24.04.2009, 11:00 | tags: Vorwort 18
Vorwort von André Bücker, designierter Intendant des Anhaltischen Theaters Dessau
Hochgeschätztes Publikum,
ich begrüße Sie an dieser Stelle zum ersten Mal als Generalintendant des Anhaltischen Theaters Dessau. Das Theater in Dessau geht mit der Saison 2009/2010 in die 215. Spielzeit und wir werden die 5000. Inszenierung in der Geschichte dieses Theaters auf die Bühne bringen. Diese lange Tradition fortzuführen, die durch den Wechsel politischer Systeme, durch Kriege, Krisen und Wandel anhält, ist mir und allen Mitarbeitern des Hauses Verpflichtung und eine wunderbare Aufgabe. Vieles wird sich ändern, viele neue Künstler stellen sich Ihnen, dem Publikum, vor und doch bleibt das Prinzip des Theaters unverändert: Es ist ein Ort, an dem die großen Themen des Menschseins verhandelt werden. Ein Ort, wo sich geistige Herausforderung mit Unterhaltung vereint, wo die Gedanken von Humanität und Toleranz, von Aufklärung und von der Utopie eines gerechten und freien Gemeinwesens lebendig sind. Diese Positionen sind komprimiert in der Überschrift zur Spielzeit enthalten: OFFENES LAND. Unter diesem Titel, der als Forderung ostdeutscher Bürgerrechtler 1989 an die Staatsführung der DDR gerichtet war, zeigen wir im Foyer des Großen Hauses zu Spielzeitbeginn eine Ausstellung mit ungewöhnlichen Perspektiven und Sichtachsen von Menschen und Architektur in Dessau und Region. Einige dieser Aufnahmen sehen Sie in diesem Buch, das Ihr Begleiter über die gesamte Spielzeit sein soll. Diese Bilder stellen Fragen, sind Bestandsaufnahme und Bekenntnis zugleich: Wo sind wir? Was sind die Geschichten der Menschen im Kontext der Geschichte der Stadt und der Region? Das Theater erforscht soziale Welten seiner Umgebung und ist Diskussionsort für die Themen der Gegenwart. Es ist kulturelles Zentrum für ästhetische Bildung und Wertevermittlung. Und es soll Sie, unser Publikum, neugierig machen, anregen und durch große künstlerische Leistungen begeistern. Ich möchte Sie nunmehr herzlich einladen zu unseren Aufführungen, den Lesungen, den Stückeinführungen und Nachbesprechungen, den Projekten im öffentlichen Raum und natürlich zu unserem großen Premierenwochenende Anfang Oktober, das die Programmatik unserer ersten Spielzeit komprimiert in sich trägt. Der Dreiklang WAGNER, LESSING, SCHLEEF widmet sich in LOHENGRIN, NATHAN und ABSCHLUSSFEIER den deutschen Themen, in all ihren Brüchen und ihrer Widersprüchlichkeit zwischen Frageverbot und Ringparabel. Heute. Wir freuen uns auf Sie.
Mit herzlichem Gruß
Ihr
André Bücker
Generalintendant
