgraf an. "Wir müssen alle zu unserem Theater stehen", mahnte er die Theaterfreunde, die ihren Verein schließlich mit eben diesem Ziel 1994 gründeten. Landgraf machte noch einmal deutlich, dass der neue Intendant Generalmusikdirektor Antony Hermus ebenso in die Stadt holte wie neue Sänger und Darsteller oder auch den Ballettchef. Bücker habe die Gastspielorte Schweinfurt und Winterthur besucht, sein Vorgänger habe dies nie getan. Wenn in wenigen Wochen Opernstar Leo Nucci in Dessau auftrete, dann sei dies auch der jetzigen Intendanz zu danken. Mit Auslastungszahlen der vier Lohengrin-Aufführungen von 728 Besuchern im Durchschnitt belegte Landgraf zudem die hohe Akzeptanz durch das Publikum. "In meiner Amtszeit wurde das nur durch die Zauberflöte übertroffen."
Die Runde war sich einig, in einem nächsten Kornhausdialog André Bücker einzuladen. Der sicherte dem Freundeskreises zu, gemeinsam zu überlegen, mit welchen Aktionen man die Dessauer Bühne unterstützen kann, um die drohenden Finanzkürzungen abzuwenden. "Es geht dabei jedoch nicht nur um das Theater, sondern auch um die Lebensqualität in dieser Stadt. Ich würde mir einen Schulterschluss zwischen allen kulturellen Einrichtungen und deren Freundeskreisen wünschen", sagte Bücker.
01.02.2010, 11:37 | tags: Spielzeit, Diverses | Autor: Franziska Blech
Ute Otto, Mitteldeutsche Zeitung/Wittenberg, 22.01.2010
KURT-WEILL-FEST Künstler des Anhaltischen Theaters stellen ihren Beitrag für den Spielort Wittenberg vor. Programm dreht sich um Liebe und andere Leidenschaften.
Proben in der zweiten Schicht
"In einigen Jahren wird man sagen, in Wittenberg stand die Wiege dafür, dass sich das Weill-Fest aus Dessau herausbewegt", sagt Michael Kaufmann. Der neue Intendant des Festivals will fortsetzen und forcieren, was sein Vorgänger Clemens Birnbaum begonnen hat: Zum zweiten Mal ist das Best-Western Stadtpalais Wittenberg eine von 20 vornehmlich in Kurt Weills (1900 bis 1950) Geburtsstadt Dessau angesiedelten Spielstätten. 44 Veranstaltungen -Konzerte verschiedener Musikgenres, Lesungen und Museumsführungen - warten vom 26. Februar bis 7. März auf ihr Publikum.
Unter "Musikalische Comedy" firmiert, was am 3. März im Best-Western von drei Künstlern des Anhaltischen Theaters Dessau geboten wird. "Mein wildes Herz in deine Ruh" ist die mit Brecht-Songs zu Kompositionen von Weill und Zeitgenossen wie Hanns Eisler und Paul Dessau erzählte Geschichte über Claire (Matthieu Svetchine), George (Antje Weber) und dem trunksüchtigen Barpianisten "Joe aus Soho" (Daniel Carlberg, 1. Kapellmeister am Anhaltischen Theater) über die Macht entfesselter Leidenschaft. Dass die Rollen von Claire und George mit Schauspielern des jeweils anderen Geschlechts besetzt sind, hat damit zu tun, dass sie einst ein Mann war und er eine Frau. Das zunächst etwas Undurchschaubare "passt auch gut zu unserer Küche", kündigt Hotelchef Michael van der Sanden eine kulinarische Beilage des Abends an, "die über Auge und Gaumen die Synapsen in Gehirn ebenso anregt".
"Mit wildem Herzen", so Regisseur Holger Kuhla, proben die Mitglieder des Theaterensembles sozusagen in der zweiten Schicht für ihren Weill-Fest-Beitrag. "Das kommt ja erschwerend hinzu, wir sind keine Sänger, sondern Schauspieler", bittet Antje Weber um Nachsicht, wenn es "kein Festival der schönen Stimmen" werde. Dafür sei aber der schauspielerische Part des Kapellmeisters auch eine kleine Weltpremiere. Während der aus Frankreich stammende Svetchine gesteht, dass ihm der Name Weill bislang nichts sagte, erzählt Weber, wie lang der Weg war, bis sie Zugang zu Brecht und Weill fand. Noch zu DDR-Zeiten hat sie an der Schauspielschule "Ernst Busch" studiert. Das "Heroische", das seinerzeit in Brecht gelegt wurde und auf sie "verblendend" wirkte, habe sie abgeschreckt. Doch ihr erstes Engagement nach dem Studium brachte ihr ausgerechnet eine Rolle in Brechts "Der gute Mensch von Sezuan" und ein Jahr später spielte sie in der "Dreigroschenoper". "Das war die Versöhnung", so Weber. Nicht nur in dem hier vorgestellten Programm, sondern in den vielen Beiträgen zum Weill-Fest spiegelt sich laut Kaufmann wider, "dass es bei Brecht und Weill immer noch etwas Neues zu entdecken gibt".
"New Art ist True Art" - ein Song aus Weills erfolgreichstem Broadway-Musical "One Touch of Venus" gab dem Festival 2010 sein Motto. "Neue Kunst ist wahre Kunst" - Darüber zu diskutieren, soll es reichlich Anlass geben.
Das Festival-Programm ist im Internet unter www.kurt-weill-fest.de zu finden. Ticket Hotline: 0180/5 56 45 64 .
13.12.2009, 21:44 | tags: Spielzeit, Schauspiel, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 14.12.2009
Schauspiel
Frische Ware beweist ihre Haltbarkeit
Bühnen in Dessau und Magdeburg bieten gelungene Premieren
Für das deutsche Stadttheater ist der Mülheimer Marktplatz eine Frischetheke: Die neuen Texte der Saison sind hier - meist in ihrer Uraufführungs-Inszenierung - zu besichtigen, über das Verfallsdatum wird oft erst später entschieden. Zwei Züchtungen des Jahrgangs 2008 wurden am Wochenende auch in Sachsen-Anhalt präsentiert - und haben den Haltbarkeits-Test mit Bravour bestanden.
Verbale Wundertüte
Zunächst ist Felicia Zellers "Kaspar Häuser Meer" zu bestaunen, mit dem David Ortmann sein Regie-Debüt im Alten Theater Dessau gibt. Die Geschichte der Jugendamts-Mitarbeiterinnen, denen nach dem "Björn-Out" eines Kollegen ihr ohnehin fragiles Karteikartenhaus über den Köpfen zusammenbricht, ist eine verbale Wundertüte: Die Sätze umstrudeln und unterspülen ihren Sinn, die permanente Überforderung fällt sich selbst ins Wort und trotzt jeder Beschreibung.
Für diese Monologe, die nur selten und eher zufällig in wirkliche Gespräche ausfransen, muss man Bilder und Haltungen finden, ohne den Alltag der Frauen zwischen Selbstbehauptung und -verleugnung platt zu illustrieren. Und dies gelingt dem Ensemble in Silvia Maradeas Bühnenraum ausgesprochen gut. In dem steil ansteigenden Archivgebirge, dessen Kästen sich zur Babyklappe und zum Müllschlucker, zum Bürostuhl und zur Kletterwand umfunktionieren lassen, wird die Routine als Scheitern im Ansatz gezeigt: Da werden die Noppen der Luftpolsterfolie zerdrückt und Voodoo-Puppen aus dem Lametta des Aktenvernichters geflochten, da werden Seifenblasen produziert und Menschenketten aus Papier gespannt. Und am Horizont rotieren die Reihen der Registratur als Zauberwürfel oder fallen als Tetris-Steine aus dem Paragrafen-Himmel.
Es ist ein Mikrokosmos, der zwischen Kaffeemaschine und Raucherinsel eigenen Gesetzen folgt, während sich draußen vor der Tür die Schicksale von Kindern und Eltern in Vorgänge und Vermerke verwandeln. Wer hier mitleidet, hat schon verloren. Und wer sich abhärtet, gewinnt nichts.
Im Stakkato bekommen die Frauen Kontur: Da ist die junge Anika (Eva Marianne Berger), die im Kampf gegen fremdes Elend die eigene Tochter aus den Augen zu verlieren droht. Da ist die frappierend geschwind zwischen Einzelkämpfer-Euphorie und Dauer-Depression wechselnde Silvia (Susanne Hessel) - und die abgebrühte Barbara (Regula Steiner-Tomic), die ihre Position mit Selbstgewissheit und Terror gegen die Jüngeren verteidigt. Vor den fragilen Klängen der Bühnenmusik von Hans Rotman zeichnet die Regie diese Figuren mit kräftigen Strichen, steckt sie in strahlende Rüstungen und gedeckte Alltags-Farben.
Durch die physische Anstrengung des Sprechens und Spielens aber, durch die Freiübungen im Käfig vermeidet sie falsche Gesten der Betroffenheit und Einfühlung, die den bösen Witz in Felicia Zellers Text übertünchen würden. Ein umjubelter Abend!
Kapitalismus spielt mit
Während Zeller im Untertitel von einer "wirklichen Komödie" spricht, wählt Philipp Löhle für sein Stück "Genannt Gospodin" das Attribut "antikapitalistisch". Und auf der Studiobühne des Magdeburger Schauspielhauses verstärkt Matthias Huhn diese Tendenz: Sein Erzähler schneidet sich noch vor dem ersten Wort scheinbar die Zunge aus dem Mund, als wolle er dem Zuschauer die folgende Geschichte verweigern - und gibt sich unmittelbar danach als jener Kapitalismus zu erkennen, dem sich deren Held Gospodin entzieht.
Was folgt, ist eine Tour de Force in Zeitlupe: Der Aussteiger, der mit seinem Lama in der Fußgängerzone eine perfekte Quelle für Lebensunterhalt ohne Arbeit gefunden zu haben glaubt, wird von Greenpeace seiner Existenzgrundlage beraubt. Nach und nach holen sich gute falsche Freunde auch noch Kühlschrank, Fernseher und Mikrowelle aus der Wohnung. Und als schließlich ein Kneipen-Kumpel die Beute seines Raubzuges bei ihm deponiert, findet Gospodin den Ort seiner Freiheit - im Gefängnis.
Huhn liefert mit seinem perfekten Darsteller-Quartett das Satyrspiel zu "Schuld und Sühne", die Hausherr Jan Jochymski am gleichen Ort inszeniert hat: Auf schiefen Ebenen (Bühne: Markus Karner) rutschen und stolpern Babette Slezak und Andreas Gugliemetti in wechselnden Rollen auf das selbst gewählte Nullniveau des Verweigerers Gospodin (Sebastian Reck). Silvio Hildebrandt kämpft als Spielmacher und trauriger Clown in manischer Vergeblichkeit um das Interesse des Aussteigers, der ihn in seiner Existenz bedroht.
Das alles wird mit übermütigem Witz erzählt und ironisch gebrochen. Auch hier ein Treffer, zwei Stücke über das gesellschaftliche Soll auf der Haben-Seite der Theater - was kann man mehr wollen?
Nächste Vorstellungen: "Kaspar Häuser Meer" 14. und 18. Dezember; "Genannt Gospodin" 18. und 20. Dezember, jeweils 19.30 Uhr
12.12.2009, 09:03 | tags: Spielzeit, Schauspiel | Autor: Franziska Blech
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 10.12.2009
Szenen aus dem Alltag im Büro
David Ortmann bringt im Alten Theater «Kaspar Häuser Meer» zur Premiere
Man muss nicht in einem Amt arbeiten, um gewisse Tage zu erleben. Der Papierstapel wächst, das Telefon nervt und der Chef auch. Das Fernsehen bildet dieses Büroalltag-Klischee bestens in der "Stromberg"-Reihe ab, aber auch im Theater hat das Thema längst Einzug gehalten. So in "Kaspar Häuser Meer", einem Stück der Autorin Felicia Zeller, die darin einfach einen Mitarbeiter erkranken lässt - natürlich hat er Burnout - und daraufhin seine drei Kolleginnen (Eva Marianne Berger, Regula Steiner-Tomic und Susanne Hessel) aus dem Jugendamt nah an den Wahnsinn und den Abgrund treibt.
Am Freitagabend hat "Kaspar Häuser Meer" im Studio des Alten Theaters Premiere. Regieassistent David Ortmann liefert mit der Inszenierung sein Regie-Debüt am Anhaltischen Theater ab, dort, wo für den jungen Mann, Jahrgang 1986, als Kind alles begann. Denn mit sechs Jahren stand er schon einmal auf der Bühne des Großen Hauses, als Statist im Märchen "Dornröschen". Ihm zur Seite spielten die Eltern, beide damals wie heute Schauspieler im Ensemble der Dessauer Bühne. Dass David Ortmann vom Theatervirus infiziert wurde, zeichnete sich früh ab. Als Schüler des Landesgymnasiums Schulpforta erlebte er in der dortigen Theatergruppe eine prägende Zeit. "Bei sechs Stücken habe ich dort Regie geführt", erzählt er. Besonders am Herzen liegt ihm davon ". und tot bist du", für das er den Publikumspreis des Landes Sachsen-Anhalt erhielt und sein Bundesland beim Schultheater der Länder in Pirmasens vertrat. Noch als Gymnasiast war er Praktikant der Produktion "kein.schöner.land" von André Bücker beim Schleef-Block I in Sangerhausen und folgte nach dem Abitur dem Regisseur an das Nordharzer Städtebund Theater, erst als Praktikant, dann innerhalb eines Freiwilligen Sozialen Jahres und später als Regieassistent. Mit Bückers Wechsel als Generalintendant ans Anhaltische Theater kehrte David Ortmann nun in die Heimat zurück.
"Wieder hier zu sein, ist witzig. Ich kenne ja das Haus. Aber wie eine Heimkehr ist es dann doch nicht, dafür war ich einfach zu lange weg", findet er. Anfängliche Befürchtungen, mit den Eltern zusammen zu arbeiten, haben sich längst gelegt. "Das läuft alles ganz entspannt und professionell." Genauso wie die Proben für "Kaspar Häuser Meer", für die er - anders als bei bisherigen Arbeiten - komfortable sechs Wochen Zeit hatte. In diesen hat er eine Komödie heraus gearbeitet, die freilich einen Alltag thematisiert, der betroffen macht. "Die drei Frauen arbeiten sich aneinander ab bis zum Exzess." Ortmann lässt dies schnell geschehen, mit hohem Tempo, was auch Felicia Zellers Text entgegen kommt. "Dies geschieht in einem sehr schrägen Büroraum, der seltsame Blüten treibt", erklärt Ortmann. Nur wenn die Szenen wechseln, wird er Ruhe hinein bringen. Dafür sorgen die Bühnenmusik von Hans Rotmann und Videos von Ronny Traufeller. Der Intendant des Impuls-Festivals setzte gerne die Noten für David Ortmann, der ihn in diesem Jahr in der Festival-Crew unterstützte, und besucht natürlich ebenso die Premiere wie etliche einstige Pfortenser.
12.12.2009, 08:56 | tags: Spielzeit, Musiktheater, Diverses | Autor: Franziska Blech
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 12.12.2009
Auch Sinatra-Songs im Repertoire
Operndirektor plaudert am Freitagabend mit dem Sänger Pavel Shmulevich
"Noble Wucht" hat ihm die Kritik attestiert. Von einem "russischen Bass mit unendlicher Tiefe" war die Rede. "Der kraftvolle König Heinrich war bei Pavel Shmulevich in guten Händen", heißt es an anderer Stelle. Shmulevichs Auftritt in der ersten Operninszenierung des Anhaltischen Theaters dieser Spielzeit - Wagners Oper "Lohengrin", inszeniert von Andrea Moses - sorgte für Aufmerksamkeit.
Sarastro in der Zauberflöte
Wie perfekt er sein Fach beherrscht, stellt Pavel Shmulevich als Gastsänger nun bald wieder im Dessauer Theater unter Beweis. In der kommenden Woche singt er in der Mozart-Oper "Die Zauberflöte" den Sarastro. Zuvor jedoch, schon am Freitagabend, wird der junge Russe die ganze Breite seiner stimmlichen Möglichkeiten den Dessauern vorstellen. Im Foyer des Anhaltischen Theaters wird das Spektrum um 20 Uhr "Von Wagner bis Sinatra" reichen, wenn Shmulevich Gast beim Sängerporträt ist und die Fragen von Operndirektor Heribert Germeshausen beantwortet.
Dort wird es wohl erst einmal um St. Petersburg gehen, der Heimat des 1982 geborenen Sängers. Der Gesang, so erzählt er, habe ihn schon sein Leben lang begleitet. In der Musikschule fing seine Profession mit fünf Jahren im Chor an. Seit er 13 ist nimmt Pavel Shmulevich Gesangsunterricht. Schon zu Beginn seines Studiums am St. Petersburger Rimsky-Korsakov-Konservatorium wurde Shmulevich in die Young Singers Academy des Mariinski Theaters aufgenommen. Seit einem Auftritt 2001 als Antonio in "Il viaggio a Reims" sang der Bass Titelrollen in verschiedenen Produktionen am Mariinski Theater und wirkte dort bislang in rund 60 Inszenierungen mit. Mit seinem Haus gastierte er unter Leitung von Valery Gergiev in Frankreich, Japan, den USA, Finnland und London. Neben seiner Arbeit in St. Petersburg gastiert Shmulevich sowohl an Opernhäusern als auch bei Konzerten.
Bis zu seinem Gast-Engagement in Dessau kannte der Sänger Deutschland vor allem von Gesangswettbewerben. Beim Wettbewerb "Neue Stimmen" 2007 kam er in die Endauswahl. Bei einem Meisterkurs im Jahr darauf wurde die Dessauer Bühne auf ihn aufmerksam. Inzwischen pendelt der junge Russe zwischen seiner Heimatstadt und Dessau, am Donnerstag kam er gerade von einem Auftritt in Frankreich wieder zurück in die Muldestadt, wo am Montag die Wiederaufnahmeproben für "Die Zauberflöte" beginnen.
Wunsch sind Wagner-Rollen
Im kommenden Sommer wird Pavel Shmulevich mit seiner Familie Dessau als festen Wohnsitz nehmen, denn ab der kommenden Spielzeit gehört er fest zum Sängerensemble des Anhaltischen Theaters. Nachdem er im "Lohengrin" erstmals Wagner auf der Bühne sang, hofft der Bassist nun auf weitere Rollen in Opern des Komponisten. "Ich würde gern alle Wagner-Rollen meines Faches singen", sagt er. In Dessau werde es künftig so viel Wagner geben, um diesem Traum sehr nahe zu kommen. "Mit den Kollegen hier am Haus herrscht eine tolle Atmosphäre", freut sich Shmulevich schon auf die weitere Zusammenarbeit. Dann wird man den Sänger wohl öfter von einer musikalischen Seite hören, die er gleichermaßen wie das klassische Repertoire schätzt. "Ich liebe den Jazz und die Musik aus Hollywood." So singt er am Freitagabend denn auch Frank Sinatra, zuvor aber gibt er Kostproben seines Könnens mit Arien und Liedern von Mozart, Schubert, Tschaikowski und Bruckner.
Sängerporträt mit Pavel Shmulevich, heute, 20 Uhr, im Foyer des Anhaltischen Theaters
10.12.2009, 17:14 | tags: Spielzeit, Schauspiel | Autor: Franziska Blech
Pressemittelung vom 30.11.2009
Premiere „Kaspar Häuser Meer“ – Schauspiel von Felicia Zeller
Zu einer weiteren Premiere im Schauspiel lädt das Anhaltische Theater Dessau am 11. Dezember um 19:30 Uhr in das Studio des Alten Theaters ein.
Mit „Kaspar Häuser Meer“ debütiert der junge Regisseur David Ortmann am Anhaltischen Theater. Das Stück von Felicia Zeller wurde 2008 in Freiburg uraufgeführt und ist eines der am meisten gespielten Werke der Gegenwartsdramatik. Die Autorin Felicia Zeller hat für ihr preisgekröntes Stück (Publikumspreis bei den Mülheimer Theatertagen 2008) intensiv recherchiert; weniger in Sozialämtern und sozialen Brennpunkten als in Zeitungen, Paragraphen, Internetforen und ein Szenarium allgemeiner Überforderung entworfen. Zeller zeigt das Nichthandeln und das Handeln im (nach einem krankgeschriebenen Kollegen bezeichneten) sogenannten "Björnout"-Zustand.
Björn, Jugendsozialarbeiter ist zusammengebrochen und hinterlässt ganze 104 Fälle, die nun für seine drei Kolleginnen vom Amt, Barbara, Silvia und Anika, zum tragikomischen Schicksal werden. Diese drei Sozialfrontkämpferinnen müssen also noch schneller sein und werden dennoch zu spät kommen. Ertrinkend im bürokratischen Sumpf machen die glorreichen Drei trotzdem weiter, denn sie lieben ihren Job. Bei all ihrem Tun sind sie zum Lachen komisch und zum Weinen rührend – drei wundervoll schräge Schiffe auf dem endlosen Meer der Jugendsozialarbeit.
Inszenierung: David Ortmann | Bühne und Kostüme: Silvia Maradea
Dramaturgie: Holger Kuhla, Maria Viktoria Linke
Mit Eva Marianne Berger (Anika), Regula Steiner-Tomič (Barbara), Susanne Hessel (Silvia)
Musik und Video sind auf das Stück abgestimmte Auftragskompositionen (Musik: Hans Rotman/ Intendant IMPULS Festival für Neue Musik | Video: Ronny Traufeller)
Nächste Aufführungen: 12., 14. und 18.12.09 - jeweils um 19:30 Uhr | 20.12.09, 18 Uhr
im Studio des Alten Theaters
10.12.2009, 17:07 | tags: Spielzeit, Theaterpädagogik | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 10.12.2009
Theaterpädagogik des Anhaltischen Theaters bietet zwei interessante WORKSHOPS im Dezember an
„Theaterwerkstatt: Die Zauberflöte“
Workshop für Kinder ab 10 Jahren und erwachsene Begleitpersonen
„Die Zauberflöte“ ist wieder da! Anlässlich der Wiederaufnahme der Oper von Wolfgang Amadeus Mozart bietet das Anhaltische Theater Dessau am 19. Dezember, von 14 bis 16 Uhr, auf der Probebühne einen Workshop „Theaterwerkstatt: Die Zauberflöte“ an.
Mit Unterstützung der Theaterpädagogin Imme Heiligendorff heißt es: Probebühne frei! In nur zwei Stunden erspielen sich die Teilnehmer ihre eigene Version der „Zauberflöte“, schlüpfen dabei in die unterschiedlichen Rollen und erproben Sprech- und Gehhaltungen, damit zum Abschluss des Nachmittags ein „Schnelldurchlauf“ der Oper gespielt werden kann– natürlich im Kostüm! Der Workshop richtet sich an Kinder ab 10 Jahren und erwachsene Begleitpersonen. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Kinder erwachsene Verwandte oder Freunde zu dem Workshop mitbringen, wichtigste Voraussetzung ist die Lust zum Theater-Spielen! Anschließend können die Teilnehmer Johannes Felsensteins Inszenierung „Die Zauberflöte“ im Großen Haus erleben.
Die Kosten liegen bei 3,- € pro Teilnehmer, die bei Kauf einer Eintrittskarte für die Vorstellung „Die Zauberflöte“ verrechnet werden.
WORKSHOP zum Gastspiel „Dritte Generation“
Workshop für Junge Erwachsene zwischen15 und 25 Jahren
Einen weiteren Workshop bietet die Theaterpädagogin des Anhaltischen Theaters in Zusammenarbeit mit der Schaubühne Berlin am 22. Dezember, von 10:30 bis 15 Uhr anlässlich des Gastspiels „Dritte Generation“ an. Auf der Grundlage von Interviews, die die Teilnehmer vorab mit ihren Eltern und Großeltern führen, soll untersucht werden, in wie weit die eigene Familiengeschichte mit historischen Ereignissen verknüpft ist und unter welchen Gesichtspunkten diese dann interpretiert werden. Außerdem wird in erbarmungslosen Selbstversuchen nach alltäglichem Rassismus im eigenen Denken und Sprachgebrauch geforscht. Der Workshop wird geleitet von Uta Plate, Theaterpädagogin der Schaubühne Berlin.
Am Abend besuchen die Teilnehmer gemeinsam das Gastspiel „Dritte Generation“ und das sich anschließende Zuschauergespräch im Alten Theater.
Die Teilnahme am Workshop ist kostenlos, die Karte für die Vorstellung kostet 7,- €.
Interessenten können sich bis zum 15.12.2009 bei der Theaterpädagogin Imme Heiligendorff für diese Workshops anmelden. (Telefon 0340-2511216 oder theaterpaedagogik@anhaltisches-theater.de)
10.12.2009, 17:05 | tags: Spielzeit, Ballett, Musiktheater, Anhaltische Philharmonie | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 10.12.2009
Geschenkideen rund ums Theater
10.12.2009, 17:04 | tags: Spielzeit, Musiktheater, Anhaltische Philharmonie | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 10.12.2009
Weihnachten und Jahreswechsel im Anhaltischen Theater
Für die gesamte Familie bietet das Anhaltische Theater am 1. Weihnachtsfeiertag, dem 25. Dezember um 16 Uhr das Grimmsche Märchen „Sechse kommen durch die Welt“. Dieses Stück über die Freundschaft wird mit viel Witz und Komik erzählt, so dass bei großen und kleinen Besuchern wohl kein Auge trocken bleibt.
„La Périchole“ eines der Hauptwerke Jacques Offenbachs voller Witz und überquellendem Melodienreichtum steht am 2. Weihnachtsfeiertag, dem 26. Dezember um 17 Uhr auf dem Spielplan. Gespielt wird eine neue deutsche Textfassung von Stefan A. Trossbach mit Dialogen von Peter Ensikat. Eine reisende Theatertruppe gastiert in der Stadt und präsentiert die lustige, aber auch zu Herzen gehende Geschichte der Straßensängerin Périchole und ihres Geliebten Piquillo.
Am 27. Dezember, um 16 Uhr lädt das Theater zu einem Besuch der Inszenierung „Lohengrin“ – Romantische Oper von Richard Wagner ein. Mit Wagners vermutlich populärster Oper wurde im Musiktheater die 215. Spielzeit fulminant eröffnet und zieht seit dem Gäste aus ganz Deutschland nach Dessau. Der zwischen Juni 1846 und März 1848 komponierte „Lohengrin“ nimmt in Wagners Oeuvre in mehrer Hinsicht eine Schlüsselstellung ein: Zum einen verwirklichte Wagner, der „vollkommenste Revolutionär“ nach eigenem Zeugnis, in ihm erstmals weitgehend sein Konzept eines durchkomponierten Musikdramas, zum anderen wollte er am avisierten Uraufführungsort Dresden mit der Oper 1849 auch die Gesellschaft revolutionieren. Freuen Sie sich darauf, neben etablierten Publikumslieblingen wie Iordanka Derilova und Ulf Paulsen unsere neuen stimmgewaltigen Ensemblemitglieder kennenzulernen.
Nach fünf Jahren Abstinenz erklingt im Anhaltischen Theater zum Jahreswechsel 2009/2010 wieder Beethovens IX. Sinfonie. Am Silvestertag finden die beiden Aufführungen um 17 und um 20 Uhr statt. Unter der Leitung von GMD Antony Hermus spielt die Anhaltische Philharmonie. Es singen die Damen und Herren des Opern- und des Extrachores sowie Mitglieder des Coruso-Chores. Als Solisten wirken mit: Angelina Ruzzafante (Sopran), Carola Günther (Mezzosopran), Andrew Sritheran / Angus Wood (Tenor) und Ulf Paulsen (Bariton).
Tickets und Informationen erhalten Sie unter:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Freitag 9:30 bis 20 Uhr
Theaterkasse - nur telefonisch 0340 2511 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
08.12.2009, 16:24 | tags: Spielzeit, Puppentheater, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Thomas Altmann, Mitteldeutsche Zeitung, 7.12.2009
Weihnachten bei Müllers mit Bauch und Geweih
Puppentheater: «Hirsch Heinrich» feiert mit dem Charme der kleinen Leute Premiere
Martha Müller hängt Wäsche in die gute Stube, auf dass sie trockne. Paul Müller repariert das alte Grammophon. Die dreiarmige Stehlampe greift mit ihren schrägen Kegeln, den Kunststoff-Lampenschirmen, in den schrägen Charme der kleinbürgerlichen Heimstätte und in die frühen 1960er Jahre. Es ist laut Kalender der 23. Dezember, aber nur, weil Martha sich einfach weigert, ein Blatt abzureißen.
Das Stück "Hirsch Heinrich" hat an St. Nikolaus Premiere im Dessauer Puppentheater gefeiert. Die diesjährige Vorweihnachtsgeschichte wurde dem großen Fundus der DDR-Literatur entnommen. Autor Fred Rodrian war ab 1975 bis zu seinem Tod 1985 Cheflektor beim Kinderbuchverlag Berlin. Illustriert wurde seine 1960 erschienene Geschichte von Werner Klemke.
In Dessau ähnelt die Puppe Paul dem Paul des Kinderbuches, hebt Ausstatterin Claudia Sill den verwohnten Charme der Entstehungszeit der Geschichte zielsicher auf die Bühne. Regisseurin Stephanie Rinke zeichnet das Leid des aus China stammenden Tierpark-Hirsches Heinrich und das Schuldgefühl von Martha Müller voller vorweihnachtlicher Empfindsamkeit.
Heinrich, seines Schicksals wegen ohnehin traurig gesinnt, wird mit Anbruch des Winters immer einsamer. Als am Heiligen Abend nicht einmal Klein-Martha oder Klein-Paul in den Tierpark kommen, springt er aus dem Gehege. Da begegnen ihm Jäger und tierliebe Kinder. Bis nach China ist es weit und der Hunger groß. So geht Heinrich zurück in den Tierpark, wo er bereits erwartet wird.
In der Rahmenhandlung, in der guten Stube des Ehepaars Müller, ist der Hirsch wieder verschwunden und mit ihm die Lust Marthas, Weihnachten zu feiern. Schließlich geschah es an einem Heiligen Abend in ihrer Kindheit, dass Heinrich allein gelassen wurde.
Uta Krieg und Helmut Parthier sind für ihre vorweihnachtlichen Rollen glaubhaft gealtert und bezaubernd altersgerecht üppig geworden, so dass die Strickjacke an der tief liegenden Plauze schön beschränkt spannt. Aber auch mit Bauch verführt Herr Müller ganz schmucklos seine Frau, sich einzulassen auf die Erinnerung an Kindertage und schließlich auf das hohe Fest. Gefeiert wird der köstlich blank gescheuerte Charme der kleinen Leute.
Schlicht wie die Verhältnisse sind die spielerischen Mittel. Aus den Bettlaken auf der Wäscheleine werden Engelflügel, der Stubentisch wird zum Gehege, zum Winterwald, zum Dorf, der Nussknacker zum Tierpfleger. Natürlich beginnt es, am Ende zu schneien. Und als das Kalenderblatt fällt, öffnen sich die bescheidenen engen Wände. Das kinderlose Paar hat sich auf empfindsame Weise den Kinderblick zurück erobert. Ein Lichterbaum glänzt. Ein Hirschlein dreht sich auf dem Plattenteller. Müllers gehen geradewegs rührend in den Wald, Hand in Hand in den weich verweltlichten, nachchristlichen Gefühlskanon des kirchlichen Hochfestes.
Weitere Vorstellungen von "Hirsch Heinrich" gibt es bis Heiligabend fast täglich vormittags und nachmittags.
03.12.2009, 11:52 | tags: Spielzeit, Musiktheater, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Helmut Rohm, Zerbster Volksstimme, 03.12.2009
Musical „Candide“ von Leonard Bernstein hat in der Regie von Cordula Däuper Premiere am Anhaltischen Theater Dessau
Trugschlüsse um die „beste aller Welten
Der Roman ist mehr unbekannt, obwohl der Buchautor dagegen umso mehr bekannt ist. Auch das darauf beruhende Musical wird recht selten gespielt, trotz des berühmten Komponisten. Am Anhaltischen Theater Dessau hat am Freitag, dem 4. Dezember, um 19.30 Uhr das Musical
„Candide“ von Leonard Bernstein seine Premiere. Es basiert auf dem satirischen Roman „Candide oder der Optimismus“ des französischen Philosophen Voltaire.
Ein Musical in der bekannt klassischen Art sei es eigentlich nicht, mehr schon „ein Musiktheater“, erklärt Cordula Däuper (32), die als Gastregisseurin „Candide“ in Dessau in der von ihr geschaffenen Fassung inszeniert. Die absolute Zuordnung zu einem bestimmten Genre passe nicht so richtig, weil es eine große Bandbreite im Wechsel von Spiel- und Musikszenen gibt, mal Operette, mal komische Oper, auch mal Musical, aber kein Ballett, mal Schauspiel.
Selbst der Inhalt, so Cordula Däuper, erscheint auf den ersten Blick zumindest irreführend. Auf dem westfälischen Schloss Thunder-ten-Tronck wachsen Candide, seine heimliche Liebe Cunegunde, deren Bruder Maximilian und Paquette in der optimistischen Lebensphilosophie ihres Lehrers Pangloss von der „besten aller Welten“ auf.
Die Idylle wird zerstört, als Candide vom Grafen Thunderten- Tronck beim Liebesspiel mit Cunegunde ertappt und aus dem Schloss verbannt wird. Auf seiner Reise durch die Welt muss Candide am eigenen Leib erfahren, dass die „beste aller Welten“ nur in der Philosophie und ohne Bezug zur Realität existiert.
„Ich mache es immer für heute“
„Der Zuschauer wird auf der Bühne eine interessante und humorvolle, ebenso satirische, zynische und überzeichnete Auseinandersetzung mit unserem Planeten erleben können“, bringt die Regisseurin ihre Arbeit auf den Punkt, macht aber damit auch neugierig.
Cordula Däuper wählt für ihre Inszenierung eine „heutige Spielanordnung“ – und macht wiederum neugierig. Doch sie begründet auch. „Ich mache es immer für heute“, das sei spannend und nicht „museal“. Original gehe eigentlich ja auch nicht, weil man nicht genau wisse, wie die Leute
vor 200 Jahren gedacht haben. Und – gerade auf „Candide“ bezogen: „Die Welt ist seither (leider) nicht besser geworden. Für alles, was im Buch beschrieben ist, lässt sich heute mehr als ein Pendant
finden.“
Cordula Däuper, geboren in Wiesbaden, lebt in Stuttgart. Von klein auf ist sie mit dem Theater verbunden, hat im Theaterchor Wiesbaden mitgesungen und viele Aufführungen miterlebt. „Es hätte auch ein Geigenstudium werden können“, erinnert sie sich. Doch die Entscheidung fiel fürs Theater: Studium der Theater- und Kulturwissenschaften in Berlin, 2004 Regiediplom, von 2003 bis 2005 Stipendiatin an der „Akademie Musiktheater heute“.
„Am liebsten Musiktheater“
Musiktheater mache sie am liebsten, weil „sich Musik und Inhalt zusammenfügen“, aber auch, bei allem Respekt vor der Arbeit anderer Kollegen, sollen ihre Inszenierungen „interessanter und spannender sein“ als manche von ihr gesehene. Auf ihrem erfolgreichen künstlerischen „Habenkonto“
stehen unter anderem das Musikmärchen „Die Prinzessin auf der Erbse“ und „Der Vetter aus Dingsda“ (beide an der Komischen Oper Berlin), die Telemann-Oper „Flavius Bertaridus“ in Magdeburg, das
Open-Air-Spektakel „Eichbaumoper“ in der Essener U-Bahn und „Wiener Blut“ in Berlin.
„Die Welt ist nicht
besser geworden“
Sie mache sich schon Gedanken, wie man auch andere, jüngere Zuschauerschichten ansprechen könne, „wie sie sich angesprochen fühlen“, sagt die Regisseurin. Deshalb ist Cordula Däuper auch froh, in Dessau an einem Haus arbeiten zu können, an dem ein neues Ensemble startet, wo Aufbruchstimmung herrscht.
Und noch einmal zum Stück. Ihre „Candide“-Aufführung sieht sie als eine Art „Lehrstück“ oder „Emanzipationsgeschichte“, jedoch ganz ohne moralisieren zu wollen. Von „glauben“ zum „Sich-selbstein- Bild-machen“, hin zur Entwicklung einer „Selbstverantwortlichkeit für das eigene
Leben“.
Zu ihrem Team gehören Jochen Schmitt (Bühne) und Mareile Krettek (Kostüme). Die Titelrolle in der Premiere singt David Ameln, festes Ensemblemitglied am Anhaltischen Theater. Die musikalische Leitung hat Daniel Carlberg.
Die zweite Vorstellung ist am kommenden Sonntag, dem 6. Dezember, um 17 Uhr zu sehen.
01.12.2009, 10:46 | tags: Spielzeit, Schauspiel, Diverses | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 1.12.2009
Außergewöhnliche Theaterarbeit zu Gast am Anhaltischen Theater Dessau
Am 21. und 22. Dezember wird um 19:30 Uhr im Studio des Alten Theaters die Inszenierung „Dritte Generation“ der jungen israelischen Regisseurin Yael Ronen gezeigt, die im vergangen Jahr beim Festival „Theater der Welt“ in Halle bejubelt wurde.
In ihrer international gefeierten Inszenierung, vor immer ausverkauften Häusern, analysiert die Autorin und Regisseurin gemeinsam mit ihrem Team und einer Gruppe von jungen Schauspielern klug und provozierend alle Klischees, von denen das Verhältnis zwischen Juden, Palästinensern, Arabern und Deutschen durchsetzt ist. Alle Tabus werden so rasant zu Kleinholz verarbeitet, dass dem Zuschauer das Lachen im Halse stecken bleibt. Entstanden ist ein einzigartiger Theaterabend, der mutig Grenzen überschreitet, so intelligent wie unterhaltsam ist und wohl keinen Zuschauer unberührt lassen wird.
Dank der Kulturstiftung des Bundes, die dem Ensemble eine Tournee durch neun Städte ermöglichte, ist diese wichtige Inszenierung nun auch in Dessau zu sehen. Die Produktion wird in deutscher, arabischer, hebräischer und englischer Sprache mit deutschen Übertiteln gezeigt.
Im Anschluss an beide Vorstellungen wird es ein Zuschauergespräch mit dem Ensemble geben. Moderiert wird das Gespräch von den Redakteuren Andreas Montag und Andreas Hillger der Mitteldeutschen Zeitung, welche die Stückentwicklung unterstützte.
Eine Koproduktion der Schaubühne mit dem Habima National Theatre of Israel [Tel Aviv] und der RuhrTriennale 2009, im Auftrag von Theater der Welt 2008 in Halle, mit Unterstützung der Kulturstiftung des Bundes und des Goethe-Instituts.
Karten unter:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Freitag 9:30 – 20 Uhr
Theaterkasse - Nur Telefonisch 0340 2511 – 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
30.11.2009, 15:20 | tags: Spielzeit, Puppentheater | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 30.11.2009
Premiere „Hirsch Heinrich“
Eine kleine Vorweihnachtsgeschichte mit Puppen und Objekten über die Sehnsucht und die Weihnacht
Das Puppentheater des Anhaltischen Theaters Dessau bringt die Geschichte vom „Hirsch Heinrich“ am 6. Dezember, um 15 Uhr auf der Puppenbühne des Alten Theaters zur Premiere.
Die Produktion unter der Regie von Stephanie Rinke (Ausstattung: Claudia Sill) wurde nach dem Kinderbuch von Fred Rodrian entwickelt und ist für Menschen ab 4 Jahren gemacht.
Da sitzen sie, Herr und Frau Müller, in ihrem Wohnzimmer, ganz allein und traurig am Weihnachtsabend. Als jedoch der Herr Müller der Frau Müller ein Geschenk macht, einen kleinen selbst gebastelten Hirsch, wird plötzlich alles anders. Die Beiden denken zurück an eine wunderschöne Zeit, als sie selbst noch Kinder waren und ein kleiner Hirsch aus dem fernen China in ihren Zoo kam. Anfangs fühlte sich der Hirsch sehr einsam, aber wenn Kinder ihn besuchten, war er glücklich. Doch dann wurde es Winter, immer weniger Kinder kamen und das Heimweh von Hirsch Heinrich wurde immer größer. Als das Heimweh unerträglich wird, nimmt er einen gewaltigen Anlauf und springt über sein Gehege und ein Abenteuer beginnt, denn der Weg nach China ist weit.
Herr und Frau Müller (Helmut Parthier und Uta Krieg) spielen diese Geschichte aus ihrer Kindheit mit allem, was sie in ihrer Küche finden können. Eine kleine, doch ganz große Geschichte über Einsamkeit und Sehnsucht wird gespielt und die Stehlampe wird zum Käfig, der Salzstreuer zur Schulklasse, die Küche zum Wald, zur Stadt, zum Zoo. Allein die Phantasie macht es möglich!
Die Premiere und auch die nachfolgenden Vorstellungen sind bereits ausverkauft.
Restkarten gibt es noch an folgenden Tagen: 13., 16. und 20.12.09
Weitere Termine unter: www.anhaltisches-theater.de
Nähere Informationen unter: Telefon: [0340] 212-401
Karten unter: Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Freitag 9:30 – 20 Uhr
Theaterkasse - Nur Telefonisch 0340 2511 – 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
27.11.2009, 14:55 | tags: Spielzeit, Theaterpädagogik | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 27.11.2009
„Theaterwerkstatt: Die Zauberflöte“
Workshop für Kinder ab 10 Jahren und erwachsene Begleitpersonen
„Die Zauberflöte“ ist wieder da! Anlässlich der Wiederaufnahme der Oper von Wolfgang Amadeus Mozart bietet das Anhaltische Theater Dessau am 19. Dezember, von 14 bis 16 Uhr, auf der Probebühne einen Workshop „Theaterwerkstatt: Die Zauberflöte“ an.
Mit Unterstützung der Theaterpädagogin Imme Heiligendorff heißt es: Probebühne frei!
In nur zwei Stunden erspielen sich die Teilnehmer ihre eigene Version der „Zauberflöte“, schlüpfen dabei in die unterschiedlichen Rollen und erproben Sprech- und Gehhaltungen, damit zum Abschluss des Nachmittags ein „Schnelldurchlauf“ der Oper gespielt werden kann– natürlich im Kostüm! Der Workshop richtet sich an Kinder ab 10 Jahren und erwachsene Begleitpersonen. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Kinder erwachsene Verwandte oder Freunde zu dem Workshop mitbringen, wichtigste Voraussetzung ist, die Lust zum Theater-Spielen! Anschließend können die Teilnehmer Johannes Felsensteins Inszenierung „Die Zauberflöte“ im Großen Haus erleben.
Anmeldungen bitte bei der Theaterpädagogin Imme Heiligendorff unter (0340) 2511 216. Die maximale Teilnehmerzahl liegt bei 25 Personen, Anmeldungen werden nach Eingang berücksichtigt. Eine Teilnahme ohne Voranmeldung ist leider nicht möglich. Die Kosten liegen bei 3,- € pro Teilnehmer, die bei Kauf einer Eintrittskarte für die Vorstellung „Die Zauberflöte“ verrechnet werden.
27.11.2009, 14:17 | tags: Spielzeit, Musiktheater, Anhaltische Philharmonie | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 27.11.2009
Wiederaufnahme von „Die Zauberflöte“
Die wohl beliebteste Oper der Musikgeschichte, „Die Zauberflöte“ von Wolfgang Amadeus Mozart, steht ab dem 19. Dezember wieder auf dem Spielplan des Anhaltischen Theaters.
Unter der Leitung von Daniel Carlberg werden in fast allen Hauptrollen neue Sänger zu hören sein, so dass der Opernbesuch auch jedem empfohlen werden kann, der die Inszenierung von Johannes Felsenstein bereits gesehen hat.
Der junge russische Bassist Pavel Shmulevich, sowohl als Heinrich in „Lohengrin“ als auch bei der „Serata di Gala“ gleichermaßen umjubelt, wird die Partie des Sarastro übernehmen, die er bereits in einer Neuinszenierung am traditionsreichen Marinskii Theater gesungen hat. Eine Paraderolle ist der Papageno für Wiard Witholt, der im „Lohengrin“ der Partie des Heerrufers nicht nur ungewöhnliche stimmliche Brillanz, sondern auch ungewöhnliches darstellerisches Profil verliehen hatte. Angus Wood erwies sich bereits Ende der letzten Spielzeit als Piquillo in der Premiere von „La Périchole“ als absoluter Publikumsliebling.
Er wird ab dem 19.12. den Prinzen Tamino verkörpern. David Ameln singt den Monostatos. Und als Königin der Nacht kommt mit Diana Tomsche vom Staatstheater Karlsruhe eine profilierte Koloratursopranistin als Gast nach Dessau. Die Pamina wird in bewährter Weise von Cornelia Marschall verkörpert, der Sprecher ist Kostadin Arguirov.
Weitere Termine: 17.01.10, 17 Uhr | 11.04.10, 17 Uhr | 23.05.10, 17 Uhr
Karten unter:
Theaterkasse Rathaus-Center Tel: 0340 2400 258 Montag bis Freitag 9:30 – 20 Uhr
Theaterkasse - Nur Telefonisch 0340 2511 – 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
26.11.2009, 21:46 | tags: Spielzeit, Schauspiel, Funk, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 27.11.2009
Dessau
Verlockung des leeren Platzes im hellen Licht
Festival «Figurenräume - Raumfiguren» - Peter-Handke-Stück auf der Bauhausbühne
Nach dem Willen des Dichters sollte man seine Bilder nur sehen, beim Festival "Figurenräume - Raumfiguren" aber konnte man Peter Handkes "Die Stunde da wir nichts voneinander wussten" nun auch hören. Mit dem Schauspielensemble des Anhaltischen Theaters nahm Andrea Moses das Stück von 1992- eine einzige gigantische Regie-Anweisung - zum Anlass für einen überraschenden Gegenentwurf zur bisherigen Rezeptionsgeschichte. Und damit brachte sie einen Text zum Klingen, dessen Sinn eigentlich in seinem Verschweigen liegt.
Von Leere und Licht
Der "leere Platz im hellen Licht", den Handke zum Schauplatz seines Welttheaters gewählt hat, war dabei die Bühne des Bauhauses Dessau - ein Ort, an dem man den Horror Vacui in der jüngsten Vergangenheit besonders schmerzlich zu spüren bekam. Der konzeptuelle Mangel aber prädestinierte den Raum nun für das gigantische Versprechen, das mit Handkes Schöpfung verbunden ist: die Vermessung eines Kosmos im Schnelldurchlauf, die pointierte Andeutung aller Möglichkeiten im Theater-Universum. Der Trick der Inszenierung war es, dass sie die bildgebende Kraft des Wortes ernst nahm - und die Figuren damit immer wieder in Bedrängnis brachte, weil sie sich allzu voreilig auf die Behauptungen eingelassen hatten.
Komik der Verwandlung
So entsteht Komik: Wenn einem der zahllosen Passanten zunächst eine generelle Haltung aufgegeben wird, die er im nächsten Moment im Detail korrigieren soll. Wenn zwei der 18 Darsteller zum gleichen Gang aufbrechen und sich dann um dessen Vollendung streiten. Wenn eine stumme Figur dem Vorleser soufflieren muss, weil der sich ins Geschehen gemischt und dabei den Faden verloren hat. Oder wenn der Wechsel der Identitäten so schnell erfolgt, dass die einzelnen Konturen verschwimmen.
Es war zugleich der bislang aufwendigste Abend im Rahmen des "Funk"-Projekts, das eine Brücke zwischen Bauhaus und Theater schlägt - und der sinnstiftendste. Man kann diesen gewaltigen Entwurf also auch so umsetzen - als knappe Skizze, die sich ihren Raum im Moment der Entstehung erobert. Das wäre, nebenbei gesagt, auch ein Ansatz für die Internationale Bauausstellung 2010. Leere Plätze gibt es schließlich genug.
24.11.2009, 12:04 | tags: Spielzeit, Schauspiel, Diverses, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 24.11.2009
Alle Schauspieler begegnen sich
Andrea Moses zeigt am Mittwoch im Bauhaus Peter Handtkes berühmtes Stück ganz ohne Worte
Die Gattung Performance hat es in Dessau schwer, kommt sie dann noch im Kontext mit dem Bauhaus daher, bewegt sich die Zuschauerzahl selten über dem zweistelligen Bereich. Das musste auch das Tanz- und Performance-Festival "Figurenräume - Raumfiguren" erfahren, nachdem am Wochenende die ersten Programmpunkte gezeigt wurden. Unbeirrt von erschreckend niedrigen Besucherzahlen geht es diese Woche jedoch weiter. Schließlich kann die Resonanz nur besser werden.
Gut vorbereitet lässt sich am Mittwoch das Gastspiel von "Im (Goldenen) Schnitt I. Durch den Raum, durch den Körper" um 19 Uhr in der Marienkirche erleben, denn schon am Dienstag um 19 Uhr wird Dirk Scheper im Meisterhaus Muche / Schlemmer über die Inszenierung sprechen. Dirk Scheper, Sohn des Bauhausmeisters Hinnerk Scheper, ist ein ausgewiesener Kenner des Werks von Oskar Schlemmer. Er übernahm die Produktionsleitung für Gerhard Bohners (1936-1992) Choreographien - darunter die Rekonstruktion des "Triadischen Balletts" oder den Solotanz "Im (Goldenen) Schnitt I", der am Mittwoch in der Marienkirche gezeigt wird.
Cesc Gelabert wird dieses Solo von Gerhard Bohner tanzen. In Zusammenarbeit mit der Gelabert-Azzopardi Companyia de Dansa aus Barcelona unternahm die Berliner Akademie der Künste die erste Rekonstruktion eines Solotanzes von Bohner. Cesc Gelabert, seit seinem Debüt beim Akademie-Festival 1985 regelmäßig in Berlin arbeitend, hat "Im (Goldenen) Schnitt I" nach dem Material der Berliner Videofilmerin Cosima Santoro rekonstruiert. Ansatz für die 1989 entstandenen drei Versionen von "Im (Goldenen) Schnitt" war Bohners Interesse an der Zusammenarbeit mit Bildenden Künstlern, das zu Bühneninstallationen von drei Künstlern führte. In der ersten im Mai 1989 im Studio der Akademie der Künste uraufgeführten Version reagiert der Tänzer auf einen von der Darmstädter Bildhauerin Vera Röhm gestalteten Raum aus begehbaren Konstellationen von Holz-Plexiglas-Pfeilern. Bei dem Solo erklingt Johann Sebastian Bachs "Das Wohltemperierte Klavier", Präludium und Fuge 1-12 in einer Einspielung von Keith Jarrett.
Cesc Gelabert ist gegenwärtig einer der wichtigsten Choreografen und Tänzer des modernen Tanzes in Spanien. Er lässt sich nicht einfach einer Richtung zuordnen, stattdessen hat er einen eigenen Stil geschaffen. Seine Choreografien nehmen historische Symbole zum Ausgangspunkt. 1986 gründete er seine eigene Tanz-Compagnie.
Direkt von Cesc Gelaberts Tanzsolo kann das Publikum am Mittwochabend in das Bauhaus wechseln, wo es um 21 Uhr in seiner gesamten Masse dem Schauspielensemble des Anhaltischen Theaters begegnet. Innerhalb des Haus[funk]abends "Figur-Raum-Bewegung"
wird Dessaus Chefregisseurin Andrea Moses Peter Handkes Schauspiel "Die Stunde, da wir nichts voneinander wussten" als Performance inszenieren. "Eine einmalige Gelegenheit, alle unsere Schauspieler kennen zu lernen", warb Moses bereits bei der Eröffnung des Festivals für diesen außergewöhnlichen Abend.
Peter Handke schuf mit "Die Stunde, da wir nichts voneinander wussten" ein ganz besonderes Theaterstück, denn es kommt völlig ohne Text aus. Das Stück besteht einzig aus einer 60-seitigen Regieanweisung, die die Begegnungen und Begebenheiten beschreibt. Handke webt aus vielen kleinen Szenen eine Stunde, die einen Querschnitt durch die Gesellschaft und das Leben zeigt. Er beschreibt den Weg des Theaters in die Sprache, das Spiel steht im Vordergrund. Auch das Bühnenbild ist im Original des Dichters ein völlig freier Platz. Am Mittwochabend im Bauhaus wird dieser nun auf der Bühne entstehen. Mehr als ein Dutzend Akteure spielen Alltägliches, begegnen einander, helfen sich gegenseitig, behindern sich, verlieben sich, schließen sich zu Gruppen zusammen und lösen sie wieder auf.
Die Möglichkeit, Teil einer multimedialen Performance zu werden, bietet den Festivalgästen dann am Donnerstag der Workshop (14 bis 17 Uhr) "Interaktive intermediale Performance", gehalten von Jörg U. Lensing und Thomas Neuhaus. Lensing ist gemeinsam mit Sylvia Wanke am Abend um 19 Uhr auch Gast des Festivalcafés, zu dem in den Bauhausklub eingeladen wird. Beide widmen sich der Bauhausbühne in einer Spurensuche und werden davon berichten.
21.11.2009, 10:18 | tags: Spielzeit, das neue Team, Diverses, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Thomas Steinberg, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 21.11.2009
Zwischen Diskurs und Diskussion
Der Intendant des Anhaltisches Theaters blickt im Gespräch auf die ersten 100 Tage im Amt zurück
Seit 100 Tagen ist der neue Intendant des Anhaltischen Theaters André Bücker im Amt. Über den Start, Veränderungen am Theater, Reaktionen des Publikums und Zukunftspläne sprach Thomas Steinberg mit ihm.
Unter den Besucherkommentaren auf der Website des Anhaltischen Theaters findet sich die Klage, wohl mehr am hemdsärmeligen Publikum interessiert zu sein denn am treuen. Herr Bücker, wollen Sie die Abendroben aus dem Theater verbannen?
Bücker: (lacht) Nein, überhaupt nicht, ich hab auch nicht den Eindruck, dass die Abendrobe verdrängt ist. Wir haben zum Beispiel die Operngala - übrigens zwei Mal gespielt, zwei Mal ausverkauft - wo es durchaus festlicher zugeht, aber auch junge Leute kommen, und die sind, glaube ich, ein bisschen gemeint mit dem Begriff hemdsärmelig. Wir wollen das Festliche weder verbannen noch das Hemdsärmlige vorschreiben: Aber die Leute gehen heute ja auch anders in Theater, sie kommen, wegen dem was es zu sehen gibt.
Ohne die alten Geschichten aufzurollen - dennoch: der Start war für die Neuen alles andere als unkompliziert. Es gab sehr viel Skepsis, nicht zuletzt im Haus. Wie schätzen Sie heute das Klima im Theater ein?
Bücker: Als ausgezeichnet. Wir haben das Premierenwochenende auf die Agenda gehoben, um zu zeigen, hallo, hier sind wir, hier passiert was Neues. Das hatte Wirkung nach außen und innen. Es hat das Haus an die Grenzen der Belastbarkeit gebracht, aber es haben alle Mitarbeiter an einem Strang gezogen. Wir haben gemeinsam gearbeitet und konnten uns gemeinsam freuen. Ich bin sehr stolz darauf, was dieses Haus geleistet hat, und glaube, das sehen fast alle Mitarbeiter genauso.
Skeptisch zeigten sich auch Teile des Stammpublikums. Bei der Premiere des "Lohengrin" konnte man den Eindruck gewinnen, die Buhrufe galten nicht nur der Regisseurin Andrea Moses, sondern insgesamt den Veränderungen am Theater. War der Lohengrin gedacht als ein bewusster Bruch mit der Ära Felsenstein?
Bücker: Das würde ich überhaupt nicht so sehen. Es gab keinerlei Kommentarebene in der Inszenierung zu dem, was vorher hier auf der Bühne stattgefunden hat. Ich finde, der Lohengrin ist eine handwerklich sehr gut gemachte, kluge Inszenierung, hervorragend musiziert mit tollen Sängern - dieser Lohengrin steht für sich. Diejenigen, die den Lohengrin kritisieren, haben anscheinend die Bravo-Rufe nicht gehört. Die Oper verkauft sich hervorragend, die Leute kommen auch aus Berlin, Leipzig, Halle, teilweise aus Süddeutschland, aus Österreich. Diese Aufführung hat eine große Kraft entwickelt und eine enorme Aufmerksamkeit erregt in der Theaterlandschaft, was natürlich positiv auf die Stadt zurückfällt.
In den Kritiken der regionalen Medien wird derzeit immer wieder Bezug genommen auf die jüngere Vergangenheit, meist, um mit ihr abzurechnen. Wie gehen Sie damit um?
Bücker: Ich mache nicht ein bestimmtes Theater, weil es vorher ein anderes gegeben hat. Die Vergangenheit interessiert mich als die Geschichte eines Ortes, dessen kulturelle Linien und Wurzeln, nicht als eine bestimmte Theaterästhetik, die man aufarbeiten müsste oder gegen die man anarbeiten müsste. Es gibt gewisse Traditionslinien in Dessau: Wagner, Weill, überhaupt das große Musiktheater - das wollen die Leute hier sehen. Das zu zeigen, ist auch unserer Anspruch.
Was auffällt: Mit den "Gesängen aus 1001 deutschen Nacht" ist das Theater in die Stadt gegangen, beim ersten Sinfoniekonzert hat Antony Hermus für Dvoráks "Te Deum" alle größeren Laien-Chöre der Stadt eingeladen. Waren das einmalige Aktionen oder ist dies Programm, einerseits das Gehäuse Theater zu verlassen, andererseits Leute als Mitwirkende ins Theater zu holen, die auch nur im entferntesten etwas damit zu tun haben könnten?
Bücker: Ja, das ist durchaus programmatisch. Wir werden in der Spielzeit noch ein Schauspielprojekt haben, bei dem Laien und Profis zusammen auf der Bühne stehen, wir hatten das 89jetzt!-Projekt, wo wir mit Menschen in der Stadt Kontakt gesucht hatten, wir werden ein Scratch-Konzert haben, wo Sangeswillige und -wütige gemeinsam mit unserem Generalmusikdirektor Antony Hermus die Carmina Burana einstudieren.
.innerhalb von 24 Stunden.
Bücker: .genau, innerhalb von 24 Stunden. Diese Beteiligungsprojekte - ob nun Simon Rattle mit "Rhythm is it" oder Rimini-Protokoll mit den Experten des Alltags - haben ja immer mehr Einzug gehalten, gerade bei Stadttheatern. Sie sollen aber in keiner Weise die festliche Opernaufführung ersetzen, aber es ist eine Bereicherung im Diskurs über das, was Theater sein soll. Theater hat einen Bildungsauftrag und kann eine gesellschaftliche Funktion wahrnehmen, ein Ort des Diskurses und der Diskussion sein über zeitgenössische Themen, über Ästhetik.
Und dazu müssen wir die Menschen erreichen und faszinieren, was nicht nur über Zuschauen, sondern ebenso über Mitmachen funktioniert, wie sich in den theaterpädagogischen Programmen zeigt. Da passiert unheimlich viel: so wie es wertvoll ist, wenn Kinder ein Instrument erlernen, ist es wichtig für die Persönlichkeitsentwicklung, wenn man Theater spielt, sich in andere Figuren, in andere Menschen hineinversetzt.
Wie versucht das Schauspiel das Verhältnis zwischen dem Großen Haus und dem Alten Theater auszusteuern? Welche Funktionen haben beide Bühnen?
Bücker: Die große Bühne ist eine große handwerkliche Herausforderung, sowohl für die Schauspieler als auch für den Regisseur. Schauspiel muss natürlich seinen Platz auf der großen Bühne haben, und ich wünsche mir, dass wir fürs Schauspiel noch mehr Leute begeistern können. Gerade hier ist es wichtig, die großen Klassiker zu zeigen, auch das Märchen mit seiner großen Tradition in Dessau.
Das Alte Theater wiederum ist eher eine Experimentierstätte für Formate, die man auf der großen Bühne gar nicht machen kann, für Gegenwartsstücke, zeitbezogenes Theater, für Uraufführungen wie Einar Schleefs "Abschlussfeier". Ich möchte das Alte Theater noch stärker zu einem Ort entwickeln, wo man einfach so hingeht, abends vorbeischaut und guckt: ist was los? Oder man einfach ein Bier trinkt.
Im Alten Theater laufen mit der Mono-Oper "Anne Frank" und "Der Kick" Stücke, bei denen der Unterhaltungscharakter ganz klar im Hintergrund steht. Wie geht das Publikum damit um?
Bücker: Das ist interessant: Gerade "Der Kick" läuft gut, vor allem durch Schulen, aber auch im Abendprogramm. Ich denke, es gibt neben dem Bedürfnis nach Unterhaltung auch ein großes Bedürfnis nach der Beschäftigung mit den ernsten, wichtigen Themen auf dem Theater.
Das Puppentheater hatte zu Beginn der Saison noch etwas Schonung, ist jetzt mit der Weihnachtszeit verstärkt gefragt. Wie steht es um dessen Zukunft, da ja die Kooperation mit Magdeburg auslaufen soll?
Bücker: Die Kooperation besteht in dieser Spielzeit, und das Puppentheater wird auf jeden Fall bestehen bleiben, auch in einer Zusammenarbeit mit Magdeburg. Wie eng diese sein wird, wird sich zeigen.
Das Theater zeigt sich jetzt häufiger mit Formaten, die es bislang eher selten gab, etwa mit Talk-Shows. Doch nach dem Auftakt zur Reihe "Contrapunkt - Talk für Toleranz und Demokratie"" der ja von Publikum.
Bücker: .dazu möchte ich lieber nichts sagen, ach Gott, furchtbar.
.als Debakel empfunden wurde, muss ich fragen: Es wird ja wohl keine Fortsetzung geben?
Bücker: Ja, scheitern als Chance. Da sehe ich nach dem Auftakt keine Chance, es unter dem Label und in dieser Konstellation weiterzuführen.
Frage zum Funk-Projekt - das erscheint momentan leicht verrauscht.
(lacht) Ja, das hat Funk als analoges Sendemedium so an sich. Es ist ein großartiges Projekt, vor allem, weil wir dabei so eng mit dem Bauhaus zusammenarbeiten.
Es verästelt sich fast unbemerkt in ganz viele andere Veranstaltungen, deshalb ist Funk auf den ersten Blick nicht scharf umrissen erkennbar. Hier, zum Beispiel beim Bauhaus-Tanzfestival, gibt es zwei Projekte, die maßgeblich durch Funk initiiert oder inspiriert sind. Surpremalevich gehört dazu und auch das, was Andrea Moses auf der Bauhausbühne macht; es gab diverse Konzepte, Lesungen, Interviews; das Tolle ist die immer stärkere Bindung vor Ort, an Akteure vor Ort. "Hermes in der Stadt" - eine Tanzperformance mit dem Bauhaus.
Stichwort Tanztheater: Auch hier ist eine deutlich andere künstlerische Handschrift erkennbar; wie hat das Publikum reagiert? Gregor Seyffert war ja außerordentlich beliebt mit seinen Arbeiten.
Bücker: Wir haben insgesamt einen scharfen Schnitt gemacht und es sind viel diskutierte Wechsel vollzogen worden, auch strukturelle, was anfangs teilweise ja massiv skeptisch aufgenommen wurde. Das Schöne war, dass alle Sparten sich auf den Punkt hervorragend präpariert präsentieren konnten. Und da ist Tomasz Kajdanski unbedingt zu nennen mit seiner "Lulu", einem Stück mit hoher Energie, Erzähllust, mit einer großen Sinnlichkeit und mit einem phantastisch aufgelegten Orchester unter unserem Ersten Kapellmeister Daniel Carlberg, so dass klar wurde, es steht für sich und muss sich nicht an Vorgängern messen lassen.
Mit Irritation ist aufgenommen worden, dass es zwei, drei Wochen nach Spielzeitbeginn hieß: Moses geht - die leitende Regisseurin für Schauspiel und Musiktheater wird nach Stuttgart wechseln. Führt Herr Bücker schon Verhandlungen über eine neue Intendantenstelle?
Bücker: Na ja, Moses geht nicht ganz. Andrea Moses wechselt zur Spielzeit 2011 / 12 als Chefregisseurin an die Staatsoper nach Stuttgart, was phantastisch ist, wird dort zwei Inszenierungen machen und hier eine pro Jahr. Dieses Team, das sich hier gefunden hat ist großartig - das Zusammenspiel funktioniert sehr gut.
Der zweite Teil der Frage galt Ihnen.
Bücker: Mir? Ach, das hatte ich gar nicht verstanden. (lacht) Ich habe einen Vertrag bis 2013 und den werde ich erfüllen.
17.11.2009, 21:38 | tags: Spielzeit, Funk, Diverses | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 17.11.2009
Uraufführung supremalevich: eine [funk]oper in fünf akten oder "fünf Arten Kasimir Malewitsch zu loben"
Am 20. November um 19:00 Uhr wird die Produktion supremalevich: eine [funk]oper in fünf akten oder "fünf Arten Kasimir Malewitsch zu loben" in einer Uraufführung auf der Bauhausbühne zur Premiere gebracht. Die [funk]oper supremalevich, welche in einem Studio auf der Bauhausbühne aufgezeichnet und live im Internet übertragen wird, bezieht sich auf die einzige Auslandsreise, die Kasimir Malewitsch im Jahr 1927 unternommen hat, um unter anderem auch das Dessauer Bauhaus zu besuchen. Sie präsentiert in fünf Akten fünf Arten ihn zu loben: seine Ankunft, sein Glauben, sein Schweben, seine Standpunkte und seine Nützlichkeit. Dabei werden
Malewitschs Visionen einer suprematistischen Kunst, die die Welt und den Menschen umfassend
verändern sollten, stimmlich und gestisch, plastisch und figürlich, tänzerisch und musikalisch neu übersetzt sowie in die Dessauer Gegenwart geholt. Das Projekt wurde durch Iwona Malevicz -
eine Großnichte von Kasimir Malewitsch - inspiriert, von Dessauer Bürgern unterstützt und soll im September 2010 im Muzeum Sztuki in Lodz als performative Installation eine Fortsetzung
erfahren. Während der Aufführung auf der Bauhausbühne werden Künstler in Bratislava via
Internet beteiligt sein.
Supremalevich ist eine Koproduktion der Stiftung Bauhaus Dessau, des
Anhaltischen Theaters Dessau und des Kunstmuseums Lodz (Polen), mit Unterstützung der Malewitsch-Kunst-und Kulturförderung e.V. Düsseldorf und Teil des [funk]projektes, das im
Fonds Heimspiel der Kulturstiftung des Bundes gefördert wird.
Leitung: Torsten Blume | Konzept: Torsten Blume, Marold Langer-Philippsen, Michael Nocon |
Szenische Einrichtung Schauspiel: Martin Neuhaus | Szenische Einrichtung Tanz: Torsten Blume
| Dramaturgie: Maria Viktoria Linke | Video und Sound: Marold Langer-Philippsen, Shintaro Imai
Mitwirkende:
Schauspiel: Christel Ortmann, Hans-Jürgen Müller-Hohensee | Ballett: Joe Monaghan, Johan
Plaitano, Kengo Yamazaki, Gabriella Gilardi, Anis Kajdanski-Tasarz, Yulia Gerbyna, Sarah
Kirchner | Gesang: Mila Kaiyama | Musiker in Bratislava
Weitere Termine: 21.11.09, 21 Uhr Bauhausbühne
Eintritt: 10,-/ 7,- Euro
Karten unter: Stiftung Bauhaus Dessau 0340 – 65 08 250
06.11.2009, 15:38 | tags: Spielzeit, Schauspiel/Musiktheater, Musiktheater, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Helmut Rohm, Zerbster Volksstimme, 6.11.2009
Anhaltisches Theater: „Das Tagebuch der Anne Frank“ als Monooper
Bewegendes Schicksal im Damals und Heute
Auf dem Blatt eines großen Abreißkalenders steht: „12. Juni 1942“. Zwischen großformatigen Bildern über die Nazidiktatur und den Holocaust an den Ausstellungswänden fallen Fotos auf, die ein junges, dunkelhaariges Mädchen zeigen. Ein Bild, das weltweit bekannt ist: Anne
Frank. Ihr Schicksal und das ihrer jüdischen Familie kennt die Welt. Ihr Tagebuch aus den Jahren des Verstecks vor den Nazis bewegt die Menschen.
Generalintendant André Bücker hat die Monooper „Das Tagebuch der Anne Frank“ am Anhaltischen Theater Dessau inszeniert.
Es gibt über Anne Frank zahlreiche Literaturveröffentlichungen, Bühnenwerke und andere Ver- und Bearbeitungen. In engster Anlehnung an den Originaltext komponierte der russische Komponist Grigori Frid (geb. 1915) die 1969 uraufgeführte Monooper. Das Dessauer Publikum erlebt die Klavierfassung mit der Sopranistin Cornelia Marschall und Stefan Neubert am Flügel.
André Bücker spannt einen dramatischen Bogen vom Damals zum Heute. Ins Zentrum stellt er das Tagebuch selbst. Symbolisch als Objekt in einer Art Schrein. Die „Handlung“ manifestiert sich in Anne Frank, deren Gedanken, ihren Erlebnissen.
Eine Betrachterin von Heute schaut sich die Bilder und Dokumente an, liest im veröffentlichten Tagebuch. Beeindruckt und gefesselt versetzt sie sich in die junge, 13-jährige Anne, lebt und fühlt wie sie, wird selbst zu Anne Frank.
Der Zuschauer ist mittendrin. Cornelia Marschalls variabler Gesang mit stets bestem Textverständnis und vor allem ihr situativ stimmiges Spiel lässt den Zuschauer nachdrücklich
teilhaben am Wechselspiel der Hoffnungen und Ängste, an Freude und Verzweiflung, an Träumen und Konflikten der jungen Anne Frank. Die Musik von Frid in einer bewegenden Bandbreite von stiller Epik bis aufrüttelnder Dramatik wird von Stefan Neubert gefühlvoll und hochkonzentriert in bewundernswerter Übereinstimmung mit der Darstellerin ausdrucksstark
interpretiert.
In 21 Episoden – knappen Bildern und kurzen, prägenden Augenblicken des Lebens dieser
kurzen Zeit – wird die Tragik des Erlebten der Anne Frank zwischen Kindsein und Erwachsenwerden für den Zuschauer selbst erlebbar, geht nahe. Die Darstellerin wird am Ende der einstündigen Oper wieder zur Betrachterin, ist im Heute. In einer Zeit, in der die Realität des Rechtsradikalismus, des Rassismus, der Gewalt gegenwärtig ist. Bückers Inszenierung macht darauf nachdrücklich aufmerksam – fordert geradezu auf zum Nachdenken und zum Handeln gegen diese reale Gefahr. Mitten unter uns. Als der leise Schlusston im Studio des Anhaltischen Theaters Dessau im Kulturzentrum „Altes Theater“ verklungen ist, dauert es bei der Premiere eine geraume Zeit des Betroffen-, wohl auch Ergriffenseins, ehe diese denkwürdige Inszenierung mit viel Beifall bedacht wurde.
Die nächsten Vorstellungen finden am kommenden Montag, dem 9. November, um 18.30 Uhr und am Dienstag, dem 10. November, um 11 Uhr statt.
03.11.2009, 13:36 | tags: Spielzeit, Schauspiel, Musiktheater, Anhaltische Philharmonie, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Andreas Hillger, Die Deutsche Bühne, 11 | 2009
Raus aus der Vergangenheit
André Bücker vollbringt am Anhaltischen Theater in Dessau einen auf ganzer Linie überzeugenden Neustart als Nachfolger von Johannes Felsenstein
Eine Putzfrau, ausgerechnet eine Putzfrau ist es, die zur Augenzeugin der Verschwörung wird: Im verwüsteten Plenarsaal, wo Luftballons zwischen umgeworfenen Stühlen liegen, blickt sie schweigend auf den abgesetzten Herrscher und seine First Lady herab. Und während sich die Anhänger des Gewesenen spätestens in diesem Augenblick auf radikale Ablehnung einigen, sehen all jene, die auf das Kommende gehofft haben: Hier findet tatsächlich ein Akt der Reinigung statt, ein Kehraus jener Tradition, die auf dem Anhaltischen Theater zuletzt bleischwer lastete.
Nichts weniger hatte André Bücker für seine erste Dessauer Spielzeit angekündigt, nichts weniger hat sein Team mit dem ersten Premierenwochenende gehalten: Der Premieren-Hattrick aus Einar Schleefs „Abschlussfeier“, Richard Wagners „Lohengrin“ und Gotthold Ephraim Lessings „Nathan der Weise“ war eine politische und poetische Ansage, die in ihrer programmatischen Geschlossenheit wie in ihren ästhetischen Differenzen zu schönsten Hoffnungen für die Zukunft berechtigte. Dass sich der neue Generalintendant dabei in nobler Zurückhaltung übte und seine eigene Inszenierung an den Schluss des großen Theater-Festes stellte, durfte nach den Tagen des Patriarchen Johannes Felsenstein als Bekenntnis zum demokratischen Miteinander verstanden werden.
Die Fallhöhe seines „Nathan“ aber ist gleichwohl himmlisch: Rechas Vision, die einen Engel statt des Tempelherrn für ihre Rettung aus dem Feuer verantwortlich macht, wird als Prolog auf der großen Showtreppe zwischen Erde und Wasser, Feuer und Luft sichtbar beglaubigt. Im elementaren Bühnenbild von Suse Tobisch, die auch für die sakrale Haute Couture der Kostüme verantwortlich zeichnet, liest das neue Ensemble fortan einen alten Text, als wäre er ein Stück von heute. Uwe Fischers Nathan ist kein statuarischer Weiser, sondern ein von Kleinmut und Zweifeln getriebener Mensch, der sich seine Güte mühsam erarbeiten muss – und eigentlich lieber sein Gärtchen bestellen würde. Doch seitdem der selbstbewusste, kraftstrotzende Tempelherr (Sebastian Müller-Stahl) seine traumverlorene Adoptivtochter Recha (Ines Schiller) aus den Flammen getragen hat, bleibt ihm weder Zeit für seinen skurrilen Derwisch-Freund (Thorsten Köhler) noch für die Glaubensnöte seiner Dienerin Daja (Eva-Marianne Berger), die unter der Last ihrer Kruzifixe zusammenzubrechen droht und vom vielen Beten schon Pflaster an den Knien hat. Zwischen dem bigotten Patriarchen (Gerald Fiedler) und dem leichtsinnig toleranten Kampfsportler Saladin (Stephan Korves) muss der Jude sein höchstes Gut verteidigen – und gleichzeitig die Begehrlichkeiten von Sittah (Antje Weber) abwehren. Wie gut, dass wenigstens der Klosterbruder (Henning Kober) als Deus ex machina hält, was sein mit Heiligenbildchen bestickter Kittel verspricht …
André Bücker glückt es auf überraschende Weise, den Humor des Lessing-Textes als Geschmacksverstärker für die Bitterkeit freizulegen, er schlägt in der überwältigenden Körperlichkeit seines Ensembles einen gleichermaßen natürlichen wie hohen Ton an – und läuft am Ende in einhellige Begeisterung, nachdem sich am Vorabend ein Sturm aus Buh- und Bravo-Rufen über seine neue Chefregisseurin ergossen hatte. Dabei war auch Andrea Moses mit ihrem „Lohengrin“ ein großer Wurf gelungen: Sie hatte nicht nur den schimmernden Helden als Demagogen entzaubert, der mit seinem Frageverbot einen esoterischen Faschismus etabliert. Sie hatte zugleich den Hochbunker aus dem Jahr 1938 in all seinen gigantischen Möglichkeiten ausgeschöpft – und mit dem Haus auch die Menschen bewegt.
Denn dies war die frappierendste Neuerung ihres Abends, der in Christian Wiehles Ausstattung Schnürboden und Versenkung, Hinter- und Seitenbühne beansprucht: Ihre individuelle und präzise Figurenführung löste endlich jene musiktheatralische Qualität ein, die in den letzten Jahren vor Ort meist zur bloßen Behauptung verkommen war. Der Chor, verstärkt um Mitglieder des Extrachores und des freien Coruso-Ensembles, zeigte sich unter der Leitung von Helmut Sonne sängerisch wie darstellerisch in der Form seines Lebens, die Anhaltische Philharmonie spielte unter Antony Hermus gar weit über ihren bisherigen Möglichkeiten. Wie hier die Szene aus dem Klang geschöpft und in den Ton zurückgeführt wurde – das hatte Charme und Kraft, das war eine Verführung zum Denken und ein Bekenntnis zum „Bayreuth des Nordens“.
Dass sich neben den verlässlichen Konstanten Ulf Paulsen (Telramund) und Iordanka Derilova (Ortrud) ein neues Sängerensemble behauptete, von dem man sich künftig viel erwarten darf, rundete den positiven Eindruck: Pavel Shmulevich ist ein viriler König Heinrich, neben dem auch sein Heerrufer Wiard Witholt glänzende Figur macht. Und während Bettine Kampp als zunächst narkotisiertes Opfer Elsa allmählich zur selbstbewussten Frau reift, die als Einzige dem militanten Sog der New-Age-Gemeinde entrinnt, muss Andrew Sritheran in seinem Rollendebüt als Lohengrin zwar Lehrgeld zahlen. Er rettet sich – von Antony Hermus treulich geführt – aber mit Bravour über den Abend und wird an dieser Rolle gewiss weiter wachsen. Dass das gesamte Ensemble am Ende zudem wie ein Mann applaudierend hinter seiner Regisseurin stand, die drei Tage nach ihrem Dessauer Einstand mit der Berufung an die Staatsoper Stuttgart bereits die nächste Karriere-Stufe nahm, war ein Beweis für den neuen Geist, der auf dieser großen Bühne weht – und der Andrea Moses auch darin bestärkt, ihren Dessauer Vertrag bis 2011 zu erfüllen.
Dass Armin Petras schließlich ein besonderes Geschenk zum Einstand mitbringen würde, hatte man angesichts seiner Affinität zum Werk von Einar Schleef vermuten dürfen. Und tatsächlich geriet die „Abschlussfeier“, die vom Clash der Kulturen in einer DDR-Jugendherberge erzählt, zu einem Schauspielerfest voll überdrehter, traurig grundierter Heiterkeit: Ursula Werner und Hilke Altefrohne, Julischka Eichel und Sabine Weibel gaben als Gorki-Gäste hier das Niveau vor, zu dem sich auch die Ensemblemitglieder Regula Steiner-Tomic und Christel Ortmann sowie der Jugendklub des Anhaltischen Theaters streckten. Aus der kleinen Spielstätte wuchs und öffnete sich dieser so kluge wie sentimentale Abend in die Stadt hinein. Und am Ende der großen Party in einem kleinen Land konnte man wissen, dass dort vielleicht nicht alles schlecht – aber ganz gewiss gar nichts gut war.
Dass bereits in der ersten „Lohengrin“-Pause das neue Gästebuch mit dem Eintrag „André Bücker absetzen“ eröffnet worden war, erzählte viel über die Aufnahmebereitschaft der Alten für das Neue. Das letzte Wort aber hatte der Hausherr selbst: Nachdem ein Kinderchor die drakonische Strafe für Menschlichkeit zunächst noch mit „Hallelujah“ bejubelt hatte, schwebte am Ende eine bunte Leuchtschrift über der Szene: Ein roter Halbmond bildete das „C“, ein Davidsstern das „X“ und ein Kreuz das „T“ in dieser Aufforderung, die sich insgesamt als „Coexist“ lesen ließ. Und Nathan, dieser Mensch von Hier und Heute, pflanzte endlich seinen Baum. Was für ein Bild, welch ein Versprechen!
30.10.2009, 19:32 | tags: Spielzeit, Diverses | Autor: Franziska Blech
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 30.10.2009
In «Räuberzivil» in die Marienkirche
Anhaltisches Theater startet mit «Jazz' n Talk für Toleranz» eine Show mit Heinz Rudolf Kunze

In Deutschland wird gerne getalkt. Im Fernsehen sowieso, auf Bühnen und Podien. Will man im Reigen dieses Formates auffallen, dann muss man etwas Besonderes bieten. Das Anhaltische Theater tut dies mit einer Talk-Runde "Jazz' n Talk - Show für Sachsen-Anhalt". Am kommenden Mittwoch, dem 4. November, ist sie erstmals um 20 Uhr in der Dessauer Marienkirche zu erleben. "Jazz und Talk für Toleranz" steht über dieser neuen Reihe, die Matthias Horndasch moderiert und die es viermal in dieser Theaterspielzeit geben wird.
Beim Auftakt sitzt Horndasch der Musiker Heinz Rudolf Kunze zur Seite. Taufrisch ist dessen neues Doppel-Album "Räuberzivil", gelobt von der Kritik, denn vereint es doch all jenes auf zwei CD, wofür Fans des frühen Kunze-Werkes den Mann liebten. Sieben neue Lieder sind auf "Räuberzivil", viel Bekanntes wie "Bestandsaufnahme" und "Ich hab's versucht", auch Hits, die ihn der breiten Masse bekannt machten: "Finden Sie Mabel", "Wenn Du nicht wiederkommst". Und dann gibt es da noch reichlich gesprochenen Text, Kunze seziert und analysiert. Klug, beißend, sehr intellektuell, der Mann war immer mehr als nur ein Sänger, und wenn er auch selbst einmal behauptete "Glaub keine Sänger", so kann man ihm doch immer noch in vielen Dingen trauen.
Das mag auch daran liegen, dass Heinz Rudolf Kunze viel reist. In den kleinsten Nestern in Ost und West gastiert er seit Jahren schon. Er liebe die Provinz, erzählt er im Gespräch mit der MZ. Dass es bei der Talkrunde am Mittwoch in Dessau auch um 20 Jahre Wende gehen wird, ist ihm klar. "Ich habe ja Gelegenheit, Befindlichkeiten aufzunehmen, da bleibt mir kaum was verborgen", erzählt Kunze und macht eine gewisse Ernüchterung im Osten aus. "Die Menschen wissen ganz genau, was ausgeblieben ist, aber auch was passiert ist", meint er, eine "gewisse Normalität" stelle sich nun ein.
Der Osten Deutschlands war dem gebürtigen Osnabrücker immer sehr nah. "Wir hatten viel Verwandtschaft hier, in den Herbst- und Osterferien war ich bei der Oma bei Berlin und dann wurde die ganze Sippe besucht", sagt er. So war Kunzes Blick auch nie mystisch verklärt, wie es bei vielen Linksintellektuellen des Westens in den 1970er Jahren gang und gäbe war. "Da hielt ich mich zurück." Einem politischen Lager war er ohnehin nie fest zuzuordnen. "Ich habe mir immer das rausgepickt, was mir wichtig war", sagt Kunze.
Am Mittwoch will er in Dessau nicht nur reden, sondern auch singen, mit seiner kleinen Besetzung von "Räuberzivil" lasse sich das gut machen. Und den Titel der CD erklärt er vorher auch: "Ich habe ja einen Faible für Ausdrücke, die im Verschwinden begriffen sind. Räuberzivil ist so einer. Und so wie es der Begriff meint, werden wir auch auftreten, ungezwungen".
Für den Abend kann das nur gut sein, denn Matthias Horndasch will in der Marienkirche nicht nur mit seinem Gast, sondern auch mit dem Publikum ins Gespräch kommen. Horndasch ist ein mediales Multitalent, ist Journalist, Autor, Pianist und Komponist. Mit Talk-Show-Formaten und Themengesprächen ist er deutschlandweit unterwegs. Mit seinem Gast Kunze und dem Talk-Show-Ort Dessau hat er eine Menge Anknüpfungspunkte. Es sei an die "Stern-Umfrage" vor ein paar Jahren erinnert, als Osnabrück als lebenswerteste Stadt Deutschlands genannt wurde und Dessau das Schlusslicht war. Und hat es was zu bedeuten, dass O-4500 und W-4500 die Postleitzahlen beider Städte vor 20 Jahren waren? Horndasch kann dem nachgehen. Und wenn er nicht mehr viele Worte machen will, dann tut's am Mittwoch auch die Musik, nicht umsonst ist Jazz im Titel des Abends annonciert.
Mit dabei ist für diesen Part Matthias Horndaschs Ensemble "The New International". Gemeinsam mit Ramani Krishna aus Indien und Joe DiCarlo aus den USA begreift sich Pianist Horndasch in dieser Besetzung als Nachfolge-Formation des legendären Trios "The International". Virtuoses und Mood-Betontes im Fusionsbereich von Klassik, Jazz und Jazzrock sind angekündigt. Statt der üblichen Moderationen zwischen den Konzerttiteln erzählen Horndasch, Krishna und DiCarlo Miniaturgeschichten bzw. Anekdoten aus ihren bewegten Künstlerbiografien zwischen unterschiedlichen Ländern. Wie viel freilich davon in Dessau zu Gehör kommt, wird man sehen. Vorrangig soll es beim neuen Format des Anhaltischen Theaters schließlich um Toleranz gehen.
29.10.2009, 08:56 | tags: Spielzeit, Schauspiel/Musiktheater, Musiktheater, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 29.10.2009
Premiere
Ein Mädchen im Erinnerungsraum
André Bücker inszeniert im Alten Theater die Mono-Oper «Das Leben der Anne Frank»
Rechts zeigt ein Abreißkalender den Tag ihres 13. Geburtstages, an allen Wänden hängen Fotos und Plakate, in der Mitte aber ruht in einer blau glühenden Vitrine ihr Vermächtnis - das Tagebuch der Anne Frank. Wäre da nicht ein Fenster, das an den Dachboden im Hinterhaus der Prinsengracht Nummer 263 gemahnt - man könnte meinen, man wäre in einem Museum für die Amsterdamer Jüdin gefangen, deren Schicksal längst zum Synonym für den Holocaust geworden ist. Und tatsächlich ist die junge Frau, die hier noch einmal die berühmten Texte memoriert, nicht nur eine historische Gestalt, sondern auch ein Mensch der Gegenwart. Alles andere, das weiß man nach diesem Abend, wäre pietätlose Anmaßung.
Wie konnte man "Das Tagebuch der Anne Frank" nur all die Jahre im Gestus einer nachträglich betroffenen Schreckstarre darstellen, der ein politisch korrektes Kritik-Verbot eingeschrieben war? Was Generalintendant André Bücker mit der ideal besetzten Cornelia Marschall und dem kongenialen Pianisten Stefan Neubert jetzt aus Grigori Frids Mono-Oper herausgelesen hat, straft all diese Interpretationen Lügen. Denn die Inszenierung im Alten Theater denkt die Rezeptionsgeschichte immer mit: Anne Frank geht hier durch einen Erinnerungsraum, der nationalsozialistische Propaganda unmittelbar mit den Zeugnissen der Shoa konfrontiert. Da hängen Werbeplakate von Gestapo und Hitlerjugend neben den Bildern des Mädchens mit dem schwarzen Haar, das so fröhlich und offen in die Kamera blickt. Und da hängt eine Textpassage aus dem Tagebuch neben den Fotos von Massengräbern und vom Schienenstrang zur Gaskammer, während sich auf dem Boden Exemplare des millionenfach vervielfältigten Tagebuchs finden.
Das ist die unterschwellig mitlaufende Botschaft dieses kleinen, großen Abends in der Ausstattung von Katja Schröpfer: Anne Franks Leben, das sich nur von ihrem Tod im Konzentrationslager Bergen-Belsen her begreifen lässt, ist unwiederbringlich seiner Privatheit beraubt worden. Dass das junge Mädchen dies mitgedacht hat, als es seine Memoiren für eine Veröffentlichung nach dem Krieg vorbereitete, ändert nichts an diesem Befund: Die Kinder der Täter haben ihre Reue an einem exemplarischen Opfer abgearbeitet, das Dilemma der Besinnung auf die Schuld bleibt unauflöslich. Das zeigt auch die subtile Collage aus Licht, Toneinspielungen und Video, die den Zuschauer nicht in die Anonymität eines abgedunkelten Auditoriums entlässt.
Über dieser ambivalenten Grundierung aber erlebt man eine Sängerin, die viele Farben und Gesichter in sich vereint: Cornelia Marschall kann übermütiges Kind und erwachende Liebende sein, sie parodiert und karikiert ihre Mitmenschen oder träumt gedankenverloren unter dem Fensterhimmel. Dass Stefan Neubert sie beruhigend und alarmierend, aber nie nur illustrierend durch diesen stimmlich wie darstellerisch bravourös gemeisterten Kraftakt begleitet, ohne dass sie Sichtkontakt hätten, ist bewundernswert. Am Ende aber, nachdem der Abreißkalender unabänderlich auf den 1. August 1944 - den Tag der letzten Eintragung - fixiert ist, nimmt Anne im Publikum Platz. Und es dauert eine gefühlte Ewigkeit der Stille, ehe begeisterter Applaus aufbrandet.
Nächste Vorstellungen: 9. November, 18.30 Uhr; 10. / 19. / 20. November, jeweils 10 Uhr
28.10.2009, 11:10 | tags: Spielzeit, Ballett, Anhaltische Philharmonie, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Helmut Rohm, Zerbster Volkstimme, 27.10.2009
Gefeierte Ballettpremiere am Theater Dessau
„Lulu“ – gescheiterte „Urgestalt des Weibes“
Barbusig und im überdimensionierten roten Kleid, einem (fragwürdigen) Denkmal gleich, wird Lulu als „Urgestalt des Weibes“ präsentiert. Videosequenzen vermitteln mehr schemenhaft Einblicke in ihr bisheriges, von Sex und Prostitution geprägtes Leben.
Am Anhaltischen Theater Dessau hatte das Ballett „Lulu“ seine vom Premierenpublikum gefeierte Uraufführung. Die Choreografie schuf der neue Dessauer Ballettchef Tomasz Kajdanski nach Frank Wedekinds Lulu-Tragödie. In zwölf expressiven Bildern zeichnet
Kajdanski das dramatische Leben und den Untergang der wunderschönen und lebenshungrigen Lulu nach. Nur scheinbar lebt sie ihre eigenen Wünsche, Begehrlichkeiten und Fantasien aus. Vielmehr ist sie gefangen, wird ständig getrieben, ist Spielball männlicher
Dominanz, den Verstrickungen und Intrigen ausgesetzt, emotional korrumpiert. Kajdanski ist eine spannungsgeladene Balance zwischen konsequenter Symbolträchtigkeit und einer bis ins feinste Detail wirkenden Körpersprache der handelnden Personen in ihrer sehr differenzierten bewegenden Persönlichkeitsstruktur gelungen.
Die harmonische Verknüpfung von ausgeprägtem klassischen Ballett und modernen Ausdrucksformen kommt völlig ungezwungen daher, setzt auch spannende Kontraste.
Und die Dessauer Ensemblemitglieder beherrschen diese Symbiose ausgezeichnet. Laura
Costa Chaud, die gesamten pausenlosen gut 80 Minuten fast durchtanzend, gestaltet die Lulu als einen wahren Gefühlsvulkan, der alle Facetten ihres rasanten Lebens offenlegt, den Zuschauer mitfühlen lässt. Schigolch, ihr mutmaßlicher Vater, erhält von Joe Monaghan eine geheimnisumwitterte Machtausstrahlung. Hervorzuheben auch Juan Pablo Lastras-Sanchez als Dr. Schön und Yun-Ju Chen als lesbische Gräfin Geschwitz.
Bravourös interpretiert die Anhaltische Philharmonie unter Daniel Carlberg die ausgewählten Kompositionen unter anderen von Rihm, Antheil, Alban Berg, Korngold, Schönberg und Schostakowitsch. Ein Halbrund mit vielen Türen ist optisches Zentrum des unaufdringlich aussagekräftigen Bühnenbildes von Ausstatter Dorin Gal. Kajdanski bezeichnete es als Destillat aus Bordell, Peep Show Location und Zirkus. Für Lulu ist es, trotz Strebens nach Freiheit und Unabhängigkeit, ein lebenslanges Gefängnis. Und das Rot der (gekauften) Liebe ertrinkt im Blutrot des Todes.
27.10.2009, 11:55 | tags: Spielzeit, Schauspiel, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 27.10.2009
Menschen erklären, was die Puppen sagen wollten
Der Regisseur Nino Sandow bringt auf der Puppenbühne «Der zerbrochne Krug» zur Premiere
Das ist so ein Tag, an dem man am liebsten im Bett bliebe: Verschrammt und verkatert quält sich der klumpfüßige Dorfrichter aus den Federn, nur langsam gewinnt die Erinnerung an seine nächtliche Niederlage Gestalt. Dass der Schreiber Licht ausgerechnet heute so verdächtig fröhlich ist, obwohl - oder gerade weil? - er eine spontane Visite des Gerichtsrats Walter anzukündigen hat, verschlimmbessert Adams Laune zusätzlich. Und vor der Tür sammeln sich schon Kläger und Beklagte, die seinen Richterspruch über einen zerbrochenen Krug erwarten .
Heinrich von Kleists Geschichte eines Sündenfalls lebt als Lustspiel ganz in und aus der Sprache: Wie sich hier alle Beteiligten um Kopf und Kragen reden, wie Lügen wuchern und Missverständnisse ins Kraut schießen - das ist Weltliteratur. Wenn man sich diesem funkelnden Text nun aber nicht allein mit Darstellern aus Fleisch und Blut, sondern auch mit Puppen nähert, dann muss man dafür gute Gründe haben - zumal der Dichter mit seinem Aufsatz "Über das Marionettentheater" einen der grundlegenden Essays über die Kunst-Figuren hinterlassen hat. Dass Nino Sandow diesen Text vor seiner Inszenierung "Der zerbrochne Krug" am Dessauer Puppentheater kannte, ahnt man am Schluss des Abends. Denn dort will er seinem Publikum den braven Ruprecht als Bären aufbinden - also als jenes Tier, das den Fechter Kleist durch seine instinktiven Paraden zum Wahnsinn treibt.
Aber dies bleibt dem unvorbereiteten Besucher so rätselhaft wie viele der Einfälle, mit denen der Regisseur seine ästhetisch ambitionierte Arbeit garniert. Zwar ist der Bühnenraum nach Entwürfen von Eberhard Keienburg mit seiner optischen Verzerrung und seinem Fensterkreuz-Schatten ein Geniestreich, weil er die Figuren zu Überlebensgröße steigert. Zwar wirkt der Tiger-Lillies-Look der Darsteller als geglückter Verweis auf große Vorbilder - die Geschichte aber wird bestenfalls in Ansätzen erzählt. Und daran ist nicht allein die knappe Spieldauer von 80 Minuten Schuld, die zudem noch mit stummen Momenten von fragwürdiger Bedeutsamkeit gestreckt wird.
Dass sich die Mägde Liese und Marthe in einen obszönen Knecht namens Hanfried verwandelt haben, dient der Wahrheitsfindung so wenig wie der überdrehte Auftritt des Gerichtsrats, auch der seltsame Beobachter hinter dem Fenster oder der Aufmarsch eines gackernden Federviehs stiftet keine Erkenntnis. Dass diese Regie-Attitüden zudem jene Passagen überstrahlen, in denen sich Adam seine Notlügen zurechtlegt und den Prozess mit Drohungen und Schmeicheleien beeinflusst, bleibt ein Problem. Man muss sich schon sehr konzentrieren, um dem Kriminalfall folgen zu können. Und das scheint auch dem Ensemble so zu gehen.
Helmut Parthier ist hinter der Puppe des Dorfrichters sichtlich sicherer als in seiner demaskierten Erscheinung als Gerichtsrat, den er paradoxerweise von Ivana Sajevic übernehmen muss, weil diese zum Finale in ihre Zweitrolle als Eve schlüpft. Pascal Martinoli macht als Licht wie als Ruprecht eine gute, wenngleich ein wenig harmlose Figur, während er als Bärenhäuter mit der Tücke des Kostüms zu kämpfen hat.
Und nachdem Uta Krieg als Marthe Rull zu Höchstform aufgelaufen ist, als sie die absurde Geschichte des Kruges in aller Ausführlichkeit dargeboten hat, wird Susanne Hessel als Frau Brigitte zur Überraschung des Abends: Denn dass der Deus ex Machina im Reich der Puppen von Christian Werdin als ein Mensch erscheint, der wiederum auf kuriose Weise verpuppt ist, scheint die klügste Pointe der Inszenierung. Am Ende aber müssen die Menschen erklären, was die Figuren eigentlich sagen wollten. So war das von Kleist gewiss nicht gedacht.
27.10.2009, 09:33 | tags: Spielzeit, Schauspiel/Musiktheater, Musiktheater, Anhaltische Philharmonie, Lohengrin | Autor: Franziska Blech
Reinhard Wengierek, Die Welt, 27.10.2009
Massen im Gleichschritt
Heute Dessau, übermorgen Stuttgart: Andrea Moses inszeniert einen fulminanten "Lohengrin"
Die sagenhaft 215. Spielzeit am Anhaltischen Theater zu Dessau wurde trompetenschrill und violinensüß eröffnet. Die komplett neue Führung unter Generalintendant André Bücker will den zuletzt ziemlich angestauten Muff hinwegfegen, den Ex-Intendant Johannes Felsenstein - Sohn des Opernavantgardisten Walter Felsenstein - in seiner Amtszeit von geradezu stalinistischem Ausmaß hinterließ.
Das Opern-Opening, flankiert von zwei Mal Schauspiel - eine Schleef-Uraufführung unter Armin Petras und Lessings "Nathan" unter Bücker -, dieser Start mit Wagners "Lohengrin" in Regie von Andrea Moses (Opern- und Schauspielchefin) und Antony Hermus (Generalmusikdirektor) war, um es gleich zu sagen, ein Paukenschlag von metropolitaner Kraft, der obendrein anspielt auf die Geschichte des einst von fürstlichen Gnaden gegründeten Instituts, das als ein "Bayreuth des Nordens" galt. Und das auch aus diesem Grunde (und um den "wehrwirtschaftlich" bedeutenden Standort zu umglänzen) von den Wagnerianern an der Nazi-Spitze 1938 einen deutlich überdimensionierten Neubau spendiert bekam.
"Lohengrin" handelt von der verbreiteten Sehnsucht nach einem machtvollen Führer ins Glück, einem verlässlichen Daseinsbeschützer - und obendrein selig machenden Liebhaber. Der Ritter Lohengrin - Andrew Sritheran als starker Mann im Business-Dress mit knallroter Krawatte - als Retter aus verfahrenen Situationen im Sozial-Politischen wie Privat-Erotischen, der jedoch, Wagners dramatischer Kniff, nur zu funktionieren imstande ist bei bedingungsloser Hingabe der sich ihm Anvertrauten: das Volk von Brabant in Kostüm und Anzug sowie die unglücklich einsame Elsa (Bettine Kampp).
Doch es klappt nicht, obgleich schicke Lohengrin-Hostessen unentwegt indoktrinäre Anleitungen zum rechten Glauben an den großen Meister verteilen. Weil: Die Glückseligkeit, die sich die formierte Mehrheitsgesellschaft durch blinde Gefolgschaft erkaufen will, wird von einer kritischen, dabei allerdings auch nicht froh werdenden Minderheit (Elsa; Ortrud: Iordanka Derilova; Telramund: Ulf Paulsen) unmöglich gemacht. Der gebückte Gang unterm Zwang gottgleich sich erhebender Führerfiguren führt nicht ins Heil - das erzählt Andrea Moses so schlüssig wie überraschend heutig. In psychedelisch-sakralen, düster schicken Versammlungsräumen von Christian Wiehle, nicht unähnlich den Hallen der Scientology-Church. Überm Bühnenportal prangt in knalligen Lettern die perfide Losung: "Menschen gestalten, Zukunft bewegen".
Es ist die Beschwörung einer böse dräuenden, quasi-religiös faschistoiden Dunkelwelt. Unheimlich gerade auch dadurch, dass sie in märchenhaftem Schönklang der Anhaltischen Philharmonie sowie nicht ohne menschelnde Komik erscheint. Ein präzis geführtes Spiel, das stringent aufs Tragödische zielt. Auf das wuchtige Warnbild vorm heillosen Gleichschritt-Marsch der Masse ins Manipulierte, Fremdbestimmte, der renitente Individuen überrennt und ausstößt.
Großes Gegenwartstheater mit Wagner als frappierend selbstverständlichem Zeitgenossen. Eine der plausibelsten "Lohengrin"-Produktionen hierzulande; Bayreuth aufgemerkt. Und obendrein die allerbeste Empfehlung für Regisseurin Moses, die in zwei Jahren gemeinsam mit Intendant Jossi Wieler Stuttgarts Staatsoper als Hausregisseurin beglücken wird.
Termine: 22. November, 27. Dezember; Karten: (0340) 25 11 333
26.10.2009, 07:28 | tags: Spielzeit, Ballett, Anhaltische Philharmonie, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 26.10.2009
Tanztheater
Der dunkle Spiegel der Lust
Tomas Kajdanski gelingt mit «Lulu» nach Wedekind ein beeindruckender Einstand in Dessau
Ihre Seele ist längst tot, ihr Körper aber will einfach nicht sterben: Obwohl Lulu diesen einzigen, von ungezählten Berührungen längst abgenutzten Besitz am Ende sogar Jack the Ripper vor die Füße geworfen hat, findet sie auch unter seinen mörderischen Händen keine Erlösung. Die öffentliche Frau, die auf dem schmalen Grat zwischen Lust und Schmerz tausend kleine Tode gestorben ist, bäumt sich immer wieder auf, bis Muskeln und Nerven endlich Ruhe geben. Und die Welt wird schwarz - so, wie sie war, bevor Lulu kam.
Tomasz Kajdanskis Entscheidung, seine Dessauer Ballett-Direktion mit einer Adaption von Frank Wedekinds "Lulu"-Dramen zu eröffnen, schien im Vorfeld so originell wie gewagt. Denn einerseits ist die Geschichte der jungen Frau, die jedermann als Objekt seiner persönlichen Begierde erscheint, ein ideales Sujet für die erotischste unter den darstellenden Künsten.
Schwarz-Weiß im Rotlicht
Andererseits muss man sich vor Ort am "Marquis de Sade" messen lassen, der in den vergangenen Sommern eine schwarze Messe der Lust gefeiert hat. Kajdanski aber richtet seine Arbeit an anderen Skalen aus: Seine "Lulu" ist kein multimediales Spektakel, sondern ein furioser Tanzabend - und eine Hommage an die Klassische Moderne, der in der Stadt des Bauhauses und des Weill-Festes wie eine ästhetische Punktlandung wirkt.
Dafür sorgt zunächst das musikalische Tableau: Mit Werken von Arnold Schönberg, Alban Berg, Erich Wolfgang Korngold und George Antheil, aber auch von Dmitri Schostakowitsch, Pierre Boulez und Wolfgang Rihm gibt der neue Kapellmeister Daniel Carlberg einen beeindruckenden Einstand. Die Anhaltische Philharmonie, die in ihrer Geschichte eher auf die erste als auf die zweite Wiener Schule verweist, musiziert mit messerscharfem Intellekt und kontrollierter, nicht nachlassender Energie. So wird dem Tanz ein fester und federnder Boden bereitet, wie ihn keine Ton-Konserve zu bieten hat.
Das erste Bild ist Programm: Wie eine überlebensgroße Bienenkönigin steht Lulu mit entblößtem Oberkörper in dem halbrunden Peep-Show-Theater, dem Ausstatter Dorin Gal mit gläsernen Türen jede Intimität verweigert. Unter dem roten Rock verschwinden und erscheinen all die Männer und Frauen, denen Lulu auf ihrem Weg in die Katastrophe begegnen wird - ein Akt des Gebärens und des Verschlingens, eine metaphorische Überhöhung der schwarz-weißen Videos aus dem Rotlicht-Milieu. Dass es Kajdanski fortan gelingt, selbst in der Nacktheit jede Peinlichkeit zu meiden und den Tanz als künstlerisches Äquivalent zur Sexualität zu behaupten, ist die bezwingendste Qualität des Abends. Denn hier wie dort gibt es ein breites Spektrum von Spielarten, das sich in den einzelnen Charakteren der ausnahmslos doppelt besetzten Solo-Rollen spiegelt. Da ist zunächst der Zuhälter Schigolch (Joe Managhan), der das Mädchen mit animalischer Kraft und dämonischer Dominanz zu Markte trägt. Da ist Lulus Geliebter Schön (Juan Pablo Lastras-Sanchez), der sein Selbstbewusstsein aus Erfahrung und Eleganz schöpft.
Auf Knien und Zehenspitzen
Da sind der platonische Schwärmer Schwarz (Gorden Wannhoff) und der liebeshungrige Alwa (Ion Beitia), der zupackende Kraft-Kerl Rodrigo (Rai Kirchner) und der nur noch als Schatten erinnerte Goll (Kengo Yamazaki). Und da ist die lesbische Gräfin Geschwitz (Yun-Ju Chen), die sich zunächst vor ihren eigenen Wünschen fürchtet und Lulu dennoch nach ganz unten folgt. Laura Costa Chaud aber spiegelt ihre Titelheldin in all diesen Figuren: Sie kann naiv und lasziv sein, sie bewegt sich auf Knien so selbstverständlich wie auf Zehenspitzen, sie ist rasend verführerisch und wahnsinnig erschöpft. Um dieses lodernde, in jedem Windzug flackernde Licht gruppiert Kajdanski seine schnell wechselnden Gestalten, die er aus dem klassischen Gleichmaß in individuellen Gestus, in ein atemraubendes Tempo und in beeindruckende Bilder bis hin zur Travestie treibt. In Dessau, das darf man nach der umjubelten Premiere vermelden, wird wieder getanzt. Und wie!
Nächste Vorstellungen: 7., 13. und 28. November, jeweils 19.30 Uhr
24.10.2009, 12:00 | tags: Spielzeit, Funk
Pressemitteilung Anhaltisches Theater und Stiftung Bauhaus Dessau, 22.10.2009
haus[funk] 03: Livesession mit Dessauer Liedern
Dritter haus[funk]abend am 28. Oktober 2009 im Kornhaus Dessau
Der letzte Monatsmittwoch rückt näher und es wird wieder ge[funk]t: Das Anhaltische Theater und die
Stiftung Bauhaus Dessau laden ein zum nächsten haus[funk]abend am 28. Oktober 2009 ab 21 Uhr.
Auf dem Programm im Dessauer Bauhausrestaurant Kornhaus (Kornhausstraße 146, 06846 Dessau-
Roßlau) steht diesmal eine Livesession mit der Hallenser Band Fagin.
Gemeinsam mit sangeswilligen Besuchern und musikbegeisterten Schauspielern des Anhaltischen
Theaters spielen und improvisieren die vier Musiker von Fagin Songs von schrägen Nächten, verlorenerLiebe, ewigem Unterwegssein. Die Besetzung ist klassisch – zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug –, das Programm offen; alle sind aufgerufen, ihre eigenen Ideen, Instrumente, Lieder und Stimmen mit und einzubringen. Eintritt und Teilnahme sind kostenfrei.
Die Reihe der haus[funk]abende findet regelmäßig statt – immer am letzten Mittwoch des Monats.
Den Ort dafür stellen die Bauhausbauten der Stadt – sie werden neu belebt und bieten Werkstatt
und Partylocation, Klanglabor und Podium, Bühne und Bildschirm zugleich. [funk] bearbeitet dafür
jeden Monat ein Thema, meist abgeleitet aus den aktuellen Produktionen und Projekten des Anhaltischen Theaters und des Bauhausbühnenstudios.
haus[funk] 04: Figur – Raum – Bewegung
Vierter haus[funk]abend am 25. November 2009 im Bauhaus Dessau
Im Rahmen des Festivals „Raumfiguren – Figurenräume“ findet der vierte haus[funk]abend am 25.
November 2009 ab 21 Uhr im Dessauer Bauhausgebäude statt: Das gesamte Schauspielensemble
des Anhaltischen Theaters Dessau und das [funk]team treffen sich zu einer Performance auf der Bauhausbühne nach Peter Handkes Schauspiel „Die Stunde, da wir nichts voneinander wussten“. Regie führt die Chefregisseurin des Anhaltischen Theaters Andrea Moses.
Ein belebter Platz und die Menschen, die sich darauf aufhalten, die ihn kreuzen und überqueren, daran vorbeigehen, ihn überschauen – oder einfach übersehen. Er ist Ort von Veranstaltungen, Thema von Führungen und Mittelpunkt des Bauhausgebäudes selbst: die Bauhausbühne. Mitwirkende und Besucher sollen sich zu diesem besonderen Theaterraum und seiner wechselhaften Geschichte in Beziehung setzen.
Kontakt: Maria Linke studio@interfunk.net | 0340-2519431 www.interfunk.net | www.twitter.com/interfunk
24.10.2009, 11:13 | tags: Spielzeit, Anhaltische Philharmonie, Diverses | Autor: Franziska Blech
Ilka Hillger, Mittedeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 24.10.2009
Dirigentengipfel eröffnet das «Impuls»-Festival
Sachsen-Anhalt entdeckt die Neue Musik. 20 Veranstaltungen sind geplant
So kann Neue Musik auch klingen: Zwei Gruppen junger Leute klatschen einen einfachen Rhythmus, tricky wird das Ganze, weil die einen leicht zeitversetzt die Hände schlagen. Das Klatschen geht auseinander, überlagert sich und am Ende finden die Töne wieder zusammen. "Das ist Minimalmusik der besten Sorte", findet Hans Rotman. Der Niederländer ist der Intendant des "Impuls"-Festivals, das am Montag in Dessau eröffnet wird. In dieser Woche stellten Rotman und sein Team, zu dem sich auch Sachsen-Anhalts Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz gesellte, das "Impuls"-Programm auf der Bauhausbühne vor.
"Impuls" ist das Festival des Landes für Neue Musik. Den ersten Jahrgang rief Rotman vor einem Jahr ins Leben, die 2009er Neuauflage hat nach wie vor den Anspruch, Zuhörer für die Neue Musik zu gewinnen. "Wir hätten heute kein musikalisches Erbe, wenn nicht zu allen Zeiten Leute die zeitgenössische Musik gefördert hätten", freut sich Olbertz auf den Auftakt im Anhaltischen Theater.
Um 19.30 Uhr ist am Montag auf der Großen Bühne der "G6 Dirigentengipfel" zu hören. Die musikalischen Leiter aller großen Orchester Sachsen-Anhalts werden binnen eines Konzertes an das Pult vor die Anhaltische Philharmonie treten. Sein Orchester auch mal den anderen zu überlassen, stellt für Antony Hermus, Dessaus Generalmusikdirektor, kein Problem dar. Nach ersten Proben sagte er: "Es ist interessant zu beobachten, wie unterschiedlich die Kollegen mit neuer Musik umgehen. Das bereichert mein Orchester nur."
Wenn der Landesmusikrat sich anlässlich von "Impuls" wünscht, dass vom Festival eben Impulse ausgehen und sich die Orchester auch darüber hinaus mit Neuer Musik beschäftigen, dann funktioniert dies in Dessau schon bestens. "Bei uns ist neue, moderne und zeitgenössische Musik permanent vertreten," so Hermus. Beim "Dirigentengipfel" am Montag wird er ein Stück von John Adams dirigierten, George Antheils "A Jazz Symphony" von 1955, dirigiert von Hans Rotman, ist das älteste Stück des Abends. Ein ganz neues Werk steuert mit der Uraufführung Annette Schlünz bei. Schlünz, in Dessau geboren und aufgewachsen, ist eine der erfolgreichsten Komponistinnen in Deutschland.
Gut 20 Veranstaltungen listet das "Impuls"-Programm bis zum 15. November in Sachsen-Anhalt insgesamt auf. Veranstaltungsorte sind neben Dessau auch Magdeburg und Halle sowie Wernigerode, Halberstadt und Quedlinburg. Neben Jugendkonzerten und Familienkonzerten sind vor allem die Orchestertreffen zu nennen, die es in den drei größten Städten des Landes gibt. Dabei trifft das Impuls Percussion Ensemble auf die jeweiligen Orchester vor Ort, zusammen werden vier Werke von Komponisten des Landes, die sich an das Thema "Odyssee" anlehnen, zur Aufführung gebracht. Das Orchestertreffen 3 wird es am 12. November im Roßlauer Elbe-Werk geben.
Alle Konzerte, so informierte Festival-Intendant Hans Rotman, werden übrigens moderiert. "Die Vermittlung für Neue Musik fängt ja schon bei den Musikern an. Sie müssen genauso Stück für Stück verführt werden wie das Publikum." Hilfreich sei es deshalb in jedem Falle, auch etwas über die Komponisten zu erfahren.
Alle Infos unter:
www.impulsfestival.de
Tickets gibt es an den Theaterkassen.
24.10.2009, 11:00 | tags: Spielzeit, Schauspiel, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Thomas Altmann, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 24.10.2009
Hass, Ohnmacht und eine beklemmende Normalität
Im Alten Theater hat am Mittwoch das Stück «Der Kick» Premiere
Marinus Schöberl, 16 Jahre, kennt seine Mörder und trinkt Bier mit ihnen, bevor er gedemütigt und geschlagen wird, bevor ihm Sebastian Fink, 17 Jahre, ins Gesicht uriniert. "Ich bin ein Jude", soll Marinus sagen, sagt es, wird zum Schweinestall getrieben, muss in den Futtertrog beißen. Marcel Schönfeld, 17 Jahre, kennt den Film "American History X", kennt den "Bordsteinkick", springt Marinus ins Genick. Weil das Opfer noch röchelt, schlägt Marcel, getrieben durch den Bruder Marco, 23 Jahre, mit einem Stein zu. Es dauert, bis man Marinus findet, verscharrt in einer Jauchengrube.
Übernahme aus dem Harz
Zwei Jahre nach dem Mord ging der Dokumentarfilmer Andres Veiel nach Potzlow, um die Menschen hinter den Schlagzeilen zu sprechen. Ein Buch, ein Film und ein mit der Dramaturgin Gesine Schmidt erarbeitetes Theaterstück liegen mittlerweile vor. "Der Kick" hatte am Mittwoch Premiere im Alten Theater. Gezeigt wird eine Übernahme der Inszenierung von Axel Sichrovsky für das Nordharzer Städtebundtheater. Dort wurde das Stück nach dem rechtsextremistischen Überfall auf Mitglieder des Ensembles angesetzt.
Halberstadt liegt am Rand des Harzes, Potzlow in der Uckermark, die Gewalt eskaliert mitten in der Gesellschaft. Das sagt die Bühne (Norgard Kröger) schon in der Gruppierung der Stühle. Mittendrin werden sie vernetzt, die hilflosen Notizen über ein verarmtes Leben, einen Berg Alltag, über verlorene Söhne, enttäuschte Hoffnungen und die Protokolle der Verdrängung, der Brutalität. Wie ungefragt antworten in traurig rudimentärer Sprache die Mütter des Opfers und der Täter, Freunde und Bekannte. Wenn ein Bürgermeister vom Taubenzüchterverein redet, muss man sich daran erinnern, dass hier kein zynischer Autor provinzielle Verdrängungsmechanismen karikiert, sondern Originalton aufgezeichnet wurde.
Die Verhöre berichten im Dunkeln von der Tat. Der Täter läuft in das projizierte Vorbild des Films. "Ebenso hätte einer von unseren Jungs das Opfer sein können", sagt die Mutter der Täter.
Zwei Darsteller spielen die vielen Rollen. Was steht hinter diesem, vom Autor vorgezeichneten Minimalismus? Die Absicht einer Entpersonalisierung, die Scheu, Typen vorzuführen, die Vernetzung aller Beteiligten? Sichrovskys Inszenierung aber verzichtet auf eine streng protokollarische Form, auf die Distanz der Abstraktion und ordnet das Textgeflecht zu Milieustudien und Charakterskizzen, die sich in Mimik, Stimmlage, Kleider- und Perückentausch äußern. Gasbetonsteine markieren Positionen, lauter Sockel ohne Helden, lauter schweigende Kläger, lauter Tatwaffen.
Platz für eigene Ängste
Susanne Hessel und Sebastian Müller-Stahl unterbrechen den Text, berichten von eigenen Erfahrungen und Ängsten, zeichnen beeindruckende Skizzen. Nur wenige Figuren, etwa die des Bürgermeisters, werden zur vorgeführten Karikatur. Gerade die Eltern der Täter, die auf dem Sofa zur Diaschau das verstrichene Familienglück beschwören, liefern die beklemmende Normalität hinter der Brutalität.
Ob die Gewalt zugenommen habe oder deren Grenzenlosigkeit, welcher Druck auf den Jugendlichen laste, ob man hinter den Mördern auch die Menschen sehen solle, wenn sich Opfer- und Täter-Biografien so nahe seien, wurde im Gespräch danach gefragt. "Der Kick" liefert keine Urteile, sondern eine Chronik, die das Urteil des Zuschauers fordert, auch wenn die erste Antwort Schweigen ist.
22.10.2009, 20:41 | tags: Spielzeit, Puppentheater | Autor: Franziska Blech
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 22.10.2009
Puppentheater
Der Weg zur Kleistschen Sprache
Nino Sandow inszeniert «Der zerbrochne Krug» am Alten Theater
Die Proben haben Nino Sandow sichtlich geschafft. Der Kleist ist ein harter Brocken. "Der Text muss erst in den Spieler und dann in die Puppe", sagt Sandow. Ja, in die Puppe. Denn Heinrich von Kleists "Der zerbrochne Krug" gibt es in seiner Premiere an diesem Sonnabend im Alten Theater auf der Puppenbühne. Sandow führt Regie, das zweite Mal am Dessauer Puppentheater. Vor einem Jahr inszenierte er hier den antiken Stoff "Lysistrata". Gefreut hat er sich auf diese neue Arbeit, obwohl er wusste, dass sie schwer werden würde. Weil aber Puppenspieler nicht umsonst Puppenspieler sind und oft genug mit verstellter Stimme agieren, ist es nun Sandows vornehmste Aufgabe, mit dem Ensemble einen Ton zu finden, denn man auf der Schauspielbühne findet, gänzlich ungekünstelt, natürlich im Fluss.
Beim Kleist, so findet Sandow, sei nichts wichtiger als die Sprache. Darauf hat er sich konzentriert, allein ihr und dem Spiel des Ensembles mit den Puppen soll das Publikum seine Aufmerksamkeit widmen. Die Bühne ist deshalb ein leerer, heller Raum, es gibt keine Requisiten. "Da gibt es nichts zum verstecken, zum daran festhalten. Der Raum muss erspielt werden."
In Nino Sandows Inszenierung tun dies die Dessauer Spieler Uta Krieg und Helmut Parthier, vom Studiengang Puppenspiel der Berliner Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" kommen Pascal Martinoli und Ivana Sajevic hinzu, Schauspielerin Susanne Hessel komplettiert das Ensemble und der Musiker Jens Karsten Stoll ist noch dabei. Mit Christian Werdins Halbkörperpuppen, die Spieler in Art einer Gauklerbande kostümiert, entwickelt sich so Kleists Lustspiel, das gleichermaßen auch ein Kriminalfall ist.
"Dem Kleist kommt man nicht mit Routine oder Chuzpe bei. Schon gar nicht wenn es eine Komödie ist", sagt Nino Sandow, der über die Etappen Opernsänger und Schauspieler zur Regie kam und seit mehr als zehn Jahren freiberuflich arbeitet. Dem kleistschen Stoff verpasst er in Dessau noch etwas mehr Tiefgang, indem er den so genannten "Variant" spielt, eine frühere Version, die Kleist später verwarf und die den eigentlichen Kriminalfall des Stückes behandelt. Der "Variant" nun erkläre, so Sandow, sehr gut, warum das Stück zunächst "Eve" heißen sollte, also den Namen, den das Mädchen trägt, dem Dorfrichter Adam nachstellt.
In der sonst üblichen Version vom "Zerbrochnen Krug" freilich kommt bewusste Eve so gut wie gar nicht zu Wort. Der "Variant" aber gehört allein ihr. "Da platzt es aus ihr heraus und sie bekommt endlich eine Sprache." Eine Sprache, die Sandow so sehr liebt.
Für die Premiere am Sonnabend, 19.30 Uhr, gibt es noch Restkarten. Nächste Vorstellungen gibt es am Sonntag, 17 Uhr, und am 31. Oktober um 19.30 Uhr im Alten Theater.
22.10.2009, 20:31 | tags: Spielzeit, Diverses | Autor: Franziska Blech
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/Halle, 23.10.2009
Theater
Winterreise durch neun Städte
Kulturstiftung des Bundes schickt "Dritte Generation" auf Deutschlandtour
Im Sommer des vergangenen Jahres waren sie die Shooting-Stars beim Festival "Theater der Welt" in Halle, nun gehen die deutschen, israelischen und palästinensischen Schauspieler von "Dritte Generation" auf große Deutschlandtournee. Die Kulturstiftung des Bundes schickt das Ensemble, dessen "Work in Progress" in der ersten Arbeitsphase auch von der Mitteldeutschen Zeitung gefördert worden war, zu elf Vorstellungen in neun Städten - beginnend am 8. November in Chemnitz und endend am 22. Dezember im Anhaltischen Theater Dessau.
Für Hortensia Völckers, künstlerischer Vorstand der Kulturstiftung, ist diese Tournee zum 60. Jahrestag der Bundesrepublik auch ein "Geschenk an jene Bühnen, die wir sonst oft nicht erreichen." Gleichwohl habe man alle beteiligten Theater darauf hingewiesen, dass "Dritte Generation" ein betreuungsintensives Projekt sei: Die tabulose Verhandlung von deutsch-jüdischer und israelisch-palästinensischer Geschichte verlangt eine Nachbereitung in der Diskussion. Das haben nicht zuletzt die Aufführungen in Israel und in Berlin gezeigt, wo das Stück von Yael Ronen heftige öffentliche Debatten ausgelöst hat.
Warum das so ist, weiß Hortensia Völckers aus eigener Anschauung: Die Inszenierung sei in ihrem scheinbar improvisierten Ton frech und entwaffnend zugleich - und würde die Erfahrung vermitteln, dass jeder aus seiner Perspektive Recht hat, während zugleich alle im Unrecht seien. Deswegen habe sich der Aufwand, den die Kulturstiftung für dieses "fragile Projekt" betrieben hat, auch gelohnt. Denn "Dritte Generation" sei nicht nur geeignet, über historische Besitzstandswahrung zu streiten, sondern würde jeden Zuschauer auch zum Nachdenken über eigene politische Korrektheit zwingen.
Laut Torsten Maß, der "Dritte Generation" als Kurator für "Theater der Welt" entdeckt hat und nun für die Kulturstiftung auch die Tournee betreut, ist das Ensemble nach seinen Erfahrungen in den Metropolen gespannt auf die Begegnungen in kleineren Städten. Dazu zählen entlang der Reiseroute Konstanz und Kaiserslautern, Wiesbaden und Weimar sowie Saarbrücken und Braunschweig, lediglich München fällt als Station aus dem Raster. Zur Vorbereitung auf die Tournee spielt das Ensemble in der kommenden Woche übrigens noch einmal im israelischen Habimah-Nationaltheater - dort, wo die Autorin und Regisseurin Yael Ronen ihre künstlerische Heimat hat.
Da sich das Stück seit seinen ersten, umjubelten Vorstellungen in Halle auch unter dem Druck aktueller politischer Ereignisse in Israel weiter entwickelt hat, lohnt ein Wiedersehen in jedem Fall. Und vielleicht wird sich ja auch die Tournee im Stück niederschlagen.
Aufführungen in Dessau am 21. und 22. Dezember, jeweils 19.30 Uhr.
22.10.2009, 20:23 | tags: Spielzeit, Ballett, Anhaltische Philharmonie | Autor: Franziska Blech
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Roßlau, 22.10.2009
Ballett
Mit der Sprache des Tanzes Geschichten erzählen
Am Freitagabend hat im Theater der Tanzabend «Lulu» Premiere
"Wir haben keine Worte, wir singen nicht, wir können nur tanzen." Das aber können sie meisterhaft. Es ist eine Probe, auf der Dessaus Ballettchef Tomasz Kajdanski das sagt. Eineinhalb Wochen vor der Premiere für sein erstes Ballett in Dessau - "Lulu" nach dem Roman von Frank Wedekind - hat Kajdanski das Publikum eingeladen, sich einen so genannten Durchlauf auf der großen Bühne anzuschauen. Zu diesem Zeitpunkt ist die Choreographie längst abgeschlossen, jetzt lässt der Pole seine Tänzerinnen und Tänzer durchtanzen. Kraft und Kondition wird das geben für den Tanzabend. Fast 100 Zuschauer genießen auf der öffentlichen Probe einen ersten Blick auf die Produktion und die so ungewöhnliche Atmosphäre im Zuschauerraum.
Reihe 5 im Parkett ist reserviert. Dort ist das Regiepult aufgebaut, dahinter wird später Tomasz Kajdanski sitzen, aber auch immer mal wieder aufspringen, um auf die Bühne zu sprinten. Dort begrüßt er auch zu Beginn die Besucher. "Wir brauchen die Nähe des Publikums", sagt er und ist gespannt auf erste Reaktionen auf seine Arbeit. Er entschuldigt das, was beim Proben Alltag ist. Es gib keine Kostüme, die Kulissen sind noch in den Werkstätten, was jetzt auf der Bühne steht, deutet das Bühnenbild nur an, es herrscht ein kühles Arbeitslicht und die Musik kommt als rauschende Konserve vom Band.
Getanzt aber wird an diesem Abend ohne jegliche Einschränkung. Laura Costa Chauds Lulu steht minutenlang still auf der Bühne, umschwärmt vom Personal des Stückes. Und dann tanzt auch sie, und Kajdanski erzählt die Geschichte einer extremen Frau in einer männerdominierten Welt. "Im Ballett müssen die Bewegungen die Emotionen tragen, nur damit können wir den inneren Zustand beschreiben", gibt Tomasz Kajdanksi den Zuschauern mit auf den Weg, dann schaut auch er zu.
Unterbrechungen gibt es an diesem Abend kaum, und wenn, dann greift der Choreograph ganz nebenbei auf der Bühne ein, während das Ensemble weitertanzt. Als das große runde Sofa nicht so leicht über die Bühne rollt, wie es rollen soll, rennt Kajdanski hinauf, mal steht ein Stuhl nicht dort wo er stehen soll und er bringt ihn schnell aus den Kulissen herbei. "Wir haben auch beim Umbau noch nicht alles unter Kontrolle. Aber sagen sie es nicht weiter." Das Publikum lacht und ist ganz zuversichtlich. Über zehn Tage sind schließlich noch Zeit bis zur Premiere, als es diese Probe erlebt.
Inzwischen freilich steht "Lulu" direkt vor der Tür. Am Freitag erlebt man die Ballettinszenierung erstmals im Großen Haus, am Donnerstag gab es die Generalprobe, nun auch längst mit Bühnenbild, Kostümen, dem perfekten Licht und natürlich dem Orchester unter der Leitung von Daniel Carlberg. Der aber saß auch schon bei den anderen Proben mit Kajdanski hinter dem Regiepult, machte sich eifrig Notizen in die Partitur.
Alban Berg, Arnold Schönberg, Erich Wolfgang Korngold, Wolfgang Rihm, George Antheil, Pierre Boulez und Dmitri Schostakowitsch - das sind die Komponisten, von denen Musik am Premierenabend erklingen wird. Es sind keine gefälligen Kompositionen, die man da hört, eine Grundnervosität liegt ihnen allen inne, die perfekt mit dem Geschehen auf der Bühne verschmilzt.
Zwei Lulus hat Tomasz Kajdanski für seine Dessauer Antrittsinszenierung auserkoren, neben Laura Costa Chaud hat auch Yuliya Gerbyna die Rolle einstudiert. Zwei sehr verschiedene Frauentypen verkörpern eine Lulu, die je nach Besetzung ganz andere Ausdrucksformen haben soll. "Man verliebt sich ja auch in verschiedene Frauentypen. Ich bin sicher, die Zuschauer werden mir Recht geben, wenn sie beide Vorstellungen besucht haben und die zwei verschiedenen Tänzerinnen der Lulu gesehen haben", meint Choreograph Kajdanski, der erst ganz kurzfristig entscheiden will, wer nun am Freitagabend tanzen wird.
Wer indes noch gar nicht weiß, ob er die eine oder andere Lulu tanzen sehen will, dem kann die Entscheidungsfindung leichter gemacht werden. Auch jene, die keine Probe sahen, können sich einen kleinen Eindruck von der Inszenierung machen. Auf der Internetseite des Anhaltischen Theaters gibt es einen Videoclip mit Tanzszenen.
Karten für die Premiere und die zweite Vorstellung an diesem Sonntag um 17 Uhr gibt es an der Theaterkasse und an der Abendkasse. Nach der freitäglichen Premiere wird zur öffentlichen Premierenfeier eingeladen, am Sonntag ist nach der Vorstellung um 18.30 Uhr im Theaterrestaurant ein "Nachgefragt" vorgesehen .
21.10.2009, 13:57 | tags: Spielzeit, Schauspiel/Musiktheater, Musiktheater | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 21.10.2009
Premiere Musiktheater
DAS TAGEBUCH DER ANNE FRANK op.60
Mono-Oper in zwei Akten von Grigori Frid
Deutsch von Ulrike Patow
Die Mono-Oper „Das Tagebuch der Anne Frank“ des russischen Komponisten Grigori Frid wurde erstmals 1993 in Deutschland aufgeführt und hat sich seither wie nur wenige zeitgenössische Werke dieses Genres im Repertoire durchgesetzt. In der Inszenierung von André Bücker wird das einstündige Werk in der Fassung für Singstimme und Klavier erstmals in Dessau aufgeführt.
Zur Premiere am 27. Oktober um 19:30 Uhr im Studio des Alten Theaters können die Zuschauer erleben, wie die Sopranistin Cornelia Marschall in 21 knappen Bildern [wie z.B. „Geburtstag“, „Das Versteck“, „Ich denke an Peter“ ] das Schicksal des jungen Mädchens und ihre Persönlichkeitsentwicklung zur jungen Frau eindrucksvoll darstellt. Annes tiefgründige Gedanken, ihre Angst, die aufkeimende Liebe zu Peter, die Hoffnung auf Freiheit und Menschlichkeit, all das findet Ausdruck auch in der Musik, ohne dabei Annes Sinn für Situationskomik, ihre Freude und Zuversicht zu vergessen.
Das weltberühmte „Tagebuch der Anne Frank“ ist ein ergreifendes Dokument über das Schicksal einer von den Nationalsozialisten verfolgten Familie und der Sehnsucht einer sensiblen Jugendlichen nach einem normalen Leben jenseits des Terrors. Anne Frank wurde 1929 geboren. 1933 emigrierte die deutsch-jüdische Familie Frank nach Amsterdam. Nachdem die Niederlande 1940 durch die deutsche Wehrmacht besetzt und die Maßnahmen gegen die jüdische Bevölkerung zunehmend verschärft wurden, versteckte sich die Familie mit Freunden 1942 in einem Amsterdamer Hinterhaus. Anne vertraute fortan nicht nur die Geschehnisse, sondern auch ihre Träume, Ängste, Sehnsüchte und Freude ihrem Tagebuch an. 1944 wurden die Untergetauchten verhaftet und nach Auschwitz deportiert. Anne Frank starb im März 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen.
Die Inszenierung richtet sich insbesondere an Zuschauer ab 13 Jahren und junge Erwachsene.
Inszenierung: André Bücker | Musikalische Leitung und Klavier: Stefan Neubert |
Bühne und Kostüme: Katja Schröpfer | Anne Frank: Cornelia Marschall
Dramaturgie: Imme Heiligendorff
Termine: 27.10.09, 19.30 Uhr; 09.11.09, 18.30 Uhr | 10.11.09, 11.00 Uhr | 20.11.09, 10.00 Uhr im Alten Theater/ Studio
19.10.2009, 10:57 | tags: Spielzeit, Schauspiel | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 19.10.2009
Premiere Schauspiel
„Der Kick“
Dokumentarisches Schauspiel von Andres Veiel und Gesine Schmidt
Eine weitere Premiere im Schauspiel findet am 21. Oktober um 19:00 Uhr im Studio des Alten Theaters statt. „Der Kick“ beschreibt einen authentischen Fall aus dem Jahr 2002: Nach stundenlanger Folter erschlagen Marcel Schönfeld, 17, sein Bruder Marco, 23, und ein weiterer Jugendlicher im brandenburgischen Dorf Potzlow den 17-jährigen Marinus Schöberl auf bestialische Weise. Sechs Monate bleibt die Leiche verschwunden. Ein Dorf schweigt, versucht die Tat zu verdrängen und zu vergessen.
„Der Kick“ versucht, die Ursachen des Gewaltexzesses zu erforschen und das Unglaubliche der Vorgänge aus dem Jahr 2002 fassbar zu machen. Die Autoren Andres Veiel und Gesine Schmidt lassen 18 real existierende Personen (Täter, Angehörige, Nachbarn und Beamte) zu Wort kommen und montieren die Texte aus Protokollen, Interviews und Trauerreden zu einem der beklemmendsten Entwürfe der Gegenwartsdramatik. Sie vermitteln einen erschreckenden Einblick in den Tathergang und darüber hinaus in die sozialen Verhältnisse der Beteiligten.
Zu dieser Aufführung werden theaterpädagogische Begleitprogramme wie Einführungen und Nachgespräche angeboten.
In der Inszenierung von Axel Sichrovsky spielen Susanne Hessel und Sebastian Müller-Stahl.
Inszenierung: Axel Sichrovsky | Bühne und Kostüme: Norgard Kröger
Für die Premiere und die nächsten Vorstellungen gibt es noch Restkarten.
Weitere Vorstellungen: 22.10.09, 10 Uhr | 29.10.09, 10 Uhr | 30.10.09, 10 und 19:30 Uhr | 2.11.09, 10 und 16 Uhr | 25.11.09, 16 Uhr | 26.11.09, 10 Uhr | 27.11.09, 16 Uhr
16.10.2009, 07:48 | tags: Spielzeit, Schauspiel | Autor: Franziska Blech
Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Rosslau, 15.10.2009
Männlichkeit reißt die Mauer ein
Premiere: «Helden wie wir» nach dem Roman von Thomas Brussig
Im Schauspiel des Anhaltischen Theaters steht die nächste Premiere an: Im Alten Theater wird am Freitagabend um 19.30 Uhr erstmals "Helden wie wir" nach dem Roman von Thomas Brussig gezeigt.
Sebastian Müller-Stahl, der erst vor wenigen Tagen im Nathan als junger Tempelherr sein bejubeltes Dessau-Debüt gab, spielt in Helden wie wir Klaus Uhltzscht. Der ist ein junger durchschnittlicher DDR-Bürger, doch ein echtes Vollblut im Kampf gegen den Klassenfeind. Nur zu seinem wahren Glück fehlt ihm ein kleines Stück. Sein vermeintlich wichtigstes Körperteil scheint zu klein geraten. Doch kurz vor dem Ende der DDR lässt ein Unfall, was bislang für zu klein gehalten in gigantische Dimensionen wachsen. Und Klaus Uhltzscht wird endlich etwas wirklich Großes gelingen. Denn was ganz zu Unrecht dem Volk der DDR zugerechnet, ist einzig sein Verdienst. Klaus allein wird den Antikapitalistischen Schutzwall im Jahre 89 zum Einsturz bringen. Und dies einzig durch die Pracht und Kraft seiner monströsen Männlichkeit.
Thomas Brussigs Roman wurde schnell ein Bestseller, von der Kritik als "heiß ersehnter Wenderoman" begrüßt und bietet in der Bühnenfassung einen unterhaltsamen Abend. Neben Müller-Stahl spielen in der Inszenierung von Axel Sichrovsky Nils Fichtner und Benjamin Schultz.
Restkarten für die Premiere und weitere Vorstellungen gibt es an der Theaterkasse unter 0340 / 2 40 02 58.
15.10.2009, 18:48 | tags: Spielzeit, Ballett | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 15.10.2009
Matinee zur Premiere „Lulu“
Tomasz Kajdanski, neuer Ballettdirektor und Chefchoreograf am Anhaltischen Theater Dessau und sein Ensemble werden mit „Lulu“, diesem höchst sinnlichen Sujet ihr Début in Dessau geben. Vor der Premiere am 23. Oktober lädt das künstlerische Team am 18. Oktober um 10:30 Uhr zu einer Matinee auf die Probebühne 1 ein.
Tomasz Kajdanski, Daniel Carlberg/ 1. Kapellmeister und Stellvertreter des GMD und Heribert Germeshausen/ Leitender Dramaturg Musiktheater/ Operndirektion freuen sich auf Ihr Kommen und werden Ein- und Ausblicke auf die Produktion geben, die kurz vor der Premiere steht.
15.10.2009, 16:47 | tags: Spielzeit, Puppentheater | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 15.10.2009
Premiere Puppentheater
„Der zerbrochne Krug“
Lustspiel von Heinrich von Kleist
Ein Kriminalfall.
Das Puppentheater am Anhaltischen Theater Dessau startet mit der Premiere „Der zerbrochne Krug“, einem Lustspiel von Heinrich von Kleist, am 24. Oktober um 19:30 Uhr auf der Puppenbühne im Alten Theater in die neue Spielzeit.
In der Inszenierung von Nino Sandow spielen Susanne Hessel, Uta Krieg, Helmut Parthier, Ivana Sajević und Pascal Martinoli.
Ein Krug zerbrach, mitten in der Nacht, in Jungfer Eves Kammer, der Braut vom Ruprecht Tümpel und das kurz vor der Hochzeit. Das gibt Zunder im Dorf und Marthe Rull, die Mutter, schleift Eve und Krug vor das Gericht. Der Richter heißt Adam und hat zwei tolle Wunden auf dem Kopf, muss wohl des Nachts gestürzt sein. Vor Gericht fliegen zwischen Mutter und Tochter, Braut und Bräutigam, Richter und Schreiber, Adam und Eve mächtig die Fetzen. Aus dem Krimi wird im Nu ein zum Schreien komischer Kampf um die liebe Wahrheit! Wer zerbrach den Krug? Und wer will hier eigentlich wen verarschen? 5 Spieler, 7 Puppen, 1 Musikant, 1 Komödie werden die Puppenbühne rocken. Eingeladen sind alle Menschen ab 14, das heißt nach oben offen: Auch für Erwachsene!
Bühne nach Eberhardt Keienburg | Puppen: Christian Werdin | Musik: Jens Karsten Stoll
Die Produktion „Der zerbrochne Krug“ wird unterstützt durch den Freundeskreis des Dessauer Theaters.
Für die Premiere und die nächsten Vorstellungen gibt es noch Restkarten.
Weitere Vorstellungen: 25.10.09, 17 Uhr | 31.10.09, 19:30 Uhr | 01.11.09, 17 Uhr | 8.11.09, 10 Uhr
15.10.2009, 16:43 | tags: Spielzeit, Ballett, Anhaltische Philharmonie | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 15.10.2009
Premiere Ballett
„Lulu“
Tanztheater Uraufführung von Tomasz Kajdanski nach Frank Wedekind
Lulu – mit diesem höchst sinnlichen Sujet geben der neue Ballettdirektor Tomasz Kajdanski und sein Ensemble ihr Début in Dessau. Erleben Sie einem Tanzthriller, live begleitet von der Anhaltischen Philharmonie unter Daniel Carlberg.
Mit Musik von Alban Berg, Arnold Schönberg, Erich Wolfgang Korngold, Wolfgang Rihm, George Antheil, Pierre Boulez und Dmitri Schostakowitsch
Choreografie: Tomasz Kajdanski | Musikalische Leitung: Daniel Carlberg |
Bühne und Kostüme: Dorin Gal | Video: Jan Müller
„Mir geht es bei Lulu nicht darum, Wedekind eins zu eins umzusetzen. Sie ist, wie das Libretto zu Alban Bergs gleichnamiger Oper, vielmehr die Grundlage für meine Auseinandersetzung mit diesem Sujet, mit extremen Frauenbildern. Was müssen junge Leute heute beispielsweise nicht alles tun, um für ihren Betrieb oder sogar für ihr Studium Geld zu erhalten. Wie Geld korrumpiert, wie Liebe tragisch endet, das alles kann man hier zeigen. Am Ende trifft Lulu auf ihren Engel und wird erlöst. Ist das nicht ein Wunsch, wenn man ein soziales Thema zu Ende bringen möchte?“
Eine Besonderheit sind die zwei Besetzungen der Titelrolle Lulu, bei denen es sich nicht um eine klassische Doppelbesetzung handelt. Ballettdirektor Tomasz Kajdanski legt besonderen Wert darauf, dass beide Tänzerinnen in ihren jeweiligen Lulu-Vorstellungen den Zuschauern eine völlig andere tänzerische Darstellung der Titelrolle bieten werden, so dass man die Vorstellung unbedingt zweimal besuchen sollte.
Kajdanski sagt weiter dazu: „Wenn ich zwei so erstklassige Tänzerinnen wie Laura Costa Chaud und Yuliya Gerbyna im Ensemble habe, muss ich das auch in der Besetzung nutzen. Wir werden zwei verschiedene Premieren haben, da jede der beiden eine andere Lulu verkörpert. Beide bringen ihre eigenen expressiven Emotionen und Sichtweisen in die Darstellung ein und haben – auch wegen ihrer kulturellen Hintergründe, die sie aus ihren Heimatländern Brasilien und der Ukraine einbringen – eine unterschiedliche Körperlichkeit auf der Bühne. Man verliebt sich ja auch in verschiedene Frauentypen. Ich bin sicher, die Zuschauer werden mir recht geben, wenn sie beide Vorstellungen besucht haben und die zwei verschiedenen Tänzerinnen der Lulu gesehen haben.“
Bei der Premiere am Freitag, den 23. Oktober um 19:30 Uhr im Großen Haus sind die Hauptrollen folgendermaßen besetzt:
Laura Costa Chaud / Yulia Gerbyna (Lulu), Yun-Ju Chen (Geschwitz), Juan Pablo Lastras-Sanchez (Dr. Schön), Joe Monaghan (Schigolch), Ion Beitia (Alwa).
Für die Premiere und die nächsten Vorstellungen gibt es noch Restkarten.
Nächste Vorstellungen: 25.10.09, 17 Uhr | 7.11.09, 19:30 Uhr | 13.11.09, 19:30 Uhr
15.10.2009, 14:32 | tags: Spielzeit, Schauspiel | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 15.10.2009
Nathan der Weise
Schauspiel von Gotthold Ephraim Lessing
Die zur Premiere vom Publikum begeistert aufgenommene Inszenierung „Nathan der Weise“ von Gotthold Ephraim Lessing, in der Regie von André Bücker, steht am 24. Oktober, um 19:30 Uhr wieder auf dem Spielplan des Anhaltischen Theaters Dessau.
Es geht um die Macht und den „wahren“ Glauben, und für den Juden Nathan, trotz Reichtum und Weisheit, um nicht weniger als ums Überleben, um sein eigenes und das seiner Tochter Recha. Sultan Saladin will Nathans Geld, ein christlicher Tempelherr liebt verzweifelt seine Tochter, der Patriarch will seinen Kopf und der weise Jude glaubt weiterhin daran, dass alle miteinander leben können, so unterschiedlich sie auch sind. Das ist der Stoff, aus dem eine große Geschichte um Liebe, Macht, Glaube und Geld gemacht ist und der Lessings Stoff so spannend und gegenwärtig macht.
Den Zuschauer erwarten spannende dreieinhalb Theater-Stunden mit spielfreudigen Schauspielern in einem großartigen Bühnenbild (Bühne und Kostüme: Suse Tobisch).
Nächste Vorstellungen: 24.10.09, 19:30 Uhr | 31.10.09, 17 Uhr | 19.11.09, 16 Uhr
15.10.2009, 14:21 | tags: Spielzeit, Neue Formate | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 15.10.2009
CONTRAPUNCT.
Jazz und Talk für Toleranz
Mehr Freiheit wagen, mehr Demokratie leben, mehr Rückgrad und Zivilcourage
zeigen – das Anhaltische Theater Dessau startet mit einer neuen Veranstaltungsreihe „Jazz’ n Talk - Show für Sachsen - Anhalt“ am 4. November 2009, um 20 Uhr in der Marienkirche in Dessau.
Matthias Horndasch, der bereits seit Anfang der Achtziger als Jazzpianist und seit
den Neunzigern auch als Multimediamacher und Moderator im Gespräch mit
Prominenz aller Sparten bundesweit erfolgreich ist (www.horndasch.eu), sich
gegen Gewalt und Extremismus - für mehr Demokratie, Toleranz und
Mitmenschlichkeit einsetzt, wird Sachsen - Anhalts neue engagierte Show
präsentieren. Dazu wird er sich prominente Gäste einladen - aus Politik,
Wirtschaft, Sport, Kunst
14.10.2009, 15:01 | tags: Spielzeit, Musiktheater | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 14.10.2009
Künstler-Porträt: Angelina Ruzzafante
Heribert Germeshausen stellt Sängerinnen und Sänger des Anhaltischen Theaters vor
Mit „Glitter and be Gay“ hat sich Angelina Ruzzafante bereits anlässlich des Open Air Konzertes zum Farbfest in die Herzen der Dessauer gesungen. Die Cunegunde in Bernsteins „Candide“ wird ihre erste große Opernrolle in Dessau sein. Bevor am 20.10. die Proben für „Candide“ beginnen wird Heribert Germeshausen, leitender Dramaturg Musiktheater / Operndirektion am 17. Oktober um 20:00 Uhr im Foyer des Großen Hauses die Sopranistin Angelina Ruzzafante vorstellen.
Karten zu 3,- Euro :
Theaterkasse Rathaus-Center
Tel: 0340 2400 258 Montag bis Freitag 9:30 – 20 Uhr
Theaterkasse
Nur Telefonisch 0340 2511 – 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
14.10.2009, 12:19 | tags: Spielzeit, Schauspiel | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 14.10.2009
Premiere Schauspiel
„Helden wie wir“
Nach dem Roman von Thomas Brussig in einer Fassung von Axel Sichrovsky
Klaus ist jung, ein durchschnittlicher DDR-Bürger, doch ein echtes Vollblut im Kampf gegen den Klassenfeind. Nur zu seinem wahren Glück, fehlt ihm ein kleines Stück. Sein vermeintlich wichtigstes Körperteil scheint zu klein geraten. Doch kurz vor dem Ende der DDR lässt ein Unfall, was bislang für zu klein gehalten in gigantische Dimensionen wachsen. Und Klaus Uhltzscht wird endlich etwas wirklich Großes gelingen. Denn was ganz zu Unrecht dem Volk der DDR zugerechnet, ist einzig sein Verdienst. Klaus allein wird den Antikapitalistischen Schutzwall [sprich: Mauer] im Jahre 89 zum Einsturz bringen. Und dies einzig durch die Pracht und Kraft seiner monströsen Männlichkeit.
Thomas Brussigs Roman wurde schnell ein Bestseller, von der Kritik als „heiß ersehnter Wenderoman“ begrüßt und bietet in der Bühnenfassung einen höchst unterhaltsamen Abend.
Bei der Premiere am Freitag, den 16. Oktober um 19:30 Uhr auf der Studiobühne im Alten Theater spielen Nils Fichtner, Sebastian Müller-Stahl und Benjamin Schultz in einer Inszenierung von Axel Sichrovsky. Für die Premiere und die nächsten Vorstellungen gibt es noch Restkarten.
Nächste Vorstellungen: 17.10.09, 19:30 Uhr | 5.11.09, 19:30 Uhr | 8.11.09, 18 Uhr
Karten:
Theaterkasse Rathaus-Center
Tel: 0340 2400 258 Montag bis Freitag 9:30 – 20 Uhr
Theaterkasse
Nur Telefonisch 0340 2511 – 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
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14.10.2009, 12:08 | tags: Spielzeit, Pressestimmen | Autor: Franziska Blech
Thomas Altmann, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Rosslau, 13.10.2009
Ödipus und die Gartenzwerge
Mathias Richling legt im Anhaltischen Theater Merkel auf die Matte und setzt Schäuble ins Pickellicht
Weil ein Mängelwesen nicht an Kastrationsangst leide, könne jenes Wesen an dieser Besorgnis auch nicht wachsen. Weil die Entweichgeschwindigkeit der Politiker höher sei als Lichtgeschwindigkeit, werde der Bundestag zum schwarzen Loch. Und wenn die Schubkarre röchelnd zur Bahre wird, stehen die Gartenzwerge längst auf der Bühne des Anhaltischen Theaters.
Mathias Richling war zu Gast in Dessau, im Anhaltischen Theater. "E = m x Richling²" heißt des Turbo-Schwaben nicht mehr ganz neues Programm, welches Tiefenpsychologie, theoretische Physik und das stattliche Image deutscher Gartenzwerge bemüht, um die Realpolitik des deutschen Staates, bzw. die personifizierten Erscheinungen der Macht zu karikieren. Natürlich aktualisiert Richling seine Auftritte jeweils auf ein Niveau in Nähe der Gegenwart.
Deutschland hat gewählt. Dementsprechend geht das Programm auch ein wenig träge an, obgleich Westerwelle ein gutes Stück Arbeit für Kabarettisten wird bieten können. Nach der Anrede sagt der FDP-Chef aus dem Munde Richlings, dass er das auch in Englisch hätte sagen können, sich aber schließlich selbst verstehen wolle.
Wer lacht, mag an den verprellten BBC-Reporter denken und an zukünftige Vier-Augen-Gespräche auf höchster diplomatischer Ebene. Wie kompliziert der Sprung über die Sprachbarriere sein kann, zeigt Richling später in romanhaften Übersetzungen Merkelscher Halbsätze mit russisch seelenvoller Sprachmelodie.
Dass Richling, der beinah zwei Stunden schwätzt und schwäbelt, merkelt oder sterbelt, auch Pofalla, also die gesammelte Saumseligkeit in Person, geben kann, reicht nicht dem "Generalsekret, äh Sekretär", sondern dem Kabarettisten zu hohem Ruhm. Richling bremst richtig gut.
Daher erlebt das Theater auch einen Schäuble, der über den Datenklau noch viel besser schäubelt als das Original. Spot auf den Spott, so eine Pickelbeleuchtung wirkt ja immer balladesk. "Rechts ist da, wo regiert wird", sagt Richling noch und belegt irgendwann echt vergehend und doch bleibend die Schubkarre, um sein Plädoyer für oder gegen die Sterbehilfe zu röcheln.
Wer hat schon Angst davor, keine Kastrationsangst haben zu können? Merkel sagt, sie hätte das Gefühl, dass hinter ihrem Rücken gelacht werde. Freud sagt reserviert wienerisch, sie fühle sich beobachtet, wie sie mit der Macht kopuliere. Merkel sagt vorgeblich empört: "Wie bitte" und, dass sie so was nicht einmal in der Ehe mache. Das Publikum sagt nichts und lacht.
Dann arbeitet Freud den Ödipuskompelx ab, bis er das wahre Geschlecht der Patientin erkennt, was zur allgemeinen Freude ein langes Weilchen und ein schräges Stück Therapie dauert. Am Ende bietet das hohe Staatsamt doch eine echte Ersatzbefriedigung, auch für Mängelwesen ohne Phallus. Das mag sich wie freudianischer Klischee-Klamauk lesen, was es in toto auch sein mag. Aber die Therapie und das verhaltene Rollenspiel sind doch recht unterhaltend bodenlospsychologisch.
Ohne große Maskerade geraten Richlings Parodien zu einem treffsicheren Reigen aus Hohn, Spott und Charakter. Köhler ist staatstragend und Einstein ergraut. "Zwei räumlich getrennte, gleichzeitig stattfindende Ereignisse fallen zeitlich immer auseinander. Das Volk arbeitet voll und die Regierung bietet Sozialleistungen in Hülle und Fülle." Dann werde das Volk arbeitslos und die Lichtjahre entfernte Regierung habe alle Sozialleistungen gestrichen.
Richlings Titelstück wendet die Relativitätstheorie speziell und allgemein auf das politische System an. Ganz exakt ist, dass er sie herzeigt: Unendlich nicht, aber in sich gekrümmt blökt unter wirrem Haar die Zunge.
12.10.2009, 20:36 | tags: Spielzeit, Ballett | Autor: Franziska Blech
Mitteldeutsche Zeitung, 11.10.2009
Dessau/DPA
Premiere für neuen Ballettchef
Anhaltisches Theater: Tragödie «Lulu» von Choreograph Tomasz Kajdanski ab 23. Oktober
Der bekannte Choreograph Tomasz Kajdanski feiert am 23. Oktober mit der Tragödie «Lulu» seine Premiere als neuer Ballettdirektor des Anhaltischen Theater Dessau. Sein neu arrangiertes Ballettensemble interpretiert das Werk von Frank Wedekind unter anderem mit Musik von Arnold Schönberg und Dmitri Schostakowitsch. «Lulu» handelt von dem gesellschaftlichen Auf- und Abstieg einer außergewöhnlich schönen, männermordenden Frau in einer repressiven patriarchalen Gesellschaft. Der in Warschau geborene Kajdanski hält das extreme Frauenbild für ideal im Ballett umzusetzen. Seine erste Dessauer Arbeit wird in zehn weiteren Veranstaltungen bis Mitte Mai zu sehen sein.
Die 215. Spielzeit des Balletts im Anhaltischen Theaters Dessau steht unter dem Motto «Sinn und Sinnlichkeit». Der Ballettdirektor wird in seiner ersten Spielzeit noch weitere Choreographien nach Schauspielvorlagen zur Uraufführung bringen. Ein Klassiker dafür wird «Nachtasyl» nach Maxim Gorki sein, dass von Ende Mai 2010 an zu erleben sein wird.
Tomasz Kajdanski wurde überregional bekannt als langjähriger Eisenacher Ballettchef. Er war seit 2004 am thüringischen Landestheater engagiert. Dort feierte er seine bisher größten Erfolge mit «Abraxas», einer Faust-Adaption von Werner Egk, und seiner Arbeit über den russischen Komponisten «Tschaikowski». Für letztere wurde er 2006 als einer der drei besten Choreographen Deutschlands gewürdigt. Mit ihm wechselten zur neuen Spielzeit 2009/2010 auch einige Tänzer seines Eisenacher Ballettensembles nach Dessau.
12.10.2009, 20:22 | tags: Spielzeit, Anhaltische Philharmonie | Autor: Franziska Blech
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau-Rosslau,12.10.2009
Das Konzertzimmer weitet sich zur Kathedrale
Antony Hermus dirigiert sein 1. Sinfoniekonzert bei der Anhaltischen Philarmonie
Es gibt Ausnahmesituationen, in denen die grundsätzlich richtige Formel "Bilde, Künstler, rede nicht!" außer Kraft tritt. Das erste Sinfoniekonzert eines Generalmusikdirektors beispielsweise rechtfertigt programmatische Ansagen, wenn sie denn so verbindlich sind wie im Falle von Antony Hermus: Dass "Musik eben kein Luxus, sondern ein Grundbedarf" sei, verkündete er vergangene Woche an zwei bestens besuchten Abenden im Anhaltischen Theater - und bezog sich damit demonstrativ auf Simon Rattle, dessen Arbeit mit den Berliner Philharmonikern bekanntlich beispielgebend für die Popularisierung des klassischen Erbes ist.
Wer dem Grußwort im Namen der Anhaltischen Philharmonie übrigens genau zuhörte, konnte einen weiteren Beweis für das neue Traditionsbewusstsein am Dessauer Theater entdecken: Während Generalintendant André Bücker stolz die Kontinuität in der 215. Spielzeit betont, verweist das Orchester bereits auf seine 243. Saison - und wurzelt damit am tiefsten in der lokalen Kulturgeschichte.
Ein großer Motivator
Doch dass dieser chronologische Tiefgang keinen Wert an sich darstellt - wer wüsste es besser als jene Künstler, die historische Überlieferung immer wieder vergegenwärtigen und aus dem Augenblick erschaffen müssen? In der zweiten Sinfonie von Johannes Brahms zeigte Antony Hermus, dass er sich mit seinen Philharmonikern bereits perfekt auf diese Aufgabe eingestimmt hat: Die lichten, luftigen Momente füllte das Orchester mit ätherischer Transparenz, um sich bruchlos in massive Wucht zu steigern. Zwischen den einzelnen Stimmen und Gruppen herrschte organisches Einverständnis, alles war ganz bei und für sich - und der Motor des Ganzen bewährte sich als großer Motivator. Wie Hermus im Freitagskonzert den Beginn des dritten Satzes mit links aus dem Handgelenk schüttelte, um hernach mit der Stabhand die Feinschraffur der Streicher zu unterstützen, wie er diesen Klangkörper in beherrschter Entfesselung zur finalen Attacke führte - das war, mit Verlaub, dann doch Luxus. Aber eben einer, der hier schon bald zum Grundbedarf für viele Besucher werden könnte.
Denn dass Antony Hermus ein großer Menschenverführer ist, zeigte ja nicht nur die Haltung der Musiker. Da saß niemand zurückgelehnt oder missmutig an seinem Pult, trotz energischer Konzentration sah man in lächelnde Gesichter - und nur gelegentlich wischte eine Hand über eine schweißnasse Stirn. Doch nachdem man sich im impressionistisch durchsonnten "Levenszomer" von Hermus' niederländischem Landsmann Johan Wagenaar kurz erholt hatte, demonstrierte der Dirigent endgültig sein demokratisches Selbstverständnis als Erster unter Gleichen.
Mit dem Opern- und Extrachor des Theaters, mit dem Luther- und dem Friedrich-Schneider-Chor, mit den Fürstsingers sowie den Jugendchören des Liborius- und des Gropius-Gymnasiums kamen rund 250 Sängerinnen und Sänger auf die Bühne, um Antonin Dvoraks "Te Deum" aufzuführen - eine säkulare Gemeinde in absichtlicher Durchmischung der Stimmen, die das Konzertzimmer zur Kathedrale weitete und wie ein Spiegel für Parkett und Rang wirkte.
Applaus von der Bühne
Gewiss ist dieses Werk, das 1892 einen alten Glauben in die Neue Welt transportieren sollte, nicht die tiefschürfendste Umsetzung des ambrosianischen Lobgesangs. Aber als Ermutigung zur Teilhabe, als Einladung an alle Musikbegeisterten wirkt es in seiner fast verspielten Farbigkeit doch beispielhaft - zumal, wenn mit Angelina Ruzzafantes klarem, extrem durchsetzungsfähigem Sopran und Wiard Witholts (am Donnerstag durch Ulf Paulsen ersetzten) schönem, weichen Bariton zwei kongeniale Solostimmen in den gigantischen Chor einfallen. Dass es nach dem "Alleluja" ebenso viel Applaus aus dem Zuschauerraum wie aus den Reihen der Sänger gab, dass man nach der in Höhen wie Tiefen ausgeloteten "Aeterna" am Ende das "Laudemus" als Zugabe wiederholen musste - was für ein Beginn!
Wenn es gelingt, die Euphorie dieses Auftakts in den Alltag zu verlängern, dann steht der Anhaltischen Philharmonie im 243. Jahr eine glänzende Zukunft bevor.
07.10.2009, 09:29 | tags: Spielzeit, Schauspiel/Musiktheater, Musiktheater, Anhaltische Philharmonie | Autor: Franziska Blech
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau, 06.10.2009
Weg zum perfekten Klang
Im Dessauer Liborius-Gymnasium treffen sich die Chöre der Stadt zur gemeinsamen Probe
Am Samstag im "Lohengrin" beflügelte er das Orchester, trieb es auf Schwanes Schwingen zu ungeahnten Höhen, bereitete den Chören und Solisten ein Notenhimmelbett. Antony Hermus, Dessaus neuer Generalmusikdirektor, ist gerade heftig dabei, die Stadt musikalisch zu verzaubern. Was mit der ersten Opernpremiere am Wochenende im Anhaltischen Theater beim Publikum funktionierte, das hat der Dirigent bei rund 260 Dessauern schon längst geschafft. Wie das gelang, hört man nicht nur, das sieht man auch: am vergangenen Donnerstag in der Aula des Liborius-Gymnasiums.
Es ist kurz vor halb acht am Abend, da strömen vom Teenie bis zu Männern und Frauen in den frühen Achtzigern die Sängerinnen und Sänger in die Schule. Es ist die zweite gemeinsame Probe von Dessauer Chören, die beim ersten Sinfoniekonzert dieser Saison am Donnerstag und Freitag vor die Zuhörer im Theater treten. In den Taschen hat jeder die Noten, Dvorák steht drauf. Das "Te Deum" aus seiner Feder soll den zweiten Teil des Abends bilden. Bislang haben die Chöre jeder für sich geprobt, einmal nur traf man sich bisher gemeinsam auf der Probebühne im Theater, nun gilt es, erneut zueinander zu finden.
"Meine Damen und Herren vom großen gemeinsamen Dessauer Chor", derart begrüßt Antony Hermus die große Runde und lässt gar nicht viel Zeit vergehen, sondern kommt gleich zum Wesentlichen: Es wird gesungen. Aus rund 250 Kehlen. Wäre der Neubau des Gymnasiums nicht so solide, man könnte sagen, dass die Wände wackeln. Doch ach, es geht noch viel, viel besser. Darauf arbeitet Hermus hin und lässt die Mühen bis zum perfekten Klang folgen. Er feilt an den Tenorstimmen und bringt sie in neue Höhen, bemüht sein Handy, um zu demonstrieren, wie sich ein Ton halten lässt, klettert vom Stuhl aufs Podest auf den Boden, und der große Chor tut es ihm stimmlich nach bis zum zartesten Flüsterton. Er droht droht lachend damit, gelbe Karten zu verteilen, wenn zur falschen Zeit geatmet wird, denn "das hört man". Kritik übt er, wenn Einsätze nicht kommen, Konsonanten nicht artikuliert sind. Doch wie er dies tut, das ist so charmant, so anspornend, dass die Singenden und neugierigen Zuhörer gleichermaßen Dauerlächeln und mit großer Lust diesem Mann und seiner Idee von Musik folgen. "Sie singen alles richtig, ich kann gar nichts sagen, aber es fehlt das Feuer", sagt Hermus, gleich darauf bekommt er es und strahlt gemeinsam mit den Sängerinnen und Sängern, als dann die Flamme lodert.
Chorübergreifend machen sich die Mitwirkenden miteinander bekannt, kommen ins Gespräch und verschmelzen zu einer Einheit, über die sich beim Gesang immer wieder die Stimmen der beiden Solisten Angelina Ruzzafante und Wiard Witholt erheben. Bei den Proben in dieser Woche kommt nun noch das Orchester hinzu. Doch Bange ist niemanden vor dem Zusammentreffen zweier so großer Klangapparate.
Nahezu ausverkauft sind inzwischen beide Konzerte, und ob des "Te Deum" vergisst man leicht, dass es noch mehr zu hören gibt: Johannes Brahms' 2. Sinfonie mit ihren pastoralen Klängen und dem jubelnden Finale eröffnet den Konzertabend, ihr folgt die Orchesterfantasie "Levenszomer" (Lebenssommer) des holländischen Organisten und Komponisten Johan Wagenaar (1862-1941). Dann aber, nach der Pause, wird es eng auf der Dessauer Bühne.
07.10.2009, 09:23 | tags: Spielzeit, Schauspiel, Schauspiel/Musiktheater, Musiktheater, das neue Team | Autor: Franziska Blech
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung, 07.10.2009
Wechsel nach Stuttgart und Treue zu Dessau
Regisseurin zählt ab 2011 zu Jossi Wielers Team
Am vergangenen Wochenende hat die Dessauer Chefregisseurin Andrea Moses mit ihrer Inszenierung von Richard Wagners "Lohengrin" noch für einen ebenso umstrittenen wie umjubelten Einstand am Anhaltischen Theater gesorgt, am Dienstag nun wurde sie bereits vom designierten Stuttgarter Opern-Intendanten Jossi Wieler als seine neue Hausregisseurin ab der Spielzeit 2011/12 vorgestellt. Der international renommierte Regisseur Wieler lobte Andrea Moses nicht zuletzt für ihr Dessauer Debüt als "Persönlichkeit, die unsere Vorstellungen von Musiktheater teilt und uns dabei helfen wird, sie umzusetzen."
Für die 1972 in Dresden geborene Moses, die nach großen Erfolgen im Schauspiel erst vor drei Jahren mit "Salome" im Musiktheater debütierte und schon zwei Jahre später für den deutschen Theaterpreis "Faust" nominiert wurde, ist der Wechsel nach Stuttgart der Schritt auf internationales Parkett. Immerhin war die Staatsoper bereits sechsmal "Opernhaus des Jahres", das Erfolgskonzept des früheren Intendanten Klaus Zehelein will Jossi Wieler nun in die Zukunft verlängern. Mit einer handverlesenen Schar von Künstlern soll hier wieder ein Ensemble-Theater aufgebaut werden, das seine Urform in der Komischen Oper von Walter Felsenstein hatte.
Ihren Zwei-Jahres-Vertrag mit dem Anhaltischen Theater will Andrea Moses aber nicht nur erfüllen, sie versprach am Dienstag auch, dem Haus über diese Zeit hinaus verbunden zu bleiben. "Ich liebe die Arbeit und die Menschen an diesem Theater", sagte sie. "Und ich werde vollenden, was wir gerade begonnen haben." Für die kommende Saison habe sie daher alle Gastverpflichtungen abgesagt, in der aktuellen Spielzeit hingegen werde sie noch den "Don Giovanni" in Bremen und die Uraufführung von Marton Illes‘ "Die weiße Fürstin" bei der Münchner Musik-Biennale inszenieren. In Dessau will Andrea Moses ihre erste Saison mit einem Schauspielprojekt im Stadtpark beschließen, das die Stücke "Der Park" von Botho Strauss sowie "Peter Squenz" von Andreas Gryphius verbindet und für den 8. Juli 2010 angekündigt ist.
07.10.2009, 08:59 | tags: Spielzeit, Schauspiel | Autor: Franziska Blech
Hans-Dieter Schütt, Neues Deutschland, 05.10.2009
Sand, Tand
Einar Schleefs Erzählung »Abschlussfeier« von 1978 besteht aus Monologen; Armin Petras, Intendant am Maxim Gorki Theater Berlin, bearbeitete sie für die Bühne, Uraufführung nun am »Alten Theater«, dem kleinen Haus des Anhaltischen Theaters Dessau.
An der Ostsee, in einer internationalen Jugendherberge, findet eine Abschlussfeier statt: Jedes Jahr kommen junge Franzosen in die DDR. Chefin, Stellvertreterin, Küchenfrau, Reinemachfrau sowie Gerda und Gisela, zwei Helferinnen: ein Kaleidoskop der Alltagstechniken zwischen Versorgungsproblemen, Berichten an FDJ und Stasi, Anpassung und bescheidenen Frechheiten. Petras weiß, dass aus der Erzählung keine wirkliche Dramatik werden kann. Er treibt die beinahe dokumentarische Tonlage der Schleef-Monologe über Strecken ins Schrille. Er tut es im Verbund mit starken Schauspielerinnen. Drei Spielorte (Bühne: Annette Riedel), drei Szenen.
Ganz oben im 3. Stock das winzige Büro der Chefin, van Goghs Sonnenblumen an der Wand, Marx-Spieluhr auf dem Tisch, französische Marianne-Plastik auf dem Regal, das erhobene Gewehr der Revolutionärin ist ein prima Brieföffner. Ursula Werner: bestechend als verhemmte, aber mehr und mehr ins aufgedrehte Selbstreferat hochfahrende Herbergsmutter. Mit allen politischen Wassern gewaschen. Ihr Monolog: Trompetenstöße der Staatstreue, umlegt gleichsam mit Trommelwirbeln, die Mut machen für den Slalom zwischen fleckfreier Repräsentation nach außen und ermüdender Übermalung innerer Konflikte. Eine zähe sozialistische Fassadenmalerin, die sich im Berufsoptimismus aufreibt, um Reibungen nicht zu offenbaren – die Werner zeigt geradezu rührend, wie diese Reibungen das Gemüt zerledern.
Hilke Altefrohne als gelockte, hosenstraffe Stellvertreterin: missmutig jung, die Zähne zermalmen den Kaugummi, meinen aber dies Leben als Funktionärin, mit Zuträgerdiensten, Postkontrolle überm Wasserdampf und motorischer Gleichgültigkeit. Christel Ortmann und Regula Steiner-Tomic als Küchenfrau und Reinemachefrau hocken in der stieren Unfreude ihres kleinen Daseins, als seien sie nur eine andere Existenzform jener zwei riesigen Topfpflanzen, die sie hereinschleppen.
Im Erdgeschoss dann der Party-Raum, hier fand sie statt, die Tanz- und Saufschlacht der Jugendlichen. Aber quer durch den Raum das sture Losungsband: »Es lebe die deutsch-französische Freundschaft!« Die Regie wagt in dieser Szene nach der Abschlussfeier – und zwar bis zur Strapaze – die Stimmungsschau, eine um sich selbst kreisende Besoffenheit am Grenzübergang zum Kater. Julischka Eichel und Sabine Waibel als Gisela und Gerda: Tanz im Scherbenhaufen, zwischen Luftballons, Büffetresten, Holger-Biege-Sound, Westfernsehen (Sissy und ein schwedischer Pornofilm) sowie einem letzten Bewusstlosigkeitsversuch: dem Cocktail aus allen zusammengekippten Fuselflaschen. Das hat gehörige Abstoßkraft, stößt uns freilich zugleich ins Kreatürliche, Unmittelbare von Lebensinteressen, die mit schlichten Erfüllungsständen, nicht mit hehren Ideen zu tun haben.
Dann wandern wir hinaus, die Franzosen zu verabschieden. Vorm Theater gleichsam der Strand mit einem kleinen Zelt. Dessauer Jugendliche füllen den Ort. Am Ende steht Ursula Werners Chefin allein in diesem Geviert, eine verzweifelt tapfere Patriotin der Tristesse, die immer sein wird. Wie sagte diese lohende, geradezu lüstern lenkende, leitende Frau? »Es ist außenpolitische Werbung, dieser Aufgabe bin ich mir voll bewusst, zu zeigen, wie schön das Leben in der DDR ist.« Diese Schönheit ist: sie sich einreden inmitten von Enge, Züchtigung, unerfüllter Sehnsucht.
Schleefs erzählerische Stärke: die Klaglosigkeit und Aushaltezähigkeit der Porträtierten, sich das lebenslange Grau für Momente eines wie immer gearteten Rausches wegzusaufen, wegzuknutschen, wegzufantasieren. Diese Menschen da nehmen sich das Leben, wie es nie kommt – außer wenn Westbesucher eintreffen. »In Zeiten des Verrats sind die Landschaften schön« (Heiner Müller): der Einbruch der Franzosen als Gleichnis, die andere Welt ist möglich, es reichen Chanel No. 5, ein paar Klamotten – ein bisschenTand: Frieden im Klassenkampf gegen unterdrückte Wünsche. »Was unterscheidet uns von Franzosen«, fragt eines der Mädchen ermattet, »wieso bin ich nichts.« Totenklage ins eigene Leben hinein.
Die Franzosen stieben jetzt davon, wie Jugend allgemein: eine kleine bunte Flucht zwischen den Neubauten hier. Die Szene hat etwas Unwirkliches, als schwirrten Traumfetzen durch die anbrechende Nacht. Ein Mädchen in Weiß trägt ein Honecker-Foto, eine andere haut Tennisbälle in Richtung Zuschauer, ein Buch landet in einer Wasserlache, ein Mädchen in Grün spielt den sehr verfrühten Vamp, ein Videofilmer wirft die szenischen Partikel auf die gegenüberliegende Hauswand, eine Frau schiebt ihr Fahrrad hinten vorbei, das aber ist nicht Theater, das ist ein magischer Punkt Realität, und es liegt die Vermutung nahe, diese Frau ist Besuch aus jener grauen Zone, wie sie blieb trotz bunter gewordenem Deutschland.
Eine Theaterstück-Skizze. Plädoyer für den sogenannten einfachen Lebensentwurf, der sich durch komplizierte Verhältnisse beißen muss. Im Verschleiß das Dasein bejahen – du gehst leutefreundlicher nach Hause.
Nächste Vorstellung: 23.11. Premiere am Gorki-Theater: 14.11.
07.10.2009, 07:28 | tags: Spielzeit, Schauspiel, Schauspiel/Musiktheater, Musiktheater | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 06.10.2009
Andrea Moses wechselt ab 2011/ 2012 als Hausregisseurin an die Staatsoper Stuttgart
Andrea Moses, Chefregisseurin für Musiktheater und Schauspiel am Anhaltischen Theater in Dessau, wird im Herbst 2011 an die mehrfach als Opernhaus des Jahres ausgezeichnete Staatsoper Stuttgart als Hausregisseurin wechseln.
Andrea Moses bleibt über ihren bis 2011 andauernden Vertrag auch weiterhin dem Anhaltischen Theater Dessau als Gast verbunden. Letzten Samstag feierte ihre Inszenierung „Lohengrin“ (Musikalische Leitung GMD Antony Hermus) erfolgreich Premiere und erhielt deutschlandweit starke Presseresonanz.
07.10.2009, 07:27 | tags: Spielzeit, Schauspiel, Anhaltische Philharmonie
Pressemitteilung vom 06.10.2009
„Gesänge aus 1001 deutschen Nacht“ im Alten Theater
Das Anhaltische Theater Dessau lädt zur Premiere II der „Gesänge aus 1001 deutschen Nacht“ am 8. Oktober, um 19:30 Uhr ins Alte Theater ein. Hier heißt es: Willkommen in der Anstalt! Der Bus ist angekommen und die illustren Fahrgäste erwarten jetzt ihr Publikum im Foyer des Alten Theaters, um einen Tag aus ihrem Leben im „Tollhaus Deutschland“ zu besingen.
Das Ensemble „Gesänge aus Tausend und Einer deutschen Nacht“ startete seine musikalische Odyssee unter Dessaus „freien Himmeln“. In einem alten B 1000 Bus wurden seit dem 2. Oktober in Dessau und Umgebung bekannte, wie außergewöhnliche Orte angesteuert und gesungen, was die deutsche Seele hergibt.
Jetzt präsentiert eine Inszenierung aus dem Tollhaus fünf sangeswütige Spieler, eine kleine Combo und ein atemberaubendes Stück Deutschland.
Regie: Krzystof Minkowski | Musikalische Leitung: Benjamin Schultz | Ausstattung: Konrad Schaller
Karten gibt es an der Theaterkasse und unter den Telefonnummern: 0340 2511 – 333 oder 0340 2400 – 258.
07.10.2009, 07:09 | tags: Spielzeit, Anhaltische Philharmonie | Autor: Franziska Blech
Anhaltisches Theater Dessau lädt ein zum 1. Sinfoniekonzert „Die Himmel rühmen...“
Wenige Tage nach seiner ersten Opern-Premiere gibt Dessaus neuer Generalmusikdirektor Antony Hermus seinen sinfonischen Einstand. Am 8. und 9. Oktober, jeweils 19.30 Uhr, dirigiert er das 1. Sinfoniekonzert der Anhaltischen Philharmonie. Drei Werke stehen auf dem Programm, das „Die Himmel rühmen“ überschrieben ist. Den Anfang macht die sonnendurchflutete 2. Sinfonie von Johannes Brahms. Nach ihrem jubelnden Finale werden die Konzertbesucher in die Pause entlassen und lernen danach das Werk eines Landsmannes von Antony Hermus kennen. Der holländische Organist und Komponist Johan Wagenaar war ein Zeitgenosse von Richard Strauss, was man seiner Musik auch anhört. Das ausgewählte Stück heißt „Levenszomer“ („Lebenssommer“) und entstand 1903. Am Schluss des Programms steht Antonín Dvoráks festlich-freudige Vertonung des lateinischen Lobgesangs „Te Deum“, komponiert 1892 für die 400-Jahrfeier der Entdeckung Amerikas. Für diese Aufführung konnten neben dem Opern- und dem Extrachor des Anhaltischen Theaters noch fünf weitere Chöre aus der Stadt Dessau-Roßlau gewonnen werden: der Lutherchor, der Friedrich-Schneider-Chor und die Chöre der drei Gymnasien. Zwei neuengagierte Ensemblemitglieder des Anhaltischen Theaters wirken als Solisten mit: Angelina Ruzzafante (Sopran) und Wiard Witholt (Bariton). Insgesamt werden an die 300 Mitwirkende auf der Bühne stehen. An jedem Konzertabend gibt es 18.30 Uhr eine Konzerteinführung im Foyer.
Karten für das 1. Sinfoniekonzert gibt es an der Theaterkasse im Rathaus-Center und unter den Telefonnummern: 0340 2511 – 333 oder 0340 2400 – 258.
06.10.2009, 09:01 | tags: Spielzeit, Schauspiel, Schauspiel/Musiktheater | Autor: Franziska Blech
Andreas Montag, Mitteldeutsche Zeitung, 06.10.2009
In Lessings großem Märchen besiegt Toleranz den Hass
Der neue Generalintendant André Bücker inszeniert den deutschen Schauspiel-Klassiker «Nathan der Weise»
An diesem Stück kommt keiner vorbei: Ist Johann Wolfgang von Goethes "Faust" das Herz- und Denkstück der Deutschen, so besetzt Gotthold Ephraim Lessings dramatisches Gedicht "Nathan der Weise" die Position der moralischen Instanz. Der große Aufruf zur Toleranz ist ein Solitär. Aus diesem Grunde hat man das Werk gleich nach dem letzten großen Krieg als erste Premiere im zerstörten Berlin und an vielen anderen Häusern gezeigt.
Viel Applaus und Bravo-Rufe
Nun hat André Bücker, der neue Generalintendant des Anhaltischen Theaters Dessau, sein erfolgreiches Eröffnungswochenende just mit dem "Nathan" abgeschlossen. Reichlich dreieinhalb Stunden dauert das Spiel, bei einer Pause. Viel Holz in Zeiten, da der Schauspiel-Trend eher in Richtung knackiger Kürze zu weisen scheint.
Doch Bücker, der diese Inszenierung selbst besorgt hat, wollte wohl dem großen Text die Ehre erweisen und zugleich seinem grundlegend erneuerten Ensemble und den Abonnementen die Gelegenheit geben, sich gegenseitig kennenzulernen. Das Ergebnis fiel mehr als zufriedenstellend aus, für beide Seiten: Im Saal wurde begeistert applaudiert, am Ende schallten sogar Bravo-Rufe. Und die Künstler waren froh, für ihre Arbeit derart freundlich belohnt zu werden.
So soll es, idealerweise, sein an einem Stadttheater, das seinen Bürgern verpflichtet ist - Anregung und Provokation selbstverständlich inklusive. "Wie es euch gefällt" wäre als übergreifendes Motto zu wenig, um sich dem Publikum als unverzichtbar zu empfehlen.
Von etwaiger Beliebigkeit kann bei Bückers "Nathan" auch gar nicht die Rede sein. Behutsame Bezüge zur Gegenwart im Nahen Osten werden durch Videoeinspielungen hergestellt, Aktualisierung um jeden Preis hingegen findet nicht statt. Lessings Ton ist das Maß, das den Akteuren ihre Rollen auf der symbolträchtigen Baustelle (Ausstattung; Suse Tobisch) zuweist, ohne sie von ihrer Verantwortung des Gestaltens zu entbinden. Unübersehbar das Bemühen der Regie, Pathos und historisierende Bilder in Grenzen zu halten, ganz kann dies angesichts des Stoffes und seiner Wirkungsgeschichte freilich nicht gelingen - es sei denn, man wollte Lessing komplett gegen den edelmütigen Strich bürsten.
Das wollte Bücker nicht, seinem Publikum wäre es mutmaßlich auch nicht recht gewesen. So gibt es in Jerusalem, wo die Handlung ja angesiedelt ist, einen herzensgebildeten reichen Juden namens Nathan (Uwe Fischer) zu sehen, der seiner angenommenen Tochter Recha (betont mädchenhaft: Ines Schiller) ein rührend besorgter, gütiger Vater ist. Sultan Saladin (Stephan Korves) zeigt den machtbewussten, auch unberechenbaren und eitlen, im Grunde aber gütigen
muslimischen Herrscher.
Gleichwertigkeit des Glaubens
Vielleicht lenkt er ein bisschen zu schnell ein, nachdem Nathan ihm die berühmte Ringparabel erzählt hat - die zentrale Geschichte von den drei ununterscheidbaren Kleinoden, die für die Gleichwertigkeit des christlichen, islamischen und jüdischen Glaubens stehen.
Beste, indes auch etwas selbstgewisse Figur macht Sebastian Müller-Stahl als junger Tempelherr, der Recha aus dem Feuer gerettet hat und sich schließlich als ihr Bruder und Neffe Saladins entpuppen wird. Müller-Stahl zeigt jugendliche Kraft und Trotz, auch Ironie blitzt auf. Lob gilt dem übrigen Ensemble; schön der Regieeinfall, den pompösen christlichen Patriarchen (Gerald Fiedler) als bösen, kleinen Mann aus einem Kleiderpanzer steigen zu lassen.
Auch die glitzernde Showtreppe im Bühnenhintergrund, auf der die Machtfrage im Sinne der Aufklärung entschieden wird und der Kinderchor (Leitung: Dorislava Kuntscheva) einmal Platz nehmen darf, passt gut in dieses große Märchen vom Sieg der Vernunft.
Allein, weshalb das eingangs brennende Haus des Juden Nathan noch über dieser Treppe stehen muss und dort auch bleiben soll, ist so ungewiss wie die schrille Travestie des Derwischs (Thorsten Köhler), der Nathans Freund und Saladins Geldbeschaffer ist. Gleichwohl hat der Dessauer Abend die Kraft, seine Botschaft über die Zeit zu tragen. Und darum ist es ja gegangen.
Nächste Vorstellung: Sonntag, 17 Uhr, Großes Haus
06.10.2009, 08:53 | tags: Spielzeit, Schauspiel/Musiktheater, Musiktheater, Anhaltische Philharmonie | Autor: Franziska Blech
Joachim Lange, http://www.festspiele.de/startseite/news, 05.10.2009
Lohengrin, übernehmen Sie!
Andrea Moses macht in Dessau aus Wagners „Lohengrin“ eine spannende Studie über eine manipulierte Gesellschaft
DESSAU: „Menschen gestalten – Zukunft bewegen“ prangt in großen Lettern über dem gewaltigen Bühnenportal des Dessauer Opernhauses.
Im Laufe des Abends wird einem diese griffige „human coaching“ Losung immer klarer und immer unheimlicher. Die neue Chefregisseurin des Hauses, Andrea Moses, macht in ihrer Einstandsinszenierung nämlich aus Wagners „Lohengrin“ vor allem eine packende Studie über die Manipulierbarkeit der Massen und über die Undurchschaubarkeit von Machtstrukturen. Sie zeigt, wie Menschen, die dagegen kämpfen, nicht mehr funktionieren oder auf der Strecke bleiben, aussortiert oder ersetzt werden. Das war nach den fast zwei Jahrzehnten, in denen Walter Felsensteins Sohn Johannes hier das (Theater erhaltende) Intendanten-Zepter führte, als Regisseur aber demonstrativ eine eher konservative Opernästhetik pflegte, für einen Teil des Publikums ziemlich neu und zu viel.
Dabei haben Andrea Moses und ihr Ausstatter Christian Wiehle Wagners Schwanenritteroper zwar das historisch Märchenhafte verweigert, aber nicht das geheimnisvoll Spannende eines Kampfes um die Macht und die Frage, ob die Freiheit Brabants an der ungarischen Grenze verteidigt werden muss. Dass bei dieser Regisseurin (nach ihrem atemberaubend gegenwärtigen Nahost-Strauss Doppel mit „Salome“ und „Elektra“ in Meiningen und ihrer nicht minder packenden US-Fernsehshow „Turandot“ in Weimar) „Lohengrin“ vom Märchen zum Gegenwartsstück werden würde, war nicht anders zu erwarten. Am Ende marschieren sie denn auch alle im Gleichschritt unter wehenden Fahnen im wahrsten Wortsinn rückwärts in den Krieg und nur Elsa entkommt dem triumphierenden Wahnsinn über den Zuschauerraum.
Wo Katharina Wagner in Budapest in ihrem „Wende“ – Lohengrin den 89er Bruch verarbeitet und der junge Regisseur Florian Lutz in Gera-Altenburg die Nachwende-Zeit im Osten Deutschlands thematisiert hat, da verlängert Moses dieses Lohengrin-Potential sozusagen in die drohende Zukunft einer durchmanipulierten, von nicht legitimierten Mächten gelenkten Gesellschaft. Ohne auf eine allzu direkte politische Metaphorik auszuweichen. Das bleibt mit „Du bist Brabant“ überm Traualtar und einem eher ironischen „Vertrauen in Deutschland“ über dem Brautgemach-Bungalow mit seinem ebenso ironischen Wolke Sieben Video und etwas Bühnennebel eher in der Andeutung.
Zu Beginn sieht man in einer Art Auditorium, das Hörsaal oder auch Parlament sein könnte, die Brabanter noch als ziemlich individuelle und offensichtlich in verschiedene Lager differenzierte Zeitgenossen. Manche lesen Zeitung, einige stricken, andere reden miteinander und ein paar smarte Herren verstecken sich hinter ihren Sonnenbrillen und füttern ihre Laptops.
Und auch als der König und sein Heerrufer eintreffen und mit Friedrichs Anklage gegen Elsa der Kampf um die Macht beginnt, ist das Pro und Kontra noch deutlich wahrnehmbar. Doch der zum Krieg rüstende Heinrich und sein Heerrufer verlassen sich nicht auf die bedingungslose Gefolgschaft der Brabanter oder strategische Argumente. Sie haben einen Plan und der heißt Lohengrin. Der Superheld, der Strahlemann mit Charisma, der hochgepuschte Messias. Er wird mit einem medialen Brimborium von Obamascher Perfektion denn auch installiert. Da greift der König selbst zum Handy und setzt seinen backstage wartenden Kandidaten punktgenau in Marsch, da gibt es mit Schwanen-Auftritts-Video, Schaukampf und einer ganzen Truppe von ideologischen Hostessen, samt neuer Bibel mit aggressivem Schwanenlogo in der Geschenktüte, eine Art von fingierter Kandidatenkür.
Der Heerrufer ist in diesem Spiel dafür verantwortlich, dass Elsa, die sich hier tatsächlich so seltsam bewegt, wie sie redet, nicht aus der ihr zugedachten Rolle fällt. Als Telramund sie in aller Öffentlichkeit auffordert, das Frageverbot zu brechen, reicht ihr der Heerrufer schon mal auf seinem Minidisplay den Text. Er dirigiert das Verhalten der Massen und überwacht und lenkt Elsa. Bis eben auch sie im Brautgemacht nicht mehr „funktioniert“. Hier lässt Telramund schließlich auch Lohengrin auffliegen. Er hat einen Mitschnitt, auf dem man sieht, wie der Held für seinen „Auftrag Brabant“ abkassiert…
Diese enthüllende Sichtweise ist nahezu konsequent und läuft im szenischen Detail mit einer bis zum letzten Choristen durchgestalteten Personenregie als spannender Thriller ab. Dass es dann Lohengrin ist, der dem König und dem Heerrufer eine Telefonnummer zusteckt, über die sie den Ersatz-Jungen (noch ziemlich „unfertig“ und mit Maske) aus dem Schnürboden einschweben lassen können, ist mit Blick auf das Wissen Lohengrins über Gottfrieds Verbleib zwar einleuchtend, wäre aber in der Logik der erzählten Geschichte auch als Plan B der beiden Strippenzieher denkbar gewesen. Sei‘s drum.
Für die hier mitgelieferte, äußerst selten zu hörende zweite Strophe der Gralserzählung, die über Gottfrieds Schicksal aufklärt, hat der junge neuseeländische Tenor Andrew Sritheran jedenfalls genügend Kraft. Die kleinen Angestrengtheiten lagen zum Glück vor dem „In fernem Land…“ Auch sonst kann Dessau (das ja ein Theater mit großer Wagnervergangenheit und nie ganz abgerissener –Gegenwart ist) ein Ensemble von Sängerdarstellern aufbieten, das sich hören und sehen lassen kann. Es ist imponierend mit welcher darstellerischen Intensität und stimmlichen Wucht Iordanka Derilova eine mit allen Mittel kämpfende Power-Ortrud liefert und Ulf Paulsen als Telramund auch in seiner Niederlage souverän der Mann an der Seite seiner strategisch denkenden Frau ist. Bettine Kampp ergänzt ihre wunderbar klare Elsa um eine Studie einer stets manipulierten Frau, die sich erst am Ende aus dem Alptraum dieses Lebens befreien kann. Pavel Shmulevich macht aus dem König mit nobler Wucht einen modernen Manager der Macht und der junge Wiard Witholt ist seiner Rolle als Sprecher und Coach Elsas in jeder Hinsicht gewachsen! Die Spielfreude auch des aufgestockten Chores war allenthalben spürbar.
Alles in allem überzeugte auch die Anhaltische Philharmonie unter ihrem neuen Chef Antony Hermus. Obwohl das beim Vorspiel noch nicht so klar war, etliche Patzer dazwischenfunkten und Hermus aus dem Hochzeitsmarsch zum Beginn des dritten Aufzug einen Geschwindmarsch machte, der (vielleicht ja bewusst) mehr einer Parodie dieses Ohrwurms glich. Doch im Ganzen fand das Orchester überzeugend zu seinen Qualitäten, lieferte im dramatischen Auftrumpfen der Massenszenen das martialisch Enthüllende ebenso mit, wie dann doch noch die betörenden Gralsklänge.
Alles in allem ist Dessau ein spannender und lohnender Neustart gelungen. Und das Anhaltische Theater liegt ja nun keineswegs in fernem Land.
06.10.2009, 08:42 | tags: Spielzeit, Schauspiel/Musiktheater, Musiktheater, Anhaltische Philharmonie | Autor: Franziska Blech
Jörg Königsdorf, Tagesspiegel, 06.10.2009
Wann hat man eine so kluge, lebendige Wagner-Aufführung zuletzt in Berlin erlebt? Dem Theater Dessau ist mit "Lohengrin" ein großer Wurf gelungen.
Dieser Lohengrin arbeitet mit allen Tricks: Inszeniert sich mit Schwanenlogo und großem Auftritt als Retter des Brabantischen Volks, macht der treudoofen Elsa den Traumprinzen vor und schreckt auch nicht davor zurück, seinen Duellgegner Telramund mit einem fiesen Foul zu Fall zu bringen. Die Geschichte schreiben die Sieger, weiß dieser skrupellose Politprofi – und falls seine Hinterzimmer-Kungeleien mit dem König irgendwann doch rauskommen sollten, kann er immer noch sein Erweckungsprediger-Charisma spielen lassen und die Massen auf sich einschwören.
Es ist schon ein starkes Stück, das das neue Team des Dessauer Theaters dem Publikum zur Saisoneröffnung zumutet. Nachdem hier unter Altintendant Johannes Felsenstein anderthalb Jahrzehnte lang – durchaus erfolgreich – Oper gemacht wurde, die meist genauso aussah, wie man es nach der Lektüre des Opernführers erwarten durfte, kehren sein Nachfolger André Bücker und die neue Chefregisseurin Andrea Moses ostentativ das Unterste zuoberst. Von jetzt an soll in der Bauhausstadt brandaktuelles Musiktheater stattfinden und die Kunst wieder das Gewissen der Gesellschaft sein. „Menschen gestalten – Zukunft bewegen“ lautet das ehrgeizig optimistische Motto, das sich die Dessauer Theatermacher auf die Fahnen und in großen Lettern auch übers Bühnenportal geschrieben haben.
In Dessau wird die Geschichte zum Politkrimi mit menschlichem Tiefgang
Sympathisch ist solche Aufbruchstimmung allemal, und wer weder durch diesen Leitspruch noch durch die Platzierung der „Lohengrin“-Premiere auf den „Tag der deutschen Einheit“ stutzig geworden ist, der merkt sehr schnell, dass das neue Team seinen Anspruch mit Volldampf einlöst: In Dessau wird die Geschichte vom scheiternden Heilsbringer zum Politkrimi mit menschlichem Tiefgang. Systematisch werden die gewählten Schicksalslenker demontiert, werden Glanz und Gloria der wagnerschen Musik als höchst wirksame PR-Mittel interpretiert. Mit dem Resultat, dass die Rollen von Gut und Böse sich völlig neu verteilen, ohne dass dies je gegen Text und Musik verstoßen würde.
So ist der Graf Telramund, der die Herrschaft über Brabant erstrebt, kein bloßer Ehrgeizling, sondern der letzte Politiker, der noch einen Begriff von Anstand und Ehre hat. Und Elsa ist kein verzagtes Mäuschen, sondern wird zur eigentlichen Heldin des Dramas: Wenn sie schließlich die verbotene Frage stellt, um die Wahrheit über ihren Helden zu erfahren, ist das der Moment, in dem sie den Betrug Lohengrins durchschaut. Am Ende wird sie unter den heilsgläubigen Brabantern umherwanken wie Kassandra unter den Trojanern – ebenso wenig wie die Wahrheit hat sie selbst hier noch einen Platz.
Schon fast überscharf behält Moses den ganzen Abend über jede ihrer Figuren im Fokus: den steif-korrekten Recken Telramund (Ulf Paulsen), die sexy bitch Ortrud (Iordanka Derilova), den windigen Business-König Heinrich (Pavel Shmulevich), den Politkandidaten Lohengrin und vor allem Elsa, die zu Beginn fast als dumme Gans im Jackie-Kennedy- Outfit erscheint. Dass diese lebensunerfahrene Tussi für die Heilsbotschaften der Gralssekte empfänglich ist, glaubt man jedenfalls sofort – auch weil Bettine Kampp diese naive Verschrobenheit auch wirklich singt und darstellt: Ihr „Einsam in trüben Tagen“ ist die trotzige Traumerzählung eines gealterten Kindes, das erst durch die Enttäuschung erwachsen werden wird.
Echtes Hörtheater
Dieser Dessauer „Lohengrin“ ist ein großer Wurf und vermutlich die spannendste Deutung seit Peter Konwitschnys legendärer Hamburger Inszenierung. Dass ein solcher Kraftakt an einem vergleichsweise kleinen Haus wie Dessau gelingt, liegt allerdings nicht nur an einem gescheiten, minutiös umgesetzten Konzept, sondern daran, dass Moses mit ihren Sängern und nicht gegen sie inszeniert. Andrew Sritherans Lohengrin beispielsweise hat nicht nur das schmierig-süßliche Sektenführer-Grinsen perfekt drauf, sondern singt seinen Schwanenmann auch so: Selbst sein „Elsa, ich liebe dich“ trompetet er mit gleißend metallischem Forte heraus –kein Liebesgeständnis, sondern ein Showact fürs sensationsgierige Volk und die Presse. Oder auch die Gralserzählung: Statt einer weihevollen Legato-Suada singt Sritheran das Stück als spontane Erweckungspredigt.
Und dann ist da Dessaus neuer Chefdirigent Antony Hermus, der mit seiner Anhaltischen Philharmonie keinen Schönklang ohne szenische Anbindung produziert, sondern mit offenen Augen und Ohren dirigiert. Das ist echtes Hörtheater: Jubelndes Volk und Konfettiregen in den ekstatischen Fanfaren der Trompeten, treuherziger Kirchenlied-Tonfall in den andächtigen großen Chorpassagen, dann wieder, im Brautchor, angenehm leichtfüßig.
Wann hat man eine so kluge, lebendige Wagner-Aufführung zuletzt in Berlin erlebt? Auf nach Dessau!
05.10.2009, 15:49 | tags: Spielzeit, Schauspiel/Musiktheater, Musiktheater, Anhaltische Philharmonie | Autor: Franziska Blech
Andreas Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/Dessau, 04.10.2009
Angriff der Gegenwart auf die übrige Zeit
Lohengrin auf der Bühne des Anhaltischen Theaters
In der Original-Fassung konnte man es als noble Absicht verstehen, bei Vertauschung der Verben aber wird daraus pure Esoterik: "Menschen gestalten - Zukunft bewegen" steht in großen Buchstaben über der Bühne des Anhaltischen Theaters. Und wer diese kleine Korrektur bemerkt hat, wird später auch die Parole "Vertrauen in Deutschland" mit anderen Augen lesen: Meint der inzwischen abgewählte Slogan wirklich noch, dass man auf diese Nation bauen kann? Oder fragt er nicht vielmehr, wie es um das Vertrauen in diesem Land bestellt ist?
Größtmöglicher Umkehrschluss
Andrea Moses versucht mit ihrem Dessauer Debüt den größtmöglichen Umkehrschluss: Ausgerechnet "Lohengrin", diesen grundguten Wagner-Helden in blendender Rüstung, will sie in seinem ehernen Selbstbewusstsein erschüttern, sein märchenhaftes Frageverbot als demagogische Geste entlarven. Dass dies nur mit Gewalt funktionieren kann, war von vornherein klar - ebenso wie die Tatsache, dass die Fraktion der Fraglosen diese Verstörung mit Empörung quittieren würde. Doch dass ein Gewitter aus Buh- und Bravo-Rufen einen elektrisierenden Abend krönt, war als Ausdruck einer Selbstverständigung des Publikums über sein Theater vor Ort bisher ja ein unerhörter Vorgang.
Dies ist der neuen Chefregisseurin gelungen: Sie hat das Brabant von Telramund und Ortrud in eine träge Demokratie verwandelt, deren Parlament anfällig ist für den Angriff des Irrationalen. Ihr Lohengrin ist ein charismatischer Sektenführer, der statt eines politischen Programms Gesangbücher und Autogramm-Oblaten verteilt - und dessen messianische Pose entzaubert wird, als die zunächst traumverlorene Prophetin Elsa ihn nach seiner wahren Art befragt. Dass ein kurzes Video zudem eine Verschwörung des Helden mit König Heinrich andeutet, überdehnt die Lesart freilich - selbst wenn der fragwürdige Heilsbringer dem Herrscher zum Abschied eine goldene Brücke in den Krieg baut.
Das eigentliche Sakrileg für die Gralshüter aber bleibt wohl, dass an diesem Abend nicht nur gedacht, sondern auch gelacht werden darf. Dabei ist der Auftritt einer Putzfrau als Verletzung der verkaterten Intimität zwischen den Verschwörern so schlüssig wie Telramunds lächerliche "Schwanensee"-Etüde vor der Kirche, die als Verspottung auf ihren Urheber zurückfällt - wenn man denn bereit ist, sich auf diese Aktualisierung einzulassen. Als visuelle Verführung bewährt sich die Ausstattung von Christian Wiehle: Wann wurden die grandiosen Möglichkeiten der Dessauer Wagner-Bühne zuletzt so raumgreifend ausgeschöpft? Wann gab es zuletzt derart überwältigende Verwandlungen, mit denen sich auch die Technik des Hauses höchstes Lob verdient?
Der Star sitzt im Graben
Der Star des Abends freilich sitzt im Graben: Antony Hermus hat die Anhaltische Philharmonie in kürzester Zeit verzaubert, er schöpft bereits im Vorspiel die Szene buchstäblich aus dem Klang und trägt die Sänger wie die Musiker durch eine fast makellose Vorstellung zum atemberaubenden Finale. Was hier an Elastizität und Dynamik, an Farbenreichtum und Nuancen zu hören ist, hätte man bislang kaum für möglich gehalten, dies ist ein Aufbruch, der einhellige Begeisterung findet. Und auch der Chor, den Helmut Sonne um Mitglieder des Extrachores und des freien Coruso-Ensembles bereichert hat, zeigt sich dank individueller Figurenzeichnung bei maximaler musikalischer Geschlossenheit in Topform. So kann, so muss es weitergehen im "Bayreuth des Nordens". Dafür steht zudem ein Solisten-Ensemble, in dem Ulf Paulsen als sinistrer Machtmensch Telramund sowie Iordanka Derilova als furiose First Lady Ortrud mit starken Stimmen und scharf konturierten Charakteren für Qualität sorgen. Neben ihnen führt sich eine Gruppe neuer Sänger ein, die sich sehen und hören lassen kann: Pavel Shmulevich ist ein König von wahrhaft majestätischem Ausdruck, Wiard Witholt ein Heerrufer mit verführerischer Verlässlichkeit.
Bettine Kampp steigert - als einziger Gast - ihre Elsa vom Opfer stimmlich wie darstellerisch zur selbstbewussten Frau, die als Einzige dem Gleichschritt entkommt. Andrew Sritheran schließlich muss bei seinem Rollen-Debüt im dritten Aufzug Lehrgeld zahlen, zeigt dann aber - von Antony Hermus geführt - in der ungekürzten Gralserzählung, dass in ihm ein echter Schwanenritter steckt. Im Dessauer "Lohengrin" wird Wagners Forderung "Kinder, schafft Neues!" also nicht - wie jüngst an der Berliner Staatsoper - plakatiert. Es wird einfach gemacht.
Nächste Vorstellungen: 10. Oktober und 22. November, jeweils 17 Uhr
05.10.2009, 15:41 | tags: Spielzeit, Schauspiel, Schauspiel/Musiktheater, Musiktheater, Anhaltische Philharmonie | Autor: Franziska Blech
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau, 04.10.2009
Publikum fiebert mit und ist begeistert
Spielzeit-Auftakt am Anhaltischen Theater kommt gut an - Prominente Besucher loben neues Team
Nur ein paar Takte reichten aus und Klemens Koschigs Ängste waren am Samstagabend verflogen. Noch am Abend zuvor war der Oberbürgermeister unsicher ob des Ausgangs der Opernpremiere von "Lohengrin". "Ich habe Angst", gestand er da. 24 Stunden später, nach viereinhalb Stunden Wagner am Anhaltischen Theater, war Koschig jedoch überzeugt: "Genau für solch ein Theater haben wir André Bücker nach Dessau geholt. Es gibt so viele jüngere Leute im Publikum, das haben wir uns gewünscht".
Beginn mit Abschlussfeier
Erstmals bestätigt sah sich das Stadtoberhaupt schon am Freitagabend im Alten Theater. Dort begann das Eröffnungswochenende unter der neuen Intendanz von André Bücker mit der Premiere von "Abschlussfeier" in der Regie von Armin Petras. Petras, Intendant des Berliner Maxim-Gorki-Theaters, schickte sein Publikum durch das ganze Haus und schließlich vor die Tür. Nach einer bejubelten Premiere blieben viele gern, denn das bislang so kühl wirkende Foyer des Alten Theaters hatte sich durch das Bühnenbild in einen Partykeller verwandelt, der sich perfekt für eine Premierenfeier mit Live-Musik und Tanz eignete.
Im Restaurant sprach derweil die lokale Prominenz über das Gesehene. Mit der "Abschlussfeier" habe er ein Stück erlebt, dass nicht besser zum Tag der Deutschen Einheit hätte passen können, sagte Klemens Koschig. Er wertete die Inszenierung vor allem angesichts der Verklärung von Erinnerungen als besonders wichtig. "Es ist gut, dass es solche Stücke gibt, die uns immer wieder vorführen, wie es in der DDR war." Autor Einar Schleef, der mit seiner Erzählung die Vorlage für die Theaterfassung der Dessauer Uraufführung lieferte, war ein Meister im Schildern des ostdeutschen Alltags. Dass sich dies adäquat auf der Bühne widerspiegelte, fanden auch Gäste aus Sangerhausen. Mit zehn Leuten war der Schleef-Arbeitskreis aus der Geburtsstadt des Autors angereist. "Die Fahrt hat sich gelohnt. Es war ein toller Abend", freute sich Dieter Wrobbel vom Arbeitskreis, der zugleich auch einen Bekannten in Dessau wiedertraf: André Bücker inszenierte beim "Schleef-Block I" 2004 in Sangerhausen den Schleef-Abend "Kein schöner Land", und auch Petras kam damals mit einer Produktion in die Rosenstadt. "Eigentlich schließt sich hier heute in Dessau ein Kreis", befand Wrobbel
Eine Zuschauerin der "Abschlussfeier" konnte am Freitag nicht ganz so gelassen in die Premierenfeier gehen, denn ihre eigene fand erst am Abend darauf statt. Andrea Moses, Regisseurin des "Lohengrin", verabschiedete sich bald und sammelte Kraft für ihr Dessau-Debüt.
18 Uhr sah man sie am Sonnabend ganz außen in Reihe 5 im Parkett sitzen. Angespannt, mitfiebernd, lachend und begeistert von Solisten, Chören und Orchester, blieb für die Regisseurin nun nicht mehr viel zu tun. Zwei Pausen gab es während der Oper, danach eine bis in die Morgenstunden dauernde Premierenfeier, Zeit also für Diskussionen über die Lesart der Regisseurin, Zeit für erste negative und positive Einträge in das neue Gästebuch des Hauses. Bevor gefeiert wurde, galt das Wort des Generalintendanten jedoch allen Mitwirkenden. André Bücker dankte im Rangfoyer nicht nur den Solisten und Chören, er hob auch alle Gewerke und die Technik des Hauses hervor. "Aus einem Stab kommt kein Klang." Mehr musste Dirigent Antony Hermus als Wertschätzung für Orchester und Ensemble nicht sagen.
Auffallend viele auswärtige Besucher waren am Sonnabend nach Dessau gekommen. Theaterleute, die den Dessauer Neustart miterleben wollten. So auch Ulrich Katzer, Betriebsdirektor der halleschen Oper und Orchester GmbH, der alle drei Eröffnungspremieren sah. "Ich bin neidisch", war sein Kommentar nach der Opern-Premiere. "Dessau kann stolz sein auf seine neue Mannschaft."
Christoph Werner, Intendant des "Neuen Theaters" in Halle und gebürtiger Dessauer, hat neben den Besuchen bei seinen Eltern nun noch einen weiteren Grund ausgemacht, wieder öfter nach Dessau zu kommen. "Das war ein Großstadttheaterabend, wie man ihn auch in Dresden erleben kann. Als Dessauer bin ich stolz, dass man solches Theater jetzt auch in meiner Heimatstadt sehen kann", sagte er. Werner, der in Halle die Nachfolge von Peter Sodann antrat, weiß um die Probleme und Ängste, die mit einem Wechsel der Intendanz verbunden sind. "In Gesprächen und beim Publikum habe ich gemerkt, wie verfelsensteint noch manches ist. Die jetzigen Premieren sind eine klare Ansage. Ich wünsche dem neuen Team viel Kraft und komme jetzt öfter."
Zurück an den früheren Wirkungsort kehrte auch Clemens Birnbaum. Der ehemalige Weill-Fest-Intendant verantwortet nun in Halle die Händel-Festspiele. "Lohengrin war ein großartiger Saisonauftakt und eine phantastische musikalische Leistung", lobte er vor allem die Arbeit von Generalmusikdirektor Antony Hermus. Und in der Inszenierung von Andreas Moses habe er sich "keine Minute gelangweilt".
Gäste kommen wieder
Ein besonders kritisches Auge auf den Opernabend warfen mehr als 40 Besucher aus Bremen, die nach Dessau gereist waren. Nicht zum ersten Mal kamen Mitglieder des Bremer Richard-Wagner-Verbandes in die Muldestadt. "Der erste Eindruck war gewöhnungsbedürftig, aber wenn man sich erst einmal gewöhnt hatte, dann war es toll", resümierte Hannelore Pöpper. Die Bremer werden Dessaus Theater weiter besuchen, versicherte sie.
"Wir kommen wieder", befand auch ein anderer prominenter Premierengast: Bernd Junkers, der nur Stunden zuvor eine Ju 52 auf den Namen "Dessau" getauft hatte, will fortan öfter die Strecke München-Dessau fahren, um hier ins Theater zu gehen.
04.10.2009, 10:43 | tags: Spielzeit, Schauspiel/Musiktheater, Musiktheater | Autor: Franziska Blech
Wladimir Kleschtschow, Mitteldeutsche Zeitung/ Köthen, 12.09.2009
Aphrodite und Lohengrin
Ein weißer Schwan aus dem Köthener Tierpark steht vor der Kamera
Stellt es sich bald heraus, dass der bescheidene Schwan Aphrodite aus dem Köthener Tierpark in Wirklichkeit ein Star ist? Natürlich nicht im ornithologischen Sinne, sondern auf dem Gebiet der darstellenden Kunst. Der erste Schritt in diese Richtung ist jedenfalls getan. Zwei Kameraleute waren im Auftrag des Anhaltischen Theaters Dessau in Köthen, um den schneeweißen Vogel zu filmen. Die Aufnahmen sollen in die romantische Oper "Lohengrin" von Richard Wagner integriert werden, deren Premiere am 3. Oktober stattfindet. In der Oper kommt bekanntlich ein Schwan vor.
"Der Schwan muss aggressiv, mit ausgebreiteten Flügeln auf uns zukommen", erklärten die Kameraleute Jens Crull und Chris Kondek die Aufgabe. Die beiden Männer aus Berlin produzieren Videos im Auftrag verschiedener Theater. Kondek stammt aus den USA, lebt jedoch seit neun Jahren in der deutschen Hauptstadt. Er hat bereits für solche renommierten Spielstätten wie die Semper-Oper in Dresden und das Maxim-Gorki-Theater in Berlin sowie für den ZDF-Theaterkanal gearbeitet. Auch Crull hat einen Namen in der Branche.
Der Schwan Aphrodite verdankt seine "Entdeckung" durch das Anhaltische Theater der Tatsache, dass es im Dessauer Tierpark keine weißen Schwäne gibt. Dort hatte sich nämlich das Theater zuerst erkundigt. Die Dessauer Tierpark-Leiterin wusste aber, dass der Köthener Tierpark Schwäne hat und gab den Theaterleuten den Tipp. So bekam Aphrodite eine große Chance, von der viele junge Talente träumen - meist vergebens. Sie hatte sogar doppeltes Glück: Der andere Höckerschwan, der mit Aphrodite im selben Teich schwimmt, zeigte seine tiefe Abneigung zum Show-Geschäft, indem er sich für die Aufnahmen nicht fangen ließ.
In einer hinteren Ecke des Köthener Tierparks befindet sich ein kleines Gehege, das für Quarantäne-Zwecke genutzt wird, wenn neue Tiere eingeliefert werden. Dort wurden für Aphrodite jene Bretter aufgebaut, die die Welt bedeuten. Genauer gesagt waren das keine Bretter, sondern ein breiter Streifen blauen Papiers. Diese Farbe ist für die Kameraleute für die spätere Montage der Aufnahmen besonders geeignet. Die Köthener Tierpflegerinnen Angela Andreae und Gabriele Berger bildeten das Betreuungsteam des geflügelten Darstellers.
Zu Beginn der Aufnahmen zeigte Aphrodite, dass in ihr ein großes Talent schlummert. Fauchend und mit den Flügeln schlagend ging der Schwan sofort auf die Kameraleute los. Diese haben nicht mit solch einem schnellen Ausbruch der Leidenschaften gerechnet und räumten erschrocken das Terrain. Offenbar dachten sie dabei an die Warnung der Tierpflegerinnen, dass ein erwachsener Schwan mit seinem Flügelschlag einen menschlichen Arm brechen kann.
Dann fassten Crull und Kondek Mut und richteten ihre Kameras auf den Schwan. Und warteten. Und warteten. Und warteten. Das gefiederte Talent wollte nicht mehr so richtig. Ab und zu ließ es sich überreden und lief auf die Kameras zu. Es tat das aber nicht aggressiv genug und der gewünschte Flügelschlag blieb aus. Offenbar hatte Aphrodite von der Anstrengung schnell die Nase voll und war einfach müde.
Alle Bemühungen der Tierpflegerinnen, sie aufzumuntern, schlugen fehl. Ab und zu fauchte der Schwan zwar die Umstehenden an und lief in Richtung der Kameras. Ihm fehlte dabei aber die Energie. Diese zeigte Aphrodite nur, wenn sie versuchte, von der "Bühne" zu verschwinden und das Gelände zu verlassen. Offenbar dachte sie weniger an den künstlerischen Ruhm als vielmehr an den kleinen Teich, in dem die vertraute "Clique" aus einem weiteren weißen Schwan und einer Kanada-Gans auf sie wartete.
Ein paar Aufnahmen brachten Jens Crull und Cris Kondek aber irgendwie doch zustande. Sie waren sogar der Meinung, es werde reichen, um die gewünschten Motive zu montieren. Das wird sich bei der "Lohengrin"-Premiere am 3. Oktober zeigen. Bevor die Kameraleute aber den Köthener Tierpark verließen, nahmen sie hier allerdings noch schwarze Trauerschwäne auf. Sozusagen für den Fall der Fälle.
Und Aphrodite? Gabriele Berger brachte den Schwan wieder zu seinem Teich zurück. Das Federvieh lebte auf, plumpste ins etwas muffige Wasser und plätscherte vergnüglich darin. Der andere Schwan und die Kanada-Gans warteten schon. Das Leben im Areal ging weiter - abseits der großen Kunst.
04.10.2009, 10:21 | tags: Spielzeit, Schauspiel | Autor: Franziska Blech
Hartmut Krug, nachtkritik, 02.10.2009
Abschlußfeier – Armin Petras entfaltet eine Erzählung Einar Schleefs in Dessau zum DDR-Panorama
Eine Art Ost-Botho-Strauß
Das Büro ist winzig: nur Tisch und Stuhl, davor eine Batterie von Lautsprechern. Von der Wand strahlen van Goghs Sonnenblumen und auf einem Wandbrett lässt eine revolutionäre Tischfigur die französische Fahne leuchten. Die Chefin der internationalen Jugendherberge in Kühlungsborn klemmt sich hinter ihren Schreibtisch, nutzt das jubelnd hochgereckte Gewehr der Figur als Brieföffner und resümiert über ihr Leben und ihre Arbeit. Dabei befreit sich Ursula Werner aus verdruckster Verlegenheit in scheinbar fröhliche Zufriedenheit.
Wie die Schauspielerin den nüchtern-lakonischen Text dieser Frau durchspielt und durchdenkt, wie sie dessen Untergründe und Brüche ausstellt, wie sie aufblüht ins leuchtende Lächeln, das besitzt gleichermassen Unterhaltungswert wie Wahrhaftigkeit. Kontrolle und Staatssicherheit sind Alltag – diese Frau weiß, dass sie kontrolliert wird und kontrolliert selbst. "Ich weiß doch, was los ist."
Menschen, die ausgeträumt haben
Und so redet sie über Versorgungsprobleme und Kommissionen aus Berlin, über eine ehrgeizige junge Stellvertreterin, über die Küche als Schmuckstück und ideologische Waffe und über die anstehende Abschlussfeier für die französischen Gäste, die hier einen, von der Gesellschaft für Deutsch-Französische Freundschaft veranstalteten Deutschkurs besucht haben.
Einar Schleefs kleine, nur 25 Taschenbuchseiten umfassende Erzählung "Abschlussfeier" ist eine Folge von Monologen einer Chefin und ihrer Mitarbeiterinnen, die in Erinnerungen, Reflexionen und Beschreibungen einen Alltag lebendig werden lassen, der von allgemeiner Kontrolle, von Illusionslosigkeit und Pragmatismus, aber auch von kleinen Sehnsüchten bestimmt ist. Wie Schleef ein kleines Gesellschaftspanorama entwirft, von Menschen, die ausgeträumt haben, die sich eingerichtet haben und doch weiter träumen, das besitzt bestürzende Präzision.
"Abschlussfeier" ist mindestens die dritte Erzählung Schleefs, die Armin Petras (nach "Zigarren" und "Die Bande") auf die Bühne bringt. Während bei Schleef die Erzählungen der Chefin und ihrer Mitarbeiterinnen (die Dolmetscherinnen fehlen bei Petras) beiläufig und still daher kommen, beläßt Petras das Monologische zwar weitgehend, doch treibt er die Berichte in bunt ausschweifende Theatralik und überbetonte Komik. Es wird anspielungsreiche englische und ostdeutsche Rockmusik gespielt, es werden Briefe überm Wasserkocher geöffnet, die kittelbeschürzten Küchenfrauen ergänzen sich in ihren Berichten, als seien sie eine Person, und zur Abschlussfeier wird das Büro vollgestellt mit Grünpflanzen und Tischbannern, während von einer Spieluhr die Internationale erklingt.
Kader und Passanten
Vor allem aber muss das Publikum wandern. Zunächst vom kleinen Studio unterm Dach des neu eröffneten und renovierten "Alten Theater" ins Parterre, wo in einem wilden Partykeller (Bühne: Annette Riedel) die Reste der von Saufen und Ficken bestimmten Abschlussfeier weggeräumt werden müssen. Hier motzt Petras Schleefs Figuren-Charakterisierungen mit vielen bunten Einfällen auf. Julischka Eichel und Sabine Waibel als junge Putzfrauen versuchen, statt der Olsenbande im DDR-Fernsehen das schwedische Programm und mit dem Westprogramm einen Sissi-Film herein zu bekommen und nachzuspielen, und sie dürfen sich nach massivem Bowle-Brüderschaftstrinken sexuell-existentiell miteinander austauschen.
Das sind Szenen mit den von Petras-Inszenierungen gewohnten Spielereien, teils einfallsreich und schauspielerisch herrlich, teils albern langatmig. Schauspielerisch überzeugt der Abend völlig. Hilke Altefrohne spielt die Stellvertreterin als Gegenmodell zur muttihaften Chefin Ursula Werners: im Hosenanzug und mit mißmutiger Fleppe, Kaugummi kauend und so selbstverständlich wie unzufrieden über ihre Staatssicherheits-Kontakte sprechend. Nach Alkoholgenuss, während ein Ostsong "Gib nicht auf" tönt, bricht sie sogar ins tobende "ich halt's nicht mehr aus."
Christel Ortmann und Regula Steiner-Tomic spielen ihre Küchen- und Reinmachefrauen mit wunderbar redseliger Maulfaulheit hinein in eine totale Erschöpfungshaltung. Der Abend endet vor dem Theater auf offener Sandfläche rund um ein kleines Zelt, umrahmt von besetzten Parkbänken, und junge Komparsen arrangieren sich zu einem bunten Gesellschaftspanorama, als sei es eine Art Ost-Botho-Strauß.
Unaufdringlich bestürzende Schilderung
Ein Mädchen mit Krone läuft umher, ein anderes spielt Tennis, ein lesender Junge tritt in ein Wasserloch, und ein Kameramann filmt und wirft seine Bilder auf eine Hauswand. Wenn allerdings eine "wirkliche" alte Frau ihr Fahrrad durch die Bedeutung spielende Menge schiebt, treffen sich Theater und Realität, – und die sinnliche Realität der neugierigen, "echten" Passantin gewinnt. Schliesslich stellen sich zwei Jungen ans Mikro, erzählen von ihren Erlebnissen bei der Abschlussfeier, und die Chefin hat das letzte Wort. Nachdem alle jungen Leute in einen Barkas gestiegen und erst abgefahren und bald darauf wieder zurück gekommen sind, ziehen sie die Herbergs-Mitarbeiter in einer langen Polonaise mit – nur die Chefin bleibt verwirrt und unentschieden sehnsüchtig zurück.
Schleefs unaufdringlich bestürzende Schilderung einer illusionslos träumenden Gesellschaft peppt Petras mit seinen wunderbaren Schauspielern und mit vielen schönen, aber auch mit einigen allzu äußerlich wirkungssüchtigen Einfällen zu einem unterhaltsam-bunten Abend auf: eben zum schnellen Petras-Theater. Das, weil es eine Koproduktion mit dem Berliner Maxim Gorki Theater ist, bald auch in Berlin zu sehen sein wird.
Die Abschlussfeier (UA)
nach einer Erzählung von Einar Schleef
für die Bühne bearbeitet von Armin Petras
Regie: Armin Petras, Bühne: Annette Riedel, Kostüme: Karoline Bierner, Video: Niklas Ritter, Dramaturgie: Carmen Wolfram. Mit: Ursula Werner, Christel Ortmann, Regula Steiner-Tomic, Hilke Altefrohne, Julischka Eichel, Sabine Waibel, Dirk Meinhardt, Max Georg Nowak
www.anhaltisches-theater.de
04.10.2009, 10:04 | tags: Spielzeit, Schauspiel/Musiktheater, Musiktheater | Autor: Franziska Blech
Helmut Rohm, Zerbster Volksstimme, 01.10.2009
Andrea Moses ist neue Leitende Regisseurin für Musiktheater und Schauspiel am Anhaltischen Theater Dessau / Am 3. Oktober hat ihre „Lohengrin“ -Inszenierung Premiere
„Regie führen ist ein bisschen auch wie Lehrer sein“
„Regie führen, Stücke inszenieren ist ein bisschen auch wie Lehrer sein“, glaubt Andrea Moses, Leitende Regisseurin für Musiktheater und Schauspiel am Anhaltischen Theater Dessau. Für das große Eröffnungspremierenwochenende vom 2. bis
4. Oktober inszeniert sie die Wagner-Oper „Lohengrin“.
Im Leben von Andrea Moses, die 1972 in Dresden geboren wurde, spielen Lehrer an bestimmten Schnittstellen ihrer Entwicklung eine besondere Rolle. Ihr Vater war Lehrer, die Mutter war Sekretärin. „Meine Abi- Zeit fiel in die Wendewirren. Da war vieles offen. Außerdem waren wir oft mehr auf der Straße, als die Zeit fürs Lernen
zu nutzen“, erinnert sie sich. Ein gutes Abi sei es dennoch geworden. Was nun tun? Da war wieder ein Lehrer, ihrer für Deutsch und Geschichte. Er konnte so toll die differenzierten gesellschaftlichen Zusammenhänge erklären. Das gab Andrea Moses den Anstoß, in Leipzig und Berlin Germanistik und Geschichte studieren.
„Vielleicht wäre ich auch Lehrerin geworden“, zuckt sie mit den Schultern und lacht. Sie hat dann parallel noch Theaterwissenschaften „dazu genommen“. Doch das war auch alles „so theoretisch, wo ich doch überhaupt kein Schreibtischmensch bin“, erzählt sie, wie eine Art Suchende damals. Mitsingen im Unichor war gut. 1990 mal so eine Tanztheaterszene zu machen, mit moderner Musik und Tänzern aus Cottbus, gefiel ihr. Ohne es eigentlich zu können, ohne es gelernt zu haben. Bauchgefühl, Ist es Talent? Andrea Moses lässt diese Frage offen.
„Ich bin überhaupt kein Schreibtischmensch“
Zum Glück für sie – wohl auch für die bisherigen und noch kommenden Zuschauer ihrer Inszenierungen – war wieder eine Lehrerin zur Stelle.
Ihre Klavierlehrerin meinte: „Bewirb dich doch mal in Berlin bei der Ernst-Busch-Schule“. Gesagt, getan. „Und es war irre. Die haben mich genommen!“, strahlt sie noch heute. Gerade auch weil sie, inzwischen selbst als Dozentin (seit 2004) an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ tätig, weiß, welche hohen Anforderungen gestellt werden und dass sich Jahr für Jahr Hunderte bewerben.
Nun hatte Andrea Moses wohl ihren Weg gefunden. Ihre erste Station war, gleich als
Regisseurin, die jedoch auch alle anderen Arbeiten an einem Theater erledigte, das Dresdner TiF („Theater in der Fabrik“), die an das Staatsschauspiel Dresden angegliederte, deutschlandweit beachtete und geschätzte Experimentierbühne. 1999 hatte sie in Kiel dann ihr erste große Inszenierung: „Medea“.
Die Inszenierungsliste von Andrea Moses, die ohne Zweifel zu den interessantesten jungen Regisseurinnen des deutschsprachigen Raumes gehört, ist lang, beinhaltet viele Bühnen und Stücke. Zu denen sie jeweils etwas sagen könnte und eigentlich auch wollte. Darauf muss hier aus Platzgründen, verzichtet werden. 2004/2005 habe sie sich an das Musiktheater „gewagt“. Herausragend waren „Salome“ (Strauss) 2006 und ein Jahr später auch noch „Elektra“, beide im Staatstheater Meiningen. Für ihre „Elektra“ - Inszenierung war sie für den hochbeachteten „Faust-Preis“ des Deutschen Bühnenvereins in der Kategorie „Beste Regie im Musiktheater 2008“ nominiert.
Den „Leitungsanteil“ ihrer neuen Tätigkeit, die sie aber nicht getrennt betrachtet wissen möchte, sieht Andrea Moses vor allem in der Verantwortung gegenüber dem gesamten Ensemble und für die Entwicklung der Schauspieler und Sänger. Das werde sie mit und durch die Eröffnung eines „großen vertrauenvollen Gesprächsfeldes“, der Spielplangestaltung, der Rollenzuteilung, eben der gemeinsamen Umsetzung der künstlerischen Visionen in Angriff nehmen.
„Alle sind unheimlich engagiert“
Sie selbst bringt sich zum Spielzeitstart direkt ein, mit ihrer Inszenierung von Richard Wagners Oper „Lohengrin“. „Ich möchte, dass sich der Zuschauer mit sich und seiner Zeit auseinandersetzen soll, zumindest möchte ich dazu die Anregungen geben“, umreißt sie ihre Regie-Intensionen. Es geht um Wünsche und um Wunder. Um einen Menschen, der Wunder vollbringt, andere rettet, der selbst nicht erlöst wird. Welche Art von Wünschen und Wundern haben/erwarten wir im Heute, im menschlichen Miteinander, auch im aktuellen politischen Geschehen? „Dass Richard Wagner in der Zeit, als er ,Lohengrin‘ komponierte, ein Art ‚Weltveränderungsoptimist‘ war, ist einer meiner Ansatzpunkte“, erzählt Andrea Moses. Und fügt als Anliegen an: „Nahe an Wagner erzählen, mit den Intensionen von Wagner und trotzdem heute – ohne das Stück zu zerstören“. „Alle sind unheimlich engagiert. Tolle Sängerinnen und Sänger, ein toller Chor, ein durchweg tolles Ensemble“, aus Andrea Moses strömt purer Optimismus und unerschütterliche Zuversicht.
Für die Rolle der Elsa hat Andrea Moses die Sopranistin Bettine Kampp verpflichtet,
die die Hauptpartien in ihren Erfolgsinszenierungen „Salome“ und „Elektra“ gesungen hat. Lohengrin ist Andrew Sritheran. Die musikalische Leitung hat GMD Antony Hermus. Die Ausstattung übernimmt Christian Wiehle.
Premiere ist am Sonnabend, dem 3. Oktober, um 18 Uhr.
03.10.2009, 08:45 | tags: Spielzeit, Schauspiel | Autor: Franziska Blech
Helmut Rohm, Zerbster Volksstimme, 01.10.2009
Armin Petras inszeniert Einar Schleefs „Abschlussfeier“ am Anhaltischen Theater Dessau
Das vielgestaltige Kämpfen in und mit der Gesellschaft „Einar Schleefs Werke sind riesig, urgewaltig, von großer Tiefe und Genauigkeit“, schwärmt Armin Petras. Der Intendant des Berliner Maxim- Gorki-Theaters inszeniert als Gast am Anhaltischen Theater Dessau die Uraufführung des Schauspiels „Abschlussfeier“ von Einar Schleef (1944-2001). Morgen ist Premiere. Von Helmut RohmDessau-Roßlau.
Ja klar, es sei schon kein alltäglicher Vorgang, dass ein Intendant eines großen Berliner Theaters in einem „Provinztheater“ inszeniere, hebt Armin Petras (Jahrgang 1964) bei aller Bescheidenheit dennoch hervor. Er sehe dies auch als eine Art „Ostsolidarität“, wobei aber das gemeinsame Wirken im Vordergrund stehe. Dass er gerade in Dessau arbeitet, „ist eine durchaus lustige Geschichte“. Vor vier oder fünf Jahren war Armin Petras zu einer Diskussionsrunde mit Intendanten nach Dresden eingeladen – ohne selbst schon Intendant zu sein. Dort traf er aber André Bücker. „Er war Intendant des Nordharzer Städtebundtheaters. Und ich hatte vorher schon als Spielleiter am Südharzer Städtebundtheater gearbeitet“, erinnert sich Petras. Das gab Stoff für ein „flottes erstes Gespräch“. Dabei stellte sich ebenfalls heraus, dass „wir beide Schleef mögen, geradezu Schleef-Fans sind“.
Als André Bücker Generalintendant in Dessau wurde, habe er natürlich gratuliert. Und wurde gleich gefragt, ob er in Dessau nicht mal was machen möchte. „Da konnte und wollte ich natürlich nicht nein sagen“, erklärt Armin Petras seine nunmehrige Regietätigkeit.
Für ihn selbst sei die Arbeit in Dessau ebenfalls eine gute Erfahrung.
Schleefs 1978 erschienene Erzählung „Abschlussfeier“, für die Petras bei dieser Koproduktion von Berliner und Dessauer Bühne eine Theaterfassung erarbeitet hat, spielt Ende der 70er Jahre im Ostseebad Kühlungsborn. Es geht um die Abschlussfeier eines Kurses für deutsche Sprache der „Gesellschaft für Deutsch-Französische Freundschaft“ in der Internationalen Jugendherberge „Katja Niederkirchner“. Zur Sprache und zum Handeln kommen die unterschiedlichen Befindlichkeiten der dortigen Mitarbeiter in einer Atmosphäre von Misstrauen, Neid und Hoffnungslosigkeit.
Eine DDR-Thematik 20 Jahren nach der friedlichen Revolution?
„Ohne Verständnis der Vergangenheit können wir gar nicht leben, können wir uns
selbst nicht verstehen“, erklärt Armin Petras die Grundüberlegung. „Die Geschichte hat uns geprägt, egal, ob wir das selbst erlebt haben oder unsere Eltern.“ Armin Petras sieht sein Theaterverständnis in solchen Fragen wie: Wo steht der Mensch? Was will er? Wie verhalten sich Menschen? Einar Schleef hat sich in seinem Stück mit solchen Fragen auseinandergesetzt. „Er beschreibt niemals Gefühle, eigentlich immer nur die vielgestaltigen Kämpfe der handelnden Personen in und mit der Gesellschaft“, charakterisiert Armin Petras. Dieses „Kämpfen“ sei ungemein dramatisch. Das reize ihn als Regisseur sehr.
Dass Gefühle, Gedanken, Empfindungen, größtmögliche Emotionen bei den Zuschauern entstehen, sei sein und der Wunsch des Ensembles. Armin Petras hofft, dass das Stück einfach sehr viele Zuschauer berührt, im besten Fall begeistert. Auch gut, wenn es einige abstößt oder verstört. Wenn sich allerdings ein Zuschauer langweilt, wäre alle Arbeit umsonst
gewesen.
In drei verschiedenen Bühnenräumen werden die Zuschauer im und vor dem Kulturzentrum Altes Theater das Geschehen verfolgen. Ungewöhnlich in dieser Form, meint der Regisseur. Sie ermögliche aber eine allmähliche Vergrößerung
der Darstellung, Entwicklung vom Kleinen zum Großen und vor allem den Schritt vom Privaten ins Öffentliche. Das Stück werde so zu einem „öffentlichen Vorgang“. Auch das gehört zu Armin Petras‘ Auffassung von Theater.
02.10.2009, 07:16 | tags: Spielzeit, Schauspiel | Autor: Franziska Blech
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau, 02.10.2009
Eskalation in der Jugendherberge
Freitag hat im Alten Theater das Stück «Abschlussfeier» von Schleef Premiere
Sand vor dem Alten Theater, junge Leute toben darin und ein Mann mit Kamera filmt. Das Theater kommt auf die Straße. Ganz unmittelbar konnten die Dessauer dieser Tage erleben, wie eine Probe abläuft: Für die Inszenierung "Abschlussfeier", die mit der Premiere die erste neue Produktion des Anhaltischen Theaters in dieser Spielzeit ist, hat sich Regisseur Armin Petras nicht nur mit der Bühne zufrieden gegeben. In seiner Theaterfassung einer Erzählung von Einar Schleef bespielt er das ganze Haus und auch den Platz davor.
Was dort der Sand zu suchen hat, liegt auf der Hand: "Abschlussfeier" spielt in den 70er Jahren im Ostseebad Kühlungsborn. Hier, in der Internationalen Jugendherberge "Käthe Niederkirchner", findet die Abschlussfeier des alljährlich stattfindenden Kurses für deutsche Sprache der "Gesellschaft für Deutsch-Französische Freundschaft" statt. Im Heim herrscht eine Atmosphäre von Misstrauen, Neid und Hoffnungslosigkeit. Sie entlädt sich alljährlich in den Ausschweifungen und Entgrenzungen der Abschlussfeier.
"Das ewige Lügen, das So-tun-als-ob ... Überall werden uns nur Viertelwahrheiten gesagt ... Wir sollen so viel wissen, um einen Beruf ausüben zu können, um uns ausbeuten zu lassen", so beschrieb der 18-jährige Schüler Einar Schleef in seinem Tagebuch, was ihn am tiefsten verletzte in einem Staat, der sich auf Karl Marx berief. In der Erzählung "Abschlussfeier" hat er seiner Verzweiflung literarisch Ausdruck verliehen.
Die Inszenierung von "Abschlussfeier" am Anhaltischen Theater ist eine Koproduktion mit dem Maxim Gorki Theater Berlin. Mit dessen Intendant Armin Petras kommt ein Regisseur nach Dessau, der sich wie kein anderer mit den Stücken und Erzählungen von Einar Schleef auseinander gesetzt hat und der sich in all seinen Inszenierungen an Leben und Wirklichkeit im Leben im Osten Deutschlands abarbeitet.
Auf Seiten des Dessauer Ensembles erlebt man in "Abschlussfeier" Christel Ortmann und Regula Steiner-Tomic. Sie spielen neben prominenten Kolleginnen wie Ursula Werner (2009 Deutscher Filmpreis), Hilke Altefrohne (2004 Nachwuchsschauspielerin des Jahres) und Julischka Eichel (2007 Alfred-Kerr-Darstellerpreis und Nachwuchsschauspielerin des Jahres).
Für die zweite Vorstellung am Sonnabend, 19.30 Uhr, im Alten Theater gibt es noch Restkarten.
02.10.2009, 07:13 | tags: Spielzeit, Anhaltische Philharmonie | Autor: Franziska Blech
THOMAS ALTMANN, Mitteldeutsche Zeitung/ Dessau, 29.09.2009
Mit feuchten Augen in den Abend hinaus
Freundeskreis stellt den neuen Generalmusikdirektor der Philharmonie Antony Hermus vor
"Kramer! Gib die Farbe mir, meine Wangen rot zu malen": der "Klassik-Quickie", das Scratch-Projekt "Carmina Burana" im Mai nächsten Jahres wird wohl das Spektakel der Saison. Mitsingen darf, wer mitsingen wil. Geprobt wird lediglich einen Tag lang. Und am Abend gibt es auf "Biegen und Brechen ein Konzert", sagte Antony Hermus und fügte noch ausdrücklich hinzu, dass hier das Ziel der Weg sei, und, dass man immer mal wieder versuchen solle, "ein Loch in die eigene Begrenzung zu reißen", auch wenn man fallen könne. Da stand der Kornhausdialog kurz vor dem Finale.
Der Freundeskreis des Theaters stellte am Sonntag den neuen Generalmusikdirektor der Anhaltischen Philharmonie vor. Antony Hermus wurde befragt von Oliver Thust, Vorsitzender des Freundeskreises. Die erste Frage zielte auf den Beginn. "Ich bin", sagte Hermus, "in Brabant geboren." Was bühnenreif klang, wurde gleich geerdet: "Meine Eltern stellten sich einen Musiker vor, der bei einer Hochzeit spielt und dafür 25 Euro und eine Flasche Wein bekommt." Das sollte anders werden. Hermus, Jahrgang 1973, studierte an der Musikhochschule in Tilburg Klavier und Dirigieren und zudem Wirtschaftsinformatik: "Auf der Universität war ich Künstler, in der Hochschule Geschäftsmann".
Wie sich das vereinen ließ und entwickelte, darüber wurde gesprochen und über den Weg am Theater Hagen vom Praktikanten, über den Studienleiter und 1. Kapellmeister zum Generalmusikdirektor. Nach seinem Abschied dort im vorigen Jahr gab es einen vollen Terminkalender. Warum er dennoch nach Dessau gekommen sei, fragte Thust. Hermus habe hier eine offene Situation vorgefunden und ein leistungsstarkes Orchester, das bereit sei, seinen Klangvorstellungen und Ideen zu folgen, das ein gutes Gefühl für Sänger habe, das mithöre und mitatme. Auch die bisherige Jugendarbeit wurde als vorbildlich und einmalig gelobt. Daran solle angeknüpft werden. Und die Frage nach den Vorlieben war natürlich zwingend. Hermus nannte das romantische Repertoire, einige Komponisten aus anderen Zeiten und sagte: "Ich bin ein musikalischer Allesesser". Da wurden keine Grenzen entworfen, zur leichteren Kost nicht und nicht zur Musik der Moderne oder zur Neuen Musik. Das Orchester habe einen Kulturauftrag und spiele vor allem für ein Publikum. Musik solle begeistern und berühren. Ziel sei, "so viele Hörer wie möglich mit feuchten Augen in den Abend zu schicken".
Und überhaupt wolle Hermus "erst ein bisschen angekommen sein". Das erste Sinfoniekonzert in der kommenden Woche dürfte diese Ankunft markieren. Mit Johannes Brahms' Sinfonie Nr. 2 bewege man sich auf bekannten deutschen Bahnen. Mit Johann Wagenaars Orchesterfantasie "Lebenssommer" gebe es ein Stück Heimat des Dirigenten. Und Antonín Dvoráks "Te Deum" op. 103 für Soli, Chor und Orchester gereicht gewiss zur Kennlernrunde. Denn da vereinen sich die Stimmen der Dessauer Chöre auf der Dessauer Bühne. Absicht sei, so Hermus, gemeinsam mit den musikbegeisterten Menschen der Stadt zu musizieren. Bevor in der offenen Gesprächsrunde das nun gut und frisch informierte Publikum einige Repertoirewünsche äußerte, wollte Thust noch wissen, wie man den offensichtlichen Schwung des Beginnens gegen die Routine mit in den Alltag nehmen könne. Das sei wie in einer Beziehung, sagte Hermus, der auch dem geschirrspülenden Liebhaber offenbar Leidenschaft nicht absprechen mag. Und zum Scratch-Projekt sagte er zuvor: "80 Prozent des Ergebnisses erreicht man in 20 Prozent der Zeit. Dann wird es schwer", dann vielleicht verwöhnt - "O Fortuna" aus Carmina Burana - das Glück "spielerisch den wachen Sinn".
01.10.2009, 19:07 | tags: Spielzeit | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 1.10.2009
Fotoausstellung „Offenes Land - Dessauer Perspektiven“ im Foyer des Anhaltischen Theaters Dessau
Anlässlich der „Lohengrin“ Premiere am 3. Oktober, um 18 Uhr und der Eröffnung der 215. Spielzeit des Anhaltischen Theaters Dessau wird eine Ausstellung mit Fotografien der Theaterfotografin Claudia Heysel im Foyer des Großen Hauses zu sehen sein. Die Fotografien zeigen ungewöhnliche Perspektiven und Sichtachsen von Menschen und Architektur in Dessau und der Region. Die Ausstellung trägt den Titel „Offenes Land – Dessauer Perspektiven“. Das Anhaltische Theater lädt das Publikum vor der Premiere bereits ab 17 Uhr ein, sich diese außergewöhnlichen Fotografien anzuschauen. Der Eintritt ist frei.
30.09.2009, 08:19 | tags: Spielzeit, Schauspiel/Musiktheater, Musiktheater, Anhaltische Philharmonie | Autor: Franziska Blech
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung / Dessau, 16.09.2009
Neues Ensemble probt für die ersten Premieren
Mit Wagners «Lohengrin» wird am 3. Oktober die Spielzeit am Anhaltischen Theater offiziell eröffnet
Der Einstand am ersten Septembersamstag war gelungen. Wer an diesem Abend zum Vorplatz des Anhaltischen Theaters kam und aufmerksam lauschte, der hörte beim traditionellen Eröffnungskonzert der neuen Spielzeit eine Menge neuer Stimmen von Sängerinnen und Sängern, die fortan zum Ensemble des Musiktheaters gehören. Viele von ihnen stehen in diesen Tagen auf der Bühne und bereiten die erste Premiere dieser Sparte vor.
Konfrontation mit "Wunder"
Zur Spielzeiteröffnung inszeniert Chefregisseurin Andrea Moses mit "Lohengrin" (3. Oktober, 18 Uhr) erstmals ein Werk von Richard Wagner. Der zwischen Juni 1846 und März 1848 komponierte "Lohengrin" nimmt in Wagners Oeuvre eine Schlüsselstellung ein: Zum einen verwirklichte Wagner, der "vollkommenste Revolutionär" nach eigenem Zeugnis, in ihm erstmals weitgehend sein Konzept eines durchkomponierten Musikdramas, zum anderen wollte er am avisierten Uraufführungsort Dresden mit der Oper 1849 auch die Gesellschaft revolutionieren. Diese gesellschaftspolitische Zielsetzung und ihre Verortung im Heute bildet den Ausgangspunkt für Andrea Moses' Interpretation: Eine desillusionierte und in Apathie verfallene Gesellschaft, deren politische Eliten in Machtkämpfe verstrickt und durch Berater fremdbestimmt sind, wird mit einem "Wunder" konfrontiert, das den Ausbruch aus einer verfahrenen Situation zu gewährleisten scheint.
Unter dem Motto "Utopie und Wahnsinn" begegnen den Theatergängern in dieser Saison noch eine ganze Reihe weiterer Stücke, die den Versuch der Realisierung und das Scheitern politischer Utopien thematisieren, und im Einzelfall, wie bei "Die Stumme von Portici", tatsächlich politische Veränderungen auslösten. Daniel-François-Esprit Aubers Große Oper in fünf Akten inszeniert André Bücker. Der Generalintendant des Anhaltischen Theaters stellt sich mit "La Muette de Portici" am 24. April in Dessau als Opernregisseur vor.
Viel früher geht es auch in Leonard Bernsteins Musical "Candide" um Utopien, denn es basiert auf Voltaires Text aus der französischen Aufklärung. "Candide" bringt Gastregisseurin Cordula Däuper am 4. Dezember zur Premiere. Allein die Musik und der Gesang stehen bereits am 30. Oktober im Mittelpunkt, wenn "Serata di Gala", eine italienische Operngala, Premiere hat.
In das neue Jahr startet die Musiktheatersparte des Anhaltischen Theaters am 5. März mit einer Koproduktion mit dem Kurt Weill Fest Dessau 2010: Kurt Weills "One touch of Venus". Klaus Seiffert nimmt sich dieser musikalischen Komödie an. Er ließ sich am Musicalstudio Theater an der Wien zum Sänger, Tänzer und Schauspieler ausbilden. Seitdem spielte er in Produktionen wie "A Chorus Line" (Wien), "Cats" (Hamburg), "Les Miserables" (Duisburg), "Rocky Horror Show" (Saarbrücken), "Hair" (Dortmund) und in über 20 weiteren Musicals. Zu seinen Erfolgen als Regisseur und Choreograph zählen "Love is...", "Godspell", "Madame Pompadour", "Die Fledermaus", "Die verkaufte Braut" und, als Co-Regisseur, "Victor / Victoria" in Bremen, Karlsruhe, München und Dortmund.
Roland Schwab heißt der Regiegast, der am 18. Juni in Dessau einen Giuseppe Verdi zur Premiere bringt. Die große Oper des Italieners "Un ballo in maschera", dieser Maskenball wird in italienischer Originalsprache zu hören sein, wie auch schon "Die Stumme von Portici" in Französisch erklingt.
Debüt an Deutscher Oper
Schwab, der bei Götz Friedrich studierte, gab anlässlich des Mozartjahrs mit "Fragmente" von Mozart sein erfolgreiches Regiedebüt an der Deutschen Oper Berlin, an der er mittlerweile auch "Tiefland" inszenierte und 2010 eine Neuproduktion von "Don Giovanni" herausbringen wird.
30.09.2009, 08:11 | tags: Spielzeit, Ballett | Autor: Franziska Blech
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung / Dessau, 30.09.2009
Zwei Lulus und ihre Sicht auf extreme Frauenbilder
Schauspieler, Sänger und Musiker stimmten sich Ende August gerade wieder auf die Arbeit ein, da waren die Tänzer und Tänzerinnen schon mittendrin. Sie waren die ersten, die zu Beginn der neuen Spielzeit ganz intensiv mit den Proben im Ballettsaal begannen. Inzwischen ist die Choreographie für "Lulu", den ersten Tanztheaterabend, mit dem sich Tomasz Kajdanski als neuer Ballettchef dem Publikum vorstellt, weit fortgeschritten. Am 23. Oktober wird die Premiere im Großen Haus sein.
Die literarische Vorlage zum Tanzabend bildet Frank Wedekinds "Lulu"-Tragödie. "Lulu" handelt vom Auf- und Abstieg einer aufgrund ihrer außerordentlichen Schönheit im wahrsten Sinne des Wortes männermordenden jungen Frau. "Mir geht es nicht darum, Wedekind eins zu eins umzusetzen. Lulu ist, wie das Libretto zu Alban Bergs gleichnamiger Oper, vielmehr die Grundlage für meine Auseinandersetzung mit diesem Sujet, mit extremen Frauenbildern", sagt Tomasz Kajdanski.
Eine Besonderheit in dieser Inszenierung sind die zwei Besetzungen der Titelrolle Lulu, bei denen es sich nicht um eine klassische Doppelbesetzung handelt. Der Ballettdirektor legt besonderen Wert darauf, dass beide Tänzerinnen in ihren jeweiligen Lulu-Vorstellungen den Zuschauern eine völlig andere tänzerische Darstellung der Titelrolle bieten werden, so dass man die Vorstellung unbedingt zweimal besuchen sollte. "Wenn ich zwei so erstklassige Tänzerinnen wie Laura Costa Chaud und Yuliya Gerbyna im Ensemble habe, muss ich das auch in der Besetzung nutzen", sagt der Choreograph. "Wir werden zwei verschiedene Premieren haben, da jede der beiden eine andere Lulu verkörpert. Beide bringen ihre eigenen expressiven Emotionen und Sichtweisen in die Darstellung ein und haben - auch wegen ihrer kulturellen Hintergründe, die sie aus ihren Heimatländern Brasilien und der Ukraine einbringen - eine unterschiedliche Körperlichkeit auf der Bühne. Man verliebt sich ja auch in verschiedene Frauentypen. Ich bin sicher, die Zuschauer werden mir Recht geben, wenn sie beide Vorstellungen besucht haben und die zwei verschiedenen Tänzerinnen der Lulu gesehen haben."
Einen Ort, der lange nicht vom Anhaltischen Theater bespielt wurde, bringt Kajdanski mit seinem zweiten Projekt dieser Spielzeit wieder ins Bewusstsein. Auf der Bauhausbühne hat im Januar "Hermes in der Stadt" Premiere. In dem Großstadtmilieu-Stück des Autors Lothar Trolle entwickeln junge, internationale Künstler, die seit Beginn der Spielzeit neu in Dessau leben und arbeiten, mit der Sprache des Tanzes eine überraschende Sicht auf ihre Stadt und setzen sich so mit dem Begriff Heimat auseinander. "Hermes in der Stadt" bietet Ensemblemitgliedern des Dessauer Balletts ein Forum für eigene choreografische Werke.
Kajdanskis dritte Arbeit dieser Saison ist mit "Nachtasyl - Szenen aus der Tiefe" nach Maxim Gorki Ende Mai auf der großen Bühne zu erleben. Gorkis gleichnamiges Schauspiel, das nicht nur in Russland sondern auch in Deutschland bis heute meistgespielte Stück des Autors ist, bildet die literarische Basis für den Tanztheater-Abend. Darüber hinaus wird das Ballett künftig auch in den Operetten- und Musical-Produktionen des Dessauer Theaters zu erleben sein.
29.09.2009, 17:38 | tags: Spielzeit, Funk, Neue Formate | Autor: Franziska Blech
Gemeinsame Pressemitteilung des Anhaltischen Theaters und der Stiftung Bauhaus Dessau vom 28.09.2009
haus[funk] 02: Utopien und Visionen des Fliegens
Zweiter haus[funk]abend am 30. September 2009
Dessau breitet seine Flügel aus und startet mit dem [funk]projekt des Anhaltischen Theaters und der Stiftung Bauhaus Dessau in die Welt des Fliegens. Am 30. September 2009 von 18 bis 21 Uhr wird das Dessauer Kornhaus zum haus[funk]studio. Hier lesen, singen, sprechen wir über das Fliegen und andere Möglichkeiten, der Erdenschwere zu entgehen. Dessauer Bürger sind eingeladen, ihre Fluggeräte, -lieder und -geschichten mitzubringen. [funk] bringt Schauspieler, [funk]wagen, Musik und Flugwerk.
Schauspieler und eine Ju-52 präsentieren gegen 19 Uhr die zweite öffentliche Leseprobe des [funk]hörspiels „Die Überflieger“. Der gesamte Abend wird live via Internet (unter www.interfunk.net) übertragen.
Die Reihe der haus[funk]abende findet regelmäßig statt – immer am letzten Mittwoch des Monats. Den Ort dafür stellen die Bauhausbauten der Stadt – sie werden neu belebt und bieten Werkstatt und Party-location, Klanglabor und Podium, Bühne und Bildschirm zugleich. [funk] bearbeitet jeden Monat ein Thema, meist abgeleitet aus den aktuellen Produktionen und Projekten des Anhaltischen Theaters und des Bauhausbühnenstudios. Auf den [funk]flug folgen im Oktober deutsche [funk]lieder, im November die [funk]oper „supremalevich“ und ein [funk]studio auf der Bauhausbühne, sowie im Advent der [funk]kalender.
30. September 2009, 18 Uhr: haus[funk] 02 im Restaurant Kornhaus (Kornhausstraße 146, 06846 Dessau-Roßlau)
premieren[funk]
Premierenwochenende des Anhaltischen Theaters vom 2. bis 4. Oktober 2009
[funk] begleitet vom 2. (ab 12 Uhr) bis zum 4. Oktober 2009 (24 Uhr) die ersten Premieren unter der neu-en Intendanz des Anhaltischen Theaters. Wir sind mit [funk]wagen, [funk]container und anderen Darstel-lern live dabei: vor und in den Theaterräumen, auf und hinter der Bühne, im Theater und in der Stadt selbst. Das [funk]team sammelt und überträgt am Premierenwochenende Atmosphären, hintergründige Geschichten und Interviews, befragt Theatermacher und ihr Publikum.
2. bis 4. Oktober: premieren[funk] an den Spielorten des Anhaltischen Theaters
Die Premieren des Anhaltischen Theaters finden Sie unter www.anhaltisches-theater.de
Kontakt: Maria Linke maria.linke@berlin.net
0340-2519431
www.interfunk.net | www.twitter.com/interfunk
27.09.2009, 15:18 | tags: Spielzeit, Schauspiel | Autor: Franziska Blech
Ilka Hillger, Mitteldeutsche Zeitung / Dessau, 23.09.2009
Ein junger und agiler Weiser
Uwe Fischer spielt die Titelrolle in «Nathan der Weise»
Eigentlich ist Uwe Fischer ein Spätzünder, was die Bühnenbretter betrifft. Erst mit 26 Jahren will er Schauspieler werden und mit 30 ist er es dann. "Das ist alles etwas spät", findet er selbst. Derzeit aber, zehn Jahre nach seiner ersten Rolle, fühlt sich Fischer (40) fast wieder zu jung. "Ihr spinnt doch" - das dachte er sich zunächst, als ihm gesagt wurde, er solle die Titelrolle in Lessings "Nathan der Weise" am Anhaltischen Theater spielen. "Denn für den Nathan bin ich wirklich relativ jung." Nun, da die Hauptprobe schon gelaufen ist und die Produktion, mit der André Bücker seinen Einstand als Regisseur am Anhaltischen Theater gibt, und kurz vor der Premiere (4. Oktober) steht, hat sich Fischer längst daran gewöhnt, ein junger Weiser zu sein und gewinnt dieser Tatsache sogar Vorteile ab. "Ich bin auf jeden Fall ein sehr agiler Nathan."
Uwe Fischer gehört zu den Neulingen im Dessauer Schauspielensemble und er genießt den Aufbruch sichtlich. "Bisher war ich immer an Theatern engagiert, an denen sich Intendanten in der Endphase und kurz vor dem Wechsel befanden", erklärt er und nennt das Berliner Ensemble, seine Zeit bei Christoph Schroth oder die letzte Spielzeit bei Tobias Wellemeyer in Magdeburg. "Dass ich jetzt hier in Dessau mal einen Neuanfang mitmachen kann, ist toll. Und dann noch dieses grandiose Haus. Ein Großstadttheater in einer Kleinstadt", sagt der Darsteller, der sich nach einer Ausbildung zum Erzieher sein Rüstzeug für die Bühne an der Berliner Schauspielschule "Ernst Busch" holte.
In Berlin hat Uwe Fischer auch seinen festen Wohnsitz, lebt dort mit seiner Frau, dem 16-jährigen Sohn und der neunjährigen Tochter. In Dessau hat er sich ein Zimmer genommen. Wenn die Züge günstig fahren, dann nutzt er die Zeit in der Bahn auch zum Textlernen. Lessings "Nathan der Weise" hat ihn überrascht. "Es ist ein verzwickter Text, da gibt es Zeilensprünge, es ist, als ob eine Bremse im Text wäre", so Fischer. "Die erste Phase des Textlernens war ganz schön schwierig. Beim lauten Lesen dachte ich immer, da stimmt etwas nicht." Der Schauspieler fühlte sich ein wenig an Einar Schleef erinnert, war sich ganz sicher, das Lessing ein Stotterer gewesen sein muss. War er aber nicht, das Vorbild für den Nathan war es jedoch, so erfuhr er: der in Dessau geborenen Moses Mendelssohn. So schließt sich für Uwe Fischer ein Kreis zwischen Nathan, Lessing, Mendelssohn und Dessau.
Und ganz neu ist die Stadt für ihn auch nicht. Noch als Student stand er hier schon einmal vor Publikum. Allerdings auf kleiner Bühne: in der Marienkirche in Angelica Domröses Inszenierung "Happy End" beim Weill-Fest 1998.
24.09.2009, 19:40 | tags: Spielzeit, Schauspiel | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung 24.09.2009
Matinee zur Premiere „Nathan der Weise“
Das Regieteam und die Darsteller der Inszenierung „Nathan der Weise“ laden am 27.
September um 10:30 Uhr ein zu einer Matinee ins Foyer des Großen Hauses.
Mit Lessings Schauspiel „Nathan der Weise“, Premiere am 4. Oktober, wird sich
Generalintendant André Bücker erstmals als Regisseur am Anhaltischen Theater
vorstellen. Bücker erzählt eine geradezu märchenhafte Geschichte aus längst
vergangener Zeit und setzt in seiner Inszenierung ganz auf die Kraft der Sprache
Lessings. Eine große Geschichte um Liebe, Macht, Glaube und Geld, die Lessings Stoff
so spannend und gegenwärtig macht.
Zur Matinee werden Einblicke und Ausblicke auf die Produktion gegeben, die kurz vor
der Premiere steht.
Regisseur André Bücker, Dramaturg Holger Kuhla, der „Nathan" Darsteller Uwe Fischer,
die Darstellerin der „Recha“ Ines Schiller und der Darsteller des „Tempelherren“
Sebastian Müller-Stahl freuen sich auf Ihr Kommen!
Informationen / Karten unter 0340 - 2400 333 und 0340 2400 258 sowie
www.anhaltisches-theater.de
24.09.2009, 19:34 | tags: Spielzeit, Schauspiel | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung 24.09.2009
PROGNOSE 2013
Die etwas andere Wahlparty
Sie hatten die Wahl!... und werden mit dieser Wahl nicht allein gelassen.
Das Schauspiel Ensemble des Anhaltischen Theater Dessau lädt am 27. September um
17 Uhr ins Foyer des Alten Theaters zur etwas anderen Wahlparty ein.
Dazu wurden natürlich die politischen Köpfe unsrer Republik geladen, die Einblicke in die
Programmatik ihrer Parteien geben.
Dr. Angela Merkel für die CDU/ CSU, Dr. Guido Westerwelle für die FDP, Dr. Frank-
Walter Steinmeier für die SPD, Dr. Gregor Gysi für Die Linke, Claudia Roth für Bündnis/
Die Grünen, Ein Vertreter der „Anderen“und als special guest, André Bücker,
Generalintendant des Anhaltischen Theaters Dessau.
Diese Damen und Herren geben zu Protokoll und werden befragt, was sie denn
vorhaben, in und mit der Zukunft der Bundesrepublik. Um 18.00 Uhr wird live in die
Wahlstudios von ARD und ZDF geschalten, um Prognosen und Ergebnisse, die bunte
Zukunft unseres Landes zu sehen und zu diskutieren.
Während und im Anschluss der PROGNOSE 2013 gibt es Musik, die nicht allein die
Republik, sondern auch Ihre Beine in Bewegung bringen wird!
Maria Victoria Linke und Holger Kuhla werden den Abend moderieren.
Der Eintritt ist frei.
23.09.2009, 09:33 | tags: Spielzeit, Schauspiel | Autor: Franziska Blech
Mitteldeutsche Zeitung / Dessau, 23.09.09
Gesänge der Stadt und Nächte im Park
Deutsche Autoren und deutsche Themen bestimmen die Saison
VON ILKA HILLGER
Der Titel ist eine Ansage und der Spielplan hält sie ein: "radikal deutsch" ist die aktuelle Spielzeit des Anhaltischen Theaters in der Schauspielsparte überschrieben. Deutsche Autoren und deutsche Themen aus Vergangenheit und Gegenwart bestimmen die Saison 2009 / 2010. Wie weit dabei der Rahmen reicht, macht bereits das Premierenwochenende vom 2. bis 4. Oktober deutlich, mit dem das Dessauer Theater die Spielzeit unter neuer Leitung eröffnet.
Eine Odyssee mit dem Bus
Beim Open Air Anfang dieses Monats gab es eine erste Kostprobe jenes Stückes, mit dem die Schauspielsparte beginnt. Vier Schauspieler standen singend auf dem roten Funk-Container und ließen bitterböses von Georg Kreisler hören. Mehr davon gibt es am 2. Oktober im Dessauer Stadtgebiet an bekannten und ungewöhnlichen Orten bei der Premiere von "Gesänge aus Tausend und Einer deutschen Nacht". Regisseur Krzystof Minkowski schickt die Schauspieler an diesem Tag von 12 bis 19 Uhr als singende, musizierende und spielende "Combo" auf eine Odyssee durch die Geschichte Deutschlands und hinein in klingende Geschichten aus Dessau. Sechs Tage später ist der Bus dann angekommen und die "Gesänge" finden fortan als Vorstellung im Alten Theater statt.
Dorthin führt auch die zweite Premiere des 2. Oktobers. Mit der "Abschlussfeier" von Einar Schleef erlebt das Anhaltische Theater in der Regie von Armin Petras eine Uraufführung. Schleef hat in "Die Abschlussfeier" seiner Verzweiflung an gesellschaftlichen Zuständen der DDR Ausdruck verliehen. Die Handlung führt nach Kühlungsborn wo in der Jugendherberge "Käthe Niederkirchner" die Abschlussfeier des Kurses für deutsche Sprache der "Gesellschaft für Deutsch-Französische Freundschaft" geplant ist. Mit Armin Petras, Intendant des Berliner Maxim-Gorki-Theaters, das als Koproduzent fungiert, konnte für die Inszenierung ein Regisseur gewonnen werden, der wie kein anderer ein Gespür dafür hat, deutsche Themen der jüngeren Vergangenheit auf die Bühne zu bringen.
Mit Lessings "Nathan der Weise" am 4. Oktober im Großen Haus endet der Premieren-Eröffnungsreigen der kommenden Woche. Dem Klassiker der Aufklärung hat sich Generalintendant André Bücker angenommen und stellt sich damit erstmals mit einer eigenen großen Inszenierung dem Dessauer Publikum vor.
Brussigs Kult-Buch als Theater
Zurück ins Alte Theater geht es mit der Schauspielsparte am 16. Oktober, wenn Axel Sichrovsky die verrückt-absurde Geschichte "Helden wie wir" nach dem Roman von Thomas Brussig in einem Monolog von Schauspieler Sebastian Müller-Stahl erzählen lässt. Der gibt mit Klaus Uhltzscht jenen Mann, der die Mauer im Jahre 1989 zum Einsturz brachte. Und dies allein durch die Pracht und Kraft seiner monströsen Männlichkeit.
Fünf Tage später, wieder im Alten Theater, inszeniert von Axel Sichrovsky, hat am 21. Oktober "Der Kick", ein Zwei-Personen-Stück Premiere. "Der Kick" geht auf einen Fall 2002 in Brandenburg zurück, als drei Jugendliche einen Kumpel erschlagen. 18 real existierende Personen kommen im Stück zu Wort und montieren die Texte aus Protokollen, Interviews und Trauerreden zu einem der beklemmendsten Entwürfe der Gegenwartsdramatik.
Zum Märchen der Saison wird am 13. November eingeladen: "Sechse kommen durch die Welt" setzte Robert Klatt in Szene. "Kasper Häuser Meer" heißt eine wirkliche Komödie von Felicia Zeller, die David Ortmann am 11. Dezember im Alten Theater zur Premiere bringt.
In das neue Jahr startet die Schauspielsparte am 29. Januar mit einem Trauerspiel. Christian Weise nimmt sich Heinrich von Kleists "Die Familie Schroffenstein" an. Mit Carl Zuckmayer und dessen "Teufels General" gehen die Schauspielpremieren am 26. März weiter. Wolf Bunge inszeniert das Stück, in dem sich die Kernfrage nach der Verstrickung in Schuld, der Macht und Ohnmacht gegenüber einem politischen System noch immer als aktuelle Frage stellt.
Niklas Ritter betreut im Frühjahr ein Projekt, das Schauspieler und Dessauer Bürger über 60 vereint.
"Wanderlust und Reisefreiheit" geht mit seiner Premiere am 7. Mai im Alten Theater dem Phänomen "Wanderlust" auf den Grund. Am Ende soll ein Theaterabend stehen, der die in Interviews und Begegnungen gemachten Erfahrungen mit Texten der literarischen Tradition verknüpft, ein Abend über das Wandern durch Zeiten, Landschaften und Biografien.
Mit "Sommer-Nacht-Traum", einer nächtlichen Reise durch den Stadtpark, findet am 8. Juli die letzte Premiere dieser Spielzeit im Schauspiel statt. Chefregisseurin Andrea Moses verschneidet Botho Strauss' "Der Park" und Andreas Gryphius "Herr Peter Squenz". "Der uralte Zauber der Kunst soll mit betörender Klarheit die Ödnis aus diesem Menschenpark vertreiben." Das ist das Ziel, doch der Sommernachtsrausch entzündet nicht die Herzen wie gedacht.
07.09.2009, 11:27 | tags: Spielzeit | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 7. September 2009
Anhaltisches Theater Dessau und Anhaltischer Besucherring Dessau präsentieren neuen Spielplan in Aschersleben
Zur Präsentation des neuen Spielplans laden das Anhaltische Theater Dessau und der Anhaltische Besucherring Dessau am 10. September, um 19 Uhr ins Bestehornhaus in Aschersleben ein.
Dem Publikum werden Ausschnitte aus „Die Zauberflöte“, „Ein Maskenball“, „Lohengrin“ und „Candide“ geboten, gesungen von Cornelia Marschall und Angelina Ruzzafante. Heribert Germeshausen, Leitender Dramaturg Musiktheater wird den Abend moderieren.
Tänzer/innen des neuen Ballett-Ensembles stellen zusammen mit dem neuen Ballettdirektor und Chefchoreograph, Tomasz Kajdanski die Tanztheater Produktion „Lulu“ vor, die am 23. Oktober Premiere hat.
Holger Kuhla, Leitender Dramaturg für Schauspiel und Puppentheater und Maria Viktoria Linke, Dramaturgin für Schauspiel und Projekte präsentieren die Produktionen des Schauspiels.
Günter Anton vom Anhaltischen Besucherring Dessau wird den Fahrplan der Theaterbusse erläutern und steht für alle Fragen zum Service zur Verfügung.
Der Eintritt ist frei.
01.09.2009, 17:28 | tags: Spielzeit, Ballett, Neue Formate | Autor: Franziska Blech
01.09.2009, 17:28 | tags: Spielzeit, Ballett, Neue Formate | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung vom 1. September 2009
Treffpunkt Ballett – Eine neue Veranstaltungsreihe am Anhaltischen Theater Dessau
Atemberaubend, zauberhaft leicht und spielend sind die Bewegungen der Tänzer und Tänzerinnen so bald eine Ballettproduktion Premiere hatte. Mindestens genau so interessant ist es, den Entstehungsprozess einer Inszenierung zu erleben. Diese Lücke wird mit Spielzeitbeginn vom neuen Ballettdirektor und Chefchoreographen Tomasz Kajdanski geschlossen.
Treffpunkt Ballett heißt die neue Veranstaltungsreihe, die die Zuschauer einlädt, einmal monatlich einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und die Proben hautnah im Ballettsaal oder auf der Bühne mitzuerleben. Gleichzeitig haben die Zuschauer die Gelegenheit das neue Ballettensemble kennen zu lernen. Heribert Germeshausen, neuer Leitender Dramaturg für Musiktheater und Operndirektion wird die Abende moderieren.
Tickets für 3,- EURO sind für die erste Veranstaltung
am 9. September, um 19:30 Uhr
ab sofort über die Kasse erhältlich.
Achtung: die Teilnehmerzahl ist auf Grund der Platzkapazität beschränkt.
Theaterkasse / Kartenvorbestellung:
Telefon: 0340 2511 – 333 Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr
Mail: kasse@anhaltisches-theater.de
20.08.2009, 07:35 | tags: Spielzeit, Ballett | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung 19. August 2009
Anhaltisches Theater Dessau gründet Kinderballett
Erstes Treffen für alle interessierten Kinder am 27. August, 16 Uhr
Das Anhaltische Theater Dessau gründet unter der Intendanz von André Bücker erstmals ein Kinderballett und lädt am Donnerstag, dem 27. August um 16 Uhr in das Theaterrestaurant interessierte Kinder ab 6 Jahren und deren Eltern zu einem ersten Treffen ein.
Gabriella Gilardi, seit 1. August Tänzerin am Anhaltischen Theater Dessau wird das Kinderballett leiten. Die gebürtige Italienerin absolvierte ihre Ausbildung zur Tänzerin mit Diplom von 1988 bis 1996 in der Scuola di Ballo del Teatro alla Scala di Milano. Von 2001 bis 2003 war Gilardi Mitglied des Tanztheaters am Volkstheater Rostock unter der Leitung Tomasz Kajdanski, Dessaus neuem Ballettdirektor und Chefchoreograf. Anschließend arbeitete sie als Solistin und Assistentin im Ensemble des Nordharzer Städtebundtheaters Halberstadt/Quedlinburg und leitete bereits dort erfolgreich ein Kinderballett. Ihre über sechs Jahre gesammelten Erfahrungen wird sie in die Arbeit am Anhaltischen Theater Dessau einbringen.
Durch das Training im Kinderballett werden Kinder und Jugendliche in ihrer Beweglichkeit, Kreativität, Musikalität, differenzierten Motorik und ihrem Körperbewußtsein geschult. An erster Stelle möchte Gilardi den Kindern jedoch Freude am Tanzen und an der Bewegung vermitteln.
Nach fortgeschrittenem Training haben die Kinder die Möglichkeit, an Ballettproduktionen des Theaters mitzuwirken.
Mehr Informationen zum Kinderballett erhalten Sie beim ersten Treffen am 27. August.
14.08.2009, 15:11 | tags: Spielzeit, Funk, Neue Formate | Autor: Franziska Blech
Pressemitteilung 14. August 2009
[funk]- eine Stadt als Hör-Raum
Anhaltisches Theater Dessau lädt ein zum Pressegespräch
[funk] projekt startet
Das Anhaltische Theater Dessau lädt Sie zu einem Pressegespräch am Mittwoch, dem 19. August, um 14 Uhr auf dem Theatervorplatz ein und bittet Sie anschließend zu einem [funk]trunk.
[funk]startet am 19. August mit der spektakulären Landung eines Containers auf dem Vorplatz des Anhaltischen Theaters, der zum [funk]studio wird.
Im sich anschließenden Pressegespräch stellen wir Ihnen das Einjahres-Projekt, die vielfältigen Pläne und seine Beteiligten vor.
Zum Gespräch stehen Ihnen André Bücker / Generalintendant, Joachim Landgraf / Verwaltungsdirektor, Maria Viktoria Linke / Künstlerische Leiterin des Projektes / Torsten Blume / Stiftung Bauhaus Dessau und Marold Langer-Philippsen / Medienkünstler, Berlin zur Verfügung.
[funk] ist ein im städtischen Raum und im Internet verortetes Medien- und Performanceprojekt, das in Kooperation von Anhaltischen Theater Dessau und der Stiftung Bauhaus Dessau entsteht und von der Kulturstiftung des Bundes im Fonds HEIMSPIEL gefördert wird.
[funk] ist Sender und Empfänger; [funk] sammelt und erzählt Theater- und Stadtgeschichten, interessiert sich für die Biografie Dessaus und die ihrer Bewohner, begleitet die Aktivitäten von Theater und Bauhaus und befragt deren Akteure; [funk] bietet Schau- und Hörspiele, radio-, Tanz-, und Musikperformances, Filmvorführungen, Lesungen, Workshops, Interviews, Gespräche und mehr.
Schon jetzt laden wir Sie zur [funk] taufe am 21. August, ab 20 Uhr auf dem Theatervorplatz ein.
Programm
20 Uhr BMX & Skateboard Show mit Von der Rolle e.V.
21 Uhr Konzert mit GROUPE FAVORIT!
23 Uhr ZENTRALEUROPA aufgelegt von MLPhilippsen.
09.08.2009, 19:37 | tags: Spielzeit, das neue Team | Autor: Franziska Blech
LEO Das Anhalt Magazin 08/2009
„Die Stadt als Bühne der Bürger“
André Bücker ist der Neue am Anhaltischen Theater in Dessau – mit dem Monat August beginnt seine Arbeit als neuer Generalintendant. Er tritt damit die Nachfolge von Johannes Felsenstein an, der nach 18 Jahren die Anhaltmetropole verlässt. Bückers erste Spielzeit in Dessau steht unter dem Titel „Offenes Land“ und scheint Programm zu sein, läutet es eine Zeit neuer Offenheit am Anhaltischen Theater ein. Über Ankunft, Abschied und Anfang haben wir uns kurz vor seinem offiziellen Amtsantritt unterhalten.
Herr Bücker, nach einer langen Vorlaufzeit von ungefähr 19 Monaten beginnt mit dem 1. August 2009 nun auch offiziell Ihre Intendanz am Anhaltischen Theater in Dessau – aufgeregt?
André Bücker: Nein, aufgeregt bin ich nicht, ich freue mich. Mich juckt es sozusagen in den Fingern, dass es endlich losgeht. Nach anderthalb Jahren Vorbereitung und virtuellem Betreiben, freu ich mich, dass es jetzt konkret wird, dass ich anfangen, dass ich arbeiten kann und mir der Apparat Theater jetzt auch zur Verfügung steht. Ich hab ja viel verändert, sehr viele neue Leute engagiert, neue Strukturen geschaffen und die müssen sich jetzt einfach in der Praxis bewähren. Darauf bin ich sehr gespannt. Nach der Zeit zwischen den Stühlen – noch nicht da und irgendwie doch schon und vorbereitend – geht es nun endlich los.
Ein Neuanfang, bedeutet meist auch Abschied – nehmen Sie etwas von Ihrer vorherigen Station aus Halberstadt mit?
André Bücker: Also weder Mobiliar noch Personal im nicht künstlerischen Sinne. Aber klar, nimmt man eine Menge mit und ich war dem Haus in Halberstadt sehr eng verbunden – das war natürlich auch erstmal ein Prozess. Allerdings kommen zwei Schauspieler mit mir mit und ich werde weiterhin mit der Grafikerin und dem Kollegen, der die Internetseite betreut zusammenarbeiten.
War Dessau, war das Anhaltische Theater für Sie eine Art Karriereziel oder trieb Sie eher der Zufall nach Anhalt?
André Bücker: Nein, ein Zufall war es keiner und auch keine Notbewerbung. Dessau war schon eine gezielte Überlegung und hat mich auch sehr gereizt. Zudem kenne ich hier die Kulturlandschaft ganz gut. Dazu eine fantastische Bühne, ein großartiges Haus, wo ich einfach meine Vorstellungen von Theater viel besser, viel gewichtiger umsetzen kann. Und dann bietet die Stadt an sich ein tolles Paket mit dem Bauhaus, dem Kurt Weill Fest oder Moses Mendelssohn. Mich reizen immer die kulturellen Anknüpfungspunkte einer Stadt und ihres Umfeldes, mit denen man arbeiten kann, die man vernetzen kann, wo Kooperationen entstehen.
Wie kann man sich so eine Bewerbung um den Posten eines Generalintendanten eigentlich vorstellen? Gibt es da ein korrektes Bewerbungsschreiben mit Lebenslauf und allem drum und dran?
André Bücker: Ja, im Grunde schon. Also ein Passfoto habe ich nicht mitgeschickt, aber meinen Lebenslauf, das Anschreiben und dann auch erste konzeptionelle Vorstellungen, was ich so vorhabe. Dann folgen einige Gespräche, in denen man seine Ideen näher erläutert und wenn man dabei überzeugt hat, ruft einen mit etwas Glück der Oberbürgermeister an. Das war dann bei mir im Januar 2008 der Fall und nun bin ich da.
...und mittlerweile auch angekommen in Dessau?
André Bücker: Ja klar. Ich arbeite nicht nur, sondern lebe auch hier. Meinen Job mache ich ja nicht, damit ich in den Urlaub fliegen kann. Ich mache ihn, weil ich ihn gerne mache und weil ich auch da sein will wo er ist. Ich bin tatsächlich sehr gerne hier.
Sie haben jede Menge neue Ideen und Pläne für Ihre Intendanz – inwiefern schlägt Ihnen da das Interesse der Einwohner entgegen?
André Bücker: Ich finde ja, dass die Dessauer ihr Theater schon sehr lieben und verteidigen es auch. Das sieht man allein daran, wie sich die Stadt in einer so katastrophalen Finanzlage ein solch großes Theater leistet und versucht unter finanziellen Schmerzen die Tradition, die sich so lange fortgeschrieben hat aufrecht zu erhalten und in die Zukunft zu tragen. Die Leute nehmen regen Anteil, was mit dem Theater und drumherum passiert – da spürt man eine große Liebe. Natürlich ist es so, dass jede Veränderung, die mit einem Intendantenwechsel einhergeht erst einmal stört. Aber das passiert überall und da bläst einem der Wind ins Gesicht. Allerdings habe ich das Gefühl, dass dem eine positive, eine gespannte Neugier gewichen ist.
Eine große Verantwortung also, dieses Haus mit einer relativ jungen Truppe zu übernehmen und Ihren Beitrag, als einer der „Neuen“, für das kulturelle Leben in der Stadt und der Region zu leisten?
André Bücker: Ja, ich besitze definitiv eine große Verantwortung gegenüber der Stadt, dem Haus, den Gästen und auch mir gegenüber. Es ist eine große kulturelle Institution, die mit öffentlichem Geld alimentiert ist. Ich will tolle Kunst machen, ich will tolle Künstler, punktgenaue Inszenierungen, ich will hohe künstlerische Qualität, aber ich will auch ein bisschen mehr. Ich will mich einbringen in den Diskurs der Stadt. Für mich gehört das zusammen. Mit der Kunst kann man den Blick schärfen, andere Perspektiven zeigen und auch mal Dinge sagen, die sonst nicht unbedingt gesagt werden. Selbstverständlich wird es Reibungspunkte und Diskussionen geben. Aber alles was nicht diskutiert wird ist tot. Es gibt einfach kein Theater was allen gefällt und das kann auch nicht das Ziel sein. Wenn die Leute darüber reden ist das super, denn man braucht Diskussionen. Ich möchte jetzt aber auch nicht extra provozieren, sondern einfach ein gutes und aufregendes Theater machen.
Also werden Sie nicht nur die Bühne nutzen, sondern auch die Region und ihre Bewohner mit einbeziehen?
André Bücker: Genau. In Halberstadt hab ich bei dem Projekt „Auf die Plätze“ immer gesagt: „Die Stadt als Bühne der Bürger“ und ich finde, dass ist griffig und passt einfach. Eine Stadt verändert sich ständig und wird durch ihre Bürger geprägt die in ihr leben. Ich finde das ist eine eigene Art von Performance. Damit setzten wir uns auch zusammen mit dem Bauhaus in dem Funk-Projekt auseinander. Dessau bietet so viel aufregendes Material, das wir mit Sprache, Musik, der Bühne oder der Umgebung verarbeiten und darstellen können. Wir wollen Öffentlichkeit schaffen und auch öffentlich wahrgenommen werden.
Es fließt neue Energie durch das altehrwürdige Haus...
André Bücker: Das finde ich auch und ich glaube, dass es uns gut gelingen wird die vielen verschiedenen Ebenen zu verknüpfen. Die Leute die seit vielen Jahren begeistert ins Theater gehen und die, ins Theater zu locken die eher gelangweilt sind davon. Neue Leute zu erreichen ist immer ein Kampf, doch wir werden ihn angehen.
Vielleicht am Premierenwochenende im Oktober?
André Bücker: Ja, das wäre toll und ich finde es großartig, dass ich mit einer Inszenierung namens „Abschlussfeier“ starte. Es wird ein unglaubliches Spektakel, ein tolles Wochenende, das die Programmatik unserer ersten Spielzeit komprimiert in sich trägt. Ich freue mich jedenfalls auf alle Gäste und natürlich auch auf alle LEO-Leser.
07.08.2009, 11:06 | tags: Spielzeit, das neue Team | Autor: Franziska Blech
Magdeburger Volksstimme, 28.07.2009
Ab 1. August ist André Bücker Generalintendant des Anhaltischen Theaters Dessau
Verantwortung tragen für die „große Inszenierung Theater“
Von Helmut Rohm
Ein herzliches „Guten Morgen“ für den Pförtner wird am 1. August die erste „offizielle Amtshandlung“ von André Bücker sein. Er ist ab diesem Tag der neue Generalintendant des Anhaltischen Theaters Dessau. Nachfolger des mit Spielzeitende in den Ruhestand gegangenen Johannes Felsenstein.
Dessau-Roßlau. André Bücker freut sich auf diese Arbeit, auf sein Leitungsteam, auf alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Darauf, dass es „nun richtig losgeht“, so der 40-Jährige, der aus Harderberg bei Osnabrück stammt. Bis 31. Dezember 2008 war André Bücker Intendant des Nordharzer Städtebundtheaters Halberstadt.
„Ich hatte die Geschäfte allerdings in Halberstadt bereits im September 2008 an meinen Nachfolger übergeben. Auch, um Zeit für die neue Herausforderung hier zu haben“, erzählt der „Neudessauer“, dessen Auto seit Oktober 2008 ein DE-Kennzeichen hat. „Es sollte ja kein Blindfug sein, mit dem ich nach Dessau gestartet bin“, macht es André Bücker bildhaft.
Natürlich beginnt die Arbeit in Dessau nicht erst am 1. August. Schon vor und im Bewerbungsprozess hat sich Bücker mit diesem „äußerst interessanten künstlerischen Pf aster“ beschäftigt. Er zählt stichpunktartig auf, kommt fast ins Schwärmen: humanistische Traditionen, Bauhaus, Dessau-Wörlitzer Gartenreich, mit Blick bis nach Wittenberg, auch die Reformation, preußische Aufklärung, Kurt Weill, Moses Mendelssohn. Ein schier unerschöpficher Fundus an Geschichte und Geschichten, die es lohnen, im besten Sinne des Wortes „bearbeitet“ zu werden, um „einen Blick auf das Heute zu finden“.
„Die meisten Wünsche habe ich mir erfüllen können“
Viele tausend Kilometer sei er unterwegs gewesen, um sich Künstlerinnen und Künstler anzuschauen, insbesondere jedoch Mitstreiter für sein Leitungsteam zu suchen und zu finden. Klar habe er Wünsche gehabt. Und er kenne sich auch aus in der „Szene“. Da kamen ihm die dreieinhalb Jahre Generalintendanz in Halberstadt zugute, wie auch die beiden Jahre als stellvertretender Intendant in Wilhelmshaven. Oder gleich nach dem Studium in Bochum die vier Jahre als Regieassistent in Dortmund mit fünf eigenverantwortlichen Regiearbeiten. Seit 1995 brachte er, fünf Jahre freiberuflicher Tätigkeit inbegriffen, in denen „ich immer gut zu tun hatte“, etwa 50 Inszenierungen auf die Bühne.
Zurück zu seinen Wünschen. „Die meisten habe ich mir erfüllen können“, freut er sich. Und wieder etwas ernsthafter: Klar geht es bei einem Intendantenwechsel nicht ohne Spannungen und Konfikte ab, sind Verunsicherungen fast normal. „Dennoch wollte und musste ich Voraussetzungen schaffen für die Umsetzung meiner Ideen von Theaterarbeit in Dessau, für die ich schließlich auch gewählt wurde. Und für die ich geradestehen muss, an deren Ergebnissen ich, aber auch das ganze Dessauer Theater künftig gemessen werden.“
Er möchte gern jeden nennen und jedes Engagement würdigen, beschränkt sich jedoch dann auf einige, völlig ohne Rang- und Reihenfolge: Andrea Moses, leitende Regisseurin für Musiktheater und Schauspiel, Heribert Germeshausen, leitender Dramaturg Musiktheater/ Operndirektion, Holger Kuhla, leitender Dramaturg Schauspiel und Pupentheater, auch Generalmusikdirektor Antony Hermus und Ballettdirektor Tomasz Kajdanski.
Apropos Wünsche und Ziele. Ihm war schon mit etwa 16 Jahren klar, dass er später „zum Theater gehen wird“. Als er 25 war, hätten er und ein guter Schauspiel-Freund über die Frage sinniert, was werde wohl in zehn Jahren sein. André Bücker meinte damals: „Da bin ich Intendant“ – und es hat geklappt. Er wollte mehr und mehr in höherer Verantwortung stehen, nicht nur als Regisseur für ein Stück, sondern Verantwortung tragen für die ganz „große Inszenierung Theater“.
In Dessau ist „die konzeptionelle Arbeit für die erste Spielzeit 2009/2010 abgeschlossen“. Das Ensemble ist engagiert, das Spielzeitheft „auf dem Markt“. Der Generalintendant freut sich, dass vielleicht befürchtete oder von einigen herbeigewünschte Abonnenteneinbrüche nicht eingetreten seien. Das spreche für Neugierde und Vorabvertrauen des Publikums auf Kommendes. Das Programm unter dem Motto „Offenes Land“ könne sich künstlerisch durchaus sehen lassen. André Bücker selbst wird mit drei Inszenierungen „dabei sein“: „Nathan der Weise“ (Premiere 4. Oktober), „Das Tagebuch der Anne Frank“ (als Minioper von Grigori Fried; 27. Oktober) und „Die Stumme von Portici“ (24. April 2010).
„Ort und Region werden sich widerspiegeln“
Es geht bereits mit einem künstlerischen „Paukenschlag“ los. In aller Bescheidenheit, aber auch mit berechtigtem Stolz formuliert André Bücker: „Unser großes Premierenwochenende kann man in der deutschen Theaterlandschaft suchen.“ Das Programm: 2. Oktober: „Abschlussfeier“, Uraufführung, (Schauspiel von Einar Schleef, Regie: Armin Petras), 3. Oktober: „Lohengrin“ (Oper von Richard Wagner, Regie: Andrea Moses), 4. Oktober: „Nathan der Weise“. Der „Dreiklang“ Wagner, Lessing, Schleef, so der Generalintendant, widme sich deutschen Themen in allen Brüchen und ihrer Widersprüchlichkeit.
Es wird für Dessau überhaupt ein besonderes und denkwürdiges Jahr werden, auch aus historischer Sicht. André Bücker: „Das Theater geht in die 215. Spielzeit und wir werden die 5000. Inszenierung in der Geschichte dieses Theaters auf die Bühne bringen.“ Theaterkunst in Dessau im weitesten Sinne realisiert sich nicht nur im Theater selbst. Zahlreiche Kooperationen, unter anderem mit dem Bauhaus, dem Kurt-Weill-Fest, auch den Schulen zeugen davon, dass „der Ort und die Region, ihre Themen und Geschichten sich in unserer Arbeit widerspiegeln werden“.
Das passt auch zu André Bücker, der, wenn nicht Theatermann, vielleicht Archäologe geworden wäre. Mit noch immer vorhandenem Interesse an Geschichte und Geschichten, an Spurensuche, am Ausgraben, Forschen und Entdecken. Das alles gebe es im Theater irgendwie auch.
Über 20 Inszenierungen werden am Anhaltischen Theater Dessau in der kommenden Spielzeit zu erleben sein.
„Wir freuen uns auf Sie“, lädt André Bücker sein „hochgeschätztes Publikum“ dazu ein.
03.07.2009, 11:21 | tags: Spielzeit, Leporello | Autor: Frank Orbons
Der Leporello August-Oktober ist erschienen!
Wer keinen Zugang zu einer gedruckten Version hat, kann ihn sich hier herunterladen bzw. ansehen.
22.06.2009, 14:32 | tags: Spielzeit | Autor: Frank Orbons
Aufruf
Name für das Theaterrestaurant gesucht
Sie heißen „Da Capo“, „Kulisse“, „Fundus“, „Rossini“, oder „L’Art de Vie“ und sind nicht nur einfache Speisestationen für den ausgehungerten Theaterfreund in der Pause. Neben der einfachen Bedürfnisbefriedigung sind sie ansprechende Lokalitäten, die mit den künstlerischen Eindrücken auf der Bühne auf lukullischer Seite mithalten können. Gemeint sind die Theaterrestaurants. Eben ein solches gibt es auch bekanntermaßen im Basement des Anhaltischen Theaters Dessau. Mit Beginn der Spielzeit 2009|2010 und dem damit verbundenen künstlerischen Neustart durch eine neue Theaterleitung soll auch die eher funktionale Bezeichnung „Theaterrestaurant“ durch einen phantasievollen Namen ersetzt werden, der sowohl eine Verbindung zwischen Kunst, (leiblichem) Genuss und nach Möglichkeit auch der Geschichte des Dessauer Theaters aufgreift.
Wenn Sie demnächst auch im „Gargantua“ sitzen mögen oder den Pausensekt im „Dessauer Bacchus“ einnehmen wollen, so zögern Sie nicht, sich am Wettbewerb für einen neuen Namen der Theatergastronomie zu beteiligen.
Bis Donnerstag, den 2. Juli haben Sie dazu Gelegenheit, Ihren favorisierten Namen für das Theaterrestaurant einzuschicken: Postalisch unter Anhaltisches Theater Dessau, Stichwort: Theaterrestaurant, Friedensplatz 1a, 06844 Dessau-Roßlau, per Mail: presse@anhaltisches-theater.de oder per Fax: 0340/2511-215.
Dem Gewinner des Wettbewerbs winken Ehrenkarten für eine der Vorstellungen des Premierenauftaktwochenendes vom 2. bis 4. Oktober 2009 (1. Uraufführung „Abschlussfeier“ von Einar Schleef, 2. Gesänge aus 1001 Deutschen Nacht, 3. Richard Wagner: Lohengrin, 4. Gotthold Ephraim Lessing: Nathan der Weise) bzw. Verzehrgutscheine von Theatercaterer Sven Kötteritzsch.
19.06.2009, 13:26 | tags: Spielzeit, Theaterpädagogik | Autor: Frank Orbons
Anhaltisches Theater Dessau
Erster Kooperationsvertrag mit Dessauer Schule fixiert
Bereits vor Beginn seines Antritts als Generalintendant des Anhaltischen Theaters Dessau kann André Bücker bereits den ersten Kooperationsvertrag mit einer Dessauer Schule vorweisen. Bei einer gemeinsamen Beratung unterzeichneten Dietrich Sens, Rektor der Dessauer Sekundarschule Kreuzberge und André Bücker einen Kooperationsvertrag.
André Bücker: „Durch die schriftliche Fixierung der Kooperation können wir unsere Partnerschaft auf eine neue Ebene stellen. Ich freue mich besonders auf die Zusammenarbeit mit den Schulen in Dessau und der Region. Die Vermittlung von ästhetischer und kultureller Bildung ist ein zentrales Anliegen meiner Theaterarbeit. Es geht darum, Sehfähigkeiten zu entwickeln und Kinder und Jugendliche in die Lage zu versetzen, die Zeichensprache des Theaters zu entschlüsseln. Schulen wie auch dem Theater kommen die wichtigsten Funktionen im Bereich der Bildung zu.“
Schulleiter Dietrich Sens begrüßte die gemeinsame Arbeit: „Auch wir sehen die besondere Verantwortung der Schule für die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder und Jugendlichen auf kuturellem Gebiet. Unser Vertrag bietet vielfältige Möglichkeiten der Verknüpfung von Unterricht und Theater, die wir sehr gern nutzen wollen.“
Die Kooperation umfasst neben der Bereitstellung von vergünstigten Theaterbesuchen vor allem die Patenschaften mit Künstlern des Anhaltischen Theaters, die Möglichkeit, als Patenklasse eine Produktion vom Entstehungsprozess bis zur Premiere zu begleiten und die fachübergreifende Arbeit zum Stadtprojekt „89jetzt!“, dem Projekt des Theaters zum 20. Jahrestag des Mauerfalls im öffentlichen Raum von Dessau.
Weitere Kooperationsverträge sind in Planung und werden mit Beginn der Spielzeit 2009/2010 folgen, die für die neue Theaterleitung zusammen mit Generalintendant André Bücker am 1. August beginnt.
04.06.2009, 06:48 | tags: Spielzeit | Autor: Frank Orbons
Elbmusikfest in Dessau (13. bis 16. Mai 2010)
- Donnerstag 13. Mai 2010 | 18.00 Uhr Richard Wagner Lohengrin
- Freitag 14. Mai 2010 | 19.00 Uhr Lulu Ballett von Tomasz Kajdanski
[mit Orchester]
- Samstag 15. Mai 2010 | 19.00 Uhr Carmina burana Scratch-Konzert
- Sonntag 16. Mai 2010 | 17.00 Uhr Daniel-François-Esprit Auber
Die Stumme von Portici (La Muette de Portici)
In seiner 215. Spielzeit nimmt das Anhaltische Theater Dessau die Tradition der Elbmusikfeste, einem
Vorläufer der Anhaltischen Musikfeste, wieder auf und veranstaltet am Himmelfahrtswochenende
2010 nach einer Unterbrechung von 175 Jahren das nunmehr zweite in Dessau stattfindende
Elbmusikfest. Das Elbmusikfest 2010 umfasst an vier aufeinander folgenden Tagen Aufführungen
des Musiktheaters, des Balletts und ein SCRA TCH-KONZER T, das einen gewaltigen Klangkörper
bestehend aus professionellen Musikern und Liebhabern vorsieht.
Ihren Ursprung hatten die Musikfeste im 18. Jahrhundert in England, wo orchestral begleitete Chorwerke
im großen Rahmen aufgeführt wurden. Diese Musikfestidee strahlte zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf
Deutschland über. Bei der Musikfestidee standen vor allem drei Funktionen im Vordergrund: Bildung,
Kommunikation und Repräsentation.
Ausgehend von der Verbindung des Magdeburger Oberbürgermeisters Wilhelm August Francke
zum Dessauer Hofkapellmeister Friedrich Schneider gründete sich im Jahr 1825 der „Verein für
die Musikfeste an der Elbe“, bestehend aus Mitgliedern der Gesangsvereine aus Aschersleben,
Dessau, Halberstadt, Halle, Magdeburg, Nordhausen, Quedlinburg und Zerbst. Dabei beschloss
man, jedes Jahr ein großes mehrtägiges Musikfest im Elbraum zu veranstalten. Insgesamt wurden
neun Elbmusikfeste im Zeitraum von 1825 his 1836 durchgeführt. Die Veranstaltungsorte waren
Magdeburg, Zerbst, Halberstadt, Nordhausen, Halle, Dessau und Bernburg. Die Elbmusikfeste
hatten für die regionale Entwicklung des Chorwesens im 19. Jahrhundert eine große Bedeutung.
Die Elbmusikfeste wurden abgelöst durch die Anhaltischen Musikfeste, deren erstes unter der
Leitung Friedrich Schneiders und Eduard Thieles 1840 in Köthen stattfand.
Als Musikfeste in größerem Stil werden Aufführungen großer Chor- und Orchesterwerke mit ausnahmsweise verstärktem Chor und Orchester bezeichnet; sie reichen, abgesehen von einzelnen Gelegenheitsarrangements bei Huldigungen etc., nicht über das 18. Jahrhundert zurück.
Die ältesten Musikfeste sind
- die "Sons of the Clergy Festivals" in der Sankt Pauls-Kathedrale in London (seit 1709)
die "Three Choirs Festivals" der englischen Städte Gloucester, Worcester und Hereford in alljährlichem Wechsel (seit 1724)
- die alljährlichen Aufführungen von Händels "Messias" in London (seit 1749)
- die Musikfeste in Birmingham (seit 1768, fast regelmäßig alle drei Jahre)
- die Händel-Feste in der Westminsterabtei (1784, 1785, 1786, 1787 und 1791)
- die Musikfeste in York (seit 1791 alljährlich bis 1802 und anschließend wieder seit 1823)
- die Musikfeste der Tonkünstlersocietät in Wien (seit 1772 alle Jahre zweimal)
- die thüringischen Musikfeste in Frankenhausen 1810 (Spohr) und in Erfurt 1811
- die niederrheinischen Musikfeste (seit 1817, anfangs zwischen Elberfeld und Düsseldorf wechselnd, bis 1821 Köln und 1825 Aachen in den Turnus eintraten, während Elberfeld 1827 ausschied)
- Jüngeren Ursprungs sind die Musikfeste zu Birmingham, Leeds, Liverpool und Bristol (alle drei Jahre), die Händel-Feste der Sacred Harmonic Society im Londoner Kristallpalast (alle drei Jahre seit 1859), die Tonkünstlerversammlungen des "Allgemeinen deutschen Musikvereins", die schlesischen Musikfeste (seit 1876) und ab 1984 das WDR-Musikfest als Nachfolgeveranstaltung der Niederrheinischen Musikfeste, etc.
- Seit 1998 findet alljährlich im September und Oktober das Internationale Beethovenfest Bonn statt.